Der FCZ hat sich nach zuvor anderthalb Monaten durchzogenen Auftritten bei Black Stars, Young Boys, Wil, gegen Thun und in Basel im zurückliegenden Monat bei Servette, zu Hause gegen YB, in Lugano und gegen Basel gesteigert. Das Team hat sich stabilisiert, nutzt Schwachstellen beim Gegner aus und ist im Cup speziell wenn es  gegen einen Favoriten geht, immer heiss. Und Favorit ist YB zweifellos. Die Berner haben ein grosses Selbstvertrauen im Spiel entwickelt. Es braucht viel, um die Gelb-Schwarzen aus der Ruhe zu bringen. Aber ohne Schwachstelle ist schlussendlich kein Team – auch Young Boys nicht.

Die Innenverteidigung (aktuell Sörensen / Zesiger) war auch schon besser aufgestellt und sorgt im Spielaufbau für zunehmend hohe Bälle. Das Aussenverteidigerduo Janko / Garcia steht hingegen für Konstanz und setzt die Tradition der physisch starken Aussenverteidiger bei YB fort. Setzt der FCZ dem das Duo Rüegg / Pa Modou entgegen? Auf jeden Fall wird der Gambier für den Cup-Achtelfinal nicht mehr als verletzt gemeldet. Eventuell könnte bei YB Marvin Spielmann nach zwei längeren Teileinsätzen erstmals nach seiner Verletzungspause von Beginn weg eingesetzt werden und dafür möglicherweise Christian Fassnacht von der Bank kommen. Ebenfalls noch offen ist, ob Trainer Seoane mit einer oder zwei Spitzen spielen lässt.

Beim FCZ könnte in der Verteidigung neben Pa Modou Bangura an Stelle des gegen Basel ordentlich bis gut agierenden Omeragic auflaufen. Das ist vor allem auch denkbar, weil beim 17-jährige Genfer nach seinen vielen kleinen Verletzungen wohl vor allem auch die physische Belastung langsam gesteigert werden soll. Die grösste Frage beim FCZ bleibt aber: „wer spielt in der Spitze?“. Assan Ceesay wurde gegen den FCB geschont und ist geeignet für Konterfussball, hat sich aber zuletzt ohne Fremdeinwirkung auf Kunstrasen in Wil eine leichte Verletzung zugezogen. Blaz Kramer hat beim letzten Auftritt in Bern kein Land gesehen, zuletzt aber etwas Selbstvertrauen getankt. Tosin bringt über die Seite wohl mehr Wirkung und trägt dort zudem wertvolle Defensivarbeit bei, ist aber ebenfalls eine Variante. Oder wird es gar Marco Schönbächler?

Beim 0:4 in Bern im August nahm Ludo Magnin, der in dieser Saison fast immer mit der gleichen taktischen Formation spielen lässt, ausnahmsweise eine Änderung vor, und liess sein stark ersatzgeschwächtes Team mit Dreierabwehr beginnen. Dies misslang aber völlig, der FCZ rannte in der ersten halben Stunde Gegner und Ball nur hinterher, bis Magnin wieder auf 4-4-2 umstellte. Der FCZ vermochte darauf die Partie sofort ausgeglichen zu gestalten, obwohl nun viele Spieler nicht mehr auf ihrer angestammten Position agierten. Wie sieht es diesbezüglich heute abend aus?

 

Frage zum Spiel: Wie geht der Cup-Achtelfinal im Wankdorf aus?

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Wie schon beim 1:1 gegen den gleichen Gegner in der Vorrunde trat der FCZ im Cup-Halbfinal im Letzigrund mit einer Fünferabwehr an, überliess Basel mehr Ballbesitz und kam so trotz defensiverer Grundausrichtung wieder zu deutlich mehr Torchancen als zuletzt gegen denselben oder andere Gegner. Das Torschussverhältnis war genauso ausgeglichen wie die «Expected Goals». Zum dritten Mal in dieser Saison kam mit Assan Ceesay ein Spieler zu sieben nicht verwerteten Abschlüssen. Die ersten beiden Male waren Ceesay selbst im Cup bei Red Star und Odey zuletzt beim 2:2 in Thun gewesen. Insgesamt hat sich der FCZ im Vergleich zum Lugano-Spiel klar gesteigert – was allerdings nicht für alle Spieler individuell gilt.

