Der ehemalige FCZ- und Thun-Trainer sowie FCZ-Legende Urs Fischer will heute in der Stockhorn Arena ein spannendes Duell seiner beiden Ex-Klubs geniessen. Der aktuelle FCZ-Trainer Ludovic Magnin hat für die heutige Partie in der Stockhorn Arena eine begrenzte Personalauswahl in den vorderen Reihen. Benjamin Kololli kehrt zwar wieder zurück, aber dafür ist Blaz Kramer gesperrt – wegen eines „Fouls“ in der Anfangsphase der Partie gegen Lugano, das keines war. Dazu fallen die vom Platz gefahrenen / getragenen Tosin und Omeragic verletzt aus. Mahi und Marchesano sind ebenfalls nicht fit. Neu in die Startformation rücken Adi Winter, Mirlind Kryeziu, Hekuran Kryeziu und Willie Britto. Es ist sowohl eine Variante mit Dreierabwehr, als auch mit Viererabwehr denkbar.

Beim FC Thun hat Stürmer Ridge Munsy einen Lauf und seit seinem ersten Rückrundeneinsatz gegen Lugano in sechs Partien jedes Mal getroffen! Mit Hassane Bandé hat Thun-Trainer und FCZ-Gott Marc Schneider eine zusätzliche Option im Sturm, was Simone Rapp zu motivieren scheint, der zuletzt in St. Gallen nach seiner Einwechslung zur Halbzeit stark dazu beigetragen hat, dass die Berner Oberländer beinahe noch einen Punkt aus der Gallusstadt entführt hätten. Gegen den FCZ beginnt etwas überraschend das Duo Rapp / Bandé und Munsy sitzt als Joker auf der Bank. Seit einiger Zeit lässt Marc Schneider im Mittelfeld mit einer Raute spielen, wodurch die Position des Top-Assistgebers Tosetti auf dem offensiven Flügel normalerweise aus dem System rausfällt. Der FCZ hat in den letzten Jahren aber immer wieder Mühe mit Tosetti gehabt, daher bringt ihn Schneider heute trotzdem von Anfang an, ob als Achter in der Raute oder in einem flachen Vierermittelfeld wird sich noch zeigen. Grégory Karlen könnte in Abwesenheit von Miguel Castroman auf die 10er-Position rücken und der offensiv orientierte Nias Hefti ersetzt links hinten Chris Kablan.

Nach den Siegen in St. Gallen (aufgrund der Zweiten Halbzeit verdient) und gegen den FC Lugano (etwas glücklich) wartet die Stockhorn Arena auf den FC Zürich. Im Letzigrund sind mit Tosin und Omeragic zwei verletzte Spieler dazugekommen. Wie sieht es bei Mahi und Marchesano aus?

Frage zum Spiel: FCZ in Thun - Top oder Flop?

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Züri Live-Direktübertragung ab 20:15 mit Moritz Wolf (Radio RaBe)

Letzte Saison hatte der FCZ gegen St. Gallen vorwiegend gute Spiele abgeliefert, aber trotzdem nur zwei Punkte geholt. Nun hat sich dies gedreht: drei Siege in Folge von Ludo Magnins Team gegen Peter Zeidlers Mannen, und dies obwohl die Ostschweizer ansonsten ihre beste Saison seit Jahrzehnten spielen. Was sich wie ein Roter Faden durch diese Partien zieht, ist, dass der FCZ den Hochtempo-Fussball der Grün-Weissen für sich zu nutzen weiss – wie bei einem Tanzpartner, der gut zu einem passt. Die St. Galler lassen dem Gegner kaum Zeit zum Überlegen und dies kommt dem FCZ entgegen, der in den letzten Jahren immer wieder dann besonders schlecht gespielt hat, wenn er zu viel Zeit zum Überlegen hatte und sich vom Gegner „einlullen“ liess.

Die St. Galler lassen dem Gegner kaum Zeit zum Überlegen und dies kommt dem FCZ entgegen

Sich einem mit hohem Tempo agierenden Gegner an die Fersen heften und dann über den Kampf ins Spiel finden, hat in den letzten Jahren nicht nur gegen St. Gallen (Stichworte: Cupfinal YB, Leverkusen) häufig gut geklappt. Das spielerische Element ist sowieso da – um aber auch das notwendige kämpferische Element aus der Mannschaft herauszukitzeln, braucht es häufig eine anspruchsvolle Aufgabe. In den drei Duellen mit St. Gallen hat die Mannschaft von allen Partien abgesehen von der 0:4-Heimniederlage gegen den FCB klar am meisten Top-Defensivaktionen gehabt (79, 72, 77).

FCSG – FCZ Züri Live Matchstatistiken

Herausragend in dieser Hinsicht der wieder ins Team zurückgekehrte Nathan mit gleich 19 Top-Defensivaktionen, was auch gemessen am Schnitt des Brasilianers von 10 Top-Defensivaktionen pro Partie hoch ist. Nathan war der Fels in der Brandung gegen einen Gegner, der einen Grossteil seiner Energie in die ersten 30 Minuten legte und in dieser Phase das Spiel dominierte. Die im ganzen Spiel wichtigste Aktion war Nathans Rettungstat schon nach etwas mehr als einer Minute im Laufduell mit Demirovic, als er den mit Entschlossenheit rechts Richtung nahen Pfosten stürmenden Bosnier an Grinta noch überbot. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wäre da ansonsten schon früh das 1:0 für St. Gallen gefallen. Vor Nathan sorgte der aufmerksame Hekuran Kryeziu für zusätzliche Stabilität.

Simon Sohm wärmt sich in der Pause auf

Der FCZ hatte sich zudem gut auf verschiedene Spezialitäten eingestellt. Zum Beispiel der St. Galler Eigenheit, nach dem Anstoss den Gegner mit Tempo durch die Mitte zu “überrollen“, stellte das Letzigrund-Team jeweils eine gestaffelte Phalanx von vier Mann gegenüber. Gleich nach Wiederanpfiff konnte so Simon Sohm als vierter Mann dieser Phalanx den Ball abfangen und den schnellen Gegenstoss gegen die hinten offenen St. Galler einleiten, der um ein Haar zum 2:0 durch Blaz Kramer wenige Sekunden nach der Pause führte.

FCZ-Phalanx erwartet nach einem Anstoss den St. Galler Angriff durch die Mitte

Oder bei einem Freistoss in Strafraumnähe des zur Zeit ligabesten Freistoss- und Weitschützen Jordi Quintilla, als sich Marco Schönbächler in einem Spreizschritt hinter die Mauer kniete, wodurch diese kollektiv aufspringen und damit die abgedeckte Gesamtfläche vergrössern konnte.

Marco Schönbächler ist bei Freistoss Quintilla für das „Untergeschoss“ zuständig

St. Gallen konnte in der ersten halben Stunde das Spiel aber nicht nur wegen dem eigenen keine 90 Minuten durchzuhaltenden Energieaufwand dominieren, sondern auch, weil beim FCZ viele Spieler zu behäbig in die Partie gestartet waren. Namentlich von Toni Domgjoni, Benjamin Kololli oder Blaz Kramer kam viel zu wenig. Sinnbildlich für Domgjonis mentale und physische „Abwesenheit“ war die Szene, als er sich gar von einem Spieler wie Jérémy Guillemenot im Zweikampf wegdrücken liess. Dass unter diesen Umständen speziell Nathan und Hekuran Kryeziu das Team trotzdem zusammenhalten konnten, war eine Parforceleistung. St. Gallen hatte in der Ersten Halbzeit trotz klarer Überlegenheit nur einen Expected Goals-Wert von 0,7. Die Ostschweizer kamen kaum zu guten Torchancen. Von 24 Schüssen der ganzen Partie fanden nur zwei den Weg Richtung Gehäuse von Yanick Brecher, der trotz grosser St. Galler Angriffslust fast schon einen geruhsamen Abend verbrachte, da die ansonsten typische Effizienz diesmal bei den Grünweissen nicht vorhanden war.

