FCB-Coach Marcel Koller hat seine Mannschaft gefunden und es ist nicht zu erwarten, dass es wesentliche Änderungen geben wird. Der zuletzt beim Spitzenkampf in Bern bereits wieder eingesetzte Kemal Ademi wird als „fraglich“ gemeldet. Sein Ersatz wäre wohl allenfalls Cabral. Ebenfalls darf man gespannt sein, wann der teure und hochtalentierte Ramires im Basler Mittelfeld sein Début feiern wird. Kevin Bua ist solange man sich zurückerinnern kann der einzige Spieler, welcher vom FCZ zum FCB gewechselt ist. Der Genfer Flügelspieler befindet sich aktuell in der Form seines Lebens und leistet neuerdings sogar die von einem modernen Flügel verlangte Defensivarbeit.

Bei YB hatte es der FCZ mit einer Dreierabwehr versucht, was zur totalen Dominanz der Berner in der Anfangsphase führte, welche erst gebrochen werden konnte, als Ludo Magnin das System im Verlauf der Ersten Halbzeit auf ein 4-4-2 änderte. Wahrscheinlich wird er diesen Schritt beim ebenso starken FCB wohl nicht wiederholen. Pa Modou und vor allem Rüegg scheinen noch nicht genug Schnauf für 90 Minuten auf hohem Niveau zu haben. Wie sieht es mit Janjicic aus? Die naheliegendere Alternative im Zentralen Mittelfeld ist Domgjoni.

 

Frage zum Spiel: Wie hoch verliert der FCZ in Basel?

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YB geht gegen den FCZ diesmal nicht mit der gewohnten Physis ins Spiel und lässt den Gästen aus der Limmatstadt mehr Raum als üblich. Diese nutzen dies unter anderem mit Neuverpflichtung Grégory Sertic, der mit seiner Ruhe und präzisen Bällen in der ersten halben Stunde immer wieder für Entlastung sorgt. Danach baut der Franzose deutlich ab und verpasst mit wenig erbaulicher Körpersprache die Möglichkeit, den Konter zum 2:0 YB’s noch aufzuhalten oder zumindest zu bremsen. Gleichzeitig kommt YB immer mehr auf, und als der FCZ nach dem Wiederanpfiff ein paar Minuten lang viel zu zögerlich in die Zweikämpfe geht, kommt der YB-Express richtig ins Rollen. Zusammen mit der 1:3-Niederlage in St. Gallen zum Rückrundenauftakt resultiert somit nach 60 Minuten weitgehend fehlenden Dagegenhaltens am Ende mit 4,1 die tiefste Durchschnittsnote der Saison.

Wie im Nachhinein bekannt wurde, spielte Joel Untersee die gesamte Zweite Halbzeit mit gebrochenem Lendenwirbel – eine Fraktur, die er sich ganz offensichtlich vor der Pause zugezogen hatte, als er mit gespreizten Beinen in der Luft eine Berner Flanke zum Corner klärte, in diesem Moment von der «Dampfwalze» N’Samé umgemäht wurde, und auf den Rücken fiel. Trotzdem zeigte Untersee eine ordentliche bis gute Partie und war letztendlich gar der einzige Zürcher Seitenspieler mit einer positiven Züri Live-Bewertung. Obwohl bei YB Kevin Mbabu fehlte, war gerade die linke Zürcher Seite anfällig, auf welcher Marco Schönbächler den gegen einen solchen Gegner häufig noch etwas unbedarft agierenden Levan Kharabadze immer wieder im Stich liess. Der eingewechselte Débutant Lavdim Zumberi (19) spielte auf einer der beiden 8er-Positionen, fand da aber in den letzten 18 Minuten nicht mehr richtig ins Spiel, wie überhaupt die Einwechslungen zum zweiten Mal in dieser Rückrunde wenig fruchteten.

Wenige Tage nachdem Umaru Bangura gegen Napoli mit Koulibaly bei Eckbällen so viel Mühe gehabt hatte, und nur mit Glück in solchen Szenen um ein Gegentor herumgekommen war, liess der Zentrale Abwehrspieler seinen Gegenspieler Christian Fassnacht kurz nach der Pause auf einen Corner von Thorsten Schick das 1:0 köpfen. Nur mit Andreas Maxsø alleine wird es für den FCZ bei solchen Standards eng, wenn der Gegner mehr als einen wirklich guten Offensivmann in der oberen Etage hat, wie das bei YB selbst ohne Hoarau der Fall ist. Assan Ceesay kann am nahen Pfosten hilfreich sein, ist aber für die Manndeckung trotz seiner Grösse wohl nicht wirklich geeignet. Etwas unerklärlich mutet hingegen an, dass Umaru Bangura selbst bei hohen Bällen durch YB-Keeper Von Ballmoos zum Teil ebenfalls an Stelle von Maxsø ins Luftduell mit N’Samé ging.

In der Startformation des FCZ standen mit Yanick Brecher, Toni Domgjoni und Antonio Marchesano drei Akteure, welche vor einem halben Jahr bei der 0:4-Niederlage gleichenorts aufgelaufen waren (bei YB: sieben). Es scheint, als ob wenig personelle Veränderungen zu mehr Erfolg führen. Oder ist es umgekehrt? Erfolg führt zu wenig personellen Veränderungen? Letztendlich ist es wohl so richtig: ist man auf einem guten Weg, bergen zu grosse personelle Veränderungen die Gefahr, von diesem Weg abzukommen – zu wenige allerdings auch (fehlende Konkurrenz). Hat man hingegen gemessen an den eigenen Ansprüchen noch zu wenig Erfolg, tendiert man stärker dazu, alles in Frage zu stellen – unter anderem auch das Personal.

Leider werden die irregulären Treffer von YB im Wankdorf langsam zur Gewohnheit. Zum dritten Mal in den letzten vier Duellen profitierten die Berner bei einem wichtigen Tor gegen den FCZ von einem nicht gepfiffenen Foulspiel – nach Mbabu gegen Rüegg und Hoarau gegen Winter war es diesmal ein Foul Von Bergens am eigenen Strafraum gegen den sich in ausgezeichneter Passposition befindlichen Khelifi, was nicht nur eine gute Zürcher Ausgleichschance verhinderte, sondern gleich auch noch das 2:0 durch Nicolas Moumi Ngamaleu ermöglichte.

YB – FCZ 2:0 (0:0)

Tore: 48. Fassnacht (Schick) 1:0, 59. Moumi (N’Samé) 2:0.

 YB: Von Ballmoos; Schick, Wüthrich, Von Bergen, Benito; Fassnacht (79. Gaudino), Sow, Lauper, Moumi (89. Mambimbi); Assalé (75. Garcia), N’Samé.

 FCZ: Brecher; Untersee, Bangura, Maxsø, Kharabadze; Sertic, Domgjoni; Khelifi (72. Odey), Marchesano (75. Winter), Schönbächler (72. Zumberi); Ceesay.

