Spiel, Gegner und Taktik

Dritter Sieg in derselben Saison gegen den FC Basel – das gab es noch nie! Wie so häufig in den letzten Jahren gewinnen die Zürcher gegen die Rotblauen das Spiel, wenn sie defensiv kompakt stehen, den Ballbesitz dem Gegner überlassen und auf schnelles Umschaltspiel setzen. Auf diese Art und Weise kommt der Letzigrundclub jeweils zu den besseren Torchancen als der Gegner und damit auch zum Sieg. Rekordverdächtige 108 Top-Defensivaktionen sind ein wesentlicher Baustein der drei gewonnenen Punkte. Der FCB kommt zu 13 Abschlüssen und bringt den Ball dabei nur ein einziges Mal Richtung Gehäuse von Yanick Brecher, der somit einzig und allein mit seinen zwei Fehlpässen in die Füsse von Edon Zhegrova auffallen kann. Der Fokus der Basler Angriffe liegt über die ganze Partie hinweg beim FCB (Stocker / Petretta) genauso wie beim FCZ (Ceesay / Aliti) auf der Linken Seite. Dass Yanick Brecher in dieser Partie mit Kramer und Ceesay bei seinen Abstössen zwei statt nur einen Zielspieler zur Verfügung hat, ist ein grosser Vorteil für eine unberechenbarere Spielauslösung.

Auf der anderen Seite sind die mit Unterschnitt geschlagenen Abstösse von Heinz Lindner für den FCZ in der Regel relativ einfach zu verteidigen. Der FCB leidet aktuell an denselben Problemen, mit denen der FCZ lange zu kämpfen hatte: etwas zu viele unkonstante „Schönspieler“ im Kader, die defensiv zu wenig konsequent mitarbeiten. Nominell haben die Rotblauen immer noch die besten und talentiertesten Profis der Liga im Kader. Aber diese Saison wurden sie zusätzlich zu den bestehenden Herausforderungen von Problemen wie einer Quarantäne zurückgeworfen. Der FCZ hat demgegenüber den Vorteil, dass man die gröbsten diesbezüglichen Rückschläge bereits letzte Saison durchgemacht hat. Etwas speziell sind aktuell die Einteilungen bei gegnerischen Eckbällen beim FCB, wo Mittelstürmer Arthur Cabral jeweils den stärksten gegnerischen Kopfballspieler deckt und dabei manchmal etwas unvorsichtig agiert.

Entscheidende Szenen

00:16 – Stocker bei langem Ball in die Tiefe durch Salim Khelifis energischen Sprint gestört

Der FC Zürich hat Anstoss. Der lange Ball Omeragics wird von der Basler Abwehr geklärt, Valentin Stocker will sofort in seiner typischen Art einen gefährlichen langen Ball für Cabral auf der linken Seite in die Tiefe spielen. Da Salim Khelifi Stocker mit einem energischen Sprint aber genügend stört, kommt dieser Ball von der Präzision und dem Timing her nicht ideal und kann im Raum Mittellinie von Rohner abgefangen werden.

Salim Khelifi stört nach 16 Sekunden hoch am gegnerischen Strafraum Valentin Stocker in der Gegenangriffsauslösung energisch.

Man stelle dies in Kontrast zur 0:4-Niederlage des FCZ an gleicher Stätte vor einem Jahr. Valentin Stocker will ebenfalls sofort nach Anpfiff der Partie einen analogen Ball der Seitenlinie entlang in die Tiefe spielen. Obwohl er in dieser Szene viel höher (an der Mittellinie) postiert war, hatte Stocker überhaupt keinen Druck vom zunächst zögerlichen Schönbächler und konnte daher den Ball zentimetergenau in den Lauf des nach vorne preschenden Silvan Widmer spielen. Der FCZ kam ab diesem Moment immer einen Schritt zu spät – Hereingabe auf Cabral – Ablage auf Frei – Tor nach 12 Sekunden!

