Herbstrunden-Review, Fokus-Thema „Stürmerproblem“ Und Vorspiel Luzern – FCZ (Züri Live)

Henriksen & Co. wollen an das Servette-Heimspiel anknüpfen / Luzern – FCZ Vorschau (Züri Live)

Frage zum Auftakt in Luzern: „Hat der FCZ in der Winterpause sein Stürmerproblem gelöst?“ (Züri Live)

FCZ vor dem Restart: Stürmerproblem gelöst? (mit Testspielstatistik) (Züri Live)

Die Züri Live Hörer- und Leserschaft zeigte sich in der Umfrage in Bezug auf die Lösung des Stürmerproblems vorsichtig optimistisch und nach der Partie in Luzern kann man konstatieren: es scheint tatsächlich gelöst zu sein. Roko Simic bestätigte seine in den Testpartien angedeuteten Stürmerinstinkt. So eine Abschlussqualität und -effizienz hat im Herbst gefehlt. Dass Simic für Super League-Verhältnisse überdurchschnittliches Potential hat, war von Anfang an klar. Die Frage ist einzig, wie stark der FCZ im kommenden Halbjahr davon wird profitieren können. Seine Unbekümmertheit, das Selbstvertrauen und die Technik im Abschluss mit einer hundertprozentigen Chancenverwertung gibt Hoffnung.

Alle Stürmer mit guter Leistung – auch Okita

Aiyegun Tosin schien zudem mit einem Stürmertyp wie Simic an seiner Seite in der Schlussphase aufzublühen. Mit einem anderen Stürmer als Fixpunkt kann er sich auf unterstützende Arbeit mit einem weiten Aktionsradius rund um die zentrale Sturmposition fokussieren, was ihm besser liegt. Der Nigerianer war in der Entstehung beider Tore entscheidend beteiligt. Speziell beim Ausgleich holte er mit viel Einsatz den Eckball heraus und schraubte sich bei diesem dann in einer Art und Weise in die Luft, wie man es von ihm noch selten gesehen hat.

Jonathan Okita kam in vielen Bewertungen unmittelbar nach Spielschluss nicht gut weg. Aufgrund der detaillierten Züri Live-Analyse muss allerdings konstatiert werden: auch der Kongolesische Nationalspieler (ein Länderspiel) machte eine gute Partie. Auch er könnte möglicherweise gut mit Simic harmonieren. Seine Defensivarbeit ist in der Regel ordentlich und offensiv brachte er sich in Luzern mit einigen guten Zuspielen, Ablagen und Seitenwechseln ein. Es fehlte zu diesem Zeitpunkt halt einfach ein Simic zur Verwertung dieser Vorlagen. Der 17-jährige Calixte Ligue wiederum spielte, als würde er schon jahrelang zur Mannschaft gehören und war in den paar Minuten bei seinem Super League-Début ein Gewinn. Mit ihm, Simic und später dann auch noch Afriye (steht im CHAN-Viertelfinal gegen Niger) erhält Trainer Henriksen vorne viel mehr Möglichkeiten.

Kontinuität oder Formstand? Schwierige Entscheidung für Henriksen

Leider bestätigten sich in Luzern auch die schlechten Testspiel-Eindrücke der Dreierabwehrkette. Speziell bei Nikola Katic und Becir Omeragic: in der Luft fehlte die Durchsetzungsfähigkeit, am Boden Schnelligkeit sowie Stellungsspiel und am Ball die technische Qualität, letzteres speziell bei Katic. Kryeziu und Kamberi scheinen auch aufgrund der letzten Eindrücke aktuell die besseren Optionen zu sein. Im Mittelfeldzentrum wächst Cheick Condé ausgezeichnet in die Rolle als einziger Sechser hinein. Die beiden Achterpositionen waren hingegen mit den beiden erfahrenen Captains deutlich schlechter besetzt. Marchesano gelang im Spiel mit Ball fast nichts (Offensiv-Note „1“) , Dzemailis 1. Halbzeit war geprägt durch Ballverluste und Fehlpässe.

Dem eingewechselten Bledian Krasniqi gelang auch nicht alles, aber er war im Vergleich mit Dzemaili und Marchesano auf jeden Falll ein Upgrade. So ein guter Eckball wie beim 2:2 ist dem FCZ seit sehr langer Zeit nicht mehr gelungen. Das war richtig zwingend. Trotzdem ist nicht auszuschliessen, dass aus Gründen der Hierarchie und Kontinuität auch gegen St. Gallen wieder Katic, Dzemaili und Marchesano von Anfang an auflaufen – auch wenn sich aus anderen Gründen Kryeziu, Krasniqi und Selnaes eher anbieten würden. Eine schwierige Entscheidung für Coach Henriksen. Denn in Luzern stellte sich ein Gefühl ein von „die Zukunft hat begonnen“ – mit Condé, Krasniqi, Ligue und Simic – dazu Kamberi, Rohner und Tosin. Ein Team mit Durchschnittsalter 23,4 Jahre hat den Zweitore-Rückstand in den letzten Minuten noch egalisiert.

Spielweise erinnert an Rückrunde 21/22 – die Einzelleistungen noch nicht

Sehr vieles an diesem FCZ nach der Winterpause erinnerte an die Rückrunde letzter Saison unter Trainer André Breitenreiter: die ungewöhnlich guten Offensiv-Standards, Hohes Pressing, Manndeckung auf dem ganzen Feld und fast ausschliesslich Hohe Bälle im Spiel hinten heraus. All diese Aspekte halfen dem FCZ. Dass man trotzdem noch ein gutes Stück vom Level des Teams vor Jahresfrist entfernt war, lag am beschriebenen tiefen Formstand mehrerer Routiniers. Für ein wirklich erfolgreiches Spiel mit Hohen Bällen aus der hinteren Zone heraus fehlten zudem die Qualitäten eines Yanick Brecher.

Der Support der Fans bei Minustemperaturen für das Teams des Tabellenletzten war phänomenal. Die in einzelnen Medien geschätzten Zahlen waren eher untertrieben. Mehr als 3’000 Gästesupporter unter den offiziell 14’000 Zuschauern (verkaufte Tickets) waren es mit Sicherheit. Die Swissporarena (Kapazität: 17’000) hat 14 kleine und sechs (mindestens doppelt so) grosse Sektoren. Von diesen waren zwei grosse und ein kleiner Sektor, die zusammen rund 20% der Stadionkapazität ausmachen, komplett mit FCZ-Fans gefüllt. Dazu kamen weitere Gästeteam-Anhänger auf der Gegen- und Haupttribüne. Luzern hatte mitten im Januar die zweithöchste Zuschauerzahl der Saison – nur gegen YB Anfang Oktober wurden 400 Eintritte mehr gemeldet.

Tosin läutet mit Forechecking Schlussoffensive ein

Wie schon im letzten Spiel vor der Winterpause Servette spielte auch Luzern gegen den FCZ sicherlich nicht in Bestform. Es werden in den nächsten Wochen noch stärkere Gegner warten. Trotzdem: den Punkt muss man unter den gegebenen Umständen mit dem höchst zweifelhaften Penalty erst mal holen. Als in der 80. Minute Guerrero und Simic nach einem Zürcher Ballverlust nicht eingreifen, sieht es auf den ersten Blick so aus, als habe der FCZ aufgegeben und Luzern die Partie gewonnen. Aber eine Minute später erzwingt Tosin mit einem Forechecking, dass Luzern-Goalie Müller einen Ball ins Seitenaus spielt. Dies leitet die Schlussoffensive ein.

