FCZ – Lugano Vorschauartikel (Züri Live)

Die 1:2-Heimniederlage gegen den FC Lugano ist die bis dahin schlechteste Saisonleistung im Offensivbereich – mit der bei weitem Offensivdurchschnittsnote von 4,4. Gleich neun der eingesetzten 16 Spieler beim FCZ sind offensiv ungenügend. Auf dem immer noch von den zuvor stattfindenden Konzerten lädierten Rasen gelingt beiden Teams über weite Strecken nach vorne wenig. Der FCZ verliert die Partie wie schon Tage zuvor gegen den FC Basel trotz Chancenplus. Lugano spielt wie St. Gallen direkt Richtung Tor. Der FCZ passt sich diesem Spielstil an. Es entstehen grosse Abstände zwischen den Linien und ein Spiel vorwiegend durch die Mitte. Erst in der 79. Minute kommt der FCZ zu seinem ersten Eckball. Ganz anders als noch in der Partie gegen den FCB.

Kuriosum in der Bewertung: Avdijaj in beiden Halbzeiten der Beste, Aliti insgesamt

Der FC Zürich setzt in dieser Saison vorne stark auf Tosin, der in den drei Spielzeiten davor jeweils sechs Treffer pro Saison erzielt hat. Gegen Lugano gelingt dem für Benin spielenden Nigerianer auf glückliche Art und Weise sein erster Ligatreffer der Saison. Er wird von den Mitspielern viel gesucht, hat auch eine genze Reihe gute Aktionen, aber noch mehr schlechte. In der Offensive wenig erbaulich ist diesmal der Auftritt von Nikola Boranijasevic, der für einmal einen schlechten Tag erwischt. Der im Sturm neben Tosin beginnende Fabian Rohner scheint der Mannschaft als Joker mehr zu bringen. Dabei war die Idee, gegen die eher langsamen Innenverteidiger Mai und Daprelà den schnellen Rohner aufzustellen eigentlich ja durchaus einleuchtend gewesen.

Zum zweiten Mal hintereinander wird Fidan Aliti MVP. Der Verteidiger-Haudegen tritt wie schon gegen den FCB sehr engagiert und fokussiert auf. Diesmal wird er zur Pause für den durchschnittlich agierenden Karol Mets eingewechselt. Ein Kuriosum in der Auswertung betrifft Donis Avdijaj, der in beiden Halbzeiten der beste FCZ-Spieler war, aber trotzdem über die ganze Partie hinweg nicht der punktbeste Zürcher ist. Dies weil Avdijaj in der 1. Halbzeit eine durchschnittliche Leistung genügte, um bester FCZ-ler zu sein. Der nur in der 2. Halbzeit eingesetzte Aliti war zwar in dieser etwas schlechter als Avdijaj, im Vergleich zu Avdijajs gesamtem Auftritt aber besser. Zu den wenigen Gewinnern im Letzigrund-Team gehört ausserdem Becir Omeragic, der sich nach seinem sehr schlechten Auftritt in Edingburgh vor allem dank seinen Offensivaktionen sich wieder etwas rehabilitieren kann.

Späte Umstellung auf Viererkette verwirrt die eigene Mannschaft

Der FCZ ist in der 2. Halbzeit die Mannschaft mit den besseren Torchancen. Die grösste vergibt Okita nach Ballgewinn Krasniqi gegen Doumbia und Hereingabe Tosins in der 71. Minute vor dem leeren Tor. In den letzten Spielminuten will Coach Franco Foda dann unbedingt noch den Sieg, wechselt Santini für Guerrero ein und stellt auf Viererabwehr um. Tosin und Okita fungieren als offensive Flügel. Santini kann sich aber obwohl er de frischeste auf dem Platz ist, aber nicht behaupten. Als dann Selnaes in der 89. Minute gegen Sabbatini in der gegnerischen Hälfte mit etwas unlauteren Mitteln den Ball gewinnt, stürmt Krasniqi mit Ball am Fuss Richtung Strafraum.

