Der FCZ tritt mit einem Zweimannsturm Etoundi/Gavranovic zum Heimspiel gegen den FC Basel an, und ist weiterhin auf der Suche nach dem ersten Heimsieg der Saison. Oliver Buff bildet mit Kevin Bua die Flügelzange. Alain Nef ist nach seiner Verletzungspause wieder zurück in der Startelf. Cabral erhält eine Chance im Zentrum neben Gilles Yapi.

1510 FCZ Aufstellung vs FCB

Beim FCB ist der gegen seinen Jugendklub FCZ immer sehr treffsichere Shkelzen Gashi von Beginn weg dabei, zudem kommt Zdravko Kuzmanovic wieder in die Startelf und bildet zusammen mit Zuffi und Bjarnason ein zentrales Mittelfeld, in welchem alle drei Spieler offensive Qualitäten mitbringen. Der aktuelle Nationalspieler Michael Lang wechselt in Abwesenheit der verletzten Safari und Traoré erneut auf die linke Seite und macht rechts Platz für Ex-Nationalspieler Philipp Degen.

1510 FCB Aufstellung bei FCZ

Basel trat nicht übermächtig auf, aber beim FCZ schienen zu viele Spieler nicht wirklich an einen Erfolg zu glauben, dazu kamen die individuellen Fehler in dieser Partie vor allem von Cabral, Nef und Djimsiti.

FC Basel – FC Zürich 3:1 (1:1) 
St. Jakob-Park – 30 579 Zuschauer – SR Hänni

Tore: 6. Lang 1:0, 45.+5′ Kecojevic 1:1, 72. Gashi 2:1, 85. Janko (Foulpenalty) 3:1

Basel: Vaclik; Lang, Hoegh, Suchy, Safari (60. Traoré); Gashi (81. Elneny), Zuffi, Delgado (67. Janko), Xhaka, Boetius; Embolo.

Zürich: Brecher; Koch, Nef, Kecojevic, Djimsiti; Schneuwly (82. Simonyan), Cabral, Buff, Chermiti (74. Sadiku); Gavranovic (65. Bua), Etoundi.

 

Davide Mariani, das ist 12 Jahre FCZ, gefolgt vom aktuell ersten Jahr in der Fremde, ausgeliehen nach Schaffhausen in die Challenge League. Der Stadtzürcher für den es „immer nur den FCZ“ gab, stand im Alter von 12 Jahren in der Südkurve, als es weniger Pyro, dafür häufiger ab und zu mal eine „Schlegi“ gab. Nach dem Treffen in Baulmes nach dem Match gegen Le Mont (3:0 für Schaffhausen, Tor zum 1:0 durch einen anderen ehemaligen FCZ-Junior, André Gonçalves),  folgte Davide spontan der Einladung am Folgetag nach Basel in den St.Jakob Park, um die FCZ-Teamkollegen zu verfolgen. Dass Davide trotz aktuellem Fokus auf Schaffhausen diese weiterhin als Teamkollegen sieht, hört man unter anderem daran, dass er weiterhin häufig von „wir“ spricht.

Schade, war Mariani nur auf der Medientribüne und nicht auf dem Platz dabei, denn der FCB liegt dem Offensivspieler offensichtlich – sowohl gegen die Profis, wie auch gegen die Basler U21 hat er eine positive Bilanz, und hat in der Super League gegen die Rotblauen schon zwei Mal einen Penalty herausgeholt, wovon einer verwertet werden konnte. Der Cupsieg im Wankdorf im letzten Frühling bezeichnet Mariani, welcher damals in der 86.Minute für Oliver Buff eingewechselt worden war, als bisher schönsten Tag seines Lebens.

Sich in der anspruchsvollen Challenge League zu etablieren, war für Mariani trotz seiner Super League-Erfahrung nicht einfach. In den letzten Partien gelang ihm dies aber zunehmend besser. In den Ausschnitten aus den ausführlichen Gesprächen in Baulmes und Basel ebenfalls zu hören ist, in welcher Statistik Mariani aktuell beim FC Schaffhausen vorne liegt, was speziell an der Challenge League ist, mit welchen FCZ-Teamkollegen er am meisten Kontakt hält, seine Einschätzung der aktuellen Saison des FCZ, und was er von Yannick Brecher, Shkelzen Gashi oder Davide Callà hält.

