FCZ-Trainer André Breitenreiter setzt im St. Jakob Park auf eine Techniker-Armada. Neben dem wiedergenesenen Marchesano stehen auch Coric und Leitner in der Startformation. Kann eine solche Equipe dem Druck im St. Jakob Park standhalten und nach vorne für die Differenz sorgen?

Der FCB (seit Mittwoch Tabellenführer) ist das einzige bisher noch ungeschlagene Team der Liga. Trainer Rahmen hat wie jede Woche die Qual der Wahl und lässt diesmal Captain Valentin Stocker in der Startformation draussen. Beim 2:0-Auswärtssieg in St. Gallen beanspruchten die Rot-Blauen Glück. Beim 1:0-Führungstreffer Cabrals stand Offensivpartner Ndoye ungestraft im Offside und griff mit einer Bewegung zum nahe an ihm vorbeirollenden Ball ins Spiel ein. In der 58. Minute stiess zudem Petretta den alleine Richtung Basler Tor stürmenden Besio ebenfalls ungeahndet im Strafraum entscheidend in den Rücken. Und die Gelb-Rote Karte gegen den Ostschweizer Verteidiger Fazliji, welche schlussendlich ein echtes Aufbäumen der Grün-Weissen verunmöglichte, war viel zu hart. Schiedsrichter Sandro Schärer hatte bereits drei Wochen davor beim Spitzenkampf gegen YB dem FCB mit einer übertriebenen Gelb-Roten Karte gegen Maceiras in die Karten gespielt. Cabral hingegen, der rund um diese Situation kurz vor der Pause gleich drei Mal Gelb hätte sehen müssen, liess er auf dem Platz.

Wer hat sich nicht schon mal über einen Stadionspeaker aufgeregt oder auch gefreut? Jeder kennt ihre Stimmen, aber kaum jemand ihre Gesichter. Was darf ein Speaker eigentlich und was nicht? Gibt es Vorgaben und wie strikt muss man sich daran halten? Kennen sich die Super League-Stadionspeaker gegenseitig? Gibt es auch Speaker, die manchmal „fremdgehen“? Christof Arnold ist einer der vielseitigsten Sportspeaker der Schweiz. Ob Rugby, Baseball, Handball, Volleyball, Beach Soccer, Trail Running, Bike Downhill, Boxen, Fussball (FC Thun) oder Eishockey – keine Sportart ist vor ihm sicher. Der Zusammenschnitt stammt aus der Direktübertragung des ersten Spiels nach der Coronapause im Wankdorf (2:3-Niederlage nach zweimaliger Führung gegen YB), an Aktualität hat das Gesagte aber seither nicht verloren. Denn die Rede kommt auch auf spezielle Corona-Jobs (Herstellung von Desinfektionsmitteln in einer Gin-Destillerie) und die Unterschiede zwischen den Sportstädten Bern und Zürich.

Auch in der fünften Auswärtspartie ist Antonio Marchesano erneut der Züri Live-MVP! Und dies auf einer eher ungewohnten Position links in einem Dreiermittelfeld. Weitere positive Konstanten im ersten Saisonviertel sind bisher Ousmane Doumbia, Assan Ceesay und Marc Hornschuh, der als Defensivfeuerwehrmann (normalerweise mit Impulsen als Einwechselspieler im Mittelfeld, in Bern vorwiegend in der Rolle als „Libero“ von Beginn weg) bisher noch nie enttäuscht hat.

FCZ mit konstant Hohem Pressing im 5-3-2

Der FCZ spielt in Bern gegen den Serienmeister erstmals mit einem von der Formation her defensiven 5-3-2, allerdings kombiniert mit beinahe konstant Hohem Pressing bis weit in die Zweite Halbzeit hinein. Man hatte das Spiel in der ersten halben Stunde klar unter Kontrolle. Ungewöhnlich für den FCZ bei einem Super League-Auftritt im Wankdorf. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die eklatante Leistungssteigerung von Stürmer Assan Ceesay im Vergleich zu letzter Saison – auch im Pressing und Defensivverhalten allgemein. Im ersten Spielviertel (22,5 Minuten) hatten gleich fünf FCZ-Spieler eine Züri Live-Note 10 (Marchesano, Ceesay, Hornschuh, Guerrero, Leitner). Man sah auch sonst neue Elemente. Zum Beispiel war im Spielaufbau Überzahl über die Seiten kreieren in den letzten Jahren nie eine Spezialität des FCZ gewesen. Dies haben viel eher YB und andere Super League-Gegner jeweils gegen den FCZ angewandt. Die Berner haben ihre Spielweise unter David Wagner geändert, agieren viel häufiger in Hauruck-Manier und weniger mit spielerischen Mitteln, als zuvor unter Gerardo Seoane – was in der Champions League gegen einen Top-Gegner gut funktioniert hat.

