Erster Testspielsieg 2018 für den Stadtklub in Belek gegen den Fussballklub Qäbälä! Bereits vor zwei Jahren hatte der FCZ gleichenorts im Wintertrainingslager gegen den aktuellen Meisterschaftszweiten Azerbaidschans und Europa League-Gruppenphasenteilnehmer gespielt – und 0:4 verloren. Von den damals von Sami Hyypiä eingesetzten Spielern waren nur noch Yanick Brecher, Alain Nef und Sangoné Sarr mit dabei. Und am Schluss der Partie gegen einen diesmal allerdings deutlich müder auftretenden Gegner stand ein 1:0-Sieg. Es war dies die 34. Niederlage Qäbäläs in ihrem 95. internationalen Spiel der Vereinsgeschichte.

Trainer Uli Forte liess gegen Qäbälä ähnlich spielen, wie im ersten Test des Winters gegen Schaffhausen (0:2). Die Teams der beiden Halbzeiten wurden einfach etwas anders gemischt, und Pa Modou war neu wieder dabei, dafür kam Toni Domgjoni zu keinem Einsatz. Marchesano spielte diesmal zentral im Mittelfeld, anstatt hinter den Spitzen, und Lavdrim Rexhepi im Dreimannsturm, statt auf der Seite. In beiden Halbzeiten wurde im 3-4-3 gespielt. Die Erste Halbzeit wurde klar vom FCZ bestimmt, was sich auch durch ein deutliches Plus bei den Abschlüssen und Eckbällen (10:2) ausdrückte.

Die Standards wurden in der Ersten Halbzeit alle von Linksfüsser Rexhepi geschlagen. Richtig zur Sache gingen beide Teams nicht. Es ist noch früh in der Vorbereitung und daher alles mit Vorsicht zu geniessen. Unter diesen Prämissen agierte Frey wie gegen Schaffhausen wenig inspiriert und von den Zentralen Mittelfeldspielern kam kaum etwas. Palsson (in Halbzeit 1) und Marchesano (im zweiten Durchgang) hatten in der Nähe des eigenen Strafraumes mehrere gefährliche Ballverluste, aber auch Rüegg und Aliu konnten sich wenig auszeichnen. In der Zweiten Halbzeit vermochte Qäbälä das Spielgeschehen etwas auszugleichen. Der FCZ war in den zweiten 45 Minuten mit Kontern gefährlich. Diese wurden meist aber nicht sauber zu Ende gespielt.

Das Verhältnis an Grosschancen war in etwa ausgeglichen und beide Teams erzielten je ein Offsidetor.  Auf Zürcher Seite war dafür der wie schon gegen Schaffhausen zentral in der Verteidigung eingesetzte, da aber nicht wirklich überzeugende Sangoné Sarr verantwortlich. Das einzige Tor des Spiels erzielte der FCZ auf einen Corner von Rodriguez von der linken Seite. In einem Spielerknäuel am entfernten Pfosten schraubte sich Cédric Brunner am stärksten hoch und provozierte so ein Eigentor seines Gegenspielers. Es war zum zweiten Mal in dieser Saison (nach Daprelà vom FC Lugano), dass Rodriguez einen Corner so in den Strafraum schlägt, dass einem Gegenspieler ein Eigentor unterläuft.

Qäbälä – FCZ 0:1 (0:0)

Tore: 57. Eigentor (Corner Rodriguez) 0:1.

FC Zürich (1. Hz): Brecher; Nef, Bangura, Kryeziu; Winter, Rüegg, Palsson, Pa Modou; Dwamena, Odey, Rexhepi.

FC Zürich (2. Hz): Vanins; Thelander, Sarr, Brunner; Rohner, Marchesano, Aliu, Haile-Selassie; Koné, Frey, Rodriguez.

 

Adrian Winter war in dieser Vorrunde nicht nur der effizienteste Zürcher im Abschluss, sondern auch der häufigste Flankengeber. 64 Flanken wurden von Züri Live im Verlauf der Vorrunde beim Teamplayer von der Pfnüselküste gezählt. Während der Partie hält er den Gegner, und im Training die eigenen Mitspieler auf Trab. Beinahe die Hälfte der Flanken stammen vom Trio Winter / Rodriguez / Pa Modou. Dwamena, auf der gleichen Position wie Rodriguez spielend, schlägt nur halb so viele Flanken wie dieser – und kaum mehr als der aus dem Zentrum ab und zu auf die Seite ausweichende Michael Frey. Die grösste Häufigkeit an Flanken weist Fabian Rohner auf mit umgerechnet 10,8 Flanken pro 90 Minuten.

Ebenso bei der Anzahl Steilpässe liegt Dwamena nicht im Bereich von Rodriguez, sondern eher in demjenigen der Zentralen Mittelfeldspieler Sarr, Palsson und Rüegg. Auch in dieser Kategorie liegen Winter und Rodriguez an der Spitze. Michael Frey liegt an dritter Stelle, was seine vom orthodoxen Rollenbild eines Mittelstürmers abweichende Spielweise illustriert.

Der FCZ erzielt in der Vorrunde rund 46% seiner Treffer über Standards (11 von 24). Das ist eine hohe Quote. Von diesen elf Standardtreffern sind sechs aus Eckbällen entstanden, drei aus Einwürfen, einer aus einem Freistoss und dazu ein Penalty. Beim erfolgreichen Penalty und Freistoss war Roberto Rodriguez jeweils der Ausführende – bei den Einwürfen war es ein Mal Pa Modou Jagne und beim 3:1-Sieg in St. Gallen zwei Mal Alain Nef. Mehrmals spielte Michael Frey eine wichtige Rolle sei es als Vollstrecker oder in der Weiterleitung eines Standards. Die sechs erfolgreichen Corner wurden je zur Hälfte von Sangoné Sarr und Roberto Rodriguez getreten. Beide sind Rechtsfüsser und hatten je zwei erfolgreiche Eckbälle von rechts sowie einen von links. Und beide haben es je einmal geschafft, dass ein gegnerischer Spieler den Eckball zu einem Eigentor ins eigene Netz ablenkte.

