FCZ – FCB Vorschauartikel (Züri Live)

Im Schach sagt man, dass der Kampf ums Zentrum das Spiel entscheidet und im Fussball ist es tendenziell ebenfalls so. Ein defensiver Schwachpunkt des von Franco Foda präferierten 3-4-3 ist, dass der Sechser des Gegners häufig viel Freiheiten geniesst, um das Spiel aufzubauen – vor allem wenn dieser durch zwei Achter assistiert wird. Alex Frei hatte wohl gesehen, wie Cammy Devlin als Sechser der Hearts gegen den FCZ das Spiel an sich reissen und die Zürcher in der 1. Halbzeit des Europa League-Rückspiels in Schwierigkeiten bringen konnte.

Alex Frei’s Systemumstellung klappt nicht

Frei stellte daher sein System um und begann im Letzigrund mit Taulant Xhaka auf der Sechs hinter Diouf und Burger auf den Achterpositionen. Das klappte aber nicht wie gewünscht. Denn was von Frei zu wenig berücksichtigt wurde: dem FCB fehlt für ein solches Spiel das Personal. Im Gegensatz zu Hearts ist Basel nicht eine spielerisch orientierte Mannschaft. Die Stärken liegen eher in der Physis und bei Vorstössen mit Ball am Fuss. Xhaka hatte zwar tatsächlich recht viel Freiheiten, konnte diese aber nicht so wie Devlin zu raumöffnenden Pässen nutzen. Zur Pause stellte Frei daher wieder um auf das bewährte 4-2-3-1. Der eingewechselte Zeki Amdouni spielte in der Folge eine entscheidende Rolle mit seinem grossen Aktonsradius von der Zehnerposition aus.

Wouter Burger wurde zwar zur Pause ausgewechselt und Taulant Xhaka war aus dem Spiel heraus nicht sehr wirkungsvoll. Mit zwei sehr schwierig zu verteidigenden Weltklasse-Freistössen entschied er aber die Partie. Und beim FCZ war das Zentrum individuell schwach. Marc Hornschuh wirkte wie meist wenn es gegen einen stärkeren Gegner geht, überfordert. Mit zwei unnötigen Fouls und einem Ballverlust war der Deutsche Ausgangspunkt aller drei Gegentreffer vom 1:1 zum 1:4 zwischen der 53. und 60. Minute.

FCZ-Trainerteam mit Zuteilungsfehler

Zwei Minuten später wurde Hornschuh durch Blerim Dzemaili ersetzt – was die Situation im Zürcher Zentrum aber sogar noch verschlechterte. Da Dzemaili sich an der Defensivarbeit praktisch nicht beteiligte, stand er bei Umschaltsituationen häufig frei und wurde von den Mitspielern gesucht – produzierte dabei aber aus aussichtsreichen Situationen unbedrängt einen Fehlpass nach dem anderen. Ole Selnaes kämpft immer noch mit einer für die Super League zu kleinen Handlungsschnelligkeit, agierte aber immerhin solider als Hornschuh und Dzemaili und übernahm erstmals vom im Aufgebot fehlenden Antonio Marchesano die Ausführung der Corner – gleich mit einem Assist zum Ausgleich Mirlind Kryezius. Mit einem Fehlpass leitete der Norweger allerdings auch den Doppel-Corner des FCB zum 0:1 ein.

Den 1:0-Führungstreffer des FCB durch Zeqiri nach Males-Eckball hatte das den Schweizer Fussball noch nicht gut kennende FCZ-Trainerteam mitzuverantworten. Sie setzten den starken Manndecker Lindrit Kamberi auf Dan Ndoye an und den bei hohen Bällen schwachen Adrian Guerrero auf Andi Zeqiri – dabei ist Zeqiri bekanntermassen der deutlich bessere Kopfballspieler. Der Gegentreffer zeigte dies schmerzhaft auf. Der Irrtum wurde korrigiert. Kamberi übernahm Zeqiri und hatte diesen in der Folge im Griff. Zwar erzielte Zeqiri einen weiteren Kopfballtreffer, allerdings in einer Freistosssituation mit Raumdeckung, in der Hornschuh zu spät Richtung eigenes Tor startete.

