Liga-Vorschau: Das sind die 12 Teams der Super League 23/24 – Teil 1: abendschule, Dreifelderwirtschaft und Krösus

Stade Lausanne-Ouchy – Die Minerva-Abendschule

Die zahlreichen internationalen Schulen in der Genferseeregion waren ein wichtiger Grund dafür, dass sich der Fussball in der Gründerzeit dort früh festsetzte und schnell ausbreitete. La Villa Ouchy gehörte zu den Gründern des Schweizerischen Fussballverbandes und ist ein Vorgängerverein von Stade Lausanne-Ouchy. Seit der Gründung dem Amateur-Ethos verpflichtet, verbrachte man dementsprechend lange Zeit in den Niederungen des Amateurfussballs. Die Fusion mit Stade Lausanne im Jahre 2001 läutete eine ambitioniertere Phase der Vereinsgeschichte ein. Man wurde Schritt für Schritt zum Spitzenamateurverein mit einer grossen Juniorenabteilung – und die Nummer 2 der Stadt. Der Mathematiklehrer Andrea Binotto wurde im Sommer 2012 Trainer der Waadtländer und begann seine Zeit mit einer 0:3-Niederlage gegen Perly-Certoux in der 2. Liga Interregional. Eines seiner letzten Resultate acht Jahre später war ein 4:1-Heimsieg gegen GC in der Challenge League. In dieser Zeit machte es das Binotto-Team dem FCZ in Cup-Duellen im Quartier Vidy am See zwei Mal nicht einfach. Auf dem Weg zum Cuptitel 2014 trat der FCZ gegen den damaligen Fünftligisten (2. Liga Interregional) etwas überheblich auf und konnte nach 1:2-Rückstand in der 86. Minute durch einen Treffer Franck Etoundis zum 3:2 gerade noch den Kopf aus der Schlinge ziehen. Im Oktober 2017 agierte man gegen den nun in der dritthöchsten Liga (Promotion League) spielenden Gegner beim Début von Stephen Odey fokussierter und gewann 4:1. Cédric Brunner war der Züri Live-MVP und wiederum bedeutete Gegner SLO ein gutes Omen für den FCZ auf dem Weg zu einem weiteren Cup-Titel. Der heutige SLO-Captain Lavdrim Hajrulahu war damals bereits mit dabei.

Die heute in der altehrwürdigen Pontaise ihre Heimspiele bestreitenden Lausanner können als die „Minerva-Abendschule“ der Liga bezeichnet werden. Der Hauptharst der Mannschaft besteht aus 20-24-jährigen ehemaligen guten Talenten aus der Schweiz und Frankreich, die auf dem „Ersten Bildungsweg“ den Sprung in den Profifussball nicht geschafft haben. Häufiger Grund: fehlender hundertprozentiger Fokus auf den Fussball in Teenager-Jahren. Bei SLO erhalten sie auf dem „Zweiten Bildungsweg“ nochmal eine Chance ihr Talent doch noch zum Erblühen zu bringen. Ein erfolgreiches Beispiel eines SLO-Abendschule-Absolventen ist Zeki Amdouni, der sich davor bei Servette im Nachwuchs nicht durchgesetzt hatte. Heutige Beispiele sind Bamba, Mulaj, Ajdini, der sehr interessante Danho oder Camara. Mit dem Aufstieg in die Challenge League vor vier Jahren stand Stade Lausanne-Ouchy erstaunlicherweise gleichzeitig vor dem Konkurs. Der Besitzer von Stade Nyonnais, Vartan Sirmakes, rettete den Verein. Das Budget ist auch wegen tiefer Zuschauerzahlen für Super League-Verhältnisse gering. Der in der Uhrenindustrie engagierte Sirmakes steckt keine Riesensummen in den Verein, aber er hilft, wenn Not am Mann ist. Die Mannschaft war in der abgelaufenen Challenge League-Saison fussballerisch aber sicherlich talentierter, als diejenige des Mitaufsteigers Yverdon-Sport. Das Team von Anthony Braizat wird vermutlich weiterhin mit Viererabwehr auflaufen – und meist mit drei Zentralen Mittelfeldspielern, sei es in einer 4-3-3 oder einer 4-2-3-1 Formation.

