FCZ schon reif für einen Sieg gegen YB? / FC Zürich – BSC Young Boys Cup-Viertelfinal Vorschau mit möglichen taktischen Formationen

FCZ gegen YB ist das einzige Super League-Duell des Cup-Viertelfinals im Jubiläumsjahr (100 Jahre Schweizer Cup). Welches Team kann die Hoffnung auf den Gewinn des 100. Schweizer Cups aufrechterhalten? Beide scheinen nach einer Durststrecke im Aufwind zu sein, wobei sich dies bei YB mit vier (zum Teil sehr hohen) Siegen in den fünf Partien seit dem Ende der Champions League-Kampagne schon einiges stärker in Resultate umgemünzt hat. Beim FCZ ist es hingegen nach dem knappen Heimsieg gegen Yverdon noch ein zartes Pflänzchen. Man darf nicht vergessen, dass der letzte Sieg des FC Zürich gegen ein Team, das in der Liga nicht unter den letzten vier klassiert ist, vom 21. September herrührt (2:0-Auswärtserfolg beim FC Basel). Seither konnte man nur gegen Sion, GC, Yverdon und Winterthur gewinnen. Ein Sieg gegen YB wäre also auch vor diesem Hintergrund eine grosse Sache.

Hadjam links oder rechts? Flügelsystem oder Rhombus?

Die historische Bilanz aus Cup-Duellen ist leicht positiv für den FC Zürich, inklusive dem einzigen Aufeinandertreffen in einem Final. Aber auch in der Meisterschaft hat sich die YB-Bilanz des FCZ seit dem 1:0-Heimsieg im November der Meistersaison (Tor: Willy Gnonto) ins Positive gedreht. Nur zwei Mal hat der FC Zürich seither gegen die Berner verloren, nachdem man zuvor geschlagene sieben Jahre in der Meisterschaft gegen die Gelb-Schwarzen nicht mehr gewinnen konnte und auch nur selten mal ein Unentschieden erreicht hatte. In den letzten vier Jahren hat der FCZ nur ein Heimspiel gegen YB verloren – es war das erste Spiel unter Trainer Ricardo Moniz im Mai letzten Jahres. Zwei ihrer insgesamt acht Cup-Titel hat der amtierende Meister YB in den letzten fünf Jahren geholt. 2020 wurde im Final der FC Basel mit 2:1 und 2023 Lugano mit 3:2 geschlagen. YB ist also historisch keine Cup-Mannschaft.

Im Spitzenkampf gegen Lugano (1:0 für YB) spielte Jaouen Hadjam aussergewöhnlicherweise auf der Rechtsverteidigerposition. Genau dieser Kniff sorgte letztendlich für die Entscheidung, als der Franzose mit einem Diagonallauf an die Strafraumgrenze lief und zu einem fast unhaltbaren Drehschuss in die entfernte Ecke ansetzte. Vorausgegangen war der Aktion ein „schlampiger“ Pass Ousmane Doumbias. Ausserdem zog der eingewechselte Colley mit seinem Laufweg Anto Grgic aus seiner Position, so dass der Raum an der Strafraumgrenze für Hadjam frei wurde. Lässt Contini Hadjam gegen den FCZ erneut auf rechts auflaufen? Ob Alan Virginius von Anfang an spielt oder nicht, ist jeweils auch etwas ein Indikator für die Formation mit der die Berner auflaufen. Mit dem flinken Franzosen kommen die Bundesstädter etwas mehr über die Seiten. Zuletzt gegen Lugano begann man hingegen wie zu Wicky-Zeiten wieder mit einem Rhombus. Zu einer bereits fast unverzichtbaren Grösse hat sich im Mittelfeld Neuverpflichtung Raveloson entwickelt, während der im Herbst noch spielbestimmende Ugrinic aktuell eher hartes Brot isst. Das YB-Kader ist nach dem Wintertransferfenster nicht mehr allzu breit. Die Alternativen für Coach Giorgio Contini sind begrenzter als für seine Vorgänger.

Mit oder ohne Gomez?