Ausgerechnet der bisher so konstant agierende Andreas Maxsø war diesmal ungewöhnlich fehlerhaft, nicht ganz bei der Sache und erhält erst zum dritten Mal eine ungenügende Züri Live-Note. Beim 0:1 beispielsweise verliert Maxsø den entscheidenden Zweikampf an der Seitenlinie gegen Ajeti, im Zentrum ist Rüegg unaufmerksam und lässt Van Wolfswinkel völlig frei vor dem Strafraum an den Ball kommen – die Vollendung von Noah Okafor ist dann aber schlicht Extraklasse. Auch beim 0:2, welches in der 87. Minute für die Vorentscheidung sorgt, misslingt Maxsø ein halbhoher Ball hintenraus – Kevin Rüegg müsste aber trotzdem das Leder ohne Probleme wegspielen oder wegschlagen können, agiert aber zu langsam und lässt sich von Kuzmanovic den Ball vom Fuss spitzeln. Die starke Formbaisse des Zürcher Captains (vor allem wenn er im Zentrum spielt) ging auch gegen Basel nicht weg.

Allgemein fällt im Schweizer Fussball auf, dass jüngere Spieler, die im Sommer vor einem Transfer «nach oben» stehen oder stehen könnten, wie beispielsweise Kevin Mbabu oder Marvin Spielmann, zuletzt völlig ausser Form geraten sind – Kevin Rüegg könnte auch so ein Fall sein. Neben dem Platz hat man durchaus das Gefühl, dass der 20-jährige einen Reifeprozess durchmacht, aber auf dem Platz ist davon nichts zu sehen – im Gegenteil. Auch Antonio Marchesano ist weiterhin im Tief, hat neben einzelnen guten Aktionen bei der Mehrheit seiner Pässe weiterhin das falsche Timing, verursacht unnötige Freistösse und schnelle Gegenstösse des Gegners wegen ungenügender Zweikampfführung. Umaru Bangura hingegen scheint die Pause von zwei Spielen gegen YB und in Lugano gut getan zu haben und zeigte sich wieder verbessert. Eine echt starke Rolle spielte Alain Nef (Züri Live-Note «10»), der gerade auch in der Spielauslösung viel Ruhe und Spielintelligenz reinbrachte.

Strittige Szenen gab es gegen den FCB auch diesmal wieder einige. Bereits in der 2. Minute hatte Umaru Bangura Glück. Bei einem harmlosen ersten flachen Schüsschen von Noah Okafor Richtung Zürcher Tor ging der Innenverteidiger etwas gedankenlos dazwischen, der Ball versprang, Albian Ajeti sprintete heran und kam im Strafraum zu Fall – Bangura schien dabei den Basler durchaus am Fuss getroffen zu haben.

In der 73. Minute dann Groundhog Day im Letzigrund. Zum dritten Mal innert weniger Wochen wird Toni Domgjoni im «Südkurven-Strafraum» gegen YB bzw. Basel ein klarer Penalty verwehrt! Nach Zuffi und Moumi in der Meisterschaft war diesmal Marek Suchy der foulende Spieler. Sieht man sich die Szene nochmal im Detail an, ist schön ersichtlich wie der Tschechische Routinier bemerkt, dass er bei einem hohen Ball an die Fünfmetergrenze zu spät kommt und Domgjoni alleine vor dem Tor eine hundertprozentige Torchance erhalten wird.  Mit einem Seitenblick prüft Suchy noch vor der Ankunft des Balles, an welcher Stelle des Körpers er den Zürcher am unauffälligsten treffen könnte, streckt im Stile eines gewieften Illusionisten oben den Arm Richtung Domgjoni aus ohne zu ziehen (Ablenkungsmanöver) und bringt ihn gleichzeitig unten mit dem linken Fuss zu Fall. Wichtig dabei für Suchy: in diesem Moment mit den Augen nicht mehr nach unten zum Ort des Geschehens schauen!

Noch mehr zu reden gaben mehrere Szenen rund um die 80. Minute. Erst wird Valentin Stocker von Marco Schönbächler im Zürcher Strafraum Hüfte an Hüfte auf faire Art und Weise gerempelt. Schiedsrichter Klossner pfeift zu Recht nicht, denn er hatte zuvor im ganzen Spiel ähnliche Szenen auch im Mittelfeld nie geahndet. Stocker streckte dabei in seiner typischen Art im Strafraum unvermittelt seinen Hintern raus, um den Gegner auflaufen zu lassen, hielt sich danach bei seiner spektakulären Seitwärtsrolle warum auch immer seine beiden Schienbeine und musste beim Abrollen selbst über seine Schauspielkunst lachen.

