Roter Stern–Partizan, Rapid–Austria, St. Pauli–HSV, River–Boca, Milan–Inter, Roma–Lazio, Legia–Polonia, Raja–Wydad, FCZ–GC. Es gibt viele Derbies weltweit, aber nur eines in der Schweiz. Denn es gibt nur eine Stadt mit zwei Traditionsklubs, die sich seit dem ersten Derby von 1897 duellieren. Derbies sind die Duelle der zwei grössten Traditionsklubs einer Stadt. Schalke-BVB ist da nicht wirklich eine Ausnahme, denn der Ruhrpott ist in der Realität eine einzige langgezogene Stadt, vergleichbar mit London. Alleine in der historisch kurzen Zeit der letzten 18 Jahre seit Einführung der Super League war ein Zürcher Derby denkwürdiger als das andere. Hier eine subjektive Rangliste der Top 12.

12. Mit Europacup-Schwung zum Rekordsieg – 7.8.2011 – FCZ-GC 6:0 (Aegerter, Alphonse, R. Koch, Mehmedi, Kukuruzovic, Nikci)

Nach dem knapp verpassten Meistertitel 2011 ist der FCZ mit drei Niederlagen gegen Teams aus dem Welschland schlecht in die Meisterschaft gestartet, holt sich aber mit erfolgreichem Weiterkommen in der Champions League-Qualifikation gegen Standard Lüttich und dem Los Bayern München den Schwung für den Derbyrekordsieg der Nachkriegszeit (mit sechs verschiedenen Torschützen) und einem anschliessenden Auswärtserfolg in Basel.

11. Mit Glaube und Glück – 2.11.2008 – FCZ-GC 2:1 (Abdi, Hassli; Zarate)

Der FCZ hat sich dank einer unberechenbaren und torgefährlichen Offensive in einen Lauf gesteigert. GC, nominell schwächer aufgestellt, ist unter Trainer Latour ein zäher Gegner, steht an diesem Tag defensiv stabil und geht unmittelbar nach der Pause nach einem Konter durch Zarate in Führung. Der FCZ tut sich schwer. Alphonse hat Glück, dass er nach einer Tätlichkeit an Zarate nur die Gelbe Karte gezeigt bekommt. Zarate sieht hingegen in der weiterlaufenden Aktion nach seiner Tätlichkeit direkt Rot. Demba Touré vergibt vor dem leeren Tor die Vorentscheidung, als Lampi mit einer eingesprungenen Grätsche auf der Linie rettet. Der FCZ dreht durch Abdi und Hassli innert 7 Minuten kurz vor Schluss das Spiel und gewinnt schliesslich mit 2:1.

10. Hajrovic aus der Distanz: letzter GC-Titel – 17.4.2013 – FCZ-GC 1:2 n.V. (Benito; F. Feltscher, I. Hajrovic)

2013 holt GC seinen bis heute letzten Titel im Cupfinal gegen den FC Basel mit einer verschworenen Jungmannschaft um Zuber, Toko und Izet Hajrovic. Auf dem Weg dazu geht es im Derby in die Verlängerung, wo Izet Hajrovic mit einem Strahl aus grosser Distanz für die Entscheidung sorgt. Bereits in der Meisterschaft hatte Hajrovic ein Derby im Dezember (1:0) entschieden gehabt.

9. Jedi Serie gaht mal z’Änd – 26.9.2004 – FCZ-GC 2:0 (Keita, César)

Die Südkurve wusste es mit ihrer Choreo schon davor, dass neben «Dallas», «Denver Clan», «A-Team» und «Baywatch» auch eine Derby-Serie irgendwann mal zu Ende geht. Der FCZ hat mehr als zwanzig Jahre lang kein Heim-Derby mehr gewonnen. Keita erzielt auf Zuspiel von Gygax das 1:0. Zu Beginn der 2. Halbzeit grätscht der junge Lichtsteiner Franco Di Jorio vor der Haupttribüne auf die Tartanbahn und wird nur verwarnt. Di Jorio muss umgehend ausgewechselt werden. Kurze Zeit später rächt sich der bei GC aussortierte und zum FCZ gewechselte Tararache und hat Glück, dass er nur die gelbe Karte bekommt. Lichtsteiner muss ebenfalls verletzt vom Feld. Die Emotionen kochen bei Spielern und Zuschauern über. Ausgerechnet der für Di Jorio eingewechselte Cesar sorgt in der Schlussphase für die endgültige Entscheidung. Das ist die Manifestation des Wendepunktes in der Derbybilanz und der eigentliche Auftakt zu einer der erfolgreichsten Phasen der Klubgeschichte mit vier Titeln in fünf Jahren.

8. Revierkampf im Stadion –  2.10.2011 – GC-FCZ 3:0 Forfait, 2:1 bei Spielabbruch (Mustafi, F. Feltscher; P. Koch)  

Der FCZ hatte unter Trainer Urs Fischer in der Vorsaison den überraschenden Meistertitel auch wegen einer Niederlage gegen GC drei Runden vor Schluss knapp verpasst. Ein Strassenkonflikt zwischen Fangruppierungen von GC und des FCZ wird ins Stadion getragen. Nach einem Fackelwurf in den GC-Fansektor wird das Spiel erst unterbrochen und dann von Schiedsrichter Sascha Kever ganz abgebrochen. Verschiedene Zuschauer hatten da aus Entrüstung das Stadion bereits verlassen. Philippe Kochs erstes Tor in einem Wettbewerbsspiel zählt nicht.

