FCZ vor dem Derby in desolatem Zustand / 293. Zürcher Derby mit möglichen taktischen Formationen

Die Überzeugung vieler Journalisten und Fans, dass ohne Sportchef Milos Malenovic alles besser werde, hat sich bisher nicht bewahrheitet – im Gegenteil. Die 1. Mannschaft trat gegen Luzern so desolat auf wie seit Jahren nicht mehr. Man befürchtet Zerfallserscheinungen. Und fragt sich, wie das im Derby gegen einen Rivalen, der sich im Aufschwung befindet, gut gehen soll. Gut geht es auf FCZ-Seite nur den Spielern, die diesen Winter gingen oder gehen mussten. Das von Malenovic in der dritten Kroatischen Liga ausgegrabene Juwel Jahnoah Markelo wurde zum einträglichsten FCZ-Transfer seit fünfeinhalb Jahren – und kam beim Championship-Leader Coventry City unter Trainer Frank Lampard bereits zu seinem ersten Einsatz, aktuell auf Kurs Richtung Premier League. Was für ein Märchen! Auch Junior Ligue, ehemaliger Praktikant in Malenovics Agentur, konnte den gewünschten Millionentransfer nach Italien realisieren. Ex-Abwehrchef Mariano Gomez ist beim Ungarischen Serienmeister Ferencvaros gleich Stammspieler geworden, hat im Derby gegen Ujpest bereits sein erstes Tor erzielt, und nach dem Hinspiel gegen Ludogorets intakte Chancen auf die Qualifikation für den Europa League-Achtelfinal.

Vereinslose / angeschlagene Oldies sind immer wieder eine Lotterie

Auch Linksverteidiger Milan Rodic traf nach der Rückkehr zu seinem Stammklub OFK Belgrad bereits bei seinem zweiten Einsatz im Derby gegen Cukaricki ins Schwarze! Und auch Steven Zuber traf in seinem geliebten Athen für Atromitos schon ins gegnerische Netz. Er ist genauso Stammspieler wie der beim FCZ zu Unrecht lange auf eine Ersatzrolle reduzierte Nemanja Tosic beim Zypriotischen Traditionsklub (dritthöchste Zuschauerzahl) Anorthosis Famagusta. Dabei könnte der FC Zürich gerade Tosic gut gebrauchen. Denn es hat sich in den letzten drei Partien seit dem 0:3 bei YB weiter bestätigt, dass auf den Aussenverteidigerpositionen ein grosses Manko besteht. Kablan / Comenencia sind 2026 bisher das klar schlechteste Aussenverteidiger- / Aussenläuferduo der Liga. Der von Akritas Chlorakas gekommene 31-jährige Kablan flaniert über die Schweizer Fussballplätze wie wenn er sich immer noch am Strand von Pafos befinden würde. Zum FCZ wechselte er offenbar vor allem weil Zürich laut eigener Aussage nahe bei Luzern liegt. Sein Auftritt gegen die Truppe aus seiner Heimatstadt vor einer Woche kann man nicht anders denn als Arbeitsverweigerung bezeichnen.

Auch Livano Comenencia ist mittlerweile völlig von der Rolle. Die Niederlage in Bern leitete der Holländer mit zwei haarsträubenden Fehlern in Alleinregie ein. Und Luzern genoss über seine Seite sehr viel Freiraum. Einzig beim 1:2 in Basel konnte man von einer ordentlichen Leistung der beiden Aussenverteidiger sprechen. Umso unverständlicher, dass der FCZ nicht zumindest Mattia Rizzo von seiner Leihe in Lecco vorzeitig zurückholt. Stattdessen holt man ältere Spieler mit wenig Spielpraxis zum FCZ – auf Positionen wo die Not weniger gross gewesen war. Während man die Jungen aus der eigenen Akademie sehr gut kennt, sind Verpflichtungen von vereinslosen oder zuletzt angeschlagenen „Routiniers“ eine Lotterie, die in den letzten Jahren beim FC Zürich die Mannschaft häufig destabilisiert hat. Es gibt jeweils gute Gründe, warum Spieler mit bekanntem Namen nichts Besseres finden, und froh sind bei einem Klub wie dem FCZ untergekommen zu sein. Meist brauchen solche Spieler viel mehr Spiele Anlaufzeit, um (wieder) auf Super League-Niveau zu kommen, als ein junges Talent es bräuchte – falls es überhaupt gelingt.

Ein sehr dünnes Gerippe beim FCZ

Neben den Aussenverteidigern enttäuschte gegen Luzern auch das Mittelfeldzentrum. Bledian Krasniqi ist zwar mit acht Torvorlagen der mit Abstand beste Assistgeber, bringt aber aktuell über 90 Minuten zu wenig. Miguel Reichmuth war zuletzt sogar ein Totalausfall und im Vergleich zu der Zeit vor Weihnachten nicht mehr wiederzuerkennen. Und Umeh Emmanuels Produktivität nach vorne ist viel zu tief. Nur Nevio Di Giusto, Silas Huber und dem zuletzt auf der Zehnerposition im 4-2-3-1 eingesetzten Cheveyo Tsawa konnte man auf Zürcher Seite gegen den FC Luzern eine ordentlich bis gute Leistung attestieren – das ist ein sehr dünnes Gerippe.

Wer soll im Derby Aussenverteidiger spielen? Möglich, dass Sebastian Walker auf Links zu seinem Début kommt und Lindrit Kamberi auf die rechte Seite rückt. Livano Comenencia fehlt verletzt. Valon Berisha ist eine Alternative für den Linken Flügel oder eine der zentralen Positionen. Gesetzt sein sollten die einigermassen formstarken Huber, Di Giusto und Tsawa. Reverson würde zwar eine Startaufstellung verdienen, aber es braucht auch noch wenigstens einen vielversprechenden Joker auf der Bank.

