Das Team von Trainer Dorjee Tsawa konnte sich am Schluss an zugegebenermassen kleinen, aber durchaus bemerkenswerten Erfolgserlebnissen freuen. Die 18-jährige Naomi Mégroz schaffte es, die mögliche FIFA Weltfussballerin 2016 Dzsenifer Marozsan zu tunneln, der vor ein paar Tagen ebenfalls gerade erst 18 Jahre jung gewordenen Federica Cavicchia glückte nach ihrer Einwechslung eine sehr gute Leistung, die 16-jährige Malin Gut konnte an der Strafraumgrenze mit Dynamik an der Weltklasseverteidigerin Wendie Renard vorbeiziehen, Sandrine Mauron (19) gab im Mittelfeld keinen Ball verloren und Nicole Studer (20) war erneut sicher bei Flanken.

Die FCZ Frauen sind am Ende vor mehr als 4’000 Fans im Letzigrund auch im Rückspiel gegen Olympique Lyonnais chancenlos geblieben. Nach den fünf klaren Siegen gegen Pomurje, Slovan Bratislava, Vllaznia und zwei Mal Sturm Graz scheiden die Zürcherinnen mit dem brutalen Gesamtresultat von 0:17 gegen die „Weltauswahl“ aus Lyon aus. Ausser den USA und Kanada sind alle grossen Frauenfussballnationen mit ihren besten Spielerinnen im Olympique-Ensemble vertreten.

Die Französinnen traten in Bestformation and und gaben von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas. Dies verlangte Trainer Prêcheur so – der Rhythmus und Fokus sollte hoch gehalten werden, da in den kommenden Wochen noch entscheidende Spitzenkämpfe in der Französischen Liga anstehen. Trotzdem kamen die engagiert kämpfenden Zürcherinnen in der Schlussphase durch Bernet, Gut und Deplazes nahe an den absolut verdienten eigenen Treffer heran. Der Champions League-Achtelfinal gestaltete sich auch andernorts als eine Zweiklassen-Veranstaltung: Bayern – Rossiyanka 8:0, Wolfsburg – Eskilstuna United 8:1, Paris St-Germain – BIIK Kazygurt 7:1, Rosengard – Slavia Prag 6:1, Barcelona – Twente Enschede 5:0 (jeweils Gesamtskore). Zu hoffen bleibt, dass die Viertelfinals etwas spannender werden.

Nach der äusserst torreichen Partie gegen Aarau (Adrian Winter sprach gegenüber blick.ch spasseshalber von einem Tennis-Satz) bietet sich in der Rubrik „Statistik der Woche“ das Thema „Tore“ geradezu an. Der FCZ hat in den bisherigen 21 Wettbewerbsspielen der Saison 48 Tore erzielt und 15 erhalten. Bei den 48 erzielten Toren werden von Züri Live zwei als Eigentore gezählt, darunter zuletzt dasjenige von Schaffhausens Mevlja, der einen Marchesano-Eckball ins eigene Tor köpfte. Den Ausgleich in Aarau zählt Züri Live im Gegensatz zu sfl.ch als Tor für Kecojevic, da dessen Abschluss aufs Tor kam. Zudem hatte nach der Meinung dieser Publikation Cavusevics Schuss in Neuenburg die Linie bereits vor dem Nachschuss von Sarr überschritten, genauso wie der direkte Eckball von Rodriguez in Wohlen. Zudem wird das erste Wettbewerbstor der Saison gegen Winterthur Adrian Winter zugerechnet, da dieser den Abschluss von Rodriguez nachweislich noch berührt hat. Somit ist Winter zur Zeit alleiniger bester Zürcher Torschütze in der Challenge League mit 6 Toren.  Im Schweizer Cup und in der Europa League hat bisher noch kein Spieler mehr als ein Tor erzielt.

