Konstanter FCW empfängt Wundertüte FCZ / Kantonsderby FCW – FCZ VORSCHAU

Die beiden Kantonsrivalen steigen mit einer im Direktduell ausgeglichenen Meisterschaftsbilanz in den Kampf um einen Europacup-Platz. Für Winterthur wäre es die erste Teilnahme am Europacup / einem UEFA-Wettbewerb (zu Beginn der 70er-Jahre nahm man mehrmals am damals inoffiziellen Intertoto Cup teil). Inklusive Cup hat der FC Winterthur bisher eine positive Saisonbilanz gegen den FC Zürich. Der FCW kann als Vorteil die grössere personelle und taktische Konstanz für sich beanspruchen. Der FC Zürich lebt zur Zeit eher vom Prinzip Hoffnung und dem grundsätzlich vorhandenen Potential seiner Spieler. Die praktisch inexistente Torproduktion der letzten Partien nagt aber natürlich weiterhin an der Mannschaft Wer löst den Knoten?

Winterthur braucht Stillhart – der Winterthurer Bajrami mit FCZ-Début?

Der FC Winterthur hat zuletzt gegen die beiden Spitzenteams YB und Servette drei knappe Niederlagen in Meisterschaft und Cup hinnehmen müssen. im Stade de Genève zeigte sich in der 1. Halbzeit, dass eine Doppel-6 Schneider / Durrer gegen das Direktspiel Servettes durch die Mitte nicht genügt. In Abwesenheit von Zuffi und Jankewitz ist Stillhart im Winterthurer Zentrum unverzichtbar. Wie so häufig könnte Coach Patrick Rahmen gegen den FC Zürich auf eine Winterthurer Offensive bestehend aus lauter Ex FCZ-Spielern (Burkart, Di Giusto, Ltaief, Turkes) bauen. Randy Schneider ist sein auf verschiedenen Positionen einsetzbarer Offensiv-Allrounder, welcher zuletzt in Genf bereits sein viertes Tor seit der Winterpause erzielt hat.

Beim FC Zürich fallen mit Nikola Boranijasevic, Lindrit Kamberi und Cheick Condé diesmal wichtige Spieler aus. Die Aussagen von Coach Ricardo Moniz an der Pre-Match Pressekonferenz deuten darauf hin, dass sich die Aufstellung an derjenigen zum Start der 2. Halbzeit gegen YB orientieren wird, als man bis zum Platzverweis gegen Condé ein paar gute Minuten hatte. Sie deuten ebenfalls darauf hin, dass er mit einem typischen MIttelstürmer auflaufen will. Dies könnte die Chance für Labinot Bajrami sein. Als Winterthurer ausgerechnet auf der Schützenwiese sein Super League-Début zu feiern, wäre natürlich doppelt speziell. Die Alternative ist Ivan Santini, der vor der Partie aber als fraglich gemeldet wird. Auf den Flügeln gibt es mit Oko-Flex, Nils Reichmuth, Okita und Sabobo verschiedene Optionen. Jeder von diesen Kandidaten hat seinen Stil, um für Überraschungsmomente und Torgefahr sorgen zu können. Sie haben alle aber ebenfalls gemeinsam, dass gewisse defensive Defizite nicht von der Hand zu weisen sind – exemplarisch sichtbar beim vorentscheidenden 0:2 gegen YB, als Oko-Flex zu wenig tut, um den Diagonalball auf Itten zu verhindern.

Fokus auf Nutzung offener Räume oder Neutralisierung des Gegners?

Ein 4-3-3 würde auch in defensiver Hinsicht passen, da es das 4-2-3-1 des FC Winterthur spiegelt. Schon gegen YB hatte Ricardo Moniz die taktische Formation des Gegner mit einem Rhombus im Mittelfeld gespiegelt und damit zu einer gegenseitigen Neutralisierung und somit chancenarmen Spiel beigetragen. Moniz, ganz Holländer, setzt zumindest verbal aber seinen Fokus auf die Offensive und Kreativität als Ansatzpunkte zur Verbesserung der Resultate. Denkbar, dass Marchesano nicht von Beginn weg auflaufen wird. In letzter Zeit hat er als Joker sowieso im Schnitt bessere Leistungen gebracht. Auf der 6er-Position könnte die aktuelle Form, die spielerischen Mittel und Abschlussqualitäten für Cheveyo Tsawa und gegen Marc Hornschuh sprechen. Aktuell braucht der FCZ jeden Mann auf dem Platz, der sich in einem Flow des Toreschiessens befindet. Das ist bei einem Tsawa oder auch Sabobo der Fall. Conçeição wird wohl diesmal auf der Rechten Seite beginnen. Selmin Hodza wurde zuletzt in der U21 mit der Captainbinde am Arm auf der Doppel-6 eingesetzt. Nevio Di Giusto wirkt in den letzten Wochen mit seinen Einsätzen in verschiedenen Teams (U21, U19, 1. Mannschaft) etwas überspielt und ist ausser Form geraten. Ein weiteres Bruderduell mit Matteo ist aktuell daher eher unwahrscheinlich.

