Man muss kein junger Spieler sein, um Anfängerfehler zu begehen. Ole Selnaes (28) und Ivan Santini (33) unterliefen die Malheurs, die zu den beiden Gegentreffern im Letzigrund führten. Beim ersten Gegentor spielte Qarabag einen perfekten Konter – bis zur Hereingabe des Rechten Flügels Sheydaev in den Strafraum, die bei Selnaes landete. Dieser hätte den Ball ins Seitenaus spedieren können, ja müssen! Stattdessen versuchte der Norweger den Ball in einer unübersichtlichen Situation im eigenen Strafraum gegen einen anstürmenden Gegner zu stoppen, als hätte er alle Zeit und Musse der Welt. Der Ball versprang ihm dann sogar noch an den Fuss von Condé und spickte von dort vor die Füsse Kadys, der sich nicht zwei Mal bitten liess. Selnaes ist das Sinnbild einer Mannschaft, die explizit für die Liga zusammengestellt wurde. Man nahm in Kauf, Spieler zu holen, von denen man wusste, dass sie zu Beginn Anlaufzeit brauchen.

Mehrere FCZ-Akteure weit von Bestverfassung entfernt

Selnaes hat drei Jahre in der Chinesischen Super League gespielt, die ein deutlich tieferes Niveau aufweist, als die Schweizer Super League. Seine Erste Halbzeit gegen Qarabag war ordentlich bis gut (Züri Live-Note: 6). Nach der Pause baute er dann aber relativ rasch ab und beging so den entscheidenden Fehler (Züri Live-Note Zweite Halbzeit: 2). Ausgewechselt wurde er erst in der 70. Minute. Schon im Auswärtsspiel in Baku wollte Trainer Foda zu Beginn mit Marc Hornschuh Routine ins Mittelfeld bringen: was schief ging – Schnelligkeit, Wendigkeit, Technik sind auf diesem Niveau wichtiger. Ivan Santini hatte gegen Luzern gute Ansätze gezeigt. Gegen Qarabag verlor er aber die Mehrzahl der Kopfballduelle und verursachte mit seinem Ballverlust im Mittelfeld hauptsächlich den zweiten Gegentreffer. Bei diesem verteidigte Mirlind Kryeziu in einer zwei gegen zwei-Situation wie in einer Dreierabwehr, obwohl sein Team mittlerweile auf Viererabwehr umgestellt hatte. Yanick Brecher verschob sich ausserdem zu langsam und liess die nahe Torecke für den Schützen Owusu weit offen.

Ganz anders Qarabag: Qurban Qurbanovs’s Team spielt personell und von der taktischen Formation her praktisch immer gleich. So wie der FCZ letzte Saison. Bezüglich Spielweise war Qarabag in den vier Partien gegen Lech Poznan und den FCZ hingegen sehr variabel: mal mit Angriffen über die Seiten, dann wieder durch die Mitte, mal mit aggressivem Gegenpressing in Baku, dann wieder eher auf Konter lauernd wie im Rückspiel im Letzigrund. Die Stammformation von Qarabag ist qualitativ mit YB vergleichbar – auf einigen Positionen etwas besser besetzt, auf anderen etwas schlechter. Einen Spieler, der wie Kady in einem wichtigen Spiel einen Eckball von links mit dem linken Aussenrist äusserst scharf direkt aufs Tor ziehen kann, gibt es in der Super League nicht. Beim Vergleich der Ersatzbänke ist YB aber besser. Qarabag ist eine eingespielte Equipe mit mehrheitlich Fussballern im Zenit ihres Schaffens. Der Marktwert ist tiefer, als derjenige des FCZ. Dies ist aber eine Messgrösse des individuellen Zukunftspotentials der Spieler eines Kaders.

Qarabag mit weniger Energie und mehr Fehlern als im Hinspiel

Qarabag zeigte in den Begegnungen mit dem FCZ hingegen mehr „Gegenwartspotential“ als Team. Ein Grossteil der Marktwertdifferenz zwischen den beiden Mannschaften machen Becir Omeragic und Wilfried Gnonto aus, die beide in diesen Partien keine wesentliche Rolle spielen konnten. Der letztjährige Top-Joker Gnonto wird aktuell als Stammspieler in die Verantwortung genommen und hat es in den ersten Saisonpartien noch nicht geschafft, diese neue Rolle mit genügend Inhalt zu füllen. Speziell in den ersten 45 Minuten kommt von ihm jeweils zu wenig. Omeragic ist im Aufbau nach seiner Meniskusverletzung. Mehrere ältere Spieler sind noch auf der Suche nach dem Rhythmus oder ihrer Form. Der FCZ hatte im Vergleich mit Qarabag zu viele Spieler an Bord, die möglicherweise mal gut werden oder früher mal gut waren – anstatt solchen, die im Hier und Jetzt gut sind und performen.

Vieles sprach in diesem Spiel eigentlich für den FCZ. Qarabag trat deutlich weniger überzeugend auf, als in den Heimspielen. Der Auftritt erinnerte eher etwas an die 0:1-Niederlage bei Lech Poznan. Das frühe 1:0 des FCZ ähnelte dem damaligen Führungstreffer der Polen sehr stark: schnelles Umschaltspiel über rechts und in der Mitte ist der Captain der Aserbaidschanischen Nationalmannschaft Medvedev indisponiert. Man schien dem Gästeteam die Reisestrapazen anzumerken – auch wenn der Jet Lag bei einem Flug Richtung Westen weniger schlimm sein soll, als umgekehrt. Sie gingen nicht so intensiv ins Pressing wie zuhause, viele Bälle versprangen oder kamen nicht beim Mitspieler an – speziell Spielgestalter Almeida zog einen schwachen Tag ein. Und während der Partie musste Coach Qurban Qurbanov nach und nach seine ganze Defensivabteilung austauschen, so dass ab der Zweiten Halbzeit die Reserve-Defensive auf dem Platz stand. Qarabag setzte in Zürich zudem immerhin zehn Aserbeidschanische Spieler ein.

Defensive Steigerung von Spiel zu Spiel beim FCZ

Wie im Hinspiel war die Schiedsrichterleistung grundsätzlich gut, aber trotzdem mit einzelnen fragwürdigen Entscheiden in heiklen, unübersichtlichen Szenen auf beiden Seiten. Und es waren die gleichen Themen wie in Baku. Der FCZ profitierte dort von einem Offsidetor Kamberis bei Freistoss Guerrero – diesmal stand Santini beim 2:1 in der Nachspielzeit der Zweiten Halbzeit mit einem Fuss wohl ganz knapp im Offside, auch wenn es mit den vorhandenen Kameraperspektiven nicht hundertprozentig auflösbar ist. Wie in Baku hätte es auch in Zürich eine Rote Karte wegen Notbremse gegen einen Qarabag-Verteidiger geben müssen – beide Male wurde der schnelle Rohner von hinten umgestossen, diesmal von Badavi Hüseynov. Ausserdem profitierte Qarabag davon, dass die Fouls von Bajramov gegen Kamberi sowie Wadji gegen Rohner in der Entstehung des 1:1-Ausgleichs von den Unparteiischen übersehen wurden.

