Der FC Zürich tritt in der 16. Runde der Saison 25/26 heute vielleicht zum letzten Mal im Kybunpark an – unter diesem Namen. Ab Sommer heisst die Arena neu Berit Sitterstadion und bis dahin ist aufgrund des “Schottenmodus“ nicht sicher, ob man nochmal im St. Gallen Winkeln antreten wird. St. Gallen gehört mit YB und GC zu den Mannschaften gegen die der FC Zürich in der Historie am meisten gewonnen hat – auch weil man meist in der gleichen Liga spielte. Im September konnte man damals noch unter Coach Mitchell Van der Gaag mit Assistent Dennis Hediger die Heimpartie nach einem Penalty-Gegentor in der 2. Halbzeit zu einem 3:1 drehen. Lindrit Kamberi kam dabei früh für Jorge Segura rein, der ausgerechnet heute aufgrund der Ausfälle wieder einmal zum Zug kommen könnte. Für Stürmer Philippe Keny seinerseits war das Heimspiel gegen St, Gallen der erste Startelfeinsatz in der Meisterschaft. Der Senegalese erzielte dabei gleich zwei Skorerpunkte.
Mohamed Bangoura wieder über Rechts?
Der FC Zürich tritt nach dem Derbysieg ohne die gesperrten Markelo, Comenencia und Gomez sowie den verletzten Palacio an, In den letzten Partien hat Coach Dennis Hediger die taktische Formation fast auf jedes Spiel hin wieder gewechselt und auch während der Partie viel umgestellt. Ein Muster bleibt dabei aber die häufige Ausrichtung auf den Gegner. Hediger mag ein intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen und passt daher die Formation häufig dem Gegner an. Gegen St. Gallen, das mit einem 3-3-2-2 antritt würde daher das 3-4-1-2 von der Partie gegen GC wieder gut passen und den Gegner “spiegeln“ (ein Zehner gegen einen Sechser, zwei Sechser gegen zwei Zehner).
In der Hintermannschaft könnte Hediger auf das Trio Kamberi – Vujevic – Segura setzen. Ohne Comenencia und Markelo sowie Kamberi in der Dreierkette könnte somit Bangoura auf der Rechten Aussenbahn auflaufen. Der Guineer agierte bereits in der Schlussphase des Derbys in dieser Rolle. Die Linke Aussenbahn war zuletzt etwas eine Sorgenkind-Position – obwohl die Auswahl gross ist – auch im Nachwuchs. Steven Zuber hatte im Derby auf der Zehnerposition Licht und Schatten,.
Man spricht Deutsch unter Maassen / Stilz
Bei St. Gallen hat sich die taktische Formation und eine Stammmannschaft mehr oder weniger eingespielt. Mit der Rückkehr von Lukas Daschner gibt es auf der Doppel-Zehn mit ihm, Lukas Görtler und Carlo Boukhalfa ein Überangebot. Unter Enrico Massen und Sportchef Roger Stilz sind die Ostschweizer zu einer fast rein Deutschen Mannschaft geworden mit jeweils mehrheltlich Deutschen Spielern in der Startformation. Dies im starken Kontrast zum auch etwas frankophonen Einfluss unter Vorgängern Zeidler
In seinem ersten Spiel als Interimscoach der 1. Mannschaft startete Dennis Hediger in beide Halbzeiten mit einer in wenigen Trainingseinheiten mehr schlecht als recht eingeübten neuen taktischen Formation – und wechselte dann jeweils in der 18. und 55. Minute zurück auf das seit rund einem Jahr übliche Schema. Das Resultat mit dem Experiment: minus drei Tore. Das Resultat mit der üblichen Formation: plus zwei Tore und ein verschossener Penalty. Man hatte den Effekt und die Energie eines Trainerwechsels auf seiner Seite und spielte gegen einen verunsicherten und defensiv labilen Gegner mit müden Beinen aus dem Europa League-Spiel am Donnerstag. Mit dem taktischen Experiment warf man diese Vorteile weg. Nun kann man sagen: im Nachhinein weiss man es immer besser. Das ist wahr und man kann zudem die Korrektur der Fehleinschätzung in der 18. Minute positiv vermerken. Dass man es dann aber im gleichen Spiel nach der Halbzeitpause mit der Experimentier-Taktik nochmal versuchte, wo doch in den ersten 18 Minuten praktisch gar nichts zusammengepasst hatte, ist eigentlich unverzeihlich. Das Resultat: YB konnte das Spiel noch einmal drehen.