Erstaunliche Lücken für schnelle Zürcher Gegenangriffe

Nach der Partie ist zumindest Fabian Rohner nicht mehr der einzige FCZ-Ligatorschütze der Saison. Mit ihm, Mirlind Kryeziu und Blerim Dzemaili haben aber weiterhin nur Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ins Netz getroffen. Es hätten auch noch mehr Tore sein können. Nach Erwarteten Toren, Ballbesitz und gewonnenen Zweikämpfen lag der FCZ vorne. Fabian Rohner brachte viel Schwung und kam zu guten Torchancen. Sowohl Avdijaj als auch Tosin wurden vom jeweils nur den Mann und nicht den Ball attackierenden Arnau Comas elfmeterwürdig gefoult. Aber Fedayi San aus Zürich bleibt weiterhin bei seiner Linie, im Zweifelsfall sich ja nicht dem Vorwurf der Bevorzugung des Klubs vor seiner Haustür aussetzen zu wollen.

In der Ersten Halbzeit spielte der FCZ viel über die Seiten nach vorne. Die Stürmer rotierten. Donis Avdijaj schien dabei fussballerisch immer besser Fuss fassen zu können. Von Tosin kam hingegen weiterhin etwas zu wenig. Das Führungstor für Basel zum 0:1 in der 23. Minute fiel entgegen dem Spielverlauf und nach dem 1:1-Ausgeich neun Minunten später bekam das Foda-Team zusätzliche Luft. Auch in der 2. Halbzeit waren die Zürcher abgesehen von den drei fatalen Standardsituationen insgesamt das bessere Team. Brecher und Kryeziu erwischten defensiv einen schwachen Tag, kompensierten dies teilweise mit offensiv guten bis sehr guten Leistungen. Etwas erstaunlich war, wie sehr der FCB trotz Vorsprung im fremden Stadion den FCZ in der letzten halben Stunde immer wieder schnelle Gegenstösse durch die Mitte spielen liess. MVP auf Zürcher Seite war Fidan Aliti, der sich gegen einen seiner Stammvereine aus Basel sowohl defensiv wie auch offensiv richtig ins Zeug legte.

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Im Meisterspiel im St. Jakob Park wendet der FCZ das Rezept an, das er im Verlauf der Saison gegen YB und den FCB immer besser hat umsetzen können. Es gelingt, ein Spiel mit wenig Torchancen zu erzwingen, in welchem der FCZ als effizientere Mannschaft am Ende als Sieger hervorgeht. Eingeübte Spielzüge auf hohem Niveau nach stehenden Bällen entscheiden die Partie. Es ist das zehnte Saisontor nach einem Freistoss und das zweite nach einem eigenen Abstoss. Nur in der 3./4. Minute hatte Basel zwei gute Torchancen hintereinander, bei welchen der FCZ allerdings viele Beine zwischen Ball und dem eigenen Gehäuse stehen hatte. Es fiel letztendlich nicht ins Gewicht, dass der im gegnerischen Strafraum am häufigsten gesuchte Kryeziu erneut mit seinem schlechten Offensiv-Timing viele Chancen im Ansatz „versemmelte“. Denn Basel erlebte nach den frühen verletzungsbedingten Auswechslungen von Lang und Stocker einen Bruch in seinem Spiel.