FC Zürich – Die Dreifelderwirtschaft

Da sich der FCZ keine Super League-Topspieler leisten kann, die sofort „einschlagen“, arbeitet er mit Fussballern aus dem eigenen Stall und aus fremden Ställen, die ein paar Jahre benötigen, um richtig zu gedeihen. Manchmal liegt ein Spieler zwischendurch auch mal scheinbar eine Saison lang „brach“, bis er in der darauffolgenden Spielzeit zum Erblühen kommt – wie in der mittelalterlichen Dreifelderwirtschaft. Ein grosser Teil des Kaders hat den Weg in die 1. Mannschaft des FCZ über die Challenge League gefunden. Der FCZ konnte in diesem Sommer das Team weitgehend zusammenhalten und hat daher verschiedene Spieler in seinen Reihen, die in der kommenden Saison einen Schritt nach vorne machen können. Gerade im Sturm gibt es mit Tosin, Avdijaj, Okita, Ligue, Rohner, Bajrami, Nils Reichmuth oder Afriyie viele Kandidaten mit Potential. Der FCZ wird je nach zur Verfügung stehendem Personal im 3-4-3, 3-4-1-2 oder 3-4-2-1 antreten und wohl wie letzte Saison gegen alle Gegner ausser YB und dem FCB relativ hoch stehen und das Spiel bestimmen wollen. Condé und Mathew ergänzen sich im Zentrum gut und erinnern etwas an das Duo Dzemaili / Inler – mit Condé in der Rolle des „wilden“ Dzemaili und Mathew als spielintelligenter „Inler“.

FC Basel – Der Krösus

Man mag es kaum glauben: immerhin nun bereits sechs Jahre ist es her seit dem letzten Meistertitel des FC Basel – vier Zweite Plätze, ein Dritter Rang und zuletzt die fünftbeste Platzierung resultierten aus den Bemühungen auf dem Platz. In Medienberichten war in dieser Zeit im Zusammenhang mit dem FCB viel von „strukturellem Defizit“ und „fehlendem Geld“ die Rede. Zuletzt erweckte die Berichterstattung rund um den Transfer von Darian Males den Eindruck, als habe Meister YB den Baslern auch finanziell den Rang abgelaufen und spiele eine Liga höher. Dies ist aber überhaupt nicht der Fall! Die Bebbi sind auch sechs Jahre nach der sportlichen Wachablösung immer noch der Krösus der Liga. Krösus war ein frühantiker König, der im ganzen Mittelmeerraum für seinen Reichtum und seine Ausgabefreudigkeit bekannt war. 2022 betrugen die betrieblichen Ausgaben des FC Basel mehr als 60 Millionen Franken. Zum Vergleich: Lugano gab rund 20 Mio aus. GC, Luzern, Servette, Sion und der FCZ lagen bei rund 25 Mio, St. Gallen bei 30 Mio – und YB bei… 50 Mio – also zehn Millionen weniger als Rotblau! Und damit sind die mit 13,5 Mio höchsten Transferausgaben der Liga beim FCB noch gar nicht mit eingerechnet. Die Gesamtausgaben des FC Basel im Jahr 2022 beliefen sich somit also auf 74 Mio Franken. Auch im Jahr davor hatte der FCB deutlich höhere betriebliche Ausgaben als YB und obendrein von allen Super League-Isten mit 14 Mio Franken mit Abstand am meisten Geld für Transfers ausgegeben.