Als Anspielstation bietet sich Santini an, aber der Glaube daran, dass dieser sich erfolgreich durchsetzen wird, ist bei Krasniqi nicht ausgeprägt. Daher hält er verzweifelt Ausschau nach Okita, der auf der linken Seite noch viel Rückstand hat. Letztendlich läuft Krasniqi so am gegnerischen Strafraum auf und Okita begeht ein Foul an Doumbia. Lugano führt den Freistoss aus. Die eingewechselten Mahou, Bislimi und Babic wirbeln zusammen mit Valenzuela zu viert auf der linken Seite das Zürcher Dispositiv durcheinander. Condé und Selnaes lassen Souveränität vermissen und öffnen Lugano den Weg durchs Zentrum. Am eigenen Strafraum merken Omeragic und Kryeziu dann nicht, dass Lugano in ihrem Rücken im Strafraum eine lokale Überzahl von Drei gegen Aliti schafft. Unter anderem hatten sie wohl in dem Moment vergessen, dass sie nicht mehr eine Fünfer- sondern nur noch in einer Viererkette sind. Ausserdem halten die Zürcher Verteidiger wie schon mehrmals zuvor in dieser Partie zu früh die Hände hinter den Rücken und stören Flankengeber Valenzuela nicht genügend.

Weitere Berichte und Highlights

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Nächster Nackenschlag für den FC Zürich – 1:2 gegen Lugano (NZZ)

Das Publikum des FC Zürich wendet sich gegen Franco Foda (Tages Anzeiger)

Die FCZ-Krise verschärft sich immer mehr (BLICK)

FC Zürich – FC Lugano Telegramm (transfermarkt)

FC Zürich – FC Lugano Telegramm (Eurosport)

Südkurve



Im ganzen Trubel um die Modus-Diskussion haben der FC Winterthur, der FC Wil und der FC Vaduz mit ihrem erfolgreichen Antrag um eine drastische Reduktion der Stadionanforderungen für die Super League still und heimlich für eine kleine Revolution gesorgt. Es ist eine viel weitreichendere Entscheidung als der Modus. Ohne Übertreibung ist damit an der GV der Swiss Football League vom Freitag im Schweizer Fussball eine Ära zu Ende gegangen.

Dank Stadionkatalog der SFL: Europacup in Thun, Frauen-Länderspiele in Schaffhausen

Die Denkmäler dieser Ära sind die gebauten Stadien neue Maladière in Neuenburg, Stockhorn Arena in Thun, wefox Arena in Schaffhausen, die Tissot Arena in Biel und die Tuilière in Lausanne. Dazu kommen die sich immer noch in Planung befindlichen Projekte in Aarau und Lugano. Ausserdem wurde auch der Um- und Ausbau der Stadien in Vaduz, Winterthur und Wil durch diese Ära geprägt. Diese Stadien sind alle Kinder eines Blatt Papiers (beziehungsweise PDF). Nämlich des in den letzten rund zwei Jahrzehnten gültigen Stadionkataloges (Kategorie A) der Swiss Football League. Um diese Kriterien erfüllen zu können, und damit in der obersten Schweizer Fussball-Liga mitspielen zu dürfen, haben mittelgrosse Schweizer Klubs enorme finanzielle und zeitliche Aufwände geschultert, etliche Abstimmungskämpfe geführt, den Standort gewechselt, die eigene Organisation angepasst und zusätzliche Eigentümer, teilweise aus dem Ausland, mit ins Boot geholt. Und um das Ganze finanziell überhaupt realisieren zu können, wurden zur Querfinanzierung und wegen der tieferen Bodenpreise in Thun, Schaffhausen oder Biel Stadien mit Mantelnutzung an der Peripherie gebaut.