Personalien

  • Fidan Aliti: Für seine Verhältnisse ein ungewohnt fahriger Auftritt gegen seinen Ex-Klub in der 1. Halbzeit. Verbessert sich in der 2. Halbzeit deutlich.
  • Zivko Kostadinovic: Auf der Linie und im Herauslaufen flinker als Brecher. Bei gegnerischen Penaltys fliegt er immer in die Ecke, in welche der Schütze schaut, was schon viele Gegner ausgenutzt haben – auch Max Meyer. Und seine im Vergleich zu Yanick Brecher schlechtere fussballerische Qualttät fällt bei einer Spieleröffnung mit hohen langen Bällen hinten heraus natürlich stärker ins Gewicht, als bei einfachen, flachen Kurzpässen.
  • Adrian Guerrero: Beste Phase vor der Pause. Es läuft viel über die linke Seite mit Aliti, Guerrero und Okita. Ist wie sein Pendant Boranijasevic an vielen Abschlüssen beteiligt.
  • Nikola Katic: Verliert fast jedes Luftduell gegen den kleineren Chader, was bei Abschlägen von Luzern-Goalie Müller zu gefährlichen Situationen führt. Immer wieder schlechtes Stellungsspiel, langsam in der Rückwärtsbewegung, behindert Mitspieler in ihren Aktionen, deutlich ungenügendes Passspiel. Die schlechten Eindrücke aus den Testpartien haben sich leider in seinem Fall beim Auftakt nach der Winterpause bestätigt.
  • Becir Omeragic: An jeder Grosschance Luzerns und auch den beiden Gegentoren mit je einem entscheidenden Fehler beteiligt. Erhält diese Saison bei Züri Live erneut grossmehrheitlich ungenügende Noten und zum dritten Mal die Tiefstnote „1“.
  • Roko Simic: Zeigt wie bereits in den Testspielen echtes Stürmerblut. Mehrere Schnitzer zu Beginn seines Einsatzes, aber mit einer wortwörtlich hundertprozentigen Chancenauswertung und dem Traumtor zum Anschluss in der 89. Minute. Trifft nach einem Krasniqi-Eckball, Tosin Kopfballablage und einer unglücklichen Aktion seines ebenfalls eingewechselten Salzburg / Liefering-Teamkollegen Diambou zum Ausgleich in der 93. Minute.
  • Die Jungen übernehmen in der Schlussphase erfolgreich Verantwortung. Bledian Krasniqi ist wichtig in defensiven Umschaltmomenten, mit seinen Tempodribblings und dem entscheidenden Corner.
  • Calixte Ligue ist bei seinem Début zwar nur ein paar Minuten auf dem Platz, aber entscheidend am 1:2-Anschlusstreffer beteiligt.
  • Jonathan Okita: An den beiden Toren nicht beteiligt, da schon ausgewechselt. Trotzdem ein gutes Spiel mit Engagement und einigen intelligenten und technisch anspruchsvollen Aktionen. Scheint sich positiv zu entwickeln.
  • Aiyegun Tosin: lange Zeit eher durchschnittlich, dreht aber in der Schlussphase an der Seite von Roko Simic auf und bereitet beide Tore entscheidend vor – das zweite gleich doppelt mit dem herausgeholten Corner und der Kopfballablage.
  • Lindrit Kamberi: Hat als Einwechselspieler immer etwas Mühe in den ersten Minuten. Danach aber wohl derjenige Spieler, der (zusammen mit Tosin) von der Mentalität her am meisten zum Umschwung und späten Ausgleich beigetragen hat. Spielte links in der Dreierabwehr und zum Ende der Partie mit der Captain-Binde am Arm (Brecher verletzt, Dzemaili und Marchesano ausgewechselt), was die Wertschätzung für ihn zeigt. Zum zweiten Mal nach dem Cup-Spiel in Cham der offensiv Beste.
  • Cheick Condé: In der 1. Halbzeit hatte er im Zentrum rund um sich herum lauter ungenügende Mitspieler. Hat das Team in dieser Phase mit einem starken Auftritt im Spiel gehalten. Die Rolle als einziger Sechser liegt ihm besser, als die Doppel-Sechs, da die Rollenverteilung klarer ist und er seine grosse Reichweite optimal einsetzen kann. Nach dem Auswärtsspiel in Baku zum zweiten Mal MVP. Und wie im Heimspiel gegen Qarabag defensiv der Beste.
  • Blerim Dzemaili in der 1. Halbzeit vor allem mit Ballverlusten und Fehlpässen, wusste wohl von Trainer Henriksen, dass er nach der Pause noch 10-15 Minuten erhält. Er gab daher in dieser kurzen Zeit Vollgas. Dies machte ihn zum besten FCZ-ler-der 2. Halbzeit. Für die Gesamtnote haben die 45 Minuten der 1. Halbzeit natürlich ein grösseres Gewicht.

Randnotiz

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Cup-Torhüter Kostadinovic degradiert, Dzemaili und Omeragic spielen trotz Kunstrasen, Sturmduo Avdijaj + Santini / Lausanne-Sport – FCZ Vorschau und Matchblatt (Züri Live)

Ludovic Magnin ist endlich zu Hause in Lausanne – und trifft jetzt auf den FC Zürich, seine andere Liebe (Luzerner Zeitung)

In Lausanne fand wieder das Schicksalsspiel für den FCZ-Trainer statt. Genau vor zwei Jahren wurde die Zeit des heutigen Lausanne-Coaches Ludovic Magnin als FCZ-Cheftrainer nach einer 0:4-Niederlage auf der Pontaise beendet. Schon damals unter den Torschützen: Aldin Turkes. Nikola Boranijasevic erzielte ebenfalls ein Tor für Lausanne-Sport. Auf Seiten des FCZ standen damals ebenfalls schon Brecher, Omeragic und Marchesano in der Startaufstellung. Eine weitere Parallele: ein FCZ-Verteidiger, der im Verlauf der 1.d Halbzeit verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste – damals Silvan Wallner, diesmal Becir Omeragic.

Warum war es die “dümmste“ Niederlage?

Die letzte Niederlage unter Coach Franco Foda war aus verschiedenen Gründen die “dümmste‘:

  • Der FCZ war dominant, konnte diese Dominanz aber nicht ausnutzen
  • Franco Foda hatte mit seiner Aufstellung und den Wechseln kein gutes Händchen
  • Mehreren Spielern unterliefen entscheidende Blackouts
  • Für einmal wurden gute Standards getreten – aber im Abschluss nicht verwertet
  • Wie so häufig, wenn er ein Spiel in der Liga oder im Cup pfeift, hatte Schiedsrichter Alain Bieri auch diesmal Einfluss auf den Verlauf der Partie

Die Partie begann eher chaotisch. Die ersten beiden Tore waren dafür bezeichnend: ein Eigentor von Lausanne-Verteidiger Anel Husic nach Avdijaj-Hereingabe beim ersten gefährlichen FCZ-Konter und der Ausgleich Brighton Labeaus mit der ersten Lausanne-Torchance. Das Heimteam nutzte dabei unter anderem aus, dass der soeben für den angeschlagenen Becir Omeragic eingewechselte Lindrit Kamberi seine Position noch nicht ganz gefunden hatte. Omeragics Nomination in der Startaufstellung war einer von mehreren unglücklichen Personalentscheiden auf Seiten des FCZ gewesen. Ausgerechnet auf der Tuilière, an welche Omeragic gesundheitlich schlechte Erinnerungen hat, sollte er nach einer Pause von drei Partien sein Comeback feiern.

Coyle bereitet dem FCZ Probleme

Dass Omeragic nicht mehr auf dem Platz war, war grundsätzlich gut für den FCZ, denn er hatte seinen Einsatz katastrophal begonnen und speziell gegen den jungen Sanches grosse Probleme. Kamberi war nach Anlaufschwierigkeiten etwas besser als Omeragic, allerdings in der defensiven Phase auf einem für seine Verhältnisse ebenfalls sehr tiefen Niveau. Es war ganz generell mit einer Durchschnittsnote von bloss 4,3 die bisher klar schlechteste Defensivleistung der Saison. Auch Fidan Aliti, der später eingewechselte Cheick Condé oder Yanick Brecher waren defensiv schlecht. Der Unterschied zwischen Lausanne-Sport und dem FCZ bezüglich Einwechselspieler war frappant. Während bei den Waadtländern Schwizer, Turkes und Koyalipou zur Entscheidung wesentlich beitrugen, hatten auf Zürcher Seite Kamberi, Condé, Okita und Vyunnik nach ihrer Einwechslung längere Anlaufschwierigkeiten zu bewältigen oder waren gar in der Entstehung der Gegentore entscheidend beteiligt. Condé und Vyunnik vermochten sich zumindest in der Verlängerung zu steigern. In dieser war wie schon gegen Qarabag Nikola Boranijasevic auf Zürcher Seite der Beste. Wenn eine Partie mehr als 90 Minuten dauert, dreht der Dauerläufer auf der rechten Seite erst so richtig auf!

Die Führung des FCZ in der 8. Minute ging auf einen Ballverlust des jungen Stammspielers aus dem eigenen Nachwuchs Alvyn Sanches gegen Ole Selnaes zurück. Beim LS-Ausgleich in der 24. Minute ist entscheidend, dass sich Stürmer Trae Coyle wie so häufig ins Mittelfeld zurückfallen lässt, damit Kryeziu und Guerrero aus der Abwehrreihe herauslockt, und dann am Boden liegend mit viel Willen den Dreikampf gegen gleich beide Gegenspieler gewinnt. Wenn Lausanne sich im Spiel nach vorne mal durchsetzen kann, dann fast immer dank des agilen und zielstrebigen Coyle.

Magnins Joker stechen

Die Führung des FCZ in der 36. Minute erzielt wieder mal Antonio Marchesano per Kopf: sein erstes Saisontor, nach Massflanke des offensiv starken und gleichzeitig defensiv ungenügend auftretenden Fidan Aliti. Der 2:2-Ausgleich fällt durch den eingewechselten ehemaligen FCZ-Stürmer Aldin Turkes in der letzten Nachspielminute. Der zuletzt verletzungsgeplagte Turkes hatte zu Beginn seiner Profikarriere seinen Anteil an den Abstiegen des FCZ 15/16 und des FC Vaduz in der Folgesaison. Drei Jahre später wurde er zu einem guten Challenge League-Stürmer und reifte mit der Zeit in Richtung Super League-Niveau, hat aber mit 26 Jahren trotzdem erst 44 Partien in der höchsten Spielklasse auf seinem Palmarès.

Lausanne-Coach Magnin hatte in der 68. Minute mit Dominik Schwizer für Toichi Suzuki die offensivere Variante auf der linken Seite eingewechselt und der Flankenspezialist bereitete den Ausgleich nach einem Blackout von Condé und Boranijasevic denn auch mustergültig vor. Zwei Minuten davor hatte bereits Gaudino den vermeintlichen Lausanner Ausgleich erzielt gehabt. Dieser wurde aber zu Recht aberkannt, weil der im Offside stehende Brighton Labeau Torhüter Yanick Brecher eindeutig die Sicht verdeckte und dieser deshalb erst spät auf den Weitschuss reagieren konnte.