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Über alle Wettbewerbsspiele hinweg liegen Koné und Winter mit je 7 Treffern gemeinsam vorne. Moussa Koné kommt zusammen mit seinen drei Testspieltoren auf bisher 10 Goals in dieser Saison. In Wettbewerbsspielen gab es bisher 12 Zürcher Torschützen, über alle Spiele hinweg hat sich am Donnerstag in Chur der Ägyptische Testspieler Khalil Elnouby als 17.Torschütze in die Liste eingetragen. Neben Elnouby gibt es mit Simonyan und Pagliuca (ausgeliehen an Le Mont bzw. Wohlen) noch zwei weitere Torschützen, die zur Zeit nicht offiziell zum Kader der 1.Mannschaft des FCZ gehören.

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Armando Sadiku traf in dieser Europa League-Saison bereits nach 70 Sekunden im Madrigal zu Villarreal. Da sich der Albanische Stürmer in der Folge verletzte, bleibt er zur Zeit bei der hervorragenden Quote von einem Tor pro Europa League-Spiel. Die gleiche Quote kann der in diesem Wettbewerb bisher nur in Bellinzona eingesetzte Moussa Koné im Schweizer Cup vorweisen – ebenfalls mit einem Tor nach 70 Sekunden. Dass diese Quote trotzdem kein Zufall ist, beweist der Senegalese mit seiner Torquote von 0.71 pro Spiel in der Challenge League. Sadiku und Umaru Bangura (ein Tor in zwei Spielen) treffen in der Liga bisher in jeder zweiten Partie.

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Die gleiche Quote wie Sadiku in der Europa League und Koné im Schweizer Cup hat Elnouby im Total nach seinem aussergewöhnlichen Testspieltreffer gegen Vaduz. In Wettbewerbsspielen liegen Koné (0.64 Treffer pro Partie) und Sadiku (0.56) vorne. Davide Chiumiento konnte auf der Allmend Brunau von der löchrigen Rapperswiler Abwehr profitieren und hat deshalb in Testspielen die zweitbeste Bilanz.

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Moussa Koné schiesst in der Challenge League alle 48 Minuten ein Tor! Das bedeutet beinahe zwei pro Match. Bis zum Auswärtsspiel in Neuenburg hatte der 19-jährige mit mehreren Einwechslungen zusammengenommen erst rund 80 Minuten Challenge League gespielt, aber schon zwei Tore erzielt. In Neuenburg und zu Hause gegen Aarau stand der Senegalese dann die ersten beiden Male im Ligafussball in der Anfangsformation (jeweils ausgewechselt), erzielte dabei ein Tor am Neuenburgersee und zwei im Letzigrund.

Im Vergleich dazu: Torschützenleader Jean-Pierre Nsamé von Servette braucht mit 95 Minuten pro Tor doppelt so lange für ein Erfolgserlebnis. Ebenso FCZ-Verteidiger Bangura, wobei dessen Zahlen wegen bisher nur zwei Ligaeinsätzen noch nicht aussagekräftig genug sind. Die treffsichersten Stürmer der Super League haben folgende Werte: Doumbia: 81 Minuten, Janko: ’96, Hoarau ‚100, Marco Schneuwly ‚109, Duah ‚133, Alioski ‚140, Assifuah ‚146.

Dass Koné mit seiner Schnelligkeit und Mentalität viel Potential hat, war schon letzte Saison ersichtlich. Im Vergleich zu vor einem Jahr hat er sich mittlerweile beim FCZ vor allem im taktischen Bereich enorm verbessert. In den Testspielen erhielt Koné mit bisher 559 Minuten von allen Spielern am meisten Einsatzzeit, in den Pflichtspielen begann Koné mit sporadischen und kleinen Einsatzzeiten und wurde dann mit zunehmendem Verlauf der Saison immer mehr forciert.