Déjà Vu für Nikola Boranijasevic und Blerim Dzemaili

Nikola Boranijasevic schoss zum dritten Mal in Folge gegen Basel ein Tor, zwei Mal davon auf Vorlage seines Pendants Adrian Guerrero. Dazu kommt sein entscheidender Assist beim 3:3-Ausgleichstreffer Assan Ceesays im Oktober im Letzigrund in der 95. Minute. Ausserdem holte Boranijasevic gegen Liam Millar den Freistoss heraus, der diesmal zum 1:0-Führungstreffer des FCZ führte. Blerim Dzemaili führte diesen acht Meter zu weit vorne aus. Er hatte bereits bei seinem ersten Auftritt im St. Jakob Park nach seiner Rückkehr vor anderthalb Jahren ein Freistossassist gegeben – damals für Lasse Sobiech. In den letzten zwei Saisons hat der FCZ gegen den FCB nun eine Bilanz von fünf Siegen und zwei Niederlagen bei einem Unentschieden. Das Unentschieden ist aussergewöhnlich nicht nur in der Art und Weise wie es zustandekam, sondern auch weil es das einzige in den letzten 16 Direktbegegnungen war.

Die drei „Kapitäne“ sind im St. Jakob Park voll da

Die drei vor der Saison definierten „Kapitäne“ waren beim entscheidenden Schritt zur Meisterschaft für einmal alle zusammen voll da. Bei Antonio Marchesano ist dies sowieso fast immer und bei Yanick Brecher zuletzt immer häufiger der Fall gewesen. Blerim Dzemaili hingegen legte nach einigen eher schwächeren Auftritten seine beste Leistung seit dem Auswärtssieg in Luzern hin. Mirlind Kryeziu war in der Druckphase Basels zu Beginn sehr wichtig, baute dann mit zunehmender Spieldauer ab. Assan Ceesay bewies einmal mehr seinen grossen Wert für den FC Zürich und Lindrit Kamberi agierte erneut sehr ruhig und solide. Tosin hingegen bestätigte einmal mehr, dass er meistens eher unterdurchschnittlich spielt, wenn er in der Startformation steht. Als Joker war der für Benin spielende Nigerianer hingegen zuletzt fast immer stark. Ousmane Doumbia erwischte einen ganz schlechten Start in die Partie. Adrian Guerrero lief erneut sehr viel, seine Fehlerquote hat sich im letzten Saisonviertel aber erhöht.

Antonio Marchesano – würdiger MVP im Meisterspiel

MVP ist Antonio Marchesano – zum neunten Mal in dieser Saison, davon zwei Mal in der Rückrunde (YB auswärts als Einwechselspieler und FCB auswärts). Wie in den letzten Jahren war der Tessiner der auf hohem Niveau konstanteste und damit über die ganze Saison hinweg erneut beste FCZ-Spieler. Die aktuelle Ära des FCZ muss von Spielerseite her am stärksten mit seinem Namen verbunden werden. Nicht nur seine Offensivqualitäten sind für Super League-Verhältnisse aussergewöhnlich. Er ist gleichzeitig seit Jahren auch einer der Defensivchefs auf dem Platz. Marchesano organisiert die Defensivarbeit der Stürmer und teilweise auch des Mittelfeldes. In dieser Saison konnte er dies unaufgeregt tun, weil seine Vorder- und Nebenleute ihre Arbeit im Spiel ohne Ball weitgehend diszipliniert und professionell verrichteten. In den Saisons davor sah man Marchesano häufig auf dem Platz regelrecht ausflippen, weil immer wieder Mitspieler ihre Laufwege nicht verrichtet hatten. So konnte sich der Tessiner in dieser Saison stärker auf seine eigenen Aktionen fokussieren. Seine Rekordserie an Direkten Freistosstoren zu Beginn der Saison trug viel zum positiven Momentum bei. In der Liga steht er mittlerweile bei zwölf Toren und fünf Assists (total 16/6). Als langjähriger Challenge League-Spieler ist „Anto“ zum FCZ gewechselt. Nach seinen wesentlichen Beiträgen zu Aufstieg, Cuptitel und Meisterschaft, wartet auf ihn im Sommer die nächste Herausforderung: Champions League-Qualifikation. Eine seiner bisher besten Partien im FCZ-Dress hat der „Bernardo Silva für Arme“ gegen Bayer Leverkusen gespielt.