Die Rotblauen horten grosse Talente aus der Schweiz und aus den Topligen – und lassen die Hälfte davon dann nicht spielen. Und das Ende der Ausgabenfreudigkeit ist nicht in Sicht. im Jahr 2023 hat der FCB bisher bereits 17,5 Mio für neue Transfers ausgegeben! YB seinerseits hat im Vergleich dazu erst rund 4 Mio für neue Transfers investiert, davon die Hälfte für Darian Males. Basel hätte sich Males also ohne Probleme leisten können. Sie hatten ganz einfach andere Prioritäten und haben sich unter anderem für Jonathan Dubasin (3 Mio) und Thierno Barry (3 Mio) entschieden. Der Unterschied zwischen dem FCB und YB besteht darin, dass der FCB alle Einnahmen gleich wieder ausgibt. Es ist ein ständiger Seiltanz, wie beim FCZ und vielen anderen Super League-Klubs auch – einfach in deutlich grösserer Höhe. YB hingegen verhält sich finanziell disziplinierter, legt einen Teil seiner Einnahmen als Reserve auf die hohe Kante und kann sich so langfristig nachhaltig entwickeln. Taktisch scheint sich beim FC Basel diesen Sommer hingegen eine kleine Revolution anzubahnen. Die Rotblauen waren in der Schweiz der Inbegriff des 4-2-3-1, mit dem sie seit den Zeiten des Duos Robben / Ribery jahrelang dem deutschen „FCB“ aus München nacheiferten. Man baute wie die Bayern bis zur Ankunft von Pep Guardiola auf eine zahlenmässig starke defensive Absicherung – und nach vorne sollte die Qualität der Offensivflügel in Eins-gegen-Eins Situationen für den Unterschied sorgen. Typischerweise liess man dabei jeweils einen Linksfuss auf dem rechten und einen Rechtsfuss auf dem linken Flügel auflaufen. Trotz der Bayern-Vergangenheit von Sportchef Heiko Vogel: der FCB wird wohl erstmals seit vielen Jahren nicht mehr im 4-2-3-1 antreten. In der Vorbereitung wurde zuerst mit Dreierabwehr (3-4-3, 3-4-2-1) und gegen Benfica im 4-3-3 gespielt. Letzteres würde gut zur mittlerweile grossen holländisch/spanischen Fraktion (Comas, Van Breemen, Lopez, Burger, Dubasin) passen. Nach einer langen Flaute drängt nun der ein oder andere Nachwuchsspieler wieder etwas überzeugender als zuletzt Richtung 1. Mannschaft. Im Test gegen Benfica konnten Zé Junior, Leon Avdullahu oder der aus dem Hertha- / RB Leipzig-Nachwuchs stammende Adriano Onyegbule Duftmarken setzen. Das Gleiche machte Linksverteidiger Riccardo Calafiori auf seine Weise, indem er es selbst in einem Freundschaftsspiel schaffte, 80% des Stadions gegen sich aufzubringen.

Blerims letztes Derby / FCZ – GC Vorschau

18 Derbys hat Blerim Dzemaili bisher in seiner Karriere bestritten. Kommt er heute gegen GC zum Einsatz, ist es sein letztes. Obwohl die Äras mit Dzemaili beim FCZ erfolgreich waren, ist seine Derby-Bilanz bisher „nur“ ausgeglichen. Ganze fünf Siege bei ebenso vielen Niederlagen und acht Unentschieden! Falls Dzemaili zum Einsatz kommt, entscheidet diese Partie aber nicht nur seine persönliche Karriere Derby-Bilanz. Der FCZ kann im vierten Derby der Saison auch den Klassenerhalt klar machen – und zum fünften Mal in Folge die Zürcher Meisterschaft gewinnen. Ab der zweiten Saison seit dem Wiederaufstieg war der FCZ immer die Nummer 1 der Stadt. Diese Saison ist die Derbybilanz aber noch ausgeglichen – mit der besseren Tordifferenz für GC. Blerim Dzemaili traf beim ersten Heimderby per Penalty zum späten 1:4. Es war sein ebenfalls erst zweites Derby-Tor. Das erste hatte er in der Meistersaison bei einem Zürcher Konter (Fehler von Margreitter) aus der Distanz erzielt (Endstand: 3:3).

Dritter Derby-Sieg in vier Tagen?

GC hat in den letzten zehn Partien sechs Mal gewonnen und vier Mal verloren – ohne ein einziges Unentschieden! Dies liegt unter anderem an der risikovollen Spielweise nach vorne mit viel hohem Pressing, das sich auch darum ausbezahlt hat, weil ein torreiches Spiel eher einen Sieger bringt und zwei Spiele mit einem Sieg und einer Niederlage mehr Punkte abwerfen als zwei Unentschieden. Wenn auch die Spielweise in den letzten Partien konsistent war, wechselte Coach Contini die taktischen Formationen häufig. Zuletzt gegen Luzern (2:0) war es ein Rhombus.

