Auf Krasniqi setzten – Bamba logischer Kandidat

Im Zentrum sollte mit Hekuran Kryeziu und dem zu langsamen Blerim Dzemaili in der neuen Saison nicht mehr geplant werden. Letzterer hat sich beim FC Zürich als nahtlose Fortsetzung der beiden ebenfalls zu langsamen Fehltransfers Grégory Sertic und Denis Popovic in der zentralen Position erwiesen. Vasilije Janjicic muss wohl auch zu Beginn der Vorrunde noch ganz oder teilweise über die Promotion League an die 1. Mannschaft zurückgeführt werden – und kann zumindest kurzfristig nicht als Grundpfeiler des Teams fix eingeplant werden. Die Besiegung seiner schweren Erkrankung war aber der grösste und mit Abstand wichtigste Erfolg im FCZ der letzten Saison. Als solcher sind sicherlich Ousmane Doumbia (29) und Antonio Marchesano (30) anzusehen. Der nach zwei Jahren in Wil zurückgeholte Bledian Krasniqi (19) sollte mit seinen aussergewöhnlichen spielerischen Qualitäten genauso wie vor einem Jahr der äusserst schnelle Fabian Rohner nicht bloss als „junger Ergänzungsspieler“, sondern als potentieller Leistungsträger angesehen werden, um welchen die Mannschaft aufgebaut wird. Stephan Seiler bringt als explosiver Balleroberer ähnliche Qualitäten wie Ousmane Doumbia mit und ist je nach taktischer Formation dessen Ersatz oder läuft zusätzlich auf. Je nach Spielweise bräuchte das Letzigrund-Team zusätzliche Physis und Wasserverdrängung im Zentrum als späte Nachfolge des im letzten Sommer abgewanderten Simon Sohm. Eine solche Rolle könnte Giovani Bamba (21), zentraler Baustein des Challenge League-Überraschungsteams Stade Lausanne-Ouchy, einnehmen.

Lieber Gaudino als Zuffi

Der aus dem YB-Nachwuchs stammende talentierte und breitschultrige Chiassese Breston Malula (20), der spielintelligente „Schaffhauser“ Valon Hamdiu (22) oder Liechtensteins Nationalteam-Captain Nicolas Hasler (30) vom FC Thun sind weitere valable Kandidaten fürs Zentrum. Der wohl insgesamt beste Spieler der Challenge League heisst allerdings Kenan Fatkic (23). Die Kombination seiner Physis, Technik, Wendigkeit und Torgefährlichkeit hätte ihn für die Mehrheit der Super League-isten vor Jahresfrist beim Abstieg des FC Thun eigentlich zu einem „No Brainer“ machen müssen. Nun laboriert der Slowene allerdings an einem Kreuzbandriss und eine Verpflichtung in diesem Gesundheitsstatus wäre eher aussergewöhnlich. Der aus dem FCZ-Nachwuchs stammende Silvan Kriz (21) hat beim FC Winterthur vor allem im Spiel nach vorne gute Ansätze gezeigt, seine Defensivqualitäten reichen aber wohl (zur Zeit) nicht aus. Keinesfalls ausser Acht lassen sollte man die Möglichkeit der leihweisen oder definitiven Verpflichtung eines Mittelfeld-Talentes von der Qualität eines Alvyn Sanches (18, Lausanne) oder Stefano Guidotti (21, Lugano), falls sich dazu die Möglichkeit bieten sollte.

In einer offensiven Rolle hat Bahadir Yesilcayir (22, Kriens) in der abgelaufenen Saison einen grossen Schritt nach vorne gemacht und ist zur Zeit einer der besten Distanzschützen der oberen beiden Ligen. Gianluca Gaudino (24) hat sich bei YB vor allem in Sachen Zweikampfverhalten weiterentwickelt und ist heute ein kompletterer Spieler als vor seiner YB-Zeit. Er wäre in dieser Verfassung in der Lage, dem FCZ zu helfen – allerdings nur, wenn ein solcher Spielertyp wirklich benötigt würde, was aufgrund des bereits bestehenden Kaders nicht vordringlich scheint. Eher keine Verstärkung wäre hingegen der fast körperlos und meist eher langatmig agierende Luca Zuffi (31, Basel), der wenn überhaupt nur für reines Ballbesitzspiel in Frage käme. Matteo Di Giusto (20) bestätigte diese Saison in Vaduz die vor allem bezüglich Mentalität positiven Eindrücke von ihm im Trikot des FCZ – was aber nicht heisst, dass eine Rückkehr von ihm zwingend Sinn machen würde. In Super League-Mannschaften mit einem anderen Spielstil als Vaduz hätte er Mühe, sich zu etablieren. Eine prominente Verpflichtung wäre ein Mentalitätsspieler wie Lukas Görtler (26), der in den letzten zwei Jahren im Kybunpark läuferisch am Limit seiner Möglichkeiten gespielt hat. Noah Frick (19) kam in der abgelaufenen Saison bei Xamax nicht zum Einsatz – die Gründe dafür sind nicht klar. Am Talent kann es nicht liegen.

FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 1 – Trainer und Spielidee

FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 2 – das Abwehrzentrum

FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 3 – knifflige Seitenpositionen

Bledian Krasniqi ist nach zwei Jahren Wil zurück beim FCZ
Vasilije Janjicic war in der Saison 20/21 in Gedanken, auf Matchtrikots, Einlauf-Shirts und sogar auf dem Teambus bei jedem Spiel dabei!