Im Nachgang zum Spiel in Basel trafen sich die Präsidenten und Besitzer der beiden Klubs (Ancillo Canepa und Bernhard Heusler) bei Jontsch in der „Fussball Arena“ http://www.telezueri.ch/show-brack-ch-fussball-arena#praesidentenrunde zur Diskussion. In der Mausefalle – strategisch gelegen genau in der Mitte zwischen FCZ-Geschäftsstelle und Privatbüro der Familie Canepa. Züri Live vergibt Pluspunkte und Negativpunkte an die drei Diskussionsteilnehmer:

Minuspunkt Jontsch + Heusler: Explizit wird ausschliesslich von „unverbesserlichen Zürchern“ gesprochen und dass im Basler Sektor „weniger passiert“ sei. Gut, Zürcher haben angefangen, aber einer von drei Böllern kam aus der Muttenzerkurve und nach der Partie stürmten rund 200 Basler über die Haupttribüne Richtung Zürcher Fansektor und eskalierten die Situation.

Pluspunkt Canepa: Für die Beschreibung der sportlichen Situation, auch wenn eine Frage nicht beantwortet wurde. Warum ist diese ominöse „Negativspirale“ immer noch auf freiem Fuss, wenn sie solch Unbill anrichtet? Suchen, festnehmen, aburteilen! Jawohl!

Pluspunkt Canepa: „Wir sind ein Team und gehen zusammen durch die guten Zeiten und auch durch die schlechten Zeiten“. Nicht besonders kreativ, dafür aber umso wahrer.

Pluspunkt Heusler: „Das 1:3 müssen wir zählen lassen. Es wäre zu gefährlich, äussere Einflüsse die Ergebnisse bestimmen zu lassen.“ Gut zu wissen, dass es trotz der ganzen Hysterie im Schweizer Fussball Leute mit einem gewissen Verständnis und Weitblick in rechtlichen und Reglementsfragen gibt.

Minuspunkt Jontsch + Canepa: Chiumiento berührt mit angezogenem Bein und geringem Tempo Delgado leicht am Fuss. Dieser fällt mit grosser Theatralik. So ein im Verhältnis harmloses Foul, nach welchem Delgado auch sofort und ohne Probleme weiterspielen kann, mit der Attacke von Wieser zu vergleichen, ist schlichtweg absurd. Der Druck der Medien ist natürlich gross, aber trotzdem sollte auch Canepa vorsichtig damit sein, eigenen Spielern Gesundheitsgefährdung vorzuwerfen, wenn dies nicht der Fall ist. Sein Basler Antipode hätte das mit Sicherheit nicht getan.

Minuspunkt Heusler: Für die etwas gar starke rotblaue Brille bei der Beurteilung der Szenen rund um Gashis Rote Karte.  Wirft Rikan Simulation vor „an Chopf lange, und härewärfe“, dabei bleibt dieser stehen, als ihn Streller wegstösst, was bei Gashi bei Kecojevics Schubser nicht der Fall ist. Gashi hingegen greift Rikan an den Hals und stösst ihn heftig um.

Minuspunkt Jontsch: Am 13.Mai 2006 seien Fans aus der Muttenzerkurve rüber in den Zürcher Sektor gerannt „und umgekehrt“. Wenn Basel einen Titel gewinnt, stürmen die rotblauen Fans jeweils auf den Platz und feiern. Die FCZ-Fans wurden am 13.Mai hingegen von den Sicherheitskräften in einer Ecke eingekesselt, weil Basler, und nur Basler Fans über den Platz gestürmt waren und mit Faustschlägen, Tritten und Pyrofackeln Zürcher Spieler und Offizielle angegriffen haben. Der beinahe schon greise FCZ-Präsident Sven Hotz wurde zudem auf der Haupttribüne von einem Fan geschlagen. So wars.

Pluspunkt Heusler: Für die Klarstellung der Sicherheitssituation und finanziellen Voraussetzungen in Deutschland und in der Premier League: „Deutschland hat es nicht im Griff“. Das musste auch mal gesagt sein.

Pluspunkt Canepa: Die Problematik in der Zusammenarbeit mit der Polizei und Justiz an einem Beispiel überzeugend erklärt. Pflichtprogramm für alle, die immer schreien „die Klubs machen nichts“.

