Der FCZ erzielt in Luzern fünf Tore mit 14 Abschlüssen und kommt gegen den bisherigen „Angstgegner“ zum zweiten Saisonsieg im zweiten Aufeinandertreffen. Dies dank eines sehr guten Starts in die Partie mit der verdienten 1:0-Führung durch Toni Domgjoni nach doppeltem Doppelpass mit Züri Live-MVP Salim Khelifi und erfolgreichem Konterspiel in der Zweiten Halbzeit. Zwei Mal hätte Pascal Schürpf einen Penalty zwar nicht erhalten müssen, aber können. Die Pfeife von Ref Hänni blieb aber stumm. Der FCZ nahm bei eigenem Eckball beim Spielstand von 1:0 etwas zu viel Risiko und wurde mit dem 1:1-Ausgleich durch Blessing Eleke bestraft, der dieses Tor anschliessend auf eine ziemlich unsympathische Art und Weise zu bejubeln schien. Dank der grandiosen Einzelleistung von Stephen Odey wurde dieser Fehler aber noch vor der Pause wieder wettgemacht.

Luzern – FCZ 2:5 (1:2)

Tore: 5. Domgjoni (Khelifi) 0:1, 22. Eleke (Juric) 1:1, 27. Odey (Khelifi) 1:2; 70. Kololli (Khelifi) 1:3, 73. Marchesano (Kololli) 1:4, 90. Vargas (Schneuwly) 2:4, 90.+1 Winter (Ceesay) 2:5.    

Luzern: Zibung; Kakabadze, Knezevic, Cirkovic, Schwegler; Voca; Custodio (74. Grether), Schulz (60. Vargas); Eleke, Schürpf (84. Schneuwly); Juric.

FCZ: Brecher; Rüegg, Bangura, Maxsö, Pa Modou; H. Kryeziu; Marchesano, Domgjoni; Khelifi (78. Rodriguez), Kololli (87. Winter); Odey (84. Ceesay).

Der FCZ bricht die Serie von sieben Niederlagen in Folge zu Hause gegen den FC Luzern, bleibt aber weiterhin sieglos. Die Erste Halbzeit ist eine voraussehbare Enttäuschung. Schon während dem Einlaufen ist der Unterschied zwischen den auf den Super League-Match fokussierten Luzernern und den im Vergleich dazu eher wie in der Vorbereitung auf ein Testspiel wirkenden Zürchern allzu offensichtlich. Das Letzigrund-Team ist zur Zeit immer in der Lage, nach einem Rückschlag eine Reaktion zu zeigen. So auch in der Zweiten Halbzeit gegen Luzern. Das ist mehr als Nichts – und gelingt dies bis zum Ende der Saison, dann ist der Abstieg kein Thema. Für einen Europacupplatz oder einen Erfolg im Schweizer Cup genügt dieser Modus aber nicht. In den ersten 45 Minuten war der FCZ wie schon gegen Thun gegen hoch stehende Luzerner permanent unter Druck und teilweise gar überfordert. Torhüter Vanins sprach nach der Partie richtigerweise von «Chaos».

Das Team von Trainer Uli Forte begann die Partie taktisch so, wie sie das siegreiche Spiel in St. Gallen aufgehört hatte. In einem 3-5-2 mit den beiden eher offensiv geprägten «Achtern» Marchesano und Rodriguez vor Sangoné Sarr. Die eher abwartende Taktik war aber nicht wirklich das Problem. Ist dies doch wohl der beste Weg zum Erfolg für die aktuelle Mannschaft. Das Problem war die gleichzeitig zu zögerliche individuelle Verhaltensweise sowohl im Spiel mit wie auch ohne Ball. Denn grundsätzlich hätte der FCZ auf jeden Fall die Mittel, sich aus einer Umklammerung wie derjenigen Luzerns zu lösen und erfolgreich zu kontern, auch wenn der für einmal nicht optimale Letzigrund-Rasen dies zusätzlich erschwert hat. Dem nach seiner längeren Verletzungspause noch nicht wirklich eingespielten Antonio Marchesano unterliefen zudem in der Ersten Halbzeit so viele Fehlpässe wie wohl noch selten in seiner Karriere. So schafft man es erneut nicht, gegen Luzern zu einer genügenden Anzahl von Abschlüssen zu kommen. Auf der Basis der nach SFL-Methoden erhobenen Daten kommt der FCZ in der aktuellen Saison gegen Luzern zu am zweitwenigsten Abschlüssen aufs Tor (siehe Graphik).

