Zum dritten Mal in Folge geht der FCZ nach einem Tor aus dem Hohen Pressing oder Gegenpressing mit 1:0 in Führung. Die Zürcher überliessen zu Beginn Luzern den Ball und praktizierten das bisher stärkste Pressing dieser Saison, noch stärker als beim Auswärtsspiel in Basel (mit einer der zwei bisherigen Vorrundenniederlagen). Vorausgegangen waren dem Treffer zügige Kombinationen mit zwei Seitenwechseln der Zürcher. Dies nachdem der FCZ zuvor über Wochen kaum mehr solche Treffer erzielt hatte.

Den Assist zum 1:0-Führungstreffer gegen den FC Luzern erhält bei Züri Live Nikola Boranijasevic gutgeschrieben. Dies obwohl er als Viertletzter am Ball war. Sein Zuspiel auf der rechten Seite versuchte Tosin erfolglos als Steilpass für Marchesano weiterzuleiten und erlief dann höchstselbst den verunglückten Querpass in den eigenen Strafraum des Luzerners David Domgjoni. Der Grund sind die Regeln, die bei der Bestimmung von Assists, Pre-Assists, Vorlagen und Pre-Vorlagen bei Züri Live seit langer Zeit angewendet werden. 
1. Die Vorlagenkette wird nur unterbrochen, wenn der Gegner mehr als eine Ballberührung hintereinander hat (egal ob durch einen oder mehrere Spieler). Eine einzelne Ballberührung gilt nicht als Ballkontrolle des Gegners. Daher zählt die FCZ-Passfolge vor dieser Ber¨ührung als Assist und Pre-Assists. 
2. Pro Tor oder Torchance wird jeder beteiligte Spieler nur einmal gezählt. Torschütze Tosin wird also nicht auch noch zusätzlich ein Assist gutgeschrieben, sondern dem Spieler vor ihm in der Vorlagenkette (Boranijasevic). Dies unter anderem, um die Anzahl Torbeteiligungen und Chancenbeteiligungen korrekt eruieren zu können. 
3. Bei direkt abgeschlossenen Penaltys und Freistössen wird die Vorlagenkette zur Entstehung des Penaltys oder des Freistosses berücksichtigt -  bei direkt abgeschlossenen Cornern oder indirekt abgeschlossenen Standards nicht. 

Chieffo macht den Tramezzani – mit komplett anderer Wirkung

Wie in der Vorschau beschrieben traf im Letzigrund ein bezüglich Personal und Grundformation eingespieltes Team auf einen Gegner mit vielen Veränderungen. Der neue Trainer Sandro Chieffo versuchte es im Vergleich zu seiner Auftaktniederlage gegen Basel mit weiteren personellen und taktischen Wechseln. Er passte das System dem Gegner an. Ein Vorgehen, welches Sion-Coach Tramezzani mit seinem Team zuletzt durchaus erfolgreich umgesetzt hatte, um seine Mannschaft zu stabilisieren. In Luzern scheint dieselbe Methode hingegen vor allem das eigene Team zu verwirren.

Luzern fehlen Automatismen / FCZ lässt nicht locker

Beim Aufbau hinten heraus fand die Luzerner Hintermannschaft die üblichen Anspielstationen auf den Flügeln nicht mehr. Nicht nur aus taktischen Gründen, sondern auch weil aus der Verunsicherung heraus mehrere Spieler beim FCL sich nicht exponieren wollten und im Zweifelsfall versteckten. Gleichzeitig versuchte der neu reingekommene Lorik Emini als alleiniger Sechser das Spiel an sich zu reissen. Er und Holger Badstuber standen sich mehrmals im Spielaufbau gegenseitig im Weg. Kosovo-Verteidiger David Domgjoni spielte beim 1:0 des FCZ Tosin den Ball in die Füsse. Der Nigerianer feierte sein Startelfdébut nach langer Verletzungspause und einer Reihe von gelungenen Joker-Einsätzen mit der frühen Führung.

Tosin an allen vier Toren beteiligt / Marchesano wieder „der Alte“

Domgjoni muss auch das 3:0 durch seinen Gegenspieler und Nationalteamkonkurrenten Mirlind Kryeziu auf seine Kappe nehmen. Tosin ist auch an diesem Treffer und damit an allen vier Zürcher Toren entscheidend beteiligt, denn er ist der Mann, der Domgjoni ohne eine Obstruktion zu begehen den Weg versperrt, wodurch Kryeziu entwischen kann. Auch nach diesem 3:0 in der 20. Minute liess das Team von Trainer Breitenreiter dem Gegner kaum Möglichkeiten zum Verschnaufen und eroberte weiterhin Bälle durch Pressing hoch in des Gegners Hälfte. FCZ-Angriffe durch die Mitte waren am gefährlichsten. Die frühe Auswechslung gegen YB (wenn auch wegen Gelb-Rot Gefährdung) könnte für Antonio Marchesano ein kleiner Weckruf gewesen sein. Gegen Luzern war der Tessiner nach einer zwischenzeitlichen kleinen persönlichen Baisse wieder überragend wie zu Beginn der Saison!