Highlights

Performance & Stats

Szenen

Kommentare

Telegramm

FCB – FCZ 0:2 (0:2)
Tore: 40. Ceesay (Dzemaili) 0:1, 45.+3 Boranijasevic (Guerrero) 0:2.
Basel – Lindner; Lang (14. Katterbach, 67. Pavlovic), Frei, Pelmard, Lopez; Burger, Xhaka; Ndoye, Stocker (25. Kasami), Millar (67. Fernandes); Esposito (67. Szalai).
FCZ – Brecher; Kamberi, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (84. Rohner), Doumbia, Dzemaili (64. Hornschuh), Guerrero; Marchesano (64. Coric); Ceesay (46. Kramer), Tosin (72. Gnonto).

Stimmen

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Neben dem Startsieg in Lugano war der späte 3:3-Ausgleich in einem verrückten Heimspiel gegen Basel wohl das wichtigste Erfolgserlebnis der Vorrunde. Danach ging es nach einem kleinen Zwischentief nur noch steil aufwärts. Nun konnte der FCB als letzter Kontrahent erstmals in dieser Saison bezwungen werden. Auf der Basis der Erfahrungen aus der Vergangenheit drängte sich die Empfehlung auf, gegen den FCB tief zu stehen. In den letzten Jahren war es jeweils nur so möglich gewesen, gegen diesen Gegner erfolgreich zu sein – und die beiden Begegnungen der Vorrunde bestätigten dies. Über den Winter haben sich allerdings gewisse wichtige Faktoren geändert. Erstens wurde das Pressing des FCZ weiter verbessert, speziell wenn man in Bestformation antreten kann.

Sechs Bundesligaspieler starten beim FCB – aber die Ausgewogenheit fehlt

Zweitens verliessen im Winter für das Überwinden des gegnerischen Hohen Pressings wichtige Spieler den FCB – und andere haben noch nicht die Vorrundenform gefunden. Neuverpflichtung Szalai wirkte zudem auf dem Niveau eines Super League-Spitzenspiels in seiner aktuellen Verfassung erst mal überfordert. Und der Aufstellung von Basel-Coach Abascal fehlte ganz allgemein die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive. Durch die vordere Reihe und die Mittelfeldreihe des FCB konnte der FCZ fast wie duch Butter vorstossen und sich durchkombinieren. Es fehlte fast jeglicher Widerstand in einer von den individuellen Qualitäten her sehr offensiv ausgerichteten rotblauen Mannschaft, in deren Startformation rekordverdächtige sechs Bundesligaspieler standen.

Intensives Gegenpressing und rechtzeitiger Rückzug

Der FCZ setzte viel Energie in die erste halbe Stunde der Partie und liess den Gegner in dieser Zeit kaum zum Verschnaufen kommen. Basels Gameplan hatte hingegen keine Ungleichverteilung des Energieeinsatzes über die Spieldauer vorgesehen und so brachte Zürich in dieser ersten Phase mehr Power auf den Platz. Dies zusammen mit dem allgemein verbesserten Pressing und den erwähnten personellen Faktoren auf Seiten des FCB führte zu einem erfolgreichen konstanten Gegenpressing in der ersten halben Stunde der Partie. Wichtig war danach aber auch, dass sich der FCZ in der Phase, wo die Energie nachliess, im Gegensatz zu gewissen Partien der Vorrunde rechtzeitig zurückzog.