Fünf Mal stand Koné bisher in der Startformation: 1x im Cup, 2x in der Europa League und 2x in der Challenge League. In die Saison gestartet als Stürmer Nr.3 hinter Sadiku und Cavusevic, der auch auf dem Flügel eingesetzt werden kann, hat Koné die Konstellation mit seinen Leistungen nun deutlich offener gestaltet – der FCZ wird dadurch weniger ausrechenbar. Steaua-Trainer Laurentiu Reghecampf zum Beispiel erwartete im Hinspiel in Bukarest beim FCZ einen kopfballstarken Stoss-Stürmer und war nicht auf den schnellen Koné in der Startaufstellung gefasst.

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Über alle Wettbewerbsspiele hinweg trifft Koné alle 68 Minuten das Tor, werden die zahlreichen Testspielminuten dazugenommen sind es 104 Minuten. Die Super-Quote in der Liga rührt also sicherlich auch etwas daher, dass Koné als Einwechselspieler überdurchschnittlich effizient ist. Spielt er häufiger von Anfang an, dauert es länger, bis er ein Tor erzielt. Man kann dies beim FCZ auch den „Pedro Henrique“-Effekt nennen. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass Koné in Testspielen in 559 Minuten „nur“ drei Mal getroffen hat, dabei aber sieben Assists beigesteurt hat. Dies ergibt alle 56 Minuten einen Skorerpunkt.

Die beste Totalquote hat zur Zeit der 18-jährige Khalil Elnouby, der bei seinem 45-minütigen Testspieleinsatz gegen Vaduz nicht nur seines Tores wegen überzeugt hat. Elnouby konnte sich auch technisch, spielerisch, bezüglich Beweglichkeit und Schnelligkeit gut in Szene setzen, und sich schnell ins Zürcher Spiel einfügen.

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In Wettbewerbsspielen am drittkürzesten für ein Tor brauchte nach Koné und Sadiku Marco Schönbächler. Der Flügel liegt damit in dieser Wertung noch vor zentraler spielenden Offensivkräften wie Cavusevic, Marchesano oder Buff.

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Wie häufig in dieser Saison gelingt dem FCZ im Spitzenspiel zu Hause gegen Aarau ein frühes Tor, diesmal war es nicht die ominöse zweite Minute, sondern die dritte. Mitentscheidend für diesen guten Auftakt war die starke Spieleröffnung von Kecojevic hinten heraus auf Stettler, der mit seinem Lauf durch die sich bietende Lücke an die Strafraumgrenze weitere Aarauer aus dem Spiel nahm. So hatten Schönbächler, Marchesano und Torschütze Winter genug Platz, um das 1:0 zu realisieren. Nach dem Aarauer Ausgleich zum 1:1 konnte Schönbächler mit einer feinen Einzelleistung im gegnerischen Strafraum den FCZ wieder in Führung schiessen, nachdem Kukeli mit guter Antizipation in der gegnerischen Hälfte einen verlorenen Ball schnell zurückerobert und direkt nach vorne gespielt hatte. Noch vor der Pause konnte Aarau aber wieder ausgleichen und erwischte dabei die Zürcher nach einem Abpraller aus dem Strafraum auf dem linken Fuss. Cédric Brunner vergisst in dieser Szene komplett, sich um seine rechte Seite zu kümmern. Er schaut nur vor den Strafraum auf den Ball und übersieht so den 10 Meter entfernt auf der Seite lauernden Ivan Audino (siehe Bild unten). Die gute Flanke des ehemaligen FCZ-Juniors kann so nicht mehr verhindert werden und ist in dieser Spielsituation dann in der Mitte schwierig zu verteidigen.

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In der zweiten Halbzeit geht der FCZ dann durch einen durch Marchesano souverän verwandelten Elfmeter wieder in Führung. Alain Nef, gegen den von Ref Bieri in der 1.Halbzeit beim 1:1 ein völlig unberechtiger Penalty erfunden worden war, verzichtete trotz des Gefühls, ungerecht behandelt worden zu sein, wie von Trainer Uli Forte vorgegeben auf allzu heftiges Reklamieren, und nahm sich dafür das „Recht“ einen ebenso unberechtigten Kompensationspenalty herauszuholen. Das 4:2 entstand aus einem weiteren von MVP Antonio Marchesano gut ausgeführten Standard (ein Eckball), beim 5:3 lieferte der einmal mehr mit viel Licht, aber noch mehr Schatten agierende Sangoné Sarr mit dem Absatz die schöne Vorarbeit, und das 6:3 (erneut durch Koné) entstand aus einer Massflanke des eingewechselten Buff.