Kein Super League-Fussball mehr in 2. Halbzeit

Luzern kam durchaus zu seinen Chancen. Yanick Brecher stand bei einem Weitschuss von Filip Ugrinic in der 7. Minute falsch und rettete dafür in der 34. Minute gegen Marvin Schulz, als der FCZ erstmals ungenügend in die Defensive umgeschaltet hatte und zusätzlich für einmal Kryeziu und Aliti im eigenen Strafraum indisponiert waren. In der Zweiten Halbzeit gab sich Luzern dann zunehmend auf. In der Pause hatte Trainer Chieffo mit seinen Wechseln die Defensive gestärkt. Das sah dann in den zweiten 45 Minuten nicht mehr wirklich nach Super League-Fussball aus. Etliche Spieler konnten sich ohne allzu viel Gegenwehr durch die gegnerischen Reihen durchdribbeln. Trotz in dieser Phase FCZ-Konterchancen im Minutentakt stand es am Ende in der Expected Goals-Statistik nur 3:1 für den FC Zürich.

Telegramm

FCZ – Luzern 4:0 (3:0)
Tor: 2. Tosin (Boranijasevic) 1:0, 12. Marchesano (Tosin) 2:0, 20. Kryeziu (Guerrero) 3:0; 57. Tosin (Ceesay) 4:0.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (78. Rohner), Dzemaili (88. Kamberi), Doumbia (78. Seiler), Guerrero; Marchesano; Ceesay (59. Kramer), Tosin (59. Gnonto).
Luzern – Müller; Burch, Badstuber, Domgjoni (46. Grether); Schulz, Emini (62. Tasar), Frydek; Gentner (79. Rupp), Ugrinic; Sorgic (46. Ndenge), Ndiayé (67. Cumic).

Im Letzigrund treffen heute eine Mannschaft, welche sich in den letzten Wochen und Monaten einspielen konnte auf eine mit zuletzt relativ vielen Wechseln in den Startaufstellungen und an der Seitenlinie: siehe Match-Vorschau.

Beim FCZ darf heute der in den letzten Teileinsätzen überzeugende Tosin für Kramervon Beginn weg auflaufen.

Der FC Luzern stellt seine Mannschaft so wie es auf dem Matchblatt ausschaut erneut um. Wir lassen uns bezüglich taktischer Formation überrraschen – am wahrscheinlichsten ist eine Spiegelung des Zürcher 3-4-1-2.

Der FCZ hat mit einem eingespielten Stamm, Teamspirit und Effizienz zuletzt einige enge Partien auf seine Seite ziehen können. Der Unterschied zum nächsten Gegner Luzern besteht in dieser Saison bisher vor allem in den erzielten Toren, und diesbezüglich unter anderem der Beteiligung des treffsicheren, physisch und auch spielerisch stark verbesserten Assan Ceesay und den beiden Aussenläufern Adrian Guerrero und Nikola Boranijasevic auf Zürcher Seite. Diese Elemente fehlen Luzern. Der FCZ hat zudem eine aussergewöhnliche Quote an direkt verwandelten Freistössen mit drei verschiedenen Torschützen (Marchesano, Kryeziu, Coric). Zuletzt sind dank der Rückkehr von Blaz Kramer und Aiyegun Tosin aus dem Lazarett in der Vordermannschaft Alternativen für effektive Einwechslungen entstanden.

Dem FC Luzern fehlt es hingegen zur Zeit an Selbstvertrauen im Abschluss. Mit Sandro Chieffo ist neu ein Zürcher Cheftrainer bei den Innerschweizern. Seine taktischen (4-2-3-1) und personellen Umstellungen im ersten Spiel gegen Basel (1:3) standen unter dem Motto „Back to the roots“. Das Mittelfeld wird häufig mit langen, hohen Bällen überspielt und in der Angriffszone setzt man auf Wucht und schnelles Direktspiel – so wie man Luzern von früher her kennt. Seit dem FCZ-Wiederaufstieg waren die Duelle mit dem FCL insgesamt ungefähr ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für die Innerschweizer, die in drei von vier Saisons ein Punkteplus gegen den FCZ aufzuweisen hatten.

Chieffo brachte gegen den FCB den kosovarischen Nationalspieler David Domgjoni für die bisher grösste Luzerner Schwachstelle Badstuber erstmals von Beginn weg. Dazu standen Patrick Farkas und Varol Tasar auf der rechten Seite in der Startformation. Dem von Olympiakos ausgeliehenen Nikola Cumic gelang mit einem Lupfer in der Nachspielzeit sein erstes Super League-Tor. Defensiv ist das Team wie der Basel-Match gezeigt hat aber weiterhin anfällig auf Umschaltsituationen – so wie das der FCZ lange Zeit gewesen war. Ein unter dem Strich positives Element im Innerschweizer Team war bisher der 36-jährige Christian Gentner. Voraussichtlich kommt es im Letzigrund im Zentrum zum Direktvergleich mit dem 35-jährigen Blerim Dzemaili. Dabei treffen 430 Bundesligaspiele auf 280 Serie A-Partien.

