In der Challenge League-Saison mit 3:0 und 4:0 zwei klare Siege gegen Servette geholt, gab es nun nach einem herbstlichen Auswärtssieg in der Winterzeit zwei herbe Niederlagen.

Frage zum Spiel: Was ist das Erfolgsrezept gegen Servette?

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Die heutigen Messungsmöglichkeiten bringen eine Fussballweisheit nach der anderen auf welchen früher ganze Trainerkarrieren aufbauten und an welche Fans, Medien und auch die Spieler selbst ganz fest glaubten, ins Wanken oder gar zu Fall! Dass die Ballbesitzquote zwar viel über den Spielstil und allenfalls auch allgemeine Qualitätsunterschiede zwischen zwei Teams aussagt, aber wenig über den Erfolg, ist mittlerweile unbestritten. Dies bestätigt sich auch bei der Analyse der FCZ-Daten der letzten Saison. Der durchschnittliche Ballbesitz scheint im Verlauf der Saison eher etwas zufällig zu schwanken, war aber vor allem zu Beginn eher im negativen Bereich. Einen Zusammenhang zwischen der Schwankung des Ballbesitzes und der Expected Goals-Differenz kann man nicht herstellen. Der FCZ konnte mit viel Ballbesitz offensiv genauso zwingend oder auch weniger zwingend agieren, wie mit wenig Ballbesitz.

Zuletzt haben Daten aus Topligen nun aber sogar die Aussagekraft der Zweikampfwerte für den Mannschafts-Erfolg in Zweifel gezogen: vor allem im nördlichen Nachbarland der Schweiz über Jahrzehnte hinweg regelrecht eine «heilige Kuh»! Dazu gibt es allerdings noch zu wenig breit angelegte Untersuchungen und daher muss diese Erkenntnis nicht jederzeit und für jede Liga stimmen. Zudem wird man mit zunehmendem Detaillierungsgrad der Messungen sicherlich herausfiltern können, dass es durchaus wichtig ist, die sogenannt «entscheidenden Zweikämpfe» in bestimmten Situationen / Zonen zu gewinnen.

Wenn man sich die Saison 18/19 des FCZ anschaut, scheint zudem selbst bei den vergleichsweise banalen allgemeinen Zweikampfwerten ein Zusammenhang mit dem Erfolg zu bestehen. Im Vorfeld des Europa League-Startes auf Zypern begannen sich beim FCZ mit dem starken Heimspiel gegen Basel (1:1) die Zweikampfwerte positiv zu entwickeln. Vom 1:0-Auswärtssieg bei AEK Larnaca bis und mit dem 5:2-Auswärtssieg in Luzern waren diese gut und dementsprechend die Resultate: sieben Siege, drei Unentschieden und nur eine Niederlage (in St. Gallen).

Dann folgte die 0:1-Niederlage in Leverkusen, wo sich die Mannschaft anschliessend an die Partie von den zahlreich mitgereisten Fans trotzdem für die Sechzehntelfinalqualifikation feiern lassen konnte. Gleich anschliessend sank die Zweikampfquote zuerst auf ein durchschnittliches Niveau (unter anderem knapp negative Bilanz in den Heimspielen gegen Sion und GC) und ab dem Ludogorets-Auswärtsspiel wurde sie vor und nach der Winterpause sogar relativ schlecht.

Schon in der Aufstiegssaison 16/17 hatte die Freude auf die Europa League-Gruppenphase die Mannschaft auch in der Meisterschaft in der Vorrunde von Sieg zu Sieg getragen – und danach die Leistung merklich nachgelassen. Auch 18/19 spielte das Letzigrund-Team so lange auch national gut, wie man dem Ziel im Europacup zu überwintern nachjagte. Fast die ganze Rückrunde hindurch hatte der FCZ dann eine negative Zweikampfquote. Im entscheidenden Spiel in Neuenburg war diese gar die schlechteste der ganzen Saison mit nur 61 gewonnenen bei 97 verlorenen Zweikämpfen. Mit Michel Decastel bei Xamax am Ruder hatte der FCZ zuvor noch eine positive Zweikampfbilanz gegen die «Rouge et Noir» gehabt. Das sich im Verlauf der Saison immer besser findende ungleiche Duo Ceesay / Marchesano zusammen mit Bangura, Mirlind Kryeziu und «Doppelpacker» Kevin Rüegg vermochten die Partie aber trotzdem noch zu drehen.

Die positivste Zweikampfbilanz hatte der FCZ gegen die unterklassigen Teams (ausser Breitenrain). Die häufig von Amateur-Trainern im Cup gestellte Forderung an ihr Team, «über den Kampf ins Spiel» zu finden, muss nicht unbedingt die beste Strategie sein, denn bezüglich Cleverness im Zweikampfverhalten sind die Vollprofis stärker. Das Weiterkommen gegen AEK Larnaca sowie die positiven Saisonbilanzen gegen Luzern und Thun sind sicherlich auch dank der guten Zweikampfbilanz gegen diese Teams zustandegekommen. Gerade im Direktvergleich mit den physisch starken Luzernern erstaunt die Statistik auf den ersten Blick schon etwas. Am negativsten war die Zweikampfbilanz gegen Ludogorets mit den zweikampfstarken Nedyalkov, Terziev oder Moti in den Reihen. In der Super League war die Quote gegen YB und GC am schlechtesten. Im gleichen Bereich von etwa 10 mehr verlorenen als gewonnenen Zweikämpfen pro Spiel bewegten sich die Partien gegen Napoli und Leverkusen, was gegen solche Mannschaften keine schlechte Bilanz ist.

