Wie schon in früheren Begegnungen gegen den gleichen Gegner bekundete der FCZ in der 1. Cuprunde bei Black Stars (2:1) Mühe und kam in erster Linie dank den Standards von Denis Popovic (direkt verwandelter Eckball, Nathan köpft Freistoss ins Netz) weiter. Dies obwohl das Letzigrund-Team in den ersten 20 Minuten stark beginnt. Dann nehmen Popovic und Omeragic die Sache einen Moment lang zu locker, Black Stars nutzt die Möglichkeit sofort hoch zu attackieren, Andris Vanins kommt unter Druck und Gomes profitiert zum 1:1-Ausgleich. Von diesem Moment an kehrt die Partie, die Basler glauben an ihre Chance und für den FCZ wird der Schweizer Cup schon früh zum Überlebenskampf.

So wichtig seine Standards sind, aus dem Spiel heraus gelingt Mittelfeldspieler Denis Popovic wenig. Toni Domgjoni hingegen beginnt schlecht. Trainer Ludovic Magnin wird gegenüber seinem ehemaligen U18-Captain früh laut. Dieser reagiert auf den Weckruf vorbildlich, und zeigt in der Folge eine sehr konstante Leistung auf gutem Niveau.

Die personelle Situation beim FCZ ist vor dem Duell in Bern gegen die Young Boys so angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Auf die Ersatzbank nachnominiert werden fast ausschliesslich junge Spieler, die noch nie in einem Wettbewerbsspiel für die 1. Mannschaft aufgelaufen sind. Mit Matteo Di Giusto und Ilan Sauter kommen zwei Spieler, die erst gerade im Begriff sind, sich mit der Reserve an das Niveau der Promotion League heranzutasten, früher als geplant nach der Halbzeitpause zu ihrem Début. Diese Situation in Verbindung mit früheren Erfahrungen im Wankdorf haben das Zürcher Trainerteam zu einer aussergewöhnlichen taktischen Aufstellung animiert: 5-2-1-2. Normalerweise hat jedes Team zwei hauptsächliche Defensivlinien – den Mittelfeldriegel und den Abwehrriegel. Der FCZ verzichtet hingegen in Bern in der ersten halben Stunde auf einen Mittelfeldriegel und verteidigt nur mit insgesamt sieben Mann. Marchesano, Kramer und Ceesay machen kaum den Versuch, die Berner Angriffe zu stoppen, sondern bewegen sich von Anfang an in den Rücken des Berner Ballführenden in den Bereich der Mittellinie und warten dort auf Konterchancen.

Die Idee ist einleuchtend. Man geht davon aus, dass in Bern nur eine Chance auf Punkte besteht, wenn man 1:0 in Führung geht und nimmt daher von Beginn weg Risiko. Diese 1:0-Führung soll zudem wenn möglich in der 1. Halbzeit fallen, wenn noch kein „Rookie“ auf dem Platz steht. Die höchsten Erfolgschancen auf den Führungstreffer erhofft man sich von Konterattacken. Darum zieht man sich zurück, lässt YB kommen und betraut drei Spieler mit der ausschliesslichen Aufgabe, das 1:0 per Konter so früh wie möglich zu erzielen. Es entwickelt sich das vom FCZ erwartete Spiel. Man überlässt YB den Ball. Die Berner können mit Ball am Fuss kreuz und quer in der Gegend herumspazieren und bis vor den Zürcher Strafraum vordringen. Da der dortige verstärkte 5 Mann-Abwehrriegel des FCZ aber hält, kommen die Berner trotz klarer Ballbesitzhoheit zu kaum einer Torchance. Stürmer Jean-Pierre Nsamé ist so abgeschnitten vom Berner Spiel, dass er sich in seinem Bedürfnis, auch mal den Ball in die eigenen Füsse zu erhalten, mehrmals ins Mittelfeld zurückfallen lässt, was der Franzose sonst nicht tut.

Die beste Torchance der ersten halben Stunde hat nicht YB, sondern die Gäste aus Zürich mit einem durch Von Ballmoos gut parierten Hammerschuss von Toni Domgjoni in der 25. Minute. Die meisten Dinge laufen für den FCZ also nach Plan, aber etwas Entscheidendes spielt sich nicht wie gewünscht ab: die drei Stürmer machen zu wenig aus ihren Freiheiten und suchen bei den Konterangriffen nicht schnell und direkt genug die Tiefe. Dies trifft vor allem auf Antonio Marchesano und Assan Ceesay zu. Blaz Kramer wiederum ist in den ersten halben Stunde abgesehen von einer knapp verpassten Kopfballchance nach Flanke des stärksten Zürchers Kharabadze (zur Pause verletzungsbedingt ausgewechselt) praktisch unsichtbar. In mehreren Aktionen kann zudem auf Berner Seite speziell Nicolas Bürgy mit ungeahndeten klaren Foulspielen, zum Teil direkt vor der Nase von Schiedsrichter Stephan Klossner, vielversprechende Zürcher Angriffe stoppen. Auf der anderen Seite pfeift Klossner dann in der 28. Minute ein viel weniger gravierendes Zupfen von Ceesay als Foulspiel ab, und dies erst nachdem in der Folge davon YB den Ball verloren hatte. Der daraus resultierende Freistoss Gianluca Gaudinos ist die erste gute YB-Chance und diese verwertet Christian Fassnacht auch gleich per Kopf zum 1:0.

Mit der Berner Führung kann der FCZ nicht mehr in gleicher Weise auf seine Kontertaktik bauen und angesichts der drei Stürmer, die ihren Job offensichtlich nicht wie gewünscht zu erledigen im Stande sind, macht diese sowieso nicht mehr viel Sinn. Eine Minute später stellt Ludovic Magnin daher auf ein 4-1-4-1 um, mit dem als Rechter Innenverteidiger startenden Simon Sohm als Sechser und Blaz Kramer auf dem Rechten sowie Antonio Marchesano auf dem Linken Flügel. Kramer benötigt eine Minute, um die Umstellung mitzubekommen und muss von Nathan nochmal speziell darauf hingewiesen werden. Die Ballbesitzverhältnisse gleichen sich daraufhin sofort aus und dies bleibt für das ganze zweite Drittel der Partie so. Der zur Pause eingewechselte Débutant Matteo Di Giusto macht seine Sache auf dem Rechten Flügel gut, währenddem hingegen Ilan Sauter als Linksverteidiger (eine Position, die er auch in der U21 ab und zu spielt) mit der Qualität seiner Gegenspieler etliche Mühe bekundet. Eine Reihe von gravierenden Fehlentscheiden von Ref Klossner zusammen mit der Doppeleinwechslung von Moumi und Aebischer in der 66. Minute sorgen dann nach rund einer Stunde für die Entscheidung. Die letzten 20 Minuten sind aus Zürcher Sicht nur noch eine Qual. YB, das im Hinblick auf das kapitale Champions League-Qualifikationsspiel in Belgrad gegen den FCZ eine Dreierabwehr und Neuverpflichtung Frederik Sörensen vom 1. FC Köln getestet hat, muss in dieser Phase des Spiels keine Kräfte mehr verpuffen.

Die Personalnot verschärft sich in der darauffolgenden Nationalmannschaftspause durch die verschiedentlichen Aufgebote in die Landesauswahlen noch zusätzlich. Beim Testspiel in Schaffhausen (1:1) tritt der FCZ daher mit einer verstärkten U21 an. Nur noch Schönbächler, Marchesano, Kololli und Kramer sind aus dem engeren Kreis der 1. Mannschaft dabei. Und nachdem Kenith Catari angeschlagen vom Feld muss, kommt Ersatztorhüter Novem Baumann für die letzten zehn Minuten als Rechter Flügelspieler auf den Platz und erspielt sich dabei sogar zwei Torchancen. Beim 40 Jahr-Jubiläum von Üetlibergnachbar Wettswil-Bonstetten (1:1) drei Tage später müssen gar die vier U18-Spieler Andi Hoti, Diego Corvalan, Silvan Wallner und Kedus Haile-Selassie gleich nach ihrem 5:0-Meisterschaftssieg gegen Thun im Heerenschürli auf die andere Seite der Stadt verfrachtet werden, um die 1. Mannschaft etwas mehr als eine Stunde später im Test genauso zu unterstützen, wie die überzähligen Marvin Graf, Doriano Tanzillo, Arlind Dakaj, Osman Hadzikic und Yann Kasai aus der parallel spielenden U21. Goalietrainer Davide Taini wurde diesmal als Ersatzkeeper geführt. Mit diesen zehn Notverstärkungen ergänzend zu Nathan, Marchesano, Schönbächler und Kololli (Kramer hatte sich in der Zwischenzeit auch noch verletzt) kamen so insgesamt 14 Akteure zusammen, die mithalfen, das Jubiläum des Erstligisten in einem auf 2×35 Minuten verkürzten Auftritt vor zahlreichen Zuschauern nicht ins Wasser fallen zu lassen.

Eine Woche später in Wil sind zum Cup-Achtelfinal die (Junioren-)Nationalspieler wieder zurück und Pa Modou gibt auf der Linksverteidigerposition aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalles von Levan Kharabadze wohl etwas früher als geplant sein Comeback – und erzielt das entscheidende 2:1 per Kopf, nachdem Kololli einen weiteren stark getretenen Popovic-Eckball am entfernten Pfosten vor den Fünfmeterraum lenkt. Der in der Zwischenzeit zusätzlich verpflichtete Aiyegun Tosin ist hingegen noch nicht dabei. Der FC Wil agiert lange Zeit mindestens ebenbürtig. Schönbächler trifft in der 36. Minute wie aus dem Nichts zum 1:1. Die Führung der Äbtestädter erzielt nach einer Viertelstunde der ehemalige GC-Junior Valon Fazliu vor dem FCZ-Anhang. Entscheidend in der Vorbereitung des Führungstreffers ist der junge FCZ-Leihspieler Bledian Krasniqi, der sich auf der linken Seite mit Mut, Entschlossenheit und viel Ballgefühl gegen Popovic und Bangura durchsetzt. Ausgangspunkt des Wiler Konters ist einer von mehreren unnötigen Ballverlusten Benjamin Kolollis.