In den letzten Jahrzehnten defensiv kaum einmal so desolat
Was war denn die Idee Hedigers? Nach zwei Niederlagen mit 0:4 Toren wollte der frühere Defensivstratege trotz null erzielter Tore wohl erst mal die Defensive mit einer Fünferkette stärken. Er stellte zudem mit Jahnoah Markelo einen Spezialbewacher für YB-Offensivverteidger Jaouen Hadjam ab. Trotz dünner Besetzung auf den Aussenbahnen sollte flach über die Flanken aufgebaut werden. Dies konnte YB in dieser Phase mit ihrem Hohen Pressing auf einfache Weise unterbinden. Folgerichtig brachte auch der Überraschungseffekt der veränderten taktischen Formation dem FCZ nichts. Zwar hatte man beim Spielaufbau aus Abstoss inklusive Yanick Brecher häufig in einer ersten Phase eine sechs gegen vier-Überzahl. Dieser Faktor wurde aber vor allem aufgrund der ungenügenden Positionierung und Technik von Junior Ligue zunichte gemacht.
Nicht nur der Spielaufbau funktionierte in der neuen Formation überhaupt nicht. Im Spiel gegen den Ball war die Situation noch deutlich schlimmer. Aufgrund der Spezialbewachung von Hadjam durch Markelo verteidigte der Rest der Mannschaft faktisch in einem 5-2-2. Auf den Spielaufbau der Berner hatte man keinen Druck. Die Gelbschwarzen konnten weit in die Zürcher Platzhälfte vorstossen und dort ziemlich unbedrängt präzise Bälle hinter die Abwehr spielen – oder den Doppelpass / die direkte Weiterleitung vor der Zürcher Abwehrreihe suchen. In den insgesamt nicht einmal 30 Minuten in denen der FCZ in der neuen taktischen Formation spielte, hätte YB nicht nur drei, sondern gut und gerne fünf oder sechs Tore erzielen können. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der FC Zürich defensiv wohl kaum mal so desolat aufgetreten wie in diesen 30 Minuten.
Viele Fragezeichen bezüglich Ausrichtung und Rollenverteilung
Das Vorgehen Hedigers erinnert an gewisse Phasen unter Ricardo Moniz. Dieser wollte beim FCZ im Alter von 60 Jahren nochmal etwas Neues probieren und stellte erstmals in seiner Cheftrainer-Karriere auf ein System mit Dreierabwehrkette um. Durch die Art und Weise wie er sein Team ein- und aufstellte wurde offensichtlich, dass er mit dem System nicht vertraut war und insbesondere nicht verstand welche Spieler man auf Super League-Niveau in welchen Rollen einsetzen kann. Auch die von Hediger gegen YB gewählte Taktik entspricht keineswegs seinem bisherigen Standard-Vorgehen als Trainer. Von seiner üblichen Ausrichtung mit aggressivem Hohem Pressing beispielsweise war gegen YB nichts zu sehen. Wie die Kopfgeburt seines neuen Systems nachher in einem Super League-Spiel aussehen wird, wusste er nicht. Zuber als Linker Aussenläufer? Okay, kann man machen. Und Hadjam hatte tatsächlich nur ein oder zwei gefährliche Aktionen nach vorne, als sein Bewacher Markelo zwischendurch mal unaufmerksam wurde. Aber Ligue halblinks in der Abwehrreihe bei flachem Aufbau hinten heraus gegen einen hoch pressenden Gegner? Das Duo Phaëton / Keny soll zu zweit den Viereraufbau YB’s effektiv stören? Krasniqi soll allein als Ausputzer vor der Abwehr einen sehr grossen Raum abdecken während Tsawa den YB-Sechser verfolgt? Da tun sich viele Fragezeichen bezüglich Ausrichtung und Rollenverteilung auf.
