Das nennt man wohl „eine Geschichte, wie sie nur der Fussball schreiben kann“. Nach seinem für Klub und Spieler wenig erfreulichen halbjährigen Engagement beim FC Zürich trifft Denis Popovic in seinem ersten Spiel für den neuen Klub Krylya Sovetov Samara ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Orenburg – und bringt sein neues bereits früh in Unterzahl agierendes Team aus kurzer Distanz per Kopf 1:0 in Führung – das zweite Kopfballtor seiner Karriere. Der auf der 10-er Position agierende Slowene bereitete später mit einem guten Pass in die Tiefe eine „hundertprozentige“ Chance zum 2:0 vor, musste mit seiner Mannschaft aber kurz vor Schluss noch das 1:1 hinnehmen. Nach dem Unentschieden im Abstiegskampf bleibt Samara auf einem Relegationsplatz, der Punkteabstand ins Mittelfeld ist aber nicht gross.

In der 2. Bundesliga lief an diesem Wochenende alles für Arminia Bielefeld und Cédric Brunner: 1:0 Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden (mit Heinz Lindner im Tor) während die Aufstiegskonkurrenten Stuttgart, HSV und Heidenheim allesamt verloren. Als Leader der Liga haben die Arminen nun neun Punkte Vorsprung auf den „Barrage-“ und 12 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Dazu beigetragen hat auch Victor Palsson, der bei einem frühen Darmstadt-Konter zum 2:0 gegen Heidenheim per Absatz die Vorlage lieferte.

Noch zu wenig produktiv, aber immer wieder für Unterhaltung gut ist ebenfalls in der 2. Bundesliga Michi Frey mit dem abstiegsgefährdeten Traditionsklub Nürnberg. In seinem ersten Startelfeinsatz für Osnabrück  sah Assan Ceesay vor zwei Wochen eine hart gepfiffene Rote Karte wegen einem Hohen Bein im eigenen Strafraum (Gegenspieler Carlson hatte Kopf tief) und ist immer noch gesperrt. Der vom FCZ an Holstein Kiel verliehene Salim Khelifi hat seit dem Trainerwechsel von André Schubert zu Ole Werner immer mehr an Status verloren und ist jeweils nicht mehr im Matchkader anzutreffen. Bei Trainer Urs Fischer ist Admir Mehmedi schon in der U21 aufgelaufen und hat bis heute in seiner Karriere unter keinem Coach mehr Spiele (80) absolviert. Am Sonntag holte er mit Wolfsburg bei Fischer’s Union ein 2:2 und bleibt auf einem Europacupplatz – fünf Punkte vor seinem Ex-Trainer. Ricardo Rodriguez hat in der Eredivisie für PSV schon fünf Partien und zuletzt gegen Feyenoord 1:1 Unentschieden gespielt. Eindhoven ist in dieser Zeit vom fünften auf den vierten Platz vorgestossen.

Bruder Roberto spielt in Uerdingen viel (2 Tore, 9 Assists diese Saison bisher), kommt aber mit dem ambitionierten Klub in der 3. Liga nicht vom Fleck – zur Zeit nur Rang 11. Der ebenfalls nach Uerdingen gewechselte 1,68.m-Linksverteidiger Hakim Guenouche kommt dort kaum zum Einsatz, während Andreas Maxsö relativ schnell zurück nach Dänemark weitergezogen ist und dort beim viertplatzierten Traditionsklub und ehemaligen Europacupgegner Bröndby mittlerweile Captain ist. Vier Punkte hinter Bröndby liegt Aalborg, das vor Wochenfrist mit Rasmus Thelander in der Innenverteidigung das Maxsö-Team auch dank einem Tor und Assist von Ex GC-Offensivmann Lucas Andersen mit 3:2 besiegen konnte. In der 3. Liga auf dem letzten Platz liegt Carl Zeiss Jena mit Kilian Pagliuca, der mit zwei Toren und fünf Assists eine Zeit lang Stammspieler war, nach einer Rotsperre (zwei Grätschen hintereinander von hinten in Braunschweig) aber aktuell etwas aussen vor ist.

