Im Zusammenhang mit Assan Ceesay wurde nach der Saison oft vom „zweitbesten Torschützen“ der Liga gesprochen. Ausser Acht gelassen wurde dabei, dass der Gambier mit 20 Toren und 11 Assists der Top-Skorer der Liga war – und dies mit klarem Vorsprung vor Jordan Siebatcheu (26 Skorerpunkte) und Miroslav Stevanovic (24). Ausserdem war Ceesay der beste Torschütze aus dem Spiel heraus – Torschützenkönig Siebatcheu hatte fünf seiner 22 Treffer verwandelten Penaltys zu verdanken (Ceesay nur einen von 20). Im abschliessenden Heimspiel vor vollen Rängen im Letzigrund konnte Ceesay bereits im dritten Spiel in Folge einen Assist verbuchen: eine saubere Ablage vor dem Strafraum auf Tosin, der per Weitschuss zur frühen Führung traf. Später erhöhte Ceesay selbst auf 2:0 nach einem mit optimalem Timing mit dem schwächeren Rechten Fuss Guerreros in die Tiefe gespielten Ball.

Deutliche Leistungssteigerung – aber nur phasenweise

Zwar erreichte der FCZ bei weitem nicht mehr die Leistung wie noch in Basel oder St. Gallen, im Vergleich mit dem Heimspiel gegen Lausanne oder der Auswärtspartie in Lugano vermochte sich der mit der Rückrunden-Stammelf auflaufende Stadtclub aber nochmal deutlich zu steigern. Man konnte diese Leistungssteigerung allerdings nicht über 90 Minuten durchzuziehen. Die ersten 30 Minuten waren sehr gut, dann liess das Team nach, was dem FC Luzern den 2:2-Ausgleich noch vor der Pause ermöglichte. Der FCZ war in dieser Phase im Pressing und in der Rückwärtsbewegung zu passiv und wurde zwei Mal ausgekontert. Nach dem Seitenwechsel liess das Breitenreiter-Team dann bereits nach starken fünf Anfangsminuten wieder nach. Nach einem Einwurf erzielte Filip Ugrinic in der 55. Minute per Weitschuss die 2:3-Führung für Luzern.

FCZ drückt vor allem dank Krasniqi, Seiler und Guerrero auf den Ausgleich

Ab der 60. Minute übernahm der FCZ dank der beiden flinken Einwechselspieler Krasniqi und Seiler dann aber wieder das Szepter. Speziell der in der Rückrunde mit Leistungsschwankungen agierende Bledian Krasniqi konnte in den letzten beiden Partien in Lugano und gegen Luzern nochmal Pluspunkte sammeln. Die Innerschweizer scheinen dem 20-jährigen Zürcher als Gegner ganz allgemein zu liegen. Ab der 75. Minute und der Einwechslung Rohners für Aliti rückte Nikola Boranijasevic zurück in die Dreierabwehr. Der FCZ machte Druck und kam unter anderem zu vielen Eckbällen, die MVP Adrian Guerrero meist ideal in die Mitte brachte – Kryeziu und Kamberi gelang der verdiente Ausgleich aber nicht. Der als professionelles Vorbild vorangehende Guerrero war bereits beim Heimspiel gegen Lausanne der MVP gewesen. Mit einer gelinde gesagt eher mässigen Leistung verabschiedete sich der als Letzter ausgewechselte Ousmane Doumbia von den FCZ-Fans, nachdem er Tage zuvor bei seinem künftigen Verein Lugano noch die Captainbinde getragen hatte.

Performance & Stats

Telegramm

FCZ – Luzern 2:3 (2:2)
Tore: 2. Tosin (Ceesay) 1:0, 27. Ceesay (Guerrero) 2:0, 28. Ndiayé (Jashari) 2:1, 45. Campo (Abubakar) 2:2; 55. Ugrinic (Campo) 2:3.
FCZ – Brecher; Kamberi, Kryeziu, Aliti (75. Rohner); Boranijasevic, Dzemaili (60. Seiler), Doumbia (82. Coric), Guerrero; Marchesano (60. Krasniqi); Tosin, Ceesay (75. Kramer).
Luzern – Müller; Dräger, Burch, Simani, Frydek; Ugrinic (82. Emini), Jashari; Ndiayé (74. Tasar), Campo (64. Schulz), Abubakar (74. Schürpf); Sorgic (64. Kvasina).



In der „Supercoppa“ in der zweitletzten Super League-Runde der denkwürdigen Saison 21/22 herrschte von Beginn weg eine lockere, festliche Atmosphäre. Die Heimmannschaft war bis etwa drei Minuten vor dem offiziellen Anpfiff mit ihrer Ehrenrunde mit Trophäe durchs Stadionrund und der Verabschiedung von verdienten Spielern (Lavanchy, Lovric, Martic) beschäftigt. Um die 80. Minute herum liessen FCZ-Fans hinter dem Gästesektor eine veritable Meisterfeuerwerk-Show steigen, welche auch von den Lugano-Supportern dankbar bestaunt und mit Applaus bedacht wurde. Dann wurde die Partie fortgesetzt.

Andy Gogia erneut mit laschem Auftritt

Gleich mit dem ersten Konterangriff über Doumbia, Krasniqi, Ceesay und Rohner nach zwei Minuten ging der FCZ in Führung. Ex FCZ-Captain Rüegg hatte den Ball im Mittelfeld verloren und Gogia die butterweiche Flanke Assan Ceesays (mit Rechts!) am entfernten linken Pfosten per Direktabnahme versenkt. Das Tor motivierte Gogia aber nicht, sich von seiner besten Seite zu präsentieren, ganz im Gegenteil: der Rest seines Auftrittes im Cornaredo war ein Ärgernis und er wurde dann auch in der 58. Minute ausgewechselt. Auch Silvan Wallner und Ante Coric vermochten ihre Einsatzchance in der Startformation nicht zu nutzen.

Einwechslungen und taktische Umstellung bringen wenig

Most Valuable Player der Partie aus FCZ-Sicht war Zivko Kostadinovic, der mit einigen starken Interventionen eine höhere Niederlage verhinderte. Lugano zeigte eine bessere Körpersprache als einige Akteure beim FCZ und war wenige Tage nach dem Triumph von Bern emotional noch im Hoch – ähnlich wie der FCZ zuletzt in St. Gallen. Auch von den Einwechselspielern konnte nur Stephan Seiler überzeugen. Die Umstellung auf ein 4-4-2 in der 66. Minute mit vier nominellen Stürmern auf dem Platz (Tosin und Gnonto besetzten die Aussenpositionen im Mittelfeld) zeigte ebenfalls nur beschränkt Wirkung.