Fehlende taktische Reaktion auf nachlassende Kompaktheit und Laufvermögen

Ein taktischer Fehler war dann aber, dass man versucht hat, das Hohe Pressing über die vollen ersten 45 Minuten durchzuziehen. Nach 30 Minuten gab es in kurzer Folge immer mehr klare Anzeichen, dass dies ein zu optimistisches Unterfangen war. Die Passwege konnten nicht mehr konsequent zugestellt werden – und sofort blühte YB auf, mit weiten Bällen und direkten Weiterleitungen, und genoss den Raum, den ihnen Zürich durch die abnehmende Kompaktheit bot. Vor allem wurde ab der 30. Minute YB’s spielmachender Sechser Christopher Martins nicht mehr wie zuvor von den Zürchern konsequent am Spielaufbau gehindert. Die Folge davon war schlussendlich der Berner Führungstreffer noch vor dem Halbzeitpfiff – wieder durch Christian Fassnacht. In 19 Partien gegen seinen Jugendklub hat Fassnacht 16 gewonnen bei mittlerweile sieben Toren und vier Assists, davon eines zum 2:0 Michel Aebischers in der 64. Minute. Dieser beendete die Partie statistisch gar mit zwei Treffern und einem Assist.

FCZ-Chancenplus auch nach der Pause

Nach dem „Pausentee“ funktionierte das Hohe Pressing des FCZ dann wieder etwas besser – bis zur Auswechlung der defensiv wichtigen Doumbia und Aliti in der 62. Minute. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der FCZ auch nach der Pause mehr gute Torchancen als der Gegner gehabt – aber Gogia zögerte bei einer Fünf gegen drei-Situation im gegnerischen Strafraum zu lange, Marchesano schoss einen Freistoss an den Aussenpfosten und Ceesays Abschluss wurde von Camara noch ins Aussennetz abgelenkt. Breitenreiter brachte Krasniqi und Gnonto und stellte ganz auf ein 4-2-3-1 um.

YB lange Zeit mit Mühe aufgrund der ungewohnten taktischen Marschroute des FCZ

Situativ beim Spielaufbau aus Abstössen bei Yanick Brecher hatte der FCZ schon seit Spielbeginn die 4-2-3-1 Formation angewandt (mit Guerrero am linken und Gogia am rechten Flügel) und schien damit YB zu Beginn auch etwas überrascht zu haben. Denn es hatte sich in den letzten Wochen in der Super League gezeigt, dass der übliche Spielaufbau mit drei Mann hinten im Zentrum gegen die Berner wenig bringt – durch ihr geschicktes Anlaufen, gute Raumaufteilung und vor allem sehr hohe defensive Aufmerksamkeit von allen gelbschwarzen Stürmern und Mittelfeldspielern, können sie einen der drei aufbauenden Verteidiger in der Regel aus dem Spiel nehmen. Ganz allgemein war die Häufigkeit und Konsequenz des Hohen Pressings des FCZ für YB eine ungewohnte Erfahrung. So bestand das YB-Spiel über weite Strecken aus Konterangriffen im eigenen Stadion – insgesamt 13. Seit dem 2:1-Heimsieg gegen den FC St. Gallen im November 2015 hatten die Gelb-Schwarzen in Wettbewerbspartien nicht mehr so viele Konterangriffe spielen können / müssen.

Duo Leitner / Krasniqi hat Sechserposition nicht im Griff

Das Duo Leitner / Krasniqi hatte die Sechserposition nicht im Griff und gestand YB vor der FCZ-Abwehr viel zu grosse Räume zu. Die Berner nutzten dies sofort mit hohen Bällen aus der Abwehr zwischen die Zürcher Linien aus – exemplarisch beim 2:0 durch Aebischer in der 64. Minute, als Fassnacht mit einem Hohen Ball von Von Ballmoos angespielt wurde. Die Zürcher Innenverteidiger fühlten sich nun genötigt, sich vermehrt aus ihrer Position zu lösen und auf der verwaisten Sechserposition Feuerwehr zu spielen – was natürlich nicht immer gelang und hinten noch grössere Löcher aufriss, zumal Hornschuh und Omeragic nach der Systemumstellung nur noch zu zweit waren. Zudem konnten Boranijasevic und Guerrero durch ihre zurückgezogene Positionierung im 4-2-3-1 auch nicht mehr mithelfen, die Räume auf den Halbpositionen, die von YB so gerne angespielt werden, zuzustellen. In der 69. Minute hatte Assan Ceesay am nahen Pfosten direkt vor Von Ballmoos wohl die grösste Zürcher Chance – sechs Zürcher waren zu diesem Zeitpunkt im gegnerischen Strafraum – im direkten Gegenzug erzielte Aebischer das 3:0. Die Partie im Wankdorf war der erste Match der Saison, wo der ansonsten im Abschluss sehr effiziente FCZ diese Qualität nicht aufbringen konnte.

