Nach den guten Erfahrungen mit dem Einsatz von vielen jungen Spielern in Napoli wollte FCZ-Trainer Magnin mit vorwiegend erfahrenen Akteuren erstmals diese Saison nach einem Europa League-Spiel in der Meisterschaft gewinnen. Nachdem es dem FCZ in den ersten 10 Minuten fast etwas zu einfach gemacht wurde, ging dies schlussendlich schief, da seine Mannschaft, im speziellen Umaru Bangura, Salim Khelifi oder Assan Ceesay mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr abbauten. Startelfdébutant Lavdim Zumberi war nach seinem guten Auftritt in Napoli eher durchschnittlich. Der eigentlich ausgeruhte, da nicht nach Napoli gereiste zwischen Licht und Schatten rapide schwankende Grégory Sertic machte gar zeitweise den Eindruck, als würde er die Super League und das Duell gegen Luzern überhaupt nicht ernst nehmen und irgendwie nicht als Wettbewerbsspiel betrachten. Seine ersten 30 Minuten in Bern waren noch vielversprechend gewesen, aber schon in jener Partie zeigte die Leistungskurve des Franzosen im Verlaufe der Begegnung nach unten. Ausgenommen von dieser Beurteilung sind seine Standards, die bisher immer gut ausgeführt wurden.

Ein Totalausfall gegen Luzern war Benjamin Kololli – seine Fehler und Unzulänglichkeiten rekordverdächtig. Alibipässe, Alibizweikämpfe und ganz allgemein Alibifussball ist wohl die treffende Beschreibung des Auftrittes des Waadtländers. Eines von Dutzenden Beispielen war die Szene vor dem 1:1-Ausgleich. Kololli hat auf der linken Seite den Ball, der sich freilaufende Ceesay wird von Ndenge zurückgerissen und fällt um. Schiedsrichter Klossner lässt das Spiel wegen Vorteils FCZ weiterlaufen. Ceesay steht auf und macht sich wieder auf den Weg Richtung angepeilte Anspielstation. Kololli mag aber nicht mehr auf den Gambier warten und spielt den Ball einfach schon mal frühzeitig dahin – somit ist dieser für Ceesay unerreichbar und geht für den FCZ verloren. Beim folgenden Luzerner Gegenangriff ist Kololli in Gedanken immer noch bei jener Offensivszene und gibt seinem Partner auf der linken Zürcher Seite, Kharabadze, viel zu wenig Unterstützung, so dass Luzern durchbricht und Maxsø am Ende gegen Vargas in letzter Not zum Eckball klären muss.

Und bei Cornern können sich die FCZ-Gegner zur Zeit jeweils ein einfaches Rezept zunutze machen: flankt man den Ball auf den Gegenspieler von Umaru Bangura, wird es immer brandgefährlich. Uma’s Woche der verlorenen Luftduelle geht weiter. So musste der FCZ in der Meisterschaft zum zweiten Mal hintereinander ein entscheidendes Gegentor auf einen Eckball zur Kenntnis nehmen. Dabei muss man festhalten, dass die jeweils sechs Zürcher Manndecker bei den Luzerner Eckbällen sehr fokussiert und zu jeder Zeit eng an ihren Gegenspielern dran waren. Dies war im Grundsatz auch bereits in den Spielen davor zu beobachten. Umaru Bangura ist ansonsten im Spiel im Gegensatz zu einem Andreas Maxsø selten nahe an Gegenspielern dran, lässt diesen viel Freiraum und verlässt sich auf seine Schnelligkeit, um im letzten Moment noch eingreifen zu können. Diese Mentalität konnte er in der Vergangenheit auch bei Eckbällen oft nicht abschütteln. Im Napoli-Heimspiel war er dann mit Gegenspieler Koulibaly richtiggehend überfordert. Zuletzt hingegen bewegte sich Bangura in Bern und gegen Luzern bei Standards wieder näher an den Gegenspielern, konnte die Tore von Fassnacht und Lucas Alves aber trotzdem nicht verhindern, weil er seine Gegenspieler beim Abschluss nicht genügend stören konnte.