Gegen Ludogorets Razgrad führte die schlechteste FCZ-Zweikampfbilanz der Saison dazu, dass man von Zürcher Seite offensiv so gut wie nichts zustande brachte – mit einem durchschnittlichen Expected Goals-Wert von nur 0,37! Trotzdem holte man gegen diesen Gegner vier von sechs möglichen Punkten. Dies weil das Magnin-Team in den chancenarmen Partien gegen die Bulgaren je ein Mal deren defensive Schwachstelle (hohe Bälle) gezielt auszunutzen vermochte. Am meisten Expected Goals erspielte sich das Letzigrund-Team am anderen Ende der Skala in der Liga gegen den FC Thun und Xamax, sowie in den Cuppartien mit Red Star und Concordia. Lugano und YB waren diejenigen Teams, welche für den FCZ nach Ludogorets an zweitschwierigsten zu knacken waren – null Tore gegen die Tessiner und nur drei gegen YB in der ganzen Saison – sowie gegen beide ein durchschnittlicher Expected Goals-Wert pro Spiel von weniger als Eins. Etwas erstaunlich angesichts der schlechten Saison von GC ist, dass der Expected Goals-Wert des FCZ in den Derbies nur durchschnittlich war. Es zeigt, dass GC sich in den Stadtduellen jeweils noch am meisten zusammenreissen und eine ansprechende Leistung auf den Platz bringen konnte.

Die FCZ-Defensive liess ihrerseits gegen AEK Larnaca am wenigsten zu, gefolgt von den Partien gegen Red Star, sowie Leverkusen, Ludogorets, Xamax, GC und Concordia. All diese Gegner hatten gegen den FCZ einen Expected Goals-Wert pro Spiel von Eins und tiefer. Durchaus bemerkenswert also, dass man gegen die drei Europa League-Gruppenphasengegner defensiv weniger zuliess, als gegen die meisten Super League-Kontrahenten! Die Qualifikation für die Sechzehntelfinals hatte das Team von Ludo Magnin also wesentlich der defensiven Disziplin zu verdanken. In der Liga kassierte man im Herbst und Frühling etwa gleich viele Gegentore – das unterschiedliche Abschneiden (Vorrundenvierter vs. Rückrundenachter) lag an der veränderten offensiven Ausbeute. Die meisten und besten Torchancen musste man im Schnitt Basel zugestehen – vor YB und Napoli, wobei die fünf Begegnungen mit dem FCB in der Saison 18/19 defensiv sehr unterschiedlich verliefen.

Die durchschnittliche Anzahl Top-Offensivaktionen pro Spiel nahmen ab Anfang November laufend zu. Speziell im Dezember, Februar und April schaute verglichen mit dem von den Spielern geleisteten Effort in Sachen «Expected Goals» aber zu wenig raus. Auch andere Offensivstatistiken verbesserten sich im Verlauf der Rückrunde, die Basisarbeit wurde gemacht, aber die Gefährlichkeit im «letzten Drittel» liess nach. Man kam zu gleich vielen Abschlüssen, aber aus weniger guten Positionen.

Zu Beginn der Saison spielte der FCZ gemessen an der Anzahl Flanken relativ viel über Flügel. Der Einluss der Anzahl Flanken und Steilpässe auf die Entwicklung der Expected Goals ist nur teilweise gegeben. Das vertikale Spiel (Anzahl Steilpässe) hatte aber einen etwas stärkeren Einfluss auf die Offensivpower des FCZ als das Flügelspiel.

Der klare Steilpass-Leader beim FCZ ist Antonio Marchesano, und dessen Gesundheits- sowie Formkurve der letzten Saison ist tatsächlich ziemlich deckungsgleich mit der allgemeinen Formkurve des Teams. Ebenso scheint sich ein ausgeglichenes Verhältnis von Steilpässen und Flanken (mit anderen Worten: ein variables Spiel) positiv auf die Expected Goals ausgewirkt zu haben.

Bei der Statistik der Differenz der Anzahl gespielten Pässe sowie dem Vergleich der Passgenauigkeit zwischen FCZ und den jeweiligen Gegnern ist durchaus ein Zusammenhang mit der resultierenden Expected Goals-Differenz festzustellen. Und zwar hatte dabei eine gute Passgenauigkeit einen noch höheren positiven Einfluss als die Anzahl gespielter Pässe. Konkret verliefen die Kurven der Passgenauigkeits-Differenz und der Expected Goals-Differenz 12 von 15 Mal in die gleiche Richtung.

Die Passgenauigkeit schwankte im Verlauf der abgelaufenen Saison beim FCZ im Durchschnitt zwischen 73% und 84%. Der Ballbesitz wird zwar von der Passgenauigkeit beeinflusst, aber nur teilweise. Wichtiger dafür ist wohl die Ballrückeroberungsgeschwindigkeit. In der Premier League haben West Ham, Wolverhampton Wanderers oder FCZ-Partnerklub Bournemouth eine ähnliche Passquote wie der FC Zürich und liegen dort diesbezüglich im Mittelfeld der Liga. In der Bundesliga wird weniger schnell und direkt gespielt, hier sind die Passquoten im Durchschnitt höher als in der Premier League – Teams im Bereich des FCZ gehören da zu den am wenigsten präzise (bzw. am risikovollsten) spielenden und zwar sind dies Eintracht, RB Leipzig und Augsburg.