Moritz Leitner: verbessert, bietet YB aber zu viele Räume an

Moritz Leitner zeigte sich in der Ersten Halbzeit in Bern vor allem in Ballbesitz wacher und fokussierter im Vergleich zu seinen ersten drei Wettbewerbseinsätzen im FCZ-Trikot (alle mit Züri Live-Note 3). Ohne Ball stand er hingegen weiterhin noch zu häufig etwas alibimässig im luftleeren Raum, wo er keine echte defensive Funktion erfüllte und wichtige Räume für den Gegner öffnete. Nach der Pause nahm seine Leistungskurve zudem auch im Spiel mit Ball stark ab und nach der Einwechslung von Krasniqi bestätigte sich erneut die Vermutung nach der Inkompatibilität dieser zwei sehr ähnlichen Spieler, welche sich bereits im ersten gemeinsamen Einsatz in Solothurn angedeutet hatte. Leitner übernahm von Marchesano die mit dem rechten Fuss zu tretenden Eckbälle (im Wechsel mit Linksfüsser Guerrero) und tat dies gut. Marchesano konnte sich so noch mehr ganz auf seine Freistösse konzentrieren und wurde von Leitner auch einmal am nahen Pfosten selbst mit einem Corner bedient (Kopfball knapp darüber). Beim vorentscheidenden 2:0 YB’s ist Leitner sowohl in der Entstehung wie auch bei der Vollendung durch den aufrückenden Aebischer zu wenig aufmerksam. Drei von fünf Einwechslungen (Krasniqi, Pollero, Dzemaili) waren schlecht. Insgesamt hat der FCZ beim Züri Live-Notenschnitt aber seit dem Derby wieder eine aufsteigende Tendenz und in der YB-Partie die höchste Anzahl Defensivpunkte in dieser Saison.

Andy Gogia weiter fehlerhaft

Akaki Gogias Auftritte gleichen weiterhin einer Achterbahnfahrt. Neben guten Aktionen schleichen sich immer noch zu viele Fehler ein: zu spätes Entgegenkommen zum Ball, vom Fuss wegspickende einfache Bälle, „telefonierte“ Zuspiele, die zu gefährlichen Konterangriffen des Gegners führen, ungenau gespielte Bälle auch auf kurze Distanz, Flanken ins Niemandsland und zu passives Verhalten im Pressing und in den Zweikämpfen. Seine beste Aktion hatte der deutsche Offensivspieler in der 16. Minute, als er Moumi bei einem im Ansatz schnellen Gegenstoss YB’s mit einer Kopfballklärung ins Seitenaus energisch stoppte. Blerim Dzemaili wiederum machte bei seinem ersten Liga-Teileinsatz seit vier Monaten wieder da weiter, wo er in der Rückrunde aufgehört hatte, stand im Mittelfeld dem eigenen Mitspieler Antonio Marchesano im Weg, vergass seine Position zu besetzen und spielte Alexandre Jankewitz aus kurzer Distanz einen unerklärlichen Fehlpass direkt in die Füsse – daraus folgte ein gefährlicher YB-Konter, der nur dank der Abschlussschwäche des eingewechselten YB-Stürmers Wilfried Kanga (mit 23 Jahren bisher insgesamt fünf Karrieretore auf Stufe Profifussball) nicht zum Erfolg führte.

Telegramm

BSC Young Boys – FC Zürich 4:0 (1:0)
Tore: 45.+4 Fassnacht (Martins) 1:0; 64. Aebischer (Fassnacht) 2:0, 69. Aebischer (Moumi) 3:0; 89. Elia (Aebischer) 4:0.
Young Boys – Von Ballmoos; Hefti, Lauper, Zesiger (46. Camara), Garcia; Fassnacht, Martins (85. Jankewitz), Aebischer, Moumi (76. Sulejmani); Elia, Siebatcheu (76. Kanga).
FCZ – Brecher; Boranijasevic, Omeragic, Hornschuh, Aliti (62. Gnonto), Guerrero; Doumbia (62. Krasniqi), Leitner (78. Dzemaili), Marchesano; Ceesay (70. Pollero), Gogia (70. Rohner).

Antonio Marchesano und Théo Valls gehören aktuell zu den grössten Standardspezialisten der Liga. Dazu kommen Kastriot Imeri und Miroslav Stevanovic bei den Gästen, sowie Adrian Guerrero und Moritz Leitner beim FCZ. Der FCZ hat in der Liga bisher 62% seiner Treffer auf Standards erzielt – die restlichen 38% durch Umschaltspiel. Noch kein einziges Tor ist dem Letzigrundteam diese Saison aus dem Aufbauspiel heraus gelungen. Bei Servette hingegen stehen die Tore aus Umschaltspiel an erster Stelle, gefolgt von Aufbauspiel. Defensiv ist Servette am wenigsten anfällig auf Gegentreffer aus dem Umschaltspiel, der FCZ auf Gegentreffer aus dem Aufbauspiel. Dass sich das traditionell auf Aufbauspiel bauende Servette zuletzt im Umschaltspiel verbessert hat, könnte also zu einem wichtigen Erfolgsfaktor gegen den FC Zürich werden.