Denis Popovic zeigt insgesamt im Vergleich zu den letzten Partien gegen allerdings in vielerlei Bereichen auch noch relativ unerfahrene Ostschweizer eine Steigerung. Allerdings erreicht trotz des Sieges kein Spieler eine höhere Note als „6“ auf einer Skala von 1-10.

 

Hier gehts zu Teil 1:Bitte keine Überzahl!“

Hier gehts zu Teil 3: „Simon Sohm erobert Stammplatz“

„Kontinuität“ ist das am meisten benutzte Wort an der FCZ-Pressekonferenz vor dem Rückrundenauftakt am Samstag gegen Luzern, welche nauch im Zeichen der wenige Minuten davor erfolgten Vertragsverlängerung von Trainer Ludovic Magnin steht. Der Waadtländer ist mittlerweile ein Viertel seines Lebens im FC Zürich – vor genau 10 Jahren wechselte er als routinierter Spieler vom VfB Stuttgart in die Limmatstadt. Wie gross Kontinuität und Identifikation geschrieben werden, sieht man unter anderem daran, dass selbst ohne die ausgeliehenen Spieler mitzuzählen mit Yanick Brecher, Mirlind Kryeziu, Kevin Rüegg, Simon Sohm, Toni Domgjoni, Vasilie Janjicic und Marco Schönbächler fast ein Drittel der 1. Mannschaft sogar noch länger als ein Jahrzehnt im Verein sind. Kontinuierlich soll sich auch jeder einzelne Spieler und die Mannschaft als Ganzes in der Rückrunde 2019/2020 weiterentwickeln. In der Vorbereitung und speziell im Trainingslager wurde vor allem Wert darauf gelegt, das Teamgefüge noch robuster werden zu lassen, damit in Zukunft mit Rückschlägen im Spiel besser umgegangen werden kann.

Neben den Leihen von Assan Ceesay und Osman Hadzikic ins Ausland wird weiterhin eine Lösung für Denis Popovic gesucht, welcher mittlerweile mit der U21 trainiert. Am Samstag ab 19 Uhr gilt der Fokus den 18 Spielern, welche Trainer Magnin ins Matchkader aufbieten wird. Getreu dem Motto von Züri Live, „mehr als 93 Minuten“, dreht sich das Gespräch mit Leiter Sport Thomas Bickel aber vorher zuerst mal noch in einer ausführlichen Auslegeordnung um diejenigen Spieler, die da nicht dazugehören werden – darunter neun ins In- und Ausland verliehene FCZ-Profis. Dabei werden Fragen geklärt wie: „Wie ist der Kontakt zu den Leihspielern?“, „Warum hat der FCZ Filip Stojilkovic nicht zurückgeholt?“, „Wie gross sind Levan Kharabadzes Chancen auf eine Zukunft beim FC Zürich?“ oder „Woran muss Maren Haile-Selassie noch am meisten arbeiten?“: 

Beim Heimspiel gegen YB am Sonntag war das spielerisch starke FCZ-Talent Bledian Krasniqi kurz bei Züri Live zu Gast und sprach über die Leistung des FCZ, seines langjährigen Teamkollegen Simon Sohms, seine Ziele in dieser Saison in Wil und was Ciriaco Sforza den jungen Spielern mitgeben kann.

Schon zwei Tage später war Krasniqi mit der Schweizer U19 im Osten Sloweniens im Einsatz. Im ersten von zwei Testspielen kam der 18-jährige auf der 10-er Position von Beginn weg zum Einsatz und gehörte bei der 1:3-Niederlage noch zu den besseren in einem Schweizer Team, welches vor knapp anderthalb Jahren an der U17-EM in England noch starke Leistungen gezeigt hatte.

Becir Omeragic wurde in dieser Partie in der Innenverteidigung eingesetzt und hinterliess einen zwiespältigen Eindruck: einerseits wie gewohnt sauberer Spielaufbau und gutes Mitdenken, andererseits zu wenig Aggressivität und Konsequenz in der Defensivarbeit gegen einen von der Spielanlage, Mentalität und Physis her reiferen Gegner. Der an Ajax ausgeliehene Filip Frei kam auf dem Rechten Flügel zum Einsatz und vermochte überhaupt nicht zu überzeugen. Im zweiten Spiel in Bakovci schickte Trainer Johann Vogel dann die physisch stärkeren Eidgenossen wie Vlasenko, Jankewitz, Sohm, Males oder Vonmoos auf den Platz und die Schweiz gewann 2:1. Auch Ilan Sauter war Teil dieses zweiten Teams.

Am gleichen Tag ergab sich für die Familie Haile-Selassie in heimischen Gefilden die Möglichkeit, gleich beide Fussballsprösslinge live im Schweizer Trikot zu unterstützen. Um die Mittagszeit war Kedus Haile-Selassie mit der U18 in Montreux auf dem Rechten Flügel einer der offensiv gefährlichsten Schweizer gegen Dänemark. Die Partie endete allerdings nach einem Weitschuss des YB-Mittelfeldspielers Samuel Kasongo genau in den rechten oberen „Kranz“ und der anschliessenden Reaktion der Gäste 1:1, nachdem gegen den gleichen Gegner gleichenorts zwei Tage zuvor ein 2:2 Unentschieden resultiert hatte. Am frühen Abend dann Duplizität der Ereignisse. Auch der ältere Bruder Maren Haile-Selassie startete in Solothurn gegen die Tschechische Republik auf der gleichen Position am Rechten Flügel und gehörte zu den offensiv gefährlichsten Schweizern. Maren erzielte sogar das einzige Schweizer Tor zum 1:1  und profitierte dabei reaktionsschnell auf einen doppelten Abwehrschnitzer des Gegners. Das mittlerweile über Manchester United beim SC Freiburg gelandete ehemalige Riesentalent Nishan Burkart wurde eingewechselt und vermochte nichts Erspriessliches mehr beizusteuern. Izer Aliu sass auf der Bank.

Einen Tag später hatte die Schweizer U21 in der EM-Qualifikation auf der Winterthurer Schützenwiese grosse Mühe mit Georgien (ohne den angeschlagenen Levan Kharabadze). Die Bilder glichen sich – wie die U18, U19 und U20 war auch die Schweizer U21 die fussballerisch deutlich talentiertere Mannschaft, welche aber im Vergleich mit dem Gegner insgesamt weniger sauber, solide, reif, spielintelligent und fokussiert agierte. Immerhin wurde das Team von einem engagierten Captain Kevin Rüegg auf den Platz geführt – Toni Domgjoni zeigte eine ordentliche Leistung und Filip Stojilkovic machte in der Schlussphase in der Spitze einen beseren Eindruck, als zuvor Jérémy Guillemenot. Eigentlich hätte die Schweiz schon alleine aufgrund ihrer Top-Flügel Okafor und Vargas die Partie dominieren müssen, was aber aufgrund des enorm fehleranfälligen Spiels eines Zesiger, Sidler, Toma oder Guillemenot nicht der Fall war. Der eingewechselte Jordan Lotomba, der zuvor noch sehr ungeschickt den Freistoss zum 1:1-Ausgleich der Georgier verursacht hatte, erzielte nach schöner Vorlage Bastien Tomas in der 83. Minute dann doch noch den 2:1-Siegtreffer. Insgesamt war der Auftritt der Schweizer U21 ähnlich wie in den letzten Jahren angesichts des auf dem Platz stehenden Talentepotentials aber enttäuschend.

 

FCZ-Trainer Ludovic Magnin kündigt vor der Partie in Genf Umstellungen in der Startformation an. Die beste Punktebilanz der häufig eingesetzten Spieler haben Toni Domgjoni, Mirlind Kryeziu, Marco Schönbächler und Simon Sohm mit zwischen 1,75 und 1,63 Punkten insgesamt sowie 1,33 und 1,17 Punkten in Meisterschaftsspielen. Am wenigsten Punkte geholt haben in (mindestens drei) Super League-Partien Benjamin Kololli, Blaz Kramer, Willie Britto und Assan Ceesay. Trotz der vergleichsweise positiven Bilanz und starken Partien unter anderem in Luzern oder gegen St. Gallen könnte es in Genf Mirlind Kryeziu treffen, welcher durch den defensiv solideren Nathan ersetzt werden könnte. Für Popovic könnte Domgjoni, für Kharabadze Pa Modou und für Blaz Kramer Tosin in die Startelf rücken.

Mit Denis Popovic, Mimoun Mahi, Antonio Marchesano und je nach Aufstellung Benjamin Kololli, Blaz Kramer, Umaru Bangura, Levan Kharabadze oder Assan Ceesay hat der FCZ zu viele Spieler auf dem Platz, die wenig zur defensiven Stabilität beitragen. Es fehlt die richtige Balance zwischen defensiven und offensiven, technischen und physischen Elementen. Im heutigen Fussball verträgt es im Normalfall höchstens einen solchen Spieler gleichzeitig auf dem Platz – wenn alle Anderen dafür sehr diszipliniert arbeiten. Denis Popovic beispielsweise hat in Orenburg umringt von neun echten “Arbeitern“ in einer “Kontermannschaft“ erfolgreich seine Rolle als Spielgestalter und Standardspezialist umsetzen können. Umringt von einem Marchesano, Mahi, Bangura, Kharabadze und Co, funktioniert dies aber nicht.

Aufsteiger Servette hat diese Saison zu Hause noch kein Spiel verloren. Zuletzt beim 0:0 gegen Lugano stellte Trainer Alain Geiger nach der ernüchternden Niederlage in St. Gallen das System auf ein 4-4-2 mit Raute um. Dies war allerdings gegen ein im 3-5-2 auch eher praktikabel, als gegen einen FCZ, den Geiger wohl weiterhin mit je zwei Aussenspielern erwarten wird. Die würde für eine Rückkehr des zur Zeit etwas ausser Form geratenen Tasar und zum 4-2-3-1 System sprechen. Falls Captain Anthony Sauthier (der mit dem Traumtor gegen den FCZ in der Challenge League-Saison) nicht rechtzeitig fit wird, wird wohl mit Steve Rouiller ein anderer Walliser auf rechts verteidigen und die Captainbinde übernehmen.

