Startspiel-Revanche gegen Rekordtrainer Tholot? / Sion – FCZ mit möglichen taktischen Formationen
In der 14. Runde trifft der FC Zürich auf seinen Kontrahenten vom ersten Spieltag gegen den er nach einer 2:0-Führung im Letzigrund noch mit 2:3 verloren hat. Es war ein rabenschwarzer Tag von Steven Zuber.
Hier geht’s zum Analyse-Artikel FCZ – Sion: *Routiniers mit Anfängerfehlern“
Trotz miserabler Bilanz ist auch in Sion Dreierabwehr möglich
In den vier Partien unter Dennis Hediger trat der FC Zürich bisher in vier verschiedenen Spielsystemen an: 3-4-3, 3-5-2, 4-3-3 und 4-2-4. Die Plus-/Minusbilanz mit Viererabwehr liegt dabei bei 5:0 Toren, bei Dreierabwehr bei 1:9 Toren! Eigentlich müsste daher klar sein wie der FCZ spielen sollte. Trotzdem ist es gut möglich, dass Dennis Hediger nach den Trainingseinheiten der Ligapause es weiterhin mit einem 3-5-2 (wie in der 1. Halbzeit gegen Luzern) oder einem 3-4-3 (wie zu Beginn beider Halbzeiten gegen YB sowie in Basel und gegen Lausanne-Sport) versuchen wird.

Im 4-3-3 und 4-2-4 ist die Mannschaft hingegen viel besser eingespielt und das System kommt auch Schlüsselspielern wie Reichmuth, Zuber, Markelo, Keny oder Phaeton entgegen. Wird zudem David Vujevic wieder von Beginn weg auflaufen? Für den gesperrten Milan Rodic wird vermutlich Junior Ligue beginnen. Dieser hat keine guten Erinnerungen an das Tourbillon.

Sion unter Rekordtrainer Didier Tholot eingespielt
Sion ist im Gegensatz zum FCZ ein Team, das sehr gut eingespielt iat. Die Mannschaft spielt nun schon bald zweieinhalb Jahre unter dem gleichen Trainer im gleichen System und mit der gleichen Stammelf. Dadurch stimmen die Abläufe und Automatismen. Sion-Trainer Didier Tholot ist über drei Jahrzehnte hinweg bereits zum vierten Mal in dieser Rolle bei den Wallisern engagiert. Und gemäss den Daten von transfermarkt.ch wird Tholot heute gegen den FC Zürich mit seinem 229. Wettbewerbsspiel neuer Sion-Rekordtrainer. Bisheriger Rekordhalter war Jean-Claude Donzé, der die Mannschaft einen grossen Teil der 80er-Jahre geprägt hatte.

Taktisch gibt es kaum Neuigkeiten zu berichten. Sion agiert im üblichen 4-2-3-1 mit Ballverteiler Kabacalman auf der Doppel-Sechs mit Baltazar oder Sow und den spielerisch starken Offensivakteuren wie Berdayes oder Bouchlarhem auf den Halbpositionen. Die geben damit die Aussenbahnen für die Stamm-Aussenverteidiger Lavanchy und Hefti frei. In der Zentralen Abwehr spielt häufig das Walliser Innenverteidigerduo Hajrizi / Kronig. Beide haben die Academy allerdings bei YB absolviert. Die grösste Neuigkeit ist wohl die zunehmend wichtige Rolle des U21-Nationalspielers Liam Chipperfield.