Der FCZ muss aber gegen Servette auf seinen erfolgreichen Standardschützen Antonio Marchesano verzichten. Der Tessiner wird verletzt / rekonvaleszent gemeldet. An seiner Stelle spielt Neuverpflichtung Ante Coric, der in Kriens einen ansprechenden Teileinsatz gezeigt hat, erstmals von Anfang an und erstmals in der Super League.

Servette muss ebenfalls auf einen Offensiv-Pfeiler verzichten – Miroslav Stevanovic ist ebenfalls verletzungsbedingt nicht mit nach Zürich gereist. Ronny Rodelin und Alex Schalk assistieren im Dreiersturm Grejohn Kyei.

Beim FCZ kehrt der in Bern gesperrt gewesene Mirlind Kryeziu in die Startformation zurück – gegen die Mannschaft, zu der er letzte Rückrunde ausgeliehen war. Ausserdem stehen Bledian Krasniqi, Wilfried Gnonto und wie in Solothurn Zivko Kostadinovic von Anfang an auf dem Kleinfeld, welches nicht nur so heisst, sondern tatsächlich auch die kleinsten Ausmasse aller Plätze der Swiss Football League hat.

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem FCZ und dem SC Kriens im Schweizer Cup vor zweieinhalb Jahren kamen die favorisierten Zürcher im Letzigrund nur mit Glück weiter. Unter dem neuen Trainer Davide Morandi konnten die Krienser in der neuen Saison in der Meisterschaft noch keinen Sieg landen – nur im Schweizer Cup gegen den nicht ungefährlichen Erstligisten Vevey United. In den ersten sechs Runden konnte der Tessiner aus verschiedenen Gründen noch keine Stammformation finden und die jahrelange Auswärtsstärke schlug angesichts der klaren Niederlagen bei den Spitzenteams Xamax und Vaduz konnte bisher nicht konserviert werden. Heute im Cup rotiert Morandi erneut. So erhalten in der Offensive die jungen Mark Marleku und Lino Lang die Chance, sich zu zeigen. Die beiden haben gute Erinnerungen an den FCZ, standen sie doch Ende Juli letzten Jahres in der zweitletzten Runde beim 2:1-Sieg des FC Luzern gegen das Letzigrund-Team auf dem Platz – Lang erzielte gar mit einem glänzenden Weitschuss der Siegestreffer für den Super League-isten – nur einen Kilometer Luftlinie vom Kleinfeld entfernt in der Swissporarena. Der vom FCZ ausgeliehene Izer Aliu musste zuletzt in Vaduz (1:4) in der Innenverteidigung aushelfen, wird heute aber wohl wieder im Mittelfeld auflaufen.

Antonio Marchesano erfreut sich einer ausgezeichneten Verfassung. Im sechsten FCZ-Wettbewerbsspiel der Saison ist der Tessiner zum vierten Mal der Most Valuable Player – oder anders gesagt: bisher in allen Auswärtspartien! In St. Gallen ist er an allen drei FCZ-Treffern beteiligt, zwei davon sind seine Standards. Und: nach Luzern und Solothurn erzielt Marchesano zum dritten Mal in sechs Matches ein Direktes Freistosstor – historisch! Auch Ousmane Doumbia gelingt im Kybunpark eine starke Leistung, währenddessen die dritte Zentrumsposition ein Schwachpunkt war: Bledian Krasniqi und der für ihn eingewechselte Moritz Leitner liessen Einiges zu wünschen übrig.

Leitners und Krasniqis Mankos

Immerhin: eine leichte Steigerung im Vergleich zum Cupspiel in Solothurn und dem Derby war bei Moriz Leitner sichtbar. Trotzdem wirkte der Bayer auf dem Platz weiterhin wie ein „überzähliger“ Spieler, welcher tendenziell das Zürcher Spiel mit Ball verlangsamt und im Spiel ohne Ball die Kompaktheit beeinträchtigt sowie Zweikämpfen, speziell in der Luft, aus dem Weg geht. Bis anhin vermochte Leitner den ersten Eindruck eines weiteren für den heutigen Fussball auf Super League-Niveau zu langsamen und verspielten Zentralen Mittelfeldspielers in der Tradition von Sertic, Popovic und Dzemaili noch nicht zu beseitigen. Krasniqi, der im Spiel mit Ball Räume und Geometrien wie kaum ein anderer FCZ-Kaderspieler sieht, geht dieses visionäre Element im Spiel ohne Ball noch ab – speziell wenn wie in St. Gallen der Gegner deutlich schneller agiert, als dies Challenge League-Mannschaften tun. Immerhin verhinderte Krasniqi bei St. Galler Kontern zwei Mal mit beherzten Sprints in der Rückwärtsbewegung Schlimmeres. Auch Fabian Rohner muss defensiv noch klarer agieren und sich in jeder Aktion entscheiden: Tiefe abdecken? Passweg zustellen? Ball erobern? Zu häufig macht er weder das eine noch das andere richtig und kann somit von einem überlegt agierenden Gegner relativ einfach überspielt werden.