Erste Gratulanten zu Kolollis 3:0

Der FCZ hat hingegen, seit Benjamin Kololli in der Coronapause diesbezüglich „der Knopf aufgegangen“ ist, seit Jahren endlich wieder mal einen starken Standardschützen. In St. Gallen ging der FCZ in der 31. Minute entgegen dem Spielverlauf durch Blaz Kramer nach einem sehr guten Corner Kolollis in Führung. Zwar hatten Kololli und Kramer in den ersten 28 Minuten nichts zustande gebracht, aber unmittelbar vor diesem Eckball hatten beide ihre ersten gelungenen Aktionen gehabt, nachdem Kololli mit Tosin erstmals die Seiten getauscht hatte. Der grösste Unterschied zum 3:1-Sieg gleichenorts im Dezember war, dass der FCZ diesmal in der Zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft war, und ein klares Chancenplus zu verzeichnen hatte. Vor Weihnachten war St. Gallen bis kurz vor Schluss am Drücker gewesen und der FCZ konnte erst dank stark erhöhtem Risiko St. Gallens ab der 70. Minute die Entscheidung herbeiführen. In beiden Partien konterte das Letzigrund-Team schnell und konsequent. Man sorgte speziell diesmal bei den vielen langen Bällen für eine hohe Präsenz am und im gegnerischen Strafraum. Dem eingewechselten Mimoun Mahi gelangen mit Steilpässen und Seitenverlagerungen drei Assists zu den Toren der Zweiten Halbzeit. Das Chancenverhältnis lag Ende der Partie klar auf Seiten des FCZ, wenn auch nicht im Bereich von 4:0. Insgesamt hatte der FCZ diese Saison nur in der November-Siegesserie gegen Sion, Luzern und Xamax ein vergleichbares Expected Goals-Verhältnis wie jetzt mit 2.53 : 1.11 in St. Gallen.

40. Minute: Handspiel von Benjamin Kololli auf der Strafraumgrenze

Im Verlaufe der Partie schaffte es der FCZ zeitweise hinten kompakt zu stehen. Selbst Benjamin Kololli arbeitete fleissig nach hinten mit, hatte aber bei einer solchen Aktion am eigenen Strafraum Glück, dass nicht auf Handspenalty für St. Gallen entschieden wurde. In Bezug auf Schiedsrichter Fähndrich rieb man sich als jahrelanger FCZ- und Liga-Beobachter verwundert die Augen und wähnte sich in einem Paralleluniversum. Nachdem dieser seit Jahren zu den drei Schiedsrichtern gehört, die im Zweifelsfall konsequent gegen den FCZ zu pfeifen scheinen, am stärksten in Partien gegen YB und Luzern, regte sich mit St. Gallen erstmals zu Recht ein FCZ-Gegner über seine Entscheidungen auf. Neben Kolollis Aktion hätte sicherlich Hekuran Kryeziu in mindestens einer von zwei Foulaktionen Gelb sehen müssen und in der Schlussphase wurde ein Handspiel vor dem Strafraum von Michael Kempter nicht gepfiffen – ein ähnliches von Vincent Rüfli auf der anderen Seite hingegen schon.

Die Kommunikation und Ordnung scheint sich beim FCZ verbessert zu präsentieren. Nachdem der FCZ begann, konsequent lange Bälle in die Tiefe zu spielen, war Aiyegun Tosin ab der 56. Minute voll in seinem Element und erzielte nach einem sauberen Tackling von Nathan am eigenen Strafraum gegen den eingewechselten ehemaligen FCZ-Junior André Ribeiro und dem schnellen Gegenstoss über Hekuran Kryeziu und Mahi das 2:0. Der Nigerianer feierte den Treffer mit einer kleinen Provokation gegenüber den während der ganzen Partie schon eine kurze Zündschnur aufweisenden 700 St. Gallen-Fans, was diese zusätzlich auf die Palme brachte und gemäss einem später publizierten Video einen davon zu einem rassistischen Ausruf verleiten liess, den auf dem Platz aber niemand mitbekam.

FCSG – FCZ Züri Live Match Performance

Der FC Zürich konnte im Kybunpark auch von der besser besetzten Ersatzbank und der verletzungsbedingten Auswechslung Yannis Letards kurz nach der Pause profitieren. Marco Schönbächler beispielsweise überzeugte erstmals seit längerer Zeit vor allem defensiv. Ausserdem zogen St. Galler Leistungsträger wie Hefti oder Quintilla einen ihrer weniger guten Tage ein. Auf Zürcher Seite vermochte Michael Kempter seinen ordentlichen bis guten Auftritt von Bern in St. Gallen noch zu toppen. Dass der FCZ links mehr Stabilität ausstrahlt als rechts, hat man lange nicht mehr gesehen. Es fing bei den im Vergleich mit seinem Pendant Rüegg besseren Einwürfen an, und setzte sich fort mit disziplinierterem Verteidigen sowie dynamischen Vorstössen über die Seite und durch die Mitte. Der FCZ gewann in St. Gallen 4:0 mit einer Ballbesitzquote von gerade einmal 37%. Was nicht aussergewöhnlich ist: drei der vier Saisonsiege gegen Spitzenteams (2x St. Gallen, 1x Basel) erreichte Zürich mit einer Ballbesitzquote von 30-40%. Das Erfolgsrezept jeweils? Defensive Stabilität, Kampfgeist, schnelle Konter und Nathan in der Startaufstellung.

Schlussresultat im Kybunpark

St. Gallen – FC Zürich 0:4 (0:1)
Tore: 31. Kramer (Kololli) 0:1; 64. Tosin (Mahi) 0:2, 86. Kololli (Mahi) 0:3, 90.+1 Tosin (Mahi) 0:4.
St. Gallen – Zigi; Hefti, Stergiou, Letard (47. Fabiano Alves, 67. Bakayoko), Rüfli (67. Muheim); Quintilla; Görtler, Ruiz (85. Staubli); Guillemenot (46. Ribeiro); Demirovic, Itten.
FCZ – Brecher; Rüegg (88. Britto), Nathan, Omeragic, Kempter; Tosin (82. Janjicic), H. Kryeziu, Domgjoni (46. Sohm), Kololli (87. Winter); Marchesano (60. Mahi), Kramer (60. Schönbächler).

Nur noch ein halbes Geisterspiel in St. Gallen

(Bilder: Züri Live, Standbilder Arena Sport / Teleclub)

Auf zuerilive.ch begann die Saison mit einer Neuerung: die Analyse der Spiele wurde nochmal stark ausgebaut und rund 20-30-minütige Videopodcasts zu jedem Spiel produziert. Dieses Setting musste nach der fünften Partie gegen St. Gallen aus Zeitgründen vorläufig wieder aufgegeben werden. Auch wenn es im Dezember nach dem 0:5 zu Hause gegen Servette nochmal zu einem weiteren Video-Podcast kam. Dank dem spontanen Entscheid im Sommer konnten Erfahrungen mit dem Format gesammelt werden. Klar ist: neben den üblichen Vorschauen, Live-Übertragungen, Interviews, Audio-Zusammenschnitten der Spiele, Analyse-Artikeln, Pre-Match Artikel zu den Aufstellungen, News, allgemeinen Themen, Testspielen, Organisation etc. auch noch zu jedem Spiel einen Video-Podcast zu erstellen, würde das Projekt Züri Live praktisch zu einem full-time Job machen, was es im ersten Monat der Saison dann auch war.

