FCZ vor dem Rückrundenstart, Teil 5: die Forwards

Die positiven Konstanten in der vorderen Reihe waren in der Vorrunde Michael Frey und Roberto Rodriguez. Frey war insgesamt der beste FCZ-Spieler der Vorrunde, und konnte das Team zu Saisonbeginn auf den 1. Platz kämpfen und spielen. Seine Schwankungen waren dann aber grösser, als bei Rodriguez. Während Freys Durchschnittsnote für die einzelnen Vorrundenachtel zwischen «5» und «9» schwankt, bewegt sich Rodriguez zwischen «6» und «8». Neben dem Kämpfer Frey und dem Techniker Rodriguez war für die Rolle des schnellen Angreifers Raphael Dwamena vorgesehen. Dieser hatte aber nur eine wirklich gute Phase Ende September mit den Partien in Lausanne, Basel und gegen Lugano. Ausserdem kann Dwamena seine Geschwindigkeit als klarer Linksfüsser nur über die linke Seite richtig ausspielen und dort hinter die Abwehr kommen, wie er dies letzte Rückrunde ein paar Mal demonstriert hat. Über rechts schafft er es in der Regel nicht an den Gegenspielern vorbei – er soll aber von dort in die Mitte ziehen und abschliessen, was im Verlauf der Vorrunde aber selten gelang.

Moussa Koné konnte sich keinen Stammplatz erobern. Seine beste Phase hatte der Senegalese in den drei mit 1:1 endenden Meisterschaftspartien hintereinander in Luzern, gegen St. Gallen und in Lausanne. Für Maren Haile-Selassie und Dzengis Cavusevic war der Vorrundenhöhepunkt die Cuppartie in Chippis, als Haile-Selassie bester Zürcher Spieler war und Cavusevic fünf Tore erzielte. Fünf von sieben Vorrundenauftritten des Slowenen hatten aber eine ungenügende Züri Live-Note zur Folge. Der spät zum Team gestossene Stephen Odey seinerseits wirkte bei seinen Auswärtsauftritten bei Lausanne-Ouchy, in Bern, in St. Gallen und in Lausanne ziemlich wirr und orientierunglos. Sehr wohl scheint sich der Nigerianer hingegen bereits im Letzigrund zu fühlen, denn die beiden bisher einzigen Heimauftritte gegen Thun und Luzern waren sehr gut.

In der Vorrunde und auch in den Testpartien hat Trainer Uli Forte immer wieder mal mit einem Zweimannsturm spielen lassen. Sei es in der defensiveren Variante vor einem Dreierzentrum mit Sarr, Palsson und Rüegg – oder mit Marchesano als hängender Spitze wie beispielsweise je eine Halbzeit in Schaffhausen und gegen Shkendija – beide Halbzeiten endeten dabei mit 0:0. Der Dreimannsturm Dwamena – Frey – Rodriguez ist aber wohl gesetzt. Stephen Odey ist der Ersatz in der Mitte für Michael Frey. Antonio Marchesano kann die Rolle von Roberto Rodriguez übernehmen. Die zwei können auf beiden Flügeln oder auch in der Mitte hinter einer oder zwei Spitzen spielen. Als potentieller Ersatz für Dwamena stehen zwei Junge bereit: Fabian Rohner und Maren Haile-Selassie. Ebenfalls zu einem Testspieleinsatz vorne im Sturm kam Lavdrim Rexhepi.

Teil 1: Torhüter

Teil 2: Dreierkette

Teil 3: Aussen

Teil 4: Zentrum

FCZ vor dem Rückrundenstart, Teil 4: das Zentrum

Die positive Kontante im Zentrum war in dieser Vorrunde Kevin Rüegg. Abgesehen von einem schlechten Auftritt Ende Oktober im Heimspiel gegen den FCB (0:0) bewegte sich der 19-jährige immer zwischen genügend und sehr gut, und hatte dabei, was häufig etwas übersehen wird, offensiv ähnlich viel Wirkung wie defensiv. Auch auf der rechten Aussenbahn oder als 8-er halbrechts in einem Fünfermittelfeld hatte Rüegg in dieser Vorrunde seine Einsätze. Die beiden anderen viel eingesetzten Zentralen Mittelfeldspieler Victor Palsson und Sangoné Sarr konnten beide nicht überzeugen und beendeten die Vorrunde jeweils mit einer ungenügenden Durchschnittsnote.

