Rasmus Thelander kommt zu seinem FCZ-Pflichtspieldébut und spielt eine solide, schnörkellose und praktisch fehlerlose Partie. Eine gute Leistung der Dreierabwehr ist gegen die Bassersdorfer vonnöten. Denn der Gegner hat auf den Cup-Match hin viele kreative Spielkombinationen in der Offensive einstudiert. Schon seit ein paar Wochen eine Bank in der Abwehrkette ist Cédric Brunner. Nach einer guten Vorrunde hatte der Zürcher in der Rückrunde der letzten Saison eine lange Formkrise durchlebt. Auch die Vorbereitung auf die neue Saison gestaltete sich eher durchzogen. In seiner Rolle auf halblinks oder halbrechts in der Dreierabwehr fühlt sich der von osteuropäischen und türkischen TV-Kommentatoren konsequent pseudo-französisch «Brünnäär» genannte Defensivakteur nun aber immer besser Zuhause. Ohne seine guten Antizipationen hätte der FCZ auch in Bassersdorf nochmal ins Zittern geraten können, und seine zuverlässige und schnörkellose Spieleröffnung über die rechte Seite war wichtig fürs Zürcher Offensivspiel.

Deshalb ist Brunner für Züri Live der MVP des Cup-Sechzehntelfinals. Der als Captain auflaufende Yanick Brecher hatte dadurch nicht allzu viel Arbeit, war aber in einer Szene trotzdem aufmerksam und schnell auf den Beinen, als er vor dem eigenen Strafraum einen schnell vorgetragenen Konter neutralisieren konnte. Der Letzigrund-Club war in Bassersdorf sowohl offensiv wie auch defensiv im Backfield am stärksten. Ausserdem war man über die Seiten deutlich überzeugender, als in der Mitte. Insgesamt schlug das Forte-Team 34 Flanken in oder vor den Bassersdorfer Strafraum – Rekord seit diese Werte von Züri Live gemessen werden!

Auch die 15 Hereingaben von Fabian Rohner sind ein Flanken-Rekord in der Einzelwertung. Rohner könnte mit seiner Schnelligkeit auch in der Super League sowohl Offensiv wie auch Defensiv für die FCZ-Teamperformance ein Gewinn sein. Noch wartet Rohner (seit Januar Profi) aber auf seinen ersten Super League-Einsatz. Maren Haile-Selassie konnte sich auf einer der drei Stürmerpositionen vor allem in der 1. Halbzeit ein paar Mal gut in Szene setzen. Der hinter ihm spielende Kay Voser zog allerdings häufig relativ früh in die Mitte und flankte aus dieser Position. Nicht empfehlen konnte sich hingegen erneut das Trio Cavusevic / Palsson / Maouche. Gelangen Dzengis Cavusevic in Chippis noch fünf Tore, konnte der Slowene diesmal kein Bein vors andere bekommen – ähnlich wie bei seinem Halbzeiteinsatz in Luzern. Schon letzte Saison wies «Dzenga» grosse Leistungsunsterschiede zwischen seinen guten und schlechten Saisonphasen aus. Schon eine einzelne gelungene oder missglückte Aktion kann bei ihm einen Umschwung in die eine oder andere Richtung auslösen.

Victor Palsson gelangen in Bassersdorf zwei, drei gute Aktionen. Auf der anderen Seite unterliefen ihm aber auch gleich sieben gröbere Schnitzer, wovon der eine oder andere zu einer Torchance Bassersdorfs führte. Der schwerste Fall ist aber weiterhin Yassin Maouche. Alles am Mittelfeldspieler erinnert an seinen Genfer Vorgänger Maxime Dominguez: gewisse technische Fähigkeiten und zeitweise regelmässige Einsätze in der 1. Mannschaft von Servette führen zu Selbstüberschätzung. Die Selbstüberschätzung führt zu fehlender Einsicht in vorhandene Defizite, unsolidarischem Verhalten in der Mannschaft und Streit mit dem Klub. Es folgt der Wechsel zum FC Zürich, wo der junge Spieler zeigen will, dass er bei seinem Stammklub zu Unrecht nicht auf den Sockel gehoben worden ist. Beim FCZ ist der Sprung ins Team dann aber schwieriger, als vom Spieler und seinem Umfeld vermutet – wegen den bereits von den Servette-Verantwortlichen angesprochenen Defiziten: Schnelligkeit, Konstanz, Geduld, Robustheit, Zweikampfverhalten, Arbeit fürs Team.