Minuspunkt Jontsch: „Gestern habe ich beim FCZ niemanden gesehen, der zu den Südkürvlern gegangen ist und versuchte, die Situation zu beruhigen“. Aufmerksames Betrachten der Einspieler in der eigenen Sendung würde völlig ausreichen. Denn da sieht man im Hintergrund schön, wie die ganze Zürcher Mannschaft in der Kurve steht, mit den Fans redet und Trikots verteilt.

Pluspunkt Heusler: Für die Bemühungen um die Wiederherstellung der Verhältnismässigkeit. Es ist zwar unglaublich, dass man dafür überhaupt einstehen muss, aber ja: alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich – auch Fussballfans.

Pluspunkt Jontsch: Merci für die Sendung ganz generell. Typische montägliche Verzweiflungstaten wie „Sportlounge gucken“ gehören definitiv der Vergangenheit an.

Schlussresultat

Canepa: 3:1

Heusler: 3:2

Jontsch: 1:4

FCZ: 1:5

FC Basel – FC Zürich 5:1 (2:0)
St. Jakob-Park – 32 042 Zuschauer – SR Amhof

Tore: 24. Gashi 1:0, 45+2. Embolo 2:0, 47. Embolo 3:0, 71. Etoundi 3:1, 78. Embolo 4:1, 88. Djimsiti (Eigentor) 5:1

Basel: Vaclik; Xhaka, Schär, Suchy, Safari (70. Callà);  Delgado (58. Elneny), Frei, Zuffi; Gashi, Streller (65. Traoré), Embolo

Zürich: Brecher; Nef, Kecojevic, Djimsiti; Philippe Koch, Chiumiento, Elvedi, Rikan, Kajevic (58. Maurice Brunner); Etoundi (81. Sadiku), Gavranovic (43. Schneuwly)

Im dritten Spiel zum dritten Mal in dieser Saison erzielte der im FCZ ausgebildete Shkelzen Gashi im Direktduell das richtungsweisende 1:0. Unter Trainer Bernard Challandes hatte der damalige Schweizer Juniorennationalspieler sich gegen Margairaz, César, Schönbächler und Staubli nicht durchsetzen können, hatte auch danach bei Schaffhausen, Bellinzona und Xamax meist Mühe bekundet. In der Challenge League beim FC Aarau holte sich Gashi dann mit 23 Jahren die Spielzeit und das Selbstvertrauen, um im Anschluss daran bei GC immer mehr in neuer (noch offensiverer) Rolle vor allem nach dem Abgang von Izet Hajrovic auch in der Super League richtig duchzustarten. Der nun für Albanien spielende Gashi wird in seiner ersten Saison beim FCB aller Voraussicht nach zum zweiten Mal hintereinander die Torschützenkrone in Muri bei Bern abholen können.

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Manndeckung oder Raumdeckung ist bei Standardsituationen defensiv immer wieder die grosse Streitfrage. Die entscheidenden Gegentore, welche der FCZ zuletzt gegen Luzern und in Basel kassiert hat, könnten als Lehrvideo für die Nachteile der Manndeckung dienen: es tun sich Lücken auf, in welche der Gegner vorstossen kann, und Gelegenheiten, den Ball zu klären, werden verpasst. Das Problem bei diesen Gegentoren war nicht, wie dies Reporter jeweils reflexartig zu kommentieren pflegen, dass die FCZ-Spieler „zu wenig nah am Mann“ gewesen sein sollen. Sie nahmen ihre Aufgabe jeweils sehr ernst – alle deckten die ihnen zugeteilten Gegenspieler so eng wie nur möglich. Aber Luzern und Basel haben einzelne Spieler in ihren Reihen, die in der Zweikampfführung dank ihrer Wendigkeit (Gashi) oder ihrer Kraft (Puljic, Embolo) ganz einfach besser sind. Wäre daher Raumdeckung und stärkere Orientierung auf den Ball das bessere Rezept? Möglich wärs – ein Patentrezept ist es aber sicherlich auch nicht, denn am Ende entscheidet so oder so in solchen Situationen die individuelle Qualität.

