Das nennt man wohl „eine Geschichte, wie sie nur der Fussball schreiben kann“. Nach seinem für Klub und Spieler wenig erfreulichen halbjährigen Engagement beim FC Zürich trifft Denis Popovic in seinem ersten Spiel für den neuen Klub Krylya Sovetov Samara ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Orenburg – und bringt sein neues bereits früh in Unterzahl agierendes Team aus kurzer Distanz per Kopf 1:0 in Führung – das zweite Kopfballtor seiner Karriere. Der auf der 10-er Position agierende Slowene bereitete später mit einem guten Pass in die Tiefe eine „hundertprozentige“ Chance zum 2:0 vor, musste mit seiner Mannschaft aber kurz vor Schluss noch das 1:1 hinnehmen. Nach dem Unentschieden im Abstiegskampf bleibt Samara auf einem Relegationsplatz, der Punkteabstand ins Mittelfeld ist aber nicht gross.

In der 2. Bundesliga lief an diesem Wochenende alles für Arminia Bielefeld und Cédric Brunner: 1:0 Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden (mit Heinz Lindner im Tor) während die Aufstiegskonkurrenten Stuttgart, HSV und Heidenheim allesamt verloren. Als Leader der Liga haben die Arminen nun neun Punkte Vorsprung auf den „Barrage-“ und 12 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Dazu beigetragen hat auch Victor Palsson, der bei einem frühen Darmstadt-Konter zum 2:0 gegen Heidenheim per Absatz die Vorlage lieferte.

Noch zu wenig produktiv, aber immer wieder für Unterhaltung gut ist ebenfalls in der 2. Bundesliga Michi Frey mit dem abstiegsgefährdeten Traditionsklub Nürnberg. In seinem ersten Startelfeinsatz für Osnabrück  sah Assan Ceesay vor zwei Wochen eine hart gepfiffene Rote Karte wegen einem Hohen Bein im eigenen Strafraum (Gegenspieler Carlson hatte Kopf tief) und ist immer noch gesperrt. Der vom FCZ an Holstein Kiel verliehene Salim Khelifi hat seit dem Trainerwechsel von André Schubert zu Ole Werner immer mehr an Status verloren und ist jeweils nicht mehr im Matchkader anzutreffen. Bei Trainer Urs Fischer ist Admir Mehmedi schon in der U21 aufgelaufen und hat bis heute in seiner Karriere unter keinem Coach mehr Spiele (80) absolviert. Am Sonntag holte er mit Wolfsburg bei Fischer’s Union ein 2:2 und bleibt auf einem Europacupplatz – fünf Punkte vor seinem Ex-Trainer. Ricardo Rodriguez hat in der Eredivisie für PSV schon fünf Partien und zuletzt gegen Feyenoord 1:1 Unentschieden gespielt. Eindhoven ist in dieser Zeit vom fünften auf den vierten Platz vorgestossen.

Bruder Roberto spielt in Uerdingen viel (2 Tore, 9 Assists diese Saison bisher), kommt aber mit dem ambitionierten Klub in der 3. Liga nicht vom Fleck – zur Zeit nur Rang 11. Der ebenfalls nach Uerdingen gewechselte 1,68.m-Linksverteidiger Hakim Guenouche kommt dort kaum zum Einsatz, während Andreas Maxsö relativ schnell zurück nach Dänemark weitergezogen ist und dort beim viertplatzierten Traditionsklub und ehemaligen Europacupgegner Bröndby mittlerweile Captain ist. Vier Punkte hinter Bröndby liegt Aalborg, das vor Wochenfrist mit Rasmus Thelander in der Innenverteidigung das Maxsö-Team auch dank einem Tor und Assist von Ex GC-Offensivmann Lucas Andersen mit 3:2 besiegen konnte. In der 3. Liga auf dem letzten Platz liegt Carl Zeiss Jena mit Kilian Pagliuca, der mit zwei Toren und fünf Assists eine Zeit lang Stammspieler war, nach einer Rotsperre (zwei Grätschen hintereinander von hinten in Braunschweig) aber aktuell etwas aussen vor ist.