Mit Dreierabwehr gibt die Mannschaft auch nicht mehr her

Mit Dreierabwehr würde die Situation nicht besser aussehen, denn die schlechte Kadersituation bei den Aussenverteidigern überträgt sich auch auf die allfällige Aussenläuferposition. Denn es gibt für diese Position im Gegensatz zu früher keine Spezialisten mehr im Kader. Nevio Di Giusto könnte auch auf der Zehnerposition auflaufen, von der Rechten Seite ist er aber effektiver.

Michi Freys zweite irre Cup-Wende im Letzigrund

Auch GC hatte viel Transferbetrieb im Winter, wurde dadurch aber im Gegensatz zum FCZ gestärkt. Speziell in der Hintermannschaft benötigten die Hoppers Verstärkung. Der vom FC Riga gekommene Ngom ist eine Trouvaille und hätte auch dem FCZ gut angestanden. Schwachpunkte wie der langjährige Braunschweig-Spieler Saulo Decarli werden nun auf der Bank oder gar Tribüne verschwinden. Dafür wurde der aktuelle Braunschweig-Captain Sven Köhler verpflichtet. Und natürlich für die Sturmspitze Michael Frey sowie Emmanuel Tsimba. Der zuletzt formstarke Mittelfeldspieler Lovro Zvonarek ist hingegen verletzt. In der Liga hat das Team von Trainer Gerald Scheiblehner bisher erst vier Partien gewonnen (davon eines der beiden Derbys). Die Resultate und Leistungen sind im Jahre 2026 aber bisher deutlich besser als beim FCZ. Die Qualifikation für den Halbfinal des Schweizer Cups gibt zusätzlichen Schwung. Die Wende zum 4:3 nach Verlängerung mit Michi Frey in einer der Hauptrollen erinnerte stark an das FCZ-Comeback im Cup-Viertelfinal gegen Thun im November 2017 vom 1:3 zum 4:3 in den letzten fünf Minuten plus Nachspielzeit – mit zwei Toren Freys. Am Ende jener Saison wurde der FC Zürich zum bisher letzten Mal Cupsieger.

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Kann Reichmuth Cognat stoppen? / Servette – FCZ mit möglichen taktischen Formationen

Mit Servette und dem FCZ treten zwei Teams mit Hoffnungen aber gleichzeitig einer unkonstanten Saison gegeneinander an, die beide in der Tabelle im Vergleich mit konstanteren Mannschaften wie Thun oder Sion ins Hintertreffen geraten sind. Bei Servette hat offenbar das bittere Ausscheiden gegen Viktoria Plzen in der Champions League-Qualifikation zu einem ähnlichen Schock geführt wie beim FCZ 22/23 gegen Qarabaq Agdam. Der FC Zürich hat während der Saison bereits einen Trainer- und Sportchef-Wechsel hinter sich mit den daraus ebenfalls folgenden personellen Wechseln im Kader. Kein einziges Mal trat der FC Zürich im Jahr 2025 in Genf an! Dies aufgrund des „Schotten-Modus“ und Spielplanes. In den zwei Duellen im Letzigrund verlor der FCZ im März mit dem damaligen Coach Ricardo Moniz 1:3 und gewann im September unter Mitchell Van der Gaag mit 2:1. Letzteres war damals die zweite Liga-Partie von Jocelyn Gourvennec als Servette-Verantwortlicher an der Seitenlinie gewesen. Der FC Zürich kam nach 2:0-Führung durch einen Tsawa-Doppelpack im Verlauf der 2. Halbzeit immer mehr unter Druck und brachte die drei Punkte nach Platzverweisen gegen Bangoura und Sauter mit Glück ins Trockene.

Wer ersetzt beim FCZ Steven Zuber?

Beim letzten Auftritt in Genf im November 2024 traf Bledian Krasniqi beim 1:1 mit einem herrlichen Weitschusstor. Es war eines von 16 Toren Krasniqis in seinen 162 Partien für die 1. Mannschaft des FCZ. Sein Début hat Krasniqi in der Europa League-Saison 18/19 unter Ludo Magnin gefeiert. Nach zwei Leihjahren in Wil gehört der eingefleischte FCZ-Anhänger seit der Meistersaison 21/22 zum Stammpersonal. Auch in der aktuellen Saison gehört er zu den elf Spielern mit den meisten Spielminuten im Kader und hat in Wettbewerbspartien am meisten Torvorlagen geliefert. Nach seinem ausgezeichneten Saisonstart wurde er zuletzt allerdings nicht mehr häufig für die Startformation berücksichtigt. Vor der Winterpause sah man von ihm als Joker einzelne gute Aktionen.

Der Abgang von Steven Zuber könnte Krasniqi nun die Chance eröffnen wieder in die Startelf zu rücken – zumal Trainer Dennis Hediger wohl davon abrücken wird, einen gelernten Stürmer wie Umeh Emmanuel auf der Zehner-Position laufen zu lassen. Im einzigen Test vor einer Woche in Kaiserslautern war Krasniqi allerdings noch krank gemeldet. Für ihn lief der von seiner Leihe aus Vaduz frühzeitig zurückgekehrte Nevio Di Giusto auf. Im „Ländle“ unter Trainer Marc Schneider stand ihm auf der Zehner-Position Luzern-Talent Ronaldo Dantas vor der Nase. Als dritte gute Option steht zudem Jill Stiel in den Startlöchern.

Wer stoppt Cognat, Stevanovic und Njoh?

