Spiel, Gegner und Taktik

Mit Antonio Marchesano kehrt ein weiterer Spieler aus dem FCZ-Lazarett auf den Platz zurück und spielt eine überraschend gute 1. Halbzeit. Die ebenfalls erst kürzlich wieder ins Team zurückgekehrten Blerim Dzemaili und Benjamin Kololli (in der Sturmspitze) spielen insgesamt überlegter als bei ihren durchwegs schlechten Auftritten zuletzt. Allerdings setzt es in der zweiten Partie nach der Winterpause mit mehr Ballbesitz für die Zürcher (nach dem 0:1 gegen Vaduz) erneut eine Heimniederlage ab.

„Domgjoni macht alles älei“ – FCZ-SFC 1:2 Highlights

Eine Steigerung im Vergleich zu den letzten Partien war beim FCZ in mehreren Bereichen erkennbar. Es reichte aber trotzdem nicht, um den letztjährigen Aufsteiger zu bezwingen, der sichtlich durch die anspruchsvolle Cup-Partie in Vevey unter der Woche zurückgebunden wirkte. Der Führungstreffer kurz nach der Pause gab den Genfern den entscheidenden Aufwind, um das Spiel zu gewinnen. Die Franzosen Gaël Clichy, Timothé Cognat und Théo Valls beispielsweise präsentierten sich weit von ihrer Bestform entfernt. Die Standards von Valls waren in keinster Weise vergleichbar mit denen der letzten Direktbegegnung in Genf (1:3 nach Rohner-Führung). So wirkten sich die zu Beginn von Wallner und Omeragic zu einfach zugestandenen Eckbälle und der erneute Ausfall der Ex-Servettiens Nathan und Doumbia in diesen Situationen nicht aus. Dazu kam eine veränderte Zuteilung – so übernahm beispielsweise Hekuran Kryeziu mit Alex Schalk eine einfachere Aufgabe als letztes Mal mit Rouiller. Defensiv wurde der Letzigrundclub in dieser Partie vom Gegner so wenig gefordert wie selten zuvor in dieser Saison. Wenn man die Partie unter diesen Voraussetzungen trotzdem verliert, ist es kein gutes Zeichen für das aktuelle Leistungsvermögen.

Was in St. Gallen bereits angedeutet wurde, hat der Stadtclub gegen Servette verstärkt umgesetzt: mit gezieltem Überzahlspiel über die Seiten nach vorne zu kombinieren, vor allem über Links. Das hat man sich bei Liga-Konkurrenten wie Lausanne oder Luzern abgeschaut. Der schrittweise Einbau von neuen konstruktiven Elementen ins Zürcher Spiel ist erkennbar. Man schaffte es so über weite Strecken, dass der solidarisch nach hinten arbeitende Stevanovic zurückgebunden wurde. Und das Pressing, welches Servette zu Beginn zu betreiben versuchte, wurde ausgehebelt, so dass sich die Genfer zeitweise stark zurückzogen. Der FCZ hätte ziemlich sicher mindestens einen Punkt geholt, wenn er bei seinen Angriffen über die Seite in der Angriffszone die besseren Entscheidungen getroffen und mehr Präsenz in den Fünfmeterraum gebracht hätte. Die Summe der Züri Live-Offensivpunkte ist so hoch wie noch nie in dieser Saison. Aufgrund falscher Entscheidungen / Verhaltens in Zone 3 kommt man aber trotzdem nur auf einen Expected Goals-Wert von 0,79. Schon seit Anfang Februar kann der FCZ in jeder Partie gerundet jeweils ein Tor erwarten – während die Expected Goals-Werte der Gegner bei gerundet einem bis drei Tore liegen. Das heisst: wenns gut läuft, gibts ein Unentschieden. Siege kommen hingegen an den Torchancen gemessen nur ausnahmsweise mal mit viel Glück zustande.

Während die Genfer rechte Seite etwas zurückgebunden wurde, war die rechte Seite des FCZ ein Schwachpunkt, den die Genfer glücklicherweise nicht so häufig wie Andere beackerten, da sie eine Mannschaft sind, die wenig auf den Gegner eingeht. Silvan Wallner hatte trotz einem beherzten Start in die Partie seine Seite nicht im Griff. Mit seinen aktuellen Leistungen hätte er auch in der Challenge League Probleme. Und von Tosin kam unter diesen Umständen zu wenig Unterstützung. Da der FCZ im Schnitt höher stand als üblich, waren gleichzeitig auch die Probleme in der Rückwärtsbewegung stärker erkennbar – speziell Omeragic, aber auch Wallner oder Aliti waren im Umschalten in die Defensive häufig zu langsam. Dafür haben sich Hekuran Kryeziu und die Zentralen Mittelfeldspieler diesbezüglich etwas verbessert. Die Zweikampfbilanz des Spiels ist positiv aus Zürcher Sicht – nur war diese Statistik in den letzten Monaten nie ein Indikator für ein gutes Resultat oder eine gute Leistung. Die Hintermannschaft, welche als Mannschaftsteil in St. Gallen noch die besten Noten bekam, war diesmal am schlechtesten. Bis Ende Februar waren speziell die Aussenverteidiger mit Aliti und Winter / Rohner eine Bank gewesen. Aktuell ist die rechte Seite eine Schwachstelle, speziell wenn Wallner auf dem Platz steht – und Aliti wirkt etwas überspielt. Am konstantesten auf tiefem Niveau bewegen sich beim FCZ seit der Winterpause die Flügelspieler. Die Zentralen Forwards werden vor allem durch Antonio Marchesano im ansonsten ebenfalls tiefen Notenschnitt nach oben gezogen.

