In Luzern tritt der FCZ zum sechsten Mal in Folge mit derselben taktischen Formation und fast dem gleichen Personal an. Nur Bangura und Maxsø ersetzen im Vergleich zum Thun-Heimspiel den gesperrten Alain Nef und den Startelfdébutanten Becir Omeragic. Gegen Xamax und Thun war der Stadtclub zuletzt erstmals seit September zu zwei Siegen in Folge gekommen und hat den Klassenerhalt klar gemacht. Die beiden «Dreier» kamen aber wie in den jeweiligen Spielanalysen auf Züri Live analysiert durch günstige Umstände zustande: Xamax vor allem in Person des ehemaligen FCZ-Juniors Xhemajli verteidigte im Vergleich zu den anderen Partien unter Trainer Stéphane Henchoz ungewöhnlich nachlässig und der FC Thun war in Gedanken schon beim Cupfinal..

Beim formstarken FC Luzern konnten nun aber die aktuellen Schwachpunkte im Zürcher Team nicht verschleiert werden. An erster Stelle im Mittelfeld mit Schulz, Ndenge und Voca hatten die Innerschweizer im Duell mit Sertic, Rüegg und Marchesano deutliche Vorteile. Schulz und Ndenge gewannen viele Bälle und machten Druck nach vorne. Grégory Sertic liess auch in Luzern die wichtige Sechserposition häufig über längere Zeit verwaist. Vor dem 0:1 durch Ruben Vargas beispielsweise liess sich der Franzose von Marvin Schulz ganz an die rechte Seitenlinie herauslocken (siehe Standbild unten), was Tsiy Ndenge zentral viel Raum für seinen Vorstoss eröffnete. Kevin Rüegg reagierte ausserdem wie häufig in der Rückwärtsbewegung (unter anderem auch vor dem 0:3) einen Tick zu spät. Auch die Abwehrspieler Maxsø (von Eleke) und Bangura (von Demhasaj) liessen sich in der Szene des 0:1 ganz auf die rechte Abwehrseite locken, so dass Mirlind Kryeziu gegen den anstürmenden Ndenge das Zentrum besetzen musste. Dadurch hatte Ruben Vargas über die linke Zürcher Abwehrseite enorm viel Platz beim erfolgreichen Abschluss an der Strafraumgrenze – denn auch Benjamin Kololli hatte bei diesem sehr gut herausgespielten Luzerner Angriff einen Tick zu spät reagiert.

Luzern spielte in der 1. Halbzeit exzessiv meist die gleiche Angriffsvariante mit langen Bällen von links hinten (Sidler, Ndenge, Custodio) nach rechts vorne (Vargas, Eleke) und hatte mit einer solchen Aktion auch beim 0:2 durch Blessing Eleke in der 29. Minute Erfolg. Auch bei diesem Treffer stammte die Vorarbeit vom ehemaligen deutschen U20-Nationalspieler Tsiy William Ndenge. Luzern setzte so erfolgreich auf eine verwundbare linke Zürcher Seite mit Kololli und Mirlind Kryeziu. Die Anzahl der Top-Offensiv- und Defensivaktionen des FCZ waren auf ähnlichem Niveau wie in den letzten Spielen, aber die Anzahl Fehler vor allem von Sertic, Kololli, Schönbächler und Mirlind Kryeziu deutlich höher und der Gegner nutzte diese auch konsequenter aus. Umaru Bangura und Kevin Rüegg stopften in der Ersten Halbzeit noch viele Löcher und zeigten Initiative im Spiel nach vorne, aber nach der Pause liessen Rüegg verletzungsbedingt (Schulter) und Bangura konzentrationsbedingt ebenfalls nach.

Auch beim Verhalten in den Zweikämpfen und beim Blocken von Schüssen und Pässen waren gerade im Mittelfeld Unterschiede erkennbar zwischen den konsequent agierenden Luzernern und immer wieder den Fuss weg- und den Kopf einziehenden Zürchern wie Sertic, Schönbächler oder Kololli. Sidler, Christian Schwegler und später der eingewechselte Christian Schneuwly provozierten die Zürcher Spieler immer wieder mit kleinen Schlägen und Checks – Kololli liess sich dabei gegen Schwegler mitten in einem eigenen Angriff vor dem gegnerischen Strafraum zu einem Revanchefoul hinreissen. Damit unterband er unnötigerweise eine Top-Chance von Odey an der Fünfmetergrenze und hätte zusätzlich eine Gelbe oder gar Rote Karte für die Aktion sehen können. «Sehen können» ist das Stichwort für Ref Lionel Tschudi, welcher wie üblich viele heisse Szenen gar nicht mitzubekommen schien, unter anderem als in der 1. Halbzeit Lucas und in der 2. Halbzeit Sidler im eigenen Stafraum den Ball leicht mit der Hand spielten.

Zum Start der 1. Halbzeit war der FCZ gar nicht so schlecht ‘’aus den Boxen gekommen’’ mit zwei guten Konterchancen, wobei Lucas bei der zweiten den nachsetzenden Ceesay anschoss und von dessen Bein der Ball knapp am Pfosten vorbeiprallte. Noch nicht ganz wach zu Beginn war allerdings Benjamin Kololli gewesen, der beim ersten gegnerischen Eckball in der 1. Minute etwas gedankenverloren vor dem eigenen Strafraum herumstand, statt seinen Gegenspieler Sidler zu decken. Kololli wurde zusammen mit Sertic aufgrund der langsamen Ballverarbeitung von den Luzernern immer wieder als beliebtes Pressing-Opfer ausgewählt.

Die Serie mit verletzungsbedingten Auswechslungen beim FCZ in der 1. Halbzeit geht munter weiter – diesmal traf es nach einem Fehltritt Assan Ceesay schon früh in der 13. Minute. Nach der Hereinnahme von Levan Kharabadze für Mirlind Kryeziu in der 37. Minute stellte man vom 3-5-2 auf ein 4-1-4-1 um mit Kevin Rüegg als Aussenverteidiger, Stephen Odey und Benjamin Kololli auf den Seiten im Mittelfeld und Marco Schönbächler im Zentrum neben Antonio Marchesano. Während ‘’Schönbi’’ während dem Zweiten Durchgang praktisch nicht präsent war, gehörte der umtriebige Antonio Marchesano zu den wenigen Aktivposten beim Letzigrund-Team. Aber nur Marchesano alleine vermochte gegen das stärkere Luzerner Mittelfeld schlussendlich auch nichts auszurichten, obwohl er mit einem scharfen Kopfball nach guter Kharabadze-Flanke die beste Zürcher Torchance auf dem Kopf hatte.

 

Luzern – FCZ 3:0 (3:0)

Tore:  8. Vargas (Ndenge) 1:0, 29. Eleke (Ndenge) 2:0; 51. Vargas (Schulz) 3:0.

Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Custodio, Sidler; Voca, Schulz, Ndenge; Vargas (71. Schneuwly), Demhasaj (63. Schürpf), Eleke (87. Lustenberger).

FCZ: Brecher; Maxsø, Bangura, M. Kryeziu (37. Kharabadze); Schönbächler, Sertic, Kololli; Rüegg (77. Omeragic), Marchesano; Ceesay (13. Kasai), Odey.

 

(Standbild: Teleclub)

 

Vor dem kapitalen Direktduell gegen den Barrageplatz zwischen Xamax und FCZ war viel vom Ausfall Raphael Nuzzolos die Rede. Weniger thematisiert wurden die ebenfalls wegen Sperre fehlenden Stephen Odey und Igor Djuric. Der Ausfall von den dreien, welcher letztenendes am stärksten ins Gewicht fiel, war derjenige des unauffälligen Tessiners Djuric. Beide Zürcher Tore wurden über die Seite von dessen Ersatz Arbenit Xhemajli (und Janick Kamber) kreiert, wobei es sich beim zweiten um einen schnellen Gegenstoss handelte, bei welchem Xhemajli noch nicht in seine Position zurückgeeilt war. Zwei Mal musste dieser zusehen, wie sein ehemaliger Teamkollege Kevin Rüegg aus dem 98-er Jahrgang im Zürcher Nachwuchs innerhalb von sieben Minuten seine ersten zwei Super League-Tore erzielte. Bereits anlässlich der analogen Wende vom 0:1 zum 2:1 zugunsten des FCZ im März im Letzigrund hatte Xhemajli bei beiden Zürcher Treffern keine gute Falle gemacht. «Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir besser verteidigen» meinte denn auch nach dem Spiel der langjährige Liverpool-Verteidiger und aktuelle Xamax-Coach Stéphane Henchoz.

Bei aller Euphorie über den Sieg in Neuenburg darf man daher nicht vergessen, dass der FCZ zur Zeit nur in der Lage ist, Tore zu erzielen, wenn es beim Gegner in der Verteidigung einen solchen Schwachpunkt gibt – wie zum Beispiel Quentin Maceiras’ schlechte Verteidigungsarbeit beim Eckball gegen Sion, wo der sich als einziger Zürcher im Strafraum überhaupt nicht vom Fleck bewegende Stephen Odey trotzdem freistehend einköpfen kann. Oder GC’s Aleksandar Cvetkovic, welcher mit schlechtem Stellungsspiel im Derby Assan Ceesay den 1:0-Führungstreffer ermöglicht. Als Regel gilt: verteidigen beim Gegner alle Abwehrspieler auf Super League-Niveau, gelingt dem FCZ aktuell kein Treffer. Für eine allfällige Barrage, die immer noch möglich ist, wäre immerhin der Vorteil für den FCZ oder einen anderen Super League-Klub, dass Aarau und Lausanne zwar ein Super League-reifes Mittelfeld und Angriff haben, in der Verteidigung hingegen eher Akteure vom Schlage Cvetkovic, Xhemajli oder Maceiras in der Aufstellung stehen.

Während man bedauern kann, dass die Offensivqualität des FCZ aktuell nicht zu mehr reicht, kann man gleichzeitig immerhin positiv vermerken, dass das Team zumindest solche Schwachpunkte beim Gegner auszunutzen vermag. Obwohl der erste Treffer Kevin Rüeggs aus einem Spielaufbau und der zweite nach einem schnellen Gegenstoss entstand, waren beide Male mit Rüegg, Ceesay, Marchesano und Schönbächler zu grossen Teilen die gleichen Akteure beteiligt. Speziell das ungleiche Duo Antonio Marchesano (1,68m) / Assan Ceesay (1,88m) ist hier hervorzuheben – Gegensätze ziehen sich an. Vor dem 1:1 waren beide je drei Mal am Ball, spielten sich im Mittelfeld auf der Seite gegenseitig den Ball zu, bis die Gegenspieler herausgelockt und der Raum für einen Steilpass offen war. Auch beim 2:1 war der Laufweg und die Schnelligkeit Ceesays und der gut geschlagene Ball Marchesanos in die Tiefe entscheidend, um die gegnerische Unorganisation in der Rückwärtsbewegung konsequent auszunutzen.

In der Ersten Halbzeit hatte der FCZ nur einen einzigen Abschluss durch Schönbächler zu verzeichnen gehabt. Nach dem 0:1-Rückstand wurde die Zurückhaltung dann aber abgelegt. „Es gibt Mannschaften, die hätten dieses Spiel in dieser Situation nicht mehr gedreht“ fand Zürichs René Van Eck nach der Partie neben einigen Kritikpunkten durchaus auch Lob für sein Team. Ab der 60. Minute kam der FCZ in einen Flow. Marchesano, der im Zentrum jeweils den ein oder anderen Ball verloren hatte, zog sich in Ballbesitz auf eine speziell auch dank des gegnerischen 3-5-2 geschütztere Position auf der Seite zurück und leitete so dank Raum und Zeit im Spielaufbau die erste Topchance von Kasai und beide Zürcher Treffer mit präzisen Zuspielen ein. Erstaunlich beim Ausgleich die präzise Rücklage Assan Ceesays mit seinem schwächeren Rechten Fuss, worauf Kevin Rüegg den Ball mit seinem schwächeren Linken Fuss direkt fast optimal traf und (wohl glücklicherweise) dank seiner Schnelligkeit vor dem ebenfalls Richtung Ball stürmenden Benjamin Kololli vor Ort war. Beim 2:1 leitete Ceesay mit Rechts den Ball gar in einer ausgezeichneten 135 Grad-Drehung direkt auf den eingewechselten Yann Kasai weiter, welcher überlegt und erfolgreich für Kevin Rüegg auf dessen starken Rechten Fuss ablegte.