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Parallelwelten – Folg 11/25
FCZ unter Hediger wie Tag und Nacht: mit Viererabwehr 5:0, mit Dreierabwehr 1:9
Nach der späten Wende zum 3:2 gegen den FC Luzern feiert Dennis Hediger im vierten Spiel seinen ersten Sieg als Trainer der 1. Mannschaft. Letzte Saison hatte er mit dem jüngsten Team der Promotion League in einem ultraspannenden Finish mit einem Heimsieg gegen den FC Basel vor vielen Zuschauern im Utogrund mit der U21 den Klassenerhalt geschafft. Basel war als einzige der fünf U21-Equipen am letzten Spieltag nicht mehr im Abstiegskampf involviert gewesen. Die Parallele zwischen jener Partie und Hedigers erstem Super League-Sieg als Trainer gegen den FC Luzern im 400m entfernten Letzigrund heisst Miguel Reichmuth. Der vor zwei Wochen 22 Jahre alt gewordene Mittelfeldspieler war als Captain der U21 auf der 6er-Position im Frühling derjenige Spieler, der im Abstiegskampf am meisten die Differenz ausmachte. Ähnliches gilt nun auch für den Heimsieg gegen Luzern. Bei seinem Comeback beim Stand von 0:2 bekam das Zürcher Spiel mit seiner Einwechslung sofort mehr Struktur, Zielstrebigkeit, Ballsicherheit und Durchschlagskraft. Das FCZ-Spiel sah wieder so aus wie Anfangs Saison über weite Strecken gegen Sion und bis zum verletzungsbedingten Ausfall Reichmuths in Luzern.
Komplett neues System nach wenigen Trainings unter Hediger
Viele wissen nicht recht, was sie von diesem FCZ halten sollen. In den Analysen zu den letzten vier Spielen des FC Zürich wurde geschrieben und gesagt die Abwehr sei nicht sicher, oder es fehle teilweise die Durchschlagskraft im letzten Drittel. In Bezug auf die Wende gegen Luzern war von Seiten der Mannschaft von grosser Moral die Rede. Bei den Niederlagen in Basel und gegen Lausanne-Sport verortete Trainer Hediger nach einer jeweils tatsächlich ansprechenden 1. Halbzeit den Grund für den Abbau nach der Pause in der noch fehlenden Kondition, um seine Spielweise über 90 Minuten durchzuziehen. Betrachtet man die vier Partien hingegen durch die Brille der taktischen Formationen, ergibt sich ein klares Bild.
Hediger liess seine Mannschaft in vier verschiedenen Formationen auflaufen. Gleich in seiner ersten Partie nach wenigen Trainings führte er ein komplett neues System ein. Man trat gegen YB in einem adaptierten 3-4-3 an. Die beiden Aussenläufer Comenencia und Zuber liessen sich in der Defensiven Phase dabei weit zurückfallen, so dass es zu einem 5-2-3 wurde. Allerdings wurde Jahnoah Markelo als Manndecker von YB’s offensivem Linksverteidiger Jaouen Hadjam eingesetzt, so dass vorne nur Phaêton und Keny wirklich Teil der Formation waren. Markelo war (fast) immer dort wo Hadjam war und bewegte sich daher defensiv ausserhalb des Systems. Man kann dieses daher eher als 5-2-2(+) bezeichnen. In den ersten 18 Minuten wurde der FCZ gegen ein eigentlich verunsichertes YB so regelrecht zersaust.
Anpassungen gegen den FCB
Hediger erkannte das Problem und wechselte zu diesem Zeitpunkt die Taktik auf das gewohnte 4-3-3, welches man nun fast ein Jahr lang vorwiegend gespielt hat. Dadurch wurde wie durch Zauberhand alles sofort besser und bereits bis zur Pause vermochte der FC Zürich die Partie auf ein 2:1 zu drehen. Der grosse Fehler war dann aber, dass es Hediger trotz wenigen Trainings und den miserablen Erfahrungen der ersten 18 Minuten zu Beginn der 2. Halbzeit nochmal mit dem 3-4-3 versuchte. Das Ergebnis: das gleiche Chaos beim FCZ. Und YB dreht die Partie zurück auf 2:3. Gleich nach dem dritten Gegentor wurde das Experiment auch in der 2. Halbzeit abgebrochen. Von da an entwickelte man wieder zurück im 4-3-3 bis zum Ende der Partie viel Druck und hätte den Ausgleich verdient gehabt. Es reichte aber nur noch zu einem verschossenen Penalty von Juan José Perea.
In Basel und gegen Lausanne-Sport zog Hediger dann sein neues 3-4-3 durch. Die Aussenläufer standen dabei höher und wurden speziell auf der Linken Seite (Phaêton) von den Aussenstürmern unterstützt. Auf der linken Seite wurde dabei auch eine Rotation zwischen Linkem Innenverteidiger, Linkem Aussenläufer und halblinkem Mittelfeldspieler eingeführt. Ligue, Kamberi und Tsawa wechselten also in Basel jeweils bei kontrolliertem Aufbau der eigenen oder gegnerischen Mannschaft ihre Position, je nachdem ob man sich in der Offensiven oder Defensiven Phase befand – wobei man bei Umschaltsituationen jeweils die Position hielt. Nelson Palacio wurde zudem neu rechts in der Dreierabwehr eingesetzt.