Andy Gogias Achterbahnfahrt / zwischen Görtler und Gnonto fliegen erneut die Fetzen

Andy Gogia gelang mit einem von Lüchinger abgefälschten Drehschuss im Strafraum zum zwischenzeitlichen 1:1 sein erster Liga-Treffer für den FCZ. Er ist zur Zeit der Spieler in der FCZ-Mannschaft mit den grössten Leistungsschwankungen sowohl zwischen den Spielen wie auch innerhalb einer Partie. In St. Gallen beispielsweise folgte auf ein sehr gutes erstes Viertel ein schlimmes zweites. In der Zweiten Halbzeit stabilisierte sich dann sein Auftritt, wobei er ab der 60. Minute auf der rechten Aussenläuferposition mehr Mühe bekundete, als zuvor im Sturm. Bemerkenswert in der Entstehung von Gogias Premièrentreffer übrigens das Assist, ein hervorragender Chip-Ball von Ousmane Doumbia über den im Weg stehenden Schiedsrichter Cibelli hinweg. Ein Vorteil von vier Direktbegegnungen pro Saison wie in der Schweizer Super League ist, dass auf dem Platz zwischen den Spielern Geschichten entstehen und weitergesponnen werden können. So die mittlerweile fast schon garantierten mit Haken und Ösen geführten Duelle zwischen Lukas Görtler und Wilfried Gnonto. Die versteckten Fouls des Deutschen kommen beim heissblütigen jungen Italiener natürlich jeweils alles andere als gut an. Er bleibt für einen 17-jährigen dabei aber bewundernswert professionell. Und erzielt sein zweites Super League-Tor per Kopf nach einer blendend ausgeführten Cornervariante von Marchesano über Fidan Aliti.

Sorgenkinder in der Hintermannschaft

Nach dem Derby auch in St. Gallen ein ungenügender FCZ-Keeper: Yanick Brecher steht mehrmals nicht am richtigen Ort, macht aktivistische Zwischenschritte und trifft die falschen Entscheidungen. Dazu kommen für seine Verhältnisse ungewöhnlich viele Probleme bei der Spieleröffnung. In der Schlussphase hat Brecher zudem Glück, dass dank der Offsideposition von St. Gallens Victor Ruiz sein Fehler nicht mit dem Siegtor der Grünweissen bestraft wird. Auch Becir Omeragic ist angefangen mit dem Cupmatch in Solothurn in eine kleine Baisse gefallen. In St. Gallen verlor er beispielsweise seine Luftduelle mehrheitlich deutlich, auch wenn er in der besseren Position als der Angreifer war. Dafür war von Fidan Aliti erstmals unter dem neuen Trainer Breitenreiter ein Auftritt zu sehen, der an die letzte Saison erinnerte, als Aliti einer der wichtigsten Leistungsträger im Team war.

Telegramm

St. Gallen – FC Zürich 3:3 (2:1)
Tore: 20. Guillemenot (Lüchinger) 1:0, 23. Gogia (Doumbia) 1:1, 39. Kempter (Lüchinger) 2:1; 59. Marchesano (Freistoss, Krasniqi) 2:2, 67. Diakité (Ruiz) 3:2, 76. Gnonto (Aliti) 3:3.
St,. Gallen – Zigi; Lüchinger (86. Stillhart), Stergiou, Fazliji, Kempter; Diakité; Görtler, Youan; Ruiz (86. Babic); Guillemenot (63. Besio), Schubert (69. Duah).
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Rohner (60. Gnonto), Krasniqi (60. Leitner), Doumbia, Guerrero; Marchesano (90.+2 Hornschuh); Ceesay, Gogia (90. Wallner).

Der FCZ hat bei der Auslosung zur 1. Cup-Runde den zweit- bis drittbesten Gegner erwischt (hinter Luzern mit Cham und vergleichbar wie St. Gallen mit Münsingen) und erledigte die Aufgabe mit einem 10:0-Auswärtssieg souverän. Es ist der höchste Sieg in einem Wettbewerbsspiel seit dem mit dem gleichen Resultat gewonnenen Erstrundenspiel (5x Cavusevic, 3x Dwamena, 2x Koné) beim FC Chippis (2. Liga Interregional) vor vier Jahren – zu Beginn der letzten Saison, die mit einem Cuptitel endete. Solothurn (mit dem einheimischen Ex-Nationalspieler Marco Mathys) trat mit einer offensiv orientierten Aufstellung an, mit Flügelspieler Mzee auf der Linksverteidigerposition und Stürmer Mast auf dem Flügel. Entscheidend für den Spielerverlauf aus Zürcher Sicht war, dass man von der ersten Sekunde an fokussiert ans Werk ging, die ganze Mannschaft viel in Bewegung war und die frühe Vorentscheidung suchte. Die Erste Halbzeit begann mit dem ersten FCZ-Tor von Rodrigo Pollero per Kopf nach einem Eckball von Antonio Marchesano und endete mit einem weiteren erfolgreichen Marchesano-Standard (wie in Luzern direkt verwandelter Freistoss). Mit einer herausgespielten 6:0-Führung im Rücken durften Marchesano, Guerrero und Boranijasevic zur Pause bereits Feierabend machen. Ein weiterer entscheidender Faktor für den klaren Sieg neben der eigenen Konsequenz war der fehlende Spielrhythmus beim Gegner. In Normalform wäre Solothurn ein deutlich zäherer Gegner.