FCZ spielt in einem Hybrid-System

Der Siegtreffer von Turkes in der 114. Minute ging von einem missglückten Freistoss des ansonsten seine Leistungssteigerung im Vergleich zum Anfang der Saison bestätigenden Ole Selnaes aus. Aliti verpasste am gegnerischen Strafraum gegen Giger den entscheidenden Moment, den sich anbahnenden Konter mit einem Tackling zu unterbinden: er hatte noch nicht Gelb gesehen. In der Rückwärtsbewegung agierten Guerrero und Boranijasevic zu ballorientiert. Die eingewechselten Kamberi und Condé bewegten sich viel zu langsam zurück, gaben sich nicht wirklich Mühe, mitzuhelfen. Und Torhüter Yanick Brecher positionierte sich in der schlechtestmöglichen Distanz auf halbem Weg zum Tor. Nicht nahe genug am Stürmer, um wirklich den Winkel verkürzen zu können – und nicht weit genug, um genug Zeit zu haben, den Schuss zu parieren.

Taktisch verwandelte sich das 4-2-3-1 mit Ball häufig in die von Franco Foda präferierte Raumdeckung im 3-4-3 gegen den Ball. Der Linke Flügel Guerrero orientierte sich dementsprechend defensiv nach hinten und Fidan Aliti rückte nach innen. Die drei Spieler der vordersten Defensivlinie Avdijaj – Santini – Marchesano arrangierten sich flexibel basierend auf der Spielsituation. In den ersten sieben Wettbewerbspartien der Saison hatte der FCZ vier Mal kein Tor erzielt. Danach konnte aber seit dem 0:3 gegen Sion im Letzigrund in jeder der elf letzten Spielen mindestens ein Treffer bejubelt werden.

Personalien

  • Fidan Aliti: Drittes Assist in vier Spielen (darunter ein herausgeholter Penalty gegen Arsenal). Einer der besten Passspieler im Team. Wird in Bezug auf seine Offensivqualitäten von vielen unterschätzt. Sein begrenzter Speed ist defensiv ein grösseres Handicap als offensiv.
  • Nikola Boranijasevic: Der “Duracell-Hase“ des FCZ. Kommt wie schon im Rückspiel gegen Qarabag in der Verlängerung, wo alle anderen in der Startaufstellung stehenden Spieler beider Teams abbauen, erst so richtig in Fahrt.
  • Donis Avdijaj: Wirkt oft etwas unauffällig, lässt aber immer wieder seine Qualität aufblitzen und arbeitet viel. Wie in Norwegen das erste Tor erzielt beziehungsweise provoziert.
  • Ole Selnaes: Bestätigt den Aufwärtstrend. Dank Selnaes und Marchesano gab es in dieser Partie so viele gute FCZ-Standards wie wohl noch nie in dieser Saison – mit der grossen Ausnahme des völlig verunglückten Freistosses, der in der 114. Minute zum entscheidenden Gegentor zum 2:3 führte.
  • Ivan Santini: Sein bisher bestes Spiel, wirkt wie verwandelt. Legt in der Luft und am Boden gut für die Mitspieler ab. Übertrifft seine bisher besten Leistungen gegen Luzern und Linfield. Muss von Gegenspieler Husic extrem viel einstecken, weil dieser von Schiedsrichter Bieri eine Carte Blanche erhält. Dass Santini in diesem Duell eine frühe Gelbe Karte sieht und Husic keine, kann nur als Witz bezeichnet werden. In der Folge bleibt Santini trotz aller Widrigkeiten bis zu seiner Auswechslung in der 85. Minute beim Stand von 2:1 für den FCZ erstaunlich cool. Leider macht in der Folge das Beispiel Husic Schule und Santini wird auch in den kommenden Einsätzen Zielscheibe von Mätzchen und Provokationen von Gegenspielern.
  • Jonathan Okita: Die Gelb-Rote Karte in der 117. Minute ist hart, aber nicht falsch. Der zweite Platzverweis in Folge. Muss sich unbedingt die Plauschfussball-Routine abgewöhnen, bei der Annahme den Ball unnötig weit vom Fuss prallen zu lassen – eine Frage der technischen Qualität ist das bei ihm nicht, es ist Gewohnheit.
  • Lindrit Kamberi: Vier Abschlüsse, die meisten im Team – alle bei Standards. Früh für den angeschlagenen Omeragic eingewechselt, ist es defensiv einer seiner schwächsten Auftritte.
  • Cheick Condé: Agiert erneut zu Beginn nach seiner Einwechslung zu wenig fokussiert und engagiert. Steigert sich in der Verlängerung. Nach starkem Saisonstart zuletzt fünf ungenügende Noten in sechs Einsätzen.

Randnotiz

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Der FC Zürich hat seit diesem Sommer ein neues Trainerteam und als Meister einen resultatmässig rekordverdächtig schlechten Start in die Meisterschaft hingelegt. Das ruft nach einer ersten kleinen Zwischenbilanz und Analyse – und Vergleichen mit vergangenen Saisons. Im Fokus sollen dabei die einzelnen Spieler und ihre Entwicklung stehen. Zuerst aber zu den bisherigen Partien: In Bern und St. Gallen hat der FCZ auf schwierigem Pflaster über weite Strecken gute Leistungen gezeigt. Das 0:0 gegen ein sein erstes Saisonspiel absolvierendes Luzern war eine verpasste Chance. Und gegen Sion merkte man nach der über 64 Minuten bisher besten Saisonleistung im letzten Drittel der Partie erstmals den psychologisch negativen Effekt des schlechten Saisonstarts. Im Europacup sind die Resultate hingegen nicht schlecht, nicht nur weil man im Gegensatz zur Meisterschaft in bisher jedem Spiel zwei Tore erzielt hat.

Der FCZ priorisiert zum Saisonstart den Europacup

Der Polnische und Ungarische Meister sind gegen das formstarke und europacuperprobte Qarabag einiges deutlicher aus der Champions League-Qualifikation ausgeschieden, als es beim FC Zürich der Fall war. Und dies obwohl die Aseris bisher nur gegen den FCZ in Bestformation angetreten sind. In den Partien gegen Lech Poznan zu Beginn pröbelte Coach Qurbanov noch auf der Suche nach seiner Bestformation und gegen Ferencvaros fehlten mehrere Stammspieler gesperrt / verletzt. Zwei der drei bisherigen Europacup-Partien konnte der FC Zürich nach 90 Minuten für sich entscheiden.

Die Mannschaft wurde wie vor der Saison angekündigt für die Liga zusammengestellt – unter den Transfers sind Spieler wie Selnaes, Santini und teilweise Okita, die noch Zeit brauchen. Gleichzeitig deuten neben den Resultaten auch die Aufstellungen darauf hin, dass die Qualifikation für eine Europacup-Gruppenphase aktuell beim FCZ Priorität geniesst. Die vermeintliche Stammformation und die erfahrenen Spieler werden eher im Europacup eingesetzt. Die Neuverpflichtungen Condé und Okita wurden von Beginn weg forciert und sind Teil einer bisher siebenköpfigen Basis der Mannschaft – wobei Okita gegen Sion sei es aus taktischen oder aus Leistungsgründen nicht mehr in der Startformation stand. Von den drei letztjährigen „Captains“ waren die Feldspieler Marchesano und Dzemaili aus unterschiedlichen Gründen bisher nicht Teil dieser Basis. Die stark forcierten Stürmer Gnonto, Tosin und Okita erzielten bisher in der Liga noch kein und im Europacup zusammen erst zwei Tore. Krasniqi konnte als Teil des Ligateams seine Chance nutzen, Seiler agierte solide – die Innenverteidiger Omeragic und Mets sind hingegen in Unterform. Selnaes kann aktuell erst 45 Minuten auf einem ordentlichen Niveau spielen. Rohner hat Franco Foda bewusst als Überraschungsmoment im Europacup gebracht, wo ihn die Gegner nicht kannten. Das hat funktioniert, auch wenn im Hinspiel in Baku der Schiedsrichter in zwei, drei entscheidenden Szenen nicht zugunsten von Rohner entschied.

Unkenrufe aus Österreich bewahrheiten sich nicht

Der Ruf der Rotbauchunke (Bombina Bombina) klingt für Menschenohren unheilvoll / pessimistisch (Bild: Marek Szczepanek, CC BY-SA 3.0)

Nach der Verpflichtung von Franco Foda erreichten Zürich schnell mal die „Unkenrufe“ aus Österreich. Der Trainer ist im östlichen Nachbarland bei manchem Medienvertreter als „zu defensiv“ verschrien. Man mag das in Bezug auf die Österreichische Nationalmannschaft so empfunden haben, aus Zürcher Perspektive sieht die Situation hingegen völlig anders aus. Unter André Breitenreiter wurde man letzte Saison mit dem zweitgeringsten Ballbesitz der Liga Meister. Der Fussball des Meisterteams war auf defensive Absicherung und Fehlervermeidung ausgerichtet – eine äusserst nüchtern, pragmatisch, konservative Strategie und Taktik. Man praktizierte zudem Manndeckung auf dem ganzen Platz, was ab den 90er-Jahren in den Fussball-Lehrbüchern als „überholt“ galt. Dies gepaart mit einer auf die positiven Punkte fokussierten Kommunikation nach innen und aussen. Man betonte die (wenigen) Stärken der vorhandenen Spieler und versuchte nebenbei während der Saison gleichzeitig an den Schwächen zu arbeiten. In der Vorbereitung aufs erste Saisonspiel in Lugano wurde auf die vielen Fehler und Unzulänglichkeiten in der Mehrheit der Vorbereitungsspiele nicht eingegangen, sondern in der Videoanalyse ganz auf die knapp 30 Minuten fokussiert, als man einen coronageschwächten Abstiegskandidaten aus der Challenge League dominiert hatte. Gegenüber den Medien redete Breitenreiter gerne vom „attraktiven Offensivfussball“ seines Team und diese übernahmen seine Diktion – natürlich in erster Linie auch des Erfolges wegen.

