Zwischenfazit der Vorbereitung 24/25: Triangel, Testspielstatistik, Kader-Review

Das bereits achte Testspiel der Saisonvorbereitung 24/25 endet in einem Vorort von Thun gegen den Challenge League-Vertreter und Barrage-Teilnehmer torlos mit 0:0. Beim FC Thun kamen dabei neun Eigengewächse plus der neu verpflichtete ehemalige FCZ-U21 Abwehrchef Genis Montolio zum Einsatz. Dabei bestanden einzelne dieser acht FCZ-Tests allerdings nur aus einer Halbzeit, da man diesen Sommer einen Gefallen am sogenannten „Triangel“ gefunden zu haben scheint (wobei gewisse Halbzeiten auch 60 Minuten dauerten). Früher praktizierte man dieses Format von drei Teams mit je 2×45 Minuten jeweils nur am als „Turnier“ bezeichneten alljährlichen herbstlichen Test in Uster (gegen Uster und den FC Winterthur). Dieser Test war traditionell der Moment, als Teamspieler aus der U21, die nicht zu den Toptalenten gezählt wurden, auch einmal eine Einsatzchance in der 1. Mannschaft erhielten.

Ein 15-jähriger fix im Kader

Diesen Sommer wurde die bereits im Frühling verstärkt praktizierte Durchlässigkeit zwischen den Mannschaften im Verein weiter gelebt. Bei Potenzial und guten Leistungen sind die Wege zwischen den Kabinen im Home of FCZ kurz. In den letzten Monaten wurde bereits spürbar, dass diese Durchlässigkeit mehr Breite und Dynamik in den Kadern bewirkte – bis hinauf zur 1. Mannschaft. In den Testspielen unter Trainer Ricardo Moniz kamen echte Alternativen für die kommende Saison aus dem eigenen Talentschuppen zum Einsatz – es wurden aber auch einzelne frischgebackene U17-Schweizer Meister (Ruben Gomez, Eliano Cassese, Norbu Lhakpa, Slavko Vidovic, Pascal Utz), die in der kommenden Spielzeit wohl kaum schon für die 1. Mannschaft in Frage kommen, mit Einsätzen belohnt. Lhakpa, in der U17 einer der jüngsten und gleichzeitig grössten, gelang bei der 1:2-Niederlage gegen den SV Höngg ein Weitschusstor aus der Drehung.

Obwohl bisher 20 Akteure aus den Nachwuchsmannschaften zum Einsatz kamen, fehlten dabei mehrere der vielversprechendsten Talente. Wohl auch schonungshalber, da diese Spieler typischerweise im Frühling zu vielen Einsätzen auf verschiedenen Stufen gekommen waren. Mit dabei war hingegen wieder der weit entwickelte 15-jährige Flügelspieler Dylan Munroe, welcher beim Saisonabschluss in St. Gallen um ein Haar zum jüngsten Spieler der FCZ-Geschichte geworden wäre. Vom Quartierklub Seefeld in die FCZ-Organisation gestossen, durchflog er die Altersstufen in einem aussergewöhnlichen Tempo. Seine Nomination für St. Gallen war nicht ein Kommunikations-Gag, um einen Rekord zu brechen. Denn er ist und bleibt eine echte Alternative für die 1. Mannschaft und wird im Herbst trotz seines jungen Alters ziemlich sicher bereits zum Stammpersonal der U21 gehören.

U21 als Sinnbild der neuen Philosophie

Wie zuletzt in den Partien der „Championship Group“ setzt Ricardo Moniz weiterhin einerseits auf das zentrumsfokussierte 4–4-2 im Rhombus, als auch auf das eher in die Breite ausgelegte 4-3-3. Flügelspielern wie Munroe kommt das 4-3-3 entgegen. Auf dieser Position hat der FCZ aktuell intern ganz allgemein einige seiner besten Talente. Zudem ist Armstrong Oko-Flex nach seiner Début-Saison ein Leistungssprung zuzutrauen. Mit dem Franzosen Mounir Chouiar wurde zudem ein weiterer Mann vorwiegend für diese Position verpflichtet. Calixte „Juni“ Ligue wird wohl ebenfalls häufiger auf der Linken Seite eingesetzt werden. Allerdings können alle diese Akteure auch in zentralen Rollen spielen – eine Flexibilität, die aufgrund der zwei unterschiedlich ausgerichteten Spielsysteme sicherlich auch bei den Zuzügen ein wichtiges Kriterium war.

An der U21 zeigt sich die neue FCZ-Philosophie am augenfälligsten. Diese Mannschaft war in den letzten Jahren sportlich sehr erfolgreich und letzte Saison nicht zum ersten Mal die beste U21 des Landes. Sie bestand aber vorwiegend aus jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs für welche der direkte Sprung in die Super League zu gross war. Viele spielten mehrere Jahre in der U21 und konnten sich so neben ihrer guten Ausbildung und jugendlichen Energie ziemlich viel Routine auf dieser Stufe aneignen. Ausserdem war das Team für eine U21 ziemlich eingespielt, da es relativ wenig Wechsel gab. Ein Teil dieser Spieler hatte gar nie das Potential für die Super League. Bei einem anderen Teil wurde die persönliche Entwicklungsdynamik in den entscheidenden Momenten durch die fehlenden Anreize und Perspektiven gebremst. Warum hatten viele Nachwuchsspieler, die letztendlich in der U21 auftauchten, nicht das Potential für die 1. Mannschaft? Ein wichtiger Grund dafür war auch, dass sie häufig nicht die talentiertesten Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs waren. Diese wechselten schon früh weg – auch weil sie intern zu wenig konsequent gepusht wurden und sich auf ihrer Nachwuchsstufe unterfordert fühlten. Beispiele dafür aus jüngerer Vergangenheit waren Zidan Tairi, Giacomo Koloto oder Andi Hoti (der übrigens diesen Sommer im Trainingslager wohl mit Magdeburg Testspielgegner des FCZ sein wird). Neu werden die vielversprechendsten Talente viel früher und konsequenter von unten in die U21 hochgezogen. Gleichzeitig wird die U21 mit ambitionierten etwas älteren jungen Spielern von extern ergänzt. Letztendlich soll so in der Kombination eine U21 entstehen, in der jeder Spieler eine echte Perspektive Richtung 1. Mannschaft hat. Dies verstärkt dann wiederum die Dynamik, Kaderbreite und den Konkurrenzkampf in der 1. Mannschaft selbst.

Ambitionierte junge Spieler auf dem „2. Bildungsweg“ ergänzen die eigenen Talente

Ein Beispiel dafür ist der Aargauer Mile Vukelic (21), der sich in den bisherigen Tests als Innenverteidiger-Alternative hervorgetan hat: torgefährlich sowohl mit Kopfbällen wie auch mit Weitschüssen und energischen Solo-Läufen – und gleichzeitig defensiv solide. Letzte Saison schaffte er es als U21-Spieler des FC Luzern ein Mal in den Matchkader der 1. Mannschaft, wurde aber nicht eingesetzt. Oder der wirblige Luxemburger Selim Turping (19), der von der Gladbach U23 zur FCZ U21 gestossen ist, nachdem er letzte Saison in der Regionalliga West wenig eingesetzt worden war. Bei diesen zwei kann man sich aktuell gut vorstellen, dass sie in der in zwei Wochen beginnenden Saison zu einzelnen Einsätzen in der 1. Mannschaft kommen und sich dabei empfehlen könnten. Etwas weniger vielversprechend traten bisher drei aus dem FCB-Nachwuchs stammende junge Spieler auf. Linksfuss Emirhan Eraslan (21, IV / LV) war im Februar und März in jener Phase Stammspieler beim FC Baden, als dieser auf den letzten Platz abrutschte und der direkte Abstieg aus der Challenge League besiegelt wurde. Ihm scheint eine gewisse Antrittsschnelligkeit und Passsicherheit zu fehlen. Flügelspieler Levy Maltet (20) war in jungen Jahren jeweils einer der fussballerisch Auffälligsten seines Jahrganges. Aber während seine Haarpracht zuletzt immer beeindruckender wurde, fiel er in den internen Überlegungen beim FCB ausser Rang und Traktanden. Beim FCZ konnte er diese Eindrücke als Testspieler bisher nicht revidieren.

