Der FCZ startet mit dem „Triple-D“ Mittelfeld Doumbia, Dzemaili, Domgjoni. Lindrit Kamberi beginnt wie gegen St. Gallen erneut in der Startformation. Becir Omeragic kehrt nach seiner krankheitsbedingten Absenz zurück, wodurch Rohner wohl die Position des verletzten Tosin übernimmt. Benjamin Kololli läuft voraussichtlich in der Spitze auf, wo er in dieser und auch letzte Saison seine besten Leistungen gezeigt hat. Mit Kramer, Gnonto oder Marchesano können mehrere zuletzt nach vorne druckvolle Offensivkräfte als Einwechselspieler für Dampf sorgen. Sechs der elf Spieler in der Startformation entstammen dem FCZ-Nachwuchs.

Beim FCB fehlt Timm Klose im Matchkader. Für ihn verteidigt wohl Fabian Frei im Zentrum neben Eray Cömert. Pajtim Kasami agiert dementsprechend wohl auf der Doppelsechs neben Amir Abrashi.

In der zweitletzten Runde im St. Jakob Park geht es nach den beiden Unentschieden zuletzt in Lausanne und gegen St. Gallen für den FC Zürich immer noch um alles. In Lausanne ging das Rizzo-Team von Beginn weg („in St. Gallen-Manier“) ein sehr hohes Tempo, hatte eine der besten 30 Minuten der ganzen Saison und ging völlig verdient mit 2:0 in Front. Dass danach der Energiehaushalt das formstarke Heimteam aufkommen lassen wird, war klar. Das erste Gegentor aufgrund eines unnötigen Fehlers des krankheitsgeschwächten Becir Omeragic kam dann etwas zu früh.

Im Match gegen St. Gallen hielten sich beide Teams in der Ersten Halbzeit kräftemässig stärker zurück, als sonst meist in diesen Duellen. Nur der beim FCSG frisch in die Startformation gerückte Nicolas Lüchinger verausgabte sich und machte Dampf. St. Gallen versuchte, mit einem flachen 4-4-2 das Zürcher Offensivspiel zu zerstören und die Gegenstösse früher abzufangen als sonst, was dem Zeidler-Team aber nicht gelang. In der Zweiten Halbzeit sorgte dann die Dreifacheinwechslung von Youan, Duah und Adamu für den Umschwung. Der FCZ kam kaum noch aus der eigenen Platzhälfte heraus.

Die Tendenz beim FCZ ist ingesamt positiv. Im Vergleich zur letzten Saison und dem Beginn der aktuellen Spielzeit steht man deutlich kompakter und ist von den Super League-Gegnern nicht mehr so einfach „auseinanderzunehmen“. Die bis vor acht Monaten noch sehr zahlreichen Gegentore auf Eckbälle konnten stark reduziert und die Weitschussgegentore praktisch auf null reduziert werden. Dafür hatte man lange Zeit relativ viele Gegentore aus Umschaltmomenten in Kauf zu nehmen – in den letzten drei Partien allerdings nur noch eines (in Lausanne). Ausserdem entwickelt sich das Rizzo-Team immer mehr zu einem Pressing-Spezialisten. In den letzten rund zwei Monaten erzielte man in fast jeder Partie ein Tor aus einem Hohen Pressing oder Gegenpressing heraus.

Unter Ciriaco Sforza versuchte der FCB vorwiegend mit kontrolliertem Aufbauspiel zum Erfolg zu kommen. Man praktizierte dieses allerdings nicht so konsequent und stringent wie beispielsweise Servette und musste sich daher trotz dem besten Kader und höchsten Budget der Liga früh aus dem Titelkampf verabschieden. Unter dem neuen Coach Patrick Rahmen setzt der FC Basel nun wieder voll aufs Umschaltspiel und spielt daher jetzt ziemlich ähnlich wie der FCZ. Die Rot-Blauen fahren aktuell die schnellsten Konter der Liga und Routinier Valentin Stocker fühlt sich im Pressing in seinem Element.

Das Erfolgsrezept für das Rizzo-Team besteht basierend auf den Duellen der beiden Mannschaften seit der Saison 17/18 aus zwei Faktoren. Erstens: Ballbesitz! Mit einem geringen Ballbesitz von 30-40% hat der FCZ in den letzten vier Jahren vier von sechs Duellen gewonnen bei einem Unentschieden und nur einer Niederlage. Hatte das Letzigrund-Team hingegen 46% oder mehr Ballbesitz, gingen samt und sonders alle Partien verloren. Anders gerechnet: bei Siegen hatte der FC Zürich im Schnitt 37% Ballbesitz, bei Unentschieden 41% und bei Niederlagen 46%. Die statistische Zweikampfbilanz spielte hingegen für den Spielausgang keine Rolle.

Zweiter Faktor: Schüsse aufs Tor! Nur Schüsse, die aufs Tor kommen, können auch ins Tor gehen. Mit einem geringen Ballbesitz bringt der FCZ gegen Basel jeweils deutlich mehr Schüsse aufs Tor. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass man im Umschaltspiel häufiger unbedrängt oder wenig bedrängt zum Abschluss kommt. Die magische Marke ist dabei die Zahl vier. Gelangen dem FCZ gegen Basel in den letzten Saisons mindestens vier Schüsse aufs Tor, hat er von sieben solchen Partien fünf gewonnen und nur eine verloren. Diese einzige Niederlage war zudem eine Cup-Partie. Ebenso eindeutig sieht die Bilanz aus, sollten dem FCZ nur drei Schüsse oder weniger aufs gegnerische Gehäuse gelingen. Von neun solchen Partien gingen acht verloren – bei einem Unentschieden und keinem Sieg.