7. Auf dem Weg zum Meistertitel in extremis zum Punktgewinn – 10.8.2008 – GC-FCZ 2:2 (Salatic, Bobadilla; Abdi, Rochat)

Nach Platzverweisen gegen Johnny Leoni und Hannu Tihinen geht GC in der 88. Minute durch einen Penalty von Raul Bobadilla mit 2:1 in Führung. In der 94. Minute gleicht der FCZ mit neun Mann durch einen Penalty von Alain Rochat nochmal aus. Es ist ein wichtiger Punkt auf dem Weg zum Meistertitel 2009.  

6. Stadtrivale als Gast bei der Meisterfeier – 29.5.2009 – FCZ-GC 2:1 (Rochat, Abdi; Zarate)

Das Stadion ist voll, die Spieler laufen mit blau-weiss gefärbten Haaren ein. GC will mit hartem Einsteigen dem Stadtrivalen die Partie versalzen, aber der gibt sich keine Blösse und gewinnt auch das Meisterfeier-Derby.

5. Tempo, Zweikämpfe, Emotionen – 19.6.2016 – GC U18-FCZ U18 2:4 n.V. (N. Bajrami, Nitaj; Krunic, E. Sadiku, Rohner, Domgjoni)

Während man bei den Frauen nicht immer merkt, dass ein Derby gespielt wird, sind die Junioren-Derbies häufig noch umkämpfter und heissblütiger als diejenigen der Profis. Ein gutes Beispiel dafür war der U18-Final um den Schweizer Meistertitel im GC/Campus im Juni 2016. Die Wogen gingen so hoch, dass im Anschluss dieses Finals einer der GC-Finaltorschützen von der GC-Führung aus der Academy ausgeschlossen wurde, weil er sich mit dem zahlreich nach Niederhasli gereisten FCZ-Anhang angelegt hatte. Die damaligen Akteure Petar Pusic und Fabian Rohner könnten heute im Letzigrund wieder aufeinandertreffen.

4. Starsolist Chikhaoui eröffnet den neuen Letzigrund standesgemäss – 23.9.2007 – FCZ-GC 4:0 (Chikhaoui, Tihinen, Raffael, Raffael)

Starsolist Yassine Chikhaoui lässt die Rekordkulisse im Letzigrund keine Sekunde warten, packt seine Stradivari aus und trifft nach einem Jahrhundert-Solo schon nach 40 Sekunden zum 1:0 für den FCZ. Es ist ein Statement, welcher Klub auch im neuen Letzigrund zu Hause ist.

3. Cédric Brunner hämmert den FCZ in der Nachspielzeit in den Cupfinal – 28.2.2018 – FCZ-GC 2:1 (Rüegg, Brunner; Lavanchy)

Nachdem der FC Zürich bereits im Viertelfinal gegen Thun (4:3 in der Nachspielzeit nach 1:3-Rückstand bis zur 85. Minute) in extremis weitergekommen war, hämmert der eingefleischte FCZ-ler Cédric Brunner seinen Klub in der Nachspielzeit in den Cupfinal, in welchem er mit einer herausragenden Leistung ein wichtiger Baustein zum Sieg sein sollte. Es war und ist bis heute sein einziger Treffer gegen einen Super League-Gegner.

2. Dani Gygax wird das Spiel seines Lebens geklaut – 3.3.2004 – GC-FCZ 6:5 n.V. (Petric, Eduardo, Eduardo, Eduardo, Petric, Nunez; Gygax, Ziegler (ET), Gygax, Gygax, César)

Es ist wohl das verrückteste Spiel des Schweizer Fussballs. In die Geschichtsbücher müsste der 3. März 2004 eigentlich aber auch als DAS Spiel des eingefleischten FCZ-lers Dani Gygax für SEINEN Verein eingegangen sein. Aber man sucht solche Berichte heute vergebens. Schuld war unter anderem der Torjubel eines dem Vernehmen nach direkt von der Copacabana verpflichteten Brasilianers auf dem Haag vor dem FCZ-Fansektor (Gelb-Rote Karte durch Schiedsrichter Meier, der sich später für einen Alain Nef verweigerten Penalty entschuldigt). Es wurde stattdessen eines der besten Spiele in der Karriere von Christoph Spycher. In der 63. Minute für den Eigentorschützen Reto Ziegler zurück auf die Linksverteidigerposition gerückt, sorgte der rustikale Berner mit langen Filigranzuspielen von hinten heraus für die entscheidenden Offensivimpulse. GC verliert danach aber den Cupfinal gegen Wil und der FCZ wird die Saison erstmals seit 1993 vor dem Rivalen auf dem 4. Rang beenden und in den folgenden 17 Spielzeiten bis heute 11 mal vor GC stehen. Karma?

1. Alli in Wiiss – Titelgewinn im Hardturm-Derby – 30.4.2006 – FCZ-GC 2:0 (Santos, Margairaz)

Einmalig! Das ganze Stadion ist weiss gekleidet. Der FCZ «besetzt» die Spielstätte des Stadtrivalen, der dem Team von Trainer Lucien Favre das Leben schwer macht. GC ersetzt vor der letzten Meisterschaftsrunde und damit nur für dieses Derby Trainer Krassimir Balakov durch Carlos Bernegger. „Fussballgott“ Santos erzielt vor der Pause die Führung für den FCZ. Cabanas trifft für GC die Latte. Sogar Torhüter Coltorti stürmt in den Schlussminuten bei einem Eckball der Grasshoppers in den gegnerischen Strafraum. Margairaz versetzt mit dem 2:0 in der Nachspielzeit direkt vor der Südkurve das Stadion in Ekstase.