Die durchschnittliche Differenz der Anzahl gespielten Pässe im Vergleich zu den Gegnern schwankte im Saisonverlauf relativ stark zwischen +100 und -100. Vergleicht man grobschlächtig einfach nur die Hinrunde mit der Rückrunde, so fiel die Expected Goals-Differenz auf den Frühling hin vom positiven in den negativen Bereich obwohl die Passzahl-Differenz etwa auf dem gleichen Niveau blieb und die Passgenauigkeit sogar zunahm. Die Expected Goals-Differenz reagierte auch in der Rückrunde auf kurzfristige Verbesserungen bei den Pass-Statistiken, aber der gleiche Effort hatte eine viel kleinere Wirkung, als noch im Herbst. In fünf von sieben Zeitperioden war die Passgenauigkeit im Vergleich zu den jeweiligen Gegnern im Durchschnitt 1 – 5% höher.

Differenziert man die Passgenauigkeits-Differenz anhand der Gegner ergibt sich eine hohe Übereinstimmung mit der entsprechenden Statistik bezüglich Passanzahl-Differenz. Diejenige Mannschaft, welche einen geordneten Spielaufbau betreibt, spielt mehr Pässe und diese kommen auch häufiger an. Gegen die Unterklassigen Red Star, Concordia und Kriens war die Passgenauigkeitsdifferenz zugunsten des FCZ 14 – 20%. Gegen Leverkusen und Napoli war sie 7 – 11% geringer. Im Europacup hatte der FCZ gegen alle Gegner eine negative Bilanz bezüglich Passgenauigkeit. In der Super League war sie gegen die Umschaltmannschaften Xamax und Luzern am positivsten und gegen Basel sowie YB in dieser Reihenfolge am negativsten.

Gegen Red Star spielte der FCZ deutlich über 300 Pässe mehr als der Gegner – gegen Kriens bekundete man im Letzigrund erhebliche Probleme, obwohl mehr als 200 Pässe zusätzlich gespielt wurden. Auch in den Duellen mit Xamax verzeichnete der FCZ jeweils ein deutliches «Pass-Plus» – gefolgt von St. Gallen, Lugano und Breitenrain. Das mit Abstand grösste Pass-Minus war gegen Napoli und Leverkusen zu konstatieren. Der Vergleich mit den Super League-Gegnern zeigt, dass die höhere Anzahl gespielter Pässe kein Vorteil, tendenziell sogar eher ein leichter Nachteil darzustellen scheint. Gegen St. Gallen und Lugano hatte der FCZ in dieser Saison eine klar negative Punktebilanz bei durchschnittlich 100 mehr gespielten Pässen. Auf der anderen Seite spielte der FCZ gegen Thun und GC weniger Pässe als der Gegner, holte aber mehr Punkte. Auch in den Duellen mit YB und Basel spielte das Magnin-Team weniger Pässe, aber die negative Punktebilanz gegen diese Teams ist offensichtlich nicht in der Passstatistik begründet.

Die Ballbesitzstatistik zeigt teilweise ein ähnliches Bild wie die Statistiken bezüglich Anzahl Pässen und Passgenauigkeit: gegen die unterklassigen Teams (abgesehen von Breitenrain) lag der Ballbesitz des FCZ jeweils bei rund 70% – gegen Napoli und Leverkusen eher in der Region von 40%. Gegen Super League-Gegner reichte der FCZ-Ballbesitz im Schnitt von rund 45% (YB, Basel, Thun, GC) bis zu rund 60% (Xamax). Am zweitmeisten Super League-Ballbesitz notierte der FCZ gegen St. Gallen gefolgt von Lugano. Gewisse Differenzen sind trotzdem interessant: in den Partien mit Luzern war der Ballbesitz beinahe ausgeglichen und auch bei den Anzahl Pässen hat der FCZ keinen grossen Vorteil gegenüber den Innerschweizern, bei der Passgenauigkeit hingegen schon. Ebenfalls interessant, dass der FCZ gegen St. Gallen ausser in der ersten Begegnung im Letzigrund immer gegen die 60% Ballbesitz hatte, obwohl die Ostschweizer gegen alle anderen Super League-Gegner abgesehen von YB, Basel und teilweise GC praktisch immer einen höheren Ballbesitz aufwiesen. Vermutlich hat St. Gallen-Trainer Peter Zeidler sich nach den Erkenntnissen der ersten Partie entschieden, gegen den FCZ in der Folge anders als normal aufzutreten.

Zu viele Schüsse nebens Tor in der Rückrunde – Saisonstatistik, Teil 3
Wieder die Nr. 1 in der Stadt und im Letzigrund – grosse Saisonstatistik 18/19, Teil 2
Gesucht: defensiv starker Linksverteidiger – grosse Saisonstatistik 18/19, Teil 1

(Daten: Züri Live, Wyscout)

 

 

Grégory Sertic im Interview mit Züri Live nach dem 3:0-Heimsieg gegen Thun über den Klassenerhalt, die Partie gegen Thun und seine persönliche Zukunft…