Dies hielt ihn nicht davon ab, danach am Boden sitzend weiterhin Theater zu machen, was Mitspieler Kuzmanovic anstachelte, wutentbrannt den von Schönbächler zum Weiterspielen animierten Bangura mit vollem Tempo von hinten zu attackieren.

Alain Nef erkannte die akute Verletzungsgefahr für seinen Innenverteidigerkollegen und stellte sich Kuzmanovic in den Weg, worauf er von diesem eine Ohrfeige kassierte.

Gelb für so eine bewusst und gezielt ausgeführte Tätlichkeit ist natürlich schon etwas wenig, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass beispielsweise Marco Djuricin nach dem Derby für einen ungezielten Befreiungsschlag nach hinten gegen den reissenden und zerrenden Hekuran Kryeziu mit drei Spielsperren belegt wurde.

In der anschliessenden Aufregung versuchte Carlos Zambrano Stephen Odey zu einer Unbeherrschtheit zu verleiten und ging diesem an die Gurgel, was zumindest im Nachhinein von der Disziplinarkommission hätte geahndet werden müssen, die gleichzeitig bezüglich der in dieser Szene am Rande und eher schlichtend involvierten Van Eck, Canepa und Streller sehr schnell mit Sanktionen zur Stelle war.

In der 90. Minute schlug dann auch noch Valentin Stocker Marco Schönbächler in «Kuzmanovic-Manier» von hinten ungeahndet auf den Kopf. Während sich YB also auf Schläge direkt ins Gesicht «spezialisiert» hat, scheinen beim FCB Schläge auf den Hinterkopf des Gegners im Trend zu liegen. Würgen, Schlagen, Schauspielern und versteckte Fouls: von einem sportlich fairen Auftritt waren die Rot-Blauen an diesem Abend im Letzigrund weit entfernt. Hat Basel das wirklich nötig? Offenbar schon…

(Standbilder: Teleclub)

FCZ – Basel 1:3 (0:1)

Tore:  5. Okafor (Van Wolfswinkel) 0:1; 87. Kuzmanovic (Zuffi) 0:2, 90.+2 Ajeti (Stocker) 0:3, 90.+4 Odey (Marchesano) 1:3.

FCZ: Vanins; Untersee (69. Schönbächler), Nef, Bangura, Maxsø, Kharabadze (69. Kololli); Rüegg; Domgjoni (89. Kasai), Marchesano; Ceesay, Odey.

Basel: Omlin; Widmer, Zambrano, Suchy, Petretta; Frei, Zuffi; Kalulu (74. Stocker), Van Wolfswinkel (46. Kuzmanovic), Okafor (89. Zhegrova); Ajeti.

Nach der Cupniederlage stellte sich Levan Kharabadze bei Züri Live zum Interview:

Levan, 1:3 gegen Basel im Cup-Halbfinal. Es war wohl immerhin eine der bisher besten Partien des aktuellen Kalenderjahres von Seiten des FCZ, aber mit dem Finaleinzug hat es trotzdem nicht geklappt…

Kharabadze: Ich würde sagen, es hat wohl nicht sollen sein. Wir hatten gute Momente, die wir hätten ausnützen sollen. Aber Basel hatte auch gute Chancen und im Gegensatz zu uns haben sie diese ausgenutzt – darum haben sie gewonnen. Ja, es war ein gutes Spiel. Mit dem Schiedsrichter bin ich aber nicht einverstanden. Die Szene mit Toni Domgjoni im Basler Strafraum beim Stande von 0:1 ist 100% Elfmeter.

Es gab viele Emotionen im Spiel…

Kharabadze: Ja, wir sind definitiv mit Emotionen ins Spiel gegangen, das war vorhanden, und das hat man dann auch im Spiel gesehen. Wir haben gut gespielt. Aber wir müssen weiter hart arbeiten, damit wir in der Super League verbleiben können. Und danach die nächste Saison vorbereiten, wo wir neben der Meisterschaft eine neue Chance im Schweizer Cup erhalten.