Highlights

Performance & Stats

Kommentare

Telegramm

Lugano – FCZ 2:1 (2:1)
Tore: 3. Gogia (Ceesay) 0:1, 4. Sabbatini (Bottani) 1:1, 28. Sabbatini (Lavanchy) 2:1.
Lugano – Saipi; Rüegg, Hajrizi, Ziegler, Valenzuela; Lovric (90.+1 Durrer); Custodio (85. Mahmoud), Sabbatini; Lavanchy (90.+1 Yuri), Celar (64. Amoura), Bottani (64. Haile-Selassie).
FCZ – Kostadinovic; Wallner (90.+1 Hodza), Kamberi, Mets; Rohner (66. Tosin), Doumbia, Gogia (58. Guerrero); Krasniqi (66. Kramer), Coric (58. Seiler); Ceesay, Gnonto.



Nach 11 Jahren (Royal Standard de Liège, Bayern München) ist der FCZ erstmals wieder in der UEFA Champions League-Qualifikation mit dabei. Dies hat sich die Mannschaft mit einer tollen Super League-Saison 21/22 erspielt, erlaufen und erkämpft. Schon vor der Auslosung der 2. Qualifikationsrunde der Champions League 2022/23 war klar, dass der Kontrahent des FCZ eine anspruchsvolle Hürde werden wird. Denn der Letzigrundclub geht als ungesetztes Team in die Affiche. Und so ist es auch herausgekommen: man trifft Mitte Juli zuerst auswärts entweder auf Qarabaq Agdam oder Lech Poznan.

Qarabaq Agdam ist der politische Prestigeklub aus dem erdölreichen Staat Aserbaidschan am Kaspischen Meer, der in den letzten neun Jahren acht Mal Meister seines Landes geworden ist. Qarabaq ist im Gegensatz zum FCZ international äusserst erfahren und hat sich in den letzten acht Jahren ausnahmslos immer für eine Europacup-Gruppenphase qualifiziert: sechs Mal Europa League, ein Mal Champions League und ein Mal Conference League. Aberdeen, Molde, APOEL oder Sheriff Tiraspol sind die Kaliber, die dabei gegen Qarabaq jeweils das Nachsehen hatten. Gegen Club Atletico de Madrid gab es 17/18 in der Champions League-Gruppenphase zwei Unentschieden und letzte Saison wurde in der Conference League der Sechzehntelfinal erreicht (Ausscheiden gegen Olympique de Marseille). Der FC Basel hatte dabei in der Gruppenphase grosse Probleme mit den Aseris. Im Hinspiel in Baku (0:0) hielt Heinz Lindner für den FCB hinten die Null und im Rückspiel im St. Jakob Park war Qarabaq zu Beginn beider Halbzeiten die bessere Mannschaft – und ihnen wurde vom Schiedsrichtertrio der verdiente Führungstreffer „geklaut“ (Ball klar hinter der Linie, kein VAR). Am Ende gewann Basel dank Cabral deutlich zu hoch mit 3:0.

Einerseits spielt die halbe Aserbaidschanische Nationalmannschaft bei Qarabaq, andererseits sind die ausländischen Verpflichtungen mit denjenigen des FCZ mindestens vergleichbar. Während der FCZ beispielsweise mit Tosin einst einen der besten Torschützen der Lettischen Liga verpflichtete, holte Qarabaq mit Wadji einen Top-Torschützen der Norwegischen Liga.

Spitzenteams der Polnischen Liga wie Lech Poznan waren in den letzten Jahren besser als der FCZ. Nehmen wir hingegen den FC Zürich Ausgabe 21/22 zum Massstab, dann bewegt sich dieser auf Augenhöhe. Auf Transfermarkt liegt der Marktwert von Lech mit 44,85 Mio Euro leicht über demjenigen des FC Zürich. Der wertvollste Spieler von Lech, Jakub Kaminski, wechselt diesen Sommer für 10 Mio Euro zu Wolfsburg. Beim FCZ sind die wertvollsten Spieler Gnonto und Omeragic ebenfalls begehrt beziehungsweise im Fall von Omeragic zusätzlich auch noch angeschlagen. Im Wintertrainingslager hatte der FC Zürich Mühe mit dem letztendlich Drittplatzierten der Polnischen Ekstraklasa, Pogon Szczecin (1:1). Lech Poznan hat schon seit zwei Jahrzehnten den grössten Support im polnischen Fussball. Im 41’000 Zuschauer fassenden Heimstadion kommen in der Liga im Schnitt 22’600 Fans an die Spiele. Beim UEFA Cup-Qualifikationsspiel 2008 in St. Gallen gegen GC war der ganze Auswärtssektor voll. Die polnischen Fans zeigten dem praktisch leeren Rest des Stadions eine Choreographie unter dem Motto „Why so serious?“ (Joker, Dark Knight).

Nach dem Einsatz von einigen Spielern aus der zweiten Reihe in den letzten Partien, lässt Trainer Breitenreiter im letzten Heimspiel vor auverkauftem Haus nochmal die Stammelf auf den Platz, die für diese Partie sicherlich noch einmal eine möglichst gute Leistung abliefern will.

FCL-Coach Mario Frick kämpft mit seiner Mannschaft noch gegen den Abstieg – so wie vor Jahresfrist, als er mit dem FC Vaduz zum letzten Spiel in den Letzigrund kam – und verlor. Heute schickt er eine offensiv ausgerichtete Mannschaft aufs Feld mit Sorgic, Ndiayé und Abubakar. Diese könnte im üblichen System mit Rhombus formiert sein – oder auch mit einem eher flachen MIttelfeld mit Ugrinic und Ndiayé auf den Seiten.

Zum wiederholten Mal in den letzten Jahren wird in der Swiss Football League über eine Änderung des Ligaformates diskutiert. Dabei gibt es keinen Grund, das Erfolgsformat 10+10 aufzugeben. Die Aufstockung auf 12+10 und darauf aufbauende Überlegungen im Hinblick auf eine Zulassung von U21-Teams in der Challenge League hätten in allen Bereichen negative Auswirkungen auf den Schweizer Spitzenfussball: sportlich, wirtschaftlich, sicherheitstechnisch und auch im Bereich der Talentförderung.

1)   Never Change a Winning Format

Seit Einführung von 10+10 hat die Schweizer Nationalmannschaft mit Ausnahme von 2012 alle Endrunden erreicht. Die Spielzeit für eigene Junioren in der Super League ist dank der 10er-Liga von 10% auf aktuell 21,7% geradezu explodiert. Die Schweiz liegt in diesem Bereich europäisch unter den ersten drei. Die durchschnittlichen Zuschauerzahlen haben von rund 5’000 in der 16-er Liga, über 7’000 in der 12er-Liga auf 11’000 in der 10er-Liga zugenommen. Gemessen an der Einwohnerzahl ist dies auch im internationalen Vergleich ein sehr hoher Wert. Dieser Zuschaueraufschwung hat den Schweizer Profiklubs unter anderem ermöglicht, ihre Talentförderung massiv auszubauen mit heutigen Jahresbudgets der Akademien von bis zu 4 Mio Franken pro Jahr.