Züri Live (mit Experte Urs Meier) überträgt die Partie live aus dem Letzigrund ab 17:55: www.zuerilive.ch

Was macht eigentlich Aliti? Wo ist Doumbia? Und womit beschäftigt sich zur Zeit Antonio Marchesano? Solche Fragen stellen sich während der detaillierten Nach-Analyse des dritten FCZ-Saisonsieges immer wieder. Man ist es sich von letzter Saison gewohnt, dass Aliti, Doumbia und Marchesano ständig im Zentrum des Geschehens stehen. Es waren diejenigen Spieler, welche als Feuerwehrmänner fortlaufend Lücken stopften, fehlende Laufarbeit von Mitspielern kompensierten und taktische oder technische Fehler ausbügeln mussten. Zum Saisonstart 21/22 ist alles anders. Die Spieler mit der zu geringen Laufleistung und unnötigen Fehlern sind grösstenteils nicht mehr da. Alle elf Mann auf dem Platz bringen das, was man in der Super League von ihnen erwarten kann. Die Last wird auf viel mehr Schultern verteilt. So fällt es kaum auf, dass Aliti bisher einen eher durchschnittlichen Saisonstart erwischt hat, Doumbia nach einer Stunde ausgewechselt wird und Marchesano zwischen seinen hervorragenden Offensivaktionen auch mal für zwei, drei Minuten nicht im Fokus steht.

Zehn Mann, die laufen – Marchesano mit hoher Standard-Effizienz

Zwar läuft Marchesano auch in Luzern viel, aber er befindet sich nicht mehr wie letzte Saison als Führungsspieler 70 bis 90 Minuten im mentalen Dauerstress. Das gewohnte Lamentieren in Richtung Mitspieler, wenn diese schon wieder das Kommando fürs Pressing verschlafen haben, fällt weg. So kann sich der Tessiner noch besser auf die entscheidenden Aktionen nach vorne fokussieren. In Luzern erzielt der FCZ drei Tore – alle nach Marchesano-Standards. Erst ein kurz gespielter Eckball auf Guerrero, den der Spanier ideal auf den Kopf von Mirlind Kryeziu zirkelt, welcher von Gegenspieler Holger Badstuber (nicht das einzige Mal) aus den Augen verloren worden ist. Dann ein stark von links aus dem Halbfeld an den entfernten Pfosten gezogener Freistoss, welcher Frydek zu einem penaltyreifen Foul an Omeragic verleitet. Und schliesslich der direkt verwandelte Freistoss, der eine so tückische Flugbahn nahm, dass Filip Ugrinic in der Mauer sich in die falsche Richtung bewegte und den Weg für den Ball frei machte.

Positiv wie sie sich bewegen und geduldig sind (Luzern – FCZ Kommentare)

Débutant Gogia defensiv noch ungenügend

Wie „aus dem Nichts“ ging Luzern in der 5. Minute nach einem zu riskanten Zweikampfverhalten Mirlind Kryezius gegen Ugrinic in Führung. Gegen Ende der Partie passierte übrigens Fidan Aliti gegen den eingewechselten Lorik Emini dasselbe noch einmal. Der FCZ reagierte aber mit Ruhe und Geduld und hatte dann im zweiten Viertel der Partie seine bisher beste Phase der noch jungen Saison. Auch nach der Pause und der 2:1-Führung kam das Breitenreiter-Team zu einigen sehr guten Torchancen, um das Skore frühzeitig auszubauen. Erst im letzten Viertel der Partie baute man ein bisschen ab, teilweise aufgrund der etwas nachlassenden Kraft und Konzentration, teilweise weil nicht alle Einwechselspieler das Niveau der Startelf weiterziehen konnten. Dies betrifft im Speziellen den Débutanten Akaki „Andy“ Gogia. Dem in Georgien geborenen Deutschen Offensivspieler war das halbe Jahr ohne Wettbewerbseinsätze in Berlin anzumerken. Neben Ungenauigkeiten, falschen Einschätzungen und Stockfehlern mit Ball (einmal direkt vor dem eigenen Strafraum), ist vor allem das Spiel ohne Ball noch stark ungenügend. Nach der Umstellung Breitenreiters auf ein 5-4-1 ab der 76. Minute unterstützt Gogia seinen Hintermann Guerrero auf der linken Seite deutlich zu wenig.

Gute taktische Umstellungen von Celestini – aber es reicht für Luzern trotzdem nicht

Sowohl Luzern-Coach Fabio Celestini wie auch André Breitenreiter hatten taktisch eine Änderung vorgenommen. Luzern spielte erstmals in dieser Saison gegen eine Dreierabwehr und stellte dementsprechend vom üblichen 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 um, mit der Möglichkeit ein Hohes Pressing aufzuziehen, aus welchem sich der FCZ aber von Anfang an gut herauslösen konnte. Dies obwohl Luzern diesmal taktisch viel besser eingestellt war, als noch in St. Gallen. Christian Gentner bereitete dem FCZ am meisten Probleme. Mit seinen Laufwegen vermochte er ab und zu Löcher im Zürcher Defensivverbund aufzureissen. Filip Ugrinic war ebenfalls viel unterwegs, aber abgesehen von seinem Tor nicht mit der aus Luzerner Sicht gewünschten Effektivität. Marco Burch hatte mit einem mediokren Holger Badstuber neben sich in der Innenverteidigung alle Hände voll zu tun und arbeitete für anderthalb. Der 20-jährige wirkte wie ein Routinier, der einen unerfahrenen Jungspund neben sich führen muss. Ausserdem vermisste Luzern den verletzten Torhüter Marius Müller sowie den gesperrten Marvin Schulz.