Gerade die Hereinnahme von Yann-Aimé Kasai erlaubte Ceesay häufiger über die Seite auszuscheren, wo sich der Gambier besser in Szene setzen kann. Auch schon in anderen Partien zuletzt, unter anderem dem 1:0-Heimsieg gegen Sion, ist Ceesay im Verlauf der Partie vermehrt über den Flügel gekommen. In seinem dritten Einsatz in der 1. Mannschaft des FCZ hatte der Neuenburger Kasai gegen seinen Stammklub Xamax zwei Mal gut vorbereitet von Assan Ceesay zuvor zwei Chancen auf den Ausgleich nicht nutzen können. Kevin Rüegg begann die Partie als Rechter Aussenläufer. In der Ersten Halbzeit brachte der Zürcher Captain so zehn seiner insgesamt 16 Top-Aktionen auf den Platz. Nach der Einwechslung Yann Kasais für Toni Domgjoni in der 55. Minute übernahm Rüegg Domgjonis Achter-Position neben Antonio Marchesano auf welcher er schon beim 0:1 in Sion von Beginn weg agiert hatte. Hier hatte Rüegg weniger Top-Aktionen, dafür die entscheidenden. Grégory Sertic blieb auf der Sechser-Position. Dies im Gegensatz zum 0:3 zuletzt in Basel, als Rüegg als „Sechser“ und Sertic zusammen mit Domgjoni auf den beiden Achter-Positionen aufgelaufen waren. Dieser Unterschied war entscheidend: hätte Rüegg wie im St. Jakob Park auf der Sechser-Position gespielt, hätte es die beiden Tore nicht gegeben. Sertic und Marchesano haben  nicht den Speed von Rüegg, welcher gegen den manchmal etwas unaufmerksamen einzigen Xamax-Sechser Serey Dié die Lücken zu nutzen vermochte. Züri Live-MVP Rüegg hatte allgemein einen grossen Aktionsradius und half in der Zweiten Halbzeit speziell auf der linken Seite Kolollis mehr als einmal in der Defensive aus, um weiteres Ungemach zu verhindern.

Der FCZ hatte Vorteile beim Passspiel, während Xamax mehr Zweikämpfe gewann. In der oberen Etage war die Neuenburger Überlegenheit mit 70% gewonnenen Luftduellen gar eklatant. Dementsprechend stellte sich der FCZ darauf ein und brachte im ganzen Spiel lediglich fünf Flanken in den Strafraum – man versuchte die Bälle tendenziell lieber halbhoch oder flach vor den Strafraum zu spielen. Umaru Bangura opferte sich für die Mannschaft und verletzte sich bei zwei Rettungsaktionen in der Ersten Halbzeit – die erste nach einer gedankenlosen Rückgabe von Grégory Sertic und die zweite im Anschluss an einen Ballverlust Alain Nefs in der Vorwärtsbewegung. Bei der zweiten Aktion rempelte er an der Seitenlinie den sich im vollen Lauf befindlichen Kemal Ademi um. Der Tages-Anzeiger, offenbar beeindruckt von Ademis bei Valentin Stocker abgeschauter Theatralik hätte in dieser Szene fälschlicherweise einen Platzverweis ausgesprochen – Gelb war korrekt. So lange der Schiedsrichter richtig entscheidet, ist es ja noch ganz amüsant, zuzuschauen, wie einem auf den Boden fallenden Spieler erst etwas spät noch in den Sinn kommt, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, einen Platzverweis für einen Gegenspieler herauszuschinden, und dann wie in einer Primarschulturnübung mit seitlichen Bodenrollen selbständig am Boden Tempo aufnimmt, sich das überhaupt nicht getroffene Knie hält, und eine schmerzverzerrte Grimasse reisst. Dafür hätte es einen Platzverweis gegen Walthert nach dessen Handspiel ausserhalb des Strafraums geben müssen. Für Bangura kam Maxsø – kein anderes Team hat so viele verletzungsbedingte Wechsel bereits in der Ersten Halbzeit zu verzeichnen – in den letzten sechs Super League-Partien waren es vier.

Benjamin Kololli unterliefen zwischen der 41. und der 58. Minute fünf kapitale Ballverluste, die alle zu exzellenten Gegenstossmöglichkeiten für Xamax führten – eine davon zum Neuenburger Führungstreffer in der 49. Minute. Schönbächler, Marchesano und Sertic gewinnen nach einem kurz gespielten Freistoss Serey Diés mit durchdachtem lokalem Mittelfeldpressing den Ball, über Kololli und Marchesano kommt dieser zu Ceesay, der das Leder gut auf Kololli weiterleitet und gleichzeitig von Oss „gecheckt“ wird. Schiedsrichter Schärer lässt zu Recht Vorteil laufen, denn Kololli ist in einer ausgezeichneten Position, hat mit dem sich noch nicht in Bewegung befindlichen Sejmenovic und Xhemajli nur noch zwei Gegenspieler vor sich und vier gute Optionen zur Verfügung: 1) selbst mit Ball und Tempo durch die Lücke zwischen Sejmenovic und Xhemajli durchzubrechen, 2) rechts Domgjoni ins Laufduell mit Xhemajli Richtung Tor zu schicken, 3) mit Domgjoni Doppelpass zu spielen, oder 4) auf der linken Seite den viel Raum vor sich findenden schnellen Schönbächler mitzunehmen. Stattdessen führt Kololli den Ball gemächlich vorwärts und läuft schlussendlich in einem Pulk von vier zurückgeeilten Xamaxiens auf, und verliert den Ball gegen Sejmenovic. Die Kugel landet bei Kamber auf der linken Xamax-Seite. Dieser spielt der Seitenlinie entlang einen langen hohen Ball mit viel Drall nach vorne. Pululu deckt den direkten Zugriff zum Ball gegenüber Maxsø geschickt ab. Durch den starken Drall nimmt das Leder beim Aufspringen auf dem Kunstrasen eine starke Richtungsänderung. Beim Versuch diese abrupte Richtungsänderung mitzuvollziehen, rutscht Maxsø aus und muss Pululu ziehen lassen – Ademi lenkt Pululus Hereingabe ins halbleere Tor. Es waren 17 Sekunden, welche im Normalfall den FCZ sehr stark in die Bredouille gebracht hätten. Es ging nochmal gut,  aber so eine Wende gelingt nicht häufig. Mit solch wiederholt vermeidbaren Fehlern schlussendlich das wichtige 0:1 zu kassieren ist nicht akzeptabel.

Am Mittwoch kommt der FC Thun in den Letzigrund. Bei diesem bringen die vor kurzem auf den Platz zurückgekehrten Matteo Tosetti und Moreno Costanzo deutlich mehr Qualität in die Offensive als noch in den Wochen zuvor. Die Defensive verzeichnet vor allem im Zentrum und teilweise auch bei Standards aktuell aber gewisse Schwachstellen. Thun hat mit seinem 1:0-Heimsieg gegen Lugano den Klassenerhalt zu 98% in der Tasche, da Sion und Xamax Mittwochs parallel in der Direktbegegnung aufeinandertreffen. Selbst im für Thun schlimmsten Fall (Niederlage im Letzigrund, Xamax gewinnt in Sion) hätten die Berner Oberländer immer noch zwei Runden vor Schluss sechs Punkte Vorsprung auf den Barrageplatz und zusätzlich ein ziemlich beruhigendes Polster in Punkto Tordifferenz (ca. +10) – auch wenn Sion in der zweitletzten Runde noch bei GC spielen darf und zum Abschluss Thun zur Direktbegegnung empfängt. Gegen Thun hat der FCZ genauso wie im Vergleich mit dem anschliessenden Gegner Luzern in dieser Saison bisher eine positive Bilanz und vor allem ungewöhnlicherweise schon sechs Tore erzielt (gegen Luzern gar sieben). Ohne den gesperrten Bangura könnten bei einer Dreierkette die in Neuenburg am Ende des Spiels auf dem Platz stehenden Nef, Maxsø und Mirlind Kryeziu auflaufen. Eine zu bedenkende Alternative gegen die konterstarken Thuner ist der schnelle Becir Omeragic als Bangura-Ersatz an Stelle von einem dieser drei – oder auf der Rechten Seite.

Xamax – FCZ 1:2 (0:0)

Tore:  49. Ademi (Pululu) 1:0, 77. Rüegg (Ceesay) 1:1, 84. Rüegg (Kasai) 1:2.

Xamax: Walthert; Sejmenovic, Oss, Xhemajli (86. Karlen); Gomes, Serey Dié, Kamber; Doudin, Pickel (46. Di Nardo); Pululu (83. Ramizi), Ademi.

FCZ: Brecher; Nef, Bangura (38. Maxsø), M. Kryeziu; Rüegg, Sertic, Schönbächler (88. Omeragic); Domgjoni (55. Kasai), Marchesano; Ceesay, Kololli.

 

(Standbild: Teleclub)

Berechtigte Zurechtweisung und Kritik gibt es in verschiedenen gesellschaftlichen Konstellationen. Der Richter gegenüber dem Angeklagten, die Eltern gegenüber ihren Kindern, Lehrer bei Schülern oder Arbeitgeber mit Mitarbeitern. Basis dafür ist erstens die gesetzlich legitimierte Autorität und zweitens ein hohes Mass an Kompetenz und Wissen. Sportjournalisten und -medien haben keine gesetzlich legitimierte Autorität. Sie sind alle selbsternannte Kritiker. Daher wäre es umso wichtiger, dass dafür wenigstens ein hohes Mass an Kompetenz und Wissen vorhanden wäre.

Wer die sportliche Führung eines Super League-Klubs kritisiert, müsste eigentlich selbst journalistisches Super League-Niveau an den Tag legen – im Minimum. Die Zweifel mehren sich Tag für Tag, ob diese Voraussetzungen auf dem Platz Zürich wirklich gegeben sind. Zeitungsartikel über den hiesigen Fussball erinnern eher an einen Vater, der seinen kleinen Sohnemann dafür kritisiert, die Schuhbändel nicht geschnürt zu haben, dabei ist dessen Schuhwerk mit Klett-Verschluss ausgerüstet. So ein Gefühl erschleicht den Leser des Artikels von Thomas Schifferle (und Florian Raz) über den FC Zürich im Tages-Anzeiger. Da heisst es zum Beispiel:

«Auf einmal ist Neuenburg der Nabel für die Zürcher Fussballwelt. Aus Neuenburg kommt der Xamax FCS, der letzten Sommer Aufsteiger in die Super League war und gleich als erster Kandidat auf den Abstieg gehandelt wurde.»

Was soll man dazu sagen? Ja, Xamax wurde als Absteiger gehandelt – vor allem in den Massenmedien. Der FCZ hingegen hatte in der Challenge League-Saison vier heisse und enge Duelle mit Xamax ausgefochten und kannte schon vor der Saison die Qualitäten dieser Mannschaft sehr gut.

Weiter wird im «Tagi» mit grossem Bedauern über das Fehlen von Xamax’ Raphaël Nuzzolo am kommenden Samstag lamentiert:

«Sein einziges Glück ist, dass ­Xamax auf seinen überragenden Topskorer Raphaël Nuzzolo verzichten muss, weil er in Thun für ein Dutzendfoul verwarnt wird und darum gesperrt ist.»

Nuzzolo traf mit gestrecktem Bein nur den Mann. Ein nicht weniger schwerwiegendes Foulspiel, als beispielsweise dasjenige, welches zur Gelb-Roten Karte des Thuners Chris Kablan führte.

Weiter im Text:

«In Zürich dachten sie bei GC und beim FCZ nicht im Traum daran, dass sie diese Saison in Tabellenregionen landen würden, wo Xamax erwartet wurde. Europa League hiess ihre Vision, Platz 4. Ein Leben auf grossem Fuss. Zürcher Träume halt.»

Was soll hier auf salopp-populistische Weise ausgedrückt werden? Doch nicht etwa ein Zürich-Bashing im Facebook-Kommentar-Stil? Und das in einer Zeitung mit dem Zürcher Wappen im Logo? Jeder in dieser Liga träumt vom Europacup und dies völlig zurecht, denn alle Super League-isten haben da schon gespielt, und für viele, darunter auch für den FCZ, ist das noch nicht so lange her… – etwas mehr als zwei Monate, um es genau zu sagen.

«GC und der FCZ zahlen für die gleiche Schwäche: ihre fatale Verblendung.»

Zumindest in Bezug auf den FCZ trifft der Begriff «Verblendung» sicherlich nicht zu. Die Ziele, die er sich aktuell gesetzt hat, hat er auch in der Ära Canepa schon mehrmals erreicht. Man jagt also keine Fata Morgana.

«Je 20 Millionen geben sie aus, um in der Super League zu spielen. Den Misserfolg könnten sie auf jeden Fall auch billiger haben.»