Dies hat unter anderem sicherlich auch mit seinen körperlichen Voraussetzungen zu tun. Seine für den FCZ in anderen Situationen sehr nützliche Antrittsschnelligkeit hat der 31-jährige vor allem auch, weil er so schlank ist. Dies wiederum ist dann in Luftduellen eher ein Nachteil. Wenn Alain Nef beziehungsweise Mirlind Kryeziu nicht dabei sind, ist Andreas Maxsø in solchen Situationen die einzige echte Zürcher «Bank» und übernimmt daher jeweils auch den kopfballstärksten Gegenspieler. Die Grössenunterschiede gegen Luzern waren schon deutlich: wenn zum Beispiel Rüegg Ndenge deckt und Winter Demhasaj übernimmt, liegen da jeweils gute 15cm dazwischen. Man kann natürlich nicht alles haben im Leben. Umso wichtiger ist vor diesem Hintergrund aber, dass man die Seiten möglichst gut dicht macht, um gegnerische Standards im hinteren Spielfelddrittel zu verhindern – und dafür braucht es unbedingt effektive Unterstützung aus dem Mittelfeld.

Der FCZ sollte ausserdem in der Lage sein, diese Nachteile in der Luft durch Vorteile am Boden in anderen Situationen mehr als zu kompensieren. Ausserdem ist Grösse in den Luftzweikämpfen nicht alles. Auf der einen Seite wird 1,88m-Mann Assan Ceesay wie früher beispielsweise auch Michi Frey bewusst am nahen Pfosten eingesetzt, weil er im Defensivzweikampf im eigenen Strafraum wohl eher nicht zu gebrauchen ist. Ein Kevin Rüegg auf der anderen Seite zeigt, wie man einen Gegenspieler auch im eigenen Strafraum in Luftduellen trotz Grössennachteilen so stören kann, dass dieser keinen gezielten Abschluss zustande bringt. Von einem Kharabadze, Hekuran Kryeziu oder Kololli hat man das Gefühl, dass sie eigentlich in der Lage sein müssten, dies auch noch besser zu lernen. Der 29-jährige Sertic hingegen wird das richtige Timing in der Luft in seiner Karriere wohl nicht mehr hinkriegen – bei Luftduellen im Mittelfeld vermag er immerhin den Gegenspieler zu stören. Und einen Salim Khelifi im eigenen Strafraum zu postieren macht wohl gar keinen Sinn.

Im Cup-Viertelfinal am Donnerstag gegen den SC Kriens sollte der FCZ in den klassischen Luftduellen aber so oder so bestehen können. Was nicht heisst, dass die Corner der Krienser ungefährlich sind. Sie versuchen es mit Ablenkern Richtung Fünfmeterraum oder anderswie unkonventionell ausgeführten Eckstössen. Die grösste Waffe der Innerschweizer ist aber das schnelle Umschaltspiel mit dem intuitiv spielintelligenten Nico Siegrist und schnellen, zielstrebigen Offensivakteuren wie Dzonlagic, Chihadeh, Sulejmani und neu zusätzlich Sukacev. Nicht zufällig hat Kriens auswärts gegen die Challenge League-Spitzenteams Servette und Lausanne Unentschieden geholt, sowie Aarau sogar geschlagen, und liegt in der Auswärtstabelle der Liga an vierter Position nur drei Punkte hinter dem auswärtsstärksten Team Servette. Der in dieser Winterpause nach Kriens verliehene Omer Dzonlagic hat im letztjährigen Viertelfinal im Letzigrund dem FCZ schon einmal zugesetzt, als er der Zürcher Abwehr enteilte, Brecher seinen Abschluss nur nach vorne abwehren konnte und Simone Rapp in der 77. Minute zur vermeintlich vorentscheidenden Thuner Zweitore-Führung zum 3:1 traf.

FCZ – Luzern 1:1 (1:0)

Tore:  8. Khelifi 1:0; 80. Lucas (Schneuwly) 1:1.

FCZ: Brecher; Rüegg (83. Odey), Bangura, Maxsø, Kharabadze; H. Kryeziu, Sertic (77. Domgjoni); Khelifi, Zumberi (61. Winter), Kololli; Ceesay.

Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Cirkovic (69. Ndenge), Sidler; Grether (65. Voca), Schulz; Vargas (85. Custodio), Schneuwly, Schürpf; Demhasaj.

 

13 (!) FCZ-Spieler waren an den heutigen SFL Awards für das Challenge League «Dream Team 2016» nominiert und gleich 8 (!) wurden gewählt. Bei aller Liebe: das ist auch für einen Tabellenführer ein extremer Wert. Sind die Juroren jetzt plötzlich alle FCZ-Fans geworden?  Nein, natürlich nicht! Die Antwort ist: die SFL Awards konnte man in Bezug auf die Challenge League-Auszeichnungen noch nie ernst nehmen – so war es auch diesmal.

