FCZ mit direktem Wiederaufstieg – was ist dieser Erfolg wert?

Weil das formstarke Schaffhausen zu Hause Neuchâtel Xamax 2:1 besiegt, reicht dem FCZ ein Unentschieden gegen Servette bereits in der viertletzten Runde zum sofortigen Wiederaufstieg in die Super League. Dies vor schaffhausen-xamax-endresultat-21allem dank hervorragenden ersten vier Monaten von Mitte Juli bis Mitte November. In dieser Phase blühte Oliver Buff in seiner Lieblingsrolle als hängende Spitze auf, und die neuverpflichteten Zürcher ohne FCZ-Vergangenheit, Adi Winter und Robi Rodriguez, brachten eine gute Mentalität in die Mannschaft.

Dabei gab es kurz vor dem ersten Saisonspiel zu Hause gegen den FC Winterthur noch einige Baustellen. Ein Teil der Spieler hatte noch Trainingsrückstand, andere wirkten überspielt. Zum ersten Spiel hin war der FCZ dann aber parat. „Die grosse Kulisse beim Kantonsderby gegen Winterthur war ein starkes Zeichen der Fans“, sagt FCZ-Trainer Uli Forte heute, 10 Monate später, wo der Aufstieg Tatsache ist. Von Mitte Juli bis Mitte November spielte die Mannschaft stark auf. Im Winter war es dann umgekehrt. In den letzten Testspielen vor Rückrundenstart gegen Dinamo Bukarest und St.Gallen glänzte das Team mit spielerischer Qualität und hohem Rhythmus. Beim Rückrundenauftakt in Genf fehlte dann aber plötzlich die Zielstrebigkeit und der letzte Biss.  Dies zog sich durch den ganzen Frühling hindurch. Zwar gab es seit der Winterpause auch etwas bessere Partien – im grossen Ganzen erinnerten viele Auftritte hingegen eher an schlechtere Saisonphasen der letzten Jahre in der Super League.

Trotzdem hat der FCZ bereits nach 33 von 36 Runden 79 Punkte gesammelt und nur zwei Partien verloren. Nach dem Abstieg aus der Super League den direkten Wiederaufstieg zu schaffen, ist sportlich durchaus vergleichbar mit dem Gewinn eines Cuptitels. Seit der Abschaffung der Barrage ist der FCZ die erste Mannschaft, welcher dies gelungen ist! Servette (5.), Lausanne (6.) und Aarau (4.) landeten nach ihrem Abstieg alle im Challenge League-Mittelfeld. Dass umgekehrt die Challenge League in ihrer aktuellen Form sehr kompetitiv ist, zeigt sich unter anderem daran, dass die letzten 10 Aufsteiger in ihrem ersten Super League-Jahr allesamt en suite den Klassenerhalt geschafft haben! Der letzte Aufsteiger, welcher gleich darauf wieder abstieg, war der von Pierre Littbarski trainierte FC Vaduz in der Saison 2008/2009.

Wer aufsteigt, bleibt im Normalfall also erst mal oben, und wer absteigt bleibt erst mal unten. Über die letzten 14 Saisons betrachtet sind nur vier der 18 Absteiger direkt wieder aufgestiegen. Zuerst Neuchâtel Xamax 2006/2007 mit Trainer Gérard Castella und Spielern wie dem jungen Raphaël Nuzzolo, Pascal Zuberbühler und dem Challenge League-„Knipser“ par excellence Moreno Merenda. Merenda war dann zwei Jahre später auch Teil der erfolgreichen Mission „Wiederaufstieg“ des FC St.Gallen unter Trainer Uli Forte. Sowohl Xamax, als auch St.Gallen zogen in ihrer Challenge League-Saison in ein neues Stadion ein. Forte blieb in St.Gallen zweieinhalb Jahre im Amt, bis im Verlauf der nächsten Abstiegssaison Jeff Saibene das Szepter von ihm übernahm. Dieser realisierte in der darauffolgenden Saison den dritten sofortigen Wiederaufstieg der Challenge League-Geschichte. Castella, Saibene und zwei Mal Forte habe dieses Kunststück also vollbracht.

super-league-absteiger-punkte-pro-spiel(Es fehlen in der Darstellung die Super League-Absteiger, welche Konkurs gegangen sind: Servette 05/06, Xamax 12/13)

Bis dato (*33. Spieltag) hat der FC Zürich in der aktuellen Saison 2,39 Punkte pro Spiel geholt. Das ist der zweitbeste Wert aller Absteiger der letzten 14 Jahre. Nur Uli Fortes St.Galler der Saison 08/09 hatten mit 2,6 Punkten einen noch besseren Schnitt. Damals wurde allerdings noch in einer 16-er Liga gespielt. Lugano war der einzige ernsthafte Konkurrent, gegen welchen in der ganzen Saison ganze zwei Partien ausgetragen wurden. Die Mehrheit der Konkurrenten wie Gossau, Locarno, Stade Nyonnais oder La Chaux-de-Fonds war deutlich unterlegen. Einen weiteren Unterschied zu damals sieht Trainer Forte in der Zusammenstellung der Mannschaft. St.Gallen hatte bereits ein kämpferisch starkes Team, welches von der Spielweise her gut in die Challenge League passte. Der FCZ habe hingegen immer zu den technisch stärksten Mannschaften der Super League gehört, und brauchte im letzten Sommer daher dringend als Ergänzung kampfstarke Spieler wie Winter, Voser oder Cavusevic.

 

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