An der Pressekonferenz vor dem kapitalen Duell gegen Lugano im Letzigrund tat FCZ-Trainer Sami Hyypiä etwas für ihn aussergewöhnliches – er strich auf Nachfrage die Bedeutung eines einzelnen Spielers für das Team heraus: „Wir gewinnen in Basel, wenn Sanchez nicht verletzt raus muss“.

Hyypiä sieht in jenem Zweikampf, als der Basler Jungspund Cédric Itten den Argentinischen Verteidiger zehn Minuten nach der Pause im Mittelfeld von hinten attackierte, den Knackpunkt, welcher den FCZ nach ansprechendem ersten Teil der Meisterschafts-Rückrunde nochmal in akute Abstiegsgefahr gebracht hat. Tatsächlich ist der Punkteschnitt ohne Sanchez von 1.33 auf mickrige 0.2 pro Spiel gesunken.

Die legitime Praxis, den grössten Konkurrenten wie GC oder YB die Schlüsselspieler Hakan Yakin, Petric, Smiljanic, Yapi oder Bobadilla abzukaufen, betreibt der FCB seit Beginn der neuen Meisterära um die Jahrhundertwende. In den letzten vier der sieben Meistersaisons in Folge wurde nun aber das Ausschalten der Konkurrenz aus Zürich und Bern durch Brutalo-Fouls von ehemaligen FCB-Junioren zu einem zusätzlichen, nicht unwesentlichen, aber bisher wenig thematisierten Faktor.

Das bedeutet nicht, dass es sich hier um eine gezielte Strategie der FCB-Klubführung handelt. Dies hält Züri Live für eine höchst unwahrscheinliche Erklärung des Phänomens. Die These vom reinen „Zufall“ kann bei einer solchen Häufung von sich wiederholenden Fällen bei ernsthafter Betrachtung aber ebenso ausgeschlossen werden.  Es würde erstaunen, wenn bei gründlicher Untersuchung bei ehemaligen FCB-Junioren nicht Spuren von gegenseitiger Anstachelung zu solchen Taten gefunden werden könnten.

3.Februar 2013: In einem fair und ruhig geführten Testspiel fügt Simon Grether mit einem plötzlichen vorsätzlich gesundheitsgefährdenden Einsteigen FCZ-Schlüsselspieler Burim Kukeli einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. Grether meint nach dem Spiel: „Dem FCZ fehlt für längere Zeit ein wichtiger Spieler. Das tut mir leid“. Die Spätfolgen dieser Aktion werden Kukeli wohl immer verfolgen. Selbst heute noch muss der Mittelfeldspieler immer wieder mehrere Spiele hintereinander pausieren. Simon Grether stammt aus dem FCB-Nachwuchs.

8.Februar 2014: Zur Winterpause ist das Meisterrennen eng mit drei Teams innerhalb von zwei Punkten. Beim Spitzenspiel am zweiten Spieltag der Rückrunde im St.Jakob Park säbelt Taulant Xhaka den sich in blendender Verfassung befindlichen YB-Stürmer Alexander Gerndt mit beiden Beinen von hinten um. Gerndt fällt lange aus, und YB in der Folge in der Tabelle zurück. Basel wird Meister. Taulant Xhaka stammt aus dem FCB-Nachwuchs.

5.Oktober 2014: Der FC Zürich ist hervorragend in die Saison gestartet und übernimmt nach dem Heimsieg gegen Vaduz die Leaderposition. Zu Reden gibt aber ein Vorfall in der 22.Minute. SRF.CH meint dazu: „Aus unerklärlichen Gründen stieg Innenverteidiger Simone Grippo im Mittelfeld Davide Chiumiento von hinten in die Beine. Die direkte rote Karte an die Adresse von Grippo war die logische Konsequenz.“. Die Aktion ist vorsätzlich gesundheitsgefährdend. Der sich zum damaligen Zeitpunkt einer sehr guten Form erfreuende Chiumiento („der beste Chiumiento aller Zeiten“) verletzt sich glücklicherweise aber nicht. Simone Grippo stammt aus dem FCB-Nachwuchs.

wieser foul

9.November 2014: Der FCZ bedrängt den FCB einen Monat später immer noch an der Spitze der Liga, als Sandro Wieser sehenden Auges und mit viel Tempo FCZ-Schlüsselspieler Gilles Yapi im Mittelfeld niederstreckt. Die Bilder gehen als „horror tackle“ um die Welt. Eine lebenslange Sperre für Wieser wird gefordert. Der Tritt auf dem Brügglifeld räumt dem FCB schlagartig den härtesten Meisterschaftskonkurrenten aus dem Weg. Der FCZ gerät ohne Yapi auf die Verliererstrasse und kann am Ende der Saison gerade noch so mit Ach und Krach einen Europacupplatz sichern. Als Spätfolge wird kurz nach Beginn der neuen Saison Trainer Urs Meier entlassen. Der neue Trainer Sami Hyypiä braucht bei laufender Saison viel Zeit, um das Team kennenzulernen, was weitere Punkte kostet. Yapi kehrt zurück, ist aber bis heute noch nicht der „Alte“, und muss im Abstiegskampf verletzungsbedingt pausieren.  Das ebenfalls gut in die Saison gestartete Aarau wird durch den Vorfall genauso aus der Bahn geworfen, und steigt ab. Sandro Wieser stammt aus dem FCB-Nachwuchs.