Die Schweiz hat zudem mit diesem Format ihren jungen Talenten für den Sprung in eine internationale Topliga eine ideale Plattform bieten können. In gewissen Saisons war die kleine und nicht als «Fussballnation» betrachtete Schweiz im Ausländerranking der Bundesliga sogar auf dem 1. Platz. Und trotz grossem Aderlass an eigenen Talenten und beschränkten finanziellen Mitteln hat es die Super League parallel auch noch geschafft, sich im Klubfussball meist in den Top 15 der UEFA-Fünfjahreswertung zu halten. Sogar Challenge League-Klubs (Lausanne-Sport, FC Zürich, Vaduz) waren europäisch kompetitiv.

2)   Tiefere Zuschauerzahlen vorprogrammiert

Eine grössere Liga geht fast schon automatisch einher mit einem kleineren Zuschauerschnitt. In Österreich haben durch die Ligavergrösserung die Zuschauerzahlen sogar abgenommen obwohl gleichzeitig die Wiener Grossklubs Rapid und Austria neue Stadien eröffnet haben. Egal nach welchem Modus: es gibt mehr Spiele gegen unattraktivere Gegner. Und da die Zuschauereinnahmen sowohl direkt wie auch indirekt (Sponsoren, Werbegelder) für die Schweizer Klubs essenziell sind, ist dies ein ganz wichtiges Argument gegen eine Ligavergrösserung.

3)   Deutlich weniger TV- und Verbandsgelder pro Klub

Mit neu 12 statt 10 Teilnehmern bleibt für jeden einzelnen Klub weniger aus den TV- und Verbandsgeldern übrig. Die Super League-Klubs müssen bei diesen Einnahmenposten mit einer Reduktion um 15-20% rechnen.   

4)   Talentförderung ist in 12er-Ligen kleiner

Die Super League mit aktuell 21,7% ist europaweit die Nummer 3 in Bezug auf den Einsatz von im Klub ausgebildeten Spielern. Der Mythos, dass eine 10er-Liga wegen «grösserem Druck auf die Trainer» zu einer Vernachlässigung des eigenen Nachwuchses führt, ist nachweislich falsch. Ganz im Gegenteil: die Statistik aller europäischen obersten Ligen zeigt, dass die Einsatzzeiten von Spielern aus dem eigenen Nachwuchs mit der Ligagrösse generell abnimmt! Der Unterschied zwischen 10er-Ligen (beinahe 20%) und 12er-Ligen (etwas mehr als 15%) ist dabei speziell gross. In Österreich beispielsweise stammen aktuell nur 18,2% der eingesetzten Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, in Schottland gar nur 10,8%.

Wenn, wie in einer 10er-Liga häufig der Fall, alle Teams während der ganzen Saison entweder im Kampf um die Meisterschaft, die Europacup-Plätze oder gegen den Abstieg involviert sind, bringt dies gerade die jungen Spieler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weiter. Tragende Säulen des Nationalteams der letzten Jahre wie Yann Sommer, Steven Zuber oder Tranquillo Barnetta wurden in jungen Jahren im Abstiegskampf gestählt. Geht es in einer Partie zwischen Mittelfeldteams hingegen um Nichts, dann ist die Intensität tief, und die Talente lernen kaum mehr als in einem Testspiel. Erst durch Widerstand und Druck entsteht aus Basiselementen ein Rohdiamant. Talente, die mental und fussballerisch das Zeug für eine Top-Liga mitbringen, werden in der Super League von ihren Trainern auch in schwierigen Situationen gepusht. Ein Ricardo Rodriguez oder Granit Xhaka haben schon mit 17 Jahren konstantere Leistungen auf den Platz gebracht als deutlich erfahrenere Teamkollegen.

5)   Nicht genügend Infrastrukturen und Potential für mehr als 20 Teams, sowie erhöhte Sicherheitsbedenken

Trotz temporärer Suspendierung einiger entscheidender Infrastrukturkriterien aufgrund der schwierigen Nach-COVID-Situation haben in erster Instanz nur 20 Klubs die Swiss Football League-Lizenz für die Saison 22/23 erhalten. Bei konsequenter Anwendung der Lizenzkriterien wären es vor allem die Super League betreffend sogar deutlich weniger gewesen. Trotzdem wird eine Aufstockung auf insgesamt 22 Klubs vorgeschlagen. Als würde die Realität des Schweizer Fussballs ignoriert. Vor einigen Jahren wurde in einer Studie eruiert, dass 20 Fussball-Profiteams angesichts der Grösse und Struktur eines Landes wie der Schweiz die obere Grenze des Möglichen und Finanzierbaren darstellen.

Das leicht grössere Österreich kam über 7’000 Zuschauer im Schnitt nie hinaus und kam zum Schluss, dass es nicht in der Lage ist, 20 Profiklubs zu unterhalten. Deshalb wurde mit der Re-Amateurisierung der 2. Liga ein Schritt zurück gemacht.  Die Schweiz kann zwei professionelle Ligen betreiben. Allerdings nur, wenn sie nicht zu gross sind. Um einen einigermassen sinnvollen Wettbewerb um den Aufstieg in die höchste Liga zu gewährleisten, müsste zudem mindestens die Hälfte der Challenge League-Klubs die (infrastrukturellen) Voraussetzungen für die Super League mitbringen, also insgesamt 12 + 5 = 17 Klubs. Dies ist aber nicht der Fall. Bei einer 12-er Super League müssten zudem 17 Klubs in Bezug auf Sektorentrennung, Installationen und Polizeiaufgebot in der Lage sein, im Ligabetrieb Gästeteams wie den FCB, den FCZ, YB oder St. Gallen empfangen zu können.

6)   Gefahr der Verknöcherung und fehlenden Abwechslung

Falls durch eine Aufstockung auf 12 Teams gewisse Klubs tatsächlich in der Regel von Abstiegssorgen befreit werden, führt dies zu einer Verknöcherung und einem zu geringen Konkurrenzdruck in der Liga. Auch würde es langweiliger werden, wenn ausser FCB und YB weitere Klubs quasi «unabsteigbar» würden und daher zum Inventar der obersten Spielklasse verkommen.

7)   Verwässerung des sportlichen Niveaus

Die Qualität einer Liga wird bestimmt durch die Qualität seiner Spieler. Eine Erste Liga, die aufgestockt wird, wird «von unten» aufgefüllt mit Teams und Spielern, die ansonsten in der Zweiten Liga gespielt hätten. Bei einem Profi-Kader von 25 Mann pro Team sind dies in einem virtuellen Ranking die Profis Nummer 251 bis 300 des Landes. Diese bleiben grundsätzlich auch durch den «Aufstieg am grünen Tisch» die Profis Nummer 251 bis 300. Sie werden nicht wie durch ein Wunder bessere Fussballer. Es ist eher so, dass die besten 100 Profis durch Spiele gegen diese schlechteren Mannschaften weniger stark gefordert werden und die Gefahr besteht, dass sie sich vom tieferen Rhythmus anstecken lassen. Letztendlich wird die durchschnittliche Qualität (Technik, Tempo, Intensität) der Liga tiefer als zuvor sein.