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Bei diesem 6:3-Sieg fielen mehr Tore als in den letzten sechs Begegnungen dieses Duells zusammengezählt. Zuletzt hatte es drei Mal ein Unentschieden gegeben (1x 1:1, 2x 0:0). Aus Sicht von Züri Live Hauptverantwortlicher dafür war unser Experte, Schauspieler und FCZ-Fan Leonardo Nigro, der nach ziemlich genau einem Jahr das zweite Mal auf dem Sender zu hören war – das erste Mal war beim 5:3-Heimsieg gegen Lugano gewesen (damals gleichzeitig der erste Sieg unter Sami Hyypiä und der erste Heimsieg seit einem halben Jahr) – Nigro bringt also offensichtlich Tore, Spektakel und einen Zürcher Heimsieg in den Letzigrund. Hier die Spielinfos zu FCZ – Aarau mit Leonardo Nigro:

Antonio Marchesano ist in dieser Saison nach dem Auswärtsspiel in Wohlen und dem Heimspiel gegen Schaffhausen zum dritten Mal MVP. Der FCZ schoss in diesen drei Spielen zusammengenommen 16 Tore, kassierte aber auch 5. Marchesano war an 10 der 16 geschossenen Tore in der Entstehung oder im Abschluss beteiligt.  Auch bei seinen vorherigen Klubs Biel und Winterthur fielen mit Marchesano auf dem Platz immer wieder sowohl vorne wie hinten viele Tore. Mit Marchesano fehlt die defensive Kompaktheit, die vorne beginnen muss, dafür gibt es viele Tore. Auf Challenge League-Niveau kann diese Rechnung aufgehen. Marchesano war es auch, der den ersten in dieser Meisterschaft für den FCZ gepfiffenen Penalty souverän verwandeln konnte. Cavusevic hatte seinen im Europacup gegen Osmanlispor verschossen. Auffällig zudem, dass die Hälfte der 12 vom FCZ geschlagenen Flanken vom erneut gut spielenden Nicolas Stettler stammten.

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Der FCZ gewinnt das Freundschaftsspiel gegen den Super League-Klub Vaduz in Chur vor rund 1’000 Fans (vollbesetzte Haupttribüne) mit 2:0. Die erste Halbzeit gestaltete sich ziemlich ausgeglichen mit einem einem leichten Chancenplus für Vaduz. Ex FCZ-Linksfuss Stjepan Kukuruzovic verfehlte das Ziel aus der Distanz mehrmals nur knapp. Auf der anderen Seite des Spielfeldes traf Davide Chiumiento kurz vor der Pause nach einem Schönbi-Eckball den Pfosten.

In der zweiten Halbzeit konnte der FCZ vor allem mit spielerischen Mitteln immer mehr das Zepter übernehmen. Neben Buff und Chiumiento stand am linken Flügel mit dem 18-jährigen ägyptischen Testspieler Khalil Elnouby ein weiterer spielstarker Mann auf dem Platz. Folgerichtig ging der FCZ  nach sechs Minuten durch den von Moussa Koné an der Strafraumgrenze angespielten Oliver Buff in Führung. Dieser liess Gegenspieler Pfründer mit einem Haken aussteigen und traf überlegt rechts unten.

Was dann folgte ist in Worten schwer zu beschreiben. Uli Forte wird sich auf jeden Fall nun in Zukunft sehr einfach an seinen Hochzeitstag erinnern können, denn es ist der Tag nach dem Zaubertor von Khalil Elnouby. Erst glänzt Davide Chiumiento beim Doppelpass mit Moussa Koné rechts in den Strafraum mit einer filmreifen Zirkusnummer, dann kommt die Flanke Konés in die Mitte eher in den Rücken von Elnouby. Dieser trifft den Ball mit einer schnellen Drehung im Rückwärtsfallen mit dem Rücken zum Tor irgendwie doch noch und dann senkt sich dieser tatsächlich noch über Torhüter Chande hinweg unter die Latte. Das Tor des Jahres!