Wie ist es für Dich bisher hier in der Schweiz, das Level und das Tempo ist wohl relativ hoch im Vergleich zu dem, was Du bisher gekannt hast?

Kharabadze: Ja, für mich ist das bereits ein hohes Niveau, weil ich davor in der Georgischen Meisterschaft gespielt habe. Ich lerne hier und werde weiter an mir arbeiten. Teams wie Basel oder YB sind top, auf Champions League-Niveau, gegen sie zu spielen bringt mich weiter.

Cédric Brunner und der Schweizer Cup, das passt zusammen. Sein erstes Tor für die 1. Mannschaft erzielte der Zürcher im August 2014 in Schönbühl nach Zuspiel von Namensvetter Maurice aus 20 bis 25 Metern. Hier das Züri Live-Interview mit Brunner nach jenem Spiel (7:0):  

In der aktuellen Saison wurde der Allrounder im Cupwettbewerb drei Mal eingesetzt: in Bassersdorf, bei Stade Lausanne-Ouchy und nun auch im Halbfinalderby gegen GC – zum dritten Mal wird Brunner mit einer Topleistung zum Züri Live-MVP gekürt. In der Liga hat der Arztsohn diese Auszeichnung in der aktuellen Saison hingegen noch nie zugesprochen erhalten. Gegen GC sorgte Brunner sowohl im Spielaufbau wie auch vorne für Druck und Torgefahr. Zusammen mit Antonio Marchesano hatte der Verteidiger die höchste Anzahl Top-Offensivaktionen (8). Bei Kopfbällen im gegnerischen Strafraum hatte er im Gegensatz zu den in den letzten Wochen in diesem Bereich wenig überzeugenden Teamkollegen das richtige Timing und sorgte zwei Mal für erhebliche Gefahr im Fünfmeterraum. Das erste Tor bereitete er mit einer scharfen Direktflanke mit links von der linken Seite entscheidend vor und das Siegtor schoss er in der Nachspielzeit selbst.

Verteidiger Brunner zusammen mit Marchesano bester Offensivspieler – und Michael Frey einmal mehr bester Defensivmann mit fünf Top-Defensivaktionen. Auch der Fakt, dass abgesehen von Torhüter Brecher und dem in der Nachspielzeit eingewechselten Fabian Rohner (keine Ballberührung) alle eingesetzten FCZ-Spieler an Torchancen und/oder Toren beteiligt waren, illustriert die gute Teamleistung. Die Topchance von Adrian Winter in der 62. Minute beispielsweise war ein über 14 Stationen aufgebauter Angriff. Kein Feldspieler hatte im Halbfinal-Derby eine ungenügende Note, was aussergewöhnlich ist.

Beide Zürcher Tore entstanden nach Standards (Einwurf, Freistoss) durch gefährliche Hereingaben in den Strafraum (durch Brunner, Rüegg), welche Rhyner beziehungsweise Bergström nur bis an die Strafraumgrenze klären konnten, wo wiederum Rüegg / Brunner bereit standen. Kapic beziehungsweise Taipi verteidigten diesen Raum dabei jeweils zu wenig konsequent. Bereits in der 13. Minute hätte der FCZ einen Handspenalty zugesprochen erhalten müssen. Bergströms Oberarm ging zum Ball, der zuvor bei einem weiten Einwurf von Alain Nef lange in der Luft war. Stattdessen pfiff Ref Fedayi San «Stürmerfoul» von Raphael Dwamena, der sich festgehalten von Bergström nicht bewegte, als der rückwärtslaufende Basic in ihn prallte. Dazu kam das Foul von GC-Keeper Lindner gegen Dwamena in der 59. Minute, welches nach einem verunglückten Rückpass von Rhyner ebenfalls hätte Elfmeter geben können.

Dzengis Cavusevic und der FCZ lösen den bis Ende Saison laufenden Vertrag vorzeitig auf. Der bei den Fans beliebte Slowene verlässt den FCZ nach 18 Monaten. In der aktuellen Saison kam der 30-jährige nur 235 Minuten zum Einsatz, davon 159 Minuten gegen unterklassige Gegner im Cup. In der Aufstiegssaison kam Cavusevic beim FCZ wettbewerbsübergreifend 1’680 Minuten zum Einsatz und erreichte auf einer Skala von 1-10 eine Züri Live-Durchschnittsnote von 5,4 (in der aktuellen Saison nur 3,9). Aus insgesamt 42 Wettbewerbspartien resultierten 12 Tore (davon fünf beim schön herausgespielten 10:0-Sieg im Cup beim FC Chippis) und neun Assists. Vor allem zeigte der bullige Stürmer immer vollen Einsatz, auch in Situationen, wo ihm nicht alles gelang. Hvala Dzenga!

