Im Gespräch mit der „TX Group“ meinte FCZ-Neuzugang Blerim Dzemaili vor dem Auswärtsspiel in St. Gallen, er habe mit dem Tempo und der Intensität der Super League „überhaupt keine Probleme“. Dem Realitätscheck hielt diese Aussage nicht stand. In den ersten 30 Minuten konnte Dzemaili im Kybunpark in einem im Vergleich zu früheren Direktbegegnungen eher langsamen Spiel noch halbwegs mithalten – danach musste er ganz abreissen lassen. In einem Radrennen hätte ihn irgendwann der Besenwagen aufgelesen. Daten zu Laufleistung und Sprints haben wir für die Super League leider noch nicht zur Verfügung. Die Beurteilungen dazu ergeben sich aus den Eindrücken der detaillierten Nachanalyse der Spiele. Viele andere interessante Daten sind aber da. Wie schneidet Blerim bisher ab? Wir sind gnädig und messen ihn nicht an den eigenen hohen Ansprüchen (Dzemaili sieht sich und sein Team unter den ersten drei) und vergleichen ihn nicht mit den besten Zentralen Mittelfeldspielern der Liga – sondern mit den ältesten. Milan Gajic (34, Vaduz) und Jonathan Sabbatini (33, Lugano) sind im gleichen Alter wie Dzemaili – Stjepan Kukuruzovic (31, Lausanne-Sport) und Luca Zuffi (31, Basel) haben die 30 auch schon überschritten. Dazu kommen Dzemailis Teamkollegen Domgjoni, Seiler, Doumbia und Hekuran Kryeziu (der im letzten Monat vorwiegend Innenverteidiger spielte). Die Daten beziehen sich auf den Schnitt pro 90 Minuten in der aktuellen Super League-Saison.

Beginnen wir erst mal mit einer für Dzemaili erfreulichen Statistik. Pro 90 Minuten lieferte der Zürcher 0,41 Assists, womit er bisher klar vor dem ebenfalls als Standardspezialisten geltenden Milan Gajic liegt. Die beiden Torvorlagen auf Sobiech und Khelifi gelangen ihm gleich in den ersten zwei Partien. Tore erzielte er im Gegensatz zu Domgjoni, Doumbia, Kukuruzovic und Gajic hingegen bisher noch nicht. Dies obwohl er von den Vergleichsspielern mit Abstand am meisten Schüsse pro 90 Minuten abgab (1,85). Grund: abgesehen davon, dass er noch nicht viele Partien auf dem Buckel hat, war auch die Qualität der Abschlüsse tief. Bei den meisten Versuchen traf er den Ball sehr schlecht. Statistisch gesehen kamen gerade mal 11,1% seiner Abschlüsse überhaupt erst aufs Tor. Nur Seiler und Hekuran Kryeziu, welche beide kaum mal einen Abschluss zu verzeichnen haben, weisen einen noch tieferen Wert aus. Milan Gajic hingegen brachte mehr als die Hälfte seiner Abschlüsse aufs Tor, Luca Zuffi einen Drittel. Wenn die Kraft nachlässt, und das passiert bei Dzemaili sehr schnell, dann lässt häufig auch die Präzision nach. Ausserdem könnte auch eine gewisse Übermotiviertheit und Selbstüberschätzung eine Rolle spielen bei den vielen klaren Fehlschüssen.

Ebenso beginnt zu dem Zeitpunkt, wo Dzemaili nicht mehr mitzuhalten vermag, die Zeit, in welcher er gegenüber Mitspielern und Schiedsrichtern unleidig wird. Dzemaili ist im Vergleich der Zentralen Mittelfeldspieler führend bei der Anzahl Gelber Karten (0,62 pro 90 Minuten), wobei er bisher alle Verwarnungen wegen „Meckerns“ abgeholt hat. Aus Zweikämpfen heraus blieb er bisher von einer Gelben Karte verschont, wobei man in gewissen Szenen das Gefühl hatte, dass Dzemaili genauso wie andere Spieler der Super League, die einen gewissen Promi-Faktor mitbringen, diesbezüglich einen gewissen (unbewussten) Bonus bei den Schiedsrichtern geniesst.

Mit einem Züri Live-Defensivpunkt nur alle 15 Minuten trägt Dzemaili von den Zentralen Mittelfeldspielern des FCZ am wenigsten zur Defensiven Phase bei. Dazu passt unter anderem die geringe Anzahl Balleroberungen pro 90 Minuten. Dzemaili gehört hier zu den wenig effektiven Zentralen Mittelfeldspielern. Stephan Seiler ist in dieser Disziplin top und weist zudem den höchsten Anteil an Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte aus (beinahe 50%). Gefolgt wird Seiler von Ousmane Doumbia, der ebenfalls mehr als 10 Balleroberungen pro 90 Minuten bewerkstelligt. Toni Domgjoni hat nicht die Antrittsschnelligkeit und Beweglichkeit eines Seiler oder Doumbia, die in der Balleroberung eine grosse Rolle spielt: er ist der Typ Dauerläufer, welcher die Löcher stopft. Blerim Dzemaili, der von allen Vergleichsspielern den geringsten Anteil an Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte hat, würde in dieser und vielen anderen Statistiken sicherlich deutlich besser dastehen, wenn er zwei, drei Jahre früher zum FCZ zurückgekehrt wäre.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Interceptions – abgefangene gegnerische Pässe (ohne dass es zu einem Zweikampf kommt). Dzemaili und Domgjoni liegen hinter Seiler, Doumbia und auch Hekuran Kryeziu.

Auch Klärungen in brenzligen Situationen gelingen von den nominellen Zentralen Mittelfeldspielern beim FCZ vor allem Hekuran Kryeziu und Ousmane Doumbia. Dzemaili ist hier zusammen mit Seiler und dem ehemaligen FCZ-ler Kukuruzovic am Ende der Rangliste.

Dzemailis Problem ist, dass er häufig in entscheidenden Szenen gar nicht erst in die Zweikämpfe kommt. Kommt es aber zum Zweikampf, dann gehört er immer noch zu den besseren Zentralen Mittelfeldspielern der Liga in Bezug auf die Offensivzweikämpfe (in Ballbesitz). Da er den Ball relativ gut abschirmen kann, verliert der Gegenspieler häufig die Geduld, und bringt Dzemaili zu Fall. Wobei berücksichtigt werden muss, dass sich viele Offensivzweikämpfe mit letztlich auch bei Dzemaili unsicherem Ausgang vermeiden liessen, wenn er etwas schneller laufen oder handlungsschneller agieren und damit dem Gegenspieler nicht so viel Zeit geben würde, ihn zu stellen. Bei den Defensivzweikämpfen (Gegner in Ballbesitz) ist Dzemailis Erfolgsstatistik hingegen durchschnittlich.

Weit unterdurchschnittlich sieht die Bilanz bei den Luftduellen aus, wo Dzemaili gar hinter Kopfballmuffel wie Milan Gajic oder Luca Zuffi zurücksteht – er verliert trotz seiner mittleren Grösse von 1,80m drei Viertel aller Luftduelle und versucht wenn immer möglich vom Ball regelrecht zu flüchten, wenn dieser hoch in seine Richtung kommt. Ousmane Doumbia hingegen, obwohl mit 1,75m einer der kleinsten im FCZ-Team, ist in den Luftduellen einer der besten, und bekommt deshalb auch bei der Verteidigung von Eckbällen Manndeckungsaufgaben – häufig gegen ungefähr den viertbesten Gegenspieler. Bei dieser Statistik fällt allgemein die Korrelation der orangen Säulen (Erfolg in Luftduellen) mit der blauen Linie (Anzahl Luftduelle) auf, was wohl damit zusammenhängt, dass diejenigen Spieler, die schlecht in der Luft sind, solche Duelle auch im Mittelfeld wenn immer möglich vermeiden.

Von den Vergleichsspielern macht Dzemaili klar am meisten Vorstösse mit dem Ball am Fuss, wie die Statistik zeigt. Hekuran Kryeziu als Gegenpol lässt dies hingegen fast komplett bleiben.

Wie erfolgreich sind aber diese Vorstösse? Bei der folgenden Graphik bezüglich Dribblings müssten wie bei den Luftduellen die orangen Säulen und die blaue Linie wieder eine Parallele bilden, dies ist aber speziell in einem Fall ganz und gar nicht so: bei Blerim Dzemaili. Der Stadtzürcher geht von allen Vergleichsspielern am häufigsten ins Dribbling, obwohl er dabei mit grossem Abstand am häufigsten den Ball verliert. Zwei Drittel seiner Dribblings gehen schief. Genau umgekehrt ist die Quote beim technisch starken Toni Domgjoni, der aufgrund seiner Erfolgsquote wohl noch häufiger das Eins-gegen-eins suchen könnte. Dzemailis Selbstüberschätzung beziehungsweise Unterschätzung der Super League-Gegenspieler in diesen Situationen bewegte sogar den ansonsten sehr bedachten Massimo Rizzo im Spiel gegen YB dazu, unwirsch auf den Platz zu rufen: „Hör auf damit!“ – was Dzemaili dann auch tat, aber da war es schon zu spät.

Dzemaili hat pro 90 Minuten von allen FCZ-Mittelfeldspielern auch am meisten Ballverluste zu verzeichnen – mehr als alle 10 Minuten einen.

Bei der Passgenauigkeit schneidet Blerim Dzemaili von allen Vergleichsspielern im FCZ und bei der Konkurrenz ebenfalls am schlechtesten ab. Luca Zuffi (extern) und Toni Domgjoni (intern) sind in diesem Bereich vorne. Hervorzuheben die Anzahl Pässe pro 90 Minuten (53,44) von Lausannes „Drehscheibe“ Stjepan Kukuruzovic.

Bei der Genauigkeit von nach vorne gespielten Pässen (Anzahl: 15,82 pro 90 Minuten) ist Dzemaili im vorderen Mittelfeld der Vergleichsspieler – nicht ganz auf dem Niveau von Zuffi und Gajic, aber vor allen Teamkollegen.

Wenn man nun aber in diesem Zusammenhang den punktgenauen Pass Dzemailis auf Ceesay im ersten St. Gallen-Match, der zum Penalty zum 1:2 geführt hat, als exemplarisch betrachtet, ist dies irreführend. Denn bei Pässen in die Offensivzone hat Dzemaili nach Ousmane Doumbia die zweitschlechteste Passgenauigkeit. Die über dem Durchschnitt liegende Passgenauigkeit der nach vorne gespielten Pässe bezieht sich also auf Zuspiele, die typischerweise von hinten ins Mittelfeld gespielt werden. Die höchste Passgenauigkeit bei Zuspielen in die Zone 3 beim gegnerischen Tor haben von den „Mittelfelddinos“ der Liga erneut Milan Gajic und Luca Zuffi. Beim FCZ ist Stephan Seiler in dieser Hinsicht am besten. Schade, dass er solche Bälle am wenigsten häufig spielt! Seiler müsste sich mehr zutrauen und den Ball selbst in die Tiefe spielen, anstatt ihn nochmal auf die weniger präzisen Dzemaili oder Doumbia querzulegen.

Seilers Stärke sind die kurzen Pässe vorne zwischen die Linien. Lange Bälle sind hingegen überhaupt nicht sein Ding. Dies in Kombination mit seiner hohen Balleroberungsquote in der gegnerischen Hälfte macht ihn prädestiniert für die Rolle als 10er (speziell bei Hohem Pressing) oder allenfalls 8er – und deutlich weniger als 6er. Dzemaili ist grundsätzlich ein ähnlicher Spielertyp, unter anderem als zweitschlechtester Spieler nach Seiler bei Langen Bällen – und hat auch deshalb in der Nationalmannschaft häufig als 10er gespielt. Zusammen mit Seiler und dem vorsichtigen Zuffi spielt Dzemaili auch am wenigsten Lange Bälle. Die höchste Passgenauigkeit bei weiten Pässen haben aus den Vergleichsspielern Milan Gajic vor Stjepan Kukuruzovic und Hekuran Kryeziu. Toni Domgjoni ist bei den FCZ-lern an Zweiter Position.

Geradezu als unterirdisch muss man schlussendlich Blerim Dzemailis Bilanz bei Rückpässen bezeichnen. Nur gerade 77,8% der von ihm nach hinten gespielten Bälle kommen beim Mitspieler an. Keiner der Vergleichsspieler ist auch nur annähernd so schlecht. Es ist eine weitere entscheidende Fehlerquelle in Dzemailis Spiel. Glücklicherweise spielt Dzemaili nicht so häufig zurück wie Teamkollege Seiler, der als zweitschlechtester Rückpassspieler am häufigsten (8,42 mal pro 90 Minuten) rückwärts spielt. Deutlich sicherer ist an erster Stelle diesbezüglich Hekuran Kryeziu, bei welchem 98,6% der Rückpässe beim Mitspieler ankommen – vor Toni Domgjoni mit 97%.

Basiert man zusammenfassend die Entscheidung auf den Statistiken der bisherigen Spiele, hat Blerim Dzemaili keinen Platz im Zürcher Mittelfeld verdient. Zwar kann er den Ball relativ gut abschirmen und ist leicht über dem Durchschnitt in der Passgenauigkeit nach vorne bei Zuspielen in der eigenen Platzhälfte, hat aber sowohl für die 6er- als auch die 8er- sowie die 10er-Position das deutlich schlechtere Leistungsprofil, als seine Teamkollegen.

Es kristallisiert sich auch aus den Statistiken heraus, dass sich der sowohl technisch wie im Zweikampf starke Dauerläufer Domgjoni im Mittelfeld gut mit einem aggressiven, beweglichen Balleroberer (Doumbia oder Seiler) ergänzt. Bei Pressingsituationen sollte Doumbia / Seiler vorne den Ball (zurückzu)erobern versuchen, um mit einem kurzen Pass in die Schnittstelle sofort Richtung gegnerisches Tor umzuschalten – Domgjoni sichert hinten ab. Baut der FCZ hingegen von hinten auf, sollte sich eher der spielerisch und im Dribbling starke Domgjoni nach vorne verschieben mit Doumbia / Seiler als Absicherung dahinter. Hat der FCZ in einer Partie vor, viel hoch zu pressen, ist Stephan Seiler eine gute Option für die 10er-Position als weitere Alternative zu Marchesano, Schönbächler und Nils Reichmuth. Somit könnten Domgjoni, Doumbia und Seiler auch alle drei gleichzeitig spielen. Stephan Seiler sollte sich zudem unbedingt noch mehr zutrauen und häufiger seine guten kurzen Bälle in die Schnittstelle nach vorne spielen – und gleichzeitig Rückpässe tunlichst vermeiden.