Insgesamt kann nach eingehender Analyse der Partie die Leistung des FCZ aber positiver beurteilt werden, als dies in der Schlussanalyse der Radio-Übertragung direkt nach dem Spiel noch der Fall gewesen war. Die Durschnittsnote der Mannschaft ist 6,5, die höchste bisher in dieser Saison, knapp vor dem Auswärtsspiel in Baku (6,3) – wobei es in der Verlängerung einen Leistungsabfall gab (5,5). Neun Spieler kamen gegen Qarabag zu Abschlüssen. Es gab sehr viele gute Offensivaktionen, der FCZ kam vor allem häufig erfolgsversprechend über die Seiten. „Uhrwerk“ Nikola Boranijasevic (MVP) spielte sich mit insgesamt zehn qualitativ hochstehenden Flanken fast schon in einen Rausch. Und die Defensivnoten der Mannschaft haben sich bisher von Spiel zu Spiel gesteigert. Auch Stürmer wie Tosin, Okita oder Gnonto erledigen ihre Defensivaufgaben diszipliniert. Die Qualifikation Qarabags für die nächste Runde war zwar nicht gestohlen, aber nach Expected Goals und Offensivszenen hätte der FCZ eher weiterkommen müssen. Im Rückspiel gehörte die erste halbe Stunde beider Halbzeiten und auch die Zweite Halbzeit der Verlängerung fast komplett dem Heimteam. Im Hinspiel in Baku spielte in der Zweiten Halbzeit ebenfalls praktisch nur der FCZ. Vor allem haben die Zürcher für die kommenden Wochen und Monate noch einiges an Potential nach oben bei Neuzugängen, letztjährigen Schlüsselspielern und auch jüngeren Akteuren, die einen Schritt nach vorne gemacht haben.



Von den ersten drei Wettbewerbspartien der Saison haben die Spieler des FCZ sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive gegen Qarabag am meisten gute Aktionen gehabt. In der 2. Halbzeit war in Baku wegen der Müdigkeit von Qarabag der FCZ das optisch dominierende Team. Nach „Expected Goals“ hätte der FCZ die Partie mit 2:1 gewinnen müssen, verlor aber 2:3. Die Mannschaft war fokussiert, konnte aber den vor allem in den ersten 20 Minuten mit viel Energie angreifenden Gegner trotzdem nicht bändigen. Schafft Aussenseiter FC Zürich im Rückspiel den Sprung in die Dritte Runde der Champions League-Qualifikation?

Beeindruckende europäische Bilanz von Qarabag

In den bisherigen drei Champions League-Qualifikationsspielen gegen Lech Poznan und den FC Zürich hat Qarabag mit einer jeweils fast identischen Mannschaft gespielt. Einzig zwischen dem Hin- und Rückspiel gegen den Polnischen Meister hatte Trainer Qurban Qurbanov im Mittelfeld Qarayev und den Portugiesen Leandro Andrade durch den Montenegriner Jankovic und den in Aserbaidschan assimilierten Kroaten Ozobic ersetzt. Immer von Beginn an spielte als dritter zentraler Spieler im Bunde der ebenfalls für Aserbeidschan auflaufende Brasilianer Richard Almeida.

In der heimischen Meisterschaft tritt Qarabag hingegen fast nie in Bestformation an. Die aus dem Ausland stammenden Spieler rotieren und laufen nur in etwa der Hälfte der Partien auf. So kommen die heimischen Talente zu viel Spielzeit in einer Liga, die Qarabaq in den letzten neun Jahren mit einer Ausnahme jeweils mit klarem Vorsprung gewonnen hat – üblicherweise vor dem Konkurrenten Neftchi Baku. Letztendlich ist der Kräftehaushalt und das Teambuilding ganz auf die internationalen Qualifikationsspiele im Sommer ausgerichtet. Und in den europäischen Wettbewerben hat der Klub aus dem mittelgrossen Land am Kaspischen Meer (Fläche und Einwohnerzahl vergleichbar mit Österreich) grosse Erfolge feiern dürfen. Seit 2009 hat man Jahr für Jahr immer mindestens zwei Gegner aus dem Wettbewerb geworfen und seit 2014 ununterbrochen immer eine Gruppenphase erreicht.

Trainerlegende Qurban Qurbanov: 25 Jahre nach der „DeBaku“-Revanche wieder in Zürich

Die Erfolge sind eng verknüpft mit dem 50-jährigen Einheimischen Qurban Qurbanov, einem der amtsältesten Trainer im europäischen Fussball. Qurbanov stand beim legendären „DeBaku“ der Schweiz 1996 gegen das Team von Neo-Nationalcoach Rolf Fringer auf dem Platz (1:0-Sieg Aserbeidschans) und ein Jahr später dann auch bei der Revanche im Hardturm (5:0 für die Schweiz, drei Tore von Kubilay Türkyilmaz). Von daher stammt wohl auch etwas die Verwunderung bei den Gästen über den Spielort Letzigrund und die anfänglichen Verwechslungen des FCZ mit GC bei deren Fans, die zuhause in zwei Lager gespalten die Mannschaft aus zwei unterschiedlichen Fansektoren anfeuern und sich dabei gegenseitig konkurrenzieren.

Nach 14 Toren in 68 Länderspielen und einer Klubkarriere in Aserbaidschan, Georgien sowie in der Zweiten und Ersten Russischen Liga machte Qurbanov als 34-jähriger bei Neftchi Baku den direkten Schritt vom Spieler zum Trainer. Zwei Jahre später, 2008, kam er als neuer Coach zu Qarabaq, qualifizierte sich mit der zuvor jahrelang wenig erfolgreichen Mannschaft gleich im ersten Jahr für den Europacup – und damit begann die oben beschriebene erfolgreiche internationale Geschichte des Vereins. Nun bereits 14 Jahre im Amt, ist der aktuelle Vertrag Qurbanovs bis 2025 datiert.