Von Toni Gassmann und Lukas Stocker

Die Partie gegen den FC Winterthur im Letzigrund war nicht so, wie man sich eine Hauptprobe vor dem Meisterschaftsstart vorstellt. Aufgrund von Krankheit (gute Besserung Vasi!), Nationalteamaufgeboten (Gratulation Simon, Becir & Co.!) und dem gleichzeitigen Meisterschaftsauftritt der U21 gegen Brühl (2:3, zwei Sulejmani-Penalties), standen Trainer Ludovic Magnin mit Adrian Winter und Salim Khelifi gerade mal zwei Feldspieler als Reserve zur Verfügung. Und während das Spiel lief, wurde in den Sozialen Medien der neue Innenverteidiger Lasse Sobiech vorgestellt.

Beim FC Winterthur fielen gleich beide Torhüter aus und es standen mit Marzino und Scheithauer zwei Testspieler in der Startformation. In der ersten Halbzeit kontrollierte der FCZ weitgehend das Spiel und ging 2:0 in Führung. Die zweite Halbzeit war ausgeglichener. Nach einer Serie von Zürcher Topchancen gelang Adi Winter das 3:0 in der 80. Minute nachdem der andere Einwechselspieler Khelifi zuvor noch an Marzino gescheitert war. Die letzten zehn Minuten liess der FCZ dann aber stark nach und Winterthur drehte nochmal auf, ohne aber zu einem Torerfolg zu kommen. Am augenfälligsten ersichtlich war dies bei Stephan Seiler, der in der letzten Viertelstunde auf dem Zahnfleich lief und dem gar nichts mehr gelang.

Insgesamt wirkte in allen vier Vorbereitungsspielen weder der FCZ noch die jeweiligen Gegner auch nur annähernd auf Meisterschaftsniveau spielend. Im Normalfall nähert man sich gegen Ende der Vorbereitung diesem Niveau an. Eine Steigerung von Spiel zu Spiel war durchaus ersichtlich, aber ob es reichen wird, bereits in einer Woche in Chiasso im Cup das notwendige Niveau auf den Platz zu bringen – darauf darf man gespannt sein. Es wurde in allen vier Vorbereitungsspielen mit demselben System gespielt. Von den verschiedenen Phasen der letzten Saison orientierte sich das Zürcher Trainerteam dabei personell und taktisch stark am zweiten Saisonviertel, in welchem man ohne wirklich zu glänzen eine gute Resultatserie hatte hinlegen können.

Einzelne gute Automatismen in der Überwindung der Mittelzone des Spielfeldes waren zu sehen, sowohl mit schnellem Direktspiel, als auch mit geduldigem Aufbau – allerdings ohne auch nur annähernd die gleiche Gegenwehr auf dem Platz zu haben, wie sie den FCZ zum Meisterschaftsstart erwarten wird. Auch gegen Top-Gegner wird allerdings sicherlich Fabian Rohner eine Offensivwaffe sein. Immer wenn nach vorne nichts läuft, dann sorgt der Rechte Aussenverteidiger mit vertikalen oder diagonalen Läufen für Unruhe und Unordnung im gegnerischen Abwehrdispositiv. Rohner ist nicht nur nochmal eine ganze Spur schneller als Kevin Rüegg, sondern hat auch eine solidere Grundtechnik, als der Richtung Italien ziehende Captain der U21-Nationalmannschaft.

Ebenfalls Stammspieler in der U21-Nationalmannschaft ist Toni Domgjoni, der beim 4:1-Heimsieg gegen die Slowakei als Schaltzentrale und Wasserträger in einem im Schweizer Mittelfeldzentrum genauso eine gute Partie machte, wie weitgehend auch in den Vorbereitungspartien mit dem FCZ. Der dritte Gewinner der Vorbereitung ist Henri Koide, welcher nahtlos an die guten Leistungen der letzten Saisonphase 19/20 anzuschliessen scheint. Nicht nur gegen Schaffhausen gelang dem 19-jährigen Zürcher mit einer Klasse-Einzelleistung ein Treffer, sondern er erzielte auch das einzige Tor beim 1:0-Sieg mit der U19-Nationalmannschaft gegen Neuchâtel Xamax (mit unter anderem dem ehemaligen FCZ U21-Stürmer Eric Tia im Test).

Gegen den FC Winterthur an allen drei Treffern beteiligt war Assan Ceesay. Der Gambier hatte allerdings schon letzten Sommer in den Testpartien sehr gute Skorerwerte, welche anschliessend in der Meisterschaft wieder in den Keller sanken, als der FCZ mit einem anderen Spielstil auftrat. Auch wenn es immer noch der gleiche Assan Ceesay ist: ein gewisser Reifeprozess durch seine Zeit in Osnabrück ist ersichtlich – der 26-jährige Nationalstürmer wirkt etwas fokussierter, gradliniger und effizienter, als noch vor Jahresfrist. Und gleichzeitig versteht er sich auf dem Platz weiterhin sehr gut mit Antonio Marchesano – ein nicht zu unterschätzender Faktor. Zivko Kostadinovic schliesslich hat angedeutet, dass er in Bezug auf die Sicherheit, eine solide Nummer Zwei hinter Yanick Brecher zur Verfügung zu haben, im Vergleich mit vielen anderen Kandidaten der letzten Jahre wohl ein Schritt nach vorne für den FCZ ist.