Vor der Winterpause hat der FC Zürich unter Dennis Hediger jeweils mit Dreierabwehr in einem 3-4-1-2 gespielt. Kaiserslautern-Trainer Torsten Lieberknecht sprach aber nach dem hinter verschlossenen Türen durchgeführten Testspiel davon der Gegner habe im Rhombus gespielt. Dementsprechend könnte als überraschende Variante in Genf doch wieder ein FCZ mit Viererabwehr auftauchen. Was sicherlich gleich bleiben wird ist ein im Vergleich zur Zeit unter Ural, Moniz und Van der Gaag wieder vertikaler agierender FC Zürich mit einem Zwei Mann-Sturm und einem Zehner dahinter – ohne Flügelspieler und wenig Speil über die Seiten. Aus diesem Grund passt der sich auf dem Absprung befindende Jahnoah Markelo auch nicht mehr ins Team.

Mit Miguel Reichmuth hat der FC Zürich einen wendigen Sechser, der prädestiniert ist es mit dem Genfer Schlüsselspieler Timothée Cognat aufzunehmen. Bei der Auftaktniederlage (0:1) nach der Winterpause gegen Lausanne-Sport zeigte sich Cognat bereits wieder in bestechender Form. Ihn ganz auszuschalten ist nicht einfach. Weitere Schlüsselspieler in der Genfer Offensive sind Flügel Miroslav Stevanovic über rechts und Linksverteidiger Lilian Njoh über links. Falls er sich fit meldet wird es sicherlich die Aufgabe von Neuverpflichtung Chris Kablan sein, die Kreise von einem der beiden einzuschränken. Zuletzt auf Zypern hat Kablan zwar bei einem Eckball ein schönes Tor erzielt, blieb defensiv aber nicht immer über alle Zweifel erhaben. Mitentscheidend wird für den FCZ im Stade de Genève auch die Verteidigung der starken Genfer Standards von Cognat, Stevanovic und Njoh sein, die häufig kurz ausgeführt werden.

Viele talentierte Varianten am Linken Flügel Servettes

Servettes junger Linker Flügel Mardochée Miguel musste im Léman-Derby gegen Lausanne-Sport nach einem ansonsten starken Auftritt, aber einer hart gepfiffenen ersten Gelben Karte wegen Foulspiels, und einer korrekten zweiten Gelben Karte wegen Schwalbe schon vor der Pause mit Gelb-Rot unter die Dusche – und ist gegen den FCZ gesperrt. Der aus dem Servette-Nachwuchs stammende Portugiesische Junioren-Nationalspieler Keyan Varela könnte ihn ersetzen. Allerdings soll dieser auch kurz vor einem Wechsel zum Polnischen Spitzenteam und Conference League-Sechzehntalfinalist (gegen Fiorentina) Jagiellona Byalistok stehen, wo bereits die beiden Ex FCB-Akteure Pululu und Pelmard engagiert sind. Vielleicht wird das Spiel gegen den FCZ Varelas letzter Auftritt im Grenat-Dress. Mit Malek Ishuayed wäre ein weiteres vielversprechendes Nachwuchs-Talent eine Altermative – oder Lilian Njoh wird eine Reihe vorgezogen. Dies wiederum würde wohl dem U21-Captain Téo Allix zur Startelf-Nomination verhelfen – und Linksfuss Bradley Mazikou den Wechsel auf seine präferierte Seite. Aus Polen (Legia) zurückgekehrt in die Schweiz ist hingegen Marco Burch. Gegen Lausanne-Sport war der innenverteidiger noch nicht spielberechtigt gewesen, da das Transferfenster in der Schweiz erst am 15. Januar geöffnet wurde. Bei Gourvennecs Servette wird Burch die Aufgabe haben auch gegen einen hoch attackierenden FCZ mit Flachpassspiel hinten heraus zu kombinieren.

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SFL Telegramm

Es steht viel auf dem Spiel / 289. Zürcher Derby Vorschau mit möglichen taktischen Formationen

Der FCZ hat in den Kalenderjahren 2023 und 2024 nur ein Derby verloren und geht somit mit Zuversicht ins 289. Zürcher Derby – dem ersten mit Steven Zuber in den FCZ-Farben. Für beide Teams geht es in der Saison langsam aber sicher ums “Eingemachte“. Die Ergebnisse waren zuletzt auf beiden Seiten ausgewogen. Beim FCZ wechselten sich Siege und Niederlagen ab, bei GC waren vor allem auch viele Unentschieden dabei. Die Grasshoppers haben nur ein Spiel mehr verloren als der FCZ, sind aber die “Remis-Könige“ der Liga (12) und deshalb mitten im Abstiegskampf. Die Leistungen auf dem Feld haben sich unter Trainer Oral stabilisiert. Die Mannschaft kann vor allem auch physisch gegen jeden Gegner dagegenhalten und gegen Ende einer Partie auch noch zulegen.

Persson als Offensiv-Trumpf – findet Abrashi Platz in der Startelf?

Die durchschnittlichen GC-Ergebnisse der letzten Wochen wären zudem überdurchschnittlich gewesen, wenn GC nicht so viel Wettkampfpech gehabt hätte. Viele Aluminiumtreffer und vergebene “hundertprozentige“ Torchancen wurden noch getoppt durch grosses Schiedsrichter- und VAR-Pech. Allein bei der 1:3-Niederlage in St. Gallen entschied Schiedsrichter Kanagasingam mit drei “kreativen“ Entscheidungen (Rote Karte plus zwei Penaltys) die Partie zugunsten der Ostschweizer. Captain Abrashi fehlte danach auch noch beim 1:1 gegen Sion zusammen mit dem Innenverteidigerduo Decarli / Seko sowie Torhüter Hammel gesperrt.