Qarabag: taktisch flexibel, aber auch mit Einschränkungen

In Zürich wird Qurbanov von einem Heer an Staff-Mitgliedern begleitet und unterstützt, welches eine ähnliche Grösse wie das Spielerkader selbst annimmt. Im Verlauf des laufenden Wettbewerbes haben sich Qurbanov und sein Staff taktisch gewieft und anpassungsfähig gezeigt. Nachdem die Aseris von Lech Poznan in Polen ausgekontert worden waren, wurden zwei Umstellungen getätigt und im Rückspiel der polnische Meister von Beginn weg mit einem intensiven Gegenpressing unter Druck gesetzt. In beiden Partien liess Qurbanov seine Mannschaft über die Seiten angreifen: im Hinspiel war der Linke Flügel Zoubir am auffälligsten, im Rückspiel der Rechte Flügel Kady. Gegen den FCZ wählte Qurbanov hingegen eine taktische Marschroute mit Angriffen durch die Mitte, womit Mittelstürmer Wadji (zwei Tore) eine Schlüsselrolle zukam. Zudem passte sich Qurbanov relativ schnell an den Wechsel des FCZ zur Pause von Manndeckung auf Raumdeckung an und zog Schlüsselspieler Kady vom Flügel ins Zentrum, von wo der Brasilianer zwischen den Zürcher Linien mit einer Klasseaktion das 3:1 vorbereitete.

Bei der Pressekonferenz vor dem Rückspiel im Letzigrund ist Qurbanov zuversichtlich, dass seine Mannschaft hier die Qualifikation für die nächste Runde klar machen wird – und zwar schon nach 90 Minuten. Er sieht den Vorsprung von einem Tor als grossen Vorteil für sein Team zu Beginn der Partie. Sein Gegner ist gezwungen, etwas zu kreieren. Zwei Stunden davor im Presseraum des Heerenschürlis hatte Franco Foda gemahnt, dass man nicht gleich zu Beginn in Führung gehen und ins offene Messer laufen muss.

Qurbanov hat seinem eigenen Vernehmen nach nicht vor, personell Wesentliches an seiner Mannschaft zu ändern. Taktisch hingegen sind beide Coaches und Teams sehr variabel. Ein sich nur hinten hineinstellendes und auf Konter lauerndes Qarabaq kann man sich allerdings nicht vorstellen. Dies auch weil das Verteidigen von Flanken und Standards eher ein Schwachpunkt der Mannschaft ist. Sie scheinen fast dazu gezwungen zu sein, das Spiel zu dominieren und mit Gegenpressing den Gegner an der Lancierung von Konterangriffen zu hindern. Angesprochen auf den Vergleich zum letzten Jahr mit den Duellen gegen den FC Basel meinte Qurbanov, dass die Champions League (-Qualifikation) eine andere Liga sei als damals die Conference League, und deshalb auch der Gegner besser. Da war es dann doch wieder: das übliche Grossreden des Gegners im Vorfeld solcher Begegnungen.

Mets oder Aliti, Rohner oder Okita, 3-er oder 4-er Abwehr, Mann- oder Raumdeckung?

Der FC Zürich muss wohl auf Blerim Dzemaili verzichten, der im Hinspiel eine ungenügende Züri Live-Note hatte, als Einwechselspieler gegen das im Vergleich zu Qarabag schwächere Luzern dann aber MVP war. Die gegen Luzern geschonten Kryeziu und Aliti könnten wieder in die Startformation zurückkehren. Mets wurde defensiv gegen Luzern weit weniger gefordert, als Aliti zuvor in Aserbeidschan, und sah trotzdem in der potentiell entscheidenden Szene („hundertprozentige“ Torchance Ardaiz) mit seinem verlorenen Kopfballduell im Mittelfeld nicht gut aus. Mets ist im Antritt nicht schneller als Aliti, auf weitere Distanzen im Rückwärtssprinten allerdings schon. Ausserdem spricht für Mets, dass er bei Offensivstandards gefährlicher ist, was aufgrund der Schwäche von Qarabag in solchen Situationen ein entscheidender Faktor werden könnte. Aliti ist dafür im Passspiel präziser. Im Sturm könnte Trainer Foda wie in Baku erneut auf das schnelle Duo Rohner / Gnonto setzen. Okita ist ebenfalls eine Option, wohl noch vor dem weiterhin formschwachen Tosin. Santini und Selnaes sind vermutlich noch nicht bereit, um 60 und mehr Minuten auf diesem Niveau zu spielen. Trainer Foda bedauert in dieser Hinsicht, dass zur Zeit keine Testspiele möglich seien, wo man solche Spieler bedenkenlos mal 90 Minuten laufen lassen könnte.

Umfrage: schafft der FCZ den Sprung in die 3. Runde Champions League?

Kommt der FCZ heute abend in der Champions League gegen Qarabag eine Runde weiter?

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Aktuell sind 20 Mannschaften in der 2. Runde des „Champions-Weges“ der Champions League engagiert. Vier dieser zwanzig Mannschaften sind die möglichen Gegner des FC Zürich in der 3. Runde. Bei einem Weiterkommen gegen Qarabag würde man nächste Woche Dienstags oder Mittwochs zuhause in der nächsten Champions League-Runde gegen den Sieger des Duells Slovan Bratislava – Ferencvaros antreten. Bei einer Niederlage würde in der 3. Runde der Europa League-Qualifikation zuerst auswärts der Verlierer der Begegnung Bodö/Glimt – Linfield warten. Das Resultat von Bodö/Glimt – Linfield wird in der Pause (oder bei Verlängerung / Penaltyschiessen im Verlauf der 2. Halbzeit) der Partie FCZ – Qarabag feststehen. Slovan – Ferencvaros wird später am Abend gespielt. Spannend ist, dass in beiden Duellen die Aussenseiter Linfield und Slovan im Hinspiel mit einem knappen Sieg vorgelegt haben.

Der Gegner des FC Zürich in der 2. Runde der Champions League 2022-23 steht fest. Der aufgrund des Konfliktes mit Armenien seit Jahrzehnten in der Hauptstadt Baku beheimatete aserbaidschanische Serienmeister Qarabaq Futbol Klubu will genauso wie der Fussballclub Zürich die Gruppenphase erreichen. Beide Teams stehen damit einem der für sie in dieser Runde schwierigstmöglichen Kontrahenten gegenüber. Die Ölfelder von Baku spielten vor rund 2’300 Jahren eine wichtige Rolle in der alten monotheistischen Religion Zoroastrismus und im 20. Jahrhundert dann für die Deviseneinnahmen der Weltmacht Sowjetunion.

Qarabaq FK: Favorit mit Erfahrung, aber auch Schwachstellen

Was erwartet das Foda-Team in Baku? In der Saison 2015-16 schied YB gegen Qarabaq mit zwei Niederlagen in den Europa League-Playoffs aus. Letzte Saison waren die Aseris in den Conference League-Gruppenspielen gegen den FC Basel zwei Mal eher die bessere Mannschaft, hatten aber viel Pech und holten daher nur einen Punkt und den 2. Gruppenplatz (danach Ausscheiden gegen Marseille im Sechzehntelfinal). Und den Polnischen Meister Lech Poznan hat man soeben mit einem 5:2-Gesamtskore aus dem Wettbewerb geworfen. Das für die Auslosung dieser Runde gesetzte Qarabaq hat international sicherlich den bekannteren Namen als der ungesetzte FCZ – und ist auf dem Papier der Favorit. Aus Züri Live-Sicht wird es aber ein Duell auf Augenhöhe. Der FC Zürich braucht sich nach der Entwicklung, die die Mannschaft zuletzt genommen hat, nicht zu verstecken.

