Dzengis Cavusevic und der FCZ lösen den bis Ende Saison laufenden Vertrag vorzeitig auf. Der bei den Fans beliebte Slowene verlässt den FCZ nach 18 Monaten. In der aktuellen Saison kam der 30-jährige nur 235 Minuten zum Einsatz, davon 159 Minuten gegen unterklassige Gegner im Cup. In der Aufstiegssaison kam Cavusevic beim FCZ wettbewerbsübergreifend 1’680 Minuten zum Einsatz und erreichte auf einer Skala von 1-10 eine Züri Live-Durchschnittsnote von 5,4 (in der aktuellen Saison nur 3,9). Aus insgesamt 42 Wettbewerbspartien resultierten 12 Tore (davon fünf beim schön herausgespielten 10:0-Sieg im Cup beim FC Chippis) und neun Assists. Vor allem zeigte der bullige Stürmer immer vollen Einsatz, auch in Situationen, wo ihm nicht alles gelang. Hvala Dzenga!

Ein spezieller Dzenga-Moment im FCZ-Dress war das Europa League-Heimspiel gegen Osmanlispor am 29. September letzten Jahres. In der 26. Minute verschoss Cavusevic einen Penalty, wurde aber sofort von seinen Teamkollegen aufgemuntert und steigerte sich im Verlaufe des Spiels, um dann in der 79. Minute den 2:1-Siegtreffer zu erzielen! Die anschliessenden Wochen bis zur Winterpause waren seine beste Zeit im Letzigrund-Klub. So zeigte er im Cup-Achtelfinal (2:1) gegen seinen Ex-Klub St. Gallen eine ganz starke Leistung und wurde im Europa League-Heimspiel gegen den Rumänischen Rekordmeister Steaua (0:0) zum Züri Live-Most Valuable Player gewählt. Auch auf Züri Live gab es einen „Dzenga-Moment“. Durch seine furchtlose Spielweise hatte sich der Slowene gegen den FC Wohlen einen Jochbeinbruch zugezogen und sass auf dem Brügglifeld auf der Tribüne, als die denkwürdige 30 Sekunden-Partie wegen einem Blackout abgebrochen werden musste. Dies gab damals die Gelegenheit schnell bei Züri Live vorbeizuschauen:

Nach dem Spiel gegen Wohlen hatte Uli Forte die Verletzung Cavusevics folgendermassen kommentiert:

Das erste Interview auf Züri Live hatte der Stürmer kurz nach seiner Verpflichtung im Sommer 2016 nach einem Testspiel-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach in Biel gegeben:

Thema war Dzengis Cavusevic auf Züri Live letzte Saison auch im Cupspiel der 1. Runde in La Chaux-de-Fonds:

Das Journalisten-Leben kann schön sein! Zumindest bei Reisen in bestimmte Länder. Erstmal: der Preis! Zuvor immer individuell angereist, war Züri Live diesmal erstmals im Europacup bei der offiziellen Journalistenreise im Charter mit der Mannschaft dabei. Denn es wäre selbst in einer günstigen Absteige individuell nicht wirklich billiger gekommen. Aber hier handelte es sich um ein Viersternhotel! Mit Direktflug! Mit allen Transfers!

Ging es in Länder wie Spanien oder Tschechien waren die Preise der Journalistenreise jeweils gigantisch und individuell locker für weniger als die Hälfte organisierbar. Die Reise nach Ankara war so günstig, dass selbst ein Journalist einer grösseren Schweizer Zeitung bereit war, das Ganze aus dem eigenen Sack zu bezahlen, bevor er im letzten Moment seine Redaktion doch noch überzeugen konnte, dass die mögliche Qualifikation für die Sechzehntelfinals durch einen einheimischen Zweitligisten vielleicht doch die Spesen wert ist.

fcz-abreiseIn den Tagen vor dem Abflug wurde es dann aber richtig kurios. Zuerst kam die Meldung von einem Upgrade. Die paar wenigen Journalisten wurden in ein 200 Meter entferntes nobles Fünfsterne-Hotel umquartiert. Einfach so. Ohne Begründung. Ohne Aufpreis. Mit der Mannschaft hatte das Ganze nichts zu tun, denn die war in einem dritten Hotel untergebracht. Etwas später leitete das Schweizer Reisebüro ein weiteres Gratisangebot vom Türkischen Tour Operator weiter: eine zuvor im Programm nicht eingeschlossene «City Tour» .

