Das nennt man wohl „eine Geschichte, wie sie nur der Fussball schreiben kann“. Nach seinem für Klub und Spieler wenig erfreulichen halbjährigen Engagement beim FC Zürich trifft Denis Popovic in seinem ersten Spiel für den neuen Klub Krylya Sovetov Samara ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Orenburg – und bringt sein neues bereits früh in Unterzahl agierendes Team aus kurzer Distanz per Kopf 1:0 in Führung – das zweite Kopfballtor seiner Karriere. Der auf der 10-er Position agierende Slowene bereitete später mit einem guten Pass in die Tiefe eine „hundertprozentige“ Chance zum 2:0 vor, musste mit seiner Mannschaft aber kurz vor Schluss noch das 1:1 hinnehmen. Nach dem Unentschieden im Abstiegskampf bleibt Samara auf einem Relegationsplatz, der Punkteabstand ins Mittelfeld ist aber nicht gross.

In der 2. Bundesliga lief an diesem Wochenende alles für Arminia Bielefeld und Cédric Brunner: 1:0 Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden (mit Heinz Lindner im Tor) während die Aufstiegskonkurrenten Stuttgart, HSV und Heidenheim allesamt verloren. Als Leader der Liga haben die Arminen nun neun Punkte Vorsprung auf den „Barrage-“ und 12 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Dazu beigetragen hat auch Victor Palsson, der bei einem frühen Darmstadt-Konter zum 2:0 gegen Heidenheim per Absatz die Vorlage lieferte.

Noch zu wenig produktiv, aber immer wieder für Unterhaltung gut ist ebenfalls in der 2. Bundesliga Michi Frey mit dem abstiegsgefährdeten Traditionsklub Nürnberg. In seinem ersten Startelfeinsatz für Osnabrück  sah Assan Ceesay vor zwei Wochen eine hart gepfiffene Rote Karte wegen einem Hohen Bein im eigenen Strafraum (Gegenspieler Carlson hatte Kopf tief) und ist immer noch gesperrt. Der vom FCZ an Holstein Kiel verliehene Salim Khelifi hat seit dem Trainerwechsel von André Schubert zu Ole Werner immer mehr an Status verloren und ist jeweils nicht mehr im Matchkader anzutreffen. Bei Trainer Urs Fischer ist Admir Mehmedi schon in der U21 aufgelaufen und hat bis heute in seiner Karriere unter keinem Coach mehr Spiele (80) absolviert. Am Sonntag holte er mit Wolfsburg bei Fischer’s Union ein 2:2 und bleibt auf einem Europacupplatz – fünf Punkte vor seinem Ex-Trainer. Ricardo Rodriguez hat in der Eredivisie für PSV schon fünf Partien und zuletzt gegen Feyenoord 1:1 Unentschieden gespielt. Eindhoven ist in dieser Zeit vom fünften auf den vierten Platz vorgestossen.

Bruder Roberto spielt in Uerdingen viel (2 Tore, 9 Assists diese Saison bisher), kommt aber mit dem ambitionierten Klub in der 3. Liga nicht vom Fleck – zur Zeit nur Rang 11. Der ebenfalls nach Uerdingen gewechselte 1,68.m-Linksverteidiger Hakim Guenouche kommt dort kaum zum Einsatz, während Andreas Maxsö relativ schnell zurück nach Dänemark weitergezogen ist und dort beim viertplatzierten Traditionsklub und ehemaligen Europacupgegner Bröndby mittlerweile Captain ist. Vier Punkte hinter Bröndby liegt Aalborg, das vor Wochenfrist mit Rasmus Thelander in der Innenverteidigung das Maxsö-Team auch dank einem Tor und Assist von Ex GC-Offensivmann Lucas Andersen mit 3:2 besiegen konnte. In der 3. Liga auf dem letzten Platz liegt Carl Zeiss Jena mit Kilian Pagliuca, der mit zwei Toren und fünf Assists eine Zeit lang Stammspieler war, nach einer Rotsperre (zwei Grätschen hintereinander von hinten in Braunschweig) aber aktuell etwas aussen vor ist.