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So lag der FCZ zur Pause bereits mit 0:2 hinten, obwohl er in den ersten 45 Minuten eine gute Leistung gezeigt und mindestens ebenbürtig gewesen war. Wenn es um den FCZ geht, scheinen zudem die Fingerspitzen der Referees weiterhin wenig durchblutet und daher gefühllos zu sein. Nachdem Chikhaoui in Bern gegen die fiesen Tacklings Steffens von hinten zu wenig geschützt worden, und zuletzt mehrere strittige Hands- und Offsideentscheidungen zuungunsten des FCZ ausgefallen waren, fiel Schiedsrichter Amhof diesmal auf die grosse Theatralik Delgados nach der doch eher leichten Berührung am Fuss durch Chiumiento herein. Amhof wollte erst die Meinung des besser postierten Vierten Offiziellen Jacottet (notabene ein ehemaliges Mitglied der Muttenzerkurve!) wissen, als dieser aber die Situation als gelbwürdig einschätzte, interessierte Amhof diese Zweitmeinung dann schlussendlich doch nicht. Im zweiten Auswärtsspiel hintereinander flog damit beim FCZ der Captain bereits während der Ersten Halbzeit vom Platz. Von diesem Moment an kam viel Hektik in die bis dahin fair und fokussiert geführte Partie.

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Was gibt es positives zu berichten aus Basel? Nach 345 Minuten wurde die Torimpotenz durch Franck Etoundi nach einem schön vorgetragenen Angriff (von Etoundi selbst eingeleitet) gestoppt. Die Eckbälle wurden gegen Ende der Partie endlich besser, als diese von Christian Schneuwly (von rechts) und Nico Elvedi (von links) getreten wurden. Elvedi zeigte sowieso eine starke Leistung. Der FCZ bräuchte aber mindestens fünf oder sechs Spieler auf dem Level von Elvedi und Etoundi, um gegen den FC Basel ein Chance zu haben. Dass dann aber ausgerechnet Elvedi kurz nach der Pause das Missverständnis mit Kecojevic unterlief, welches zum 0:3 führte, zeigt, dass sich schlussendlich wirklich kein Spieler hundertprozentig von der Selbstkritik ausnehmen kann.

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Mit dem Werfen von Böllern und Pyrofackeln andere Menschen zu gefährden, ist nicht tolerierbar. Die Degradierung von „Piu“ Da Costa ins dritte Glied war offenbar für eine diesem nahestehende kleine Fan-Gruppierung der Anlass, sich in den letzten drei Partien vermehrt „Gehör“ zu verschaffen. Schon die stark an Demos der Zürcher Hausbesetzerszene erinnernden unschönen Begleitumstände des letztjährigen Marsches durch Bern vor dem Cupfinal zeigte, dass sich eine von der Südkurve nicht tolerierte Gruppierung wieder in ihrem Umfeld einzunisten versucht. Solche Situationen gab es in früheren Zeiten auch schon einmal, zum Beispiel 2009, und sie konnten durch „Selbstregulierung“ der Kurve weitgehend gelöst werden. Ob die Kurve diesmal ebenfalls in der Lage ist, den Sicherheitskräften die Arbeit abzunehmen, ist zur Zeit offen. Eines muss aber bei aller Hysterie immer klar bleiben: jeder Mensch ist für seine eigenen Taten verantwortlich. Der FC Zürich kann sich genausowenig wie irgendein anderer Sportklub, Popstar oder Celebrity seine Fans aussuchen. Fan-sein ist eine individuelle Entscheidung genauso wie ein Stadionbesuch. „Züri Live“ ist darum weiterhin strikt gegen jedwelche Kollektivbestrafung von Fussballklubs und Zuschauern von Fussballspielen. Denn dies ist eines demokratischen Rechtsstaates unwürdig.

FC Basel 1893 – FC Zürich 4:1 (2:0)

St. Jakob-Park – 33 372 Zuschauer – SR Klossner

Tore: 23. Gashi 1:0, 39. Zuffi 2:0, 55. Chermiti 2:1, 74. Kakitani 3:1, 87. Delgado 4:1

Basel: Vaclik; Degen, Schär, Xhaka, Suchy; Frei, Diaz (79. Serey Die), Zuffi; Gonzalez, Streller (75. Delgado), Gashi (62. Kakitani)

Zürich: Da Costa; Philippe Koch, Kecojevic, Djimsiti; Kukeli, Yapi; Schönbächler, Chiumiento (84. Buff), Rodriguez (73. Rikan); Chikhaoui, Chermiti (80. Etoundi)