Ein spezieller Dzenga-Moment im FCZ-Dress war das Europa League-Heimspiel gegen Osmanlispor am 29. September letzten Jahres. In der 26. Minute verschoss Cavusevic einen Penalty, wurde aber sofort von seinen Teamkollegen aufgemuntert und steigerte sich im Verlaufe des Spiels, um dann in der 79. Minute den 2:1-Siegtreffer zu erzielen! Die anschliessenden Wochen bis zur Winterpause waren seine beste Zeit im Letzigrund-Klub. So zeigte er im Cup-Achtelfinal (2:1) gegen seinen Ex-Klub St. Gallen eine ganz starke Leistung und wurde im Europa League-Heimspiel gegen den Rumänischen Rekordmeister Steaua (0:0) zum Züri Live-Most Valuable Player gewählt. Auch auf Züri Live gab es einen „Dzenga-Moment“. Durch seine furchtlose Spielweise hatte sich der Slowene gegen den FC Wohlen einen Jochbeinbruch zugezogen und sass auf dem Brügglifeld auf der Tribüne, als die denkwürdige 30 Sekunden-Partie wegen einem Blackout abgebrochen werden musste. Dies gab damals die Gelegenheit schnell bei Züri Live vorbeizuschauen:

Nach dem Spiel gegen Wohlen hatte Uli Forte die Verletzung Cavusevics folgendermassen kommentiert:

Das erste Interview auf Züri Live hatte der Stürmer kurz nach seiner Verpflichtung im Sommer 2016 nach einem Testspiel-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach in Biel gegeben:

Thema war Dzengis Cavusevic auf Züri Live letzte Saison auch im Cupspiel der 1. Runde in La Chaux-de-Fonds:

Nach zwei Saisons als Stammspieler des FC Schaffhausen in der Challenge League ist Davide Mariani nun auch in der Super League beim FC Lugano die zweite Saison in Folge im Mittelfeld nicht wegzudenken. Von Trainer Pierluigi Tami wird der Zürcher in fast allen Spielen über 90 Minuten eingesetzt, ist der gefährlichste Weitschütze der Liga und liegt in der Rangliste der Assistgeber nach Matteo Tosetti (Thun) und Mohamed Elyounoussi (Basel), und gemeinsam mit Samuele Campo (Lausanne) an dritter Position. Im letzten Spiel vor der Winterpause in Thun sind die Berner Oberländer in der Ersten Halbzeit etwas druckvoller.

Nach der Pause kehrt die Partie dann aber. Lugano kann im Gegensatz zu den Berner Oberländern zulegen. Carlinhos mit einer herrlichen Direktabnahme und der eingewechselte Alexander Gerndt mit einem «Break Away» stellen den Sieg der Tessiner sicher, die auf dem 7. oder 8. Platz überwintern werden. Auch weil die Bianconeri mit David Da Costa im Vergleich mit dem Thuner Francesco Ruberto den erfahreneren, solideren und  fussballerisch stärkeren Torhüter zwischen den Pfosten haben. Bereits im Winterschlaf scheint sich Schiedsrichter Lionel Tschudi zu befinden, der die Partie eher nach dem Prinzip «Handgelenk mal Pi» anstatt auf der Basis von genauem Hinschauen zu leiten scheint. Die Luganesi bringt dies nicht ganz zu Unrecht mehrmals auf die Palme. Nach der Partie ist es darum höchste Zeit, neben der Freude über den Sieg auch etwas Dampf abzulassen.

Züri Live: Hallo Davide, wie fühlst du dich?

Davide Mariani: Sehr gut.

ZL: Logisch nach diesem Match!

DM: Bist Du extra nach Thun gekommen?

ZL: Klar. Heute ein 2:0-Sieg gegen den FC Thun. Wie hast du das Spiel erlebt?

DM: Thun war zuletzt eines der formstärksten Teams der Liga. Wir haben uns darauf eingestellt. Nach unserem ersten Tor konnten wir kontern und schlussendlich dann mit dem 2:0 die Entscheidung realisieren.