Gewählt werden jeweils nicht die Spieler, welche in den letzten Monaten die beste Leistung erbracht haben, sondern die Namen, die alle kennen.  Das Rezept für die Zusammenstellung des Challenge League Dream Teams ist jedes Jahr das gleiche: man nehme die aus der Super League bekanntesten Namen und mische die zwei Stürmer mit den meisten erzielten Toren hinzu: voilà!

Auch der Begriff «Dream Team 2016» führt in die Irre. Denn es geht jeweils einzig und allein um die Vorrunde der neuen Saison – denn ansonsten müssten ohne Zweifel Spieler von Aufsteiger Lausanne mit dabei sein! Züri Live hat immerhin 50% aller 90 Spiele der Vorrunde live und in voller Länge gesehen und erlaubt sich daher, ein etwas ernsthafteres nicht auf Namedropping basierendes Dream Team der Challenge League-Vorrunde 16/17 zusammenzustellen: voilà! Die Diskussion ist eröffnet!

cl-team-der-vorrunde-1617-zlDie Entdeckung der Vorrunde war aus Sicht von Züri Live der junge Innenverteidiger Ivan Lurati von Chiasso, der nicht zufälligerweise Interesse aus der Serie A weckte. Zusammen mit dem sehr spielstarken Schweizer Juniorennationalspieler Nikola Milosavljevic hat sich aber Sion vom finanziell darbenden Chiasso die beiden Tessiner Juwelen gleich im Doppelpack unter den Nagel gerissen. Der Liechtensteinische Nationalspieler Daniel Kaufmann ist der wohl solideste und fehlerfreiste Innenverteidiger dieser Vorrunde. Lucas überzeugte vor allem mit seinen Offensivvorstössen und konnte nach Luzern verkauft werden.

William Le Pogam zeigte auf der linken Seite eine Dynamik, wie man sie bei Aussenverteidigern auch in der Super League selten sieht, und auf rechts kam es unter Trainer Decastel bei Xamax zur Rennaissance des einstigen grossen Talentes Mike Gomes, der unter Experten zum sicherlich unbestrittenen «Flankengott» der Liga avancierte. Mit Thibault Corbaz übernahm beim starken Xamax ein ehemaliger U21-Nationalspieler im Mittelfeld die zentrale Rolle. Der junge Servettien Mirsad Hasanovic überzeugte mit seiner Laufstärke und Kampfgeist.

Ridge Mobulu gehörte zu den Offensivkräften mit der grössten Qualität, war aber genauso wie Lurati und Le Pogam zeitweise verletzt. Moussa Koné schaffte nach längerer Anlaufzeit den Durchbruch und war deutlich konstanter und auch vielseitiger als der Servettien Jean-Pierre Nsamé oder der Xamaxien Gaëtan Karlen. Und der Ur-Zürcher Oliver Buff brachte mit seiner aussergewöhnlichen Technik Glanz und Spektakel in die Liga.

img_4433

Angefangen hat alles mit einem Hund. Wie bei so manchen Love Stories. Allerdings nicht auf der Allmend Brunau, sondern im Waadtländer Nordjura. Le Mont-Präsident Serge Duperret setzt sich über die Ligaregularien hinweg und bietet Anfang August Kookie Canepa einen Tribünenplatz im Sous Ville zum Spiel von dessen FCZ gegen Le Mont an. Die «Comic-Ikone» sieht so Marco Schönbächlers wunderschönes Comeback-Tor zum 2:0-Auswärtssieg live. Worauf dessen Herrchen als Dankeschön ein paar Wochen später den Captain der Armenischen U21-Nationalmannschaft dem netten Herrn Duperret ausleiht. Auf Hinweis von Züri Live macht der Blick beim zweiten Aufeinandertreffen eine Story über den Le Mont-Edelfan Emmanuel. François Marque seinerseits spielt in dieser Partie wie auf Drogen. provoziert und teilt schon während der Partie mächtig aus, und versetzt Alain Nef nach der Partie einen Kung Fu-Tritt, worauf Züri Live den lieben Herrn Duperret auffordert, Marques Vertrag aufzulösen.