Krasniqi findet über den Kampf ins Spiel

Der FCZ seinerseits nimmt von einer soliden Basis ausgehend Schritt für Schritt. Er hat in Lugano sehr tief stehend und mit minimem Ballbesitz begonnen und steht nun von Spiel zu Spiel etwas höher und steigert seinen Ballbesitz – auch wenn das Zürcher Spiel weiterhin hauptsächlich auf schnelle Konter ausgelegt ist. Da Luzern im Gegensatz zu Lugano und Lausanne mit zwei Sechsern spielt, reagierte Breitenreiter, indem er Bledian Krasniqi auf die Achterposition vorzog. Mit nun einem Sechser (Doumbia gegen Ugrinic) und zwei Achtern (Marchesano gegen Wehrmann, Krasniqi gegen Gentner) ergab sich so an Stelle eines 3-4-1-2 ein 3-3-2-2. Bledian Krasniqi steigerte sich in seinem dritten Super League-Einsatz im Vergleich zum Lausanne-Spiel nochmal deutlich. Auch wenn ihm schon bei seinem Einsatz in der Europa League in Napoli eine gute Leistung gelang, vermochte er in Luzern erstmals sein Potential auf Super League-Niveau umzusetzen. Dies vor allem auch, weil er in der Anfangsphase dank zwei, drei starken Balleroberungen gut ins Spiel fand. Selten war die Umschreibung „über den Kampf ins Spiel finden“ zutreffender. Unter anderem auch deshalb liess Breitenreiter den 20-jährigen bis in die Nachspielzeit hinein im Spiel und nahm Doumbia bei der Einwechslung von Hornschuh raus.

Telegramm

Luzern – FC Zürich 1:3 (1:2)
Tore: 5. Ugrinic (Tasar) 1:0, 35. Kryeziu (Guerrero) 1:1, 44. Kramer (Penalty-Nachschuss, Omeragic) 1:2; 75. Marchesano (Freistoss, Boranijasevic) 1:3.
Luzern – Vasic; Farkas (80. Sidler), Burch, Badstuber (55. Domgjoni), Frydek; Gentner, Wehrmann (55. Emini); Tasar (55. Alounga), Ugrinic, Ndiayé; Sorgic (80. Rupp).
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic, Doumbia (61. Hornschuh), Guerrero; Marchesano (76. Rohner), Krasniqi (90.+1 Seiler); Ceesay (90.+1 Gnonto), Kramer (61. Gogia).

Kryeziu macht endlich sein Kopfball-Tor (Luzern – FCZ Highlights)

Der FCZ tritt in Luzern mit der erfolgreichen Formation des Lausanne-Spiels an. Von den kürzlichen Neuverpflichtungen ist Akaki Gogia erneut und Moritz Leitner noch nicht im Aufgebot. Neben Koide, Tosin, Dzemaili und Khelifi wird auch Wallner als verletzt gemeldet. Kamberi, Janjicic und Britto sind nicht im Aufgebot.

Beim FC Luzern beginnen beide bekannten Neuverpflichtungen aus Deutschland in der Startformation: Badstuber und Gentner. Ex GC-Keeper Vaso Vasic steht erneut zwischen den Pfosten, da Marius Müller immer noch verletzt ist. Marvin Schulz ist nach seiner Roten Karte in St. Gallen gesperrt. Das Offensivtalent Noah Rupp (Spielertyp: Arjen Robben) sitzt erstmals auf der Ersatzbank.

Tabellensituation: für FCZ-Anhänger in 20/21 ein Déjà Vu. Wie immer seit dem Wiederaufstieg konnte man sich erst gegen Ende der Saison aus der Abstiegsgefahr retten. Alles wie gehabt? Nein, denn bezüglich Jugendförderung in der 1. Mannschaft hat der FCZ gleichzeitig einen brutalen Absturz erlebt. In der Magnin-Ära hatte man sich kontinuierlich wie schon zu Favre-Zeiten oder zu Beginn der Meier-Periode zum grössten Jugendförderer der Liga entwickelt. In der Saison «danach» fällt der Stadtclub nun aber auch in dieser Wertung abrupt zurück ins biedere «abstiegsgefährdete» Mittelfeld.  

Langzeitbetrachtung der „Big6“ seit der Saison 10/11

Dies ergibt das Update der im letzten Oktober gestarteten Auswertung der Einsatzminuten von U21-Spielern von Züri Live. Der Fokus liegt dabei auf der Langzeitbetrachtung seit der Saison 10/11 und den «Big6» des Schweizer Fussballs: GC, Basel, Servette, YB, FCZ und Lausanne-Sport. Diese sechs Klubs stammen aus den fünf grössten Städten der Schweiz (logischerweise zwei davon aus Zürich, welches doppelt so gross ist wie die zweitgrösste Stadt Genf) mit dem grössten Einzugsgebiet für Zuschauer und Talenten. Diese Klubs haben nicht nur in der obersten Liga am meisten Erfolge gefeiert, sondern über die Jahrzehnte hinweg auch am meisten Talente für die Schweizer Nationalmannschaften entwickelt. Die anderen Super League-Klubs werden in der Betrachtung der aktuellen Saison allerdings mit einbezogen. Gemessen wird einerseits die Gesamtzahl der Einsatzminuten aller U21-Spieler und andererseits der U21-Spieler, welche aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Als U21-Spieler werden nach UEFA-Standard für die Saison 20/21 Fussballer mit Jahrgang 1999 und jünger bezeichnet. «Eigene Junioren» werden hier definiert als Talente, die mindestens in einem Juniorenteam des gleichen Vereins (bis und mit U18) gespielt haben.

Ist Massimo Rizzo kein Jugendförderer?