Neue Maladière, Neuchâtel (Eröffnung: 2007)

Alles wurde dafür getan, um ein modernes Stadion errichten zu können, welches die Minimalanforderungen der Liga erfüllt. Und damit auch einen Vorteil gegenüber denjenigen Konkurrenzstädten zu haben, die dies nicht zu Stande brachten. Der Komfort, die Sicherheit und die Zuschauerzahlen wurden dank diesen neuen Stadien erhöht. Es kommen mehr Frauen und Kinder zu den Spielen. Der FC Thun konnte 13 Europacuppartien im eigenen Stadion mit echtem Heimvorteil spielen (unter anderem mit Siegen gegen Partizan und Rapid), statt nach Bern ausweichen zu müssen. Die Stockhorn Arena und die wefox Arena sind zu populären Heimstätten für die Spiele der Frauen-Nati geworden. In Biel werden viele Junioren- und Frauen-Cupfinals und Junioren-Länderspiele ausgetragen. Der ausgebaute Vaduzer Rheinpark hat einige ausverkaufte Länderspiele gegen grosse Fussball-Nationen gesehen. Die Winterthurer Schützenwiese erhielt eine schöne, neue Gegentribüne – als Teil eines umfassenden Ausbauprojektes, dessen Dringlichkeit sich nun aber stark reduziert hat.

Administrative Aufstiegshürden neu für alle stemmbar

Die bisherigen hohen Anforderungen haben für den Schweizer Fussball viel Gutes getan. Trotzdem ist der nun von Winterthur, Wil und Vaduz beantragte und von den Klubs der Swiss Football League beschlossene Rückschritt in Sachen Infrastruktur zum jetzigen Zeitpunkt positiv zu werten, speziell für den sportlichen Wettbewerb und für „die Kleinen“. Bei der Gesamtkapazität wurde eine Halbierung von 10’000 auf 5’000 Plätze beschlossen, bei den Sitzplätzen gar eine von 6’500 auf nur noch 1’000 Plätze. Dazu kommt eine Einjahresfrist zur Erfüllung dieser Anforderungen für Aufsteiger. Nur die Anforderungen für die Sicherheit und TV-Übertragungen müssen von Anfang an erfüllt werden (wobei wie diese Saison beim FC Winterthur dabei je nach Umständen eine Kulanzfrist von ein paar Wochen oder Monaten sicherlich gewährt wird).

Stockhorn Arena, Thun (2011)

Dies ändert die Situation fundamental. Die administrativen Aufstiegshürden werden wesentlich reduziert. Bis zu diesem Entscheid gab es mit Thun, Xamax, Schaffhausen und Lausanne-Sport nur vier Challenge League-Klubs, welche die Infrastrukturvoraussetzungen für die Super League mitbrachten. Winterthur durfte diesen Sommer überhaupt nur dank einer Sonderregelung aufsteigen. Nun sollte grundsätzlich jeder Challenge League-Klub aufsteigen können. Selbst ein Klub, der die reduzierten Anforderungen nicht erfüllt, kann erst mal aufsteigen und sich dann im Verlauf der Vorrunde immer noch überlegen, einen Stadionausbau im vernünftigen Rahmen in Angriff zu nehmen und / oder bei Klassenerhalt für eine gewisse Zeit in ein grösseres Stadion im Umkreis umzuziehen.

Brügglifeld olé?

Winterthur ist ein Paradebeispiel sowohl für einerseits die positive Wirkung des Druckes, den der bisherige Stadionkatalog erzeugt hat, und der gleichzeitig aber auch etwas überzogenen Standards, die darin formuliert wurden. Der aktuelle Rückschritt in den Anforderungen ist massiv. Kurzfristig ist das kein Problem. Es hilft sogar, speziell im Zuge der Super League-Vergrösserung das Wettbewerbsprinzip Aufrecht zu erhalten. Langfristig könnte es aber schon wieder zu einer Situation führen wie in den 80er und frühen 90er-Jahren, wo verfallende und nicht mehr zeitgemässe Infrastrukturen zum damaligen Zuschauerschwund beigetragen haben.