Spiel, Gegner und Taktik

YB’s Auftritt in Zürich kurz nach der vorzeitigen Eringung des Meistertitels ist eine der schlechtesten Berner Leistungen der letzten Jahre. Die übliche Konsequenz in den Zweikämpfen und dem Spiel nach vorne geht den Gelb-Schwarzen komplett ab. Lefort, Rieder, Lauper oder Elia stehen gar neben den Schuhen. Trotzdem schafft es der FCZ selbst gegen dieses vergleichsweise harmlose YB nicht auch nur einen Punkt zu ergattern. Von der ersten Saisonpartie im Wankdorf, als man die durch die kurze Sommerpause müden Berner richtig hatte fordern können, ist mittlerweile wieder weit weg. Und zum zweiten Mal nach 2019 können die Gelb-Schwarzen ihren Titel trotz „Hangover“ mit einem Sieg im Letzigrund feiern.

Zu Beginn spielt das Team von Trainer Seoane noch einigermassen ordentlich. Die Flügel der Gäste stehen eng, die Stürmer Nsamé und Mambimbi lassen sich abwechselnd zurückfallen und man sucht gegen einen in einem 4-1-4-1 auftretenden FCZ gegen den einzigen Sechser Doumbia die Lücken zwischen den Linien. Der FCZ versucht, durch Hohes Pressing Druck zu machen, welches YB mit Hohen Bällen überspielt, auch weil die Zürcher wie vor dem 0:1 durch ein Eigentor Hekuran Kryezius in der Person von Benjamin Kololli wie so häufig zu wenig konsequent den Ballführenden attackieren. Nach dem Hohen Ball in den Mittelkreis sieht dann das Duo Doumbia / Domgjoni im Duell mit Felix Mambimbi „alt“ aus.

Beim 0:2 ist es dann YB, welches ein Hohes Pressing ansetzt. Und da Christian Fassnacht seine Pressingaufgabe um Welten ernster nimmt, als auf der anderen Seite Kololli, führt dies zu einem in Bedrängnis überhastet gespielten Rückpass Domgjonis, von welchem YB-Eigengewächs Mambimbi profitiert. Bezeichnenderweise kommt der FCZ zum Anschlusstreffer in einer Szene, in welcher er sich zurückzieht – und dann von einem Fehlpass Sandro Laupers an der Mittellinie profitiert, um gegen weit aufgerückte Berner erfolgreich zu kontern. Der zuletzt aufsteigende Tendenz zeigende Kramer vollendet mit einem Lupfer.

Beim FCZ gefällt zu Spielbeginn speziell die agile und präsente Rechte Seite mit Rohner und Tosin. Danach ist der Auftritt speziell des Nigerianers aber wieder ein stetiges Auf und Ab. Der Letzigrund-Club kommt in den Startminuten besser in die Partie, als die Gäste aus der Bundesstadt. Das Defensivzentrum inklusive Torhüter Brecher erwischt hingegen einen schlechten Tag. Blerim Dzemaili ist weiterhin der Spieler mit den klar meisten schlechten Aktionen. Mit zunehmender Spieldauer in der Zweiten Halbzeit kommt der FCZ gegen immer stärker nachlassende Berner zu vielen Angriffen, Flanken und Abschlüssen, ohne aber etwas Zählbares dabei zu ergattern. Speziell die Einwechslung von Antonio Marchesano bringt dem FCZ ab der 61. Minute nochmals etwas Drive. Der ebenfalls eingewechselte Becir Omeragic sorgt mit zwei sehr guten Hereingaben auf Tosin (wobei dieser die erste mit einer effektiven Körpertäuschung für Dzemaili passieren lässt) für die zwei besten FCZ-Chancen zum Ausgleich.

Telegramm

FC Zürich – Young Boys 1:2 (1:2)
Tore: 8. H. Kryeziu (Eigentor, Elia) 0:1, 23. Mambimbi 0:2, 29. Kramer (Dzemaili) 1:2.
FCZ – Brecher; Rohner (71. Omeragic), H. Kryeziu, Nathan, Aliti (84. Gnonto); Doumbia (84. Seiler); Tosin, Domgjoni (61. Marchesano), Dzemaili, Kololli; Kramer (71. Ceesay).
BSC Young Boys – Von Ballmoos; Maceiras (81. Hefti), Camara, Lauper, Lefort; Elia, Martins, Rieder (75. Aebischer), Fassnacht (75. Maier); Nsamé (67. Siebatcheu), Mambimbi (67. Moumi).


Mit dem FCZ und dem FCG treffen die beiden Teams der Super League im Letzigrund aufeinander, welche in dieser Saison am schnellsten spielen und den direktesten Weg zum Tor suchen, wobei der FCB seit der Übernahme durch Trainer Patrick Rahmen an der Seitenlinie dies mittlerweile noch besser praktiziert. FCZ und FCSG sind gleichzeitig aber auch die beiden schlechtesten Mannschaften der Rückrunde.