 

Frage zum Spiel: Schafft es Servette als erster Aufsteiger nach Aarau 2013 den FCZ in der ersten Begegnung zu bezwingen?

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Gegen den in den letzten Jahren häufigsten Testgegner Rapperswil-Jona trat der FCZ diesmal bei hohen Temperaturen auf dem Platz des sein 50 Jahre-Jubiläum feiernden FC Eschenbach an. Passend dazu setzte Rapperswil in der 2. Halbzeit den aus dem Eschenbach-Nachwuchs stammenden GC U18-Keeper Janis Truniger ein. Rapperswil-Jona zeigte sich in diesen zweiten 45 Minuten als die bessere Mannschaft und hätte an den Torchancen gemessen das Spiel eigentlich noch ausgleichen müssen. Speziell der eingewechselte Tessiner Merlin Hadzi führte auf der linken Zürcher Seite gegen das indisponiert agierende Zürcher Duo Kempter / Kololli ein Herrenleben. Neben seinem Tor bereitete der 20-jährige ehemalige YB-Junior über rechts mehrere «Hundertprozentige» vor, die vor allem vom ebenfalls eingewechselten Enes Ciftci (Breitenrain) alleine vor Andris Vanins vergeben wurden.

Das Team der 2. Halbzeit fand ganz allgemein nie richtig in die Partie, nachdem in der 50. Minute Izer Aliu Yann Kasai noch mit einem scharfen, mit dem Absatz gespielten Steilpass in den Strafraum lanciert hatte, kam in der Folge aus dem Mittelfeld nicht mehr viel, und der Zweimannsturm Kasai / Kramer vermochte die Bälle nicht oft genug in den eigenen Reihen zu halten. Die Abwehrreihe strahlte sowohl defensiv wie auch offensiv zu wenig Sicherheit aus – im Gegensatz zu Torhüter Andris Vanins bei dessen erstem Einsatz nach seinen durch das Nationalteam verschobenen Ferien. Dies bedeutet aber nicht, dass das Team der 1. Halbzeit in corpore überzeugt hätte. Lavdim Zumberi beispielsweise blieb auf der Doppelsechs neben Testspieler Sen blass. Und Levan Kharabadzes missglückten Auftritt schreiben wir jetzt mal gütig dem «Jet Lag» und Trainingsrückstand zu.

Zwei Spieler stachen beim FCZ in der 1. Halbzeit heraus und trugen das Team zur 0:3-Pausenführung. Erstens Assan Ceesay, der mit seinem Engagement und seinem Speed der grosse Gefahrenherd auf dem Platz war, das 0:1 von Antonio Marchesano mit einer Ablage schön vorbereitete und das 0:3 aus spitzem Winkel selbst erzielte (dritter Treffer im dritten Vorbereitungsspiel). Und zweitens Testspieler Britto, der offenbarte, dass er das Potential hat, eine Verstärkung oder mindestens ein guter Backup für Kevin Rüegg zu werden. Auf der Rechtsverteidigerposition fühlt er sich wohler, als im Zentrum. Bezeichnend für den guten Auftritt die Szene vor dem 0:3 – ein Rapperswiler Abschlag ins Mittelfeld fliegt hoch Richtung Britto. Dieser nutzt den fehlenden Druck der Gegenspieler aus, um mit einem kräftigen Kopfball Richtung Assan Ceesay den Ball sofort wieder in die Gefahrenzone zu bringen – und Ceesay trifft dann auch gleich.

Den zweiten Treffer des FCZ hatte Salim Khelifi alleine vor Rappi-Torhüter Leite erzielt, nachdem Mahi für einmal unbedrängt den Ball in die Tiefe spielen konnte. Generell war die linke Zürcher Seite mit Kharabadze und Mahi auch in der Ersten Halbzeit sehr löchrig gewesen. Die diesbezügliche defensive Schwachstelle hatten die Gegner des FCZ schon letzte Saison immer wieder gerne ausgenutzt. Gegen Rapperswil-Jona tat dies in der 1. Halbzeit der engagiert auftretende ehemalige FCZ-ler Nicolas Stettler und sorgte damit Mal für Mal für grosse Torgefahr. Beim Stand von 0:1 eroberte er bei einem seiner vielen Vorstösse im Strafraum den Ball vom etwas naiv in den Zweikampf gehenden Sauter zurück, bediente den Ex-Winterthurer Stürmer Gele, welcher nur noch einzuschieben brauchte – der Referee taxierte den Zweikampf Stettlers allerdings ungerechtfertigterweise als Foul und der FCZ kam um den Gegentreffer herum.

Neben Stettler kam mit Rappi-Stammspieler Egzon Kllokoqi ein weiterer Spieler aus der FCZ-Academy zum Einsatz, genauso wie der aus der Ostschweiz stammende ehemalige FCZ U21-Stürmer Shpetim Sulejmani. Rapperswil-Jona hatte natürlich nach dem Abstieg einige Abgänge wie Aldin Turkes oder Egzon Shabani zu verzeichnen, zeigt aber mit den aktuell getesteten Akteuren seine Ambitionen auf den Wiederaufstieg in Konkurrenz mit anderen ambitionierten Teams wie Yverdon oder Bellinzona und als Gegner der FCZ U21, welche am Samstag ebenfalls ein Testspiel (gegen den erst in der Finalrunde am Aufstieg in die Promotion League gescheiterten FC Tuggen) absolvierte, in welchem aus dem Kreis der (erweiterten) 1. Mannschaft Fabian Rohner, Sangoné Sarr und Nicholas Andereggen zum Einsatz kamen. Im Team von Ludovic Magnin und Alfons Higl durfte sich derweil erneut Mittelfeldspieler Erdem Sen zeigen. Grundsätzlich verkörpert der Defensivmann von GD Chaves einen Spielertyp, den der FCZ gebrauchen könnte, aber ob er die notwendige Qualität mitbringt, ist auch nach dem zweiten Auftritt nicht klar mit «Ja» zu beantworten.

Rapperswil-Jona – FC Zürich 1:3 (0:3)

Tore: 21. Marchesano (Ceesay) 0:1, 35. Khelifi (Mahi) 0:2, 44. Ceesay (Britto) 0:3; 81. Hadzi 1:3.

Rapperswil-Jona: Leite (57. Truniger); Stettler, Kllokoqi, Rohrbach, Elmer (57. Pousa); Rojas (57. Dzaferi); La Rocca (57. Hadzi), Pasquarelli (68. Hamidi), M. Seferi (46. Ciftci), Eberle; Gele (46. S. Sulejmani).

FC Zürich (1. Hz.): Vanins; Britto, Bangura, Sauter, Kharabadze; Sen, Zumberi; Khelifi, Marchesano, Mahi; Ceesay.

FC Zürich (2. Hz.): Vanins; Maouche, M. Kryeziu, Kamberi, Kempter; Schönbächler, Aliu, Sohm, Kololli; Kramer, Kasai.

 

Wer waren die besten FCZ-Akteure der Saison 2018/19? Wer hat enttäuscht? Zum Abschluss der Saison profitieren wir von den während der ganzen Saison von jeder Sekunde der 49 Wettbewerbsspiele aufwendig erhobenen exklusiven Züri Live-Daten, um diese als Diskussionsgrundlage den persönlichen Eindrücken des Lesers gegenüberzustellen. Der erste Teil der grossen Saisonstatistik fokussiert auf der Spielerbenotung. Diese leitet sich bei Züri Live jeweils aus der Bewertung jeder einzelnen Spielszene ab. In jeder Spielsituation können ein oder mehrere FCZ-Spieler Pluspunkte oder Minuspunkte für ihre Aktion / ihr Verhalten (auch abseits des Ballgeschehens) erhalten. Diese abgestuften Plus- und Minuspunkte (zum Beispiel: gut / sehr gut / ausserordentlich gut) sind die Basis für die Benotung des Spielers in der jeweiligen Partie. Die Wichtigkeit der Aktion wird bei der Bewertung zwar ebenfalls berücksichtigt, trotzdem zeichnet sich die Züri Live-Benotung im Vergleich zu anderen Publikationen vor allem auch dadurch aus, dass die Leistung eines Spielers über die gesamten 93 Minuten berücksichtigt wird, und sich nicht wie anderswo üblich, praktisch ausschliesslich auf eine einzige Aktion bezieht, die am meisten in Erinnerung geblieben ist. Ausserdem werden die einzelnen Spielsituationen wo sinnvoll bis ins Detail seziert und aus der Perspektive jedes einzelnen mehr oder weniger beteiligten FCZ-Akteurs mehrmals angeschaut und analysiert.

Das Gesamtresultat sieht den früh in der Saison zu Fenerbahce gewechselten Stürmer Michael Frey mit einer Durchschnittsnote von 8,3 klar an der Spitze. Dies ist wenig überraschend, lag der für Super League-Verhältnisse in mehrerer Hinsicht überdurchschnittliche Frey doch bereits in der Vorsaison an der Spitze des FCZ-Kaders. Dass er aber gleich einen Vorsprung von mehr als einer ganzen Note zu den nächstbesten ehemaligen Teamkollegen aufweist, ist aber sicherlich auch seinem sehr guten Saisonstart zu verdanken, und dem Umstand, dass unter diesen Voraussetzungen gerade mal vier Einsätze keinen repräsentativen Durchschnittswert ergeben. Den Level von Frey erreichte während der ganzen Saison kein Zürcher Stürmer mehr. Der mit Abstand am meisten eingesetzte Stephen Odey begann ordentlich, seine Leistungskurve zeigte dann aber genauso langsam wie kontinuierlich nach unten. Erst im letzten Monat der Meisterschaft vermochte sich der junge Nigerianer wieder zu fangen. Assan Ceesay hatte sehr gute erste Auftritte im Herbst, nach der Rückkehr von seiner Verletzung im Februar steigerte sich der Gambier in der Rückrunde dann kontinuierlich von durchschnittlichen bis hin zu guten Leistungen.