Insgesamt schlug Roberto Rodriguez siebeneinhalb Standards in und um den gegnerischen Strafraum pro 90 Minuten, Sangoné Sarr sechseinhalb. Eine ähnliche Quote hatte bei seinem Kurzeinsatz Antonio Marchesano, der in der Vorrunde 16/17 noch rund 15% aller Standards in der Zone 3 getreten hatte. Der Anteil der Rodriguez-Standards im „Angriffsdrittel“ erhöhte sich im Vergleich zur Vorrunde der letzten Saison von rund 38% auf etwa 46%. Ansonsten ersetzte Sangoné Sarr weitgehend Oliver Buff als zweiter wichtiger Standardschütze.

Bisher publiziert:

Vorrundenanalyse, Teil 1 – Torbeteiligungen

Vorrundenanalyse, Teil 2 – Schiessen und Treffen / Winter am effizientesten

 

Bis zum sechsten Spieltag war der FCZ Leader  der Super League, und dies obwohl das Team sich in dieser Anfangsphase der Saison nur 10 Abschlüsse pro Match erspielen konnte. Die Mannschaft konnte ihr Offensivspiel gemessen an den Anzahl Abschlüssen bis zum Ende der Vorrunde auf mehr als 16 pro Liga-Spiel verbessern. Paradoxerweise sank gleichzeitig aber auch die Punkteausbeute.

Grund dafür war in erster Linie die im Vergleich zum Saisonbeginn abnehmende defensive Stabilität. Die Offensivpower der Mannschaft war mit 24 Toren (drittschlechtester Ligawert nach Lugano und Sion) ganz grundsätzlich beschränkt. Analysiert man hingegen die Schwankungen der Torproduktion im Verlauf der Vorrunde, so sind diese in erster Linie auf die Abschlusseffizienz zurückzuführen, wie untenstehende (auf die Liga bezogene) Graphik aufzeigt. Die höchste Anzahl Abschlüsse in Super League-Partien erspielte sich der Limmatstadtclub mit 21 beim Auswärtsspiel in Sion am 4. November (1:1), erzielte daraus aber nur ein Tor. Es war das Spiel, in dem aufgrund der Leistung der FCZ als Sieger hätte vom Platz gehen müssen. Dank einer zwischenzeitlich auf rund 0,2 Tore pro Abschluss hochschnellenden Effizienz kam dann die Serie von drei Siegen in Folge gegen Lausanne (2:0), Thun (Cup, 4:3) und St. Gallen auswärts (3:1) zustande.

Der FCZ erzielt in der Super League aktuell mit am meisten Kopfballtore. Eines davon war das letzte der Vorrunde zum „Ehrentreffer“ in Lausanne durch Adrian Winter. Es war das zweite Tor Winters in den letzten drei Spielen des Halbjahres nach seiner Direktabnahme in St. Gallen. Davor hatte er das letzte Mal im April in Chiasso getroffen. Damit ist Winter mit einer 20%-Quote der treffsicherste Zürcher der Vorrunde. Nur neun Spieler konnten in der Liga bisher für die FCZ-Farben einnetzen – von diesen hatten Rodriguez, Dwamena und Palsson eine Abschlusseffizienz von unter 10%. Mit einer Abschlusseffizienz-Quote wie Sturmpartner Frey hätte Dwamena in dieser Vorrunde rund doppelt so viele Tore erzielt, also 8 statt 4. Die beste Assisteffizienz (Anteil der direkten Vorlagen, die zu Toren führen) hat Moussa Koné. Von dessen insgesamt nur zwei Vorlagen in der Liga wurde eine verwertet. Nachdem Koné bereits im Cup gegen Thun ein Assist gelungen war, bereitete er wenig später auch das Premièrentor von Stephen Odey gegen Luzern vor. Eine Assisteffizienz von je 20% weisen Alain Nef, Victor Palsson, Kevin Rüegg und Rasmus Thelander auf. Winter, Rodriguez und Pa Modou sind die FCZ-ler mit den meisten Flanken, was deren tiefere Assisteffizienz weitgehend erklärt, denn Flanken führen generell zu weniger Toren als Zuspiele in der Mitte.

Wettbewerbsübergreifend kommt Raphael Dwamena auf klar am meisten Abschlüsse (59). Acht davon fanden den Weg ins Netz, 51 waren vom Ghanaer vergebene Torchancen. Frey, Rodriguez und Koné hatten ebenfalls mehr als 30 Abschlüsse in der ersten Halbsaison, auch Palsson (25) und Nef (20) kamen viel zum Abschluss. Roberto Rodriguez spielte mit Abstand am meisten Vorlagen (46) zu Torchancen, an zweiter Stelle folgt Adrian Winter mit 30. Auch bei den Pre-Vorlagen liegt Rodriguez (28) vor Winter (24) zuvorderst.

Insgesamt war Roberto Rodriguez an 120 FCZ-Abschlüssen, das sind rund 38%, beteiligt. Davon resultierten 13 Tore und 107 nicht verwertete Torchancen. Raphael Dwamena war trotz seines kurzfristigen Ausfalles rund um den Transferschluss Ende August herum an beinahe einem Drittel aller Abschlüsse beteiligt, der dritte Stürmer Michael Frey kommt auf etwas unter 30%. Sangoné Sarr liegt bezüglich seiner Einsatzzeit in Wettbewerbsspielen diese Vorrunde nur an 13. Stelle, trotzdem war er am sechstmeisten an Abschlüssen beteiligt.

Gleich nach dem 1:1-Ausgleichstreffer durch Moussa Koné wurde am 27. August in Luzern Antonio Marchesano für Kevin Rüegg erstmals eingewechselt, nachdem sich der Tessiner zu Beginn der Vorbereitung gegen den FC Thun verletzt gehabt hatte. Wenige Tage später sah man den gleichen Marchesano in einem Testspiel in Freienbach gegen Rapperswil-Jona bei einem Vorstoss über die rechte Seite die Abzweigung Richtung Kabine nehmen. Er fiel für den Rest der Vorrunde aus. In den 29 Minuten von Luzern war er an drei Abschlüssen beteiligt, was ihn in der Wertung „Abschlussbeteiligungen pro 90min“, „Chancenbeteiligungen pro 90min“ und „Vorlagen pro 90min“ an die Spitze setzt. In der Tabelle ist ausserdem zu berücksichtigen, dass diese wettbewerbsübergreifend erhoben worden ist, und damit Spieler wie Dzengis Cavusevic, Fabian Rohner, Izer Aliu, Maren Haile-Selassie, Yassin Maouche, Kay Voser, Armin Alesevic und Yanick Brecher, die alle einen wesentlichen oder gar den ganzen Teil ihrer Einsatzzeit im Cup absolviert haben, einen Vorteil besitzen.