FCZ und GC spielen nicht nur in der Super League, sondern zusätzlich in der Promotion League / 1. Liga, Nationalliga A (Frauen) und Dutzenden von Junioren- und Juniorinnenligen. 20-23 Millionen ist der Aufwand für den Gesamtverein inklusive Nachwuchs, Frauen, Trainingszentrum, (Stadion-)Mieten, Sicherheit, Reisen, Administration und so weiter. St. Gallen hat ca. 27 Millionen Gesamtaufwand, Luzern 25 Millionen und selbst der «kleine FC Thun» in einem preislich vergleichsweise günstigen Umfeld im Berner Oberland kommt auf mehr als 13 Millionen. Die laufenden Ausgaben für die 1. Mannschaft liegen für alle Super League-Teams ausser Basel, YB (und Sion) im einstelligen Millionenbereich oder knapp darüber. Die finanziellen Unterschiede unter den Teams auf den Rängen 3-10 sind klein im Vergleich zur Diskrepanz nach oben – und dies wird durch die aktuellen Punkteabstände ziemlich genau wiedergegeben. Gemessen an den Cuptiteln und Europacupteilnahmen der letzten Jahre hat der FCZ deutlich mehr aus seinen finanziellen Möglichkeiten herausgeholt, als mancher Ligakonkurrent.

«Bei den Grasshoppers beginnt das noch ein wenig früher als beim FCZ, vor fünf Jahren schon, als Stephan Anliker Präsident wird. Mit seinem Namen steht er für ihren Zerfall. Er steht für den fatalen Hang bei GC, aufs falsche Personal zu setzen. Das beginnt beim CEO (Manuel Huber), geht weiter über die diversen Sportchefs (Rapic, Thoma, Huber, Walther) und Trainer (Bern­egger, Yakin, Fink und Stipic) bis zu den Spielern.»

Sind Bernegger, Yakin, Fink und Stipic wirklich pauschal schlechte Trainer? Und Rapic, Thoma, Huber und Walther alle schlechte Sportchefs? Praktisch alle diese Personen haben im Verlauf ihrer Karriere auch schon erfolgreich als Trainer oder Sportchef gearbeitet. Dass die jetzigen Resultate schlecht sind, weiss jeder. Aber lag es wirklich an der grundsätzlichen Qualität des Trainer- und Sportchef-Personals? Und wie genau kommt der «Tagi» zu diesem Schluss? (Zeigefinger anfeuchten und in die Luft halten gilt als Antwort nicht)

«Was die Spieler betrifft, ist die Liste fast ein Buch lang. Wer das aktuelle Kader anschaut, der kann nur den Kopf darüber schütteln, was sich Mathias Walther und Thorsten Fink bei seiner Zusammenstellung gedacht haben. Im Dezember zum Beispiel sagte Fink noch, ein, zwei Spieler würden sie noch holen, nicht mehr. Und was passierte? Sechs kamen, aber alle sechs sind Fehlgriffe, ­angefangen bei den teuersten: ­Yoric Ravet und Caiuby.»

«Gedacht» haben sich Walther und Fink genauso wie alle anderen Sportlichen Verantwortlichen in der Super League sicherlich sehr viel. Sie haben einen Souleyman Doumbia definitiv übernommen und diesen dann nur ein halbes Jahr später für das Zehnfache weiterverkaufen können. Sie haben Spieler für die bei hiesigen Fussballexperten und -journalisten so gerne zitierte «Achse», das Grundgerüst der Mannschaft geholt, wie Raphael Holzhauser, Arlind Ajeti, Nathan oder Marco Djuricin. Dazu für Super League-Verhältnisse durchaus überdurchschnittliche Talente wie Diani, Goelzer oder Ngoy.

Wenn es geklappt und die Mannschaft zusammengefunden hätte, hätte der «Tagi» von «weitsichtiger Transferpolitik mit System» geschrieben. Nun hat es aber nicht geklappt, und der Tagi kann wichtigtuerisch «nur den Kopf darüber schütteln». Ohne als Beweis einen Artikel vorweisen zu können, in welchem man schon zum Zeitpunkt der Verpflichtung von Spieler X oder Spieler Y gewusst hat, dass dieser wegen Grund A, B und C nichts reissen wird.

Ganz im Gegenteil: im Februar schrieb nämlich der «Tagi» über Yoric Ravet: «Die willkommene Inspiration für die bisher in dieser Saison so berechenbare GC-Offensive». Und über Caiuby: «Nun ist er da, der Retter des Rekordmeisters – zumindest soll er es werden».

«Sie kamen von den Ersatz­bänken der Bundesliga mit der Vorstellung, bei GC um vordere Plätze zu spielen.»

Tatsächlich? Wie ist das zu verstehen? Ravet und Caiuby sind in der Winterpause nach Zürich gekommen, und haben sich erst nach Vertragsunterschrift darüber informiert, auf welchem Tabellenplatz GC liegt?

«Serey Dié bringt das ­Realitätsdenken zum Ausdruck, das bei Xamax vorherrscht. ­Daran kann nicht einmal mehr Präsident Binggeli etwas ändern, der sich aus dem Schatten von Trainer Stéphane Henchoz lösen will und sich zunehmend als Selbstdarsteller gefällt.»

Im Februar schrieb der Tages-Anzeiger zum Trainerwechsel von Michel Decastel zu Stéphane Henchoz: «Man wolle mit der Trainerentlassung für den «notwendigen Elektroschock sorgen, damit die Mannschaft für die nächsten wichtigen Spiele neue Energiezufuhr erhält», erklärte Xamax-Präsident Christian Binggeli den eher unerwarteten Schritt. Vorerst übernimmt Decastels bisheriger Assistent Stéphane Henchoz die Mannschaft. Der 44-jährige frühere Internationale und Verteidiger von Liverpool war noch nie in der Super League als Cheftrainer tätig.»

Weitherum haben Journalisten und Experten im Februar Präsident Binggeli für dessen Trainerwechsel von Decastel zu Henchoz kritisiert. Nun bezeichnen dieselben Experten Binggeli als «Selbstdarsteller», weil er den Vertrag mit Henchoz nicht verlängert… Wir reden hier zudem von demjenigen Binggeli, der Xamax mit seinem kleinen Team von der 2. Liga Interregional zurück in die Super League geführt hat. Und welcher zu 100% demjenigen Präsidententypus entspricht, nach welchem nach der Ära Chagaev alle verlangt hatten: vernünftig wirtschaftend, systematisch planend, langfristig orientiert, über den aktuellen Totomat hinausgehend, mit viel Realismus, Step by Step. Eben genauso einer, der aufgrund der Planungen im Juniorenbereich unabhängig von Abstieg oder Klassenerhalt einen dazu passenden Coach wie Joël Magnin für die Profis holt, und sich bewusst ist, dass die aktuelle Mannschaft trotz der aktuellen Erfolgswelle ihren Zenit bald überschritten haben wird.

«Bei GC müssen nun Stephan Rietiker als Präsident und Uli Forte als Trainer die Scherben aufkehren. Die Schuldigen dagegen lassen es sich gut gehen. Walther postet Bilder aus Istanbul, während GC leidet, Fink kassiert selbst nach seiner Entlassung 44’000 Franken im Monat.»

Und was ist genau der Vorschlag? Reiseverbot für alle ehemaligen Sportchefs? Freiwilliger Lohnverzicht für ehemalige Trainer? Einen Profi-Fussballklub zu führen, ist um ein vielfaches schwieriger, als Zeitungsartikel zu schreiben. Es reicht, ein klein bisschen schlechtere Entscheidungen getroffen zu haben, als die Mitkonkurrenten, und man steigt ab. Auch ganz ohne, dass es Scherben gegeben hat, oder dass man im Strafrechtsjargon gleich von «Schuldigen» sprechen muss.

«Und der FCZ? Ach, dieser FCZ!»

Achtung! Jetzt wird’s dramatisch!

«Er hat sich bei den Transfers genauso verkalkuliert wie GC. Spätestens im Winter hätte er darauf reagieren müssen, dass er nach den Abgängen von Raphael Dwamena und Michael Frey im letzten Sommer keine Stürmer hat, die zu seinen Plänen passen.»

Der Gambische Nationalspieler Assan Ceesay ist ein ähnlicher Stürmertyp wie Raphael Dwamena. Beide sind schnell und bringen mit ihrem Rechten Fuss wenig zustande. Ceesay hatte in der Vorrunde verletzungsbedingt wenig gespielt und war im Winter wieder gesund. Einen Michael Frey verpflichten zu können, war hingegen für einen Klub mit den Möglichkeiten des FCZ ein Glücksfall –  dank dessen Situation bei YB und der persönlichen Beziehung zum damaligen Trainer Uli Forte. Genauso war es Pech, ihn im letzten Herbst kurz vor Transferschluss abgeben zu müssen. Wegen des Wertverfalls der Türkischen Lira mussten die Spitzenklubs vom Bosporus ihre Stars verkaufen. Plötzlich gab es für jemanden wie Frey kurzfristig die Chance, zu einem Grossklub wie Fenerbahce wechseln zu können, wo nicht lange zuvor noch ein Giuliano, Emenike oder Robin Van Persie gestürmt hatten. Der Tages-Anzeiger hätte den FCZ ganz sicher kritisiert, wenn dieser Frey gezwungen hätte, in Zürich zu bleiben, und dessen Leistungen dann nicht mehr gepasst hätten. Für einen Klub wie den FCZ ist es alles andere als selbstverständlich, einen solchen Stürmer adäquat ersetzen zu können – und in einem Wintertransferfenster sowieso praktisch unmöglich. Versucht hat mans sicherlich.

«Er holte Spieler, ja, aber für die U-21, weil er da angeblich unterbesetzt war. «

«Angeblich»? Der FCZ hat schon seit vielen Jahren Mühe, Stürmer mit dem benötigten Level aus der U18 in die Promotion League-Equipe zu bringen. Entweder sie werden schon vorher von einem ausländischen Klub abgeworben, oder es ist im jeweiligen Jahrgang gar kein Stürmer auf diesem Niveau vorhanden. Nur drei Super League-Klubs unterhalten eine Promotion League-Mannschaft. Basel ist schweizweit top in der Entwicklung junger Stürmer. Sion hingegen verpflichtet einen grossen Teil seiner U21 extern. Der FCZ wiederum bringt auf anderen Positionen viele gute Talente heraus, hatte aber seit Josip Drmic (vor bald 10 Jahren) kein Sturm-Toptalent aus der eigenen U18 mehr. Man ergänzt daher die Promotion League-Mannschaft schon seit vielen Jahren auf dieser Position mit Spielern aus auswärtigen Nachwuchsabteilungen – die Namen Jordi Nsiala, Aldin Turkes, Kilian Pagliuca oder Shpetim Sulejmani sind dem Tages-Anzeiger vielleicht ein Begriff – vielleicht aber auch nicht… Bei U21-Spielen im Heerenschürli sucht man auf jeden Fall Tages-Anzeiger Sportjournalisten jeweils vergebens. Wie kommt es daher zu dieser Einschätzung einer «angeblichen» Unterbesetzung? Fakten? Wissen? Oder eine weitere flapsige Behauptung ohne jegliche Basis?

«Dafür gibt er Victor Palsson ab. Und macht Kevin ­Rüegg zum Nachfolger des Isländers als Captain. Sportchef Thomas Bickel sagt, dieser Entscheid verkörpere die Philosophie des FCZ. Rüegg allerdings ist überfordert mit der Aufgabe, mit seinen 20 Jahren ist er alles, nur keine Führungsfigur, kein Palsson. Nicht jeder ist in diesem ­Alter ein Matthijs de Ligt.»

Wenn im Winter statt Victor Palsson Antonio Marchesano nach Deutschland gewechselt wäre, dann würde nun dieser vom «Tages-Anzeiger» in den Himmel gelobt. Palssons miserable Leistungen vor und nach der Winterpause vor Jahresfrist hatten wohl auch ihren Anteil an der damaligen Freistellung von Trainer Uli Forte. Der Isländer hat in seiner Karriere ständig den Klub gewechselt. Er wollte schon im Sommer gehen – und würde man den Leistungen Palssons heute auf dem Platz ansehen, dass er eigentlich weg wollte, würde der FCZ vom «Tagi» auch bei ihm heftig dafür kritisiert werden, ihn nicht gehen gelassen zu haben. Kevin Rüegg macht persönlich eine gute Entwicklung durch. Er hilft zugunsten der Mannschaft wegen Verletzungen im Mittelfeld aus, was auf der sportlichen Schiene kein Vorteil für ihn ist.