Der FC Zürich hat zuletzt in Lausanne in St. Gallen-Manier 30 Minuten lang Vollgas gegeben und ging verdient 2:0 in Führung. Der Anschlusstreffer der Waadtländer zum 1:2 kam danach aus FCZ-Sicht etwas zu früh, verursacht durch ein unnötiges Foul des migränegeplagten Becir Omeragic an Evann Guessand im eigenen Strafraum. Für das vorentscheidende Direktduell mit dem Abstiegskonkurrenten aus der Ostschweiz kehren die gesperrten Tosin und Aliti zurück. Beide beginnen in der Startformation. Blerim Dzemaili, Lindrit Kamberi und Fabian Rohner ersetzen Toni Domgjoni, Hekuran Kryeziu (beide Bank) und Becir Omeragic (krank).

Bei der 0:3-Heimniederlage gegen Sion hatte der FC St. Gallen eindeutig mehr vom Spiel als der Gegner, ging aber in Rückstand und vermochte letztlich gegen den „Hoarau-Express“ nichts auszurichten. Gegen den FCZ fehlt zudem der gesperrte Betim Fazliji im Abwehrzentrum. Voraussichtlich wird Stillhart auf diese Position zurückrücken. Im Sturm beginnen Babic und Guillemenot. Lüchinger könnte auf der Achterposition oder auch als Aussenverteidiger beginnen. Ganz allgemein setzt St. Gallen-Trainer Zeidler auf eine kampfstarke Startformation und lässt zu Beginn die schnellen Offensivleute Duah, Youan und Adamu auf der Bank.

Beim FCZ erhält Tobias Schättin im wichtigen Auswärtsspiel in Lausanne eine Chance von Beginn links hinten (Fidan Aliti ist gesperrt). Alternative Fabian Rohner soll wieder als Einwechselspieler für Dampf sorgen. Der bei seinen Teileinsätzen gut spielende Lindrit Kamberi beginnt ebenso als Ersatz. Auf der Bank sitzen zudem Seiler, Dzemaili, Ceesay, Winter und Kostadinovic. Der zweite gesperrte Spieler bei den Zürchern ist Aiyegun Tosin.

Der FCZ hat sein zweites Super League-Auswärtsspiel der Saison in der nahegelegenen Pontaise gespielt und deutlich verloren. Seither hat es zu Hause gegen den gleichen Gegner einen Heimsieg und ein Unentschieden gesetzt. Der Letzigrundklub tritt als letzter Super League-ist erstmals in der neuen Tuilière an. Bei Lausanne sind Flo und Nanizayamo zu den verletzten Spielen hinzugekommen. So beginnt der junge Marc Fred Tsoungui bei den Waadtländern in der Dreierabwehr.

Beim FCZ fehlt aufgrund eines Ermüdungsbruches Toptorschützin Fabienne Humm bis Ende Saison und wird wohl deshalb auch die Liga-Torjägerkanone verlieren. Am Samstag knickten im Derby auf dem GC/Campus (0:0) die letzten Hoffnungen der FCZ Frauen, im Meisterschaftsrennen mit einer Aufholjagd Servette nochmal Dampf zu machen – und das nach einem starken 2:1-Auswärtssieg im Stade de Genève zuletzt. Der Fokus gilt dem Halten des für den Europacup berechtigenden Zweiten Platzes und natürlich der Cup! Und da kommt es heute erneut zum Derby gegen GC – diesmal im Letzigrund. Beide Mannschaften agieren seit einiger Zeit erfolgreich mit einer Dreierabwehr. Dies führt zu mehr defensiver Stabilität und interessanten Optionen im Spielaufbau. Diejenige von GC wird durch Captain Laura Walker (10 Ligatore!) zusammengehalten. Beim FCZ ist mit Julia Stierli eine Nationalspielerin dabei.

Luna Lempèrière, die im Derby in der Nachspielzeit noch per Kopf den Pfosten getroffen hatte, bekommt heute eine Chance von Anfang an. Ebenfalls von Anfang an läuft Meri Terchoun auf, die am Samstag noch eingewechselt worden war.

GC unter dem ehemaligen Academy-Trainer Sascha Müller hat seine defensive Stabilität gefunden, muss aber in Richtung gegnerisches Tor noch gefährlicher werden. Die Hoppers treten im Letzigrund mit ihrer Stammformation an, an welcher Müller zuletzt wenn immer möglich festgehalten hat. Nur im Tor wird zwischen Nadja Furrer und Nicole Studer abgewechselt. Die Mehrheit der Spielerinnen in der GC-Startaufstellung hat eine FCZ-Vergangenheit.

Spiel, Gegner und Taktik

Erneut baut der FC Zürich im Abstiegskampf einen Gegner auf, der verunsichert ist und nach der 0:3-Klatsche im Direktduell in Vaduz gleich auf sechs Positionen wechselt. Guillaume Hoarau steht erstmals seit fünf Monaten wieder in der Startformation. Léo Lacroix spielt zum ersten Mal in dieser Saison über 90 Minuten. Und Christian Zock ist nach zwei Monaten wieder mal dabei. Sion-Trainer Marco Walker setzt auf den zentralen Positionen mit Karlen, Hoarau, Zock, Araz, Ndoye und Lacroix voll auf Kampfgeist und hohe Bälle. Die häufig etwas fragilen Zürcher Techniker Grgic und Bamert bleiben zu Beginn draussen. Zock übernimmt die Rolle des Abräumers und die des Regisseurs in Personalunion.