Die 4-3-3 Aufstellung hat sich gegen Yverdon bewährt. Falls der FCZ auch gegen YB vor hat, möglichst dominant aufzutreten, ist es unerlässlich die Viererabwehr beizubehalten. Denn das System mit Dreierabwehr scheint nur bei äusserst aggressivem Gegenpressing und schnellem Umschalten gegen einen Gegner wie dem FCB zu funktionieren. Die Frage stellt sich, ob Gomez für das YB-Spiel wieder fit wird. Die Alternative ist Denoon. Das Dreiermittelfeld Gbamin / Tsawa / Krasniqi hat sich bewährt. Conceição ist auf der Linksverteidigerposition nicht die ideale Besetzung, aber Mendy ist wohl noch kaum ready für die Startelf. Leidner hat zuletzt in der Promotion League in Vevey ein Tor erzielt, was bei Ricardo Moniz immer gut ankommt. Mahmoud hat sich in der Schlussphase gegen Yverdon gut eingeführt. Zuber spielte bis zur Auswechslung Krasniqis auf dem linken Flügel und gefiel erneut auf dieser Position. Chouiar hat zur Zeit mehr Tiefen als Höhen. Volken scheint links eher für die Aussenläufer- oder Flügelposition und weniger als Aussenverteidiger vorgesehen zu sein, was Sinn macht.

Lugano mit Vorsprung auf der Leistungskurve / Lugano – FCZ VORSCHAU

Direktbegegnungen im Überblick (dbfcz)

Daten und Fakten im Vergleich (Transfermarkt)

Im Cornaredo treffen am Sonntag zwei Teams aufeinander, die sich wieder im Aufschwung befinden. Die Tessiner sind dies aber schon länger als der FCZ und haben daher den Vorteil, dass sie etwas gefestigter sind. Das Team von Coach Mattia Croci-Torti hatte diesmal während der Europa League-Gruppenphase in der Liga Mühe, vor allem auch weil es gleichzeitig viele verletzte Stammspieler gab. Der Tiefpunkt war die 0:3-Niederlage Mitte November mit einem Rumpfteam gegen den FC Zürich – 64 Stunden nach der 0:2-Niederlage in Brügge, wo man mit einem mutigen Auftritt über weite Strecken eine gute Leistung gezeigt hatte. Die Serie von vier ungeschlagenen Spielen in Folge (mit einem 1:0-Sieg in Basel und einem 3:3 gegen YB) wurde letzte Woche durch eine 1:2-Niederlage beim Zweitplatzierten und einzigen verbliebenen Schweizer Europacup-Teilnehmer Servette unterbrochen. In 1:0-Führung liegend, sah Lugano-Mittelfeldspieler Anto Grgic in der 75. Minute Rot, worauf der Gegner die Partie noch drehen konnte.

Croci-Tortis Team erinnert taktisch an die Weltmeister 2014

Der ehemalige FCZ-Junior wird also wegen seiner Sperre nicht dabei sein. Er wird den Tessinern speziell bei den Offensivstandards fehlen, die dank ihm zuletzt gefährlich waren und zu Toren führten. Der Ersatz Grgics auf der 6er-Position wäre im Normalfall mit Ousmane Doumbia ein weiterer ehemaliger FCZ-Spieler. Aber dieser wird voraussichtlich verletzungsbedingt ebenfalls ausfallen. So muss wohl Captain Jonathan Sabbatini von einer 8er- auf die 6er-Position zurückrücken. Dies könnte ebenfalls negative Auswirkungen aufs Offensivspiel der Luganesi haben, denn Sabbatini zeigte sich zuletzt in verschiedenster Weise nach vorne gefährlich – mit Ballgewinnen weit in der gegnerischen Platzhälfte wie beim Führungstreffer in Genf, mit Klasse-Zuspielen hinter die gegnerische Abwehrlinie wie beim Siegtreffer Renato Steffens in Basel – oder selbst als Torschütze wie in St. Gallen. Letzten März ist der 35-jährige Uruguayer, der im Sommer eigentlich als Profi aufhören und einen Job im Staff des FC Lugano hatte antreten wollen, beim 2:0-Heimsieg im Cornaredo gegen den FC Zürich mit einem Tor und einem Assist speziell aufgefallen. Auf den formstarken Routinier muss der FCZ sicherlich ein Auge werfen.