Immer wieder Fassnacht
Der FC Zürich war so von der 3. bis zur 18. Minute unter Dauerdruck. Dass YB im Spielaufbau nach belieben schalten und walten konnte, führte unter anderem zum zweiten Gegentor, als Christian Fassnacht vor der Abwehr angespielt werden konnte und dieser den Ball ideal für den Venezuelanischen Stürmer Sergio Cordova hinter die Abwehr lenkte. Seit der ehemalige FCZ-Junior Fassnacht 2017 zu YB stiess hat er in den Direktduellen den Bernern schon unzählige Punkte gewonnen und dem FCZ gekostet. In der Endabrechnung gehen wohl über die Jahre auch gewisse FCZ-Trainerentlassungen unter anderem auf Fassnacht zurück. Zuletzt vor dem Penalty Juan José Pereas war es wiederum Fassnacht, der den Schützen vor der Ausführung an der Konzentration störte. Auch beim Siegtor zum 3:2 war Fassnacht der entscheidende Mann. Bei einem ungefährlichen Freistoss Krasniqis von der rechten Seite steht der FCZ sehr hoch. Juni Ligue ist als hinterster Mann ebenfalls in Strafraumnähe. Als der Ball von den Bernern geklärt wird, reagiet Krasniqi erst aufmerksam und schnell, und kommt vor dem herausstürmenden Fassnacht an den Ball, wird von diesem aber intensiv unter Druck gesetzt, was Krasniqi, der normalerweise die Ruhe in Person ist, zu einem überhasteten Rückpass ins Niemandsland provoziert.
Juni Ligue findet nicht in die Spur
Die grössere Fehlleistung geht beim dritten Gegentor aber von Juni Ligue aus. Seine gleich drei groben Schnitzer hintereinander sind alle nicht vom Gegner provoziert, sondern nur auf fehlendes Mitdenken zurückzuführen. Als hinterster Mann wäre es ultimativ seine Aufgabe, dem von Fassnacht stark unter Druck gesetzten Krasniqi zu helfen und ihm eine Anspielstation zu bieten. Stattdessen trabt Ligue gedankenverloren langsam zurück. Krasniqi erwartet zu Recht, dass auf der Position, wo er den Ball hinspielt der hinterste Mann seines Teams stehen müsste. Spielen dürfte er den Ball natürlich trotzdem nicht. Der zweite grobe Schnitzer von Ligue ist, dass er anschliessend Gigovic unnötigerweise rot-würdig foult. Mit seiner Schnelligkeit hätte Ligue noch genügend Zeit den Gegenspieler abzulaufen oder mindestens so stark von hinten oder der Seite unter Druck zu setzen, dass dieser nicht zu einem sauberen Abschluss kommt oder gar seitlich abgedrängt wird. Als Gigovic dann umfällt und der Ball zu Fassnacht prallt, kümmert sich Ligue um die Frage, wie die Aktion für den Schiedsrichter ausgesehen hat anstatt sich sofort um Fassnacht zu kümmern, der dann mit Tempo allein vor Brecher das Siegtor erzielt. Beim FCZ macht man wirklich alles mögliche um dem Seebacher den Roten Teppich auszurollen und ihn wieder an die 1. Mannschaft heranzuführen. Aber er zahlt dieses Vertrauen in den letzten Monaten nicht zurück. So auch in Nyon als er in einem entscheidenden Spiel kurz nach seiner Einwechslung den Ausgleich verschuldet, welcher den Gegner zurück ins Spiel bringt.
Top-Leistung von Philippe Keny
Äusserst erfreulich war hingegen die Leistung von Philippe Keny. Nicht nur wegen seinen zwei Toren. Der Senegalese war sehr engagiert und ist der beste Zielspieler für die hohen Bälle Yanick Brechers seit sehr langer Zeit und nimmt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle ein. Nicht zuletzt gelangen ihm mehrere Ballgewinne in der gegnerischen Platzhälfte, die zu gefährlichen Umschaltsituationen für den FCZ führten. Keny schlich sich dabei Berner Mittelfeldspielern jeweils von hinten an und trennte sie mit fairen Mitteln vom Ball. An der Vorbereitung beider Tore entscheidend beteiligt war Bledian Krasniqi (Kopfballablage und Einleitung des Angriffs). Tsawa schlug die Massflanke auf Krasniqi vor dem 1:1, Markelos Schuss vor dem 2:1 war so tückisch, dass ihn YB-Goalie Keller nur nach vorne abwehren konnte.