Schnelles, direktes Spiel nach vorne zahlt sich aus

Es ist ein weitverbreitetes Phänomen der menschlichen Wahrnehmung, dass der erste Eindruck Gesamtbeurteilungen von Menschen und Situationen verfälscht. Wer sich an die erste halbe Stunde des Spiels FCZ – FCB erinnert, hat den Eindruck von einem hervorragenden Auftritt des Stadtclubs. Und tatsächlich lagen nach dem ersten Viertel der Partie mit Aliti, Tosin, Marchesano und Doumbia gleich vier Spieler auf dem Niveau der Maximalnote „10“. Da aber in der Züri Live-Bewertung die gesamten 93 Minuten bewertet werden, schaut am Ende eine für die aktuelle Saison eher durchschnittliche Benotung heraus. Die Mannschaft musste dem Energieeinsatz der ersten halben Stunde natürlich Tribut zollen. Danach kam nicht mehr viel. In der Viertelstunde nach der Pause verlor man den Zugriff aufs Spiel sogar fast komplett. Die Aufmerksamkeit und Präzision im Spielaufbau ging flöten – und der Gegner agierte vermehrt mit Hohen Bällen. Schnelles, direktes Spiel nach vorne fehlte vemehrt. Als Hinweis darauf, dass dieses für den FCZ zum Erfolg führt, kann betrachtet werden, dass den vier FCZ-Toren insgesamt nur fünf Pre-Assists vorausgegangen sind, während den 13 nicht verwandelten Torchancen 34 Pre-Vorlagen vorausgingen.

In Spitzenkämpfen sind Fidan Alitis Qualitäten besonders gefragt

MVP der Partie auf Seiten des FCZ ist Fidan Aliti – zum dritten Mal in dieser Saison. Auffällig: es handelt sich dabei um die drei Heimspiele gegen die Spitzenteams FCB und YB. Da sind seine Qualitäten besonders gefragt. Vor dieser Saison gehörte Aliti jeweils auch gegen Gegner wie Lugano zu den auffälligsten Spielern. Auch heutzutage ist seine Präsenz und Aufmerksamkeit in diesen Partien wichtig, aber es gibt da mittlerweile vermehrt Spielphasen, in denen Aliti defensiv kaum in Erscheinung treten muss. Der FCZ befindet sich immer seltener im „Feuerwehrmodus“. Gegen den Klub, wo Aliti zwei Jahre im Juniorenbereich aktiv war, setzte er in der Anfangsphase zwei wichtige Pflöcke ein, die wesentlich dazu beitrugen, dass die Partie sich in die für den FCZ richtigen Bahnen entwickelte.

Gegen Katterbach holte Aliti den Penalty zum 1:0 heraus, indem er sich flink im richtigen Moment zwischen Mann und Ball stellte. Und er pflückte mit dem “Tackling des Tages“ Darian Males beim gefährlichsten Basler Konter im eigenen Strafraum sauber den Ball vom Fuss. Dazu kommt ein insgesamt praktisch fehlerloser Auftritt. Der Penaltyszene ging ein missglückter Freistoss Blerim Dzemailis voraus, in dessen Folge der Gegner im eigenen Strafraum einen Fehler beging, wie in St. Gallen bei einem seiner ersten Auftritte nach seiner Rückkehr. Das 2:0 Kramers ist bezüglich der Offsidefrage eine ultraknappe Entscheidung. Man müsste Kameraperspektiven von verschiedenenn Seiten (zur genauen Bestimmung des Moments der Ballabgabe bei Tosin) und eine kalibrierte Linie haben, um die Frage wirklich zu klären.

Wilfried Gnonto trifft und trifft

Der FCB brachte in der ganzen Partie nur drei Abschlüsse aufs Zürcher Tor, von denen zwei reingingen. Yanick Brecher vermochte gegen die beiden Kopfbälle aus rund sechs Metern von Valentin Stocker und Michael Lang nichts auszurichten. Beim ersten Basler Tor konnten Pavlovic und Szalai mit ihren Bewegungen die Zürcher Abwehr in Verlegenheit bringen. Schlussendlich war es Blerim Dzemaili, der nicht auf Valentin Stocker aufpasste und dieser völlig frei zum Kopfball kam. Beim zweiten Gegentreffer half Ante Coric am entfernten Pfosten zwar aufmerksam aus, agierte dabei gegen Michael Lang aber etwas zu halbherzig. Wilfried Gnonto erzielte zwischen der 20. und 25. Runde in sechs Partien fünf Mal sein Tor. Er ist in dieser Phase zusammen mit Assan Ceesay der formstärkste Stürmer. Seit FCZ-Assistenztrainer Scholtysik in einem Interview in der Vorrunde offen über die Arbeit mit Wilfried Gnonto bezüglich seinen Reklamationen bei den Schiedsrichtern in Szenen, die nicht immer Fouls sind, gesprochen hat, scheinen die Schweizer Referees mit dem Italiener überkritisch umzugehen. So erhielt er auch gegen Basel wieder eine Gelbe Karte wegen angeblicher „Schwalbe“ in einer Szene, wo ihn Esposito an der Basler Strafraumgrenze klar gefoult hatte.