«Je schlechter die Resultate geworden sind, desto mehr haben Präsident Ancillo Canepa und Trainer Ludovic Magnin dazu ­geneigt, über die Schiedsrichter herzuziehen. Canepa nennt sie «dünnhäutig», ausgerechnet er»

Mit gleichen Ellen gemessen müsste man dann analog schreiben: „Der Tages-Anzeiger neigt dazu, über Ancillo Canepa herzuziehen“, denn er bezeichnet diesen ja hier ebenfalls implizit als dünnhäutig. Wäre nicht schlimm, aber dann müsste fairerweise an dieser Stelle auch eine Tagi-Einschätzung der Schweizer Fussball-Schiedsrichter folgen. Vielleicht empfindet der „Tagi“ ja einzelne Schweizer Schiedsrichter ebenfalls als dünnhäutig, aber dies zuzugeben würde die ganze Rhetorik über den Haufen werfen. Oder man hat gute Begründungen, warum dies nicht so ist.

«Magnin bezeichnet sie einmal gar als «Betrüger».»

Magnin bestreitet dies – das müsste zumindest erwähnt werden. Oder war der «Tagi» live dabei?

«Lange haben sie von zwei ­Siegen gelebt: von jenem vor einem Jahr im Cupfinal gegen YB und jenem im Oktober in der Europa League gegen Leverkusen. Magnin nutzte das, um sich als Trainer für grosse Spiele zu inszenieren. Inzwischen ist er nur noch ein Trainer für Niederlagen, acht sind es allein in der Rückrunde.»

Da wird wieder einiges verdreht, verschwiegen und misinterpretiert. Erstmal: Magnin ist als Spieler mit dem kleinen Yverdon in die Super League aufgestiegen, wurde als einer von ganz wenigen Bundesligaspielern der Geschichte mit zwei verschiedenen Klubs Deutscher Meister, ohne jemals bei Bayern gespielt zu haben – und in der Nationalmannschaft spielte er ebenfalls am besten, wenn es gegen grosse Gegner oder um wichtige Spiele ging. Als Trainer der FCZ U18 beendete er die Finalrunde auf dem fünften Platz, sein Team legte dann in den Playoffs einen Steigerungslauf hin, war in Viertelfinal, Halbfinal und Final gegen Servette, Basel und GC jeweils das bessere Team und wurde Schweizer Meister (im Bild unter anderen: Maren Haile-Selassie, Kevin Rüegg, Fabian Rohner, Bojan Milosavljevic, Dimitri Volkart, Gianni Antoniazzi, Arbenit Xhemajli). Als kurzzeitiger Co-Trainer der 1. Mannschaft gewann er an der Seite von Uli Forte den Schweizer Cup. Magnin war nie ein herausragender Spieler und als Trainer hatte er erst einen sehr kleinen Weg zurückgelegt, trotzdem riefen er und seine Teams zumindest in den «grossen Spielen» überdurchschnittlich häufig die Bestleistung ab und überzeugten durch Mentalität. Magnin als «Mann für die grossen Spiele» ist keine «Inszenierung», sondern schlichtweg Fakt aus Sicht eines aufmerksamen Chronisten. Nur für jemanden, der Magnin als Trainer noch nicht kannte und sich auch nicht mehr richtig an seine Spielerkarriere erinnern konnte, musste das seltsam klingen. «Ein Mann für die grossen Spiele» zu sein, bedeutet ja eben gerade nicht, dass man alles gewinnt – sonst wäre man ja der «Mann für alle Spiele». Es ist die Bezeichnung für jemanden, der weit davon entfernt ist, herausragend zu sein, es aber immer wieder in entscheidenden Momenten schafft, im Team über sich hinauszuwachsen. Und dies setzte sich in seiner Funktion als Cheftrainer der 1. Mannschaft fort: Meisterschaftsderby verloren, aber danach den Cup-Halbfinal gegen den gleichen Gegner gewonnen, Cupsieg im Wankdorf gegen Meisterschaftsdominator YB, einziger Sieg gegen den FCB in den letzten fünf Jahren (4:1) und in der ersten Hälfte der Europa League-Gruppenphase alle drei Spiele gewonnen. Gute erste Meisterschaftshälfte, aber dann eine Krise im Frühling.

«Der Vielredner kann ebenso wenig ausblenden, dass unter ihm kein Spieler besser geworden ist.»

Im Ernst? Yannick Brecher ist besser und konstanter als noch unter Uli Forte, Andreas Maxsø hat sich zu einem Top-Super League-Innenverteidiger entwickelt, Levan Kharabadze innert kürzester Zeit ans deutlich höhere Niveau in der Schweiz angepasst, die ultrajungen Sohm, Krasniqi und Omeragic wurden im richtigen Moment eingesetzt und überzeugten alle in grossem Masse. Der von vielen als «talentfrei» bezeichnete Fabio Dixon, welcher selbst in der U21 nicht zu den Überfliegern gehörte, kam in Neuenburg rein und rettete der Mannschaft bei seinem ersten Super League-Teileinsatz einen Punkt. Sogar Alain Nef und Andris Vanins scheinen im „hohen“ Alter wieder besser zu werden. Der von Uli Forte verschmähte Toni Domgjoni spielt als Stammspieler auf konstant gutem Super League-Niveau. Izer Aliu war vor seiner Verletzung auf gutem Weg zum Stammspieler. Dem über seine ganze Karriere hinweg immer in der Zweiten Reihe / Liga stehenden Antonio Marchesano gelangen unter Magnin im Cupfinal und gegen Leverkusen endlich die grossen Spiele, von denen er immer geträumt hatte. Auch ein Palsson oder Thelander zeigten im Cupfinal ihr mit Abstand bestes Spiel im FCZ-Dress. Benjamin Kololli, der sich bisher in seiner Karriere nie über längere Zeit auf Super League-Niveau etablieren konnte, versetzte Magnin in den Sturm, wo der Waadtländer besser zur Geltung kommt. Stephen Odey hat sich schneller als erwartet entwickelt, und Mirlind Kryeziu unter Magnin wieder an die Startelf rangekämpft. Kevin Rüegg wurde von Magnin mehrheitlich auf der Rechten Seite eingesetzt, wo Rüeggs Stärken deutlich besser zur Geltung kommen und wo er auch international auf sich aufmerksam machen konnte. Pa Modou ist konstanter geworden und schiesst neuerdings dank Sondertraining Tore mit Rechts und per Kopf. Selbst der «Forte-Spieler» Adi Winter hat seinen Züri Live-Notenschnitt diese Saison nochmal leicht gesteigert, und auch Salim Khelifi sich im Vergleich zu seiner schwierigen Zeit zuletzt in Braunschweig wieder etwas gefangen. Hekuran Kryeziu hat sich beim FCZ unter der Ägide Magnins im Offensivspiel verbessert, spielt schneller und direkter. Der in der Winterpause dazugestossene Joel Untersee zeigte nach harzigem Beginn zuletzt vor seinem zweiten verletzungsbedingten Ausfall vier Spiele in Folge gute bis sehr gute Leistungen. Assan Ceesay hat sich bis zu seinem mässigen Auftritt in Basel zuletzt Spiel für Spiel gesteigert. Lavdim Zumberi, dessen Super League-tauglichkeit in der Vergangenheit immer etwas fraglich war, zeigte in Napoli und gegen Basel erstaunlich reife Auftritte.

Nun ist es natürlich möglich, dass man bei einzelnen Spielern unterschiedliche Meinungen vertreten kann. Aber einfach salopp einen Satz wie «kein Spieler ist besser geworden» in die Druckerpresse zu schicken ohne Begründung, Beweise, Beispiele? Das ist schwach! Der Eindruck entsteht, dass die Autoren sich zu dieser Aussage gar nicht wirklich Gedanken gemacht haben. Aus Sicht von Züri Live jedenfalls kann man den Faktor «Entwicklung der Einzelspieler» als möglichen Grund für die aktuelle Resultatmisere streichen. Daran liegt es am wenigsten.

Fazit: es ist alles noch viel schlimmer für Zürich als gedacht. Nicht nur ist GC so gut wie abgestiegen, und der FCZ hat schwere Aufgaben vor sich, sondern auch der Tages-Anzeiger ist in akuter Abstiegsgefahr – von der 2. Liga Interregional in die 2. Liga Regional des Journalismus.

(Bild Drmic: CC BY-SA 3.0 Steindy, Ravet: CC BY-SA 3.0 Ludovic Peron, Tages-Anzeiger: CC BY-SA 4.0 Steven Lek no changes)

Grosse Euphorie Samstagnacht unter den FCZ-Fans: ein Fahnenmehr in blau-weiss erwartet die Mannschaft nach ihrer Rückkehr aus Grozny am Flughafen – nach dem 1:1 Auswärtsunentschieden in Tschetschenien ist der FC Zenit Russischer Meister. Aber davon soll hier nicht die Rede sein. Sondern von einer Begegnung am gleichen Abend, welche die Bezeichnung «Klassiker» definitiv nicht mehr verdient. Der Begriff wird mehrheitlich noch in Basel als Werbeslogan propagiert, um (erfolglos) zusätzliche Zuschauer ins Stadion zu locken. Die Marketingphrase hat sich aber abgelutscht. Der «Clasico» ist die Begegnung der beiden über lange Zeit dominierenden Mannschaften – das sind wenn schon YB und der FCB. Die Berner lagen in den letzten zwölf Saisons nur vier Mal nicht in den Top 2 und gar nur einmal nicht in den Top 3 der Liga. Gegen den FCZ haben sie nun 15 Meisterschaftspartien in Folge nicht mehr verloren. Ein «Derby» gar, von welchem einzelne Basler Akteure manchmal schwadronieren, ist die Begegnung FCB – FCZ natürlich sowieso nicht.

Das Auf und Ab geht weiter. In den letzten sieben Wochen musste der FC Zürich nur drei Mal ausserhalb des Letzigrund-Stadions antreten – das waren gleichzeitig wohl die drei schlechtesten Partien in dieser Phase (zu Null-Niederlagen in Sion, Lugano und Basel). Insgesamt hat der Stadtclub in diesem Kalenderjahr ausserhalb des Letzigrunds erst drei Tore erzielt. Im Stade de Suisse und im St. Jakob Park kann der FCZ meist 30-45 Minuten mithalten, aber über 90 Minuten scheint der FCZ im Gegensatz zu den meisten Liga-Konkurrenten in diesen Stadien in der Meisterschaft kaum eine Chance auf auch nur einen Punktgewinn zu haben. Und dies schon seit Jahren. Der «Expected Goals»-Wert des FCZ vom Samstag in Basel ist sein drittschlechtester der Saison nach dem kürzlichen 0:1 im Tourbillon gegen Sion sowie dem 1:1 in Razgrad im Dezember.

Auch mit René Van Eck an der Seitenlinie setzte der FCZ auf das in den letzten Partien erprobte System mit drei Verteidigern, dem 6er- Rüegg hinter zwei Achtern und zwei Sturmspitzen. Die Aussenläufer Schönbächler und Kharabadze standen dabei aber tendenziell höher, als noch im Heimspiel gegen Sion. «Löcher wie Edamer» habe man im Zentrum gehabt, meinte Van Eck nach der Partie an der Pressekonferenz. Dies begann schon in der 1. Minute, als Sertic, Rüegg und Schönbächler kollektiv schlecht standen. Erst mit der Hereinnahme von Simon Sohm in der 54. Minute wurde die Organisation im Mittelfeld besser. An Sohms Seite steigerte sich vor allem Captain Kevin Rüegg merklich, wohingegen Toni Domgjoni zwar wie immer bemüht war, diesmal aber über die ganze Partie hinweg deutlich mehr schlechte als gute Aktionen zu verzeichnen hatte.

In die Zweite Halbzeit startete der FCZ zuerst besser als der Gegner und hatte nach 23 Sekunden bereits eine Torchance durch Stephen Odey. Grégory Sertic hingegen spielte zwar ab und zu mal einen guten Ball in die Tiefe, trat im ersten Spiel nach seiner Verletzungspause ansonsten aber ähnlich auf, wie in den meisten seiner bisherigen Partien: halbherzig, nonchalant und mit schlechter Körpersprache. Der Franzose hat einerseits, wenn er weit hinter dem Ball steht, ein gutes Gespür für die Passwege des Gegners – aber auf Höhe des Balles ist er andererseits in Zweikämpfen und Laufduellen beim Bemühen, den Ball zu gewinnen, selten eine Hilfe. Zudem geht durch den Leihspieler immer wieder die Kompaktheit flöten. Seine eher halbherzige Haltung war dann auch entscheidend bei der wichtigsten Szene des Spiels, als er Gegenspieler Zambrano beim Eckball Zuffis kurz nach der Pause wegen fehlender Aufmerksamkeit aus den Augen verlor und dieser zum 1:0 für den FCB traf. Dies ist umso ärgerlicher, als sich der FCZ bei gegnerischen Eckbällen im Verlauf der Rückrunde merklich gesteigert hat, und auch diesmal abgesehen von Sertic alle ihre Gegenspieler bei diesen Situationen im Griff hatten.