Die Spielweise von Lugano hat sich in letzter Zeit verändert. Torhüter Amir Saipi spielt viel mehr hohe Bälle hinten heraus ins Mittelfeld als früher – obwohl er darin weniger gut ist, als beispielsweise Yanick Brecher. Die Bälle sind dabei so gespielt, dass sie halbhoch verarbeitet werden können, denn die vordere Lugano-Linie ist nicht kopfballstark. Währenddessen hat sich das Aufbauspiel des FC Zürich zuletzt genau gegensätzlich entwickelt. Die Grundformation der Tessiner kann man als 4-3-3 bezeichnen, aber es ist kein klassisches 4-3-3. Auch von einem 4-1-4-1 oder 4-5-1 zu reden trifft es nur teilweise. Dies weil die offensiven Aussenspieler (aktuell in der Regel Mahou und Bislimi) nicht wie klassische Flügel agieren, sondern eher wie seitlich und vertikal verschobene 8-er. Vielleicht könnte man von “Super 8-ern“ sprechen. Sowohl die Rolle dieser “Super-8er“ (Özil, Müller), als auch die Viererkettte mit häufig vier gelernten Innenverteidigern, sowie die unregelmässige und punktuelle Art des Pressings erinnert taktisch an die Weltmeistermannschaft Deutschlands 2014. Im Normalfall ist Lugano defensiv eher an Raumdeckung orientiert. Allerdings gibt es Ausnahmen: beim Auswärtssieg in Basel spielte man Pressingfussball mit weitgehender Manndeckung in einem 4-4-2 gegen das 4-4-2 des FCB.

Lugano fast immer mit dem gleichen Rezept

Neben der Variante mit vier Innenverteidigern in der Viererkette (Hajrizi, Mai, El Wafi, Hajdari) hat Lugano-Coach Croci-Torti die Option mit dem offensiven Aussenverteidiger Valenzuela im Köcher – so wie 2014 Jogi Löw mit Philipp Lahm, der im Verlauf des Turniers zurück auf die Aussenverteidigerposition rückte. Für die Variante mit Valenzuela spricht, dass El Wafi zuletzt in Genf keinen glücklichen Auftritt hinlegte und vielleicht erstmal auf der Bank Platz nehmen muss. Eine Alternative auf der 6er-Position wäre der bereits 26-jährige, aber trotzdem noch wenig erfahrene Johan Nkama, was Sabbatini erlauben würde, auf der für ihn effektiveren 8er-Position zu spielen. Möglich auch, dass es zumindest im Verlauf der Partie bereits zum Début des neuen Stürmers Kacper Przybylko (30) kommt, der nach 114 Einsätzen in der 2. Bundesliga und 130 Partien in der Major League Soccer bei Maren Haile-Selassie-Klub Chicago Fire jüngeren Stürmern Platz machen musste. Die Mehrzahl seiner Tore erzielt Lugano in den letzten Wochen jeweils auf ähnliche Art und Weise. Ganz egal auf welcher Höhe sich die gegnerische Abwehrkette befindet, will man vor dieser in Ballbesitz zu kommen und von dort den Ball hinter die gegnerische Abwehrlinie spielen. Die Schwierigkeit für den Gegner besteht dabei darin, dass Lugano versucht, so viele Anspielstationen wie möglich auf die gegnerische Verteidigungslinie zu bringen – und häufig wird für das Zuspiel in die Tiefe dann nicht die naheliegendste Variante gewählt, um ein gewisses Überraschungsmoment zu nutzen.

Während bei Lugano der Liga-Aufschwung nach ihrer Herbst-Baisse schon Ende November eingesetzt hatte und nach dem Jahreswechsel anhielt, kam die FCZ-Resultatbaisse in den Wintermonaten. Im 285. Derby konnte nach sieben sieglosen Partien mit einer überdurchschnittlichen Defensivleistung und Pragmatismus der erste Sieg eingefahren werden. Der darauf folgende 1:0-Sieg in Luzern war basierend auf den Züri Live-Noten gar die Defensiv zweitbeste und insgesamt viertbeste Leistung der ganzen Saison. Die veränderte Spielweise und Spielformation, die Sperren von Katic und Condé und verletzungsbedingten Ausfälle von Guerrero und Daprelà, sowie die verstärkte Berücksichtigung von jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs hat spürbar eine neue Dynamik in die Mannschaft gebracht. Da Luzern gleichzeitig sehr ersatzgeschwächt antreten musste, reichte es trotz den verschiedenen Umstellungen zum verdienten Sieg.