 

 

 

Vor dem Anpfiff von Schiedsrichter Adrien Jaccottet konnte man FCZ – YB nicht als Spitzenkampf bezeichnen, aber der FCZ vermochte die Partie mit seinem beherzten Auftritt im Verlaufe der Partie zu einem Spitzenkampf werden zu lassen. Nach dem 3:3 vom Letzigrund hat der FCZ nach 11 Runden mehr als die Hälfte seiner 13 Gegentore gegen YB kassiert. In der sehr intensiven Startphase, agierte der FCZ etwas konkreter Richtung Tor als YB, was in einer schnellen 2:0-Führung resultierte. Das Team von Ludo Magnin ging dabei aber nicht mehr ein so hohes Risiko, wie noch bei der 0:4-Niederlage gegen den gleichen Gegner im August. YB blieb der risikovollen Spielweise stärker treu – das Pressing der Berner ist zur Zeit aber nicht mehr ganz so hochstehend, wie noch vor ein paar Wochen – unter anderem aus diesem Grund ist YB defensiv verwundbarer geworden. Der FCZ schaltete schnell um und spielte durch die Mitte – die Abschlüsse kamen im Gegensatz zu einigen anderen Partien dieser Saison nach wenigen Ballkontakten zustande.

Das Team aus der Limmatstadt vermied es ausserdem, über die Flügel zu spielen und nahm so etwas die starken YB-Aussenverteidiger Benito und Mbabu aus dem Spiel. In der ganzen Partie schlug der FC Zürich nur vier Flanken und kam zu keinem einzigen Eckball. Dafür durfte Benjamin Kololli sieben Freistösse in Strafraumnähe treten und es gab gleich zwei Penalties im Strafraum drin – beides Rekordwerte der bisher ausgewerteten Spiele der laufenden Saison. Die beiden Penalties für den FCZ waren auf Basis der TV-Bilder diskussionslos korrekt, auch wenn dies gewisse Medien wie das SRF oder die Berner Zeitung trotz eindeutigem Beweismaterial wieder einmal anders sehen wollten. Mbabu stösst als letzter Mann Benjamin Kololli in den Rücken, was sogar zusätzlich die Rote Karte hätte nach sich ziehen müssen – und Steve Von Bergen haut dem überraschend von hinten anrauschenden Roberto Rodriguez ungeschickt in die Ferse.

Der Elfmeter für YB war hingegen zweifelhaft – zumindest wird in vergleichbaren Fällen in der Super League praktisch nie Penalty gepfiffen. Die Szene war für Ref Jaccottet allerdings schwierig zu beurteilen – Rüegg wurde von Ngamaleu am enganliegenden linken Arm aus kurzer Distanz angeschossen, schwang dabei gleichzeitig aber in der sich daraus ergebenden Bewegung den rechten Arm weit aus, so dass viele Spieler, Zuschauer, TV-Kommentatoren und wohl auch der Schiedsrichter einer optischen Täuschung unterlagen und meinten, Rüegg sei der Ball an den ausgestreckten Rechten Arm gesprungen. Neben Mbabu waren auch Von Bergen (kam viel zu lange um die erste Gelbe Karte herum), Lauper und Sanogo nahe an einem Platzverweis dran. Lauper riss den ansonsten diagonal alleine Richtung Tor ziehenden Ceesay als letzter Mann so lange zurück, bis dieser umfiel – allerdings würden nur wenige Schiedsrichter für ein Foul in dieser seitlichen Position letztendlich Rot geben.

Und Sekou Sanogo schwang sein Bein nach einem Pass im Mittelfeld nicht zufällig noch mit Wucht in Hekuran Kryeziu rein – allerdings kann man auch hier durchaus verstehen, dass Ref Jaccottet die Szene als zu wenig eindeutig rotwürdig taxierte. Auch für den Rest des Spiels war die Spielleitung gut. So liess Jaccottet sich beispielsweise von inflationär reklamierenden Spielern wie Hekuran Kryeziu oder Kevin Mbabu nicht irritieren. An dieser Stelle auch mal ein Lob an einen gegnerischen Spieler: von Loris Benitos Einstellung zu Zweikämpfen, Fouls und Schiedsrichterentscheiden könnte sich mancher andere Spieler eine Scheibe abschneiden. Durch Sanogos Foul an Kryeziu in der 61. Minute liess sich der FCZ als Team zu stark aus dem Tritt bringen – dies beim Stand von 3:1. Kurz nach Beendigung des langen Unterbruches stand es daher nur noch 3:2. Zuvor hatte es YB lange Zeit vergeblich mit ihrem Plan A, hohe Bälle auf Guillaume Hoarau, versucht.

Dies weil Hekuran Kryeziu den Franzosen zwar nicht wie Victor Palsson im Cupfinal in den Kopfballduellen gleich besiegen, aber dennoch immer wieder entscheidend stören konnte. Nachdem der Sommerneuzugang im August im Stade de Suisse einen schwachen Auftritt hingelegt hatte, konnte «Heki» diesmal gegen YB sein Potential viel besser ausschöpfen, zeigte wie in den Europacupspielen eine starke Leistung und war insgesamt sogar der beste FCZ-ler. In den anderen Spielen hatte Kryeziu wenn überhaupt eher offensiv Akzente setzen können, diesmal war er aber genauso wie sein Vordermann Toni Domgjoni defensiv aufmerksam. Der dritte im Bunde im Zürcher Zentrum, Antonio Marchesano, scheint seinerseits athletisch so gut im Schuss zu sein, wie noch nie in seiner Karriere, und kann sich in den Zweikämpfen und Luftduellen immer besser behaupten. Durch die Mitte wurde YB nur gefährlich, wenn es Hoarau (und später Fassnacht) gelang, Maxsö oder Bangura aus ihrer Position zu locken und so den Raum für einen Lauf in den Strafraum zu öffnen.

Mit zunehmender Spieldauer spielten Marco Wölfli und die Berner Innenverteidiger die langen Bälle zunehmend auf die rechte Seite. Sie hatten dort richtigerweise eine Schwachstelle in der Zürcher Defensive ausgemacht. Pa Modou Jagne und Benjamin Kololli tragen einiges zum Zürcher Offensivspiel bei, so war Standardspezialist Kololli an sieben der zehn Zürcher Abschlussmöglichkeiten beteiligt – und zwei dieser sieben waren erfolgreich. Dass aber die beiden Gegentore zum 3:2 und 3:3 über die Seite von Kololli und Pa Modou eingeleitet wurden, ist kein Zufall. Schon vor diesen beiden Szenen hatten Stellungsfehler auf der linken Zürcher Seite zwei Mal zu sehr guten Berner Chancen geführt. Benjamin Kolollis etwas zu langsames Umschalten in die Defensive macht auf tieferem Super League- oder Challenge League-Niveau keinen allzu grossen Unterschied, wird aber gegen einen Gegner wie YB sofort bestraft.