Der «lokale Guide» hiess Fatih und wurde extra aus Izmir eingeflogen. Teilweise in Holland aufgewachsen sprach und verstand er im Gegensatz zu 95% der Angestellten des Fünfsternehotels Englisch. Gleich von der ersten Minute im Bus kam Fatih zur Sache. Probleme und Korruption gäbe es ja überall auf der Welt. Ein Parlamentarier, der die Beerdigung eines «Terroristen» besucht, würde doch überall auf der Welt vor Gericht gestellt. Eine Journalistin, die einen Gerichtstermin versäumt, würde doch überall auf der Welt ins Untersuchungsgefängnis gesteckt. Später kam Fatih dann nochmal auf die «City Tour» zurück, die offenbar bei den Schweizer Journalisten keinen grossen Ansturm ausgelöst hatte und versuchte es diesmal über die persönliche Schiene. Er selber sei auch zum ersten Mal in Ankara und würde unbedingt gerne morgen die Atatürk-Monumente besuchen. Wer will mitkommen? Das Interesse blieb aber lau – schliesslich war man ja auf einer Arbeitsreise mit dem Auftrag, über sportliche Dinge zu berichten.

ankaraWas auf dem Anflug als erstes auffiel: in den Bergen um Ankara (auf rund 1’000 Meter über Meer gelegen) hat es mehr Schnee, als in den Österreichischen Alpen. Die Topographie der Grossstadt ist speziell, in ein sehr hügeliges Gelände gebaut, auf einem vielerorts nicht wirklich stabilen Untergrund. Es wird trotzdem viel gebaut. Grosse finanzielle Mittel aus dem nationalen Staatsetat fliessen direkt in die Landeshauptstadt. Eine grosse Anzahl an Gebäuden sieht aber leer oder unfertig aus. Die vielen Moscheen sind zum grössten Teil neueren Datums. Und überall sind grossflächige Türkische Flaggen aufgehängt.

Auch das Europa League-Spiel von Osmanlispor gegen den FC Zürich wurde in der ganzen Stadt mit Plakaten und Bannern auf den Hauptverkehrsachsen und Bushaltestellen beworben. Trotzdem kamen aus der Fünfmillionenstadt nur schätzungsweise 8’500 Zuschauer ins abgelegene Osmanli Stadi am Rande der Berge. Etwa gleich viele wie zuletzt in der Meisterschaft gegen Besiktas. Zu normalen Ligaspielen gegen Teams wie Eskisehir sind es rund 2’000 bis 3’000.

fcz-im-osmanli-stadiBereits zwei Stunden vor Spielbeginn waren hunderte von Ordnern und Sicherheitskräften in und ums Stadion bereit auf ihren Plätzen. FCZ-Fans waren zu Spielbeginn erst etwa 25 anwesend. Stück für Stück erhöhte sich die Zahl bis zur Pause auf etwas mehr als 200.  Dies machte sich akkustisch bemerkbar. Waren die Zürcher am Anfang gegen die grosse Überzahl der einheimischen Zuschauer kaum zu hören, konnten sie den Wettbewerb neben dem Feld mit der Zeit immer ausgeglichener gestalten.

Optisch war der Anblick des Gästesektors allerdings gewöhnungsbedürftig. Keine Fahnen, keine Banner. Dem Vernehmen nach wurde dies von Osmanlispor untersagt und dabei unter anderem mit von der UEFA verbotenen politischen Statements argumentiert. Ein Hohn! Das Stadion, die Fahnen, die Lieder der einheimischen Fans waren nichts anderes als ein einziges grosses politisches Statement. Mit mehreren Ausrufezeichen!!! Übergrosse Osmanische Kriegerfiguren am Stadioneingang und sogar am Spielfeldrand. Die immer gleiche martialische Musik, zu welcher die Zuschauer jeweils Fähnchen schwenken mussten. Eine Reihe von Flaggen auf der Gegentribünenseite, welche die glorreiche Geschichte nachzeichnen soll, von den Seldschuken über die Osmanen bis zur Türkischen Republik. Man kann es auch so formulieren: nimmt die UEFA ihr Verbot bezüglich politischer Statements wirklich ernst, dann dürfte in diesem Stadion ohne ein paar gröbere Modifikationen eigentlich gar nicht gespielt werden.