Zudem wurden so die individuellen Schwächen in der Zürcher Hintermannschaft wieder schonungslos aufgedeckt. Wie schon in St. Gallen und bei allen früheren Gelegenheiten zeigte sich «Grobmotoriker» Victor Palsson in Bezug auf Technik und Handlungsschnelligkeit auf Super League-Niveau als ungeeignet für die Rolle in der zentralen Hintermannschaft. Das 0:1 durch Christian Schneuwly entstand aus einem der mittlerweile unzähligen fatalen Fehlpässe Palssons vor dem eigenen Strafraum. Dem Gegner einen schnellen Umschaltmoment in der Nähe des eigenen Tores zu schenken, wird in der Super League sehr häufig sofort bestraft. Man erinnerte sich in diesem Moment unter anderem mit Grauen an die Aktionen des Isländers vor der Winterpause in Lausanne zurück. Auch bei den anderen beiden Grosschancen Luzerns war Palsson im negativen Sinne beteiligt. Nach dem ebenso katastrophalen Fehlpass von Sangoné Sarr hätte die Situation noch bereinigt werden können, aber Palsson agierte im Zweikampf mit Gvilia viel zu pomadig, so dass der FCZ nur dank einer starken Intervention von Andris Vanins gegen Tomi Juric um ein weiteres Gegentor herumkam.

Und als bei einem Luzerner Konter in der Zweiten Halbzeit Thelander mit seinem Gegenspieler Schneuwly mitging, hätte der Zentrale Abwehrmann Palsson sofort das offene Zentrum zumachen müssen, anstatt ebenfalls noch und viel zu halbherzig Schneuwly anzugreifen. Sarr, der noch hätte eingreifen können, entging dieser Lapsus von Palsson und somit war das Zürcher «Duo Infernale» erneut in Aktion, um Francisco Rodriguez auf für den FCZ beinahe schon peinliche Art und Weise zentral vors Tor ziehen und zu einer ‘’Hundertprozentigen’’ kommen zu lassen. Positiv zu erwähnen sind die aufsteigende Form Raphael Dwamenas, Pa Modou, dem wieder eines seiner etwas besseren Spiele gelang, und Débutant Lavdrim Rexhepi, welcher nach kurzen Anfangsschwierigkeiten relativ schnell ins Spiel fand. Einfacher wird es für den FCZ in den kommenden Partien nicht. YB, Basel, das aufstrebende Lugano und am kommenden Wochenende das Derby warten alle noch in dieser dritten von vier Saisonphasen.

FCZ – Luzern 1:1 (0:1)

Tore: 28. Schneuwly (Juric) 0:1; 60. Dwamena (Marchesano) 1:1.

FC Zürich: Vanins; Nef (80. Bangura), Palsson, Thelander; Winter, Sarr, Pa Modou; Marchesano (69. Rexhepi), Rodriguez; Dwamena (84. Odey), Frey..

Luzern: Omlin; Grether, Knezevic, Schulz, Lustenberger; Kryeziu, Voca; Schneuwly (87. Custodio), Gvilia (67. Cirkovic), Rodriguez (78. Demhasaj); Juric.