Der ebenfalls eher offensiv orientierte Pa Modou geriet so mehrmals alleine gegen zwei Berner in Unterzahl, was gegen die Gelb-Schwarzen fast schon automatisch zu einer Topchance führt.  Die kurzzeitige Umstellung während fünf Minuten zwischen dem 3:2 und dem 3:3 auf Fünferabwehr verbesserte die Zürcher Defensivproblematik auf links nicht, weil sie individuell bedingt war – Pa Modou geriet erneut in Unterzahl und Assalé konnte freistehend hinter die Abwehr flanken.  Besser funktionierte das sich gut ergänzende Duo Rüegg (Speed) / Rodriguez (Technik) auf der rechten Zürcher Seite – sie wurden allerdings auch etwas weniger gefordert. Einwechselspieler Salim Khelifi blieb eher blass, währenddessen Assan Cessay einmal mehr seinen Wert für die Mannschaft aufflackern liess. Mit seinem guten Laufweg nach einer Klasseaktion Hekuran Kryezius (Antritt mit Ball und Aussenristpass hinter die Abwehr) kam der Gambier zur einzigen Zürcher Grosschance in der Schlussphase, legte zwei Mal einen Ball gut für einen Mitspieler ab und konnte sich nach Pa Modou-Zuspiel über links überzeugend gegen Sandro Lauper durchsetzen.

FCZ – YB 3:3 (2:0)

Tore: 7. Odey (H. Kryeziu) 1:0, 10. Kololli (Penalty, Kololli) 2:0; 55. Hoarau (Penalty) 2:1, 58. Rodriguez (Penalty, Rodriguez) 3:1, 64. Ngamaleu (Assalé) 3:2, 69. Hoarau (Assalé) 3:3.   

FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; H. Kryeziu; Marchesano (75. Ceesay), Domgjoni; Rodriguez (68. Khelifi), Kololli (87. Winter); Odey.

YB: Von Ballmoos (20. Wölfli); Mbabu, Lauper, Von Bergen, Benito; Sulejmani (87. Nsamé), Sanogo, Sow, Ngamaleu (75. Fassnacht); Assalé, Hoarau.

Führt man sich den mit 2:1 gegen YB gewonnenen Cupfinal Ende Mai und das mit 0:4 verlorene Meisterschaftsspiel gegen den gleichen Gegner vom Sonntag nochmal zu Gemüte, sind bei nüchterner Betrachtung viele Parallelen zu erkennen. Man sieht in beiden Partien einen FCZ, der proaktiv und aggressiv in die Partie steigt, für Wirbel sorgt und den Gegner vor Probleme stellt. Auf Zürcher Seite haben sich in der Zwischenzeit nur zwei Personalien geändert: die neuverpflichteten Hekuran Kryeziu und Benjamin Kololli stehen für die Abgänge Rasmus Thelander und Cédric Brunner in der Startformation. Die Aufstellung ist personell gesehen also offensiver und formiert sich zu Beginn der Partie zudem in einem 4-3-3, statt wie im Cupfinal im 3-5-2.

Bei YB gibt es fünf personelle Änderungen im Vergleich zu vor zwei Monaten. Davon sind zwei leistungsmässig als neutral zu bewerten (Von Ballmoos für Wölfli, Moumi für Assalé) – drei Änderungen stellen hingegen eine klare Qualitätssteigerung auf Seiten der Berner dar: Sow für Bertone im Mittelfeld sowie in der Verteidigung Mbabu und Wüthrich für die im Final völlig indisponierten Lotomba und Nuhu. Wenn man in die Details geht, eröffnen sich weitere Parallelen zum Cupfinal: so konnte auch diesmal Adrian Winter eine Topchance alleine vor dem gegnerischen Torhüter nicht nutzen.

Michi Frey seinerseits vermochte wie schon vor zwei Monaten seine erste Abschlusschance ebenfalls nicht in ein Tor ummünzen – mit dem Unterschied, dass er diesmal aber im ganzen Spiel nur zu einem einzigen Abschluss kam. Im Vergleich zu den beiden Auftaktsiegen gegen Thun (10) und GC (7) erarbeitete sich der FCZ bei YB (11) aber trotz Niederlage eine grössere Anzahl Torchancen. Allerdings konnten die YB-Abwehrspieler den Gegner gerade in der Luft jeweils beim Abschluss dergestalt stören, dass die Bälle mit Ausnahme des von Jean-Pierre Nsamé auf der Linie geretteten Kopfballs Mirlind Kryezius nicht gefährlich aufs Tor kamen.

Einen klaren Unterschied zum Cupfinal können wir dann aber erkennen, wenn wir uns die Szene anschauen, die zur ersten YB-Topchance durch Christian Fassnacht in der 9. Minute geführt hat. Beide Teams gehen viel Risiko – mehr als man es im Normalfall in einem Cupfinal machen würde. Wir sehen im untenstehenden Standbild sechs Gelb-Schwarze im Pressing weit in der Zürcher Hälfte gegen vier Zürcher. Sechs FCZ-ler stellen sich derweil nahe der Mittellinie frei. Mirlind Kryeziu ist am Ball. Gelingt es ihm, einen seiner Mitspieler hinter dem Berner Pressingblock, so anzuspielen, dass dieser den Ball schnell unter Kontrolle bringen kann, hat der FCZ eine Überzahlsituation Richtung Berner Tor. Gelingt den Bernern hingegen der Ballgewinn, haben sie Überzahl Richtung Zürcher Tor. «All in» also… – ein Pass und ein anschliessender Zweikampf, der möglicherweise bereits über das speziell bei diesen Temperaturen vorentscheidende erste Tor entscheidet.

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang nun, dass die Berner Pressingaufstellung nahezu perfekt ist. Die Passwege diagonal in die Mitte oder nach Rechts vorne erscheinen für Kryeziu zu riskant – auch weil der Ball dann länger unterwegs ist, und abgefangen werden könnte. Als Anspielstation bietet sich einzig Pa Modou links an der Seitenlinie an. Dieser steht aber nicht zufällig frei. Kevin Mbabu (zum Zeitpunkt des Passes noch nicht im Bild) lauert hinter der Mittellinie. Damit wird Kryeziu die Option genommen, Pa Modou in die Tiefe anspielen zu können. Da zudem gleichzeitig Sulejmani Kryeziu (aus des Zürchers Sicht) von links anläuft, ist dieser gezwungen, den Ball hoch (und mit dem schwächeren Rechten Fuss) zu spielen. Dies bedeutet im Endeffekt, dass Pa Modou «festgenagelt» ist. Er kann dem Ball weder nachjagen, noch diesem entgegenkommen, da dieser sonst über ihn hinwegfliegen würde. Dies erhöht die Chancen für den sich in Bewegung befindlichen anstürmenden Mbabu ganz wesentlich, gegen den gezwungenermassen «statischen» Pa Modou den Ball zu gewinnen, was dann aus Berner Sicht auch klappt. Der Rest müsste bei einer solchen Überzahl im Umschaltspiel für ein Team wie YB eigentlich Formsache sein, aber Fassnacht haut den Ball aus bester Abschlussposition übers Zürcher Gehäuse.