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Nico Elvedi gehört zu den konstantesten Verteidigern der Bundesliga und ist mit Borussia Mönchengladbach unter dem ehemaligen Salzburg-Trainer Marco Rose im Spitzenquintett der Liga dabei. Bei „Transfermarkt“ ist Elvedi mit 35 Mio Euro nach Teamkollege Denis Zakaria und gleichauf mit Manuel Akanji der zweitwertvollste Schweizer Spieler. Djibril Sow hat seinen Stammplatz bei der SGE im Moment an den Österreicher Stefan Ilsanker (in der Winterpause von Leipzig gekommen) verloren. Josip Drmic kommt bei Norwich City in der Premier League nach seiner Oberschenkelverletzung wieder regelmässig als Joker zum Einsatz. Berat Djimsiti, Stammspieler beim Italienischen Team der Stunde, Atalanta, musste beim 7:2-Sieg in Lecce wegen muskulären Problemen pausieren, die er sich beim Aufwärmen zum Champions League-Achtelfinal-Hinspiel gegen Valencia zugezogen hatte. Der in der Winterpause zu Inter gewechselte Innenverteidiger Andi Hoti ist dort Stammspieler in der U17. Marin Cavar ist bei Serie B-Aufstiegskandidat Chievo Verona unter Vertrag. Nach vier starken Einsätzen in der Startformation beim FC Winterthur letzten Frühling wollten ihn die Venetier unbedingt und verpflichteten ihn trotz eines in einem Testspiel gegen Stuttgart erlittenen Kreuzbandrisses.

Joël Untersee blieb nach seiner Rückkehr vom FCZ nach Italien nicht bei Empoli und ist seit einem halben Jahr vereinslos. Loris Benito (ein Saisontor) steht in der Regel bei Girordins Bordeaux (12. Platz) in der Startformation. Neun Punkte hinter Benito in akuter Abstiegsgefahr befindet sich mit Nîmes der in der Winterpause von Dresden nach Südfrankreich gewechselte Moussa Koné. Gleich bei seinen ersten beiden Teileinsätzen in Nizza und gegen Angers gelang dem Senegalesen je ein Tor. Ivan Kecojevic hat in der LaLiga2 von der Atlantikküste (Cadiz) etwas ins Landesinnere (Albacete) gewechselt. In derselben Liga ist Armando Sadiku (Malaga) mit zehn Treffern auf Platz Sieben der Torschützenliste. Raphael Dwamena (Real Zaragoza) ist hingegen seit Anfang Oktober ausser Gefecht und musste sich einer Herzoperation unterziehen.

Maren Haile-Selassie wird bei Xamax weiterhin regelmässig eingewechselt und schlägt dann jeweils auch die Standards. Arbenit Xhemajli hat sich im gleichen Team mittlerweile etabliert. Ganz allgemein spielen bei der Mehrzahl der Super League-Teams mindestens zwei Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs (unter anderem Saidy Janko, Christian Fassnacht, Anto Grgic, Filip Stojilkovic, Noah Lovisa, Miro Muheim, André Ribeiro, Francisco Rodriguez). Piu Da Costas Highlight der Vorrunde war das 1:1 in der Europa League auswärts beim grossen Favoriten Dynamo Kyiv, welcher dadurch die K.O-Runde verpasste – bis zur 94. Minute hatte Lugano bei einem Schussverhältnis von 31:7 zugunsten von Dynamo sogar noch mit 1:0 geführt. Fabio Dixon hat beim Challenge League-isten FC Chiasso bisher in 15 Partien fünf Torvorlagen liefern können, zuletzt letzte Woche beim 2:0-Heimsieg gegen Wil. Bei diesem Heimsieg stand auch Izer Aliu als „Sechser“ erstmals in der Startaufstellung der Tessiner. Auf Wiler Seite standen zudem Fabian Rohner sowie Lindrit Kamberi in der Startformation, Bledian Krasniqi (in der Vorwoche noch krank) und Kastrijot Ndau wurden eingewechselt. Shkelzen Gashi ist zurück beim FC Aarau,  wird aber noch nicht eingesetzt. Auf dem Brügglifeld gespielt hat letzte Woche der weiterhin vom FCZ ausgeliehene Albin Sadrijaj (wie üblich im Zentralen Mittelfeld) bei einem 4:4-Torspektakel und hat dabei mit dem 1:0 für den SC Kriens (wo Burim Kukeli Captain ist) in der 23. Minute sein erstes Profitor erzielt. Oli Buff hat bei GC noch keinen Skorerpunkt erzielt.