Unter der Lupe: Handlungsschnelligkeit in Zone 3 und Präsenz im Fünfmeterraum

Gegen Servette kommt der FCZ überdurchschnittlich viel über die Seiten in die Zone 3. Deshalb fällt in dieser Partie ein schon lange anhaltendes Problem noch stärker ins Gewicht als sonst: die zu geringe Präsenz am und im Fünfmeterraum bei Hereingaben von der Grundlinie. Mit Ausnahme von (teilweise) Blaz Kramer geht kein Zürcher Offensivspieler genug konsequent zum richtigen Zeitpunkt in den Fünfmeterraum, sei es vor dem nahen Pfosten für einen Ablenker oder spekulierend direkt vor dem Tor. Speziell Assan Ceesay, aber auch Aiyegun Tosin oder Benjamin Kololli warten irgendwo zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt auf den Ball – vergebens.

In der Mehrheit der Situationen ist der Flankengeber an der Grundlinie so von einem Gegenspieler in Bedrängnis, dass er gar nicht rückwärts spielen kann, sondern einzig und allein scharf Richtung nahen Pfosten und allenfalls durch den Fünfmeterraum durch. Und wenn dann doch mal die Möglichkeit für einen Rückpass besteht, ist die Zone in der Nähe der 16-Meterlinie viel sinnvoller als Anspielstation, denn die in der Regel an der Fünfmeterlinie aufgereihte gegnerische Hintermannschaft fängt Bälle, die zwischen Fünfmeterlinie und Elfmeterpunkt gespielt werden, praktisch immer ab. Die Situation ist aus dem Spiel heraus ganz anders als bei direkt geschlagenen Eckbällen, welche knapp vor den Fünfmeterraum gezogen werden sollten. Das bedeutet für den Einzelnen: lieber im Verlauf einer Partie vielleicht einmal weniger mit in den Strafraum gehen, dafür, wenn man schon mal dort ist, konsequent den Fünfmeterraum attackieren. Sonst muss man von verschwendeter Energie sprechen.

20. Minute: Tosin bedrängt an der Grundlinie durch Clichy kann den Ball nur in den Fünfmeterraum spielen und tut dies auch. Ceesay beobachtet die Szene aus sicherer Distanz ausserhalb des Fünfers, anstatt dort hineinzustechen „wo’s weh tut“.
34. Minute: Aliti schickt sich an, den Ball in den Fünfmeterraum zu spielen – Kololli und Tosin sind zu weit vom Fünfmeterraum weg und nehmen sich somit selbst aus dem Spiel. Sie dürften zu diesem Zeitpunkt höchstens noch einen bis anderthalb Meter hinter dem Ball sein. Kololli müsste für einen Ablenker beziehungsweise zur Verwirrung von Servette-Torhüter Frick den Raum am nahen Pfosten attackieren – Tosin dahinter auf einen an Frick vorbeifliegenden Ball spekulieren.
48. Minute: Assan Ceesay hat sich wie mehrmals in dieser Partie über die linke Seite durchgesetzt, Gegenspieler Sauthier sitzt auf dem Hosenboden. Das Problem: der Gambier überlegt zu lange, was er jetzt tun soll. So wird er vom mit viel Rückstand gestarteten Miroslav Stevanovic noch eingeholt und vom Ball getrennt. Im Prinzip müsste sich Ceesay schon vor dem Match entscheiden, in solchen Situationen jeweils so schnell wie möglich an die Grundlinie zu rennen. Dort Ball stoppen, aufschauen und die Hereingabe mit seinem starken linken Fuss spielen. Dann kann ihn niemand dran hindern.
9. Minute: Der FCZ hat sich über links gut gelöst. Mittelstürmer Kololli wechselt gerade die Laufrichtung und startet seinen Antritt Richtung nahen Pfosten – sein Gegenspieler Rouiller bewegt sich immer noch Richtung entfernten Pfosten: jetzt ein einfacher flacher Ball von Ceesay, er müsste nicht einmal auf den Meter genau präzis sein, und Kololli steht alleine vor Frick. Aber Ceesay zögert.
32. Minute: Marchesano hat sich nach Vorarbeit von Domgjoni mit einer 360 Grad-Drehung gegen Cespedes den Platz verschafft, Ceesay herrlich zum Konter zu lancieren. Dieser hat freie Bahn Richtung Tor, ist mit Ball schneller als der in Problemen steckende Anthony Sauthier ohne – Ceesay überlegt und zögert aber zu lange, lässt sich unnötig abdrängen und schiesst in den hinteren Bereich des Aussennetzes.
4. Minute: Wallner hat sich im Doppelpass mit Tosin über rechts durchgespielt. Das Genfer Abwehrzentrum ist völlig entblösst. Schafft er es sofort den Ball irgendwie in die Mitte zu lupfen, ergibt sich eine Top-Chance. Er zögert aber einen Sekundenbruchteil und spielt dann dem grätschenden Rouiller den Ball an den sich am Boden aufstützenden Arm – gemäss Regelwerk kein Handspiel des Genfers.