FCZ dreht die Partie gegen Luzern auch wegen des Wechsels zurück aufs 4-3-3
Es ist ein intensiver Fussball und sowohl in Basel wie auch gegen Lausanne war der FCZ in der 1. Halbzeit die bessere Mannschaft. Nach der Pause baute man dann aber jeweils kräftemässig ab. In Basel kam man nach der Pause nur noch wenig aus der eigenen Platzhälfte heraus und gegen Lausanne war das Gegentor zum 1:2 eine typische Szene für die in jener Halbzeit zu geringe Power, um dem Sololauf des frischen Einwechselspielers und Dribbelkünstler Lekoueiry etwas entgegenzuhalten. In der Pressekonferenz nach dem Lausanne-Spiel kommunizierte Dennis Hediger dieses Problem auch gegen aussen. In dieser Partie war einiges an Pech hinzugekommen. Der Siegtreffer der Waadtländer war eigentlich Offside (VAR-Standbild wurde im falschen Moment angehalten) und der Kopfballaufsetzer Kenys könnte durchaus im vollen Umfang hinter der Linie gewesen sein (die gezeigten TV-Bilder geben keinen Aufschluss über diese Millimeterentscheidung).
Trotzdem: das Resultat nach zwei vollen Spielen plus 30 Minuten gegen YB im 3-4-3 ist ernüchternd: ein Gesamtskore von 1:7. Gegen Luzern begann Hediger dann wiederum in einem ganz anderen System, einem 3-5-2. Das Resultat: 0:2 nach 45 Minuten. Zur Pause dann wieder der Wechsel auf das gewohnte 4-3-3 – und sofort lief es wieder besser. In dieser Formation kam man vom 0:2 zum 2:2. In der Schlussphase wechselte Hediger mit Reverson noch einen weiteren Mittelstürmer ein, so dass man den Siegtreffer gegen einen im 5-3-1 verteidigenden dezimierten Gegner in einem 4-2-4 erzwingen konnte. Schon gegen YB switchte man in gewissen Phasen immer wieder vom 4-3-3 ins 4-2-4, wenn Steven Zuber von seiner Mittelfeldposition aus entweder zentral oder auf dem linken Flügel die Sturmreihe verbreiterte. Gegen Luzern wechselte Zuber zur Pause von der Linken Aussenläuferposition erst auf den Linken Flügel. Mit der Hereinnahme von Phaêton verschob sich Zuber auf die linke 8er-Position.
Spiel ohne Flügel auch aufgrund von Krankheitsfällen
Ausgerechnet der Holländer Ricardo Moniz experimentierte letzte Saison zwischenzeitlich mit der Dreierabwehr, was schief ging. Es war ein System, das er als Cheftrainer bis dahin noch nie hatte spielen lassen. Es kostete die Qualifikation für die Championship Group und möglicherweise sogar den Europacup. Die meisten Teams weltweit, die Ball und Spiel kontrollieren wollen, wählen das 4-3-3. Weil man mit dieser Formation mit je zwei Spielern an der Seitenlinei das Angriffsspiel in die Breite ziehen und in der gegnerischen Abwehr Lücken kreieren kann. Ausserdem entstehen so automatisch die für das Kombinationsspiel typischen Dreiecksituationen. Für dieses System mit echten Flügelstürmern wurde in den letzten zwei Jahren beim FCZ auch das Kader zusammengestellt. Systeme mit Dreierabwehr sind hingegen typischerweise für Umschaltspiel durch die Mitte geeignet. Die Aussenstürmer im 3-4-3 sind keine echten Flügel, sondern agieren auf den Halbpositionen. Theoretisch kann man auch mit Dreierabwehr auf Ballkontrolle abzielen, aber es ist kompliziert. Auch Topteams wie Manchester City sind mit einem 4-3-3 gestartet und haben erst über einen Zeitraum von vielen Jahren hinweg und mit viel Konstanz in personellen Fragen mit der Zeit auch andere Lösungen und Formationen entwickelt.