Neben Elnouby kamen auch Fabian Fellmann (U21), Maren Haile-Selassie (U18) und Shpetim Sulejmani (U21) zu ihren ersten Einsätzen in der 1.Mannschaft des FCZ. Fellmann gelang eine starke Parade bei einem scharfen Abschluss Messaouds aus 10 Metern und auch Haile-Selassie und Sulejmani schlugen sich ordentlich. Am stärksten empfehlen konnte sich aber Testspieler Elnouby. Mit Lulzim Salija war im Mittelfeld in der 1.Halbzeit ein weiterer U21-Spieler dabei. Ausserdem spielte der lange verletzt gewesene Mike Kleiber erstmals 90 Minuten durch. Eher einen zwiespältigen Eindruck hinterliessen Alesevic, Kempter und Brunner, die alle auf dem rutschigen Untergrund einen eher schlechten Tag erwischten.

Vaduz – FC Zürich 0:2 (0:0)
Tore: 51. Buff (Koné) 0:1, 58. Elnouby (Koné) 0:2.
FC Zürich: Favre (46.Fellmann); Kleiber, Bangura (61.Kecojevic), Alesevic (46.Nef), Kempter; Winter (46.Koné), Buff (61.Haile-Selassie), Salija (46.Brunner), Schönbächler (46.Elnouby); Chiumiento, Cavusevic (61.Sulejmani).

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Der FCZ nimmt Aufstellung vor dem Testspiel

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Khalil Elnouby nach seiner guten Halbzeit im FCZ-Dress

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Das Interesse am Champions League-Achtelfinal ist in Lyon bescheiden. Gut gezählte 500 Fans kommen im weitläufigen neuen Parc Olympique Lyonnais (Kapazität: 60’000) im Vorort Décines zum Spiel. Die nicht-klubeigenen Journalisten lassen sich an einer Hand abzählen. Dabei buttert Olympique Lyonnais mit dem am Spiel anwesenden Präsidenten Jean-Michel Aulas enorme Mittel in das Frauenteam.

OL-TV fährt rund um das Spiel eine rund vierstündige Live-Sendung mit Bildern aus den letzten Spielen des eigenen Teams und des Gegners, Analysen und unzähligen Live-Interviews. Ein Live-DJ und verschiedene Animateure versuchen das spärliche Publikum in Stimmung zu bringen. Hunderte von Stewards, Parkplatzeinweiser, Türsteher, Securities, Fanshop-Angestellte und Liftboys (!) kümmern sich und kontrollieren die paar wenigen Fans und Journalisten.

Die besten Spielerinnen bei Lyon, alle zur Weltklasse gehörend, verdienen über 10’000 Euro im Monat netto plus Prämien. In Europa gibt es nur ganz wenige Frauenteams in Frankreich, Deutschland und England, die sich in einem vergleichbaren Bereich bewegen. In allen Fällen können sie ihr Budget aber nicht selbst erarbeiten, sondern werden vom Männerteam (oder einem reichen Mäzen) unterstützt und querfinanziert. Die Eintrittsbillete zu den Frauenspielen sind auch in Lyon sehr günstig zu erwerben, damit nicht noch weniger Zuschauer kommen. Nochmal etwas andere Dimensionen herrschen in Nordamerika. Lyon-Präsident Aulas wirbt bisher vergeblich über Twitter (!) um seine Lieblingsspielerin Alex Morgan, für die er brutto pro Jahr wohl über eine Million Euro aufwerfen müsste. Ein Problem ist dabei allerdings auch, dass der in der MLS engagierte Ehemann Morgans (Ex-Teamkollege Adrian Winters bei Orlando City) in Frankreich wohl nur in der dritthöchsten Liga einen Platz finden würde.