Spielszene im Fokus – Paukenschlag zum 0:1 nach dem Pausentee

46. Minute – Teil 1: Nach einer ansprechenden 1. Halbzeit hat Benjamin Kololli kurz nach der Pause wieder einen seiner Blackouts und versucht an der Mittellinie gedankenverloren seinem Mitspieler Antonio Marchesano den Ball wegzunehmen. Der Genfer Théo Valls profitiert.
46. Minute – Teil 2: Servette schaltet schnell um. Dzemaili gibt vor dem Strafraum im Zweikampf mit Cognat zu früh auf und verzichtet darauf, den Querpass auf Valls zu verhindern. Wallner orientiert sich falsch und lässt so Torschütze Schalk den entscheidenden Raum in der Breite, während der Holländer von Omeragic und Aliti, welche ballfern die Offsidefalle aufheben, auch noch zusätzlich Tiefe geschenkt bekommt. Schlussendlich fällt Yanick Brecher im eins gegen eins etwas in alte Fahrwasser und dreht sich bei der Schussabgabe zu stark seitlich ab.

Personalien

Silvan Wallner (1) – Der schlechteste Spieler auf dem Platz. Auch gegen Servette fehlt die Präsenz, das Gespür für Situationen und ein gutes Stellungsspiel. Von vornherein häufig falsch stehend, kommt er gar nicht erst in die Zweikämpfe, und wenn doch, mag er sich häufig nur mit unbeholfenen Fouls zu helfen.

Hekuran Kryeziu (7) – Entwickelt sich zum Vertragsende hin erstmals in seiner FCZ-Zeit zum sicheren Wert. Ist in den entscheidenden Szenen auf dem Posten. Seine langen Bälle kommen immer regelmässiger präzise und mit dem richtigen Timing beim Adressaten an.

Becir Omeragic (1) – Nutzt gegen das aussergewöhnlich tief stehende Servette den sich bietenden Raum für ein paar Vorstösse in die gegnerische Hälfte. Nach aufmerksamem Beginn bringen ihn dann aber zwei Ballverluste kurz hintereinander in der 24. Minute gegen Miroslav Stevanovic aus dem Konzept. Ist in der Rückwärtsbewegung zu langsam, seine Pässe kommen nicht an, und schaltet selbst bei grösster Torgefahr im eigenen Strafraum immer wieder geistig ab oder trabt nur sehr gemächlich auf seine Position.

Fidan Aliti (3) – Erstmals eine ungenügende Note für die „Zuverlässigkeit in Person“. An der Einstellung liegt es nicht. Das Stellungsspiel und die Aufmerksamkeit sind aber nicht wie sonst. Hätte wohl vor dem 0:2 den Servette-Konter über Stevanovic stoppen können, wenn er nicht ein Foul von Jérémy Frick an Antonio Marchesano im Servette-Strafraum reklamiert hätte (Fricks Aktion war nicht penaltywürdig). Der Kosovarische Nationalspieler hat diese Saison von allen Feldspielern beim FCZ am meisten Spielminuten in den Beinen. Ihn mal ein Spiel pausieren zu lassen, wäre aber wohl zu heikel, denn valable Alternativen scheint es zur Zeit auf seiner Position nicht zu geben.

Toni Domgjoni (8) – Lehnt sich am meisten gegen die drohende Niederlage auf – und stapft nach der Partie sofort wutentbrannt Richtung Kabine. Speziell das Offsidetor von Ceesay in der 52. Minute verleiht ihm nochmal einen Schub. Bereitet mit einem Dribbling an Cognat, Sauthier und Cespedes vorbei sehenswert den 1:2-Anschlusstreffer vor.