Kryeziu oder Daprelà neben Kamberi?

Junior Ligue hat sich in Luzern vorne in der Sturmspitze bewährt. Einen physisch starken Spieler auf dieser Position zu haben, der gleichzeitig auch noch eine gewisse Antrittschnelligkeit aufweist, tut der ganzen Mannschaft im Spielaufbau gut. Wenn Dante bereits in Lugano in der Startformation stehen würde, wäre es keine Überraschung. Die Profile der Lugano-Angreifer könnten in der Frage „Kryeziu oder Daprelà?“ eher für den ehemaligen Luganesi sprechen. Wer könnte es aus der U21 oder U19 diesmal aufs Matchblatt schaffen? Nevio Di Giusto (10er) scheint dafür ein heisser Kandidat zu sein. Allenfalls auch Ivan Kovacevic (innenverteidiger). Für den noch gesperrten Cheikh Condé wird eine Rückkehr in die Startformation sicherlich nicht einfach, denn das Duo Mathew / Krasniqi hat sich in den letzten Partien sehr bewährt. Antonio Marchesano erzielte in den letzten beiden Partien jeweils den Siegtreffer,. Der Tessiner hat für den FCZ gegen Lugano zudem schon acht Mal getroffen. Nur Fritz Künzli (11) und Köbi Kuhn (9) netzten im FCZ-Trikot gegen die Bianconeri noch häufiger ein.

Neues Sturm-duo Für den FCZ? / Lugano – FCZ VORSCHAU

Direktbegegnungen im Überblick (dbfcz)

Der FC Lugano schafft es genauso wie Servette mit dem zusätzlichen Europacup-Engagement besser umzugehen, als der FC Zürich und der FC Basel es letzte Saison taten. So sind die Tessiner trotz einer guten Europacup-Saison sowohl in der Liga als auch im Cup immer noch im Rennen. Nach vier Punkten aus den ersten zwei Partien der Conference League-Gruppenphase gab es zuletzt zwei Niederlagen gegen den FC Brügge. Brügge hat den mit Abstand höchsten Marktwert aller belgischen Mannschaften (fünf Mal höher als Lugano). Die Stammspieler dieses Kaders würden auch der FC Basel oder YB nicht verpflichten können. So beispielsweise den vor einem Jahr in der Europa League-Gruppenphase gegen den FCZ überzeugenden Mittelfeldspieler Hugo Vetlesen, der für rund CHF 8 Millionen von Bodø / Glimt in die belgische Metropole stiess. Das ersatzgeschwächte Team von Coach Mattia Croci-Torti zeigte trotz der 0:2-Niederlage in Belgien eine mental, spielerisch und taktisch reife und auch mutige Leistung. Der Gegner wurde dabei mit sechs bis acht Mann hoch in der gegnerischen Hälfte angegriffen.

Taktikfuchs Croci-Torti mit beschränkten Optionen

Davor hatte Lugano zu Hause gegen YB 1:1 Unentschieden gespielt und daraufhin im Cup Lausanne-Sport 4:0 auswärts geschlagen. Anschliessend folgte auf der Tuilière das Meisterschaftsspiel gegen den gleichen Gegner, welches 1:3 verloren ging. In dieser Partie waltete für die Luganesi “Murphy’s Law“: es ging so ziemlich alles schief, was schief laufen kann. Obwohl man früh in der Partie den verletzungsbedingten Ausfall von Mattia Bottani verkraften musste, hielt man bei numerischem Gleichstand das 0:0. In der 70. Minute wurde dann aber Aussenverteidiger Marques mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Dann gelangen dem neuen Lausanne-Flügel Samuel Kalu zwei aussergewöhnliche Standards zum 1:0 und 2:1. Anderen Super League-Gegnern von Lausanne werden diese wohl auch noch Kopfzerbrechen bereiten. Dazwischen hatte Lugano in Unterzahl durch Captain Sabbatini ausgeglichen. Aber das nützte letztendlich nichts, weil auch noch Aushilfs-Keeper Steven Deana in entscheidenden Szenen nicht die beste Figur abgab.