https://www.youtube.com/watch?v=WgCm4Se5mNs

Nico Elvedi gehört zu den konstantesten Verteidigern der Bundesliga und ist mit Borussia Mönchengladbach unter dem ehemaligen Salzburg-Trainer Marco Rose im Spitzenquintett der Liga dabei. Bei „Transfermarkt“ ist Elvedi mit 35 Mio Euro nach Teamkollege Denis Zakaria und gleichauf mit Manuel Akanji der zweitwertvollste Schweizer Spieler. Djibril Sow hat seinen Stammplatz bei der SGE im Moment an den Österreicher Stefan Ilsanker (in der Winterpause von Leipzig gekommen) verloren. Josip Drmic kommt bei Norwich City in der Premier League nach seiner Oberschenkelverletzung wieder regelmässig als Joker zum Einsatz. Berat Djimsiti, Stammspieler beim Italienischen Team der Stunde, Atalanta, musste beim 7:2-Sieg in Lecce wegen muskulären Problemen pausieren, die er sich beim Aufwärmen zum Champions League-Achtelfinal-Hinspiel gegen Valencia zugezogen hatte. Der in der Winterpause zu Inter gewechselte Innenverteidiger Andi Hoti ist dort Stammspieler in der U17. Marin Cavar ist bei Serie B-Aufstiegskandidat Chievo Verona unter Vertrag. Nach vier starken Einsätzen in der Startformation beim FC Winterthur letzten Frühling wollten ihn die Venetier unbedingt und verpflichteten ihn trotz eines in einem Testspiel gegen Stuttgart erlittenen Kreuzbandrisses.

Joël Untersee blieb nach seiner Rückkehr vom FCZ nach Italien nicht bei Empoli und ist seit einem halben Jahr vereinslos. Loris Benito (ein Saisontor) steht in der Regel bei Girordins Bordeaux (12. Platz) in der Startformation. Neun Punkte hinter Benito in akuter Abstiegsgefahr befindet sich mit Nîmes der in der Winterpause von Dresden nach Südfrankreich gewechselte Moussa Koné. Gleich bei seinen ersten beiden Teileinsätzen in Nizza und gegen Angers gelang dem Senegalesen je ein Tor. Ivan Kecojevic hat in der LaLiga2 von der Atlantikküste (Cadiz) etwas ins Landesinnere (Albacete) gewechselt. In derselben Liga ist Armando Sadiku (Malaga) mit zehn Treffern auf Platz Sieben der Torschützenliste. Raphael Dwamena (Real Zaragoza) ist hingegen seit Anfang Oktober ausser Gefecht und musste sich einer Herzoperation unterziehen.

Maren Haile-Selassie wird bei Xamax weiterhin regelmässig eingewechselt und schlägt dann jeweils auch die Standards. Arbenit Xhemajli hat sich im gleichen Team mittlerweile etabliert. Ganz allgemein spielen bei der Mehrzahl der Super League-Teams mindestens zwei Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs (unter anderem Saidy Janko, Christian Fassnacht, Anto Grgic, Filip Stojilkovic, Noah Lovisa, Miro Muheim, André Ribeiro, Francisco Rodriguez). Piu Da Costas Highlight der Vorrunde war das 1:1 in der Europa League auswärts beim grossen Favoriten Dynamo Kyiv, welcher dadurch die K.O-Runde verpasste – bis zur 94. Minute hatte Lugano bei einem Schussverhältnis von 31:7 zugunsten von Dynamo sogar noch mit 1:0 geführt. Fabio Dixon hat beim Challenge League-isten FC Chiasso bisher in 15 Partien fünf Torvorlagen liefern können, zuletzt letzte Woche beim 2:0-Heimsieg gegen Wil. Bei diesem Heimsieg stand auch Izer Aliu als „Sechser“ erstmals in der Startaufstellung der Tessiner. Auf Wiler Seite standen zudem Fabian Rohner sowie Lindrit Kamberi in der Startformation, Bledian Krasniqi (in der Vorwoche noch krank) und Kastrijot Ndau wurden eingewechselt. Shkelzen Gashi ist zurück beim FC Aarau,  wird aber noch nicht eingesetzt. Auf dem Brügglifeld gespielt hat letzte Woche der weiterhin vom FCZ ausgeliehene Albin Sadrijaj (wie üblich im Zentralen Mittelfeld) bei einem 4:4-Torspektakel und hat dabei mit dem 1:0 für den SC Kriens (wo Burim Kukeli Captain ist) in der 23. Minute sein erstes Profitor erzielt. Oli Buff hat bei GC noch keinen Skorerpunkt erzielt.