Stephen Odey hatte mehr gute als schlechte Aktionen, muss aber nach einem unnötigen Ballverlust und anschliessendem taktischen Foul in Neuenburg gesperrt zuschauen. Im Heimspiel gegen Sion vor Wochenfrist vermochte Assan Ceesay noch fast jedes Kopfballduell im Mittelfeld zu gewinnen, in Basel stimmte sein Timing in der Luft dann aber plötzlich wieder nicht mehr. Auch kam der hagere Gambier durch das bessere lokale Pressing Basels nicht zu seinen gefährlichen raumgreifenden Aktionen. Schon anlässlich der anderen beiden Duelle des Frühlings gegen den FCB wurde es an dieser Stelle erwähnt: das aktuelle Team von Marcel Koller ist nicht mehr mit demjenigen des Herbstes vergleichbar. Die Art und Weise, wie die „Bebbis“ mit Kombinationsspiel und Laufwegen einen Gegner taktisch aushebeln können, ist mittlerweile sogar wieder auf einem höheren Niveau als bei YB. Dazu kam gegen den FCZ ein Valentin Stocker, der erstmals so richtig wieder an seine besten Zeiten als Teenager vor seinem ersten Kreuzbandriss erinnerte. Die Zweite Halbzeit Stockers am Samstagabend war sicherlich eine der besten 45 Minuten aller Super League-Spieler in dieser Saison.

Ähnlich wie zuletzt häufig Roger Assalé bei YB übernahm Stocker die Rolle des in der Mittel- und Angriffszone überall auftauchenden Spielmachers innerhalb des Forward-Trios. In erster Linie Kevin Bua, aber auch Ricky Van Wolfswinkel suchten die Tiefe, kamen aber über Rechts selten durch, da Andreas Maxsø wie eine Wand allem, was Kharabadze (und Sertic) durchliessen, den Eintritt in die Gefahrenzone verwehrte. Alain Nef spielte zwar ebenfalls eine gute Partie, aber das Niveau von Maxsø erreichte er nicht. Basel fand schnell heraus, dass die rechte Zürcher Seite mit Schönbächler und Domgjoni sehr löchrig war, und spielte daher fast alle seine in der Zweiten Halbzeit zahlreichen gefährlichen Angriffe und Gegenstösse über links. Selbst bei einem Ballverlust des FCZ auf der anderen Spielfeldseite wurde ab einem gewissen Zeitpunkt von den Rot-Blauen immer schnell der Seitenwechsel nach links gesucht. Schönbi hatte zwar einige gute, aber auch viele zu wenig konsequent durchgezogene Aktionen: im entscheidenden Moment kein Druck auf den Gegenspieler, ungenaue Pässe oder Flanken oder wenig inspirierte Versuche, sich mit dem Kopf durch die Wand durchzusetzen. Im Offensivspiel fehlte über seine Seite die Breite und im eigenen Strafraum war er bei Flanken von der anderen Seite jeweils zu weit weg von seinem Gegenspieler, was zu zwei von drei guten Möglichkeiten Basels in der Ersten Halbzeit führte.

So wie Rüegg sich in der Zweiten Halbzeit verbesserte, baute dafür der in der 1. Halbzeit aufmerksam agierende Umaru Bangura um so mehr ab. In der ersten Viertelstunde nach der Pause war er zusammen mit Schönbächler und Sertic der Schwachpunkt beim FCZ. In den ersten 45 Minuten war die Dreierabwehr noch in corpore gut gestanden. Im Zweiten Durchgang nahmen hingegen die undurchdachten Aktionen zu. Typisch die Szene vor dem 0:2. Anschliessend an einen Basler Durchbruch über ihre Linke Seite kommt der Ball auf Rechts, wo das Heimteam wegen Maxsø aber nicht durchkommt. Man spielt zurück in die Mitte vor den Strafraum, wo sich dann mit Bangura, Nef, Schönbächler und Domgjoni gleich vier Spieler erfolglos auf Stocker stürzen und dieser dadurch mit Van Wolfswinkel und Zuffi gleich zwei Mitspieler in eine Position alleine vor dem Zürcher Tor anspielen kann. Aus dem Trio Bangura / Nef / Schönbächler hätte nur einer herauspreschen sollen – am ehesten Nef.

Der aus Zürcher Sicht mit Abstand positivste und hoffnungsvollste Aspekt der Partie waren die Einsätze von Simon Sohm und Becir Omeragic. Diese zwei trugen ganz wesentlich dazu bei, dass der FCZ zwei, drei Mal eine minutenlange Druckphase in der gegnerischen Hälfte aufzuziehen vermochte. Da wurde gut antizipiert, Zweite Bälle gewonnen und es entstand Zug Richtung gegnerisches Tor. Der 18-jährige Sohm hat sich geöffnet, fühlt sich nun als gleichwertiger Spieler, bietet sich an, denkt mit, wirkt reifer. So kann er sein grosses Talent noch deutlich besser in die Waagschale werfen, als zuvor. Auch der 17-jährige Omeragic, dessen erster Einsatz in der Super League durch einen Wadenbeinbruch verzögert worden war, fand sich sofort gut ein und war in der Schlussphase offensiv wie defensiv ein Pluspunkt – dass er alleine gegen zwei Basler (Stocker, Ajeti) das 0:3 nicht zu verhindern vermochte, kann man ihm nicht vorwerfen. Anders sieht die Bilanz beim mittleren Zürcher Einwechselspieler Kololli aus. Weiterhin versucht dieser meist erfolglos bei Zuspielen aus der Zürcher Abwehr den Gegenspieler abzuschirmen, anstatt dem Ball entgegenzulaufen. Auf Super League-Niveau endet dies meist mit einem schmerzhaften Ballverlust. Ausserdem ist «Benji» bezüglich Zielstrebigkeit und Schnörkellosigkeit weit vom Niveau eines Sohm oder Omeragic entfernt. Noch nie war die Diskrepanz innnerhalb des Teams bei den Züri Live-Noten so gross, wie nach diesem Match – drei Maximalnoten «10» und eine «9» stehen einer Minimalnote «1» und drei «2»-ern gegenüber.

In den Bereichen Ballbesitz, Eckbälle, Schüsse nebens Tor, Offsides, Fouls und Verwarnungen war die Bilanz der Partie FCB – FCZ ausgeglichen. Der grosse Unterschied besteht bei den Schüssen aufs Tor bzw. Expected Goals. Für die vielen Top-Chancen von Basel in der Zweiten Halbzeit waren zusammenfassend drei Faktoren entscheidend:

  1. Die defensiv zu schwache Rechte Seite des FCZ (Schönbächler, Domgjoni)
  2. Die zu gefährlichen Basler Gegenstössen führenden zahlreichen Fehler und Ballverluste speziell von Kharabadze und Kololli sowie Bangura ab der 65. Minute
  3. Der sich im zweiten Durchgang in einen aussergewöhnlichen Spielrausch steigernde Valentin Stocker

Diese Faktoren führten passend zum Wetter zu einem Temperatursturz in der Gefühlswelt der FCZ-Gemeinde. Giftige Fouls und umstrittene Szenen gab es hingegen im Vergleich zum Cup-Halbfinal deutlich weniger – dafür ging es für den FCB um zu wenig. Zwei versteckte Stürmerfouls von Suchy und Zambrano im gegnerischen Strafraum, einmal «Hals würgen von hinten» von Stocker gegen Rüegg im Mittelfeld, sowie einmal ein absichtliches gesundheitsgefährdendes Unterlaufen von Suchy gegen Kololli direkt nach dessen Einwechslung. Das war «vergleichsweise wenig» im Verhältnis zu vorletzter Woche. Auf Zürcher Seite stiess Bangura in der Ersten Halbzeit nachdem er zwei Mal hintereinander im eigenen Strafraum unaufmerksam gewesen war, den zum Kopfball hochsteigenden Van Wolfswinkel von hinten – und hätte sich über einen Penaltypfiff nicht wirklich beklagen können.

Basel – FCZ 3:0 (0:0)

Tore:  49. Zambrano (Zuffi) 1:0, 66. Van Wolfswinkel (Stocker) 2:0, 90.+2 Ajeti (Stocker) 3:0.

Basel: Omlin; Widmer, Suchy, Zambrano, Riveros; Xhaka, Frei (73. Balanta); Stocker, Zuffi, Bua (76. Zhegrova); Van Wolfswinkel (84. Ajeti).

FCZ: Brecher; Nef (80. Omeragic), Bangura, Maxsø; Schönbächler, Rüegg, Kharabadze; Domgjoni, Sertic (54. Sohm); Ceesay (67. Kololli), Odey.

 

 

Wie schon beim 1:1 gegen den gleichen Gegner in der Vorrunde trat der FCZ im Cup-Halbfinal im Letzigrund mit einer Fünferabwehr an, überliess Basel mehr Ballbesitz und kam so trotz defensiverer Grundausrichtung wieder zu deutlich mehr Torchancen als zuletzt gegen denselben oder andere Gegner. Das Torschussverhältnis war genauso ausgeglichen wie die «Expected Goals». Zum dritten Mal in dieser Saison kam mit Assan Ceesay ein Spieler zu sieben nicht verwerteten Abschlüssen. Die ersten beiden Male waren Ceesay selbst im Cup bei Red Star und Odey zuletzt beim 2:2 in Thun gewesen. Insgesamt hat sich der FCZ im Vergleich zum Lugano-Spiel klar gesteigert – was allerdings nicht für alle Spieler individuell gilt.

Ausgerechnet der bisher so konstant agierende Andreas Maxsø war diesmal ungewöhnlich fehlerhaft, nicht ganz bei der Sache und erhält erst zum dritten Mal eine ungenügende Züri Live-Note. Beim 0:1 beispielsweise verliert Maxsø den entscheidenden Zweikampf an der Seitenlinie gegen Ajeti, im Zentrum ist Rüegg unaufmerksam und lässt Van Wolfswinkel völlig frei vor dem Strafraum an den Ball kommen – die Vollendung von Noah Okafor ist dann aber schlicht Extraklasse. Auch beim 0:2, welches in der 87. Minute für die Vorentscheidung sorgt, misslingt Maxsø ein halbhoher Ball hintenraus – Kevin Rüegg müsste aber trotzdem das Leder ohne Probleme wegspielen oder wegschlagen können, agiert aber zu langsam und lässt sich von Kuzmanovic den Ball vom Fuss spitzeln. Die starke Formbaisse des Zürcher Captains (vor allem wenn er im Zentrum spielt) ging auch gegen Basel nicht weg.

Allgemein fällt im Schweizer Fussball auf, dass jüngere Spieler, die im Sommer vor einem Transfer «nach oben» stehen oder stehen könnten, wie beispielsweise Kevin Mbabu oder Marvin Spielmann, zuletzt völlig ausser Form geraten sind – Kevin Rüegg könnte auch so ein Fall sein. Neben dem Platz hat man durchaus das Gefühl, dass der 20-jährige einen Reifeprozess durchmacht, aber auf dem Platz ist davon nichts zu sehen – im Gegenteil. Auch Antonio Marchesano ist weiterhin im Tief, hat neben einzelnen guten Aktionen bei der Mehrheit seiner Pässe weiterhin das falsche Timing, verursacht unnötige Freistösse und schnelle Gegenstösse des Gegners wegen ungenügender Zweikampfführung. Umaru Bangura hingegen scheint die Pause von zwei Spielen gegen YB und in Lugano gut getan zu haben und zeigte sich wieder verbessert. Eine echt starke Rolle spielte Alain Nef (Züri Live-Note «10»), der gerade auch in der Spielauslösung viel Ruhe und Spielintelligenz reinbrachte.

Strittige Szenen gab es gegen den FCB auch diesmal wieder einige. Bereits in der 2. Minute hatte Umaru Bangura Glück. Bei einem harmlosen ersten flachen Schüsschen von Noah Okafor Richtung Zürcher Tor ging der Innenverteidiger etwas gedankenlos dazwischen, der Ball versprang, Albian Ajeti sprintete heran und kam im Strafraum zu Fall – Bangura schien dabei den Basler durchaus am Fuss getroffen zu haben.