Auf den folgenden Plätzen hinter Frey platzieren sich vier Teenager, die sich in den wenigen Einsätzen, in welchen sie zum Zuge kamen, besser präsentierten als das Stammpersonal. Spielmacher Bledian Krasniqi mit seinen drei Europa League-Einsätzen, Stürmer Nicholas Andereggen mit einem einzelnen engagierten Kurzeinsatz gegen Basel, der gegen Ende der Saison vermehrt zum Einsatz kommende Zentrale Mittelfeldspieler Simon Sohm (neun Partien), sowie der in den letzten fünf Partien der Saison auf dem Platz stehende Verteidiger Becir Omeragic. Von den regelmässig eingesetzten Spielern kommen Andreas Maxsø, Alain Nef und Assan Ceesay auf die besten Durchschnittsnoten, dazu der in der Rückrunde nach einem Auswärtsspiel in Thun mit einem Kreuzbandriss ausfallende Adrian Winter. Die Innenverteidiger Maxsø, Nef und Mirlind Kryeziu sind diejenigen Akteure des Kaders, welche sich zusammen mit Cup-Torhüter Andris Vanins in der Rückrunde am meisten gesteigert haben.  Die Zentrale Hintermannschaft agierte während fast der ganzen Rückrunde auf einem relativ hohen Durchschnittsnotenlevel zwischen „6“ und „7“. Nef und Maxsø waren dabei während der ganzen Saison auf gutem bis hohem Level konstant, während Mirlind Kryeziu (in Herbst und Winter) und Bangura (im März) eine Phase der Leistungskrise durchlebten.

Die Leistung von Benjamin Kololli, Kevin Rüegg und Assan Ceesay hingegen hat in der Rückrunde im Vergleich zur Vorrunde am stärksten gelitten. Kololli gehört zusammen mit Marco Schönbächler und Levan Kharabadze sowie den wenig eingesetzten Guenouche, Binous, Sertic und Dwamena zu den sieben Kaderspielern mit einer ungenügenden Durchschnittsnote! So nachhaltig schlecht wie Kololli trat aber kein anderer Spieler auch nur ansatzweise auf. Im Juli noch gut in die Saison gestartet, ging es kontinuierlich abwärts, bis der Waadtländer Ende November erstmals konstant ungenügend bis schlecht wurde – und bis zum Saisonende blieb. Am schlimmsten war die Zeit von Mitte Februar bis Mitte März, als Kololli sich auf dem Level einer Durchschnittsnote von bloss 2,3 – 2,5 bewegte. Unaufmerksamkeiten reihten sich an unnötige Ballverluste, mangelhafte Defensivarbeit und ungenügendes Umschalten. Die Freistösse und Corner wurden zwar in Cristiano Ronaldo-Manier zelebriert, waren aber äusserst uneffektiv. Einzig die Abschlussstärke aus dem Spiel heraus und vor allem vom Penaltypunkt blieb ein Pluspunkt für den mittlerweile 27-jährigen.

Die drei regelmässig eingesetzten Spieler mit der schlechtesten Durchschnittsnote (Kololli, Schönbächler, Kharabadze) sind alles Seitenspieler. Die Notenentwicklung im Laufe der Saison deutet nicht nur aus diesem Grund darauf hin, dass das grösste Qualitätsproblem des FCZ 18/19 auf den Seiten des Spielfeldes lag – wie bereits in einem Analyseartikel vom März vermutet. Wie sich weltweit im Fussball immer wieder zeigt, ist die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive eine der wichtigsten Voraussetzungen, um auf den Erfolgspfad zu finden. Dies scheint in dieser Saison einer der wichtigsten Gründe für die Probleme des FCZ auf den Seiten gewesen zu sein – in Form von ungenügender Defensiver Qualität und Ausrichtung, speziell auf der linken Seite. In den Meistersaisons ’06, ’07, ’09 hatte der FCZ defensiv starke Aussenverteidiger wie Stahel, Schneider oder Rochat, die trotzdem auch mal nach vorne Druck machen konnten. Am „13. Mai“ agierte zudem zusätzlich ab der 6. Minute der gelernte Verteidiger Alain Nef auf dem Rechten Flügel und bereitete von dort beide Treffer vor.

Eine instabile Defensive schadet auch der Offensivpower. Man gewinnt keine Sicherheit im Spiel. Um sich nach vorne entfalten zu können, braucht eine Mannschaft das Gefühl, Spiel und Gegner im Griff zu haben. Auf der Rechten Seite fehlt heute ein echter Defensivcrack à la Stahel. Alle Rechten Aussenverteidiger haben ihre Stärken in erster Linie in der Offensive. Immerhin bringen die Jungs auf Rechts trotz allem immerhin ein ordentliches Mass an Defensivqualitäten mit: angefangen beim defensiv auffälligsten Mann Joël Untersee (alle 20,2 Minuten eine Defensive Top-Aktion) über Fabio Dixon (21,8 Minuten) und Becir Omeragic (23,8 Minuten, wurde mehr Rechts als im Zentrum eingesetzt) bis zu Kevin Rüegg (28,6 Minuten). Dazu kommt, dass der Rechte Flügelspieler (in der Regel Winter oder Khelifi) jeweils zumindest ordentlich defensiv mithalf.

War die Rechte Seite defensiv „sosolala“, so agierte man Links diesbezüglich schlichtweg schlecht. Der zuletzt meist angeschlagen fehlende Pa Modou hatte (genauso wie Marco Schönbächler) relativ grosse Leistungsschwankungen, vermochte aber zumindest an einem guten Tag eine gewisse Gegenwehr an den Tag zu legen. An einem schlechten Tag oder wenn gar ein Duo wie Kharabadze / Kololli links auflief, war der FCZ über diese Seite offen wie ein Scheunentor. Und auch der als Alternative zur Verfügung stehende Hakim Guenouche verspricht auf Super League-Niveau aktuell keine defensive Stabilität. Als kurz vor der Winterpause nach Rüegg auch noch Pa Modou verletzungsbedingt fehlte, sank der Notenschnitt der Aussenbacks in den Keller. Es scheint also so, als dass der FCZ auf den Seiten und speziell auf Links in der kommenden Saison mehr defensive Qualität und Stabilität benötigt.

Das schlechteste Spiel der Saison war die 0:1-Niederlage im März in Sion mit einem Notenschnitt von 4,2. Neben dem die ganze Rückrunde hindurch schlecht spielenden Kololli fielen im März zusätzlich mit Brecher, Bangura, Rüegg, Hekuran Kryeziu und Odey gleich mehrere Schlüsselspieler gleichzeitig in ein Tief.

In den auf den Sion-Match folgenden drei Partien im Letzigrund (in Heimspielen war der FCZ die drittbeste Mannschaft der Liga) gegen Basel, YB und GC holte der Stadtclub zwar nur einen Punkt, aber die Leistung verbesserte sich da bereits wieder, was sich daraufhin mit immerhin zehn Punkten in den letzten sechs Spielen der Saison auch resultatmässig auszuzahlen begann.

Gegen den FC St. Gallen, der mit drei Siegen (darunter ein 4:1 gegen YB) in den letzten vier Partien zum Ende der Saison 18/19 nochmal in Fahrt gekommen war, war es wie zuletzt immer ein offener Schlagabtausch und eine abwechslungsreiche Partie vor mehr als 12’000 Fans im Letzigrund. Im Vergleich zum 0:3 in Luzern zeigte der FCZ eine deutliche Reaktion, speziell auch folgend auf den 0:1-Rückstand in der 16. Minute durch Jérémy Guillemenot. Letztmals gegen den FCZ getroffen hatte Guillemenot vor vier Jahren gleich drei Mal in zwei Spielen mit der Servette U18 gegen die von Ludovic Magnin trainierte FCZ U18 mit unter anderem Kevin Rüegg, Toni Domgjoni und Mirlind Kryeziu. Ebenfalls ein Tor erzielte in jenen Spielen Guillemenots damaliger wie heutiger Teamkollege Dereck Kutesa, der wie manch anderer St. Galler Akteur gegen Ende der Saison immer mehr in Bestform gekommen ist. An der Seite des neuen Innenverteidigerduos Nuhu/Vilotic vermochte Silvan Hefti über die rechte Seite Druck nach vorne zu machen.

Zum Ende der Partie wurde sogar Stürmer Cédric Itten nach langer Verletzungspause noch kurz eingewechselt, um das 2:1 zu erzwingen, mit welchem aufgrund der Punktverluste Luzerns und Luganos in den Parallelspielen die Ostschweizer die Gruppenphase der Europa League direkt erreicht hätten. Umso mehr soll gewürdigt werden, wie respektvoll sich die St. Galler bei der Auswechslung Alain Nefs und dessen Verabschiedung nach 336 Wettbewerbsspielen im FCZ-Dress (inklusive Testspiele 440 Partien) verhielten. Es war gleichzeitig auch der Moment, als durch den Abpfiff der anderen Partien klar wurde, dass es für den FCZ selbst bei einem Sieg nicht mehr auf einen für die Europa League-Qualifikation berechtigenden Platz reichen würde.

Der Auftritt des Teams von Cheftrainer Magnin und des scheidenden Assistenztrainers Van Eck war erfrischend und engagiert. Speziell das neu formierte Mittelfeld mit Simon Sohm (zum zweiten Mal nach der Auswärtspartie vor drei Wochen in Basel Züri Live-MVP) und Toni Domgjoni im Zentrum wirkte um zwei Stufen besser als dasjenige, welches in Luzern angetreten war. Die beste Durchschnittsnote vom 3:0-Sieg gegen Thun wurde mit 7,6 sogar nochmals übertroffen – 75 Top-Offensivaktionen sind zudem ebenfalls Saisonrekord. Viel dazu beigetragen hat unter anderem Antonio Marchesano, welcher bereits in Luzern zu den wenigen positiven Erscheinungen gehört hatte und zuletzt vier Mal in Folge mehr als 10 Top-Offensivaktionen hatte. Berücksichtigt werden muss allerdings auch, dass St. Gallens Spielstil gerade dem sich immer wieder suchenden Duo Marchesano/Schönbächler deutlich besser entgegenkommt, als derjenige Luzerns.