Von den regelmässig in der Liga eingesetzten Spielern ist Roberto Rodriguez auch im Verhältnis zur Spielzeit an am meisten Abschlüssen und Chancen beteiligt. Der frischgebackene Vater liegt zudem auch bei den Vorlagen und Pre-Vorlagen pro 90 Minuten vorne. Der erst gegen Ende der Vorrunde allerdings grösstenteils in der Liga eingesetzte Stephen Odey hat bei den Pre-Vorlagen pro 90 Minuten mit 1,9 den noch leicht besseren Wert. Wettbewerbsübergreifend haben neben Marchesano Dzengis Cavusevic (3,8 (ungenutzte) Torchancen pro 90 Minuten), Raphael Dwamena (3,1 Torchancen pro 90 Minuten), Stephen Odey (3,0 Torchancen pro 90 Minuten), Fabian Rohner (3,4 Vorlagen pro 90 Minuten) und Izer Aliu (3,4 Pre-Vorlagen pro 90 Minuten) hohe Werte in den Einzelwertungen.

Roberto Rodriguez hat seine Abschlussbeteiligungen im Verlauf der Vorrunde im Trend kontinuierlich gesteigert. Pa Modou, der im November eine starke Aufwärtstendenz zeigte, fiel für die letzten zwei (verunglückten) Partien von einem Schnitt von 6 Abschlussbeteiligungen pro 90 Minuten wieder auf 1,36 runter. In den letzten beiden Partien ihre Abschlussbeteiligungen noch gesteigert haben hingegen Frey, Odey und Winter.

Von den Zentralen Spielern in Mittelfeld, Hintermannschaft und Tor hatte meist Sangoné Sarr (zum Teil klar) am meisten Abschlussbeteiligungen pro Einsatzzeit. Der Senegalese hat mehr Abschlussbeteiligungen als Pa Modou und bewegt sich etwa auf gleicher Höhe mit Adrian Winter und Michael Frey. Auffällig stark zugelegt bei den Abschlussbeteiligungen hat im November und Dezember Rasmus Thelander, so dass dieser am Ende bei den Zentralen Spielern in den letzten beiden Partien gar an der Spitze dieser Wertung lag. Dies hat aber auch eine Kehrseite, denn der zunehmende Offensivdrang des Dänen bewirkte gleichzeitig eine wesentlich stärkere Anfälligkeit hinten, da dieser es häufig nicht mehr rechtzeitig zurück auf seine Position schaffte. Die abrupt starke Zunahme seiner Involvierung in Offensivaktionen lässt vermuten, dass dies auf Anweisung geschah – es kann sich aber natürlich auch um eine eigene Spielinterpretation handeln, verbunden mit zunehmender Sicherheit im neuen Team oder einer gewissen (Über-)Motivation.

Bisher publiziert:

Vorrundenanalyse, Teil 1 – Torbeteiligungen

Der FCZ überwintert zwar auf dem Dritten Platz und im Cup-Halbfinal, hat in der Super League aber nur 24 Tore erzielen können. So wenige waren es seit der Vorrunde 12/13 unter Trainer Rolf Fringer (19) nicht mehr. Und dies obwohl die Effizienz und Treffsicherheit vor allem im ersten Viertel der Saison ausserordentlich hoch war, und phasenweise überdurchschnittlich viele Treffer auf Standards (Corner, Freistösse, Einwürfe) gelangen. Wurde die eher magere Produktion von Torchancen aus dem Spiel heraus im ersten Saisonviertel durch die hohe Effizienz überdeckt, sorgte die abnehmende Treffsicherheit im zweiten Saisonviertel in Verbindung mit gleichzeitig abnehmender Defensivstabilität für einen Rückfall von der Spitze ins punktemässige Mittelfeld der Tabelle.

Der beste Ligatorschütze des FCZ (Michael Frey) kommt bei Halbzeit der Saison auf gerade mal sechs Treffer. Frey war allerdings auch in der Defensive sehr wichtig. Letzteres gilt auch für Roberto Rodriguez (drei Ligatreffer). Der dritte im Bunde im üblichen Dreimannsturm, Raphael Dwamena, blieb bezüglich Torproduktion (vier Ligatreffer) am deutlichsten unter den Erwartungen. Berücksichtigt man die vier Cuppartien, liegt Frey mit neun Wettbewerbstoren in der Winterpause vor Dwamena und Moussa Koné mit je acht.

Am meisten Assists steuerte Roberto Rodriguez bei (fünf in der Liga, sechs insgesamt). Trotzdem liegt Michael Frey auch beim Total der Skorerpunkte (Tore + Assists) mit neun in der Super League und 14 insgesamt vorne. Raphael Dwamena holte die Mehrzahl seiner Skorerpunkte (sieben von 13) in den vier Cuppartien, bei Moussa Koné sind es gar acht von elf. Dzengis Cavusevic erzielte in den 90 Minuten gegen Chippis fünf Tore und ein Assist – der Maximalwert in einem einzelnen Spiel.

Zählt man die Pre-Assists dazu, kommt Roberto Rodriguez auf elf Liga-Torbeteiligungen und Michael Frey auf zehn. Als Pre-Assists werden alle Zuspiele gezählt, die dem Assist vorausgehen, allerdings maximal eines pro Spieler und ohne die Pre-Assists des späteren Torschützen oder Assistgebers zu berücksichtigen. Damit wird ein an einem Tor beteiligter Spieler nicht doppelt oder dreifach gezählt. Dies wäre sonst Roberto Rodriguez zugute gekommen – hatte dieser doch gleich bei mehreren Treffern seinen Fuss in der Vorbereitung zwei oder gar drei Mal im Spiel. So aber drückt die Statistik „Torbeteiligungen“ die Anzahl Tore aus, an denen ein Spieler beteiligt war. Rodriguez war somit an 45% der FCZ-Ligatore beteiligt, Frey an 42%. Rodriguez hat sich somit im Vergleich zur Messung gegen Ende der letzten Vorrunde (Challenge League) nochmals verbessert. Damals lag er mit 41% Torbeteiligungen  teamintern ebenfalls auf dem Ersten Platz. Von den damaligen Top 5-Spielern ist Oliver Buff nach seinem Transfer nach Spanien nicht mehr dabei, und Antonio Marchesano sowie Marco Schönbächler waren während der Vorrunde verletzt. Letztere beiden gehören daher durchaus berechtigterweise bis zu einem gewissen Grad zu den Hoffnungsträgern für die zweite Saisonhälfte.

