Umaru Bangura ist wieder da! Sion – FCZ 1:1 Analyse

Unentschieden im Tourbillon: im August hatte der FCZ in Sion verloren, obwohl er insgesamt die etwas besseren Torchancen auf seiner Seite gehabt hatte, diesmal gab es einen Punkt, obwohl der Gegner dem Sieg näher war. Sion war mit einer äusserst offensiven Aufstellung und sehr risikoreichen Spielweise in die Partie gestartet. Beim FCZ débutierte der Dänische Leihspieler Mads Pedersen und der lange rekonvaleszente Adrian Winter hatte seinen zweiten Teileinsatz. Aber der wirkliche Neuanfang im Zürcher Team war in der Innenverteidigung zu beobachten. Umaru Bangura ist wieder da! Dem Innenverteidiger aus Sierra Leones gelingt bei seiner Rückkehr in die Startelf im Tourbillon eine Topleistung – ohne ihn hätte der FCZ kaum einen Punkt aus dem Wallis entführt. “Uma“ hatte die Saison ordentlich bis gut begonnen, Anfang September dann das Drama: im WM-Qualifikationsheimspiel gegen Liberia verschiesst der Captain seiner Nationalmannschaft in den letzten Sekunden der Partie einen Penalty. Wegen der Auswärtstorregel wäre Sierra Leone bei einem Treffer eine Runde weiter gewesen – so schied man früh aus. Banguras Haus in Freetown wurde von Fans angegriffen, die Leistungen Banguras litten, in der zweiten Hälfte der Vorrunde verlor er seinen Stammplatz beim FCZ. Nach einem mässigen Auftritt von Mirlind Kryeziu gegen Luzern rückte Bangura im Duell mit den schnellen Walliser Offensivkräften wieder ins Team und zeigte sich so fokussiert wie wohl noch nie bisher im FCZ-Dress.

Durch das 1:1 bleibt der FCZ im sechsten Auswärtsspiel in Folge ungeschlagen. Zum dritten Mal in Folge (St. Gallen. Luzern, Sion) hat der FCZ einen schlechteren Expected Goals-Wert als der Gegner, und gewinnt in diesen drei Partien trotzdem vier Punkte. Die Abschlusseffizienz ist im Gegensatz zum Anfang der Saison mittlerweile im Vergleich mit den Gegnern gut. Speziell auch dank Marco Schönbächler, welcher im dritten Spiel in Folge trifft – und in allen drei Partien war es das wichtige erste FCZ-Tor. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Partien zeigte “Schönbi“ zudem im Wallis nicht nur in einzelnen Offensivszenen, sondern über seine ganze Einsatzzeit hinweg eine gute Leistung. Der Flügelmann hatte ein paar wichtige Defensivszenen und spielte allgemein solider und mit weniger Fehlern als in den vorangegangenen Partien. Das Gleiche lässt sich auch von Kevin Rüegg sagen. Bei Mads Pedersens Début hielten sich die “Ups“ und “Downs“ die Waage. Ein Problem ist aber die wie erwartet ziemlich offensive Ausrichtung des Dänen, wohingegen der FCZ auf der linken Seite dringend mehr defensive Stabilität bräuchte. Adi Winter wirkte bei seinem Kurzeinsatz, als hätte er sich aus Versehen auf den Platz verirrt. Er hätte mit seiner Laufleistung in der vordersten Reihe als zweiter Stürmer unter anderem die Schlussoffensive der Walliser im Keim ersticken sollen, kam aber jeweils deutlich zu spät und erst gar nicht in die Zweikämpfe. Der Weg zurück zu alter Form scheint wenig überraschend noch relativ lang zu sein.

Benjamin Kololli, dem diese Saison in Wettbewerbsspielen noch kein Torerfolg gelang, zeigte bei seinem Ex-Klub nach seiner Einwechslung in der 78. Minute erst mal den einen oder anderen verheissungsvollen Ansatz, nur um zu Beginn der neunminütigen Nachspielzeit von einem Moment auf den anderen wieder komplett abzustürzen und in alte ungute Muster zu verfallen. Diese neun Minuten waren ein Graus. Dazu gehörten unnötige Ballverluste, völlig ungenügende und lustlose Abwehrarbeit, welche die linke Zürcher Seite zu einer regelrechten Autobahn für stürmische Sion-Angriffe im Minutentakt machte, inklusive einer deplatzierten Kopfballrückgabe zum Gegner zentral vor den eigenen Strafraum und einer nicht geahndeten Tätlichkeit / Groben Foulspiels gegen Pajtim Kasami.