Kernaussagen

  • „Wir waren in der Pflicht, den Fans für die tolle Unterstützung etwas zurückzugeben“
  • „Wir haben unseren Job in der 1. Halbzeit gemacht, und in der 2. Halbzeit den Vorsprung verwaltet“
  • „Nach dem 1. Tor hat man unser Offensivpotential gesehen“
  • „Wir kämpfen um den Europa League-Platz, das ist ein Ziel. Es gibt noch zwei Spiele, die wir gewinnen wollen. Dann schauen wir in der Endabrechnung, zu was es reicht“
  • „Die Spielpraxis hat mir sehr gut getan. Der Trainer hat mir Vertrauen geschenkt. Es ist eine Supertruppe hier in Zürich. Ich weiss noch überhaupt nicht, was ich nächste Saison mache. Erst mal zurück nach Marseille und dann wird man das Gespräch suchen.“

Der FCZ hat mittlerweile mehr als zwei Drittel seiner Wettbewerbsspiele hinter sich. In der aktuellen Ausgabe «Statistik der Woche» geht es um die Einzelnoten der Spieler. Von den in mehr als 500 Minuten eingesetzten FCZ-Akteuren liegen dabei Assan Ceesay und Kevin Rüegg mit einer Durchschnittsnote von 6,4 an der Spitze – vor Alain Nef und Adrian Winter. Der winterpausenübergreifend während 11 Partien verletzungsbedingt ausfallende Rüegg hatte in dieser Saison bisher nur zwei ungenügende Noten zu verzeichnen, und zwar in den Cup-Partien gegen die jeweils Weiss-Grün tragenden Red Star und Kriens. In Heimspielen gegen Basel, Xamax und Luzern, sowie auswärts bei Breitenrain war der Neo-Captain jeweils Most Valuable Player.

Assan Ceesays nahezu perfekte Leistung nach seiner Einwechslung beim 2:1-Sieg in Sion führte zu einer von bisher in dieser Saison insgesamt erst zwei Vergaben der Höchstnote 10 – die andere ging an Antonio Marchesano beim 3:2-Heimsieg gegen Leverkusen. Ceesay erhielt nach den beiden Rückrundenniederlagen in St. Gallen und gegen Lugano seine ersten beiden ungenügenden Noten. Eine noch höhere Durchschnittsnote als Rüegg bzw. Ceesay haben Michael Frey und Bledian Krasniqi aufzuweisen – beide allerdings mit (bisher) nur drei Wettbewerbseinsätzen für die 1. Mannschaft des FCZ in dieser Saison. Auf eine ungenügende Durchschnittsnote kommen mit Benjamin Kololli und Marco Schönbächler zwei der bekanntesten Spieler im Kader, sowie die wenig eingesetzten Raphael Dwamena und Hakim Guenouche.

Interessant gestaltet sich die Differenzierung der Spielerleistung nach Wettbewerb. In der Europa League vermochten sich die jungen Spieler am besten durchzusetzen, speziell spielerisch und technisch starke wie Lavdim Zumberi oder Bledian Krasniqi. Zusammen mit Toni Domgjoni würden die beiden in einem FCZ Europa League-Top Team der Saison das zentrale Mittelfeld bilden. Neben Jugendlichkeit, spielerischen und technischen Qualitäten scheint auch das läuferische Element in der Europa League wirkungsvoll zu sein, was unter anderem in den guten Leistungen von Domgjoni und Adrian Winter Ausdruck findet.

 

Im Schweizer Cup gegen unterklassige Gegner kamen hingegen diejenigen Spieler aus dem FCZ-Kader zur Geltung, die bezüglich entweder Physis oder Antritt/Speed auf höherem Niveau tendenziell (zur Zeit) weniger gut mithalten können – wie Roberto Rodriguez, Mirlind Kryeziu, Hakim Guenouche oder Marco Schönbächler. Am interessantesten stellt sich die Lage in Bezug auf das Tagesgeschäft, die Super League, dar. Dort machten tendenziell die physisch stärksten Spieler des Kaders die beste Falle. Die aktuelle Dominanz von YB (und früher Basel) scheint von allen Elementen am stärksten auf ihrer physischen Überlegenheit zu basieren. Die Notenverteilung des FCZ-Kaders der aktuellen Saison scheint die These zu stützen, dass dieser Faktor in der Super League der wichtigste für den Erfolg sein könnte. Das FCZ Super League-Top Team der Saison würde aus fast ausschliesslich physisch starken Spielern bestehen – mit Grégory Sertic als Ballverteiler im Zentrum. Kevin Rüegg würde zusammen mit Fabio Dixon in der offensiveren Rolle, auf welcher er in Juniorenzeiten immer wieder mal eingesetzt worden ist, die Rechte Seite bilden.

 

33 Wettbewerbsspiele hat der FCZ in dieser Saison absolviert. Betrachten wir die Statistik des Züri Live-Notenschnittes pro Spiel, sehen wir, dass es am 24. November beim 3:3 in Neuenburg erstmals in dieser Saison einen ungenügenden Notenschnitt gab – seither insgesamt fünf Mal in 12 Partien. Nach der Winterpause trüben die unter dem Strich schlechten Leistungen bei den Niederlagen in St. Gallen sowie bei YB (ab ca. der 30. Minute) die Bilanz von durchaus auch ordentlich bis guten Auftritten.

Mit 4,5 war der Notenschnitt in diesen beiden Partien der bisher schlechteste der Saison. Die beste Mannschaftsleistung (im Sinne von aufsummierten Einzelleistungen) war das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (3:2) mit einem Notenschnitt von 6,9. Dahinter liegen vier Spiele ex aequo auf dem Zweiten Platz, darunter gleich zwei Partien der wenige Wochen alten Rückrunde mit dem 3:1-Derbysieg und der 0:2-Niederlage in Napoli.