Setzt man auf hohe Bälle, lässt Grgic aber draussen, dann hängt sehr viel an Matteo Tosetti. Dessen Standards sind aber gegen den FCZ nicht so konstant gut getreten wie gewohnt: womöglich ein entscheidender Faktor für den Zürcher Punktgewinn im Wallis. Trotzdem kassiert man zwei Gegentore. Erst mal aber startet der FCZ trotz in der Anfangsphase hart einsteigenden Wallisern dank effektivem Mittelfeldpressing gut in die Partie – ohne allerdings zu vielen Torchancen zu kommen. Trotzdem nicht ganz überraschend kommt die Auswärtsführung in der 14. Minute: nach einem Ballgewinn von Ousmane Doumbia vor dem gegnerischen Strafraum gegen Christian Zock (Überraschungseffekt durch plötzliches hohes Pressing) durch einen abgefälschten Tosin-Schuss.

Derselbe Tosin leitet dann aber vor der Pause mit einem unnötigen Aussenristpässchen in der eigenen Platzhälfte den Ausgleich durch Guillaume Hoaraus erstes Saisontor ein. Omeragic vergisst dabei gedankenverloren, die Flanke Iapichinos zu verhindern. Sion war zuvor in der 19. Minute nach einer Fehlerkette von Marchesano, Doumbia über vor allem Omeragic und Hekuran Kryeziu mit einer grossen Doppelchance des von Hellas Verona ausgeliehenen Lubomir Tupta im Spiel angekommen. In der 27. Minute vergibt Karlen vor dem praktisch leeren Tor, nachdem zuerst Doumbias Kopfball im Mittelfeld ungewollt rückwärts fliegt, sowie anschliessend Yanick Brecher sich mit dem Herauslaufen verschätzt und von Tupta umspielen lässt.

Wie so häufig in letzter Zeit kommt der FCZ schlecht aus der Pause. Beim Führungstreffer zum 2:1 nach sechs Minuten profitiert Sion erneut von einem unkonzentrierten Becir Omeragic: Musa Araz kommt deshalb alleine vor Yanick Brecher gleich zwei Mal in Folge ungedeckt zum Abschluss, nachdem Ousmane Doumbia mit einem Ballverlust vor dem eigenen Strafraum gegen Gaëtan Karlen dasselbe Missgeschick unterlaufen war, von welchem er gegen Christian Zock vor dem 0:1 noch selbst profitiert hatte. Yanick Brecher macht zudem in der Aktion zu viel Show. Der erste Ball von Araz fliegt direkt auf seinen linken Fuss. Anstatt ruhig stehenzubleiben und mit der richtigen Fussstellung den Ball möglichst weit wegspicken zu lassen, lässt er seine Körperteile in alle Richtungen fliegen, wehrt den Ball so nur ungenügend ab und liegt machtlos am Boden, als der zweite Abschluss kommt. Das Tor hätte allerdings wohl nicht zählen dürfen: Guillaume Hoarau steht im Offside und greift in die Aktion ein, indem er seinem Gegenspieler Hekuran Kryeziu, der eine Chance zur Klärung des Balles hätte, den Weg versperrt.

Vor allem dem eingewechselten Fabian Rohner ist es zu verdanken, dass am Ende dieser Partie die Walliser keine (drei) Punkte auf den Stadtclub gut machen können. Sein 2:2-Ausgleich in der 85. Minute steht exemplarisch für seine Entscheidungs- und Handlungsschnelligkeit, die er zusätzlich zu seiner Schnelligkeit in den Beinen mitbringt. Er profitiert dabei allerdings auch vom nicht optimalen Verhalten des aktuell grössten Sion-Schwachpunktes Sandro Theler. Sofort mit der Einwechslung von Rohner kommt Zug ins Zürcher Spiel. Schon in seiner ersten Einsatzminute holt er zwei Einwürfe heraus und kommt zu einer Abschlusschance im gegnerischen Strafraum. Nach drei Minuten kann er mit einem Lauf über die rechte Seite nach Steilpass Omeragic an Ndoye vorbei für noch mehr Gefahr im Walliser 16er sorgen. Nach fünf Minuten kommt Rohner zu einer Grosschance nach Vorarbeit von Toni Domgjoni – Iapichino rettet für den bereits geschlagenen Fickentscher. Diese Aktionen des Zürcher Einwechselspielers verunsichern Sion. Es häufen sich beim Heimteam die unnötigen Ballverluste und die Offsidelinie steht schlecht.