ZL: Thun scheint euch aber diese Saison zu liegen, sieben Punkte in drei Partien?

DM: Schaut man nur auf die Resultate, dann scheint dies so zu sein. Aber die Partien gegen Thun sind immer sehr eng.

ZL: Es war allgemein eine gute und vor allem ereignisreiche Vorrunde…

DM: Es war nicht einfach. Wir hätten noch mehr Punkte holen können. Aber wir hatten immer wieder Pech mit Schiedsrichterentscheiden – Offsidetore, seltsame Penaltyentscheidungen,..auch heute wieder.

ZL: Was mich beeindruckt hat, waren neben euren Auftritten in der Liga auch die Leistungen in der Europa League. Im Gegensatz zu anderen Schweizer Teams habt ihr Vollgas gegeben, drei Siege geholt,…

DM: Es gab Leute, die gesagt haben, es sollte besser eine andere Mannschaft die Schweiz vertreten. Wir haben diese Leute Lügen gestraft. Es freut mich ungemein, dass wir für die Schweiz Punkte für das UEFA Ranking holen konnten.

ZL: Wie war die Erfahrung für dich persönlich?

DM: Es war auch für mich persönlich speziell und schön. Zum Beispiel das Tor (gegen Viktoria Plzen). Sonst sind die Höhepunkte jeweils die Spiele gegen den FCZ, GC, Basel, YB. Diesen Herbst hatten wir mit der Europa League zusätzliche Highlights.

ZL: Ich hatte das Gefühl, die Europacuppartien haben euch auch für die Meisterschaft Schwung gebracht…

DM: Ja, der Heimsieg gegen Viktoria Pilsen brachte für uns auch in der Meisterschaft eine Wende, es war ein wichtiger Schritt.

ZL: Was sagst du zur Vorrunde des FCZ mit Platz 3 als Aufsteiger?

DM: Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass es so gut läuft. Das freut mich natürlich ausserordentlich für meine Kollegen und meinen Ex-Verein, auch die Qualifikation für den Cup-Halbfinal. Ich wünsche mir sehr, dass der FCZ diese Saison im Cup wieder etwas reissen wird.

 

Der FCZ zeigt in den beiden Halbzeiten des Cup-Viertelfinals zwei Gesichter – wie Dr. Jekyll und Mr. Hide, oder in diesem Fall Mr. Ojeminee & Dr. Sternstunde. Moussa Koné beispielsweise produziert in der Ersten Halbzeit praktisch nur Ballverluste, ist in der Zweiten aber mit seinem Tor zum 1:2 und dem Assist zum 3:3 mitentscheidend für die spektakuläre Wende. Oder Yanick Brecher: der Zürcher Cupgoalie kassiert bei seinem ersten Einsatz gegen einen Super League-isten seit eineinhalb Jahren gleich wieder drei Tore. Das erste aus kurzer Distanz, das zweite in die nahe Ecke (Torschütze Rapp schoss sich dabei an sein eigenes Standbein) und beim dritten den ersten Schuss nach vorne abwehrend und beim Rebound Rapps schlecht gestanden. Andererseits war Brecher im Spielaufbau an zwei der vier Tore beteiligt und hatte insgesamt vier Top-Offensivaktionen, was für einen Torhüter viel ist.

Rasmus Thelanders Auftritt war der schlechteste bisher im FCZ-Trikot. Dass ausgerechnet ihm schlussendlich der 3:3-Ausgleich in der 90. Minute gelang, passte zu dieser verrückten Partie. Der offensive Wirbelwind, den der Letzigrundklub in der Zweiten Halbzeit verursachte, war aussergewöhnlich. Natürlich hatte dies auch mit dem Gegner zu tun, der wie üblich in dieser Saison in der Ersten Halbzeit enorm viel investiert hatte und dadurch im Verlauf des zweiten Durchganges logischerweise nachliess und sich auf Konter mit dem schnellen eingewechselten Dzonlagic fokussierte. Obwohl der FCZ in der Ersten Halbzeit die schlechtere Mannschaft gewesen war, standen am Ende der Partie 59 Top-Offensivaktionen in der Bilanz der Heimmannschaft.