10.April 2016: Der FCZ ist nun in Abstiegsgefahr geraten und verpflichtet in der Winterpause Alexander Kerzhakov und Leonardo Sanchez. Der Argentinische Verteidiger stabilisiert sofort die Abwehr des Hyypiä-Teams. Nach 2,2 Gegentoren pro Spiel in der Vorrunde, lässt der FCZ mit Sanchez plötzlich nur noch 0,6 Gegentore pro Partie zu. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der Stadtclub scheint sich gefangen zu haben. Im Aufeinandertreffen mit dem FCB im St.Jakob-Park räumt Cédric Itten mit seinem harten Einsteigen im Mittelfeld Sanchez vom Platz. Ohne den Argentinier wird für den FCZ die Abstiegsgefahr durch nur einen Punkt in vier Spielen mit 9 Gegentoren (wieder ein ähnlicher Schnitt wie in der Vorrunde) plötzlich wieder akut. Cédric Itten stammt aus dem FCB-Nachwuchs. 

Das Duell gegen den FC Vaduz von heute abend hat für den FCZ eine grosse Wichtigkeit. Aus den letzten drei Partien (Heimspiel gegen Vaduz, auswärts in Luzern und zum Schluss das Derby) benötigt der Stadtclub noch ein Sieg und ein Unentschieden, um sich für den Europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, da St.Gallen eine deutlich schlechtere Tordifferenz aufweist. Wie zeigt sich die Mannschaft in dieser entscheidenden Phase? Züri Live-Experte für dieses Spiel ist der Liechtensteiner Martin „Polo“ Büchel, FCZ-Mittelfeldspieler von 2006-2012.

fcz in Thun 1505

Knieprobleme verhinderten den Einsatz von Franck Etoundi in Thun – der Kameruner sollte gegen Thun wieder zur Verfügung stehen. Im Berner Oberland zeigte der FC Zürich vor allem dank dem überragenden Burim Kukeli eine gute Spielanlage und Gesamtleistung gegen form- und heimstarke Berner Oberländer, allerdings mit dem Negativaspekt, dass man nicht zum ersten Mal jeweils zu schnell nach einer Führung den Gegner in der Folge im Spiel ohne Ball auf dem ganzen Spielfeld zu wenig unter Druck setzte und sofort den Gegentreffer hinnehmen musste. Gegen Vaduz hat der FCZ noch nie ein Pflichtspiel verloren. Das 2:2 im März in Vaduz folgte auf eine Serie von einer Serie von sechs FCZ-Siegen (mit Torverhältnis 23:5) seit dem ersten Super League-Duell der beiden Teams  am 14.September 2008.

vaduz 1505

Nach dem 2:1-Auswärtssieg im Derby in St.Gallen am 26.April hat der FC Vaduz in der Meisterschaft vier Mal verloren, unterbrochen durch den Gewinn des Liechtensteinischen Cuptitels im Final gegen den FC Triesenberg vor einer Woche (5:0). Die Heimniederlage gegen Luzern am Wochenende (0:2) war eher unglücklich zustande gekommen. Bei dieser Partie sass der Langzeitverletzte Pavel Pergl erstmals wieder auf der Bank. Das grosse Ziel und die Motivation des Tschechen auf dem Weg zurück war es von Anfang an, gegen Ende der Saison seinem Team im Abstiegskampf noch helfen zu können. Da Mario Sara gesperrt ist, könnte Pergl in Zürich zu seiner Feuertaufe kommen. Simone Grippo ist verletzt. Die Alternative neben Florian Stahel (11 Jahre FCZ) wäre allenfalls noch Daniel Kaufmann. Von den Stürmern haben Pascal Schürpf und Manuel Sutter nach ihren Toren im März gute Erinnerungen an den FCZ und haben gute Chancen, im Letzigrund von Beginn weg aufzulaufen.

IMG_0619

Marco Schönbächler und Gilles Yapi bestreiten nach wie vor ein Spezialtraining.

IMG_0610

Zu Beginn des Abschlusstrainings dürfen sie allerdings beim spielerischen Aufwärmen mit der Mannschaft mittun, und haben sichtlich Freude dabei.

IMG_0596

Dann beginnt die seriöse Vorbereitung aller fitten Spieler auf den wichtigen Match vom Donnerstagabend.

IMG_0613