Der FCZ scheint in Sachen Formstand der einzelnen Spieler auf dem Zahnfleisch zu laufen und hat wenig valable Alternativen. Dzemaili und ein wiedergenesener Tosin könnten darum beispielsweise von der Bank noch wichtige Impulse bringen. Calixte „Junior“ Ligue hat diese Woche einen intensiven FIFA Blue Stars Youth Cup gespielt und wird daher wohl kaum in der Startformation stehen. Gelingt den Profis nach den U19-Junioren und den Frauen der dritte Derby-Sieg innert vier Tagen?

Offensiv gut / GC – FCZ Analyse mit Randnotiz: Fidan Alitis wichtiger Beitrag zum Siegtreffer

Derby-Doppeltorschütze Schettine gesperrt: Vorteil für den FCZ? / GC – FCZ Vorschau (Züri Live)

Nach der Partie meinte FCZ-Trainer Bo Henriksen in der Pressekonferenz: „Ich hätte zur Pause zehn Spieler auswechseln können“. Aus teampsychologischer Sicht macht die Aussage Sinn. Tatsächlich waren die Leistungen der Spieler aber sehr unterschiedlich. Krasniqi und Kamberi kehrten in die Startaufstellung zurück und beide spielten eine gute Erste Halbzeit, dasselbe gilt für Tosin. Schlecht spielten zwei Spieler in zentralen Positionen: Nikola Katic (Note „1“) und Antonio Marchesano („2“). Marchesano wurde ausgewechselt, Katic steigerte sich nach der Pause. Die Zweite Halbzeit des Innenverteidigers (Note „8“) war seine erste gute seit der Winterpause.

Züri Live-Leserfrage vor der Partie

Nach der Pause schneller, direkter und grossräumiger

Wie schon in der Anfangsphase gegen St. Gallen vermochte der FCZ mit dem Dreimannsturm Tosin / Simic / Okita viel mehr Druck zu entfachen, ohne dass dies auf Kosten der defensiven Stabilität ging: im Gegenteil. Es wurde schneller, direkter und grossräumiger gespielt – mit langen Bällen und vielen gelungenen Seitenwechseln. In der Züri Live-Statistik zeigt sich dies unter anderem daran, dass es auf 14 Abschlüsse nur 12 Pre-Vorlagen gab. Jonathan Okita und der eingewechselte Blerim Dzemaili schlugen zudem ausgezeichnete Standards. Ganz allgemein war die Offensivleistung gut – mit einer Offensivdurchschnittsnote von 6,7, die auf gleicher Höhe mit dem St. Gallen-Spiel liegt. Der FCZ hatte eindrückliche 34% seines Ballbesitzes im Angriffsdrittel des Platzes. Defensiv bekam man abgesehen von den Anfangsminuten gar nicht so viel zu tun, beging gemessen daran aber überdurchschnittlich viele Fehler – allen voran Nikola Katic mit einer Defensivnote „1“.

Personalien

  • Bledian Krasniqi: Da Cheick Condé immer mehr zur defensiven „Bank“ im Mittelfeld wird, kann sich Bledian Krasniqi nun häufiger seinem eigentlichen Spezialgebiet, dem kreativen Spiel nach vorne, widmen.
  • Jonathan Okita: An den gefährlichsten FCZ-Aktionen immer beteiligt. Zu Beginn noch etwas zögerlich, dann kommt er immer besser ins Spiel.
  • Aiyegun Tosin: Schiesst in der 2. Halbzeit seinen Doppelpack, insgesamt aber in der 1. Halbzeit mit der besseren Leistung.
  • Becir Omeragic: Nach seiner Einwechslung für den verletzten Adrian Guerrero in der 22. Minute halblinks in der Verteidigung, tauscht mit Lindrit Kamberi in der 55. Minute dann aber die Position.
  • Blerim Dzemaili: Wie schon im ersten Heimspiel gegen Luzern wieder MVP, spielt auf 10er-Position und trägt mit seiner Defensivarbeit viel zur Sicherung des Derbysieges bei. Sehr gute Standards. Wie im Kantonsderby Stephan Seiler sowohl offensiv wie defensiv mit Maximalnote „10“.