nitaj-marqueZu Beginn der Wintervorbereitung ist von Marque bei Le Mont denn auch nichts zu sehen. Der 33-jährige sei in Malaysia zu einem Probetraining, heisst es, soll die Rückrunde aber trotzdem noch mit Le Mont bestreiten. Der Waadtländer Klub tritt also ohne den Franzosen in einem 4-3-3 zum ersten Testspiel im verschneiten Basel an. Bengondo schiesst das 1:0 für den Aussenseiter. Mit Lucas hat sich ein weiterer Innenverteidiger Richtung Super League verabschiedet. Dieser konnte bei Le Mont unter anderem von der Systemumstellung auf eine Dreierabwehrkette profitieren, die dem Brasilianer auf den Leib geschneidert war. Le Mont wurde zum defensivstärksten Team der ganzen Liga mit nur fünf Gegentoren in den 10 Spielen mit diesem System.

img_1453Le Mont fordert dem FC Thun auch auf Kunstrasen alles ab

Obwohl Le Mont in der Vorbereitung nun wieder mit einer Viererabwehr agiert, beissen sich die Super League-Vertreter Basel und Thun gegen das Team von Trainer John Dragani die Zähne aus. Der FCB kommt auf seinem Nachwuchs-Campus in der Nachspielzeit mit dem letzten Angriff zu einem glücklichen 2:1-Sieg, während Thun angesichts des klaren Le Mont-Chancenplus in der Stockhorn Arena mit einem 0:0 mehr als zufrieden sein muss. Bei dieser Partie ist der in Luzern nicht mehr erwünschte Innenverteidiger Kaja Rogulj bei den Waadtländern im Test.

img_1451So sieht man sich wieder: Cabral und Artjom Simonyan

Im Training auf dem Kunstrasen von Chavannes und in den Testspielen kommt es ausserdem zu einem kuriosen Wiedersehen. Das FCZ-Missverständnis Cabral ist immer in Begleitung seines Beraters im Le Mont-Dress dabei und wird in Thun zur Halbzeit zusammen mit Artjom Simonyan eingewechselt. Vor anderthalb Jahren hatte der beim FCZ erst gerade neu verpflichtete Waadtländer versucht, sich als «Chef» aufzuspielen und den jungen Mitspieler Simonyan mitten im Cupspiel in Tramelan unter Pfiffen des Heimpublikums physisch attackiert, weil sich dieser erdreistet hatte, einen Freistoss auszuführen.

Gute Freunde kann niemand trennen… Das wusste schon der «Kaiser». Darum wohl sind Simonyan und Cabral nun wieder vereint.

https://youtu.be/03RdBvlA0bw

Während sich Simonyan mit seinen neuen Teamkollegen bereits gut versteht, würdigte er Testspieler Cabral in der Kühlbox von Thun keines Blickes. Dessen Auftritt war denn auch wie gehabt: zuerst ein Anschiss für Mitspieler Titié weil dieser einen von Cabral unpräzise gespielten Pass nicht im Feld halten konnte. Dann wartet der Cousin von Gelson und Edimilson Fernandes jeweils viel zu lange mit dem Abspiel, und als er einmal den offenen Raum nach vorne nutzen will, springt ihm unbedrängt der Ball weit vom Fuss. Le Mont-Trainer John Dragani wird sein funktionierendes Gefüge nicht mit einem solchen Spieler schwächen wollen. Den Auftritt in Thun hatte Dragani allerdings gar nicht mitbekommen. Den in einem Skilager (!) weilenden erfolgreichen Le Mont-Coach ersetzte aushilfsweise Ex-Trainer Claude Gross an der Seitenlinie. Auf der Tribüne sass zudem das von Präsident Duperret kurz vor dem Spiel vom Team Aargau neu verpflichtete Verteidigertalent Anis Ramcilovic.

img_1427Matchblatt bei Thun – Le Mont, im Bild: der im Skilager weilende John Dragani in Jugendjahren, die Unterschrift: von Aushilfs- und Ex-Coach Claude Gross

Nach der Hälfte der absolvierten Meisterschaft in der Challenge League können die zehn beteiligten Clubs in folgende drei Kategorien eingeteilt werden, je nachdem ob sie über, unter oder den Erwartungen entsprechend klassiert sind:

challenge-league-top-flop-teams-tabelle-1612Im Ersten Teil schauen wir auf die drei Teams, welche in der Vorrunde die Erwartungen übertroffen haben.