Kaum personelle Anpassungen
Beide Teams kamen vor der Partie aus zwei Liga-Niederlagen in Folge, wobei YB unter der Woche mit dem 3:2-Heimsieg gegen den Bulgarischen Serienmeister Ludogorets Razgrad Selbstvertrauen hatte tanken können. Beim FCZ gab es personell nicht viele Änderungen. Mariano Gomez kehrte in die Startformation zurück und verdrängte Jorge Segura auf die Bank. Am überraschendsten war, dass neben Segura und Juan Perea mit Nelson Palacio auch noch der dritte Kolumbianer auf der Bank begann. Dies wie sich herausstellte, aufgrund der taktischen Umstellung. Milan Rodic, dem in Lugano kein guter Auftritt gelungen ist, wurde krank gemeldet.
Trotz seiner mässigen Leistungen in der Promotion League sass der Defensivallrounder Isaiah Okafor zum dritten Mal in der Super League auf der Bank. Neil Volken, der schon viele Spiele unter Dennis Hediger bestritten hat, ebenfalls. Nicht dabei war hingegen beispielsweise Sajawal Mahar. Der Flügel / Achter hat unter Dennis Hediger in 36 Spielen schon 14 Tore erzielt. Der 18-jährige wurde zusammen mit Jill Stiel in der U19 auswärts beim FC Sion (3:3) eingesetzt.
Der FC Zürich hat bisher alle drei Duelle mit dem FC St. Gallen in dieser Saison verloren – mit einem Gesamt-Skore von 2:8. Schon letzte Saison hatte man gegen die Ostschweizer eine negative Bilanz. Der Zeidler’sche Vollgas-Fussball von Minute Eins an schien dem FC Zürich jeweils besser zu liegen als der etwas kontrolliertere Ansatz unter Maassen. Bei einem Auswärtssieg im Kybunpark würde man hingegen erstmals seit dem Saisonstart gegen Yverdon, Shelbourne und Winterthur drei Siege in Folge feiern. Dafür müsste man es schaffen, sein Spiel auch gegen einen besser besetzten Gegner als die letzten drei der Liga durchzusetzen.
St. Gallen neu mit Dreierabwehr
Zwei Stunden vor der 1. Mannschaft spielt die U21 in Bavois gegen den Abstieg aus der Promotion League. Dies mit Miguel Reichmuth, Cosimo Fiorini, Nevio Di Giusto, Neil Volken und Vincent Nvendo in der Startformation. Cheveyo Tsawa und David Vujevic sind hingegen nicht in die Waadt mitgereist, werden auf Seiten der 1. Mannschaft aber auch als fraglich gemeldet. Die Einsatzchancen speziell für Daniel Denoon sind so gestiegen. JP Gbamin wird tendenziell wieder auf der Sechserposition auflaufen und sogar ein Einsatz von Ifeanyi Mathew wäre denkbar gewesen – allerdings ist er gemäss Beobachtungen wohl nicht im Matchkader dabei.
Der gesperrt gewesene Innenverteidiger Jozo Stanic kehrt für den neu gesperrten Kollegen Ambrosius ins Team zurück. Coach Enrico Massen hat in dieser Saison häufig die taktische Formation geändert. Zuletzt agierten die Grünweissen mit Dreierabwehr. Wenn dies auch gegen den FC Zürich beibehalten wird, dann hat Nachwuchsmann Cyrill May gute Chancen, erneut von Beginn weg aufzulaufen. Das lange verletzt gewesene Eigengewächs Corsin Konietzke ist zudem wieder zurück – dafür fallen Witzig, Görtler, Okoroji und Diaby aus.
Der FC Zürich hat die Stadt-Meisterschaft bereits vor diesem fünften Saisonderby gewonnen – und dies zum siebten Mal in Folge. Rund um die FCZ Challenge League-Saison war letztmals GC drei Mal in Folge vorne. Die Hoppers kämpfen in erster Linie mit Winterthur und Yverdon gegen den Abstieg. Zuletzt bei der 0:2-Niederlage in Winterthur hatte das Team von Trainer Tomas Oral viel Pech. Ein knappes Offside-Tor von Schürpf wurde nicht gegeben genauso wenig wie drei mögliche Penaltys. Der FC Zürich erzielte bei der 1:2-Niederlage im Tourbillon gegen den FC Sion gleich zwei Treffer, die wegen knappen Offsides aberkannt wurden.