Die Pressewelt und der Fussballplatz sind aber zwei verschiedene Realitäten. Auf dem Fussballplatz tritt der FC Zürich unter Franco Foda deutlich offensiver auf, als unter Breitenreiter. In der Liga ist man beim Ballbesitz innert kürzester Zeit vom 9. auf den 4. Platz geklettert, tritt am meisten Eckbälle und geht von allen Mannschaften nach YB am zweitmeisten ins Dribbling. Wenn überhaupt, ist Fodas Ausrichtung eher zu offensiv, als zu defensiv. In Bern beispielsweise fiel das zuvor stark auftretende Team auseinander, als nach den Einwechslungen in der 72. Minute fünf Stürmer auf dem Platz standen – und damit die so wichtige Balance zwischen Offensive und Defensive sich auflöste. Auch gegen Sion rannte man nach dem Rückstand zu hektisch nach vorne. Und man spielt im Spielaufbau wieder flach hinten heraus. Die zuletzt in solchen Situationen enorm resistente Mannschaft hat bereits mehr Gegentore aus gegnerischem Pressing kassiert, als die ganze letzte Saison zusammengezählt! In dieser Hinsicht ist man in kürzester Zeit wieder zurück in die Zeit vor Breitenreiter versetzt worden, als der FCZ nicht konsequent erfolgsorientiert funktionierte und viele Gegentore aus Selbstüberschätzung kassierte. Dass der FC Zürich im Spielaufbau plötzlich grosse Mühe mit dem Pressing der Gegner hat, sieht man auch in der entsprechenden Kennzahl „PPDA against“, wo man auf Rang 9 der Liga liegt.

Innenverteidiger auf dem Tiefpunkt, Flügel in der Krise

Letzte Saison lebte der FCZ offensiv stark vom kongenialen Duo Marchesano / Ceesay und von Dauerläufer Guerrero. Kryeziu und Aliti sorgten für die notwendige Stabilität. Dies gemessen an den Züri Live-Noten, die das Resultat der detaillierten Analyse jeder einzelnen Sekunde der Saison aus Sicht von allen in der ein oder anderen Form an der jeweiligen Szene beteiligten FCZ-Spielern sind. Im Gegensatz zur Vorsaison, wurden die drei notenbesten Spieler auch mit am häufigsten eingesetzt. Damals hatten die Innenverteidiger der Dreierabwehr in den meisten Spielen viel Arbeit zu verrichten. Die kampfstarken Aliti, Nathan, Sobiech standen im Mittelpunkt und leisteten einen Knochenjob, der dem FCZ den Klassenerhalt brachte. Wenn man sich die Liste der überdurchschnittlich benoteten Spieler der aktuellen Saison 22/23 anschaut, fällt auf, dass kein einziger klassischer Stürmer oder Verteidiger drauf ist. Das Mittelfeld inklusive Aussenläufer funktioniert hingegen gut.

Die Durchschnittsnoten der Innenverteidiger sind aktuell so schlecht wie nie seit dem Start der systematischen Züri Live-Matchanalysen in der Saison 16/17. Und der Notenrückgang bei den Forwards ist nur deshalb vergleichsweise milde ausgefallen, weil in dieser Kategorie die vorwiegend auf der Position des „Zehners“ agierenden Avdijaj und Marchesano mitgezählt werden. Seit der Saison 17/18 sind zudem die Durchschnittsnoten der Flügelspieler kontinuierlich und deutlich gesunken. Zu jener Zeit gehörte beispielsweise ein Roberto Rodriguez zu den Leistungsträgern im Kader. Kololli, Mahi oder Khelifi waren in der Folge unter dem Strich Fehleinkäufe, die das Team mit ihrer Art und Spielweise runterzogen und Schönbächler kam nach seinen langwierigen Verletzungen nicht mehr auf sein altes Niveau.

Krasniqi, Boranijasevic und Dzemaili im Aufwind

Der FCZ hatte über Jahre einen nicht unwesentlichen Teil der Lohnsumme für Flügelspieler ausgegeben, die für die Performance der Mannschaft unter dem Strich wenig brachten. So wurde nach den Abgängen von Kololli und Schönbächler ein Neuaufbau gemacht. Man agierte in der Meistersaison 22/23 praktisch ohne Flügelspieler – nicht zuletzt weil Andy Gogia und Fabian Rohner Trainer Breitenreiter zu Beginn der Saison zu wenig überzeugt hatten. Mit dem klassischen Flügel Jonathan Okita (der aber auch Mittelstürmer spielen kann) wollte man auf die aktuelle Saison hin diese Position wieder stärker besetzen, um taktisch flexibler zu sein. Die Qualitäten Okitas sind unbestritten – an Zielstrebigkeit mangelt es ihm aber noch.

Von den Neuen haben zum Saisonstart Condé und Avdijaj sofort eingeschlagen. Rohner spielt weiter vorne und nimmt eine wichtigere Rolle ein. Krasniqi ist drauf und dran, den Durchbruch zum Leistungsträger zu schaffen. Und Nikola Boranijasevic spielt zur Zeit sogar noch besser, als unter André Breitenreiter. Auch Blerim Dzemaili machte in seiner bisher kurzen Einsatzzeit einen noch besseren Eindruck, als letzte Saison. Brecher, Guerrero und Marchesano sind nach Startschwierigkeiten wieder auf dem Weg zurück in Richtung letztjähriger Form. Unterdurchschnittlich in Form sind zur Zeit vor allem Stürmer und Innenverteidiger. Santini konnte nach zu Beginn guten Ansätzen zuletzt kaum einen Ball halten. Gogia scheint die notwendige Ernsthaftigkeit für Profifussball komplett abhanden gekommen zu sein. Im Vergleich zwischen 20/21 und der Meistersaison 21/22 fällt vor allem auf, dass die Anzahl Spieler mit ungenügenden Durchschnittsnoten (unter 5) abgenommen hat – und die Akteure mit überdurchschnittlichen Noten fast alle Stammspieler waren.

Avdijaj und Tosin defensiv überraschend wertvoll

Boranijasevic und Condé sind von Fodas „Basisteam“ sowohl offensiv wie defensiv die grössten Stützen bisher. Boranijasevics Flanken, Einwürfe und unorthodoxen flachen Zuspiele in die Schnittstellen sind noch besser geworden. Und Condé ist ein kompletter Mittelfeldspieler mit sowohl spielerischen wie kämpferischen Qualitäten und besserem Positionsspiel als Ousmane Doumbia. Sicherlich auf den ersten Blick etwas überraschend wirkt, dass Neuverpflichtung Donis Avdijaj bisher speziell defensiv überzeugen konnte. Auch Tosin hat sich in dieser Hinsicht deutlich verbessert.

Herausragende Leistungen gibt es von Bledian Krasniqi und Donis Avdijaj bisher jeweils in der 1. Halbzeit zu bestaunen. In der 2. Halbzeit hingegen treten die meisten Spieler im Durchschnitt weder hervorragend noch schlecht auf.

Talente machen früh auf sich aufmerksam, brauchen dann aber viel Einsatzzeit in der Challenge League

Unterdurchschnittlich in der Defensivarbeit sind bisher vorwiegend Verteidiger (Omeragic, Kryeziu, Mets, Hornschuh) – und mehrere Stürmer (Gnonto, Santini, Okita, Tosin) konnten offensiv zu wenig punkten. Gnonto, Omeragic, Mets oder Hornschuh sind zudem Spieler, die jeweils in der 1. Halbzeit ungenügend in die Gänge kamen. Ob für den jungen Gnonto die Jokerrolle weiterhin besser geeignet wäre?

Mirlind Kryeziu war in der Saison 16/17 nach Züri Live-Note die Nummer Zwei des Kaders hinter Oliver Buff. Auch Maren Haile-Selassie, Fabian Rohner (beide 17/18), Bledian Krasniqi (18/19), Henri Koide oder Lenny Janko (19/20) konnten alle in ihren ersten Einsätzen überzeugen und waren im Notenschnitt in den Top Drei der Saison. Mirlind Kryezius Entwicklung beim FCZ war ein Auf und Ab. In der Saison 19/20 spielte er überdurchschnittlich. Die Vorrunde 20/21 misslang aber, worauf er für die Rückrunde zum zweiten Mal in die Challenge League ausgeliehen wurde. Auch andere Akteure aus dem eigenen Nachwuchs wie Kamberi, Krasniqi und Rohner, die mittlerweile nahe an der Stammelf sind, hat der FCZ alle zur Reifung mehr als ein Jahr in die Challenge League verliehen.