Telegramm

FCZ – Basel 4:2 (2:1)
Tore: 8. Marchesano (Penalty, Aliti) 1:0, 16. Kramer (Tosin) 2:0, 38. Stocker (Katterbach) 2:1; 78. Gnonto 3:1, 90.+1 Lang (Esposito) 3:2, 90.+3 Boranijasevic (Kramer) 4:2.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic, Doumbia (90.+2 Hornschuh), Dzemaili (83. Mets), Guerrero; Marchesano (69. Coric); Kramer, Tosin (69. Gnonto).
Basel – Lindner; Lang, Pelmard, Pavlovic, Katterbach; Frei (81. Kasami); Stocker (81. Esposito), Millar; Males (69. Palacios); Ndoye (69. Chalov), Szalai.



Der neue Coach Guillermo Abascal tritt in seinem ersten Spiel mit einer nominell sehr offensiven Ausrichtung an. Seine Lieblingsformation ist das 4-3-3. In diesem würden wohl der Offensivmann Stocker und der gelernte Stürmer Males die beiden Achterpositionen besetzen. Der frühere Offensive Mittelfeldspieler Frei besetzt möglicherweise alleine die Sechserposition. Für den FCZ könnten sich also für Marchesano und Co. Räume zwischen Verteidigungslinie und Mittelfeld des FCB ergeben.

Beim FCZ gibt es keine Überraschung. Blaz Kramer steht für den gesperrten Assan Ceesay in der Startformation. Mit dem Slowenen hat Zürich in dieser Saison bisher immer gewonnen.

Schaut man zur Halbzeit der Saison auf die Defensivleistung, dann sieht die Bilanz bei weitem nicht so gut aus wie es die Tabelle weismacht. Wenn die alte Weisheit „defense wins championships“ stimmt, dann scheint der FC Zürich zur Winterpause noch weit von einem Spitzenteam entfernt zu sein. 26 Gegentore – seit der Abstiegssaison hat das Letzigrund-Team nur einmal zur Winterpause mehr kassiert (19/20). Gegen den FCZ wurden in der Liga mit 276 sogar am meisten Abschlüsse abgegeben. Allerdings haben die FCZ-Verteidiger 88 dieser Abschlüsse geblockt – mit Abstand am meisten der Liga. Bezüglich Abschlüsse, die entweder auf oder nebens eigene Tor kamen, liegt der FCZ in der Mitte der Tabelle. Das Zürcher Mittelfeld und die Angreifer haben also die Gegner zu vielen Abschlüssen kommen lassen, speziell die Innenverteidiger haben dann aber noch einiges davon ausgebügelt. Mirlind Kryeziu fungierte am häufigsten als „Wand“ am und im eigenen Strafraum.

Die gegnerischen Torerfolge kamen ausgeglichen zu je einem Drittel durch Standards, Aufbauspiel und Umschaltspiel zustande – wobei die Standardgegentore leicht überwiegen.