Hekuran Kryeziu ist aufgrund seiner Statistiken auf der Position des Innenverteidigers grundsätzlich gut aufgehoben. Ein Problem ist seine Schwäche in der Manndeckung bei stehenden Bällen. Dieses Problem könnte im aktuellen Kader aber nur Lasse Sobiech wirklich lösen und dieser steht bis Ende Saison nicht zur Verfügung. Was Blerim Dzemaili betrifft, hängt sehr viel am Prinzip Hoffnung, dass ihm wie bei seinen zwei bisherigen Assists (ein Standard, eines aus dem Spiel heraus) wieder einmal eine spezielle Aktion nach vorne gelingen möge. Gleichzeitig bringen aber seine für Super League-Verhältnisse eklatanten Schwächen im Passspiel, im Laufspiel und in der Verteidigung von gegnerischen Angriffen die ganze Mannschaft aus der Balance und den Gegner ins Spiel.

(Daten: Wyscout)

Spiel, Gegner und Taktik

St. Gallen-Trainer Peter Zeidler erinnerte sich vor der Partie ganz offensichtlich daran, dass sein Team zuletzt gegen den FCZ immer verloren hat, wenn es von Beginn weg Vollgas vorne drauf ging, und andererseits mit einer abwartenden Spielweise und wenig Ballbesitz im Dezember im Letzigrund 2:1 gewinnen konnte. So sprang er nach zehn Gegentoren in den drei Spielen davor über seinen Schatten, und liess die Grünweissen auch diesmal wieder sehr zurückhaltend spielen. Die Pressinglinie lag in der Regel nicht allzu weit von der Mittellinie entfernt, und bei Angriffen wurde auf die nachrückenden Mitspieler gewartet. Auch fehlte beim Umschalten mit Kwadwo Duah (Ersatzbank) der schnelle Zielspieler, welcher handlungsschnell aggressiv die Tiefe attackiert, in der Startformation. Lukas Görtler war nach dem wegen einer Knöchelverletzung verpassten Spiel in Lausanne (3:4) sichtlich noch nicht ganz im Vollbesitz seiner Kräfte. Zeidlers Strategie, auf alle in der EM-Gruppenphase in Slowenien beanspruchten U21-Nationalspieler (Guillemenot, Muheim, Stergiou) in der Startaufstellung zu setzen, ging zudem nicht auf. Es war ein ungewohntes Bild: man hatte von der Spielart her das Gefühl, einen FC St. Gallen aus den 90er-Jahren vor sich zu haben – einfach ohne die damalige kämpferische Intensität.

Man hatte als Beobachter nie den Eindruck, dass hier mit Haken und Ösen um den Klassenerhalt und auch noch ein bisschen um Europacupplätze gekämpft würde. Das von Blue-Kommentator Michael Fritschi herbeigeredete „Kampfspiel“ fand nicht statt. Der FCZ beispielsweise beging total nur gerade 10 Fouls. Dass es auf beiden Seiten trotzdem je vier Gelbe Karten plus eine Gelb-Rote setzte, lag an der erratischen Spielleitung durch Alessandro Dudic, die eher einem Zufallsprinzip als einer Logik zu folgen schien. Bei den mit Gelb-Rot vom Platz gestellten Jordi Quintilla sowie Ousmane Doumbia muss man je eine der beiden Verwarnungen (die erste bei Quintilla, die zweite bei Doumbia) als äusserst fragwürdig bezeichnen. Schon Mitte der Ersten Halbzeit wurde es offensichtlich, dass Dudic in einem weder allzu schnellen noch gehässigen Spiel zielstrebig auf ein bis zwei Gelb-Rote Karten zusteuerte. Tatsächlich musste dann der 27-jährige Jordi Quintilla zum ersten Mal in seinem Profileben vom Platz – und Ousmane Doumbia wird nun schon wieder gegen seinen Ex-Klub Servette gesperrt fehlen.

Dafür pfiff Dudic je eine penaltyreife Szene auf beiden Seiten nicht, und gab schon früh bei einem harten Foul von Muheim gegen Schönbächler dem Gefoulten (!) die Gelbe Karte – Muheim hatte von unten in Schönbis Wade gehauen und sich dabei weh getan. Unter der fast schon endlosen Liste an Fehlentscheidungen war natürlich auch wieder eine klassische Guillemenot-Schwalbe. Der U21-Nationalspieler checkt Rohner im Laufduell um. Guillemenot steht dann dem auf dem Bauch liegenden Rohner aufs Bein und lässt sich wie immer mit ausgebreiteten Armen fallen. Skurril, dass Dudic selbst auf so etwas hereinfiel. Glücklicherweise war es „nur“ eine Freistosssituation an der Eckfahne. Dies nachdem derselbe Guillemenot eine Runde davor in Lausanne zwei weitere klare Schwalben im gegnerischen Strafraum produziert – und einmal davon den Penalty sogar zugesprochen erhalten hatte. Es ist erstaunlich, dass ein Spieler mit solch kontinuierlichen Unsportlichkeiten Woche für Woche während nun mehr als zwei Jahren ohne Disziplinarstrafe davonkommt.

13. Minute: Fliegen schön – mit Air Guillemenot. Gegenspieler foulen und wenn dieser bäuchlings auf dem Boden liegt dessen Bein als Absprungrampe nutzen – Arme ausbreiten – fliegen – Freistoss zugesprochen erhalten. „Schade“ wars nicht im Strafraum.

In den ersten 30 Minuten gelangen dem FCZ verschiedenste gute Offensivszenen, unter anderem ein „Luzerner Kreisel“ auf der rechten Seite mit Rohner, Kololli und Dzemaili. Danach war aber Ende Feuer und das FCZ-Spiel vor allem geprägt vom Unvermögen der zurückgekehrten Dzemaili, Tosin (beide mit Comeback) sowie Kololli – bei Kololli und Dzemaili kam viel Passivität hinzu. Speziell ab der 30. Minute stellte Blerim Dzemaili seine Laufarbeit weitgehend ein, und begann stattdessen ausgiebig mit Mitspielern und dem Schiedsrichter zu lamentieren. Der FCZ war ab da zwar nicht faktisch aber effektiv mit einem Mann weniger auf dem Platz – und wirkte auch so. In Mittelfeld und Sturm spielten alle Starter ausser MVP Marco Schönbächler ungenügend bis schlecht. Dieser hatte nach dem 1:0-Sieg in Lugano einen zweiten sehr guten Einsatz als Marchesano-Ersatz auf der 10er-Position. Schönbächlers Hauptverdienst in dieser Partie war seine fleissige Defensivarbeit, mit der er immer wieder Lücken schloss, welche die fehlende Präsenz von Dzemaili (und teilweise Doumbia) auf der Sechserposition immer wieder gerissen hatte. Auch die Flügelspieler mussten zur Unterstützung des Zentrums häufig einrücken. So wurde man, speziell in der 2. Halbzeit, immer mehr hintenrein gedrückt und konnte sich selten lösen – selbst in Überzahl. Und eine leichte Tempoerhöhung des FCSG um die 70. Minute genügte bereits, um den FCZ richtig vor Probleme zu stellen.

76. Minute – St. Gallen gleicht in Unterzahl aus: Symbolbild für den Auftritt der Zürcher Mittelfeldspieler und Stürmer.. Beim St. Galler Angriff ruhen sich Dzemaili (als vorderster Zürcher), Kramer und Kololli in der gegnerischen Hälfte aus. Tosin und Seiler traben nur halbherzig zurück und St. Gallen stürmt mit fünf Mann auf die Zürcher Viererabwehr zu – Nathan verschätzt sich für einmal im Sprint um den Ball, Doumbia kann ebenfalls nicht mehr eingreifen.

Personalien

Fabian Rohner (5) – Mit abwechselnd Tosin und Kololli vor ihm fokussiert sich Rohner auf solide Defensivarbeit. Dies geht so lange gut, wie von St. Gallen wenig kommt. In der Druckphase der Ostschweizer in der 2. Halbzeit erinnerte die rechte Zürcher Seite phasenweise wieder etwas an die 1. Halbzeit gegen Luzern. Hat Glück, dass sein Foul an Duah im eigenen Strafraum nicht mit einem Penalty bestraft wird. Rohner haut dabei am Ball vorbei und trifft des gegnerischen Angreifers Bein. Die Szene ging im Trubel der (tendenziell unberechtigten) Reklamationen der St. Galler um ein vermeintliches Penaltyfoul von Hekuran Kryeziu an Miro Muheim wenige Momente davor unter. Bei seinem einzigen Vorstoss nach vorne legt sich Rohner den Ball zu weit vor.

Ousmane Doumbia (3) – Beginnt das Spiel mit gutem direktem Spielaufbau, fängt dann aber im Verlauf der 1. Halbzeit parallel mit Nebenmann Dzemaili an, stark abzubauen – und auch im zweiten Durchgang wurde es nicht mehr besser. Hilft in eigener Strafraumnähe zu wenig den Kollegen auf der Seite gegen eine St. Galler Überzahl aus. Nach drei guten Spielen in Folge wieder mal ein ungenügender Auftritt. Macht das Zentrum somit noch etwas vulnerabler.

Blerim Dzemaili (1) – Profitiert zu Beginn davon, dass St. Gallen deutlich vorsichtiger als normal auftritt. So fällt seine Langsamkeit weniger schwer ins Gewicht. Spätestens nach 30 Minuten fällt sein Spiel aber wieder komplett auseinander: Ballverluste am Laufmeter, selten auf seiner Position, überfordert selbst mit dem in dieser Partie eher tiefen Super League-Tempo, läuft immer wieder „wie ein Schuljunge“ ins Leere und bleibt viel stehen, statt umzuschalten. Gleichzeitig beginnt sein kontinuierliches Lamento bei Schiedsrichter und Mitspieler. Nach der Einwechslung von Seiler wechselt Dzemaili auf Schönbächlers 10er-Position, holt dabei gleich die Gelb-Rote Karte gegen Jordi Quintilla heraus, vergibt aber gleichzeitig zwei, drei ausgezeichnete Situationen zum Ausbau der Führung durch ungenügende Handlungsschnelligkeit. Schlägt seinen ersten Corner seit der Rückkehr nach Zürich (bisher nur Freistösse) – es ist auch gleich der Einzige für den FCZ in dieser Partie. Fidan Aliti mutet er mit seinem halbhohen Ball an den nahen Pfosten dabei etwas gar viel Akrobatik zu.

Aiyegun Tosin (1) – Erstaunlich spritzig bei seinem ersten Einsatz nach der Verletzungspause. In einer Szene in der 15. Minute dribbelt er sich im Stile eines Weltklasse Alpin-Slalomfahrers der Mittellinie entlang quer durchs Mittelfeld – spielt dann aber einen viel zu gefährlichen Querpass, der von Ruiz abgefangen und zum schnellen Gegenstoss wird. Tosins beste Aktion ist die gute Flanke aus dem Halbfeld auf Ceesay, die kurz vor der Pause zum Penalty führt. Der Nigerianer präsentiert sich grundsätzlich durchaus bemüht, auch defensiv, verursacht aber über die ganze Partie hinweg viel zu viele Ballverluste und unnötige Foulspiele. Im Gegensatz zu Dzemaili und Kololli ist die Note „1“ von Tosin eine „knappe 1“, beziehungsweise „beinahe 2“.

Marco Schönbächler (9) – Schönbächler hat schon weit in der Vergangenheit auf der Zehnerposition oder als hängende Spitze gut gespielt, beispielsweise bei einem 4:0-Heimsieg gegen YB im Jahr 2013 oder einem 1:1 gegen Villarreal drei Jahre später. Nach dem Auswärtssieg in Lugano spielt Schönbi erneut als Ersatz für Antonio Marchesano auf dieser Position und ist auch diesmal der beste Zürcher. Bei seinen Einsätzen auf dem Flügel Schnitt er hingegen seit der Winterpause jeweils mit einer Züri Live-Note zwischen 1 und 5 ab. Vor allem defensiv verrichtete Schönbi in St. Gallen enorm viel Arbeit und stopfte die vor allem durch Blerim Dzemaili verursachten Lücken bis zurück an den eigenen Strafraum. Schönbächler hat dadurch wenig Szenen nach vorne, aber wenn, haben sie Hand und Fuss. Von Tosin und Rohner wurde er mehrmals zu steil angespielt. In der 62. Minute macht Schönbächler vor einer St. Galler Eckballvariante Fabian Rohner darauf aufmerksam, den zusätzlich sich in den Strafraum schleichenden Jordi Quintilla am nahen Pfosten in Manndeckung zu nehmen, was ein entscheidender Hinweis ist – Quintilla wird tatsächlich angespielt und hätte mit weniger Bedrängnis das Tor erzielen können. Mit 1:0 in Führung liegend wurde Schönbächler ausgewechselt.

Benjamin Kololli (1) – Vom Anpfiff weg erneut ein viel zu passiver Auftritt. Einer seiner zahlreichen Fehlzuspiele und Unaufmerksamkeiten führt zur ersten guten St. Galler Chance durch Jérémy Guillemenot. Ein Grund für seine vielen Ballverluste: beschäftigt sich in den Zweikämpfen viel zu sehr mit dem Gegenspieler und viel zu wenig mit dem Ball – eine schlechte Angewohnheit, die Kololli schon seine ganze Karriere mit sich herumschleppt – und einer der Gründe, warum der Waadtländer trotz seinen Anlagen nie den Sprung in eine Top-Liga geschafft hat. Zum dritten Mal in Folge eine deutliche Note „1“ – trotz des verwandelten Penaltys.

Nicht bei der Sache: 73. Minute – Offsideposition des FCZ in der gegnerischen Hälfte. Anstatt wie Profis mental sofort auf Defensive umzuschalten, lupft Benjamin Kololli den Ball dem seit kurzem ebenfalls zur Kosovarischen Nationalmannschaft gehörenden Betim Fazliji wie einem Kollegen am Strand gedankenverloren in die Hände. Dieser bedankt sich, führt sofort den Freistoss aus und fünf Zürcher sind ohne Gegenwehr überspielt. St. Gallen fährt einen potentiell gefährlichen Konter. Erst als der Ball schon in der Zürcher Hälfte ist, klinkt sich Kololli mental wieder ins Spiel ein und fängt an, zurückzulaufen. Auch Dzemaili, Tosin, Kramer und Seiler stehen passiv in der gegnerischen Hälfte und orientieren sich nicht auf ihre Defensivposition.