Qarabaq hat in den letzten Jahren im Europacup zu Hause und auswärts etwa gleich gute Resultate erzielt. Man ist also auswärts eher überdurchschnittlich gut. Qarabaq kann auf seiner personellen Kontinuität der letzten Jahre aufbauen, in welcher das eingespielte Team viel Europacuperfahrung gesammelt hat. Von den individuellen Qualitäten her ist das Team von Qurban Qurbanov hingegen nicht besser aufgestellt als der FCZ. Es gibt keinen Spieler mit einer besseren Technik als Marchesano und auch keinen, der schneller ist als Rohner. Torhüter Magomedaliyev bringt ebenfalls nicht mehr Qualität mit als Brecher. Es gibt für den FCZ genügend Ansatzpunkte zum Ausnutzen von Schwachstellen. So sind die Akteure im defensiven Zentrum wie Medvedev, Medina oder Almeida nicht sehr flink / beweglich – sowohl ohne, als auch mit Ball. Rechtsverteidiger Vesovic unterlaufen unter Druck relativ viele Fehlpässe und Linksverteidiger Jafarguliyev ist zwar offensiv dynamisch, vernachlässigt dadurch aber auch immer etwas seine Defensivaufgaben. Das Duell zwischen ihm und Boranijasevic könnte ein entscheidendes werden.

Qarabaq gegen Lech Poznan dominant mit Spiel über die Flügel

Mitentscheidend wird sein, dass der FCZ unabhängig vom Resultat in Bern als Mannschaftsgefüge möglichst rasch zusammenfindet – im Speziellen im Mittelfeldzentrum: Condé ist neu, Dzemaili war zuletzt angeschlagen, Krasniqi und Seiler manchmal schwankend in ihren Leistungen und Selnaes scheint noch weit von der benötigten Wettkampfverfassung entfernt zu sein. Gegen Lech Poznan hat Qarabaq in beiden Partien das Spiel gemacht. Die Polen zogen sich zurück und verlegten sich auf Konterangriffe. Diesbezüglich war Lech durchaus gefährlich. Im Rückspiel vermochte Qarabaq aber mit intensiverem Pressing und deutlich konsequenterem Gegenpressing den Druck von der 1. Minute an hochzuhalten. Die Aseris liessen sich zudem vom Blitz-Gegentreffer bereits nach wenigen Sekunden überhaupt nicht beeindrucken.

Letztendlich brachte Qarabaq insgesamt mehr Energie auf den Platz. Lech ging das Tempo zu Beginn mit, baute etwa ab der 30. Minute aber ab. Qarabaq legte zudem Lechs defensive Defizite offen. Der Qarabaq-Aufbau verlief fast immer gleich. Einer der Mittelfeldspieler (Almeida oder Garayev) lässt sich auf die Höhe der Innenverteidiger zurückfallen und sucht mit einem flachen langen Ball auf der Seite einen der beiden Flügel – Zoubir (links) oder Kady (rechts). Da Zoubir Rechtsfuss und Kady Linksfuss ist, sind direkte Flanken von der Grundlinie selten. Sie legen sich den Ball erst auf den starken Fuss, bevor sie nach innen ziehen oder spielen.

Qarabaqs Hintermannschaft mit Mankos im Kopfballspiel und Antritt

Die zentralen Lech-Offensivspieler Amaral und Ishak taten so gut wie nichts, um Qarabaq im Spielaufbau zu stören – selbst auf Höhe der Mittellinie nicht. Das könnte theoretisch auch eine taktische Vorgabe gewesen sein, um den Gegner noch weiter rauszulocken. So etwas funktioniert aber nur, wenn die Hintermannschaft zweikampfstark ist und bei Ballgewinn schnell und sauber hinten herausspielen kann – was mit zunehmender Dauer der 1. Halbzeit nicht mehr der Fall war. In Baku erlebte Lech einen Gegner mit einer Intensität im Gegenpressing, die sie sich aus der Ekstraklasa nicht gewohnt sind. In diesem Moment wäre es wichtig gewesen, dass Lech-Trainer Van den Brom zur Pause taktisch reagiert. Nicht ganz untypisch für Holländische Trainer wollte er aber stur sein Konzept durchziehen. Franco Foda würde in so einer Situation ziemlich sicher flexibler reagieren. Dass für eine personelle Reaktion aber wohl auch etwas die valablen Alternativen fehlten, zeigten die aus polnischer Sicht enttäuschenden Auftritte ihrer Einwechselspieler.

Die Qarabaq-Hintermannschaft ist also mit langen hohen Bällen, Druck machenden Stürmern und auch über die Seiten verwundbar. Die Stärke der Verteidiger und Defensiven Mittelfeldspieler ist generell ihre Erfahrung und „Ausgebufftheit“ – sie sind aber nicht besonders kopfballstark und mit Ausnahme von Linksverteidiger Jafarguliyev auch nicht übermässig beweglich / schnell. Dies alles würde umso mehr für ein Sturmduo Tosin / Gnonto sprechen. Okita scheint im Spiel ohne Ball (noch) nicht auf dem gleichen Level zu sein. Ausserdem hat Qarabaq Probleme bei Eckbällen des Gegners, teilweise mit der Zuteilung, speziell aber auch wenn diese nahe aufs Tor in einen dicht gedrängten Fünfmeterraum gezogen werden.

Zürcher Sechserposition und Energiemanagement entscheidend

Defensiv muss sicherlich ein Fokus darauf liegen, Qarabaq in der Mittelzone besser am Spielaufbau zu stören als dies Lech tat, selbst dann, wenn man sich zurückziehen sollte. Weiter geht es darum, die beiden Flügel Zoubir und Kady in den Griff zu bekommen. Das ist grundsätzlich sicherlich möglich. Im Hinspiel in Poznan hatte Zoubir zwar viel den Ball, vermochte damit aber wenig anzustellen und Kady erwischte ganz generell einen schlechten Tag. Die Zone der Zürcher Sechserposition vor dem eigenen Strafraum wird wohl defensiv am wichtigsten sein. Condé hat sich schon sehr gut eingeführt, überlässt aber als Neuling in verschiedenen Situationen noch den Mitspielern den Lead, wenn er eigentlich bereits selbst mehr das Szepter übernehmen sollte. Wer spielt daneben? Selnaes kommt kaum schon in Frage. Bei Seiler und Krasniqi hängt es zur Zeit immer noch etwas von der Tagesform ab. Ideal wäre wohl einen der beiden zum Meisterschaftsauftakt auf Kunstrasen in Bern zu bringen und Dzemaili dann (sofern wieder fit) in Baku.