Emmanuel wie in Sion im Sturmzentrum?
Der Derby-Mann der Saison heisst bisher Mounir Chouiar. Der Franzose war in den Duellen mit GC in den entscheidenden Momenten jeweils da und war an einem grossen Teil der FCZ-Tore beteiligt. Beim 2:1-Sieg Ende März schlug er den Eckball zum 1:0 von Jean-Philippe Gbamin und auch die Flanke auf den Kopf von Bledian Krasniqi beim 2:0. Dieser bringt in den letzten Wochen eine von ihm noch selten gesehene Konstanz auf den Platz. Nach Yanick Brecher, Mariano Gomez und Mounir Chouiar hat Krasniqi in dieser Saison die viertmeisten Einsatzminuten und mit bisher zehn Skorerpunkten einen neuen persönlichen Bestwert aufgestellt. Der angesprochene Derbysieg Ende März war allerdings der letzte Vollerfolg des FC Zürich – seither gab es nur zwei Punkte aus fünf Partien. GC hat hingegen in der Zwischenzeit immerhin gegen Luzern und in Yverdon zwei Spiele gewinnen können.
Im Gegensatz zu letzter Woche findet diesmal das U21-Spiel (zu Hause gegen den SC Cham) am Tag nach dem Spiel der 1. Mannschaft statt, was bezüglich dem Einsatzplan der jungen Spieler wohl schon einen Unterschied ausmacht. In Sion setzte es für den FCZ die Niederlage weil einerseits der sich in Abstiegsgefahr befindliche Gegner zwei, drei Prozentpunkte mehr auf den Platz brachte und andererseits Junior Ligue (trotz Familiensupport im Tourbillon) und Daniel Denoon völlig neben den Schuhen standen. Im Derby kann man sich solche Disziplinlosigkeiten und Konzentrationsschwächen noch weniger leisten. Lindrit Kamberi kehrt von seiner Sperre zurück. Rodrigo Conceição könnte eine Option auf der LInksverteidiger-Position sein. Eine offene Frage ist, ob Jean-Philippe Gbamin wie in Sion wieder in der Innenverteidigung beginnt oder im Mittelfeld. Gbamins Auftritt im Wallis war sein bisher wohl bester im FCZ-Dress und eine klare Steigerung im Vergleich zu den Wochen davor. Emmanuel hatte im Wallis auf dem LInken Flügel begonnen, wechselte dann aber relativ rasch im Verlauf der 1. Halbzeit ins Sturmzentrum, wo er das zentrale Duo mit Steven Zuber bildete. Er steuerte auf dieser Position ein Assist bei und erzielte ein Offside-Tor.
Abrashi und Schürpf zuletzt als Starter mit Mühe
Bei GC ist Trainer Oral gesperrt und Tsiy Ndenge fällt weiterhin verletzt aus. Amir Abrashi hatte zuletzt Mühe, mit dem Super League-Tempo noch mitzuhalten – Pascal Schürpf ist weiterhin am effektivsten als Joker. Bei der Niederlage in Winterthur begannen beide in der Startformation – Schürpf war dabei an der Entstehung des ersten Gegentores beteiligt. Wie bereits beim letzten GC Derbysieg im Januar 2024, als der Basler als Einwechselspieler in der Nachspielzeit die Partie drehte. Zu den offensiv effektivsten Spielern bei den Grasshoppers gehört weiterhin Linksverteidiger Persson. Bei Mittelstürmer Adama Bojang hängt alles von der Tagesform ab. Der ehemalige FCZ-Junior und heutige GC U21-Captain Yannick Bettkober kam zuletzt zu seinen ersten Einsatzminuten in der Super League.
Bei der 1:3-Hinspielniederlage der FCZ Frauen im Utogrund hat YB in der Schlussphase mit zwei Standards das Spiel gedreht. Danach war vielfach die Rede davon, dass die FCZ Frauen die ersten 75 Minuten besser gewesen seien. So richtig war dies aber nur rund eine Stunde lang der Fall. Die Einwechslung des Duos Josten / Schärz auf Seiten von YB veränderte ab der 58. Minute das Spiel. Ab da waren die Bernerinnen beweglicher und konnten sich dem Zugriff des Heimteams zunehmend entziehen. Den Zürcherinnen merkte man die etwas nachlassenden Kräfte nach äusserst engagierten ersten 60 Minuten an. Und vor allem enttäuschten auf Zürcher Seite die Einwechselspielerinnen Deyss, Pallotta und Cavar.