Auf der Verliererseite der Saisonvorbereitung steht sicherlich an erster Stelle Mirlind Kryeziu: nach einem zu unkonzentrierten Auftritt mit zwei groben Schnitzern im ersten Testspiel gegen Schaffhausen vom Präsidentenehepaar ins Gebet genommen und seither im Kader der weiteren Testspiele nicht mehr aufgetaucht. Ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes wachgerüttelt wurde in der Pause des Testspieles gegen den FC Luzern Stürmer Blaz Kramer von Captain Yanick Brecher, nachdem der Slowene schon gegen Schaffhausen nicht mit dem Kopf bei der Sache zu sein schien.

Obwohl nicht eingesetzt als Verlierer vorkommen muss sich Michael Kempter, mit dem sich der FCZ nicht auf einen neuen Vertrag hat einigen können. Der Rudolfstetter war auf der linken Zürcher Seite nach der Coronapause endlich wieder einmal ein Spieler, der nicht nur im Spiel nach vorne eine der wichtigsten Zürcher Waffen in dieser Phase war, sondern obendrein auch noch so konsequent verteidigte, wie dies (mit Ausnahme phasenweise Pa Modou) schon seit vielen Jahren keinem FCZ-Linksverteidiger mehr gelungen war. Mit Tobias Schättin hingegen kommt von Winterthur ein Ersatz, der deutlich mehr Mängel im Spiel ohne Ball mitbringt und das Zürcher Defensivproblem auf links wohl kaum lösen wird. Auch das Testspiel gegen Winterthur bestätigte diesen Eindruck.

Lavdim Zumberi hatte in Basel mit der „U21 verstärkt“ einen zwar nicht fehlerfreien, aber trotzdem ziemlich guten Auftritt hingelegt gehabt. Mittlerweile findet er aber beim FCZ weder auf dem Matchblatt noch auf der Team-Seite (Webpage) noch Erwähnung. Mit seinen 20 Jahren muss er unbedingt im Profibereich zu mehr Spielzeit kommen – Vertrag hätte er noch zwei Jahre. Der FC Wil wäre für den Ostschweizer eine naheliegende Variante, aber auch ein Transfer zum FC St. Gallen oder FC Vaduz ist alles andere als undenkbar. Mit seiner direkten Spielweise und Stärke bei langen Bällen würde er ins Team von Peter Zeidler passen. Geschenkt wurde dem guten Distanzschützen beim FCZ in der 1. Mansnchaft in den letzten Jahren nichts – obwohl oder vielleicht gerade weil er zu Juniorenzeiten zu den Lieblingsspielern Ludovic Magnins gehörte.

Salim Khelifi schliesslich zeigte in der Vorbereitung dasselbe, was man schon von ihm kannte, als er vor einem Jahr nach Deutschland ausgeliehen wurde. Einzelne Highlights wie der Freistoss zu Nathans Kopfballtor, aber daneben auch (zu) viel Leerlauf, vergebene Top-Möglichkeiten und fehlende Defensivqualität. Mit Marco Schönbächler hat der FC Zürich bereits einen ähnlichen (aber insgesamt etwas besseren) Spieler im Kader. Ein zweiter solcher Mann ist tendenziell zu viel. Dann gibt es durch die Verpflichtung von Lasse Sobiech noch ein kleines Fragezeichen bezüglich der Rolle von Nathan. Sobiech ist ein ähnlicher Spielertyp, der aber mit mehr Ruhe und Souveränität agiert und die immer wieder von Magnin auf den Platz gerufene Vorgabe „ohne Foul“ wohl besser umsetzen kann, als der emotionale Brasilianer.

FC Zürich – Winterthur 3:0 (2:0)
Tore: 17. Ceesay (Marchesano) 1:0, 44. Ceesay (Marchesano) 2:0; 80. Winter (Khelifi) 3:0.
FCZ: Brecher; Rohner, Nathan, Bangura, Schättin; Schönbächler (64. Khelifi), Britto, Seiler, Gnonto (46. Winter); Marchesano; Ceesay.
Winterthur: Marzino; Gantenbein, Isik (46. Lekaj), Scheithauer, Schüpbach (64. Pauli); Arnold (46. Hamdiu), Pepsi (46. Doumbia); Callà (46. Ltaief), Ramizi (64. Rama), Mahamid (46. Alves); Buess.

Nach einem Viertel der Saison liegt der FCZ in der Nationalliga A mit einem Spiel und drei Punkten weniger als Leader Servette Chênois auf dem Dritten Platz. Dazwischen platziert sich der FC Basel. Dieses Spitzentrio vermochte sich zuletzt vom Rest der Liga etwas abzusetzen und könnte durchaus bis Ende Saison einen Dreikampf um den Titel führen, auch wenn man den FC Luzern wohl noch nicht abschreiben sollte. Das aufgrund vieler Wechsel traditionsgemäss mässig startende Lugano wäre wohl im Verlauf der Saison ebenfalls Teil dieser Spitzengruppe geworden, aber das Migrationsamt des Kantons Tessin verbot überraschend den aus dem College-Fussball stammenden Amerikanischen Austauschstudentinnen (Nicht EU-Ausländerinnen) nach drei Jahren der Duldung, weiter ohne Arbeitserlaubnis in der Nationalliga A zu spielen, da diese von den Tessiner Behörden als „Profiliga“ beziehungsweise Leistungssport eingestuft wurde. Dies nur wenige Tage nach dem bisherigen Höhepunkt des Tessiner Frauenfussballs, den beiden Champions League-Sechzehntelfinalpartien gegen Manchester City.