osmanenEinen eigentlichen einheimischen Fansektor als solchen gab es nicht. Vielmehr waren die einheimischen Zuschauer auf allen Tribünen in corpore aktiv in den Support der Mannschaft involviert. Dieser war zugegebenermassen ziemlich abwechslungreich. Über Echogesänge, Schalparaden und spezielle Parolen je nach Spielsituation war alles dabei. Vor dem Erreichen der Sechsminutenmarke wurde im ganzen Stadion der Countdown runtergezählt und dann an verschiedenen Orten im Stadionrund Konfetti in die Luft geworfen. Etwas skurril war, dass just mit Spielbeginn in einer Ecke des Stadions eine Blaskappelle zu spielen begann. Neben Osmanlispor-Fähnchen wurden an die Zuschauer auch Türkei-Fahnen verteilt, und als dann nach dem 2:0 der Sieg von Osmanlispor perfekt war, wurde dieser mit «Türkiye! Türkiye!»-Rufen aus dem weiten Stadionrund gefeiert. Dies war ja bereits vom Hinspiel in Zürich bekannt, als von den den Gästeklub mit Türkei-Fahnen bewaffnet unterstützenden Zuschauern die meisten aus politischen Motiven im Stadion waren, nicht weil sie wirklich Osmanlispor-Fans sind.

FCZ-Trainer Uli Forte wurde an der Pressekonferenz nach der Partie von einem einheimischen Journalisten nach den Chancen von Osmanlispor im weiteren Verlauf der Europa League befragt. Im für Forte aussergewöhnlichen Widerwillen auf diese Frage zu antworten, steckte eine ganze Menge Ärger, der ganz offensichtlich nichts mit der Niederlage zu tun hatte. Forte hielt sich aber an die an Spieler und Umfeld im Vorfeld herausgegebene Vorgabe, fokussiert aufs Sportliche zu bleiben, und sich von Schikanen nicht zu einer Reaktion provozieren zu lassen.

Laut Türkischen Journalisten wird Osmanlispor direkt aus den Steuereinnahmen Ankaras finanziert. Für Spieler wie Badou Ndiayé gab es Interesse aus der Bundesliga und von Topklubs in Frankreich. Dieser verlängerte stattdessen seinen Vertrag bei Osmanlispor bis 2020. Wohl eher nicht wegen dem interessanten und wechselhaften Wetter in der Hochebene von Ankara. In einer VIP-Loge im Stadion anwesend war der Oberbürgermeister von Ankara und Osmanlispor-Gründer, Melih Gökcek mit seiner Familie – ein AKP-Mitglied und enger Vertrauter von Staatspräsident Erdogan.

goekcek-akcayGökcek und seine Söhne Osman und Ahmet propagieren die Türkei als Weltmacht, welche über die anderen Völker herrschen soll. Gökcek war stolz darauf, dass einige Spieler, deren Konterfei in der Form eines mittelalterlichen Kriegsbanners an der Haupttribüne hängt, ihn nach der Partie mit Winkzeichen aufforderten, in die Kabine zu kommen. Anschliessend stellte er sich vor dem Spielereingang des Stadions gerne den Türkischen TV- und Radiostationen – ständig bewacht von sieben bis acht wachsamen Bodyguards, die sich eng um ihn gruppierten.

Als Gökcek danach in die kalte Ankara-Nacht hinaus gefahren wurde, versendete er gleich 10 Tweets als Ausdruck der Freude an seine 3,5 Millionen Follower, darunter eines mit dem Bild von Osmanlispor-Trainer Mustafa Akcay als Sultan Fatih Mehmed, dem Eroberer von Konstantinopel 1453 und dem Spruch «Entweder werde ich die UEFA (Europa League) erobern oder die UEFA mich». Der angesprochene Akcay hatte verstanden, und liess sich am folgenden Tag denn auch in der regierungstreuen Zeitung «Sabah» zitieren, dass der Europa League-Final in Stockholm das Ziel von Osmanlispor sei.

Der FCZ zeigt vor allem in der 1.Halbzeit eine Top-Leistung gegen diszipliniert verteidigende und auf Konter lauernde Türken mit einem überragenden Captain Numan Cürüksu (bester Mann auf dem Platz) in der Innenverteidigung. Es gab eine Phase, wo der FCZ den Gegner an dessen Strafraum mit Ballgewinn um Ballgewinn richtiggehend einschnüren konnte. Es fehlte in diesen Situationen aber im Strafraum ein kopfballstarker Spieler wie Franck Etoundi oder auch Alain Nef, der ja jeweils nur bei Standardsituationen in den Strafraum mitkommen kann.