Selbst der effektive Rodriguez benötigt aber als bester Zürcher in der Liga 125 Minuten pro Torbeteiligung, gefolgt von Moussa Koné (132) und Michael Frey (156). Mit Berücksichtigung der Cupspiele liegt Dzengis Cavusevic (29 Minuten) vor Armin Alesevic (45) und Moussa Koné (54). Werden nur Tore und die direkten Assists gezählt, liegen in der Ligawertung Roberto Rodriguez (172 Minuten), Michael Frey (174) und Moussa Koné (175) praktisch gleichauf. Am „torgefährlichsten“ war Stephen Odey, der in seinen insgesamt 211 Ligaminuten seinen bisher einzigen Treffer im Heimspiel gegen Luzern erzielen konnte. Nur Michael Frey (260) und Moussa Koné (263) schafften es ebenfalls knapp, alle 270 Minuten (vier ganze Spiele), ein Ligator zu bejubeln. Extrem selten an Toren beteiligt sind Cédric Brunner und Umaru Bangura. 

Meisterschaftstorhüter Andris Vanins und Cuptorhüter Yanick Brecher waren an je drei Treffern mit Pre-Assists beteiligt. Beim 4:3-Sieg im Cup-Viertelfinal gegen Thun war Brecher an zwei Toren in der Entstehung beteiligt. Alain Nefs Torbeteiligungen nahmen im zweiten Saisonviertel stark zu. In dieser Saisonphase war er pro Match an 0,75 Toren beteiligt, was dem Schnitt eines Stürmers entspricht.

Auch Adrian Winters Torbeteiligungsquote nahm im Verlauf der Vorrunde zu und erreichte im zweiten Saisonviertel rund 0,65 Torbeteiligungen pro Match. Voser, Rohner und Haile-Selassie hatten im ersten Saisonachtel dank den Cuppartien gegen Chippis und Bassersdorf eine Torbeteiligungsquote von 1,5 – 2,0 pro Spiel.

Von den Zentrumsspielern hatte im ersten Saisonviertel Kevin Rüegg am meisten Torbeteiligungen, im zweiten Saisonviertel Victor Palsson. Izer Alius Torbeteiligungskurve ist mit derjenigen von Yassin Maouche identisch – beide wurden mehrheitlich im Cup eingesetzt.

Raphael Dwamena startete mit zwei Toren im siegreichen Derby und sechs Torbeteiligungen in Chippis in die beiden nationalen Wettbewerbe, seine Torbeteiligungsquote nahm dann aber im Verlauf der Vorrunde kontinuierlich ab. Roberto Rodriguez‘ Torbeteiligungsquote nahm im Verlauf der Vorrunde hingegen laufend zu, nachdem der Zürcher zu Beginn im Derby eingewechselt, und in Chippis geschont worden war. Dzengis Cavusevic hatte seinen „grossen Auftritt“ in Chippis, während Moussa Koné und Michael Frey Mitte der Vorrunde in Sachen Torbeteiligungen jeweils ein kleines Tief hatten.

 

Wer einen Sinn für Esoterik, Zeichen und Omen hat, wird nach der 0:2-Testspielniederlage in Schaffhausen optimistisch auf die anstehende FCZ-Rückrunde blicken. Zum vierten Mal hintereinander traf der FCZ in der Vorbereitung auf den FC Schaffhausen. Nach den beiden Niederlagen gegen die Munotstädter in den Saisonvorbereitungen 2016 und 2017 spielte der Stadtclub jeweils eine gute Vorrunde. Der 3:1-Sieg im allerersten Match im nigelnagelneuen LIPO Park vor Jahresfrist und die anschliessenden weiteren tollen Leistungen und Resultate der Wintervorbereitung läuteten hingegen eine eher durchzogene Rückrunde ein, die nur dank dem vorangegangenen starken Herbst den Wiederaufstieg in die Super League nicht in den Sand setzte. Ein Testsieg gegen Schaffhausen scheint also ein schlechtes Zeichen, eine Testniederlage gegen den gleichen Gegner hingegen ein gutes Zeichen zu sein.

Das Stadion war im Januar 2017 noch eine Baustelle im Endstadium gewesen, und die inoffizielle Stadioneröffnung dementsprechend unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt worden. Diesmal liessen sich 300 Fans (etwas mehr Zürcher, als Schaffhauser) den Match am frühen Mittwoch Nachmittag nicht entgehen. Sie sahen ein typisches Auftaktspiel in die Vorbereitung, ein etwas besseres «Anschwitzen». Betriebstemperatur wurde aber bei weitem noch nicht erreicht. Der FCZ war über weite Strecken spielbestimmend, Schaffhausen fokussierte sich wie auch in der Liga auf schnelles Umschaltspiel.

Aus solch einer Umschaltsituation entstand auch das 1:0, als die Gelb-Schwarzen in der 12. Minute erstmals am Zürcher Strafraum auftauchten und Tranquilli den in offsideverdächtiger Position halbrechts im Strafraum freistehenden Hélios Sessolo (11 Skorerpunkte in der aktuellen Challenge League-Saison) bediente, und dieser alleine vor Torhüter Vanins den Ball über den Lettischen Fussballer des Jahres lupfte. Der Offensivmann aus dem Waadtland war es dann auch, der in der 26. Minute nach einem Umfaller Tranquillis im Anschluss an ein Del Toro-Dribbling von rechts an der Grundlinie in den Strafraum den von Ref Schärer etwas übereifrig gepfiffenen Elfmeter souverän zum Endresultat von 2:0 verwandeln konnte.