Assan Ceesay auch schon in erster FCZ-Saison überzeugend

Was viele vergessen haben: auch Assan Ceesay war in seiner ersten Saison beim FCZ 18/19 überdurchschnittlich in seinen Auftritten. 19/20 hatte er in der Vorrunde eine Baisse, worauf er in der Corona-Rückrunde nach Osnabrück verliehen wurde. Die Physis der 2. Bundesliga war ein Element, das er für seine Entwicklung benötigt hat. Der Gambische Nationalstürmer kam gestärkt zurück. Becir Omeragics erste Einsätze in der Saison 18/19 waren ebenfalls stark. Danach hat der Genfer aber über Jahre stagniert. Yannick Brecher hingegen hat sich über einen langen Zeitraum kontinuierlich gesteigert. In den Saisons 16/17, 17/18 und 20/21 waren seine Noten im Durchschnitt ungenügend.

Auffällig in der Saison 18/19 und vor allem in den Lockdown-Zeiten von 19/20 ist die grosse Anzahl eingesetzter Spieler. Diese hat sich mittlerweile wieder stark reduziert.

Der Vergleich muss kommen: vor einem Jahr gewann der FC Zürich das Heimspiel zum 125 Jahr-Jubiläum gegen den FC Sion mit 6:2 – nun verliert man gegen den gleichen Gegner mit 0:3. Vor Jahresfrist hatte man die Walliser in der 1. Halbzeit ins Spiel kommen lassen. André Breitenreiter reagierte mit einer taktischen Umstellung auf ein ungewohntes 4-1-2-1-2. In der 72. Minute ging der FCZ mit 3:2 zum dritten Mal in Führung und ab diesem Zeitpunkt fiel der Gegner etwas auseinander (6:2 Schlussresultat). Assan Ceesay erzielte vier Treffer. Blerim Dzemaili kam bei Halbzeit rein und spielte seine besten und wichtigsten 45 Minuten in einer Saison, in welcher er ansonsten bei weitem nicht immer brillierte.

Fantastische Spielzüge aus dem Mittelfeld – Krasniqi wie in St. Gallen Note 10

Diesmal war die 1. Halbzeit deutlich besser als damals. Die Mannschaft spielte in den ersten 64 Minuten so gut wie noch nie unter dem neuen Coach Foda. In der Viertelstunde nach der Pause hat man den Gegner sogar richtiggehend überrollt mit einem fast schon unglaublichen Ballbesitz von 78%. Krasniqis Läufe, Dribblings und Zuspiele waren wie in St. Gallen fantastisch. Der Kreativspieler ist physisch so gut drauf wie noch nie, kann nun in den Zweikämpfen dagegenhalten und ist auch deshalb in der bisherigen Form seines Lebens: einer der aktuell attraktivsten Spieler der Liga. Aufgrund der negativen Resultate merken das aber nur Wenige. Donis Avdijaj kam zum ersten Mal von Beginn weg zum Einsatz und lieferte 80 Minuten lang ebenfalls eine sehr gute Leistung ab. Mit den beiden wirbligen, technisch starken Spielern im Zentrum hatte Sion Mühe. Auch Boranijasevic war offensiv noch nie so stark wie aktuell. Krasniqi, Avdijaj und Boranijasevic erzielten alle drei die Offensiv-Note 10 (siehe Match Performance-Grafik).

Diese Offensivqualitäten schlagen sich aber zur Zeit nicht in Zählbares um, weil vorne ein Assan Ceesay in Bestform fehlt. Wilfried Gnonto war in den 20 Minuten nach seinem Treffer in Belfast kurzzeitig der Knopf aufgegangen: plötzlich gelang dem Norditaliener fast alles. Zurück in der Schweiz war davon dann aber wieder wenig zu sehen. Die Bürde des Toreschiessens in der Liga liegt schwer auf seinen Schultern und er trifft häufig die falsche Entscheidung. So in der 36. Minute, als er sich nach gefühlvollem Lupfer Boranijasevics alleine vor dem Tor beim Abschluss auf die falsche Seite drehte. 6,17 Treffer hätte der FCZ nach „Expected Goals“ in den vier ersten Ligaspielen erzielen müssen – tatsächlich sind es weiterhin Null. Dies obwohl Tosin gegen Sion seine bisher beste Saisonleistung ablieferte. Auch den Nationalstürmer Benins plagen weiterhin Ladehemmungen.

Omeragic wird forciert – Defensive destabilisiert

64 Minuten lang kam fast ausschliesslich der FCZ zu guten Offensivaktionen. Dann erzielte der Brasilianer Itaitinga sein zweites Tor des Nachmittags – und nichts ging mehr beim Stadtclub. Dem Vernehmen nach hatte Sion-Trainer Tramezzani den in der 1. Halbzeit mehrmals angeschlagen am Boden liegenden Itaitinga ursprünglich zur Pause auswechseln wollen. Neben der fehlenden Kaltblütigkeit und Durchschlagskraft der Stürmer kommt beim FC Zürich nun aber auch noch die Defensivschwäche der Innenverteidiger hinzu. In den ersten drei Saisonspielen war das Abwehrzentrum noch solide aufgetreten – Lindrit Kamberi machte gar richtiggehend Freude und war beim Auftakt in Bern MVP. Seit nun aber der lange verletzt gewesene Becir Omeragic wieder forciert wird, wurde dieser Mannschaftsteil destabilisiert. Gegen St. Gallen und Sion war die Innenverteidigung defensiv weit vom notwendigen Super League-Niveau entfernt. Und nun fangen auch Kryeziu, Mets und nach seiner Einwechslung gegen Sion sogar Kamberi an, wiederholt zu patzen. Alitis Beteiligung am 0:2 bleibt hingegen ein Ausnahmefall. Der kosovarische Nationalspieler bleibt, wenn der Gegner nicht YB oder Qarabag heisst, defensiv weitgehend fehlerfrei.

Link zum FCZ – Sion Telegramm



21 Abschlüsse: in der ganzen Meistersaison hatte der FCZ nur zwei Mal (jeweils gegen Luzern) das gegnerische Tor häufiger ins Visier genommen. Neun Abschlüsse aufs Tor: mehr gabs im ganzen Meisterjahr in der Liga nie – nur in der 1. Runde des Schweizer Cups in Solothurn, als zehn von 16 Bällen im Netz landeten. Von der 30. Minute bis zum Spielende befand sich der FCZ in St. Gallen zu 60-70% in Ballbesitz. St.Gallen-Keeper Zigi stellte einen neuen persönlichen Rekord an gehaltenen Schüssen auf. Erstaunlich ebenfalls: der FCZ machte mehr Pressing als St. Gallen. Das letzte Mal, als das Letzigrund-Team solche Pressingwerte erreicht hat, war im April beim 2:1-Heimsieg gegen YB. 17 Minuten plus Nachspielzeit war der FCZ in St. Gallen in Überzahl und in den letzten Jahren hat das Team kaum mal eine Überzahl spielerisch so gut ausnutzen können wie diesmal. Es war basierend auf den Züri Live-Noten insgesamt die beste Liga-Offensivleistung der noch jungen Saison und die 2. Halbzeit die beste Liga-Halbzeit.

Qualität und Schnelligkeit der Entscheidungen der Stürmer am Ball mangelhaft

Der in einem 4-2-3-1 auf der Zehnerposition eingesetzte Bledian Krasniqi erfreute die Fussballliebhaber sowohl mit viel Kampfgeist, als auch kunstvollen Pässen und schwindelerregenden Dribblings. Jonathan Okita klebte der Ball selbst in grosser Bedrängnis so am rechten Fuss, als sei er dort mit Sekundenkleber angebracht worden. Nikola Boranijasevics Flanken waren auch in der Vergangenheit gut, zur Zeit sind sie aber schlichtweg phänomenal – und das immer. Im fünften Wettbewerbsspiel der Saison war der FCZ zum vierten Mal nach „Expected Goals“ besser als der Gegner. Warum verliert man dann 0:2 in St. Gallen?

Die Gründe dafür sind sowohl ganz hinten, als auch ganz vorne zu suchen. Das in der Ostschweiz neu aufgestellte Innenverteidigerduo Omeragic / Mets spielte defensiv einen schlechten Match (Omeragic: Defensiv-Note 1, Mets: Defensiv-Note 2 – siehe Match Performance-Grafik). Nicht nur bei den beiden Gegentoren kamen sie einen Schritt zu spät. Omeragic hat ausserdem seine Schwäche in der Luft während seiner Verletzungspause natürlich nicht ausmerzen können – was es ihm in Zukunft erschweren wird, sich auf der Innenverteidigerposition in einer Top-Liga durchzusetzen. Mit Ball spielten Omeragic und Mets hingegen gut. Bei den Stürmern war es umgekehrt. Sie arbeiteten defensiv ordentlich mit, offensiv gelang hingegen gemessen an den vielen hervorragend aufgelegten Bällen von Krasniqi, Boranijasevic und Co. wenig (Gnonto, Okita) bis nichts (Tosin). An erster Stelle auf der Mängelliste steht bei allen Dreien die Qualität und Schnelligkeit der Entscheidungen am Ball. Die eingewechselten Santini und Gogia waren auch keine Hilfe, sondern sogar noch mehr enttäuschend, als die Starter.