Tissot Arena, Biel-Bienne (2015)

Der FC Aarau gehörte wohl nicht ganz ohne Hintergedanken nicht zu den Promotoren des Antrages. Während andere Klubs bei einem Standortwechsel fast immer mit einer zentrumsferneren Location vorlieb nehmen müssen, will der FCA mit seinem im Grunde schon seit den 90er-Jahren pendenten Stadionprojekt vom in der Gemeinde Suhr gelegenen Brügglifeld ins deutlich zentrumsnähere Torfeld Süd umziehen. Macht der Entscheid der Swiss Football League vom Freitag den Aarauern im letzten Moment noch einen Strich durch die Rechnung, weil ein Verbleib im Brügglifeld plötzlich wieder eine Option werden könnte? Auch der Neubau des Cornaredo in Lugano ist durch diesen Entscheid nicht mehr wirklich zwingend. Anders sieht die Situation in Zürich aus. Wie in Genf, Basel oder Bern gehen die Anforderungen an ein Fussballstadion in einer Stadt wie Zürich sowieso über die SFL-Mindestanforderungen für Super League-Stadien hinaus – egal ob bisherige oder neue.

Eröffnung wefox Arena (damals LIPO Park), Schaffhausen (2017)
Tuilière, Lausanne (2020)

Seit Lausanne-Sport in der Saison 13/14 hat keine Mannschaft nach 14 Runden weniger Punkte als der FCZ auf dem Konto gehabt. Und im ganzen letzten Jahrzehnt hat kein Super League-Team weniger Tore erzielt als die aktuelle Ausgabe des FC Zürich mit nur neun Treffern in 14 Runden. In Lugano steht ein weiteres Keller duell an, auch wenn die Tessiner punktemässig zum breiten Mittelfeld gehören, das vom 2. bis zum 9. Platz reicht. Nach dem Auswärtspunkt von Winterthur in Luzern ist schon jetzt klar, dass der FCZ als Tabellenletzter überwintern wird.

Lugano spielt diese Saison bisher mit Viererabwehr. Aktuell gehen den Tessinern aber etwas die Aussenverteidiger aus. Arigoni wird wohl von rechts auf links wechseln und rechts könnte der gelernte Innenverteidiger Hajrizi zum Zuge kommen. Babic könnte der Ersatz für den in Genf bei seinem erfolgreichen Torabschluss am Kopf verletzten Celar sein.

Wird Coach Henriksan für den FCZ wieder eine ähnliche Equipe aufs Feld schicken, wie in London? Condé fehlt auf jeden Fall gesperrt. Dzemaili wäre eine Option, ist aber fraglich. Somit könnte Hornschuh im Cornaredo zum Handkuss kommen. Mets wäre eine Option in der Verteidigung für Aliti. Okita spielte in London zu Beginn auf der 10er-Position. In Lugano könnte wieder Marchesano oder Krasniqi diese Rolle einnehmen – und damit Rohner auf die Bank verdrängen.

Bei Lugano sitzen Haile-Selassie und Hajrizi zu Beginn auf der Ersatzbank. In der Abwehrreihe erhält Hajdari eine Chance von Beginn weg. Der Basler kann auch Linksverteidiger spielen, was gleichzeitig auch die ursprüngliche Position von Routinier Daprelà ist.

Der FCZ spielt genau wie gedacht. Hornschuh spielt also von Beginn weg neben Selnaes. Auf der Ersatzbank sind mit Krasniqi, Santini, Vyunnik, Mets, Hodza und Sauter nur sechs statt der erlaubten acht Feldspieler.

im „Supercup“-Duell zwischen Meister und Cupsieger bringt Lugano-Coach Mattia Croci-Torti Maren Haile-Selassie im Letzigrund von Anfang an. Er gehört zu den ganz wenigen Talenten, die den Sprung von der U18 in die 1. Mannschaft beim FCZ direkt geschafft haben. Der FC Zürich setzte also stark auf ihn, aber er hatte zu jenem Zeitpunkt noch nicht die Reife für die Super League. Diese hat er sich in den letzten Jahren Schritt für Schritt bei Xamax und Lugano immer mehr geholt. Ebenfalls von Beginn weg kommt der zum Transferschluss noch verpflichtete Schweizer Nationalspieler Renato Steffen zum Einsatz. Dieser bringt eine illustre Vergangenheit bei Spielen gegen den FCZ mit.