Blerim Dzemaili (5) – Scheint vor dem Servette-Spiel über die Bücher gegangen zu sein. Tritt deutlich realistischer und überlegter auf als bisher und erhält erstmals eine genügende Note. Gleich zu Beginn setzt Dzemaili ein Zeichen, als er in ein Kopfballduell (mit Cognat) geht, was er bisher tunlichst vermieden hatte. Hält bei einem Servette-Abschluss in Aliti-Manier auch mal den Kopf hin. Man sieht von Dzemaili keine aussichtslosen Dribblings oder Vorstösse mehr, nach denen er nicht mehr zurücklaufen mag. Zwar unterlaufen ihm auch gegen die Genfer einige Fehlzuspiele, er sieht in den Zweikämpfen oft nicht gut aus, und ist mit seiner Passivität mitbeteiligt am wegweisenden 0:1. Andererseits spielt er so viele gute Bälle nach vorne wie bisher noch nie, und reisst damit beim Gegner Lücken zwischen den Linien auf. Baut speziell in der 1. Halbzeit häufig das Spiel von der Linken Aussenverteidigerposition aus auf, wo er nicht behelligt wird und zu einer Zürcher Überzahl auf der linken Seite beiträgt. Die beste Szene: als er tief in der Nachspielzeit mit einem beinahe idealen Steilpass nochmal Toni Domgjoni in die Tiefe lanciert, obwohl er dabei gleichzeitig von Severin zurückgerissen wird. Dazu kommt ein sehr guter Freistoss von der rechten Seite, den Assan Ceesay direkt auf Jérémy Frick köpft. Negativ: Dzemaili kassiert bereits die vierte Gelbe Karte wegen „Meckerns“ und ist daher in Sion gesperrt. Unter dem Strich wars knapp genügend – und damit das mit Abstand beste Spiel Dzemailis im FCZ-Trikot seit seiner Rückkehr.

Aiyegun Tosin (3) – Nach einer ordentlichen 1. Halbzeit wird der Nigerianer mit Beginn des zweiten Durchganges deutlich schlechter. Macht von seinen Stärken, Zug zum Tor und Abschluss, zu wenig Gebrauch. Versucht stattdessen viel spielerisch zu lösen. Kann Wallner defensiv nicht genügend unterstützen.

Antonio Marchesano (7) – Ungewöhnlich, dass der Tessiner aus einer Verletzungspause direkt so stark zurückkehrt. Ist in der 1. Halbzeit der beste Spieler. Mehrere ausgezeichnete direkte Weiterleitungen im Aufbauspiel des FCZ über die linke Seite. Hat nach der Pause eine schwache Viertelstunde, fängt sich danach bis zu seiner Auswechslung in der 72. Minute aber wieder etwas.

Assan Ceesay (1) – Ist die beste Wahl im Kader für die Position am Linken Flügel und könnte sehr wertvoll für das Team sein. Muss dazu aber bessere und schnellere Entscheidungen treffen. Zwei Tore und drei Assists in der aktuellen Super League-Saison sind zu wenig.

Benjamin Kololli (3) – War über weite Strecken der Partie ähnlich wie Dzemaili auf dem Weg dazu, eine genügende Züri Live-Note zu erspielen, klinkte sich aber speziell in der Schlussphase nach dem Anschlusstreffer, als der FCZ eigentlich mit aller Macht noch den Ausgleich hätte anstreben müssen, aus dem Spiel aus. War zudem mit seinem Blackout an der Mittellinie kurz nach der Pause der Auslöser für das wegweisende 0:1. So lange er im Spiel war, konnte er deutlich mehr lange Bälle in den eigenen Reihen behalten, als wenn Kramer oder Ceesay auf der Position des Mittelstürmers spielen. Dies war ein wichtiger Faktor, warum der FCZ gegen die Genfer besser im Spiel war, als in den letzten Partien. Leider kann er gegen nachlässig verteidigende Servettiens mit seinen Eckbällen diesmal nichts herausholen. Fidan Aliti steht immer frei. Beim vierten Eckball stehen mit Aliti und Dzemaili gar zwei Zürcher frei, weil Cognat auf Dzemailis Vorstoss zu spät reagiert. Auch dass Marchesano seinen Gegenspieler Cespedes immer wieder abzuschütteln vermag, kann Kololli nicht ausnutzen. Was aber nicht bedeuten muss, dass ein anderer Spieler die Eckbälle schlagen sollte.