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Nico Elvedi gehört zu den konstantesten Verteidigern der Bundesliga und ist mit Borussia Mönchengladbach unter dem ehemaligen Salzburg-Trainer Marco Rose im Spitzenquintett der Liga dabei. Bei „Transfermarkt“ ist Elvedi mit 35 Mio Euro nach Teamkollege Denis Zakaria und gleichauf mit Manuel Akanji der zweitwertvollste Schweizer Spieler. Djibril Sow hat seinen Stammplatz bei der SGE im Moment an den Österreicher Stefan Ilsanker (in der Winterpause von Leipzig gekommen) verloren. Josip Drmic kommt bei Norwich City in der Premier League nach seiner Oberschenkelverletzung wieder regelmässig als Joker zum Einsatz. Berat Djimsiti, Stammspieler beim Italienischen Team der Stunde, Atalanta, musste beim 7:2-Sieg in Lecce wegen muskulären Problemen pausieren, die er sich beim Aufwärmen zum Champions League-Achtelfinal-Hinspiel gegen Valencia zugezogen hatte. Der in der Winterpause zu Inter gewechselte Innenverteidiger Andi Hoti ist dort Stammspieler in der U17. Marin Cavar ist bei Serie B-Aufstiegskandidat Chievo Verona unter Vertrag. Nach vier starken Einsätzen in der Startformation beim FC Winterthur letzten Frühling wollten ihn die Venetier unbedingt und verpflichteten ihn trotz eines in einem Testspiel gegen Stuttgart erlittenen Kreuzbandrisses.

Joël Untersee blieb nach seiner Rückkehr vom FCZ nach Italien nicht bei Empoli und ist seit einem halben Jahr vereinslos. Loris Benito (ein Saisontor) steht in der Regel bei Girordins Bordeaux (12. Platz) in der Startformation. Neun Punkte hinter Benito in akuter Abstiegsgefahr befindet sich mit Nîmes der in der Winterpause von Dresden nach Südfrankreich gewechselte Moussa Koné. Gleich bei seinen ersten beiden Teileinsätzen in Nizza und gegen Angers gelang dem Senegalesen je ein Tor. Ivan Kecojevic hat in der LaLiga2 von der Atlantikküste (Cadiz) etwas ins Landesinnere (Albacete) gewechselt. In derselben Liga ist Armando Sadiku (Malaga) mit zehn Treffern auf Platz Sieben der Torschützenliste. Raphael Dwamena (Real Zaragoza) ist hingegen seit Anfang Oktober ausser Gefecht und musste sich einer Herzoperation unterziehen.

Maren Haile-Selassie wird bei Xamax weiterhin regelmässig eingewechselt und schlägt dann jeweils auch die Standards. Arbenit Xhemajli hat sich im gleichen Team mittlerweile etabliert. Ganz allgemein spielen bei der Mehrzahl der Super League-Teams mindestens zwei Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs (unter anderem Saidy Janko, Christian Fassnacht, Anto Grgic, Filip Stojilkovic, Noah Lovisa, Miro Muheim, André Ribeiro, Francisco Rodriguez). Piu Da Costas Highlight der Vorrunde war das 1:1 in der Europa League auswärts beim grossen Favoriten Dynamo Kyiv, welcher dadurch die K.O-Runde verpasste – bis zur 94. Minute hatte Lugano bei einem Schussverhältnis von 31:7 zugunsten von Dynamo sogar noch mit 1:0 geführt. Fabio Dixon hat beim Challenge League-isten FC Chiasso bisher in 15 Partien fünf Torvorlagen liefern können, zuletzt letzte Woche beim 2:0-Heimsieg gegen Wil. Bei diesem Heimsieg stand auch Izer Aliu als „Sechser“ erstmals in der Startaufstellung der Tessiner. Auf Wiler Seite standen zudem Fabian Rohner sowie Lindrit Kamberi in der Startformation, Bledian Krasniqi (in der Vorwoche noch krank) und Kastrijot Ndau wurden eingewechselt. Shkelzen Gashi ist zurück beim FC Aarau,  wird aber noch nicht eingesetzt. Auf dem Brügglifeld gespielt hat letzte Woche der weiterhin vom FCZ ausgeliehene Albin Sadrijaj (wie üblich im Zentralen Mittelfeld) bei einem 4:4-Torspektakel und hat dabei mit dem 1:0 für den SC Kriens (wo Burim Kukeli Captain ist) in der 23. Minute sein erstes Profitor erzielt. Oli Buff hat bei GC noch keinen Skorerpunkt erzielt.