Der FCZ spielte in der Ersten Halbzeit im gewohnten 3-4-3. Zu Beginn der letzten Rückrunde war Mirlind Kryeziu während drei Partien in Uli Fortes Team in der Startformation gestanden, und hatte dabei bei einem 4:1-Sieg in Wil auch gleich sein erstes Profitor erzielt gehabt (seinen Einstieg im Profibereich hatte er zuvor während einer Leihe zum FC Biel gefeiert). Ein durch einen Kreuzbandriss geprägtes Jahr später nimmt der 20-jährige Zürcher einen neuen Anlauf und machte seine Sache vergleichsweise gut. Seine routinierten Nebenleute Bangura und Thelander wirkten deutlich weniger solide und fokussiert. Und gerade auch der häufig hadernde Michael Frey präsentierte sich zum Auftakt ähnlich uninspiriert kämpfend wie zeitweise zum Vorrundenabschluss in Lausanne.

Izer Aliu hatte in der Ersten Halbzeit am meisten Spielanteile und suchte immer wieder mit Maren Haile-Selassie, Michi Frey, Fabian Rohner oder Roberto Rodriguez den Doppelpass. Der 19-jährige musste sich aber auch ein, zwei Mal von den „viferen“ Challenge League-Profis Schaffhausens den Ball abluchsen lassen. Maren Haile-Selassie hatte auf der linken Seite etwas mehr gute Szenen als Fabian Rohner auf rechts, der in diesen ersten 45 Minuten noch nicht ganz die Bindung zum Spiel fand.

Zur Halbzeit wechselte Forte das gesamte Team aus. Lavdrim Rexhepi kam dabei auf links zu seinem ersten Einsatz in der 1. Mannschaft und bestätigte seine zuletzt guten Trainingseindrücke. Wie gegenüber Züri Live in einem Kurzinterview geäussert will der Offensivmann das Beste herausholen – und dies in jeder Situation, sei es im Spiel oder im Training. Etwas weniger zu sehen war von Mittelfeldspieler Toni Domgjoni. Dieser war zwar bemüht, bekam aber kaum mal einen Ball in die Füsse. Mit Marchesano feierte der zweite «Toni» wie Kryeziu nach Verletzungspause sein Comeback. Für den Tessiner wurde das System in der Zweiten Halbzeit leicht angepasst. Aus dem offensiven Dreizack Koné – Frey – Rodriguez der Ersten Halbzeit wurde der Triangel mit Marchesano auf der 10-er Position hinter einem Zweimannsturm Dwamena – Odey.

Der FCZ-Anzug für die Zweite Halbzeit begann gut, schien aber im Verlauf des Durchganges bereits relativ früh müde zu werden, so dass dann gegen Ende der Partie nie wirklich das Gefühl aufkam, der FCZ könnte noch die zwei Tore zum Ausgleich erzielen. Schaffhausen-Coach Smiljanic wechselte etwas weniger und später, als sein Gegenüber auf der Zürcher Trainerbank. Der 22-jährige Innenverteidiger Stefan Umjenovic vom Österreichischen Zweitligisten Florisdorfer AC wurde 78 Minuten lang getestet und für die Schlussphase durch Pedro Pacheco vom FC Basel ersetzt. Beide sind Kandidaten als Ersatz für den zu GC gewechselten Juniorennationalspieler Jean-Pierre Rhyner. Weitere neue Gesichter bei den Gelb-Schwarzen waren Mittelfeldspieler Yannick Helbling von Rapperswil-Jona als möglicher Ersatz für den ebenfalls zu GC gewechselten Bujar Lika, und der 18-jährige Jovan Rether aus der Zweiten Mannschaft.

Schaffhausen – FCZ 2:0 (2:0)

Tore: 12. Sessolo (Tranquilli) 1:0, 26. Sessolo (Penalty, Tranquilli) 2:0.

Schaffhausen: Grasseler; Gonçalves (46. Loosli), Umjenovic (78. Pacheco), Mevlja; Tranquilli, Bunjaku (62. Rether), Helbling (78. A. Demhasaj), Mikari (46. Fioravanti); Del Toro (46. Castroman); Sessolo (62. Gül), Barry.

FC Zürich (1. Hz): Vanins; Thelander, Bangura, Kryeziu; Rohner, Palsson, Aliu, Haile-Selassie; Koné, Frey, Rodriguez.

FC Zürich (2. Hz): Brecher; Nef, Sarr, Brunner; Winter, Rüegg, Domgjoni, Rexhepi; Marchesano; Dwamena, Odey.

Trainingsauftakt 2018. Die ganze Bande ist wieder da und macht die Allmend unsicher. Ganze Bande? Nein, der Vertrag mit Dzengis Cavusevic war aufgelöst worden. Der Slowene hatte 2017 nicht mehr an seine gute Phase im Herbst 2016 anknüpfen können. Er wird wohl zurück zum FC Wil wechseln, eine Mannschaft, die im Herbst häufig einen guten Allgemeineindruck hinterlassen hat, aber im gegnerischen Strafraum zu ungefährlich war. Ausserdem wurde an Kay Vosers 31. Geburtstag bekanntgegeben, dass dieser in der Rückrunde nicht mehr zum Kader der Ersten Mannschaft gehören wird. Sein letztes Spiel war die 0:4-Derbyniederlage gegen GC gewesen, bei welcher Voser den Gegner mit seinen Fehlern aufbaute. Sowohl in dieser Partie, wie auch beim vorangehenden 3:1-Sieg in Thun war er mit jeweils Züri Live-Note 2 schlechtester Mann auf dem Platz gewesen. Die besten Auftritte Vosers im FCZ-Dress datieren wie bei Cavusevic vom Herbst 2016. Dies waren die Europa League-Partie in Bukarest sowie der wichtige 3:1-Sieg auf der Maladière gegen Xamax gewesen.

Die beiden Abgänge haben nichts mit einem Überangebot auf den jeweiligen Positionen zu tun. Ganz im Gegenteil. In der Sturmspitze beispielsweise wurde in der Vorrunde auch mal Moussa Koné getestet, aber dieser konnte die Rolle als Zielspieler nicht zufriedenstellend ausfüllen. Mit Schwung aus dem Raum und von der Seite kommend fühlt sich der Senegalese deutlich wohler. Cavusevic war vom Spielertyp her der einzige echte Ersatz für Michael Frey. Voser seinerseits wurde in seiner FCZ-Zeit häufig auf der linken Seite eingesetzt, sass aber im letzten Spiel vor der Winterpause in Lausanne auf der Bank, obwohl Pa Modou und Kempter verletzt und Brunner krank waren. Coach Uli Forte traute zu diesem Zeitpunkt Offensivmann Roberto Rodriguez in dieser Rolle mehr zu, als Voser oder Haile-Selassie. Während eine solche Entscheidung für einen 18-jährigen noch nicht das «Ende der Fahnenstange» bedeuten muss, ist dies bei einem damals 30-jährigen sehr wohl der Fall.