 

Obwohl gegen den Sechstligisten aus der Agglomeration „nur“ ein Sieg mit drei Toren Unterschied resultiert, kann man aus FCZ-Sicht mit der Partie zufrieden sein. Bassersdorf war diesmal mit Spielern mit Profi-Erfahrung wie Russheim und Oehri stärker als letztes Mal und sehr gut auf die Partie eingestellt. Und erneut blieb die Forte-Truppe ohne Gegentor. Erst in der 26. Minute tat sich in der Bassersdorfer Abwehr zum ersten Mal eine (dafür ziemlich grosse) Lücke auf, und der FCZ nutzte diese sofort zum 1:0 durch Moussa Koné aus spitzem Winkel. Es war auch die einzige Szene, in welcher Bassersdorf-Keeper Caruso nicht das Optimum aus der Situation herausholen konnte. Nach einer Voser-Flanke konnte Koné in der 58. Minute die Führung ausbauen. Der Senegalese kann damit im dritten Spiel in Folge den Ball im gegnerischen Netz unterbringen.  Einen der vielen guten Angriffe über die rechte Seite versenkt schliesslich der eingewechselte Michael Frey nach Vorarbeit von Fabian Rohner und Adi Winter im Netz. In den Achtelfinals trifft der FCZ auswärts auf Stade Lausanne-Ouchy (Promotion League, aktuell 10. Platz): ein ganz spezieller Zufall. In der Cupsiegersaison 13/14 war der FCZ bereits auf Bassersdorf sowie Stade Lausanne-Ouchy getroffen.

Bassersdorf – FCZ 0:3 (0:1)

Tore: 26. Koné (Palsson) 1:0; 58. Koné (Voser) 0:2, 81. Frey (Rohner) 0:3.

Bassersdorf: Caruso; G. Zambelli, Keller (77. Kumbuesa), Meier, Oehri, Schmid (49. Barbey); Ramani, Russheim, S. Zambelli, Schaich (59. Copat); Tinner.

FC Zürich: Brecher; Brunner, Bangura, Thelander; Rohner, Maouche, Palsson, Voser; Koné (66. Winter), Cavusevic (69. Frey), Haile-Selassie (81. Rodriguez).

 

 

In den Sechzigerjahren begann sich Bassersdorf, vom Bauerndorf an den Strassen nach Zürich und Winterthur zu einer  Agglomerationsgemeinde zu entwickeln, die von der Lage her genau in der Mitte zwischen den Grosstädten Zürich und Winterthur lag, und gleichzeitig von der Lage nahe des Flughafens Zürich-Kloten profitierte. Zu dieser Zeit waren der Turnverein und der Eishockeyclub die einzigen Vereine, in denen Kinder, Jugendliche und Männer Sport treiben konnten. Wer in einem Club Fussball spielen wollte, tat das beim benachbarten FC Brüttisellen oder beim FC Kloten oder dann an weiter entfernten Orten. Dadurch versammelten sich auf der Spielwiese beim Schulhaus Mösli in der wärmeren Jahreszeit jeweils 20 bis 30 Jugendliche, um zu „Mätschlen“. Der FCZ war übrigens damals der Lieblingsverein der meisten fussballbegeisterten Jugendlichen dort. Es herrschte eine natürliche Hierarchie, gepaart aus dem Vorrecht der Älteren, verbunden mit dem bereits angeeigneten Können und Wissen im Fussballsport: sozusagen Strassenfussball ohne Strasse, sondern auf der Wiese. Nur der gelegentlich strenge Schulhausabwart Max Christen schaute als einziger Erwachsener kurz vorbei, um einzelne ältere Knaben mit Stollenschuhen vom Platz zu weisen.