Die Grasshoppers spielten zuletzt jeweils mit einem Rhombus-Mittelfeld erst direkt durch die Mitte, und kreieren dann gerne in Strafraumnähe über die Seiten Überzahlsituationen. Der von YB ausgeliehene Linksverteidiger Noah Persson ist ein offensiver Schlüsselspieler und in dieser Hinsicht unter anderem mit seinen Flanken einer der besten und konstantesten Aussenverteidiger der Liga. Ayumu Seko ist in der Innenverteidigung eine Bank, könnte aber genauso wie Mathieu Choinière aufgrund Länderspielen in Übersee und Jetlag (inklusive Feier der WM-Qualifikation mit Japan) auf der Ersatzbank beginnen. Der neu verpflichtete Mittelfeldspieler Imourane Hassane war in den letzten Partien gesetzt. Nicht selbstverständlich ist, dass Captain Amir Abrashi nach seiner Sperre in die Startaufstellung zurückkehrt, denn erwächst ihm auf der 6er-Position grosse Konkurrenz durch Ndenge und Hassane. Muci ist der Top-Joker vorne im Sturm und auch das Comeback des zu Saisonbeginn starken Lee scheint unmittelbar bevorzustehen.

Vincent Nvendo vor Début und Nevio Di Giusto vor Comeback in der 1. Mannschaft

Beim FC Zürich ist trotz des Ausfalls von Perea die Personalsituation so gut wie wohl noch nie in dieser Saison. Es gibt auf allen Positionen gute Alternativen. Gegen den FC Luzern agierte der FCZ wieder in einem 4-2-4, wobei es aufgrund des Rhombus-Systems der Luzerner (analog GC) eher ein 4-1-1-4 war mit Gbamin und Krasniqi vertikal oft grosser Distanz zueinander. Der von Etoile Carouge verpflichtete Vincent Nvendo wird wohl zu seinem Début kommen – ob in der Startformation wird sich noch zeigen. Der physisch starke Nvendo belastet als 21-jähriger in Genf ausgebildeter Spieler die bereits volle 25 Mann-Kontingentsliste nicht. Seine Mittelstürmer-Konkurrenten Mohammed Mahmoud und Damienus Reverson spielen in der Promotion League im Heerenschürli gegen den FC Breitenrain – genauso wie Umeh Emmanuel und Armstrong Oko-Flex.

Nicht mit dabei bei der U21 und damit wohl im Kader der 1. Mannschaft steht wohl erstmals seit seiner Operation Nevio Di Giusto. Auf den beiden Mittelfeldpositionen sind Cheveyo Tsawa und Miguel Reichmuth nahe an JP Gbamin und Bledian Krasniqi (Torschütze gegen Luzern) dran. Krasniqi hatte zuletzt zwar schwankende Leistungen, er liegt aber mit neun Skorerpunkten bereits über dem letztjährigen Wert. Auf der Rechten Seite haben Kamberi und vor allem Markelo gegen Luzern positive Zeichen gesetzt, so dass Ballet trotz seines Tores möglicherweise auch diesmal als Joker starten könnte. Nicht zuletzt seine Frische als Einwechselspieler gegen einen bereits müde gelaufenen Gegenspieler hat ihm gegen Luzern die Aktion zum Game Winning Goal ermöglicht.

Über den kleinen, aber feinen Unterschied – und etwas Fake News / FCZ – Winterthur Cup-Viertelfinal Analyse mit Randnotizen: FCZ schiesst in starken 1. Halbzeiten zu wenig Tore

FCW ERSTMALS FAVORIT / FCZ – WINTERTHUR CUP-VIERTELFINAL VORSCHAU (Züri Live)

An der Pressekonferenz nach der Partie verbreitete FCW-Trainer Patrick Rahmen mit einer Spitze gegen FCZ “Co-Cheftrainer“ Umberto Romano unnötigerweise noch etwas Fake News: „Ich bin nicht damit einverstanden, dass wir nur hinten rein gestanden sind, wir hatten glaub 53% Ballbesitz…“. In der Hitze des Gefechtes kurz nach einem Spiel kann es natürlich vorkommen, dass man eine Zahl mal falsch liest oder hört. Aber dass diese Zahl nicht stimmen kann, hätte Rahmen mit seiner langjährigen Trainererfahrung eigentlich erahnen müssen. Tatsächlich waren es 43%. Auch die Pressing-Werte (PPDA FCZ: 5,95, FCW: 16,56) redeten eine klare Sprache, dass der FCZ in der gegnerischen Hälfte deutlich mehr Druck machte. Phasenweise stand die Viererabwehrkette des FCZ weit in der gegnerischen Platzhälfte. Die sehr hohe Zahl von 25 Ballgewinnen im Angriffsdrittel und die ungenauen hohen Bälle von FCW-Torhüter Marvin Keller konnte das Heimteam aber nicht in ein Tor ummünzen.

Der kleine, aber feine Unterschied zwischen Jonathan Okita und Sayfallah Ltaief

Rahmen hätte allen Grund gehabt, auch einfach Stolz auf die Defensivleistung seiner Mannschaft zu sein, welche den Unterschied ausmachte und dank der sie verdient in den Cup-Halbfinal einzog. Speziell im Zentrum stellte der FCW dank seiner Kompaktheit und Laufarbeit im Mittelfeld konsequent fast alle Passwege zu – und blockte beherzt viele FCZ-Abschlüsse am und im Strafraum. Der FCZ musste viel über die Seiten ausweichen, von wo die 16 Flanken (zweithöchster Saisonwert) nicht genügend gefährlich wurden. Bereits in der 3. Minute stellte Remo Arnold im eigenen Strafraum seinen Rücken in einen Drehschuss Antonio Marchesanos, dem ansonsten sein Torhüter Keller wohl nur noch auf den Weg in den rechten Torkranz hätte hinterherblicken können. Kryeziu, Okita, Boranijasevic, Kamberi, Di Giusto oder Santini vergaben weitere gute Torchancen im Strafraum.