Aufgrund der Ausfälle von Marques, Hajrizi, Bottani, Celar, Grgic, Valenzuela und Vladi bleiben Lugano-Trainer Croci-Torti für die Aufstellung gegen den FCZ nicht viele Alternativen. Variante A wäre ein Formation wie gegen YB und in Brügge, als die Bianconeri mit einer Dreierabwehr und hoch pressenden Aussenläufern aufliefen. In diesem Fall hätte der 19-jährige Ayman El Wafi eine Chance, von Beginn weg zum Zug zu kommen. Variante B wäre das klassische 4-3-3. So oder so fehlt Lugano abgesehen vom eher formschwachen Boris Babic zur Zeit ein klassischer Mittelstürmer. Positive News für die Tessiner sind, dass Wirbelwind Ignacio Aliseda erstmals wieder zur Verfügung steht. Für ihn muss der FCZ ebenso gewappnet sein, wie für Unterschiedsspieler Renato Steffen. Durch den Ausfall des spielerisch starken Sechsers Anto Grgic wird diese Position wieder durch den klassischen “Ausputzer“ Sabbatini interpretiert. Der Uruguayer bietet seiner Abwehrreihe viel Unterstützung an. Davor hatte der Lugano-Captain auf der Achterposition eher Pressingaufgaben weiter vorne übernommen.

Rohner und Oko-Flex harmonieren gut

Beim FCZ sind alle wieder an Bord. Man muss dabei Wege finden, vorne wieder so treffsicher aufzutreten wie zu Beginn der Saison. Für Fabio Daprelà wäre ein Auftritt in Lugano, wo er in sechs Jahren annähernd 200 Wettbewerbsspiele gemeistert hat, speziell. Zuletzt zeigte seine Formkurve aber nach unten. Er kam angeschlagen zum FCZ und scheint immer noch an diesem Problem zu knabbern – und es kamen zuletzt neue Problemzonen hinzu. Guerrero hat zuletzt gut gespielt und würde eine Startelfnomination verdienen. Vorne könnte es Bo Henriksen mal mit dem Duo Rohner / Oko-Flex versuchen. Die beiden haben sich bezüglich Laufwege und Timing sowohl in Cup-, als auch in Liga- und Testspielen bisher immer sehr gut verstanden. Gegen ein Lugano, das relativ viel Ballbesitz hat, bietet sich dieses Umschalt-Duo noch zusätzlich an. Dazu kommt, dass Okita und Marchesano zuletzt als Einwechselspieler besser performten, als wenn sie von Beginn weg aufliefen.

Der Balljunge und sein Beitrag zur Zürcher Führung / FCZ – Lugano Analyse

Lugano’s erste Auftritte sind vielversprechend – die des FCZ auch / FCZ – Lugano VORSCHAU (Züri Live)

Der 3:0-Heimsieg ist das unter dem Strich bisher beste der drei Auftaktpartien in die neue Super League-Saison. Lugano kam nur zu wenigen Torchancen: zum dritten Mal in Folge fiel die FCZ-Bilanz bei den Expected Goals deutlich positiv aus. Aussergewöhnlich an der Partie gegen Lugano waren die langen Pressingphasen des FC Zürich. Man zwang den Gegner so zu Fehlern. Zu Recht wurde gegen diesen Gegner zudem auf Umschaltphasen gesetzt – auch wenn die Tessiner Neuverpflichtung Grgic, die in den ersten Spielen für etwas Zuteilungsprobleme im Mittelfeld gesorgt hatte, beim Auftritt bei seinem Stammklub im Letzigrund nicht antreten konnte. Erneut bildete für den FCZ Neuverpflichtung Fabio Daprelà ein wichtiges Element – und wiederholte das Ergebnis des Servette-Auswärtsspiels, als er ebenfalls als defensiv bester FCZ-Akteur eruiert wurde. MVP und offensiv bester Mann war aber Daniel Afriyie. Der in der Schlussphase eingewechselte Ivan Santini zeigte ebenfalls gute Ansätze, Katic und Okita steigerten sich im Vergleich zur Woche davor merklich.