Der FCZ wird voraussichtlich im üblichen Spielsystem antreten. Rohner beginnt zusammen mit Tosin. Marchesano und Vyunnik werden rekonvaleszent gemeldet, Katic ist nicht im Aufgebot.

In der „Supercoppa“ in der zweitletzten Super League-Runde der denkwürdigen Saison 21/22 herrschte von Beginn weg eine lockere, festliche Atmosphäre. Die Heimmannschaft war bis etwa drei Minuten vor dem offiziellen Anpfiff mit ihrer Ehrenrunde mit Trophäe durchs Stadionrund und der Verabschiedung von verdienten Spielern (Lavanchy, Lovric, Martic) beschäftigt. Um die 80. Minute herum liessen FCZ-Fans hinter dem Gästesektor eine veritable Meisterfeuerwerk-Show steigen, welche auch von den Lugano-Supportern dankbar bestaunt und mit Applaus bedacht wurde. Dann wurde die Partie fortgesetzt.

Andy Gogia erneut mit laschem Auftritt

Gleich mit dem ersten Konterangriff über Doumbia, Krasniqi, Ceesay und Rohner nach zwei Minuten ging der FCZ in Führung. Ex FCZ-Captain Rüegg hatte den Ball im Mittelfeld verloren und Gogia die butterweiche Flanke Assan Ceesays (mit Rechts!) am entfernten linken Pfosten per Direktabnahme versenkt. Das Tor motivierte Gogia aber nicht, sich von seiner besten Seite zu präsentieren, ganz im Gegenteil: der Rest seines Auftrittes im Cornaredo war ein Ärgernis und er wurde dann auch in der 58. Minute ausgewechselt. Auch Silvan Wallner und Ante Coric vermochten ihre Einsatzchance in der Startformation nicht zu nutzen.

Einwechslungen und taktische Umstellung bringen wenig

Most Valuable Player der Partie aus FCZ-Sicht war Zivko Kostadinovic, der mit einigen starken Interventionen eine höhere Niederlage verhinderte. Lugano zeigte eine bessere Körpersprache als einige Akteure beim FCZ und war wenige Tage nach dem Triumph von Bern emotional noch im Hoch – ähnlich wie der FCZ zuletzt in St. Gallen. Auch von den Einwechselspielern konnte nur Stephan Seiler überzeugen. Die Umstellung auf ein 4-4-2 in der 66. Minute mit vier nominellen Stürmern auf dem Platz (Tosin und Gnonto besetzten die Aussenpositionen im Mittelfeld) zeigte ebenfalls nur beschränkt Wirkung.

Highlights

Performance & Stats

Kommentare

Telegramm

Lugano – FCZ 2:1 (2:1)
Tore: 3. Gogia (Ceesay) 0:1, 4. Sabbatini (Bottani) 1:1, 28. Sabbatini (Lavanchy) 2:1.
Lugano – Saipi; Rüegg, Hajrizi, Ziegler, Valenzuela; Lovric (90.+1 Durrer); Custodio (85. Mahmoud), Sabbatini; Lavanchy (90.+1 Yuri), Celar (64. Amoura), Bottani (64. Haile-Selassie).
FCZ – Kostadinovic; Wallner (90.+1 Hodza), Kamberi, Mets; Rohner (66. Tosin), Doumbia, Gogia (58. Guerrero); Krasniqi (66. Kramer), Coric (58. Seiler); Ceesay, Gnonto.



Neunter Sieg in Folge für den FC Zürich, dazu zum sechsten Mal hintereinander gegen Lugano „zu Null“ gewonnen. Erstmals in dieser Rückrunde hatte man unter dem Strich auch die etwas besseren Torchancen, als der Gegner. Trotzdem war Trainer Breitenreiter mit der Leistung nicht zufrieden. Nach der Führung habe man zu stark nachgelassen, sei zu passiv geworden. Konkret passierte dies nach rund 30 Minuten.