Marco Schönbächler (7) – FCZ-Trainer Massimo Rizzo erhielt Recht damit, trotz der guten Leistung Schönbächlers in St. Gallen Antonio Marchesano in der Startformation zu bringen, aber nicht damit, Schönbächler erst in der 82. Minute einzuwechseln. Tosin und Marchesano spielten bereits nach dem Pausentee ungenügend. Schönbi kam selbst in der kurzen Einsatzzeit zu zwei Topchancen, von welchen er eine verwerten konnte. Er nutzte dabei beim Abschluss seine Beinahe-Beidfüssigkeit aus. Servette-Torhüter Frick kam aus seinem Kasten raus in der Annahme, dass Schönbächler mit Rechts schiessen würde, dieser legte sich den Ball aber auf den linken Fuss – wodurch Frick falsch stand und die nahe Ecke frei liess.

Telegramm

FC Zürich – Servette FC 1:2 (0:0)
Tore: 46. Schalk (Valls) 0:1, 69. Imeri (Koné) 0:2, 85. Schönbächler (Kololli) 1:2.
FCZ – Brecher; Wallner (90.+1 Seiler), H. Kryeziu, Omeragic, Aliti; Dzemaili, Domgjoni; Tosin (82. Schönbächler), Marchesano (72. Kramer), Ceesay (72. Gnonto); Kololli.
Servette – Frick; Sauthier, Rouiller, Sasso, Clichy; Cespedes (89. Severin); Cognat (89. Mendy), Valls; Stevanovic (79. Fofana), Kyei (67. Koné), Schalk (67. Imeri).

(Standbilder: Blue)

Servette ist mit dem 1:3 gegen den FC Luzern am Wochenende auf den letzten Platz abgerutscht. Aber Achtung! Die Genfer haben gegen die Zentralschweizer quasi ein B-Team auf den Platz geschickt und wirkten nach den Einwechslungen von Stevanovic, Sauthier, Kyei, Schalk und Cespedes im Verlauf der Zweiten Halbzeit deutlich zwingender als zuvor. Für Offensivleistungsträger Miroslav Stevanovic war es der erste Einsatz nach einer Drei Spiele-Pause aufgrund eines Innenbandanrisses. Bisher ist den Genfern in dieser Saison erst ein Saisonsieg gelungen (1:0 zu Hause gegen den FC Basel), wobei die Servettiens grundsätzlich immer mithalten konnten. Die Genfer waren aufgrund der Europacup-Teilnahme ab August früher als die meisten Super League-Klubs in die neue Saison gestiegen. Nach dem Weiterkommen gegen Ruzomberok schied das Team von Trainer Alain Geiger in der darauffolgenden Runde gegen Stade Reims aus, obwohl man die bessere Mannschaft gewesen war – ausgerechnet der ehemalige eigene Junior Dereck Kutesa bereitete das entscheidende Tor für die Franzosen mit einem dynamischen Vorstoss über links vor.

Einen sehr guten Eindruck in den ersten Saisonpartien hinterliess der neuverpflichtete Linksverteidiger Arial Mendy, der aber wie einige andere potentiell wichtige Spieler wie Anthony Sauthier, Steve Rouiller Timothé Cognat, Gaël Ondoua, Kastriot Imeri oder Théo Valls etwas die Form abhanden gekommen ist. Gerade von U21-Nationalspieler Kastriot Imeri, dem immer wieder entscheidende Defensivfehler unterlaufen und gleichzeitig nach vorne wenig Entscheidendes bewirken kann, hätte sich Trainer Geiger nachdem er ihm nach langer Zeit „zwischen Platz und Bank“ nun das Vertrauen als Stammspieler ausgesprochen hat, sicherlich mehr erwartet. Dementsprechen sitzt dieser heute im Gegensatz zu den letzten Partien erstmal nur auf der Ersatzbank. Zuletzt hat Servette mit einem Stürmer und Timothé Cognat auf der Zehnerposition jeweils ziemlich vorsichtig ausgerichtet begonnen. Der Druck auf den gegnerischen Spielaufbau fehlte. Die Ausrichtung ändert sich vorerst nicht, aber es beginnt der grossgewachsene und spielstarke Kyei an Stelle von Koné vorne und Schalk sowie Stevanovic beginnen auf den Flügeln. Neu im Team ist Linksverteidiger Severin und Mittelfeldspieler Ondoua muss in der Abwehr die Lücke von Vincent Sasso stopfen.

Beim FCZ sind Ousmane Doumbia und Aiyegun Tosin nach ihren Sperren wieder zurück und Lasse Sobiech nach seiner krankheitsbedingten Abwesenheit auch wieder mit dabei. Alle drei beginnen in der Startformation. Der in Sion eingewechselte Assan Ceesay beginnt für Blaz Kramer. Beim 2:2 in Sion hatten Marco Schönbächler sowie der eingewechselte Nils Reichmuth phasenweise gute Ansätze gezeigt. Schönbächler ist heute wieder auf der Bank, Reichmuth nicht nach Genf mitgereist. Mit Nathan, Becir Omeragic und Ousmane Doumbia beginnen auf FCZ-Seite gleich drei ehemalige „Grenats“ die Partie.