Für die Zukunft ist als realistischere Variante angedacht: eine monatliche oder zweimonatliche Gesprächsrunde in Form einer Live-Sendung, welche danach sowohl als Audio-Podcast wie (unterlegt mit Statistiken und Bildern) auch als Video-Podcast publiziert wird. Zum Ende der Hinrunde und zu Beginn der Rückrunde wurden die Spiele dann wieder im Detail analysiert und wie in den letzten Jahren üblich Analyse-Artikel publiziert. Dazwischen gab es aber 14 Wettbewerbsspiele, die aus Zeitgründen nicht analyisiert werden konnten. Diese Lücke in den Züri Live-Daten soll nun geschlossen werden, bevor es mit Fussball wieder weitergeht. Erinnert Euch somit nochmal zurück an die verschiedenen Phasen der Vorrunde und die Entwicklung des Teams…

Durch neu verpflichtete Spielertypen wie Mimoun Mahi, Blaz Kramer oder Denis Popovic verschob sich das Stärken-/Schwächen-Profil des Teams noch mehr in Richtung „Kontermannschaft“, was sich im Verlauf des heissen Sommers unter anderem in den Testspielen exemplarisch zeigte. Mehr denn je hatte der FCZ nun eine Mannschaft, deren Offensivleute im Spiel mit dem Ball Platz brauchen. Den fanden Kramer in der Regionalliga und Mahi in der Eredivisie, wo die Teams der unteren Tabellenhälfte im Vergleich zur Super League defensiv nur mässig gut organisiert auftreten, zur Genüge vor. Popovic hatte bereits in Orenburg in einer erfolgreichen Kontermannschaft gespielt. Ähnlich wie Antonio Marchesano kann der Slowene als Ballverteiler in so einem Team aufblühen. Gegen ein Offensiv-Pressing gegen kompakt agierende Gegner sprach zudem die eher niedrig entwickelte Laufstärke der Zürcher Offensivreihe.

Mit Nathan kam nach den Abgängen von Alain Nef und Andreas Maxsö ein Mentalitätsspieler für die Innenverteidigung. Ein weiterer Innenverteidiger wurde nicht verpflichtet, weil der FCZ grosse Stücke auf das ein Jahr zuvor verpflichtete Talent Becir Omeragic hält und somit das Quartett zusammen mit Umaru Bangura und Mirlind Kryeziu komplett war. Dass Willie Britto „erst“ mit 22 Jahren den Weg aus der Ivorischen Liga nach Europa zum FCZ fand, zeigt, dass er nie zu den grossen Talenten seines Landes gezählt hatte. Dafür bringt er viel Wucht in seinen Aktionen und einiges an Abgeklärtheit mit. Mit der Verpflichtung des spielerisch starken Vasilije Janjicic wollte man mit einer Rückholaktion auch einmal selbst von der eigenen Ausbildung profitieren und solche Spieler nicht immer nur der Konkurrenz überlassen. „Hilfreich“ waren dabei sicherlich die Schlagzeilen, die Janjicic in Hamburg neben dem Platz geliefert hatte. Damit wurde er im Gegensatz zu anderen FCZ-Talenten im Ausland für den Stadtclub erschwinglich und der Spieler selbst empfand die Rückkehr zum FCZ als einen persönlichen Schritt nach vorne.

Ganz entgegen der Erkenntnisse aus den Testspielen lief der FCZ dann aber im ersten Saisonspiel im Letzigrund gegen Lugano bei brütender Hitze den Gegner hoch an. Speziell Denis Popovic, welcher nicht die ganze Vorbereitung hatte mitmachen können, rückte jeweils zu spät auf seine Position, was die konterstarken Tessiner (Schlussresultat: 0:4) jeweils gnadenlos ausnutzten. Erschwerend kam hinzu, dass das speziell bei diesen Temperaturen wichtige erste Tor aufgrund eines unrechtmässigen Penaltys (Schwalbe Sabbatini) zustande gekommen war. Beim zweiten Spiel in Luzern (0:0) stand der FCZ deutlich tiefer als in der ersten Partie und kam auf diese Art und Weise einem Auswärtssieg nahe. Der FCZ hielt dabei gegen einen Gegner, mit dessen physischen Qualitäten man in den letzten Jahren häufig Probleme gehabt hatte, kämpferisch gut dagegen und liess kaum eine gegnerische Torchance zu. Drei erfolgsversprechende Umschaltsituationen wurden von Ref Klossner wegen angeblicher Foulspiele zu Unrecht unterbunden – und Marco Schönbächler blieb mit einem tollen Weitschuss der Lucky Punch knapp verwehrt.

In Sion (1:3) erhielt der FCZ beim Stand von 1:1 in der 71. Minute die Chance zum 2:1-Führungstreffer, aber der in der Vergangenheit über die Sion U21 den Sprung in den Profifussball schaffende Benjamin Kololli verschoss den (eher glücklich zugesprochenen) Penalty. Auch von der anschliessenden numerischen Überzahl (Unsportlichkeit des den Penalty „verursachenden“ Abdellaoui) konnte der FCZ nicht profitieren – im Gegenteil. Die Zürcher suchten aufgrund der Überzahl den Auswärtssieg zu hektisch-überhastet und verloren so die Partie durch zwei Treffer des ehemaligen GC-Juniors Kasami.  Gegen Xamax (2:2) hatte der FCZ genau wie in Sion numerische Überzahl und die besseren Torchancen. Schönbächler erzielte zudem zum ersten Mal seit einem Jahr wieder einmal ein Tor. Man vergab aber kurz vor Schluss durch ein „Tor des Jahres“ von Gaëtan Karlen die drei Punkte – auch weil (durch Mimoun Mahi) wie in Sion erneut ein Penalty verschossen wurde. Gegen das von seiner Spielweise her dem FCZ liegende St. Gallen kommt es im fünften Spiel dann zum ersten Saisonsieg (2:1). Böse Zungen behaupten, dass dieser nur zustande kam, weil Zürich nach dem Platzverweis des übermotivierten ehemaligen FCZ-Juniors Miro Muheim (der beim „Rückspiel“ vor der Winterpause zudem den frühen Führungstreffer des Stadtclubs ins eigene Netz ablenkte) nicht lange in Überzahl spielen „musste“, weil kurz darauf Mirlind Kryeziu ebenfalls Gelb-Rot sah. Vor allem aber vermochte man sich gegen den hoch pressenden Gegner gut hintenheraus zu lösen und dann die sich auftuenden Räume mit erfolgreichen Kontern zu nutzen.

 

Hier gehts zu Teil 2: „Not macht erfinderisch“

Hier gehts zu Teil 3: „Simon Sohm erobert Stammplatz“

Auch das dritte „Corona-Testspiel“ konnte der FC Zürich beim SC Kriens für sich entscheiden. Der Rhythmus der Partie war eher beschränkt, das Letzigrund-Team blieb aber rund 60 Minuten lang zumindest relativ fokussiert. Mirlind Kryeziu machte seine Sache nach der Pause auf der Sechserposition als Sohm-Ersatz gut, während Pa Modou etwas weniger überzeugend auf der Innenverteidigerposition agierte, bis das Zürcher Spiel am Ende stark abflachte.

SC Kriens – FCZ 2:4 (0:3)

Tore: 23. Mahi (Tosin) 0:1, 28. Tosin (Winter) 0:2, 35. Mahi (Kramer) 0:3,; 48. Kololli (Mahi) 0:4, 63. Abubakar 1:4, 81. Teixeira 2:4.

SC Kriens: Brügger (46. Osigwe); Elvedi, Fäh (46. Urtic), Berisha, Busset (46. Mijatovic); Sadrijaj, Yesilcayir (64. Alessandrini); Follonier (46. Siegrist), Teixeira, Dzonlagic (64. Hoxha); Abubakar (64. Tadic).