Jorge Teixeira ist bei St. Truiden (12.) in Belgien nach einer Hüftverletzung wieder daran, sich in die Mannschaft zurückzukämpfen. Dimitri Oberlin hat bei Zulte Waregem (9.) seit September kein Tor mehr erzielt. Stephen Odey ist bei Genk (7.) Joker und vermochte in der Champions League beim Heim-1:4 gegen Liverpool den „Ehrentreffer“ für die Belgier zu markieren.  Mario Gavranovic ist bei Dinamo Zagreb zur Zeit ebenfalls Joker und hat erst vier Liga-Saisontore auf seinem Konto. Ebenfalls in der obersten Kroatischen Liga engagiert ist neben Torhüter Osman Hadzikic (Inter Zapresic) auch Franck Etoundi bei Slaven Belupo Koprivnica. Asmir Kajevic kommt bei der Belgrader Nummer drei Cukaricki (5. Platz) in der Serbischen Version der „Super Liga“ (neben der Schweiz und Serbien tragen auch die obersten Ligen in Argentinien, der Türkei, China, Dänemark, Usbekistan, Malaysia, Indien und Griechenland diese Bezeichnung) in jedem Spiel zum Einsatz. Avi Rikan ist Captain beim Israelischen Spitzenreiter Maccabi Tel Aviv. Pedro Henrique hat in der Türkischen „Süper Lig“ bei Kayserispor (letzter Platz, heute Heimspiel gegen Göztepe) schon sieben Tore erzielt und zwei Gelb-Rote Karten gesehen. In der 13. Runde war der heissblütige Brasilianer nach vier Gelben Karten zusätzlich zu den zwei Gelb-Roten bereits zum dritten Mal gesperrt.

Adis Jahovic spielt seine dritte Saison in der Süper Lig beim vierten Verein und liegt aktuell auf der Torschützenliste hinter Alexander Sörloth (Trabzonspor) und Papiss Demba Cissé (Alanyaspor) und gemeinsam mit Vedat Muriqi (Fenerbahce) mit 12 Treffern auf dem Dritten Platz. Schon in der Saison 17/18 war Jahovic drittbester Torschütze der höchsten Türkischen Spielklasse hinter den Starstürmern Bafétimbi Gomis (Galatasaray) und Burak Yilmaz (Trabzonspor) gewesen. Bei Antalyaspor spielt der Nordmazedonier seit der Winterpause an der Seite von Lukas Podolski. Insgesamt kommt Jahovic in seiner Karriere im Ligafussball bisher auf 126 Tore in 284 Spielen. Der 35-jährige Gökhan Inler ist bei Europa League-Achtelfinalteilnehmer Basaksehir Ergänzungsspieler, genauso wie dessen leicht jüngerer ehemaliger Teamkollege Raffael bei Gladbach. Wie Inler in Istanbul engagiert ist Innocent Emeghara (sechs Saisontore bisher) bei einem Zweitligisten mit Aufstiegschancen in die Süper Lig: Fatih Karagümrük ist der einzige Klub, der im ältesten Teil der Stadt, dem ehemaligen Konstantinopolis, in einem wohl kaum Süper Lig-tauglichen Stadion spielt.

Dusan Djuric spielt bei seinem Stammklub Halmstad in der Superettan (Zweite Schwedische Liga) immer noch Zuckerpässe auf grosse Distanzen und trifft mit schönen Weitschusstreffern. Davide Mariani hat beim emiratischen Tabellenführer Shabab Dubai im letzten Monat nicht gespielt, nachdem er zuvor Stammspieler gewesen war. Yassine Chikhaoui kommt bei Etoile Sportive du Sahel wie einstweilen beim FCZ sporadisch zum Einsatz und für ihn muss bei diesen Gelegenheiten dann ebenfalls jeweils die Aufstellung und Spielausrichtung angepasst werden. Amine Chermiti hat sich hingegen mittlerweile wieder über Saudi-Arabien in die Indische Megapolis Mumbai verabschiedet. Der in St. Petersburg aufgewachsene Artjom Simonyan hat sich im Heimatland seiner Eltern, Armenien, von Alashkert über Ararat zu Rekordmeister Pyunik hochgearbeitet und kam im November bei einer 1:9 (!)-Niederlage in Italien wieder einmal in der Nationalmanschaft zu einem Teileinsatz. Yann Fillion kam seit seit dem definitiven ablösefreien Wechsel vom FCZ in der Winterpause bisher in allen fünf „Suomen Cup“-Partien des Finnischen Zweitligisten Ekenäs zum Einsatz. Nicolas Andereggen hatte in der gleichen Zeitspanne einen Teileinsatz beim Argentinischen Zweitligisten CA Alvarado. Der ehemalige FCZ-Brasilianer Ramazotti wäre aktuell wieder zu haben, nachdem er auf seiner Weltreise in dieser Vorrunde für Daejoon Hana Citizen in der Zweiten Koreanischen Liga drei Mal getroffen, den Klub aber in der Winterpause wieder verlassen hat. Rapperswil-Jona mit Maurice Brunner und Nicolas Stettler hat in der Rückrunde noch Chancen auf den Wiederaufstieg in die Challenge League. Als prominente Neuverpflichtung kam in der Winterpause dem Vernehmen nach Bruno Morgado von Cup-Viertelfinalgegner Sion hinzu. Kay Voser kam in der Vorrunde bei Red Star zu drei Einsätzen. Andrea Guatelli spielt im Tessin beim SC Balerna in der 2. Liga Regional. Das Frauenteam des gleichen Klubs profitiert im übrigen aktuell von den Problemen bei Lugano und ist auf bestem Weg zum Aufstieg in die Nationalliga B.