Der Switch während einer Partie zwischen 4-3-3 und 4-2-4 ist hingegen einfach und funktioniert beim FCZ gut. Dennis Hediger hätte sich als neuer Trainer auf solche kleineren Variationen beschränken können. Und auf seinen im Vergleich zu Mitchell Van der Gaag sicherlich intensiveren, aggressiveren und offensiveren Ansatz. In den 105 Minuten in denen der FC Zürich gegen YB und Luzern unter Hediger im 4-3-3 / 4-2-4 agierte, resultierte ein Skore von 5:0. Also kein Gegentor und alle 21 Minuten ein erzielter Treffer. Bei einem FCZ in dieser taktischen Formation kann man in den letzten Spielen also weder von Verteidigungsproblemen noch von fehlender Durchschlagskraft im letzten Drittel sprechen. Und eine solche Statistik sollte eigentlich alle Fragen bezüglich dem besten System für diese Mannschaft beantworten. Wie schon letzte Saison versalzt man sich aber bisher die reichhaltige, schmackhafte Suppe (positive grundsätzliche Entwicklung im Verein, willige Mannschaft) mit kurzfristigen taktischen Experimenten gleich wieder selbst. Einen Hoffnungsschimmer gibt es: nach dem Luzern-Spiel begründete Dennis Hediger das 3-5-2 nicht nur mit einer Anpassung auf den Gegner (der allerdings selbst von der üblichen Raute auf ein 4-2-3-1 umstellte), sondern auch damit, dass Flügelspieler (wohl Markelo und Phaëton) während der Woche krank und somit für einen Einsatz von Beginn weg noch nicht bereit gewesen seien.
FCZ muss taktisch und personell Konstanz reinbringen
Juan José Perea enttäuschte wie so häufig wenn er von Beginn weg zum Einsatz kommt. Der Doppelsturm mit Keny funktionierte nicht. Zudem hat Milan Rodic dem Team bei seinen bisherigen Einsätzen noch nie wirklich genützt, aber schon mehrmals geschadet. David Vujevic gelang hingegen ein sehr solider Auftritt. Und Philippe Keny verdeckt mit seiner grossen offensiven wie auch defensiven Arbeit manchen Schwachpunkt von Teamkollegen. Die Super League ist eine gute Liga. Die meisten Gegner sind eingespielt. Der FCZ muss jetzt auch Konstanz reinbringen mit einer eingespielten Truppe im für dieses Team und die Spielphilosophie idealen 4-3-3 / 4-2-4.

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FCZ – Luzern 3:2
Zweitschlechtestes Heimteam gegen drittbeste Auswärtsmannschaft / FCZ – Luzern mit möglichen taktischen Formationen
Im Letzigrund trifft mit dem FC Zürich das zweitschlechteste Heimteam auf das mit dem FC Luzern drittbeste Auswärtsteam der Liga. Der FCZ kommt zudem aus fünf Niederlagen in Folge, während Luzern nach drei Unentschieden in Folge und einer Niederlage in Lugano zuletzt zu Hause GC mit 6:0 besiegen konnte. Das 1:0 kam auf einen etwas zweifelhaften VAR-Eingriff zustande. Danach konnten die Innerschweizer ihre Stärke im Konterspiel ausspielen, wobei Julian Von Moos mit einem direkt verwandelten Freistoss nach zwei Jahren wieder einmal ein Meisterschaftstor gelang.
Kommt Reichmuth zurück?
Trainer Dennis Hediger und sein Team hatten eine Woche Zeit in seinem neuen Spielsystem die Automatismen besser einzuschleifen. Miguel Reichmuth könnte ein Kandidat für ein Comeback sein. Es geht für den FC Zürich vor allem darum von Beginn weg wieder so gut aufzutreten wie in den 1. Halbzeiten in Basel und gegen Lausanne-Sport. Gerade gegen ein häufig im Verlauf der 2. Halbzeit aufdrehendes Luzern wird es besonders wichtig sein, die Pace auch dank den Einwechselspielern bis zum Ende der Partie zu halten.