FCZ:  Brecher (46. Vanins); Winter (46. M. Kryeziu), Nathan (46. Bangura), Omeragic (46. Pa Modou), Pedersen; Rüegg, H. Kryeziu (46. Janjicic); Tosin (46. Kololli), Mahi, Schönbächler (46. Marchesano); Kramer.

Der Höhepunkt des FCZ-Wochenendes waren wohl die beiden direkt verwandelten Freistösse von Shpetim Sulejmani im Testspiel der U21 gegen Rapperswil-Jona (Endresultat – 3:2). Die 1. Mannschaft kam derweil ebenfalls Samstags in einem ausserordentlichen Testspiel in Luzern zum vierten Freundschaftsspielerfolg in Serie und hat in dieser Kategorie nun eine 8S/4U/4N-Ergebnisbilanz. Die Partie war geprägt von einigen “Déjà Vus“. Zum Ligaauftakt nach der Winterpause war der FCZ zu Hause gegen Luzern schon in der 5. Minute durch Marco Schönbächler in Führung gegangen, nachdem FCL-Débutant Ashvin Balaruban einen schnell ausgeführten langen Freistossball Mirlind Kryezius unterlaufen hatte. Der 18-jährige Linksverteidiger wurde daraufhin in der 52. Minute ausgewechselt und seither bei den Innerschweizern nicht mehr eingesetzt. Bis er jetzt im Test gegen den FCZ erneut eine Chance erhielt – und sich noch deutlich schlechter präsentierte, als damals im Letzigrund. Ein schlimmer Fehlpass Balarubans erneut in der 5. Minute führte zum Corner, der die FCZ-Führung brachte. In der 13. Minute verlor Balaruban zudem auf einfache Art und Weise in der gegnerischen Hälfte den Ball an Rüegg und Schönbächler, die den Konter zum 0:2 abschlossen. In der 21. Minute war es dann auf der anderen Seite Sidler, der von Tosin leicht unter Druck gesetzt, einen katastrophalen Fehlpass vor den eigenen Strafraum spielte – Mahi und Kololli machten daraus das 0:3. In der 39. Minute hatte Schönbächler wiederum über Balarubans Seite leichtes Spiel – Mahi verwertete die Hereingabe zum 0:4.

Aussagekräftig ist der FCZ-Sieg in der Innerschweiz nicht. Der FC Zürich spielte nicht besser, als zuletzt in der Meisterschaft – und auch nicht viel schlechter. Es war genau der FCZ, den man von den letzten Super League-Auftritten her kannte. Ganz offensichtlich hatte das Team die Anweisung erhalten, das Spiel wie eine Meisterschaftspartie anzusehen, auch um mental und physisch in dieser für alle Mannschaften nicht einfachen unfreiwilligen Pause im Rhythmus zu bleiben. Dabei waren in Luzern dieselben Schwachpunkte zu beobachten, wie zuletzt im Ligabetrieb auch: Becir Omeragic unterliefen erneut einige Fehler, Mads Pedersen ist defensiv zu instabil, Antonio Marchesano weiterhin sehr bemüht und gleichzeitig wirr agierend, Toni Domgjoni hingegen etwas träge, Kololli in manchen Szenen mit sich selbst beschäftigt und Mimoun Mahi hat im Pressing immer noch nicht ganz das richtige Verhalten und Timing intus. Bestätigt hat sich in Luzern hingegen auch die Topform des eingewechselten Umaru Bangura, der wie in seinen beiden  Meisterschaftsauftritten des neuen Jahres einen tadellosen Auftritt hinlegte. Der Unterschied zu den Ligaspielen war ein Gegner, der das „Testspiel“ eher als „Freundschaftsspiel“ verstand. Während der FCZ versuchte, den Rhythmus hochzuhalten, schien es für Luzern eher eine Veranstaltung zu sein, in der man sich schlicht etwas bewegen wollte. Die Konzentration war von Anfang an nicht da, wohl zusätzlich auch etwas wegen dem Familiendrama von Teamkollege Ibrahima Ndiayé. Auch sonst war alles etwas anders, als im Ligabetrieb. Es war nicht der FCZ, sondern Luzern, das einen Penalty verschoss. Als der FCZ sich wie schon im Letzigrund erneut auf bei einem Margiotta-Corner vor dem Strafraum erwischen liess, knallte Grether den Ball an die Latte, statt der auf der Allmend nicht eingesetzte Idriz Voca ins Tor. Und auch Schiedsrichter Lukas Fähndrich zeigte sich in vielen Szenen gnädiger mit dem FCZ, als sonst.

Einerseits war es natürlich schön, dass dem FCZ durch Nathan per Kopf nach Hereingabe von Schönbächler in der 6. Minute endlich mal ein Eckballtor gelang. Wenn man aber sah, wie lasch der in der Meisterschaft extrem bissige Lucas Nathan in dieser Aktion “bewachte“, darf man sich nicht allzu viel darauf einbilden. Auch Szenen wie Schürpfs generöse Geste, Tosin viel Raum und Zeit zu lassen, den Steilpass auf Schönbächler zu spielen, der zum 0:4 führte, werden sich nicht mehr so abspielen, wenn es wieder “um die Wurst“ geht. Zumindest schien Adi Winter im Vergleich zu den letzten Super League-Auftritten, in welchen er noch überfordert wirkte, etwas verbessert. Wie schon in der Winterpause wurde er im Testspiel als Rechtsverteidiger eingesetzt. Benji Kololli zeigte erneut, dass er in der Sturmspitze dem Team am ehesten einen Mehrwert bringen kann. Denn in dieser Rolle kann das lange Ballhalten des Waadtländers im Gegensatz zur Flügelposition nützlich sein, damit die Mitspieler aufrücken können. Ausserdem gehört er beim Abschluss im Strafraum zu den besten Spielern im Kader. Nicht nur wegen seiner bereits acht Testspieltore scheint Kololli auf dieser Position aktuell die bessere Option als Kramer zu sein. Das Zentrum mit Heki Kryeziu und Kevin Rüegg wurde von den lasch auftretenden Ndenge und Schulz nicht wirklich einer Prüfung unterzogen. Nach der Einwechslung von Pa Modou spielte Pedersen in seinem ersten Testspiel auf den linken Flügel, eine Position, die für ihn sicherlich etwas besser geeignet ist, als links hinten. Der Däne hat im Kombinationsspiel seine Stärken und war so auch an der Entstehung des 0:5 beteiligt, als Marchesano einen langen Ball des 23-jährigen mit der Schädeldecke weiterleitete. In den meisten Bereichen fehlt aber weiterhin der Nachweis seiner Super League-tauglichkeit, das trat auch bei diesem 5:0 in Luzern offensichtlich zutage.

FC Luzern – FCZ 0:5 (0:4)

Tore: 6. Nathan (Schönbächler) 0:1, 13. Schönbächler (Rüegg) 0:2, 21. Kololli (Mahi) 0:3, 39. Mahi (Schönbächler) 0:4, 61. Kololli (Marchesano) 0:5.

FC Luzern: Müller; Sidler, Lucas (64. Burch), Knezevic (64. Bürki), Balaruban (46. Grether); Ndenge (64. Emini), Schulz (46. Mistrafovic); Matos (64. Tia), Males (64. Margiotta), Schürpf (64. Eleke); Demhasaj.

FCZ: Brecher (46. Vanins); Winter, Nathan (64. Bangura), Omeragic (64. M. Kryeziu), Pedersen; H. Kryeziu, Rüegg (64. Domgjoni); Tosin (64. Pa Modou), Mahi, Schönbächler (46. Marchesano); Kololli.