Frage zum Spiel: Wie schlägt sich der FCZ im Städteduell im Stade de Genève?

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Drei Corner = ein Penalty war jeweils die Regel auf dem Pausenplatz. Dabei war allen klar, dass in einem richtigen Wettkampf ein Penalty deutlich mehr wert ist, als drei Corner. Der FCZ scheint zur Zeit das Gegenteil beweisen zu wollen. In den fünf Partien seit dem Restart hat man vier Mal einen Treffer auf einen Eckball erzielt, drei Mal davon war es der erste Eckball! Das ergibt beim ersten Eckball aktuell eine Torwahrscheinlichkeit von 60%, was nahe an einem Penalty (76%) ist. Und wir reden hier von einer Mannschaft, die über viele Jahre bei Offensivstandards chronisch schlecht war. Diese Effizienz bei Standards ist aber auch notwendig, denn sie übertüncht, dass der FCZ in den fünf Partien mit Ausnahme des St. Gallen-Spiels jeweils weniger gute Chancen als der Gegner herausgespielt hat. Das Magnin-Team ist schon während der ganzen Saison das beste Konterteam der Liga gewesen (und bei Kontern ist die Effizienz im Abschluss meist relativ hoch) – jetzt sind als zweite „Waffe“ die Standards dazugekommen. Ausserdem hat man neu mit Michael Kempter einen Mann auf Links, dessen Vorstösse und Hereingaben für jeden Gegner schwierig zu verteidigen sind.

Toni Domgjoni zieht Timothé Cognat von der Zone an der Strafraumgrenze weg. Kololli-Bewacher Kastriot Imeri fällt die falsche Entscheidung und wählt den Weg innenherum, anstatt seinen Gegenspieler zu verfolgen.

Den ersten Eckball gegen Servette tritt für den Gegner überraschend nicht Benjamin Kololli, sondern Marco Schönbächler. Servette verteidigt in Manndeckung und da sind die Zuteilungen vor Spielbeginn gemacht. Die besten Leute decken den Zürcher Mittelstürmer und die Innenverteidiger. Auch Antonio Marchesano hat nach seinem Kopfballtor gegen Lugano mit Boris Cespedes einen bissigen Gegenspieler zugeteilt erhalten. Der schlechteste Eckballverteidiger, Kastriot Imeri, wäre dem auf erste Bälle ziemlich ungefährlichen Schönbächler zugeteilt gewesen, übernimmt nun aber natürlich automatisch Benjamin Kololli. Der FCZ räumt den Raum an der Strafraumgrenze, wo Kololli zum Abschluss kommen soll, frei, indem sich erstens Toni Domgjoni zum kurz gespielten Corner anbietet und somit den normalerweise den Raum an der Strafraumgrenze abdeckenden Timothé Cognat wegzieht, und zweitens die restlichen Spieler alle Richtung Tor laufen und somit ihre Gegenspieler „mitziehen“. Mit der guten Ausführung dieses Plans wird Kololli der freie Abschluss aus rund 14 Metern ermöglicht. Dass Kololli dann aber nach seinem ersten geblockten Schuss noch eine zweite und entscheidende Schusschance erhält, hat auch stark mit dem Verhalten seines Gegenspielers Imeri zu tun.

Der Ball und Kololli sind unterwegs, während Imeri in seinem Lauf innenherum vom Päärchen Sauthier / Kempter ein erstes Mal gebremst wird.

Anstatt Kololli zu verfolgen, wählte Imeri den Weg innenherum, weil er wohl damit rechnete, dass sein Gegenspieler Richtung Ersten Pfosten laufen und dort einköpfen wolle. Natürlich verlor Imeri Kololli so völlig ausser Kontrolle und blieb wegen der Bewegungen der anderen Zürcher Spieler unterwegs auch noch nacheinander an den beiden „Päärchen“ Sauthier / Kempter und Routis / Nathan hängen, und war somit selbst beim Nachschuss Kolollis nirgendwo auch nur annähernd in dessen Nähe.

Imeri bleibt beim zweiten Päärchen (Routis / Nathan) hängen, während Kololli zum Schuss kommt. Der freie Mann Maccoppi und Omeragic-Bewacher Ondoua können ihn nicht mehr daran hindern.