Cavusevic und Voser sind beliebt in der Mannschaft und im Verein, sie können Rollen auf dem Platz einnehmen, die aktuell durchaus gefragt wären, und sie waren phasenweise wichtig in der Aufstiegssaison. Das alles ist schlussendlich aber sekundär. Der entscheidende Punkt ist, dass es beiden von der Qualität her für das vom FCZ jetzt in der Super League angestrebte Spielniveau nicht mehr reicht. Uli Forte und sein Trainerteam basieren den Aufbau der Mannschaft nicht auf einem starren taktischen Schema, in welches dann jede Position (zum Teil auch mit «Lückenbüssern») «doppelt besetzt» wird. Ausgangspunkt sind stattdessen die zur Verfügung stehenden Spieler. Das System soll so gestaltet werden, dass die besten Spieler des Kaders sich optimal entfalten,  und ihre Stärken einbringen können. Auf dieser Basis hat sich Forte zu Saisonbeginn für das 3-4-3 als aktuelle Grundformation entschieden.

Die Qualitäten der Spieler werden dabei immer wieder neu evaluiert. Einen Profi für immer und ewig auf eine Position festzunageln, auf der er seit Juniorenzeiten schon immer gespielt hat, macht wenig Sinn. Hat ein junger Spieler körperlich zugelegt, ein älterer Spieler etwas an Geschwindigkeit verloren oder ein Mittelfeldspieler zeigt plötzlich ungeahnte Skorerqualitäten, wird dies berücksichtigt. Die aktuellen Qualitäten der Spieler optimal fürs Team zu nutzen, kann den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Izer Aliu beispielsweise hat aufgrund seiner spielerischen Qualitäten in der Academy im Zentralen Mittelfeld gespielt. Aber reicht seine Handlungsschnelligkeit auf dieser Position auch für gehobenes Super League-Niveau? Und wie wirkt sich sein Wachstumsschub auf sein Spiel aus? Bei seinem ersten Einsatz auf dieser Stufe in Lausanne zeigte Aliu ganz gute Ansätze – allerdings in einer Spielphase, in welcher der Gegner nicht mehr volle Gegenwehr an den Tag legte. Am ersten Trainingstag des neuen Jahres wurde der 18-jährige im Trainingsspielchen mit verkürztem Spielfeld auf der linken Seite eingesetzt, und machte da seine Sache ganz gut, während der offenbar noch nicht hundertprozentig fitte Pa Modou zusammen mit Torhüter Yann-Alexandre Fillion und Physio Zivorad Filic seine Runden um den Platz drehte.

Das schönste Tor des Trainingsspiels erzielte Aliu nach schönem Doppelpass mit seinem langjährigen Kompagnon Toni Domgjoni, der die Wintervorbereitung mitbestreiten darf. Ohne die beiden auf die gleiche Stufe mit den FCZ-Koryphäen stellen zu wollen, repräsentiert Aliu eher den «Spielertyp Margairaz», während man Domgjoni als «Typ Dzemaili» bezeichnen kann. Ein Zentraler Mittelfeldspieler, der Verantwortung übernimmt, zweikampfstark agiert und jede sich öffnende Lücke zu schliessen versucht. Wie Dzemaili stürmt er bei Gelegenheit aber auch gerne nach vorne und geht in den Abschluss. Domgjoni war Captain des Teams mit unter anderem Rüegg, Rohner , Aliu (und als Ersatz Haile-Selassie), welches 2016 in einem dramatischen Derby auf dem GC Campus den U18 Schweizer Meistertitel holte.

Flashback – Antoniazzi und Domgjoni mit U18-Nati 1:1 gegen Deutschland: https://www.zuerilive.ch/2016/04/u18-jungs-antoniazzi-und-domgjoni-11-gegen-deutschland/

Flashback 2 – FCZ U18 – mit viel Grinta zum Titel: https://www.zuerilive.ch/2016/06/fcz-u18-mit-viel-grinta-zum-titel/

Flashback 3 – Izer Aliu im Interview: „Die neue U21 hat viel Qualität“: https://www.zuerilive.ch/2017/08/izer-aliu-die-neue-u21-hat-viel-qualitaet/

Ebenso mit dabei bei diesem U18-Titel und der anschliessenden UEFA Youth League-Kampagne war Offensivmann Lavdrim Rexhepi. Dieser wird im Februar 20 und ist damit beinahe zwei Jahre älter als Aliu. In der Academy hat er auch davon profitiert, dass auf der Stürmerposition in vielen Jahrgängen wirklich gute Konkurrenz fehlt. Rexhepi bringt spielerische Qualitäten mit und spielt am liebsten als zurückhängende Spitze. Zuletzt ist ihm in der Promotion League vor dem gegnerischen Tor etwas der «Knopf aufgegangen». Zusammen mit Sions Aiméry Pinga ist er mit sieben Treffern der beste Teenager im Torschützenklassement der Liga.

Dass Domgjoni und Rexhepi diese Wintervorbereitung mit der 1. Mannschaft bestreiten dürfen, bedeutet nicht, dass sie aktuell die grössten Talente aus der Academy sind. Sie sind sicherlich überdurchschnittlich, aber Top-Talente schaffen den Sprung in die 1. Mannschaft mit 16, 17 oder spätestens 18 Jahren. Domgjoni und Rexhepi sind bereits 19.  Es sind Grenzfälle, die man diesen Winter im Umfeld der 1. Mannschaft nochmal auf Herz und Nieren prüfen will, bevor man dann möglicherweise im Frühling eine Entscheidung fällt, wie es weitergeht. Domgjoni scheint für eine Profikarriere gerüstet zu sein – die Frage ist, ob er den Sprung beim FCZ schafft oder beispielsweise über die Challenge League. Rexhepi müsste nochmal einen grossen Entwicklungsschritt machen und es wäre eher eine Überraschung, wenn er den Sprung schaffen würde. Gegenüber Züri Live äusserte sich dieser nach dem Trainingsstart folgendermassen: «Mit der 1. Mannschaft trainieren zu dürfen, war ein sehr schönes Neujahrsgeschenk. Mein Ziel für das Neue Jahr ist: gesund bleiben und alles geben. Durch das Aufgebot für die 1. Mannschaft begann das Training früher, als mit der U21, aber…lieber früher als später.»