YB - FCZ Frauen heute live ab 16:55
Borbala Vincze kommt in Form
Der FC Zürich war in der 1. Halbzeit durch einen haltbaren Weitschuss der 17-jährigen Borbala Vincze 1:0 in Führung gegangen und hatte im Lauf der Partie unzählige Aluminiumtreffer zu verzeichnen. Den Ausgleich erzielte in der 82. Minute die Amerikanerin Athena Kuehn nach einem Freistoss aus dem Mittelfeld der routinierten Linksverteidigerin Wibke Meister. Die eingewechselte Marlene Deyss hatte auf FCZ-Seite nicht aufgepasst und ging nicht auf den Ball: in der Annahme, es sei keine YB-Spielerin in der Nähe. Beim 2:1-Führungstreffer hatten die Bernerinnen bei einem Eckball Glück, dass Schiedsrichterin Reichmuth das Rückwärts-Anspringen von Lisa Josten im Fünfmeterraum gegen die Zürcher Torhüterin Noemi Benz nicht als Foul wertete – wieder profitierte Athena Kühn. In der Nachspielzeit fiel dann auch noch das 1:3 durch Nationalspielerin Iman Beney. Kim Dubs ging nicht mehr konsequent ins Pressing, wodurch Viktoria Szabo zu weit aufrückte – und dann war es erneut Marlene Deyss, welcher der Ball von Stephanie Waeber für Beney unter dem Fuss durchrutschte.
Was gibt den Zürcherinnen noch die Hoffnung gegen die Qualifikationssiegerinnen, gegen die man in dieser Saison drei Mal klar verloren hat, die Wende noch zu schaffen? Einerseits die Mentalität, dann ihre Leistung der ersten 60 Minuten im Hinspiel, und dazu der Faktor, dass Shootingstar Borbala Vincze nach längerer Verletzungspause rechtzeitig auf die Playoffs hin in Form kommt. Dies bedeutet auch, dass sich der Doppelsturm nicht von selbst aufstellt. Wenn die im Hinspiel erst spät eingewechselte Luisa Blumenthal in Bern wieder beginnen sollte, könnte Chiara Bücher neben Vincze vorne starten und Kim Dubs als Joker fungieren. Nach dem verunglückten Auftritt von Marlene Deyss im Utogrund wird wohl erneut Anna Matsushita auf der Hybridposition Zentrale Innenverteidigerin / Sechser auflaufen.
Josten / Schärz erneut als Joker-Duo?
YB hat ein eingespieltes Team bei welchem wohl weiterhin Nationalspielerin Naomi Luyet fehlt. Die aus dem gleichen Walliser Dorf stammende Iman Beney hat trotz ihres späten Treffers in Zürich den Tritt in diesen Playoffs noch nicht richtig gefunden. Sowohl gegen Luzern wie auch gegen den FCZ rieb sie sich an defensiv über weite Strecken gut organisierten und disziplinierten Teams auf. Das Duo Josten / Schärz hat sich mit seinen Leistungen im Hinspiel sicherlich aufgedrängt. Aber gerade weil es als Joker so gut funktioniert hat, könnte es diese Rolle im Rückspiel erneut einnehmen.
FCZ-Coach Ricardo Moniz hat an der Pressekonferenz vor der Partie in Bern die letzte Derby-Aufstellung (2:1-Sieg) als sein aktuelles Ideal vermittelt. In dieser Partie spielte Steven Zuber auf dem Linken Flügel. Gegen Lausanne-Sport gelang ihm das Anschlusstor, nachdem der eingewechselte Mittelstürmer Vincent Nvendo beim hohen Ball Yanick Brechers den gegnerischen Abwehrchef Noe Dussene aus dessen Position herausgelockt hatte und Zuber den freien Raum mit einem Diagonallauf von links nutzen konnte. Nvendo wurde vorgestern bei der 0:3-Niederlage in der Promotion League gegen den FC Rapperswil-Jona aber eine gute Stunde eingesetzt – daher ist sein Einsatz in Bern generell fraglich und ein Startelfaufgebot kann wohl ausgeschlossen werden.