Schwierige Frage: Wie spielte Zivko Kostadinovic?

Die deutschen Neuverpflichtungen Hornschuh, Leitner und Gogia erhielten genauso wie Gnonto und Pollero die Chance, sich zu zeigen. Erstmals liess Trainer André Breitenreiter den FCZ in einem Wettbewerbsspiel im 4-3-3 antreten. Angriffe über die Flügel mit Gogia und Gnonto klappten allerdings nicht wie gewünscht, beide zog es in der Regel auch eher Richtung Zentrum. Erst mit dem eingewechselten Rohner kam man in der 2. Halbzeit über die rechte Seite durch. Der 23-jährige Flügelmann half auch in der einen oder anderen Szene effektiv hinten aus, als es mal brenzlig wurde. Dies führte dazu, dass Zivko Kostadinovic obwohl 90 Minuten auf dem Platz, der erste Fall darstellt von einem Spieler, der eigentlich nicht bewertbar ist (darum erhält er die „Default“-Note „5“). Der Waadtländer hatte nichts abzuwehren und im Aufbauspiel (ebenfalls selten) ging er jeweils auf „Nummer Sicher“. Vor vier Jahren in Chippis war dies noch anders gewesen – Yanick Brecher hatte damals durchaus etwas zu tun gehabt.

Leitner stört die Balance der Mannschaft

Moritz Leitner erhielt von Solothurn genug Platz und Zeit, um ein paar elegante Pässe zu spielen. Es unterliefen ihm aber auch einige unkonzentrierte Fehlzuspiele und im Spiel gegen den Ball agierte er zu passiv und ausweichend. Vor allem aber schien das Positionsspiel der Mannschaft insgesamt mit Leitner durcheinanderzugeraten. Speziell Bledian Krasniqi nahm er in der 2. Halbzeit den Raum weg – die beiden sind als Spielertyp zu ähnlich. Zu viele Ballverluste hatten auch Rodrigo Pollero (Defizite im Antritt und bei der Durchsetzungsfähigkeit) und Akaki Gogia (technische Mängel) zu verzeichnen, während sich Wilfried Gnonto nach sehr schlechtem Start in die Partie mit der Zeit langsam steigerte. Marc Hornschuh spielte aufmerksam auf der Sechserposition und später in der Innenverteidigung und konnte auch im Spiel nach vorne Akzente setzen. Das Chriesi auf die Schwarzwäldertorte setzte dann der formstarke Assan Ceesay mit einem herrlichen Absatztor und einem ebenfalls schönen Weitschusstreffer obendrauf.

Telegramm

Solothurn – FC Zürich 0:10 (0:6)
Tore: 2. Pollero (Marchesano) 0:1, 4. Marchesano (Gogia) 0:2, 18. Pollero (Gogia) 0:3, 23. Gogia (Gnonto) 0:4, 34. Marchesano (Pollero) 0:5, 45.+1 Marchesano (Freistoss, Gnonto); 60. Gnonto (Penalty, Gnonto, Krasniqi) 0:7, 78. Krasniqi (Rohner) 0:8, 84. Ceesay (Rohner) 0:9, 87. Ceesay (Rohner) 0:10.
Solothurn – Wagner (46. Bähler); Kohler, Kaiser (74. Arifi), Stuber, Mzee (46. S. Gerspacher); Hunziker, Huser, Loosli (46. Koekenbier), Mast; Mathys; Chatton (46. Bruni).
FCZ – Kostadinovic; Boranijasevic (46. Rohner), Omeragic (64. Doumbia), Kryeziu, Guerrero (46. Wallner); Hornschuh; Marchesano (46. Krasniqi), Leitner; Gogia, Pollero (74. Ceesay), Gnonto.

In der Abwehr ist der FC Zürich am wenigsten breit aufgestellt und muss in Bern auf Mirlind Kryeziu verzichten. Ausserdem wurde Becir Omeragic vor der Partie als fraglich gemeldet. Lindrit Kamberi war in der U21 heute nachmittag gegen Stade Nyonnais (0:0 im Heerenschürli) dementsprechend nicht im Aufgebot und ist stattdessen in Bern dabei. – allerdings auf der Ersatzbank. Marc Hornschuh beginnt neben dem genesenen Becir Omeragic und Fidan Aliti. Nikola Boranijasevic kehrt für Fabian Rohner auf die rechte Seite zurück. Vorne beginnt Andy Gogia neben Assan Ceesay. Moritz Leitner beginnt für Bledian Krasniqi. Auch Blerim Dzemaili und Ante Coric sind im 20er-Kader dabei.