Jorge Teixeira ist bei St. Truiden (12.) in Belgien nach einer Hüftverletzung wieder daran, sich in die Mannschaft zurückzukämpfen. Dimitri Oberlin hat bei Zulte Waregem (9.) seit September kein Tor mehr erzielt. Stephen Odey ist bei Genk (7.) Joker und vermochte in der Champions League beim Heim-1:4 gegen Liverpool den „Ehrentreffer“ für die Belgier zu markieren.  Mario Gavranovic ist bei Dinamo Zagreb zur Zeit ebenfalls Joker und hat erst vier Liga-Saisontore auf seinem Konto. Ebenfalls in der obersten Kroatischen Liga engagiert ist neben Torhüter Osman Hadzikic (Inter Zapresic) auch Franck Etoundi bei Slaven Belupo Koprivnica. Asmir Kajevic kommt bei der Belgrader Nummer drei Cukaricki (5. Platz) in der Serbischen Version der „Super Liga“ (neben der Schweiz und Serbien tragen auch die obersten Ligen in Argentinien, der Türkei, China, Dänemark, Usbekistan, Malaysia, Indien und Griechenland diese Bezeichnung) in jedem Spiel zum Einsatz. Avi Rikan ist Captain beim Israelischen Spitzenreiter Maccabi Tel Aviv. Pedro Henrique hat in der Türkischen „Süper Lig“ bei Kayserispor (letzter Platz, heute Heimspiel gegen Göztepe) schon sieben Tore erzielt und zwei Gelb-Rote Karten gesehen. In der 13. Runde war der heissblütige Brasilianer nach vier Gelben Karten zusätzlich zu den zwei Gelb-Roten bereits zum dritten Mal gesperrt.

Adis Jahovic spielt seine dritte Saison in der Süper Lig beim vierten Verein und liegt aktuell auf der Torschützenliste hinter Alexander Sörloth (Trabzonspor) und Papiss Demba Cissé (Alanyaspor) und gemeinsam mit Vedat Muriqi (Fenerbahce) mit 12 Treffern auf dem Dritten Platz. Schon in der Saison 17/18 war Jahovic drittbester Torschütze der höchsten Türkischen Spielklasse hinter den Starstürmern Bafétimbi Gomis (Galatasaray) und Burak Yilmaz (Trabzonspor) gewesen. Bei Antalyaspor spielt der Nordmazedonier seit der Winterpause an der Seite von Lukas Podolski. Insgesamt kommt Jahovic in seiner Karriere im Ligafussball bisher auf 126 Tore in 284 Spielen. Der 35-jährige Gökhan Inler ist bei Europa League-Achtelfinalteilnehmer Basaksehir Ergänzungsspieler, genauso wie dessen leicht jüngerer ehemaliger Teamkollege Raffael bei Gladbach. Wie Inler in Istanbul engagiert ist Innocent Emeghara (sechs Saisontore bisher) bei einem Zweitligisten mit Aufstiegschancen in die Süper Lig: Fatih Karagümrük ist der einzige Klub, der im ältesten Teil der Stadt, dem ehemaligen Konstantinopolis, in einem wohl kaum Süper Lig-tauglichen Stadion spielt.

Dusan Djuric spielt bei seinem Stammklub Halmstad in der Superettan (Zweite Schwedische Liga) immer noch Zuckerpässe auf grosse Distanzen und trifft mit schönen Weitschusstreffern. Davide Mariani hat beim emiratischen Tabellenführer Shabab Dubai im letzten Monat nicht gespielt, nachdem er zuvor Stammspieler gewesen war. Yassine Chikhaoui kommt bei Etoile Sportive du Sahel wie einstweilen beim FCZ sporadisch zum Einsatz und für ihn muss bei diesen Gelegenheiten dann ebenfalls jeweils die Aufstellung und Spielausrichtung angepasst werden. Amine Chermiti hat sich hingegen mittlerweile wieder über Saudi-Arabien in die Indische Megapolis Mumbai verabschiedet. Der in St. Petersburg aufgewachsene Artjom Simonyan hat sich im Heimatland seiner Eltern, Armenien, von Alashkert über Ararat zu Rekordmeister Pyunik hochgearbeitet und kam im November bei einer 1:9 (!)-Niederlage in Italien wieder einmal in der Nationalmanschaft zu einem Teileinsatz. Yann Fillion kam seit seit dem definitiven ablösefreien Wechsel vom FCZ in der Winterpause bisher in allen fünf „Suomen Cup“-Partien des Finnischen Zweitligisten Ekenäs zum Einsatz. Nicolas Andereggen hatte in der gleichen Zeitspanne einen Teileinsatz beim Argentinischen Zweitligisten CA Alvarado. Der ehemalige FCZ-Brasilianer Ramazotti wäre aktuell wieder zu haben, nachdem er auf seiner Weltreise in dieser Vorrunde für Daejoon Hana Citizen in der Zweiten Koreanischen Liga drei Mal getroffen, den Klub aber in der Winterpause wieder verlassen hat. Rapperswil-Jona mit Maurice Brunner und Nicolas Stettler hat in der Rückrunde noch Chancen auf den Wiederaufstieg in die Challenge League. Als prominente Neuverpflichtung kam in der Winterpause dem Vernehmen nach Bruno Morgado von Cup-Viertelfinalgegner Sion hinzu. Kay Voser kam in der Vorrunde bei Red Star zu drei Einsätzen. Andrea Guatelli spielt im Tessin beim SC Balerna in der 2. Liga Regional. Das Frauenteam des gleichen Klubs profitiert im übrigen aktuell von den Problemen bei Lugano und ist auf bestem Weg zum Aufstieg in die Nationalliga B.