 

 

Im klassischen Theater oder in Filmen tauchen immer wieder dieselben Figuren auf, einzig in Frisur und Kleidung an die aktuelle Mode angepasst – und manchmal nicht einmal das. So auch beim FCZ. Da gibt es die Figur des soliden Büezers, der Fussball als Arbeit versteht und es nur dank dieser Einstellung auch in die oberste Spielklasse geschafft hat. Er kommt über den Kampf ins Spiel und regt sich manchmal darüber auf, dass einige der Teamkollegen zu wenig laufen. Und da der Fussballgott manchmal gerecht ist, gelingt ausgerechnet dem Büezer die entscheidende Flanke in der letzten Sekunde einer 36 Runden dauernden Meisterschaft, die den ersten Titel seit 25 Jahren bringt. Oder er schiesst das einzige Tor seiner Karriere in seinem letzten Spiel. Oder er trifft in der Scala des Fussballs artistisch per finnischem Volkstanz-Schritt.

Mit dieser Figur kann sich der Fan identifizieren, der seit seinem 17. Lebensjahr jeden Werktag zwischen fünf und sechs Uhr aufsteht und zwei Mal wöchentlich mit viel Engagement und Herzblut eine Juniorenmannschaft trainiert. Sie taucht in jeder Spielergeneration wieder auf unter Namen wie Urs Fischer, Florian Stahel, Hannu Tihinen oder Alain Nef. Die zweite Figur ist diejenige des Künstlers, des erkannten, noch häufiger aber auch verkannten Genies. Sie liegt all denjenigen FCZ-Anhängern am Herzen, die wissen, dass es für echten Fortschritt und Innovation mehr braucht, als einzig an der Seitenlinie rauf- und runterzuhetzen. Die davon überzeugt sind, dass ein Pass von Zinedine Zidane oder ein Dribbling von Diego Armando Maradona die Welt verändern können, und die von der Schönheit der Ballbehandlung eines Roberto Baggio fasziniert sind. Die wissen, dass Künstler einen Leidensweg durchschreiten müssen, um überhaupt zu Künstlern zu werden – und es dazu Geduld und künstlerische Pausen braucht. Von Köbi Kuhn über Jure Jerkovic, Marcel Raducanu, Gocha Jamarauli und Raffael bis zu Yassine Chikhaoui durfte auch diese Figur nie fehlen.

Eine dritte Figur ist der Typ «durchgeknallter Stürmer». Wer emotional ist, instinktive Entscheidungen fällt, und in seiner Biographie schon manchen Bruch erlebt hat, der fühlt sich seelenverwandt mit einem John Linford, Fredy Chassot, Alhassane Keita, Eric Hassli oder Michi Frey. Die aufgezählten Interpreten der klassischen Figuren sind alles Fussballer aus der wilden Jugend-Ära des Fussballs. Die «Kindheitsära» war die Pionierzeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Es war die Zeit der «Unschuld», der improvisierten Fussballfelder und der Geldknappheit, in welcher Mäzenatentum bedeutete, den jungen Burschen einen Matchball zu spenden. In der «Jugend-Ära» (zweite Hälfte 20. Jahrhundert und noch ein paar Jahre darüber hinaus) geschah der grosse Aufbruch. Fussball wird globaler Volkssport, mit Live-Übertragungen zuerst im Radio, dann im TV, sowie eine drastische Zunahme der Anzahl Profispieler.

Mittlerweile ist der Fussball aber in eine neue Ära eingetreten. Er ist erwachsen geworden. Fertig lustig! In den Jugendjahren des Fussballs konnte ein Spieler mit viel Talent noch einen ungesunden Lebenswandel pflegen oder neben dem Fussball Vollzeit arbeiten und trotzdem international mithalten. Da wurden Nationalspieler ohne einen Schimmer von Didaktik Kraft ihres grossen Namens nach Beendigung ihrer Karriere automatisch Trainer in der höchsten Liga. Und auf dem Platz waren die Rollen klar verteilt: es gab die Wasserträger, Haudegen, Knipser und Regisseure mit dem Bewegungsradius eines imaginären Bierdeckels. Ganz unterschiedliche Typen, Charaktere, Figuren – wie im klassischen griechischen Theater.

Der Fussball hat sich professionalisiert und globalisiert. Das Niveau ist gestiegen. Die breit angelegte SFV-Ausbildungsphilosophie seit den 90-er Jahren bringt es mit sich, dass in Super League und Challenge League alle Gegenspieler taktisch und technisch gut ausgebildet sind. Weltweit bieten sich zehntausende Spieler und mindestens ebenso viele Spezialisten drumherum wie Trainer, Medizinisches Personal, Scouts, Analytiker, Ausbildner und so weiter den Klubs an, sorgen für Konkurrenz und können von diesem Sport zu 100% leben. Um nur schon auf dem Niveau einer Super League mithalten zu können, muss jeder Profispieler, vom Torhüter bis zum Mittelstürmer, heutzutage ein Mindestmass an Technik, Spielverständnis, Kraft, mentalen Qualitäten und Laufleistung mitbringen.

Bei dem Tempo, in welchem heute Fussball gespielt wird, geht es erstmal nicht darum, mit dem Ball irgendwelche Wunderdinge zu vollbringen – das können bei dieser Geschwindigkeit sowieso nur ganz wenige. Viel wichtiger ist eine solide erste Ballberührung bei hohem Tempo – und dies vor allem konstant in mindestens 90% der Fälle, dazu Beweglichkeit und Handlungsschnelligkeit. Der moderne Fussball ist besser, aber in vielen Dingen auch gleichförmiger geworden. Um mithalten zu können, darf man heute keine echten Schwachpunkte mehr haben. Gerade die Schwachpunkte waren es jeweils gewesen, die in der Vergangenheit eine Figur, einen Typen charakterisierten.

Der FCZ war immer ein Team der Typen und Charakterköpfe. Die meisten Fans, Journalisten und auch Vereinsverantwortlichen sind in der «Jugend-Ära des Fussballs» aufgewachsen und von dieser geprägt worden. Bis heute werden von allen Seiten in der 1. Mannschaft Figuren gerne gesehen, die etwas aus der Zeit gefallen scheinen. Auch gegnerische Spieler und Trainer haben die letzten Jahre wiederholt von den technischen Finessen von FCZ-Spielern geschwärmt, und gleichzeitig gerne die drei Punkte mit nach Hause genommen. Ein Mimoun Mahi beispielsweise oder ein Benjamin Kololli streicheln zwar den Ball so sanft wie einen Hundewelpen, verschleppen aber auch das Spiel wie ein Spielmacher aus den 80er-Jahren und verursachen gegen heutige laufstarke Gegner viele Ballverluste. Ein Denis Popovic ist so langsam, dass er nur in ein einem Team mit neun sehr laufstarken Mitspielern funktionieren kann, wie das bei seinem Ex-Klub Orenburg der Fall war. Ein Salim Khelifi oder Antonio Marchesano müssen hart kämpfen, um auf Super League-Niveau physisch und von der Reichweite her bestehen zu können.