Wichtig war zudem, dass die Fehlerquote im Vergleich zur Luzern-Partie reduziert werden konnte, auch wenn sie bei Marchesano, Schönbächler, Bangura und vor allem Kharabadze immer noch zu hoch war. Der Georgier war immerhin nach einer schnellen Spielauslösung von Brecher über Sohm mit einer guten Flanke am Ausgleichstreffer Salim Khelifis (starke Direktabnahme) beteiligt. Es war Khelifis siebtes Saisontor – zuletzt hatte er im Februar gegen Luzern und Kriens innerhalb weniger Tage je einmal getroffen. Nach einem Ballverlust Schönbächlers in der gegnerischen Hälfte liess sich Kharabadze aber in der 16. Minute in der Rückwärtsbewegung zu viel Zeit, und schaffte es nicht mehr auf seine Position zurück, worauf Bangura aushalf, aber den Führungstreffer Guillemenots nicht zu verhindern vermochte. Kharabadze und Bangura liessen zudem bei einer sehr guten Torchance St. Gallens bei einem Eckball in der Zweiten Halbzeit ihren Gegenspielern Barnetta und Rapp zu viel Freiraum. Auf der anderen Seite hätte der FCZ nach einem Foul Nuhus an Odey im St. Galler Strafraum einen Penalty erhalten müssen (siehe Standbild). Es war ein weiterer in einer ganzen Reihe von klaren Penaltys, die dem FCZ in dieser Rückrunde im «Südkurven-Strafraum» des Letzigrunds verwehrt worden sind.

FCZ – St. Gallen 1:1 (0:1)

Tore:  16. Guillemenot (Barnetta) 0:1, 50. Khelifi (Kharabadze) 1:1.

FCZ: Brecher; Omeragic (73. Untersee), Nef (90. Pa Modou), Bangura, Kharabadze; Khelifi, Sohm, Domgjoni (79. Kololli), Schönbächler; Marchesano, Odey.

St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Nuhu, Vilotic, Wittwer; Quintilla (88. Itten); Sierro, Ashimeru; Kutesa (71. Bakayoko), Guillemenot (71. Rapp), Barnetta.

(Standbild Odey: SRF)

Berechtigte Zurechtweisung und Kritik gibt es in verschiedenen gesellschaftlichen Konstellationen. Der Richter gegenüber dem Angeklagten, die Eltern gegenüber ihren Kindern, Lehrer bei Schülern oder Arbeitgeber mit Mitarbeitern. Basis dafür ist erstens die gesetzlich legitimierte Autorität und zweitens ein hohes Mass an Kompetenz und Wissen. Sportjournalisten und -medien haben keine gesetzlich legitimierte Autorität. Sie sind alle selbsternannte Kritiker. Daher wäre es umso wichtiger, dass dafür wenigstens ein hohes Mass an Kompetenz und Wissen vorhanden wäre.

Wer die sportliche Führung eines Super League-Klubs kritisiert, müsste eigentlich selbst journalistisches Super League-Niveau an den Tag legen – im Minimum. Die Zweifel mehren sich Tag für Tag, ob diese Voraussetzungen auf dem Platz Zürich wirklich gegeben sind. Zeitungsartikel über den hiesigen Fussball erinnern eher an einen Vater, der seinen kleinen Sohnemann dafür kritisiert, die Schuhbändel nicht geschnürt zu haben, dabei ist dessen Schuhwerk mit Klett-Verschluss ausgerüstet. So ein Gefühl erschleicht den Leser des Artikels von Thomas Schifferle (und Florian Raz) über den FC Zürich im Tages-Anzeiger. Da heisst es zum Beispiel:

«Auf einmal ist Neuenburg der Nabel für die Zürcher Fussballwelt. Aus Neuenburg kommt der Xamax FCS, der letzten Sommer Aufsteiger in die Super League war und gleich als erster Kandidat auf den Abstieg gehandelt wurde.»

Was soll man dazu sagen? Ja, Xamax wurde als Absteiger gehandelt – vor allem in den Massenmedien. Der FCZ hingegen hatte in der Challenge League-Saison vier heisse und enge Duelle mit Xamax ausgefochten und kannte schon vor der Saison die Qualitäten dieser Mannschaft sehr gut.

Weiter wird im «Tagi» mit grossem Bedauern über das Fehlen von Xamax’ Raphaël Nuzzolo am kommenden Samstag lamentiert:

«Sein einziges Glück ist, dass ­Xamax auf seinen überragenden Topskorer Raphaël Nuzzolo verzichten muss, weil er in Thun für ein Dutzendfoul verwarnt wird und darum gesperrt ist.»

Nuzzolo traf mit gestrecktem Bein nur den Mann. Ein nicht weniger schwerwiegendes Foulspiel, als beispielsweise dasjenige, welches zur Gelb-Roten Karte des Thuners Chris Kablan führte.

Weiter im Text:

«In Zürich dachten sie bei GC und beim FCZ nicht im Traum daran, dass sie diese Saison in Tabellenregionen landen würden, wo Xamax erwartet wurde. Europa League hiess ihre Vision, Platz 4. Ein Leben auf grossem Fuss. Zürcher Träume halt.»

Was soll hier auf salopp-populistische Weise ausgedrückt werden? Doch nicht etwa ein Zürich-Bashing im Facebook-Kommentar-Stil? Und das in einer Zeitung mit dem Zürcher Wappen im Logo? Jeder in dieser Liga träumt vom Europacup und dies völlig zurecht, denn alle Super League-isten haben da schon gespielt, und für viele, darunter auch für den FCZ, ist das noch nicht so lange her… – etwas mehr als zwei Monate, um es genau zu sagen.

«GC und der FCZ zahlen für die gleiche Schwäche: ihre fatale Verblendung.»

Zumindest in Bezug auf den FCZ trifft der Begriff «Verblendung» sicherlich nicht zu. Die Ziele, die er sich aktuell gesetzt hat, hat er auch in der Ära Canepa schon mehrmals erreicht. Man jagt also keine Fata Morgana.

«Je 20 Millionen geben sie aus, um in der Super League zu spielen. Den Misserfolg könnten sie auf jeden Fall auch billiger haben.»

FCZ und GC spielen nicht nur in der Super League, sondern zusätzlich in der Promotion League / 1. Liga, Nationalliga A (Frauen) und Dutzenden von Junioren- und Juniorinnenligen. 20-23 Millionen ist der Aufwand für den Gesamtverein inklusive Nachwuchs, Frauen, Trainingszentrum, (Stadion-)Mieten, Sicherheit, Reisen, Administration und so weiter. St. Gallen hat ca. 27 Millionen Gesamtaufwand, Luzern 25 Millionen und selbst der «kleine FC Thun» in einem preislich vergleichsweise günstigen Umfeld im Berner Oberland kommt auf mehr als 13 Millionen. Die laufenden Ausgaben für die 1. Mannschaft liegen für alle Super League-Teams ausser Basel, YB (und Sion) im einstelligen Millionenbereich oder knapp darüber. Die finanziellen Unterschiede unter den Teams auf den Rängen 3-10 sind klein im Vergleich zur Diskrepanz nach oben – und dies wird durch die aktuellen Punkteabstände ziemlich genau wiedergegeben. Gemessen an den Cuptiteln und Europacupteilnahmen der letzten Jahre hat der FCZ deutlich mehr aus seinen finanziellen Möglichkeiten herausgeholt, als mancher Ligakonkurrent.

«Bei den Grasshoppers beginnt das noch ein wenig früher als beim FCZ, vor fünf Jahren schon, als Stephan Anliker Präsident wird. Mit seinem Namen steht er für ihren Zerfall. Er steht für den fatalen Hang bei GC, aufs falsche Personal zu setzen. Das beginnt beim CEO (Manuel Huber), geht weiter über die diversen Sportchefs (Rapic, Thoma, Huber, Walther) und Trainer (Bern­egger, Yakin, Fink und Stipic) bis zu den Spielern.»

Sind Bernegger, Yakin, Fink und Stipic wirklich pauschal schlechte Trainer? Und Rapic, Thoma, Huber und Walther alle schlechte Sportchefs? Praktisch alle diese Personen haben im Verlauf ihrer Karriere auch schon erfolgreich als Trainer oder Sportchef gearbeitet. Dass die jetzigen Resultate schlecht sind, weiss jeder. Aber lag es wirklich an der grundsätzlichen Qualität des Trainer- und Sportchef-Personals? Und wie genau kommt der «Tagi» zu diesem Schluss? (Zeigefinger anfeuchten und in die Luft halten gilt als Antwort nicht)

«Was die Spieler betrifft, ist die Liste fast ein Buch lang. Wer das aktuelle Kader anschaut, der kann nur den Kopf darüber schütteln, was sich Mathias Walther und Thorsten Fink bei seiner Zusammenstellung gedacht haben. Im Dezember zum Beispiel sagte Fink noch, ein, zwei Spieler würden sie noch holen, nicht mehr. Und was passierte? Sechs kamen, aber alle sechs sind Fehlgriffe, ­angefangen bei den teuersten: ­Yoric Ravet und Caiuby.»

«Gedacht» haben sich Walther und Fink genauso wie alle anderen Sportlichen Verantwortlichen in der Super League sicherlich sehr viel. Sie haben einen Souleyman Doumbia definitiv übernommen und diesen dann nur ein halbes Jahr später für das Zehnfache weiterverkaufen können. Sie haben Spieler für die bei hiesigen Fussballexperten und -journalisten so gerne zitierte «Achse», das Grundgerüst der Mannschaft geholt, wie Raphael Holzhauser, Arlind Ajeti, Nathan oder Marco Djuricin. Dazu für Super League-Verhältnisse durchaus überdurchschnittliche Talente wie Diani, Goelzer oder Ngoy.

Wenn es geklappt und die Mannschaft zusammengefunden hätte, hätte der «Tagi» von «weitsichtiger Transferpolitik mit System» geschrieben. Nun hat es aber nicht geklappt, und der Tagi kann wichtigtuerisch «nur den Kopf darüber schütteln». Ohne als Beweis einen Artikel vorweisen zu können, in welchem man schon zum Zeitpunkt der Verpflichtung von Spieler X oder Spieler Y gewusst hat, dass dieser wegen Grund A, B und C nichts reissen wird.