Die im Standbild abgebildete Situation ist vergleichbar mit «Schwarz», welches gerade «Schach» gesagt hat – … und «Weiss» ist am Zug. Ein Rückpass zu Brecher hätte die Lage wohl nicht verbessert – im Endeffekt die beste Variante wäre wohl gewesen, einen «Zug» herzuschenken und den Ball weit in der gegnerischen Hälfte über die Seitenlinie zu jagen – aber wer macht das schon? Wie ist der FCZ aber überhaupt erst in diese Bredouille gekommen? Hier kommt die Personalie Hekuran Kryeziu ins Spiel. Der neue Zentrale Mittelfeldspieler hatte bereits in den ersten beiden Partien gegen Thun und GC zwar in gewissen Situationen gute Ansätze gezeigt, fiel aber auch durch Nonchalance und Unaufmerksamkeit in anderen Situationen auf. Wenn zwei Teams wie YB und der FCZ auf diesem Niveau so viel Risiko gehen, dann entscheiden Details. Das entscheidende Detail in dieser Aktion ist «Heki», der Momente zuvor etwas gedankenverloren einen Alibipass auf Pa Modou spielt, ohne die sich zuziehende Berner Schlinge auf der linken Zürcher Abwehrseite zu bemerken (siehe Standbild unten). Kryeziu hätte sich hier zwingend drehen und einen Seitenwechsel auf die Rechte Seite spielen müssen – sei es direkt, oder indirekt über Mirlind Kryeziu. Dann hätte die Topchance Fassnachts vermieden werden können.

Eine sehr ähnliche Situation liegt beim Berner 2:0 in der 15. Minute vor. Wieder pressen sechs Berner sehr weit vorne in der Zürcher Platzhälfte – diesmal ausgerichtet auf den in Zentraler Position am eigenen Strafraum sich in Ballbesitz befindlichen Toni Domgjoni. Dieser wird vom schnellen Djibril Sow unter Druck gesetzt – wieder von links angelaufen. Wieder könnte es eine Toptorchance für den FCZ geben, wenn dieser es schafft, sich zu lösen – oder eine Toptorchance für YB bei einem «Turnover» des Ballbesitzes. Jetzt in diesem Moment die entscheidende Anspielstation zur Verfügung zu haben, macht für Domgjoni und den FCZ potentiell den ganzen Unterschied zwischen einem 1:1 und einem 0:2 aus. Wiederum schauen wir auf Hekuran Kryeziu. Dieser scheint auch diesmal die Spielsituation nicht erfasst zu haben. Anstatt seinem Mitspieler die entscheidende Anspielstation halbrechts anzubieten, die Domgjoni sogar mit einem flachen Ball bedienen und damit gleich sechs Berner aufs Mal überspielen könnte, läuft «Heki» in die genau umgekehrte Richtung (siehe Standbild unten).

Mit welchem Ziel ist nicht ganz klar: um Antonio Marchesano Gesellschaft zu leisten? Auf jeden Fall befinden sich nun sowohl Marchesano wie auch Hekuran Kryeziu in einem für Domgjoni «Toten Winkel». Dieser ist nun gezwungen, den langen Ball Richtung Winter / Rüegg zu spielen. Und da passiert dann wieder dasselbe wie schon bei der Chance Fassnachts in der 9. Minute. Der dynamische YB-Aussenverteidiger (diesmal Loris Benito) kommt angebraust, gewinnt den Ball, reicht diesen Sulejmani weiter und dieser hat dann aus dieser Situation heraus auf einen Schlag gleich drei Mitspieler als Anspielstationen zur Auswahl, die alle alleine Richtung Yanick Brecher ziehen können! Sulejmani entscheidet sich für Fassnacht und dieser trifft diesmal mit seinem stärkeren Rechten Fuss.

Zuvor hatte YB den Ball durch das Schaffen einer lokalen Überzahl auf der rechten Seite nach vorne zum Zürcher Strafraum gebracht (siehe Standbild oben). Eine solche Szene war auch der Ursprung des Berner 0:3 kurz vor der Pause. Der FCZ ist kollektiv nach links verschoben, Hekuran Kryeziu geht einen Tick zu optimistisch in den Zweikampf mit Wüthrich und verliert daher das Laufduell mit diesem – der Seitenwechsel auf die offene Rechte Zürcher Abwehrseite bringt dann Rüegg in die Bredouille, der aber im Zweikampf mit dem starken Miralem Sulejmani trotzdem nichts falsch macht. Die Flanke Sulejmanis hätte auch Rüeggs stark aufspielender Berner Konterpart Kevin Mbabu nicht verhindern können. Schlussendlich unterlief dem eigentlich gut positionierten Yanick Brecher bei dieser Flanke dann ein seltsamer Moment des Zögerns, was zur verunglückten Abwehr direkt auf den Kopf Guillaume Hoaraus am entfernten Pfosten führte.

Bleibt in der Ersten Halbzeit der 0:1-Führungstreffer Miralem Sulejmanis in der 12. Minute. Bei diesem profitierte YB nicht zum ersten Mal gegen den FCZ bei einem vorentscheidenden Treffer im Wankdorf von einem fälschlicherweise nicht gepfiffenen Stürmerfoul. Dies obwohl Ref Urs Schnyder gute Sicht auf die Szene hatte, als Guillaume Hoarau Adi Winter mit einem Stoss in den Rücken aus dem Gleichgewicht und um den Ballbesitz brachte (siehe Standbild unten).

Anschliessend folgte eine für die relativ deutlichen Vorteile der Berner in den Zweikämpfen typische Szene. Während YB häufig zu zweit oder gar zu dritt den ballführenden Zürcher angriff, liess ein Zürcher Trio angeführt von Hekuran Kryeziu Miralem Sulejmani und Djibril Sow auf der Seite gewähren. Victor Palsson schaltete gegen Guillaume Hoarau zu spät vom Relax- in den Attackemodus um, und Adi Winter liess Sulejmani für einen kleinen Augenblick aus den Augen. Das 0:4 in Halbzeit Zwei unterschied sich zu den ersten drei Toren insofern, als es das erste Kontertor des Spiels nach Ballgewinn in der eigenen Hälfte war. In personeller Hinsicht änderte sich hingegen nichts. Hekuran Kryeziu bleibt stehen und fordert Namensvetter Mirlind auf, sich das Leder zu krallen, obwohl Christian Fassnacht näher beim Ball steht –  so können die Berner mit einem zwei gegen eins Richtung FCZ-Tor ziehen.