Nach einer halben Stunde geht Zugriff im Pressing verloren

Die erste halbe Stunde war gut, auch nach der in der 11. Minute erzielten Führung Antonio Marchesanos (erster Rückrundentreffer). Danach lässt sich auch aus den Daten herauslesen, dass der Stadtclub im Gegensatz zu den ersten beiden Rückrundenpartien im Pressing stark nachliess. Aufgrund der Visionierung der Bilder bezieht sich dies aber nicht auf die Positionierung. Man stand weiterhin hoch, aber der Zugriff auf den Gegner war einfach nicht mehr genügend vorhanden. Ballführende Luganesi wie Sabbatini oder Lovric konnten sich in der eigenen Platzhälfte zu einfach lösen. Speziell in den letzten sechs Minuten vor der Pause liess man gefährliche Konter der Tessiner zu. Der Verlauf der Partie erinnerte etwas an eine (von bisher zwei) Saisonniederlagen, als man das Hohe Pressing länger Aufrecht erhielt, als man (physisch?) in der Lage war und dadurch ins offene Messer lief. Nur mit dem Unterschied, dass es Lugano nicht so konsequent auszunutzen vermochte wie damals YB. Vielleicht ist aber auch der Auswärtssieg in Lausanne eine passende Parallele, als man nach Vorsprung ebenfalls nachliess – und am Ende (in Überzahl) trotzdem gewann. Dazu kamen gegen die Tessiner in der Viertelstunde vor der Pause individuelle Fehler von Tosin (2x), Omeragic und Kryeziu.

Daprelà und Hajrizi holen synchron einen Penalty heraus

In der 51. Minute dann eine wichtige Szene in diesem Spiel. Daprelà und Hajrizi hatten ganz offensichtlich vor der Partie eine Finte besprochen, mit der sie einen Penalty herausholen wollten. Bei einem Eckball von links versuchte Fidan Aliti Gegenspieler Daprelà mit ausgestrecktem Arm an der Brust etwas zu bremsen, wie dies bei solchen Situation von Verteidigern ständig gemacht und auch toleriert wird. Anstatt wie üblich zu versuchen, sich zu lösen, packte Daprelà Alitis linken Arm in Kampfsportmanier mit beiden Händen und zog den FCZ-Verteidiger in seinem Rücken hinter sich her und runter auf den Boden. Hajrizi versuchte parallel das genau gleiche mit Omeragic zu machen, hatte aber offensichtlich weniger Kraft oder eine weniger gute Grifftechnik, so dass Omeragic nicht umfiel. Daraufhin buhlten Daprelà und Hajrizi auf dem Bauch liegend mit Schwimmbewegungen synchron um die Aufmerksamkeit von Schiedsrichter Cibelli. Es sah aus wie die Trockenübung eines engagierten Synchronschwimmerduos. Es waren Stürmerfouls der beiden Lugano-Verteidiger gewesen. Man kann trotzdem etwas Verständnis dafür haben, dass Cibelli selbst nach Betrachtung der Bilder trotzdem Penalty gab, denn es war wirklich geschickt gemacht von den Luganesi – und dass Aliti als er von Daprelà mitgeschleift wurde, noch den rechten Arm von hinten auf dessen Brust legte, half auch nicht.

Brecher pariert erstmals einen Penalty mit der Hand

Der Penalty Reto Zieglers wurde aber von Yanick Brecher stark gehalten. Neben einer gewissen mentalen Müdigkeit Luganos nach dem für den Klub wichtigen Cup-Fight in Thun am Donnerstag zuvor wohl der wichtigste Faktor für den erneuten FCZ-Heimsieg. Nachdem Brecher über viele Jahre hinweg bei Penaltys den Dreh nicht raus hatte und jeweils chancenlos blieb, konnte er vor einem Jahr im Februar 2021 gegen Moumi (YB) und Grgic (Sion) die ersten Elfmeter seiner Profilaufbahn parieren. In beiden Fällen war Brecher in die aus seiner Sicht rechte Ecke gesprungen, konnte den jeweils halbhoch zentral gezielten Ball noch mit dem Linken Fuss abwehren. Nun sprang er zum allerersten Mal in die richtige Ecke und parierte den Ball mit den Händen – das in diesen Situationen so entscheidende Timing war dabei im Vergleich zu früher deutlich verbessert.