St. Gallen gewinnt, obwohl Konzept nicht aufgegangen ist

Positiv zu vermerken ist hingegen, dass die eher wacklig in die Saison gestarteten Brecher und Marchesano wieder besser in Fahrt kommen. Zwei der drei „Captains“ sind damit wieder an Bord. Auch Routinier Aliti steigert sich von Spiel zu Spiel. Seiler hatte von letzter Saison gute Erinnerungen an St. Gallen und machte auch diesmal einen guten Match, eroberte mit seiner Explosivität in heiklen Situationen einige wichtige Bälle zurück. Aufgrund der taktischen Marschroute war die Aufgabe für Seiler nicht einfach. Im eigenen Platzdrittel staffelte bei gegnerischem Ballbesitz Mittelfeldspieler Marc Hornschuh zurück und machte aus der Vierer- eine Fünferabwehrreihe. Seiler und Krasniqi sahen sich so im Mittelfeldzentrum konstant einer St. Galler Überzahl gegenüber. Der eingewechselte Cheick Condé war offensiv der beste Zürcher, sogar noch knapp vor Krasniqi. Neben Condé und Krasniqi erzielten auch Marchesano und Boranijasevic die Offensiv-Note „10“.

St. Gallen kehrt zum Start dieser Saison wieder zum alten Matchplan zurück: Energieeinsatz über dem Limit in den ersten 20-30 Minuten – und danach die aus grünweisser Sicht hoffentliche Führung mit defensiver Stabilität und schnellen Kontern über die Runden bringen. Das hat gleich aus zweifacher Sicht gegen den FCZ eigentlich nicht funktioniert. Erstens hatte das Team von Franco Foda mit guten Kontern in den ersten 15 Minuten ein Chancenplus, und zweitens kam der FCSG in der langen Druckphase der Zürcher von der 30. Minute bis zum Schlusspfiff zu deutlich weniger Konterchancen, als erhofft. Schon lange vor der Roten Karte gegen Isaac Schmidt in der 73. Minute waren die Energiereserven St. Gallens aufgebraucht und es spielte praktisch nur noch der FCZ. Trotzdem reichte es den Grünweissen zum Sieg.

Gegenspieler stossen, reissen, werfen – anything goes

Seit langer Zeit gibt es wieder einmal eine einseitige Spielleitung zu bemängeln. Die St. Galler konnten mit den Händen die Gegenspieler stossen, reissen oder gar wie Guindo den leichtgewichtigeren Gnonto mit beiden Händen am Trikot wortwörtlich vom Platz werfen, wie einen Kehrichtsack in die Tonne. Nichts davon wurde abgepfiffen. Und dies teilweise in wichtigen Umschaltsituationen. Auch Hohes Bein wurde von Ref Fähndrich nie geahndet. In der Platzverweisszene (Schmidt vs. Gnonto) musste erst der VAR eingreifen – Fähndrich hatte auch kein Gelb gegeben. Umgekehrt erhielten die Grünweissen Freistösse nach einwandfreien Laufduellen Körper an Körper.



Man muss kein junger Spieler sein, um Anfängerfehler zu begehen. Ole Selnaes (28) und Ivan Santini (33) unterliefen die Malheurs, die zu den beiden Gegentreffern im Letzigrund führten. Beim ersten Gegentor spielte Qarabag einen perfekten Konter – bis zur Hereingabe des Rechten Flügels Sheydaev in den Strafraum, die bei Selnaes landete. Dieser hätte den Ball ins Seitenaus spedieren können, ja müssen! Stattdessen versuchte der Norweger den Ball in einer unübersichtlichen Situation im eigenen Strafraum gegen einen anstürmenden Gegner zu stoppen, als hätte er alle Zeit und Musse der Welt. Der Ball versprang ihm dann sogar noch an den Fuss von Condé und spickte von dort vor die Füsse Kadys, der sich nicht zwei Mal bitten liess. Selnaes ist das Sinnbild einer Mannschaft, die explizit für die Liga zusammengestellt wurde. Man nahm in Kauf, Spieler zu holen, von denen man wusste, dass sie zu Beginn Anlaufzeit brauchen.

Mehrere FCZ-Akteure weit von Bestverfassung entfernt

Selnaes hat drei Jahre in der Chinesischen Super League gespielt, die ein deutlich tieferes Niveau aufweist, als die Schweizer Super League. Seine Erste Halbzeit gegen Qarabag war ordentlich bis gut (Züri Live-Note: 6). Nach der Pause baute er dann aber relativ rasch ab und beging so den entscheidenden Fehler (Züri Live-Note Zweite Halbzeit: 2). Ausgewechselt wurde er erst in der 70. Minute. Schon im Auswärtsspiel in Baku wollte Trainer Foda zu Beginn mit Marc Hornschuh Routine ins Mittelfeld bringen: was schief ging – Schnelligkeit, Wendigkeit, Technik sind auf diesem Niveau wichtiger. Ivan Santini hatte gegen Luzern gute Ansätze gezeigt. Gegen Qarabag verlor er aber die Mehrzahl der Kopfballduelle und verursachte mit seinem Ballverlust im Mittelfeld hauptsächlich den zweiten Gegentreffer. Bei diesem verteidigte Mirlind Kryeziu in einer zwei gegen zwei-Situation wie in einer Dreierabwehr, obwohl sein Team mittlerweile auf Viererabwehr umgestellt hatte. Yanick Brecher verschob sich ausserdem zu langsam und liess die nahe Torecke für den Schützen Owusu weit offen.

Ganz anders Qarabag: Qurban Qurbanovs’s Team spielt personell und von der taktischen Formation her praktisch immer gleich. So wie der FCZ letzte Saison. Bezüglich Spielweise war Qarabag in den vier Partien gegen Lech Poznan und den FCZ hingegen sehr variabel: mal mit Angriffen über die Seiten, dann wieder durch die Mitte, mal mit aggressivem Gegenpressing in Baku, dann wieder eher auf Konter lauernd wie im Rückspiel im Letzigrund. Die Stammformation von Qarabag ist qualitativ mit YB vergleichbar – auf einigen Positionen etwas besser besetzt, auf anderen etwas schlechter. Einen Spieler, der wie Kady in einem wichtigen Spiel einen Eckball von links mit dem linken Aussenrist äusserst scharf direkt aufs Tor ziehen kann, gibt es in der Super League nicht. Beim Vergleich der Ersatzbänke ist YB aber besser. Qarabag ist eine eingespielte Equipe mit mehrheitlich Fussballern im Zenit ihres Schaffens. Der Marktwert ist tiefer, als derjenige des FCZ. Dies ist aber eine Messgrösse des individuellen Zukunftspotentials der Spieler eines Kaders.

Qarabag mit weniger Energie und mehr Fehlern als im Hinspiel

Qarabag zeigte in den Begegnungen mit dem FCZ hingegen mehr „Gegenwartspotential“ als Team. Ein Grossteil der Marktwertdifferenz zwischen den beiden Mannschaften machen Becir Omeragic und Wilfried Gnonto aus, die beide in diesen Partien keine wesentliche Rolle spielen konnten. Der letztjährige Top-Joker Gnonto wird aktuell als Stammspieler in die Verantwortung genommen und hat es in den ersten Saisonpartien noch nicht geschafft, diese neue Rolle mit genügend Inhalt zu füllen. Speziell in den ersten 45 Minuten kommt von ihm jeweils zu wenig. Omeragic ist im Aufbau nach seiner Meniskusverletzung. Mehrere ältere Spieler sind noch auf der Suche nach dem Rhythmus oder ihrer Form. Der FCZ hatte im Vergleich mit Qarabag zu viele Spieler an Bord, die möglicherweise mal gut werden oder früher mal gut waren – anstatt solchen, die im Hier und Jetzt gut sind und performen.

Vieles sprach in diesem Spiel eigentlich für den FCZ. Qarabag trat deutlich weniger überzeugend auf, als in den Heimspielen. Der Auftritt erinnerte eher etwas an die 0:1-Niederlage bei Lech Poznan. Das frühe 1:0 des FCZ ähnelte dem damaligen Führungstreffer der Polen sehr stark: schnelles Umschaltspiel über rechts und in der Mitte ist der Captain der Aserbaidschanischen Nationalmannschaft Medvedev indisponiert. Man schien dem Gästeteam die Reisestrapazen anzumerken – auch wenn der Jet Lag bei einem Flug Richtung Westen weniger schlimm sein soll, als umgekehrt. Sie gingen nicht so intensiv ins Pressing wie zuhause, viele Bälle versprangen oder kamen nicht beim Mitspieler an – speziell Spielgestalter Almeida zog einen schwachen Tag ein. Und während der Partie musste Coach Qurban Qurbanov nach und nach seine ganze Defensivabteilung austauschen, so dass ab der Zweiten Halbzeit die Reserve-Defensive auf dem Platz stand. Qarabag setzte in Zürich zudem immerhin zehn Aserbeidschanische Spieler ein.

Defensive Steigerung von Spiel zu Spiel beim FCZ

Wie im Hinspiel war die Schiedsrichterleistung grundsätzlich gut, aber trotzdem mit einzelnen fragwürdigen Entscheiden in heiklen, unübersichtlichen Szenen auf beiden Seiten. Und es waren die gleichen Themen wie in Baku. Der FCZ profitierte dort von einem Offsidetor Kamberis bei Freistoss Guerrero – diesmal stand Santini beim 2:1 in der Nachspielzeit der Zweiten Halbzeit mit einem Fuss wohl ganz knapp im Offside, auch wenn es mit den vorhandenen Kameraperspektiven nicht hundertprozentig auflösbar ist. Wie in Baku hätte es auch in Zürich eine Rote Karte wegen Notbremse gegen einen Qarabag-Verteidiger geben müssen – beide Male wurde der schnelle Rohner von hinten umgestossen, diesmal von Badavi Hüseynov. Ausserdem profitierte Qarabag davon, dass die Fouls von Bajramov gegen Kamberi sowie Wadji gegen Rohner in der Entstehung des 1:1-Ausgleichs von den Unparteiischen übersehen wurden.