In der 73. Minute dann Groundhog Day im Letzigrund. Zum dritten Mal innert weniger Wochen wird Toni Domgjoni im «Südkurven-Strafraum» gegen YB bzw. Basel ein klarer Penalty verwehrt! Nach Zuffi und Moumi in der Meisterschaft war diesmal Marek Suchy der foulende Spieler. Sieht man sich die Szene nochmal im Detail an, ist schön ersichtlich wie der Tschechische Routinier bemerkt, dass er bei einem hohen Ball an die Fünfmetergrenze zu spät kommt und Domgjoni alleine vor dem Tor eine hundertprozentige Torchance erhalten wird.  Mit einem Seitenblick prüft Suchy noch vor der Ankunft des Balles, an welcher Stelle des Körpers er den Zürcher am unauffälligsten treffen könnte, streckt im Stile eines gewieften Illusionisten oben den Arm Richtung Domgjoni aus ohne zu ziehen (Ablenkungsmanöver) und bringt ihn gleichzeitig unten mit dem linken Fuss zu Fall. Wichtig dabei für Suchy: in diesem Moment mit den Augen nicht mehr nach unten zum Ort des Geschehens schauen!

Noch mehr zu reden gaben mehrere Szenen rund um die 80. Minute. Erst wird Valentin Stocker von Marco Schönbächler im Zürcher Strafraum Hüfte an Hüfte auf faire Art und Weise gerempelt. Schiedsrichter Klossner pfeift zu Recht nicht, denn er hatte zuvor im ganzen Spiel ähnliche Szenen auch im Mittelfeld nie geahndet. Stocker streckte dabei in seiner typischen Art im Strafraum unvermittelt seinen Hintern raus, um den Gegner auflaufen zu lassen, hielt sich danach bei seiner spektakulären Seitwärtsrolle warum auch immer seine beiden Schienbeine und musste beim Abrollen selbst über seine Schauspielkunst lachen.

Dies hielt ihn nicht davon ab, danach am Boden sitzend weiterhin Theater zu machen, was Mitspieler Kuzmanovic anstachelte, wutentbrannt den von Schönbächler zum Weiterspielen animierten Bangura mit vollem Tempo von hinten zu attackieren.

Alain Nef erkannte die akute Verletzungsgefahr für seinen Innenverteidigerkollegen und stellte sich Kuzmanovic in den Weg, worauf er von diesem eine Ohrfeige kassierte.

Gelb für so eine bewusst und gezielt ausgeführte Tätlichkeit ist natürlich schon etwas wenig, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass beispielsweise Marco Djuricin nach dem Derby für einen ungezielten Befreiungsschlag nach hinten gegen den reissenden und zerrenden Hekuran Kryeziu mit drei Spielsperren belegt wurde.

In der anschliessenden Aufregung versuchte Carlos Zambrano Stephen Odey zu einer Unbeherrschtheit zu verleiten und ging diesem an die Gurgel, was zumindest im Nachhinein von der Disziplinarkommission hätte geahndet werden müssen, die gleichzeitig bezüglich der in dieser Szene am Rande und eher schlichtend involvierten Van Eck, Canepa und Streller sehr schnell mit Sanktionen zur Stelle war.

In der 90. Minute schlug dann auch noch Valentin Stocker Marco Schönbächler in «Kuzmanovic-Manier» von hinten ungeahndet auf den Kopf. Während sich YB also auf Schläge direkt ins Gesicht «spezialisiert» hat, scheinen beim FCB Schläge auf den Hinterkopf des Gegners im Trend zu liegen. Würgen, Schlagen, Schauspielern und versteckte Fouls: von einem sportlich fairen Auftritt waren die Rot-Blauen an diesem Abend im Letzigrund weit entfernt. Hat Basel das wirklich nötig? Offenbar schon…

(Standbilder: Teleclub)

FCZ – Basel 1:3 (0:1)

Tore:  5. Okafor (Van Wolfswinkel) 0:1; 87. Kuzmanovic (Zuffi) 0:2, 90.+2 Ajeti (Stocker) 0:3, 90.+4 Odey (Marchesano) 1:3.

FCZ: Vanins; Untersee (69. Schönbächler), Nef, Bangura, Maxsø, Kharabadze (69. Kololli); Rüegg; Domgjoni (89. Kasai), Marchesano; Ceesay, Odey.

Basel: Omlin; Widmer, Zambrano, Suchy, Petretta; Frei, Zuffi; Kalulu (74. Stocker), Van Wolfswinkel (46. Kuzmanovic), Okafor (89. Zhegrova); Ajeti.

Nach der Cupniederlage stellte sich Levan Kharabadze bei Züri Live zum Interview:

Levan, 1:3 gegen Basel im Cup-Halbfinal. Es war wohl immerhin eine der bisher besten Partien des aktuellen Kalenderjahres von Seiten des FCZ, aber mit dem Finaleinzug hat es trotzdem nicht geklappt…

Kharabadze: Ich würde sagen, es hat wohl nicht sollen sein. Wir hatten gute Momente, die wir hätten ausnützen sollen. Aber Basel hatte auch gute Chancen und im Gegensatz zu uns haben sie diese ausgenutzt – darum haben sie gewonnen. Ja, es war ein gutes Spiel. Mit dem Schiedsrichter bin ich aber nicht einverstanden. Die Szene mit Toni Domgjoni im Basler Strafraum beim Stande von 0:1 ist 100% Elfmeter.

Es gab viele Emotionen im Spiel…

Kharabadze: Ja, wir sind definitiv mit Emotionen ins Spiel gegangen, das war vorhanden, und das hat man dann auch im Spiel gesehen. Wir haben gut gespielt. Aber wir müssen weiter hart arbeiten, damit wir in der Super League verbleiben können. Und danach die nächste Saison vorbereiten, wo wir neben der Meisterschaft eine neue Chance im Schweizer Cup erhalten.

Wie ist es für Dich bisher hier in der Schweiz, das Level und das Tempo ist wohl relativ hoch im Vergleich zu dem, was Du bisher gekannt hast?

Kharabadze: Ja, für mich ist das bereits ein hohes Niveau, weil ich davor in der Georgischen Meisterschaft gespielt habe. Ich lerne hier und werde weiter an mir arbeiten. Teams wie Basel oder YB sind top, auf Champions League-Niveau, gegen sie zu spielen bringt mich weiter.

Ludo Magnin setzt im Duell mit dem frischgebackenen Meister YB auf Kontinuität und geht wie schon ab der 15. Minute gegen Basel sowie im Derby mit einem 4-4-2 mit flachem Mittelfeld in die Partie. Auch personell begann der Zürcher Trainer mehr oder weniger so, wie er die Partie gegen GC beendet hatte. Toni Domgjoni ersetzte auf der rechten Seite im Mittelfeld den gesperrten Salim Khelifi und der im letzten Spiel gesperrt gewesene Andreas Maxsø kehrte zurück. Für ihn musste nicht Mirlind Kryeziu, sondern der zuletzt schwächelnde Umaru Bangura auf die Ersatzbank. Somit hatte der FCZ mit «Max & Mirlind» (Wilhelm Busch 2.0) zwei Innenverteidiger auf dem Platz, welche den physisch starken Bernern am Boden und in der Luft Paroli bieten können. YB operierte trotzdem viel mit hohen Bällen, der FCZ hatte aber in der eigenen Hälfte klar die Lufthoheit. Selbst Joël Untersee gewann mal ein Kopfballduell gegen den über weite Strecken blassen Guillaume Hoarau. Dafür demonstrierte bei flachem Spiel der frischgebackene Vater Roger Assalé als eigentlicher Berner Spielmacher immer wieder seine aktuelle Topform. Andreas Maxsø und Mirlind Kryeziu stellten mit je 12 Top-Defensivaktionen einen individuellen Saisonrekord auf, der zudem stark zum deutlichen kollektiven Saisonrekord von 65 Top-Defensivaktionen beitrug (bisheriger Bestwert: 45 – kürzlich beim 0:2 gegen Basel). Auch die Anzahl Top-Offensivaktionen und das Verhältnis der «Expected Goals» war aus Zürcher Sicht besser als bei den vorangegangenen drei Saisonduellen gegen die Gelb-Schwarzen.

Der FCZ hatte defensiv also trotz kleiner spontaner YB-Meisterfeier am Vorabend viel Arbeit und verrichtete diese überwiegend gut, auch wenn YB in der 1. Halbzeit durch Assalé und Fassnacht zwei Mal gefährlich hinter die Zürcher Abwehr kam. Bei Eckbällen hatten die Zürcher den Gegner diesmal weitgehend im Griff. Maxsø und Mirlind Kryeziu kümmerten sich um die beiden in der Luft gefährlichsten Gegenspieler Hoarau und Camara, Pa Modou übernahm den zuletzt im Wankdorf gegen den FCZ per Kopf treffenden Fassnacht, Kharabadze nahm Benito beziehungsweise Mbabu in Gewahrsam, Untersee agierte gegen Assalé und Hekuran Kryeziu gegen Moumi. Die beiden «Schwachpunkte» Umaru Bangura und Kevin Rüegg hingegen waren nicht involviert – Ersterer sass auf der Bank, der Zweite übernahm Raumdeckungsaufgaben.

In der spielentscheidenden Szene vermochte YB dann aber eine Bresche in die Zürcher Abwehrmauer zu schlagen. Dies weil YB für einmal Platz fand, um schnell umzuschalten, was ansonsten in dieser Partie vergleichsweise wenig vorkam. Beim hohen Ball von Mbabu erwischte YB den FCZ daher in der Rückwärtsbewegung und so vermochten Hoarau und Nsamé lokal gegen Maxsø eine zwei gegen eins-Überzahl zu kreieren. Der Däne musste sich für einen von beiden entscheiden und liess Hoarau unbedrängt zum Kopfball hochsteigen, um dafür den sich in die Tiefe davonstehlenden Nsamé decken zu können. Dies war eigentlich die richtige Entscheidung, denn Maxsø hätte Hoarau wohl nicht mehr genügend an der Kopfballweiterleitung stören können und so wäre Nsamé völlig frei zentral auf Torhüter Brecher zugelaufen. Da aber schlussendlich Timing, Präzision und Beschleunigung in dieser Aktion bei Hoarau und Nsamé auf äusserst hohem Niveau waren, konnte Maxsø Nsamé auch so nicht mehr stoppen, obwohl er relativ nahe an ihm dran war.

Vorangegangen war dieser Aktion allerdings ein klares Foulspiel von Mohamed Camara an Assan Ceesay im Berner Strafraum (siehe Bilder am Ende des Artikels). Als Spätfolge dieses Fouls musste Ceesay später ausgewechselt werden. Erst zog der YB-Verteidiger den rechten Arm des durchbrechenden FCZ-Stürmers mit beiden Händen in seine Richtung und beförderte ihn anschliessend mit einem Stoss in die Hüfte zu Boden. Trotz relativ guter Sicht auf die Aktion blieb die Pfeife von Schiedsrichter Fähndrich stumm. Die Geschichte wiederholt sich. Die Serie der Schiedsrichterfehlentscheide in den Duellen gegen YB wird langsam aber sicher skandalös. Zum vierten Mal (!) in den letzten fünf Duellen profitiert YB gegen den FCZ bei einem entscheidenden Tor von einem nicht gepfiffenen klaren Foulspiel – nach Mbabu gegen Rüegg, Hoarau gegen Winter und Von Bergen gegen Khelifi erneut ein YB-Tor nach einem schnellen Gegenstoss nach dem Foul von Camara an Ceesay. Die vielzitierte ausgleichende Gerechtigkeit existiert in den Duellen mit den meisten Super League-Teams, aber nicht gegen die Favoriten YB und Basel.