Damit wurde der Rekord vom Auswärtsspiel in Sion in der 14. Meisterschaftsrunde nochmal getoppt. Der eingewechselte Roberto Rodriguez zog zusammen mit Kevin Rüegg im Zentrum die Fäden, und war wie üblich überall anzutreffen, trug viel zur Wende bei, und war in seinem 25-minütigen Einsatz an zwei Toren entscheidend beteiligt. Die Wirkung, die Rodriguez in dieser kurzen Zeit ausstrahlte, macht ihn zum zweiten Mal diese Saison nach dem besagten Sion-Auswärtsspiel zu Züri Lives Most Valuable Player. Gleich an allen vier Zürcher Toren beteiligt ist Pa Modou, der MVP vom Lausanne-Heimspiel.

1. Zufall oder Schicksal?

Schlecht stehende Sterne sehen wahrlich anders aus. Der Cupfinal findet 2018 statt und in graden Jahren hat der FCZ zuletzt jeweils den Cup gewonnen. Gleich drei Gegner der Cupsiegersaison 2013/14 (Bassersdorf, Stade Lausanne-Ouchy, Thun) wurden dem FC Zürich erneut zugelost – eine unglaublich unwahrscheinliche Fügung. Die Amateur-Mathematiker von Züri Live haben für das Eintreffen eines solchen Falles eine Wahrscheinlichkeit von 0,000007% errechnet. Ausserdem hat man den ersten Super League-Gegner erst im Viertelfinal zugelost erhalten und dann erst noch zu Hause im Letzigrund – wo die Zürcher Equipe den gleichen Gegner im März 2014 in ebenjener Cupsiegersaison in einem engen Halbfinal bezwungen hatte. Auch auf dem Weg zum Cuptitel 2016 wurde der FC Thun im Viertelfinal bezwungen. Bei so vielen schicksalshaften Vorzeichen ist es nicht verwunderlich, dass Züri Live-Experte Thomas Renggli in seiner bekannt provokativ-optimistischen Art davon spricht, dass an der Werdstrasse in der Vitrine schon mal Platz geschaffen werden müsse.

2. Wie schlägt sich Yanick Brecher?

Der FCZ hat Yanick Brecher zum Cupgoalie dieser Saison bestimmt. Vor seinem Kreuzbandriss hatte der 24-jährige am 7. Mai 2016 bei der 2:3-Heimniederlage gegen den FC Basel sein letztes Spiel gegen ein Super League-Team bestritten. Ein nicht unwesentlicher Faktor für den Abstieg in die Challenge League in der Saison 2015/16 war das Torhüterduo Brecher / Favre gewesen – neben GC mit Vasic / Mall das schlechteste Torhüterduo der Liga. Wirklich viele Punkte verlor der FCZ mit Brecher im Tor (Punkteschnitt: 0,82 pro Spiel, nur drei Siege in 22 Partien), während man mit dem Punkteschnitt des bescheiden talentierten, aber einigermassen soliden Favre (1,14 Punkte pro Spiel) im Mittelfeld der Tabelle (6. Platz) gelandet wäre. Seit der Rückkehr von seiner Verletzung wirkt Brecher im Vergleich zu vor zwei Jahren etwas stabiler. Trotzdem sind Raumgefühl und Timing, das absolute A und O eines Torhüters, im Vergleich zu anderen Super League-Torhütern immer noch weit unterdurchschnittlich. Ein paar Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Brecher lässt sich in einem Testspiel gegen den FC Dietikon durch einen von der Mittellinie getretenen direkten Freistoss von Marjan Jelec erwischen, im Promotion League-Spiel beim SC Brühl verzichtet Brecher bei einem Freistoss aus 25 Metern auf eine Mauer und lässt den alles andere als platziert getretenen Schuss von Alessandro Riedle passieren, bei Stade Lausanne-Ouchy trifft Bradley Bavueza zur eigenen Überraschung in die nahe Ecke, weil Brecher denkt, der Ball fliege neben das Tor, und den Arm zurückzieht. In insgesamt 36 Promotion League-Partien schaffte es Brecher nur fünf Mal seinen Kasten reinzuhalten – eine «Weisse Weste»-Quote von 14%. Zum Vergleich: Andris Vanins hat in der zwei Stufen höheren Super League eine «Weisse Weste»-Quote von 33%. Immerhin besteht die in dieser Saison bisher erfolgreiche Zürcher Defensive nicht nur aus dem Torhüter. Die ganze Mannschaft arbeitet meist so gut, dass man den Gegnern nur wenig echte Torchancen zugesteht.