Nur weil ein Trainer in der Vergangenheit im Juniorenbereich aktiv war, heisst das noch lange nicht, dass er auch bei den Profis auf den Nachwuchs setzt. So tendiert beispielsweise der ehemalige FCZ-Nachwuchstrainer Urs Fischer eher dazu, auf Erfahrung zu setzen. Gilt dies also ebenso für Massimo Rizzo? Dies kann man nicht abschliessend beurteilen. Wenn Daten über mehrere Saisons vorliegen, sind klare Aussagen möglich. In einer einzelnen Saison können hingegen auch Sonderfaktoren wie Verletzungen oder schlechte Jahrgänge eine Rolle spielen. Oder wie beim FCZ, dass die viel eingesetzten Domgjoni, Rohner (und Tosin) als 98-er Jahrgang auf die Saison 20/21 hin aus der U21-Wertung herausgefallen sind. Die Frage stellt sich trotzdem, warum zuletzt zu wenig (gute) Talente aus dem Nachwuchs nachrücken konnten.  

Bei Peter Zeidler kriegt jeder seine Chance

Würde der FCZ die Jungen so forcieren, wie aktuell St. Gallen, dann wären auf jeden Fall sehr viel mehr aus dem eigenen Nachwuchs zum Einsatz gekommen. Die Ostschweizer stehen diese Saison an der Spitze der Juniorenförderungsrangliste mit dem Einsatz von nicht weniger als 14 U21-Spielern, davon neun aus dem eigenen Nachwuchs. Und dies obwohl die Ostschweizer immer noch eine deutlich kleinere Anzahl an Spitzentalenten hervorbringen, als der FCZ und alle anderen Klubs der «Big6». Peter Zeidler setzte wirklich jeden ein, der auch nur im Entferntesten ein gewisses Potential für den Profibereich mitbringt.

GC und Lausanne bisher deutlich besser als ihr Ruf

Die beiden Klubs mit ausländischen Besitzern, GC und Lausanne, werden mit dem Vorurteil oder der Befürchtung verbunden, sich zu wenig um die Nachwuchsentwicklung zu kümmern. Genau das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein. Fosun-GC und Ineos-Lausanne Sport stehen an der Spitze bei der Anzahl eingesetzter U21-Spieler. Und: sogar bezüglich der Einsatzminuten von Junioren aus dem eigenen Nachwuchs liegt GC 20/21 an dritter und Lausanne an vierter Position der elf untersuchten Teams (Super League plus Aufsteiger) – auch wenn dieser Indikator sowohl bei Lausanne wie auch bei GC in der letzten Saison gesunken ist. Bei den Hoppers waren es 20/21 vor allem Petar Pusic, Fabio Fehr, Giotto Morandi und Robin Kalem, die forciert wurden – bei Lausanne Gabriel Barès, Marc Tsoungui, Isaac Schmidt oder Josias Lukembila. Die Top 4 in beiden Wertungen mit GC, Lausanne und St. Gallen wird komplettiert durch den FC Luzern mit Ugrinic, Burch, Emini… Der FCL hat zuletzt ein, zwei sehr gute Jahrgänge hervorgebracht. Ob sich die Innerschweizer im Jugendbereich dauerhaft auf diesem hohen Niveau werden halten können, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.  

Serienmeister YB Schlusslicht in der Juniorenförderung,…

Schlusslicht bezüglich Einsatzminuten und Anzahl eingesetzter junger Spieler ist YB. Der Erfolg wirft in einer oberflächlichen Betrachtung seinen Glanz auf alle Aspekte und Elemente in einem Verein. So erhält man beim Konsumieren der deutschschweizer Sportmedien den Eindruck, YB sei der grosse Juniorenförderer – diese Saison vor allem mit Stories über den Debütanten Fabian Rieder. Komplett unter geht dabei, dass bei den Bernern 20/21 neben Rieder mit Felix Mambimbi nur ein einziger weiterer U21-Spieler regelmässig zu Liga-Einsätzen kam. Nico Maier und Joshua Neuenschwander hatten auch noch ein bisschen Einsatzzeit. Insgesamt ganze vier Spieler in einer Saison! Trotz souveräner Führung in der Tabelle. Selbst Lugano oder Vaduz setzten mehr junge Spieler ein und gaben ihnen auch mehr Spielzeit. Bei den gegen den Abstieg kämpfenden Liechtensteinern konnten sich sechs junge Spieler in der Super League-Saison beweisen, bei Lugano neun, beim bezüglich Juniorenförderung stark unterschätzten Sion gar zehn. Und dies ist kein Zufall oder ein Ausnahmejahr. Seit Christoph Spycher als Sportchef übernommen hat, rasselte die unter Vorgänger Fredy Bickel vorbildliche Integration des eigenen Nachwuchses in der 1. Mannschaft in den Keller. Und dies obwohl parallel die Juniorenteams der YB Academy unter Ernst Graf als zuständigem Verwaltungsrat immer erfolgreicher wurden.