Winterthur hatte abgesehen von den beiden Weitschüssen, die zu den Burkart-Toren führten, keinen einzigen Abschluss in der 2. Halbzeit. In der 1. Halbzeit hatten die Gäste vier Abschlüsse, wovon einer (Di Giusto-Freistoss aus der Distanz) aufs Tor von Yanick Brecher kam. Diese vier Abschlüsse entsprachen zusammengezählt einem Expected Goals-Wert von gerade mal 0,1. Der FC Zürich hätte aufgrund seines Expected Goals-Wertes von 1,27 mindestens ein Tor erzielen müssen. Auf FCZ-Seite arbeitete Jonathan Okita durchaus defensiv mit, liess aber in den entscheidenden Szenen vor den beiden Gegentoren etwas die Bissigkeit und Konsequenz im Verteidigen vermissen. Der FC Winterthur hat mit Sayfallah Ltaief einen Spieler, der grundsätzlich auch einen Hang zum etwas inkonsequenten Verteidigen hat. Dieser agierte für einmal auf dem Rechten Flügel und schloss in den wichtigen Szenen die entscheidenden Räume, agierte in den Zweikämpfen konsequenter. So trat Winterthur als die etwas kompaktere Einheit auf. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Beste 1. Halbzeit der Saison

Trotzdem hatte Okita in der 33. Minute beim Stand von 0:0 eine sehr ähnliche Weitschussmöglichkeit wie Ltaief später vor dem Winterthurer 0:1 – sogar aus zentralerer Position. Calixte Ligue spekulierte und war genau gleich wie später Nishan Burkart auf den Abpraller beim Torhüter bereit. Der Schuss von Okita ging aber knapp am linken Pfosten vorbei, statt scharf aufs Tor zu kommen. Weil der FCZ mehr Ballbesitz hatte und der FC Winterthur tatsächlich vorwiegend hintenrein stand, setzte Okita umringt von mehreren Winterthurer Verteidigern zu seinem Abschluss an und schoss auch deshalb knapp daneben. Seine tollen Weitschusstore gegen YB, St. Gallen oder in Lugano entstanden alle aus Umschaltsituationen, in denen Okita Platz und Zeit für seinen raumgreifenden Bewegungsablauf hatte.

Die Motivation, wieder einmal einen Cup-Halbfinal erreichen zu können, war beim FC Zürich von der 1. Minute an gross – dies zeigt unter anderem der Züri Live-Notenschnitt der 1. Halbzeit von 7,2 – der beste der bisherigen Saison! Die 2. Halbzeit war dann allerdings die zweitschlechteste im Kalenderjahr 2024. Offensivaktionen gab es so viele wie wohl noch nie in dieser Saison über 90 Minuten. Da aber die FCZ-Stürmer weiter Ladehemmung haben und einer der aktuellen Goalgetter Bledian Krasniqi von seiner Position auf der Doppel-6 aus zu keinem Abschluss kam, kann trotzdem eine torlose Partie dabei herausschauen. Man hatte den Eindruck, der FCZ hätte an dem Abend noch lange spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Auch die Schlussminuten im “Brechstangen-Modus“ nach der Einwechslung von Teilzeit-Stürmer Nikola Katic änderten nichts daran.

Viertelfinal-Highlights – Burkart hat es wieder gerochen

Personalien – Nevio Di Giusto bringt im ersten Spiel gegen Bruder Matteo Bestleistung

  • Calixte Ligue: Läuft als Mittelstürmer auf, ist aber bis zur 49. Minute der Einzige im FCZ-Trikot ohne Abschlussbeteiligung. Antizipiert zu wenig oft die Verhaltensweisen von Mitspielern und Gegenspielern. Ausnahmen gibt es, aber es fehlt häufig noch der “Riecher“ für die jeweilige Situation in der Angriffszone. Trifft auch im Pressing falsche Entscheidungen.
  • Yanick Brecher: Wie in Luzern Bester der 1. Halbzeit.
  • Nevio Di Giusto: Spielt erstmals gegen seinen Bruder Matteo, ist beim FCZ MVP und bester Spieler in der Offensiv-Phase.
  • Lindrit Kamberi: Wie beim Heimspiel gegen Lausanne-Sport Bester der Defensiven Phase – wieder ohne dabei eine Top-Note zu haben, was nicht für die Defensivleistung des Teams spricht.
  • Nikola Boranijasevic: Kam in Lugano als Einwechselspieler zum Einsatz und hatte dabei die beste Züri Live-Bewertung, Nun wieder von Beginn weg dabei.
  • Bledian Krasniqi: Hat zuletzt mehrmals das Tor getroffen, kommt gegen den FCW selbst aber nicht zum Abschluss. Legt dafür am meisten Torchancen direkt auf (5) und ist an rund der Hälfte der Abschlüsse beteiligt. Von den zwei Top-Vorbereitungen innnerhalb ein und derselben 85. Minute (ein Freistoss und ein Dribbling im Strafraum) hätte einer der beiden Abschlüsse (Kamberi, Di Giusto) im Tor landen müssen.
  • Jonathan Okita: Hat am meisten Abschlüsse (4) auf Seiten des FCZ. Auf der anderen Seite an beiden Gegentoren entscheidend beteiligt. Beim 0:1 nimmt er seine Deckungsaufgabe zu locker und kommt zu spät, um den Schuss von Sayfallah Ltaief zu verhindern – oder zumindest zu blocken. Vor dem 0:2 lässt er sich zu einfach von FCW-Innenverteidiger Remo Arnold vernaschen.
  • Fabian Rohner: Wird viel mit hohen Diagonalbällen gesucht, lenkt diese per Kopf vielversprechend in Abschlusszonen. Seine Flanken (5) bringen hingegen weniger Gefahr für Winterthur.