Zusammenfassend ist der FCZ also grundsätzlich ähnlich engagiert in die Partie gegangen, wie im Cupfinal. Und es war nicht so, wie von Teleclub-Kommentator Michael Fritschi geurteilt, und danach von anderen Berichterstattern übernommen, dass die Aussenverteidiger Pa Modou und Rüegg «geschlafen» hätten. Beide Teams gingen mit viel Risiko in die Partie und dazu gehörte, dass Pa Modou und Rüegg bei eigenem Spielaufbau sehr hoch standen. In solchen Situationen entscheiden Details, und da war beim FCZ in allen entscheidenden Szenen speziell Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu jeweils nicht auf dem Posten. Ein weiterer wichtiger Unterschied zum Cupfinal war die bessere personelle Besetzung YBs speziell in den Personalien Mbabu, Wüthrich und Sow an Stelle von Lotomba, Nuhu und Bertone. Im Zweikampf sind die YB-Aussenverteidiger Mbabu und Benito zur Zeit nur schwer zu überwinden. Es bräuchte bessere spielerische Mittel oder noch mehr Speed (Rohner? Schönbächler?). Ausserdem machte der FCZ vorne zu wenig aus seinen Möglichkeiten. Benjamin Kololli zögerte freigespielt von Züri Live-MVP Toni Domgjoni gleich zu Beginn im gegnerischen Strafraum zu lange – genauso wie später Adrian Winter alleine vor Torhüter Von Ballmoos. Winter verhinderte dazu beim Stand von 0:2 eine «hundertprozentige» Torchance Domgjonis, als er den idealen Steilpass Antonio Marchesanos gleich selbst «abfing» (siehe Standbild unten).

Domgjoni brachte zudem drei Meter vor der gegnerischen Torlinie nach starker Vorarbeit Stephen Odeys den Ball nicht im Netz unter. Und mehrere gute Kopfballchancen konnten nicht genutzt werden – unter anderem klärte Jean-Pierre Nsamé eine solche von Mirlind Kryeziu auf der Linie.  Taktisch startete der FCZ mit einem 4-3-3 in die Partie, wechselte dann nach 20 Minuten auf die Cupfinalformation 3-5-2 mit Winter als zweitem Stürmer neben Frey. Dies schien dem FCZ-Spiel gutzutun, bis dann kurz vor der Pause der 0:3-Hammer kam. Nach der Halbzeit mit der Einwechslung von Odey wurde wieder zurück auf 4-3-3 gewechselt und schliesslich mit der Einwechslung von Khelifi für Marchesano in der 62. Minute auf ein 4-4-2. Nach der dritten Einwechslung (Alain Nef) verschob sich Palsson ins Mittelfeld. Der Captain, der genauso wie Mirlind Kryeziu an mehr als 50% der Zürcher Torchancen beteiligt war, schien sich dann aber in der Schlussphase mit Krampferscheinungen herumzuplagen. Somit hat der FCZ bereits seit vier Jahren kein Meisterschaftsspiel gegen YB mehr gewinnen können. Diese Serie in der aktuellen Saison zu durchbrechen, wäre sicherlich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur von Trainer Magnin geforderten Verkürzung des Abstandes zu den Top 2-Mannschaften der Liga.

YB – FCZ 4:0 (3:0)

Tore: 12. Sulejmani (Hoarau) 1:0, 15. Fassnacht 2:0, 45. Hoarau (Sulejmani) 3:0; 75. Nsamé (Fassnacht) 4:0.

YB: Von Ballmoos; Mbabu, Wüthrich, Von Bergen, Benito; Fassnacht, Sow, Sanogo, Sulejmani; Moumi, Hoarau.

FCZ: Brecher; Rüegg, Palsson, M. Kryeziu, Pa Modou; H. Kryeziu; Domgjoni, Marchesano; Winter, Kololli; Odey.

(Standbilder aus: SFL) 

Alain Nef und Florian Stahel verbringen auf der Westtribüne einen würdigen Feiertag des 13. Mai und sehen wie vier verschiedene Torschützen zum 4:1 gegen den FC Basel treffen. Auch in der 93. Minute gibt es wieder ein Tor – es trifft diesmal Albian Ajeti zum Ehrentreffer für die Gäste. Die Geschichte wiederholt sich – aber nie exakt gleich. Wie schon unter der Woche in Thun zeigt sich der FCZ im Abschluss effizient in einer Partie, welche von der Qualität und Intensität her aber sehr weit vom üblichen Niveau dieser Paarung entfernt war. Bei der 0:3-Niederlage im St. Jakob Park im April beispielsweise hatte der FCZ besser gespielt, als nun beim 4:1-Heimsieg – aber die Effizienz im Abschluss fehlte, und der Gegner hielt damals mehr dagegen.

Obwohl in den letzten sechs Partien nur gegen das zur Zeit stark nachlassende St. Gallen eine überzeugende Leistung gelang, holte der FCZ in dieser Zeitperiode 11 Punkte und verlor nur in Luzern – in letzter Sekunde. Dies nachdem man zuvor speziell in den beiden Duellen mit YB für gute Leistungen zu wenig belohnt worden war. Insgesamt muss man den Auftritt des FCB am Sonntag im Letzigrund als «nicht Super League-würdig» einstufen. Etwas, was in den letzten 15 Jahren bei den Rot-Blauen eigentlich nie vorgekommen ist. Und dies nach einer Serie von neun ungeschlagenen Partien in Folge. Der FCZ darf daher gerade im Hinblick auf den Cupfinal das Resultat gegen den FCB nicht überbewerten oder sich in falscher Sicherheit wiegen.

Nach der Partie war FCB-Trainer Wicky verständlicherweise vor allem sauer über die ersten zwei Gegentore und, ohne Namen zu nennen, das Verhalten einzelner seiner Spieler in diesen Szenen. Welche Namen gemeint waren, war auch so klar. In erster Linie derjenige des jungen Neftali Manzambi, der seinen Gegenspieler Pa Modou zwei Mal zu stark gewähren liess. Vor allem beim 2:0 hatte der Zürcher Aussenläufer so viel Zeit und Musse im gegnerischen Strafraum, dass ihm ein schöner Schlenzer in die entfernte Ecke mit seinem schwächeren rechten Fuss gelang, worüber er sich anschliessend mit Co-Trainer Van Eck tierisch freute. Ehrliche Arbeit im Training zahlt sich eben irgendwann aus… Auf dem anderen Ende der Gemütsskala stand der gelernte Stürmer Manzambi, der zum zweiten Mal in der Super League in der Startformation gestanden, nachdem er vor zwei Wochen im Heimspiel gegen den FC Thun von seinem Trainer Wicky zum Rechtsverteidiger umfunktioniert worden war. Es lag aus FCB-Sicht aber nicht allein am 21-jährigen. Ohne Teamleader Michael Lang (auf der Bank) wirkte der entthronte Schweizer Meister zahnlos. Luca Zuffi war angeschlagen und wurde in der Halbzeitpause ausgewechselt (wobei Trainer Wicky dabei auch gleich noch eine taktische Umstellung vornahm), Samuele Campo unterliefen zu viele Ballverluste und Serey Dié wirkte nicht wie Serey Dié nachdem er zuletzt Numa Lavanchy spitalreif getreten hatte. Nur der 19-jährige Afimico Pululu konnte in seinem zweiten Super League-Einsatz gegen Ende der Partie noch für etwas Schwung sorgen.