Armin Alesevic ist nach seiner Operation noch rekonvaleszent, während Marco Schönbächler sowie Michael Kempter zusammen mit dem Langzeitverletzten Marvin Graf in der Saalsporthalle im Rehabilitationsprozess sind. Schönbächler und Kempter sollen wenn möglich schon während der Wintervorbereitung wieder zum Team stossen. Wieder fit ist Antonio Marchesano, der am Auftakttag mit Frey, Vanins, Nef, Dwamena, Odey zur Gruppe gehörte, die den Leistungstest absolvierte. Roberto Rodriguez war entschuldigt – er wurde am Tag des Trainingsauftaktes Vater von Zwillingsschwestern. Gratulation!  Mirlind Kryeziu war schon vor der Winterpause ins Training zurückgekehrt, spielte in der U21 und sass in Lausanne auf der Bank. So ganz 100% wieder da scheint er aber noch nicht zu sein, denn beim Trainingsauftakt hatte er mit zunehmender Dauer auf dem tiefen Boden Konditions- und Konzentrationsprobleme. Ähnlich wirkte, ohne verletzt gewesen zu sein, Yassin Maouche – auf eine gelungene Aktion folgten meist zwei bis drei Ballverluste.

Meist im Schlepptau der Jungen, vor allem von Izer Aliu, unterwegs war zum Trainingsauftakt der 21-jährige Kanadische Keeper Yann-Alexandre Fillion. Fillion ist in Ottawa aufgewachsen und wechselte vor anderthalb Jahren vom Major League Soccer-Klub Montreal Impact zum FCZ – und unterschrieb einen Fünfjahresvertrag. Im ersten Testspiel unter Trainer Uli Forte kam er im Juni 2016 in St. Margrethen gegen Austria Lustenau eine Halbzeit zum Einsatz und machte einen soliden Eindruck. Dieser Eindruck bestätigte sich ein halbes Jahr später in der Wintervorbereitung, als Fillion immerhin bereits insgesamt drei Halbzeiten Einsatzzeit erhielt. Dazwischen hatte er sich im Herbst wegen einer Armverletzung operieren lassen müssen. Das Kalenderjahr 2017 spielte Fillion dann beim Nordschwedischen Drittligisten Umea. Dort wurde er zur Nummer 1, bis er sich im Oktober in der Partie gegen den ehemaligen Erstligisten Assyriska am Ellbogen verletzte. Die Leihe nach Umea ist per Ende Jahr ausgelaufen. Geplant war, dass Fillion seine Verletzung in Kanada noch fertig auskuriert. Nun ist er aber bereits wieder zurück in Zürich und im Trainingsbetrieb dabei, auch wenn er sich bei vielen Übungen noch etwas zurückhalten muss.

Zum Abschluss des Kalenderjahres erhält die Mannschaft erstmals eine ungenügende Züri Live-Durchschnittsnote von 4,9. Raphael Dwamena, Umaru Bangura und über weite Strecken Victor Palsson waren an diesem Sonntagnachmittag in Lausanne Totalausfälle. Bei diesen drei Spielern fehlte der notwendige Fokus und die Ernsthaftigkeit. Essentielle Laufwege wurden unerklärlicherweise im entscheidenden Moment abgebrochen, der Gegner weniger als nur halbherzig attackiert, im Spiel gegen den Ball kaum mitgeholfen, dazu Nonchalance am Ball, in vielen Szenen sich geistig regelrecht ausgeklinkt, ohne echten Grund lange am Boden liegengeblieben, und so weiter, und so fort… – das «Sündenregister» ist lang.

Die kurz vor Weihnachten plötzlich am Horizont aufgezogene Konfusion war sowohl bei Standards des Gegners, als auch bei eigenen Stehenden Bällen am eklatantesten zu sehen. Der FCZ hatte in Lausanne mehr Ballbesitz als der Gegner, wie so häufig ein klares Plus in der Cornerstatistik, dazu überdurchschnittlich viele Abschlüsse, und eine gute Anzahl von Top-Offensivaktionen und Top-Defensivaktionen. Die eklatanten Nicht-Leistungen von einzelnen Spielern konnte vom Rest des Teams aber nicht kompensiert werden. Dazu kamen die abnehmenden Formkurven von Adrian Winter und Michi Frey. Die linke Seite mit Rasmus Thelander und Roberto Rodriguez war nach vorne sehr bemüht, aber in der Rückwärtsbewegung auch ziemlich anfällig.

Mit Rodriguez auf der linken Seite war der FCZ noch offensiver ausgerichtet als normalerweise. Unter diesen Voraussetzungen war nicht ganz verständlich, warum Thelander, so gut gemeint dies auch jeweils war, zusätzlich viel Risiko nach vorne nahm. Trainer Uli Forte äusserte nach dem Spiel gegenüber Züri Live: «Wenn wir nicht 100% bringen, sind wir Durchschnitt» – wobei «Durchschnitt» noch nett ausgedrückt war. Für die Zweite Halbzeit stellte Forte auf ein 4-4-2 um und wechselte Fabian Rohner für Stephen Odey ein. Der 19-jährige schnelle Offensivmann zeigte auch in seinem zweiten Super League-Einsatz eine hervorragende Leistung und stellte seinen Speed sowohl offensiv wie auch defensiv immer wieder in den Dienst einer in dieser Partie phasenweise auseinanderfallenden Mannschaft, und konnte auf diese Art und Weise mit dem Stopfen von Lücken auf dem ganzen Rasenrechteck, und seinen Offensivaktionen Schlimmeres verhindern helfen.

Gar zu seinem Super League-Début kam der 18-jährige Izer Aliu (bisher eine Challenge League-Partie und zwei Spiele im Schweizer Cup). Es ist sicherlich nicht ein Début, an das sich Aliu gerne erinnern wird, was aber nicht an seiner persönlichen Leistung lag. Im Gegenteil schaltete sich der Mittelfeldspieler ein paar Mal gut in die Angriffe ein und gab dem Spiel mehr Struktur. Ganz am Schluss liess er sich von der Lethargie einiger Mitspieler dann aber auch etwas anstecken. Leider durfte Aliu keinen Standard treten, denn in dieser Disziplin ist er zur Zeit wohl der beste Spieler im Klub.