Kommentare – Emotionale Familien-Saga im Letzigrund

Randnotiz – FCZ schiesst in starken 1. Halbzeiten zu wenig Tore

Ein Grundproblem für den FCZ in dieser Saison besteht darin, dass er in starken 1. Halbzeiten zu wenig Tore erzielt. In den sechs besten 1. Halbzeiten der bisherigen Saison (nach Züri Live-Noten) kassierte man zwar kein einziges Gegentor, erzielte aber auch nur zwei Tore: Ifeanyi Mathew traf kurz vor dem Pausenpfiff in Basel und Bledian Krasniqi im 284. Derby. Die Folge davon ist, dass die starken ersten 45 Minuten zu wenig belohnt werden. Man hat nur eines dieser sechs Spiele letztendlich gewinnen können – zwei endeten gar in einer Niederlage, davon eines nun im Cup gegen Winterthur. Die beste 1. Halbzeit der Saison endete 0:0 – und Winterthur nutzte danach seine einzigen zwei Torchancen der 2. Halbzeit für den Halbfinal-Einzug.

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Kamberi wiederholt seinen Fehler vom 284. Derby / Lugano – FCZ Analyse mit Randnotizen: Penaltyszenen und die veränderte Spielweise in Zahlen

LUGANO MIT VORSPRUNG AUF DER LEISTUNGSKURVE / LUGANO – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Die zweite Auswärtspartie bei einem FCL hintereinander brachte nach dem starken Auftritt in Luzern einen Rückschlag. Der sich aktuell in einer sehr guten Verfassung befindliche FC Lugano war für den sich im Umbruch befindlichen FCZ an diesem Tag zu gut. Das Pressing Luganos ist nicht so intensiv wie dasjenige des FCZ, aber dafür clever. Dadurch schafften es die Tessiner als erstes Team überhaupt in dieser Saison gegen den FCZ ein Tor (das 2:0) aus einem Hohen Pressing zu erzielen – nicht nur das: auch der Penalty zum 1:0 entstand aus einer solchen Situation. Natürlich waren diese Premièren auch durch die neue Spielweise des FC Zürich bedingt. Der 17-jährige Débutant Cheveyo Tsawa verkörperte das mutige Direktspiel des FC Zürich durchs Mittelfeld. Neben Tsawa kamen gleichzeitig Dante und Oko-Flex zu ihren Startelf-Débuts in der Liga. Und Nils Reichmuth spielte in dieser Saison ebenfalls zum ersten Mal in der Super League von Anfang an. Dante, Tsawa und Oko-Flex kommen alle auf eine ungenügende Note „3“.

FCZ in der 2. Halbzeit variabler

Es heisst, man solle den gleichen Fehler nicht zwei Mal begehen. Dies passierte aber vor dem wegweisenden 1:0 Luganos Lindrit Kamberi. Schon im 284. Derby hatte er kurz vor Schluss den Ball aus den Augen verloren und ein Zuspiel Cheick Condés passieren lassen, weil er mit einem Seitenblick hektisch zum anstürmenden Pascal Schürpf schaute. Dasselbe wiederholte sich in Lugano, als Kamberi ein Zuspiel seines Torhüter Yanick Brecher am eigenen Strafraum ohne Probleme hätte erreichen und verarbeiten können, wenn er nicht seinen Lauf gebremst, mit einem Seitenblick zum anstürmenden Hicham Mahou geschaut – und so den Ball aus den Augen verloren hätte. Ob man beim anschliessenden Tackling Kryezius im Strafraum gegen Mattia Bottani wirklich auf Penalty entscheiden musste, ist eine andere Frage (siehe Randnotiz).

Der FCZ agierte wie in Luzern in der 1. Halbzeit im 4-2-3-1, nahm dann aber auf die 2. Halbzeit hin einige Umstellungen vor – und brachte mehr Variabilität in sein Spiel. Di Giusto und Okita kamen für Tsawa und Oko-Flex rein. Man lief nun in einer 4-3-3 Grundformation auf, mit Di Giusto und Marchesano auf den beiden 8er-Positionen vor dem 6er Mathew. Wenn immer möglich, versuchte man daraus in der gegnerischen Hälfte in 3-3-4 zu machen. Dafür verschob sich Conceição rechts auf die Höhe der Stürmer und machte zusammen mit Okita das Spiel breit. Lugano vermochte so den FCZ nicht mehr so effektiv im Spielaufbau zu stören. Die Positionen wurden viel rotiert – umso mehr nach der Einwechslung Boranijasevics, der dafür ein Spezialist ist.

In der Offensivleistung grosse Diskrepanzen im Team

Während es für den FCZ in der 2. Halbzeit taktisch besser lief, schien gleichzeitig aber nach den läuferisch sehr intensiven ersten 45 Minuten die Team-Energie im zweiten Durchgang sich nicht mehr auf dem gleichen Level zu befinden. Insgesamt ist die Züri Live-Teamnote mit 5,6 unterdurchschnittlich, vergleichbar mit den beiden letzten Derbys. Defensiv war die Fehlerquote relativ hoch. Offensiv herrschte eine grosse Diskrepanz zwischen den auf hohem Niveau agierenden Boranijasevic, Marchesano und Mathew – und den ungenügend auftretenden Oko-Flex oder Tsawa am anderen Ende der Skala.