Die Haupttribünen-Platzseite war vereist und schwer zu bespielen. Sicherlich ein kleiner Vorteil für diejenigen Mannschaft, die nicht gewinnen und daher nicht konstruktiv agieren muss. Burim Kukeli hatte am meisten Mühe mit der Standfestigkeit. Spieler beider Teams verfehlten mehrmals den unberechenbar aufspringenden Ball in einer Schuss- oder Passbewegung. Bei Osmanlispor musste Dzon Delarge mitten in der 1.Halbzeit mit einem «Boxenstopp» an der Spielerbank gar einen Schuhwechsel vornehmen.

Der Kongolese hätte in der 72. Minute ausgewechselt werden sollen, schoss dann aber zuvor noch bei einem Konter mit seiner letzten Aktion das vorentscheidende 1:0. Der FCZ hatte nach dem Geschmack von Trainer Uli Forte etwas zu früh aufgemacht, was Osmanlispor sofort gnadenlos ausnutzte. Der vor allem in der 1.Halbzeit zusammen mit Alain Nef beste Zürcher Roberto Rodriguez spielte den Fehlpass Richtung Kay Voser in der Vorwärtsbewegung.  

In der 89.Minute bewegte sich bei einem Osmanlispor-Abstoss dann auch noch Innenverteidiger Ivan Kecojevic nach vorne in die Sturmspitze, und diese Lücke in der Verteidigung nutzten die eingewechselten Umar und Kilicaslan innert Sekundenfrist zur endgültigen Entscheidung.

Im Pauseninterview bei Züri Live hatte Michel Wettstein (Blick) die Einwechslung von Armando Sadiku in der 60.Minute vorgeschlagen und exakt in dieser Minute brachte ihn Trainer Uli Forte auch. Der Albaner ist aber immer noch relativ weit von seiner besten Verfassung entfernt, und konnte dem Team in der letzten halben Stunde nicht mehr helfen. Im Gegenteil: es wurden die Bälle vorne schneller verloren ohne sofortiges Gegenpressing, was Osmanlispor immer wieder zu schnellen Konterangriffen nutzte. Der teilweise etwas übermotivierte Marco Schönbächler und Moussa Koné zeigten als Einwechselspieler etwas mehr Wirkung – so traf der Senegalese in der Nachspielzeit aus 18 Metern noch den linken Pfosten.

Weil Steaua in Villarreal ebenfalls verliert, beendet der FCZ die Gruppe L auf dem 3.Platz – aufgrund des Auswärtstores in der Direktbegegnung mit den Rumänen.

Osmanlispor – FC Zürich 2:0 (0:0)

Tore: 73. Delarge (Maher) 1:0, 89. Kilicaslan (Umar) 2:0.

Osmanlispor: Karcemarskas; Vrsajevic, Cürüksu, Prochazka, Pinto; Güven, Ndiayé; Delarge (74. Umar), Maher, Regattin (87. Kilicaslan); Wébo (78. Rusescu).

FC Zürich: Vanins; Nef, Bangura, Kecojevic; Brunner (60. Sadiku), Sarr, Kukeli, Voser (77. Koné); Winter, Cavusevic (67. Schönbächler), Rodriguez.

Dem FCZ muss in Ankara ein Husarenstück gelingen, um als erster Zweitligist der Europa League-Ära (Aachen hatte es zu Zeiten des UEFA-Cup mit einem etwas einfacheren Modus auch schon geschafft) unter die besten 32 der Europa League einzuziehen. Osmanlispor hat bis zum 2:2 gegen Villarreal in vier Europacupheimspielen mit einem Gesamtskore von 10:0 kein Tor kassiert. Dem Europa League-Wettbewerb wird beim aktuellen Leader der Gruppe L höchste Priorität beigemessen. Die Zuschauerzahlen sind in diesem Wettbewerb fünf Mal höher als bei Ligapartien und gerade auch die vielen ausländischen Topspieler scheinen im europäischen Schaufenster deutlich motivierter aufzutreten, als im Ligaalltag. Ein Phänomen, welches man beim FCZ diese Ssison zum Glück nicht beobachten muss, auch wenn die beiden Auswärtsspiele in Villarreal und Bukarest bisher die besten Partien des Herbstes waren. Ansonsten zeigt die Formkurve beim FCZ in den letzten Wochen eher etwas nach unten, wenn man die Züri Live-Durchschnittsnoten als Massstab nimmt.