Jorge Teixeira ist bei St. Truiden (12.) in Belgien nach einer Hüftverletzung wieder daran, sich in die Mannschaft zurückzukämpfen. Dimitri Oberlin hat bei Zulte Waregem (9.) seit September kein Tor mehr erzielt. Stephen Odey ist bei Genk (7.) Joker und vermochte in der Champions League beim Heim-1:4 gegen Liverpool den „Ehrentreffer“ für die Belgier zu markieren.  Mario Gavranovic ist bei Dinamo Zagreb zur Zeit ebenfalls Joker und hat erst vier Liga-Saisontore auf seinem Konto. Ebenfalls in der obersten Kroatischen Liga engagiert ist neben Torhüter Osman Hadzikic (Inter Zapresic) auch Franck Etoundi bei Slaven Belupo Koprivnica. Asmir Kajevic kommt bei der Belgrader Nummer drei Cukaricki (5. Platz) in der Serbischen Version der „Super Liga“ (neben der Schweiz und Serbien tragen auch die obersten Ligen in Argentinien, der Türkei, China, Dänemark, Usbekistan, Malaysia, Indien und Griechenland diese Bezeichnung) in jedem Spiel zum Einsatz. Avi Rikan ist Captain beim Israelischen Spitzenreiter Maccabi Tel Aviv. Pedro Henrique hat in der Türkischen „Süper Lig“ bei Kayserispor (letzter Platz, heute Heimspiel gegen Göztepe) schon sieben Tore erzielt und zwei Gelb-Rote Karten gesehen. In der 13. Runde war der heissblütige Brasilianer nach vier Gelben Karten zusätzlich zu den zwei Gelb-Roten bereits zum dritten Mal gesperrt.

Adis Jahovic spielt seine dritte Saison in der Süper Lig beim vierten Verein und liegt aktuell auf der Torschützenliste hinter Alexander Sörloth (Trabzonspor) und Papiss Demba Cissé (Alanyaspor) und gemeinsam mit Vedat Muriqi (Fenerbahce) mit 12 Treffern auf dem Dritten Platz. Schon in der Saison 17/18 war Jahovic drittbester Torschütze der höchsten Türkischen Spielklasse hinter den Starstürmern Bafétimbi Gomis (Galatasaray) und Burak Yilmaz (Trabzonspor) gewesen. Bei Antalyaspor spielt der Nordmazedonier seit der Winterpause an der Seite von Lukas Podolski. Insgesamt kommt Jahovic in seiner Karriere im Ligafussball bisher auf 126 Tore in 284 Spielen. Der 35-jährige Gökhan Inler ist bei Europa League-Achtelfinalteilnehmer Basaksehir Ergänzungsspieler, genauso wie dessen leicht jüngerer ehemaliger Teamkollege Raffael bei Gladbach. Wie Inler in Istanbul engagiert ist Innocent Emeghara (sechs Saisontore bisher) bei einem Zweitligisten mit Aufstiegschancen in die Süper Lig: Fatih Karagümrük ist der einzige Klub, der im ältesten Teil der Stadt, dem ehemaligen Konstantinopolis, in einem wohl kaum Süper Lig-tauglichen Stadion spielt.

Dusan Djuric spielt bei seinem Stammklub Halmstad in der Superettan (Zweite Schwedische Liga) immer noch Zuckerpässe auf grosse Distanzen und trifft mit schönen Weitschusstreffern. Davide Mariani hat beim emiratischen Tabellenführer Shabab Dubai im letzten Monat nicht gespielt, nachdem er zuvor Stammspieler gewesen war. Yassine Chikhaoui kommt bei Etoile Sportive du Sahel wie einstweilen beim FCZ sporadisch zum Einsatz und für ihn muss bei diesen Gelegenheiten dann ebenfalls jeweils die Aufstellung und Spielausrichtung angepasst werden. Amine Chermiti hat sich hingegen mittlerweile wieder über Saudi-Arabien in die Indische Megapolis Mumbai verabschiedet. Der in St. Petersburg aufgewachsene Artjom Simonyan hat sich im Heimatland seiner Eltern, Armenien, von Alashkert über Ararat zu Rekordmeister Pyunik hochgearbeitet und kam im November bei einer 1:9 (!)-Niederlage in Italien wieder einmal in der Nationalmanschaft zu einem Teileinsatz. Yann Fillion kam seit seit dem definitiven ablösefreien Wechsel vom FCZ in der Winterpause bisher in allen fünf „Suomen Cup“-Partien des Finnischen Zweitligisten Ekenäs zum Einsatz. Nicolas Andereggen hatte in der gleichen Zeitspanne einen Teileinsatz beim Argentinischen Zweitligisten CA Alvarado. Der ehemalige FCZ-Brasilianer Ramazotti wäre aktuell wieder zu haben, nachdem er auf seiner Weltreise in dieser Vorrunde für Daejoon Hana Citizen in der Zweiten Koreanischen Liga drei Mal getroffen, den Klub aber in der Winterpause wieder verlassen hat. Rapperswil-Jona mit Maurice Brunner und Nicolas Stettler hat in der Rückrunde noch Chancen auf den Wiederaufstieg in die Challenge League. Als prominente Neuverpflichtung kam in der Winterpause dem Vernehmen nach Bruno Morgado von Cup-Viertelfinalgegner Sion hinzu. Kay Voser kam in der Vorrunde bei Red Star zu drei Einsätzen. Andrea Guatelli spielt im Tessin beim SC Balerna in der 2. Liga Regional. Das Frauenteam des gleichen Klubs profitiert im übrigen aktuell von den Problemen bei Lugano und ist auf bestem Weg zum Aufstieg in die Nationalliga B.