 

Stürmer Stephen Odey steht zum zweiten Mal hintereinander in der Startformation und schlägt sich nach dem unglücklichen Auftritt in St. Gallen diesmal deutlich besser, nicht nur wegen seines Premièrentores, und verdient sich die Auszeichnung als Züri Live-MVP. Am anderen Ende der Skala befindet sich unter anderem Pa Modou Jagne, dessen vermeidbarer Ballverlust gegen Luzern-Verteidiger Stefan Knezevic am Ursprung des Game Winning-1:2 desselben Spielers liegt.

Vor der Partie wird Alain Nef für sein 300. Wettbewerbsspiel für den FCZ geehrt. Auf der Basis der (noch nicht ganz nachgeführten) Daten von www.dbfcz.ch hat Nef damit Fritz Künzli überholt, und liegt auf Platz 12 (erfasst sind alle Spiele ab 60-er Jahre). Vermisst auf dem Platz wird der gesperrte Michael Frey. Dieser hatte beim «Hinspiel» in der Swissporarena im August den eingewechselten Moussa Koné lanciert, welcher zu einem seiner nur zwei Vorrunden-Meisterschaftstore traf. Diesmal musste Koné in Abwesenheit Freys von Beginn weg im Zentrum agieren, fühlte sich in dieser Rolle aber nicht heimisch.

50% mehr Abschlüsse und 1300% mehr Eckbälle als der Gegner halfen nicht, das Spiel zu gewinnen. Dies trotz eines sehr spielfreudigen Roberto Rodriguez, der an mehr als der Hälfte aller Abschlüsse beteiligt war und beim Tor von Odey mit seiner direkten Weiterleitung die Luzerner Abwehr aus den Angeln hob. Die Flanken (ein Drittel durch Rodriguez) kamen zahlreich (24, höchster Meisterschaftswert in dieser Vorrunde) und meist gut in den Strafraum, fanden dort aber ausser beim zu Unrecht aberkannten Tor Konés in der 8. Minute keinen Abnehmer.

Die Besetzung der Seiten mit dem in der Zweiten Hälfte abbauenden Adrian Winter und vor allem Pa Modou Jagne zeigte sich in dieser Partie sowohl offensiv wie auch defensiv nicht als gut genug. Von den drei Einwechselspielern konnte Fabian Rohner auf der rechten Seite bei seinem ersten Super League-Einsatz sowohl offensiv wie auch defensiv überzeugen, und fast das maximal Mögliche herausholen.

Die Erste Halbzeit gestaltet der FCZ zuletzt abwechslungsweise gut und schlecht. In St. Gallen war wieder ein guter Start in die Partie zu sehen, sogar ein sehr guter. Victor Palsson mit seinem ersten Meisterschaftstor und Adrian Winter mit einer schönen Direktabnahme nach Rodriguez-Vorarbeit konnten mit zwei der ersten Strafraumszenen die Limmatstädter früh 2:0 in Führung bringen. Kurz vor der Pause lässt der FCZ dann wie häufig in dieser Vorrunde unerklärlicherweise zu früh nach, und kassiert nach der zweiten gefährlichen Hereingabe von rechts in Folge prompt noch den Anschlusstreffer.

In der Folge profitiert das Forte-Team davon, dass St. Gallen nicht mehr richtig ins Spiel zurückfindet und dazu auch noch in entscheidenden Momenten gute Torchancen vergibt. Ex-Nationalspieler Tranquillo Barnetta kann bei den Grün-Weissen weiterhin nicht die erhoffte Leaderrolle übernehmen. Als 17-/18-jähriges Talent hatte er mehr Einfluss auf das St. Galler Spiel gehabt. Auf Zürcher Seite ist längst nicht alles Gold was glänzt. Hervorragend spielt keiner – Frey, Winter und Rodriguez sind mit Züri Live-Note „7“ die besten ihrer Mannschaft. Die Durchschnittsnote des Teams ist mit 5,0 im Vorrundenvergleich tief. Es werden insgesamt ähnlich wenig Torchancen wie bei der 1:2-Niederlage in Bern erarbeitet. Die sehr gute Effizienz (abgesehen von Startelfdébutant Stephen Odey, der zwei «hundertprozentige» vergibt) überdeckt die vielen unproduktiven Phasen im Spiel. In der Zweiten Halbzeit kommt so gut wie kein Steilpass mehr beim Adressaten an.

Schon ab der 30. Minute geht nur noch wenig nach vorne, und das Umschalten auf Defensive funktioniert in vielen Szenen schlecht. Das Mittelfeld (vor allem Torschütze Palsson) ist an diesem Tag defensiv nicht stabil genug und vorne arbeitet Odey zu wenig mit, und lässt damit unnötige Lücken im Defensivverbund entstehen. Trotz «Pa Modou – Sperren» (O-Ton Züri Live-Experte Michael Lütscher) in Form von mobilen Plastikbanden in einem Teil der Einwurfzonen kann der FCZ nach Einwürfen von Alain Nef gleich zwei Tore zum 1:0 und 3:1 erzielen. Dies nachdem man selbst zuletzt zu viele Gegentore nach Einwürfen kassiert hatte.

In der 82. Minute kommt Sangoné Sarr für Roberto Rodriguez in die Partie. Der FCZ wechselt analog der Startformation in Bern auf ein 3-5-2 mit Palsson als «Sechser» und Rüegg sowie Sarr auf den Achterpositionen. Wenige Sekunden später erzielt Raphael Dwamena mit einer feinen Einzelleistung die Vorentscheidung zum 3:1 und salutiert anschliessend vor der Südkurve. Der aus dem FCZ-Nachwuchs stammende Silvan Gönitzer und Karim Haggui liessen sich in der Szene aber auch etwas gar einfach düpieren. Als dritter Mann nach Dwamena und Sarr wurde am Schluss noch Dzengis Cavusevic gegen seinen Ex-Klub St. Gallen, für den er die meisten Spiele seiner Profikarriere bestritten hat, eingewechselt, blieb in diesen wenigen Minuten aber ein Fremdkörper im Zürcher Spiel. Es sollte der letzte von nur fünf Meisterschaftseinsätzen des Slowenen in der Vorrunde 17/18 bleiben.