Neben der Personalie Rohner (und Gnonto) bringt der FCZ Sion aber auch mit zwei taktischen Umstellungen in kurzer Folge aus der Balance, zu denen sich zusätzlich auch noch eine individuell hohe Agilität und viele Positionswechsel gesellen. Die Schlussphase in Sion erinnerte von der Spielweise her mit vielen fliessenden Positionswechseln etwas an den „Total Voetbal“ der Holländer in den 70er-Jahren. Die Einwechslungen und die Veränderung der taktischen Formation hatten einen Zusammenhang, denn durch den Shift vom 4-2-3-1 erst auf ein 3-4-1-2 und dann vor allem auch noch auf ein 4-4-2 mit Rhombus wurden die Sion-Flügel durch die Zürcher Überzahl im Zentrum in die Mitte gezogen, was den Zürcher Aussenläufern / Aussenverteidigern, vor allem Rohner, viel Platz über die Seiten ermöglichte. Gleich nach dem 2:2 durch Rohner kommt durch eine Unaufmerksamkeit von Hekuran Kryeziu (und davor Seiler) Karlen zu einer guten Kopfballchance. In den letzten Minuten der Partie ist dann aber der FCZ näher dran am Sieg. Erst vergibt Kramer nach guter Tosin-Flanke eine „Hundertprozentige“ am linken Pfosten und dann macht Kololli aus einem von Seiler herausgeholten Freistoss zentral direkt vor dem Strafraum zu wenig.

Statistisch kommt der FCZ in Sion zu vielen Freistössen in Strafraumnähe (7) und wie in der letzten Begegnung mit den Wallisern zu einer grossen Anzahl an Flanken (17). Die FCZ-Startformation hat eine ungenügende Züri Live-Durchschnittsnote. Zwar resultieren aus der Partie eine saisonrekordhohe Anzahl an Top-Offensivaktionen sowie Top-Defensivaktionen im dreistelligen Bereich. Gleichzeitig sind aber auch die Fehler und Negativaktionen äusserst zahlreich. Gegen YB in Top-Verfassung reicht üblicherweise ein einzelner Fehler für ein Gegentor. Sion in ihrem Zustand nach dem Vaduz-Spiel ist hingegen nur in der Lage zu treffen, wenn mehrere Spieler des Gegners eine Fehlerkette aneinanderreihen. Und dies dürfte dem FCZ nicht passieren – schon gar so häufig. Die Einwechselspieler (vor allem Rohner und Gnonto) machen den Gesamtschnitt letztlich noch genügend. Die Probleme in der Abwehrreihe setzen sich fort und Kololli bewegt sich wieder stark in seinen üblichen teilnahmslosen Mustern.

Personalien

Becir Omeragic (2) – Rutscht immer tiefer in die Krise. Das sechste Spiel in Folge mit einer ungenügenden Note – davon die letzten drei mit einer „1“ oder „2“. Hat durchaus seine guten Aktionen nach hinten und vorne, aber die negativ zu bewertenden Situationen sind viel zu zahlreich. Schon in der 19. Minute agiert er gegen Tupta viel zu zögerlich, was diesem eine grosse Doppelchance zur Walliser Führung eröffnet. Omeragic verliert zudem beim Eckball seinen Gegenspieler Lacroix aus den Augen und ist vor allem an beiden Gegentoren entscheidend beteiligt. Nach Tosins Ballverlust ist er mit dem Kopf nicht bei der Sache und trabt gedankenverloren auf eine Position im Niemandsland und lässt Doumbia auf der Seite alleine gegen zwei Sittener verteidigen. Ausgerechnet gegen ein Sion, das in dieser Partie auf Körpergrösse und Hohe Bälle gesetzt hat, lässt Omeragic Iapichino unbedrängt flanken, was Guillaume Hoarau sein erstes Saisontor ermöglicht und dem FC Sion nicht nur in diesem Spiel, sondern im Abstiegskampf insgesamt neue Moral verleiht. Auch beim zweiten Gegentor herrscht nach Doumbias Ballverlust vor dem eigenen Strafraum Alarmstufe Rot, aber Omeragic joggt wie zuletzt häufig selbst in einer solchen Situation gemächlich in den eigenen Strafraum zurück, als ob ihn die Sache nichts anginge, und lässt so Musa Araz gleich zwei Mal hintereinander zum Abschluss kommen – beim zweiten Mal trifft der Sion-Mittelfeldmann. Die Ursprungsfehler haben zwei Mitspieler gemacht, aber ohne Omeragics geistiger Abwesenheit wären beide Gegentore ziemlich sicher nicht gefallen.

Hekuran Kryeziu (2) – Nach zwei guten Leistungen gegen St. Gallen und Servette gibt es in Sion wieder mal einen „Abschiffer“ von Heki. Sein Auftritt während der ganzen Partie war grossen Schwankungen unterworfen mit sich abwechselnden besseren und schlechten Phasen. In entscheidenden Situationen im eigenen Strafraum nicht so fokussiert wie zuletzt. Macht zeitkostende Schlenker und hat wieder eine brenzlige Situation bei einem Standard, als er Gaëtan Karlen leicht zurückhält – allerdings eher nicht penaltyreif. Verschätzt sich gleich im Gegenzug nach dem 2:2-Ausgleich Rohners und lässt Karlen völlig frei zum Kopfball kommen.

Nathan (6) – Am Brasilianer müssten sich beim FCZ viele ein Vorbild nehmen. Zu Beginn der Partie gelingt ihm nichts. Die Bälle fliegen weit entfernt von den Orten hin, wo er sie hinhaben will. Seine beste Phase der Saison ist es nicht. Und obwohl der Paulista nicht so spritzig wie in anderen Phasen der Saison wirkt, findet er trotzdem über den Kampf ins Spiel – und dreht gegen Ende der Partie sogar noch auf, ist überall anzutreffen. Mit einem energischen Sprint im Laufduell in der 78. Minute kauft er dem eingewechselten Sion-Hoffnungsträger Jared Khasa gleich zu Beginn von dessen Einsatz den Schneid ab.