Bild Züri Live – hinten von links: Christian Schneuwly, Dimitri Oberlin, Francisco Rodriguez, Yanick Brecher, Maurice Brunner, Nico Elvedi, Oliver Buff, Ivan Kecojevic, Yassine Chikhaoui. Vorne von links: Mario Gavranovic, Andres Malloth.

 

Vor einer Woche ist Nico Elvedi erstmals für die Schweizer Nationalmannschaft aufgeboten worden. Angesichts der schon lange schwelenden Abwehrprobleme in der Landesauswahl möchte man beifügen: Endlich!

Der Zürcher Defensivmann hatte schon letzte Saison beim FCZ auf A-Nationalmannschaftsniveau gespielt, wurde vom Verband aber in der U19(!)-Nationalmannschaft eingesetzt. Auch im Verein wurde Elvedi letzten Mai nochmal für den Blue Stars/FIFA Youth Cup aufgeboten, wo er ebenfalls ziemlich unterfordert wirkte. So kommt es, dass der aus der FCZ Academy stammende heutige Gladbacher nur drei Tage nach seinem ersten U21-Länderspiel gegen England (1:1) auch gleich noch zu seinem Début in der Nationalmannschaft kommen könnte. Und dies im Letzigrund, seinem Heimstadion!

Beim enttäuschenden Auftritt in Dublin gegen Irland (0:1), war Blerim Dzemaili noch einer der wenigen Eidgenossen gewesen, die positiv auf sich aufmerksam machen konnten. In Abwesenheit von Gökhan Inler und weiterhin ohne den spielstarken Almen Abdi (wie lange noch?) konnte der in Zürich-Seebach aufgewachsene FCZ-ler als einziger mit seinem Direktspiel die gegnerische Abwehr ein wenig in Verlegenheit bringen.

Anto Grgic lief sich derweil bei der U21-Nati gegen England an der Seitenlinie vergeblich ein. Trainer Heinz Moser setzte im Zentrum neben dem YB-Duo Bertone/Zakaria weiterhin auf den gegen die wuchtigen Engländer doch etwas zu leichtgewichtigen Sechser Musa Araz vom FC Winterthur.  Auch als Zakaria ausgewechselt wurde, kam nicht Grgic in die Partie, sondern der seit längerer Zeit stagnierende Salim Khelifi. Grgics Handicap ist, dass er erst im Winter zur U21-Nati stossen durfte – nach einem eher unverständlichen kurzen Zwischenschritt in der U20 im Herbst, wo Grgic als Captain zwei Tore zum 3:2-Sieg in Polen beitrug (das Siegestor erzielte Elvedi) und auch beim 1:1-Unentschieden in Italien das Mittelfeld anführte.

Nur auf Pikett aufgeboten für die U20-Nationalmannschaft waren dieses Wochenende Maxime Dominguez, Kilian Pagliuca, Aldin Turkes und Diego Zoller. Mit Ausnahme von Dominguez standen sie alle in der Startformation der II.Mannschaft, die bei Brühl St.Gallen eine weitere bittere 3:4-Niederlage einstecken musste, wobei Turkes eines und Pagliuca zwei Tore erzielten. Ebenfalls zur Petrosyan-Truppe stiess nach dem 1:1-Unentschieden gegen Deutschland in Freiburg im Breisgau Verteidiger Michael Kempter. Novem Baumann, Nils Von Niederhäusern und Nicolas Stettler blieben hingegen beim Team von Auswahltrainer Reto Gertschen für das Rückspiel in Delémont, welches ebenfalls 1:1 ausging.

Stettler spielte als Rechtsverteidiger und Captain von Beginn weg, Von Niederhäusern wurde in der Schlussphase auf dem rechten Flügel eingewechselt, Baumann wurde nicht eingesetzt. Die Schweiz war in dieser Partie die bessere Mannschaft und hätte den Sieg verdient gehabt. Ein unglücklicher „Hands“-Penalty nach einer Intervention von Nicolas Bürgy (Wohlen) führte nach der Spielmann-Führung und weiteren Schweizer Topchancen zum Ausgleich. Die Stärke der Schweizer lag dabei aber vor allem im Mittelfeld und Sturm. Torhüter Marzino und auch die Abwehrreihe inklusive Stettler (hatte gegen Leon Guwara von Werder Bremen seine liebe Mühe) war am Anschlag, und war häufig nicht über alle Zweifel erhaben.