Bild Züri Live – hinten von links: Christian Schneuwly, Dimitri Oberlin, Francisco Rodriguez, Yanick Brecher, Maurice Brunner, Nico Elvedi, Oliver Buff, Ivan Kecojevic, Yassine Chikhaoui. Vorne von links: Mario Gavranovic, Andres Malloth.

 

Nach St. Gallen darf der FCZ gleich nochmal im heimischen Letzigrund ran – gegen den FC Basel. Am 13. Mai (!) reichte dem Magnin-Team eine eher mässige Leistung, um den gleichen Gegner mit 4:1 zu besiegen. Dies weil die Rot-Blauen den wohl schlechtesten Auftritt seit Generationen im Letzigrund hinlegten. Normalerweise profitiert der FCB davon, dass er sich gegen «Züüri» speziell motivieren kann – häufig mehr als umgekehrt, hatte man immer wieder das Gefühl. Diesmal war es für einmal anders gewesen. Der emotionale Fokus der Basler lag auf dem Spitzenspiel gegen YB am vorangegangenen Wochenende. Man wollte unbedingt im Hinblick auf die kommende Saison gegen den neuen Schweizer Meister ein Zeichen setzen, was mit einem 5:1-Sieg auch eindrücklich gelang.

Diese 1:4-Niederlage danach in Zürich war der Anfang einer Sieglos-Serie, die bis in den August anhielt (4:2-Heimsieg gegen GC) und Trainer Raphael Wicky den Job kostete. Auch diesmal hat der FCZ einen Vorteil, da die Begegnung mit Basel in der Mitte der Europa League Playoff-Woche liegt. Man muss den Umstand, dass sich das Team von Marcel Koller zur Zeit mit den Konterspezialisten von Apollon Limassol abmüht, aber natürlich gegen einen zugegebenermassen sich generell im Aufwind befindlichen Gegner auch konsequent nutzen. Vor vier Jahren war der FCZ im Letzigrund gegen das mit denselben Leistungsträgern (Vale, Joao Pedro, Vasiliou, Stylianou oder Papoulis) angetretene Apollon ebenfalls zu einem eher erknorzten 3:1-Heimsieg gekommen (Tore für den FCZ: Djimshiti und zwei Chikhaoui-Penalties).

Vor Wochenfrist waren die Kritiken nach dem 0:0 gegen St. Gallen vernichtend gewesen. Die NZZ setzte wie so häufig die bei diesem Blatt für FCZ-Spiele schon fast zu den Standard-Textbausteinen gehörenden polemischen Attribute «einschläfernd», «uninspiriert», bzw. «Sedativ» ein. Trainer Magnin selbst in seiner fordernden Art hatte zumindest im Gespräch mit den Medien rundweg kein konstruktives Spiel seiner Mannschaft gesehen. Aber war alles wirklich so schlecht? Wenn man sich nämlich an den Beginn der Partie zurückerinnert, ging der FCZ von Anfang an Vollgas, setzte St. Gallen unter Druck und war bis in die 55. Minute die bessere Mannschaft. Danach glich sich die Partie aus, auch weil der FCZ in einzelnen Phasen als Team etwas nachliess.

Spiele gegen Zeidlers St. Gallen erinnern an solche gegen Zemans Lugano. Das Mittelfeld ist entvölkert, beide Teams kommen relativ einfach durch – ein Schlagabtausch. Der FCZ liess sich, ob gewollt oder gezwungenermassen, auf dieses Spiel ein – wohl nicht zur Freude von Trainer Magnin. Allerdings ist dessen Team über weite Strecken eher «das bessere St. Gallen». Man kommt zumindest im Ansatz zu mehr potentiell guten Torchancen. Auch wenn man die Anzahl der effektiven Abschlüsse zählt (12), so liegt diese höher, als in den ersten drei Saisonspielen gegen Thun, GC und YB. Die ersten beiden Partien konnten gewonnen werden, obwohl es da am wenigsten Abschlüsse gab! Auch bei der Anzahl Flanken, Top-Offensivaktionen sowie auch Top-Defensivaktionen zählt Züri Live gegen St. Gallen einen neuen Saisonbestwert. Und selbst die Durchschnittsnote der Spieler ist mit 6,4 besser, als in den ersten drei Meisterschaftsspielen!