Vor einem Jahr am 8.2.2020 im Letzigrund: Valentin Stocker kann ungestört den „tödlichen“ Pass in die Tiefe auf Widmer spielen – Fabian Frei trifft nach nur 12 Sekunden zum 0:1.

00:42 – Fabian Rohner rauscht mit grossen Schritten heran und stoppt Valentin Stocker energisch am Zürcher Strafraum

Basel geht wie so häufig im Letzigrund mit Valentin Stocker Vollgas in der 1. Minute, aber nur 26 Sekunden nach Salim Khelifi kann auch Fabian Rohner Valentin Stocker dank eines energischen Sprints stoppen. Damit ist das Allergröbste an Basler Offensivpower für diese Partie bereits in die Schranken gewiesen.

Fabian Rohner bremst in der Startminute Valentin Stocker am eigenen Strafraum aus.

Personalien

Yanick Brecher (3) – Brecher und der FCZ haben Glück, dass das Spiel in der Anfangsphase nicht einen ganz anderen Verlauf nimmt, nachdem er gleich zwei Mal beim Aufbauspiel von hinten heraus den Ball Edon Zhegrova in die Füsse spielt. Der Kosovare vergibt die erste grosse Chance kläglich, bei der zweiten trifft er das Tor – steht dabei aber gemäss VAR im Offside.

Fabian Rohner (8) – Nach sehr guten Joker-Einsätzen nutzt Rohner seine erste Startelfchance seit mehr als drei Monaten. Gewinnt die Bälle vorzugsweise im Duett mit seinem langjährigen Teamkollegen Toni Domgjoni und läuft dem omnipräsenten Valentin Stocker einen entscheidenden Ball im eigenen Strafraum ab. Kommuniziert viel mit den Nebenleuten und dreht nach der Pause noch weiter auf.

Fidan Aliti (7) – Hat in der Ersten Halbzeit Probleme mit Nationalteamkollege Edon Zhegrova, weil er für seine Verhältnisse untypisch mehrmals geradezu übermütig hoch verteidigt und dann jeweils überlaufen wird. Steigert sich in der Zweiten Halbzeit deutlich. Versteht sich auf der Linken Seite sowohl offensiv wie defensiv sehr gut mit Assan Ceesay.

Toni Domgjoni (5) – Sonst fast immer unter den Teamstützen, diesmal über weite Strecken ein eher mauer Auftritt. Hat Mühe ins Spiel zu kommen, weil er seine übliche zupackende Art vermissen lässt, begeht dadurch auch mehr Fehler.

Ousmane Doumbia (9) – Der FC Basel scheint ihm zu liegen. Zum Jahresauftakt im St. Jakob Park MVP – und nun auch wieder. Dazwischen lagen vier Partien, in denen der Ivorer im Tief steckte. In einem allgemein gut verteidigenden Team sticht Doumbia mit 15 Top-Defensivaktionen nochmal etwas heraus.

Salim Khelifi (7) – Mit dem Salim Khelifi von früher hätte der FCZ gegen Basel wohl nicht gewonnen. Der heutige Khelifi ist stabiler geworden, unterstützt das Team mit regelmässigen wichtigen und effektiven Defensivsprints und starken Spieleröffnungen im Umschalten. Bremst so die durch Arthur Cabral und Fabian Frei immer wieder unterstützte offensiv starke linke Basler Seite zusammen mit Rohner weitgehend aus.

Assan Ceesay (8) – Denkt und hilft defensiv sehr gut mit. Wichtige Sprints und Blocks bei gegnerischer Konterauslösung sowie Unterstützung am und im eigenen Strafraum. Hat dabei auch einige gute Offensivaktionen: allen voran die Entstehung des wegweisenden 1:0, bei welchem Ceesay Jasper Van der Werff den Ball wegstibitzt und dann von Eray Cömert im Strafraum gelegt wird. Urkomisch die Szene, als Ceesay es an der Seitenlinie auf engem Raum irgendwie schafft, am eingewechselten Basler Kaly Sène vorbeizukommen und dieser danach wie Tom von ‚Tom & Jerry‘ in der von Turbo Ceesay hinterlassenen Staubwolke kniend wütend mit der flachen Hand auf den Boden schlägt, weil ihm sein Kontrahent entwischt ist.