Insgesamt kann nach eingehender Analyse der Partie die Leistung des FCZ aber positiver beurteilt werden, als dies in der Schlussanalyse der Radio-Übertragung direkt nach dem Spiel noch der Fall gewesen war. Die Durschnittsnote der Mannschaft ist 6,5, die höchste bisher in dieser Saison, knapp vor dem Auswärtsspiel in Baku (6,3) – wobei es in der Verlängerung einen Leistungsabfall gab (5,5). Neun Spieler kamen gegen Qarabag zu Abschlüssen. Es gab sehr viele gute Offensivaktionen, der FCZ kam vor allem häufig erfolgsversprechend über die Seiten. „Uhrwerk“ Nikola Boranijasevic (MVP) spielte sich mit insgesamt zehn qualitativ hochstehenden Flanken fast schon in einen Rausch. Und die Defensivnoten der Mannschaft haben sich bisher von Spiel zu Spiel gesteigert. Auch Stürmer wie Tosin, Okita oder Gnonto erledigen ihre Defensivaufgaben diszipliniert. Die Qualifikation Qarabags für die nächste Runde war zwar nicht gestohlen, aber nach Expected Goals und Offensivszenen hätte der FCZ eher weiterkommen müssen. Im Rückspiel gehörte die erste halbe Stunde beider Halbzeiten und auch die Zweite Halbzeit der Verlängerung fast komplett dem Heimteam. Im Hinspiel in Baku spielte in der Zweiten Halbzeit ebenfalls praktisch nur der FCZ. Vor allem haben die Zürcher für die kommenden Wochen und Monate noch einiges an Potential nach oben bei Neuzugängen, letztjährigen Schlüsselspielern und auch jüngeren Akteuren, die einen Schritt nach vorne gemacht haben.



Nur für den FCZ ändert Luzern-Trainer Mario Frick bisher sein bewährtes Rhombus-System. Erstmals in der letzten Runde der abgelaufenen Saison im Letzigrund – und nun erneut. Luzern-Innenverteidiger Simani sprach nach dem Spiel davon, dass man zu Beginn zu viel Respekt vor dem Meister gehabt habe. Hätte Frick das System auch geändert, wenn er gewusst hätte, dass der FCZ nicht im üblichen 3-4-1-2 spielt? Dass beide Mannschaften in einem klassischen 4-4-2 antraten, trug auf jeden Fall seinen Teil dazu bei, dass die Partie letztendlich torlos blieb. Gemessen an den Züri Live-Durchschnittsnoten hat sich die Mannschaft von Franco Foda defensiv von Spiel zu Spiel gesteigert. Allerdings war gegen dieses Luzern zu verteidigen deutlich einfacher, als zuvor gegen Qarabag. Mit Andy Gogia war im Letzigrund nur ein einziger eingesetzter Akteur defensiv ungenügend. Der MVP des Qarabag-Auswärtsspiels, Cheick Condé, war diesmal hingegen vor allem offensiv stark.

Grund für Probleme mit gegnerischem Pressing wirklich nur vermeidbare individuelle Fehler?

Personelle Überlegungen werden auf Seiten von FCZ-Coach Foda ihren Teil dazu beigetragen haben, sich für ein 4-4-2 zu entscheiden. In dieser Formation konnte er Andy Gogia und Jonathan Okita von Anfang an eine Chance geben und dadurch andere Akteure schonen. Man sah in dieser Partie aber auch plastisch die Nachteile dieses Systems für die Mannschaft. Im 3-4-1-2 mit lauffreudigen Aussenläufern Guerrero und Boranijasevic hat der FCZ sowohl viel Breite wie auch viel Tiefe im Spiel. Breite: hinterste Reihe fünf, im Mittelfeld vier und vorne ebenfalls vier. Die Tiefe wird dadurch hergestellt, dass vier Reihen auf dem Platz stehen und nicht nur drei, was sowohl offensiv als auch defensiv Vorteile hat. Im 4-4-2 hingegen werden die beiden Schlüsselspieler Guerrero und Boranijasevic zurückgebunden und können ihre Qualitäten nicht voll einbringen. Für die Gegner eröffnet sich zudem die zusätzliche Option einen langen hohen Ball über die drei Reihen hinweg hinter die Abwehr zu spielen.

Den Spielaufbau hinten heraus bestritt der FCZ erneut vorwiegend flach und hatte wie in Bern mit dem Pressing des Gegners phasenweise grosse Probleme. Dies obwohl Luzern in diesen Situationen den Zürcher Sechser nicht in Manndeckung nahm und daher immer wenn Condé zurückkam und sich ausserhalb des Deckungsschattens der Stürmer anbieten konnte, das Frick-Team gezwungen war, zurückzuweichen. Captain Yanick Brecher sah nach der Partie im Interview mit Züri Live allein einfach vermeidbare individuelle Fehler als Ursache der Probleme. Schon vor der Breitenreiter-Zeit hatte die Mannschaft immer wieder etwas die Tendenz, die eigenen kollektiven und individuellen Fähigkeiten zu überschätzen und Niederlagen mit unerklärlichen Fehlern von einzelnen Spielern zu erklären – anstatt die Spielweise des Teams an die Realitäten und echten Kräfteverhältnisse anzupassen. Gegen Luzern war es viel eher so, dass sich der FCZ nur dank dem ungewöhnlich unpräzisen Passspiel Luzerns schadlos halten konnte.

Bessere Bank als in Bern – letztjährige Effizienz fehlt offensiv und defensiv

Der FCZ spielte wie sich das schon in der Vorbereitung angedeutet hatte, mehr über die Seiten. Man sieht mehr Flanken und Kopfbälle. Die letzte Viertelstunde vor der Pause war der FC Zürich aber völlig von der Rolle und gewann praktisch keine Zweiten Bälle im Mittelfeld mehr. Luzern kam zu Chancen beinahe im Minutentakt. Eine positive Veränderung zum YB-Spiel war, dass diesmal beim FCZ Einwechselspieler (namentlich Dzemaili, Rohner und Santini) einiges bewegen konnten und ihre Mannschaft nochmal in die Nähe des möglichen Siegtreffers brachten. Insgesamt hatte der FCZ mehr Ballbesitz und in der 1. Halbzeit ein Plus an Grosschancen. Ganz generell hätte das Spiel nach „Expected Goals“ tatsächlich ebenfalls Unentschieden enden müssen – allerdings 1:1. In Bern wäre nach diesem Kriterium ein 2:2-Unentschieden anstatt der 0:4-Niederlage korrekt gewesen und in Baku hätte man gar 2:1 gewinnen müssen. Dies vor allem auch, weil die Tore Qarabags aus Positionen erzielt wurden, die häufig nicht einen Torerfolg zur Folge haben. Torhüter Brecher konnte die wuchtigen Abschlüsse von Wadji und Kady aber jeweils nicht parieren.



Der FCZ kennt solche Spiele. Vor zwei bis drei Jahren lief es jeweils gegen St. Gallen so wie nun in Baku. Zu Beginn überrollt der Gegner den FC Zürich wie ein Tsunami, so dass man das Gefühl bekommt: diese zwei Mannschaften gehören eigentlich nicht in die gleiche Liga. Wenn die Kräfte des Gegners nach der anfänglichen Parforce-Leistung dann aber nachlassen, schlägt der FCZ zurück. Der Unterhaltungsfaktor solcher Spiele ist hoch. Da St. Gallen am Ende aber mehrheitlich auf der Verliererseite stand, sah dessen Coach Peter Zeidler irgendwann von solchen Matchplänen wieder ab. Sein Team hatte jeweils in der Hochenergiephase schlichtweg weniger Tore erzielt, als es danach im „übersäuerten“ Zustand kassierte. Im Unterschied zu St. Gallen vermochte Qarabaq auch in der 2. Halbzeit in vereinzelten Aktionen nochmal das Tempo zu erhöhen und Nadelstiche zu setzen, so dass der FCZ nach dem 2:3-Anschlusstreffer nicht mehr allzu viel riskieren wollte.

Qarabaq mit grosser taktischer Flexibilität

Wer die Leistung oder Taktik des FCZ in Baku beurteilen will, muss daher berücksichtigen, dass in den zwei Halbzeiten zwar personell der gleiche, vom Energie-Level her aber ein komplett unterschiedlicher Gegner auf dem Platz gegenüberstand. Natürlich hat der Auftritt des Letzigrund-Teams in der 2. Halbzeit optisch deutlich besser gewirkt, aber der Unterschied bezüglich Leistung war nicht so gross, wie es auf den ersten Blick scheint. In Problemen steckten in den besonders intensiven ersten 20 Minuten Qarabaqs beim FCZ viele. Bei Marc Hornschuh handelte es ich aber nicht nur um ein paar Probleme, sondern er war im Mittelfeldzentrum mit dem Tempo des Gegners überfordert. Und dass der sehr beständige Fidan Aliti in der Super League sein oberes Limit ausreizt und kaum Luft nach oben hat, war auch schon immer klar. Aber auch er machte natürlich sofort wieder eine bessere Figur, als Qarabaq die Puste ausging.