Dazu kommen das Heim-0:0 gegen St. Gallen und der 2:1-Sieg in Sion aus der Vorrunde. Das waren zwei enge Partien auf relativ hohem Niveau, in welcher jeweils beide Mannschaften eine gute bis sehr gute Leistung zeigten. Generell erbrachte der FCZ in schwierigen Europacuppartien wie gegen Leverkusen oder in Napoli gute bis sehr gute Leistungen, während auf nationaler Ebene die schwierigen Auswärtspartien in Basel, St. Gallen und Bern zuletzt nicht zufriedenstellend waren.

Interessant ist in der Auflistung der Most Valuable Players aller bisherigen Spiele, dass vor allem die jungen Spieler gegen die stärksten Gegner jeweils die Leistungsträger des Teams sind. In den bisher neun Partien gegen Napoli, Leverkusen, YB und Basel war Toni Domgjoni drei Mal MVP – Kevin Rüegg, Yann Kasai, Stephen Odey, Yanick Brecher, Hekuran Kryeziu und Antonio Marchesano je ein Mal. Die besten Jungen haben mehr Potential als die erfahrenen Spieler im Kader und rufen dies auch ab, wenn sie auf hohem Niveau gefordert werden.

Auf der anderen Seite steht beispielsweise ein Alain Nef, der schon seit Jahren in Partien gegen weniger prominente Gegner topprofessionell auftritt und die Mannschaft mitreisst. Mehrmals haben es Einwechselspieler zum MVP gebracht, welche wesentlich dazu beigetragen haben, eine schlecht laufende Partie herumzureissen oder zumindest nochmal spannend zu machen: so Ceesay in Sion, Dixon in Neuchâtel, Krasniqi gegen AEK oder Kasai in Basel. Andreas Maxsø, Assan Ceesay, Fabio Dixon, Bledian Krasniqi, Yann Kasai oder Levan Kharabadze setzten gleich zu Beginn, als sie zu ihren ersten Einsätzen im Team kamen, ein Ausrufezeichen. Pa Modou tritt traditionell gegen seine Ex-Klubs am stärksten auf. Das war auch in dieser Vorrunde gegen St. Gallen wieder der Fall. Zum Rückrundenstart in der AFG Arena hätte der FCZ den Gambier gut brauchen können.

Fasst man jeweils drei Wettbewerbspartien zu einer Mini-Saisonphase zusammen, sieht man den kontinuierlichen Rückgang des Notenschnittes von Ende Oktober bis in den Dezember noch deutlicher. Dieses Phänomen kennen wir bereits aus den beiden Saisons unter Trainer Uli Forte. Auch in früheren Jahren hatte der FCZ häufig einen guten Saisonstart und mischte vorne mit, handelte sich dann im November einen gewissen Rückstand ein, der die Hoffnung auf ein Mitmischen ganz vorne minimierte – und liess es von diesem Moment an «schleifen». Der Notenschnitt hat nun aber im Gegensatz zur letzten Saison nach der Winterpause wieder zugenommen, während der Punkteschnitt noch weiter abgesunken ist, was auch damit zusammenhängt, dass gleich drei der sechs Partien mit die schwersten der Saison waren mit zwei Mal Napoli und YB auswärts.

Betrachtet man die Notenschnitt-Spanne pro Gegner, fallen erstmal die Derbies ins Auge, wo sich der Notenschnitt in einem schmalen Range auf relativ hohem Niveau zwischen 6,1 und 6,4 bewegt. Auch gegen Luzern und Sion fiel der Notenschnitt bisher nicht unter 5,9. Die grösste Diskrepanz der Leistungen gab es in den Partien gegen St. Gallen, gefolgt von YB. Mit 5,7 die tiefste Maximalnote resultierte bisher gegen Basel und den nächsten Meisterschaftsgegner Lugano. Steigerungspotential gibt es im Hinblick auf den bevorstehenden Viertelfinal gegen den SC Kriens vor allem aber auch im Cup. Es ist der Wettbewerb mit dem bisher tiefsten Notenschnitt der FCZ-Spieler (5,5), während diese in der Europa League (5,9) bisher ihre besten Leistungen gezeigt haben. Hilft das neue Cup-Trikot?

 

Der FCZ steigt mit nur zwei gelernten Verteidigern und dem 17-jährigen Simon Sohm mutig in das Rückspiel in Napoli. Und das Konzept geht grundsätzlich auf, auch wenn es am Ende eine weitere Niederlage mit zwei Toren Unterschied setzt. Napoli hat zwar statistisch deutlich mehr Ballbesitz, dies aber vorwiegend in der eigenen Spielhälfte, wohin die Italiener von den häufig hoch pressenden Zürchern zurückgedrängt werden. Die zahlreich eingesetzten Teenager befruchten das Zürcher Spiel und sorgen für mehr Vertikalität, Spielfreude und Zug zum Tor – so auch die eingewechselten Lavdim Zumberi (Europacup-Début) und Bledian Krasniqi.