Neben dem Faktor, dass der häufig in der Challenge League eingesetzte Lukas Fähndrich selbst auf zweithöchster Stufe zu den schlechtesten Schweizer Referees gehört, könnte im aktuellen Fall durchaus auch eine Rolle gespielt haben, dass der schlaksige Ceesay auch wegen seinen Körperproportionen in anderen Situationen relativ schnell aus dem Gleichgewicht kommt, und sich dann häufig am Kopf hält, auch wenn er an anderer Stelle getroffen worden ist. So wie Ceesay eher zu häufig beim Schiedsrichter moniert, tut dies Toni Domgjoni vielleicht zu wenig. Praktisch an gleicher Stelle, wo ihm schon gegen Basel nach dem Foul von Luca Zuffi ein Penalty verweigert worden war, wurde er von Moumi in der 81. Minute erneut ohne Folgen penaltyreif gefoult (siehe Bilder am Ende des Artikels). Erst stiess ihn der Kameruner bei einem Einwurf von Untersee von hinten in Mitspieler Maxsø rein, dann rappelte sich Domgjoni schnell wieder auf, dribbelte dabei technisch gekonnt halb im Liegen, nur um gleich nochmal von Moumi von hinten einen Schlag auf die Wade zu kriegen und dadurch erneut zu Boden zu gehen. Da Domgjoni in solchen Situationen als gefoulter Spieler kein aufhebens macht, fiel das Ganze Schiedsrichter Lukas Fähndrich offenbar zu wenig auf. Es ist daher umso unpassender, dass Mbabu ausgerechnet Domgjoni nach seinem korrekten Tackling im YB-Strafraum in der 89. Minute, nach welchem Domgjoni aber angeschlagen liegen blieb und ausgewechselt werden musste, diesem Simulation vorwarf. Auf der Gegenseite fällt Lukas Fähndrich auch eine falsche Entscheidung zuungunsten YB’s – als Pa Modou seitlich des eigenen Strafraums Nicolas Moumi foult, sieht dieser fälschlicherweise Gelb wegen angeblicher „Schwalbe“.

Weiter muss man leider feststellen, dass die Anzahl Schläge ins Gesicht des Gegenspielers pro Spiel bei YB wieder am Zunehmen sind, nachdem sie nach dem Abgang Sekou Sanogos zwischenzeitlich mal abzunehmen schienen. In der 63. Minute begeht Jean-Pierre Nsamé gegen Hekuran Kryeziu bei der Mittellinie mit einem Schlag ins Gesicht eine Tätlichkeit – Schiedsrichter Fähndrich schaut in diesem Moment in eine andere Richtung (siehe Bilder am Ende des Artikels). Es ist ein noch klarerer Fall als derjenige von Djuricin im Derby. Dass es aber eine entsprechende Sanktion nach sich ziehen wird, ist unwahrscheinlich. Denn obwohl alle Spiele nach offiziellen Angaben vom Schiedsrichterdepartement des SFV jeweils in voller Länge nochmal angeschaut werden, werden Sanktionen erfahrungsgemäss nur in Fällen verhängt, die in der TV-Nachberichterstattung stark thematisiert werden. In der 73. Minute schlägt auch Loris Benito am Zürcher Strafraum Toni Domgjoni die Hand ins Gesicht (siehe Bild am Ende des Artikels) – immerhin war es in diesem Fall im Kampf um den Ball und nur vorsätzlich statt absichtlich – daher hätte Gelb und Freistoss für den FCZ vom eigentlich gut postierten Fähndrich gereicht. Die dritte Hand im Gesicht sieht Fähndrich dann doch noch. Es gibt Gelb für die Aktion von Nsamé, der in Erwartung des einzigen Zürcher Eckballes der Partie in der 82. Minute zuerst auffällig nach der Positionierung des Schiedsrichters Ausschau hält, bevor er mit der Hand an Unterkiefer und Hals Hekuran Kryeziu umstösst (siehe Bilder am Ende des Artikels).

Schliesslich noch die Presseschau: Für die Spielberichterstattung war bei Tagi (Thomas Schifferle) und NZZ (Stephan Ramming) zuletzt wieder vermehrt das «Duo Infernale» nicht nur der FCZ-Aversion, sondern auch der allgemeinen Fussball-Unlust am Start. Kommentieren muss man das meiste nicht, aber beim Artikel Schifferles zum YB-Spiel gibt es eine Aussage («von Nachwuchsförderung ist (beim FCZ) nichts zu sehen»), auf die man vielleicht dann doch mal eingehen muss. Seit in einer «Heimspiel»-Sendung bei Teleclub die Behauptung aufgestellt wurde, unter Ludovic Magnin würden gar nicht wirklich mehr junge Spieler eingesetzt, als zuvor bei Uli Forte, hat sich diese Aussage zu einem dieser vielen Allgemeinplätze entwickelt, die dann jeweils über Dutzende von Zeitungsartikeln und Diskussionssendungen hinweg von etlichen Experten und Journalisten nachgeplappert werden, ohne dass irgendwann mal einer auf die Idee kommen würde, nachzuprüfen, ob sie auch stimmt. Denn natürlich stimmt sie nicht: Forte hatte mit Magnins ehemaligem Academy-Schützling Kevin Rüegg nur einen Teenager als Stammspieler – als Ludo Magnin übernahm, waren es dann in der Summe drei mit zusätzlich Toni Domgjoni und wahlweise Izer Aliu oder Fabian Rohner. Drei von elf oder einer von elf ist ein gewaltiger Unterschied. Und mehr würde von den gleichen Journalisten und Experten als „Jugendwahn“ bezeichnet werden. Insgesamt kamen in Fortes erster Saison nur drei und in der zweiten nur vier Spieler als Teenager insgesamt mehr als 90 Minuten zum Einsatz – bei Magnin sind es in der noch laufenden Saison bereits zehn! Zusätzlich zu Stammspielern wie Kharabadze oder Domgjoni sind selbst ein Simon Sohm, Hakim Guenouche oder Fabio Dixon bisher mehr als 300 Wettbewerbsspielminuten auf dem Platz gestanden.

FCZ – YB 0:1 (0:0)

Tore:  79. Nsamé (Hoarau) 0:1.

FCZ: Brecher; Untersee, Maxsø, M. Kryeziu, Pa Modou; Domgjoni (90. Nef), Rüegg, H. Kryeziu, Kharabadze; Marchesano (76. Odey), Ceesay (84. Schönbächler).

Young Boys: Von Ballmoos; Mbabu, Camara, Von Bergen, Benito; Fassnacht (58. Nsamé), Aebischer (80. Lauper), Sow, Moumi; Assalé (80. Schick), Hoarau.

63. Minute: Ungeahndete Tätlichkeit Jean-Pierre Nsamé gegen Hekuran Kryeziu

73. Minute: Loris Benito schlägt ungeahndet Toni Domgjoni im Kampf um den Ball die Hand ins Gesicht

79. Minute: Mohamed Camara foult ungeahndet Assan Ceesay im YB-Strafraum, im direkten Gegenzug fällt das 0:1 

81. Minute: Ungeahndetes Doppelfoul von Nicholas Moumi gegen Toni Domgjoni im YB-Strafraum

82. Minute: Jean-Pierre Nsamé stösst Hekuran Kryeziu mit Griff an Unterkiefer und Hals um und sieht Gelb

84. Minute: Verletzungsbedingte Auswechslung Assan Ceesays

90. Minute: Verletzungsbedingte Auswechslung Toni Domgjonis 

(Standbilder Teleclub)

Nach der Analyse des Gesamtnotenschnittes nach Wettbewerben schauen wir uns diese Woche die Leistungsentwicklung der Spieler im Saisonverlauf inklusive des Thun-Spiels vom vergangenen Wochenende an. Jeweils drei Partien (wettbewerbsübergreifend) wurden dafür zu einer Durchschnittsnote zusammengefasst und daraus ergeben sich die Kurven im Saisonverlauf. Die Durchschnittsnote des Gesamtteams begann dabei etwa bei 6 (auf einer Skala von 1-10, wobei „5“ = „genügend“) und blieb auf diesem Niveau, bis sie im Dezember auf ca. „5“ absank. Nach der Winterpause ist eine Aufwärtstendenz erkennbar – aktuell ist das Team wieder bei „5,8“.

Interessant für die Analyse ist die Differenzierung nach Positionen. Zu Beginn der Saison war der Sturm der beste Mannschaftsteil, ab Mitte November begann aber ein kontinuierlicher Sinkflug, der bis heute anhält – auch wenn die Forwards kollektiv sich bisher noch im Bereich einer Genügenden Note halten konnten. Aktuell wird das Team vor allem von der Defensivzentrale – Innenverteidiger und Torhüter – getragen. Das war zu Saisonbeginn noch nicht ganz so gewesen. Die Torhüterposition war damals die erste „Baustelle“ und wurde es gegen Ende der Vorrunde noch einmal. Erst seit Rückrundenbeginn ist eine merkliche Verbesserung feststellbar. Chronologisch die zweite Baustelle in Bezug auf Positionen wurde die Aussenverteidigung. Diese Position war zwar während der Vorrunde grundsätzlich eine Stütze, allerdings quantitativ schmal besetzt und relativ grossen Leistungsschwankungen unterworfen. Als dann gegen Ende der Vorrunde nach Rüegg auch noch Pa Modou ausfiel, fiel die Durchschnittsnote mit Dixon und Guenouche gegen anspruchsvolle Gegner in den Keller. Durch die Verpflichtungen von Kharabadze und Untersee, sowie etwas später die Genesung Rüeggs (und Leistungssteigerung Dixons) konnte diese Baustelle weitgehend geschlossen werden. Gleichzeitig tut sich nun aber eine neue Baustelle auf: die Flügelposition. Ausserdem war auch die Performance im Zentralen Mittelfeld in den letzten Partien unter dem Strich… – unter dem (5er-)Strich.

Die positive Tendenz bei den Torhütern in letzter Zeit relativiert sich etwas, wenn die Keeper einzeln betrachtet werden. Die Leistungsentwicklung Yannick Brechers gleicht dabei etwas einer Achterbahn, wobei er wegen einer Note „3“ beim 0:1 gegen Lugano zuletzt zum wiederholten Mal in den Ungenügenden Bereich fiel, wohingegen Andris Vanins im Cup-Viertelfinal gegen den SC Kriens hervorragend hielt (beste FCZ-Torhüterleistung der Saison bisher) und noch keine Ungenügende Note zu verzeichnen hatte.

Der mittlerweile 37-jährige Alain Nef war während der ganzen Vorrunde eine „Bank“ und zusammen mit Kevin Rüegg von den regelmässig eingesetzten Zürcher Spielern derjenige mit der höchsten Liga-Durchschnittsnote. Andreas Maxsø startete ausgezeichnet und stabilisierte die Hintermannschaft nachhaltig. Der Däne ist wohl aktuell einer der Top 5-Innenverteidiger der Liga. Mirlind Kryeziu begann die Saison gut. Als er dann aber durch die Einsatzfähigkeit Maxsøs in der Hierarchie einen Platz runterrutschte, vermochte er in seinen sporadischen Einsätzen in keinster Art und Weise mehr Werbung für sich zu machen.  Seit Rückrundenbeginn ist beim Zürcher aber wieder eine klare Steigerung erkennbar. Umaru Banguras gute und schlechte Szenen halten sich meist etwa die Waage – der Nationalspieler Sierra Leones macht aktuell vor allem mit seinen wenig erfreulichen Auftritten gegen Kriens und Lugano die persönlich schlechteste Phase der Saison durch. Becir Omeragic kam verletzungsbedingt noch nicht zum Einsatz.

Die Aussenverteidiger Rüegg und Pa Modou gehörten in der Vorrunde zu den wichtigsten Stützpfeilern der Mannschaft. Als zuerst Rüegg und danach auch noch Pa Modou angeschlagen ausfielen, war das sofort spürbar. Die Winterneuverpflichtungen Kharabadze und Untersee (der sich mittlerweile aber selbst verletzt hat) halfen aber mit, auf dieser Position zu Beginn der Rückrunde wieder mehr Stabilität reinzubringen, bis Rüegg und irgendwann dann auch Pa Modou wieder zurück sind.

Im Mittelfeldzentrum wurden naturgemäss am meisten Spieler eingesetzt. Die grössten Konstanten waren dabei Toni Domgjoni, Hekuran Kryeziu und Antonio Marchesano. Domgjoni und Marchesano hatten einen guten Start in die Saison, liessen gegen Ende der Vorrunde aber nach und konnten sich nun nach der Winterpause wieder etwas fangen, wobei der die Wintermonate offenbar nicht sonderlich liebende Marchesano seine muskulären Probleme noch nicht in den Griff bekommen hat. Hekuran Kryeziu hingegen begann schlecht, und vermochte sich in der Folge kontinuierlich etwas zu steigern. Der Start in die Rückrunde war bei ihm gut bis sehr gut, bis er im Cup gegen Kriens und beim 2:2 in Thun wieder zwei schwache Partien einzog. Der mittlerweile nach Darmstadt transferierte Ex-Captain Palsson war eher durchschnittlich unterwegs. Im Mittelfeld hat der FCZ das grösste Talentpotential. Die punktuellen Einsätze von jungen Spielern wie Krasniqi, Sohm, Maouche, Aliu, Rexhepi oder Zumberi verliefen zum grössten Teil von ordentlich bis teilweise sehr gut (letzteres vor allem bei Krasniqi).