Die spielerische Entwicklung unter dem neuen FCZ-Trainer Ivan Dal Santo (in der Saison 03/04 Teamkollege von Dani Gygax, Blerim Dzemaili, Alain Nef, Alhassane Keita, Iulian Filipescu und Co.) ist gut. Die erfahrene Martina Moser gibt mit ihren spielerischen Qualitäten den Takt vor. Die Direktkombinationen über mehrere Stationen sorgen immer wieder für attraktive Momente im Spiel. Das Zentrale Mittelfeld bilden mit Moser die aufblühende Cinzia Zehnder auf der Sechserpositon und die proaktive Vanesa Hoti, die sich seit ihrem Sommertransfer von der Basler Ersatzbank in relativ kurzer Zeit gut entwickelt hat. Fabienne Humm liegt hinter der Luzernerin Irina Pando (-Brütsch) mit acht Treffern an zweiter Stelle der Torschützenliste und hat damit aktuell eine bessere Trefferquote als in den letzten Saisons aufzuweisen.

Barla Deplazes wird nach ihrer längeren Verletzung zur Zeit vorwiegend als Joker eingesetzt und Meriame Terchoun ist noch einiges von einem Comeback entfernt. Dementsprechend erhalten junge Spielerinnen wie Seraina Piubel, Kim Dubs, Lydia Andrade oder als Joker auch Ella Ljustina ihre Einsatzchancen im Dreiersturm. Die kampfstarke Lorena Baumann hat sich rechts hinten zu einer wichtigen Teamstütze entwickelt und auch Julia Stierli auf links wird immer konstanter. Eine leichte Schwachstelle hat der FCZ in der Innenverteidigung, wo Rahel Moser und Riana Fischer gegen starke Mittelstürmerinnen im Antritt oder auch bei hohen Bällen an ihre Grenzen stossen. Aussergewöhnlich hingegen Goalkeeperin Livia Peng, die mit 17 Jahren neben ihrer besseren technischen Ausbildung auch häufiger die richtige Entscheidung trifft, als beispielsweise Nationaltorhüterin Gaëlle Thalmann.

Servette Chênois hat gemäss dem Schweizer Frauenfussballmedium „abseits.ch“ als einziges Nationalliga A-Team beim Verband Profispielerinnen angemeldet und zwar gleich acht. Und tatsächlich sind die Genferinnen das am ambitioniertesten zusammengestellte Team. Hugo Kostezer, Trainer des NLB-Teams Rot-Schwarz Thun, vermutet ebenfalls auf „abseits.ch“, dass die Sportliche Leitung der Calvinstädterinnen in der Winterpause im Hinblick auf den Titelkampf diesbezüglich gar noch nachlegen könnte. Eine etwas gegenteilige Entwicklung nimmt der FC Basel. Das dank langjähriger Champions League-Einnahmen der Profis am besten alimentierte Frauenteam der Schweiz hat trotz weiterhin hoher Ambitionen eine Verjüngungskur vorgenommen – und ist vielleicht gerade deshalb aktuell so gut unterwegs wie schon lange nicht mehr.

Exemplarisch für die neue Strategie steht die 18-jährige Deutsche Juniorennationalstürmerin Ivana Fuso, die im Vergleich beispielsweise zur aus Basel abgewanderten langjährigen Bayern-Mittelfeldspielerin Nicole Banecki (31)  deutlich mehr Wirkung entfaltet. Zu den mit 24 Jahren bereits älteren Spielerinnen in der Stammformation gehört die nach drei Jahren aus Therwil (Nationalliga B) zurückgekehrte Andrea, jüngere Schwester von U18-Trainer Alex Frei. Innert kürzester Zeit zu einer Leistungsträgerin geworden ist die erst 16-jährige Riola Xhemaili, welche letzte Saison vorwiegend unter Giuseppe Morello bei den U15-Jungs eingesetzt worden ist.

Das FCZ-Pendant zu Xhemaili heisst Anna Matsushita. Die Zürcher Mittelfeldspielerin ist gar erst 15 und kam im September-Derby im GC Campus von Beginn weg zum Einsatz. Auch sie spielte letzte Saison häufig mit den Academy-Jungs, profitierte bei ihrem NLA-Einsatz allerdings auch von der Rotation von Trainer Dal Santo in den Englischen Wochen rund um die Champions League-Spiele gegen den FK Minsk. In diesem Sechzehntelfinal ist der FCZ bekanntlich mit zwei Niederlagen (0:1 auswärts und 1:3 vor eher konservativ gezählten 2’700 Zuschauern im Letzigrund, darunter die komplette Academy inklusive U21) gegen den Weissrussischen Serienmeister ausgeschieden.

Das Hinspiel in Minsk wurde von den Zürcherinnen dabei etwas verschlafen und ein mögliches Auswärtstor verpasst. Im Rückspiel zeigten sie hingegen eine starke Leistung und waren das bessere Team. Für den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften sorgte schlussendlich mit Emueje Ogbiagbevha eine einzelne Spielerin, die drei Minsker Tore selber ezielte und zum vierten die entscheidende Vorarbeit lieferte. Mit ihrer an einen männlichen Profistürmer erinnernden Wucht war sie bei ihren Einzelaktionen von den FCZ-Verteidigerinnen nicht mehr einzufangen, wenn sie einmal Fahrt aufgenommen hatte.