…und gleichzeitig in der Ausbildung mittlerweile mit an der Spitze

In den beiden wichtigsten Juniorenkategorien (U18 und U16) stand YB am Ende der Saison 20/21 an der Spitze – und die Reserve-Mannschaft (U21) stieg in die Promotion League auf. Sie komplettiert nun also das maximal erlaubte Quartett an U21-Teams auf dieser Stufe mit dem FCB, FCZ und Sion. Nur wenn einer dieser vier absteigt, darf ab jetzt ein anderes U21-Team aufsteigen. Nachdem YB II in den letzten Jahren den Aufstieg jeweils knapp (unter anderem in den Playoffs) verpasst hatte, klappte es nun in einer verkürzten Saison mit einem kurzfristig angepassten Modus ohne Playoffs, in welcher am Ende die U21-Teams gegenüber den Amateurteams klar bevorteilt waren, weil sie in einer kurzfristig organisierten U21-Runde in der COVID-Pause im Spielrhythmus hatten bleiben können.

Mancher Super League-Trainer nähme einzelne YB U21-Spieler mit Handkuss

In jedem anderen Super League-Klub wären einige Spieler aus der YB U21 bereits vor Monaten zu ihren ersten Einsätzen im Profibereich gekommen. Peter Zeidler hätte gar die halbe Mannschaft bei sich integriert. Denn diese Jungs sind im Schnitt talentierter, als diejenigen, welche der Deutsche Coach aus dem Ostschweizer Nachwuchs (von einzelnen Ausnahmen wie Alessio Besio abgesehen) zur Verfügung hat. Ein Kwadwo Duah, Linus Obexer, Elia Alessandrini, Léo Seydoux, Yannick Touré, Samuel Kasongo oder Breston Malula hätten unter einem Sportchef und Kaderplaner wie Fredy Bickel in den letzten Jahren sicherlich gute bis sehr gute Chancen auf einen Stammplatz in der Super League-Mannschaft von YB gehabt. Und beispielsweise ein Shkelqim Vladi, Jonathan De Donno, Mischa Eberhard, Benjamin Kabeya oder Markus Wenger aus dem aktuellen U21-Team würden fest zum Kader gehören. Sie mussten / wollten sich nun aber alle anderweitig orientieren, oder werden erst mal wieder ausgeliehen.

FCB: abrupter Kurswechsel mitten in der Ära Burgener

Beim FC Basel wurde in den ersten zwei Jahren der Ära Burgener der eigene Anspruch des stärkeren Einbaus von eigenen Junioren voll erfüllt, die Kurve stieg steil an und bereits in der Saison 18/19 war der FCB unter den «Big6» diesbezüglich auf der Spitzenposition. Die letzten zwei Saison zeigte der Trend dann aber wieder klar in die entgegengesetzte Richtung. Die Einsatzminuten eigener Junioren nahmen trotz gleichzeitigem Sparkurs wieder stark ab. Ganz allgemein ist erstaunlich, dass trotz COVID-Zeiten und knapper Budgets mehrere Klubs in der Saison 20/21 deutlich weniger eigene Junioren eingesetzt haben, als in den Saisons davor. Von den sechs grossen Schweizer Vereinen hatten nur Servette und YB eine leichte Steigerung zu verzeichnen – allerdings beide von einem sehr tiefen Niveau ausgehend. Bei den Genfern lässt sich ein ähnlicher Trend wie bei den Bernern feststellen. Mit der Übernahme des Vereins durch Kreise um die Hans Wilsdorf Stiftung kehrte Ruhe in den Verein ein, man baute Stück für Stück eine erfolgreiche Mannschaft auf – und die Juniorenförderung in der 1. Mannschaft ging gleichzeitig den Bach runter.

Ist André Breitenreiter ein Jugendförderer?

Stand heute beschränkt sich das Kontingent an U21-Spielern aus dem eigenen Nachwuchs im Kader der kommenden Saison beim FCZ auf Bledian Krasniqi, Stephan Seiler, Henri Koide, Nils Reichmuth, Silvan Wallner und dem Dritten Goalie Gianni De Nitti. Kommt noch ein Kedus Haile-Selassie hinzu? Lenny Janko? Oder gar ein Fabian Gloor? Der neue Trainer André Breitenreiter betreute mit Hannover und Paderborn die ältesten Teams ihrer damaligen Ligen. Dazwischen hatte er bei Schalke eine Saison lang ein junges und unfassbar talentiertes Team aus der «Knappenschmiede» zur Verfügung. Leon Goretzka (damals 20), Leroy Sané (19) oder Max Meyer (19) spielten regelmässig, während Thilo Kehrer (18) und Alexander Nübel (18) unter Breitenreiter in der Liga nicht zum Einsatz kamen. Kann er das Ruder in Richtung stärkerer Jugendförderung beim FCZ wie zu Favres oder Magnins Zeiten wieder herumreissen? Denn über das letzte Jahrzehnt betrachtet liegt der FCZ unter den „Big6“ immer noch klar an der Spitze bezüglich Einsatzminuten und Anteil von U21-Spielern aus dem eigenen Nachwuchs.

Gegen YB hat der Letzigrundclub eine weitere Chance verpasst, gegen einen schlecht auftretenden Gegner wichtige Punkte zu holen. Der FCZ ist zudem nach dem 1:0-Heimsieg St. Gallens gegen Vaduz nun auch punktemässig das schlechteste Super League-Team des Jahres 2021. Dies bei einer mittlerweile guten Personalsituation. Massimo Rizzo kann beinahe aus dem vollen schöpfen. Der ehemalige Luzerner Hekuran Kryeziu erhält nach seinen Fehlern gegen YB eine Pause und wird durch Becir Omeragic ersetzt. Zudem kommt Antonio Marchesano auf der Zehnerposition für den anderen „Toni“ in die Mannschaft. Dieser beginnt ebenfalls als Ersatzspieler, genauso wie der zuletzt angeschlagene Marco Schönbächler. Aufgrund von Schönbis Rückkehr spielte Gnonto gestern mit der U21 bei Black Stars (1:2-Niederlage).