Isaiah Okafor (19, DM) wiederum spielte nach einer längeren Verletzung in der abgelaufenen Rückrunde regelmässig in einer Leverkusen U19, die knapp den Einzug in den Halbfinal um die Deutsche A-Juniorenmeisterschaft verpasste – dabei allerdings nicht besser als die FCZ U19 einzustufen ist. Potential ist beim jüngsten der drei Okafor-Brüder sicherlich vorhanden. Der Impuls, zuerst die Mitspieler zu kritisieren, wenn er selbst den Fehler gemacht hat, allerdings auch etwas. Seine Einsatzzeiten sind bisher relativ kurz – er scheint noch etwas angeschlagen zu sein. Der Familien-Support ist hingegen gross. Am Vormittag des Testspiels in Thun und dem EM-Viertelfinal, wo sein älterer Bruder Noah auch in der fünften EM-Partie nicht eingesetzt wurde, konnte Isaiah sich im Heerenschürli bei einem internen Test FCZ gegen FCZ U21 nicht über mangelnden persönlichen Support beklagen – dazu gehörte auch Ex FCZ-Stürmerin Alayah Pilgrim.

Bajrami, Vukelic und Grando treffen bei internem Test

Ebenfalls zum Einsatz kam in diesem internen Test Namensvetter und Seitenspieler Tobias Okafor (17, vom FC Aarau), der bereits zuvor in den Sozialen Medien gerüchteweise mit dem FCZ in Verbindung gebracht worden war. Mit dem Tempo des Spiels hatte dieser noch etwas Mühe – Potential ist aber sicherlich auch bei ihm vorhanden. In der 1. Halbzeit dieses Tests spielten die in Thun nicht für die Startformation vorgesehenen Spieler der 1. Mannschaft gegen die U21. Die 45 Minuten gestalteten sich relativ ausgeglichen, auch wenn die 1. Mannschaft phasenweise Vorteile hatte. Praktisch mit dem Pausenpfiff konnte sie durch Labinot Bajrami nach Zuspiel des nachsetzenden neuen Stürmers Fernand Gouré doch noch den Führungstreffer erzielen. Nach der Pause erschienen dann in den Auswärtstrikots der 1. Mannschaft als Gegner der U21 die aktuell eher zur zweiten Garnitur der U21 gehörenden Spieler – verstärkt durch Miguel Reichmuth und Selim Turping. Die „erste Garnitur“ der U21 drehte daher in der 2. Halbzeit die Partie durch ein Solo von Mile Vukelic über den halben Platz und einen hohen Ballgewinn und erfolgreichen Abschluss von Mittelfeldspieler Leon Grando. Gleichzeitig trainierten auf dem Nebenplatz Bledian Krasniqi, Lindrit Kamberi und Jonathan Okita mit Reha-Trainer Michael Sulzmann. Die in den ersten 45 Minuten eingesetzten Afriyie, Sabobo, Gouré und Ligue wurden dann am Nachmittag in Heimberg gegen den FC Thun eingewechselt.

Hier die Daten soweit eruierbar dieses internen Tests am Vormittag des 6.7.2024, die aber nicht in die Züri LIve-Testspielstatistik (Spielminuten, Skorerpunkte) einfliessen.
FCZ – FCZ U21 1:2 (1:0). Tore: 45. Bajrami (Gouré) 1:0; 82. Vukelic 1:1, 87. Grando 1:2.
FCZ 1. Halbzeit (4-3-3): Kostadinovic; S. Hodza, Wallner, Daprelà, Tosic; Tsawa; Sabobo, Afriyie; Ligue, Bajrami, Gouré.
FCZ U21 1. Halbzeit (4-3-3): Morozov; T. Okafor, Vukelic, Eraslan, Volken; I. Okafor; Grando, Leao; Munroe, Greco, Fischer.
FCZ 2. Halbzeit (4-2-3-1): Huber; Ulu, Y. Kunz, M. Cavar, Walker; Sebök, Eraslan; Maltet, M. Reichmuth, Turping; P. Kissling.
FCZ U21 2. Halbzeit (4-4-2): Morozov; Bohon, Vukelic, Kovacevic, Volken; T. Okafor, Jakovljevic (Mahar), Leao, Mahar (Grando); Zivkovic, Greco.

Gomez und Tosic bringen mehr Physis und Körpergrösse

Wie sieht die Kadersituation aktuell im engeren Kreis der 1. Mannschaft insgesamt aus? Im Tor bleibt das Duo Brecher / Kostadinovic. Die Nummer 3 ist neu Silas Huber (18). Dieser Wechsel war vorhersehbar. Alan Omerovic (21) hatte vor einem Jahr zwar beim FCZ seinen ersten Profivertrag unterschrieben – allerdings nur für ein Jahr. Auch wenn Omerovic in der Promotion League meist solide Leistungen zeigte, war schon damals aus Sicht des Klubs klar, dass mit Huber und Morozov (17) zwei noch etwas talentiertere Keeper dahinter lauern. Omerovic wurde für seine Leistungen mit einem Wechsel zum Promotion League-Spitzenteam und -Aufstiegskandidaten Rapperswil-Jona belohnt.

In der Verteidigung ist mit Nemanja Tosic und Mariano Gomez Physis und Körpergrösse hinzugekommen. Dies bringt einige Vorteile mit sich. Linksverteidiger Doron Leidner ist als Spielertyp mit dem wieder zu Sturm Graz zurückgekehrten Amadou Dante vergleichbar, war allerdings noch vor kurzem mit einem Kreuzbandriss länger ausgefallen. Mirlind Kryeziu war zuletzt so gut drauf wie schon lange nicht mehr. Lindrit Kamberi hat sich als Rechtsverteidiger eindrücklich etabliert (unter anderem mit den drittmeisten Torbeteiligungen – nach Marchesano und Okita). Innenverteidiger Mariano Gomez wurde ebenfalls auf dieser Position getestet. Rodrigo Conceição kann auf beiden Seiten spielen. Mit dieser Hintermannschaft könnte man sicherlich gut in die Saison starten – und hätte dabei ein noch etwas solideres Bollwerk als letzte Saison. Neil Volken (17) profitierte zu Beginn der Vorbereitung davon, dass zu diesem Zeitpunkt noch kein anderer Linksverteidiger verfügbar war, bewies dabei aber, dass er in seiner Entwicklung nicht mehr sehr weit von der 1. Mannschaft entfernt ist.

Tsawa ersetzt Hornschuh, Sabobo neu (auch) als 8er

Zentrale Mittelfeldspieler braucht es bei den eingesetzten Spielsystemen drei bis vier. Dieser Mannschaftsteil war der wohl leistungsstärkste der letztjährigen Mannschaft. So oder so wird man nur noch mit einem 6er spielen. Cheick Condé war letzte Saison gut, aber noch etwas unkonstant – und zu einfach aus der Fassung zu bringen. Mit noch etwas mehr Reife ist er bereit, um in der kommenden Spielzeit noch solider und spielbestimmender zu werden. In den bisherigen Testpartien hat Condé bisher am meisten Assists geliefert. Sein neuer Backup ist nach dem Abgang Marc Hornschuhs Cheveyo Tsawa, der sich bei seinen Einsätzen letzte Saison trotz seinen 17 Jahren schon sehr reif gezeigt hat. Er ist ebenso einsatzfreudig wie Hornschuh, dabei aber schneller und technisch besser. Zwar ist er bei Standards im gegnerischen Strafraum weniger gefährlich, dafür ein guter Schütze aus der Distanz.

Auf den beiden Achterpositionen spielen im Normalfall zwei aus dem Trio Marchesano / Krasniqi / Mathew. Spielt man im Rhombus, würden wohl häufig alle drei auflaufen. Zu den Alternativen gehören Afriyie, Sabobo, Miguel Reichmuth und der wohl weiterhin angeschlagene Nevio Di Giusto – und möglicherweise der zuletzt vom LInksverteidiger zum 8er umfunktionierte Leao. Afriyie wurde schon seit der Winterpause immer wieder auf einer 8er-Position eingesetzt. Nun wird, so scheint es aufgrund der bisherigen Tests, neu auch Sabobo tendenziell auf dieser Position gesehen – auch wenn der flinke Sambier zusätzlich als Flügel und Aussenverteidiger getestet wird.