Die kurze Abfolge von Spitzenkampf zum Auftakt in Bern und drei Tage später das für die Europacupsaison bereits etwas vorentscheidende Spiel in Baku ist „nicht ohne“, auch wenn zum Saisonstart in der Regel die möglicherweise noch fehlende Eingespieltheit die grössere Herausforderung darstellt, als der Energiehaushalt. Lech Poznan reiste auf jeden Fall vor allem auch darum mit einer klaren Niederlage aus Baku ab, weil es über 90 Minuten nicht die gleiche Intensität auf den Platz bringen konnte, wie der Gegner. Und dies obwohl sie am Wochenende zwischen den zwei Europacupduellen mit Qarabaq im Supercup gegen Rakow Czestochowa (0:2) den grössten Teil ihrer Stammformation geschont hatten. Für Qarabaq beginnt die Meisterschaft noch lange nicht. Sie haben zur Zeit Europacuppartien im Wochentakt und können vor ihrer dritten Wettbewerbspartie der Saison in Baku bleiben.

Baku – Bild: Dr. Matthias Ripp (bearbeitet) CC BY 2.0

Die FCZ Frauen treffen gleich im ersten Duell der Champions League 2021/22 auf das Italienische Spitzenteam AC Milan. Vor 12 Jahren trafen an gleicher Stätte die Profis des FC Zürich in der Champions League-Gruppenphase ebenfalls auf die AC Milan. Milan Gajic (Nomen est omen) traf mit einem herrlichen Bananenfreistoss à la David Beckham zur Zürcher Führung – Endresultat 1:1. Beim Aufeinandertreffen im Giuseppe Meazza war es dann ebenfalls wieder Gajic, der mit seinem präzise an den nahen Pfosten gezirkelten Corner Hannu Tihinen das Tor seines Lebens ermöglichte – und dem FCZ den Auswärtssieg.

Der kleine Vorteil dabei: die Zürcherinnen haben mit dem Saisonauftakt von letzter Woche gegen Servette bereits ein Wettbewerbsspiel absolviert. Trainerin Inka Grings setzt dabei auf die gleiche Formation wie beim 2:1-Heimsieg gegen die Schweizer Meisterinnen aus Genf. Defensivneuverpflichtung Alana O’Neill (mit Laura Vetterlein eine von nur zwei Ausländerinnen im Zürcher Team) sitzt erstmals auf der Bank.

Die AC Milan trainiert vom ehemaligen Top-Serie A-Stürmer Maurizio Ganz tritt mit seinen Stars wie Giacinti, Boquete, Agard und der früher auch in der Schweizer Liga aktiven Valentina Bergamaschi an.

Die FCZ Frauen haben in den letzten sieben Jahren drei Mal den Sechzehntelfinal und gar vier Mal den Achtelfinal der Champions League erreicht. Dank dieser Erfolge der Zürcherinnen hat die Schweiz in der UEFA-Wertung der Frauen Österreich und zwischendurch sogar Norwegen überholt und einen zweiten Champions League-Platz zugesprochen bekommen. Der FC Basel (Qualifikations-Aus), Lugano und Servette haben diesen zweiten Platz zuletzt leider nicht nutzen können, wobei die Genferinnen mit Atlético und Lugano mit Manchester City einfach auch sehr starke Gegnerinnen zugelost erhielten.

Diese Saison hat der FCZ in der nationalen Meisterschaft Servette Chênois nach einem Heimsieg und einer Auswärtsniederlage im Direktduell bereits etwas davonziehen lassen müssen und liegt aktuell etwa gleichauf mit den weiteren Konkurrenten YB und FCB. Fabienne Humm (bisher 13 Saisontore) trifft zwar so häufig wie selten zuvor, aber vor allem die defensive Stabilität geht dem Team von Trainer Ivan Dal Santo zur Zeit ab, während in der Offensive immer wieder attraktive Spielzüge zu sehen sind. Die Gegnerinnen nutzen vermehrt die Schnelligkeitsvorteile ihrer Stürmerinnen im Vergleich mit der FCZ-Verteidigung bei schnellen Kontergegenstössen.

Im Sechzehntelfinalduell mit dem Österreichischen Serienmeister St. Pölten geht es nicht nur um den Achtelfinaleinzug, sondern es ist auch ein wegweisendes Duell für die Zukunft. Unter anderem geht es um eine gute Ausgangslage für künftige Champions League-Austragungen, die ab kommenden Saison neu eine Gruppenphase vorsehen. St. Pölten war in diesem Alpen-Duell von Anfang an zumindest leicht favorisiert. Sind sie doch in einer etwa gleich guten Meisterschaft auch diese Saison wieder hoch überlegen und sie haben mehr aktuelle Nationalspielerinnen und Erfahrung in ihren Reihen. Speziell das Dreieck Eder (Captain, Zentrales Mittelfeld) mit den beiden Aussenangreiferinnen Enzinger und Zver bringt eine gewisse gehobene Qualität mit. Bei den Gästen gibt es im Vergleich zum Hinspiel nur eine Änderung: Jennifer Klein beginnt für Maria Mikajlova.

Beim FCZ wird es mitentscheidend sein, dass die erfahrenen Cracks Fabienne Humm und Martina Moser nach dem 0:2-Rückstand (klares Chancenplus St. Pölten) eine Top-Leistung abrufen können und vielleicht auch die lange angeschlagen / verletzt gewesenen Rahel Kiwic und Meriame Terchoun entscheidend eingreifen können. Für die langjährige Teamstützin Barla Deplazes ist es das letzte Spiel. Die künftige Full-time Medizinstudentin darf von Anfang an ran und bildet mit Humm, Dubs und Andrade ein Offensivquartett. Der FCZ wird somit heute mit einer offensiveren Ausrichtung, als im Hinspiel antreten. Auch die beiden Zentralen Mittelfeldspielerinnen Martina Moser und Annina Enz werden viel nach vorne machen. Rahel Moser rückt wohl an Stelle von Riana Fischer in die Innenverteidigung.

Schaffen die FCZ Frauen trotz 0:2-Rückstand noch die Überraschung und ziehen in den Achtelfinal ein?

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Das nennt man wohl „eine Geschichte, wie sie nur der Fussball schreiben kann“. Nach seinem für Klub und Spieler wenig erfreulichen halbjährigen Engagement beim FC Zürich trifft Denis Popovic in seinem ersten Spiel für den neuen Klub Krylya Sovetov Samara ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Orenburg – und bringt sein neues bereits früh in Unterzahl agierendes Team aus kurzer Distanz per Kopf 1:0 in Führung – das zweite Kopfballtor seiner Karriere. Der auf der 10-er Position agierende Slowene bereitete später mit einem guten Pass in die Tiefe eine „hundertprozentige“ Chance zum 2:0 vor, musste mit seiner Mannschaft aber kurz vor Schluss noch das 1:1 hinnehmen. Nach dem Unentschieden im Abstiegskampf bleibt Samara auf einem Relegationsplatz, der Punkteabstand ins Mittelfeld ist aber nicht gross.