Über die rechte Seite fand Aussenverteidiger Adrian Winter immer wieder die richtigen Winkel sowohl im Lauf- wie im Passspiel und sorgte mit guten Flanken für Gefahr, Salim Khelifi seinerseits war viel unterwegs. Auf Links gab sich Benjamin Kololli auf seiner von der Nationalmannschaft her gewohnten Position als Linksverteidiger Mühe und agierte mit ein paar guten Ansätzen besser als auch schon. Unter dem Strich unterliefen ihm aber weiterhin zu viele Fehler, wie in der Szene, als er als deutlich hinterster Mann einen nonchalanten Pass nach vorne schlug und dadurch nicht nur für einen Ballverlust sorgte, sondern wegen seiner Positionierung beim schnellen Napoli-Gegenstoss auch gleich noch das Offside aufhob. Bei Marco Schönbächler waren ebenfalls klare Verbesserungen vor allem zu seinem Einsatz in Bern zu sehen, aber wie er selbst nach dem Spiel im Interview mit Züri Live einräumte, ist er bei weitem noch nicht an dem Leistungspunkt, wohin er wieder zurückwill – so bleibt der „Flügelflitzer“ in den Laufduellen weiterhin meist zweiter Sieger.

Eine seiner bisher besten Leistungen im FCZ-Dress zeigt hingegen Toni Domgjoni, welcher sich gegen den Gegner Napoli offenbar speziell gut mental einzustellen vermochte, war er doch nach dem Hinspiel nun auch in der Retourpartie des Europa League-Sechzehntelfinals der Züri Live-Most Valuable Player. Im Stadionrund sorgten ansonsten (neben dem während gut vier Stunden über dem Stadion kreisenden Helikopter) vor allem die mitgereisten «tantissimi» (O-Ton Sky Italia) Zürcher Fans für die Musik.

Napoli – FCZ 2:0 (1:0)

Tore: 43. Verdi (Ounas) 1:0; 75. Ounas (Mertens) 2:0.

Napoli: Meret; Hysaj, Chiriches (56. Luperto), Koulibaly, Ghoulam; Ounas (77. Milik), Diawara, Zielinski (66. Allan), Verdi; Milik, Insigne.

FCZ: Brecher; Winter, Bangura, M. Kryeziu, Kololli (82. Kharabadze); Khelifi, Sohm, Domgjoni, Schönbächler (65. Krasniqi); Odey (60. Zumberi), Ceesay.

Die Verletztenliste ist mit den beiden italienischsprechenden Joel Untersee und Antonio Marchesano (Gute Besserung!) nach dem YB-Match noch etwas grösser geworden. Es fehlen gleich drei Aussenverteidiger. Alle zur Zeit verfügbaren und gemäss UEFA-Liste einsetzbaren Spieler der 1. Mannschaft sind daher an den Fuss des Vesuv mitgereist – plus U18-Torhüter Serkan Polat. Trainer Ludovic Magnin spricht im Interview mit Radio Zürisee und Züri Live über Metaphern und die bevorstehende Herausforderung im San Paolo:

In den meisten Fällen ist es so: die nachträgliche Analyse eines Spiels nach Studium der Bilder deckt sich grosso modo mit den Eindrücken am Spiel – in der Regel mit der ein oder anderen Ausnahme. Dann gibt es ab und zu aber auch Partien wie das Napoli-Heimspiel. Der Eindruck von der Leistung des FCZ im Stadion und kurz nach der Partie war schlecht. Die nachträgliche Analyse revidierte dieses Bild dann aber wesentlich. Es ist nicht so, dass es sich nun auf einmal um eine Glanzleistung handelte, aber medioker wars ebenfalls nicht. Am stärksten drückt sich dies bei der Statistik der Anzahl Top-Defensivaktionen aus: 43 bedeuten Rekord nicht nur für diese Saison, sondern es wäre auch letzte Saison der höchste Wert gewesen – jeweils mit Abstand. Der zweithöchste Wert in der aktuellen Saison beträgt 32 und stammt vom Heimspiel gegen YB (3:3).

Ganz generell hatte der FCZ in umkämpften Heimspielen gegen mehrheitlich starke Gegner am meisten Top-Defensivaktionen – Napoli, YB, Leverkusen, GC und St.Gallen. Der Limmatstadtclub scheint im Letzigrund bissiger aufzutreten und hat in der Meisterschaft zu Hause bisher mehr als zweieinhalb Mal weniger Gegentore als auswärts erhalten. Starke Gegner und umkämpfte Spiele wiederum stellen in jeder einzelnen Aktion Herausforderungen dar, welche die Mannschaft grossmehrheitlich bestanden hat. Dies gilt selbst für das Heimspiel gegen Napoli, sonst hätte es eine negative Durchschnittsnote abgesetzt – wie das in Basel, Razgrad oder zuletzt in St. Gallen der Fall gewesen war.

Die Züri Live-Durchschnittsnote gegen Napoli war 5,8. Dies ist vergleichbar mit beispielsweise dem Heimspiel gegen Basel (1:1), der Auswärtspartie bei AEK Larnaca (1:0), dem Vorrunden-Auswärtsspiel in St. Gallen (2:3) oder dem Heimspiel gegen Lugano (0:0) zum Abschluss der Vorrunde. Partien mit unterschiedlichem Ausgang, die aber alle zu den besseren 50% der FCZ-Partien der Vorrunde gehörten. Beim Heimsieg gegen Leverkusen (3:2) erreichte das Team mit 6,9 den bisher höchsten Notenschnitt der Saison, mehr als eine ganze Note höher als gegen Napoli. Leverkusen hat auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht das Niveau von Napoli und hatte es in der sportlichen Krise des Herbstes erst recht nicht. Um gegen Napoli einen Punkt erreichen zu können, hätte die FCZ-Durchschnittsnote im Vergleich zum Leverkusen-Heimspiel wohl noch eine Note höher (statt tiefer) sein müssen.