Die U19-Nationalmannschaft von Claude Ryf kann nach den klaren Niederlagen gegen die Türkei (1:4) und Italien (0:2) die EM-Endrunde in Aserbaidschan abschreiben. Der aus der FCZ Academy hervorgegangene Djibril Sow (Gladbach) ist der Dreh- und Angelpunkt, und beste Spieler dieses Teams. Dem Mittelfeldspieler gelang zum Auftakt gegen die Türkei mit der 1:0-Führung in der 5.Minute denn auch das bisher einzige Schweizer Tor des Turnieres. Ex-FCZ-Stürmer Dimitri Oberlin (Salzburg) ging hingegen bisher leer aus.

Burim Kukeli wurde bei der 1:2-Niederlage Albaniens in Österreich in den Schlussminuten für Taulant Xhaka eingewechselt. Aleksandr Kerzhakov feierte trotz einer leichten Muskelverletzung eine erfolgreiche Rückkehr ins Russische Nationalteam und legte nach seiner Einwechslung zur Halbzeit beim 3:0-Sieg gegen Litauen dem 19-jährigen Aleksandr Golovin dessen erstes Nationalmannschaftstor zum 2:0 auf. Kerzhakov hatte sich in seiner typischen Art mit einem Zickzack-Laufweg im Strafraum freigelaufen, seine Ballannahme und Weiterleitung zeugten zudem von seiner starken Technik.

Noch vier Tage bis zum Saisonstart gegen YB. Wie hat sich im Sommer die Situation im Kader des FCZ entwickelt? Mit David Da Costa, Andres Malloth, Nico Elvedi, Raphael Koch, Mirlind Kryeziu (Leihe), Djibril Sow, Maurice Brunner, Dimitri Oberlin und Patrick Rossini haben neun Spieler aus der 1.Mannschaft und der U21 den FCZ verlassen, ausser Rossini alle aus der FCZ Academy stammend. Für Elvedi, Sow und Oberlin hat der FCZ rund 10 Millionen Franken eingenommen, was unter anderem hilft, die umfangreichen Investitionen in die Nachwuchsabteilung zu refinanzieren.

Der Stamm bleibt

Elvedi, Sow und Oberlin hätten die 1.Mannschaft in den kommenden Spielzeiten wesentlich verstärken können. Eine Schwächung des Stamms, welcher in der letzten Vorrunde über weite Strecken gute Resultate erzielt hatte, stellen diese Abgänge aber nicht dar. Das Kader wurde zudem mit jungen Spielern aufgefrischt, dazu kommt der erfahrenere Adilson Tavares Varela („Cabral“) auf der Positions des „Sechsers“, welche letzte Saison verletzungsbedingt zur Achillesferse geworden war.

Die Konkurrenz rüstet auf

YB, Luzern (zweitbestes Rückrundenteam) und Sion (Cupsieg) sind nach den Eindrücken der letzten Saison und speziell der Rückrunde im Aufwind. Thun zeigt viel Konstanz auf hohem Niveau und war zuletzt gerade für Teams wie den FCZ schwer zu bezwingen. Lugano wird versuchen mit Trainer Zeman und italienischen Toptalenten die Liga aufzumischen. Mit den Investitionsmöglichkeiten von Basel, YB und Sion in die 1.Mannschaft kann der FCZ nicht mithalten. Der Zürcher Stadtclub hat aber weiter weiterhin eines der spielerisch besten Teams der Liga. Entscheidend wird sein, dass Mittelfeld und Sturm die Abwehr im defensiven Spiel ohne Ball tatkräftig und effektiv unterstützen können, so dass der Ball wieder schneller zurückerobert werden kann, wie dies über weite Strecken der Vorrunde mit dem damaligen Personal gut funktioniert hat.

Taktik: mehr Optionen

Das 3-5-2 System kam der Mannschaft letzte Saison so lange entgegen, wie das Personal dafür vorhanden war. Die Umstellung auf eine Viererabwehr war im besten Spiel der letzten Saison zu Hause gegen Villareal (3:2) noch ein Überraschungscoup gewesen. Danach wurde es aber aufgrund der Verletzungen von Schönbächler, Yapi und Kukeli mehr und mehr zu einer Notwendigkeit. Die Sommervorbereitung deutet darauf hin, dass diese Abwehrformation vorläufig beibehalten werden wird, in der Form eines 4-1-4-1, oder je nach Gegner oder Situation auch als 4-4-2. Trotzdem bleibt das 3-5-2 eine Option, zumal im Gegensatz zur letzten Saison mit Cabral, Di Gregorio oder Kleiber auf den für dieses System entscheidenden Positionen nun valable Alternativen vorhanden sind.

Fazit: Europacupplatz in der Liga, Europa League-Gruppenphase und ein gutes Abschneiden im Cup als Ziel sind in der kommenden Saison durchaus möglich und realistisch.