Assan Ceesay (4) – Ist auf der Mittelstürmerposition nicht so extrem auf verlorenem Posten wie zuletzt in Genf, weil er von St. Gallen mehr Freiheiten erhält. Zu Beginn nach seinem Erfolgserlebnis in der Nationalmannschaft etwas übermotiviert in seinen Aktionen. Wieder holt der Gambier in St. Gallen einen Penalty heraus, bleibt aber nach drei Saisonvierteln bei ganzen zwei selbst erzielten Treffern.

Blaz Kramer (1) – Wie bei Tosin eine „knappe 1“. War mit Slowenien in der Startaufstellung bei der 0:1-Niederlage auf Zypern und wurde beim 1:0-Sieg gegen Vizeweltmeister Kroatien eingewechselt. Verliert weiter fast alle Bälle, wenn Brecher diese hoch spielt. Mit einer starken Aktion (allerdings begünstigt durch ein Stürmerfoul) bereitet Kramer die Top-Chance des FCZ durch Benjamin Kololli (freie Schussbahn aus 15m) in der 75. Minute vor.

Stephan Seiler (4) – Zwei Balleroberungen gleich zu Beginn und ein wichtiger Block im Strafraum gegen Stillhart – hat aber insgesamt mehr schlechte als gute Phasen in seinem Teileinsatz. Mit Elan auf den Platz gekommen, lässt er sich schon nach 10 Minuten von der Passivität Dzemailis und Kolollis zu stark anstecken.

Wilfried Gnonto (8) – Einer der wenigen im Team mit klar aufsteigender Tendenz. Scheint seine Schwächephase überwunden zu haben – seit dem Luzern-Heimspiel vor einem Monat immer zufriedenstellende bis gute Leistungen. In der 87. Minute legt er den Ball an Stillhart vorbei in den gegnerischen Strafraum. Der St. Galler geht nur auf den Mann – der fällige Foulpfiff (Penalty oder Freistoss) bleibt aber unverständlicherweise aus.

Telegramm

St. Gallen – FC Zürich 1:1 (0:1)
Tore: 45.+3 Kololli (Foulpenalty, Ceesay) 0:1; 76. Duah (Ruiz) 1:1.
St. Gallen – Zigi; Lüchinger (46. Youan), Stergiou, Fazliji, Muheim; Quintilla; Görtler, Ruiz (81. Cabral); Stillhart; Adamu, Guillemenot (46 Duah).
FCZ – Brecher; Rohner, H. Kryeziu, Nathan, Aliti; Doumbia, Dzemaili; Tosin, Schönbächler (65. Seiler), Kololli (81. Gnonto); Ceesay (65. Kramer).

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Eine gewisse Müdigkeit nach dem Ausscheiden aus der Europa League gegen Ajax drei Tage davor merkte man bei YB in der 2. Halbzeit durchaus. Der Berner Druck liess nach dem Pausentee stark nach. Der FCZ kam dadurch aus dem „Überlebensmodus“ raus und konnte das Spiel offensiv wie defensiv selbst gestalten. Speziell in der Phase zwischen der 75. und 85. Minute hätte der Stadtclub mit guten Torchancen im Zweiminuten-Takt den 1:2-Anschlusstreffer erzielen müssen. Dies hätte ins Bild eines FCZ gepasst, der in der Schlussviertelstunde ligaweit in dieser Saison bisher am meisten Tore erzielt hat. Trotz einem höheren Wert an „erwarteten Toren“ als noch in den Partien gegen Lausanne-Sport, Lugano und Servette musste der FC Zürich dann aber schlussendlich erstmals seit zehn Partien ohne Torerfolg ein Spiel beenden.

In der 87. Minute schalten dann aber die zwei eingewechselten Ceesay und Schönbächler nacheinander zu wenig schnell auf Gegenpressing (Ceesay) beziehungsweise Pressing (Schönbächler) um, was YB den Konter zum entscheidenden 3:0 ermöglicht. Der FCZ konnte im Wankdorf weder die Europacup-Müdigkeit des Gegners nutzen, noch deren relative Unerfahrenheit mit zwei jungen Eigengewächsen (19 und 20 Jahre) in der Startformation, noch deren Serie von sechs Spielen hintereinander ohne Sieg, noch die für YB-Verhältnisse klar unterdurchschnittlich getretenen Standards eines Michel Aebischer oder Vincent Sierros. Die Berner warteten gegen den FCZ allerdings auch mit dem einen oder anderen Trumpf auf: der zuletzt schwächelnde Nicolas Moumi und Felix Mambimbi (beide gegen Ajax zwei Mal auf der Bank) wirkten bis in die Haarspitzen motiviert und zeigten ihre wohl beste Saisonleistung. Und Fabian Lustenberger war hinten in der gefährlichsten FCZ-Spielphase ein „Fels in der Brandung“.

Der FCZ wollte verständlicherweise jeweils so schnell wie möglich in die Tiefe spielen. Dies wurde durch YB’s für den Spielausgang entscheidendes hervorragendes Gegenpressing unterbunden, welches in erster Priorität immer sofort die Passwege in die Tiefe zustellte. Dies zeigt sich auch statistisch unter anderem an der nur halb so grossen Zahl an FCZ-Steilpässen (6) im Vergleich zu den letzten Partien. Der FCZ war dabei im Vergleich zu beispielsweise St. Gallen bei deren 2:2 zuletzt gegen YB im Kybunpark zu wenig flexibel, um bei Bedarf immer wieder mal schnell quer zu laufen oder quer zu spielen, um die Lücke in die Tiefe zu finden – Anspielstationen dafür wären häufig vorhanden gewesen.

Ein weiterer Grund für die fehlende Tiefe im Zürcher Spiel und die zu geringe Entlastung der Hintermannschaft in der 1. Halbzeit war in den Defiziten der Stürmer zu suchen: Kololli zu langsam, verspielt und unprofessionell – Kramer in manchen Situationen zu wenig gedankenschnell. Sie machten es der Berner Hintermannschaft viel zu einfach, ermöglichten ihnen, gefahrlos aufrücken zu können und den FCZ einzuschnüren. Die St. Galler Stürmer verstehen es im Vergleich zu den Zürchern besser, im richtigen Moment entgegenzukommen, nach aussen auszuweichen oder in die Tiefe zu gehen. Zu Spielbeginn trat der FCZ im „St. Galler-System“ mit Mittelfeldraute in Bern an, was von der Raumaufteilung her zumindest im Ansatz gut funktionierte. Trotzdem erzielte YB aufgrund von Kolollis Passivität und Seilers Naivität das 1:0 durch die Mitte, was bei einem System mit so vielen zentralen Spielern eigentlich nicht passieren sollte. Die Umstellung auf ein „Tannenbaumsystem“ (4-3-2-1) im Verlauf der 1. Halbzeit stürzte den FCZ in eine passive Haltung, er verlor den Zugriff aufs Spiel – allerdings kam YB auch nicht mehr zu vielen Torchancen.

YB erzielte alle vier Tore im schnellen Umschaltspiel aus unterschiedlichen Positionen und profitierte dabei vom deutlich schlechteren und phasenweise inexistenten Zürcher Gegenpressing. Der in der Zürcher Hierarchie hoch angesiedelte Benjamin Kololli entpuppte sich in seinem ersten Startelfeinsatz seit drei Monaten einmal mehr als schlechtes Vorbild und ungeeigneter Leader. Er wurde von den Mitspielern viel gesucht und selten gefunden. Wie Tag und Nacht wirkt der Unterschied zwischen einem FC Vaduz, der beim 1:1 in Bern zwei Wochen zuvor gegen den Tabellenleader sowohl defensiv wie auch offensiv mit letzter Konsequenz spielte, und aus jeder Situation das Maximum herausholte, zur von Kololli angeführten eher lockeren Zürcher Truppe. Kolollis Physis und Torgefährlichkeit könnte der FCZ im Sturm grundsätzlich zwar gut gebrauchen, aber mit Auftritten wie im Wankdorf schadet er seinem Team deutlich mehr, als dass er nützt. Der in den letzen Wochen so konstant stark spielende Antonio Marchesano war lange Zeit kaum zu sehen, und blühte erst auf, als Kololli nicht mehr auf dem Platz stand. Auch die Standards von Marchesano und Schönbächler in der Schlussphase der Partie waren deutlich besser, als diejenigen von Kololli davor. In einer Phase der Meisterschaft, wo man selbst von einem FC Sion nach des Präsidenten Weckruf („wir sind Abstiegskandidat Nummer Eins„) keine Nonchalance mehr erwarten kann, sind dies gefährliche Entwicklungen.

Personalien

Yanick Brecher (6) – Eine Reihe guter Spieleröffnungen, verhindert vor allem beim Beinahe-Eigentor von Hekuran Kryeziu eine frühere Berner Führung. Gleichzeitig haben sich in letzter Zeit (in den Trainings?) wieder schlechte Angewohnheiten beim Zürcher Keeper eingeschlichen. So dreht er sich in Bern zum wiederholten Mal bei einem (aus Brecher-Sicht glücklicherweise von einem Vordermann geblockten) Abschluss Moumi Ngamaleus unnötigerweise um die eigene Achse, dreht dabei dem Ball den Rücken zu und verliert unnötig Zeit. Auch beim 4:0 durch den unplatzierten Schuss Elias, macht Brecher eine sinnlose und aktivistische Armbewegung mit rechts, die ihm die ansonsten durchaus mögliche Abwehr von Elias Schuss wesentlich erschwert.

Becir Omeragic (1) – Das vierte Spiel in Folge mit einer klar ungenügenden Züri Live-Note. Steht auf seiner rechten Seite neben den Schuhen, bis er angeschlagen ausgewechselt werden muss. Alles andere, als ein ungewohntes Bild. In 22% der Super League-Partien, in denen Omeragic in der Startformation stand, musste er vorzeitig verletzungsbedingt raus. Und 20/21 hat er die vier (!) Verletzungspausen der Saison 19/20 bereits Mitte März erreicht.

Hekuran Kryeziu (1) – Spielt zwei Mal einen guten langen Ball hinter die gegnerische Abwehr auf Blaz Kramer, wirkt aber ansonsten eher wie ein Fremdkörper im Team, oder besser gesagt: ein König ohne Königreich. Wie so häufig vor Länderspieleinsätzen mit dem Kosovo. Versucht viel zu dirigieren, reagiert emotional, aber keiner hört auf ihn. Auch wenn Wallner von „Heki“ einen lautstarken Rüffel bekommt, weil er nicht zusammen mit ihm aufgerückt ist, orientiert sich der 19-jährige weiterhin an Nathan und Aliti. Kryeziu schwankt konstant zwischen Lethargie und Übermotivation hin und her. Ein Beispiel für Übermotivation ist die Szene, wo ihm bereits in der 5. Minute um ein Haar ein Eigentor unterläuft. Ein Beispiel für Lethargie die Situation sechs Minuten später, als Kryeziu sich an der Strafraumgrenze vom Spielgeschehen abdreht, anstatt zu verteidigen, und YB’s Maceiras so die frühe „hundertprozentige“ Torchance offeriert.

Nathan (7) – Es ist bezeichnend für den Auftritt des FCZ in Bern, dass mit Nathan ein Spieler, der vor allem defensiv zur Zeit eher eine Abwärtstendenz aufweist, (knapp vor Doumbia) bester Mann der Weissen ist. Offensiv macht der Brasilianer laufend Fortschritte und nimmt Woche für Woche mehr Einfluss.

Fidan Aliti (6) – Wenn er mal mit nach vorne und der Ball verloren geht, geht der Linksverteidiger ohne zu zögern sofort ins Gegenpressing gegen den ballführenden Spieler über – etwas, was den meisten Teamkollegen abgeht. Mit mehr Mühe als normal, seine Seite dicht zu halten, und einmal bei einem YB-Eckball nicht nahe genug an Gegenspieler Camara dran. Hat aber wieder einige starke Offensivaktionen und steigert sich im Verlauf der Zweiten Halbzeit. Das verlorene Laufduell vor dem 4:0 gegen den an diesem Nachmittag wie aufgedrehten Moumi Ngamaleu war dann auch dem eingegangenen Risiko geschuldet.

Ousmane Doumbia (7) – Wäre nach dem Lausanne-Heimspiel zum zweiten Mal in Folge Züri Live-MVP geworden, wenn er nicht zum Ende der Partie noch etwas abgebaut hätte. Bügelt Mankos der Vorderleute aus und schaltet in der Regel gut in die Offensive um. Sein Defensivverhalten im eigenen Strafraum ist aber aus dem Spiel heraus weiterhin verbesserungswürdig. Dem Ivorer fehlt in diesen Situationen häufig etwas die Orientierung.

Stephan Seiler (3) – Kommt schlecht ins Spiel gegen von Beginn weg hellwache Berner. Im dritten Viertel des Matches trägt Seiler seinen Teil dazu bei, dass der FC Zürich in dieser Phase mehr vom Spiel und die besseren Torchancen hat. Im letzten Viertel baut er dann aber mit Stock- und Stellungsfehlern sowie falschen Entscheidungen wieder ab.

Toni Domgjoni (4) – Ist ganz generell eher der Typ „Stiller Schaffer“, aber gegen YB taucht er über längere Spielphasen regelrecht ab. Nicht nur aufgrund des Gegners, aber auch wegen der Konstellation in der eigenen Equipe und vielleicht auch der anstehenden U21-EM läuft das Spiel weitgehend an Domgjoni vorbei.

Antonio Marchesano (5) – Lange Zeit gelingt dem ansonsten so konstanten Tessiner erschreckend wenig, bis er im Verlauf der Zweiten Halbzeit vor allem nach den Auswechslungen von Kololli und Kramer regelrecht aufdreht und mehrmals nahe dran ist, ein Tor oder ein Assist zum 1:2-Anschlusstreffer zu realisieren. Seit der Winterpause hat „Tonino“ in fast jeder Partie mindestens einen Skorerpunkt beigesteuert.

10. Minute: Beim Umschalten in die Offensive schleppt sich Benjamin Kololli so langsam nach vorne, dass er (1,84m, ohne Ball) auf Teamkollege Marchesano (1,68m, mit Ball) auf eine Distanz von etwa 25 Metern bis zur Mittellinie volle 8 Meter einbüsst. Marchesano hat so mit Kramer nur eine Anspielstation in die Tiefe. Dieser ist gegen eine Berner Überzahl in guten Händen. Marchesanos diagonaler Rückpass auf Kololli wird durch den mit grossem Rückstand gestarteten Aebischer abgefangen.