Aus Nordamerika den Sprung nach Zürich gemacht hat die junge Kanadierin Adriana Leon, die nach der Partie zusammen mit Barla Deplazes, genauso wie Trainer Dorjee Tsawa Züri Live Red und Antwort steht. Die Enttäuschung über die klare 0:8-Niederlage ist gross. Man hat sich trotz der eindeutigen Vorzeichen insgeheim mehr erhofft. Die Zürcherinnen kamen zu keinem einzigen Abschluss. Bei der Auslösung der Konter fehlte häufig die Präzision und Übersicht, es wurden technische Kabinettstückchen versucht, anstatt die einfachste und zielgerichtetste Variante zu wählen, und taktische Fouls der Französinnen wurden von Schiedsrichterin Azzopardi aus Malta kaum geahndet. Zudem sicherten Lyons Defensivspielerinnen die den Ball attackierende Spielerin immer sehr gut ab, und hatten mit der einmal mehr jeweils sehr gut antizipierenden Wendie Renard im Zentrum eine «Lebensversicherung» immer zur Stelle.

Nachdem der FCZ im ersten Viertel der Partie das 0:0 noch hatte halten können, läutete das 1:0 von Eugénie Le Sommer nach einem Fehler von Lesley Ramseier aus Zürcher Sicht unheilvolle 20 Minuten ein, in welchen Lyon sechs Tore erzielen konnte. Das Zürcher Mittelfeld (Durchschnittsalter: 18 Jahre!) agierte in einigen Situationen «zu naiv», wie auch Französische Beobachter der Partie feststellten. Zudem hatten die Zürcherinnen bei Flanken von Dzsenifer Marozsan in der Luft keine Chance gegen Ada Hegerberg oder Griedge M’Bock. Marozsan ist mit Abily, Schelin und Kumagai eine von gleich vier Lyon-Akteurinnen auf der Liste der 10 Spielerinnen, die für die Wahl als „FIFA Weltfussballerin des Jahres 2016“ stehen. Die einheimischen Fans und Journalisten waren sich aber einig, dass die FCZ Frauen nicht schlechter waren, als Sechzehntelfinal-Gegner Avaldsnes aus Norwegen, oder die Gegnerinnen in der Französischen Liga, wo Lyon pro Spiel beinahe 7 Tore im Durchschnitt erzielt.

In der 2.Halbzeit liessen die Französinnen wie üblich kräftemässig und bezüglich Präzision etwas nach. Dazu stand das Team von Trainer Dorjee Tsawa noch etwas tiefer und die eingewechselten Julia Stierli und Patricia Willi gaben dem Team zusätzliche Stabilität und Luft zum Atmen. Es war deshalb kein Zufall, dass es die eingewechselten Tarrieu (mit einen schönen Hockeckschuss aus der Distanz) und Lavogez waren, die erst in den Schlussminuten der Partie noch je ein Tor zum 8:0 nachlegen konnten. Team-Captain Fabienne Humm war trotz Verletzung nach Lyon mitgereist, wird aber auch im Rückspiel im Letzigrund ausfallen. Das letztjährige offensive „Duo Infernale“ Humm/Terchoun (letztere nach Kreuzbandriss auf dem Weg zurück) fehlt der Mannschaft im Spiel nach vorne.


Olympique Lyonnais – FC Zürich Frauen 8:0 (6:0)

Tore: 22. Le Sommer (Hegerberg) 1:0, 26. M’Bock (Marozsan) 2:0, 29. Hegerberg (Abily) 3:0, 31. Hegerberg (Majri) 4:0, 35. Le Sommer (Hegerberg) 5:0, 41. Hegerberg (Majri) 6:0, 90. Tarrieu (Hegerberg) 7:0, 90+3. Lavogez (Abily) 8:0
FC Zürich Frauen: Studer; Mégroz (79. Bernet), Gensetter, Mauron, Fischer, Kuster; Gut, Ramseier (63. Stierli), Deplazes (66. Willi); Leon, Franssi.
Olympique Lyonnais: Bouhaddi; Houard, M’Bock, Renard, Majri; Bremer (71. Tarrieu), Seger, Abily, Marozsan (46. Kumagai); Le Sommer (57. Lavogez), Hegerberg.