Personalien

Highlights: Innerhalb von 12 Minuten vom 0:0 zum 3:0

Randnotiz: Der Balljunge und sein Beitrag zur Zürcher Führung

Kommentare: „Fühle mich wie ein Golf-Kommentator“

Weitere Berichte und Highlights

Telegramm FCZ – FC Lugano (transfermarkt)

Afriyie ebnet FCZ den Weg zum Sieg (BLICK)

Lugano’s erste Auftritte sind vielversprechend – die des FCZ auch / FCZ – Lugano VORSCHAU

Historisch ist die Bilanz gegen Lugano ziemlich ausgeglichen, die letzten fünf Direktbegegnungen haben die Tessiner allerdings alle gewonnen. Das Team von Trainer Mattia Croci-Torti kommt nach den Startsiegen ohne Gegentor bei Stade Lausanne-Ouchy (3:0) und gegen St. Gallen (1:0) als Leader in den Letzigrund. Lugano hat dabei bisher allerdings auch von der eigenen Effizienz und der fehlenden Abschlussstärke der Gegner profitiert. Der FCZ hat sich in seinen beiden Auftaktpartien gegen Yverdon und bei Servette mehr Torchancen herausgespielt.

Erstes Gebot gegen Lugano: kompakt stehen

Auch zu Beginn der neuen Saison liess Croci-Torti zwei Mal in unterschiedlicher taktischer Formation spielen. Grundsätzlich spielt Lugano am liebsten durch die Mitte, was sie zum Auftakt gegen Stade Lausanne-Ouchy in einem 3-4-2-1 auch getan haben. Man ist gut darin, den Gegner im Aufbauspiel hinten herauszulocken und so Räume zwischen den Linien zu schaffen, welche die wirbligen Offensivspieler auszunutzen wissen. Noch etwas Schwierigkeiten haben die Luganesi mit ihrem Gegenpressing. Sie scheinen auf gegnerische Konter etwas anfällig, auch weil die Rollenverteilung im Zentrum zwischen Sabbatini, Bislimi und dem Neuverpflichteten Grgic noch nicht ganz zu funktionieren scheint.

In Lausanne spielte der ehemalige FCZ-Junior gegen den Ball in der zentralen Position einer Dreierabwehr mit dem Walliser Hajrizi und dem Basler Hajdari. Im Spielaufbau rückte Grgic dann jeweils häufig nach vorne ins Mittelfeld. Gegen die sehr zentral ausgerichteten St. Galler liess Croci-Torti mit Ball die Seiten doppelt besetzen und sein Team häufiger über die Flanken angreifen. Sein Team lief daher in einem 4-2-3-1 auf. Gegen den FCZ wird Croci-Torti tendenziell eher wieder die „SLO-Taktik“ wählen. Für den FCZ empfiehlt es sich gegen dieses Lugano kompakt zu stehen und die Anfälligkeit des Gegners auf Konterangriffe auszunutzen. Wenn man hingegen zwischendurch (oder zu Beginn) in ein Hohes Pressing geht, dann muss man dies sehr konsequent machen, mit drei Mann in der vordersten Linie. Beim 2:2 in Genf hatte beispielsweise Jonathan Okita nach 25 Minuten in seiner Defensivarbeit nachgelassen.

Viele Elemente des FCZ-Offensivspiels funktionieren wieder

Nach den vielen personellen und taktischen Wechseln im 22/23 setzt Coach Bo Henriksen zu Recht wieder vermehrt auf Kontinuität. Vom personellen und taktischen Grundgerüst ausgehend nimmt der Däne je nach Situation kleine, aber effektive Anpassungen vor. Man ist sehr variabel, weil im Offensivspiel zur Zeit sehr viele Elemente funktionieren: das Aufbauspiel mit dem Schaffen von Überzahlsituationen, die Kontersituationen speziell über die rechte Seite mit Rohner – aber auch die langen, hohen Bälle von Yanick Brecher. Das Timing bei den Standardsituationen ist ebenfalls wieder deutlich besser aufeinander abgestimmt als letzte Saison. Fabio Daprelà konnte nach seinem in vielerlei Hinsicht missglückten Auftakt gegen Yverdon in Genf nun bereits eine wichtige Rolle einnehmen. Der Zürcher stabilisierte die Defensive genauso wie er offensiv bei Standards für zusätzlichen Betrieb sorgte. Dies kann entscheidend dazu beitragen, dass ein Zielspieler wie Lindrit Kamberi freistehend zum Kopfball kommen kann. Und Daniel Afriyie’s Auftritt sah in Genf erstmals Super League-like aus.