Benjamin Kololli (1) – Von den 32 Monaten beim FCZ konnte der Waadtländer bisher gerade mal während einem Monat überzeugen: von Mitte Juni bis Mitte Juli 2020. In Bern kam Kololli nach seinem Teileinsatz vor Wochenfrist im Spiel mit Lausanne-Sport gegen einen weiteren Ex-Klub zu seinem ersten Startelfeinsatz nach dreimonatiger Verletzungspause und deutete in einzelnen Situationen seine durchaus vorhandenen Qualitäten an. Der grösste Teil seines Auftrittes grenzte aber an Arbeitsverweigerung – wie dies speziell vor einer Länderspielwoche leider regelmässig bei ihm vorkommt. Beim Betrachten seines Spiels fühlt man sich an Bilder einer Gruppe gut gebauter modisch gekleideter Jungs am Strand erinnert, die sich mit minimalem Aufwand und maximaler Lässigkeit den Ball jonglierend gegenseitig zuspielen. Fällt der Ball runter oder spickt weg, wird mit einer grossen Portion Dramatik über Körperhaltung, Ausrufe, Gestik und Mimik zu suggerieren versucht, dem verkappten Weltstar sei so etwas zum allerersten Mal im Leben passiert – und dem Ball hinterherzulaufen und wieder aufzulesen sei eigentlich unter seiner Würde. Kololli macht gegen YB seinen Gegenspielern regelmässig wie einer noblen Dame den Weg frei und hält dabei auch noch die Tür auf: seine Mitspieler pressen dann jeweils vergebens.  In der 33. Minute schaut der Waadtländer interessiert zu, wie ein für ihn bestimmter Ball von Seiler über seinen Kopf hinwegfliegt und lässt Fabian Lustenberger völlig unbedrängt direkt zurück Richtung Zürcher Tor auf Quentin Maceiras passen, der logischerweise vor dem eilig nachrückenden Seiler an den Ball kommt und freie Bahn zum Strafraum, zum Doppelpass und dem wegweisenden 1:0 hat. Die Standards Kolollis sind in Bern alle schlecht getreten. Der Offensivspieler fällt mehrmals bei kleinster Berührung theatralisch hin und kann gleichzeitig froh sein, dass er nach einem Schlag mit der Handfläche ins Gesicht von Lustenberger und später identisch gleich noch ein zweites Mal gegen Maceiras noch ausgewechselt werden kann, bevor er anderweitig vom Platz muss. Resultat: Note 1 mit einer rekordhohen Minuspunktzahl.

34. Minute: Schein und Sein. Wiederanstoss nach dem 1:0 YB’s, an dessen Ursprung Benjamin Kolollis lähmende Passivität im Duell mit Lustenberger stand. Der Waadtländer richtet sich gestenreich an seine Mitspieler: „Aufwachen!“. Er selbst ist aber erneut nicht bereit auf einen langen Ball Yanick Brechers – Maceiras kommt vor ihm an den Ball und klärt. Kololli schaut dem „Leder“ resignativ hinterher. Von Doumbia kommt der Ball wieder in die Nähe der beiden. Maceiras ist erneut parat und geht entgegen, Kololli reagiert erneut erst mit viel Verspätung, will dann aber nach aussen sein Engagement zeigen, hetzt Maceiras in einer demonstrativen Weise hinterher und versucht diesen zu bedrängen – kommt aber natürlich wieder zu spät, Maceiras spielt den halbhohen Ball nach vorne in die Tiefe für Moumi, Silvan Wallner, der sich auf ein Laufduell mit Moumi einstellend bereits Richtung eigenes Tor gedreht und den Sprint angezogen hat, kann den von Maceiras nicht ganz präzis gespielten Aussenristpass mit einer artistischen 180 Grad-Drehung in der Luft entschärfen und nach vorne abwehren. Kololli steht näher zum Ball als Maceiras, bleibt aber zum dritten Mal hintereinander passiv stehen, und regt sich stattdessen in einer missmutigen Körperhaltung darüber auf, dass Wallners auf höchst anspruchsvolle Weise abgewehrter Ball ihm nicht direkt auf dem Fuss gelandet ist. Ganz anders Maceiras, der in voller Bereitschaft sofort Richtung Ball sprintet und sich in der Folge mit Moumi über links nach vorne spielt. Schlussendlich können Seiler, Wallner und Marchesano gemeinsam Kolollis mehrfache Aussetzer mit der Ballrückeroberung ausbügeln.

Blaz Kramer (1) – Das noch grössere Problem als seine für Super League-Verhältnisse beschränkte Technik ist die fehlende Gedankenschnelligkeit. Bis Kramer eine Situation erfasst und einen Entschluss gefasst hat, ist das Zeitfenster meist auch schon wieder geschlossen. Der Slowene steht selbst bei Freistössen und Abstössen von Yanick Brecher vom eigenen Strafraum aus regelmässig im Offside. Vor diesem Hintergrund kann man ihm nur gratulieren, dass er mit einem Ilicic, Matavz und Sporar zusammen weiter ins Slowenische Nationalteam einrücken darf.

Silvan Wallner (3) – In dieser Partie ein klares „Upgrade“ für den FCZ im Vergleich zum gleichaltrigen Omeragic. Scheint sich grundsätzlich auf dem Kunstrasen im Wankdorf wohl zu fühlen, denn hier hat er zum Saisonstart sein bisher bestes Spiel in der 1. Mannschaft gemacht. Es ist im Vergleich zu seinen Startelfeinsätzen in Genf und gegen Luzern eine Steigerung, allerdings von sehr tiefem Niveau aus – die prägnante Formbaisse kann der Uitiker nicht verbergen.

Telegramm

BSC Young Boys – FC Zürich 4:0 (1:0)
Tore: 33. Maceiras (Siebatcheu) 1:0; 62. Mambimbi (Moumi) 2:0, 87. Siebatcheu (Garcia) 3:0, 90.+1 Elia (Moumi) 4:0.
Young Boys – Von Ballmoos; Hefti (76. Garcia), Camara (76. Lauper), Lustenberger, Maceiras; Spielmann (67. Fassnacht), Aebischer, Rieder (67. Sierro), Moumi; Siebatcheu, Mambimbi (67. Elia).
FCZ – Brecher; Omeragic (29. Wallner), H. Kryeziu, Nathan, Aliti; Doumbia; Seiler, Domgjoni; Marchesano (85. Gnonto); Kololli (70. Schönbächler), Kramer (70. Ceesay).

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Als Yannick Brecher nach dem Lugano-Spiel in einem Interview davon sprach, nun „eine Serie starten zu wollen“, überkam uns bei Züri Live bereits ein mulmiges Gefühl. Solche Sprüche lassen bei ihm und seinem Team nie etwas Gutes erahnen. Es fehlt dann jeweils der hundertprozentige Fokus und Hunger einzig und alleine aufs nächste Spiel, ohne den man in dieser ausgeglichenen Liga keine Partie gewinnen kann – und so wirkte insgesamt der Auftritt gegen Lausanne-Sport dann auch. Vor allem gibt es nun wirklich überhaupt keinen Grund für übertriebenen Optimismus: gegen die Waadtländer hat der FCZ im fünften Spiel in Folge die schlechteren Torchancen als der Gegner gehabt – vor diesem Hintergrund sind die in dieser Zeitperiode errungenen fünf Punkte durchaus noch positiv zu werten.

Der FCZ beginnt die Partie matt. Lausanne-Sport zieht aber seinerseits ebenfalls keinen guten Tag ein. Und so endet eine Partie, die keinen Sieger verdient hatte, am Ende mit einem unverdienten Punkt für beide Teams. Zu Beginn hatte der FCZ speziell in der Person von Marco Schönbächler enorme Probleme mit dem Lausanner Aufbauspiel über die linke Waadtländer Seite. Da liess sich Aussenläufer Toichi Suzuki jeweils zurück fallen und vermochte in Verbindung mit Flo die rechte Zürcher Seite immer wieder einfach zu überspielen. Auf Lausanner Seite war lange Zeit Gabriel Barès ein grosser Schwachpunkt und auch Cameron Puertas zeigte sich im Letzigrund weit von seiner Bestform von vor ein paar Wochen entfernt. Barès war es denn auch, der bei einer weiteren klasse Vorarbeit von FCZ-Leistungsträger Antonio Marchesano zum 1:0 in der 12. Minute durch Blaz Kramer wenig mehr als staunender Zuschauer gewesen war.

Personalien

Toni Domgjoni (7) – Ist erneut der Spieler, welcher nach einem Erfolgserlebnis (diesmal das Führungstor) sofort aufdreht und versucht, nachzusetzen. Hält das Zentrum zusammen mit Doumbia gut zusammen.

Ousmane Doumbia (10) – Ist während 90 Minuten defensiv und offensiv omnipräsent, hat sich in den letzten Spielen wieder gesteigert und bringt erstmals in diesem Kalenderjahr eine Top-Leistung wenn der Gegner nicht FCB heisst.

Marco Schönbächler (3) – Schönbi im Hoch nach dem Highlight in Lugano? Davon ist speziell in der 1. Halbzeit nichts zu sehen, die auf seiner Seite geprägt ist von falschem Timing, schlechtem taktischen Verhalten und einer m viel zu zögerlichen Herangehen gegen den Ball. Nach der Pause gibt er sich defensiv mehr Mühe, möglicherweise auch im Hinblick auf seine wohl zum Voraus schon festgelegten Auswechslung nach einer Viertelstunde.

Blaz Kramer (3) – Auch wenn er auf Vorarbeit von Antonio Marchesano sein fünftes Ligator erzielt: vom Slowenen kommt viel zu wenig, um selbst ein an diesem Tag nicht allzu sattelfestes Lausanne an den Rand einer Niederlage zu bringen, zu wenig zielstrebig und aufmerksam. Eine typische Szene in der 48. Minute, als er bei einem vielversprechenden Gegenstoss mit seinem gedankenlosen Laufweg die Einkreisung des ballführenden Doumbia durch die Lausanner Verteidiger geradezu herbeiführt, anstatt die gegnerische Abwehr auseinanderzuziehen und direkt die Tiefe zu suchen.

Benjamin Kololli (1) – Am 13. Dezember in Lugano hat sich Benjamin Kololli einen Muskelfaserriss zugezogen und gibt genau drei Monate später am 13. März gegen seinen Ex-Klub Lausanne sein Comeback. Der Waadtländer hat dabei trotz zwischenzeitlicher einmonatiger Winterpause 13 Ligaspiele verpasst. Positiv ist, dass er vergleichbar mit Evann Guessand beim Gegner vorne ins Spiel des FCZ Physis reinbringt. Einmal kann er sich an der Seitenlinie gut gegen Loosli durchsetzen. Ausserdem ist sein erster von zwei Eckbällen ganz ordentlich. Der Rest seines Auftrittes genügt aber bei weitem noch nicht. Der Ausgleich der Lausanner fällt unter anderem als Folge der Einwechslung Kolollis, der auf seiner Seite mehrmals hintereinander nicht konsequent genug zum Ball geht, diesen verliert und einen Freistoss verursacht, aus welchem der Treffer Guessands entsteht. Kololli lässt zudem in dieser Aktion seinen Gegenspieler Loosli völlig frei in den Zürcher Strafraum laufen. Überlegt sich bei der Mehrheit seiner Aktionen wenig, lenkt den Ball alibimässig ins Niemandsland oder stellt wichtige Passwege nicht zu.

Salim Khelifi (1) – Wie schon in den Heimspielen gegen Vaduz und Sion mit einer schlechten Benotung – somit auch ein wenig ein Symbolbild der negativen Heimbilanz. Obwohl er nur einen Kurzeinsatz leistet, ist seine Defensivarbeit nicht so konsequent wie noch in einigen seiner letzten Auftritte und auch nach vorne gelingt ihm nichts.

Telegramm

FC Zürich – Lausanne-Sport 1:1 (1:0)
Tore: 12. Kramer (Marchesano) 1:0; 66. Guessand (Bolingi) 1:1.
FCZ – Brecher; Omeragic, H. Kryeziu, Nathan, Aliti; Domgjoni, Doumbia; Schönbächler (61. Gnonto), Marchesano (79. Khelifi), Ceesay (61. Kololli); Kramer.
Lausanne-Sport – Diaw; Loosli, Jenz, Flo; Boranijasevic (69. Thomas), Barès (56. Da Cunha), Kukuruzovic, Suzuki (46. Tsoungui); Puertas; Bolingi, Guessand.

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

An Stelle des gesperrten Antonio Marchesano beginnt in Lugano Marco Schönbächler auf der 10er-Position, was das Spiel des FCZ im Cornaredo wesentlich prägt. Einerseits trägt Schönbis ausserordentlicher Spielwitz und Raumgefühl zu einigen attraktiven Gegenstössen und dem Freistoss-Traumtor in der 18. Minute vom rechten Strafraumeck aus bei. Andererseits war Schönbächler zusammen mit Kramer eine so durchlässige erste Zürcher Linie in der Defensive, dass der Druck des Gegners auf die hinteren beiden Linien viel grösser wurde, als notwendig. Die Tessiner, sonst eigentlich ein Team, welches auch eher auf Gegenstösse ausgerichtet ist, kamen so zu für ihre Verhältnisse rekordhohen 70% Ballbesitz.

In der 24. Minute riss Mittelfeldspieler Seiler und Innenverteidiger Hekuran Kryeziu der Geduldsfaden, als Schönbächler und Kramer zu lange trödelten, um in ihre Position zurückzukommen. Weil Seiler und kurz danach auch Kryeziu ihre Position verliessen, kam Lugano zu einer formidablen Doppelchance durch Bottani und Lavanchy zentral aus kurzer Distanz, die nur zunichte gemacht werden konnte, weil sich nacheinander Nathan und Aliti heroisch im Eishockey-Stil in die Schüsse warfen.

24. Minute: Fidan Aliti wirft sich in „Eishockey-Manier“ in einen Schuss von Numa Lavanchy aus kurzer Distanz. Nathan liegt daneben getroffen vom ersten Abschluss Mattia Bottanis.