Neuchâtel Xamax FCS: Weiterhin Aufstiegskandidat

Der Club profitierte in den letzten beiden Transferperioden vom zuerst mutmasslichen, danach eingetroffenen Konkurs des FC Biel, verlor nach Beginn der Saison mit Mickaël Facchinetti (Thun) und Cédric Zesiger (GC) jedoch zwei wichtige Spieler wegen Transfers in die Super League. Trainer Michel Decastel hatte für viele Aufgaben die richtige Lösung. Und Raphael Nuzzolo präsentierte sich sofort als wirkungsvoller Leader der Mannschaft. Mit Pedro Teixeira und Dilan Qela entwickelten sich dazu zwei Nachwuchsspieler aus der eigenen U18 zu hoffnungsvollen Kräften. maladiere-photokopie

Auf dem Kunstrasen in der heimischen Maladière gewann Xamax sieben Spiele und holte alleine schon so 21 Punkte. Einzig der FC Zürich und der FC Wohlen vermochten dort zu gewinnen. Besonders denkwürdig war der 3:2-Sieg gegen den FC Wil. Die Ostschweizer verloren kurz vor Schluss Jocelyn Roux nach einer Roten Karte und trafen danach durch Gjelbrim Taipi mit einem Penalty den Pfosten. Sie vergaben so das mögliche 1:3. In der Nachspielzeit erzielten die erwähnten Teixeira und Qela für Xamax noch zwei Tore zum vielumjubelten Sieg.

Das Spielfeld der Maladière liegt über dem Feuerwehrdepot der Stadt Neuchâtel. Lief einmal ein Spiel in der ersten Halbzeit noch nicht so gut, so stürmen die Einheimischen nach der Pause wie die Feuerwehr los und wendeten das Spielgeschehen Der gegenwärtige Challenge League Rekordspieler Mustafa Sejmenovic (295 Einsätze für Yverdon, Baulmes, Biel und Xamax) schoss in der ersten Saisonhälfte drei Tore nach Eckbällen und ist damit der treffsicherste Verteidiger der Liga. Das belegt die Gefährlichkeit der Neuenburger bei Standardsituationen, die meistens von Nuzzolo ausgeführt wurden. Xamax darf im Rennen um den Aufstieg noch nicht ganz abgeschrieben werden. Hätten die Welschen beide Spiele gegen den FCZ gewonnen statt verloren, so wären sie punktgleich mit den Zürchern.

FC Wohlen: Von Niederhäusern mit guten Leistungen

Ausgerechnet nach der 1:3-Niederlage in der 6. Runde gegen den FC Wil verliess Trainer Martin Rueda die Freiämter und wechselte zu den Ostschweizern. Der FC Wohlen stand zu diesem Zeitpunkt nach vier Niederlagen in Serie mit 4 Punkten auf dem zweitletzten Rang. In die Saison startete Rueda mit einem Sieg in Baulmes gegen den FC Le Mont. Wohlen war dadurch vor dem FCZ gar erster Leader in der neuen Saison. Nach der 2. Runde und einem 0:0 daheim gegen Xamax standen die Aargauer noch auf dem 2. Rang, hinter dem FC Schaffhausen. Es folgten sechs Niederlagen in Serie. Und der neue Trainer Francesco Gabriele wurde von den Aargauer Medien schon zu Beginn seiner Amtszeit abgeschrieben, besonders nachdem man in Genf bei Servette 6:1 verlor und auch das Kantonsderby gegen den FC Aarau mit 1:4 zu einem Desaster wurde. Wohlen stand nun auf dem letzten Rang der Tabelle.

niedermatten-fcz-fans-farbigIn Schaffhausen gelang danach ein überraschender 0:1-Sieg, ehe auf der Niedermatten der FCZ trotz des Europa League-Spiels drei Tage zuvor gegen Osmanlispor überzeugend mit 0:5 auftrumpfte. Danach aber liessen die Aargauer richtig aufhorchen. Das sehr heimstarke Xamax wurde in Neuenburg mit 1:4 ausgekontert. Janko Pacar liess sich als dreifacher Torschütze feiern. Mit 18 Punkten aus den letzten 10 Spielen kletterte der FC Wohlen auf den überraschenden 6. Rang. Auswärts waren die Freiämter besonders stark, stehen sie doch mit 15 Punkten auf dem 3. Platz dieser Wertung. Während der alte Trainer mit 0,667 Punkten eine eher schlechte Bilanz aufweist, und am neuen Wirkungsort bereits wieder entlassen wurde, arbeitet der neue mit einer Bilanz von 1,5 Punkten pro Spiel deutlich erfolgreicher.