Direktbegegnungen im Überblick (dbfcz)

Direktbegegnungen im Überblick (Transfermarkt)

Daten und Fakten im Vergleich (Transfermarkt)

Marchesano: „Am liebsten hängende Spitze“

Antonio Marchesano vom FC Biel wurde bereits Anfang September vom FCZ als Neuzugang für die Saison 2016/17 vorgestellt, und gleichzeitig nochmal für eine Saison an die Seeländer verliehen. Der neue Mehrheitseigner des FC Biel, Carlo Häfeli, und dessen Vorstand haben das Budget des Klubs signifikant erhöht. Mit Transferaktivitäten sollen in der aktuellen Spielzeit CHF 700’000.- erwirtschaftet werden. Mit dem Marchesano-Transfer zum FCZ wurden CHF 230’000.- an Transfereinnahmen früh in der Saison ein Drittel davon realisiert.

Der Tessiner ist zweifellos schon seit Jahren einer der technisch und spielerisch besten Spieler der Challenge League, welchem aber in Sachen Laufvermögen, Qualitäten im Spiel ohne Ball und selbst bezüglich Torgefährlichkeit auch für Verhältnisse der zweithöchsten Liga einiges an Qualität fehlte. Im Sommer vom FC Winterthur zu einem runderneuerten FC Biel gewechselt, wirkte Marchesano nun aber fitter, als die Jahre zuvor. Vor allem wurde er von Trainer Patrick Rahmen auf seiner Lieblingsposition als hängende Sturmspitze eingesetzt, und hatte so einen kürzeren Weg zum Tor. Die Folge waren 10 Tore in den ersten sieben Runden.

Kaum aber hatte der 1.67 m grosse Offensivmann den Vertrag beim FCZ unterschrieben, zeigte seine Leistungskurve stark nach unten – und es folgte nur noch ein einziges Tor bis zur Winterpause, was parallel den ganzen FC Biel in eine sportliche Krise stürzte – auch wenn in diese Phase wegen muskulären Problemen im linken Oberschenkel drei verletzungsbedingt verpasste Spiele fielen. Wegen seiner nachlassenden Torgefährlichkeit und der Rückkehr der zweiten Sturmspitze Gaëtan Karlen wurde Marchesano von Trainer Patrick Rahmen zudem häufiger wieder zurück ins Mittelfeld beordert, wo der aus Bellinzona stammende Offensivmann aber noch schlechter agierte.

Der Tessiner war im Sommer neben dem höheren Jahreslohn (inklusive Zusatzleistungen im tiefen sechsstelligen Bereich) vor allem auch deshalb von Winterthur zu Biel gewechselt, weil ihm dort Einsätze auf seiner Lieblingsposition versprochen wurden. Im Gespräch mit Züri Live äusserte sich Antonio Marchesano Ende Oktober über seine Lieblingsposition, den FCZ und die Möglichkeit eines vorgezogenen Wechsels im Winter:

Unter dem Strich konnte Marchesano seine Super League-tauglichkeit in der Vorrunde nicht unter Beweis stellen. Sami Hyypiäs taktisches Konzept kommt Marchesano entgegen, da der Finne mit einem torgefährlichen Techniker als hängende Spitze hinter Franck Etoundi spielen will. Allerdings gibt es für diese Position aktuell mehr als genug Alternativen. Es ist bereits die Idealposition von solch wichtigen Spielern wie Oliver Buff, Mario Gavranovic und Davide Chiumiento. Hinzu kommen Christian Schneuwly und Artjom Simonyan, die ebenfalls am liebsten und besten in dieser Rolle agieren. Den Sprung von der U20- in die U21-Nationalmannschaft hat Antonio Marchesano in Jugendzeiten nicht geschafft – ob ihm der Sprung in die Super League doch noch gelingt, ist offen. Er wird aber aus athletischen und taktischen Gründen eher noch etwas mehr Anpassungsschwierigkeiten zeigen, als beispielsweise sein Tessiner Offensivkollege Patrick Rossini.