Obwohl in komplett anderer Aufstellung angetreten als noch gegen Luzern, war die Rechte Seite beim FCZ auch in Lugano eine Problemzone. Lugano griff daher wie Luzern viel über diese Seite an, und dies obwohl in Abwesenheit des angeschlagenen Guerrero mit Facchinetti der schwächste Bianconero auf dieser Seite spielte.

Personalien

Becir Omeragic (3) – Erstmals in diesem Kalenderjahr mit zwei ungenügenden Spielen (Luzern, Lugano) hintereinander. Verliert viele Luftduelle, einfache Bälle verspringen, geht mal zu ungestüm und dann wieder zu wenig konsequent in den Zweikampf.

Hekuran Kryeziu (4) – Wie Becir Omeragic mit einem Zickzack-Kurs in seine Leistungen, aber interessanterweise genau entgegengesetzt: spielt Omeragic gut, tritt Kryeziu eher schlecht auf – und umgekehrt. Das Lugano-Auswärtsspiel ist das erste im 2021, wo beide keinen allzu guten Tag erwischen. Kryeziu zwar mit deutlich weniger Fehlern als Omeragic, aber mit den grösseren. Trotzdem schaut am Ende der erste Sieg der Saison mit Kryeziu in der Startformation heraus.

Stephan Seiler (9) – Hat sich mit seinen sehr guten Joker-Einsätzen in Genf und gegen Luzern den Startelfeinsatz verdient und bestätigt dabei die beiden vorangegangenen Leistungen voll. Seiler ist insgesamt zum dritten Mal in der 1. Mannschaft in einem Ligaspiel beim Anpfiff auf dem Feld (erstmals im Zentralen Mittelfeld).

Ousmane Doumbia (7) – Im eigenen Strafraum muss er jeweils noch aufmerksamer sein und schneller reagieren, baut zudem gegen Ende der Partie etwas ab. Insgesamt aber ein sicherer Wert. Abgesehen von den beiden Duellen mit dem FCB sein bisher bester Match im Jahr 2021.

Salim Khelifi (4) – Gute Offensivaktionen zu Beginn, bleibt aber so lange wie noch nie in diesem Kalenderjahr im Spiel (Auswechslung erst in der Nachspielzeit) und baut im Verlauf der Zweiten Halbzeit stark ab.

Marco Schönbächler (9) – Von Beginn weg sehr spielfreudig, wirkt wie befreit, erinnert an den Schönbi der besten Zeiten. Hat in einem Spiel mehr Top-Offensivaktionen, als in allen bisherigen Partien des Kalenderjahres zusammengezählt. Dass ihm nach einem selbst herausgeholten Freistoss am Lugano-Strafraum ein Klasse-Freistosstor gelingt, ist die nahtlose Fortsetzung einer offensiv brillanten Startphase. Bis zum Tor von Blaz Kramer im Dezember war Schönbächler zweieinhalb Jahre lang der letzte FCZ-Torschütze im Cornaredo gewesen. Dies war übrigens im Alter von 28 Jahren Schönbächlers allererstes Spiel in Lugano – obwohl er mittlerweile bezüglich FCZ-Ligaspieleinsätze gemäss dbfcz in den Top 10 angelangt ist. Nun trifft der Urdorfer an gleicher Stätte erneut. In defensiver Hinsicht kann er Antonio Marchesano auf der 10er-Position nicht ersetzen. Die Mittelfeldspieler und Verteidiger müssen wegen Schönbi manchen Ball „wegputzen“ und brenzlige Situationen überstehen. Da dem FCZ zum zweiten Mal in Folge ein 1:0-Sieg in Lugano gelingt, kann am Ende konstatiert werden: Alle für Schönbi – Schönbi für alle.

Wilfried Gnonto (7) – Erst ein paar Minuten auf dem Flügel mit einem schlechten Start in seinen Einsatz, nach der Schönbi-Auswechslung dann auf der 10er-Position und Leistungssteigerung vor allem in defensiver Hinsicht. Vorbereiter der Top-Chance Schättins zum möglichen 0:2.

Blerim Dzemaili (1) – Ein Teileinsatz geprägt von Fehlpässen und verlorenen Luftduellen. Geht Zweikämpfen richtiggehend aus dem Weg und stellt die entscheidenden Passwege nicht zu. Ein wichtiger Grund, warum der FCZ in der Schlussphase nochmal richtig ins Zittern gerät.

Tobias Schättin (1) – Hätte gleich zu Beginn der mehr als acht Minuten langen Nachspielzeit bei einem von mehreren flüssigen Zürcher Kontern nach Vorlage Gnontos für die Entscheidung sorgen können. Geht zu lasch in die Zweikämpfe und versucht erst gar nicht Bälle zu blocken. In Ballbesitz verliert er diesen meistens.

Silvan Wallner (9) – Seine Einwechslung für die Nachspielzeit war wichtig. Mehrere effektive Aktionen zur Rettung der drei Punkte. Kann aber trotzdem nicht verbergen, dass er in der aktuellen Verfassung zu wenig Qualität mitbringt, um der Mannschaft in einer Startformation eine Stütze zu sein. Eine Leihe in die Challenge League kommende Saison wäre wohl sinnvoll.

Telegramm

Lugano – FC Zürich 0:1 (0:1)
Tore: 18. Schönbächler 0:1.
Lugano – Baumann; Kecskes, Maric, Daprelà (90. Ziegler); Lavanchy, Covilo (46. Lovric), Facchinetti; Sabbatini (85. Ardaiz), Custodio (90. Macek); Gerndt (65. Abubakar), Bottani.
FCZ – Brecher; Omeragic, H. Kryeziu, Nathan, Aliti; Seiler (70. Dzemaili), Doumbia; Khelifi (90.+2 Wallner), Schönbächler (76. Schättin), Ceesay (70. Gnonto); Kramer.

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Luzern geht im Letzigrund so schnell wie noch nie in der Klubgeschichte der Super League-Ära mit zwei Toren in Front – fünf Minuten und 17 Sekunden. Die Trikots der Innerschweizer sind zwar nicht „königsblau“, sondern eher „vierwaldstätterseeblau“, sie schienen aber trotzdem als Hommage an die Historie eines sich im sportlichen Niedergang befindlichen westfälischen Traditionsvereines den Luzerner Kreisel zu praktizieren und zwar speziell intensiv in der Vorbereitung der beiden Tore auf der linken Angriffsseite ausserhalb des Strafraumes in einem Rechteck von etwa 35 x 15 Metern. Beide Spielzüge, die zu den Toren führten, waren geplant, mit Sorgic und Ugrinic als jeweilige Finisher im Strafraum (das zweite Tor wurde schlussendlich von Schaub erzielt, da Ugrinics Abschluss geblockt wurde). Dazu kam jeweils eine grosse Präsenz im FCZ-Strafraum, auch bei Eckbällen, wo bis zu sieben Luzerner Angreifer gedeckt werden mussten. Beim FCZ waren wie schon in Genf bei gegnerischen Standards Kryeziu, Ceesay, Wallner, Omeragic und Co. mehrmals nicht Herr der Lage, aber diesmal konnte der Gegner nicht davon profitieren.

Vier Luzerner kreiseln auf der linken Seite gegen drei Zürcher in der Vorbereitung des 0:1 durch Dejan Sorgic in der 4. Minute.

Luzern spielt generell gerne über die linke Seite. Gegen den FC Zürich rechnete sich das Team von Fabio Celestini (wie sich zeigte zurecht) gegen das Duo Wallner / Rohner dabei aber speziell viel aus. Die beiden jungen Zürcher kriegten gegen in den Anfangsminuten intensiv „kreiselnde“ Gäste keinen Zugriff. Danach half neben Hekuran Kryeziu auch noch Stürmer Blaz Kramer auf rechts aus, um wieder numerischen Gleichstand gegen meist vier Luzerner herzustellen, womit die Seite etwas stabiler wurde. Vergleicht man den FCZ mit dem ebenfalls im 4-2-3-1 gegen das Luzerner 4-4-2 zu Hause spielende Basel, so fällt ins Auge, dass Jasper Van der Werff deutlich mehr Präsenz und Aggressivität zeigte, als Silvan Wallner. Ausserdem verschob sich die Viererabwehrkette der Basler stärker zur Seite, als die in die Breite gezogenen Zürcher, von Cabral war von Anfang an mehr Unterstützung vorhanden als von Kramer und der FCB spielte generell zu Beginn ein Hohes Pressing und brachte Luzern in der Angriffsauslösung stärker in Bedrängnis. So kam Luzern über die linke Seite, obwohl sie es versuchten, zu Spielbeginn im St. Jakob Park nicht ins „kreiseln“.

„FCZ im Hamsterrad“: Matchkommentare

Zur Pause nahm FCZ-Trainer Massimo Rizzo mehrere starke Retouchen vor. Die Formation wurde auf ein 4-3-3 umgestellt und die Zürcher betrieben während der gesamten Zweiten Halbzeit ein Hohes Pressing, aus welchem nach einem Ballgewinn von Ousmane Doumbia dann auch der Anschlusstreffer Antonio Marchesanos entstand. Mutig und ungewöhnlich, aber aufgrund des Zweitorerückstandes durchaus gerechtfertigt, pressten die beiden Achter Marchesano und Hekuran Kryeziu gegen die beiden Luzerner Innenverteidiger während Mittelstürmer Kramer sich Torhüter Müller vornahm, der Sechser Ousmane Doumbia rückte dabei als „Staubsauger“ dahinter ebenfalls weit auf. Das Mittelfeldtrio verschob sich auch seitlich jeweils stark. Der FCZ wurde so im zweiten Durchgang genauso dominierend, wie Luzern noch in den ersten 45 Minuten gewesen war. Kramer, Khelifi, Gnonto oder Ceesay hatten den aufgrund der Zweiten Halbzeit verdienten Ausgleich noch auf dem Fuss, reüssierten aber nicht.

Personalien

Yanick Brecher (4) – Trägt zum Fehlstart in die Partie seinen Teil bei. Seine Bälle hinten heraus kommen zu Beginn ungenau, was Luzern ausnutzt. Beim 0:2 dreht er sich vor dem Nachschuss Schaubs unnötigerweise um die eigenen Achse.

Silvan Wallner (2) – Einmal eine gute Kopfballverlängerung für Rohner in die Tiefe, aber ansonsten sowohl im Zweikampfverhalten wie auch im Passspiel und selbst bei Einwürfen ungenügend.

Becir Omeragic (3) – Seine Leistungen und Züri Live-Noten bewegen sich im klassischen Zickzack-Kurs – jedes zweite Spiel Note „7“, dazwischen jeweils eine „3“ oder „4“. Agiert in dieser Partie häufig kopflos, hat Ballverluste in gefährlichen Zonen.

Hekuran Kryeziu (6) – Beginnt die Partie als einer der wenigen FCZ-ler gut. Einige wichtige Ballgewinne gegen seinen Stammklub, initiativ im Pressing, spielt vorteilhafte lange Bälle mit Zug. Negativ: verschätzt sich in zwei, drei Situationen.

Ousmane Doumbia (5) – Zu wenig griffig in den Zweikämpfen, kommt im Pressing zu spät, keine „Wand“ im Mittelfeld wie an guten Tagen. Vermeidet eine ungenügende Note mit einer vor allem offensiv starken Schlussviertelstunde.

Fabian Rohner (3) – Nur Blaz Kramer kommt auf Zürcher Seite zu mehr Torchancen, aber insgesamt misslingt „Turbo Fabian“ die Mehrheit seiner Aktionen. Ist zusammen mit Silvan Wallner Teil der rechten Zürcher Seite, die von Luzern als Schwachpunkt ausgemacht und gezielt bespielt sowie mehrmals überspielt wird, fällt vor dem 0:1 die falsche Entscheidung.

Antonio Marchesano (5) – Wirkt lange Zeit mental etwas müde. Kommt mit der Einwechslung von Seiler als Unterstützung im Mittelfeld dann aber deutlich besser in die Partie und erzielt erneut ein Tor.

Wilfried Gnonto (6) – Nach zwei Tiefstnoten hintereinander wieder mal eine genügend bis gute Züri Live-Note. Kommt nach einer Stunde rein, hat seine erste gute Aktion aber erst in der 79. Minute. Dies ist dann aber gleich ein tolles Assist zum 1:2 von Antonio Marchesano und ab da läuft es dem jungen Italiener besser.

Stephan Seiler (10) – Bringt sofort nach seiner Einwechslung mehr Struktur und Spielintelligenz ins Zürcher Aufbauspiel, geht vorne aggressiv ins Forechecking und erobert Bälle. Mit Seiler geht nach dem Kurswechsel zur Pause nochmal ein zweiter Ruck durch die Mannschaft.

Trivia

Der Tscheche Martin Frydek spielt gerne im Letzigrund. So liefert der Linksverteidiger die Vorlage zum 0:1 und gewann damit in der fünften Begegnung mit dem FC Zürich zum dritten Mal mit 2:1 (zwei Mal mit Slovan Liberec, ein Mal mit Luzern), wobei er in allen drei Fällen einen Skorerpunkt beisteuerte.

72. Minute: Nathan holt sich mit grossem Kampfgeist in der gegnerischen Hälfte den Ball zum zweiten Mal hintereinander ohne ein Foul zu begehen von Silvan Sidler zurück. Ref Alain Bieri gibt ungerechtfertigterweise Freistoss und Gelb gegen Nathan. Antonio Marchesano und Wilfried Gnonto können die Entscheidung von Bieri nicht verstehen, Gnonto breitet die Arme aus und sagt vermutlich etwas nicht Astreines. Nathan ärgert sich extrem über Gnonto und staucht diesen zusammen. Bieri, wohl in der Meinung, Nathans Tirade hätte ihm gegolten, zeigt Nathan Gelb-Rot. Nach Protesten der Zürcher und Meinungsäusserungen von Luzern-Goalie Marius Müller sowie Bieris Assistenten nimmt dieser die zweite Gelbe Karte wieder zurück – Nathan darf auf dem Platz bleiben.

In der Schlussphase kam der FC Luzern so stark unter Druck, dass Filip Ugrinic in der Hektik um ein Haar im eigenen Strafraum ein Handspiel unterlief.
„Sterneis hat gesagt, es muss etwas passieren“: Match-Highlights

Telegramm

FC Zürich – Luzern 1:2 (1:1)
Tore: 4. Sorgic (Frydek) 0:1, 6. Schaub (Ugrinic) 0:2; 78. Marchesano (Gnonto) 1:2.
FCZ – Brecher; Wallner (86. Khelifi), Omeragic, Nathan, Aliti; H. Kryeziu (60. Seiler), Doumbia; Rohner (60. Gnonto), Marchesano, Ceesay; Kramer.
Luzern – Müller; Sidler, Knezevic, Burch (65. Lucas), Frydek; Tasar (63. Schürpf), Wehrmann (84. Emini), Ugrinic, Ndiayé (84. Alounga); Schaub, Sorgic.