Ganz im Gegenteil: im Februar schrieb nämlich der «Tagi» über Yoric Ravet: «Die willkommene Inspiration für die bisher in dieser Saison so berechenbare GC-Offensive». Und über Caiuby: «Nun ist er da, der Retter des Rekordmeisters – zumindest soll er es werden».

«Sie kamen von den Ersatz­bänken der Bundesliga mit der Vorstellung, bei GC um vordere Plätze zu spielen.»

Tatsächlich? Wie ist das zu verstehen? Ravet und Caiuby sind in der Winterpause nach Zürich gekommen, und haben sich erst nach Vertragsunterschrift darüber informiert, auf welchem Tabellenplatz GC liegt?

«Serey Dié bringt das ­Realitätsdenken zum Ausdruck, das bei Xamax vorherrscht. ­Daran kann nicht einmal mehr Präsident Binggeli etwas ändern, der sich aus dem Schatten von Trainer Stéphane Henchoz lösen will und sich zunehmend als Selbstdarsteller gefällt.»

Im Februar schrieb der Tages-Anzeiger zum Trainerwechsel von Michel Decastel zu Stéphane Henchoz: «Man wolle mit der Trainerentlassung für den «notwendigen Elektroschock sorgen, damit die Mannschaft für die nächsten wichtigen Spiele neue Energiezufuhr erhält», erklärte Xamax-Präsident Christian Binggeli den eher unerwarteten Schritt. Vorerst übernimmt Decastels bisheriger Assistent Stéphane Henchoz die Mannschaft. Der 44-jährige frühere Internationale und Verteidiger von Liverpool war noch nie in der Super League als Cheftrainer tätig.»

Weitherum haben Journalisten und Experten im Februar Präsident Binggeli für dessen Trainerwechsel von Decastel zu Henchoz kritisiert. Nun bezeichnen dieselben Experten Binggeli als «Selbstdarsteller», weil er den Vertrag mit Henchoz nicht verlängert… Wir reden hier zudem von demjenigen Binggeli, der Xamax mit seinem kleinen Team von der 2. Liga Interregional zurück in die Super League geführt hat. Und welcher zu 100% demjenigen Präsidententypus entspricht, nach welchem nach der Ära Chagaev alle verlangt hatten: vernünftig wirtschaftend, systematisch planend, langfristig orientiert, über den aktuellen Totomat hinausgehend, mit viel Realismus, Step by Step. Eben genauso einer, der aufgrund der Planungen im Juniorenbereich unabhängig von Abstieg oder Klassenerhalt einen dazu passenden Coach wie Joël Magnin für die Profis holt, und sich bewusst ist, dass die aktuelle Mannschaft trotz der aktuellen Erfolgswelle ihren Zenit bald überschritten haben wird.

«Bei GC müssen nun Stephan Rietiker als Präsident und Uli Forte als Trainer die Scherben aufkehren. Die Schuldigen dagegen lassen es sich gut gehen. Walther postet Bilder aus Istanbul, während GC leidet, Fink kassiert selbst nach seiner Entlassung 44’000 Franken im Monat.»

Und was ist genau der Vorschlag? Reiseverbot für alle ehemaligen Sportchefs? Freiwilliger Lohnverzicht für ehemalige Trainer? Einen Profi-Fussballklub zu führen, ist um ein vielfaches schwieriger, als Zeitungsartikel zu schreiben. Es reicht, ein klein bisschen schlechtere Entscheidungen getroffen zu haben, als die Mitkonkurrenten, und man steigt ab. Auch ganz ohne, dass es Scherben gegeben hat, oder dass man im Strafrechtsjargon gleich von «Schuldigen» sprechen muss.

«Und der FCZ? Ach, dieser FCZ!»

Achtung! Jetzt wird’s dramatisch!

«Er hat sich bei den Transfers genauso verkalkuliert wie GC. Spätestens im Winter hätte er darauf reagieren müssen, dass er nach den Abgängen von Raphael Dwamena und Michael Frey im letzten Sommer keine Stürmer hat, die zu seinen Plänen passen.»

Der Gambische Nationalspieler Assan Ceesay ist ein ähnlicher Stürmertyp wie Raphael Dwamena. Beide sind schnell und bringen mit ihrem Rechten Fuss wenig zustande. Ceesay hatte in der Vorrunde verletzungsbedingt wenig gespielt und war im Winter wieder gesund. Einen Michael Frey verpflichten zu können, war hingegen für einen Klub mit den Möglichkeiten des FCZ ein Glücksfall –  dank dessen Situation bei YB und der persönlichen Beziehung zum damaligen Trainer Uli Forte. Genauso war es Pech, ihn im letzten Herbst kurz vor Transferschluss abgeben zu müssen. Wegen des Wertverfalls der Türkischen Lira mussten die Spitzenklubs vom Bosporus ihre Stars verkaufen. Plötzlich gab es für jemanden wie Frey kurzfristig die Chance, zu einem Grossklub wie Fenerbahce wechseln zu können, wo nicht lange zuvor noch ein Giuliano, Emenike oder Robin Van Persie gestürmt hatten. Der Tages-Anzeiger hätte den FCZ ganz sicher kritisiert, wenn dieser Frey gezwungen hätte, in Zürich zu bleiben, und dessen Leistungen dann nicht mehr gepasst hätten. Für einen Klub wie den FCZ ist es alles andere als selbstverständlich, einen solchen Stürmer adäquat ersetzen zu können – und in einem Wintertransferfenster sowieso praktisch unmöglich. Versucht hat mans sicherlich.

«Er holte Spieler, ja, aber für die U-21, weil er da angeblich unterbesetzt war. «

«Angeblich»? Der FCZ hat schon seit vielen Jahren Mühe, Stürmer mit dem benötigten Level aus der U18 in die Promotion League-Equipe zu bringen. Entweder sie werden schon vorher von einem ausländischen Klub abgeworben, oder es ist im jeweiligen Jahrgang gar kein Stürmer auf diesem Niveau vorhanden. Nur drei Super League-Klubs unterhalten eine Promotion League-Mannschaft. Basel ist schweizweit top in der Entwicklung junger Stürmer. Sion hingegen verpflichtet einen grossen Teil seiner U21 extern. Der FCZ wiederum bringt auf anderen Positionen viele gute Talente heraus, hatte aber seit Josip Drmic (vor bald 10 Jahren) kein Sturm-Toptalent aus der eigenen U18 mehr. Man ergänzt daher die Promotion League-Mannschaft schon seit vielen Jahren auf dieser Position mit Spielern aus auswärtigen Nachwuchsabteilungen – die Namen Jordi Nsiala, Aldin Turkes, Kilian Pagliuca oder Shpetim Sulejmani sind dem Tages-Anzeiger vielleicht ein Begriff – vielleicht aber auch nicht… Bei U21-Spielen im Heerenschürli sucht man auf jeden Fall Tages-Anzeiger Sportjournalisten jeweils vergebens. Wie kommt es daher zu dieser Einschätzung einer «angeblichen» Unterbesetzung? Fakten? Wissen? Oder eine weitere flapsige Behauptung ohne jegliche Basis?

«Dafür gibt er Victor Palsson ab. Und macht Kevin ­Rüegg zum Nachfolger des Isländers als Captain. Sportchef Thomas Bickel sagt, dieser Entscheid verkörpere die Philosophie des FCZ. Rüegg allerdings ist überfordert mit der Aufgabe, mit seinen 20 Jahren ist er alles, nur keine Führungsfigur, kein Palsson. Nicht jeder ist in diesem ­Alter ein Matthijs de Ligt.»

Wenn im Winter statt Victor Palsson Antonio Marchesano nach Deutschland gewechselt wäre, dann würde nun dieser vom «Tages-Anzeiger» in den Himmel gelobt. Palssons miserable Leistungen vor und nach der Winterpause vor Jahresfrist hatten wohl auch ihren Anteil an der damaligen Freistellung von Trainer Uli Forte. Der Isländer hat in seiner Karriere ständig den Klub gewechselt. Er wollte schon im Sommer gehen – und würde man den Leistungen Palssons heute auf dem Platz ansehen, dass er eigentlich weg wollte, würde der FCZ vom «Tagi» auch bei ihm heftig dafür kritisiert werden, ihn nicht gehen gelassen zu haben. Kevin Rüegg macht persönlich eine gute Entwicklung durch. Er hilft zugunsten der Mannschaft wegen Verletzungen im Mittelfeld aus, was auf der sportlichen Schiene kein Vorteil für ihn ist.

«Je schlechter die Resultate geworden sind, desto mehr haben Präsident Ancillo Canepa und Trainer Ludovic Magnin dazu ­geneigt, über die Schiedsrichter herzuziehen. Canepa nennt sie «dünnhäutig», ausgerechnet er»

Mit gleichen Ellen gemessen müsste man dann analog schreiben: „Der Tages-Anzeiger neigt dazu, über Ancillo Canepa herzuziehen“, denn er bezeichnet diesen ja hier ebenfalls implizit als dünnhäutig. Wäre nicht schlimm, aber dann müsste fairerweise an dieser Stelle auch eine Tagi-Einschätzung der Schweizer Fussball-Schiedsrichter folgen. Vielleicht empfindet der „Tagi“ ja einzelne Schweizer Schiedsrichter ebenfalls als dünnhäutig, aber dies zuzugeben würde die ganze Rhetorik über den Haufen werfen. Oder man hat gute Begründungen, warum dies nicht so ist.

«Magnin bezeichnet sie einmal gar als «Betrüger».»

Magnin bestreitet dies – das müsste zumindest erwähnt werden. Oder war der «Tagi» live dabei?

«Lange haben sie von zwei ­Siegen gelebt: von jenem vor einem Jahr im Cupfinal gegen YB und jenem im Oktober in der Europa League gegen Leverkusen. Magnin nutzte das, um sich als Trainer für grosse Spiele zu inszenieren. Inzwischen ist er nur noch ein Trainer für Niederlagen, acht sind es allein in der Rückrunde.»