Der FC Wohlen ist so die Wundertüte der Liga, unberechenbar und zunehmend stabiler in der Abwehr und sehr konterstark. Florian Stahel ist angekommen in der Challenge League und Sead Hajrovic hat sich in der Mannschaft doch noch zu einem stabilen Verteidiger entwickelt. Was ein treffsicherer Stürmer ausmacht, verdeutlicht Janko Pacar mit 6 Toren und 3 Assists aus 15 Spielen. Das ehemalige Talent des FC Luzern hatte in den letzten 7 Jahren 9 Mal den Club gewechselt, ehe der FC Wohlen Pacar im Sommer von Petrolul Ploiesti aus Rumänien ablösefrei verpflichtete. Die vom FCZ ausgeliehenen Spieler kamen folgendermassen zum Einsatz: Nils Von Niederhäusern, 7 Einsätze/630 Minuten (Stammspieler mit viel Offensivwirkung), Marvin Graf, 0/0 (verletzt), Kilian Pagliuca 2/36 (einmal davon eingewechselt und 29 Minuten später wieder ausgewechselt).

Der Saudi Monquez al-Yousef machte den FC Wohlen schuldenfrei, zieht sich nach 196 Tagen als Mäzen zurück und übergibt das Aktienpaket grösstenteils wieder in heimische Hände. Es würde mehr als überraschen, würde der FC Wohlen nicht auch nächste Saison in der zweithöchsten Liga spielen.

FC Le Mont: Umstellung auf Dreierabwehr könnte Klassenerhalt sichern

Die Waadtländer entwickelten sich im Laufe der bisherigen Spielzeit zu einem sehr unbequemen Gegner, der mit nur 12 erzielten Toren 21 Punkte gewann, weil die Defensive auch nur 19 Tore zuliess. Die zusammen mit Xamax drittbeste Abwehr war so die Basis für das Gelingen, das trotz der schwächsten Offensive zustande kam. Der spezielle defensive Erfolg begann in der 9. Runde gegen Neuchâtel Xamax mit der Umstellung von Trainer John Dragani auf eine Dreierabwehr, die von den gelernten Innenverteidigern Francois Marque, Ibrahim Tall und Lucas gebildet wurden. Daraus erwuchs eine Serie von sieben Spielen mit 13 Punkten, mit nur einem Gegentor bis zur 15. Runde. Im heimischen Stade Sous-Ville in Baulmes wurde so Xamax 1:0 bezwungen. Beachtenswert war zudem das 1:1 im Letzigrund gegen den FCZ vor 8’489 Zuschauern, der neuen Rekordkulisse für die Fussballer von Le Mont.

sous-ville-farbstift-zeichnungWie immer mit dabei war dort auch ihr grösster und treuester Fan, der 14-jährige Emmanuel Masmejan. Züri Live war schon lange begeistert von ihm und er wurde in den vergangenen Jahren auf dem Sender auch mehrmals lobend erwähnt. Beim Match gegen den FCZ im für einmal auch von Medienvertretern gut besuchten „Sous-Ville“ erzählte der Züri Live-Kommentator daher Michel Wettstein (BLICK) von Emmanuel. Dieser machte daraufhin beim Rückspiel im Letzigrund eine Story daraus, die sogar über die Landesgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit sorgte. Seither hiessen die Platzspeaker Emmanuel in vielen Challenge League-Stadien vor der Partie speziell willkommen und es wird jeweils auf Kosten des Gastgebers für sein leibliches Wohl gesorgt.

Francois Marque jedoch missbrauchte im Letzigrund das Gastrecht auf üble Weise. Er provozierte dort mit hinterhältigen und vordergründigen Aktionen seine Gegenspieler und die Betreuer und wurde zusammen mit Alain Nef nach dem Spiel mit einer Roten Karte bestraft, für die der Franzose nur vier Spielsperren bekam. Wegen der zuvor erhaltenen vierten gelben Karte verpasste Marque aber noch einen weiteren Einsatz. Mit Alain Nef, der zu schlichten versuchte, erwischte Schiedsrichter Lionel Tschudi übrigens den falschen Spieler des FCZ.

Bei den Waadtländern fiel im Mittelfeld besonders der ehemalige Lausannois Helios Sessolo als wirbliger, laufstarker und unberechenbarer Spieler auf. Ein Grund für die Misère in der Offensive war auch das verletzungsbedingte Fehlen von Stürmer Luis Pimenta während der acht Spiele, in denen Le Mont nur zwei Tore schoss. Sollte die Defensive so stabil bleiben, wird in Baulmes auch nächste Saison Challenge League-Fussball zu sehen sein.

Von Toni Gassmann, Mitarbeit: Lukas Stocker