Unterschiedliche Spielertypen in der vordersten Reihe

Als nächster Spielertyp folgen die Flügelstürmer, welche zudem als Alternative zu Antonio Marchesano oder Bledian Krasniqi auf der 10er-Positon einspringen können. Dazu gehören Armstrong Oko-Flex, Mounir Chouiar, Dylan Munroe, Calixte „Juni“ Ligue, Nils Reichmuth und Jonathan Okita. Man findet bei dieser Gruppe unterschiedliche Spielertypen. Oko-Flex und Munroe mögen Eins-gegen-eins Situationen auf dem Flügel. Rechtsfuss Chouiar über links und Linksfuss Reichmuth über rechts sind eher spielerisch ausgerichtet und suchen den Doppelpass. Ligue ist ein gradliniger Spieler, der am meisten von seiner Wucht und Dynamik lebt. Okita braucht etwas Raum und Zeit wie sie sich bei Umschaltsituationen bieten, und schiesst am liebsten von der linken Halbposition aus der Distanz. Abschlussstark im Strafraum und daher durchaus auch als zweite Spitze einsetzbar sind Oko-Flex, Reichmuth und Munroe.

Last but not least hat der FCZ mit Juan José Perea, Fernand Gouré und Labinot Bajrami drei Mittelstürmer. Gouré kann vorne in der Mitte für eine gewisse physische Präsenz sorgen, Perea lebt von seinem Kampfgeist – und Bajrami ist der klassische Knipser, der im Strafraum auch aus einer scheinbar wenig gefährlichen Situation viel herausholen kann.

Wer könnte gehen?

Zusammengefasst wäre das Team, so wie es jetzt zusammengestellt ist, bereit für die Saison. Ein wenig von Ricardo Rodriguez träumen darf man als FCZ-Anhänger immer. Abgänge, die am meisten Sinn machen würden, unter anderem um gewisse Mittel zu generieren, wären in erster Linie Jonathan Okita und in zweiter Nikola Katic. Okita passt nicht so gut zur neuen Spielweise und den voraussichtlich praktizierten Spielsystemen. Gleichzeitig gibt es für einen Stürmer mit einem exzellenten Schuss und elf Saisontoren mit Sicherheit Interesse. Auch Nikola Katic passt nicht ideal zur neuen Spielweise, was an dieser Stelle schon mehrmals thematisiert wurde. Sein Début für die Bosnische Nationalmannschaft gegen England und Italien hat zudem sicherlich seinen Marktwert gesteigert. Vor sieben Jahren war Katic übrigens bei seinem einzigen Länderspiel für Kroatien (Testpartie gegen Mexiko) für Ivan Santini eingewechselt worden. Vielversprechende FCZ-Eigengewächse gibt es mittlerweile wieder einige, aber sie brauchen vor einem nächsten Schritt vernünftigerweisee alle noch etwas Zeit und Entwicklung.

Mässige Leistung gut belohnt / Winterthur – FCZ Analyse

KONSTANTER FCW EMPFÄNGT WUNDERTÜTE FCZ / KANTONSDERBY FCW – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Nach drei Niederlagen in Folge gelingt dem FC Zürich ein Auswärtssieg beim FC Winterthur. Damit gewinnt man diese Saison in den Liga-Direktduellen nicht nur das Stadtduell, sondern auch die „Kantonsmeisterschaft“. Es ist aber im zweiten Spiel unter dem neuen Coach Ricardo Moniz alles andere als ein überzeugender Sieg. Vielmehr kehrte für die zuletzt etwas vom Pech verfolgten Zürcher diesmal wieder das Glück zurück. In den ersten fünf Minuten nach der Pause verpasst Winterthur den vermeintlichen 2:2-Ausgleich zwei Mal hauchdünn – erst steht Silvan Sidler nach einem schnell ausgeführten Freistoss, bei welchem der FCZ „schläft“, bei seinem Treffer ganz knapp im Offside – dann prallt der Weitschusshammer Basil Stillharts von der Lattenunterkante nur wenig vor die Torlinie.

Das Glück kehrt zurück

Wir hatten etwas Glück beim Abseitstor.

Marc Hornschuh bei Nau

Zuvor in dieser Saison war im Kantonsderby das Glück mehrmals auf der Seite des FCW gestanden. Diesmal machte der FC Zürich einen wichtigen Schritt in Richtung Europacupplatz. MIt der Tiefstnote von 5.3 war es zusammen mit dem Heimspiel gegen St. Gallen und der Auswärtspartie in Tuggen im Herbst, und dem 2:2 gegen Lausanne-Sport sowie der 0:3-Niederlage in Yverdon nach der Winterpause die schlechteste Partie der Saison. Interessanterweise wurde von diesen fünf Partien mit der schlechtesten Leistung nur eine verloren. Und in Winterthur gab es sogar einen Sieg. Dies hatte vor allem auch damit zu tun, dass beim FCW seit dem knappen Ausscheiden im Cup-Halbfinal gegen Servette etwas der Wurm drin ist. Vergleichsweise schlecht waren auf Seiten des FCZ vor allem die Defensivleistung und der Auftritt in der 2. Halbzeit. Es brauchte in den zweiten 45 Minuten speziell den Einsatz und die Ballsicherheit des eingewechselten Cheveyo Tsawa, um den FCW nicht nochmal ins Spiel zu bringen.

In den letzten vier Spielen haben wir immer gut gespielt und verloren.

Basil Stillhart bei Nau

Der FC Winterthur zog sich noch mehr zurück, als bereits in den bisherigen Saisonduellen. Der FCZ forcierte mit einem 4-3-3 in der Startformation aufgrund der Spielweise des Gegners im Vergleich zum YB-Heimspiel die Breite stärker. Interessanterweise wurde das FCZ-Pressing (in der Angriffszone in einem 4-1-3-2) zu Beginn vom Duo Marchesano / Krasniqi angeführt – Okita und Oko-Flex staffelten zurück. Die Linke Seite des FCZ mit Amadou Dante bekundete aber immer wieder Probleme gegen Adrian Gantenbein.

Bledian Krasniqi, Antonio Marchesano und auch Ifeanyi Mathew, alle gegen YB noch ungewohnt blass, beissen sich über die Defensivarbeit ins Spiel. 

Nick Erne und Florian Raz, Tages-Anzeiger

Kein guter San-Tag, dank VAR aber keine spielentscheidenden Fehler

Es gab verschiedene seltsame Entscheidungen von Ref Fedayi San, wobei keine klar spielentscheidend war. Die zwei Mal als Sayfallah Ltaief im Zürcher Strafraum fällt, war es korrekt, nicht auf Penalty zu entscheiden – auch wenn Conceição und Katic in den Szenen die Grenze des Erlaubten ausreizten. Die zweite Szene, als Ltaief allein vor Brecher bei diesem aufläuft war wohl sowieso knapp Offside gewesen. Bei der ersten FCZ-Torchance aus dem Spiel heraus in der 42. Minute übersieht San aber ein Stürmerfoul Krasniqis an Durrer – Keller parierte die gute Torchance stark. In der gleichen Minute übersieht das Schiedrichterteam die Abfälschung Arnolds eines Kryeziu-Kopfballs und gibt Abstoss anstatt Corner. In der 46. Minute begeht Durrer ein klares Handspiel knapp vor dem eigenen Strafraum, welches nicht gepfiffen wird. Zwei Minuten später muss der VAR eingreifen, um das Offsidetor von Sidler rückgängig zu machen. In der 58. Minute tritt Stillhart mit der Sohle voran voll auf den Knöchel Krasniqis und bleibt auf diesem noch stehen. Es gab nicht mal Gelb für eine Szene, die einen Platzverweis verdient gehabt hätte. In der 76. Minute spitzelt Conceição in der Nähe des eigenen Strafraums Schneider den Ball sauber weg – San entscheidet aber auf Freistoss.