Bild Züri Live – hinten von links: Christian Schneuwly, Dimitri Oberlin, Francisco Rodriguez, Yanick Brecher, Maurice Brunner, Nico Elvedi, Oliver Buff, Ivan Kecojevic, Yassine Chikhaoui. Vorne von links: Mario Gavranovic, Andres Malloth.

 

Dzengis Cavusevic und der FCZ lösen den bis Ende Saison laufenden Vertrag vorzeitig auf. Der bei den Fans beliebte Slowene verlässt den FCZ nach 18 Monaten. In der aktuellen Saison kam der 30-jährige nur 235 Minuten zum Einsatz, davon 159 Minuten gegen unterklassige Gegner im Cup. In der Aufstiegssaison kam Cavusevic beim FCZ wettbewerbsübergreifend 1’680 Minuten zum Einsatz und erreichte auf einer Skala von 1-10 eine Züri Live-Durchschnittsnote von 5,4 (in der aktuellen Saison nur 3,9). Aus insgesamt 42 Wettbewerbspartien resultierten 12 Tore (davon fünf beim schön herausgespielten 10:0-Sieg im Cup beim FC Chippis) und neun Assists. Vor allem zeigte der bullige Stürmer immer vollen Einsatz, auch in Situationen, wo ihm nicht alles gelang. Hvala Dzenga!

Ein spezieller Dzenga-Moment im FCZ-Dress war das Europa League-Heimspiel gegen Osmanlispor am 29. September letzten Jahres. In der 26. Minute verschoss Cavusevic einen Penalty, wurde aber sofort von seinen Teamkollegen aufgemuntert und steigerte sich im Verlaufe des Spiels, um dann in der 79. Minute den 2:1-Siegtreffer zu erzielen! Die anschliessenden Wochen bis zur Winterpause waren seine beste Zeit im Letzigrund-Klub. So zeigte er im Cup-Achtelfinal (2:1) gegen seinen Ex-Klub St. Gallen eine ganz starke Leistung und wurde im Europa League-Heimspiel gegen den Rumänischen Rekordmeister Steaua (0:0) zum Züri Live-Most Valuable Player gewählt. Auch auf Züri Live gab es einen „Dzenga-Moment“. Durch seine furchtlose Spielweise hatte sich der Slowene gegen den FC Wohlen einen Jochbeinbruch zugezogen und sass auf dem Brügglifeld auf der Tribüne, als die denkwürdige 30 Sekunden-Partie wegen einem Blackout abgebrochen werden musste. Dies gab damals die Gelegenheit schnell bei Züri Live vorbeizuschauen:

Nach dem Spiel gegen Wohlen hatte Uli Forte die Verletzung Cavusevics folgendermassen kommentiert:

Das erste Interview auf Züri Live hatte der Stürmer kurz nach seiner Verpflichtung im Sommer 2016 nach einem Testspiel-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach in Biel gegeben:

Thema war Dzengis Cavusevic auf Züri Live letzte Saison auch im Cupspiel der 1. Runde in La Chaux-de-Fonds:

Im Rahmen eines Aargauer Derbies zwischen dem 10. und 8. der Challenge League-Tabelle, das eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hätte, und welches durch einen zweifelhaften Penaltypfiff zugunsten von Aarau entschieden wurde, gab es aus FCZ-Sicht zwei bemerkenswerte Auftritte. Da war auf der einen Seite Albin Sadrijaj, der an diesem Freitagabend in den Farben des FC Wohlen zu seinem ersten Einsatz in einer Profiliga kam, nachdem er  vor drei Monaten seinen ersten Profivertrag beim FC Zürich unterschrieben hat. Der 20-jährige wurde von Trainer Jakovljevic im Zentralen Mittelfeld neben dem ehemaligen FCB-Junior Marko Bicvic das Vertrauen geschenkt. Die beiden verstanden sich sofort ziemlich gut. Sadrijaj war aber bereits ab der 2.Minute durch einen Schlag aufs Knie sichtlich handicapiert und musste in der 69. Minute schliesslich ausgewechselt werden. Nach dem Match liess Sadrijaj im Gespräch mit Züri Live sein Début Revue passieren:

Gilles Yapi seinerseits ist ebenfalls vom FCZ ausgeliehen – an den FC Aarau. Das ist der Klub, bei dem Yapi vor drei Jahren nach seiner Rückkehr aus Dubai vorspielte – unter anderem in einem Testspiel gegen den FCZ. Verpflichtet wurde der Ivorer dann vom FCZ, erlitt aber fünf Monate später ausgerechnet im Brügglifeld eine schwere Verletzung nach einem Foul von Sandro Wieser, welches ein juristisches Nachspiel hatte. Bei seinem ersten Auftritt im Aarauer Dress zeigte sich Yapi engagiert bis übermotiviert, und kam nur dank der Nachsicht von Schiedsrichter Sascha Amhof schon früh um eine Gelb-Rote Karte herum. Gilles Yapi redete mit Züri Live anschliessend über seinen Neuanfang in Aarau:

Neben dem bereits seit Wochen aufopfernd kämpfenden Alessandro Ciarrocchi genügte die Rückkehr von Sandro Burki, um Aarau nach sechs Niederlagen in sieben Spielen ohne ihren Captain wieder auf die Siegesstrasse zu bringen. Bereits nach 18 Minuten stand es 2:0 für das Heimteam gegen Leader FCZ. Beide Tore wurden über die Seite Cédric Brunners eingeleitet, der bereits seit einiger Zeit von den Gegnern als Schwachpunkt im Zürcher Abwehrdispositiv ausgemacht worden ist. Beim 1:0 konnte der Rechtsverteidiger die Flanke von Markaj nicht verhindern, und beim zweiten Tor war er nicht Mal in der Nähe von Ciarrocchi, wodurch alle anderen Abwehrspieler ihre Position verlassen mussten und am Ende nach einem Aarau-Spielzug in „Rugby-Manier“ Tréand am entfernten Pfosten ganz frei stand.

Aber auch offensiv agierte der FCZ zu nonchalant und wenig zielstrebig. Die Spielfreude war da, aber der Killerinstinkt fehlte – vor allem bei Koné, Dwamena und Rodriguez. Wie man es richtig macht, zeigte wieder einmal Innenverteidiger Alain Nef, der nicht nur bei seinem Anschlusstreffer als einziger Zürcher bei hohen Bällen echte Torgefahr heraufbeschwören konnte. Bester Spieler beim FCZ war der 18-jährige Kevin Rüegg, welcher zu seinem vierten Startelfeinsatz kam. Der gelernte Aussenläufer konnte erstmals nachweisen, dass er auch auf der ihm von den sportlichen Verantwortlichen zugewiesenen Position im Zentralen Mittelfeld gutes Super League-Potential mitbringt. Bis zur Auswechslung Rüeggs in der 77. Minute war der FCZ in seiner Aufholjagd gut unterwegs und hätte gar noch gewinnen können. Gleich danach fiel das Team völlig auseinander. Im Offenen Schlagabtausch kam nur Aarau zu guten Tormöglichkeiten, weil die vielen Zürcher Offensivspieler, auch der eingewechselte Cavusevic, nicht nach hinten arbeiteten, bei möglichen eigenen Angriffen dann aber trotzdem sich nicht freilaufen oder den Ball behaupten vermochten.

Aarau – FCZ 3:1 (2:0)

Tore: 2. Tréand (Markaj) 1:0, 18. Tréand (Audino) 2:0, 68. Nef (Marchesano) 2:1, 82. Mehidic (Tréand) 3:1.

Aarau: Bucchi; Thrier, Nganga, Garat, Markaj; Tréand (85. Giger), Jäckle, Burki (63. Perrier), Audino (68. Mehidic); Rossini, Ciarrocchi.

FCZ: Vanins; Brunner (65. Buff), Nef, Kecojevic, Stettler; Winter, Rüegg (77. Cavusevic), Yapi (46. Marchesano), Rodriguez; Koné, Dwamena.