Nach der bitteren Niederlage vor heimischem Publikum äusserten sich Seraina Piubel und Martina Moser bei Züri Live folgendermassen:

 

Ende Mai und Juni ist die schönste Zeit der Schweizer Fussballsaison, denn es geht bei den Junioren um die Wurst. Der Blue Stars / FIFA Youth Cup auf der Buchlern findet neu Donnerstag / Freitag statt und der FCZ ist sowohl bei den jungen Männern (Partien können im Züri Live-Ticker über Twitter oder auf der Webpage verfolgt werden) wie Frauen wieder am Start! Der Spielplan sieht folgendermassen aus:

Donnerstag 30.5.

10:00 Internazionale – FCZ Frauen

11:40 SL Benfica – FCZ

12:40 FCZ Frauen – YB

14:20 PAOK – FCZ

18:05 Halbfinals Frauen

18:55 FCZ – Seattle

Freitag 31.5.

ab 12:05 Finalspiele Frauen

13:50 FCZ – Basel

ab 15:40 Finalspiele Männer

Eine spezielle Situation ergibt sich für die Planung des Turniers für den FCZ dieses Jahr, weil die U18, welche normalerweise die Basis der Turnier-Equipe des FCZ stellt, genau 24 Stunden nach dem Duell mit dem FC Basel auf der Buchlern im Heerenschürli im Playoff-Viertelfinalrückspiel (Hinspiel 0:1) auf den gleichen Gegner trifft! Sowohl für die Equipe von Massimo Rizzo wie für diejenige von Alex Frei stellt sich somit die Frage, ob speziell für den Freitag überhaupt Stammspieler an die Turnier-Equipe abgestellt werden sollen. Spielerisch und taktisch war in der ersten Begegnung am Sonntag im FCB-Campus St. Jakob der FCZ die bessere Equipe gewesen, vermochte aber daraus im Abschluss keinen Vorteil zu erzielen. Bereits im Cup war man gegen den gleichen Gegner als bessere Mannschaft im April im Penaltyschiessen ausgeschieden.

Gleichzeitig mit der U18 spielt am Samstag im Heerenschürli die U16  nach dem erfolgreichen Viertelfinal gegen YB das Playoff Halbfinal-Hinspiel gegen Meisterschaftsdominator Luzern. Dies wird für das sich im Verlauf der Saison steigernde Team von Daniel Gygax gleichzeitig auch der Gegner im Cupfinal vom 22. Juni sein. Am späteren Nachmittag laden dann die Double-Siegerinnen FCZ Frauen zum Abschluss ihrer erfolgreichen Saison und letzten Spiel von Trainer Andy Ladner ins Letzigrund gegen Cupfinalgegner YB. Auf diesen haben die Zürcherinnen in der Tabelle 58 (!) Punkte Vorsprung. Auch der erste Verfolger und Champions League-Qualifikationsteilnehmer Lugano liegt 28 Punkte zurück. Wie bei YB bei den Männern verteilen sich die Zürcher Tore auf viele erfolgreiche Torschützinnen. Die beste Zürcher Skorerin Fabienne Humm liegt daher vor der letzten Runde gleichauf mit der Lugano-Amerikanerin Cara Curtin mit 16 Treffern ein Tor hinter dem Führungstrio Brütsch (Luzern), Maksuti (Lugano) und Sarrasin (Servette, je 17 Treffer) und hat damit vor der letzten Partie noch realistische Chancen auf einen erneuten Gewinn der Torjägerkrone.

Samstag 1.6.

14:00 Heerenschürli: FCZ U18 – Basel (Viertelfinal-Rückspiel, Hinspiel 0:1)

14:00 Heerenschürli: FCZ U16 – Luzern (Halbfinal-Hinspiel)

14:00 Heerenschürli: FCZ U15 – Sion (Klassierungsrunde)

17:00 Letzigrund: FCZ Frauen – YB  (28. Runde)

Panta rhei! Im Industriequartier gibt es fast keine Industrie mehr. Dafür wird in den alten Fabrikhallen gewohnt, geshopt und Theater gespielt. In der riesigen ehemaligen Toni Molkerei («das im Glas!») befindet sich mittlerweile die Zürcher Hochschule der Künste. Nicht immer Kunst, aber sicherlich immer ein Theater und zwar kein inszeniertes, wird vom FCZ und GC gezeigt, die nun mit der ganzen Fussball-Community nach der erfolgreichen Volksabstimmung des Wochenendes beide in den Chreis 5 ziehen. Sie werden sich wohl kurz nach der Fertigstellung von PJZ und Europaallee aus dem Staub über die Gleise machen.

Nach sage und schreibe ziemlich genau 100 Jahren (1925) wird der FCZ erstmals nach seinen Gründerzeiten wieder selbst sein Stadion mitbetreiben können. Die Pfingstweidstrasse ist nach der Hardau, dem Utogrund und dem Letzigrund die vierte Heimat des Stadtclubs. Von der Haltestelle Sportweg auf der Südkurvenseite her erreicht man mit dem «4-er» den Hauptbahnhof und die Stadtbahnhöfe Altstetten, Hardbrücke, Stadelhofen und Tiefenbrunnen alle direkt. Im Gegensatz zur Pfingstweid nicht im Chreis 5 liegt übrigens (wenn auch fälschlicherweise) auf Google Maps der mittelalterliche Hardturm (Chreis 10), welcher Teil der die Stadt Zürich gegen Angriffe von Westen her schützenden Letzimauer war.