 

Der Leader wurde von vielen Fans nach Luzern begleitet, nicht nur im nach erneuten Problemen am Stadioneingang mit der Organisation und den Sicherheitskräften während der ersten Viertelstunde leeren Gästesektor, sondern auch auf den anderen Tribünen. So besuchten bei bestem Wetter 11‘800 Fans die Partie Luzern – FCZ in der Swissporarena. Ein Grossteil der Innerschweizer Besucher, Journalisten und Stadionangestellten war mit dem Kopf aber nicht ganz beim Fussball. Immer wieder versammelten sich Menschentrauben rund um einen kleineren oder grösseren Bildschirm, um das parallel laufende Unspunnenfest mitzuverfolgen. In den Katakomben wurden positive News jeweils wie ein Lauffeuer verbreitet: „Hast Du gehört? Wicki hat Orlik gebodigt!“.

Ebenfalls nicht ganz präsent, oder zumindest nicht mit der maximalen Energie schien der FCZ in der 1. Halbzeit auf dem Platz zu sein. Der gegen den FCZ schon seit Urzeiten immmer speziell motivierte Captain Claudio Lustenberger gewann das Duell gegen den auf dem Rechten Flügel anstelle des rekonvaleszenten Raphael Dwamena aufgestellten Dzengis Cavusevic deutlich. Der Plan Uli Fortes war von Anfang an gewesen, Moussa Koné im Verlauf der Zweiten Halbzeit für den laufstarken Slowenen einzuwechseln. Erstens vielleicht, weil Koné tatsächlich als Joker jeweils deutlich mehr Wirkung entfaltet, als wenn er in der Startformation steht. Zweitens vor allem aber auch, weil der Senegalese aus einer Verletzung kommt. Aufgrund der schlechten 1. Halbzeit wechselte Forte dann bereits zur Pause – und prompt hatte Koné danach sogar Mühe, die vollen 45 Minuten durchzuhalten.

In der 61. Minute, kurz nach Konés Kontertor (sein erster Treffer in der Super League) auf Vorlage Freys, feierte der ebenfalls aus einer Verletzung kommende Antonio Marchesano nach zwei Monaten sein Comeback. Der Tessiner trug mit seinem Direktspiel dazu bei, dass das Forte-Team in der Folge auf das 2:1 drückte. Der komplette Umschwung gelang aber im Gegensatz zum Thun-Heimspiel nicht mehr. Dies nachdem die Luzerner durch einen Handspenalty Tomi Jurics früh in Führung gegangen waren. Victor Palsson hatte aus nächster Nähe den Ball an die praktisch an den Körper angelegte Hand bekommen. Die Entscheidung von Schiedsrichter Sascha Amhof war nicht grundfalsch, die Szene war aber im Vergleich zu Kevin Mbabus mit dem ausgestreckten Arm gestoppten langsam rollenden Ball im YB-Heimspiel vor Wochenfrist (von Ref Klossner nicht gepfiffen) sicherlich viel weniger sanktionierbar. Nach aktuell gängiger Praxis wird Palssons etwas ungeschicktes Vergehen normalerweise nicht gepfiffen.

Wie schon gegen YB gab es auf beiden Seiten nur wenige Torchancen, von welchen Custodio und Koné die jeweils beste vergaben. Nef und Brunner spielten erneut eine gute Partie, und sie wurden in der Defensiven Phase durch die lauffreudigen Frey, Rüegg, Winter und Pa Modou unterstützt. Luzern-Trainer Markus Babbel hatte gar einen grossen Fight gesehen. Nüchtern betrachtet war die Partie in der Swissporarena aber nicht so intensiv wie noch das 0:0 gegen YB gewesen.

Luzern – FCZ 1:1 (1:0)

Tore: 4. Juric (Handspenalty) 1:0; 60. Koné (Frey) 1:1.

FC Luzern: Omlin; Schwegler (65. Follonier), Knezevic, Schulz, Lustenberger; Kryeziu; Schneuwly, Ugrinic (84. Demhasaj), Custodio, F. Rodriguez (75. Vargas); Juric.

FC Zürich: Vanins; Nef, Palsson, Brunner; Winter, Rüegg (61. Marchesano), Sarr, Pa Modou; Cavusevic (46. Koné), Frey, R. Rodriguez.

Super League Zuschauerzahlen, Stand: 27. August 2017, Quelle: Swiss Football League