Der FCZ gewinnt den Spitzenkampf gegen Aarau gleich mit 6:3 und hat nun auch gegen diese Konkurrenten zur Zeit eine positive Bilanz. Es ist der erste Heimsieg gegen Aarau nach 7 mageren Jahren! Zwei Wochen nach dem Blitzstart gegen Schaffhausen gelang dem FCZ erneut ein schnelles Tor, diesmal durch Adrian Winter nach einem guten Spielaufbau von Kecojevic und Stettler über links. Immer wenn zuletzt Antonio Marchesano in der Startformation stand, gab es einen torreichen Sieg: 5:0 in Wohlen, 5:2 gegen Schaffhausen, 3:1 bei Xamax und 6:3 gegen Aarau.

FCZ – Aarau 6:3 (2:2)

Tore: 3. Winter (Marchesano) 1:0, 27. Rossini 1:1 (Penalty, Besle), 36. Schönbächler (Winter) 2:1, 44. Burki (Audino) 2:2; 48. Marchesano 3:2 (Penalty, Nef), 51. Sarr (Marchesano) 4:2, 58. Rossini (Ciarrocchi) 4:3, 80. Koné (Sarr) 5:3, 82. Koné (Buff) 6:3.

FCZ: Vanins; Brunner, Nef, Kecojevic, Stettler; Winter, Kukeli, Sarr, Schönbächler (68. Rodriguez); Marchesano (79. Buff), Koné (83. Cavusevic).

Aarau: Bucchi; Thrier, Besle, Thaler, Markaj; Wüthrich (66.Tréand), Burki, Jäckle, Audino (74. Josipovic); Ciarrocchi, Rossini.

Zum Abschluss von drei Englischen Wochen empfängt der FCZ zu Hause Aarau. Es ist in der Meisterschaft bereits das zweitletzte Heimspiel des Jahres. Im September hat der Stadtclub im ausverkauften Brügglifeld in extremis durch das Tor von Ivan Kecojevic nach Vorarbeit von Moussa Koné ein verdientes Unentschieden geholt. Seither ist es Aarau in der Challenge League resultatmässig nicht mehr so gut gelaufen. Trotzdem gehören die Aargauer mit Wil, Xamax und dem FCZ weiterhin zu den Spitzenteams der Liga und es erwartet uns damit ein Spitzenkampf im Letzigrund. Die Direktbegegnungen waren in den letzten Jahren immer umkämpft und endeten häufig mit einem Unentschieden.

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Armin Alesevic weilte wegen einer Viruserkrankung in den letzten Tagen nicht bei der Mannschaft. Sein Einsatz gegen Aarau ist daher eher unwahrscheinlich. Wird es nach der frühzeitigen Auswechslung gegen Steaua auch für Kay Voser zu knapp, könnte erneut Nicolas Stettler links in der Startformation stehen. Möglich, dass Marco Schönbächler, der als einziger beim letzten Heimsieg gegen Aarau vor 7 Jahren (Torschützen: Djuric, Alphonse) dabei war, diesmal von Anfang an spielt. Eine Option ist zudem Antonio Marchesano für Oliver Buff in der Startformation.

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Bei Aarau kehren für die Innenverteidigung wohl Juan Pablo Garat und Stéphane Besle zurück, welche dem Team von Marco Schällibaum in den letzten Wochen sichtlich gefehlt haben. Die Aufstellung könnte wieder gleich aussehen, wie im September im Brügglifeld, mit drei defensiv starken zentralen Mittelfeldspielern und als wahrscheinlichsten Wechsel im Vergleich zu damals Denis Markaj an Stelle von Bruno Martignoni auf der Aussenverteidigerposition.