Gegenüber dem Heim-2:2 gegen den FC Vaduz ist für den FCZ beim formstarken Luzern (sechs Siege und ein Unentschieden in den letzten sieben Partien, Auswärtssiege in Basel und Bern) im Direktduell um einen Europa League-Platz eine klare Leistungssteigerung notwendig, um eine Chance auf Punkte zu haben. Eine Leistung wie in Thun ist mindestens nötig, um einen Punkt zu holen, welcher für den FCZ sicherlich ein Erfolg wäre. So wäre das Erreichen des vierten Platzes weiterhin aus eigener Kraft möglich. Seit zwei Jahren konnte der FCZ gegen Luzern nicht mehr gewinnen – in dieser Zeit setzte es sechs Niederlagen und ein Unentschieden. Gegen kein Team hat Zürich eine solch schlechte Bilanz. Dazu wurde an Auffahrt auch der Final im FIFA/Blue Stars Cup gegen die Junioren von Luzern verloren.

Beim FCZ ist Kecojevic fraglich und würde allenfalls wohl von Nico Elvedi ersetzt. Ein Dreiermittelfeld mit Kukeli, Buff und Chiumiento (oder Rikan) und eine Flügelzange mit Schneuwly und Chikhaoui bleibt die favorisierte Formation von Züri Live, ein 4-4-2 ist aber wahrscheinlicher.

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Luzern muss wohl weiterhin auf die verletzten Innenverteidiger Rogulj und Puljic verzichten, dazu kommen die gesperrten Doubai und Lezcano. Der FCZ, welcher selber in dieser Rückrunde viele Sperren zu verkraften gehabt hatte, ist diesmal also diesbezüglich im Vorteil. Jahmir Hyka ist als Lezcano-Ersatz etwas wahrscheinlicher, als Adrian Winter. Für Doubai könnte der 19-jährige Nicolas Haas zum dritten Mal von Beginn weg zu Zuge kommen.  Die Alternative wäre Alain Wiss im Mittelfeld einzusetzen und Sally Sarr in der Abwehr zu bringen.

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Der FCZ beginnt gut, und ist auf dem besten Weg zu einem positiven Ergebnis, bis der Penaltyentscheid mit dem 0:1-Treffer durch den ansonsten eher blassen Guillaume Hoarau in der 38.Minute die Mannschaft aus dem Tritt bringt. Danach ist gerade von den Führungsspielern zu wenig Willen und Selbstvertrauen erkennbar, die Partie noch zu drehen, wozu noch mehr als genug Zeit gegen einen an diesem Tag auch nicht wirklich überzeugenden Gegner zur Verfügung stand.

FC Zürich – BSC Young Boys 0:1 (0:1)

Letzigrund – 9169 Zuschauer – SR Schärer

Tor: 38. Hoarau (Foulpenalty) 0:1

Zürich: Brecher; Elvedi, Nef, Kecojevic, Djimsiti; Rodriguez (61. Gavranovic), Chiumiento, Cédric Brunner (70. Sarr), Schneuwly (79. Sadiku); Chikhaoui, Etoundi

Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, Vilotic, von Bergen, Sutter; Sanogo (71. Gajic), Bertone; Steffen, Gerndt (86. Nuzzolo), Zarate (80. Lecjaks); Hoarau

Ausgerechnet in der Woche vor dem Spiel in Aarau trainiert Gilles Yapi wieder mit Ball! Der Ivorer kämpft sich auf dem Nebenplatz unterstützt von Athletiktrainer Tobias Powalla wieder an die Mannschaft heran, bereits auch mit leichten Übungen mit Ball zusammen mit dem zu Beginn der Saison so kongenialen Mittelfeldpartner Burim Kukeli. Dies sechseinhalb Monate nachdem Gegenspieler Sandro Wieser Yapis Karriereende mutwillig in Kauf genommen hatte.

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In derselben Partie hatte Nico Elvedi per Kopf das bisher einzige Tor in den drei Duellen zwischen dem FC Zürich und dem FC Aarau in dieser Saison erzielt. Elvedi war in jenem Spiel bei der Ausführung eines Einwurfes von einem Gegenstand aus dem Aarauer Fansektor am Kopf getroffen worden. Gesperrt ist aber nun am Samstag im Brügglifeld der Sektor der FCZ-Gästefans. Ob eine solche Massnahme wirklich zielführend ist, vor allem für die Situation ausserhalb des Stadions, wo wie immer am meisten Gefahr droht? Im Stadion selbst hatten in den letzten Jahren ja einzig die FCB-Fans einmal für Tumulte gesorgt gehabt.