Der Limmatstadtclub spielt neu auch neben der Limmat, wo am 24. Mai 2007 in einem mit 18’100 Fans ausverkauften Stadion so stark wie noch nie zuvor das Gefühl herrschte, dass Zürich dem FCZ gehört. Francileudo Santos und Xavier Margairaz trafen zum Meistertitel in einem umkämpften Derby vor ganz in weiss getauchten Zuschauerrängen. Aus heutiger Sicht ein perfektes Amuse Bouche auf das, was da in Zukunft gleichenorts noch folgen soll. An dieses «erste Mal» der neueren Clubgeschichte im «fremden Territorium» auf der anderen Seite der Geleise werden sich die FCZ-ler immer gerne zurückerinnern. In weiser Voraussicht haben der ZVV und die VBZ bereits vorgesorgt und vor einem Jahr mit dem Tram Nr. 8 eine direkte Verbindung vom FCZ Fan-Shop/Museum am Stauffacher zum neuen Fussballstadion und von dort (irgendwann mit Pokal?) zurück zum Helvetiaplatz zur Verfügung gestellt.

Drei Tage nach dem Champions League-Achtelfinalhinspiel gegen Bayern München im Letzigrund trifft Innenverteidigerin Caroline Abbé im Spitzenspiel bei Lugano per Kopf zum wichtigen 1:0. Der FCZ besiegt den aktuell härtesten Verfolger auswärts mit 2:1 und behält in der Meisterschaft nach sechs Spielen eine Weisse Weste. Letzte Saison hatte der FCZ das mit vielen nordamerikanischen Spielerinnen gespickte Lugano im Cupfinal erst in der Verlängerung bezwingen können. Im Cup-Viertelfinal vom 24./25. November trifft das Team von Trainer Andy Ladner im Heerenschürli nun wieder auf denselben Gegner!

Abbé hatte zuvor bereits gegen ihren Ex-Klub Bayern München eine überdurchschnittlich gute Leistung an den Tag gelegt. Diese Begegnung mit alten Kameradinnen hat die Genferin offensichtlich beflügelt. Ebenfalls stark spielte Aussenverteidigerin Lorena Baumann, die es wie keine andere schaffte, im internationalen Wettkampfspirit den Gegenspielerinnen richtiggehend auf die Nerven zu gehen und gleichzeitig nach vorne effektiv zu agieren. Das Resultat von 0:2 widerspiegelt in etwa das Gezeigte auf dem Feld gegen keineswegs brillante Bayern, die es bisher in der Champions League noch nie über die Viertelfinals hinausgeschafft haben. Dass Bayern-Torfrau Manuela Zinsberger nie ernsthaft eingreifen musste, lag vor allem am auf diesem Niveau individuell zu wenig soliden Zürcher Zentrum mit Coumba Sow, Cinzia Zehnder und Lesley Ramseier, welches die Partie nicht in den Griff bekam. Speziell USA-Rückkehrerin Sow schien in dieser Partie an gewisse Grenzen zu stossen. Taktisch zeigte die ganze Mannschaft allerdings eine äusserst reife und disziplinierte Leistung, die nur deshalb nicht belohnt wurde, weil im Endeffekt zu wenige Spielerinnen individuell ihr Topniveau erreichten.

Im Rückspiel in einer Woche im Bayern Campus wird die Zuschauerzahl deutlich tiefer sein, als die 4’300 Fans, die offiziell das Hinspiel im Letzigrund verfolgten (tatsächlich waren es wohl über 6’000). Natürlich ist die Chance auf ein Weiterkommen sehr klein, aber die Hoffnung bleibt. So hat der FCZ beispielsweise mit Malin Gut eine Standardschützin, die gefährliche Bälle in den gegnerischen Strafraum schlagen kann, und die spielerischen Qualitäten der im Hinspiel   eingewechselten Martina Moser könnten bei Gegnern ebenfalls für Unruhe sorgen. Gelingt es, den 1:0-Führungstreffer zu erzielen, ist die Chance auf eine erstmalige Viertelfinalqualifikation wieder da.

In der Meisterschaft hatte der mit einzelnen Profispielerinnen aus Südamerika verstärkte Aufsteiger Servette Chênois einen Blitzstart hingelegt, ist aber mittlerweile nach der Cupniederlage beim unterklassigen St. Gallen-Staad und der 0:7-Klatsche am Wochenende in Luzern zwischenzeitlich urplötzlich eingebrochen. Lugano entwickelt sich konstant und steigert sich von Saison zu Saison, wohingegen das auch heute noch sehr prominent bestückte und gut ausgestattete Basel weiterhin Rätsel aufgibt. YB hatte viele Abgänge zu verkraften, bringt aber trotzdem auch diese Saison eine Truppe mit viel Talent auf den Rasen, die sich im Verlaufe der Saison wohl noch steigern wird. Nicht zu unterschätzen sind die Luzernerinnen, die zwar den Abgang von Shooting Star Géraldine Reuteler verzeichnen mussten, insgesamt aber trotzdem in grossen Teilen ihre Mannschaft zusammenhalten konnten. GC kommt trotz drei, vier sehr talentierten Spielerinnen um Nationalstürmerin Caroline Müller noch nicht richtig in die Gänge und Yverdon wird wohl wie jede Saison gegen den Abstieg kämpfen müssen.