Die Szene illustriert sehr schön, warum Servette-Trainer Alain Geiger so zurückhaltend mit dem Einsatz von Kastriot Imeri und anderer Genfer Talente ist. Die Servette-Talentschmiede ist eine der produktivsten des Landes. Die Talente erhalten bei Geiger im Vergleich zu Klubs wie FCZ, FCB, Luzern oder St. Gallen aber kaum Einsatzchancen. Der Auftritt im Letzigrund war erst Imeris zweiter Saisoneinsatz in der Startformation! Dabei gilt der mittlerweile bereits 20-jährige als einer der talentiertesten Mittelfeldspieler der Schweiz und war letzte Saison Captain der U19-Nationalmannschaft. Abgesehen von Imeri gibt es gerade mal noch zwei Talente im aktuellen Kader, die bis zum FCZ-Spiel schon mal auf den Platz durften: Nicolas Vouilloz (19, bis dahin mickrige 134 Minuten) und Ricardo Alves (18, 78 Minuten). Beide kamen im Letzigrund zum Einsatz – und dazu auch noch Alexis Martial (19) zu seinem vierminütigen Début. Für Geiger-Verhältnisse war das aussergewöhnlich.

Servette lebt in dieser Saison von seiner Solidarität, Eingespieltheit und reifen Spielweise. Genau das Gegenteil von dem, was ein Grossteil der Genfer Talente verkörpern. Luzerner Eigengewächse machen auch Fehler bei ihren ersten Einsätzen, sind aber grundsätzlich bereit, schnell zu lernen und für die Mannschaft zu arbeiten. Der FCZ-Nachwuchs liegt im Schnitt bezüglich Mentalität irgendwo in der Mitte zwischen „Genf“ und „Luzern“. Dass Geiger nun auch mal Imeri für Stevanovic aufstellt, ist sicherlich grundsätzlich dem intensivierten Spielrhythmus zuzuschreiben. Aber warum ausgerechnet in Zürich? Und warum wechselt Geiger in der Zweiten Halbzeit nicht Imeri, sondern Cognat aus, worauf der Franzose ziemlich perplex und aufgebracht reagierte? Möglich, dass es ausgesprochen oder unausgesprochen gegen den FCZ bei Servette intern einen erhöhten Druck gibt, Talente aufs Feld zu schicken. Schliesslich steht auf der anderen Seite ein Becir Omeragic in der Startformation. Eines der grössten Servette-Talente der letzten Jahre, das man genau aus dem Grund an den FCZ verloren hat, weil in Zürich die Einsatzchancen speziell unter Trainer Ludo Magnin viel grösser sind.

Davor waren aus dem gleichen Grund auch schon andere Genfer Talente wie Maxime Dominguez, Yasin Maouche, Guillaume Furrer oder Kilian Pagliuca (letzterer nicht direkt) in die Limmatstadt gewechselt. Im Gegensatz zu Omeragic haben sich die erwähnten Genfer Talente in Zürich nicht durchgesetzt. Jedes Mal hatte dies mit fehlender Reife auf und teilweise auch neben dem Platz zu tun. Alain Geigers Weigerung auf Spieler wie Imeri zu setzen, so lange sie nicht reif genug auf dem Platz agieren, ist einerseits nachvollziehbar. An oberster Stelle stehen die Resultate und die Reetablierung Servettes in der Super League. Andererseits gehen mit jeder Saison, in welcher in Genf die Talente kaum zum Einsatz kommen, weitere Espoirs frühzeitig weg aus der Calvinstadt, darunter auch wirklich vielversprechende wie Lungoyi, Jankewitz oder eben Omeragic.

Auch gegen Servette zeigte sich einmal mehr, dass der FCZ als beste Kontermannschaft der Liga am erfolgreichsten spielt, wenn er wenig Ballbesitz hat (40%). Und dass diese Spielweise mit Dreierabwehr besser funktionieren könnte, als mit Viererabwehr, deutete sich nicht erst seit dem Auswärtsspiel in Thun hat. Servette hatte in der Ersten Halbzeit Mühe, sich auf das veränderte Zürcher System einzustellen. Die Partie konzentrierte sich stark im Zentrum des Letzigrundrasens. Aus Zürcher Sicht, weil man dort eine natürliche Überzahl hatte, aus Servette-Sicht, weil mit Imeri und Cognat zwei Zentrumsspieler die Aussenbahnen belegten, die es immer wieder nach innen zog. Die Partie war zudem ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Wochen bis zum Saisonende noch folgen wird: ein Abnützungskampf. Immer wieder gab es Unterbrechungen aufgrund von Ermüdungserscheinungen oder Fouls, die eher eine Folge von ermüdungsbedingten Konzentrationsmängeln als bewusster Verteidigungstaktik waren. Es wird unter diesen Umständen noch wichtiger als sonst schon, jeweils das erste Tor zu erzielen.