Das Hauptproblem ist die fehlende Zielstrebigkeit und Gradlinigkeit im und um den gegnerischen Strafraum. Benjamin Kololli, Antonio Marchesano und vor allem Marco Schönbächler haben ein halbes Dutzend Möglichkeiten, alleine aufs von Dejan Stojanovic gehütete St. Galler Tor zu ziehen, verhindern dies aber jedes Mal selbst mit unnötigem „Hakenschlagen“. Viele der potentiell «tödlichen» letzten Pässe stammen von Toni Domgjoni. Als Domgjoni kurz vor Schluss dann endlich mit dem spät eingewechselten Michael Frey einen Adressaten findet, der bereit ist, auf direktem Weg zum gegnerischen Tor zu ziehen, wird dieser zu Unrecht aus dem Offside zurückgewunken. Der inzwischen zu Fenerbahce gewechselte Frey (hat mit 8,3 in den ersten vier Saisonspielen den besten Züri Live-Notenschnitt) war ein wichtiger Faktor, warum der FCZ in der Schlussphase nochmal sehr nahe an einen möglichen Heimsieg kam. Es fehlte aber insgesamt auch das Wettkampfglück. Beispielsweise ist die Zeit reif für ein Kopfballtor Mirlind Kryezius – auch gegen St. Gallen fehlte nach einem «Schönbi»-Eckball wieder nur sehr wenig. In demjenigen Spiel, in welchem dieses Tor dann tatsächlich fällt, hat der FCZ eine erhöhte Chance auf einen Sieg.

Schönbächler hatte Hochs, zu denen unter dem Strich auch seine vier Eckbälle gehörten (gegen YB hatte Kololli noch alle Corner getreten), aber noch etwas mehr Tiefs im Spiel. Die Hochs nahmen allerdings im Verlauf der Zweiten Halbzeit zu. Davor hatte der Urdorfer noch mehr als Sturmpartner Odey vorne lange Zeit kaum mal einen Ball verteidigen können. Der Nigerianer wurde noch vor der Pause ausgewechselt, als er wohl etwa zwischen dem Zeitpunkt der Entscheidung, ihn aus dem Spiel zu nehmen und der tatsächlichen Auswechslung gerade besser ins Spiel gefunden hatte. Ein weiterer Ansatzpunkt für den FCZ könnte die Zweikampfstatistik sein, die wie schon gegen YB auch im Duell mit St. Gallen negativ war. Das Zürcher Mittelfeld musste viel Laufarbeit verrichten – auch weil die Zürcher Aussenläufer phasenweise relativ tief standen. Von Toni Domgjoni ist man sich dies gewohnt – auffällig war gegen St. Gallen aber das Laufpensum und die Zweikampfintensität von Antonio Marchesano, der in diesen Bereichen Fortschritte zu machen scheint. Hekuran Kryeziu kann seine etwas zu schläfrige Art in der Defensiven Phase noch nicht ablegen, zeigt sich aber im Vergleich zum YB-Spiel diesbezüglich zumindest etwas verbessert. In der Offensiven Phase gibt es bei ihm sowieso keinen Anlass zur Klage.

Gar ein rundweg gelungener Auftritt gelingt dem linken Aussenläufer Pa Modou (Züri Live-MVP der Partie). Das Duell mit Gegenspieler Bakayoko entwickelte sich mit zunehmender Spieldauer zu einem Kantersieg für die Zürcher Nummer 18. Nicht zum ersten Mal zeigt sich der Gambier gegen einen seiner Ex-Klubs von seiner besten Seite. Zusammen mit Mirlind Kryeziu und Alain Nef ist er zudem für die gegen St. Gallen überdurchschnittlich gefährlichen Einwürfe zuständig. Gerade gegen einen wenig kompakt agierenden Gegner wie das Zeidler-Team kann mit gut einstudierten Einwurfvarianten schnell eine gefährliche Situation heraufbeschworen werden. Und auch Einwürfe des Gegners in dessen Spielhälfte können mit klugem Pressing besser genutzt werden.

FCZ – St. Gallen 0:0  

FCZ: Brecher; Nef, Palsson, M. Kryeziu; Rüegg (46. Winter), H. Kryeziu, Pa Modou; Marchesano (78. Frey), Domgjoni; Odey (37. Kololli), Schönbächler.

St. Gallen: Stojanovic; Bakayoko, Hefti, Vilotic, Wittwer; Quintilla; Sierro, Ashimeru; Tafer (75. Kukuruzovic), Itten (86. Buess), Ben Khalifa (46. Kutesa).