In Luzern erwartet die Zürcher ein Spiel, das mit ziemlicher Sicherheit über die Mentalität entschieden wird – und in diesem Bereich hatten die Innerschweizer in den letzten Jahren und auch in der aktuellen Saison meistens Vorteile gegenüber dem Stadtclub. Fabio Celestini hat sein Team in den letzten Spielen personell und taktisch unterschiedlich eingestellt. Nach einer vorgängigen Pechsträhne gab es für die Innerschweizer zuletzt in St. Gallen einen etwas glücklichen Punkt und einen späten, aber verdienten 1:0-Siegtreffer gegen Lausanne-Sport. Gegen den FCZ gibt es hingegen keine wesentlichen Änderungen im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen Lausanne vor vier Tage an gleicher Stätte. Einzig Simon Grether wird auf der Rechtsverteidigerposition von Routinier Christian Schwegler, der Ende Saison seine Karriere beendet, ersetzt.

Spiel, Gegner und Taktik

Luzern geht im Letzigrund so schnell wie noch nie in der Klubgeschichte der Super League-Ära mit zwei Toren in Front – fünf Minuten und 17 Sekunden. Die Trikots der Innerschweizer sind zwar nicht „königsblau“, sondern eher „vierwaldstätterseeblau“, sie schienen aber trotzdem als Hommage an die Historie eines sich im sportlichen Niedergang befindlichen westfälischen Traditionsvereines den Luzerner Kreisel zu praktizieren und zwar speziell intensiv in der Vorbereitung der beiden Tore auf der linken Angriffsseite ausserhalb des Strafraumes in einem Rechteck von etwa 35 x 15 Metern. Beide Spielzüge, die zu den Toren führten, waren geplant, mit Sorgic und Ugrinic als jeweilige Finisher im Strafraum (das zweite Tor wurde schlussendlich von Schaub erzielt, da Ugrinics Abschluss geblockt wurde). Dazu kam jeweils eine grosse Präsenz im FCZ-Strafraum, auch bei Eckbällen, wo bis zu sieben Luzerner Angreifer gedeckt werden mussten. Beim FCZ waren wie schon in Genf bei gegnerischen Standards Kryeziu, Ceesay, Wallner, Omeragic und Co. mehrmals nicht Herr der Lage, aber diesmal konnte der Gegner nicht davon profitieren.

Vier Luzerner kreiseln auf der linken Seite gegen drei Zürcher in der Vorbereitung des 0:1 durch Dejan Sorgic in der 4. Minute.

Luzern spielt generell gerne über die linke Seite. Gegen den FC Zürich rechnete sich das Team von Fabio Celestini (wie sich zeigte zurecht) gegen das Duo Wallner / Rohner dabei aber speziell viel aus. Die beiden jungen Zürcher kriegten gegen in den Anfangsminuten intensiv „kreiselnde“ Gäste keinen Zugriff. Danach half neben Hekuran Kryeziu auch noch Stürmer Blaz Kramer auf rechts aus, um wieder numerischen Gleichstand gegen meist vier Luzerner herzustellen, womit die Seite etwas stabiler wurde. Vergleicht man den FCZ mit dem ebenfalls im 4-2-3-1 gegen das Luzerner 4-4-2 zu Hause spielende Basel, so fällt ins Auge, dass Jasper Van der Werff deutlich mehr Präsenz und Aggressivität zeigte, als Silvan Wallner. Ausserdem verschob sich die Viererabwehrkette der Basler stärker zur Seite, als die in die Breite gezogenen Zürcher, von Cabral war von Anfang an mehr Unterstützung vorhanden als von Kramer und der FCB spielte generell zu Beginn ein Hohes Pressing und brachte Luzern in der Angriffsauslösung stärker in Bedrängnis. So kam Luzern über die linke Seite, obwohl sie es versuchten, zu Spielbeginn im St. Jakob Park nicht ins „kreiseln“.

„FCZ im Hamsterrad“: Matchkommentare

Zur Pause nahm FCZ-Trainer Massimo Rizzo mehrere starke Retouchen vor. Die Formation wurde auf ein 4-3-3 umgestellt und die Zürcher betrieben während der gesamten Zweiten Halbzeit ein Hohes Pressing, aus welchem nach einem Ballgewinn von Ousmane Doumbia dann auch der Anschlusstreffer Antonio Marchesanos entstand. Mutig und ungewöhnlich, aber aufgrund des Zweitorerückstandes durchaus gerechtfertigt, pressten die beiden Achter Marchesano und Hekuran Kryeziu gegen die beiden Luzerner Innenverteidiger während Mittelstürmer Kramer sich Torhüter Müller vornahm, der Sechser Ousmane Doumbia rückte dabei als „Staubsauger“ dahinter ebenfalls weit auf. Das Mittelfeldtrio verschob sich auch seitlich jeweils stark. Der FCZ wurde so im zweiten Durchgang genauso dominierend, wie Luzern noch in den ersten 45 Minuten gewesen war. Kramer, Khelifi, Gnonto oder Ceesay hatten den aufgrund der Zweiten Halbzeit verdienten Ausgleich noch auf dem Fuss, reüssierten aber nicht.