YB beispielsweise hat im Jahr 2013 aufgehört, Spieler wie Silberbauer, Ojala oder Jemal zu verpflichten, die den Anforderungen des modernen Fussballs auf Super League-Niveau in einem oder mehreren Bereichen nicht gewachsen sind. Als einzige Ausnahme fand zwischendurch wegen der finanziellen Probleme des FC Biel Benjamin Kololli ein halbes Jahr per Leihe Unterschlupf, wurde dann aber wenig überraschend nicht weiter verpflichtet. Servette hat nach dem Aufstieg schnell gemerkt, dass ein «Bierdeckel-Fussballer» wie Sébastien Wüthrich zwar immer wieder für ein paar Skorerpunkte gut sein kann, aber die Entwicklung des Teams in Richtung modernen Super League-Fussballs behindert. Luzern hat sich aus ähnlichen Gründen von Valeriane Gvilia getrennt. Beim FCZ finden solche Spieler weiterhin Unterschlupf. Ein Grégory Sertic beispielsweise schlurfte jeweils über den Platz, als ob er am Sonntagmorgen in den Hausschuhen durchs Wohnzimmer watscheln würde. Yassin Maouche begriff nicht, dass man in der Super League keinen lockeren Plauschfussball wie mit den Copains in der Badi spielen kann.

Umso schwerer wiegt darum, dass viele dieser Künstler nicht nur ineffizient und wenig teamorientiert spielen, sondern obendrein auch noch teuer sind. Es fehlt dadurch das Geld für beispielsweise einen treffsicheren und gleichzeitig laufstarken Stürmer. Eines der Paradebeispiele ist Yassine Chikhaoui, der acht Jahre lang da und meist eben doch nicht da war, und wenn er zwischendurch wieder mal zurückkam, das Teamgefüge eher störte, als befruchtete. Es gab durchaus auch Künstler, die sich in ihrer Zürcher Zeit entwickelten, wie zum Beispiel Davide Chiumiento, der wieder lernte aufs Tor zu schiessen und sogar Kopfballduelle gegen Verteidiger wie Grégory Wüthrich zu gewinnen begann – für ein paar Monate. Es ist jedem Super League-Klub freigestellt, langsame Techniker wie Asmir Kajevic oder Andres Vasquez zu verpflichten, aber man darf dann nicht erwarten, dass man sicher in der Super League bleibt. Und selbst in der Challenge League ist es auch mit grossen Investitionen nicht einfach, mit Spielmachern alter Schule wie Markus Neumayr, die in der Defensiven Phase praktisch inexistent sind, aufzusteigen.

Wie man Wochenende für Wochenende sieht, reicht es nicht, nur acht Spieler aufs Feld zu schicken, die in allen wichtigen Bereichen auf Super League-Niveau bestehen können. Es müssen elf sein, die in allen Bereichen ein gewisses Mindestniveau mitbringen. Denn die anderen Mannschaften, auch die «Kleinen» der Liga, bringen mittlerweile meistens elf solche Spieler auf den Platz. Und, das ist mehr als nur eine Phrase: ein Team ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Bisher war es häufig so, dass das pure Talent aus dem eigenen Nachwuchs und die Fähigkeit, sich häufig für wichtige Spiele speziell zu motivieren, immer wieder gewisse Schwachpunkte übertüncht haben. Aber der FCZ sollte sich nun langsam aber sicher von Spielern trennen, die an die gute, alte Jugend-Zeit des Fussballs erinnern –  und im modernen, erwachsenen Fussball ankommen – mit elf Spielern auf dem Platz, die als Einzelspieler und im Team in der Lage sind, läuferisch, technisch, mental, physisch sowie bezüglich Geschwindigkeit gegen jedes andere Super League-Team zu bestehen.

 

Nach dem ernüchternden 0:4 vom letzten Samstag ist der FC Basel für den FCZ vorläufig etwas ausser Reichweite geraten – trotz gestriger Niederlage gegen Thun. Servette könnte der FCZ hingegen mit einem Auswärtssieg in der Calvinstadt am Sonntag in der Tabelle überholen! SFC-Trainer Alain Geiger meint vor dem Aufeinandertreffen im Stade de Genève, dass seine Mannschaft «nicht der Favorit» sei. Nach dem fast schon historischen Resultat von 0:5 vor zweieinhalb Monaten im Letzigrund und dem Lauf der Genfer zuletzt, ist dies sicherlich eine Untertreibung. Geiger argumentiert mit der «guten 1. Halbzeit» des FCZ in Sion und einer generellen Auswärtsstärke der Zürcher. Tatsächlich hat sich die Heimstärke und Auswärtsschwäche zu Beginn der Saison ins Gegenteil gekehrt. Seit dem 29. September und dem 1:0-Sieg in Genf (damals der erste Auswärtssieg Zürichs und gleichzeitig die erste Heimniederlage Servettes) hat der FCZ auswärts vier Mal gewonnen, zwei Mal Unentschieden gespielt und kein einziges Mal verloren. Und dabei hat man insgesamt nur zwei Gegentreffer hinnehmen müssen – durch Jordi Quintilla (Penalty) und Patrick Luan. Beide Treffer waren zudem auch noch zweifelhaft zustande gekommen – der Penalty in St. Gallen hätte wegen vorangegangenem Offside von Silvan Hefti nicht gegeben werden dürfen und der Treffer von Luan wegen vorangegangenem Foul von Xavier Kouassi nicht.

Am Tag vor der Affiche Partie testete die Reservemannschaft des FCZ im Heerenschürli gegen die Pendants des FC St. Gallen und YBs. Zu den Testspielern in den Reihen des FC Zürich gehörte dabei auch der 21-jährige Stürmer Nedim Omeragic, Cousin von Becir, vom Spielertyp her dynamisch, mit gutem Abschluss mit Links. Vor anderthalb Jahren gelang diesem in der Challenge League in den Farben Servettes ein Doppelpack gegen den FC Winterthur. Diese Saison hat er bisher erst 15 Minuten für Stade Nyonnais gespielt und wäre wohl vorerst mal ein Thema für die Zweite Mannschaft, natürlich mit einem Auge auf die Super League schielend. Aus dem Kader der 1. Mannschaft kam zudem Ilan Sauter zum Einsatz. Das Tor gegen YB (1:1 bei 2×30 Minuten) erzielte Shpetim Sulemani per Kopf nach Flanke von Matteo Di Giusto (die Begegnung mit St. Gallen hat der FCZ 2:0 gewonnen). Bei den Bernern wirbelte dabei vorne der Kongolesische Stürmer Meschack Elia, welcher dann gleichentags auch noch eine provisorische Spielberechtigung für Wettbewerbsspiele erhielt.

Nicht mit dabei im FCZ-Trainingszentrum war Stephan Seiler. Ein Zeichen, dass der 19-jährige Sonntag im Matchkader stehen wird? Davor waren bereits die aus einer Langzeitverletzung zurückgekommenen Adrian Winter und Hekuran Kryeziu in einem Testspiel mit der FCZ Reserve gegen den FC Tuggen zum Einsatz gekommen und hatten dem Vernehmen nach auch in dieser Partie noch viel vermissen lassen – was nach so langer Verletzungsunterbrechung normal ist. Aber was heisst schon normal? Trainer Ludo Magnin räumte gegenüber Züri Live an der Pressekonferenz am Freitag in der Saalsporthalle freimütig ein, dass Winter und Kryeziu genauso wie auch die zuletzt angeschlagenen Pa Modou und Omeragic «unter normalen Umständen» für die Partie in Genf eigentlich noch nicht in Frage kommen würden.

Aber aufgrund von Sperren, Verletzungen sowie teilweise nicht zufriedenstellender Leistungen anderer Spieler sind sie trotzdem ein Thema. In Genf werden beispielsweise Marco Schönbächler (nach der von ihm mit Edon Zhegrova ausgelösten Rudelbildung) und der ehemalige Servettien Nathan gesperrt sein. Dass es aber nach dem Basel-Spiel bei den Spielern keine zusätzlichen «Bébéli» zu behandeln gab, sieht Magnin eher als ein schlechtes Zeichen. Auch darum wurde zumindest zu Beginn der Trainingswoche die Intensität nochmal erhöht: «Das Pressing hat mir zuletzt nicht mehr so gut gefallen, wie zeitweise in der Vorrunde. Wir müssen das im Training mit 100% Intensität machen, wenn wir es auch im Spiel bei 100% haben wollen.»