Der FCZ trat mit Dreierabwehr an, unter anderem mit Mirlind Kryeziu, der von Spiel zu Spiel an Sicherheit zu gewinnen scheint. In der Schlussphase kam er zusätzlich auf Standards von Marchesano zwei Mal gefährlich zum Abschluss, wobei beim ersten Mal FCB-Keeper Vaclik spektakulär parierte. Diese «Offensivwaffe» war in den bisherigen Partien Kryezius in der aktuellen Saison noch «eingerostet» gewesen, weil jeweils das Timing nicht gestimmt hatte. Cédric Brunner konnte in seinem (vorläufig) letzten Spiel im Letzigrund (im Interview mit Züri Live: «Ich hoffe, ich darf wieder zurückkommen») seine Nervosität nicht ganz verbergen. Er war im Jahr des 13.Mai als Zwölfjähriger zum FCZ gekommen. Dafür spielte Rasmus Thelander solider als zuletzt. Und Yanick Brecher benötigte in einigen Szenen sowohl Glück als auch Können, um den letztendlich klaren Sieg in trockene Tücher zu bringen. Erwähnenswert vor allem seine Parade gegen den Nachschuss Oberlins aus kurzer Distanz nach dem «Lattenlupfer» Campos. Er habe (erfolgreich) spekuliert, gab Brecher nach der Partie gegenüber Züri Live zu Protokoll – und ausserdem Oberlins Verhalten vor dem Tor noch von früher her aus dem Training gekannt.

FCZ – Basel 4:1 (0:0)

Tore: 49. Dwamena (Pa Modou) 1:0, 62. Pa Modou (Rüegg) 2:0, 83. Frey (Marchesano) 3:0, 90.+1 Marchesano (Frey) 4:0, 90.+3 Ajeti (Campo) 4:1.

FC Zürich: Brecher; Thelander, Brunner, Kryeziu; Rüegg, Palsson, Pa Modou; Aliu (46. Marchesano), Domgjoni (76. Sarr); Frey, Dwamena (86. Odey).

Basel: Vaclik; Manzambi, Frei, Balanta, Riveros; Serey Dié (78. Pululu), Zuffi (46. Petretta); Bua (66. Oberlin), Campo, Elyounoussi; Ajeti.

Das 270. Zürcher Derby endet 1:1-Unentschieden. Es war von Seiten des Stadtklubs das chancenärmste Derby der Saison. Der FCZ liegt nach einer guten 1. Halbzeit verdient mit 1:0 in Führung. Zur Pause wechselt GC-Trainer Yakin dann aber von einer Dreier- auf eine Viererabwehr. Der erstmals von Beginn weg spielende Australische Nationalspieler Trent Sainsbury rückt auf die Sechserposition vor. Die Hoppers übernehmen das Szepter, so dass nach 13 Minuten im zweiten Durchgang FCZ-Trainer Magnin reagieren muss, und sein Team ebenfalls auf Viererabwehr umstellt. Nur eine Minute später erzielt GC den Ausgleich und nutzt dabei die «Umstellungsphase» beim FCZ gnadenlos aus. Die Raumaufteilung auf der rechten Seite stimmte noch nicht. Vor allem Captain Palsson schien die Umstellung im eigenen Team noch nicht mitbekommen zu haben. So musste Rüegg dem auf Palssons Position völlig blank stehenden Jeffren in der Rolle des «Feuerwehrmanns» hinterherhetzen. Es gelang ihm aber nicht, die Scharte auszubügeln. Und in der Mitte liess Kryeziu Gegenspieler Kodro zu stark gewähren. Ein Taktikwechsel mitten im Spiel kann den Sieg bringen, wenn er gelingt. Wenn er aber nicht gelingt, kann er auch Punkte kosten. Daher heisst das Motto: Üben, Üben, und nochmals Üben…

Die Journalisten der grossen Medienhäuser machen reflexartig die zuletzt durchschnittlichen Resultate des FCZ am Einsatz der vielen jungen Spielern fest. Zu Recht? Die Auswertungen von Züri Live sprechen eine andere Sprache. Neben Palsson, Rodriguez und Brecher war mit Kryeziu in Sion nur ein «Junger» unter den vier Akteuren mit einer ungenügenden Züri Live-Note. Und gegen GC hat nach der Steigerung von Brecher, Kryeziu und Palsson von der Startformation nur der erfahrene Thelander eine ungenügende Bewertung erhalten. Most Valuable Player ist hingegen in beiden Partien ein Teenager: in Sion Toni Domgjoni, und im Derby Kevin Rüegg, der von allen FCZ-Akteuren mit Abstand am meisten Top-Defensivaktionen hatte. Nachdem der 19-jährige Rechtsfuss aus Greifensee gegen Ende der Challenge League-Saison bereits mehrmals Züri Live-MVP gewesen war, erhält er diese Auszeichnung in der aktuellen Spielzeit zum dritten Mal. Keine dieser drei Partien konnte allerdings gewonnen werden (1:1 vs. St. Gallen, 1:2 bei YB, 1:1 vs. GC).

Startelf-Débutant Tobias Schättins Erste Halbzeit war wie bei so vielen FCZ-lern besser als die Zweite. Nicht überraschend kann sich Schättin vor allem in der Offensive auszeichnen mit seinen Rushes, Flanken und Standards mit seinem starken linken Fuss, wohingegen die Defensive Phase nicht zu seinen Ur-Stärken gehört. Die Standardqualitäten Schättins sind bitter nötig, vor allem wenn Roberto Rodriguez und Izer Aliu nicht auf dem Platz stehen. Der FCZ ist immer noch die Super League-Equipe mit den meisten Toren nach Cornern (9). Das Letzigrund-Team war aber in erster Linie nach Standards von Rodriguez erfolgreich. Die „Set Pieces“ von „Tonino“ Marchesano in den letzten Partien waren hingegen ungenügend.

 

Der Leader wurde von vielen Fans nach Luzern begleitet, nicht nur im nach erneuten Problemen am Stadioneingang mit der Organisation und den Sicherheitskräften während der ersten Viertelstunde leeren Gästesektor, sondern auch auf den anderen Tribünen. So besuchten bei bestem Wetter 11‘800 Fans die Partie Luzern – FCZ in der Swissporarena. Ein Grossteil der Innerschweizer Besucher, Journalisten und Stadionangestellten war mit dem Kopf aber nicht ganz beim Fussball. Immer wieder versammelten sich Menschentrauben rund um einen kleineren oder grösseren Bildschirm, um das parallel laufende Unspunnenfest mitzuverfolgen. In den Katakomben wurden positive News jeweils wie ein Lauffeuer verbreitet: „Hast Du gehört? Wicki hat Orlik gebodigt!“.