Breitenreiter knüpft defensiv bei Rizzo an

Massimo Rizzo hatte im Verlauf der letzten Saison die Gegentore grundsätzlich in allen drei Bereichen verringern können. Mit Ausnahme des Monats April, als Kololli, Tosin, Doumbia, Domgjoni und Dzemaili eine ganze Serie von haarsträubenden individuellen Fehlern unterliefen, die zu unnötigen Umschalt-Gegentreffern und einer schlechten Punkteausbeute führten. Dieser eine „Katastrophen-Monat“ war sicherlich mitentscheidend für den Trainerwechsel im Sommer. Unter André Breitenreiter startete das Team defensiv in allen drei Bereichen grundsätzlich auf demselben Niveau wie lange Zeit unter Rizzo. Positiv: im zweiten Saisonviertel konnte sich der FC Zürich bei gegnerischem Aufbau- wie Umschaltspiel und auch bei Standards leicht verbessern.

Durchschnittliche Gegentore pro Partie nach Spielsituation seit Sommer 2019

Mehr Gegentore bei hoch stehendem FCZ

Bezüglich Positionierung der Mannschaft wird allerdings ein Unterschied ersichtlich. Während die Gegentreffer bei einem hoch stehenden Gegner (also wenn der FCZ selbst tief steht) weiter abgenommen haben, nahmen sie bei tief stehendem Gegner und hoch stehendem FCZ unter Breitenreiter wieder zu. Dies ist also ein Ansatzpunkt für das Zürcher Trainerteam in der Winterpause: wie können diese Gegentore wieder reduziert werden? Dafür gibt es zwei Ansätze: entweder man schafft es, hoch stehend besser zu verteidigen – oder man sollte weniger häufig hoch stehen.

Zunahme der Standardgegentore im Vergleich zu Rizzo

Standardgegentore wurden unter Rizzo reduziert, vor allem wenn man mitberücksichtigt, dass die Hälfte der Eckballgegentore der letzten Saison in den ersten Saisonpartien noch unter Ludovic Magnin gefallen sind. Unter André Breitenreiter hat dementsprechend diese Art von Gegentoren wieder zugenommen. Auf Einwurf hat es allerdings ein Gegentor weniger gegeben als zuletzt im Schnitt pro Halbserie.

Etwas mehr Gegentore aus Aufbauspiel des Gegners bei hoch stehendem FCZ

Bei Aufbauspiel des Gegners hat sich wenig verändert. Die Gegentore bei einem Hoch stehenden FCZ haben aber auch bei Aufbauspiel des Gegners etwas zugenommen.

Deutlich mehr Kontergegentore

Der grössere Effekt zeigt sich beim Umschaltspiel. Die Kontergegentore gegen einen hoch stehenden FCZ haben deutlich zugenommen. Dafür hat der FCZ in der Vorrunde aus einer tiefen Position bei Pressing und Gegenpressing des Gegners insgesamt nur ein einziges Gegentor erhalten. Eindrücklich! Ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft den Ball sicher (und häufig auch schnell) hinten heraus spielt. Die vielen unnötigen Ballverluste in der eigenen Hälfte vom letzten April wurden überwunden und eliminiert.

Problemzone Sechserposition – Guerrero und Aliti machen ihre Seite zu

Zu viele Weitschuss-Gegentore waren lange Zeit ein grosses Problem für den FCZ gewesen. Auch diese konnten unter Massimo Rizzo drastisch reduziert werden auf noch insgesamt ein einziges in der letzten Saison! Nun hat man in einer halben Saison bereits wieder vier erhalten. Es zeigt, dass die Problemzone zentral vor dem eigenen Strafraum wieder aufgebrochen ist. Die Zentralen Mittelfeldspieler haben diese zu wenig im Griff. In einigen Situationen fehlt es an Antrittsschnelligkeit und konsequenter Defensivarbeit in der Rückwärtsbewegung (Dzemaili), am Positionsspiel (Doumbia, Krasniqi) oder an der Bissigkeit (Leitner). Dafür haben die Gegentore auf Flanken stark abgenommen. Einerseits hat in der Liga die Anzahl Flanken der Gegner pro Spiel im Vergleich zu letzter Saison um einen Viertel abgenommen. Andererseits werden diese im Strafraum auch besser verteidigt. Über Rechts (die linke Zürcher Seite) haben die Gegner in dieser Vorrunde aus dem Spielaufbau heraus kein einziges Tor erzielt. Die Dreierabwehr in Kombination mit diszipliniert zurückarbeitenden Aussenläufern hat hier hervorragende Arbeit geleistet, speziell das Duo Aliti / Guerrero auf der linken Zürcher Seite.