Anfang Woche war in der Soccer Lounge auf Sportal HD mit Ersatztorhüter und U17-Weltmeister Joel Kiassumbua, Züri Live und Raphael Gutzwiller (CH Media) Servette das grosse Thema gewesen. Die Genfer zeichnen sich wie schon in ihrer glorreichen Vergangenheit auch in dieser Saison speziell durch gutes Passspiel aus, und dies nicht nur auf kurze Distanzen oder im Mittelfeld, sondern auch bei langen Bällen und Pässen in die Angriffszone rund um den und im gegnerischen Strafraum. Schlüsselspieler in der Offensive ist eindeutig der Rechte Flügel Miroslav Stevanovic, welcher zu den besten Akteuren der Liga zählt. Seine erste Ballberührung (auch mit der Brust, per Kopf, mit Links,….) ist für Super League-Verhältnisse aussergewöhnlich.

Servette hat zudem ligaweit bisher am wenigsten Gegentore erhalten (20). Warum? Erstens, weil die Genfer nach St. Gallen und YB das drittbeste Team im Pressing sind. Vor allem aber verteidigen die Grenats sehr solidarisch. In der Abwehrreihe und im Zentrum haben sie keine individuell herausragenden Spieler, aber ihre Akteure antizipieren die möglichen Fehler und verlorenen Zweikämpfe des Nebenmannes jeweils schon im vornherein und unterstützen sich gegenseitig hervorragend und schnell. So hat das Team von Trainer Alain Geiger (auf dessen 17. Trainerstation) als einzige Mannschaft der Super League bisher in der ganzen Saison noch kein Weitschusstor erhalten und ist bei der Anzahl blockierter Schüsse ganz vorne in der Rangliste anzutreffen. Im Gegensatz beispielsweise zum FCZ vermögen sie vor dem eigenen Strafraum konsequent «aufzuräumen». Dazu hat sich ihr Nummer 1-Torhüter Jérémy Frick im Vergleich zur letzten Challenge League-Saison noch einmal klar gesteigert, wirkt mittlerweile sicherer als beispielsweise der Zürcher Schlussmann Brecher und hält auch statistisch gesehen besser.

Ein Spiel, in welchem Alain Geiger mit seiner Aufstellung überrascht hätte, ist in seiner Servette-Zeit nicht zu eruieren. Grundsätzlich will er unter den vier Vorderleuten drei wendige Spieler dabei haben und hat deshalb bisher in dieser Saison noch nie mit Koné und Kyei gemeinsam in der Startformation begonnen. Aufgrund des Ausfalls von Park und Schalk wäre dies daher der Moment, wo der 59-jährige endlich wieder einmal einen Jungen aus dem eigenen Nachwuchs wie Azevedo oder Imeri in der Startformation bringen könnte. Nur hat Geiger die zwei Jungspunde in St. Gallen erst nach Kyei eingewechselt. Dort hat nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Park (während dessen Pflege die linke Genfer Seite verwaist war und St. Gallen über diese Seite das entscheidende Tor erzielte) von der 40. bis zur 70. Minute tatsächlich das Duo Koné / Kyei gemeinsam auf dem Platz gestanden. Die unter wenig Spielpraxis leidenden erst später eingewechselten Azevedo und Imeri vermochten dann in der Schlussphase im Kybunpark nicht zu überzeugen. Eines ist sicher: hätte die sportliche Leitung des FCZ in Genf das Sagen, dann wäre mindestens einer der beiden Jungen Stammspieler. Aktuell setzt Servette trotz einer starken Jugendabteilung weiterhin auf ein komplett routiniertes Gefüge. Aus diesem Grund hat ja auch Becir Omeragic und vor ihm schon andere Genfer Junioren den Weg zum FCZ gefunden.

Dass Servette mit Stevanovic speziell über rechts stark ist, und der FCZ auf dieser Seite defensiv schwach, ist natürlich ein Schlüsselproblem im Hinblick auf die Partie in Genf. Schon beim 0:5 im Letzigrund im Dezember entstanden alle fünf Genfer Treffer durch Unzulänglichkeiten auf der linken Zürcher Seite. Wie im damaligen Züri Live-Podcast gezeigt, hatte in jenem Match Alex Schalk die Rolle, das Zürcher Spiel gezielt auf diese Seite zu lenken, wo Servette dann mit Ondoua, Stevanovic, Koné und Rouiller konzertiert und erfolgreich den Ballgewinn und das anschliessende schnelle Umschalten anstrebte.

Wie kann der FC Zürich dieses Problem lösen? In der Spieleröffnung geht’s natürlich vor allem darum, nicht noch ein zweites Mal in die gleiche Pressingfalle zu laufen, wie im Letzigrund, und hinten heraus den Ball schneller, höher und mehr nach Rechts zu spielen. Wie kann Stevanovic defensiv beigekommen werden? Eine Variante wäre, den bissigen Kevin Rüegg auf die linke Seite zu stellen. Rüegg hat sowohl in der U21 bei einem Match in Sion wie auch einmal in der 1. Mannschaft unter Ludo Magnin sogar schon im Linken Mittelfeld gespielt. Allerdings zeigt der sich zur Zeit in der Rekrutenschule befindliche Rüegg auch auf seiner angestammten Position rechts hinten eher durchschnittliche Leistungen und auf links wäre die Gefahr von Ballverlusten seinerseits wesentlich höher. Gegen Basel gut geklappt hat die Umstellung auf eine Dreierabwehr. Vor allem in der konservativen Variante mit tief stehenden Aussenläufern und einer Quasi-Fünferabwehr kann so der äussere Innenverteidiger den Aussenläufer auf der Seite ideal unterstützen, die Innenverteidiger können ihre Stärken in der Vorwärtsbewegung und der FCZ insgesamt seine Konterqualitäten nutzen.

Vorne könnte man sich unter den aktuellen Umständen sehr gut ein Offensivtrio Marchesano / Mahi / Kololli vorstellen. Es ist einerseits eine konterstarke Formation, die aber auch den Ball halten kann. Kololli ist besser als Kramer dafür geeignet, sowohl hohe wie auch flache Bälle mit dem Rücken zum Tor zu halten, bis die Mitspieler aufgerückt sind. Ein Element, welches im FCZ-Spiel zuletzt zu häufig schmerzlich gefehlt hat. Ausserdem hat der Waadtländer im Abschluss im Strafraum eine Stärke, auch wenn er in dieser Saison bisher noch nicht getroffen hat. Ebenfalls zu den abschlusstärksten Spielern beim FCZ gehört Antonio Marchesano, der dank seinem sehr guten Timing sogar per Kopf gefährlich sein kann. Mimoun Mahi wiederum ist häufig zu wenig zielstrebig, kann aber mit seiner Technik und ständigen Bewegungen mit Ball den Ballbesitz in der Angriffszone fixieren. Mahi und Kololli sind zudem beide annähernd beidfüssig und können dementsprechend aus jeder Situation heraus in den Abschluss gehen. Blaz Kramer und speziell Aiyegun Tosin könnten von der Bank kommend möglicherweise mehr Wirkung erzielen, als zuletzt in der Startformation.

Eine allgemeine Analyse der Stärken und Schwächen des FCZ findet sich in folgendem Zusatzartikel: Wie spielt der FCZ? Stärken und Schwächen des Zürcher Spiels 2019/2020.