Simic oder Marchesano? Auch eine Systemfrage / Sion – FCZ Vorschau

Im Wallis treffen heute zwei Gegner aufeinander, die zuletzt in Unterzahl Punkte geholt haben, so der FCZ drei Zähler gegen den FC St. Gallen. Sion war aber eher noch beeindruckender mit dem Aufholen eines Zweitorerückstandes auswärts in Genf, was den Wallisern den ersten Punkt im neuen Jahr brachte.

Fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive

Sion kassierte seine Gegentore in den letzten Spielen vor und nach der Winterpause auf drei Arten:

  • am häufigsten durch schnelles Umschaltspiel über die Seiten
  • ausserdem durch Fehler im Spielaufbau von hinten heraus
  • dazu kommen Penaltys

Ihre Tore erzielen die Walliser ebenfalls am liebsten durch schnelles Umschalten und sie nutzen dabei zudem gerne ihre individuellen Qualitäten im Spiel nach vorne. Sion ist generell in Bezug auf offensive und defensive Qualitäten eine unausgewogene Mannschaft. Dies hat sich unter dem neuen Coach Fabio Celestini eher noch akzentuiert.

Pressing funktioniert noch nicht wunschgemäss

Sowohl bezüglich Wucht wie auch Technik im Spiel nach vorne gehören die Walliser zu den Besten der Liga. Defensiv und im Aufbau von hinten haben die Sittener hingegen einige Mankos aufzuweisen. Es fehlt an soliden, passsicheren Innenverteidigern für das defensive Gewissen und den ersten Pass. Und wenn Sion ein hohes Pressing zu spielen versucht wie zuletzt in Genf, setzen die Stürmer und Offensiven Mittelfeldspieler den Gegner nicht konsequent genug unter Druck und die Hintermannschaft hat in der schnellen Rückwärtsbewegung Probleme.

In Genf liess der neue Coach sein Team in einem 4-2-3-1 auflaufen, nachdem er es gegen Lugano noch mit Mittelfeldraute versucht hatte. Dies gab den Tessinern aber zu viel Platz über die Seiten. Balotelli, Cavaré, Cyprien und Grgic sind alle gesperrt. Zuffi, der in Genf auf dem Rechten Flügel gespielt hat, könnte heute die Rolle von Ex FCZ-Junior Anto Grgic übernehmen und Giovanni Sio für den zu 2.Bundesliga-Leader Darmstadt abgewanderten Filip Stojilkovic stürmen. Gut in Form ist Flügel Ilyas Chouaref.

Simic oder Marchesano? Auch eine Systemfrage

Der FCZ hat in Luzern in einem 3-3-2-2 mit Cheick Condé als einzigem Sechser nach der Winterpause begonnen und stellte dann gegen St. Gallen auf ein 3-4-3 um. Spielt in Sion Marchesano von Anfang an, wird es wohl eher wieder ein 3-3-2-2 mit Dzemaili und Marchesano auf den Achterpositionen. Okita vergab gegen St. Gallen eine „Hundertprozentige“, trifft aber sehr gerne in der französischsprachigen Schweiz mit seinen zwei Toren in Genf sowie dem Siegestreffer in Sion in der Vorrunde.

Roger Federer erblasst vor Neid / FCZ – Sion in der Züri Live-Analyse

Jedes der vier Saisonduelle mit dem FC Sion verlief unterschiedlich. Trotzdem gibt es bei diesem 5:1-Heimsieg Parallelen mit dem ersten Aufeinandertreffen im Letzigrund im Oktober. Beide Heimspiele gegen die Walliser wurden mit vier Toren Unterschied gewonnen und in beiden liess der FCZ im zweiten Viertel der Partie stark nach – und die Walliser ins Spiel kommen. Ebenso traf sowohl im Oktober wie im April der FC Zürich früh in beiden Spielhälften – und in drei dieser vier Halbzeiten war Assan Ceesay nach jeweils weniger als drei Minuten der Torschütze.