Wie seit gestern bekannt, plant der FCZ nicht mehr mit den beiden aus dem eigenen Nachwuchs stammenden Berat Djimsiti und Leandro Di Gregorio, sowie Amine Chermiti und Davide Chiumiento.

Aussenverteidiger Di Gregorio hatte sich nochmal eine Chance bei seinem Stammklub verdient, nachdem er mit Lugano aufgestiegen und dazu vor allem durch Standards 10 Assists  beigetragen hatte. In den letzten Monaten zeigte sich aber klar die für Super League-Verhältnisse mangelhafte Präsenz, Zweikampfstärke und Schnelligkeit beim Zürcher. Zudem wirkte er nicht wie einer, der um jeden Preis um seine Chance kämpfen will. Und selbst in seiner Spezialdisziplin „Standardsituationen“ wollte ihm nichts gelingen – auch bedingt durch eine gewisse Schlampigkeit. Im zweiten Saisonviertel hatte Di Gregorio bei Züri Live bei seinen wenigen Einsätzen eine Durchschnittsnote von 4 (Skala: 1 – 10).

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Freistossflanke Kukuruzovic, Kopfballverlängerung Raphael Koch, und Berat Djimsiti muss den Ball nur noch ins leere Tor schieben. Bei seinem Startelf-Début unter dem damaligen Interimstrainer Urs Meier erzielte Berat Djimsiti gleich das entscheidende Tor zum 1:0-Derbysieg im Mai 2012. Von diesem Moment an war der Stadtzürcher nun dreieinhalb Jahre ununterbrochen Stammspieler, und wurde durch Sami Hyypiä in diesem Herbst erstmals in Frage gestellt. Dies aber nur, weil Vorgänger Urs Meier mit dem Spieler aus der eigenen Academy zuvor jeweils sehr viel Geduld bewiesen hatte. Das erste Mal auf der Ersatzbank Platz genommen hatte der Verteidiger übrigens in der Allianz Arena von München 9 Monate vor seinem Startelfdébut bei der 0:2-Niederlage in der Champions League-Qualifikation.

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Nach einer guten ersten Saison wurde Djimsiti in der Folge tendenziell eher wieder schlechter. Mit zunehmender Körpermasse wurde er zu schwerfällig und die mittelmässige Technik fiel nun noch mehr ins Gewicht. Sein grösstes Problem war aber der häufig fehlende Fokus aufs wesentliche auf dem Platz, sei es im Spiel oder im Training. Spiele mit gleich drei bis fünf groben Schnitzern Djimsitis wurden immer häufiger. Der vielseitige Verteidiger kostete den FCZ gerade in der Saison 14/15 einige Punkte. An der generellen Abwärtstendenz änderte für den ehemaligen Schweizer U21-Nationalspieler auch die erfolgreiche EM-Qualifikation mit der Albanischen Auswahl nichts. Die Züri Live-Durchschnittsnote Djimsitis im zweiten Saisonviertel war 4.8, aufgewertet vor allem durch eine seltene „8“, die er sich dank eines starken Kurzeinsatzes in der Schlussphase beim Cuperfolg in Bern verdient hatte. Auf der anderen Seite der Skala stand eine „2“ bei der 1:5-Niederlage in Thun, wo Djimsitis Spielweise expemplarisch für die schlechte Teamleistung war. Schon am Tag der Bekanntgabe von Djimsitis Abgang hat sich übrigens Neuzugang Leonardo Sanchez dessen Nummer „5“ gekrallt.

Mit Amine Chermiti geht eine langjährige Offensivkraft, die sich trotzdem nie richtig zum Leistungsträger hat entwickeln können. Noch am ehesten einen Unterschied konnte der Tunesier im Europacup gegen Teams von qualitativ tieferer Qualität machen. Unvergessen sein schöner Dreierpack letzte Saison in Zlate Moravce bei Spartak Trnava. Und in der aktuellen Saison war er der einzige Zürcher, welcher im diesmal kurzen Europacupabenteuer den Ball über die Linie bugsieren konnte. Diese Spiele erinnerten Chermiti wohl immer auch an seinen grössten Erfolg, den Gewinn der Afrikanischen Champions League im November 2007 mit Etoile Sportive du Sahel, als der flinke Stürmer acht Tore in elf Partien erzielte, darunter das Game-Winning Goal im Final in der „Höhle des Löwen“ in Kairo gegen Favorit Al-Ahly – in der 93.Minute! Chermitis Züri Live-Note im zweiten Saisonviertel ist eine 4.5, und bewegt sich dabei zwischen einer „6“ (gegen Vaduz) und einer „3“ (in Thun).