Mario Frick hat seine Formation im Rhombus-System gefunden. Der aus dem Basel-Nachwuchs zum FCL gestossene Demir Xhemalija (gehört zu den besten Schweizer Talenten mit Jahrgang 2006) könnte falls Tyron Owusu ausfällt zu seinem Startelf-Début kommen. Im Zweiersturm hat Frick die Auswahl zwischen fünf oder sechs Kandidaten.

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Klartext zum FCZ – Neun Jahre nach „Finger weg vom Sportliche“ – Quo Vadis im November 2025
„Ich habe das Gefühl, wir sind erst jetzt richtig professionell geworden.“ Die kürzliche Aussage von Yanick Brecher zur Entwicklung des FC Zürich kontrastiert stark mit vielen Stimmen ausserhalb des Klubs. Innerhalb des Klubs berichten eigene Junioren wie David Vujevic, dass sie erst mit dem Wechsel der sportlichen Verantwortlichen „die Freude am Fussball“ wiedergefunden haben. Eltern sind begeistert, dass ihre Jungs und Mädels gezielter gefördert werden und hochmotiviert sind. Ausserhalb des Klubs hat sich hingegen ein Amalgam von Kritikern mit den unterschiedlichsten Motiven gebildet.
Inside Paradeplatz-Niveau bei Fabian Ruch
Die Opposition wird durch die schlechten Resultate seit dem Derby vor einem Monat befeuert. Die Resultate sind aber nicht ihr Ursprung. Der Kern besteht aus ehemaligen Mitarbeitenden, die Opfer des Wandels im Klub geworden sind. Ein Teil davon ist mit der organisierten Fanszene vernetzt, andere melden sich regelmässig bei Journalisten. Von diesen Journalisten gibt es wiederum einzelne, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten persönliche Animositäten gegenüber dem FCZ, der Stadt Zürich oder der Familie Canepa hegen. Und dann gibt es auch noch Leute, die den Sportchef Milos Malenovic unsympathisch finden.
Der alteingesessene Thomas Schifferle (TA Media) greift Präsident, Sportchefs und Trainer des FC Zürich seit Jahrzehnten immer wieder auf der persönlichen Ebene an. Einzig in einer Meistersaison ist zwischenzeitlich Ruhe. Wenn es schlecht läuft, taucht zudem zuverlässig wie aus dem Nichts Stephan Ramming (NZZ) auf. Offenbar aus einer Klause an der Goldküste und seit Monaten frei von Konsum jeglichen Super League-Fussballs – aber mit immer derselben Erkenntnis: der FCZ ist „pfui!“. Von TA Media zur NZZ geflüchtet ist der Berner Fabian Ruch. Der „wunderbare Fäbu“ setzt regelmässig abenteuerliche Theorien über Milos Malenovic in die Welt, die direkt aus der Feder des Click Bait-Journalisten Lukas Hässig von Inside Paradeplatz stammen könnten.
Durchschnittsalter der Neuzugänge: 25,5 Jahre
Ruch hat eine eigentümliche Art die Kommerzialisierung des Fussballs gleichzeitig abscheulich und genial zu finden. Dazwischen gibt es nichts. Hoffenheim ist ein Skandal – Red Bull Leipzig hingegen toll. Die Verstösse von Manchester City gegen das Financial Fairplay sind ein Verbrechen, aber eigentlich sollten die reichsten Klubs Europas eine eigene Liga gründen und nur noch unter sich spielen. Seine Haltung gegenüber dem FCZ, dessen Klubführung aber auch Zürich als Stadt und dessen Bewohnern kommt durchweg negativ rüber und dient häufig als Kontrast zur eigenen konstruierten Berner Identität. Ruchs Lieblingsbegriff in Bezug auf den FCZ ist aktuell „Spieler-Casino*. Er sieht die Transferpolitik als „Gambling“ und eine Wette auf hohe Ablösesummen, die sich finanziell auszahlen sollen.