Highlights – Hornschuh unterschätzt Baroan zum zweiten Mal

Personalien – Wenig Erbauliches, abgesehen von Krasniqis toller Offensivleistung

  • Bledian Krasniqi: Ist je zum sechsten Mal MVP, bester Offensivspieler und bester Spieler der 1. Halbzeit diese Saison beim FC Zürich.
  • Cheveyo Tsawa: Erstmals in dieser Saison Defensiv Bester beim FCZ.
  • Fabio Daprelà: Gegen St. Gallen war er noch klar bester Defensivspieler (Note: 10), nun mit einer Defensivnote 1 das Gegenteil. Findet gar nicht mehr ins Spiel.
  • Mirlind Kryezeiu: Wieder ungenügend, nachdem schon das YB-Spiel nicht so gut war. Vor allem der Start in die Partie misslingt ihm.
  • Rodrigo Conceição: Nach dem schlechten Auftritt gegen YB vor den Augen der Familie steigert er sich in Winterthur von Minute zu Minute und ist am Ende gar bester FCZ-Spieler der 2. Halbzeit.
  • Marc Hornschuh: Seine beiden Assists sind top. In den anderen Szenen wird aber auch der Kontrast zum 17-jährigen Cheveyo Tsawa offensichtlich, der deutlich flinker und technisch sauberer agiert.

Der Platzverweis von vergangener Woche gegen Cheick Condé erweist sich für den FCZ als Glücksfall. Ersatzmann Hornschuh liefert ein starkes Spiel ab. Als Winti überlegen ist und führt, köpfelt er zweimal in die gefährliche Zone und lässt sich zwei Assists gutschreiben. In vorher 53 Super-League-Spielen ist ihm kein einziger gelungen.

Manuela Bigler und Pascal Ruckstuhl, Blick

Randnotiz – Ziit für paar Neui

Kommentare – Keller bei Cornern angezählt

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FCZ Saisonanalyse 23/24 – Teil 2: Kamberi mit hoher Torbeteiligung, Rohner und Oko-Flex wie typische Mittelstürmer

Jonathan Okita entschloss sich in der Super League-Saison 23/24 so häufig wie kein anderer Spieler der Liga in den Abschluss zu gehen: insgesamt 88 Mal – davon genau die Hälfte aus der Distanz (ausserhalb des Strafraumes). In der Statistik der Schüsse pro 90 Minuten liegt der Belgier mit kongolesischen Wurzeln ligaweit auf Rang 16, da verschiedene Offensivspieler mit deutlich weniger Einsatzzeit wie Chader (Luzern), Kalu (Lausanne-Sport) oder Danho (Stade Lausanne-Ouchy) sich noch häufiger im Abschluss versuchten. Okitas Torproduktion fiel im Verhältnis zu wenig gut aus – zumal er drei und damit die Mehrzahl der Zürcher Penaltys treten durfte. Sein Drehschuss mit Rechts aus der Distanz in die rechte obere Torecke ist Okitas Markenzeichen. Tore erzielte er so aber fast nur in Umschaltsituationen, wenn der gegnerische Torhüter weiter vorne als normal postiert war. Gleichzeitig trug er als FCZ-Standardschütze Nr.1 (neben 60% der Penaltys rund 40% der Corner und Freistösse in Strafraumnähe) einiges zur guten Bilanz bei Offensivstandards bei. Lindrit Kamberi und Nikola Katic erzielten je vier Treffer auf Corner, was ansonsten nur noch Kevin Carlos (Yverdon Sport) und Albert Vallci (St. Gallen) gelang. Insgesamt war Okita genauso wie Antonio Marchesano an beinahe der Hälfte der FCZ-Tore der Saison 23/24 beteiligt.

Diese Daten von Wyscout beziehen sich nur auf die Liga

Warum Fabian Rohner eher ein Stürmer ist als Jonathan Okita

Okitas eigenes Kopfballspiel ist bezüglich Timing und Präzision eigentlich gut, aber er scheint jeglichen mit harten Bandagen geführten Luftkämpfen aus dem Weg zu gehen und nur auf Hohe Bälle zu gehen, wenn er unbedrängt ist. Anders beispielsweise Fabian Rohner, der Jahre nach seinen Schwindelproblemen nach LIndrit Kamberi am häufigsten die hohen Bälle Yanick Brechers im Mittelfeld in die Tiefe weiterleitete. Das zum FC Winterthur wechselnde Eigengewächs konnte sich zudem in der Liga effektiv als Assistgeber einbringen. Rohners 0.24 Torvorlagen pro 90 Minuten sind der zehntbeste Ligawert und der zweitbeste teamintern – knapp hinter Adrian Guerrero (0.25). Ebenfalls ligaweit in den Top 10 und die nr. 1 teamintern war Rohner bei der Anzahl Key Passes pro 90 Minuten (0.84). Dies sind Zuspiele, welche dem Adressaten eine besonders gute Torchance eröffnen. Dank guter Technik in hohem Tempo mit wenigen Ballberührungen kann Rohner eine hohe Effizienz im Abschluss und der Torvorbereitung ausweisen: 20% seiner Abschlüsse und 29% seiner Zuspiele führten zu einem Tor – was beides sehr hohe Werte sind. Rohner schlug nach „Flankengott“ Nikola Boranijasevic und Amadou Dante zudem am drittmeisten Hereingaben pro 90 Minuten in den Strafraum. Beim Abschluss und dem letzten Pass liegen seine Stärken, beim Spielaufbau hingegen nicht: kein einziges seiner 15 Pre-Zuspiele führte zu einem Tor. Unter anderem deshalb wurde er zuletzt von verschiedenen Trainern im Sturm eingesetzt.

Diese Daten von Wyscout beziehen sich nur auf die Liga

Antonio Marchesano bringt weniger gute Werte als Rohner mit, ist aber wie dieser ebenfalls auf den Abschluss oder Letzten Pass ausgerichtet: 15% seiner Abschlüsse und 20% seiner Zuspiele landen im Tornetz, während „nur“ 7% seiner Pre-Zuspiele zu einem Torerfolg führen. Umgekehrt ist die Bilanz bei Jonathan Okita, bei welchem 15% der Pre-Zuspiele zu einem Torerfolg führen, aber nur 9% seiner Letzten Pässe (und 13% der Abschlüsse). Er ist also als Aufbauer von Angriffen erfolgreicher, als in der Rolle als Assistgeber oder Torschütze. Dazu zählen allerdings auch indirekt gespielte Standards wie die beiden von Marc Hornschuh weitergeleiteten Eckbälle zuletzt in Winterthur. Der wenig eingesetzte Deutsche hat dank dieser zwei Aktionen eine hohe Torbeteiligungsquote von 0.8 pro 90 Minuten (und eine Zuspiel-Effizienz von 50%!), obwohl er in der ganzen Saison nur noch an einem weiteren Treffer beteiligt gewesen war (Ballgewinn vor dem Penalty zum 2:0 in Tuggen).

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FCZ erzielt Tore dank Kamberis Arbeitseifer, Daprelàs Zielstrebigkeit, Kryezius Raumgewinnen und Mathews Passspiel

Freuen können sich FCZ-Fans, wenn Fabio Daprelà an den Ball kommt, denn 33% seiner Zuspiele sowie 21% seiner Pre-Zuspiele führen zu einem Tor! Er war damit nach Hornschuh der zweiteffizienteste Torvorbereiter. Wohlgemerkt: ein Pass gilt nur dann als „Zuspiel“ oder „Pre-Zuspiel“, wenn daraus eine Torchance resultiert. Die Statistik illustriert die Zielstrebigkeit, welche Daprelà einbringt, wenn er sich mal nach vorne einschaltet. In dieser Hinsicht erinnert er etwas an Alain Nef. Verteidigerkollege Mirlind Kryeziu hat bezüglich Effizienz in der Chancenvorbereitung ebenfalls einen relativ hohen Wert, wenn auch nicht auf dem Level Daprelàs. In den Statistiken zeigen sich bei Mirlind Kryeziu und Cheick Condé sowohl defensive wie offensive Qualitäten. Kryeziu blockte die meisten gegnerischen Schüsse und sorgt gleichzeitig für die grössten Raumgewinne im Spiel nach vorne. Condé führte in der abgelaufenen Saison die meisten Defensivzweikämpfe der ganzen Liga (300), spielte gleichzeitig aber auch am fünftmeisten Bälle ins Angriffsdrittel (272). Die Erfolgsquote seiner Schnittstellenpässe ist dabei ordentlich (nr. 30 der Liga). Nikola Boranijasevics Stärken liegen hingegen klar in der Offensiven Phase, in welcher der Serbe die höchste teaminterne Erfolgsquote bei Offensiven 1 vs. 1 – Situationen aufweist. Defensiv lässt er hingegen auf seiner Rechten Seite am meisten gegnerische raumgreifende Zuspiele passieren.