Dies gilt für alle Wettbewerbe jeder Sportart, national wie international. Die Champions League-K.O-Phase mit den besten 16 Teams hat ein höheres Niveau, als die Gruppenphase mit 32 Mannschaften. Den Unterschied bemerken sogar Fussball-Laien. Wäre die deutsche Bundesliga eine 10er-Liga, hätte sie ein Champions League-ähnliches Niveau. Von den Mannschaften 11-18 würden je die besten 3-4 Spieler zu den Top 10 Teams wechseln. Es wäre ein Fussball mit nochmal deutlich höherer Intensität, Tempo und besserer Technik als heute.

Warum setzt die Bundesliga dies dann nicht um? Erstens weil in einem so grossflächigen Land Grossregionen mit mehreren Millionen Einwohnern dann nicht mehr in der Bundesliga vertreten wären. Und Zweitens, weil keine der anderen grossen Ligen diesen Schritt bisher gewagt hat – und Deutschland daher im sportlichen Vergleich mit England, Spanien oder Italien aufgrund der Ligagrösse kein Wettbewerbsnachteil entsteht – sie haben im Gegenteil zurzeit sogar einen kleinen Vorteil. In einem grossen Land wie Deutschland ist zudem der Qualitätsunterschied zwischen dem zehntbesten und dem elftbesten Team des Landes nicht so gross wie in der Schweiz.

8)   Fussball darf nicht «planbar» werden!

Fussball «planbar» machen zu wollen ist ein Anachronismus. Der erfolgreichste Sport der Welt lebt von seiner Unplanbarkeit: Spannung, Überraschungen, Drama, Krisen und  Wiederauferstehung. Er ist eine moderne Passionsgeschichte. Planbarer Fussball ist wie ein Metallica-Konzert in Zimmerlautstärke oder ein Zirkus-Artist, der kein Risiko eingeht. Warum soll man sich als Zuschauer so etwas anschauen gehen und dafür bezahlen?  Für den Schweizer Fussball ist es sehr gut, dass 1,5 von 10 Mannschaften absteigen. Für die Klubverantwortlichen zugegeben nervenaufreibend, aber so soll es auch sein! Wenn viel auf dem Spiel steht, strömen die Zuschauer in Scharen. Die abgrundtiefe Enttäuschung, der Scherbenhaufen, die Radikalkur: das alles zieht Fussballfans in ihren Bann. Im Abstiegskampf kommen häufig ebenso viele Fans ins Stadion, wie bei Spielen um die Meisterschaft.

Profifussball gehört zur Unterhaltungsbranche und diese ist nicht geeignet für Führungskräfte und Mitarbeitende, die mit schnell wechselnden Gegebenheiten nicht zurechtkommen. Klubs wie St. Gallen oder der FCZ haben in den letzten Jahren vom Abstieg in die Challenge League profitiert. Sie konnten sich neu aufstellen, Ballast abwerfen, eine neue Nähe und Begeisterung bei den Fans entfachen und den Wiederaufstieg feiern. Niemand feiert hingegen einen 9. Platz in einer 12er-Liga. «Planbarkeit» in den Fussball bringen zu wollen, bringt Alltag, Bürokratie, Verknöcherung, Stillstand und eine reduzierte Lernfähigkeit. All dies ist schlecht für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und den nationalen Unterhaltungsfaktor.

«Allein, weil man nicht absteigen kann, fehlt das Kribbeln im Bauch. Wenn man verliert, geht man nach Hause und denkt sich: Okay, nächste Woche haben wir wieder einen Match.»

(Blerim Dzemaili über die MLS)

9)   Die Challenge League ist gefährdet

Eine Ligavergrösserung der Super League hat auf die Challenge League grössere Auswirkungen, als auf die Super League selbst. Wenn man der Liga die besten zwei Teams wegnimmt, sinkt nicht nur die Qualität der Challenge League, sondern es fallen auch wichtige Einnahmequellen (zugkräftige Gegner) weg. Dazu kommt die sinkende Wahrscheinlichkeit, dass Klubs mit einer grossen Fanbasis wie St. Gallen, FCZ oder Luzern in gewissen Saisons die Challenge League zusätzlich beleben können. Die finanzielle Situation ist in jedem Land in der jeweils untersten Profiliga eng. Das ist beispielsweise in der Dritten Liga in Deutschland nicht anders, als in der Challenge League in der Schweiz. Diese Ligen funktionieren mittlerweile trotzdem gut.

Die Challenge League hat im Verhältnis zu Zweiten Ligen in vergleichbaren Ländern sogar einen sehr hohen Zuschauerschnitt. Eine Super League-Aufstockung könnte aber in der Challenge League zu solchen Mindereinnahmen führen, dass ihr Überleben als zweite Profiliga in Frage gestellt wird. Und dies könnte den Verfechtern einer totalen Verwässerung der zweithöchsten Liga durch die Zulassung von Reserve-Teams der reichen Klubs entscheidenden Auftrieb verleihen.

10) Finanzierung der Jugend-Akademien in mehreren Regionen gefährdet

Der Schweizerische Fussballverband und die Swiss Football League haben in den letzten Jahrzehnten ein ausgeklügeltes System entwickelt und immer weiter verfeinert, um den Nachwuchstalenten eine optimale Entwicklung zu ermöglichen. Die Anforderungen an die Akademien der Profiklubs in Sachen Professionalität der Ausbildung wurden dabei laufend erhöht – was Geld kostet. Dieses zusätzliche Geld konnten die Profiklubs nur dank den in den beiden 10er-Ligen in den letzten zwei Jahrzehnten gestiegenen Zuschauerzahlen und – einnahmen aufbringen.

Die Ligaaufstockung in der Super League (und allfällige Aufstockungen in der Challenge League) gefährdet speziell die wichtigen und grossen Nachwuchsabteilungen an Standorten wie Neuenburg, Aarau, Thun oder Winterthur. Dazu sind auch Wil, Kriens, Schaffhausen und Vaduz bis zu einer gewissen Stufe im Juniorenspitzenfussball des Schweizerischen Fussballverbandes engagiert. Die Mittel dazu werden durch den Profibetrieb generiert. Wenn ein solcher nicht mehr aufrechterhalten werden kann, verliert die Schweiz wichtige Standorte und Ausbildungsplätze für Fussballtalente.

11)   Hunderte von Arbeitsplätzen gefährdet

Kann die Challenge League als Profiliga nicht mehr aufrechterhalten werden, verlieren hunderte von Menschen ihre Arbeitsstelle. Die Zahl der Profiklubs wird dann von 20 auf 12, 14 oder 16 reduziert. Hunderte von Fussballern, Physiotherapeuten, Profi- und Spitzenjuniorentrainer sowie Angestellte der Administration der Klubs verlieren ihren Job. Zudem fallen zusätzlich viele Teilzeit- und Gelegenheitsjobs weg.