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Neben der „2“ (Di Gregorio), der „5“ (Djimsiti) und der „9“ (Chermiti), trägt auch der vierte aussortierte Spieler eine Startelf-Nummer – mit Davide Chiumiento geht die Nummer „10“ des FCZ. Chiumiento war sicherlich ein Spieler, an dem sich die Geister schieden. Er kam vor dreieinhalb Jahren gleichzeitig mit Djimsiti, Da Costa, Gavranovic und Kukeli in die Mannschaft. Zusammen mit Oliver Buff war er der beste Techniker im Team, sorgte aber auch lange Zeit für ein Verschleppen und Verlangsamen des Zürcher Spiels. Zu Beginn der Saison 14/15 schien sich alles doch noch zum Guten zu wenden. Der Appenzeller hatte mehr Selbstvertrauen getankt, war fit wie schon lange nicht mehr, und fing plötzlich auch noch an, regelmässig zu treffen. Das Aarau-Spiel mit der Verletzung von Yapi, und den häufigen Ausfällen von Kukeli, war dann für Chiumiento genauso wie fürs ganze Team die entscheidende Zäsur, welche diesen Aufschwung wieder bremste. Es fehlte in der Folge die spielintelligente und technisch starke Absicherung im Rücken von Chiumiento und Co. – die Balance im Zürcher Spiel ging verloren, des Gegners Bälle konnten nicht mehr so schnell zurückerobert werden. Dazu kam in der Rückrunde eine ganze Serie von unglücklichen Schiedsrichterentscheiden gegen den FCZ, zu welchen auch die zu harte Rote Karte (inkl. 2 Spielsperren) gegen Chiumiento (Tackling mit angewinkelten Beinen, viel Theatralik bei Delgado) in Basel gehörte.

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Interessant zu beobachten im Hinblick auf die kommende Saison war gestern zudem eines der ersten Freundschaftsspiele nach der Winterpause zwischen Basel und Biel (3:2) auf dem zum grössten Teil von FCB-Ehrenpräsidentin Gigi Oeri gesponserten Nachwuchs-Campus in Münchenstein, nahe des St.Jakob Parks. FCZ-Verpflichtung Antonio Marchesano spielte in der defensiven Phase als hängende Spitze hinter Gaëtan Karlen, wich bei Ballbesitz aber häufig auf die Seiten aus und fütterte seine Mitspieler mit vielen langen präzisen Bällen. Der Tessiner bringt in gewissen Bereichen ähnliche Qualitäten wie Buff oder Chiumiento mit. Ebenfalls gut sichtbar war allerdings, dass der Tessiner Offensivmann in Laufduellen mit den Basler Verteidigern keinen Stich hatte. Der aus der FCZ Academy nach Biel ausgeliehene Mirlind Kryeziu spielte nach der Rückkehr von Beg Ferati zum FC Sion ebenfalls von Beginn weg in der Innenverteidigung. Der 18-jährige hatte den einen oder anderen technischen Fehler und Stellungsfehler in seinem Spiel, und benötigt sicherlich noch viel Erfahrung auf Niveau Challenge League, bevor er einmal für die Super League zum Thema werden könnte. Mit höchster Wahrscheinlichkeit in Zukunft nicht mehr zum FCZ zurückkehren wird Maurice Brunner, der bei einer Topchance alleine vor dem Basler Tor den Ball wie so häufig (erfolglos) querlegte, anstatt den Abschluss selbst zu suchen.

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Grasshopper Club Zürich – FC Zürich 5:0 (1:0)

Letzigrund – 14 000 Zuschauer – SR Schärer

Tore: 15. Dabbur 1:0, 58. Ravet (Källström) 2:0, 64. Tarashaj (Ravet) 3:0, 71. Caio (Källström) 4:0, 91. Källström (Brahimi) 5:0

Grasshopper Club: Vasic; Bauer, Pnishi, Gülen, Lüthi; Ravet (82. Gjorgjev), Basic, Källström, Caio (85. Kamberi);  Tarashaj (80. Brahimi), Dabbur. 

Zürich: Favre; Brunner, Nef, Djimsiti, Vinicius; Buff, Grgic, Yapi, Bua; Gavranovic (67. Chermiti), Etoundi (67. Sadiku).