Das grosse Thema in Bern ist das Champions League-Heimspiel am Dienstag gegen Manchester United (innert kurzer Zeit ausverkauft). Cédric Zesiger und Ulisses Garcia haben in den letzten Wochen ihr Nationalmannschaftsdébut gefeiert – in Begleitung von Christian Fassnacht, Michel Aebischer und Sandro Lauper, welcher ebenfalls erstmals aufgeboten wurde, obwohl er aktuell beim Serienmeister in der Regel Ersatz ist. Eine solch starke Präsenz wie in der neuen A-Nationalmannschaft unter Murat Yakin hatte YB seit sehr langer Zeit in der Landesauswahl nicht mehr. Sandro Lauper darf heute gegen den FCZ für Mohamed Camara in der Innenverteidigung beginnen. Der letztjährige Stammspieler Silvan Hefti profitiert hinten rechts von der Rotsperre von Quentin Maceiras. Beide Rechtsverteidiger YB’s flogen in der jungen Saison bereits je einmal vom Platz.

Assan Ceesay lief als einzige Spitze auf und entschied auch quasi im Alleingang das 275. Zürcher Derby. Es war ansonsten der bisher schlechteste Auftritt des FCZ in dieser Saison. Aber das Team wurde für die Devise, keine unnötigen Risiken einzugehen (selbst in Überzahl nicht), am Ende erneut belohnt – weil man die entscheidenden Fehler des Gegners konsequent auszunutzen wusste. Zu Beginn verbarrikadierte man sich und versuchte vor allem den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten, und als man dann das Spieldiktat übernahm, trug man zum Ball so sehr Sorge, dass kaum gute Tormöglichkeiten resultierten. Ganze drei Steilpässe spielte der FCZ in dieser Partie – dafür gab es viele Hereingaben von der Seite. Mit drei Gegentreffern in vier Partien ist man nach vier Runden das defensiv beste Team der Liga.

Fehlende Dynamik aufgrund von taktischen und personellen Änderungen

Der rekonvaleszente Blaz Kramer wurde durch den Mittelfeldspieler Moritz Leitner ersetzt, der mit Ousmane Doumbia die Doppel-Sechs bildete, wovor sich Marchesano und Krasniqi in einem nach vorne verbreiternden Trapez im Halbfeld auf den beiden 10er-Positionen postierten. Gegner GC spielte mit dem genau gleichen Spielsystem. Durch die Mitte war so in der Regel auf beide Seiten kein Durchkommen. GC versuchte speziell in der Anfangsphase, als die Mannen von Giorgio Contini deutlich mehr Ballbesitz als der FCZ hatten, durchaus erfolgreich mit Seitenwechseln von rechts nach links hinter die Abwehr zu kommen. Der FCZ mit Omeragic / Rohner war auf dieser Seite defensiv nicht immer sattelfest. Trotzdem: die vier Zentrumsspieler beim FCZ waren einer zu viel. Die grosse Dichte an Akteuren in diesem Raum führte zu Unterforderung und fehlender Dynamik: man stand sich gegenseitig auf den Füssen rum. Die Konfiguration machte jeden Einzelspieler schlechter – auch Doumbia und Marchesano, die normalerweise eine „Bank“ sind. Leitner nahm speziell Krasniqi quasi aus dem Spiel – und umgekehrt. Schon im Cup in Solothurn deutete sich an, dass sich diese zwei auf dem Platz nicht gut verstehen – zu ähnlich ist ihre Spielweise. Das pure Gegenteil davon sind schon seit Jahren Antonio Marchesano und Assan Ceesay. Das ungleiche Paar hat sich schon kurz nach dem Transfer des Gambiers nach Zürich fussballerisch gefunden und gegen GC setzten Marchay / Ceesesano in Sachen „blindes“ gegenseitiges Verständnis noch einen drauf – nicht nur beim 1:1-Ausgleichstreffer, sondern unter anderem auch bei der durch GC-Keeper Moreira glücklich und gleichzeitig mirakulös abgewehrten Topchance Marchesanos nach erneuter Vorarbeit Ceesays über die Seite in der 37. Minute.

Grosse Frage: wer stürmt neben Ceesay?

Assan Ceesay gelang erneut eine formidable Leistung und war auch an der Gelb-Roten Karte gegen Amir Abrashi innerhalb minutenfrist kurz nach der Pause entscheidend beteiligt (Ballgewinn zusammen mit Doumbia vor der ersten Gelben Karte und gefoulter Spieler bei der zweiten). Gegen Lugano und Lausanne hatte der FCZ jeweils mit zwei Sechsern und einem Zehner, gegen Luzern mit einem Sechser und zwei Zehnern gespielt – in allen drei Fällen mit einem Dreieck. Mit vier zentralen Spielern fehlte nun im Derby während einer Stunde ein zweiter Stürmer neben Ceesay. Der danach eingewechselte Pollero ist dafür allerdings zur Zeit nicht die ideale Besetzung, da er ausserhalb des Strafraumes zu viele Bälle verliert. Positiv wirkte sich aber der taktische Effekt der Einwechslung Polleros aus, die Umstellung auf ein System mit zwei Stürmern. Angesichts der verletzten / im Aufbau befindlichen Tosin und Koide, wären Gnonto, Gogia und Rohner Optionen für die zweite Sturmposition. Akaki „Andy“ Gogia beging im Gegensatz zu seinem ersten Teileinsatz in Luzern diesmal praktisch keine Fehler und trug im Gegenteil sowohl offensiv wie auch defensiv viel Entscheidendes dazu bei, dass am Ende die Partie noch auf die Seite des FCZ kippte.