Tosin als Starter noch nicht im Strumpf

Nach diesem Erfolgserlebnis drehte der FCZ auf. Das 2:0 in der 64. Minute fiel auf den besten der vielen guten Abstösse des MVPs Yanick Brecher – das erste FCZ-Tor dieser Saison aus einem Abstoss. Assan Ceesay (zum zweiten Mal hintereinander eine “9“) ist der Notenbeste gegen seinen Ex-Klub und war an allen drei Treffern in der ein oder anderen Form beteiligt. Er wäre der logische MVP gewesen, aber Brecher war mit seiner Punktzahl nahe an Ceesay dran und der gehaltene Penalty in dieser Partie für den Ausgang mitentscheidend. In der guten Anfangsphase der Partie liefen fast alle Angriffe über Fidan Aliti. Am anderen Ende der Skala erhielt Tosin die einzige ungenügende Note an diesem Tag. Zwar war der Nigerianer in der Vorbereitung des 1:0 entscheidend beteiligt, aber ansonsten hatte er lange “Downtimes“ und es unterliefen ihm einige Fehler.

Am Ende der Vorrunde hatte Tosin vor allem als Joker überzeugt und bei solchen Einsätzen einen Züri Live-Notenschnitt von 8,5 zu verzeichnen. Nach der Winterpause und seiner kurzzeitigen Erkrankung erhielt er bei seinen Startelfauftritten gegen GC und Lugano nun zwei Mal eine “4“. Aktuell scheint Tosin seinem Team mit Jokereinsätzen mit einzelnen starken Aktionen, in die er seine ganze Energie reinlegen kann, besser helfen zu können, als in der Startformation – während Wilfried Gnonto mittlerweile reif genug ist, in der Super League von Anfang an auf dem Platz zu stehen und über 70 oder 90 Minuten eine wichtige Rolle zu spielen. Bledian Krasniqi hat sich zuletzt von Spiel zu Spiel gesteigert. Ousmane Doumbia war wie häufig an vielen positiven aber auch vielen negativen Aktionen beteiligt. Zu den positiven gehörte sicherlich nach dem Derby sein zweites Assist hintereinander – das sind gleich viele wie in der ganzen Vorrunde.

FCZ auch statistisch gradlinig

Lugano versuchte es in der Schlussphase unter anderem mit der Einwechslung des ehemaligen FCZ-Juniors Maren Haile-Selassie und der Umstellung auf ein 4-4-2. Letztendlich waren die Tessiner aber im Abschluss zu wenig effizient. Chancen wären durchaus vorhanden gewesen. Statistisch auffällig beim FCZ: die äusserst geringe Zahl an Querpässen: nur 67 bei einem Ligaschnitt von 160 pro Partie. Das von Trainer Breitenreiter gewünschte gradlinige Spiel wurde durchaus praktiziert.

Telegramm

FCZ – Lugano 3:0 (1:0)
Tore: 12. Marchesano (Tosin) 1:0; 64. Gnonto (Guerrero) 2:0, 66. Ceesay (Doumbia) 3:0.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (82. Gogia), Doumbia, Krasniqi (59. Dzemaili), Guerrero; Marchesano (73. Hornschuh); Ceesay (82. Kramer), Tosin (59. Gnonto).
Lugano – Saipi; Hajrizi (59. Lavanchy), Daprelà, Ziegler; Rüegg, Sabbatini, Facchinetti (59. Yuri); Custodio (67. Muci), Lovric; Aliseda (59. Haile-Selassie), Bottani (46. Celar).