Personalien

Yanick Brecher (4) – Trägt zum Fehlstart in die Partie seinen Teil bei. Seine Bälle hinten heraus kommen zu Beginn ungenau, was Luzern ausnutzt. Beim 0:2 dreht er sich vor dem Nachschuss Schaubs unnötigerweise um die eigenen Achse.

Silvan Wallner (2) – Einmal eine gute Kopfballverlängerung für Rohner in die Tiefe, aber ansonsten sowohl im Zweikampfverhalten wie auch im Passspiel und selbst bei Einwürfen ungenügend.

Becir Omeragic (3) – Seine Leistungen und Züri Live-Noten bewegen sich im klassischen Zickzack-Kurs – jedes zweite Spiel Note „7“, dazwischen jeweils eine „3“ oder „4“. Agiert in dieser Partie häufig kopflos, hat Ballverluste in gefährlichen Zonen.

Hekuran Kryeziu (6) – Beginnt die Partie als einer der wenigen FCZ-ler gut. Einige wichtige Ballgewinne gegen seinen Stammklub, initiativ im Pressing, spielt vorteilhafte lange Bälle mit Zug. Negativ: verschätzt sich in zwei, drei Situationen.

Ousmane Doumbia (5) – Zu wenig griffig in den Zweikämpfen, kommt im Pressing zu spät, keine „Wand“ im Mittelfeld wie an guten Tagen. Vermeidet eine ungenügende Note mit einer vor allem offensiv starken Schlussviertelstunde.

Fabian Rohner (3) – Nur Blaz Kramer kommt auf Zürcher Seite zu mehr Torchancen, aber insgesamt misslingt „Turbo Fabian“ die Mehrheit seiner Aktionen. Ist zusammen mit Silvan Wallner Teil der rechten Zürcher Seite, die von Luzern als Schwachpunkt ausgemacht und gezielt bespielt sowie mehrmals überspielt wird, fällt vor dem 0:1 die falsche Entscheidung.

Antonio Marchesano (5) – Wirkt lange Zeit mental etwas müde. Kommt mit der Einwechslung von Seiler als Unterstützung im Mittelfeld dann aber deutlich besser in die Partie und erzielt erneut ein Tor.

Wilfried Gnonto (6) – Nach zwei Tiefstnoten hintereinander wieder mal eine genügend bis gute Züri Live-Note. Kommt nach einer Stunde rein, hat seine erste gute Aktion aber erst in der 79. Minute. Dies ist dann aber gleich ein tolles Assist zum 1:2 von Antonio Marchesano und ab da läuft es dem jungen Italiener besser.

Stephan Seiler (10) – Bringt sofort nach seiner Einwechslung mehr Struktur und Spielintelligenz ins Zürcher Aufbauspiel, geht vorne aggressiv ins Forechecking und erobert Bälle. Mit Seiler geht nach dem Kurswechsel zur Pause nochmal ein zweiter Ruck durch die Mannschaft.

Trivia

Der Tscheche Martin Frydek spielt gerne im Letzigrund. So liefert der Linksverteidiger die Vorlage zum 0:1 und gewann damit in der fünften Begegnung mit dem FC Zürich zum dritten Mal mit 2:1 (zwei Mal mit Slovan Liberec, ein Mal mit Luzern), wobei er in allen drei Fällen einen Skorerpunkt beisteuerte.

72. Minute: Nathan holt sich mit grossem Kampfgeist in der gegnerischen Hälfte den Ball zum zweiten Mal hintereinander ohne ein Foul zu begehen von Silvan Sidler zurück. Ref Alain Bieri gibt ungerechtfertigterweise Freistoss und Gelb gegen Nathan. Antonio Marchesano und Wilfried Gnonto können die Entscheidung von Bieri nicht verstehen, Gnonto breitet die Arme aus und sagt vermutlich etwas nicht Astreines. Nathan ärgert sich extrem über Gnonto und staucht diesen zusammen. Bieri, wohl in der Meinung, Nathans Tirade hätte ihm gegolten, zeigt Nathan Gelb-Rot. Nach Protesten der Zürcher und Meinungsäusserungen von Luzern-Goalie Marius Müller sowie Bieris Assistenten nimmt dieser die zweite Gelbe Karte wieder zurück – Nathan darf auf dem Platz bleiben.

In der Schlussphase kam der FC Luzern so stark unter Druck, dass Filip Ugrinic in der Hektik um ein Haar im eigenen Strafraum ein Handspiel unterlief.
„Sterneis hat gesagt, es muss etwas passieren“: Match-Highlights

Telegramm

FC Zürich – Luzern 1:2 (1:1)
Tore: 4. Sorgic (Frydek) 0:1, 6. Schaub (Ugrinic) 0:2; 78. Marchesano (Gnonto) 1:2.
FCZ – Brecher; Wallner (86. Khelifi), Omeragic, Nathan, Aliti; H. Kryeziu (60. Seiler), Doumbia; Rohner (60. Gnonto), Marchesano, Ceesay; Kramer.
Luzern – Müller; Sidler, Knezevic, Burch (65. Lucas), Frydek; Tasar (63. Schürpf), Wehrmann (84. Emini), Ugrinic, Ndiayé (84. Alounga); Schaub, Sorgic.

(Standbilder: Blue)