Fidan Aliti (10) – Gegen Servette mal einen schlechten Tag erwischt, aber in Sion ist Aliti wieder voll da! Hat sowohl am drittmeisten Top-Offensivaktionen als auch am drittmeisten Top-Defensivaktionen der Mannschaft und macht praktisch keine Fehler. Vor allem auch dank Aliti kann sich Ceesay auf der linken Seite steigern. Kololli nutzt die guten Ansätze seines Nationalteamkollegen hingegen zu wenig aus.

Toni Domgjoni (6) – Am meisten Top-Offensivaktionen aller FCZ-ler, unter anderem mit einem präzisen 40 Meter-Diagonalball direkt nach dem ersten Gegentor und der ausgezeichneten Vorarbeit zu Fabian Rohners Grosschance in der 69. Minute. Versteht sich erneut hervorragend mit seinem schon in Juniorenzeiten langjährigen Teamkollegen Rohner. Ist aber in dieser Partie ebenfalls nicht vor Leistungsschwankungen gefeit.

Ousmane Doumbia (5) – In der Startphase der beste Zürcher, gibt es ab der 27. Minute einen Bruch im Spiel des Ivorers, als dieser sich bei einem hohen Ball im Mittelfeld verschätzt und gefährlich rückwärts köpft, was Gaëtan Karlen nach Vorarbeit von Lubomir Tupta zu einer Top-Chance vor dem verwaisten leeren Zürcher Kasten verhilft. Ab diesem Moment verliert Doumbia mehrere Bälle zu einfach, darunter denjenigen in der 51. Minute gegen Karlen, welcher zum 2:1-Führungstreffer Sions führt. Kann sich im Verlauf der 2. Halbzeit wieder steigern, als Sion sich hinten reindrängen lässt und Doumbia im Gegenpressing einige gute Aktionen hat.

Aiyegun Tosin (5) – Startete bei seinem Comeback in St. Gallen mit einer „1“, dann gegen Servette eine „3“ und nun erstmals eine genügende Note. Überzeugt auch in dieser Partie in der Sturmspitze deutlich mehr, als auf dem Flügel – unter anderem auch mit seinem Forechecking an vorderster Front. Schiesst sein viertes Saisontor und gewinnt im Abschluss wieder an Selbstvertrauen.

Assan Ceesay (5) – Fängt gerade in der Anfangsphase mehrmals vor dem eigenen Strafraum wichtige Zweite Bälle ab und leitet den Gegenangriff ein. Profitiert auf Links von Alitis Steigerung im Vergleich zum Servette-Spiel.

Benjamin Kololli (1) – Hat den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt! Schon die Erste Halbzeit war schlecht. Vielleicht dachte er, dass nach seiner Ablage auf Tosin zum 0:1 seine Arbeit erledigt sei. Die Zweite Halbzeit grenzte dann an Arbeitsverweigerung. Kommt den Bällen nicht entgegen, ist gedanklich nicht präsent, hält sich aus Zweikämpfen weitgehend raus und seine Standards sowie Weitschüsse wirken unmotiviert. Beginnt in der Sturmspitze, spielt nach der Einwechslung Rohners in der 64. Minute zehn Minuten lang als sein Pendant am Linken Flügel, um dann die Partie sowohl im 3-4-1-2, als auch im 4-1-2-1-2 auf der Zehnerposition zu beenden. Seine Konzentrationsprobleme bleiben während der ganzen Partie positionsunabhängig die gleichen.

Fabian Rohner (10) – Genau das Gegenteil von Kololli. Kommt in der Minute seiner Einwechslung mit guter Deckungsarbeit gegen Hoarau sofort zu einem Ballgewinn und noch in derselben Minute bereits zu seinem ersten Abschluss. Zwei Mal mit Ballgewinnen am eigenen Strafraum und anschliessendem schnellen Gegenstoss. Kippt so das Spiel wieder mehr auf die Seite des FCZ. Nach einer durch Iapichino für den bereits geschlagenen Fickentscher geklärten Topchance Rohners, nutzt der junge Zürcher durch Entschlossenheit und Handlungsschnelligkeit mit seinem schwächeren linken Fuss seine zweite gute Chance zum Ausgleich. Beginnt seinen Einsatz in der 64. Minute auf dem Rechten Flügel im 4-2-3-1, spielt dann ab der 74. Minute nach der Umstellung auf Dreierabwehr als Rechter Aussenläufer und erzielt sein Tor schlussendlich als hoch stehender Linker Aussenverteidiger in einem Rhombussystem. In letzteren beiden Rollen findet er relativ viel Platz über die Seiten vor, weil Sions Flügel durch die Massierung des FCZ im Zentrum in die Mitte gezogen werden.

Telegramm

Sion – FC Zürich 2:2 (1:1)
Tore: 14. Tosin (Kololli) 0:1, 41. Hoarau (Iapichino) 1:1; 52. Araz (Theler) 2:1, 85. Rohner (Omeragic) 2:2.
Sion – Fickentscher; Theler, Lacroix, Ndoye, Iapichino; Tosetti, Zock (75. Grgic), Araz, Tupta (84. Bamert); Karlen, Hoarau (71. Khasa).
FCZ – Brecher; Omeragic, H. Kryeziu, Nathan, Aliti (83. Gnonto); Domgjoni (74. Seiler), Doumbia; Tosin, Marchesano (74. Kramer), Ceesay (64. Rohner); Kololli.