Randnotiz – Fidan Alitis wichtiger Beitrag zum Siegtreffer

GC-Trainer Giorgio Contini klagte nach dem Spiel in der Pressekonferenz: „Es ist jedes Mal ein Anderer, der den entscheidenden Fehler macht“. Tsiy Ndenge und Bendeguz Bolla gehören zu den konstantesten Akteuren in Continis Kader, aber ersterer verlor den Ball gegen Tosin vor dem Ausgleich und der Zweite liess die Flanke Okitas zu, die zum 2:1-Siegtreffer des FCZ führte. Entscheidend dafür war aber auch Fidan Alitis Lauf in die Tiefe ohne den Bolla und Ndenge Okita wohl hätten doppeln und die Flanke verhindern können.

Weitere Berichte und Highlights

Telegramm 281. Derby GC – FCZ (transfermarkt)

Zürcher Derby (Fussball) (Wikipedia)

Südkurve im Stadtderby

FCZ gewinnt Derby nach Wende – Basel vergibt Sieg in der 96. Minute (Watson)

Zürcher Sturmduo versenkt die Hoppers (BLICK)

Dank Tosin: FCZ mit Wende im Derby gegen GC (8RF)



Derby-Doppeltorschütze Schettine gesperrt: Vorteil für den FCZ? / GC – FCZ Vorschau

Die 1:4-Niederlage im letzten Stadtderby vom 23. Oktober war der Tiefpunkt und gleichzeitig die Kehrtwende in dieser FCZ-Saison. Nach zwei starken Defensivleistungen gegen YB und in Basel präsentierte sich das Team das einzige Mal unter dem neuen Coach Bo Henriksen (wegen Sperre auf der Tribüne) über weite Strecken lamentabel. Dies zeigte sich unter anderem bei den Gegentoren. Beim ersten verschlief die halbe Mannschaft (speziell die Routiniers Katic und Selnaes) die schnelle Ausführung eines Eckballs, und beim zweiten in der 45.+4 Minute waren mehrere Spieler gedanklich schon beim Pausentee. Beim dritten Gegentreffer liess sich Kamberi von Morandi ziellos aus seiner Position locken und Selnaes von Bolla sehr einfach austanzen. Und auch beim vierten fehlte es an Gegenwehr.

Aussergewöhnlich: Dreimannsturm aus dem eigenen Nachwuchs

In der darauffolgenden Woche folgte dann aber die Reaktion mit den ersten Saisonsiegen in der Europa League-Gruppenphase und Super League gegen Bodö/Glimt und Sion. Nur beim 0:1 in London gegen Arsenal sowie weniger als drei Tage danach dem 0:2 in Lugano gab es in der Folge noch Niederlagen. In der Formtabelle seit diesem letzten Stadtderby liegt der FCZ auf dem 2. Platz hinter YB. Insgesamt reicht dies aber noch nicht, um vom Tabellenende (punktgleich mit dem FC Winterthur) wegzukommen. Dafür bräuchte es weiterhin hervorragende Resultate – und eine Leistungssteigerung im Vergleich zur Partie in Sion und dem Kantonsderby gegen Winterthur. Vor dem 1:4 Ende Oktober war der FCZ in elf Derbys in Folge ungeschlagen geblieben. Das dritte Direktduell gegen GC ist sehr wichtig im Kampf gegen den Abstieg. Ausserdem treffen mit Winterthur und Sion am Tag davor die zwei anderen direkten Konkurrenten aufeinander.

GC hat zuletzt zum zweiten Mal in dieser Saison den FCB mit 1:0 geschlagen, nachdem man wenige Tage davor gegen den gleichen Gegner im Cup 3:5 verlor. In dieser Partie trat das Team von Coach Giorgio Contini ersatzgeschwächt an und der eingewechselte Ergänzungsspieler Shabani verursachte mehrere Gegentreffer auf amateurhafte Weise. Beim 1:0-Heimsieg gegen den FCB wenige Tage danach startete GC mit dem aus dem eigenen Nachwuchs stammenden Dreimannsturm Pusic – Morandi – De Carvalho. So etwas kommt in der Super League höchst selten vor. Gegen den FCZ wird tendenziell diese Liga-Version von GC antreten, die zuletzt in Genf gegen Servette mit 1:2 verlor. Die Leistung des Contini-Teams im Stade de Genève war dabei nicht so schlecht, wie sie in einigen Medien gemacht wurde. Einfach wird es für den FCZ nicht. Mit Derby-Doppeltorschütze Schettine scheint GC wieder einen Brasilianer in seinen Reihen zu haben, der besonders gern gegen den FCZ trifft. Er ist aber diesmal gesperrt. Der Vorarlberger Innenverteidiger Georg Margreitter wurde in Genf in den Schlussminuten in diesem Kalenderjahr erstmals eingesetzt, wird aber fürs Derby als fraglich vermeldet.