Da wird wieder einiges verdreht, verschwiegen und misinterpretiert. Erstmal: Magnin ist als Spieler mit dem kleinen Yverdon in die Super League aufgestiegen, wurde als einer von ganz wenigen Bundesligaspielern der Geschichte mit zwei verschiedenen Klubs Deutscher Meister, ohne jemals bei Bayern gespielt zu haben – und in der Nationalmannschaft spielte er ebenfalls am besten, wenn es gegen grosse Gegner oder um wichtige Spiele ging. Als Trainer der FCZ U18 beendete er die Finalrunde auf dem fünften Platz, sein Team legte dann in den Playoffs einen Steigerungslauf hin, war in Viertelfinal, Halbfinal und Final gegen Servette, Basel und GC jeweils das bessere Team und wurde Schweizer Meister (im Bild unter anderen: Maren Haile-Selassie, Kevin Rüegg, Fabian Rohner, Bojan Milosavljevic, Dimitri Volkart, Gianni Antoniazzi, Arbenit Xhemajli). Als kurzzeitiger Co-Trainer der 1. Mannschaft gewann er an der Seite von Uli Forte den Schweizer Cup. Magnin war nie ein herausragender Spieler und als Trainer hatte er erst einen sehr kleinen Weg zurückgelegt, trotzdem riefen er und seine Teams zumindest in den «grossen Spielen» überdurchschnittlich häufig die Bestleistung ab und überzeugten durch Mentalität. Magnin als «Mann für die grossen Spiele» ist keine «Inszenierung», sondern schlichtweg Fakt aus Sicht eines aufmerksamen Chronisten. Nur für jemanden, der Magnin als Trainer noch nicht kannte und sich auch nicht mehr richtig an seine Spielerkarriere erinnern konnte, musste das seltsam klingen. «Ein Mann für die grossen Spiele» zu sein, bedeutet ja eben gerade nicht, dass man alles gewinnt – sonst wäre man ja der «Mann für alle Spiele». Es ist die Bezeichnung für jemanden, der weit davon entfernt ist, herausragend zu sein, es aber immer wieder in entscheidenden Momenten schafft, im Team über sich hinauszuwachsen. Und dies setzte sich in seiner Funktion als Cheftrainer der 1. Mannschaft fort: Meisterschaftsderby verloren, aber danach den Cup-Halbfinal gegen den gleichen Gegner gewonnen, Cupsieg im Wankdorf gegen Meisterschaftsdominator YB, einziger Sieg gegen den FCB in den letzten fünf Jahren (4:1) und in der ersten Hälfte der Europa League-Gruppenphase alle drei Spiele gewonnen. Gute erste Meisterschaftshälfte, aber dann eine Krise im Frühling.

«Der Vielredner kann ebenso wenig ausblenden, dass unter ihm kein Spieler besser geworden ist.»

Im Ernst? Yannick Brecher ist besser und konstanter als noch unter Uli Forte, Andreas Maxsø hat sich zu einem Top-Super League-Innenverteidiger entwickelt, Levan Kharabadze innert kürzester Zeit ans deutlich höhere Niveau in der Schweiz angepasst, die ultrajungen Sohm, Krasniqi und Omeragic wurden im richtigen Moment eingesetzt und überzeugten alle in grossem Masse. Der von vielen als «talentfrei» bezeichnete Fabio Dixon, welcher selbst in der U21 nicht zu den Überfliegern gehörte, kam in Neuenburg rein und rettete der Mannschaft bei seinem ersten Super League-Teileinsatz einen Punkt. Sogar Alain Nef und Andris Vanins scheinen im „hohen“ Alter wieder besser zu werden. Der von Uli Forte verschmähte Toni Domgjoni spielt als Stammspieler auf konstant gutem Super League-Niveau. Izer Aliu war vor seiner Verletzung auf gutem Weg zum Stammspieler. Dem über seine ganze Karriere hinweg immer in der Zweiten Reihe / Liga stehenden Antonio Marchesano gelangen unter Magnin im Cupfinal und gegen Leverkusen endlich die grossen Spiele, von denen er immer geträumt hatte. Auch ein Palsson oder Thelander zeigten im Cupfinal ihr mit Abstand bestes Spiel im FCZ-Dress. Benjamin Kololli, der sich bisher in seiner Karriere nie über längere Zeit auf Super League-Niveau etablieren konnte, versetzte Magnin in den Sturm, wo der Waadtländer besser zur Geltung kommt. Stephen Odey hat sich schneller als erwartet entwickelt, und Mirlind Kryeziu unter Magnin wieder an die Startelf rangekämpft. Kevin Rüegg wurde von Magnin mehrheitlich auf der Rechten Seite eingesetzt, wo Rüeggs Stärken deutlich besser zur Geltung kommen und wo er auch international auf sich aufmerksam machen konnte. Pa Modou ist konstanter geworden und schiesst neuerdings dank Sondertraining Tore mit Rechts und per Kopf. Selbst der «Forte-Spieler» Adi Winter hat seinen Züri Live-Notenschnitt diese Saison nochmal leicht gesteigert, und auch Salim Khelifi sich im Vergleich zu seiner schwierigen Zeit zuletzt in Braunschweig wieder etwas gefangen. Hekuran Kryeziu hat sich beim FCZ unter der Ägide Magnins im Offensivspiel verbessert, spielt schneller und direkter. Der in der Winterpause dazugestossene Joel Untersee zeigte nach harzigem Beginn zuletzt vor seinem zweiten verletzungsbedingten Ausfall vier Spiele in Folge gute bis sehr gute Leistungen. Assan Ceesay hat sich bis zu seinem mässigen Auftritt in Basel zuletzt Spiel für Spiel gesteigert. Lavdim Zumberi, dessen Super League-tauglichkeit in der Vergangenheit immer etwas fraglich war, zeigte in Napoli und gegen Basel erstaunlich reife Auftritte.

Nun ist es natürlich möglich, dass man bei einzelnen Spielern unterschiedliche Meinungen vertreten kann. Aber einfach salopp einen Satz wie «kein Spieler ist besser geworden» in die Druckerpresse zu schicken ohne Begründung, Beweise, Beispiele? Das ist schwach! Der Eindruck entsteht, dass die Autoren sich zu dieser Aussage gar nicht wirklich Gedanken gemacht haben. Aus Sicht von Züri Live jedenfalls kann man den Faktor «Entwicklung der Einzelspieler» als möglichen Grund für die aktuelle Resultatmisere streichen. Daran liegt es am wenigsten.

Fazit: es ist alles noch viel schlimmer für Zürich als gedacht. Nicht nur ist GC so gut wie abgestiegen, und der FCZ hat schwere Aufgaben vor sich, sondern auch der Tages-Anzeiger ist in akuter Abstiegsgefahr – von der 2. Liga Interregional in die 2. Liga Regional des Journalismus.

(Bild Drmic: CC BY-SA 3.0 Steindy, Ravet: CC BY-SA 3.0 Ludovic Peron, Tages-Anzeiger: CC BY-SA 4.0 Steven Lek no changes)

Grosse Euphorie Samstagnacht unter den FCZ-Fans: ein Fahnenmehr in blau-weiss erwartet die Mannschaft nach ihrer Rückkehr aus Grozny am Flughafen – nach dem 1:1 Auswärtsunentschieden in Tschetschenien ist der FC Zenit Russischer Meister. Aber davon soll hier nicht die Rede sein. Sondern von einer Begegnung am gleichen Abend, welche die Bezeichnung «Klassiker» definitiv nicht mehr verdient. Der Begriff wird mehrheitlich noch in Basel als Werbeslogan propagiert, um (erfolglos) zusätzliche Zuschauer ins Stadion zu locken. Die Marketingphrase hat sich aber abgelutscht. Der «Clasico» ist die Begegnung der beiden über lange Zeit dominierenden Mannschaften – das sind wenn schon YB und der FCB. Die Berner lagen in den letzten zwölf Saisons nur vier Mal nicht in den Top 2 und gar nur einmal nicht in den Top 3 der Liga. Gegen den FCZ haben sie nun 15 Meisterschaftspartien in Folge nicht mehr verloren. Ein «Derby» gar, von welchem einzelne Basler Akteure manchmal schwadronieren, ist die Begegnung FCB – FCZ natürlich sowieso nicht.

Das Auf und Ab geht weiter. In den letzten sieben Wochen musste der FC Zürich nur drei Mal ausserhalb des Letzigrund-Stadions antreten – das waren gleichzeitig wohl die drei schlechtesten Partien in dieser Phase (zu Null-Niederlagen in Sion, Lugano und Basel). Insgesamt hat der Stadtclub in diesem Kalenderjahr ausserhalb des Letzigrunds erst drei Tore erzielt. Im Stade de Suisse und im St. Jakob Park kann der FCZ meist 30-45 Minuten mithalten, aber über 90 Minuten scheint der FCZ im Gegensatz zu den meisten Liga-Konkurrenten in diesen Stadien in der Meisterschaft kaum eine Chance auf auch nur einen Punktgewinn zu haben. Und dies schon seit Jahren. Der «Expected Goals»-Wert des FCZ vom Samstag in Basel ist sein drittschlechtester der Saison nach dem kürzlichen 0:1 im Tourbillon gegen Sion sowie dem 1:1 in Razgrad im Dezember.

Auch mit René Van Eck an der Seitenlinie setzte der FCZ auf das in den letzten Partien erprobte System mit drei Verteidigern, dem 6er- Rüegg hinter zwei Achtern und zwei Sturmspitzen. Die Aussenläufer Schönbächler und Kharabadze standen dabei aber tendenziell höher, als noch im Heimspiel gegen Sion. «Löcher wie Edamer» habe man im Zentrum gehabt, meinte Van Eck nach der Partie an der Pressekonferenz. Dies begann schon in der 1. Minute, als Sertic, Rüegg und Schönbächler kollektiv schlecht standen. Erst mit der Hereinnahme von Simon Sohm in der 54. Minute wurde die Organisation im Mittelfeld besser. An Sohms Seite steigerte sich vor allem Captain Kevin Rüegg merklich, wohingegen Toni Domgjoni zwar wie immer bemüht war, diesmal aber über die ganze Partie hinweg deutlich mehr schlechte als gute Aktionen zu verzeichnen hatte.