Benjamin Kololli spielte fast eine Stunde lang wieder ausgezeichnet, baute dann aber die letzten 20 Minuten seines Einsatzes stark ab. Toni Domgjoni und Marco Schönbächler zeigten eine Steigerung. Hekuran Kryeziu blüht wie in der Vergangenheit schon einige Male angedeutet auf der Zentralen Verteidigungsposition auf, wo er sich gegen Servette fast ausschliesslich auf die Verteidigungsarbeit und das Zusammenhalten der Defensive konzentrierte – eine Rolle, die ihn im Kopf freier und auf dem Platz effektiver auftreten lässt. Gegen das nun durch Feuerwehrmann Stéphane Henchoz angeheizte Xamax muss der FCZ aber wieder über eine längere Zeitdauer des Spiels seine PS auf den Platz bringen. Seine Torchancen im Wesentlichen auf die zehn Minuten zwischen der 50. und 60. Minute zu fokussieren, wie dies gegen Servette der Fall war, reicht im Normalfall nicht zum Sieg. Kempter und vor allem Nathan haben viel Energie in die ersten Spiele des Restarts gesteckt und würden wohl bald mal ein Spiel Pause benötigen. Allerdings ist Pa Modou in Neuenburg bereits wieder gesperrt, womit Kempter nochmals auflaufen wird. Omeragic musste zudem gegen Servette erneut angeschlagen ausgewechselt werden. Es wird also nicht einfacher für Ludo Magnin. Für die anderen Trainer gilt aber dasselbe.

FC Zürich – Servette 2:0 (1:0)
Tore: 19. Kololli (Schönbächler) 1:0; 50. Rüegg (Kempter) 2:0.
FCZ – Brecher; Nathan, H. Kryeziu, Omeragic (81. M. Kryeziu); Rüegg, Domgjoni, Kempter (71. Pa Modou); Marchesano (74. Seiler), Schönbächler (46. Sohm); Kololli (81. Winter), Kramer.
Servette – Kiassumbua; Sauthier, Rouiller, Routis, Vouilloz (69. Alves); Imeri, Ondoua (86. Martial), Maccoppi (46. Schalk), Cognat (69. Cespedes); Koné, Tasar (60. Stevanovic).

(Standbilder: Teleclub)


Im Duell zweier formstarker Teams und Tabellennachbarn sollte beim FCZ Becir Omeragic gegen Servette wieder einsatzbereit sein. Für die gesperrten Blaz Kramer und Aiyegun Tosin würden in der Hierarchie Assan Ceesay und Benjamin Kololli nachrücken. Kololli hat allerdings auch bei seinem Kurzeinsatz in Neuenburg defensiv nur alibimässig mitgearbeitet, über seine Seite wurde es von Seiten Xamax unnötig gefährlich. Sicherlich viel disziplinierter mitarbeiten würde der 18-jährige Henri Koide aus der U21, welcher sich in dieser Vorrunde weiter gut entwickelt hat. Mimoun Mahis Einsatz wird noch als fraglich gemeldet – er könnte auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden. U21-Stürmer Shpetim Sulejmani wird zudem vermutlich auf der Bank Platz nehmen. Der 24-jährige (11 Tore in der Vorrunde) war ja bereits vor dem Auswärtsspiel in Bern (0:4) in welchem er schlussendlich nicht eingesetzt worden war, auf die Kontingentsliste genommen worden. Kommt Sulejmani oder allenfalls Koide zum Super League-Début?

Servette hat mit Sébastien Wüthrich nur einen gesperrten Spieler. Ausserdem fehlt Captain Anthony Sauthier genauso wie dessen Ersatz Michael Gonçalves verletzt. Letzterer musste bei der 0:1-Niederlage in Lugano kurz nach der Pause angeschlagen ausscheiden. Für ihn kam der gelernte Innenverteidiger Rayan Souici auf den Platz, wurde bereits nach drei Sekunden von Balint Vecsei getunnelt und Carlinhos traf zum einzigen Treffer des Spiels. Die Alternative zu Souici wäre mit Christopher Routis ein erfahrenerer ebenfalls gelernter Innenverteidiger. Der „logische“ Ersatz für Sébastien Wüthrich ist Kastriot Imeri. Allerdings kann es auch gut sein, dass sich Trainer Alain Geiger mit Boris Cespedes für eine etwas defensivere und stabilere Variante entscheidet.

Im Duell zwischen dem FCZ und Servette gab es am 26. April 1998 zum letzten Mal eine fünfstellige Zuschauerzahl, als gegen Saisonende im Letzigrund der Drittplatzierte auf den Zweiten der Tabelle traf und Grégory Paisley sowie Rasheed Yekini per Penalty die Tore zum 1:1 Schlussresultat erzielten. Zuletzt hatte der FCZ gegen Sion und Luzern nur rund 8’500 Zuschauer im Letzigrund. Gibt es im letzten Heimspiel vor der Winterpause nochmal eine Steigerung?

Wie viele Fans verfolgen heute das letzte Heimspiel des Kalenderjahres im Letzigrund?

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