Denn der gepflegte Rasen war eine Art Heiligtum. Der Verkäufer des Landstücks an die Schulgemeinde hatte sogar notariell hinterlegt, dass auf der Mösliwiese keine offiziellen Fussballspiele durchgeführt werden dürfen. So gesehen waren auch nicht alle Einwohner erfreut, als 1968 ein paar Zugezogene und Einheimische den FC Bassersdorf gründeten, mit Franco Nonella als Präsidenten. Er spielte zuvor beim FC Schwamendingen und sollte dem FCB später 10 Jahre vorstehen. Der Club begann in der 4. Liga, damals der tiefsten Spielklasse der Schweiz, und trug seine Heimspiele bei der Kaserne in Kloten aus. 1971 konnte dann trotz vereinzelter Widerstände auf der Acherwies, einem ehemaligen Sumpfgebiet ausserhalb des Dorfes Richtung Kloten, der erste Fussballplatz eingeweiht werden. In der 4. Liga spielten gleichzeitig bis zu vier Aktiv-Mannschaften für den Club. Die Juniorenabteilung wuchs ebenfalls rasant. 1977 gelang unter Trainer Sepp Müller der ersehnte Aufstieg in die 3. Liga mit vielen früheren eigenen Junioren.

Bald musste die Anlage auf der Acherwies erweitert werden. Trotzdem war sie jahrelang, ja fast jahrzehntelang an oder über der Kapazitätsgrenze angelangt. Unter der Führung von Präsident Luciano Honegger wurden zwei Versuche unternommen, an andern Orten in der Gemeinde einen neuen Fussballplatz zu errichten. Sie scheiterten im Nachhinein zum Glück am Widerstand der jeweils benachbarten Wohnbevölkerung. Zum Einzugsgebiet des Clubs gehört aber auch die Gemeinde Nürensdorf. Dort wurde Im Längimoos in den Neunzigerjahren ein Fussballplatz gebaut, der vom FC Bassersdorf genutzt werden darf, was für Entlastung sorgte. Luciano Honegger stiess vom FC Brüttisellen zum FC Bassersdorf und wirkte in seinem Amt 19 Jahre lang. Er konnte im Wissen zurücktreten, diese grosse Hürde genommen zu haben.

Unter seinem Nachfolger Bruno Früh, ursprünglich Junior beim SC Veltheim, später Spieler beim FC Kemptthal gelang der Aufstieg in die 2. Liga, für eine Saison gar in die 2. Liga interregional. Zu dieser Zeit hiess der erfolgreiche Trainer Marcel Tanner, früher Spieler des FCZ und 1969 sogar Cupsieger mit dem FC St. Gallen. Das Grounding der Swissair 2001 bewirkte paradoxerweise bei vielen Sportclubs in Bassersdorf einen Schub. Denn die Gemeinde konnte später nach einer Urnenabstimmung die Freizeitanlage von der Pensionskasse der Swissair-Angestellten erwerben. Mit einem Mal verfügte der FC Bassersdorf über drei weitere Fussballplätze. Zur Anlage gehören auch noch Tennisplätze, eine Sporthalle, eine gedeckte Bocciabahn, Fitnessräume sowie ein Restaurant. Diese Anlage ist einer sportbegeisterten Stadt angemessen, zu der Bassersdorf mit nun 11’500 Einwohnern gewachsen ist. Und wenn die 5’500 Einwohner von Nürensdorf dazu gezählt werden, dann verfügt der FC Bassersdorf über eine gute Basis, weiterhin mit vielen Spielern aus der eigenen Juniorenabteilung in der 2. Liga spielen zu können.