Gegen GC, YB, Lugano, Vaduz und St. Gallen (!) vorwiegend Standardgegentore

Züri Live hat sich angeschaut, wie die einzelnen Gegner in den letzten zweieinhalb Jahren vorwiegend ihre Tore gegen den FCZ erzielt haben. Am augenfälligsten ist, dass in den beiden Derbies der Vorrunde alle Gegentore auf Standards erzielt worden sind. Gegen Lugano hat der FCZ die letzten fünf Partien kein Gegentor mehr kassiert – und die einzigen Gegentore, die es seit dem 0:4 im „Backofen“ Letzigrund zum Saisonstart 19/20 gesetzt hat, waren Standards. Nicht überraschend, dass man gegen Vaduz die Gegentore vorwiegend auf Standards erhalten hat. Sehr wohl überraschend hingegen, dass dies gegen St. Gallen ebenfalls der Fall ist – mehr als aus dem Umschaltspiel. Das gleiche gilt für YB. Thun, Basel, Luzern oder Sion hingegen haben ihre Treffer gegen den FCZ vorwiegend mit üblichem Aufbauspiel erzielt. Lausanne und Servette hatten den grössten Anteil ihrer Treffer gegen den FCZ aus dem Umschaltspiel – im Falle von Servette waren es am 8. Dezember 2019 im Letzigrund gleich fünf. Auch dies eher speziell, ist doch Servette allgemein eher für kontrolliertes Aufbauspiel bekannt. Gegen den FCZ waren sie hingegen in den letzten 30 Monaten vor allem im Umschaltspiel erfolgreich.

Basel und YB profitieren am meisten von Lücken bei einem hoch stehenden FCZ

Gegen einen tief stehenden FCZ war es in den letzten zweieinhalb Jahren schwierig, Tore zu erzielen. Nur Sion, Xamax und Vaduz haben in der Liga eher aus einer Hohen Position (Aufbauspiel gegen tief stehenden Gegner, Pressing, Gegenpressing) ihre Tore gegen den Stadtclub erzielt. Alle anderen Teams waren erfolgreicher mit Kontern oder Aufbauspiel gegen einen hoch stehenden FCZ – speziell Basel und YB.

Viel Kampfgeist gegen Ende der Vorrunde

Die Erwarteten Gegentore sind im Gleitenden Durchschnitt in der Vorrunde nie unter 1 pro Spiel gefallen. Nach dem 6:2 gegen Sion im Letzigrund, ein Spiel, das auch auf die andere Seite hätte kippen können, hat man die Erwarteten Gegentore pro Partie zumindest wieder unter 1,5 drücken können. Die Anzahl der summierten Züri Live-Defensivpunkte hatte nach dem Tiefpunkt in der 5. Runde (3:3 in St. Gallen) schon zuvor wieder angezogen gehabt und erreicht in den letzten Partien der Vorrunde, als man nochmal viel Kampfgeist in die Partien warf, einen Wert von über 100 pro Spiel. Auffällig, dass man ganz am Anfang und ganz am Ende der Vorrunde kaum Gegentore zugelassen hat. In diesen Phasen waren zwar auch die Erwarteten Gegentore relativ tief, aber vor allem lag die Anzahl Gegentore weit unter den Erwarteten Gegentoren. Mögliche Erklärungen dafür sind die Leistungen von Torhüter Yanick Brecher und der Abschlüsse aus gefährlichen Positionen blockenden Innenverteidiger oder auch das Wettkampfglück in diesen Saisonphasen.

Halbzeitanalyse, Teil 1 – Erfolgsfaktoren, Folgerungen und Ausblick