Trainer Uli Forte erwartet in Aarau beim Wiederholungsspiel wegen dem prognostizierten Regen ein tiefes Terrain – und Aarau-Captain Sandro Burki zurück in der Startformation. Ohne den ehemaligen FCZ-ler hat das Team des Zürcher Trainers Marco Schällibaum in sieben Partien sechs Mal verloren. Bei der 2:3-Auswärtsniederlage zuletzt in Winterthur zeigte Aarau aber aufsteigende Tendenz und Burki wurde während der 2. Halbzeit eingewechselt. Mit Burki beim FCZ zusammengespielt hat vor 15 Jahren Alain Nef. Dieser kehrt nach seiner Sperre in die Mannschaft zurück. Burim Kukeli wird als „fraglich“ gemeldet.

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FCZ-Trainer Forte ist sich sicher, dass Aarau in dieser Rückrunde, in der es keine wesentlichen Ziele mehr zu erreichen gibt, unbedingt zum ersten Mal in dieser Saison den FCZ schlagen will. Dass die Liga auf Wiederholungsspiel entschieden hat, findet Forte richtig. Er habe auch nicht den ersten Medienmeldungen nach dem Abbruch geglaubt, die von einer Forfaitniederlage sprachen. Mit einem Sieg in Aarau könnte der FCZ trotz mässigem Start im Neuen Jahr in der Rückrundentabelle mit gleich viel Punkten aber der besseren Tordifferenz an Xamax vorbei auf den 1. Platz springen. Dies ist für Forte aber ein „Nebenschauplatz“. Um was es geht, ist ein guter Auftritt auf dem schwierigen Terrain des Brügglifeldes.

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Gilles Yapi gelingt beinahe zwei Jahre nach dem Horror-Foul von Sandro Wieser bei der erstmaligen Rückkehr auf das Brügglifeld eine starke Leistung. Später war diese Tat von den Aarauer Fans in einer Choreographie auch noch glorifiziert und zur Nachahmung empfohlen worden. Der FCZ-Captain ist nach dem 0:1-Rückstand in seinem Team der Antreiber in der Schlussphase, welcher dafür sorgt, dass die Bälle möglichst schnell und direkt in die Offensivzone gespielt werden. Nach einer überlegen geführten ersten Halbzeit und Schlussphase, 15:7 Abschlüssen auf dem Brügglifeld, und dem Nachteil der ein oder anderen unnachvollziehbaren Entscheidung von Schiedsrichter Schnyder, war schlussendlich der Ausgleich durch Ivan Kecojevic kurz vor Schluss hochverdient.

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Neben Yapi hatte auch Einwechselspieler Moussa Koné einen grossen Anteil an der späten Wende. Mit einem Sprint in die Tiefe und dem wuchtigen Abschluss aus spitzem Winkel läutete der 19-jährige die finale Druckphase ein, und legte danach zwei Mal gut aus dem Strafraum heraus für Mitspieler ab – beim ersten Mal resultierte eine Topchance für Cavusevic, beim zweiten Mal das Tor von Kecojevic. Obwohl nur 21 Minuten auf dem Platz, ist Koné damit der Züri Live-MVP der Partie. Auch der eingewechselte Davide Chiumiento war ein Pluspunkt und zeigte eine klare Steigerung gegenüber seinem schlechten ersten Teileinsatz in Bellinzona.

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Der FCZ zeigt auf dem Brügglifeld eine gute erste Hälfte, in der man aber aus dem Nichts durch einen umstrittenen Gegentreffer durch Tréand mit 0:1 in Rückstand gerät. In einer strittigen Szene im Aarauer Strafraum mit Besle wird Rodriguez zudem kein Penalty zugesprochen. Und Cavusevics Tor wird wegen vermeintlichem Offside aberkannt. In den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit gelingt es dem FCZ dann nicht, Druck aufs Aarauer Tor auszuüben. Nach den Einwechslungen von Koné, Chiumiento und Schönbächler ändert sich dies gegen etwas müder werdende Aarauer danach aber. In der Nachspielzeit kommen die Weissen so durch den erneut sehr solide agierenden Ivan Kecojevic und per Kopf im Strafraum aufgelegt durch Moussa Koné noch zum verdienten Ausgleich, nachdem Aarau-Verteidiger Thaler den eigenen Captain Burki an den Rücken geschossen hatte.

FC Aarau – FC Zürich 1:1 (1:0)

Stadion Brügglifeld – Zuschauer 7’800 (ausverkauft) – SR Urs Schnyder

Tore: 31. Eigentor Vanins (Jäckle) 1:0, 94. Kecojevic (Koné) 1:1

Aarau: Bucci; Thaler, Besle, Garat (84. Giger), Martignoni; Perrier,  Jäckle, Burki; Ciarrocchi, Rossini (36. Josipovic), Tréand (79. Wüthrich).