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Zurück zum FCZ-Training vom Donnerstag: Marco Schönbächler ist der dritte im Bunde auf dem Nebenplatz – begleitet vom medizinischen Leiter Stefan Rausch versucht er einige Schüsse aufs Tor zu bringen, muss diese Übung aber bald abbrechen. Der „Flügelflitzi“ ist noch mitten in der Leidenszeit, während Yapi nach seinen Übungen bereits am Spielfeldrand sehnsuchtsvoll den Kollegen beim Training zuschaut, und den Tag herbeisehnt, wann er wieder voll im Mannschaftstraining dabei sein kann. So wie Oliver Buff, welcher wieder voll mittun kann. Die lange Verletzten- und Gesperrtenliste auf Urs Meiers Kaderliste lichtet sich langsam wieder. Dieser drängt seine Mannen in den Übungen immer wieder darauf, auch im Training im Abschluss voll fokussiert zu sein. Denn wer im Training nicht trifft, trifft häufig danach auch im Spiel nicht…

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Statistik:

Tore: 1 – Etoundi

Torchancen: 7  –  Rikan (2), Gavranovic, Nef, P.Koch, Kajevic, Elvedi

Vorlagen (zu Toren und Torchancen):  Schneuwly (3), Etoundi (2), Rikan, Kajevic

Top-Aktionen: 6 – Elvedi (5), Rikan

Noten (Skala 1-10):

Präsenz: 6

Spielfreude: 7

1 vs. 1: 3

Solidarität: 6

Zielstrebigkeit: 4

Standards: 2

Best Player: Franck Etoundi

Brecher (5); Nef (3), Kedojevic (2), Djimsiti (4); P.Koch (4), Chiumiento (4), Elvedi (7), Rikan (6), Kajevic (5) (58. M.Brunner (5)); Etoundi (7)  (81. Sadiku (4)), Gavranovic (4) (43. Schneuwly (6)).

Franck Etoundi bricht die Torflaute nach 345 torlosen Minuten, der FCZ zeigt viel Spielfreude, versagt aber bei den defensiven Standards, und bringt bei den offensiven Standardsituationen erst in der Endphase durch Schneuwly und Elvedi etwas zustande.  Nico Elvedi gelingen sage und schreibe fünf Top-Aktionen, er verschuldet zusammen mit Ivan Kecojevic dann aber gleichzeitig auch das letztlich entscheidende 0:3 kurz nach der Pause. Christian Schneuwly bringt nach seiner Einwechslung die  benötigte spielerische Qualität ins Spiel – Mann des Spiels aus Zürcher Sicht ist einmal mehr Franck Etoundi, welcher in Abwesenheit des verletzten Marco Schönbächler sich mehr und mehr zum im positiven Sinne konstantesten Zürcher mausert.

FC Basel – FC Zürich 5:1 (2:0)
St. Jakob-Park – 32 042 Zuschauer – SR Amhof

Tore: 24. Gashi 1:0, 45+2. Embolo 2:0, 47. Embolo 3:0, 71. Etoundi 3:1, 78. Embolo 4:1, 88. Djimsiti (Eigentor) 5:1

Basel: Vaclik; Xhaka, Schär, Suchy, Safari (70. Callà);  Delgado (58. Elneny), Frei, Zuffi; Gashi, Streller (65. Traoré), Embolo

Zürich: Brecher; Nef, Kecojevic, Djimsiti; Philippe Koch, Chiumiento, Elvedi, Rikan, Kajevic (58. Maurice Brunner); Etoundi (81. Sadiku), Gavranovic (43. Schneuwly)

Im dritten Spiel zum dritten Mal in dieser Saison erzielte der im FCZ ausgebildete Shkelzen Gashi im Direktduell das richtungsweisende 1:0. Unter Trainer Bernard Challandes hatte der damalige Schweizer Juniorennationalspieler sich gegen Margairaz, César, Schönbächler und Staubli nicht durchsetzen können, hatte auch danach bei Schaffhausen, Bellinzona und Xamax meist Mühe bekundet. In der Challenge League beim FC Aarau holte sich Gashi dann mit 23 Jahren die Spielzeit und das Selbstvertrauen, um im Anschluss daran bei GC immer mehr in neuer (noch offensiverer) Rolle vor allem nach dem Abgang von Izet Hajrovic auch in der Super League richtig duchzustarten. Der nun für Albanien spielende Gashi wird in seiner ersten Saison beim FCB aller Voraussicht nach zum zweiten Mal hintereinander die Torschützenkrone in Muri bei Bern abholen können.