12)   Abstieg in Challenge League brutaler

Eine «amputierte» Challenge League würde für einen Super League-Absteiger einen brutaleren Aufprall bedeuten. Die sportliche und finanzielle Differenz zwischen den Ligen wäre so gross, dass ein Abstieg wirklich die Existenz gefährden könnte. Es wäre fast nicht mehr möglich, in der Challenge League eine Mannschaft mit Super League-Potential aufzubauen. Man müsste einen radikalen Schnitt machen und käme aus der sich daraus ergebenden Negativspirale von sinkender Qualität, Einnahmen und Zuschauerinteresse womöglich auch nicht mehr heraus.

13)   Fehlende Stufe in der Talententwicklung

Ein Talent braucht für eine optimale Entwicklung eine nahtlose Treppe, in welcher er Jahr für Jahr Stufe um Stufe nehmen kann. Entscheidend ist, dass jede Stufe vorhanden und für das Talente offen ist. Es gibt zwar Jahrzehnttalente, die den Sprung direkt aus der U18 zum Stammspieler der Super League schaffen, aber solche Fälle sind eine äusserst seltene Ausnahme. Viele Talente benötigen zudem zwischen der Reserve und der Super League den Zwischenschritt in einer tieferen Profiliga wie der Challenge League.

Das Schweizer System setzt erfolgreich darauf, dass die besten Talente möglichst früh durch Widerstände wachsen lernen. Die besten Mädchen spielen möglichst lange bei den Jungs mit und die talentiertesten Jungs möglichst früh bei den Männern. Mit 16 kann ein Talent bereits reif genug für die 1. Liga sein, mit 17 wäre er dann bereit für die Promotion League, mit 18 für die Challenge League und mit 19 für die Super League. Ein Klub, der wie aktuell GC, Luzern oder St. Gallen seine Reserve-Equipe in der 1. Liga engagiert hat, besitzt gegenüber dem FCB, FCZ oder Sion den Vorteil, ein Talent möglicherweise bereits ein Jahr früher gegen Männer in Wettbewerbsspielen einsetzen zu können.  

Für die Stufe Challenge League bieten sich für Talente aus Super League-Klubs dann Leihtransfers an, wie dies zuletzt der FCZ und YB sehr erfolgreich praktiziert haben. Der gleiche Weg ist aber auch über Transfers möglich, wie bei Zeki Amdouni, der von Meyrin über Stade Lausanne-Ouchy (SLO) zu Lausanne-Sport gewechselt ist. Vor seinem Engagement bei SLO wäre der Schritt in eine Super League-Equipe für Amdouni noch zu gross gewesen. Wäre die Challenge League allerdings keine Profiliga, dann wäre dieser Schritt für Amdouni wiederum zu klein gewesen! Er hätte in eine mit der heutigen Challenge League vergleichbare Liga wechseln müssen – und solche Optionen gäbe es dann nur noch im Ausland – zum Beispiel die Prva Liga (Erste Liga Sloweniens).

14)   Die Nationalmannschaft braucht eine starke Challenge League und Super League

Auf Stufe der U19-, U20- und U21-Nationalmannschaften hat die Schweiz im Vergleich zu vielen europäischen Ländern den grossen Vorteil, viele Spieler aufbieten zu können, die Stammspieler in der Challenge League sind und somit Woche für Woche Wettbewerbspartien gegen Profis bestreiten. Dies während bei den Gegnern eine grosse Anzahl von Talenten in dieser entscheidenden Phase ihrer Entwicklung immer noch hauptsächlich gegen andere Junioren- und Reserveteams Partien bestreiten, bei welchen die Resultate zweitranging sind.

Ein Drittel der heutigen Nationalmannschaft (Sommer, Akanji, Schär, Widmer, Zakaria, Freuler,…) hat einen wichtigen Schritt ihrer Entwicklung in der Challenge League gemacht. Das hohe Niveau durch den Profibetrieb der Zweiten Schweizer Liga war dabei ein entscheidender Faktor, um auf dem Weg in die Super League und später europäische Top-Ligen ein Schritt nach dem anderen nehmen zu können. Genauso ist es wichtig, dass beim darauffolgenden Schritt «Super League» das Niveau möglichst hoch ist, was bei einer 10er-Liga stärker gewährleistet ist, als bei einer 12-er Liga.

15)   Die Super League braucht eine starke Challenge League

Seit dem Start der 10er-Liga 2003 ist nur drei Mal ein Aufsteiger in der ersten Saison wieder abgestiegen (zwei Mal Vaduz, ein Mal Yverdon). Eine starke Challenge League bringt Abwechslung in den Schweizer Fussball, weil sie eine Zweiklassengesellschaft verhindert. Vor allem aber erhöht der Druck von unten die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Qualität der Super League und ihrer Spieler. Als Analogie auf einer höheren Stufe: Paris St-Germain scheitert selbst mit den besten Spielern und Trainern der Welt in der Champions League auch deshalb immer wieder, weil sie in der heimischen Liga im Vergleich zu spanischen oder englischen Spitzenteams weniger gefordert werden.

16)   Beispiel Österreich

Die Zuschauerzahlen in Österreich sind seit den Ligaaufstockungen (Bundesliga: 12, 2. Liga: 16) und der Zulassung von Reserve-Teams in der 2. Liga stark gesunken. Obwohl die Wiener Grossklubs Rapid und Austria ihre langersehnten neuen Stadien haben eröffnen können, sank der Zuschauerschnitt in der Bundesliga von rund 7’000 auf 6’000. In der 2. Liga haben sich die Zuschauerzahlen durch die Aufstockung sogar halbiert – von rund 1’800 auf 900. Die beiden Spielklassen haben nun nur noch rund die Hälfte des Zuschauerschnittes in der Schweiz. Dies obwohl Österreich im Vergleich etwas mehr Einwohner, eine deutlich eindrücklichere Fussballtradition und keine Konkurrenz durch eine zweite grosse Publikumssportart wie das Schweizer Eishockey hat.

Auch die Qualität speziell der 2. Liga ist durch die Ligaaufstockung in der Saison 18/19 stark gesunken. Beispiel: Haris Tabakovic war in den letzten zwei Saisons viertbester und bester Torschütze der Liga, nachdem er zuvor weder in der Challenge League noch in Ungarn Stammspieler gewesen war. Trotzdem spielen nur noch vier Reserve-Teams in der 2. Liga und zwei davon, Young Violets und Juniors Oberösterreich, stehen aktuell (Mai 2022) auf einem Abstiegsplatz. Nur Rapid II und Liefering (Salzburg) werden sich wohl noch in der Liga halten können. Liefering ist die grosse Ausnahmeerscheinung. Dank einem der weltweit besten und teuersten Ausbildungs- und Scoutingsysteme kann sich die Salzburg-Filiale mit einer reinen U21-Mannschaft weiterhin ohne Probleme in der 2. Liga halten. Juniors Oberösterreich hat hingegen sechs Spieler, die über dem U21-Alter sind, bei Rapid II sind es gar elf und bei den Young Violets zwölf! Das Konzept mit U21-Teams in der zweithöchsten Liga funktioniert also eigentlich nur für Salzburg. Einzelne Spieler gezielt in die 2. Liga auszuleihen würde sowohl sportlich wie auch finanziell für alle Anderen mehr Sinn ergeben.