Beim letzten Hurra der Vorrunde beflügelte das ausverkaufte Haus in St. Gallen vor allem das Team von Ludovic Magnin. St. Gallen musste nach sechs niederlagenlosen Heimspielen in Serie erstmals wieder alle drei Punkte an den Gast abgeben. Einen Tag nach der Abdankungsfeier für Köbi Kuhn im Grossmünster und eine Woche nach der Kanterniederlage im Letzigrund gegen Servette zeigte der FCZ in der Ostschweiz sein «Cupgesicht». Der Gegner aus der Gallusstadt schlug wortwörtlich von der ersten Sekunde an ein ausserordentlich hohes Tempo an. Bereits in den ersten 20 Sekunden der Partie nach Anstoss St. Gallen kam es zu nicht weniger als fünf Zweikämpfen. Für den FC Zürich ging es erstmal darum, die anrollende Flut zu stoppen und einzudämmen. Und er schaffte es tatsächlich, die Mehrheit der Zweikämpfe in der Anfangsphase der Partie zu gewinnen. Die Grün-Weissen setzten die Pace, die Blau-Weissen schafften es erfolgreich, sich nicht abschütteln zu lassen. Beide Teams spielten emotional, aber gleichzeitig auch sehr fair. In der letzten halben Stunde ging St. Gallen dann etwas die Luft aus.

Die Rückkehr der gesperrten Kramer und Tosin sowie ein gegenüber dem Servette-Spiel verbesserter Pa Modou waren eminent wichtig für den Zürcher Auftritt. Mirlind Kryeziu stand abgesehen von seinem Foul an Silvan Hefti im eigenen Strafraum hinten wie eine Wand. Alle drei Treffer erzielte der FCZ auf Konterangriffe (darunter ein Penalty als Folge eines Konters). Dies scheint die These von Züri Live zu stützen, dass Konterfussball den individuellen Qualitäten und Neigungen dieser Mannschaft am besten entspricht. Ganz besonders trifft dies auf MVP Antonio Marchesano zu, welcher nicht nur bei allen drei Zürcher Treffern seinen Fuss entscheidend im Spiel hatte, sondern während annähernd seines ganzen Einsatzes eine gute bis sehr gute Leistung auf den Platz brachte.

Vor dem 1:0 offenbarte sich das verbesserte Spielverständnis zwischen «Tonino» und Sturmspitze Blaz Kramer, als der Slowene auf der linken Seite viel geistesgegenwärtiger als zu Beginn der Saison auf Marchesanos Idee einging. Ausgerechnet der ehemaliga FCZ-Junior Miro Muheim, der sich für die Partie speziell viel vorgenommen hatte, fälschte den Abschluss von Marco Schönbächler entscheidend ab. Das 2:1 erzielte Marchesano souverän per Penalty, was in dieser Saison beim FCZ nicht als selbstverständlich gelten kann. Vor dem 3:1 durch Aiyegun Tosin verlangte der Tessiner nach dem Ballgewinn von Sohm und Schönbächler sofort den Ball, liess zielstrebig Quintilla und Letard aussteigen, und lancierte Tosin erfolgreich in die Tiefe.

Zum dritten Mal in dieser Super League-Vorrunde gewann der FCZ eine Partie, obwohl er ein negatives Verhältnis von Expected Goals hatte (den umgekehrten Fall gab es ebenfalls drei Mal). Von St.Gallen konnten in dieser Partie aufgrund der Torchancen 2,69 Treffer erwartet werden, vom FC Zürich nur 1,43. Das Resultat lautete aber am Ende 1:3 zu Gunsten der Gäste. Das Spiel lief komplett für den FC Zürich mit einem frühen Führungstreffer durch einen abgelenkten Schuss, dann ein Penalty kurz vor der Pause und das 3:1 kurz nachdem St. Gallen-Trainer Peter Zeidler mit dem Wechsel „Guillemenot für Stergiou“ in der 71. Minute das Risiko wesentlich erhöht hatte. Der FCZ vermochte im Kybunpark im Vergleich zum 2:1-Heimsieg gegen den gleichen Gegner nur 58% so viele Top-Offensivaktionen zu verzeichnen. Das Eckballverhältnis war 10:3 zugunsten des FCSG. Nach einem Corner entstand dann auch das einzige St. Galler Tor per Penalty. Dieses wäre allerdings wohl irregulär gewesen, denn der im Strafraum von Mirlind Kryeziu gefoulte Silvan Hefti stand beim Zuspiel von Boris Babic mit grosser Wahrscheinlichkeit im Offside.

Allerdings war gleichzeitig auf der anderen Seite auch der Penalty für den FCZ in der 44. Minute sehr streng gepfiffen. Wie wichtig die Rückkehr der im St. Gallen-Spiel gesperrten Blaz Kramer und Aiyegun Tosin ins Team war, zeigte sich unter anderem bei den Toren. Tosin erzielte den dritten, Kramer bereitete sowohl den ersten wie auch den zweiten Treffer vor. MVP Antonio Marchesano war an allen drei Treffern entscheidend beteiligt. Genauso Marco Schönbächler, dem allerdings im Gegensatz zu Marchesano in seinen übrigen Aktionen praktisch nichts gelang und der defensiv auf seiner linken Seite im Mittelfeld Hefti und Görtler so gut wie nie bremsen konnte. Schönbächler, der schon gegen Servette eine Woche davor der schlechteste Zürcher gewesen war, eignet sich somit als Symbolfigur für einen einerseits glücklichen, aber auch dank der richtigen Taktik und Einstellung zustandegekommenen FCZ-Auswärtssieg. Genauso wie in einem anderen Sinne Nathan, der 73% seiner Zweikämpfe gewann, aber nur 36% seiner Pässe zu einem Mitspieler befördern konnte. Etwa das Gegenstück zu Nathan ist beispielsweise der eingewechselte Mahi, welcher 60 Meter-Bälle von Yanick Brecher elegant aus der Luft mitnahm oder weiterleitete, gleichzeitig aber Zweikämpfen, speziell solchen in der Luft, weiterhin konsequent aus dem Weg ging.

In St. Gallen spielte der FCZ so wenige Pässe (241) wie noch nie in dieser Saison und hatte im Vergleich mit den anderen Saisonpartien die mit Abstand schlechteste «Passgenauigkeit» (65.15%) zu verzeichnen. Das lag nicht an mangelnder Konzentration, sondern daran, dass der FCZ bei Ballgewinn jeweils möglichst schnell und direkt umschaltete. Es kam auf FCZ-Seite zu einer Saisonrekordzahl von 146 Ballverlusten, davon ebenfalls rekordhohe 48 Ballverluste im Verteidigungsdrittel. Normalerweise überlebt man solche Statistiken gegen St. Gallen nicht, aber die Grün-Weissen hatten an dem Tag das Zielwasser schlecht eingestellt und brachten nur sechs ihrer 27 Abschlüsse (St. Galler Saisonrekord) aufs Zürcher Gehäuse. Auch die Verhältnisse bezüglich Ballbesitz waren eindeutig – noch nie zuvor in dieser Saison hatte der FCZ das Leder nur zu 33.93%, also halb so lange wie der Gegner, in seinem Besitz gehabt.

St. Gallen – FCZ 1:3 (1:2)

Tore: 3. Schönbächler (Kramer) 0:1, 28. Quintilla (Penalty, S. Hefti) 1:1, 44. Marchesano (Penalty, Kramer) 1:2; 74. Tosin (Marchesano) 1:3.

St. Gallen: Stojanovic; S. Hefti, Stergiou (71. Guillemenot), Letard, Muheim; Quintilla: Görtler, Ruiz; Itten; Babic (84. Staubli), Demirovic.

FCZ: Brecher; Rüegg, Nathan, M. Kryeziu, Pa Modou; Sohm, Domgjoni; Tosin, Marchesano (79. Janjicic), Schönbächler (89. Kololli); Kramer (53. Mahi).