Langzeitverletzte Qualitätsspieler als Transferziel GC’s

Im Vergleich zum Herbst hat Giorgio Contini die taktische Formation und die Spielweise wieder etwas umgestellt, aber immer noch mit dem gleichen Personal. Nur der Japanische Rechtsverteidiger Teruki Hara von Shimizu S-Pulse, der sich erst noch an den Super League-Rhythmus gewöhnen muss, ist dazu gekommen. Haras Position ist mit Bendegûz Bolla und Nadjack eigentlich die bereits am besten besetzte des ganzen Kaders. Nach zweieinhalb Jahren bei GC stand Nadjack vor zwei Wochen gegen Basel zum ersten Mal in der Super League in der Startformation. Er ist ein typisches Beispiel für die Transferpolitik eines Klubs wie GC, der gewisse Ambitionen und gleichzeitig ziemlich beschränkte Mittel hat.

Eine Gruppe von ausländischen Spielern sind die von den Wolverhampton Wanderers ausgeliehenen Super League-Topspieler Bolla und Kawabe, eine zweite Akteure aus Ostasien, die sich in Europa etablieren wollen. Die dritte Gruppe sind Spieler mit einer gewissen Qualität, die sich GC nur leisten kann, weil sie bei ihrer Ankunft eine längere Historie von Verletzungen oder disziplinarischen Problemen als Rucksack mit sich geschleppt haben. Dazu gehören Georg Margreitter, Tsiy Ndenge, Meritan Shabani, Renat Dadashov – und Nadjack.

GC-Pressing weniger intensiv, aber nicht weniger gefährlich

Dieser hatte früher mal bei Reus Deportivo in Katalonien gespielt (wie später Adrian Guerrero, heute ist der Klub Konkurs) und brauchte lange für seinen Durchbruch in der obersten portugiesischen Liga. Kaum wurde dieser im Alter von 25 Jahren bei Rio Ave endlich Tatsache, verletzte sich Nadjack am Knie und fiel eine volle Saison aus. GC verpflichtete den sich erst gerade wieder im Aufbau befindlichen Rechtsverteidiger im Sommer 2020. Er kam dann im Herbst zu drei überragenden Einsätzen in der Challenge League, bevor er sich erneut verletzte. In den zwei Jahren seither hatte er praktisch nur Einsätze im Reserveteam. Nun ist der mittlerweile 29-jährige also wieder zurück und hat vorläufig sogar Bendegûz Bolla von dessen Stammplatz verdrängt. Es gibt wohl selbst den ein oder anderen FCZ-Anhänger, der Nadjack zumindest gute Gesundheit wünschen würde.

Continis präferiertes System ist neu ein 4-3-3, das er nach dem 1:2-Rückstand in Genf auf ein 4-4-2 mit vier gelernten Stürmern auf dem Platz unstellte (in vielen Spielsituatonen daher eher ein 4-2-4). GC hat immer noch relativ wenig Ballbesitz, trägt dem Ball aber im Vergleich zum Herbst trotzdem etwas mehr Sorge und spielt gepflegter. Das Pressing und Gegenpressing ist ebenfalls nicht mehr ganz so intensiv wie noch vor der Winterpause, aber deshalb nicht weniger gefährlich. Der FCZ in der Person von Nikola Katic sollte sich hüten, so wie Servettes Steve Rouiller riskante flache Bälle durch die Mitte zu spielen. Tsiy Ndenge ist in solchen Situationen sofort zur Stelle und es braucht dann das Glück eines Tabellenzweiten, um nicht in Rückstand zu geraten.