Auch bei der zuletzt relativ erfolgreichen Phase im Europacup profitiert die Österreichische Liga in erster Linie von Salzburg. Trainer aus der Salzburg-Schule wie Adi Hütter und Peter Zeidler haben auch Schweizer Klubs auf ein höheres Niveau gehoben, und in Österreichischen Klubs gibt es natürlich noch viel mehr solche Coaches. Dasselbe kann man über die Spieler sagen. Die Schweiz profitiert bei Noah Okafor, Philipp Köhn und Bryan Okoh von Salzburg, Österreich bei noch deutlich mehr Spielern aus dieser Akademie, die dann mit Teams wie LASK auch im Europacup Erfolge feiern können. Die Modusumstellung hat Österreich hingegen auf sehr vielen Ebenen geschadet.

17)   Reserve-Teams in zweithöchster Liga schaden deutlich mehr als dass sie nützen

Reserve-Teams der Spitzenklubs in der zweithöchsten Liga mitspielen zu lassen, wird als Massnahme zur Talentförderung verkauft. Das Gegenteil wäre aber der Fall. Und zwar aus folgenden Gründen:

  • Eine solche Liga hätte zu wenig Zuschauer und Einnahmen, um sie auf Profi-Niveau betreiben zu können. Die Gegner dieser U21-Teams wären also vergleichbar mit heutigen guten Promotion League-Mannschaften. Das ist ein zu tiefes Niveau für potentielle künftige Nati-Stützen vom Schlage eines Yann Sommer, Manuel Akanji oder Denis Zakaria im Alter von 18 Jahren, kurz bevor sie Super League-tauglich werden. Sie benötigen zu diesem Zeitpunkt Spielpraxis in einer Profiliga, die vom Niveau her knapp unter der Super League situiert ist.
  • Gleichzeitig hat selbst ein FCB, YB oder ein FCZ nicht genug Talente in einer Altersgruppe, die auf zweithöchster Stufe eine kompetitive Mannschaft bilden könnten. Der FCZ, FCB, YB und Sion kommen bereits in der heutigen drittklassigen Promotion League nicht ohne erfahrene Verstärkungsspieler aus. In einer zweithöchsten Spielklasse müssten die Reserve-Teams möglicherweise die Hälfte der Mannschaft mit abgehalfterten früheren Super League-Profis besetzen: teuer und unnötig. Eine Reserve-Mannschaft, die auf tieferer Stufe spielt (beispielsweise 1. Liga) kann hingegen zu 100% mit eigenen Junioren antreten. In der heutigen Promotion League braucht es etwa zwei Verstärkungsspieler. Aus jeder Altersgruppe eines Klubs wie FCB, YB oder FCZ können es 1-3 Spieler nachhaltig in die obersten zwei Ligen schaffen. Jeder dieser Spieler braucht individuelle Lösungen und Betreuung. Nur für diese 1-3 Spieler aber ein ganzes Reserve-Team (25 Mann) mit Ach und Krach in der zweithöchsten Liga halten zu wollen, macht keinen Sinn.
  • Die Schweiz hat ein föderalistischeres System als beispielsweise Österreich mit mehr Klubs und Regionen, die in der Spitzenjuniorenausbildung an vorderster Front engagiert sind. 14 Klubs haben das volle Programm bis hinauf zur U21 (Reserve-Team). Die Mehrheit dieser Klubs wäre aber mit keinem Reserve-Team in der Zweiten Liga vertreten und könnte auch keine Spieler an die Amateurklubs der Zweiten Liga ausleihen, weil diese keine Profibedingungen aufweisen würden. Die zweithöchste Ligastufe wäre also für Talente aus der Mehrheit der Schweizer Jugendakademien komplett verschlossen. Sinnvolle Entwicklungsschritte Saison für Saison wie bei Sommer, Freuler, Zakaria, Akanji und Co: würden stark erschwert oder gar verunmöglicht.

18) Weniger Spiele (gegen Top-Klubs)

Durch eine Ligavergrösserung gibt es je nach Modus weniger Spiele und mit Sicherheit für den durchschnittlichen Super League-Klub weniger Partien gegen zugkräftige Gegner. Dies wird zu Mindereinnahmen führen. Warum sich zusätzlich zur Rückzahlung der COVID-Kredite noch weitere finanzielle Handicaps aufhalsen?

19)   Weniger verkaufte Saisonkarten

Die Einführung von Playoffs könnte mittelfristig zu einem Rückgang des Saisonkartenverkaufs führen. Der harte Kern wird zwar immer alle Wettbewerbspartien des eigenen Klubs sehen wollen, aber viele aus dem erweiterten Kreis von Sympathisanten werden sich bezüglich Stadionbesuch mehr und mehr auf die (wenigen) Playoff-Partien fokussieren.  

20)   Verlust der nationalen Vormachtstellung der Super League 

Die Super League hat heute in der Schweiz eine Vormachtstellung inne. Da es vom ersten Spieltag an um (voll zählende) Punkte geht, ist die Super League Woche für Woche von Juli bis Dezember und im Februar die Nummer 1 in Sachen TV- und Medienpräsenz im Schweizer Sport. Ab März beginnen im Eishockey die Playoffs und im Fussball ab März / April die heisse Endphase der Saison mit meist mehreren noch offenen Entscheidungen. In dieser Zeit sind Fussball und Eishockey in Sachen Medienpräsenz etwa gleichmässig vertreten.

Mit der Einführung von Playoffs gibt der Fussball seine Vormachtstellung während einem grossen Teil des Jahres leichtfertig auf. Die grosse Mehrheit der Spiele werden eine deutlich geringere Bedeutung und Aufmerksamkeit erhalten als heute. Man kann bis zu einem gewissen Grad von einer Verlängerung der Sommervorbereitung bis in den darauffolgenden April sprechen. Und dann wird innerhalb eines einzigen Monates alles entschieden. Es ist der gleiche Monat, in welchem weiterhin parallel auch der Eishockey-Final (Best of Seven) stattfindet.

Dass unter diesen Voraussetzungen das über viele Monate geringere Interesse innerhalb weniger Wochen durch eine «grenzenlose Playoff-Euphorie» in Sachen Einnahmen noch kompensiert werden könnte, ist höchst fraglich. Zumal es für die Mehrheit der Teams im Gegensatz zum Eishockey im Playoff nur um einen Europacup-Platz geht! Die Super League-Zuschauerzahlen sind schon heute für ein so kleines Land wie die Schweiz an der oberen Grenze des Erwartbaren. Im Eishockey dauert die Playoff-Phase immerhin satte drei Monate. Das Eishockey hat Playoffs, weil Nordamerika in diesem Sport das «Nonplusultra» ist. Und die kleineren Sportarten wie Handball, Basketball, Unihockey oder Volleyball haben spezielle Events und Playoffs eingeführt, um zumindest an einzelnen Tagen im Jahr zu Live-TV-Übertragungen zu kommen. Der Fussball hingegen hat Playoffs in Sachen Medienaufmerksamkeit nicht nötig. Im Gegenteil: es könnte ein Schuss ins eigene Knie werden.