Wäre das wirklich der Fall, müsste man Sportchef Milos Malenovic vorwerfen, die Spielregeln des Transfer-Gamblings nicht zu kennen. Das Durchschnittsalter der FCZ Sommer-Transfers 2025 liegt bei 25,5 Jahren. Wollte man auf hohe Transfergewinne wetten, müsste man Teenager und international bekannte Talente kaufen, wie das der FC Basel (Ruch: „der grösste Klub der Schweiz“) seit Jahren praktiziert: Bacanin, Agbonifo, Traoré, Diouf, Veiga, Esposito, Calafiori, Gauto, Sigua, Demir,…. Ruch nennt ausgerechnet und offenbar ohne selbst den Widerspruch zu bemerken unter anderem die aus dem Nachwuchs stammenden Tsawa und Ligue als Paradebeispiele für seine Theorie des „Spieler-Casinos“ unter Malenovic und lobt gleichzeitig den FC Luzern für den Verkauf ihrer Nachwuchstalente Jashari und Jaquez für gute Ablösesummen nach Belgien und Deutschland.
Seit zwei Jahren mehr Professionalität im Transfer-Bereich
In einer Fan-Umfrage auf dem Instagram- und Tiktok-Kanal von Züri Live und in Kommentaren auf Posts des FC Zürich auf Instagram oder Facebook sieht man wie weite Kreise das faktenbefreite Framing von Journalisten wie Fabian Ruch mittlerweile gezogen hat. Florian Raz (Blick) pflegt einen anderen Stil als Ruch, haut aber in dieselbe Kerbe. Der FCZ hole irgendwelche Spieler aus irgendwelchen Ländern, ohne System. Viele FCZ-Fans hatten beim Saisonstart gegen Sion im Juli eine ganz andere Wahrnehmung. Man wurde unruhig, weil Milos Malenovic erst Rückkehrer Sauter und die beiden Leihspieler Phaëton und Palacio verpflichtet hatte. Als Raz aus seinen Ferien zurückkam, wurde er von nun doch noch realisierten Neuverpflichtungen überrascht (Rodic, Tramoni, Segura und das Commitment zum bisher ausgeliehenen Perea), die er in seiner Ferien- und FCB-Bubble nicht mitbekommen hatte.
In der Vergangenheit hatte die Transferpolitik des FC Zürich tatsächlich einen teilweise zufälligen Charakter. Das war bei anderen Klubs aber auch so. Wenn ein Innenverteidiger den Klub verlassen wollte, suchte man einfach einen möglichst guten Ersatz auf dieser Position, der finanzierbar ist. Fertig. Oder noch zufälliger: man entdeckte einen formstarken Spieler in der Challenge League und beschloss diesen holen zu müssen „weil er gut ist“ – und damit ihn die Konkurrenz nicht wegschnappt. Unter Sportchef Milos Malenovic hat sich der Transferbereich merklich professionalisiert. Man hat erstmals eine klare Spielphilosophie definiert, die im ganzen Klub umgesetzt wird. Dies vereinfacht es Talenten schon früh auf höheren Stufen eingesetzt zu werden. Und es ergeben sich daraus für die 1. Mannschaft klar definierte Spielerprofile für die einzelnen Positionen. Die 1. Mannschaft ist darum deutlich besser strukturiert als früher. Man widersteht der Versuchung des „Weihnachts-Shoppings“ und verzichtet auf alles was im Schaufenster glänzt, sondern geht die Verpflichtung von Spielern gezielt an.
In kurzer Zeit deutliche Verbesserungen in der Academy
Yanick Brecher hat also Recht. Und es ist nur einer von vielen Bereichen in welchen der FC Zürich in den letzten zwei Jahren deutlich professioneller geworden ist. Ein anderer ist die Talententwicklung. Es ist noch nicht lange her, da waren die Juniorentrainer noch stark auf Resultate und Rangierungen fixiert – auch aus Eigennutz. Der Führungs- und Coaching-Stil war bei manchen antiquiert. Kein Wunder hat der FC Zürich seit den Zeiten von Ricardo Rodriguez, Josip Drmic und Nico Elvedi kaum noch Top-Talente hervorgebracht. Trotz grosser finanzieller Investitionen in den Juniorenbereich in all den Jahren. In kurzer Zeit hat sich nun sehr viel getan. Unter der alten Garde von Junioren-Trainern wurden bis zuletzt noch Talente wie Junior Ligue, Labinot Bajrami oder Finn Sommer überbeansprucht und ausgelaugt. Mit langfristigen Folgen. Heute wird viel stärker auf Belastungssteuerung Wert gelegt.