3. Gibt’s Gänsehaut nicht nur wegen dem Wetter?

So wie im März 2014. Unvergessen: das Penaltyschiessen des Cup-Halbfinals im Letzigrund…

 

Der FCZ steht nach einem guten Auftritt in Lausanne beim Sion-Bezwinger Stade Lausanne-Ouchy als erste Mannschaft im Cup-Viertelfinal 2017/2018. Dieser wird am Mittwoch/Donnerstag 29./30. November ausgetragen. Ganz anders als beim von einer «Künstlertruppe» mit Glück erknorzten 3:2 vor vier Jahren, war es diesmal ein von Beginn weg fokussierter und engagierter Auftritt des Limmatstadtclubs. Und dies gegen ein mittlerweile in die Promotion League aufgestiegenes Stade Lausanne-Ouchy mit dem Offensiven Mittelfeldspieler Ahmed Mejri (ehemaliger Tunesischer U17-Nationalspieler), dem nach Yverdons Starstürmer Djibril Cissé besten Torjäger der dritthöchsten Schweizer Liga. Dass die Waadtländer sich nach dem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Sion auch gegen den FCZ einiges ausrechneten, sah man von Beginn weg. Das Team von Trainer Uli Forte liess ihnen im ersten Durchgang mit guter Laufarbeit im Spiel ohne Ball aber kaum Luft zum Atmen. Sangoné Sarr durfte von Beginn weg ran und übernahm wieder die Ausführung der Standards.

Seinen Freistoss von der rechten Seite köpfte Michi Frey Richtung Tor – Torhüter Matos lenkte in der 12. Minute zum Eckball. Diesen führten Sarr und Winter kurz aus – Alain Nef gelang die frühe Führung auf Abpraller bei Matos nach abgefälschtem Winter-Schuss aufs Tor. Das 2:0 in der 30. Minute war ebenfalls ein «Rebound» von Raphael Dwamena nach Vorarbeit von Michi Frey. Der FCZ hatte den Gegner so gut im Griff, dass der Anschlusstreffer zum 1:2 kurz vor der Pause wirklich «aus dem Nichts» fiel. Adi Winter rutschte an der Seitenlinie im Zweikampf mit Bradley Bavueza aus, dieser zog von der Seite in den Strafraum und erwischte den keine gute Figur abgebenden Torhüter Yanick Brecher in der nahen oberen Ecke. Ouchy spürte kurzzeitig Aufwind, und Ndongo warf sich in der Euphorie im Zweikampf mit Brunner, der sich fair zwischen Ball und Mann stellte, übermotiviert in den Strafraum. Ref Schnyder liess richtigerweise weiterlaufen.

Der FCZ liess weiterhin wenig zu, und Victor Palssons erstes Wettbewerbstor aus der Distanz war dann in der 57. Minute so etwas wie die Vorentscheidung. Der Isländer bereitete mit seiner Flanke auf Moussa Koné dann in der 71. Minute auch noch das 1:4 vor. Zwei Minuten später kam der Nigerianer Stephen Odey zu seinem Wettbewerbsspiel-Début in der 1. Mannschaft, und noch etwas nervös, wie Trainer Uli Forte nach der Partie anmerkte, nachdem er mit der U21 vor zwei Wochen bereits gleichenorts gegen denselben Gegner gespielt (und 1:2 verloren) hatte. Drei Tage nach der 0:4-Derbyklatsche gelang dem Letzigrund-Team somit eine erfreuliche Reaktion.

Stade Lausanne-Ouchy FCZ 1:4 (1:2)

Tore: 13. Nef (Winter) 0:1, 30. Dwamena (Frey) 0:2, 43. Bavuesa (Morax) 1:2; 57. Palsson (Frey) 1:3, 71. Koné (Palsson) 1:4.

Stade Lausanne-Ouchy: Matos; Danner, Geiser, Morax, Dangubic; Ndongo, Gomis (88. De Groot), Carvalho (67. Tebib), Bavueza (80. Soos); Mejri; Kok.

FC Zürich: Vanins; Nef, Bangura, Brunner; Winter (83. Haile-Selassie), Sarr, Palsson (76. Maouche), Pa Modou; Dwamena, Frey, Koné (73. Odey).