Beim FCZ fehlen im Matchkader die als rekonvaleszent gemeldeten Dzemaili und Kololli. Gnonto wird in der U21 eingesetzt. Hekuran Kryeziu kehrt ins Team zurück und verdrängt Fabian Rohner auf die Bank, auf welcher auch Adi Winter und Nils Reichmuth wieder mal dabei sind. Marco Schönbächler spielt gegen die Luganesi, gegen die er im letzten Match im Tessin den Siegtreffer erzielt hatte (letzter Dreier des FCZ) von Anfang an auf dem Platz.

Lugano tritt im Letzigrund mit einer für ihre Verhältnisse offensiven Aufstellung mit Ardaiz, Abubakar und Bottani an. Trainer Jacobacci hat im Verlauf der Saison auch die taktische Formation etwas mehr geändert, als zu Beginn. Durchaus möglich, dass die Tessiner heute also überraschend mit einer Viererabwehr antreten. Dies weil neben dem gesperrten Daprelà auch Kecskés rekonvaleszent fehlt und Jacobacci Marcis Oss wenig Vertrauen entgegenbringt.

Nach dem 4:0-Heimsieg vor einem Monat im Wankdorf könnte YB im historischen Direktduell mit dem FCZ nach einer jahrelangen Siegesserie bei Wettbewerbsduellen mit einem Auswärtssieg im Letzigrund die Bilanz auf 80:80 Siege ausgleichen.

Elijah – Nie usenand gah

Wie entstehen Kurvenlieder im Normalfall? Man nehme den Song eines bekannten Musikers, setze die Fanbrille auf und interpretiere einen Liebessong für eine schöne Frau Wort für Wort in einen Liebessong für den einzig wahren Fussballverein der Welt um. Dabei geht es auch einfacher: der Musiker sitzt selbst im Fanlokal, schrummt auf der Gitarre und gibt einige Textvorschläge zum Besten. Der Kurven-Capo braucht nur noch mit «Daumen rauf» anzuzeigen, welche Strophen genommen werden. Am Wochenende fährt man dann in die Stockhorn Arena nach Thun und dort singt die Kurve das neue Lied mit einer solchen Inbrunst, dass ein musikalischer Marder ins Stadion gelockt wird. Dieser muss gleich zwei Mal von einem FCZ-Spieler (erst Loris Benito, dann Piu Da Costa) eingefangen werden, weil das gesellige und zugleich freiheitsliebende Tier zwischendurch den Ordnern wieder aus dem Sack entwischt. Selbst ein Kind der Südkurve, hatte Elijah Salomon seinen ersten musikalischen Auftritt in der Flachpassbar im alten Letzigrundstadion. Von dort schaffte er es bis in die Bob Marley-Studios in Kingston, Jamaika, und zum Gewinner des europäischen Reggae Contest. Dies während sein Bruder auf der Geschäftsstelle des FC Zürich die administrativen und organisatorischen Belange zusammenhielt. «Nie usenand gah» orientiert sich an den italienischen Wurzeln der beiden. Mit entsprechendem Pathos und Melancholie. Es war bis zur Corona-Pause im Süden der roten Letzigrundschüssel immer wieder zu hören – und hoffentlich bald wieder!   

Radio 200’000 – D Kurve chläbt

Sommer, Sonne, Wind im Haar, eine Auswärtsfahrt ins Tessin und aus den Boxen dröhnt der Bass zu «D Kurve chläbt». Der Track würde an jedem Vereinslieder-Contest die Kategorie «ironische Songs über das Innenleben einer Fankurve» gewinnen –  denn er wäre fast immer der einzige Kandidat. Die Kurve ist schliesslich (fast) überall eine sehr… eeeernste Angelegenheit. Eine klebrige Südkurve haben die Jungs von Radio 200’000 als Mitglieder der Gruppierung «Hallygally» häufig erlebt. Angeblich sei Hallygally eigentlich ein BSC (Brettsportclub) – und damit ist nicht Schach gemeint. Als «Primitive Lyrics» gehörten Radio 200’000 MCs Anfang 90er-Jahre zu den Pionieren des Schweizer Hip Hop. Später dann vor allem auch graphisch tätig bei Quantensprüngen in der Entwicklung der Südkurven-Choreographien, der Graffiti-Bemalung der Mannschaftskabine unter Sportchef Fredy Bickel oder einer speziellen Kollektion an Fanutensilien. Aus Jux begannen sie unter neuem Namen wieder Musik zu machen. Ihr Titel «Eisprung» war in der Folge der Gassenhauer in Oberstufen-Skilagern von Flims bis  Obergoms mit einer genauen Anleitung für die Nachwuchshoffnungen unter den angehenden Vätern: «Am Tag X muesch eifach voll parat si wie i de 93. Minute de FC Züri!». Ausserdem tourten sie mit ihrem Züridütsch-Rap durch Costa Rica und traten am Open Air Frauenfeld auf. Mit dabei an Konzerten in der Schweiz häufig ein Grüppchen aus der Kurve und irgendein Typ, der aus dem Hintergrund «Hopp YB!» ruft. So wie früher, als es noch keine Sektorentrennung gab.