GC hat im 271. Derby 60% Ballbesitz und ein Cornerverhältnis von 8:0 zu seinen Gunsten – verliert aber trotzdem 0:2. Am Ende kann der FCZ im Gegensatz zum Thun-Spiel den 2:0-Vorsprung halten, obwohl gerade Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu mit einem Ballverlust im Mittelkreis, viel zu passivem Verhalten an der Fünfmetergrenze im Duell mit Gegenspieler Cvetkovic bei einem GC-Corner und weiteren etwas nonchalanten Aktionen das Glück mehrmals herausfordert.

Die Spielanlage der beiden Zürcher Konkurrenten unterscheidet sich grundlegend. Während der FCZ vorwiegend durch die Mitte den Erfolg sucht und allfällige Flanken hinter die Abwehr meist bereits vor der Strafraumhöhe schlägt (und darum auch zu keinem einzigen Eckball kommt), versucht GC das Spiel möglichst breit zu machen und durch ein allfälliges zu spätes Verschieben des FCZ-Blockes Lücken auf der Seite vorzufinden. Dazu positionieren sich in der 1. Halbzeit Raphael Holzhauser und im Zweiten Durchgang Runar Mar Sigurjonsson im Spielaufbau auf einer Aussenverteidigerposition, von wo aus dann die langen Bälle „longline“, zentral oder diagonal geschlagen werden. Dem FCZ kommt dabei auch entgegen, dass ein aus GC-Sicht zu hoher Anteil dieser Bälle zu ungenau gespielt wird.

Damit startet der FCZ genau wie letzte Saison mit einem 2:1-Heimsieg gegen Thun und einem 2:0-„Auswärtssieg“ gegen GC in die Saison – nur in umgekehrter Reihenfolge. Ebenfalls an den Saisonstart nach dem Aufstieg vor Jahresfrist erinnert die gute Frühform von Adi Winter und dass ein wichtiges Tor auf einen Standard erzielt wurde. Die einstudierte Variante über Marchesano, Rüegg und Mirlind Kryeziu klappte im Ansatz gut, es brauchte dann aber zur Vollendung trotzdem noch Improvisationskünstler Winter.

Ein weiteres Plus für den FCZ war die Effizienz im Abschluss – von drei Abschlüssen, die aufs GC-Tor kamen, musste der gegnerische Torhüter Lindner zwei aus dem Netz fischen. Ausserdem ist das Passspiel daran, das Stadium des zarten Pflänzchens zu überschreiten. In der Schlussphase konnte in einer Szene der Ball geschätzte anderthalb bis zwei Minuten in den eigenen Reihen gehalten werden und der Schönbächler-Pfostenschuss war der Schlusspunkt einer 18-fachen Passfolge.

Zum Züri Live-MVP gewählt wird diesmal Antonio Marchesano. Dieser hatte im ersten Spiel gegen Thun noch gefehlt, nachdem er in der Vorbereitung eine Zeit lang angeschlagen ausgefallen war. Marchesano übernahm im Vergleich zur Partie gegen die Berner Oberländer 1:1 die Position von Izer Aliu als zweiter „Achter“ neben Toni Domgjoni im Spielaufbau und als zweiter „Forward“ neben Stephen Odey im 4-4-2 gegen den Ball. Sowohl bei Odey wie auch Marchesano waren Fortschritte im Defensivspiel ersichtlich. Der Tessiner kann zwar immer noch kaum mal alleine einen Ball gewinnen, aber in Zusammenarbeit mit Teamkollegen wie Domgjoni oder Pa Modou war er gegen GC an einigen wichtigen Balleroberungen entscheidend beteiligt.

Genauso wie Marchesano trug auch Kevin Rüegg zu beiden Toren entscheidend bei. Beim ersten mit einer Kopfballvorlage und beim zweiten kanalisierte er die Derbyemotionen nach dem Foul von Sigurjonsson mit einem herzhaften Antritt und Doppelpass mit Toni Domgjoni auf positive Weise. Ein paar Wackler in der Defensive verhindern für Rüegg eine noch bessere Züri Live-Note. Toni Domgjoni bereitete wie bereits gegen Thun den zweiten Treffer vor und fiel zudem mit einem Steilpass aus der Drehung auf Marco Schönbächler vor dem Marchesano-Pfostenschuss auf. Schönbächler selbst ist jederzeit in der Lage, etwas Entscheidendes auf die Beine zu stellen. Und Einwechselspieler Benjamin Kololli konnte bei seinem FCZ-Début gegen eine entblösste GC-Abwehr seine Konterstärke unter Beweis stellen.

GC – FCZ 0:2 (0:0)

Tore: 47. Winter (M. Kryeziu) 0:1, 62. Odey (Domgjoni) 0:2.

GC: Lindner; Lika (67. Andersen), Cvetkovic, Zesiger, Rhyner; Bajrami; Sigurjonsson, Holzhauser (65. Tarashaj); Jeffren (79. Pusic), Bahoui; Djuricin.

FCZ: Brecher; Rüegg, Palsson, M. Kryeziu, Pa Modou; H. Kryeziu; Marchesano (79. Nef), Domgjoni; Winter (89. Haile-Selassie), Schönbächler (69. Kololli); Odey.