Wilfried Gnonto (1) – Beginnt in den ersten Momenten nach seiner Einwechslung gut, fällt dann aber sofort wieder in den Trott seiner Bankrotterklärungen als Joker in St. Gallen und gegen YB zurück. Obwohl frisch im Spiel, trabt der junge Italiener den angreifenden Gegnern immer wieder im grossen Abstand hinterher, als hätte er einen anstrengenden Marathonlauf hinter sich. Mit der Einwechslung Gnontos erhält die linke Basler Seite um Stocker und Petretta viel Platz für ihre Angriffe und blüht richtiggehend auf. Davor war für die Rotblauen während 70 Minuten nirgendwo ein Durchkommen gewesen. Nun rollen die gefährlichen Angriffe im Minutentakt über Links. Dazu kommen bei Gnonto mehrere Ballverluste und inkonsequente Offensivaktionen.

Telegramm

FC Zürich – Basel 2:0 (1:0)
Tore: 26. Marchesano (Penalty, Ceesay) 1:0; 90.+2 Kramer (Gnonto) 2:0.
FCZ – Brecher; Rohner, Omeragic, Nathan, Aliti; Domgjoni, Doumbia; Khelifi (69. Gnonto), Marchesano (87. H. Kryeziu), Ceesay; Kramer.
Basel – Lindner; Van der Werff, Cömert (46. Cardoso), Klose, Petretta; Bunjaku (83. Pululu); Zhegrova (72. Sène), Kasami, Frei, Stocker; Cabral.

(Standbilder: Blue)

Dass die FCZ-Vorderreihe gute Noten erhält, wird durch die höhere Positionierung der Mannschaft schon in ihrem ersten Spiel unter dem neuen Trainer Ludovic Magnin begünstigt. Die Stürmer können sich daher mehr auszeichnen. Michi Frey ist zum neunten Mal in dieser Saison Züri Live-MVP. Nach einer durchschnittlichen Leistung gegen Luzern lief es ihm gegen GC wieder besser. Die letzte ungenügende Leistung des «Sturmtanks» geht zurück auf die Auswärtspartie in Basel (0:1) im September. Auf der Minusseite steht bei ihm zur Zeit die Chancenverwertung. Gegen GC hatte Frey mehr als die Hälfte aller FCZ-Chancen. Sein letzter Torjubel wurde gerade eben vom Cup-Sponsor als schönstes Tor der Viertelfinals ausgezeichnet. Das ist nun drei Monate her.

Die veränderte Spielweise half stark mit, die individuellen Schwächen in der Zürcher Hintermannschaft zu kaschieren. Diese hatte im Vergleich zu den letzten Partien deutlich weniger Arbeit, wirkte in den wenigen relevanten Szenen aber weiterhin nicht sattelfest. Dies betrifft am meisten Rasmus Thelander und Torhüter Yanick Brecher, der in seinem fünften Saisoneinsatz die dritte ungenügende Note abholte. Die Einwechslungen konnten diesmal wenig bewirken. Marchesano ist zur Zeit ein wenig aus dem Tritt geraten – dazu kam natürlich auch die Unterzahlsituation. Die Aussenläufer Rüegg und Pa Modou zeigten mit je 6 Top-Offensivaktionen eine gute Leistung. Mit Rodriguez, Marchesano und Aliu waren drei Spieler für die Standards zuständig. Diejenigen von Aliu waren okay, Marchesanos Versuche misslangen, während ein Rodriguez-Freistoss von der Seite Michael Frey in der 20. Minute die Topchance per Kopf ermöglichte, welche GC-Hüter Lindner mirakulös von der Linie kratzte.