FCZ Frauen – Alli gmeinsam

Ebenfalls auf Initiative eines Protagonisten aus der Südkurve geht «Alli gmeinsam» zurück. In der Geschichte des Fussballs gab es vor allem im deutschsprachigen Raum zu viele Fussballer, die zum Singen gezwungen worden sind. Das war bei den FCZ Frauen ganz offensichtlich anders. Produzent Sterneis („Pate des Zürcher Mundart-Rap“, Tages-Anzeiger) war sehr angetan von den Mädels: «Sie haben einiges auf dem Kasten». Nicht nur fussballerisch. Barla Deplazes, Cinzia Zehnder, Riana Fischer, Barbara Beutler und Co. schrieben auch ihre Texte selbst. Eine echte Vereinshymne! Klarer Favorit in der Kategorie «Singende Fussballerinnen»!

Züri Projäkt – Mir wänd nur dä FCZ

Schon wieder ein klarer Kategoriensieger, denn: wie viele Hardcore Metal-Vereinslieder gibt es weltweit? Die Südkurvenband Züri Projäkt hat davon gleich eine ganze Handvoll produziert. «Mir wänd nur dä FCZ» erinnert daran, dass es mal eine Zeit vor Hip Hop gab. Als die Stehplätze in sich nahe der Abbruchreife befindenden Schweizer Stadien von Sticker sammelnden Kuttenträgern dominiert wurden. Aufgenommen wurde der Titel zu Zeiten der Auf-/Abstiegsrunde 1999/2000, in welche der FCZ aufgrund eines administrativen Formfehlers (zu viele ausländische Spieler auf dem Matchblatt) im letzten Vorrundenspiel gegen Neuchâtel Xamax gerutscht war. Der polyglotte Trainer Raimondo Ponte schien die Idee hinter „zu viele Ausländer“ grundsätzlich nicht verstanden zu haben. Trotzdem oder gerade deshalb hiess die Devise: «Tschäggsches jetzt – FCZ!» 

Schoedo – Züri ghört de Zürcher

Den Reigen beschliesst Schoedo. «Züri ghört de Zürcher» – singt der geborene Berner «Fussball-Troubadour» Schömi. Als er vor zwei Jahrzehnten in die Limmatstadt gezogen ist, hat er schnell begriffen: Fussball in Zürich heisst Rivalität. YB-Fans finden den FC Breitenrain sympathisch und der Mutterverein FC Bern spielt schon seit Urzeiten keine wesentliche Rolle mehr. In Zürich sowie den Kleinstädten und Dörfern rundum hingegen weiss jeder Jugendliche, wer zur gleichen und wer zur anderen Seite gehört. Der Graben geht durch Schulhäuser, Büros und Amateurvereine. Es herrscht seit Jahrzehnten ein «Graffiti- und Kleberkrieg» im öffentlichen Raum und manchmal geht es auch etwas darüber hinaus. Mit Band-Partner Dominik Sheta hat Schömi viele FCZ-Vereinslieder publiziert und nimmt dabei wie es sich für einen Troubadour gehört, jeweils kein Blatt vor den Mund. Tröstend und provozierend zugleich ist an «Züri ghört de Zürcher» typisch für ein Vereinslied, dass der Konsum von Bier eine grosse Rolle spielt. Untypisch ist die Qualität des Songs und der Produktion.  

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Bild: FC Thun

Gegen YB hat der Letzigrundclub eine weitere Chance verpasst, gegen einen schlecht auftretenden Gegner wichtige Punkte zu holen. Der FCZ ist zudem nach dem 1:0-Heimsieg St. Gallens gegen Vaduz nun auch punktemässig das schlechteste Super League-Team des Jahres 2021. Dies bei einer mittlerweile guten Personalsituation. Massimo Rizzo kann beinahe aus dem vollen schöpfen. Der ehemalige Luzerner Hekuran Kryeziu erhält nach seinen Fehlern gegen YB eine Pause und wird durch Becir Omeragic ersetzt. Zudem kommt Antonio Marchesano auf der Zehnerposition für den anderen „Toni“ in die Mannschaft. Dieser beginnt ebenfalls als Ersatzspieler, genauso wie der zuletzt angeschlagene Marco Schönbächler. Aufgrund von Schönbis Rückkehr spielte Gnonto gestern mit der U21 bei Black Stars (1:2-Niederlage).

In Luzern erwartet die Zürcher ein Spiel, das mit ziemlicher Sicherheit über die Mentalität entschieden wird – und in diesem Bereich hatten die Innerschweizer in den letzten Jahren und auch in der aktuellen Saison meistens Vorteile gegenüber dem Stadtclub. Fabio Celestini hat sein Team in den letzten Spielen personell und taktisch unterschiedlich eingestellt. Nach einer vorgängigen Pechsträhne gab es für die Innerschweizer zuletzt in St. Gallen einen etwas glücklichen Punkt und einen späten, aber verdienten 1:0-Siegtreffer gegen Lausanne-Sport. Gegen den FCZ gibt es hingegen keine wesentlichen Änderungen im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen Lausanne vor vier Tage an gleicher Stätte. Einzig Simon Grether wird auf der Rechtsverteidigerposition von Routinier Christian Schwegler, der Ende Saison seine Karriere beendet, ersetzt.