Routiniers Abrashi und Loosli als Schwachpunkte

Auf der anderen Seite hat GC verschiedene vor allem individuelle Schwachpunkte, welche der FCZ ausnutzen kann. Dies sind aktuell vor allem die sehr fehleranfälligen Routiniers Amir Abrashi und Noah Loosli, der wohl den gesperrten Tomas Ribeiro ersetzen wird. Wenn GC im Spielaufbau zudem so unter Druck gesetzt wird, dass ein hoher Ball auf einen anderen Offensivmann als Dadashov gespielt wird, ist die Chance auf einen Ballgewinn und Umschaltmoment gross.

Mit Blerim Dzemaili ist nach dessen verletzungsbedingter Auswechslung nach zwei Grosschancen in Sion auch beim FCZ ein Routinier weiterhin fraglich für einen Einsatz. Im letzten Stadtderby hat dieser den einzigen FCZ-Treffer per Penalty zum zwischenzeitlichen 1:3 erzielt. Mit Daniel Afriyie (gegen Winterthur auf der Bank) und Ifeanyi Mathew hat Coach Bo Henriksen zwei weitere Alternativen in einem vergrösserten Kader zur Hand. Der dänische Coach setzt aber auf eine Stammelf und hält an dieser auch bei schlechten Leistungen fest. Schlechte Karten daher beispielsweise für Stephan Seiler, der gegen den FC Winterthur als Ersatz für die angeschlagenen Selnaes und Dzemaili sowie den gesperrten Krasniqi eine starke Leistung zeigte.

Condé als Staubsauger, Okita mit zu wenig Skorerpunkten

Die nächsten Partien werden zeigen, wo Afriyie und Mathew in Henriksens Hierarchie stehen. Wovon man ausgehen kann, ist, dass er bei diesen Transfers ein Wörtchen mitzureden hatte. Übernimmt Mathew den Platz von Condé? Kann Afriyie Okita verdrängen? Condé hat zuletzt eine sehr gute Entwicklung genommen und wird mehr und mehr zu einer „Lebensversicherung“ im Zürcher Mittelfeld, so wie er die Bälle des Gegners wie ein Staubsauger regelrecht anzuziehen scheint. Er nutzt dabei seine grosse Reichweite optimal aus und kann zudem immer wieder mit guten Zuspielen und Diagonalbällen im Umschaltspiel überzeugen. Condé ist ein wichtiger Faktor in der aktuell guten FCZ-Defensivbilanz mit weniger als einem Gegentor pro Partie in den letzten Runden.

Jonathan Okitas Bilanz ist bisher hingegen zwiespältig. Seine Qualitäten sind unbestritten und einen Offensivspieler muss man auch bis zu einem gewissen Grad sein Spiel spielen lassen. damit er seine Qualitäten abrufen kann. Man hat zudem bei Okita das Gefühl, dass jederzeit ein Ketchup-Flascheneffekt mit Toren in mehreren Spielen hintereinander bevorstehen könnte, wie dies bei Blaz Kramer oder Assan Ceesay der Fall war. Vorderhand ist seine Ausbeute aber ungenügend. Nicht nur Aiyegun Tosin, sondern auch Roko Simic, Donis Avdijaj, Fabian Rohner und Ivan Santini haben eine bessere Quote an Skorerpunkten.

Simic mit eigener taktischer Interpretation?

Henriksen hält sich wie André Breitenreiter an die Teamleader und deren präferierte taktische Formation mit einem 3-4-1-2, wenn Antonio Marchesano dabei ist. Ohne Marchesano agierte man zuletzt in einem 3-4-3, wobei dies nicht zwingend so geplant war. Es gibt Anzeichen dafür, dass Roko Simic zurückhängend auf der 10er-Position agieren sollte, seine Rolle im Offensivzentrum aber etwas anders interpretierte. Allerdings machte der FCZ in diesem 3-4-3 von der Positionierung her einen guten Eindruck und mit dem lieber von der Seite kommenden Afriyie ist nun ein weiterer Befürworter eines solchen Systems bereit für seinen ersten Einsatz im FCZ-Trikot. Am zur Zeit schlecht spielenden und ein Sicherheitsrisiko darstellenden Nikola Katic wird Henriksen ziemlich sicher festhalten. Blerim Dzemaili war seit seiner Rückkehr zum FCZ immer dann am besten, wenn er maximal eine Halbzeit eingesetzt wurde. Als Einwechselspieler könnte er auch im Derby eine gute Rolle spielen.

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