Auch beim 3:0-Auswärtssieg in Lugano begann Zuber auf dem Linken Flügel. Die beiden Partien in denen der Tösstaler hingegen zuletzt als alleiniger Mittelstürmer startete, endeten mit einem schlechten Resultat für den FC Zürich (Servette (H) 1:3 und FCB (H) 0:4). Beim 3:2-Heimsieg gegen Luzern begann das Moniz-Team mit einem Viermann-Sturm mit Chouiar und Zuber gemeinsam im Zentrum. Beim 0:0 in Winterthur startete Zuber im Mittelfeld auf einer der beiden 8er-Positionen. In besagtem Derby begann Mounir Chouiar als Mittelstürmer und damit war der FCZ erfolgreich. Als der Franzose hingegen zuletzt in Winterthur und gegen den FCB auf dem Linken Flügel begann, konnte man kein Tor erzielen.
Grosse Frage beim FCZ: reicht es JP Gbamin?
Auf dem Rechten Flügel sind Ballet und Markelo seit dem Ausrufen des Zweikampfes um diese Position durch Ricardo Moniz beide in ein kleines Tief geraten – wobei Ballet aktuell leichte Vorteile auf seiner Seite hat. Lindrit Kamberi hat gegen den FCB wieder mal einen schlechten Auftritt eingezogen. Im von Moniz angesprochenen Derby spielte JP Gbamin als “Sechser“ – vor ihm die beiden Achter Conceição und Krasniqi. Krasniqi kann auch in Bern in der Startformation erwartet werden. Der Kunstrasen und die zuletzt fehlende Torgefährlichkeit könnten Argumente sein, um den umfunktionierten Conceição nach zwei auf der Ersatzbank gestarteten Spielen ebenfalls wieder von Anfang an zu bringen.
Beim zuletzt angeschlagenen JP Gbamin ist unsicher, ob es bereits für die Partie in Bern wieder reicht. Auf seiner Position begannen zuletzt Reichmuth (gegen Lausanne), Tsawa (in Winterthur) und Fiorini (gegen Basel). Dass nach dem Ausfall Mendys Ligue auf die linke Seite rückt, scheint wahrscheinlicher, als dass Volken von Anfang an auflaufen darf. Immerhin wurde Letzterer am Samstag in Rapperswil bereits zur Pause rausgenommen, was auf eine gewisse Schonung hindeuten könnte. Die Innenverteidigung könnte dementsprechend erneut von Gómez und Vujevic gebildet werden.
Kann der FCZ die YB-Probleme in der Innenverteidigung ausnutzen?
YB hat sich zuletzt in Luzern (0:5) mit einem Rhombus im Mittelfeld taktisch dem Gegner angepasst: es hat nicht funktioniert. Gegen Yverdon (1:1) und auch beim Cup-Viertelfinal beim FCZ (3:2) trat das Team von Coach Giorgio Contini in einem 4-2-3-1 an. Das YB-Kader ist aktuell eher schmal aufgestellt, am meisten in der Innenverteidigung, wo wohl das Duo Lauper / Zoukrou auflaufen wird. Die Frage ist, ob der FC Zürich ohne einen Stamm-Mittelstürmer dies auch ausnutzen kann.
FCZ gegen YB ist das einzige Super League-Duell des Cup-Viertelfinals im Jubiläumsjahr (100 Jahre Schweizer Cup). Welches Team kann die Hoffnung auf den Gewinn des 100. Schweizer Cups aufrechterhalten? Beide scheinen nach einer Durststrecke im Aufwind zu sein, wobei sich dies bei YB mit vier (zum Teil sehr hohen) Siegen in den fünf Partien seit dem Ende der Champions League-Kampagne schon einiges stärker in Resultate umgemünzt hat. Beim FCZ ist es hingegen nach dem knappen Heimsieg gegen Yverdon noch ein zartes Pflänzchen. Man darf nicht vergessen, dass der letzte Sieg des FC Zürich gegen ein Team, das in der Liga nicht unter den letzten vier klassiert ist, vom 21. September herrührt (2:0-Auswärtserfolg beim FC Basel). Seither konnte man nur gegen Sion, GC, Yverdon und Winterthur gewinnen. Ein Sieg gegen YB wäre also auch vor diesem Hintergrund eine grosse Sache.