In der Meistersaison 21/22 war Gianni De Nitti (heute Ersatztorhüter beim FC Schaffhausen in der Promotion League) der einzige junge Spieler gewesen, der aus dem Nachwuchs hochgezogen wurde. Junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs erhielten ganz am Ende der Saison in Kehrausspielen noch ein paar Spielminuten als Brosamen. Heute setzt der FC Zürich mit Luzern und Servette zusammen am meisten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ein. Der SFV bietet wieder vermehrt Junioren-Nationalspieler des FCZ auf. im ersten Spiel der U17-WM gegen die Elfenbeinküste wurde Jill Stiel als Spieler der Partie ausgezeichnet und verbreitete Ricardo Rodriguez-Vibes, wenn auch auf einer anderen Position. Und für die 1. Mannschaft stehen aus der Academy in den nächsten ein bis drei Jahren auf verschiedenen Positionen mehr und vielversprechendere Talente bereit als in den letzten Jahren.
Bodö/Glimt und Midtjylland als Vorbilder für den Weg des FCZ
Als Milos Malenovic vor zwei Jahren begann, passte der grösste Teil des Kaders nicht zur Klubphilosophie. Dies ist nun anders. Nach zwei Sommer-Transferperioden sind die Spieler mit der Klubphilosophie im Einklang. Es sind keine Top-Talente, sondern wie früher Spieler mit einer gewissen Erfahrung, die für den FCZ finanzierbar sind. Nur: jetzt passen sie auch vom fussballerischen Profil her. Für jede Position gibt es zwei Spieler plus mindestens ein valables Talent aus dem Nachwuchs. Und: es gibt keinen Spieler, der fussballerisch nicht in die Mannschaft passt, wie das früher häufig der Fall gewesen war. Damals hing die Spielweise von der Philosophie des Trainers ab – und da dieser immer wieder mal wechselte, fiel mal der eine und dann wieder der andere Profi beim FCZ zwischen Stuhl und Bank. Heute sollte grundsätzlich der einzige Grund warum ein Spieler nicht zum Zug kommt die Qualität / Leistung / Form / Fitness sein. Das Kader ist auch insgesamt besser geworden. Vor zwei Jahren hatte man Ivan Santini als Mittelstürmer Nummer Eins mit Daniel Afriyie als Ersatz. Heute Philippe Keny mit Juan José Perea als Ersatz.
Es ist wirklich erstaunlich wie amateurhaft der Fussball trotz seiner bereits 150-jährigen Existenz bis vor kurzem in vielen Bereichen noch funktionierte und teilweise immer noch funktioniert. Der ehemalige FCZ-Europacupgegner Bodö/Glimt aus Norwegen oder der FC Midtjylland aus Dänemark sind zwei Klubs, die eindrucksvoll zeigen wie weit man auch mit geringen Mitteln kommen kann, wenn man professionell und faktenbasiert an den Details feilt. Beide Klubs spielen einen proaktiven Ballbesitz-orientierten Fussball wie ihn der FCZ ebenfalls umsetzt. Sie haben damit als kleine Klubs erst die grossen Klubs auf nationaler Ebene herausgefordert oder gar entthront, und dominieren auf internationaler Ebene auf dem Platz nun häufig auch Teams mit einem mehrfach höheren Marktwert. Bodö/Glimt mit Trainer Kjetil Knudsen hat dafür sieben Jahre benötigt. Der FCZ ist nach zwei Jahren unter Milos Malenovic auf diesem Weg schon weit gekommen. Er ist damit für fortschrittliche Trainer auch ein attraktiver Arbeitgeber.