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Daran, dass die rechte Zürcher Seite offensiv produktiv war, hatte aber auch Lindrit Kamberi einen wesentlichen Anteil. Neben seinen eigenen Abschlussqualitäten bei Standards war der Zürcher auch noch teamintern am meisten in der Torvorbereitung erfolgreich. 13 Pre-Assists sind klarer Bestwert. Selbst wenn man Pre-Assists und Assists zusammenzählt, liegt Kamberi mit 14 Torvorbereitungen auf gleicher Höhe mit Antonio Marchesano und Standardspezialist Jonathan Okita. Einerseits war Kamberi mit 94 Pre-Zuspielen nach Ifeanyi Mathew und Cheick Condé am häufigsten an der Erarbeitung von Torchancen im Spielaufbau beteiligt (nr. 4 übrigens Yanick Brecher mit 75), hatte dabei aber mit 14% eine substantiell bessere Erfolgsquote als die beiden Zentralen Mittelfeldspieler. Mit anderen Worten: lief der Angriff über Kamberi, wurde es häufig gefährlich. Mit der Umstellung auf Viererabwehr rutschte er denn auch vermehrt auf die Position als Schienenspieler auf der Rechten Seite, auf welcher er bereits zu Zeiten der Dreierabwehr bei Langen Bällen Yanick Brechers oder Mirlind Kryezius an Stelle des in der Luft ungenügenden Boranijasevics häufig agiert hatte. Ein Paradebeispiel dafür war seine Kopfballweiterleitung zum rekordverdächtig schnellen Führungstreffer Ifeanyi Mathews im zweiten Heimspiel gegen YB. Wie Mathew war Kamberi an rund 30% der FCZ-Tore der Saison 23/24 beteiligt, was für einen Verteidiger ein sehr hoher Wert ist. Und er führte gleichzeitig nach FCB-Stürmer Thierno Barry ligaweit die zweitmeisten Luftduelle (239). Mathew spielte nach Noë Dussene (Lausanne-Sport) am zweitmeisten Bälle ins Angriffsdrittel sowie nach Ardon Jashari (Luzern) und Renato Steffen (Lugano) am drittmeisten Schnittstellenpässe (40) – und am sechstmeisten Pässe insgesamt (1’574). Wie bei seinem Ex-Verein Lilleström hält der Nigerianer das Angriffsspiel mit vielen möglichst einfachen Pässen zuverlässig am Laufen.

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Hornschuh, Daprelà, Rohner und Afriyie mit grösster Vorlageneffizienz

Adrian Guerrero war an mehr als 20% der Zürcher Saisontore beteiligt, obwohl er weniger als 1’700 Minuten gespielt hat. Mitverantwortlich dafür sind natürlich seine Standards. Der Linksfuss schlug immerhin 31% der Eckbälle und 33% der Freistösse in Strafraumnähe. Rodrigo Conceição ist (mit Bledian Krasniqi) der Dribbler und Ballträger des Teams. Yanick Brecher hat 0.99 Gegentore pro 90 Minuten kassiert – nur David Von Ballmoos, Anthony Racioppi und Joêl Mall mussten noch weniger häufig hinter sich greifen. Bei der Anzahl erfolgreicher Paraden hat Brecher allerdings zusammen mit St. Gallens Zigi mit 2.44 pro 90 Minuten den tiefsten Wert der Liga. Der Prevented Goals-Wert ist bis Ende Saison sogar noch in den negativen Bereich gefallen. Der Zürcher Torhüter hat also sicherlich auch von der Defensivarbeit seiner Feldspieler profitiert, so dass es gar nicht zu vielen gefährlichen Abschlüssen der gegnerischen Teams kam. Nach vorne spielte Brecher nach den Torhüterkollegen Keller und Loretz, sowie Lausanne-Sport-Abwehrchef Dussene am viertmeisten Lange Bälle (359).

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Wie bereits im 1. Teil der Saisonanalyse klar wurde, war die Saison 23/24 für Junior Ligue keine erfolgreiche, was auch durch die Statistiken in diesem Zweiten Teil illustriert wird: keine einzige Torbeteiligung, weniger als ein Abschluss und weniger als drei Abschlussbeteiligungen pro 90 Minuten Einsatzzeit. Sein gleichaltriger U21-Sturmpartner Labinot Bajrami kam bei bloss 57 Minuten Einsatzzeit zu drei Abschlussbeteiligungen, wovon eine gleich zu einem Tor führte. Nevio Di Giusto und Miguel Reichmuth suchten noch häufiger den direkten Weg zum Tor und hatten daher die höchste Abschlussquote des Teams aufzuweisen (je 3.46 Abschlüsse pro 90 Minuten). Die höchste Abschlusseffizienz können Armstrong Oko-Flex (33%) und Ivan Santini (30%) vorweisen. Santini erzielte seine drei Saisontore allerdings alle im Cup gegen unterklassige Gegner. Flügelspieler Oko-Flex bewies hingegen, dass er auch auf Super League-Niveau dank seiner Beweglichkeit auf engem Raum am und im gegnerischen Strafraum gefährlich sein kann. Daniel Afriyie beging als Einziger des Teams im Schnitt beinahe zwei Fouls pro 90 Minuten-Einsatz. Seine Abschlusseffizienz war schlecht (nur 4%). Als Zulieferer des Letzten Passes agierte der Ghanaer hingegen deutlich erfolgreicher. 21% seiner Zuspiele führten zu einem Tor, was nach Hornschuh, Daprelà und Rohner den vierthöchsten Wert darstellt.

Diese Daten von Züri Live beziehen sich auf alle Wettbewerbsspiele
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FCZ SAISONANALYSE 23/24 – TEIL 1: SPIELERNOTEN, MVP’S UND TRANSFERS

Daten: Züri Live, Wyscout

Condé-, Okita- und Cibelli-Fehler entscheiden chancenarme Partie / FCZ – YB mit Randnotizen: Irreguläres YB-Führungstor, Unsportlichste Aktion der Saison, Getriggert, Gehemmt, Getroffen

ROHNER UND CONCEIÇÃO MIT STARTELF-CHANCE / FCZ – YOUNG BOYS VORSCHAU (Züri Live)

In seiner ersten Partie als FCZ-Interimstrainer wählte Ricardo Moniz im Mittelfeld eine Rhombus-Formation, welche den durch YB-Interimscoach Joël Magnin von Vorgänger Wicky übernommenen YB-Rhombus spiegelte. Dadurch entstand ein Spiel mit vielen Zweikämpfen und wenig Torchancen. Die physisch starken Condé und Mathew sowie der flinke Krasniqi kamen auf FCZ-Seite gut damit zurecht – andere weniger. Vom Sturmduo Rohner / Okita kam nach vorne so gut wie nichts. Die Aussenverteidiger Kamberi / Conceicão waren wacklig. Innenverteidiger Kryeziu zog einen mässigen Tag ein. Es war insgesamt eines der schlechtesten Spiele der Saison – vor allem aufgrund zu vieler Defensivfehler. Nur vier Partien (Heimspiele gegen St. Gallen und Lausanne-Sport, sowie Auswärtspartien in Tuggen und Yverdon) hatten einen noch leicht schlechteren Notenschnitt.

Condé, Okita und Cibelli mit groben Schnitzern

Erstaunlich, dass der FC Zürich trotz all dem bei numerischem Gleichstand die etwas bessere Mannschaft war – denn YB spielte noch schlechter. In der Ersten Halbzeit hatten die Gäste aus Bern ganze zwei Abschlüsse zu verzeichnen – einer von Darian Males verfehlte das Ziel, der Fallrückzieher Silvère Ganvoulas traf hingegen ins Schwarze. Die Führung YB’s in der 42. Minute kam „aus dem Nichts“ – und war irregulär. Das Reglement spricht eine klare Sprache. Wenn ein sich in der Nähe befindlicher Spieler am Spielen des Balles gehindert wird, weil er eine Verletzung befürchtet, ist es Gefährliches Spiel. Der linke Fuss Ganvoulas zischt Zentimeter am Kopf von Ifeanyi Mathew vorbei, der sich daher schützen muss. Ein weiterer Faktor gemäss Reglement ist, dass Ganvoula mit seinem Fallrückzieher direkt am Mann zusätzlich sich selbst gefährdet. Es handelt sich um eine klare Fehlentscheidung von Luca Cibelli – und somit hätte der VAR eingreifen müssen. Spielraum gibt es in einer solchen Situation nicht.