Zürich: Vanins; Brunner, Nef, Kecojevic, Voser; Rodriguez, Yapi, Kukeli (77. Schönbächler), Winter (69. Koné); Buff (64. Chiumiento), Cavusevic.

Die Maske ist ab. Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Aarau am Samstag 25.April 2015 hat definitiv gezeigt, was von den immer wiederkehrenden Beteuerungen zu halten ist, die im Zuge des interkantonalen Hooligan-Konkordates verabschiedeten Gesetze würden „massvoll“ angewandt: Nichts! Ohne jede Rechtsgrundlage wurden Personen, von denen man vermutete, sie könnten FCZ-Fans sein, beim Aussteigen aus dem Zug in Aarau in Empfang genommen, gefesselt und in ein Wartehäuschen gesperrt. Es handelt sich hier um Personen, die keine einzige Gesetzesübertretung begangen haben. Auch ein Rayonverbot oder ähnliches liegt nicht vor. Diese Personen dürfen sich Kraft unserer Bundesverfassung in der ganzen Schweiz auf öffentlichem Grund frei bewegen.

Der FC Aarau hat wie jeder Veranstalter das Hausrecht, bestimmte Besucher seiner Veranstaltung abzuweisen, auch ohne Begründung. Mit den neu verabschiedeten Gesetzen ist auch die von der Kantonspolizei Aargau verfügte Blocksperre im Brügglifeld wenn auch nicht sehr klug, so doch rechtens. Hingegen eine Person. die sich nichts zu Schulden kommen lassen hat, festzunehmen, einfach nur weil sie Aarauer Boden betreten hat, ist schlichtweg ein Skandal, und eines demokratischen Rechtsstaates nicht würdig. Kommt noch dazu, dass viele der Festgenommenen nicht einmal FCZ-Fans waren. Kriterien wie Alter (14-30), Geschlecht (männlich) und Fahrtrichtung (mit dem Zug aus Richtung Zürich ankommend) waren offenbar für die örtliche Polizei völlig ausreichend, um unbescholtene Bürger kommentarlos zu fesseln und festzusetzen.

Auf unsere Nachfrage legitimierte einer der Gruppenleiter der Kantonspolizei Aargau vor Ort sein Vorgehen mit der Aufforderung der FCZ-Führung im Internet, nicht nach Aarau zu kommen, welchem sich die Fans „widersetzt“ hätten. Dass dies eigentlich keine Rechtsgrundlage darstellt, konnte er nicht verneinen und flüchtete sich in die doch ziemlich erhellende Phrase „das ist nicht so klar, das müsste dann halt im Streitfall ein Richter entscheiden“. Aha! Wäre es nicht die Pflicht der Polizei, einzig und allein Aktionen durchzuführen, von welchen sie sich sicher ist, dass sie legal und legitim sind? Na ja, immerhin war der sich offensichtlich in guter Stimmung befindliche Mann höflich und diskussionsbereit. Ist auch schon etwas.

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Es kam dann aber noch „besser“: auf die Nachfrage, warum es Festnahmen und Anzeigen wegen „Landfriedensbruch“ gegen auf dem Vorplatz vor dem Stadion und unterwegs angehaltene und eingekesselte mutmassliche FCZ-Fans gegeben habe, erläuterte der Gruppenleiter, dass die Polizei grundsätzlich das Recht habe, jedwelche Gruppe „mit gleicher Gesinnung“, die gemeinsam unterwegs sei, festzunehmen und wegen Landfriedensbruch anzuzeigen. – Aha? Also auch Menschen, die alle auf einem Trottoir gleichzeitig unterwegs zu einer Zirkusvorstellung oder einem Konzert sind? – Antwort: Ja, die Polizei könnte diese Menschen alle rein theoretisch festnehmen und wegen Landfriedensbruch anzeigen. Man mache das in solchen Fällen natürlich normalerweise nicht. Aber das Recht dazu hätte die Polizei jederzeit…. Buuumm!

Dann soll aber bitte ja nie mehr ein Bundesrat nach China oder Russland reisen und der dortigen Staatsführung Vorträge über Menschenrechte halten…. Sonst antwortet dann der Chinese: „Und was ist mit Ihlem Hooligan-Konkoldat?“.