Highlights – Fand es ein deutliches Hands

Personalien – Nils Reichmuth findet Räume und Anspielstationen “aus dem Nichts“

  • Ifeanyi Mathew: Offensiv stark, mit den meisten Abschlüssen – defensiv aber fehlerbehaftet. Von allen eingesetzten Spielern die meisten Defensiv-Minuspunkte – unter anderem am 2:0-Treffer Luganos mit schlechter Zweikampfführung beteiligt.
  • Cheveyo Tsawa: Bei seinem Startelf-Début mutig, stark im Direktspiel, aber noch mit dem ein oder anderen Fehlpass zu viel.
  • Nevio Di Giusto: Spiel läuft zu Beginn seines Einsatzes noch etwas an ihm vorbei, steigert sich dann aber schnell.
  • Rodrigo Conceiçâo: Gegen eine im Schnitt eher kleingewachsene gegnerische Mannschaft scheint er sich besser durchsetzen zu können. Ist erstmals der Defensiv und zum dritten Mal in der 1. Halbzeit der Beste beim FCZ, baut allerdings in der 2. Halbzeit stark ab.
  • Nikola Boranijasevic: Zum ersten Mal in dieser Saison der beste FCZ-Spieler einer Partie. Hingegen bereits zum vierten Mal der beste Spieler der 2. Halbzeit und ebenfalls bereits zum vierten Mal der beste Spieler in der Offensiven Phase. Nach seiner Einwechslung speziell offensiv mit viel Impact, aber letztendlich ohne Ertrag, weil von den Mitspielern insgesamt in der Schlussphase zu wenig Unterstützung kommt – und Lugano diszipliniert und abgezockt agiert.
  • Armstrong Oko-Flex: Kann seine Chance in der Startformation (erstmals in der Liga) nicht nutzen. Unter anderem zu wenig engagiert im Gegenpressing. Positiv kann man die sofort und friktionslos funktionierende gegenseitige Abstimmung mit Dante auf der linken Seite erwähnen.
  • Jonathan Okita: Seine Standards sind auch in diesem Spiel gut. Den ersten Eckball kann er allerdings erst in der 91. Minute treten. Davor gab es für den FCZ keinen. LIefert fast die Hälfte der Abschlussvorlagen. Man spürt aber trotzdem bei ihm zu wenig den unbedingten Willen eines Einwechselspielers, die Partie noch zu drehen. Verliert die Bälle teilweise zu einfach.
  • Nils Reichmuth: Erster Startelf-Einsatz der Saison. Findet Räume und Anspielstationen “aus dem Nichts“, so auch bei seiner Vorlage zur einzigen FCZ-Torchance der 1. Halbzeit durch Junior Ligue. Unter dem Strich aber immer noch etwas zu wenig solide.

Kommentare – Luxusproblem: viele Auswärtsfans

Randnotiz 1 – (Potentielle) Penaltyszenen

Randnotiz 2 – Veränderte Spielweise des FCZ in Zahlen

Footballytics hat die Daten des FCZ unter Bo Henriksen (Saison 23/24) mit denjenigen der ersten beiden Partien der Nach-Henriksen Ära verglichen. Natürlich ist es eigentlich zu früh, Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Mannschaft befindet sich in einer Anpassungs- und Übergangsphase. Kurzfristig hat sich auf jeden Fall der Ballbesitz wie vermutet von 48% auf 58% erhöht. Dementsprechend gibt es praktisch keine Konter mehr und es werden 40% mehr Pässe und gleichzeitig anteilsmässig deutlich weniger Lange Bälle gespielt. Das Pressing wurde stark intensiviert. Entscheidend dabei aber: die Expected Goals-Werte haben sich deutlich verschlechtert. Die Erwarteten Tore pro Spiel haben sich von 1,52 auf 0,7 mehr als halbiert. Gleichzeitig haben sich die Erwarteten Tore für die Gegner von 1,04 auf 1,74 erhöht. Eine positive Chancenbilanz wurde zu einer stark negativen. Dazu passt, dass trotz oder gerade wegen deutlich mehr Ballbesitz die Anzahl Ballberührungen im gegnerischen Strafraum um 46% zurückgegangen sind.

Weitere Berichte

Telegramm (transfermarkt)

Vladi und Celar schiessen harmlose Zürcher ab – Lugano rückt dem FCZ auf die Pelle (Blue)

Junger FCZ im Tessin überfordert (Blick)

Lugano schlägt den FCZ verdient (SRF)

Kurz ist in Lugano die Rede von Spielabbruch (Landbote)

Super League: FC Lugano schlägt FC Zürich 2:0 (Nau)

Zuschauerrekord? Mehr Ballbesitz? Di Giusto in der Startelf? / FCZ – YB VORSCHAU

Der FCZ empfängt den Leader aus der Bundesstadt (einseitige Selbstbezeichnung seit neuestem: „Hauptstadt“) zu einem Duell zweier Mannschaften, denen das Toreschiessen schwer fällt. Dem FCZ noch mehr als YB. Er hat mit einem Team, dessen individuelle Qualitäten am besten für Konterspiel geeignet sind, nicht überraschend Probleme, mit viel Ballbesitz im Spielaufbau die benötigten Tore zu realisieren. Der Einsatz, Wille und die Laufbereitschaft der Spieler ist top – daran liegt es nicht. Die möglichst rasche und radikale Umsetzung der Ideologie hat aktuell aber wieder einmal Vorrang gegenüber dem Resultat. Natürlich will man trotzdem immer gewinnen. Die Frage ist aber, wenn es hart auf hart kommt: was hat faktisch Priorität?

FCZ in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren mit grosser Strahlkraft in Bern

Gespannt darf man auf den Zuschauerzuspruch sein. Beim 3:1 im November gab es im Letzigrund mit 19’285 die zweithöchste Zuschauerzahl eines Heimspiels gegen YB. Nur im Oktober 1960 kamen einmal noch mehr. Nicht zufällig gab es damals zum bisher einzigen Mal mehr als 20’000 Zuschauer gegen YB. Dies ereignete sich am Ende der ersten grossen Zeit der Berner in den 50er-Jahren. Gleichzeitig war der FCZ zu jener Zeit im Aufschwung und startete seine erste grosse erfolgreiche Ära der 60er- und 70er-Jahre. Ab Mitte der 80er- bis Ende der 00er-Jahre waren Heimspiele gegen YB dann aber während rund 25 Jahren im Vergleich mit Heimspielen gegen andere Gegner konstant unterdurchschnittlich besucht. Ab der Ära Petkovic und speziell seit dem Beginn der zweiten grossen Blütezeit der Gelb-Schwarzen hat sich dies wieder geändert.