In die Zweite Halbzeit startete der FCZ zuerst besser als der Gegner und hatte nach 23 Sekunden bereits eine Torchance durch Stephen Odey. Grégory Sertic hingegen spielte zwar ab und zu mal einen guten Ball in die Tiefe, trat im ersten Spiel nach seiner Verletzungspause ansonsten aber ähnlich auf, wie in den meisten seiner bisherigen Partien: halbherzig, nonchalant und mit schlechter Körpersprache. Der Franzose hat einerseits, wenn er weit hinter dem Ball steht, ein gutes Gespür für die Passwege des Gegners – aber auf Höhe des Balles ist er andererseits in Zweikämpfen und Laufduellen beim Bemühen, den Ball zu gewinnen, selten eine Hilfe. Zudem geht durch den Leihspieler immer wieder die Kompaktheit flöten. Seine eher halbherzige Haltung war dann auch entscheidend bei der wichtigsten Szene des Spiels, als er Gegenspieler Zambrano beim Eckball Zuffis kurz nach der Pause wegen fehlender Aufmerksamkeit aus den Augen verlor und dieser zum 1:0 für den FCB traf. Dies ist umso ärgerlicher, als sich der FCZ bei gegnerischen Eckbällen im Verlauf der Rückrunde merklich gesteigert hat, und auch diesmal abgesehen von Sertic alle ihre Gegenspieler bei diesen Situationen im Griff hatten.

Stephen Odey hatte mehr gute als schlechte Aktionen, muss aber nach einem unnötigen Ballverlust und anschliessendem taktischen Foul in Neuenburg gesperrt zuschauen. Im Heimspiel gegen Sion vor Wochenfrist vermochte Assan Ceesay noch fast jedes Kopfballduell im Mittelfeld zu gewinnen, in Basel stimmte sein Timing in der Luft dann aber plötzlich wieder nicht mehr. Auch kam der hagere Gambier durch das bessere lokale Pressing Basels nicht zu seinen gefährlichen raumgreifenden Aktionen. Schon anlässlich der anderen beiden Duelle des Frühlings gegen den FCB wurde es an dieser Stelle erwähnt: das aktuelle Team von Marcel Koller ist nicht mehr mit demjenigen des Herbstes vergleichbar. Die Art und Weise, wie die „Bebbis“ mit Kombinationsspiel und Laufwegen einen Gegner taktisch aushebeln können, ist mittlerweile sogar wieder auf einem höheren Niveau als bei YB. Dazu kam gegen den FCZ ein Valentin Stocker, der erstmals so richtig wieder an seine besten Zeiten als Teenager vor seinem ersten Kreuzbandriss erinnerte. Die Zweite Halbzeit Stockers am Samstagabend war sicherlich eine der besten 45 Minuten aller Super League-Spieler in dieser Saison.

Ähnlich wie zuletzt häufig Roger Assalé bei YB übernahm Stocker die Rolle des in der Mittel- und Angriffszone überall auftauchenden Spielmachers innerhalb des Forward-Trios. In erster Linie Kevin Bua, aber auch Ricky Van Wolfswinkel suchten die Tiefe, kamen aber über Rechts selten durch, da Andreas Maxsø wie eine Wand allem, was Kharabadze (und Sertic) durchliessen, den Eintritt in die Gefahrenzone verwehrte. Alain Nef spielte zwar ebenfalls eine gute Partie, aber das Niveau von Maxsø erreichte er nicht. Basel fand schnell heraus, dass die rechte Zürcher Seite mit Schönbächler und Domgjoni sehr löchrig war, und spielte daher fast alle seine in der Zweiten Halbzeit zahlreichen gefährlichen Angriffe und Gegenstösse über links. Selbst bei einem Ballverlust des FCZ auf der anderen Spielfeldseite wurde ab einem gewissen Zeitpunkt von den Rot-Blauen immer schnell der Seitenwechsel nach links gesucht. Schönbi hatte zwar einige gute, aber auch viele zu wenig konsequent durchgezogene Aktionen: im entscheidenden Moment kein Druck auf den Gegenspieler, ungenaue Pässe oder Flanken oder wenig inspirierte Versuche, sich mit dem Kopf durch die Wand durchzusetzen. Im Offensivspiel fehlte über seine Seite die Breite und im eigenen Strafraum war er bei Flanken von der anderen Seite jeweils zu weit weg von seinem Gegenspieler, was zu zwei von drei guten Möglichkeiten Basels in der Ersten Halbzeit führte.

So wie Rüegg sich in der Zweiten Halbzeit verbesserte, baute dafür der in der 1. Halbzeit aufmerksam agierende Umaru Bangura um so mehr ab. In der ersten Viertelstunde nach der Pause war er zusammen mit Schönbächler und Sertic der Schwachpunkt beim FCZ. In den ersten 45 Minuten war die Dreierabwehr noch in corpore gut gestanden. Im Zweiten Durchgang nahmen hingegen die undurchdachten Aktionen zu. Typisch die Szene vor dem 0:2. Anschliessend an einen Basler Durchbruch über ihre Linke Seite kommt der Ball auf Rechts, wo das Heimteam wegen Maxsø aber nicht durchkommt. Man spielt zurück in die Mitte vor den Strafraum, wo sich dann mit Bangura, Nef, Schönbächler und Domgjoni gleich vier Spieler erfolglos auf Stocker stürzen und dieser dadurch mit Van Wolfswinkel und Zuffi gleich zwei Mitspieler in eine Position alleine vor dem Zürcher Tor anspielen kann. Aus dem Trio Bangura / Nef / Schönbächler hätte nur einer herauspreschen sollen – am ehesten Nef.

Der aus Zürcher Sicht mit Abstand positivste und hoffnungsvollste Aspekt der Partie waren die Einsätze von Simon Sohm und Becir Omeragic. Diese zwei trugen ganz wesentlich dazu bei, dass der FCZ zwei, drei Mal eine minutenlange Druckphase in der gegnerischen Hälfte aufzuziehen vermochte. Da wurde gut antizipiert, Zweite Bälle gewonnen und es entstand Zug Richtung gegnerisches Tor. Der 18-jährige Sohm hat sich geöffnet, fühlt sich nun als gleichwertiger Spieler, bietet sich an, denkt mit, wirkt reifer. So kann er sein grosses Talent noch deutlich besser in die Waagschale werfen, als zuvor. Auch der 17-jährige Omeragic, dessen erster Einsatz in der Super League durch einen Wadenbeinbruch verzögert worden war, fand sich sofort gut ein und war in der Schlussphase offensiv wie defensiv ein Pluspunkt – dass er alleine gegen zwei Basler (Stocker, Ajeti) das 0:3 nicht zu verhindern vermochte, kann man ihm nicht vorwerfen. Anders sieht die Bilanz beim mittleren Zürcher Einwechselspieler Kololli aus. Weiterhin versucht dieser meist erfolglos bei Zuspielen aus der Zürcher Abwehr den Gegenspieler abzuschirmen, anstatt dem Ball entgegenzulaufen. Auf Super League-Niveau endet dies meist mit einem schmerzhaften Ballverlust. Ausserdem ist «Benji» bezüglich Zielstrebigkeit und Schnörkellosigkeit weit vom Niveau eines Sohm oder Omeragic entfernt. Noch nie war die Diskrepanz innnerhalb des Teams bei den Züri Live-Noten so gross, wie nach diesem Match – drei Maximalnoten «10» und eine «9» stehen einer Minimalnote «1» und drei «2»-ern gegenüber.

In den Bereichen Ballbesitz, Eckbälle, Schüsse nebens Tor, Offsides, Fouls und Verwarnungen war die Bilanz der Partie FCB – FCZ ausgeglichen. Der grosse Unterschied besteht bei den Schüssen aufs Tor bzw. Expected Goals. Für die vielen Top-Chancen von Basel in der Zweiten Halbzeit waren zusammenfassend drei Faktoren entscheidend:

  1. Die defensiv zu schwache Rechte Seite des FCZ (Schönbächler, Domgjoni)
  2. Die zu gefährlichen Basler Gegenstössen führenden zahlreichen Fehler und Ballverluste speziell von Kharabadze und Kololli sowie Bangura ab der 65. Minute
  3. Der sich im zweiten Durchgang in einen aussergewöhnlichen Spielrausch steigernde Valentin Stocker

Diese Faktoren führten passend zum Wetter zu einem Temperatursturz in der Gefühlswelt der FCZ-Gemeinde. Giftige Fouls und umstrittene Szenen gab es hingegen im Vergleich zum Cup-Halbfinal deutlich weniger – dafür ging es für den FCB um zu wenig. Zwei versteckte Stürmerfouls von Suchy und Zambrano im gegnerischen Strafraum, einmal «Hals würgen von hinten» von Stocker gegen Rüegg im Mittelfeld, sowie einmal ein absichtliches gesundheitsgefährdendes Unterlaufen von Suchy gegen Kololli direkt nach dessen Einwechslung. Das war «vergleichsweise wenig» im Verhältnis zu vorletzter Woche. Auf Zürcher Seite stiess Bangura in der Ersten Halbzeit nachdem er zwei Mal hintereinander im eigenen Strafraum unaufmerksam gewesen war, den zum Kopfball hochsteigenden Van Wolfswinkel von hinten – und hätte sich über einen Penaltypfiff nicht wirklich beklagen können.

Basel – FCZ 3:0 (0:0)

Tore:  49. Zambrano (Zuffi) 1:0, 66. Van Wolfswinkel (Stocker) 2:0, 90.+2 Ajeti (Stocker) 3:0.

Basel: Omlin; Widmer, Suchy, Zambrano, Riveros; Xhaka, Frei (73. Balanta); Stocker, Zuffi, Bua (76. Zhegrova); Van Wolfswinkel (84. Ajeti).

FCZ: Brecher; Nef (80. Omeragic), Bangura, Maxsø; Schönbächler, Rüegg, Kharabadze; Domgjoni, Sertic (54. Sohm); Ceesay (67. Kololli), Odey.