Dass Ganvoula überhaupt zu diesem Fallrückzieher kam, lag aber an zwei vorangegangenen vermeidbaren Fehlern auf FCZ-Seite. Der Freistoss von Darian Males entstand aus einem zu rustikalen Einsteigen Cheick Condés vor dem eigenen Strafraum. Nach Blocks von Kryeziu gegen Camara und Rohner gegen Hadjam hatte Jonathan Okita genug Zeit und Raum, den Ball zu klären. Stattdessen lupfte er diesen wie bei einer Aufwärmübung nonchalant aus dem Stand beinahe senkrecht hoch und legte ihn so Ganvoula im eigenen Strafraum pfannenfertig auf. In der 48. Minute applaudierte Condé Schiedsrichter Cibelli dann demonstrativ für eine korrekte Entscheidung (Foul und Gelb) und flog vom Platz: der zweite grosse Fehler des ansonsten in den ersten 45 Minuten gut spielenden Guineers.

Für sieben Minuten den Faden verloren

In den ersten drei Minuten nach der Pause hatte der eingewechselte Armstrong Oko-Flex sofort Druck gemacht und zwei gute Flanken von rechts in den Strafraum gebracht. Nach der Gelb / Roten Karte verlor der FCZ den Faden für sieben Minuten komplett. Ein Abstimmungsproblem zwischen Oko-Flex und Kamberi führte zum Diagonalball Monteiros, den Itten allein vor Yanick Brecher verwerten konnte. Nach diesem zweiten Gegentor reagierte der FCZ dann aber und kam wieder besser in die Partie. In den folgenden 40 Minuten war man trotz Unterzahl mehr im Angriff als der Gegner. Gerade auch Nils Reichmuth und Daniel Afriyie brachten nochmal etwas Schwung.

Highlights – Das war Gefährliches Spiel

Personalien – Condé mit gutem Spiel bis zum Platzverweis

  • Ifeanyi Mathew: Beim bisher besten FCZ-Saisonspiel zuletzt in Basel (2:2) war er zum ersten Mal diese Saison MVP – nun erst zum zweiten Mal. Wie damals ebenfalls Bester der 2. Halbzeit – und zum dritten Mal der Offensiv Beste.
  • Lindrit Kamberi: Fokussiert sich in der 1. Halbzeit vorwiegend auf seine Defensivarbeit. Zu Beginn der 2. Halbzeit eine Reihe von ungenauen Zuspielen und Einwürfen.
  • Bledian Krasniqi: Nach dem 0:0 zu Hause gegen den FC Basel in der Vorrunde zum zweiten Mal diese Saison Defensiv Bester beim FCZ.
  • Jonathan Okita: Müsste als einziger grossgewachsener Spieler vorne bei hohen Bällen mehr mithelfen. Verpasst es bei Umschaltsituationen beim Stand von 0:0 mehrmals besser postierte Mitspieler zu bedienen. Dafür legt er mit einem unmotivierten, nonchalanten Lupfer im eigenen Strafraum den Ball Gegenspieler Ganvoula pfannenfertig für dessen irreguläres 0:1 auf.
  • Yanick Brecher: Spielt immer wieder hohe Bälle auf Spieler, die in den Luftduellen gegen ihre Gegenspieler keine Chance haben.
  • Cheick Condé: Wie bei der 0:3-Niederlage in Yverdon ein gutes Spiel bis zum Platzverweis. Hat aber manchmal die Tendenz, bei einem guten Auftritt übermütig zu werden. Wie damals heisst der Schiedsrichter Luca Cibelli. Und wie damals fühlt sich Condé offenbar von diesem „getriggert“. Verantwortlich für das unnötige Foul gegen Males, welches zum Freistoss vor dem 0:1 führt. Reklamiert bereits nach dieser Szene übermässig bei Cibelli. Wieder hat sich der Guineer nicht im Griff und lässt sich von Nebensächlichkeiten ablenken.
  • Fabian Rohner: Verhält sich Defensiv nicht optimal und lässt sich leicht aus der Position locken.
  • Rodrigo Conceição: Vor den Augen seiner Eltern und Geschwister kommts zu einem seiner schlechtesten Spiele.

Randnotiz I – Irreguläres YB-Führungstor

Möglich, dass Schiedsrichter Luca Cibelli auf gefährliches Spiel hätte entscheiden können, weil Ganvoulas Füsse ihre Wucht über der Kopfhöhe von Ifeanyi Mathew entfalten. Aber erstens ist der Treffer zu schön, um aberkannt zu werden. Und zweitens müsste der FCZ-Spieler deutlich engagierter ins Duell steigen, um sich einen Freistosspfiff zu verdienen.

Florian Raz, Tages-Anzeiger

Es ist kein Zaubertor, sondern ein irreguläres Tor.

Yanick Brecher

Randnotiz II – Unsportlichste Aktion der Saison

Randnotiz III – Getriggert, Gehemmt, Getroffen

Züri Live-Noten 23/24, gleitender Durchschnitt

Kommentare – Es gaat drum z zeige wär Herr im Huus isch

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FCZ Saisonanalyse 23/24 – Teil 1: Spielernoten, MVP’s und Transfers

Die Schweizer Fussball-Meisterschaft 2023/24 ist vor zwei Wochen zu Ende gegangen. Während die Mannschaften nach der kurzen Sommer-Pause nun eine nach der anderen wieder in die lange Vorbereitung auf den Saisonstart am 20. Juli hin einsteigen, hat Züri Live mittlerweile alle 42 FCZ-Wettbewerbspartien der abgelaufenen Saison komplett im Detail durchgearbeitet und analysiert. Die Einzel-Artikel zu den letzten fünf Partien sind zwar noch nicht publiziert. Trotzdem ist alles bereit für die Saisonanalyse – als Höhepunkt der „Analyse-Saison“ auf Züri Live. Wir hoffen, dass sie unseren treuen Lesern interessante Erkenntnisse bringt und dabei auch die Bilder, Emotionen und Diskussionen rund um Spiele und deren Protagonisten nochmal aufleben lässt. Wir haben alle viel dafür investiert. Da soll auch möglichst viel davon in Erinnerung bleiben.

Nach Baisse im Vorjahr: Yanick Brecher 23/24 bester FCZ-Spieler

Die beste Durchschnittsnote der Saison 2023/24 hat Miguel Reichmuth mit 8.0 (auf einer Skala von 1-10). Dies allerdings mit nur einem einzigen Einsatz – und dies erst noch gegen den unterklassigen Partnerklub Red Star in der 1. Hauptrunde des Schweizer Cups. Bei seinem Wettbewerbs-Début für den FC Zürich wurde er am 19. August zusammen mit seinem älteren Bruder Nils in der 63. Minute für das mittlerweile nicht mehr beim FCZ aktive Duo Avdijaj / Bar eingewechselt. „Kein anderer eingesetzter Spieler überzeugte sowohl defensiv wie offensiv so wie der 19-jährige Mittelfeldspieler“ hiess es damals im Analyse-Artikel zu seinem Einsatz. Das bislang letzte seiner bisher 26 Jugend-Länderspiele bestritt der technisch beschlagene Rechtsfuss ein halbes Jahr davor mit der U20 gegen Dänemark. Der Durchbruch im Profibereich fällt ihm aber auch aufgrund Verbesserungspotential in der Defensiven Phase und bezüglich Zielstrebigkeit schwer – und damit bleibt auch der Schritt in die U21-Nati verwehrt, nachdem Reichmuth zuvor auf mehreren Stufen Stammspieler seines Jahrgangs gewesen war. Eine Leihe in die Challenge League könnte wie bei Linksfuss Nils, der zwei Jahre in Wil war, Sinn machen.