Auch der FCZ zieht in Bern überdurchschnittlich viele Zuschauer an. Allerdings ist beides nicht zu vergleichen mit der sehr grossen Strahlkraft, die der FC Zürich in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren in Bern gehabt hat. Dort kamen in diesen drei Jahrzehnten in Partien gegen den FCZ lange Zeit doppelt so viele oder annähernd doppelt so viele Zuschauer ins Wankdorf, als sonst im Schnitt. Der Gesamtzuschauerschnitt von YB und FCZ bewegte sich über die Jahrzehnte hinweg hingegen auf einem ähnlichen Level, häufig nur mit ein paar hundert Nasen Unterschied. YB lag dabei häufiger knapp vor dem FC Zürich als umgekehrt. Die grosse Schere in der Zuschauerentwicklung ging mit der Eröffnung des neuen Wankdorf-Stadions auf.

Wird der FCZ diesmal mehr Ballbesitz haben?

Ab Anfang 60er- bis Mitte 80er-Jahre war der FC Zürich in den Direktduellen konstant besser. Daher rührt auch die Statistik, dass der FCZ gegen kein anderes Team in Wettbewerbspartien so häufig gewonnen hat, wie gegen YB. Die letzten zwei Jahrzehnte war hingegen YB besser. Dieser Trend begann bereits in der ansonsten erfolgreichen Favre-Zeit. Ganz arg wurde es in der zweiten Hälfte der 10er-Jahre, als die Unterlegenheit des FCZ gegen die Young Boys ein Vorbote der allgemeinen Dominanz der Berner in der Liga wurde. Seit der Meistersaison 21/22 (zuerst die obligate 0:4-Niederlage im Wankdorf, dann aber drei Siege in Folge) geht es im Head-to-Head aus FCZ-Sicht aber wieder aufwärts. In den letzten neun Duellen seither hat man vier Mal gewonnen und nur ein Mal (unter Coach Franco Foda) verloren. Der Ballbesitz war dabei immer unter 50% – teilweise deutlich. Interessant wird zu beobachten sein, wie die Ballbesitz-Statistik gegen einen Gegner wie YB im ersten Duell nach dem Philosophie-Wechsel beim FC Zürich aussehen wird.

Der PPDA-Wert (Passes Per Defensive Action) zeigt, wie intensiv das Hohe Pressing eines Teams in einer bestimmten Partie war. Ein tiefer Wert bedeutet intensives Pressing (man lässt den Gegner in dessen eigenem Platzdrittel nicht in Ruhe den Ball zirkulieren). Das über 93 Minuten intensivste Hohe Pressing gegen YB der letzten zweieinhalb Jahre brachte der FCZ im April 2022 auf den Platz. Dies allerdings nach einer Startviertelstunde, in der man den Gegner hinten heraus erstmal gewähren liess, und erst danach Schritt für Schritt den Druck erhöhte. Auffällig ist, dass sowohl Breitenreiter wie auch Foda oder Henriksen in ihrem ersten Spiel gegen YB in der Startviertelstunde erstmal vorsichtig einstiegen – und dann mit der Zeit tendenziell mutiger wurden (sofern sie Gelegenheit dazu hatten).

YB: Gute Spieler, aber etwas Probleme mit der Kohäsion

YB spielt weiterhin im von Coach Raphael Wicky präferierten 4-4-2 mit Mittelfeld-Rhombus. Man tritt dabei mit fünf sehr offensiv ausgerichteten Spielern an. Die defensive Absicherung mit Lauper (oder alternativ: Niasse) funktioniert aber nicht mehr so gut wie auch schon. Nur im Heimspiel gegen Stade Lausanne-Ouchy (1:0) änderte Wicky die Spielweise etwas mit einem sehr hohen und intensiven Pressing im 4-3-3. Im November hatte Raphael Wicky bei der 1:3-Niederlage gegen den FCZ im Letzigrund auf ein 4-2-3-1 umgestellt – was schief ging. Vor der Winterpause lebte YB weitgehend von seiner Effizienz im Abschluss und guten Torhüterleistungen, denn das Verhältnis der Erwarteten Tore war mit rund 1,5 : 2 sogar negativ! Mittlerweile hat sich die Situation umgekehrt. Die Berner kreieren deutlich bessere Torchancen und lassen deutlich weniger gegnerische Chancen zu. Trotzdem sind die Resultate etwas schlechter geworden. Mvuka und Hadjam sind gute Wintertransfers, der polnische 10-er Lakomy kommt in Abwesenheit von Ugrinic zudem nun langsam aber sicher in die Gänge. YB fehlen diese Saison aber im Vergleich zu den Vorjahren Spielertypen wie Christian Fassnacht oder Cédric Zesiger. Torhüter David Von Ballmoos versuchte dies bei der Cup-Niederlage unter der Woche beim unterklassigen Sion von der Ersatzbank aus zu kompensieren, und sah dafür Gelb.

Cheveyo Tsawa spielte am Samstag beim 5:3-Derbysieg im U19 Cup-Halbfinal im Heerenschürli (mit einem Assist zum zwischenzeitlichen 3:0). Die Reichmuth-Brüder und Joseph Sabobo Banda wurden beim 2:2 auswärts beim FC Breitenrain eingesetzt (FCZ II bleibt bestes Reserve-Team). Sie werden somit am Sonntag gegen die Young Boys eher nicht mit von der Partie sein: im Gegensatz zu Nevio Di Giusto oder Calixte Ligue, die beide in ihren Super League-Einsätzen zuletzt überzeugt haben.

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