In der 2. Bundesliga lief an diesem Wochenende alles für Arminia Bielefeld und Cédric Brunner: 1:0 Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden (mit Heinz Lindner im Tor) während die Aufstiegskonkurrenten Stuttgart, HSV und Heidenheim allesamt verloren. Als Leader der Liga haben die Arminen nun neun Punkte Vorsprung auf den „Barrage-“ und 12 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Dazu beigetragen hat auch Victor Palsson, der bei einem frühen Darmstadt-Konter zum 2:0 gegen Heidenheim per Absatz die Vorlage lieferte.

Noch zu wenig produktiv, aber immer wieder für Unterhaltung gut ist ebenfalls in der 2. Bundesliga Michi Frey mit dem abstiegsgefährdeten Traditionsklub Nürnberg. In seinem ersten Startelfeinsatz für Osnabrück  sah Assan Ceesay vor zwei Wochen eine hart gepfiffene Rote Karte wegen einem Hohen Bein im eigenen Strafraum (Gegenspieler Carlson hatte Kopf tief) und ist immer noch gesperrt. Der vom FCZ an Holstein Kiel verliehene Salim Khelifi hat seit dem Trainerwechsel von André Schubert zu Ole Werner immer mehr an Status verloren und ist jeweils nicht mehr im Matchkader anzutreffen. Bei Trainer Urs Fischer ist Admir Mehmedi schon in der U21 aufgelaufen und hat bis heute in seiner Karriere unter keinem Coach mehr Spiele (80) absolviert. Am Sonntag holte er mit Wolfsburg bei Fischer’s Union ein 2:2 und bleibt auf einem Europacupplatz – fünf Punkte vor seinem Ex-Trainer. Ricardo Rodriguez hat in der Eredivisie für PSV schon fünf Partien und zuletzt gegen Feyenoord 1:1 Unentschieden gespielt. Eindhoven ist in dieser Zeit vom fünften auf den vierten Platz vorgestossen.

Bruder Roberto spielt in Uerdingen viel (2 Tore, 9 Assists diese Saison bisher), kommt aber mit dem ambitionierten Klub in der 3. Liga nicht vom Fleck – zur Zeit nur Rang 11. Der ebenfalls nach Uerdingen gewechselte 1,68.m-Linksverteidiger Hakim Guenouche kommt dort kaum zum Einsatz, während Andreas Maxsö relativ schnell zurück nach Dänemark weitergezogen ist und dort beim viertplatzierten Traditionsklub und ehemaligen Europacupgegner Bröndby mittlerweile Captain ist. Vier Punkte hinter Bröndby liegt Aalborg, das vor Wochenfrist mit Rasmus Thelander in der Innenverteidigung das Maxsö-Team auch dank einem Tor und Assist von Ex GC-Offensivmann Lucas Andersen mit 3:2 besiegen konnte. In der 3. Liga auf dem letzten Platz liegt Carl Zeiss Jena mit Kilian Pagliuca, der mit zwei Toren und fünf Assists eine Zeit lang Stammspieler war, nach einer Rotsperre (zwei Grätschen hintereinander von hinten in Braunschweig) aber aktuell etwas aussen vor ist.

https://www.youtube.com/watch?v=WgCm4Se5mNs

Nico Elvedi gehört zu den konstantesten Verteidigern der Bundesliga und ist mit Borussia Mönchengladbach unter dem ehemaligen Salzburg-Trainer Marco Rose im Spitzenquintett der Liga dabei. Bei „Transfermarkt“ ist Elvedi mit 35 Mio Euro nach Teamkollege Denis Zakaria und gleichauf mit Manuel Akanji der zweitwertvollste Schweizer Spieler. Djibril Sow hat seinen Stammplatz bei der SGE im Moment an den Österreicher Stefan Ilsanker (in der Winterpause von Leipzig gekommen) verloren. Josip Drmic kommt bei Norwich City in der Premier League nach seiner Oberschenkelverletzung wieder regelmässig als Joker zum Einsatz. Berat Djimsiti, Stammspieler beim Italienischen Team der Stunde, Atalanta, musste beim 7:2-Sieg in Lecce wegen muskulären Problemen pausieren, die er sich beim Aufwärmen zum Champions League-Achtelfinal-Hinspiel gegen Valencia zugezogen hatte. Der in der Winterpause zu Inter gewechselte Innenverteidiger Andi Hoti ist dort Stammspieler in der U17. Marin Cavar ist bei Serie B-Aufstiegskandidat Chievo Verona unter Vertrag. Nach vier starken Einsätzen in der Startformation beim FC Winterthur letzten Frühling wollten ihn die Venetier unbedingt und verpflichteten ihn trotz eines in einem Testspiel gegen Stuttgart erlittenen Kreuzbandrisses.

Joël Untersee blieb nach seiner Rückkehr vom FCZ nach Italien nicht bei Empoli und ist seit einem halben Jahr vereinslos. Loris Benito (ein Saisontor) steht in der Regel bei Girordins Bordeaux (12. Platz) in der Startformation. Neun Punkte hinter Benito in akuter Abstiegsgefahr befindet sich mit Nîmes der in der Winterpause von Dresden nach Südfrankreich gewechselte Moussa Koné. Gleich bei seinen ersten beiden Teileinsätzen in Nizza und gegen Angers gelang dem Senegalesen je ein Tor. Ivan Kecojevic hat in der LaLiga2 von der Atlantikküste (Cadiz) etwas ins Landesinnere (Albacete) gewechselt. In derselben Liga ist Armando Sadiku (Malaga) mit zehn Treffern auf Platz Sieben der Torschützenliste. Raphael Dwamena (Real Zaragoza) ist hingegen seit Anfang Oktober ausser Gefecht und musste sich einer Herzoperation unterziehen.