Hadjam links oder rechts? Flügelsystem oder Rhombus?
Die historische Bilanz aus Cup-Duellen ist leicht positiv für den FC Zürich, inklusive dem einzigen Aufeinandertreffen in einem Final. Aber auch in der Meisterschaft hat sich die YB-Bilanz des FCZ seit dem 1:0-Heimsieg im November der Meistersaison (Tor: Willy Gnonto) ins Positive gedreht. Nur zwei Mal hat der FC Zürich seither gegen die Berner verloren, nachdem man zuvor geschlagene sieben Jahre in der Meisterschaft gegen die Gelb-Schwarzen nicht mehr gewinnen konnte und auch nur selten mal ein Unentschieden erreicht hatte. In den letzten vier Jahren hat der FCZ nur ein Heimspiel gegen YB verloren – es war das erste Spiel unter Trainer Ricardo Moniz im Mai letzten Jahres. Zwei ihrer insgesamt acht Cup-Titel hat der amtierende Meister YB in den letzten fünf Jahren geholt. 2020 wurde im Final der FC Basel mit 2:1 und 2023 Lugano mit 3:2 geschlagen. YB ist also historisch keine Cup-Mannschaft.
Im Spitzenkampf gegen Lugano (1:0 für YB) spielte Jaouen Hadjam aussergewöhnlicherweise auf der Rechtsverteidigerposition. Genau dieser Kniff sorgte letztendlich für die Entscheidung, als der Franzose mit einem Diagonallauf an die Strafraumgrenze lief und zu einem fast unhaltbaren Drehschuss in die entfernte Ecke ansetzte. Vorausgegangen war der Aktion ein „schlampiger“ Pass Ousmane Doumbias. Ausserdem zog der eingewechselte Colley mit seinem Laufweg Anto Grgic aus seiner Position, so dass der Raum an der Strafraumgrenze für Hadjam frei wurde. Lässt Contini Hadjam gegen den FCZ erneut auf rechts auflaufen? Ob Alan Virginius von Anfang an spielt oder nicht, ist jeweils auch etwas ein Indikator für die Formation mit der die Berner auflaufen. Mit dem flinken Franzosen kommen die Bundesstädter etwas mehr über die Seiten. Zuletzt gegen Lugano begann man hingegen wie zu Wicky-Zeiten wieder mit einem Rhombus. Zu einer bereits fast unverzichtbaren Grösse hat sich im Mittelfeld Neuverpflichtung Raveloson entwickelt, während der im Herbst noch spielbestimmende Ugrinic aktuell eher hartes Brot isst. Das YB-Kader ist nach dem Wintertransferfenster nicht mehr allzu breit. Die Alternativen für Coach Giorgio Contini sind begrenzter als für seine Vorgänger.
Mit oder ohne Gomez?
Die 4-3-3 Aufstellung hat sich gegen Yverdon bewährt. Falls der FCZ auch gegen YB vor hat, möglichst dominant aufzutreten, ist es unerlässlich die Viererabwehr beizubehalten. Denn das System mit Dreierabwehr scheint nur bei äusserst aggressivem Gegenpressing und schnellem Umschalten gegen einen Gegner wie dem FCB zu funktionieren. Die Frage stellt sich, ob Gomez für das YB-Spiel wieder fit wird. Die Alternative ist Denoon. Das Dreiermittelfeld Gbamin / Tsawa / Krasniqi hat sich bewährt. Conceição ist auf der Linksverteidigerposition nicht die ideale Besetzung, aber Mendy ist wohl noch kaum ready für die Startelf. Leidner hat zuletzt in der Promotion League in Vevey ein Tor erzielt, was bei Ricardo Moniz immer gut ankommt. Mahmoud hat sich in der Schlussphase gegen Yverdon gut eingeführt. Zuber spielte bis zur Auswechslung Krasniqis auf dem linken Flügel und gefiel erneut auf dieser Position. Chouiar hat zur Zeit mehr Tiefen als Höhen. Volken scheint links eher für die Aussenläufer- oder Flügelposition und weniger als Aussenverteidiger vorgesehen zu sein, was Sinn macht.