Sion verliert durch Wesleys Ausfall die Balance

Im Gegensatz zum 1:1 im Tourbillon im Februar liess sich Sion diesmal nicht auf ein Eins-gegen-Eins auf dem ganzen Platz ein, sondern zog sich stärker zurück. Trainer Tramezzani hatte in den Wochen zuvor mit einer für seine Verhältnisse ungewohnten personellen und taktischen Kontinuität Erfolg gehabt. Gegen den FCZ waren sein Mittelfeld und die Stürmer aber zu anfällig auf Ballverluste, vor allem gegen den Zürcher MVP Ousmane Doumbia. Der frühe verletzungsbedingte Ausfall des kampfstarken Wesleys brachte das Walliser Gleichgewicht zusätzlich durcheinander. Dessen Ersatz Bua oder auch das Mittelfeld mit Baltazar, Zuffi und Grgic fehlte es an Qualität im Zweikampfverhalten und im Spiel ohne Ball. Mit diesen und ähnlichen Akteuren kassierte der FCZ 15/16 einige hohe Niederlagen und stieg ab – mit einer von hinten bis vorne diszipliniert spielenden Mannschaft wurde man nun diese Saison Meister. Gegen die aktuelle Pressingmaschine FCZ fiel Sion letztendlich zum zweiten Mal auseinander. Und dass beispielsweise der für Super League-Verhältnisse technisch beschränkte Birama Ndoye vor dem 4:1 vor dem eigenen Strafraum mit Assan Ceesay im Rücken zu jonglieren versuchte, half natürlich auch nicht. Nicht gegen diesen FCZ.

FCZ rechts ohne Boranijasevic mit Defensiv-Problemen

Kopflos war Sion aber nicht angetreten. Sie suchten lange Zeit immer wieder erfolgreich im Spielaufbau meist über Bamert und Benito die Halbräume im Mittelfeld. Auf der rechten Sion-Seite wurde dies aber bald mal dadurch unterbunden, dass Ceesay konsequenter nach hinten zu arbeiten begann und Bamert weitgehend aus dem Spiel nahm. Gnonto auf der anderen Seite liess hingegen Benito immer wieder zu viel Spielraum. Sion hatte sich sowieso vorgenommen, in Abwesenheit von Nikola Boranijasevic vorwiegend über die linke Seite zum Erfolg zu kommen. Und die Walliser hatten mit diesem Plan Recht. Rohner / Kamberi / Dzemaili bekundeten defensiv immer wieder grosse Probleme – und als Wallner noch vor der Pause den angeschlagenen Rohner ersetzte, wurde es eher noch schlimmer. Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie wichtig es diese Saison war, dass der FCZ kaum verletzungsbedingte Ausfälle von Stammspielern zu beklagen hatte. Silvan Wallner konnte sich nicht empfehlen, und Fabian Rohner wäre möglicherweise auf der Stürmerposition besser aufgehoben, als im rechten Couloir.

Gnonto als Starter und Tosin als Joker funktioniert gut

Rohners grosse Qualitäten im Abschluss offenbarten sich einmal mehr bei dessen Traumtor nach Diagonalball Doumbias in der 9. Minute. Dieses hatte Rohner mit guter Antizipation im Mittelfeld selbst eingeleitet gehabt. Die Kombination Gnonto in der Startformation und Tosin als Einwechselspieler für den jungen Lombarden funktionierte einwandfrei: Gnonto war an den ersten drei Toren beteiligt und Joker Tosin erzielte Nummer vier und fünf gleich selbst. Karol Mets verzeichnete wie schon gegen YB auch diesmal wieder einen unkonzentrierten Teileinsatz und verschuldete gegen den eigentlich eher harmlosen Giovanni Sio unnötigerweise zwei gefährliche Szenen im Zürcher Strafraum.

Highlights

Performance & Stats

Szene

Kommentare

Telegramm

FCZ – Sion 5:1 (2:1)
Tore: 2. Ceesay (Gnonto) 1:0, 9. Rohner (Doumbia) 2:0, 32. Cavaré (Cipriano) 2:1; 50. Aliti (Gnonto) 3:1, 72. Tosin (Ceesay) 4:1, 77. Tosin (Dzemaili) 5:1.
FCZ – Brecher; Kamberi, Kryeziu, Aliti; Rohner (41. Wallner), Doumbia, Dzemaili (79. Seiler), Guerrero (79. Mets); Marchesano (64. Hornschuh); Gnonto (64. Tosin), Ceesay.
Sion – Fickentscher; Bamert, Ndoye, Benito; Cavaré, Zuffi (68. Sio), Cipriano; Baltazar, Grgic; Wesley (13. Bua, 83. Tosetti), Stojilkovic.



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