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Trainer Uli Forte kann in seinem Kader personell und taktisch aus dem Vollen schöpfen, und daher sind verschiedene Aufstellungen denkbar. Vermutlich wird der FCZ wegen der Offensivstärke von Osmanlispor speziell zu Spielbeginn in erster Linie auf Absicherung mit gelegentlichen Kontern bedacht sein, um dann im Spielverlauf auch mit Offensiveinwechslungen zuzulegen. Das grundsätzlich defensivstarke Osmanlispor erhält seine Gegentreffer vorwiegend in der Schlussphase. Kay Voser wurde gegen Villarreal nach seiner Verletzung in Genf zu früh reingebracht, und daher wird Trainer Uli Forte diese Personalie mit Vorsicht behandeln. Armando Sadiku ist zudem zur Zeit erst etwa bei 50% seiner Leistungsfähigkeit. Wie in Villarreal könnten Winter und Rodriguez als Offensivunterstützung des Stossstürmers (Cavusevic) agieren und dann allenfalls wie im Heimspiel gegen Villarreal in der Schlussphase bei Offensivwechseln auf die Aussenläuferpositionen zurückrücken.

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Der in Zürich nach 20 Europacupspielen ohne Niederlage erstmals geschlagene Osmanlispor-Trainer Mustafa Akcay hat im Sturmzentrum die Wahl zwischen dem Kameruner Pierre Wébo (Ex-Fenerbahce, -Osasuna) und dem Rumänen Raul Rusescu (Ex-Steaua, – Sevilla, -Braga). Rusescu hat in den beiden Partien gegen Villarreal drei Tore erzielt, und wurde wohl am Wochenende im Heimspiel gegen Karabükspor (2:1) geschont, als er nur eingewechselt wurde. Für Trainer Uli Forte ist der Nigerianer Umar der gefährlichste Offensivspieler beim Gegner – in Zürich ist er wohl aus Osmanlispor-Sicht etwas zu spät eingewechselt worden. Der Holländer und Hinspieltorschütze Adam Maher könnte diesmal in der Startformation stehen.

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FCZ-Kabine im Osmanli Stadi

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FCZ-Fansektor im Osmanli Stadi

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Die Auswärtsspiele in Villarreal und Bukarest waren mit Züri Live-Durchschnittnoten von 7,3 und 7,4 die bisher besten Auftritte des FCZ in einer auch ansonsten guten Vorrunde.  Vor dem dritten Europa League-Auswärtsspiel in Ankara ist der FCZ in einer psychologisch vorteilhaften Lage. «Bis Ende Jahr kann nicht mehr wirklich etwas schiefgehen», meint Trainer Uli Forte an der Vorschau-Pressekonferenz auf der FCZ-Geschäftsstelle vor einer Saisonrekordkulisse an Journalisten. Egal, was in Ankara und Winterthur passiert – der Aufstiegskampf und der Kampf um die Titelverteidigung im Cup wird im Frühling entschieden.

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Das Motto der Mannschaft für den Türkei-Trip lautet «I want it all», «frei nach Freddy Mercury selig..», wie Forte ergänzt. Auch für ihn persönlich wäre der Vorstoss unter die besten 32 der Europa League ein grosser Erfolg, vergleichbar mit den bisher als Trainer gewonnenen Titeln.  Dies soll aber nicht mit Vollgas von der 1.Minute an realisiert werden, sondern aus einer kontrollierten Defensive heraus. Osmanlispor erwartet Forte aufgrund der bisherigen Heimspiele der Türken mit viel Power zu Beginn der Partie. Ob die Taktik des FCZ dann schlussendlich wirklich so aussehen wird, wie vom Coach vorher öffentlich verbreitet, bleibt offen. Es wäre nicht das erste Mal in dieser Saison, dass von Seiten des FCZ vor einem Spiel Nebelpetarden gestreut würden. Der Gegner liest mit.