FC Zürich – FC Lugano 5:3 (3:2) 

Letzigrund – 7277 Zuschauer – SR San

Tore: 15. Yapi 1:0, 27. Culina (Sabbatini) 1:1, 30. Djimsiti (Etoundi) 2:1, 38. Urbano 2:2, 42. Grgic (Bua) 3:2, 60. Bua (Vinicius) 4:2, 64. Culina (Sabbatini) 4:3, 68. Gavranovic (Nef) 5:3

Zürich: Favre; Koch, Nef, Djimsiti, Vinicius; Buff (84. Di Gregorio), Grgic, Yapi, Bua (89. Simonyan); Gavranovic (81. Chermiti), Etoundi. 

Lugano: Valentini; Markaj, Urbano, Datkovic, Veseli; Sabbatini, Rey (74. Pusic), Crnigoj; Tosetti (82. Donis), Rossini (74. Susnjar), Culina.

Dem FCZ gelingt beim Cup-Achtelfinal auswärts in Bern eine seiner besten Leistungen der Saison. Hervorstechend ist vor allem die Defensivleistung des gesamten Teams mit insgesamt 25 defensiven Top-Aktionen. Wie in den letzten Partien fast immer steht auch diesmal Cédric Brunner an der Spitze dieser Wertung. Cup-Goalie Anthony Favre zeigte zudem seine bisher beste Leistung im FCZ-Dress.

1511 yb - fcz cup match performance

Mann des Spiels war aber natürlich Kevin Bua mit zwei Toren und einem Assist. Das Team von Trainer Hyypiä kam dank Konterfussball zu wenigen, aber dafür sehr guten Torchancen, von welchen rund 40% (drei von sieben) genutzt werden konnten.

1511 yb - fcz cup match stats

Ganz ohne defensive Fehler ging es auch diesmal nicht. So verursachte Cabral mit einem Fehlpass in der ersten Halbzeit eine gute YB-Torchance Kubos, und machte im zweiten Durchgang wortwörtlich Platz für Zakaria, damit dieser unbehelligt durch die Mitte nach vorne stossen und den 1:1-Ausgleich Gerndts auflegen konnte.

 

Vielleicht wäre es sinnvoll, Sami Hyypiä würde gegenüber den Spielern ab jetzt vor jedem Match behaupten, es sei Cup. Der FCZ gewinnt dank einem leichten Plus an klaren Torchancen gegen ein durchaus gut spielendes YB, und einer engagierten und solidarischen Leistung den Cup-Achtelfinal von Bern verdient mit 3:1. Mann des Spiels ist Kevin Bua mit zwei schönen Toren und einer Torvorlage. Es wachsen aber auch andere Spieler über sich hinaus – so spielt Anthony Favre bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung eine sehr gute Partie, und der zu Beginn etwas fahrige Vinicius steigert sich von Minute zu Minute. Djimsiti ist zudem diesmal als Einwechselspieler voll bei der Sache und kann den gut antizipierenden und ebenfalls angeschlagen ausgewechselten Cédric Brunner ersetzen. Anthony Favre, welcher nach dem Stürmerfoul von Yuya Kubo ausgewechselt werden musste, wurde in der Kabine mit fünf Stichen über dem Auge genäht.

BSC Young Boys – FC Zürich 1:3 (0:0)

Stade de Suisse Wankdorf – 10 010 Zuschauer – SR Jaccottet

Tore: 62. Bua (Etoundi) 0:1, 65. Gerndt (Zakaria) 1:1, 83. Schneuwly (Bua) 1:2, 86. Bua (Gavranovic) 1:3

Young Boys
: Mvogo; Hadergjonaj, Wüthrich (87. Tabakovic), Vilotic, Benito; Steffen, Zakaria, Bertone, Sulejmani (31. Nuzzolo); Gerndt, Kubo.

Zürich: Favre (74. Brecher); Koch, Nef, Brunner (80. Djimsiti), Vinicius; Schneuwly, Cabral, Yapi, Bua; Gavranovic (90. Grgic), Etoundi.

FCZ-Trainer Sami Hyypiä verlangt von seinen Spielern, auf dem Feld viel mehr miteinander zu kommunizieren. In Thun haben dies die Spieler tatsächlich beherzigt und umgesetzt. Es wurde untereinander so viel gesprochen und dirigiert, wie selten zuvor. Die Spieler scheint dies aber eher aus dem Konzept gebracht zu haben. Hauptsächlich wird dem Mitspieler angezeigt, welchen Spieler er decken soll im Sinne von „Nimmen Du…“, dabei verpennt der dirigierende Spieler in der Regel gleichzeitig aber seine eigene Aufgabe.

1510 Thun FCZ 11 buess

1510 Thun FCZ 21 Buess

1510 Thun FCZ 31 Buess

 

1510 Thun FCZ 41 Schirinzi 2

1510 Thun - FCZ 51 Munsy