Abgesehen von einer kurzen ordentlichen Phase vom Cupspiel bei Lausanne-Ouchy über den Heimmatch gegen Basel und das Auswärtsspiel in Sion kam von den beiden eindeutig zu wenig, waren die Leistungen zu schwankend, und die Fehlerquote zu hoch. Yassin Maouche enttäuschte bei seinen Einsätzen komplett und ist zudem aktuell verletzt. Dafür ist Antonio Marchesano wieder zurück. Der Tessiner ist und bleibt der beste One Touch-Fussballer der Schweiz. Gleichzeitig fehlt aber häufig auch die defensive Stabilität, wenn Marchesano im Mittelfeldzentrum eingesetzt wird. Er wird daher auch immer wieder mal wie schon früher in Biel in einer offensiveren Rolle gebracht – als einer der drei Angreifer entweder zurückhängend im Zentrum, oder dann ähnlich wie der technisch ebenfalls versierte Roberto Rodriguez auf der Seite.

In der Wintervorbereitung wurden noch weitere Spieler im Mittelfeldzentrum getestet. Izer Aliu in den ersten beiden Partien, bis er dann später auf der Seite noch besser agierte. Lavdrim Rexhepi wirkte auf dieser Position etwas verloren und defensiv wenig solid. Für Toni Domgjoni ist es die angestammte Position – der Mittelfeldkämpfer konnte aber bisher in den Testpartien nicht wie gewünscht überzeugen. Eine interessante Variante war gegen Hajduk Split Umaru Bangura, welcher diese Position früher in Norwegen bereits gespielt hatte. Bangura könnte dies durchaus auch in der Super League spielen, aber er wird in der hinteren Reihe wohl stärker benötigt.

Teil 1: Torhüter

Teil 2: Dreierkette

Teil 3: Aussen

FCZ vor dem Rückrundenstart, Teil 3: die Aussenläufer

Noch etwas dünner als im Abwehrzentrum war in der Vorrunde die Personaldecke der berücksichtigten Spieler auf den Aussenpositionen. Pa Modou verpasste nur drei Spiele (Lausanne-Ouchy, Basel auswärts, Lausanne auswärts), Adrian Winter gar nur eines (Cupspiel in Chippis). Kay Voser war bis im Oktober eine Alternative auf beiden Seiten. Nach seinen Auftritten in Thun und im Derby, wo er in beiden Partien schlechtester Mann auf dem Platz war, wurde er aber nicht mehr berücksichtigt. Weiterhin eine Alternative als Aushilfe blieb Cédric Brunner, der aber in der Dreierabwehr zur Zeit wertvoller für die Mannschaft ist. Fabian Rohner, der als schneller und torgefährlicher Mann auch in der vordersten Reihe eingesetzt werden kann, kam erst in den letzten beiden Partien der Vorrunde zu Teileinsätzen in der Zweiten Halbzeit.

Adrian Winter begann wie schon vor Jahresfrist die Saison sehr gut und musste dann gegen den Winter hin (aufgrund des Familiennamens erstaunlicherweise) beissen, hatte aber nochmal einen grossen Glanzpunkt im Cup-Viertelfinal gegen Thun, dazu kam sein schönes Tor in St. Gallen. Pa Modous Leistungen gingen sowohl zwischen den Spielen wie auch innerhalb derselben Partie rauf und runter wie eine Achterbahn. Seine Ballverluste gaben ihm aber immer wieder die Möglichkeit zu schnellen Ballrückeroberungen, welche den Gegner dann manchmal auf dem falschen Fuss erwischten.

Fast alle jungen Spieler wurden in der Wintervorbereitung auf den Aussenläuferpositionen eingesetzt. Fabian Rohners Speed und Offensivqualitäten sind schon lange bekannt. In der Ersten Mannschaft hat er aber auch defensiv zugelegt und gewinnt mittlerweile die Mehrheit seiner Kopfballduelle im Mittelfeld. Wenn er seine gesundheitlichen Probleme in den Griff kriegen kann, hat er wohl gute Chancen, sich einen Stammplatz erfolgreich erspielen, erkämpfen und errennen zu können. Der ursprünglich im Zentrum beheimatete Izer Aliu hat auf der Seite ebenfalls Potential. Der 18-jährige versucht nicht wie Rohner mit Tempo, sondern mit spielerischen Mitteln hinter die Abwehr zu kommen.