Maren Haile-Selassie wird bei Xamax weiterhin regelmässig eingewechselt und schlägt dann jeweils auch die Standards. Arbenit Xhemajli hat sich im gleichen Team mittlerweile etabliert. Ganz allgemein spielen bei der Mehrzahl der Super League-Teams mindestens zwei Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs (unter anderem Saidy Janko, Christian Fassnacht, Anto Grgic, Filip Stojilkovic, Noah Lovisa, Miro Muheim, André Ribeiro, Francisco Rodriguez). Piu Da Costas Highlight der Vorrunde war das 1:1 in der Europa League auswärts beim grossen Favoriten Dynamo Kyiv, welcher dadurch die K.O-Runde verpasste – bis zur 94. Minute hatte Lugano bei einem Schussverhältnis von 31:7 zugunsten von Dynamo sogar noch mit 1:0 geführt. Fabio Dixon hat beim Challenge League-isten FC Chiasso bisher in 15 Partien fünf Torvorlagen liefern können, zuletzt letzte Woche beim 2:0-Heimsieg gegen Wil. Bei diesem Heimsieg stand auch Izer Aliu als „Sechser“ erstmals in der Startaufstellung der Tessiner. Auf Wiler Seite standen zudem Fabian Rohner sowie Lindrit Kamberi in der Startformation, Bledian Krasniqi (in der Vorwoche noch krank) und Kastrijot Ndau wurden eingewechselt. Shkelzen Gashi ist zurück beim FC Aarau,  wird aber noch nicht eingesetzt. Auf dem Brügglifeld gespielt hat letzte Woche der weiterhin vom FCZ ausgeliehene Albin Sadrijaj (wie üblich im Zentralen Mittelfeld) bei einem 4:4-Torspektakel und hat dabei mit dem 1:0 für den SC Kriens (wo Burim Kukeli Captain ist) in der 23. Minute sein erstes Profitor erzielt. Oli Buff hat bei GC noch keinen Skorerpunkt erzielt.

Jorge Teixeira ist bei St. Truiden (12.) in Belgien nach einer Hüftverletzung wieder daran, sich in die Mannschaft zurückzukämpfen. Dimitri Oberlin hat bei Zulte Waregem (9.) seit September kein Tor mehr erzielt. Stephen Odey ist bei Genk (7.) Joker und vermochte in der Champions League beim Heim-1:4 gegen Liverpool den „Ehrentreffer“ für die Belgier zu markieren.  Mario Gavranovic ist bei Dinamo Zagreb zur Zeit ebenfalls Joker und hat erst vier Liga-Saisontore auf seinem Konto. Ebenfalls in der obersten Kroatischen Liga engagiert ist neben Torhüter Osman Hadzikic (Inter Zapresic) auch Franck Etoundi bei Slaven Belupo Koprivnica. Asmir Kajevic kommt bei der Belgrader Nummer drei Cukaricki (5. Platz) in der Serbischen Version der „Super Liga“ (neben der Schweiz und Serbien tragen auch die obersten Ligen in Argentinien, der Türkei, China, Dänemark, Usbekistan, Malaysia, Indien und Griechenland diese Bezeichnung) in jedem Spiel zum Einsatz. Avi Rikan ist Captain beim Israelischen Spitzenreiter Maccabi Tel Aviv. Pedro Henrique hat in der Türkischen „Süper Lig“ bei Kayserispor (letzter Platz, heute Heimspiel gegen Göztepe) schon sieben Tore erzielt und zwei Gelb-Rote Karten gesehen. In der 13. Runde war der heissblütige Brasilianer nach vier Gelben Karten zusätzlich zu den zwei Gelb-Roten bereits zum dritten Mal gesperrt.

Adis Jahovic spielt seine dritte Saison in der Süper Lig beim vierten Verein und liegt aktuell auf der Torschützenliste hinter Alexander Sörloth (Trabzonspor) und Papiss Demba Cissé (Alanyaspor) und gemeinsam mit Vedat Muriqi (Fenerbahce) mit 12 Treffern auf dem Dritten Platz. Schon in der Saison 17/18 war Jahovic drittbester Torschütze der höchsten Türkischen Spielklasse hinter den Starstürmern Bafétimbi Gomis (Galatasaray) und Burak Yilmaz (Trabzonspor) gewesen. Bei Antalyaspor spielt der Nordmazedonier seit der Winterpause an der Seite von Lukas Podolski. Insgesamt kommt Jahovic in seiner Karriere im Ligafussball bisher auf 126 Tore in 284 Spielen. Der 35-jährige Gökhan Inler ist bei Europa League-Achtelfinalteilnehmer Basaksehir Ergänzungsspieler, genauso wie dessen leicht jüngerer ehemaliger Teamkollege Raffael bei Gladbach. Wie Inler in Istanbul engagiert ist Innocent Emeghara (sechs Saisontore bisher) bei einem Zweitligisten mit Aufstiegschancen in die Süper Lig: Fatih Karagümrük ist der einzige Klub, der im ältesten Teil der Stadt, dem ehemaligen Konstantinopolis, in einem wohl kaum Süper Lig-tauglichen Stadion spielt.

Dusan Djuric spielt bei seinem Stammklub Halmstad in der Superettan (Zweite Schwedische Liga) immer noch Zuckerpässe auf grosse Distanzen und trifft mit schönen Weitschusstreffern. Davide Mariani hat beim emiratischen Tabellenführer Shabab Dubai im letzten Monat nicht gespielt, nachdem er zuvor Stammspieler gewesen war. Yassine Chikhaoui kommt bei Etoile Sportive du Sahel wie einstweilen beim FCZ sporadisch zum Einsatz und für ihn muss bei diesen Gelegenheiten dann ebenfalls jeweils die Aufstellung und Spielausrichtung angepasst werden. Amine Chermiti hat sich hingegen mittlerweile wieder über Saudi-Arabien in die Indische Megapolis Mumbai verabschiedet. Der in St. Petersburg aufgewachsene Artjom Simonyan hat sich im Heimatland seiner Eltern, Armenien, von Alashkert über Ararat zu Rekordmeister Pyunik hochgearbeitet und kam im November bei einer 1:9 (!)-Niederlage in Italien wieder einmal in der Nationalmanschaft zu einem Teileinsatz. Yann Fillion kam seit seit dem definitiven ablösefreien Wechsel vom FCZ in der Winterpause bisher in allen fünf „Suomen Cup“-Partien des Finnischen Zweitligisten Ekenäs zum Einsatz. Nicolas Andereggen hatte in der gleichen Zeitspanne einen Teileinsatz beim Argentinischen Zweitligisten CA Alvarado. Der ehemalige FCZ-Brasilianer Ramazotti wäre aktuell wieder zu haben, nachdem er auf seiner Weltreise in dieser Vorrunde für Daejoon Hana Citizen in der Zweiten Koreanischen Liga drei Mal getroffen, den Klub aber in der Winterpause wieder verlassen hat. Rapperswil-Jona mit Maurice Brunner und Nicolas Stettler hat in der Rückrunde noch Chancen auf den Wiederaufstieg in die Challenge League. Als prominente Neuverpflichtung kam in der Winterpause dem Vernehmen nach Bruno Morgado von Cup-Viertelfinalgegner Sion hinzu. Kay Voser kam in der Vorrunde bei Red Star zu drei Einsätzen. Andrea Guatelli spielt im Tessin beim SC Balerna in der 2. Liga Regional. Das Frauenteam des gleichen Klubs profitiert im übrigen aktuell von den Problemen bei Lugano und ist auf bestem Weg zum Aufstieg in die Nationalliga B.

Bild Züri Live – hinten von links: Christian Schneuwly, Dimitri Oberlin, Francisco Rodriguez, Yanick Brecher, Maurice Brunner, Nico Elvedi, Oliver Buff, Ivan Kecojevic, Yassine Chikhaoui. Vorne von links: Mario Gavranovic, Andres Malloth.