Unter dem aktuellen Präsidenten Serge Caminada, früher Spieler beim FC Glattbrugg, entwickelte sich der FC Bassersdorf zu einer eigentlichen Cupmannschaft. Zwischen 2007 und 2017 stand der Club sechmal im Regionalcupfinal. Zweimal konnte dieser gewonnen werden, jeweils unter dramatischen Umständen, nämlich 2013 und 2017. Und immer zog der FC Bassersdorf mit dem FCZ danach das grosse Los. 2013 gewann der FCZ in der 1. Hauptrunde auf der bxa-Anlage mit 6:0 und schliesslich auch in Bern den Cupfinal gegen den FC Basel mit 2:0 nach Verlängerung. Heute spielt der FCZ in der 2. Hauptrunde in Bassersdorf, nachdem die Einheimischen wieder unter dramatischen Umständen den höherklassigen AC Taverne aus dem Tessin aus dem Cup eliminierten. Das heutige Spiel steht aber auch sonst noch unter einem besonderen Vorzeichen: Der heutige Trainer des FC Bassersdorf, Marco Tanner, Sohn von Marcel Tanner, und ehemaliger Junior des Clubs, war als 20-jähriger Mitglied der U21 des FCZ. Er spielte dort mit Alain Nef zusammen, musste eine mögliche Karriere im Spitzensport aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen und wirkte noch viele Jahre als Mittelfeld-Regisseur für seine Ursprungsclub, so auch 2013 gegen den FCZ. Und Sandro Chieffo, Assistenztrainer des FC Zürich, war in der Saison 2010/2011 als Trainer des FC Bassersdorf engagiert. Es war dies das bisher einzige Mal, dass Chieffo Chef-Trainer einer Aktivmannschaft war. Daher ist diese Zeit noch in besonderer Erinnerung.

Der FC Bassersdorf steht so solide und erfolgreich da, weil Präsidenten, oft von auswärts gekommen, sich lange Jahre für den Club engagierten, und so auch Kontinuität im Vorstand möglich war, und weil der Club über einen bespielhaften Zusammenhalt verfügt, was auch für die 1. Mannschaft gilt, in der die ehemaligen eigenen Junioren den übrigen Mannschaftskollegen gegenüber seit Beginn der Clubgründung hohe Identität stiften.

Toni Gassmann für zuerilive

Heute vor drei Jahren feiert der FCZ in Bern seinen achten Cupsieg im neunten Final. Nach dem lockeren Auftakt in Bassersdorf folgt in der 2.Runde bereits der im Nachhinein gesehen glücklichste Sieg der ganzen Cupsaison. Bei Stade Lausanne-Ouchy an den Gestaden des Lac Léman spielt der FCZ schlecht und ist nahe daran, auszuscheiden, bevor in der Schlussphase die Partie doch noch gedreht werden kann. In Runde 3 kann das Team von Trainer Urs Meier im Dättwiler Esp gegen den FC Baden zum zweiten Mal in der eigenen Region vor vielen Zuschauern antreten und in der 2. Halbzeit die Partie auf seine Seite ziehen. Drei Siege gegen Super League-Teams – 1:0 auswärts in St.Gallen, Penaltyschiessen zu Hause gegen Thun und 2:0 nach Verlängerung vor bei weitem nicht ausverkauftem Haus im Wandorf gegen Basel – pflastern den Weg zum Titel.

Zur Feier des Tages präsentiert Züri Live das Jubiläumsvideo aus dem Studio Nägeli:

David „Piu“ Da Costa ist der Züri Live-MVP der Cupsaison mit seinen gehaltenen Penalties gegen St.Gallen und Thun, und der vereitelten Grosschance Callàs nach der Pause im Final, wo der FCZ von der 1. Minute an hungriger auftritt und das Spiel bestimmt. Für Yassine Chikhaoui ist es in seinen acht Jahren an der Limmat der einzige Titel, bei welchem er bei der Mehrzahl der Partien eingesetzt worden war. Die Freude ist beim Tunesier daher besonders gross.