Miguel Reichmuth ist wie alle Spieler mit weniger als 500 Minuten Einsatzzeit in der Notentabelle kursiv vermerkt. Der eigentliche Saisonbeste ist somit Torhüter Yanick Brecher mit einer Durchschnittsnote von 7.1. Dies ist eine Steigerung um beinahe eine ganze Note im Vergleich zur Saison 22/23, als Brecher in der Züri Live-Bewertung nur auf Rang 13 des Kaders klassiert war. Brecher hatte speziell direkt nach seiner Vertragsverlängerung unter dem damaligen Coach Franco Foda schlecht gespielt. Seine Vorderleute liessen unter Foda kaum mehr gegnerische Torchancen zu als unter dessen Vorgänger Breitenreiter – Brecher liess aber deutlich mehr dieser gegnerischen Abschlüsse passieren. Nun konnte er sich wieder wesentlich steigern. Auch der Wechsel des Torhütertrainers schien dem FCZ-Captain nochmal einen weiteren Schub zu verleihen. Inklusive Cup 15 “Clean-Sheets“, acht Mal Züri Live-MVP (je zwei Mal gegen YB und SLO) und vier Mal Maximalnote “10“ sprechen eine deutliche Sprache.

Cheveyo Tsawa rutscht in die Rolle von Marc Hornschuh

HInter Brecher folgen als weitere Leistungsträger Bledian Krasniqi, Ifeanyi Mathew, Adrian Guerrero, Cheick Condé, Antonio Marchesano, Nikola Boranijasevic, Mirlind Kryeziu und in der Schlussphase der Saison als wichtiger Defensiv-Joker Cheveyo Tsawa. Der 17-jährige aus dem eigenen Nachwuchs hat somit in dieser Phase die Rolle von Marc Hornschuh übernommen, die vier Siege in Folge in der Schlussphase der Partien ins Ziel zu bringen: als “Staubsauger“ im Mittelfeld mit ähnlichem Engagement und Zweikampfstärke verbunden mit besserer Antrittsschnelligkeit und Technik. Bezüglich Note der 1. Halbzeit gehören Nils Reichmuth, Nevio Di Giusto und Calixte “Junior“ Ligue zu den besten des Kaders. Es kann sich also stark lohnen, junge Spieler in der Startformation laufen zu lassen. Die wie Hornschuh diesen Sommer vom FCZ scheidenden Aussenläufer Nikola Boranijasevic und Adrian Guerrero waren (auch) diese Saison vor allem offensiv top. Sie trugen wie in der Meistersaison 21/22 mit ihren Diagonalläufen, Flanken und Standards viel dazu bei, die gegnerischen Defensiven zu knacken. Torhüter Yanick Brecher ist mit Ball einer der Liga-Besten. Zentrumsspieler Ifeanyi Mathew hat seine Stärken ebenfalls vorwiegend im Offensivbereich. Boranijasevic ist genauso wie Mirlind Kryeziu ein Spieler, der in der 2. Halbzeit noch zusetzen kann, wenn andere abbauen. Dass Antonio Marchesano zusammen mit Yanick Brecher am häufigsten bester Spieler der 2. Halbzeit war, liegt hingegen eher daran, dass er bei seinen wenigen Joker-Einsätzen besonders gut spielte.

Vor allem war es offensiv aber auch die Saison von Bledian Krasniqi. Sein Wettbewerbs-Début für den FCZ gab der Tempodribbler im November 2018 gegen AEK Larnaca. Nach den zwei Leih-Saisons in Wil holte er nach seiner Rückkehr gleich die erste Trophäe. Im Meisterteam war er eine wichtige Stütze und teilte sich die Position neben Ousmane Doumbia Fifty-Fifty mit dem häufig angeschlagenen Blerim Dzemaili. In der Saison 22/23 steigerten sich seine Einsatzzeiten sowohl unter Franco Foda wie unter Bo Henriksen weiter. Er legte in seiner Entwicklung dabei einen Fokus auf die verbesserungsfähige Defensivphase. Mit dieser Basis stieg er ins Spieljahr 23/24, wo er nun seine Offensivqualitäten zum blühen brachte. Seine Skorerquote aus der Challenge League-Saison 20/21 hat er nun erstmals in der Super League bestätigt. Krasniqis ZL-Defensivnote fiel 23/24 von 7.1 auf 6.3, während er gleichzeitig die Offensivnote von 6.1 auf 7.5 steigerte. Der Aufbau stimmt. Das Ziel für 24/25 muss nun sein, die offensiven und defensiven Elemente zusammen mit Konstanz Woche für Woche auf den Platz zu bringen. Wenn man dann am Ende beim Erstellen eines “Teams der Saison“ nicht mehr an Krasniqi vorbeikommt, war sein Entwicklungsschritt erfolgreich.

Neu: Keine U19-Playoffs mehr für Kaderspieler der 1. Mannschaft

Insgesamt haben sich im Vergleich zur letzten Saison vor allem aufgrund verbesserter Offensivleistung elf Kaderspieler gesteigert, sechs sind hingegen schlechter geworden. Die grösste Steigerung gab es bei Nikola Katic (von tiefem Niveau aus), die grösste Verschlechterung bei Junior Ligue, Selmin Hodza und Donis Avdijaj. Für Ligue scheint im letzten Sommer die Kombination von Juniorenfinals nach einer langen Saison in verschiedenen Teams und danach gleich wieder einrücken zu den ausgeruhten Kollegen der 1. Mannschaft zur Saisonvorbereitung zu viel gewesen zu sein. Auch junge Spieler müssen nach einer langen Saison mal abschalten und danach gleichzeitig mit ihren Teamkollegen der 1. Mannschaft in die Vorbereitung starten können. Diesen Sommer scheint man dies beherzigt zu haben. Die zum Trainingsstart 24/25 für die 1. Mannschaft vorgesehenen Spieler wie beispielsweise Cheveyo Tsawa wurden nach Super League-Saisonende nicht auch noch in den U19-Playoffs eingesetzt. Man nahm dabei in Kauf, dass diese Spieler dem Qualifikationssieger in den Playoffs fehlten. Letzte Saison schoss das Duo Ligue / Bajrami eine insgesamt eher mässig auftretende U19 in den Playoff-Final. Der diesjährige Jahrgang trat mehrheitlich deutlich besser auf, zog aber im Viertelfinal-Rückspiel gegen den späteren Finalisten Servette einen mässigen Tag ein.

Die Spieler, welche bereits in der Saison 22/23 dabei waren, haben in der abgelaufenen Saison im Schnitt besser abgeschnitten, als die neu dazugestossenen. Im oberen Drittel befinden sich mit Cheveyo Tsawa (17) und Miguel Reichmuth nur zwei Kaderneulinge – beide aus dem eigenen Nachwuchs. Kein von aussen neu verpflichteter Spieler schaffte es in seiner ersten Saison in die Top 50% des Kaders! Auch wenn bereits seit längerer Zeit nicht nur eigene Junioren sondern auch von extern verpflichtete Spieler wie beispielsweise ein Assan Ceesay oder Aiyegun Tosin zwei oder drei Jahre Anlaufzeit benötigten, um zum Leistungsträger aufzusteigen, ist dies eine schlechte Quote. Fabio Daprelà kam angeschlagen nach Zürich und schien seine Verletzungsprobleme die ganze Saison hindurch nie richtig hinter sich lassen zu können. Dass Lugano ihn abgegeben hat, hatte ja durchaus seine Gründe. Trotzdem war seine Mentalität und Cleverness speziell während der langen Ungeschlagen-Serie zu Beginn der Saison ein wichtiges Element.

Ein Österreichischer Meister mit Leistungsdiskrepanzen

Rodrigo Conceição hatte in den ersten Partien grosse Probleme, sich an den hiesigen Fussball anzupassen. Mit der Zeit lief es etwas besser. Beim Besuch seiner Familie im Letzigrund gelang ihm aber kein guter Match. Auch die Auftritte von Armstrong Oko-Flex gestalteten sich wechselhaft. Der Ire fühlte sich am wohlsten, wenn der FCZ dominant und mit einem Dreimann-Sturm auftrat. Bei seinem Assist zu Marchesanos Last Minute-Siegtreffer in Luzern und seinem Tor in Winterthur zeigte sich seine Qualität in der Verarbeitung von aufspringenden Bällen. Der Ansatz des neuen Coaches Ricardo Moniz scheint einem Stürmer wie Oko-Flex entgegen zu kommen. Vor allem war er bisher der einzige klassische Flügelstürmer im Kader der 1. Mannschaft. Mit dem hochziehen des 15-jährigen Dylan Munroe aus dem eigenen Nachwuchs kommt nun ein zweiter hinzu.