Yanick Brechers schlechte Angewohnheit

Yanick Brecher wehrte den Ball beim Herc-Eckball zum frühen 0:1 für die Grasshoppers ungenügend ab, wurde gleich im Anschluss daran aber auch von Arigoni gefoult und konnte beim Rebound von Margreitter nicht mehr richtig eingreifen. Die Hoppers-Führung war daher irregulär. Der einzige grobe Schnitzer des Zürcher Schlussmannes blieb dies aber nicht. In der 37. Minute trat bei einem von Kryeziu seitlich abgefälschten Pusic-Schuss seine für einen Torhüter sehr schlechte Angewohnheit zutage, bei einem Richtungswechsel sich um die eigene Achse und dem Ball den Rücken zuzudrehen. Glücklicherweise schoss Herc unplatziert auf die Mitte des Tores und Brecher kam so noch rechtzeitig an den Ball.

Szene des Spiels – 95. Minute, Andy Gogia macht den Alain Nef

Über die 93. Minute gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen. Ein Befreiungsschlag von Bruno Berner fliegt in grosser Höhe über die Seitenlinie. Für die Einen hat Alain Nef den Einwurf deutlich zu weit vorne ausgeführt, Andere meinen, Berners Befreiungsschlag sei ziemlich genau dort über die Seitenlinie geflogen, wo er danach auch eingeworfen wurde. In Bezug auf die 95. Minute im 275. Zürcher Derby kann es hingegen keine zwei Meinungen geben: nach dem Befreiungsschlag von Djibril Diani aus dem GC-Strafraum wirft Andy Gogia den anschliessenden Einwurf rund 15 Meter zu weit vorne ein – auf Strafraumhöhe, anstatt irgendwo im mittleren Bereich zwischen Strafraumgrenze und Mittellinie. Daraus entsteht der 2:1-Siegtreffer von Assan Ceesay. Florian Stahel heisst diesmal Wilfried Gnonto, der mit einer tollen Aktion und letztem Einsatz im Strafraum den Ball vor dem anstürmenden Momoh noch präzis Richtung Ceesay spitzelt.

In der 94. Minute holt sich Gogia den Ball an einem ganz anderen Ort, als er von Diani aus dem Spielfeld geschlagen worden war. Eine Minute später führt dieser Einwurf auf Strafraumhöhe zum Siegtor im 275. Derby.

Davor hatte Gnonto bereits den Einwurf Gogias auf den Deutschen zurückgelegt und dieser mit einem hervorragenden Direktpass Becir Omeragic eingesetzt. Dass Omeragic dann aber das Zuspiel auf Gnonto so einfach spielen konnte, und Torschütze Ceesay nicht im Offside stand, war der Naivität des spät zur „Sicherung des 1:1“ eingewechselten Verteidigers Aleksandar Cvetkovic zu verdanken, der somit in diesem Stück die Rolle des Boris Smiljanic einnahm. Andy Gogia hatte wie einst Alain Nef sofort nach dem Befreiungsschlag den nächststehenden Balljungen avisiert und den Ball auf der Höhe dieses Balljungen eingeworfen. Das Schiedsrichterquartett merkte davon nichts, weil es durch die Verletzung des GC-Ungaren Bendegoz Bolla abgelenkt war, dessen Pflege bis zur Ausführung des Einwurfes eine volle Minute in Anspruch nahm. Und dann passierte noch etwas: Ballannahme mit links, sofortige Drehung und Ball mit rechts unwiderstehlich über die Linie geschoben. Ein Tor wie eine Hommage an den eine Woche davor verstorbenen Gerd Müller. Und das von Assan Ceesay, dem viele so etwas nie im Leben zugetraut hätten. Siegtreffer! Im Derby! In der letzten Minute der Nachspielzeit! Was für ein Schlussakkord!

Telegramm

FC Zürich – Grasshopper-Club Zürich 2:1 (1:1)
Tore: 7. Margreitter (Herc) 0:1, 10. Marchesano (Ceesay) 1:1; 90.+5 Ceesay (Gnonto) 2:1.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Rohner (85. Gnonto), Doumbia, Leitner (62. Pollero), Guerrero; Marchesano, Krasniqi (70. Gogia); Ceesay.
GC – Moreira; Arigoni, Margreitter, Gomes; Bolla, Diani, Abrashi, Hoxha (78. Cvetkovic); Pusic (61. Kawabe), Herc (88. Gjorgjev); Campana (78. Momoh).