 

Nach einem Viertel der Saison liegt der FCZ in der Nationalliga A mit einem Spiel und drei Punkten weniger als Leader Servette Chênois auf dem Dritten Platz. Dazwischen platziert sich der FC Basel. Dieses Spitzentrio vermochte sich zuletzt vom Rest der Liga etwas abzusetzen und könnte durchaus bis Ende Saison einen Dreikampf um den Titel führen, auch wenn man den FC Luzern wohl noch nicht abschreiben sollte. Das aufgrund vieler Wechsel traditionsgemäss mässig startende Lugano wäre wohl im Verlauf der Saison ebenfalls Teil dieser Spitzengruppe geworden, aber das Migrationsamt des Kantons Tessin verbot überraschend den aus dem College-Fussball stammenden Amerikanischen Austauschstudentinnen (Nicht EU-Ausländerinnen) nach drei Jahren der Duldung, weiter ohne Arbeitserlaubnis in der Nationalliga A zu spielen, da diese von den Tessiner Behörden als „Profiliga“ beziehungsweise Leistungssport eingestuft wurde. Dies nur wenige Tage nach dem bisherigen Höhepunkt des Tessiner Frauenfussballs, den beiden Champions League-Sechzehntelfinalpartien gegen Manchester City.

Die spielerische Entwicklung unter dem neuen FCZ-Trainer Ivan Dal Santo (in der Saison 03/04 Teamkollege von Dani Gygax, Blerim Dzemaili, Alain Nef, Alhassane Keita, Iulian Filipescu und Co.) ist gut. Die erfahrene Martina Moser gibt mit ihren spielerischen Qualitäten den Takt vor. Die Direktkombinationen über mehrere Stationen sorgen immer wieder für attraktive Momente im Spiel. Das Zentrale Mittelfeld bilden mit Moser die aufblühende Cinzia Zehnder auf der Sechserpositon und die proaktive Vanesa Hoti, die sich seit ihrem Sommertransfer von der Basler Ersatzbank in relativ kurzer Zeit gut entwickelt hat. Fabienne Humm liegt hinter der Luzernerin Irina Pando (-Brütsch) mit acht Treffern an zweiter Stelle der Torschützenliste und hat damit aktuell eine bessere Trefferquote als in den letzten Saisons aufzuweisen.

Barla Deplazes wird nach ihrer längeren Verletzung zur Zeit vorwiegend als Joker eingesetzt und Meriame Terchoun ist noch einiges von einem Comeback entfernt. Dementsprechend erhalten junge Spielerinnen wie Seraina Piubel, Kim Dubs, Lydia Andrade oder als Joker auch Ella Ljustina ihre Einsatzchancen im Dreiersturm. Die kampfstarke Lorena Baumann hat sich rechts hinten zu einer wichtigen Teamstütze entwickelt und auch Julia Stierli auf links wird immer konstanter. Eine leichte Schwachstelle hat der FCZ in der Innenverteidigung, wo Rahel Moser und Riana Fischer gegen starke Mittelstürmerinnen im Antritt oder auch bei hohen Bällen an ihre Grenzen stossen. Aussergewöhnlich hingegen Goalkeeperin Livia Peng, die mit 17 Jahren neben ihrer besseren technischen Ausbildung auch häufiger die richtige Entscheidung trifft, als beispielsweise Nationaltorhüterin Gaëlle Thalmann.

Servette Chênois hat gemäss dem Schweizer Frauenfussballmedium „abseits.ch“ als einziges Nationalliga A-Team beim Verband Profispielerinnen angemeldet und zwar gleich acht. Und tatsächlich sind die Genferinnen das am ambitioniertesten zusammengestellte Team. Hugo Kostezer, Trainer des NLB-Teams Rot-Schwarz Thun, vermutet ebenfalls auf „abseits.ch“, dass die Sportliche Leitung der Calvinstädterinnen in der Winterpause im Hinblick auf den Titelkampf diesbezüglich gar noch nachlegen könnte. Eine etwas gegenteilige Entwicklung nimmt der FC Basel. Das dank langjähriger Champions League-Einnahmen der Profis am besten alimentierte Frauenteam der Schweiz hat trotz weiterhin hoher Ambitionen eine Verjüngungskur vorgenommen – und ist vielleicht gerade deshalb aktuell so gut unterwegs wie schon lange nicht mehr.

Exemplarisch für die neue Strategie steht die 18-jährige Deutsche Juniorennationalstürmerin Ivana Fuso, die im Vergleich beispielsweise zur aus Basel abgewanderten langjährigen Bayern-Mittelfeldspielerin Nicole Banecki (31)  deutlich mehr Wirkung entfaltet. Zu den mit 24 Jahren bereits älteren Spielerinnen in der Stammformation gehört die nach drei Jahren aus Therwil (Nationalliga B) zurückgekehrte Andrea, jüngere Schwester von U18-Trainer Alex Frei. Innert kürzester Zeit zu einer Leistungsträgerin geworden ist die erst 16-jährige Riola Xhemaili, welche letzte Saison vorwiegend unter Giuseppe Morello bei den U15-Jungs eingesetzt worden ist.

Das FCZ-Pendant zu Xhemaili heisst Anna Matsushita. Die Zürcher Mittelfeldspielerin ist gar erst 15 und kam im September-Derby im GC Campus von Beginn weg zum Einsatz. Auch sie spielte letzte Saison häufig mit den Academy-Jungs, profitierte bei ihrem NLA-Einsatz allerdings auch von der Rotation von Trainer Dal Santo in den Englischen Wochen rund um die Champions League-Spiele gegen den FK Minsk. In diesem Sechzehntelfinal ist der FCZ bekanntlich mit zwei Niederlagen (0:1 auswärts und 1:3 vor eher konservativ gezählten 2’700 Zuschauern im Letzigrund, darunter die komplette Academy inklusive U21) gegen den Weissrussischen Serienmeister ausgeschieden.

Das Hinspiel in Minsk wurde von den Zürcherinnen dabei etwas verschlafen und ein mögliches Auswärtstor verpasst. Im Rückspiel zeigten sie hingegen eine starke Leistung und waren das bessere Team. Für den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften sorgte schlussendlich mit Emueje Ogbiagbevha eine einzelne Spielerin, die drei Minsker Tore selber ezielte und zum vierten die entscheidende Vorarbeit lieferte. Mit ihrer an einen männlichen Profistürmer erinnernden Wucht war sie bei ihren Einzelaktionen von den FCZ-Verteidigerinnen nicht mehr einzufangen, wenn sie einmal Fahrt aufgenommen hatte.

Nach der bitteren Niederlage vor heimischem Publikum äusserten sich Seraina Piubel und Martina Moser bei Züri Live folgendermassen: