Wie beim 3:3-Unentschieden in Neuenburg liegt die Züri Live-Durchschnittsnote der Mannschaft nach den 93 Minuten von Razgrad bei 4,9 im ungenügenden Bereich. Im Unterschied zu damals, als der 19-jährige Fabio Dixon bei seinem Profidébut nach seiner Einwechslung für den Umschwung sorgte, wurde dieser diesmal zur Pause gelb/rot-gefährdet ausgewechselt. Alle vier FCZ-Abschlüsse der Partie stammten von Stürmer Stephen Odey – einen davon verwandelte dieser per Kopf nach Freistoss von Benjamin Kololli zum zwischenzeitlichen 1:0 in der 21. Minute. Obwohl der FCZ mit der Viererabwehr je zwei Spieler auf beiden Seiten platziert hatte, und der Gegner mit einer Dreierabwehr antrat, kam der FCZ trotzdem nie richtig erfolgsversprechend über die Seiten an die Grundlinie durch. Dies vor allem weil auf rechts von Dixon und auf links von Kololli zu wenig kam. Die beiden fanden aus unterschiedlichen Gründen nicht zu ihrem Spiel.

Erfolgsversprechende Angriffe durch die Mitte gab es noch weniger. Ludogorets hingegen vermochte einige Male durch die Schnittstelle vor den FCZ-Strafraum zu kommen, wo dann aber Bangura und Mirlind Kryeziu meist aufmerksam genug waren, um die Situation zu klären. Wie üblich versuchte der FCZ von hinten heraus flach zu spielen, hatte dabei aber mit unter anderem Palsson, Dixon oder Mirlind Kryeziu zu viele Spieler auf dem Platz, denen ein solcher Spielstil nicht sonderlich entgegenkommt. Ludogorets musste bloss hoch stehen und brauchte nicht einmal sonderlich konsequent zu pressen, um trotzdem immer wieder zu einfachen Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte zu kommen. Umaru Bangura versuchte es daher mehrmals mit langen Bällen in die Tiefe, aber diese konnten von seinen Mitspielern nicht erlaufen werden. Fast die einzige Aktion, in welcher sich der FCZ mal nach Lehrbuch von hinten heraus hatte lösen können, führte dann auch gleich zum Freistoss, der das 1:0 brachte.

Wie im «Hinspiel» im Letzigrund konnte der ansonsten bei Standards in dieser Saison noch nicht sehr erfolgreiche FCZ die Vorgabe von Trainer Magnin umsetzen, den Schwachpunkt der Bulgaren in der Luft konsequent auszunutzen.  Der in der 1. Halbzeit sehr viel arbeitende Odey ist trotz seines Nachlassens nach dem Pausentee wie bereits bei der Europa League-Auswärtspartie in Leverkusen der Most Valuable Player. Der 20-jährige Nigerianer hat als aktuell klare Nr. 1 im Zürcher Sturm mit 1’992 Minuten in dieser Vorrunde von allen Kaderspielern am meisten Spielzeit in Wettbewerbspartien vorzuweisen. Dies ist gleich aus drei Perspektiven aussergewöhnlich: aufgrund seines Alters, seiner Position und aufgrund der Tatsache, dass er vor Jahresfrist in seiner ersten Saison in der Schweiz mit 407 Minuten bezüglich Einsatzzeit nur an 22. Stelle im FCZ-Kader gelegen hatte – zwischen Kay Voser und Maren Haile-Selassie.

Am meisten Top-Aktionen (7), welche sich zudem gleichmässig auf beide Halbzeiten verteilten, hatte Innenverteidiger Mirlind Kryeziu – aber zwei grobe Schnitzer (einer davon zum Gegentor führend) reduzierten seine Note auf eine durchschnittliche «5». Das 1:1 im Nordosten Bulgariens bedeutete am Ende, dass der FCZ gegen Bulgarische Teams weiterhin ungeschlagen bleibt und Ludogorets Razgrad nicht nur erstmals in einer Europa League-Gruppenphase die Qualifikation für die Sechzehntelfinals verpasst, sondern als ursprünglicher Favorit auf den Zweiten Platz die Gruppe sogar auf dem letzten Rang noch hinter AEK Larnaca abschliesst. Der FCZ seinerseits überwintert erstmals seit 11 Jahren im Europacup. Am Montag um 13 Uhr findet in Nyon die Auslosung statt.

Ludogorets – FCZ 1:1 (1:1)

Tore: 21. Odey (Kololli) 0:1, 45.+1 Swierczok 1:1.

Ludogorets: Broun; Terziev, Forster, Nedyalkov; Cicinho, Dyakov (82. Sasha), Goralski, Natanael; Marcelinho, Swierczok (72. Keserü), Wanderson (88. Bakalov).

FCZ: Vanins; Dixon (46. Krasniqi), Bangura, M. Kryeziu, Guenouche; Khelifi, Palsson, Domgjoni, Kololli (76. Rodriguez); Winter, Odey (89. Nef).

 

Der FCZ hat sich mehr als 24 Stunden vor dem abschliessenden Europa League-Gruppenspiel in Razgrad zum Offiziellen Training eingefunden. Die Beobachter konstatierten dabei eine gute Trainingssession des Magnin-Teams, bei welcher unter anderem Uma Bangura per Fallrückzieher und Heki Kryeziu per Direktabnahme „à la Maladière“ ins Tor trafen. Erstmals mit dabei als dritter Torhüter ist U18-Keeper Serkan Polat (U21-Torhüter Calvin Heim ist zur Zeit an Rapperswil-Jona ausgeliehen). Morgen Vormittag wird der FCZ in der Ludogorets Arena noch ein weiteres Training durchführen. Man bleibt so auch im Hinblick auf das Spiel am Sonntag gegen Lugano im normalen Trainings-Rhythmus. Den Europa League-Match werden morgen abend um 22 Uhr Lokalzeit bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in der Kleinstadt im Nordosten Bulgarien wohl nur wenige tausend Zuschauer verfolgen, darunter rund 350 mitgereiste FCZ-Fans. Nach der offiziellen Pressekonferenz im intimen Rahmen zusammen mit Flügelläufer Adi Winter stellte sich FCZ-Trainer Ludovic Magnin den Fragen von Züri Live:

Der FCZ gewinnt auch das zweite Derby der Saison mit demselben Resultat von 2:0 – es ist der erste Meisterschafts-Heimderbysieg seit Mai 2015. Dies nach einem selten gesehenen Chancenplus für den FCZ, obwohl GC mehr Ballbesitz hatte. Dass das Team von Thorsten Fink kaum mal gefährlich wurde, hatte wohl teilweise mit dessen Absenzen zu tun, aber auch mit der starken Defensivleistung des FC Zürich, durch welche der Gegner erfolgreich vom eigenen Strafraum ferngehalten werden konnte.

28 Top-Defensivaktionen sind der zweitbeste diese Saison von Züri Live gemessene Wert nach dem Heim-3:3 gegen Leader YB. Bemerkenswert dabei vor allem, dass Flügelstürmer Salim Khelifi mit 6 Top-Defensivaktionen in dieser Kategorie der beste FCZ-ler war und nicht zuletzt deshalb auch zum dritten Mal zum Züri Live-MVP erkürt wird. Ausserdem machten auch technische Unzulänglichkeiten bei GC dem FC Zürich das Leben einfacher.

Die von GC-Trainer Fink nach der Partie monierte zweite Gelbe Karte gegen Hekuran Kryeziu bei dessen taktischem Foul an der Seitenlinie hätte man sicher geben können – allerdings entsprach es der Linie von Schiedsrichter Urs Schnyder in dieser Partie in solchen Situationen zurückhaltend zu agieren. Beim von Fink angesprochenen angeblichen Handspiel von Pa Modou hingegen spielte dieser den Ball mit der Brust. Gleichzeitig hätte auf der anderen Seite in der 67. Minute der FCZ nach dem Foul von Ajeti an Nef einen Penalty zugesprochen erhalten müssen. Ausserdem hatte Cédric Zesiger Glück, dass sein absichtlicher Ellbogenschlag ins Gesicht von Nef in der 25. Minute unbemerkt blieb.

FCZ – GC 2:0 (0:0)

Tore: 52. Khelifi (Kololli) 1:0, 83. Odey (Pa Modou) 2:0.

FCZ: Brecher; Nef (90. M. Kryeziu), Bangura, Maxsö; Winter, Palsson, H. Kryeziu, Pa Modou; Khelifi (90. Marchesano), Odey, Kololli (85. Domgjoni).

GC: Lindner; Lavanchy (82. Sukacev), Ajeti, Zesiger, Doumbia (71. Cvetkovic); Diani, Bajrami, Kamber (71. Jeffrén); Ngoy, Pinga, Bahoui.