Der vom frischgebackenen österreichischen Meister Sturm Graz geliehene Amadou Dante gehört zu den vier Spielern mit einer ungenügenden Durchschnittsnote. Die Differenz zwischen seinen Offensiv- (Note: 6.5) und Defensivleistungen (3.3) war dabei enorm. Die Art und Weise wie Dante mit seiner speziellen Fussstellung Bälle von der Seite hinter die Abwehr spielen oder im Tor versenken konnte, war aussergewöhnlich. Der Malier sorgte immer für Gefahr nach vorne, aber eben auch nach hinten. Beim in einer Dreierabwehr auftretenden Meisterteam konnte man sich mit Boranijasevic und Guerrero zwei offensiv starke und defensiv eher eingeschränkte Aussenläufer leisten. Dantes Diskrepanz diesbezüglich ist aber noch grösser als bei diesen beiden – und der FCZ agiert nun meist mit Viererabwehr. Er würde in so einer Formation fast eher als Flügelstürmer in Frage kommen. In gewisser Weise das Gegenteil von Dante war Cheick Condé, der Offensiv (1x) und Defensiv (3x) zusammengezählt weniger häufig Bester Spieler war, als in der Gesamtleistung (5x). Dies illustriert sein ausgeglichenes Profil mit gleichermassen offensiven wie defensiven Qualitäten. Unausgeglichen sind die Leistungen des Guineers aber in Bezug auf den Spielverlauf. Seine Auftritte in der 2. Halbzeit sind im Schnitt deutlich schlechter als diejenigen in den ersten 45 Minuten. In seiner ersten vollen Saison hatte Daniel Afriyie unter Bo Henriksen im Offensivzentrum seinen Stammplatz. Bei gegnerischem Ballbesitz hing er meist “wie eine Klette“ am gegnerischen Sechser und störte den Spielaufbau des Gegners effektiv. Bei eigenem Ballbesitz stiess er dann jeweils auf die Mittelstürmerposition vor, war in dieser Funktion aber weniger produktiv. Im Spiel mit Ball wirkte der Ghanaer jeweils am gefährlichsten, wenn er auf dem Rechten Flügel seine flinken Bewegungen am Ball ausspielen konnte. Unter dem Trainerduo Ural / Romano wurde Afriyie dann mit einer Jokerrolle betraut. Unter Ricardo Moniz spielte er in den letzten beiden Partien wieder von Beginn weg – nun in einem Zweimann-Sturm mit Jonathan Okita vor der Nummer 10 Antonio Marchesano.

Ukrainische Flüchtlinge als Nachwuchshoffnungen

Arad Bar stiess im Sommer nach einer äusserst erfolgreichen U21-EM in Georgien (Halbfinal) spät zum Team. In seinem ersten Test gegen Greuther Fürth in Innsbruck schlug der Israeli nach seiner Einwechslung als Linker Aussenläufer gute Flanken in den Strafraum. Seine Position im Zentrum war aber schon vergeben. Condé / Mathew / Krasniqi sollten im Lauf der Saison zum Zürcher Herzstück werden. Bar konnte nach seinem Wechsel aus der Liga Leumit (2. Liga Israel) den höheren Rhythmus nicht so schnell mitgehen und zog im Winter weiter ostwärts in ein vom Krieg erschüttertes Land, zum Aufsteiger LNZ Cherkasy. Nach Bogdan Vyunnik (April 2022 bis Februar 2023 in der 1. Mannschaft), der mittlerweile nach Österreich und dann Polen weiter gezogen ist, hat der FCZ im übrigen mit Yevheniia Bielova (Frauen U21, NLB) und Yevhen Morozov (U17 / U19 / U21) umgekehrt zwei weitere Ukrainische Flüchtlinge in der Academy. Morozov ist einer der talentiertesten Torhüter im Heerenschürli.

Donis Avdijaj wiederum wirkte zu Beginn der Saison nicht top motiviert. In Hartberg fühlt er sich hingegen weiterhin wohl – 18 Skorerpunkte in der österreichischen Bundesliga-Saison, obwohl er die ersten fünf Runden verpasst hat. Der sensationelle fünfte Platz hätte eigentlich mit der verdienten Europacup-Qualifikation belohnt werden sollen, aber im österreichischen Modus musste der David aus der Steiermark gegen den achtplatzierten Goliath FK Austria aus Wien noch in den Europacup-Playoff, der verloren ging. Joseph Sabobo aus Sambia letztlich nahm diesen Frühling bereits an seinem zweiten Blue Stars / FIFA Youth Cup auf der Buchlern im FCZ-Trikot teil – diesmal als etablierter Academy-Spieler. Der Titel des Vorjahres konnte nicht verteidigt werden, weil im Final mit RB Salzburg ein Gegner von überragender Qualität wartete. Wenig später kam Sabobo zu seinen ersten Super League-Einsätzen. In der kurzen Spielzeit gelang ihm offensiv wenig, defensiv konnte er sich als Joker hingegen jeweils gut ins Spiel kämpfen.

Fabian Gloor und Noah Leao mehr als “Lückenbüsser“?

Die letzte Transferperiode im Sommer 2023 war vor allem vom Abgang Aiyegun Tosins geprägt gewesen. Der Nigerianer brauchte lange, um auf Niveau Super League eine gewisse Souveränität im Spiel zu erlangen. im letzten Sommer war er so gut drauf wie noch nie, bereit für eine Leistungsexplosion à la Assan Ceesay, und hätte beim FCZ 23/24 vermutlich seine beste Saison gespielt. Der FC Zürich hätte ihn gut gebrauchen können. Stattdessen wechselte er als Letzter aus dem Meister-Sturmquartett (Ceesay, Kramer, Gnonto, Tosin). In der Ligue 1 muss er nun aber natürlich erst mal wieder fast bei Null beginnen. Ansonsten verliessen auch einige langsame oder wenig motiviert wirkende Spieler im letzten Sommer das Team. Die Zugänge hatten im Schnitt ein höheres Mass an Zielstrebigkeit, Mentalität und Cleverness. Die zahlenmässig geringe Anzahl Zugänge half zudem dem Teamgeist. Aus sportlicher / taktischer Sicht stechen vor allem die Aussenläufer- / Aussenverteidiger-Alternativen Conceição (auf beiden Seiten einsetzbar) und Dante ins Auge. Boranijasevic und Guerrero hatte man zuvor bei Sperren, Verletzungen oder Formschwächen kaum intern ersetzen können. Drei dieser vier Aussenspieler sind nun aber bereits wieder weg – und der vierte, Conceição, verletzt.

Mariano Gomez, der erste Neuzugang für die 1. Mannschaft in der neuen Transferperiode ist im Vergleich mit einem Nikola Katic ruhiger, spielt technisch und taktisch einen saubereren Fussball. Für die Art und Weise wie der FCZ spielen will, ist er ein passenderer Innenverteidiger. Man kann davon ausgehen, dass der FC Zürich noch einen Linksverteidiger und einen Stürmer verpflichten wird. Auf den Aussenverteidigerpositionen können sich vorerst mal Noah Leao aus der U21 und Baden-Rückkehrer Fabian Gloor zeigen. Beide werden aufgrund des aktuellen Mankos an Aussenverteidigern gebraucht. Bei Gloor könnte man sich vorstellen, dass er Ende der Transferperiode, wenn Conceiçao langsam wieder zurückkehrt, noch wechseln wird. Leao könnte je nach Personalsituation unter Umständen eine Saison mit der 1. Mannschaft bestreiten. Mittel- bis langfristig werden auf seiner Position aber eher die talentierteren Neil Volken und Sebastian Walker (und rechts Mattia Rizzo) in Frage kommen. Diese Eigengewächse müssen sich vorläufig aber erst mal noch in der Promotion League beweisen. Mittlerweile ist man im FCZ-Nachwuchs wohl auf den Flügelpositionen am besten besetzt – mit mittelfristig gleich mehreren aussichtsreichen Kandidaten für die 1. Mannschaft – aber auch in der Defensivzentrale gibt es mehrere interessante Talente.

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