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Dem FCZ reicht es erneut nicht zu einem Sieg in der Westschweiz. Im ganzen Jahr 2020 gelang dem Stadtclub kein Vollerfolg im frankophonen Teil des Landes und diese Serie setzt sich im Jahr 2021 fort. Der Züri Live-Notenschnitt der Mannschaft erreicht dabei mit 4,2 einen neuen Saisontiefpunkt. Unrealistisch war zumindest ein Punktgewinn trotzdem nicht, wenn man selbst in Führung gehen und durch Marchesano, Gnonto oder Rohner weitere Grosschancen erarbeiten kann. Servette ist aus dem Spiel heraus das ineffizienteste Team der Liga und dies zeigt sich auch gegen den FC Zürich, als speziell Grejohn Kyei erneut ein paar Topchancen unverwertet lässt. Hätte der Franzose auch nur eine durchschnittliche Chancenverwertung, wäre er schon jetzt Super League- Torschützenleader. Der FCZ hätte daher in Genf bei erfolgreicherer Verteidigungsarbeit der Standards durchaus einen „gestohlenen“ Auswärtssieg holen können. Drei der ersten fünf Servette-Eckbälle drehten aber das Spiel von 0:1 auf 3:1. Somit hat der FC Zürich in dieser Saison einen Viertel seiner Gegentore nach Cornern des Gegners zugestehen müssen – normal wären etwa 10%.

Der FC Zürich fuhr nach Genf mit einer Mannschaft, mit der von vornherein klar war, dass die Verteidigung von Eckbällen ein grosser Knackpunkt sein wird. Und dies gegen das zweitbeste Team der Liga bei Flanken und Eckbällen. Es fielen nicht nur die „Türme“ Sobiech und Nathan aus, sondern mit Doumbia und Kramer zwei weitere Spieler, die mittlerweile zu den solideren Manndeckern in solchen Situationen gehören. Wallner, Domgjoni, Hekuran Kryeziu und Omeragic sind alles keine guten Manndecker bei gegnerischen Eckbällen. Omeragic und Wallner sind diesbezüglich sicherlich noch in der Lernkurve drin, und ersterer dabei einen Schritt voraus. Im freien Raum können sie gefährliche Situationen meist gut klären, aber die Manndeckung eines gegnerischen Angreifers auf hohem Super League-Niveau, der mit einer präzisen Hereingabe oder Weiterleitung angespielt wird, ist nochmal etwas anderes.

Es verblieb also einzig Fidan Aliti – und Adrian Winter, der seit seinem etwas schwächeren Auftritt in Vaduz nach einem davor eigentlich guten Start nach der Winterpause nur noch zu Kürzesteinsätzen kommt. Winter wäre der wohl bestmögliche Manndecker für Miroslav Stevanovic gewesen – sehr aufmerksam, aufsässig und mit viel Erfahrung / Cleverness. Bei Luzern ist es zum Beispiel Christian Schwegler, der die Manndeckung von Stevanovic übernimmt, bei YB der kopfballstarke Fassnacht, bei Lausanne entweder der erfahrene Norweger Flo oder der England-gestählte Innenverteidigerhüne Jenz. Nur Basel fällt etwas aus der Reihe mit ihren generell etwas eigenwilligen Zuteilungen – Luca Zuffi ist bestimmt erfahren, aber beim Verteidigen von Cornern als Manndecker ähnlich unbeholfen wie zur Zeit Fabian Rohner. Stevanovic ist zwar ein filigraner, fast schon zerbrechlicher Profifussballer, aber in Sachen Stürmerinstinkt, Körperbeherrschung, Timing und Präzision im Abschluss herausragend. Hätte der FCZ für dieses Spiel besser auf Raumdeckung umgestellt, wie sie St. Gallen mit ihrer generell fehlenden „Wasserverdrängung“ praktiziert? Eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Adi Winter in Genf von Anfang an zu bringen, hätte übrigens ebenfalls bedeutet, dass der 0:1-Führungstreffer so nicht gefallen wäre. Denn er hätte wohl an Stelle von Rohner gespielt (auch wenn er durchaus auch die Position von Khelifi hätte übernehmen können).

Aus dem Spiel heraus hat der FCZ im Stade de Genève dem Gegner hingegen keinen Gegentreffer zugestehen müssen. Fidan Aliti von der linken Seite abzuziehen, war trotz dem Ausfall von Nathan für Trainer Massimo Rizzo keine Option – natürlich auch, weil das Genfer Angriffsspiel fast ausschliesslich über diese Seite läuft. Daher stellte Rizzo erstmals in der Startaufstellung auf eine Dreierabwehr mit Hekuran Kryeziu als Unterstützung in der Mitte um. Davor agierte ein Rhombus im Mittelfeld mit einem Stossstürmer vorne dran. Rizzo kopierte somit (nicht als erster Super League-Trainer) die ungewöhnliche, aber erfolgreiche Formation von Mario Frick’s Vaduz seit der Winterpause. Im Unterschied zu Vaduz wird beim FCZ im Spiel gegen den Ball aus dem 3-3-2-1-1 in gewissen Situationen ein 4-4-2 mit dem ballnahen Aussenläufer in der Mittelfeld- und dem ballfernen in der Verteidigungsreihe. Es ist eine einfachere defensive Umsetzung des Systems, was Sinn ergibt, wenn man es noch nicht häufig gespielt hat. Die Raumaufteilung klappte von Anfang an in diesem neuen System grundsätzlich gut. Domgjoni, Khelifi, Schönbächler und Marchesano schienen sich in dieser Formation in ihren Rollen noch besser entfalten zu können, als sonst. Ceesay hingegen hatte als Sturmspitze vorne erwartungsgemäss einen schweren Stand und wurde häufig von gleich drei Genfern gleichzeitig attackiert. Ein Kololli in guter Verfassung würde in so einem Spiel auf dieser Position mehr Sinn machen und die Partie möglicherweise in andere Bahnen lenken.

Personalien

Silvan Wallner (1) – Der Raum, den Wallner beherrscht, tendiert gefühlt gegen Null. Die Gegner kommen zur Zeit an ihm vorbei, als wäre er Luft. Symbolbildträchtig der „Zweikampf“, als sich Wallner wie ein in Panik geratener unerfahrener Bergsteiger am Matterhorn an Grejohn Kyei festklammerte, bevor er an diesem Fels runterfiel. Das Passspiel liess in Genf ebenfalls zu wünschen übrig und die Abstimmung mit Salim Khelifi war nicht ideal.

H. Kryeziu (1) – Eins kann man Hekuran Kryeziu zur Zeit nicht vorwerfen: dass er seine Sache nicht gut machen will. Er stösst und zerrt mehrmals hart an der Grenze des Erlaubten an den Gegenspielern im und ausserhalb des Strafraumes – folgerichtig führt eine dieser Szenen zum Penalty, welcher die Vorentscheidung bringt. In der Vergangenheit hat der Schwyzer auf der zentralen Position in der Dreierabwehr auch schon gute Leistungen gebracht. Die aktuelle Servette-Offensive um Kyei und Stevanovic ist an diesem Tag aber ein etwas zu grosser Challenge für ihn.

Becir Omeragic (7) – Bei seinem Stammklub zieht Omeragic in einer ansonsten nicht sattelfesten Zürcher Hintermannschaft einen guten Tag ein, verteidigt die wenigen langen hohen Bälle in Servettes Spielaufbau tadellos und es gelingen ihm ein paar sehr gute Spieleröffnungen.

Fabian Rohner (5) – Genau wie die ersten zwei ist auch sein dritter Super League-Treffer ein Traumtor. Spielt sich zudem über die rechte Seite im Zusammenspiel mit Khelifi und Domgjoni immer wieder gut durch. Erhält allerdings die Order, bei Eckbällen den gefährlichsten Genfer Miroslav Stevanovic zu decken und ist mit dieser Aufgabe überfordert. Damit steht der Zürcher Aussenläufer nicht nur beim 0:1-Führungstreffer im Mittelpunkt des Geschehens, sondern auch bei den Servette-Treffern zum 1:1 und 2:1. Auch aus dem Spiel heraus steht Rohner in der Rückwärtsbewegung nicht immer richtig, und kann dies nicht in jedem Fall mit seiner Schnelligkeit noch wettmachen.

„Wallner und Omeragic mit wenig Wasserverdrängung“ – Kommentare zum Spiel

Toni Domgjoni (6) – Spielt in der ersten Hälfte beider Halbzeiten stark. Blüht in der Rolle als einziger Sechser hinter zwei Achtern und vor einer Dreierabwehr regelrecht auf, rennt, stopft alle Löcher und fungiert mit seiner guten Technik und Spielverständnis als entscheidende Relaisstation im Aufbauspiel. Eine Rolle, wie auf den Leib geschneidert für Toni. Der Nachteil dabei allerdings: er kann seine Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte und Abschlussstärke nicht in die Waagschale werfen. Ausserdem baut er in Genf in beiden Halbzeiten gegen Ende etwas ab.

Fidan Aliti (5) – Hat einen guten Start in die Partie und gegen die offensiv orientierte rechte Genfer Seite mit Sauthier und Stevanovic so viele Top-Offensivaktionen wie bisher noch nie in dieser Saison – dafür aber auch defensiv mehr Probleme. Da dem Kosovarischen Nationalspieler ganz generell mehr Fehler als üblich unterlaufen, liegt es wohl wie schon in der Sion-Analyse vermutet, an einer gewissen „Überspieltheit“. Selbst bei gegnerischen Eckbällen verliert der in solchen Situatione sonst sehr solide Aliti seinen Gegenspieler Sasso mehr als einmal aus den Augen – unter anderem bei dessen Kopfballvorlage auf Stevanovic beim 2:1.

Salim Khelifi (5) – Sehr aktiv von Beginn weg, füllt die Achterposition mit seiner Laufbereitschaft und Spielintelligenz sowohl offensiv wie defensiv mit Leben. Wie schon in den letzten Partien gesehen, kann Khelifi (nur) dann auf Super League-Niveau ein Gewinn sein, wenn er von Anfang überdurchschnittlich Vollgas gibt. Das bedeutet dann aber auch, dass er wie in Genf schon nach wenigen Minuten der Zweiten Halbzeit aus Müdigkeit unkonzentriert und fahrig wird und nach 60 Minuten, manchmal wie in Genf auch schon früher, ausgewechselt werden sollte.

Marco Schönbächler (4) – Gute erste 20 Minuten. Mit seinem Seitenwechsel Vorbereiter des 0:1. Bringt für das in Genf angewandte flexible Spielsystem mit vielen Dreiecken und diagonalen Pass- und Laufwegen mit seinem weit überdurchschnittlichen Raumgefühl und Spielwitz auf der Achterposition gute Voraussetzungen mit. Als der FCZ aber nach der Pause ein Hohes Pressing betreiben will, ist es in erster Linie Schönbächler, wegen dem die Mitspieler vergebens ihre Sprints anziehen, weil er meist nicht mitmacht.

Antonio Marchesano (7) – Ist in letzter Zeit noch aktiver als früher in der Organisation des Pressings geworden und somit der eigentliche „Defensiv-Chef“ beim Stadtclub. Schreit sich auch „die Seele aus dem Leib“, als er nach der Einwechslung von Gnonto auf die Achterposition zurückrückt. Muss dabei aber noch feinfühliger auf die Mitspieler eingehen und auf deren physische und mentale Bereitschaft achten. Als Lokomotive Dampf zu machen ist sehr wertvoll, aber die Wagen dahinter müssen mitziehen und die Kurve kriegen können.

Assan Ceesay (1) – Im Gegensatz zum Sion-Spiel, wo er auf dem Flügel agierte, in Genf auf der Mittelstürmerposition überhaupt nicht zur Geltung gekommen. Auch weil Servette im Vergleich mit den Wallisern ein eher antizipierendes Gegenpressing aufzieht, welches in erster Linie auf den Empfänger des ersten Passes (häufig Ceesay) fokussiert. Schlimmer Fehlpass rückwärts Richtung eigenen Strafraum in der 22. Minute.

Wilfried Gnonto (1) – Obwohl er als Einwechselspieler für die 10er-Position am meisten Kraft haben sollte, macht Gnonto beim Hohen Pressing erneut so gut wie gar nichts. Bleibt stehen, während der seit Matchbeginn viel gelaufene Marchesano von hinten an ihm vorbeirennt, ganz vorne den Gegner stört und sich dann an Gnonto vorbei wieder zurück auf seine Achterposition begibt. Auch diesmal darf der junge Italiener wieder einen Standard schlagen, und auch diesmal wieder schlecht. Auch bei seinen Dribblings bleibt er bis gegen das Ende seines Einsatzes jedes Mal hängen. In der 86. / 87. hat Gnonto dann seine starken zwei Minuten.

Stephan Seiler (7) – Seine starke Körperbeherrschung könnte auf Capoeira-Training des wie Raffael in Fortaleza geborenen Seiler hindeuten. Sofort nach seiner Einwechslung mit einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte, welche über den hervorragenden leicht abgefälschten flachen Diagonalball von Marchesano zur Grosschance für Gnonto zum möglichen 2:3-Anschlusstreffer (Top-Parade von Servette-Goalie Jérémy Frick) führt. Fällt bei einem Servette-Konter in der 79. Minute eine falsche Entscheidung, als er sich zurückfallen lässt, statt den ballführenden Clichy energisch zu stören.

Telegramm

„Wieder Gnonto! Wieder in Genf!“ – Match-Highlights

Servette – FC Zürich 3:1 (1:1)
Tore: 12. Rohner (Schönbächler) 0:1, 26. Stevanovic (Kyei) 1:1; 62. Stevanovic (Sasso) 2:1, 67. Valls (Foulpenalty, Rouiller) 3:1.
Servette – Frick; Sauthier, Rouiller, Sasso, Clichy; Ondoua (90. Cespedes); Valls (81. Mendy), Cognat; Stevanovic (90. Severin), Kyei (75. Koné), Schalk (75. Imeri).
FCZ – Brecher; Wallner, H. Kryeziu, Omeragic; Rohner (88. Winter), Domgjoni, Aliti; Khelifi (63. Gnonto), Schönbächler (75. Seiler); Marchesano; Ceesay.