Es war vom FCZ eine tendenziell eher gute Leistung, aber man war weit davon entfernt, eine Saisonbestleistung abzuliefern. Einzelne Spieler agierten für ihre Verhältnisse trotzdem überdurchschnittlich. Toni Domgjoni ist hier speziell hervorzuheben. Der 20-jährige wirkte von Beginn weg deutlich spritziger, aufmerksamer und vor allem defensiv effektiver als zuletzt, als er mit vier ungenügenden Züri Live-Noten in den letzten sieben Spielen eine klare Abwärtstendenz gezeigt hatte. In den durchaus erfreulichen ersten 10 Minuten der Partie ging Domgjoni mit gutem Beispiel voran und stopfte auch dann noch unauffällig aber effektiv manches Loch, als der FCZ als Team nach dem unnötigen 0:1 stark unter Druck kam.

Yanick Brecher ist ein weiterer typischer Fall. Wie kann ein Torhüter mit einem groben, spielentscheidenden Schnitzer im Endeffekt mit Note 7 deutlich über seinem eigenen Züri Live-Saisonschnitt von 5,2 liegen? Erstens: dass der Fehler entscheidend für das erste Gegentor war, wurde in der Punktevergabe durchaus berücksichtigt. Andererseits blieb es aber der einzige echte Fehler Brechers in diesem Spiel – im Gegensatz zu anderen Partien in der heimischen Liga, wo der Zürcher Keeper immer wieder mal drei oder vier schlechte Aktionen hat, die dann aber viel weniger effektiv von den jeweiligen Gegnern ausgenutzt werden. Die Bewertung der Leistung der Spieler sollte aber unabhängig von der Stärke und Effizienz des Gegners sein.

Zweitens hatte Brecher gegen Napoli mehr Gelegenheiten sich auszuzeichnen, und hat dies tendenziell gut gemacht. Drittens: auch wenn der entscheidende Fehler zum frühen 0:1 dem erfolglosen Versuch entsprang, den Ball auf dem sich in unterdurchschnittlichem Zustand befindlichen Letzigrundrasen hinten herauszuspielen, schlug Brecher gleichzeitig gegen Napoli auch mehr lange hohe Bälle nach vorne als sonst, da er ganz generell relativ viele Ballkontakte hatte und Napoli gut „presste“. Und diese langen hohen Bälle mit beiden Füssen sind die grösste Stärke des 25-jährigen Männedorfers.

Napoli war gewarnt, dass der FCZ versuchen wird, von Beginn weg Vollgas zu gehen, spielte daher erstmal äusserst vorsichtig, und wollte um jeden Preis Ballverluste vermeiden. Der FCZ trat nicht wie viele kleinere Serie A-Klubs mit einer Fünferabwehr, sondern in einem 4-1-4-1 an. Umaru Bangura übernahm dabei die Rolle des «6-ers». Diese Position hatte er zu Beginn seiner Profikarriere beim Norwegischen Hönefoss regelmässig und später bei Haugesund gegen Spitzenteams wie Rosenborg ebenfalls punktuell gespielt. Der Nationalspieler Sierra Leones vermochte im Europa League Sechzehntelfinal-Hinspiel aber speziell defensiv nicht zu genügen – mit Ausnahme eines dank seiner Schnelligkeit abgefangenen schnellen Gegenstosses. Napoli nutzte die Lücken hinter der vorderen Zürcher Viererreihe allerdings auch besonders geschickt, indem es systematisch dem ballführenden Spieler in der Spieleröffnung zwei nahe beieinanderliegende Anspielstationen bot, von denen Bangura nur eine, manchmal auch gar keine abzudecken vermochte.

Auch die Aufgabe, Kalidou Koulibaly bei gegnerischen Eckbällen in Manndeckung zu nehmen, war eine Nummer zu gross für Bangura. Er verlor den für Senegal spielenden Franzosen jedes Mal aus den Augen und das eine Mal, als dies nicht passierte, hätte es wegen «Klammerns» eigentlich Penalty für Napoli geben müssen. Überhaupt hatte das Trio um Champions League-Finalschiedsrichter Milorad Mazic auch im Letzigrund keinen guten Tag. In der Nachspielzeit verweigerte dieser auch dem FCZ einen klaren Penalty, als Koulibaly im eigenen Strafraum den Ball zwischen Arm und Körper einklemmte. Dazu wurden mehrere Handspiele in der Offensivzone (Milik, Zielinski, Kololli) trotz guter Sicht auf das Spielgeschehen genauso übersehen wie vier klare Offsidepositionen Napolis, von denen glücklicherweise keine zu einem Treffer führte. Dazu kamen falsche Einwurfentscheidungen direkt vor der Nase der Assistenten und eine schlechte Positioniering Mazics, mit der er einen Querpass Maxsøs abfälschte und einen Konter Napolis einleitete, den Hekuran Kryeziu mit einem taktischen Foul stoppte – was diesem die Sperre fürs Rückspiel einbrachte. Dafür wird „Heki“ nun für das wichtige Heimspiel gegen Luzern wohl ausgeruht antreten können.