Das Verhalten der Polizeikräfte in Aarau kommt einer Kriegserklärung gleich. Die Einsatzkräfte vor Ort gaben offen zu, dass das Ziel war, friedliche Fans zu „bearbeiten“, um über diese an die gewaltbereiten Fans heranzukommen. Wir reden hier also von Methoden, wie sie vielleicht zwischen verfeindeten Mafia-Clans oder Geheimdiensten im Bürgerkrieg praktiziert werden. Die Kriegserklärung ist bei den Betroffenen angekommen: am Tag darauf solidarisierte sich die Basler Muttenzerkurve mit ihren Zürcher Kollegen, mit denen sie sich zwei Wochen davor noch Scharmützel geliefert hatte, und richtete eine klare Message an die Hardliner unter den Politikern und in den Polizeikorps: „Massnahmen wie Sektorsperren führen zu mehr als friedlichem Protest“.

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Dass diese unrechtmässige Polizeigewalt in Aarau völlig ohne Gegenwehr der Opfer ablief ist eine schier unglaubliche Leistung an Selbstdisziplin von hunderten von jungenMenschen. Ähnlich repressive Polizei-Massnahmen an einem Open Air-Festival, an der Fasnacht oder an einer Aktionärsversammlung würden garantiert in einen Krawall münden. Die KaPo klopft sich nun sogar teilweise selbst auf die Schulter für einen „erfolgreichen“ Einsatz. Inwiefern erfolgreich? Es wurde erneut an der Gewaltspirale gedreht, indem junge Fussballanhänger unrechtmässig festgesetzt wurden. Das Radikalisierungsrisiko ist bei diesen Jugendlichen nun sehr hoch. Dass es „ruhig“ geblieben ist, liegt einzig und alleine daran, dass Gewalt einseitig ausgeübt wurde (von der Polizei), und die andere Seite sich davon nicht provozieren liess.

Warum nicht? Ganz einfach: weil die gewaltbereiten Fans gar nicht erst nach Aarau gekommen waren. Diese haben sich schon immer hauptsächlich auf die „Rosinen“ im Kalender (Derbies, Spiele gegen FCB, Cupfinal) fokussiert. Von den gewaltbereiten Fans hat wenn überhaupt meist nur ein kleines Kontingent Lust, nach Aarau zu reisen. Und für so ein kleines Kontingent war das riesige Polizeiaufgebot diesmal dann wohl doch auch abschreckend genug.

Vergleicht man die verschiedenen Ereignisse miteinander, kommt man nun zu einem ziemlich verstörenden Ergebnis: immer wenn gewaltbereite Fans vor Ort sind, gibt es praktisch keine Festnahmen. Die Polizei beschränkt sich darauf, die Fans so schnell wie möglich (zurück) in den Extrazug zu drängen und schickt sie ab nach Hause. Sind hingegen keine gewaltbereiten Fans vor Ort, dann kommt es zu Einkesselungen und massenhaften Festnahmen von friedlichen Fussballfans wie im Februar in Zürich oder jetzt im April in Aarau. Die Adler fasst man mit Handschuhen an, auf die Spatzen schiesst man mit Kanonen. Und ist danach auch noch Stolz auf die grosse Anzahl an Festnahmen. Jeder kann und wird da seine eigenen Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Wäre es nicht eigentlich die verdammte Aufgabe der Polizei, echte Straftäter zu identifizieren und einem Strafverfahren zuzuführen? Wofür bezahlen wir sie denn sonst? Die hochbezahlten, hochgerüsteten und straff organisierten Ordnungskräfte kuschen vor den gewaltbereiten Fans in der Kurve, gleichzeitig werden 14-jährige friedliche Fans zur Verantwortung gezogen mit der Begründung, sie seien selbst Schuld, da sie nichts gegen die gewaltbereiten Gruppen in der Kurve unternähmen. Eine Bankrotterklärung! Und dafür dann auch noch die Frechheit haben, für diese „Leistung“ den populären lokalen Fussballklub eigenmächtig finanziell zu ruinieren?

In den Schweizer Fankurven gibt es sehr wohl Selbstregulierung. Da gibt es viele junge Leute, die haben viel mehr Zivilcourage, als all die grossmauligen Politiker, Journalisten und Leserbriefschreiber zusammengenommen. Selbstregulierung ist gut und wichtig, von aussen dies aber quasi im Befehlston (subito!) von jungen Menschen zu verlangen, die weder die Verantwortung dafür tragen, noch dafür bezahlt werden oder ausgerüstet sind, ist völlig absurd. Die Fankurven sind im Gegensatz zur Polizei keine straffe Organisation, sondern eine bunte Mischung aus Einzelpersonen und kleinen Grüppchen von Kollegen und verschiedenen Fanklubs, die völlig unabhängig voneinander Tickets für den günstigsten Bereich des Stadions kaufen und als einzigen gemeinsamen Nenner haben, dass sie ihr Team unterstützen wollen.