Mimoun Mahi spielte im Zentrum, wich aber auch häufig auf die Seiten aus und schlug mehr Flanken, als wenn er offiziell auf dem Flügel spielt. Der im Sommer neuverpflichtete Offensivspieler strahlt weiterhin zu wenig Zielstrebigkeit aus. Es gibt zu viele Aktionen, die wegen seiner Nonchalance versanden, potentielle Chancen, die sich nicht materialisieren, Bälle, die zu wenig scharf oder präzis gespielt werden. Der marrokanisch-stämmige Holländer dirigiert die Mitspieler, kommuniziert gestenreich über grosse Distanzen, hat während der ganzen Partie Spass mit Sions Algerier Abdellaoui – und vergisst dabei häufig seinen eigenen Job, speziell beim Umschalten in die Defensive. Beteiligt war Mahi immerhin an der Entstehung des frühen FCZ-Ausgleichs in der 10. Minute nach einem Einwurf und anschliessender Flanke von Rüegg. In der 19. Minute machten es Rüegg und Mahi nach einem weiteren Einwurf noch einmal genau gleich, aber der sich zum Rückrundenbeginn etwas ausser Form befindliche Tosin vermochte seine Torchance im Gegensatz zu Schönbächler nicht zu nutzen. Aus seiner leichten Winterlethargie wurde Tosin nur kurzzeitig ab der 68. Minute aufgeweckt, als ihn Ludo Magnin von der Seitenlinie aus laut rüffelte, und dem Nigerianer darauf in den nächsten fünf Minuten ein paar gute Aktionen gelangen. Mahi hatte seine beste Aktion, als ihm in der 73. Minute an der Mittellinie ein ähnlicher Ballgewinn gelang, wie vor dem 2:3-Anschlusstreffer Kramers gegen Luzern. Der daraus resultierende gefährliche FCZ-Konter wurde aber vom erstaunlicherweise kürzlich in den Status eines FIFA-Refs aufgestiegenen Lukas Fähndrich zu Unrecht abgepfiffen.

Drei Minuten später gibt es nach einer starken Befreiung aus dem eigenen Strafraum von Nathan eine weitere gute Kontersituation, aber Mahi spielt den Ball für Kramer wieder etwas zu spät und etwas zu steil, so dass der Slowenische Stürmer, der seinen Lauf so zwischenzeitlich abbremsen musste, bei Torhüter Mitryushkin aufläuft. Es ist bereits das zweite Mal in dieser Partie, dass ein Sion-Goalie nach einem Zusammenprall mit einem FCZ-Angreifer gepflegt werden muss. Kevin Fickentscher hatte nach einer Top-Chance von Toni Domgjoni zuvor ausgewechselt werden müssen. Bereits in der 1. Halbzeit hatte zudem der stark in die Partie startende Jean Ruiz angeschlagen ersetzt werden müssen, wurde aber durch einen in der Super League débutierenden Johan Djourou ersetzt, welcher den Wallisern noch mehr Sicherheit in der Defensive brachte und unter anderem vor der Torchance von Domgjoni, bei welcher sich Fickentscher verletzte, eine grosse Rettungstat realisierte. Lukas Fähndrich war nach Sandro Schärer bereits der zweite Schiedsrichter diese Saison, der Blaz Kramer eine Gelbe Karte wegen “Schwalbe“ verpasste – beide Male wars zu Unrecht. In Neuenburg wurde Kramer von Neitzke knapp vor dem Strafraum deutlich das Bein gestellt, in Sion rutschte der Slowene im Strafraum bei einer Richtungsänderung auf dem morastigen Untergrund aus und traf Mitryushkin. Ein Foul des Russen wars ebenfalls nicht. Anders sieht es mit der Szene im Sion-Strafraum in der 26. Minute aus, wo man das Foul von Ruiz an Kramer von hinten durchaus als penaltywürdig hätte taxieren können.

Bereits der Führungstreffer des FC Sion in der 3. Minute entstand aufgrund eines Fouls von Xavier Kouassi an Blaz Kramer. Pedersen hatte zusammen mit Sohm links hinten den Ball gegen den aufsässigen Kasami gewonnen, Sohm spielte sofort nach vorne Richtung Mittellinie auf Kramer, der FCZ rückte auf. Kramer wurde aber von Kouassi sowohl am Arm zurückgerissen und gleichzeitig auch am Fuss getroffen und fiel um. Dadurch vermochte Ruiz herbeizustürmen und den Ball sofort direkt wieder in die Gegenrichtung zu spielen. Pedersen war in diesem Moment links bereits etwas zu weit aufgerückt und Nathan in der Mitte etwas zu wenig, so dass Kasami ganz frei, aber trotzdem nicht im Offside stand, und den Ball hinter die Abwehr ins Zentrum spielen konnte. Dort wehrte Brecher den ersten Abschluss Stojilkovics nach vorne ab und Luan traf im Nachschuss.

Torhüter Yanick Brecher hatte je eine gute Parade gegen ehemalige FCZ-Junioren: ein Freistoss von Anto Grgic und eine Grosschance von Filip Stojilkovic kurz vor Schluss. Daneben verursachte der Zürcher Keeper aber auch unnötigerweise einen Eckball bei einem Sion-Abschluss, der weit danebengegangen wäre, hatte teilweise Mühe bei hohen Bällen und liess die Bälle bei flachen Abschlüssen zu häufig zentral vor sich abprallen.

Sion – FCZ 1:1 (1:1)

Tore:  3. Luan (Stojilkovic) 1:0, 10. Schönbächler (Rüegg) 1:1.

Sion: Fickentscher (58. Mitryushkin); Maceiras, Ruiz (39. Djourou), Kouassi, Abdellaoui; Kasami, Grgic, Toma, Lenjani; Stojilkovic, Luan (83. Doumbia).

FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, Nathan, Pedersen; Domgjoni, Sohm; Tosin, Mahi, Schönbächler (78. Kololli); Kramer (90.+1 Winter).

(Standbilder: Teleclub)

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