Für die Klubs ist Kaderplanung ein rollender Prozess, welcher das ganze Jahr hindurch betrieben wird. Für die externen Beobachter hingegen wird sie speziell in der Sommerpause jeweils zu einem heissen Thema. Züri Live nimmt daher aus diesem aktuellen Anlass den Kader des FCZ unter die Lupe, analysiert die Entwicklung der ausgeliehenen Spieler und liefert einen kompletten Überblick über potentiell für den FCZ interessante und gleichzeitig realisierbare Zuzüge aus der Challenge League und Super League. Der internationale Spielermarkt wird dabei bewusst aussen vor gelassen (mit Ausnahme von Schweizer Spielern im Ausland) – dafür würde eine einzelne Artikelserie nicht reichen, es bräuchte ein ganzes Buch.

Weiter Umschaltfussball oder Ballbesitz?

Erstmal ist für die Kaderplanung entscheidend, wie der FCZ in Zukunft spielen will. Der Kader der letzten Jahre ist für temporeichen Konterfussball am besten geeignet. Die Mannschaft hat unter Trainer Massimo Rizzo zudem im Pressing und Gegenpressing von einem tiefen Niveau aus wesentliche Fortschritte gemacht. In einem einzigen Transfersommer lässt sich dieses Stärke- / Schwächeprofil sicherlich nicht komplett auf den Kopf stellen, selbst falls dies ein Ziel sein sollte. Umschaltfussball sollte daher sicherlich weiterhin ein wichtiges Element des FCZ der kommenden Saison sein, wenn man sich seiner Stärken nicht künstlich berauben will. Die Frage ist: soll die erste gegnerische Linie vorwiegend mit hohen Bällen überspielt werden wie bei Rizzo und dabei auf die leicht verbesserte Kopfballstärke von Kramer oder Ceesay zur Weiterleitung der Bälle gesetzt werden? Oder findet man bessere Lösungen, um dies wieder flacher zu praktizieren, wie unter Magnin? Und soll mittelfristig der Übergang zu einem stärker ballbesitzorientierten Fussball angestrebt werden?

Wenn auch aktuell nicht mehr in Mode, so zeigen Mannschaften wie beipielsweise Ajax oder in der Schweiz Servette, dass man auch heutzutage mit einer modernen Version des kontrollierten, Zweikämpfe vermeidendem Aufbauspiels erfolgreich sein kann. Ausserdem bringen gerade junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Bledian Krasniqi, Fabian Rohner, Stephan Seiler oder Nils Reichmuth zusammen mit einem Antonio Marchesano oder Marco Schönbächler eine gute Basis fürs erfolgreiche Passspiel in den Zwischenräumen von massierten gegnerischen Linien mit. Selbst in diesem Fall braucht es aber unbedingt ein deutlich besseres Umschalten in die Defensive, als noch zu Magnin-Zeiten – sei es durch weiter verbessertes Gegenpressing wie unter Rizzo, oder einen schnelleren Rückzug in die Defensivformation.

Ein Trainer aus der Rangnick-Schule?

Das Gegenstück zum „Servette“-Modell wäre St. Gallen mit seinem zu besten Zeiten der Saison 19/20 schnellen direkten Spiel mit vielen Hohen Bällen durch die Mitte (modernes „Kick and Rush“) – sehr sprint- und zweikampfintensiv, wofür man eine entsprechend junge und willige Mannschaft braucht. Gerade in deutschsprachigen Ländern haben im letzten Jahrzehnt die Trainer aus der Rangnick / Hoffenheim / Red Bull – Schule einen wahrhaften Siegeszug angetreten und die traditionelle Trainergilde deutlich auf die hinteren Plätze verwiesen. Nicht alle Trainer aus dieser Schule spielen den genau gleichen Fussball, aber alle gehen sie mit einer neuartigen deutlich konsequenteren und systematischeren Methodik an Taktik, aber auch Teamführung und Trainingsgestaltung heran.

Es bietet sich für einen Klub wie den FC Zürich geradezu an, bei einem Neuanfang, wie er für diesen Sommer ausgerufen worden ist, auf einen Trainer mit dem entsprechenden modernen Background à la Peter Zeidler zu setzen. Dieser müsste dann allerdings zu Beginn sein Konzept mit einem in weiten Teilen nicht auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Team umzusetzen versuchen, wie dies bei Lucien Favre in der Anfangszeit ebenfalls der Fall gewesen war – mit den vermutlich entsprechend bescheidenen kurzfristigen Resultaten, bis schlussendlich über mehrere Transferperioden hinweg das Kader der angestrebten Spielweise angepasst werden kann. Die starke SFV-Vertretung (Heinz Moser, Marinko Jurendic) im FCZ könnte aber auch dazu führen, dass ein Trainer aus diesem Umfeld ganz oben auf der Liste steht. Unter Reto Gertschen beispielsweise haben SFV-Auswahlen fast immer ein Maximum aus ihren Möglichkeiten herausgeholt, was beim zuletzt in den Medien gehypten Mauro Lustrinelli trotz Qualifikation für die U21-EM meist nicht der Fall war.