Ebenfalls nicht ganz präsent, oder zumindest nicht mit der maximalen Energie schien der FCZ in der 1. Halbzeit auf dem Platz zu sein. Der gegen den FCZ schon seit Urzeiten immmer speziell motivierte Captain Claudio Lustenberger gewann das Duell gegen den auf dem Rechten Flügel anstelle des rekonvaleszenten Raphael Dwamena aufgestellten Dzengis Cavusevic deutlich. Der Plan Uli Fortes war von Anfang an gewesen, Moussa Koné im Verlauf der Zweiten Halbzeit für den laufstarken Slowenen einzuwechseln. Erstens vielleicht, weil Koné tatsächlich als Joker jeweils deutlich mehr Wirkung entfaltet, als wenn er in der Startformation steht. Zweitens vor allem aber auch, weil der Senegalese aus einer Verletzung kommt. Aufgrund der schlechten 1. Halbzeit wechselte Forte dann bereits zur Pause – und prompt hatte Koné danach sogar Mühe, die vollen 45 Minuten durchzuhalten.

In der 61. Minute, kurz nach Konés Kontertor (sein erster Treffer in der Super League) auf Vorlage Freys, feierte der ebenfalls aus einer Verletzung kommende Antonio Marchesano nach zwei Monaten sein Comeback. Der Tessiner trug mit seinem Direktspiel dazu bei, dass das Forte-Team in der Folge auf das 2:1 drückte. Der komplette Umschwung gelang aber im Gegensatz zum Thun-Heimspiel nicht mehr. Dies nachdem die Luzerner durch einen Handspenalty Tomi Jurics früh in Führung gegangen waren. Victor Palsson hatte aus nächster Nähe den Ball an die praktisch an den Körper angelegte Hand bekommen. Die Entscheidung von Schiedsrichter Sascha Amhof war nicht grundfalsch, die Szene war aber im Vergleich zu Kevin Mbabus mit dem ausgestreckten Arm gestoppten langsam rollenden Ball im YB-Heimspiel vor Wochenfrist (von Ref Klossner nicht gepfiffen) sicherlich viel weniger sanktionierbar. Nach aktuell gängiger Praxis wird Palssons etwas ungeschicktes Vergehen normalerweise nicht gepfiffen.

Wie schon gegen YB gab es auf beiden Seiten nur wenige Torchancen, von welchen Custodio und Koné die jeweils beste vergaben. Nef und Brunner spielten erneut eine gute Partie, und sie wurden in der Defensiven Phase durch die lauffreudigen Frey, Rüegg, Winter und Pa Modou unterstützt. Luzern-Trainer Markus Babbel hatte gar einen grossen Fight gesehen. Nüchtern betrachtet war die Partie in der Swissporarena aber nicht so intensiv wie noch das 0:0 gegen YB gewesen.

Luzern – FCZ 1:1 (1:0)

Tore: 4. Juric (Handspenalty) 1:0; 60. Koné (Frey) 1:1.

FC Luzern: Omlin; Schwegler (65. Follonier), Knezevic, Schulz, Lustenberger; Kryeziu; Schneuwly, Ugrinic (84. Demhasaj), Custodio, F. Rodriguez (75. Vargas); Juric.

FC Zürich: Vanins; Nef, Palsson, Brunner; Winter, Rüegg (61. Marchesano), Sarr, Pa Modou; Cavusevic (46. Koné), Frey, R. Rodriguez.

Super League Zuschauerzahlen, Stand: 27. August 2017, Quelle: Swiss Football League

Der Spitzenkampf zwischen den beiden Tabellenersten im Letzigrund wurde seiner Bezeichnung gerecht – von Beginn weg um jeden Ball erbittert gekämpft – ob am Boden oder in der Luft. Der FCZ mit der Achse Frey – Rüegg – Nef gab die Marschrichtung vor, und ging von Anfang an Vollgas.  Da Neuverpflichtung Thelander noch nicht spielberechtigt war, und Bangura ausfiel, spielte Victor Palsson in der Innenverteidigung. Wie schon in der Zweiten Halbzeit in Chippis hatte der Isländer dabei aber Orientierungsprobleme im Deckungsverhalten und produzierte einige Fehlpässe von hinten heraus. Und wie schon im Wallis im Duell mit Manuel Mvuatu (2,02 m) stützte er sich im Luftduell wie auf einem Pferdpauschen beim grossgewachsenen Guillaume Hoarau (1,92 m) auf, um diesen zu überspringen.

YB konnte in der Zweiten Halbzeit mit neuer Taktik (Christian Fassnacht beispielsweise begann auf dem Flügel im Dreimannsturm, wechselte dann ins Mittelfeld und beendete die Partie als Sturmspitze neben dem eingewechselten Nsamé) das Szepter mehrheitlich übernehmen. Trotz „Europacupsandwich“ (ZSKA Moskau als Brot, Super League-Spitzenkampf als Fleisch) und Auswärtsspiel konnten die Berner in Halbzeit Zwei im Gegensatz zum FCZ nochmal zulegen, was durchaus etwas über die aktuellen Stärkeverhältnisse zwischen den beiden Teams aussagt. Schiedsrichter Klossner fuhr wie auch generell die anderen Schiedsrichter in der Schweiz seit Saisonbeginn eine tolerantere („englischere“) Linie, was grundsätzlich zu begrüssen ist. Es trägt wesentlich zur Attraktivität der Spiele bei, und die Entscheide wirken weniger willkürlich. Auch wenn dann in der Zweiten Halbzeit Klossner und sein Assistent leider ein Vergehen von Kevin Mbabu im eigenen Strafraum,  als dieser den in Richtung Rodriguez rollenden Ball mit dem Arm blockierte, übersahen.

FCZ – YB 0:0 (0:0)

Tore: Je eines war an beiden Enden des Feldes aufgestellt.

FC Zürich: Vanins; Nef, Palsson, Brunner; Winter, Rüegg, Sarr, Pa Modou; Dwamena, Frey, Rodriguez (69. Koné).

BSC Young Boys: Von Ballmoos; Nuhu, Von Bergen, Benito; Mbabu, Sanogo, Sow, Lotomba (46. Schick); Fassnacht, Hoarau (74. Ravet), Assalé (46. Nsamé).

Von den Kollegen im Asylzentrum Chur wurde er wegen seinen fussballerischen Qualitäten „Chef“ genannt. Sein Name ist Eric Tia. Er ist 20 Jahre alt und stammt aus der Elfenbeinküste. Am Samstag spielte er als Testspieler von Ludovic Magnins U21 auf dem Juchhof gegen den Stadtrivalen YF Juventus (0:1, Torschütze Nicola Zuffi aus kurzer Distanz nach einem Eckball von rechts) auf dem linken Flügel. In seiner Heimat hatte Tia nie in einem Klub gespielt, und die fehlende Ausbildung sieht man ihm immer noch an, auch wenn er in den drei Jahren, die er nun bereits in der 2.Liga Interregional für den FC Chur 97 aktiv war, mit Sicherheit Fortschritte gemacht hat.