Die offensive Flügelposition droht zur neuesten Baustelle im Kader des FCZ zu werden. Der gut startende Kololli hat im Verlauf der Saison auf dieser Position eine extreme Abwärtstendenz an den Tag gelegt – zuletzt seit dem Auswärtsspiel in Napoli mit fünf Ungenügenden Noten in Folge. Khelifis Auftritte sind unter dem Strich dank seines Einsatzes meist ordentlich, manchmal aber auch schlecht, wie zuletzt gegen Lugano. Der mittlerweile zu Uerdingen gewechselte Roberto Rodriguez war trotz seinem fehlenden Speed solide unterwegs, kam aber insgesamt nur 463 Minuten zum Einsatz. Ein harter Schlag für den FCZ ist, dass der formstärkste und konstanteste offensive Flügelmann, Adrian Winter, nun für den Rest der Saison ausfällt. Dies wird in Verbindung mit den zuletzt einen Ungenügenden Notenschnitt aufweisenden Kololli und Khelifi zu einem echten Problem. Die Alternative Schönbächler scheint sich noch nicht auf ein Niveau hinaufgearbeitet zu haben, um das Vertrauen des Trainerteams geniessen zu können.

Aus der U21 gibt es auf dieser Position kurzfristig wohl ebenfalls keine echten Alternativen. Guillaume Furrer hat sich noch nicht wie gewünscht entwickelt und ist noch weit von der 1. Mannschaft entfernt. Fabian Rohner stabilisiert sich langsam wieder, ist aber auch noch einiges von seiner früheren Form entfernt. Die Lösung dieses Offensiven Flügelproblems könnte daher in einer taktischen Umstellung mit wieder vermehrtem Einsatz der Dreierabwehr liegen, so dass es auf beiden Seiten nur je einen Aussenspieler braucht. Diese Ausrichtung passt zudem sehr gut zum Personal des FCZ, haben die Aussenverteidiger wie Rüegg, Kharabadze, Pa Modou, Dixon oder Untersee doch vor allem in der Offensive ihre Stärke – dazu stossen Innenverteidiger wie Bangura, Nef oder Mirlind Kryeziu ebenfalls gerne und effektiv mit nach vorne.

Frey und Dwamena weg, zudem landete der getestete blutjunge Malier Lassana N’Diayé (Tor in Vaduz) letztendlich bei ZSKA Moskau. Stephen Odey bekam so von Anfang an viel Verantwortung im Sturmzentrum übertragen. Bereits als der Nigerianer im Herbst 2017 auf der Allmend Brunau und im Heerenschürli aufsetzte, war ersichtlich, dass er sich deutlich schneller an den europäischen Fussball und die Super League wird adaptieren können, als vor ihm beispielsweise Moussa Koné. Die vielen Spiele scheinen aber im Saisonverlauf 18/19 dann trotzdem nicht spurlos an ihm vorbeigegangen zu sein. Mit der Zeit nahm die Spritzigkeit und auch die Torgefährlichkeit ab. Da half natürlich auch nicht, dass der neuverpflichtete Gambier Assan Ceesay, der einige gute (Teil-)Einsätze ablieferte, zwischendurch verletzungsbedingt wieder ausfiel.

Der im November von YB verpflichtete Yann Kasai hatte zwei gute Teileinsätze in Basel sowie gegen Lugano, wurde aber seither noch nicht wieder eingesetzt und ist zur Zeit in der U21 in der Promotion League der torgefährlichste FCZ-Stürmer. Ebenfalls zur Zeit in der U21 engagiert sind die neuverpflichteten jungen Talente Aziz Binous und Nicolas Andereggen, welcher erst gerade wieder von einer Verletzung genesen ist. Der beste Torschütze des FCZ ist unter anderem auch dank sicher verwandelten Penalties Benjamin Kololli. Der Waadtländer hat zur Zeit den besten Schuss und ist treffsicher. Und da der 26-jährige zuletzt auf der Flügelposition eher enttäuschende Leistungen gezeigt hat, setzte ihn Trainer Magnin zuletzt ab und zu im Sturm ein. Dies in Verbindung mit taktischen Umstellungen könnte ein Schlüssel für eine grössere Punkteausbeute in den kommenden Wochen werden. Zwar ist Kololli nicht sonderlich schnell, aber er kann hohe Bälle mittels Kopfballablagen besser verarbeiten, als Odey – und wenn er mal Platz zum Abschluss erhält, zielt er oft gut.

 

Nach den guten Erfahrungen mit dem Einsatz von vielen jungen Spielern in Napoli wollte FCZ-Trainer Magnin mit vorwiegend erfahrenen Akteuren erstmals diese Saison nach einem Europa League-Spiel in der Meisterschaft gewinnen. Nachdem es dem FCZ in den ersten 10 Minuten fast etwas zu einfach gemacht wurde, ging dies schlussendlich schief, da seine Mannschaft, im speziellen Umaru Bangura, Salim Khelifi oder Assan Ceesay mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr abbauten. Startelfdébutant Lavdim Zumberi war nach seinem guten Auftritt in Napoli eher durchschnittlich. Der eigentlich ausgeruhte, da nicht nach Napoli gereiste zwischen Licht und Schatten rapide schwankende Grégory Sertic machte gar zeitweise den Eindruck, als würde er die Super League und das Duell gegen Luzern überhaupt nicht ernst nehmen und irgendwie nicht als Wettbewerbsspiel betrachten. Seine ersten 30 Minuten in Bern waren noch vielversprechend gewesen, aber schon in jener Partie zeigte die Leistungskurve des Franzosen im Verlaufe der Begegnung nach unten. Ausgenommen von dieser Beurteilung sind seine Standards, die bisher immer gut ausgeführt wurden.

Ein Totalausfall gegen Luzern war Benjamin Kololli – seine Fehler und Unzulänglichkeiten rekordverdächtig. Alibipässe, Alibizweikämpfe und ganz allgemein Alibifussball ist wohl die treffende Beschreibung des Auftrittes des Waadtländers. Eines von Dutzenden Beispielen war die Szene vor dem 1:1-Ausgleich. Kololli hat auf der linken Seite den Ball, der sich freilaufende Ceesay wird von Ndenge zurückgerissen und fällt um. Schiedsrichter Klossner lässt das Spiel wegen Vorteils FCZ weiterlaufen. Ceesay steht auf und macht sich wieder auf den Weg Richtung angepeilte Anspielstation. Kololli mag aber nicht mehr auf den Gambier warten und spielt den Ball einfach schon mal frühzeitig dahin – somit ist dieser für Ceesay unerreichbar und geht für den FCZ verloren. Beim folgenden Luzerner Gegenangriff ist Kololli in Gedanken immer noch bei jener Offensivszene und gibt seinem Partner auf der linken Zürcher Seite, Kharabadze, viel zu wenig Unterstützung, so dass Luzern durchbricht und Maxsø am Ende gegen Vargas in letzter Not zum Eckball klären muss.

Und bei Cornern können sich die FCZ-Gegner zur Zeit jeweils ein einfaches Rezept zunutze machen: flankt man den Ball auf den Gegenspieler von Umaru Bangura, wird es immer brandgefährlich. Uma’s Woche der verlorenen Luftduelle geht weiter. So musste der FCZ in der Meisterschaft zum zweiten Mal hintereinander ein entscheidendes Gegentor auf einen Eckball zur Kenntnis nehmen. Dabei muss man festhalten, dass die jeweils sechs Zürcher Manndecker bei den Luzerner Eckbällen sehr fokussiert und zu jeder Zeit eng an ihren Gegenspielern dran waren. Dies war im Grundsatz auch bereits in den Spielen davor zu beobachten. Umaru Bangura ist ansonsten im Spiel im Gegensatz zu einem Andreas Maxsø selten nahe an Gegenspielern dran, lässt diesen viel Freiraum und verlässt sich auf seine Schnelligkeit, um im letzten Moment noch eingreifen zu können. Diese Mentalität konnte er in der Vergangenheit auch bei Eckbällen oft nicht abschütteln. Im Napoli-Heimspiel war er dann mit Gegenspieler Koulibaly richtiggehend überfordert. Zuletzt hingegen bewegte sich Bangura in Bern und gegen Luzern bei Standards wieder näher an den Gegenspielern, konnte die Tore von Fassnacht und Lucas Alves aber trotzdem nicht verhindern, weil er seine Gegenspieler beim Abschluss nicht genügend stören konnte.

Dies hat unter anderem sicherlich auch mit seinen körperlichen Voraussetzungen zu tun. Seine für den FCZ in anderen Situationen sehr nützliche Antrittsschnelligkeit hat der 31-jährige vor allem auch, weil er so schlank ist. Dies wiederum ist dann in Luftduellen eher ein Nachteil. Wenn Alain Nef beziehungsweise Mirlind Kryeziu nicht dabei sind, ist Andreas Maxsø in solchen Situationen die einzige echte Zürcher «Bank» und übernimmt daher jeweils auch den kopfballstärksten Gegenspieler. Die Grössenunterschiede gegen Luzern waren schon deutlich: wenn zum Beispiel Rüegg Ndenge deckt und Winter Demhasaj übernimmt, liegen da jeweils gute 15cm dazwischen. Man kann natürlich nicht alles haben im Leben. Umso wichtiger ist vor diesem Hintergrund aber, dass man die Seiten möglichst gut dicht macht, um gegnerische Standards im hinteren Spielfelddrittel zu verhindern – und dafür braucht es unbedingt effektive Unterstützung aus dem Mittelfeld.

Der FCZ sollte ausserdem in der Lage sein, diese Nachteile in der Luft durch Vorteile am Boden in anderen Situationen mehr als zu kompensieren. Ausserdem ist Grösse in den Luftzweikämpfen nicht alles. Auf der einen Seite wird 1,88m-Mann Assan Ceesay wie früher beispielsweise auch Michi Frey bewusst am nahen Pfosten eingesetzt, weil er im Defensivzweikampf im eigenen Strafraum wohl eher nicht zu gebrauchen ist. Ein Kevin Rüegg auf der anderen Seite zeigt, wie man einen Gegenspieler auch im eigenen Strafraum in Luftduellen trotz Grössennachteilen so stören kann, dass dieser keinen gezielten Abschluss zustande bringt. Von einem Kharabadze, Hekuran Kryeziu oder Kololli hat man das Gefühl, dass sie eigentlich in der Lage sein müssten, dies auch noch besser zu lernen. Der 29-jährige Sertic hingegen wird das richtige Timing in der Luft in seiner Karriere wohl nicht mehr hinkriegen – bei Luftduellen im Mittelfeld vermag er immerhin den Gegenspieler zu stören. Und einen Salim Khelifi im eigenen Strafraum zu postieren macht wohl gar keinen Sinn.

Im Cup-Viertelfinal am Donnerstag gegen den SC Kriens sollte der FCZ in den klassischen Luftduellen aber so oder so bestehen können. Was nicht heisst, dass die Corner der Krienser ungefährlich sind. Sie versuchen es mit Ablenkern Richtung Fünfmeterraum oder anderswie unkonventionell ausgeführten Eckstössen. Die grösste Waffe der Innerschweizer ist aber das schnelle Umschaltspiel mit dem intuitiv spielintelligenten Nico Siegrist und schnellen, zielstrebigen Offensivakteuren wie Dzonlagic, Chihadeh, Sulejmani und neu zusätzlich Sukacev. Nicht zufällig hat Kriens auswärts gegen die Challenge League-Spitzenteams Servette und Lausanne Unentschieden geholt, sowie Aarau sogar geschlagen, und liegt in der Auswärtstabelle der Liga an vierter Position nur drei Punkte hinter dem auswärtsstärksten Team Servette. Der in dieser Winterpause nach Kriens verliehene Omer Dzonlagic hat im letztjährigen Viertelfinal im Letzigrund dem FCZ schon einmal zugesetzt, als er der Zürcher Abwehr enteilte, Brecher seinen Abschluss nur nach vorne abwehren konnte und Simone Rapp in der 77. Minute zur vermeintlich vorentscheidenden Thuner Zweitore-Führung zum 3:1 traf.

FCZ – Luzern 1:1 (1:0)

Tore:  8. Khelifi 1:0; 80. Lucas (Schneuwly) 1:1.

FCZ: Brecher; Rüegg (83. Odey), Bangura, Maxsø, Kharabadze; H. Kryeziu, Sertic (77. Domgjoni); Khelifi, Zumberi (61. Winter), Kololli; Ceesay.

Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Cirkovic (69. Ndenge), Sidler; Grether (65. Voca), Schulz; Vargas (85. Custodio), Schneuwly, Schürpf; Demhasaj.