Wer würde bei geringerem Interesse für die Super League von Juli bis April In die Bresche springen? Sicherlich die ausländischen Top-Ligen. Fussballinteressierte Schweizer (speziell die Jungen) werden sich am TV noch viel stärker auf Deutschland, England, Frankreich oder Italien fokussieren. Denn dort geht es in jedem Spiel von Anfang Saison an um entscheidende Punkte für die Meisterschaft. Ausserdem werden kleinere Schweizer Sportarten, Ligen und Events versuchen, in das durch den Fussball hinterlassene Vakuum vorzustossen – mit zusätzlichen Spezial-Events in dieser Zeit.  

21)   Qualität der Spiele und der Talententwicklung sinkt

Nicht nur die Medienaufmerksamkeit wird von Juli bis April abnehmen, sondern auch die Qualität der Spiele. Die Partie FC Zürich – Lausanne-Sport vom letzten Wochenende ist ein Beispiel, wie Super League-Fussball mehrheitlich aussehen wird, wenn es in den meisten Partien um wenig bis nichts geht: langsam, fehlerhaft, uninspiriert. So etwas wäre nicht nur schlecht für die Attraktivität der Liga, sondern auch für die Talentförderung. Mit der 10er-Liga liegt die Super League gemäss internationalen Studien hingegen bezüglich Intensität und Laufbereitschaft im europäischen Vergleich weit vorne. Die Spiele sind grösstenteils attraktiv.  

22)   Sportliche Fairness fehlt

«Über eine ganze Saison gleicht sich Glück und Pech aus». Diese tröstliche Erkenntnis gilt bei einem Playoff-System nicht mehr, speziell bei einem Best-of-3 oder gar Best-of-2 Modus. Einzelne Verletzungen, Sperren oder Fehlentscheidungen können eine ganze Saison kaputt machen. Die sportliche Fairness ist bei weitem nicht mehr im gleichen Mass gewährleistet, wie bei einer normalen Saison mit drei Punkten pro Spiel.

23) Schlechteres UEFA Ranking

Wenn der Zehntplatzierte durch gute Tagesform in einem einzelnen Spiel noch einen Europacupplatz ergattern kann, dann hat dies mittel- bis langfristig negative Auswirkungen auf das UEFA-Ranking der Super League.

Wer schon direkt nach einer Party-Nacht zur Arbeit gegangen ist, wird möglicherweise überrascht festgestellt haben, wie gut es am Vormittag gelaufen ist. Das Licht des neu anbrechenden Tages zusammen mit dem Adrenalin kann einen noch weit in den nächsten Tag hinein tragen. Wirklich heftig wird dann aber der Nachmittag. Je nach Art der Tätigkeit benötigt man grösste Anstrengung, nicht einzunicken. Ähnlich fühlte sich das Lausanne-Spiel an. Speziell die 1. Halbzeit war in der Meisterschaft die wohl schlechteste der ganzen Saison – und dies nach einer Top-Leistung in St. Gallen im ersten Spiel nach der Meisterparty. Auch nach der gesamten Spielzeit resultierte eine der tiefsten Züri Live-Durchschnittsnoten und Anzahl Defensivpunkte der Saison.

FCZ mit taktischen Problemen

Trainer André Breitenreiter erschien légère in Jeans an der Seitenlinie und griff trotz offensichtlichen taktischen Problemen seines Teams nicht ein. Da bei Lausanne Stürmer Zeki Amdouni weit zurückhängend agierte, hatten die Waadtländer über weite Strecken der Partie im Mittelfeld eine vier gegen drei-Überzahl, womit der FCZ als Team nicht zurechtkam – zumal die Defensivarbeit der Stürmer für einmal eher zu wünschen übrig liess.

Andy Gogia verpatzt erneut seine Startelf-Chance

Ante Coric war im Vergleich zu seinem starken St. Gallen-Spiel nicht mehr wiederzuerkennen. Und Andy Gogia konnte seine Chance erneut nicht nutzen. Als der Deutsche ab der 5. Runde drei Mal in Folge in der Startformation stand, waren dies die ersten drei von vier sieglosen Partien in Folge: die mit Abstand schlechteste Serie der FCZ-Meistersaison. Die in diesen Partien auflaufende Mannschaft hätte keinen Platz unter den ersten drei der Liga erreicht. Aufgrunddessen auf die Bank verbannt, bekam Gogia später in Yverdon eine erneute Chance und war mit seinem schlechten Auftritt in der 1. Halbzeit mitverantwortlich für das Ausscheiden. Mit Gogia auf der Ersatzbank ging es mit dem FCZ hingegen aufwärts. Nach gewonnener Meisterschaft erhielt er nun also nochmal die Möglichkeit, sich als Starter zu beweisen. Wieder wirkte Gogia lustlos und „neben seinen Schuhen stehend“, als würde er die Aufgabe gegen Gegner wie Yverdon oder Lausanne unterschätzen. In beiden Fällen nahm ihn Trainer Breitenreiter zur Pause raus.

Gogia, der Mann mit der Brechstange im Gepäck

Einen positiven Impact hatte Gogia in denjenigen Situationen, wo er zwischen der 70. und 75. Minute bei Rückstand oder Unentschieden eingewechselt wurde und in drei Fällen noch wesentlich zu Last Minute-Punktgewinnen beitrug: beim 2:1-Derbysieg in der 4. Runde, dem verrückten 3:3 gegen den FCB in der 12. Runde und dem 1:1 in Sion in Runde 22. Gogia ist als Einwechselspieler das Gegenstück zu seinem Landsmann Hornschuh. Dieser wird bei Vorsprung eingewechselt und schliesst mit seinem Positionsspiel und Fleissarbeit die Lücken, um den Vorsprung zu verteidigen. Gogia hingegen ist ein eher chaotischer, positiv ausgedrückt: unberechenbarer Spieler, der bei einem Rückstand mithelfen kann, mit der Brechstange noch ein Tor zu erzwingen. Aufgrund der erfolgreich verlaufenden Saison waren Hornschuhs Dienste häufiger gefragt, als diejenigen von Gogia. Dazu kam die Fussverletzung des georgischstämmigen Deutschen in der Rückrunde, zugezogen beim Herausholen des Penaltys in Sion gegen Cavaré.