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Manndeckung oder Raumdeckung ist bei Standardsituationen defensiv immer wieder die grosse Streitfrage. Die entscheidenden Gegentore, welche der FCZ zuletzt gegen Luzern und in Basel kassiert hat, könnten als Lehrvideo für die Nachteile der Manndeckung dienen: es tun sich Lücken auf, in welche der Gegner vorstossen kann, und Gelegenheiten, den Ball zu klären, werden verpasst. Das Problem bei diesen Gegentoren war nicht, wie dies Reporter jeweils reflexartig zu kommentieren pflegen, dass die FCZ-Spieler „zu wenig nah am Mann“ gewesen sein sollen. Sie nahmen ihre Aufgabe jeweils sehr ernst – alle deckten die ihnen zugeteilten Gegenspieler so eng wie nur möglich. Aber Luzern und Basel haben einzelne Spieler in ihren Reihen, die in der Zweikampfführung dank ihrer Wendigkeit (Gashi) oder ihrer Kraft (Puljic, Embolo) ganz einfach besser sind. Wäre daher Raumdeckung und stärkere Orientierung auf den Ball das bessere Rezept? Möglich wärs – ein Patentrezept ist es aber sicherlich auch nicht, denn am Ende entscheidet so oder so in solchen Situationen die individuelle Qualität.

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So lag der FCZ zur Pause bereits mit 0:2 hinten, obwohl er in den ersten 45 Minuten eine gute Leistung gezeigt und mindestens ebenbürtig gewesen war. Wenn es um den FCZ geht, scheinen zudem die Fingerspitzen der Referees weiterhin wenig durchblutet und daher gefühllos zu sein. Nachdem Chikhaoui in Bern gegen die fiesen Tacklings Steffens von hinten zu wenig geschützt worden, und zuletzt mehrere strittige Hands- und Offsideentscheidungen zuungunsten des FCZ ausgefallen waren, fiel Schiedsrichter Amhof diesmal auf die grosse Theatralik Delgados nach der doch eher leichten Berührung am Fuss durch Chiumiento herein. Amhof wollte erst die Meinung des besser postierten Vierten Offiziellen Jacottet (notabene ein ehemaliges Mitglied der Muttenzerkurve!) wissen, als dieser aber die Situation als gelbwürdig einschätzte, interessierte Amhof diese Zweitmeinung dann schlussendlich doch nicht. Im zweiten Auswärtsspiel hintereinander flog damit beim FCZ der Captain bereits während der Ersten Halbzeit vom Platz. Von diesem Moment an kam viel Hektik in die bis dahin fair und fokussiert geführte Partie.

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Was gibt es positives zu berichten aus Basel? Nach 345 Minuten wurde die Torimpotenz durch Franck Etoundi nach einem schön vorgetragenen Angriff (von Etoundi selbst eingeleitet) gestoppt. Die Eckbälle wurden gegen Ende der Partie endlich besser, als diese von Christian Schneuwly (von rechts) und Nico Elvedi (von links) getreten wurden. Elvedi zeigte sowieso eine starke Leistung. Der FCZ bräuchte aber mindestens fünf oder sechs Spieler auf dem Level von Elvedi und Etoundi, um gegen den FC Basel ein Chance zu haben. Dass dann aber ausgerechnet Elvedi kurz nach der Pause das Missverständnis mit Kecojevic unterlief, welches zum 0:3 führte, zeigt, dass sich schlussendlich wirklich kein Spieler hundertprozentig von der Selbstkritik ausnehmen kann.

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Mit dem Werfen von Böllern und Pyrofackeln andere Menschen zu gefährden, ist nicht tolerierbar. Die Degradierung von „Piu“ Da Costa ins dritte Glied war offenbar für eine diesem nahestehende kleine Fan-Gruppierung der Anlass, sich in den letzten drei Partien vermehrt „Gehör“ zu verschaffen. Schon die stark an Demos der Zürcher Hausbesetzerszene erinnernden unschönen Begleitumstände des letztjährigen Marsches durch Bern vor dem Cupfinal zeigte, dass sich eine von der Südkurve nicht tolerierte Gruppierung wieder in ihrem Umfeld einzunisten versucht. Solche Situationen gab es in früheren Zeiten auch schon einmal, zum Beispiel 2009, und sie konnten durch „Selbstregulierung“ der Kurve weitgehend gelöst werden. Ob die Kurve diesmal ebenfalls in der Lage ist, den Sicherheitskräften die Arbeit abzunehmen, ist zur Zeit offen. Eines muss aber bei aller Hysterie immer klar bleiben: jeder Mensch ist für seine eigenen Taten verantwortlich. Der FC Zürich kann sich genausowenig wie irgendein anderer Sportklub, Popstar oder Celebrity seine Fans aussuchen. Fan-sein ist eine individuelle Entscheidung genauso wie ein Stadionbesuch. „Züri Live“ ist darum weiterhin strikt gegen jedwelche Kollektivbestrafung von Fussballklubs und Zuschauern von Fussballspielen. Denn dies ist eines demokratischen Rechtsstaates unwürdig.