Fussballerisch und physisch ist Tia bei diesem Testspiel sowieso einer der besten auf dem Platz. Gibt es beim FCZ eine ähnliche Story wie in Hamburg, wo der als Asylsuchender ins Land gekommene junge Gambier Bakery Jatta in der Schlussphase der für den HSV sportlich turbulenten Saison in jedem Bundesligaspiel eingesetzt worden war?  Der Auftritt gegen YF Juve spricht eher dafür – zumindest bezüglich einer Chance in der Zweiten Mannschaft. Im Winter hatte Tia bereits Probetrainings bei Rapperswil-Jona absolviert, und vor kurzem war er fälschlicherweise etwas voreilig bereits als Neuzugang beim Erstliga-Spitzenteam Eschen/Mauren, wo sein Churer Mentor und Trainer Thomas Waser hingewechselt ist, gemeldet worden.

Tia ist nur einer von gleich mehreren jungen Spielern aus den Gruppen 5 und 6 der 2.Liga Interregional, die zur Zeit beim FCZ II im Test sind. Dazu gehören der ehemalige FCZ-Junior (U18) Patrick Perreira (20), der beim SV Höngg in der test-yf-juve-u21-fcz-juchhof-overviewabgelaufenen Saison in 26 Partien 27 Tore erzielt hat. Weiter im Sturm der bereits 24-jährige Kevin Rohrer vom FC Buchs, und in der Defensive der Allrounder Yanick Guerchadi (19) von Lugano U21. Dazu kommt ein weiterer in der Schweiz und der 2.Liga Interregional gestrandeter 20-jähriger – der Grieche Anestis Dimitriadis (FC St.Margrethen, Zentrales Mittelfeld). Gegenüber Züri Live erklärt dieser, dass er in Griechenland bei AO Xanthi im Nachwuchs gewesen, dort aber die Perspektiven schlecht seien – ein Profi verdiene nur 800 Euro pro Monat. Seit einem halben Jahr wohne er jetzt in Herisau.

Aus der 1.Liga erhält mit Liridon Berisha (19, Verteidiger, FC Seefeld) ein weiterer ehemaliger FCZ-Junior (U21) nochmal eine Chance, sich zu zeigen. Dazu wie schon gegen Cham Sascha Dervenic (18, Innenverteidiger, Luzern-Kriens U18). Ausserdem ist der schon vor längerer Zeit aus Stuttgarter Kreisen vermeldete FCZ-Testspieler Samir Bajrami (20, Rechter Aussenverteidiger, ehemaliger GC-Junior) endlich in einem Testspiel aufgetaucht, und kam in der 2. Halbzeit zum Einsatz. Vor einem Jahr war dieser mit Stuttgart II Gegner der 1.Mannschaft des FCZ in der Saisonvorbereitung gewesen. Bereits nicht mehr dabei ist der junge Spanische Stürmer mit Namen Llorente – und der laut Deutschen Quellen zum FCZ-Nachwuchs wechselnde Italo-Kanadier Domenic Lacroce (23) ist immer noch nicht gesichtet worden.

Ganz offensichtlich ist der auch in diesem Testspiel in Diskussionen mit dem Schiedsrichter verwickelte Ludo Magnin im Sturm auf der Suche nach einem Ersatz für den sich beim FC Wohlen im Test befindlichen Shpetim Sulejmani. Dieser hatte in der abgelaufenen Saison für 15 Tore gesorgt und konnte vorne mit dem Rücken zum Tor den Ball halten. Ein solcher Spieler fehlt dem Team zur Zeit. Man ist offensichtlich auch gewillt einen nicht mehr ganz so jungen Spieler für diese Position zu verpflichten – dies zusätzlich zum Routinier Florian Stahel auf der Innenverteidigerposition, welcher der Mannschaft mit seiner Ruhe, Kopfballstärke und dem guten ersten Pass von hinten heraus offensichtlich gut tut.

Ansonsten sind die 20-jährigen im Prinzip aus dem Talentalter bereits raus. Bei solchen Spielern müsste der Sprung in die zuschauer-vs-yf-juve-juchhof1.Mannschaft innert relativ kurzer Zeit (1 Jahr) im Bereich des Möglichen liegen, damit eine Verpflichtung noch Sinn machen würde. Das könnte bei Tia und Bajrami der Fall sein – bei Dimitriadis oder Pereira etwas weniger wahrscheinlich. Von den jungen Defensivspielern machte Guerchadi den besten Eindruck. Dervenic agierte erneut zu fehlerhaft. Der wenig agile Berisha kann sich Hoffnungen machen, obwohl er auch gegen YF Juventus nicht überzeugte.

Ansonsten stand wie gehabt Bojan Milosavljevic, welcher zuletzt öfters mit der 1. Mannschaft trainiert hat, zwischen den Pfosten. Im Zentralen Mittelfeld könnte Toni Domgjoni zum wichtigsten Leistungsträger werden – neben ihm haben Bijan Dalvand, der bereits letzte Saison in der U21 einzelne Einsätze hatte, und Lavdim Zumberi gespielt. Auch Enit Sadiku auf dem rechten Flügel und Offensivmann Lavdrim Rexhepi sind immer noch dabei. Yannick Kouamé war nicht im Aufgebot, schaute sich das Spiel aber von der Tribüne aus an, Gianni Antoniazzi ist verletzt. Neben Zumberi und Kamberi kamen aus der letztjährigen U18 ausserdem Kastrijot Ndau und der dynamische Fabio Dixon zum Einsatz. Ausserdem sass Torhüter Yassin Smach auf der Bank.

In der U18 bleiben sollen Calvin Heim (Tor), Basil Erne, Noah Lovisa (Verteidigung), Adhurim Gashi, Simon Yang, Marko Krunic (Mittelfeld), Matteo Di Giusto und Filip Stojlkovic (Sturm). Aus der U17 rücken Lukas Bolzli, Michele Pepe, Caner Türkmen, Luca Rüegger und Sayfallah Ltaief auf. Dazu kommt beinahe die gesamte Startelf der U16-Schweizer Meister. Die beiden 16-jährigen aus Skandinavien verpflichteten Talente Filip Kangemann und Seth Saarinen sollen erstmal in der U17 eingesetzt werden. Für Junioren-Nationalstürmer Dimitri Volkart könnte es einen Zwischenschritt zwischen U18 und Promotion League geben – und zwar in der Zweiten Mannschaft des FC Winterthur in der 1.Liga.

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dalvand-vs-yf-juveBijan Dalvands Drehschuss aus 20 Metern streifte die Lattenoberkante