Aliu hat wie Rohner einen guten Abschluss, kann aber auch von der Grundlinie den entscheidenden Pass spielen und ist zudem ein sehr guter Eckball- und Freistossschütze. Unvergessen bleibt in diesem Zusammenhang beispielsweise der U18-Meisterschaftshalbfinal im Basler St.Jakob Campus, als der FCZ dank drei gefährlichen Aliu-Freistössen zum 3:3 die Verlängerung, das Penaltyschiessen und schlussendlich den Final erreichte. Weitere (unter anderem) auf der Seite eingesetzte junge Spieler waren in der Wintervorbereitung Maren Haile-Selassie und Lavdrim Rexhepi. Haile-Selassie ist zur Zeit etwas in einem Leistungsloch, nachdem er zu Beginn der Saison noch stark begonnen hatte. Rexhepi spielte ordentlich, durfte zudem in der Regel alle Standards treten, wenn er auf dem Feld stand, konnte dabei aber nicht erkennen lassen, dass er in diesem Bereich ein mit Aliu vergleichbares Talent besitzt.

Teil 1: Torhüter

Teil 2: Dreierkette

FCZ vor dem Rückrundenstart, Teil 2: die Dreierkette

Die Zürcher Hintermannschaft war während der ganzen Vorrunde zahlenmässig etwas dünn besetzt. Die Entscheidung, Ivan Kecojevics Vertrag nicht zu verlängern, war bereits früh gefällt worden. Der grundsolide Montenegriner ist heute auf gutem Weg in eine der beiden besten Ligen der Welt – als Stammspieler des andalusischen Cadiz CF liegt er in der LaLiga2 auf dem zweiten Tabellenrang. Bei bereits laufender Saison verabschiedeten sich auch der in der Vorbereitung und ersten Meisterschaftsspielen in der Abwehr eingesetzte Burim Kukeli (langfristiger Vertrag in Sion) und Albin Sadrijaj (Leihe, Wohlen), dazu kam die erneute Verletzung von Pechvogel Armin Alesevic. Die Verpflichtung des Dänen Rasmus Thelander zog sich hin, so dass dieser nach vertraglichen Problemen mit seinem alten Klub Panathinaikos erst in der zweiten Hälfte des Septembers seinen ersten Meisterschaftseinsatz hatte.

Als er dann aber da war, trug Thelander zur Stabilität der Zürcher Defensive bei – erst gegen Ende der Vorrunde, als der 26-jährige vermehrt nach vorne stürmte, nahm auch seine Fehlerquote etwas zu. Sein mit Abstand schlechtester Match im Cup-Viertelfinal gegen Thun endete aber mit einem Happy End – ausgerechnet in diesem Spiel erzielte er sein bisher einziges Tor für den FCZ – und was für ein wichtiges und emotionales! Alain Nef konnte auch in der Super League bisher seinen Mann stehen. Zu Beginn der Saison war er der beste Zürcher Verteidiger, liess dann kontinuierlich etwas nach und brachte gegen Ende der Vorrunde nur noch durchschnittliche Leistungen – aber nie unterdurchschnittlich.

Cédric Brunner hat seinen schlechten Tag in der 3. Runde in Lugano eingezogen. Danach war er aber die grösste Stütze der Zürcher Hintermannschaft und konnte sich im Vergleich zur Challenge League-Rückrunde deutlich steigern. Sein Fehlen am Schluss in den drei Partien gegen Thun, Luzern und in Lausanne (insgesamt 10 Gegentore) war spürbar. Spürbar war aber vor allem in Lausanne auch, was passiert, wenn Umaru Bangura einen schlechten Tag erwischt. Der 30-jährige ist der schnellste FCZ-Verteidiger und kann der Mannschaft damit helfen, zum Beispiel beim 1:2 in Bern, als unter anderem Bangura die Mannschaft bis zum Schluss im Spiel hielt. Der Captain Sierra Leones ist aber auch der Verteidiger mit den grössten Leistungsschwankungen.

Bangura, Nef, Brunner und Thelander werden nun auf die Rückrunde hin durch den von seinem Kreuzbandriss zurückgekehrten Mirlind Kryeziu als fünftem Mann für die wohl auch in der Rückrunde in der Regel drei Positionen ergänzt. Als Linksfuss mit einem relativ guten Ballgefühl kann er die Variabilität der Spieleröffnung von hinten heraus entscheidend verbessern helfen. In der Luft kann der 1,97m-Mann zudem jedem Gegner Probleme bereiten. Eine durchaus valable Option bei allfälligen Ausfällen auf der Position des halblinken Verteidigers in der Dreierabwehr ist Pa Modou. In der Vorrunde kam diese Variante nicht zum Tragen, weil der Gambier immer auf der linken Aussenbahn benötigt wurde. Dies wäre aber die bessere Variante, als die bisher durchs Band missglückten Versuche, die fehlerhaften Victor Palsson oder Sangoné Sarr auf die Position des zentralen Verteidigers zurückzuziehen.