Spiel, Gegner und Taktik

Sion tritt im Letzigrund im gleichen System an wie ihr letzter Gegner St. Gallen (Schlussresultat ebenfalls 1:1), spielt aber einen komplett anderen Fussball, als die Ostschweizer. Statt Direktspiel in die Vertikale lässt man mit möglichst direktem, aber trotzdem kontrollierten Passspiel den Ball von links aussen nach rechts aussen und wieder zurück zirkulieren, um so im gegnerischen Abwehrverbund Lücken aufzureissen. Die Entstehung des 0:1 durch Luca Clemenzas erstes Super League-Tor ist ein Paradebeispiel dafür. Es ist das sechste Saison-Gegentor des FC Zürich in der Startviertelstunde.

Das unter Fabio Grosso entwickelte variable Positionsspiel der Walliser gestaltet sich im Ansatz sehr vielversprechend – es fehlt bloss in vielen Situationen noch an den Automatismen, speziell mit neuverpflichteten Spielern wie Lubomir Tupta. Ähnlich wie beispielsweise beim FC Basel bieten sich bei den Wallisern Zentrale Mittelfeldspieler genauso wie auch einer der Stürmer häufig ganz aussen an der Seitenlinie an, um auch schon im Mittelfeld die ganze Breite für den Spielaufbau zu nutzen. Speziell bei Sion ist, dass sich vor allem in der Ersten Halbzeit der gesamte Mittelfeld-Rhombus stark seitlich verschiebt, was die Walliser Mittelfeldspieler, die nicht zu den laufstärksten der Liga gehören, dann aber nicht über die gesamten 90 Minuten konsequent durchhalten können. Dies versucht der FCZ auszunutzen und spielt häufiger über die Seiten als sonst, vor allem die aktuell starke Linke Seite mit Aliti und Ceesay. Dies wird auch statistisch untermauert durch die bisher höchste von Züri Live in dieser Saison beim FCZ gemessene Anzahl Flanken. Dasselbe gilt für die Anzahl Steilpässe, die fast ausschliesslich ebenfalls über die Seiten gespielt wurden.

Massimo Rizzo schickt dasselbe Team auf den Platz wie beim Heimsieg gegen den FCB. Verschiedene Akteure wie beispielsweise Khelifi, Omeragic oder Aliti wirken gegen Sion aber etwas „müde“ beziehungsweise „überspielt“. Das Spiel illustriert, was für ein Vorteil es sein könnte, einen „zweiten Anzug“ zur Verfügung zu haben, dem man das volle Vertrauen schenken kann. Der FCZ profitiert in dieser Partie stark vom völlig misslungenen Auftritt ihres ehemaligen Juniors Anto Grgic auf der Gegenseite: schlecht getretener Penalty, weitere vergebene sehr gute Torchancen aus kurzer Distanz, und mehrere Ballverluste in der eigenen Platzhälfte – darunter auch diejenigen, welche zum Pfostenschuss Kramers und zum 1:1-Ausgleich führen. Sion verschiesst den zweiten Penalty hintereinander gegen den FCZ und Yanick Brecher hält den zweiten der letzten drei. Es ist ganz wesentlich Toni Domgjoni, der in der Folge die Differenz macht und voller Elan sowie Spielwitz die Partie immer mehr auf die Seite des FC Zürich ziehen kann.

„FCZ lange mit Sion-Gegenpressing nicht zurechtgekommen“ – Audio-Kommentare zum Spiel

Spielszene im Fokus

12. Minute – Luca Clemenza erzielt das 0:1

Im Anschluss an einen Sion-Eckball können die Walliser sich am Zürcher Strafraum installieren. Der FCZ findet zwar in seine Grundordnung zurück, ab einem bestimmten Zeitpunkt lässt aber das ballorientierte Verschieben nach. Omeragic und Doumbia lassen eine relativ grosse Lücke offen. Omeragic kommt dem in den Strafraum eindringenden Clemenza zwar noch halbherzig entgegen, dreht sich bei dessen Schussabgabe aber ab, um sich schmal (anstatt breit) zu machen.

Grösser als in einem Emmentaler erlaubt: das Loch in der Zürcher Defensivformation verursacht durch einen Moment des nachlässigen Verschiebens, welchen Luca Clemenza zu seiner Super League-Torpremière nutzt.

Personalien

Yanick Brecher (7) – Die langen Bälle des Zürcher Torhüters sind auch sonst jeweils besser als der Super League-Durchschnitt, diesmal gelingen sie aber besonders gut. Die 45 Meter-Bälle erreichen wie an einer Schnur gezogen Fidan Aliti oder Assan Ceesay an immer etwa derselben Stelle im Mittelfeld links an der Seitenlinie. Diese bekommen den Ball jeweils so serviert, dass sie ihn präzise in die Tiefe weiterleiten können. Der FCZ nutzt mit dieser Angriffsauslösung auch die taktische Formation des Sion-Mittelfeldes in einem Rhombus (in Deutschland „Raute“ genannt, SFL-Sprachregelung: „Diamant“) aus. Nachdem Yanick Brecher zuvor über Jahre hinweg alle Penalties reingelassen hat, hält er nach Moumi (YB) gegen Grgic (Sion) bereits den zweiten innert kurzer Frist! Mit dem von Serey Dié (ebenfalls Sion) bereits im November verschossenen Elfmeter gingen drei der letzten vier gegen den FCZ nicht rein. Die Zweite Halbzeit beginnt Brecher ungenügend und hat beispielsweise Mühe mit einer “Kerze“ von Omeragic im eigenen Strafraum.

Becir Omeragic (4) – Produziert unter anderem eine gefährliche “Kerze“ im eigenen Strafraum. In der Druckphase der Nachspielzeit wählt der Genfer bei einem vielversprechenden Konter die komplizierte Lösung mit einem Seitenwechsel in eine Zone, wo viele Gegenspieler stehen, anstatt des einfachen Steilpasses auf den völlig frei stehenden Schönbächler. Unverständlich seine Nomination ins „BLICK Team der Runde“.

Toni Domgjoni (9) – Nach dem von Yanick Brecher gehaltenen Penalty, ist es Toni Domgjoni, der stark aufdreht und die Mannschaft regelrecht mitreisst. Der Gesamteindruck von der Mannschaft ändert sich in dem Moment in erster Linie aufgrund eines Spielers. Gewinnt viele Bälle in der gegnerischen Hälfte im Pressing oder Gegenpressing, versteht sich sehr gut mit Fabian Rohner. Spielt sich im Laufe der Partie fast schon in einen Rausch mit zielgenauen Diagonalbällen und einem Dribbling, in welchem er den formstarken Wesley alt aussehen lässt. Im Spiel ohne Ball erschrecken Domgjonis Sprints die Gegenspieler manchmal so stark, dass sie vergessen, den Ball zu stoppen oder zu passen. Spielt ab der 79. Minute wieder auf der 10er-Position.

Ousmane Doumbia (3) – Das Auf und Ab seiner Leistungen geht weiter. Der Unterschied zu seinem Mittelfeldpartner ist: wenn Toni Domgjoni einen schlechten Tag hat, dann ist er Durchschnitt. Wenn Doumbia einen schlechten Tag hat, dann kippt die Bilanz seines Spiels ins Negative.

Salim Khelifi (2) – Nach drei ordentlich bis guten Leistungen hintereinander, stand gegen Sion wieder mal der „alte Khelifi“ auf dem Platz, der in vielen Situationen unkonzentriert wirkt, gedanklich zu wenig schnell von Verteidigen auf Angriff umschaltet und umgekehrt, und von dem man das Gefühl hat, er beherrscht kaum einen Quadratmeter seines Raumes.

Assan Ceesay (6) – Baut in der letzten Viertelstunde ab. Davor eine weitgehend gute Leistung. Seine Defensivarbeit wird immer wertvoller. Zur noch schnelleren Konterauslösung hat sich ein Automatismus eingespielt, dass Ceesay bei einem gegnerischen Eckball schon aus dem eigenen Strafraum heraus zum Gegenangriff startet, wenn der Ball auch nur schon halbwegs unter Kontrolle ist und der Zürcher in Ballnähe Ceesay gar nicht sieht. Durch Zurufen macht sich der Gambier bemerkbar und der Ball, wenn gewonnen, wird sofort in seine Richtung gespielt. Manchmal gelingen ihm gar technische Raffinessen wie ein präziser Absatzpass der Seitenlinie entlang auf Fidan Aliti, mit dem er sich gut versteht.

Blaz Kramer (1) – Birama Ndoye gehört zu den Defensivspielern mit eher beschränkten Qualitäten auf Schweizer Fussballplätzen, aber gegen Blaz Kramer konnte er sich profilieren. Der Slowene sieht kaum Land gegen den Senegalesischen Defensivhünen. Dazu kommt, dass Kramer wieder eine ganze Reihe von ausgezeichneten Umschaltmomenten mit zu geringer Handlungsschnelligkeit und Technik vermasselt und defensiv das ein oder andere Mal unaufmerksam ist.

Marco Schönbächler (1) – Auch wenn er sich zum Ende seines Einsatzes verbessert zeigt: der grösste Teil des Auftrittes ist so schlecht, dass es insgesamt nicht zu mehr als der Tiefstnote reicht. Mit dem Wechsel von Khelifi, der ebenfalls nicht seinen besten Tag erwischt hatte, zu Schönbi, gerät die Rechte Seite des FCZ mit dem offensiven Aussenverteidiger Rohner von einem Moment auf den anderen komplett „ins Schwimmen“. Dies bereits in der ersten Minute zwei Mal – aufgrund zu zaghaften Eingreifens. Sion hat dort nun völlig freie Hand. Auch das Passspiel sowohl als Absender wie als Empfänger ist über weite Strecken ein Graus.

Trivia

Timothy Fayulu beim Abstoss an einem sonnigen Winternachmittag im Letzigrund.
Crash zwischen Schiedsrichter Lukas Fähndrich und Sions José Aguilar abseits des Ballgeschehens.
Chilla will motiviert durch Blaz Kramers Ausgleichstreffer ebenfalls mitspielen und den Sieg für die Weissen holen.
Abstoss Yanick Brecher und Hohes Pressing von Sion aus der Lehrbuch-Perspektive.

Telegramm

„Domgjoni will unbedingt den Sieg“ – Audio-Highlights des Spiels

FC Zürich – Sion 1:1 (1:1)
Tore: 12. Clemenza (Tupta) 0:1, 39. Kramer (Marchesano) 1:1.
FCZ – Brecher; Rohner, Omeragic, Nathan, Aliti; Domgjoni (90. Winter), Doumbia; Khelifi (67. Schönbächler), Marchesano (79. H. Kryeziu), Ceesay; Kramer.
Sion – Fayulu; Wesley, Ndoye, Abdellaoui, Theler; Zock; Aguilar (83. Baltazar), Grgic; Clemenza (83. Tosetti); Karlen (60. Hoarau), Tupta (90.+1 Bamert).

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Dritter Sieg in derselben Saison gegen den FC Basel – das gab es noch nie! Wie so häufig in den letzten Jahren gewinnen die Zürcher gegen die Rotblauen das Spiel, wenn sie defensiv kompakt stehen, den Ballbesitz dem Gegner überlassen und auf schnelles Umschaltspiel setzen. Auf diese Art und Weise kommt der Letzigrundclub jeweils zu den besseren Torchancen als der Gegner und damit auch zum Sieg. Rekordverdächtige 108 Top-Defensivaktionen sind ein wesentlicher Baustein der drei gewonnenen Punkte. Der FCB kommt zu 13 Abschlüssen und bringt den Ball dabei nur ein einziges Mal Richtung Gehäuse von Yanick Brecher, der somit einzig und allein mit seinen zwei Fehlpässen in die Füsse von Edon Zhegrova auffallen kann. Der Fokus der Angriffe liegt über die ganze Partie hinweg beim FCB (Stocker / Petretta) genauso wie beim FCZ (Ceesay / Aliti) auf der Linken Seite. Dass Yanick Brecher in dieser Partie mit Kramer und Ceesay bei seinen Abstössen zwei statt nur einen Zielspieler zur Verfügung hat, ist ein grosser Vorteil für eine unberechenbarere Spielauslösung.

Auf der anderen Seite sind die mit Unterschnitt geschlagenen Abstösse von Heinz Lindner für den FCZ in der Regel relativ einfach zu verteidigen. Der FCB leidet aktuell an denselben Problemen, mit denen der FCZ lange zu kämpfen hatte: etwas zu viele unkonstante „Schönspieler“ im Kader, die defensiv zu wenig konsequent mitarbeiten. Nominell haben die Rotblauen immer noch die besten und talentiertesten Profis der Liga im Kader. Aber diese Saison wurden sie zusätzlich zu den bestehenden Herausforderungen von Problemen wie einer Quarantäne zurückgeworfen. Der FCZ hat demgegenüber den Vorteil, dass man die gröbsten diesbezüglichen Rückschläge bereits letzte Saison durchgemacht hat. Etwas speziell beim FCB sind aktuell die Einteilungen bei gegnerischen Eckbällen, wo Mittelstürmer Arthur Cabral jeweils den stärksten gegnerischen Kopfballspieler deckt und dabei manchmal etwas unvorsichtig agiert.

Entscheidende Szenen

00:16 – Stocker bei langem Ball in die Tiefe durch Salim Khelifis energischen Sprint gestört

Der FC Zürich hat Anstoss. Der lange Ball Omeragics wird von der Basler Abwehr geklärt, Valentin Stocker will sofort in seiner typischen Art einen gefährlichen langen Ball für Cabral auf der linken Seite in die Tiefe spielen. Da Salim Khelifi Stocker mit einem energischen Sprint aber genügend stört, kommt dieser Ball von der Präzision und dem Timing her nicht ideal und kann im Raum Mittellinie von Rohner abgefangen werden.

Salim Khelifi stört nach 16 Sekunden hoch am gegnerischen Strafraum Valentin Stocker in der Gegenangriffsauslösung energisch.

Man stelle dies in Kontrast zur 0:4-Niederlage des FCZ an gleicher Stätte vor einem Jahr. Valentin Stocker will ebenfalls sofort nach Anpfiff der Partie einen analogen Ball der Seitenlinie entlang in die Tiefe spielen. Obwohl er in dieser Szene viel höher (an der Mittellinie) postiert war, hatte Stocker überhaupt keinen Druck vom zunächst zögerlichen Schönbächler und konnte daher den Ball zentimetergenau in den Lauf des nach vorne preschenden Silvan Widmer spielen. Der FCZ kam ab diesem Moment immer einen Schritt zu spät – Hereingabe auf Cabral – Ablage auf Frei – Tor nach 12 Sekunden!