Die Führung mit einem und dann zwei Toren kam den Gästen vom Vesuv natürlich entgegen. Im Zweiten Durchgang fuhr Napoli einen Gang zurück und machte es dem FCZ deutlich einfacher. Ein Leistungsträger nach dem anderen wurde schonungshalber ausgewechselt (allerdings gingen beim FCZ mit Domgjoni und Winter ebenfalls zwei der besten relativ früh vom Feld). Dies ging aus Napoli-Sicht beinahe noch schief, denn das Team von Magnin / Van Eck / Kadar / Taini hätte in der Schlussphase mit etwas mehr Glück noch ein Unentschieden erreichen können. Zu diesem Zeitpunkt stand auch der in der Angriffszone weiterhin eher glücklos agierende Stephen Odey (keine einzige Torchance!) nicht mehr auf dem Platz – bei Napoli hingegen der eingewechselte Verteidiger Sebastiano Luperto, zusammen mit Starspieler Lorenzo Insigne der einzige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Kader (beim FCZ sind es 13). Das war aber wohl kaum der Grund, warum das Letzigrundteam bei Eckbällen jeweils zwei Mann am vorderen Pfosten und zwei vor dem Strafraum, aber keinen beim Narrenfreiheit geniessenden Luperto postiert hatte.

FCZ – Napoli 1:3 (0:2)

Tore: 12. Insigne (Milik) 0:1, 21. Callejon (Malcuit) 0:2; 77. Zielinski (Callejon) 0:3, 83. Kololli (Handspenalty) 1:3.

FCZ: Brecher; Untersee, Nef, Maxsø, Pa Modou; Bangura; Winter (67. Ceesay), H. Kryeziu, Domgjoni (46. Marchesano), Kharabadze; Odey (80. Khelifi).

Napoli: Meret; Malcuit, Maksimovic, Koulibaly, Ghoulam (76. Luperto); Callejon, Allan (59. Diawara), Ruiz, Zielinski; Milik, Insigne (68. Ounas).

 

2014 begann die Europa League-Gruppenphase für den FCZ mit einer 2:3-Niederlage im GSP Stadion von Nikosia gegen Apollon Limassol. Fast auf den Tag genau vier Jahre später gelingt nach einer deutlich reiferen Leistung mit einer im Schnitt anderthalb Jahre jüngeren Mannschaft mit sieben Europacup-Débutanten in der Startformation gleichenorts gegen das gleich stark einzustufende AEK Larnaca ein 1:0-Auftakterfolg. Man spürte jederzeit, dass der FCZ dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte. Innenverteidiger Andreas Maxsö agierte bei seinem Wettbewerbsspieldébut für den FCZ äusserst aufmerksam und trug zusammen mit Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu viel zur Stabilität und Kompaktheit des Teams bei. Auch bei eigenen Eckbällen ging das Magnin-Team gegen den konterstarken Gegner keine unnötigen Risiken ein.

Vor dem Spiel gegen den FCZ hatte AEK Larnaca in sieben Europacupheimspielen in Folge kein Gegentor kassiert bei einem Gesamtscore von 20:0. Sturm Graz, welches in der Champions League-Qualifikation gegen Ajax Amsterdam ganz ordentlich aufgetreten war, und gerade im Hinspiel einiges an Pech mit Schiedsrichterentscheiden erlitten hatte, wurde durch AEK in der Europa League-Qualifikation mit insgesamt 0:7 Toren richtiggehend vorgeführt. Der ehemalige FCB-Trainer Heiko Vogel meinte danach: «AEK Larnaca hat es sehr sehr gut gemacht. Schnell gespielt. Gutes Positionsspiel, klare Technik, ausgezeichnete Automatismen. Grosses Kompliment. Sie haben es verdammt gut gemacht.»

Trotzdem war beim FCZ nicht alles gold. Der September war beispielsweise ganz generell nicht Pa Modou Jagne’s Monat. Vor und nach der Länderspielpause stand der Captain der Gambischen Nationalmannschaft etwas neben den Schuhen, so auch in Nikosia, als ihm während der ganzen Partie wenig gelang und er am Ende auch noch mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz gestellt wurde. Das entscheidende Tor fiel trotzdem im Anschluss an einen Einwurf des Linksverteidigers. Antonio Marchesano provozierte AEK-Abwehrmann Daniel Mojsov mit seinem Lauf im Strafraum an die Grundlinie zu einem unkontrollierten Tackling, welches zum von Benjamin Kololli sicher verwandelten Handspenalty führte. Wie schon einmal in seiner Geschichte profitierte der FCZ in dieser Szene von einem zu weit vorne ausgeführten Einwurf. Und zwar hatte diesmal Schiedsrichter Jonathan Lardot dem FCZ einen Einwurf zugesprochen, nachdem Larnaca-Aussenverteidiger Igor Silva den Ball deutlich zu weit vorne eingeworfen hatte. Ein weitere positive Notiz des Zypern-Trips war das Wettbewerbsdébut von Assan Ceesay in der Schlussphase der Partie, während auf der Seite der Negativerlebnisse die im Training erlittene Kreuzbandverletzung Izer Alius stand.

AEK Larnaca – FCZ 0:1 (0:0)

Tore: 61. Kololli (Handspenalty) 0:1.

AEK Larnaca – Toño; Igor Silva (80. Gbayera), Mojsov, Gonzalez, Ioannou; Larena (83. Garcia); Acoran, Hevel, Trickovski, Tete (64. Taulemesse); Giannou.

FCZ – Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; Khelifi (90.+2 Winter), Palsson, H. Kryeziu, Kololli; Marchesano (86. Nef); Odey (75. Ceesay).