Teil 1: Torhüter

FCZ vor dem Rückrundenstart, Teil 1: die Torhüter

Wie sieht die Situation beim FCZ vor der Wiederaufnahme der Meisterschaft zu Hause gegen den FC Thun in den einzelnen Mannschaftsteilen aus?  Im Tor ist die Situation klar – Andris Vanins ist die Nummer 1, und dies zu Recht. Schon zu seinen Zeiten in Sion wurde der Lette immer wieder als der Musterprofi schlechthin gelobt. Zu seinen besten Zeiten war er der beste Torhüter der Liga, heute immer noch einer der besseren – und hat sich im Vergleich zu seiner letzten Saison in Sion als er schlussendlich von Anton Mitryushkin abgelöst wurde, sogar wieder gesteigert.

Über weite Strecken in der Vorrunde stand die Mannschaft allerdings defensiv so gut, dass Vanins nur wenig zu tun bekam. Bei den wenigen Szenen war er dann aber hellwach. Seine Ruhe und Erfahrung wirken sich zudem positiv auf die Vorderleute aus. Einziges Manko: der Lettische Fussballer des Jahres ist nicht mehr so beweglich, wie noch vor einigen Jahren. Sein Ersatzmann Yanick Brecher ist in diesem Punkt allerdings trotz jüngerem Alter keineswegs besser. Von den vier Cupspielen hatte Brecher zwei Mal (in Chippis und bei Stade Lausanne-Ouchy) eine ungenügende Züri Live-Note – nur in Bassersdorf und gegen Thun war die Leistung genügend, auch wenn Brecher gegen die Berner Oberländer in seinem einzigen Einsatz gegen einen Super League-Gegner an zwei Gegentoren eine Mitschuld trug. Brecher hat sich seit der Rückkehr von seinem Kreuzbandriss im Vergleich zur Abstiegssaison (mit mehr als zwei Gegentoren pro Partie) etwas verbessert, aber nicht genug, um vor dem Cuphalbfinal, in welchem er voraussichtlich spielen wird, für Zuversicht zu sorgen.

Der 17-jährige Calvin Heim zeigt sich in den Trainings mit der 1. Mannschaft zumindest in Sachen Strafraumbeherrschung bereits jetzt schon weiter entwickelt. Was nicht bedeutet, dass er bereits ausgereift wäre. Dass Heim im «Eins» in den Trainingsspielen aber manchmal auch als Feldspieler eingesetzt wird, tut den heute bei einem Torhüter immer wichtigeren fussballerischen Qualitäten zusätzlich gut. In der Rückrunde wird Heim wohl abwechslungsweise in der U18 und U21 zum Zuge kommen. Der Kanadier Yann-Alexandre Fillion hat in den letzten anderthalb Jahren in den Testspielen jeweils einen soliden Eindruck hinterlassen. Er hat einen Vertrag beim FCZ bis 2021. Was Fillions nächster Schritt ist, scheint noch nicht klar zu sein, und hängt mit zwei Fragezeichen zusammen. Wie sieht mittlerweile die rechtliche Situation bezüglich möglicher Einsätze in der Promotion League aus? Und wie schnell wird seine Ellbogenverletzung heilen?

Letzten Winter kam Yanick Brecher gerade von einer Verletzung zurück und es war schlussendlich auch aus diesem Grund nicht möglich, auf mindestens Stufe Challenge League eine Leihe zu realisieren. Mit der Leihe in die Challenge League geklappt hat es zwar bei Novem Baumann, aber dieser kommt bei Rapperswil-Jona wenig überraschend in der Meisterschaft nicht zum Einsatz – im Gegensatz beispielsweise zum ehemaligen FCZ U21-Verteidiger Egzon Kllokoqi (schon damals unter Trainer Urs Meier). Baumanns einzige Auftritte waren die Cupspiele gegen die unterklassigen Kreuzlingen und Kosova (insgesamt vier Gegentore) und auf der Show-Bühne an den SFL Awards zusammen mit den «Thunern» Matteo Tosetti und Markus Lüthi.