FCZ als einziger Klub mit kleinem Budget Schweizer Meister in den letzten 20 Jahren
Das letzte Mal übrigens als beim FCZ ein neues fussballerisches Konzept zumindest in der 1. Mannschaft konsequent umgesetzt wurde, stand man zur Winterpause 03/04 mit Trainer Lucien Favre als Tabellenschlusslicht da. Die Umwälzungen und die neue Art von Fussball führten erstmal zu einem starken Abwärtstrend. Die Vereinsführung unter Ex-Präsident Sven Hotz hielt an Favre fest – und der Rest ist bekannt. Nachdem in der 80er- und 90er-Jahren neun verschiedene Klubs Schweizer Meister geworden waren, wurde der Bau der 30’000er-Stadien in Basel und Bern zum Game Changer. Damit katapultierten sich der FCB und YB finanziell in andere Sphären und haben heute ein Budget im 100 Millionen-Bereich – vergleichbar mit Bundesligaklubs. Alle anderen Schweizer Klubs inklusive FCZ bewegen sich in einem Budgetbereich von 15 Millionen (Winterthur) bis 35 Millionen (St. Gallen). Der FCZ hat 17 bis 20 Millionen Einnahmen und kann mit Europacup- und Besitzergeldern in einzelnen Saisons auch mal auf ein 25 bis 32 Millionen Budget kommen. Dementsprechend ist es eine grosse Leistung, dass der FCZ in den letzten 20 Jahren als einziger der finanziell kleineren Klubs der Liga Meister geworden ist – und dies mit Ancillo Canepa in der Klubführung gleich vier Mal!
Bei der Wahl der Cheftrainer hat man beim FC Zürich die Unkonstanz aber noch nicht ablegen können. Nach Ricardo Moniz folgte mit Mitchell Van der Gaag ein Coach, der vergleichsweise vorsichtig agierte und von der Klubphilosophie stark abwich – auch in Bezug auf die Integration der Academy-Spieler. Dennis Hediger ist hingegen genau auch darum vom FC Basel zum FC Zürich gewechselt, weil der fussballerische Ansatz beim FCZ auch sein persönlicher ist. In seinem ersten Spiel gegen YB herrschte nach einigen Umstellungen taktisch noch ein Chaos. Zuletzt in Basel sowie gegen Lausanne-Sport sah man dann aber speziell in den jeweiligen 1. Halbzeiten eine klare Steigerung. Hediger hat mit seiner Analyse nach dem Lausanne-Match recht: es fehlt nun in erster Linie noch an der Kondition, um das Spiel über 90 Minuten durchzuziehen.
Neun Jahre nach „Finger weg vom Sportliche“: Vorwärts in eine professionelle Zukunft? Oder zurück in die amateurhafte Vergangenheit?
Neun Jahre ist es her als die Südkurve am Cupfinal 2016 ein Banner präsentierte mit der martialischen Aufschrift: „Canepas: Finger weg vom Sportliche! S nächschte Mal verbrenned mer si oi.“ Die Meinung bei Medien und Fans war gemacht: der Abstieg sei die Folge davon gewesen, dass sich Ancillo und Heliane Canepa zu stark in die sportlichen Belange eingemischt hätten. Journalisten machten sich in diesem Zusammenhang lustig über das damalige FCZ-Organigramm. Die einhellige Forderung: Ancillo Canepa solle einen Sportchef ins Haus holen und diesen im sportlichen Bereich schalten und walten lassen. Er solle sich auf repräsentative Aufgaben zurückziehen und sich gefälligst nicht einmischen. Heute wird aus den gleichen Medienhäusern die „Machtballung“ des Sportchefs beklagt.
Es wäre zu wünschen, dass der FCZ sowohl auf der Trainer- wie auf der Sportchefposition seinem Weg treu bleibt und sich nicht von Kräften, die sich einer Modernisierung des Vereins entgegenstellen, bremsen lässt. Konstanz ist wichtig. Das zeigen dutzende Beispiele, angefangen bei Mauro Lustrinelli, der in seinem ersten Jahr als Challenge League-Mitfavorit mit Thun nur den 6. Platz erreicht hat. Der Weg von Bodö/Glimt und Midtjylland ist die Zukunft. Der FCZ kann mit progressiven Kräften wie Milos Malenovic oder Ausbildungschef Milicevic in Richtung Professionalisierung gehen. Oder von konservativen und irrationalen Kräften aus dem Medien- und Fanumfeld wieder zurück ins amateurhafte 20.Jahrhundert gezogen werden – eine Zeit, als es genügte ein bekannter ehemaliger Spieler des Vereins zu sein, um Trainer oder Sportchef der 1. Mannschaft zu werden.