Dass die Aseris das Spiel schlussendlich gewannen, hat viel mit den Einzelleistungen von Ibrahima Wadji zu tun. Der 27-jährige Senegalese war vor einem Jahr als einer der besten Torschützen der Norwegischen Liga ans Kaspische Meer gezogen und in den Europacupduellen mit dem FC Basel die auffälligste Figur. In der 1. Runde der diesjährigen Saison gegen Lech Poznan lief das Spiel hingegen an ihm vorbei, auch weil Qarabaq jeweils über die Flügel spielte. Gegen den FCZ änderte Coach Qurban Qurbanov die Taktik. Das intensive Pressing / Gegenpressing aus dem Lech-Rückspiel wurde beibehalten, aber es wurde vorwiegend durch die Mitte angegriffen.

Selnaes-Début, Condé MVP, Marchesano und Guerrero steigern sich

In der 1. Halbzeit spielte der FC Zürich wie letzte Saison im 3-4-1-2 mit Manndeckung auf dem ganzen Platz. Der im Vergleich zum YB-Spiel verbessert auftretende Antonio Marchesano deckte im Spiel ohne Ball Jankovic, Dzemaili folgte Almeida auf Schritt und Tritt, und Hornschuh hätte Ozobic neutralisieren sollen. Die Lösung Qurbanovs gegen die Manndeckung: einer der beiden Flügel (Kady oder Zoubir) bot sich jeweils zusätzlich zentral an und trieb den Ball nach vorne, die Vier gegen drei-Überzahl ausnutzend. Nachdem der FCZ zur Pause auf ein 3-4-3 mit Raumdeckung umgestellt hatte, verlegte sich Qarabaq sofort darauf, die typischen Schwachstellen der Raumdeckung auszunutzen: die sich bietenden Lücken zwischen den Linien. Dazu stellte Qurbanov seinen besten Mann Kady vom Flügel auf die Zehnerposition, wo der Brasilianer nun häufig Raum vorfand und so das 3:1 vorbereiten konnte.

Der zur Pause für Hornschuh eingewechselte Cheikh Condé bestätigte die positiven Eindrücke seiner Spiele in Tschechien, der Vorbereitung und in Bern. Bereits in seinem zweiten Wettbewerbsspiel wird er zum Züri Live-MVP. Mit dem Guineer verbesserte sich schlagartig die Balance zwischen Offensive und Defensive. Mirlind Kryeziu und Blerim Dzemaili wirken (noch) fitter als letzte Saison. Als Qarabaq nicht mehr so intensiv ins Pressing ging, lancierte Kryeziu mit langen Bällen und Seitenwechseln das Zürcher Spiel und verwandelte den Foulpenalty zum 2:3 sicher. Offensiv war er der beste Spieler des FCZ in Baku. Bei Marchesano und Guerrero war bereits eine klare Steigerung im Vergleich zum Auftakt in Bern erkennbar. Fabian Rohner sorgte als Stürmer in der 1. Halbzeit immer wieder für Entlastung und provozierte Szenen, die zu einem Penalty oder Platzverweis des Gegners hätten führen können.

Ole Selnaes kam als Letzter der vier Neuzugänge und trotzdem überraschend früh zu seinem Wettbewerbsdébut für den FCZ – nicht überraschend mit guten Offensivaktionen und defensiven Defiziten. In der Match-Vorschau stand, dass das Duell zwischen Boranijasevic und Linksverteidiger Dzafarguliyev entscheidend werden könnte. Letztendlich führten zwei Fehler des für Dzafarguliyev eingewechselten Bajramov, der nach Krasniqi-Steilpass Boranijasevic im Strafraum zu Fall brachte, das späte 2:3. Insgesamt entsteht nach der Auswärtspartie in Aserbaidschan das Gefühl, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist und schon in den kommenden Partien die ersten positiven Resultate folgen werden.



Chapeau! Der FCZ schlägt eine Woche nach dem feststehenden Meistertitel die sich in guter Form befindliche zweitbeste Rückrundenmannschaft auswärts im ausverkauften Kybunpark – und dies letztendlich verdient. In einer ausgeglichenen 1. Halbzeit hatte der FCZ bei zwei Fifty-Fifty-Entscheidungen (Offsidetor Guillemenot, mögliches Handspiel Boranijasevics im Strafraum) das Glück zu Beginn auf seiner Seite – und ging mit seiner ersten Torchance in Führung. Leonidas Stergiou liess sich von Ante Coric übertölpeln. Dieser zog den selbst herausgeholten Corner ideal an den nahen Pfosten und ermöglichte Karol Mets dessen erstes Tor im FCZ-Dress.

Brecher mit einer Abwehrquote von 0%

In der 2. Halbzeit hatte der FCZ die besseren Tormöglichkeiten. St. Gallen kam zwar immer wieder zum Abschluss, aber der von Assan Ceesay noch berührte raffiniert geschlagene Direkte Freistosstreffer Quintillas war statistisch der einzige Schuss der Grünweissen, der auf den Kasten von Yanick Brecher kam. Die Abwehrquote des Zürcher Keepers lag also in dieser Partie bei 0%. Dank seinen Offensivqualitäten hat Brecher trotz des letztlich fürs Resultat unerheblichen Patzers beim Offsidetor Guillemenots die Note “6“.

Mets, Gogias Comeback und neu formiertes Zentrum machen Freude

Auch wenn die Gesamtleistung der Mannschaft stark war, gab es im Einzelnen Unterschiede. Das Sturmduo Tosin / Ceesay schien in der 1. Halbzeit noch etwas mit den Gedanken bei der Meisterfeier. Und die rechte Seite war trotz Boranijasevic in der Startformation wie schon gegen Sion in beiden Halbzeiten eine Problemzone. Freude machte das neu formierte Zentrum mit Seiler, Krasniqi und Coric. Auch Karol Mets nutzte in dieser Partie seine Chance – über weite Strecken auf der zentralen Position, nach der Einwechslung Kryezius halblinks. Erfreulich das Comeback Akaki Gogias nach dessen wichtigem Beitrag zum Auswärtspunkt in Sion, bei welchem er sich verletzt hatte.

Ante Coric besteht in St. Gallen mit Technik und Spielwitz

Lindrit Kamberi begann schlecht, konnte sich im Verlauf der Partie dann aber steigern. Wilfried Gnonto vermochte sich auch eingekreist von vier oder gar fünf St. Gallern immer wieder gut zu lösen und Raum für die Mitspieler zu schaffen. Wenn ein Spieler nicht zu den Schnelleren gehört, kann man dies auf Super League-Niveau mit guter Technik in der Regel nicht kompensieren. Ante Corics Technik und Spielwitz ist allerdings nicht gut, sondern herausragend. Der Kroate bewies, dass er auch gegen einen Gegner wie St. Gallen bestehen und dem FCZ mit zum Sieg verhelfen kann – zumal seine defensive Laufleistung im Vergleich zu früheren Saisonpartien ebenfalls verbessert war.

Seiler übernimmt von Beginn weg das Spieldiktat

Most Valuable Player ist aber Stephan Seiler – zuletzt war der 21-jährige Zürcher dies vor einem Jahr bei einer Heimniederlage gegen Luzern gewesen. Damals hatte er noch deutlich mehr Einsatzzeit gehabt, als in der aktuellen Saison. In der 1. Halbzeit lag Seilers Fokus auf der Offensive, im 2. Durchgang war der Zentrale Mittelfeldspieler stärker defensiv gefordert. Vor dem Spiel schien Seiler als Motto mitbekommen zu haben, frisch von der Leber weg zu spielen und etwas zu wagen. Mit der grössten Selbstverständlichkeit übernahm Seiler mit seiner Laufbereitschaft und im Vergleich zu früher stark verbessertem Passspiel von Beginn weg das Spieldiktat. Praktisch jeder gefährliche Zürcher Angriff der 1. Halbzeit lief über ihn. Seine Diagonal- und Steilpässe beschäftigten die Grünweissen mehr als diesen lieb war und verhinderten einen Sturmlauf des Heimteams in der Anfangsphase.

Ähnliches Profil wie Doumbia

In den zweiten 45 Minuten schloss Seiler viele Lücken und half entscheidend mit, die St. Galler Angriffe zu bremsen und entschärfen. Seiler ist von seinem Stärken-/Schwächen-Profil ein sehr ähnlicher Spieler wie Ousmane Doumbia. Und in St. Gallen war er gar besser als der Ivorer: weniger Fehler, besseres Positionsspiel, Technik, Ballführung, Antritt, Beweglichkeit und Handlungsschnelligkeit. Die für Doumbia typischen spektakulären Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte sind auch eine Stärke von Seiler. Wenn der Gegner Sion geheissen hätte, wäre dies auch mehr zur Geltung gekommen. Der mögliche Doumbia-Ersatz spielt also bereits beim FCZ.

Highlights

Performance & Stats

Kommentare

Telegramm

FCSG – FCZ 1:2 (1:2)
Tore: 10. Mets (Coric) 0:1, 37. Quintilla 1:1, 43. Maglica (Eigentor, Guerrero) 1:2.
St. Gallen – Zigi; Cabral, Stergiou, Maglica, Schmidt; Quintilla; Fazliji (87. Babic), Ruiz (62. Toma); Lungoyi (62. Von Moos), Duah (62. Besio), Guillemenot (75. Jankewitz).
FCZ – Brecher; Kamberi, Mets, Aliti (63. Kryeziu); Boranijasevic (46. Wallner), Krasniqi (58. Hornschuh), Seiler, Guerrero; Coric (81. Gogia); Tosin (46. Gnonto), Ceesay.