Vor einem Jahr am 8.2.2020 im Letzigrund: Valentin Stocker kann ungestört den „tödlichen“ Pass in die Tiefe auf Widmer spielen – Fabian Frei trifft nach nur 12 Sekunden zum 0:1.

00:42 – Fabian Rohner rauscht mit grossen Schritten heran und stoppt Valentin Stocker energisch am Zürcher Strafraum

Basel geht wie so häufig im Letzigrund mit Valentin Stocker Vollgas in der 1. Minute, aber nur 26 Sekunden nach Salim Khelifi kann auch Fabian Rohner Valentin Stocker dank eines energischen Sprints stoppen. Damit ist das Allergröbste an Basler Offensivpower für diese Partie bereits in die Schranken gewiesen.

Fabian Rohner bremst in der Startminute Valentin Stocker am eigenen Strafraum aus.

Personalien

Yanick Brecher (3) – Brecher und der FCZ haben Glück, dass das Spiel in der Anfangsphase nicht einen ganz anderen Verlauf nimmt, nachdem er gleich zwei Mal beim Aufbauspiel von hinten heraus den Ball Edon Zhegrova in die Füsse spielt. Der Kosovare vergibt die erste grosse Chance kläglich, bei der zweiten trifft er das Tor – steht dabei aber gemäss VAR im Offside.

Fabian Rohner (8) – Nach sehr guten Joker-Einsätzen nutzt Rohner seine erste Startelfchance seit mehr als drei Monaten. Gewinnt die Bälle vorzugsweise im Duett mit seinem langjährigen Teamkollegen Toni Domgjoni und läuft dem omnipräsenten Valentin Stocker einen entscheidenden Ball im eigenen Strafraum ab. Kommuniziert viel mit den Nebenleuten und dreht nach der Pause noch weiter auf.

Fidan Aliti (7) – Hat in der Ersten Halbzeit Probleme mit Nationalteamkollege Edon Zhegrova, weil er für seine Verhältnisse untypisch mehrmals geradezu übermütig hoch verteidigt und dann jeweils überlaufen wird. Steigert sich in der Zweiten Halbzeit deutlich. Versteht sich auf der Linken Seite sowohl offensiv wie defensiv sehr gut mit Assan Ceesay.

Toni Domgjoni (5) – Sonst fast immer unter den Teamstützen, diesmal über weite Strecken ein eher mauer Auftritt. Hat Mühe ins Spiel zu kommen, weil er seine übliche zupackende Art vermissen lässt, begeht dadurch auch mehr Fehler.

Ousmane Doumbia (9) – Der FC Basel scheint ihm zu liegen. Zum Jahresauftakt im St. Jakob Park MVP – und nun auch wieder. Dazwischen lagen vier Partien, in denen der Ivorer im Tief steckte. In einem allgemein gut verteidigenden Team sticht Doumbia mit 15 Top-Defensivaktionen nochmal etwas heraus.

Salim Khelifi (7) – Mit dem Salim Khelifi von früher hätte der FCZ gegen Basel wohl nicht gewonnen. Der heutige Khelifi ist stabiler geworden, unterstützt das Team mit regelmässigen wichtigen und effektiven Defensivsprints und starken Spieleröffnungen im Umschalten. Bremst so die durch Arthur Cabral und Fabian Frei immer wieder unterstützte offensiv starke linke Basler Seite zusammen mit Rohner weitgehend aus.

Assan Ceesay (8) – Denkt und hilft defensiv sehr gut mit. Wichtige Sprints und Blocks bei gegnerischer Konterauslösung sowie Unterstützung am und im eigenen Strafraum. Hat dabei auch einige gute Offensivaktionen: allen voran die Entstehung des wegweisenden 1:0, bei welchem Ceesay Jasper Van der Werff den Ball wegstibitzt und dann von Eray Cömert im Strafraum gelegt wird. Urkomisch die Szene, als Ceesay es an der Seitenlinie auf engem Raum irgendwie schafft, am eingewechselten Basler Kaly Sène vorbeizukommen und dieser danach wie Tom von ‚Tom & Jerry‘ in der von Turbo Ceesay hinterlassenen Staubwolke kniend wütend mit der flachen Hand auf den Boden schlägt, weil ihm sein Kontrahent entwischt ist.

Wilfried Gnonto (1) – Beginnt in den ersten Momenten nach seiner Einwechslung gut, fällt dann aber sofort wieder in den Trott seiner Bankrotterklärungen als Joker in St. Gallen und gegen YB zurück. Obwohl frisch im Spiel, trabt der junge Italiener den angreifenden Gegnern immer wieder im grossen Abstand hinterher, als hätte er einen anstrengenden Marathonlauf hinter sich. Mit der Einwechslung Gnontos erhält die linke Basler Seite um Stocker und Petretta viel Platz für ihre Angriffe und blüht richtiggehend auf. Davor war für die Rotblauen während 70 Minuten nirgendwo ein Durchkommen gewesen. Nun rollen die gefährlichen Angriffe im Minutentakt über Links. Dazu kommen bei Gnonto mehrere Ballverluste und inkonsequente Offensivaktionen.

Telegramm

FC Zürich – Basel 2:0 (1:0)
Tore: 26. Marchesano (Penalty, Ceesay) 1:0; 90.+2 Kramer (Gnonto) 2:0.
FCZ – Brecher; Rohner, Omeragic, Nathan, Aliti; Domgjoni, Doumbia; Khelifi (69. Gnonto), Marchesano (87. H. Kryeziu), Ceesay; Kramer.
Basel – Lindner; Van der Werff, Cömert (46. Cardoso), Klose, Petretta; Bunjaku (83. Pululu); Zhegrova (72. Sène), Kasami, Frei, Stocker; Cabral.

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Im Gegensatz zu YB und Lugano passt der FCZ seine taktische Formation auch diesmal nicht an den FC Vaduz an, aber der Respekt gegenüber dem schnellen Umschaltspiel der Liechtensteiner ist trotzdem zu spüren. Die Zürcher stehen nur leicht höher als der Gegner, und sind lange Zeit darauf bedacht, möglichst keine gefährlichen Räume hinter der Abwehr entstehen zu lassen. Mit den sehr guten Seitenwechseln der Liechtensteiner hat speziell Adi Winter etwas Probleme. Trotzdem kontrolliert der FCZ die Partie ohne zu glänzen und liegt durchaus verdient in Führung – bis zur Penaltyszene in der 53. Minute, die zum 1:1-Ausgleich führt. Bis zu diesem Zeitpunkt gewinnt das Rizzo-Team (in der Ersten Halbzeit Wind-unterstützt) auch klar die Mehrheit der Zweikämpfe. Am Ende der Partie steht mit 4,4 ein neuer Saisontiefstwert bei der Züri Live-Durchschnittsnote der Mannschaft.

Entscheidende Szenen

53. Minute: Blerim Dzemailis fatale Anweisung beim Vaduzer Ausgleich

Bis zur 53. Minute hat der FCZ die Partie im Rheinpark im Griff, steht gut und führt mit 1:0. Die Vaduzer spielen den Ball im Aufbau zwischen den drei Innenverteidigern hin und her, ohne eine Schwachstelle im Zürcher Abwehrverbund zu entdecken. Bis Blerim Dzemaili auf die Idee kommt, die Flügelspieler Tosin und Schönbächler lautstark anzuweisen, höher zu stehen. Von Blue-TV Kommentator Michael Fritschi wird er sofort für dieses oberflächliche Zeichen von Leaderqualitäten gelobt. Die FCZ-Flügel rücken dann auch tatsächlich an die Mittellinie auf. Aber mit fatalen Folgen: Yannick Schmid entdeckt sofort die Gelegenheit und spielt einen Diagonalball nach links vorne, wo wegen des aufgerückten Tosin Adi Winter nun in Unterzahl ist. Lüchinger und Obexer spielen sich ohne Gegenwehr an die Grundlinie und in der Mitte begeht Omeragic in der Hektik das Foul zum 1:1-Penalty Milan Gajics. Dieser bringt Vaduz ins Spiel und den FCZ auf die Verliererstrasse. Die Anweisung Dzemailis war nicht nur kontraproduktiv, sondern es ist auch schwer, einen Sinn dahinter zu erkennen. Einfach nur aufrücken ohne den Gegner gezielt zu pressen, ist „Selbstmord“.

Winter gerät gegen Lüchinger und Obexer in Unterzahl. Der aufgrund der Dzemaili-Anweisung zu weit aufgerückte Tosin rennt wieder zurück, kommt aber zu spät.

64. Minute: Dzemaili lamentiert – Gegenspieler Joël Schmied erzielt den Vaduzer Führungstreffer

Bei einem Gajic-Freistoss klammern sich Joël Schmied und Blerim Dzemaili knapp ausserhalb des Strafraumes gegenseitig am Arm und fallen um, während gleichzeitig Nathan den Ball ein erstes Mal aus dem Strafraum heraus klärt. Dzemaili lamentiert am Boden sitzend lautstark in Richtung Schiedsrichter Fähndrich, welcher ausgezeichnete Sicht auf die Szene hatte und weiterlaufen liess. Hekuran Kryeziu und vor allem Becir Omeragic lassen sich vom lamentierenden Dzemaili ablenken, bremsen, schauen zurück, und kommen etwas spät auf ihre Positionen am Fünfmeterraum, als die zweite Flanke in den Strafraum kommt. Schmied und Dzemaili stehen auf, wobei Letzterer dem Vaduzer Verteidiger nur halbherzig folgt, so dass dieser in der Lücke zwischen den „Päärchen“ Hekuran Kryeziu / Manuel Sutter sowie Becir Omeragic / Yannick Schmid völlig frei zum 2:1 einköpfen kann.

78. Minute: Geleitschutz beim Game Winning Goal von Matteo Di Giusto

Blerim Dzemaili verliert zuerst bei der Auslösung des Vaduzer Konters das Luftduell mit Coulibaly im Mittelfeld und bietet danach dem Torschützen Matteo Di Giusto weitgehend “Geleitschutz“.

Der ehemalige FCZ-Junior Matteo Di Giusto auf dem Weg zu seinem ersten Super League-Tor interessiert aus der Ersten Reihe beobachtet von einer FCZ-Legende.

Personalien

Becir Omeragic (3) – Sein hohes Standing im Ranking der besten Fussballtalente der „Equipe“ scheint ihm nicht bekommen zu sein. Wird von Spiel zu Spiel nachlässiger.

Fidan Aliti (6) – Sein herrliches erstes Super League-Tor hätte es verdient gehabt, mehr als nur ein Anschlusstreffer zu sein. Insgesamt nicht mehr ganz so überzeugend wie in den letzten Partien.

Blerim Dzemaili (1) – Zum zweiten Mal hintereinander mit der Tiefstnote „1“. An allen drei Gegentoren wesentlich mitschuldig. Seine Anweisungen und Äusserungen auf dem Platz waren in Vaduz geradezu kontraproduktiv und führten dazu, dass sein Team die Ordnung und Konzentration verlor. Die durchaus auch diesmal wieder vorhandenen einzelnen guten Offensivaktionen vermochten Dzemailis negative Einflüsse aufs Zürcher Spiel mit zahlreichen Fehlpässen, Ballverlusten und negativer Körpersprache bei weitem nicht aufzuwiegen.

Assan Ceesay (3) – Gegen einen tief stehenden Gegner wie Vaduz Assan Ceesay in der Sturmspitze zu bringen, macht wenig Sinn. Der Gambier verliert so zu viele Bälle und kann seine Schnelligkeit nicht ausnutzen.

Blaz Kramer (1) – Wie schon im „Hinspiel“ gegen Vaduz mutiert Kramer aus Sicht des FCZ zum „Torverhinderer“. Damals hatte er mit einem Stürmerfoul gegen Yanick Schmid den 1:1-Ausgleich Adrian Winters kurz vor Schluss zunichte gemacht. Diesmal verhinderte er direkt nach seiner Einwechslung in der 73. Minute erneut den praktisch sicheren 2:2-Ausgleich durch Nathan nach einem Dzemaili-Freistoss, weil er in der Flugbahn von Nathans Kopfball stand. Der Ball wäre in die rechte Torecke geflogen und Vaduz-Keeper Büchel hätte wohl kaum noch eingreifen können. Und auch diesmal fiel der Slowene vor allem mit unnötigen Stürmerfouls auf. Beispielsweise verhinderte er so am Ende der Nachspielzeit nochmal einen letzten Spielzug des FCZ Richtung gegnerisches Tor. Positiv ist Kramers Entwicklung in den letzten Partien als Manndecker bei gegnerischen Eckbällen.

Fabian Rohner (10) – Dritter Top-Einsatz als Joker. Und da kein Spieler aus der Startformation richtig überzeugen konnte, wird er genau wie beim Heimspiel gegen Vaduz wieder MVP. Damals hatte er mit seinem Rush aus dem Mittelfeld das vermeintliche 2:2 von Adi Winter eingeleitet. Diesmal mit seiner Flanke den 2:3-Anschlusstreffer. Ausserdem verhinderte er in der Rückwärtsbewegung mehrmals die Vorentscheidung zum 2:4, speziell in der 89. Minute, als er mit seinem Einsatz gegen Rahimi an der Fünfmetergrenze den so gut wie sicheren Gegentreffer verhinderte.

Telegramm

Vaduz – FC Zürich 3:2 (0:1)
Tore: 43. Marchesano (Ceesay) 0:1; 54. Gajic (Foulpenalty, G. Lüchinger) 1:1, 64. Schmied (Gasser) 2:1, 78. M. Di Giusto (M. Coulibaly) 3:1, 83. Aliti (Kramer) 3:2.
Vaduz – B. Büchel; Schmied, Y. Schmid, Simani; Dorn, Gasser (73. Prokopic), G. Obexer; Gajic, G. Lüchinger (88. Rahimi); Cicek (76. M. Di Giusto); M. Sutter (76. M. Coulibaly).
FCZ – Brecher; Winter (78. Rohner), Omeragic, Nathan, Aliti; H. Kryeziu, Dzemaili (78. Doumbia); Tosin (73. Kramer), Marchesano (78. Domgjoni), Schönbächler (58. Gnonto); Ceesay.

(Standbilder: Blue)