Guerrero bringt Laufbereitschaft, Dominanz und Siegeswillen

Nach dem Dreifachwechsel zur Pause trat der FCZ besser auf. Speziell MVP Adrian Guerrero brachte mit seinen proaktiven Laufwegen auf der linken Seite viel mehr Dominanz und Siegeswillen ins Zürcher Spiel. Karol Mets und Stephan Seiler spielten während der ganzen Partie nicht mehr so überragend wie in St. Gallen, aber immer noch gut. Die Bestätigung ist bei beiden geglückt. Und der nach der Cupniederlage in Yverdon bei einem Teil der FCZ-Fans nicht hoch im Kurs stehende Zivko Kostadinovic zeigte, dass er eine gute Nummer Zwei ist. Dass dem aus dem Lausanne-Nachwuchs stammenden Keeper in der Nachspielzeit aber mit seinem schwächeren linken Fuss sogar ein grandioser Ball in Richtung Assan Ceesay gelang, der für den späten 2:2-Ausgleich Marchesanos entscheidend war, muss ihn wohl selbst fast am meisten überrascht haben. Denn mit den Füssen kann er grundsätzlich nicht mit dem Niveau eines Yanick Brecher mithalten.

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Performance & Stats

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La Südkurve bien supérieure à l’équipe!

Experte bei Blue Sport

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FCZ – Lausanne-Sport 2:2 (0:1)
Tore: 32. Koyalipou (Coyle) 0:1; 56. Ceesay (Marchesano) 1:1, 63. Kukuruzovic (Penalty, Mahou) 1:2, 90.+2 Marchesano (Ceesay) 2:2.
FCZ – Kostadinovic; Kamberi, Hornschuh (74. Dzemaili), Mets; Rohner (69. Khelifi), Seiler, Coric (46. Doumbia), Gogia (46. Guerrero); Marchesano; Gnonto, Kramer (46. Ceesay).
Lausanne-Sport – Castella; Zohouri, Grippo, Husic; Mahou, Trébel (87. Carraco), Coyle (72. Poundjé); Kukuruzovic, N’Guessan (57. Sanches); Koyalipou (57. Ouattara), Amdouni (87. Pollero).



Nach Meistertiteln sind der FCZ und Lausanne-Sport die Nummern fünf und sechs des Schweizer Fussballs. Daraus könnte man schliessen, dass die beiden Klubs einiges gemeinsam haben. Dazu gehört sicherlich der See und über lange Zeit ein Stadion mit Leichtathletikbahn. Die sportliche Entwicklung der beiden Klubs verlief aber jeweils gegenläufig. Man schwamm nie zusammen auf derselben Welle, sondern kreuzte sich stattdessen immer wieder mal in wegweisenden Partien: die Einen waren auf dem Weg nach unten, die Anderen nach oben.

Pioniere der Flutlichtspiele

In der Pionierphase des Schweizer Fussballs spielten internationale Schulen bei der Verbreitung des Sportes eine grosse Rolle und diese waren vor allem am Lac Léman beheimatet. In den 30-er Jahren holte Lausanne-Sports (damals mit einem „s“ am Ende) drei Meistertitel. 1954 wurde auf die Fussball-WM hin die Pontaise bezogen, das damals mit Abstand modernste Stadion der Schweiz. „LS“ wurde bekannt als „Könige der Nacht“, weil sie als einziger Schweizer Klub eine Flutlichtanlage hatten und darum abends spielen konnten – häufig spektakulär.

Cupfinal 2000 stellt die Weichen

Lausanne-Sports vermochte seit jener Stadioneröffnung aber nur noch einen seiner insgesamt sieben Meistertitel feiern: 1965. Der Klub blieb trotzdem im Gegensatz zum FCZ bis ins Jahr 2002 ununterbrochen Teil der obersten Schweizer Spielklasse. 1998 bis 2000 standen die Waadtländer in ihrer bisher letzten erfolgreichen Phase drei Mal hintereinander im Cupfinal, wobei sie die ersten zwei gewannen und den dritten im Penaltyschiessen gegen den FCZ verloren. Es war eines dieser charakteristischen Duelle, bei dem sich die Wege kreuzten. Lausanne stieg zwei Jahre später (aus administrativen Gründen) erstmals ab und blieb längere Zeit im Unterhaus, während der Cuptitel 2000 gleichzeitig für den FCZ der Auftakt zu erfolgreichen Nuller-Jahren war.

Auch in den 10er-Jahren immer in der entgegengesetzten Richtung unterwegs

In der Saison 15/16, als der FCZ abstieg, stieg gleichzeitig Lausanne auf. Als der FCZ wieder zurück im Oberhaus war, gings für Lausanne in der gleichen Saison wieder die Treppe runter. Mit dem Zürcher Giorgio Contini als Trainer gelang der erneute Wiederaufstieg im zweiten Jahr und beim starken Saisonauftakt ein deutlicher 4:0-Heimsieg in der 3. Runde, welcher dem Waadtländer Ludovic Magnin beim FCZ den Job kostetete. Bereits dessen Vorgänger Uli Forte hatte seinen Job unter anderem als Spätfolge einer lamentablen Leistung seines Teams auf der Pontaise verloren gehabt. Nur eine Saison später steigt Lausanne nun ab – und der FCZ wird Meister.

Gogia, Wallner, Kostadinovic mit Chance in Startelf?

Wettbewerbsverzerrung kann man beiden Teams nicht vorwerfen, wenn sie Spieler aus der 2. Reihe eine Chance geben. So werden sie dies wohl auch tun. Die Hinterreihe stellt sich in Abwesenheit von Omeragic (verletzt) und Aliti (gesperrt) fast von selbst auf. Im Zentrum könnte wieder das Stammtrio Doumbia – Dzemaili – Marchesano zum Zuge kommen, während möglicherweise auf der Seite das Leistungsniveau von Wallner und Gogia von Beginn weg getestet werden könnte. Denkbar auch, dass ein oder zwei Spieler aus der U21 oder U18 auf dem Matchblatt erscheinen könnten, zum Beispiel Selmin Hodza.

Mirlind Kryeziu ist genauso wie Tosin und Leitner nicht im Aufgebot. Hornschuh beginnt einen Tag nach Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung. Trainer Breitenreiter schickt mit Seiler, Coric und Marchesano ein offensives Zentrum in das Spiel. Je nachdem wie Lausanne im Mittelfeld gruppiert sein wird, wird wohl Coric stärker zurückhängend spielen, als in St. Gallen. Rechts darf Rohner an Stelle von Wallner ran. Auf der Bank: Brecher, Guerrero, Wallner, Krasniqi (wiedergenesen!), Ceesay, Boranijasevic, Doumbia, Dzemaili, Khelifi.

Zukunftsorientierte Aufstellung bei Lausanne?

Bei Lausanne könnte ein Kriterium für die Aufstellung sein, ob ein Spieler noch einen Vertrag für nächste Saison besitzt. Steht daher Castella für Diaw zwischen den Pfosten? Captain Stjepan Kukuruzovic kehrt wohl als Sütze im Zentrum zurück, dafür ist denkbar, dass der 19-jährige Carraco nach dem guten ersten Eindruck bei seinem Teileinsatz gegen Basel in der Startformation stehen könnte.

Lausanne seinerseits tritt im Zentrum mit Kukuruzovic, Trebel und N’Guessan an. Der Offensive Mittelfeldspieler Koyalipou wird wohl links für Poundjé auflaufen. Castella steht tatsächlich wieder im Tor, nachdem Diaw beim 0:0 gegen Basel wieder das Gehäuse gehütet hatte.