Für das Kader hat Forte mittlerweile die Qual der Wahl, was für diesen Zeitpunkt am Ende der Vorrunde eher aussergewöhnlich ist. Antonio Marchesano ist wieder im Training, Cédric Brunner erholt, und auch Ivan Kecojevic geht es besser. Und Gilles Yapi ist wieder im Training dabei. Davide Chiumiento sei zudem von der Fitness her nach seiner Verletzung mittlerweile wieder auf dem Niveau der Mitspieler. 20 Spieler (17 Feldspieler, 3 Torhüter) werden im Flieger in die Türkei sitzen und die Auswahl des Matchkaders wird auch von taktischen Überlegungen abhängen.

Beim anschliessenden Fan-Talk im FCZ Museum spricht Captain Gilles Yapi Klartext, sowohl im positiven, wie auch im negativen. Letzte Saison habe die Einstellung nicht immer gestimmt. Die Mannschaft habe den Fans versprochen, den Abstieg zu verhindern, dies aber nicht halten können. In den höchsten Tönen schwärmt der Ivorer hingegen über Trainer Uli Forte, so klar und deutlich, wie es der Schreibende noch nie von einem Profi gehört hat, auch nicht, wie in diesem Fall, in Anwesenheit des Trainers: «Uli Forte ist der beste Trainer, den ich in meiner Karriere hatte». Die anderen Trainer seien nicht schlecht gewesen, aber keiner habe bisher so detailliert nützliche taktische Details erklären können, wie Forte.

Auch Ancillo Canepa ist («mit kleinen Ausnahmen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau») angetan von den Leistungen der Mannschaft und des Trainerstaffs. Vor allem freut den Präsidenten die Einstellung der Mannschaft: es sei «0,0% Arroganz» zu spüren, auch gegen sogenannt «kleine Gegner». Auf Fragen aus dem Publikum informiert Canepa zudem über das eine oder andere langfristige Projekt wie das geplante Stadion auf dem Hardturm-Areal «vergleichbar mit demjenigen von Sparta Prag», «wegen dem Zonenplan wird es wohl noch eine Volksabstimmung geben», und dem Traum der Zusammenführung des Nachwuchses mit der 1.Mannschaft in einem gemeinsamen Campus im Heerenschürli: «Im Optimalfall in zwei Jahren, ist aber auch eine finanzielle Frage».

 

Osmanlispor-Trainer Mustafa Akcay muss nach seiner Wahnsinnsserie von 19 ungeschlagenen Europacupspielen zum ersten Mal auf internationalem Parkett als Verlierer vom Platz. Der FCZ tritt erneut mit einer fokussierten Leistung auf, auch wenn es im Gegensatz zum Match in Villarreal auch die einen oder anderen Schwachpunkte gibt. Marco Schönbächler ist schon vor seinem Traum-Solo zum 1:0 einer der dominierenden Offensivspieler auf dem Platz. Auch der andere Flügelmann Moussa Koné zeigt eine starke Leistung, gerade auch in defensiver Hinsicht. Trainer Uli Forte hat mit dieser Aufstellung alles richtig gemacht, und seinen Gegenpart vielleicht etwas überrascht. In der Schlussphase kann der ausgeruhte Adrian Winter die entscheidende Flanke zum 2:1 von Dzengis Cavusevic schlagen. In der 1.Halbzeit hatte der Slowene den ersten FCZ-Penalty der Saison schlecht geschossen. Auf höchster Stufe ist es ihm noch nie gelungen, einen Elfmeter zu verwandeln – auch seine einzigen beiden Penalties gegen Super League-Teams hat er gegen Roman Bürki und Germano Vailati verschossen. Getroffen hat der Sturmtank vom Elfmeterpunkt bisher nur gegen Teams aus der  Challenge League und der Slowenischen Liga (insgesamt sechs Mal).

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Insgesamt schlug der FCZ in diesem Match 17 Flanken, und dies durch 9 verschiedene Spieler. Eher einen schlechten Tag erwischte Sangoné Sarr mit einer regelrechten Fehlpassorgie vor allem in der 1.Halbzeit.

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Der FCZ zeigt erneut eine starke Leistung in der Europa League und wird diesmal mit Punkten belohnt. Marco Schönbächler spielt von Beginn weg und macht sein bisher bestes Spiel seit der Verletzungspause. Schon vor seinem Solo zum 1:0 ist der Flügelspieler der spielbestimmenden Mann auf dem Platz. Dzengis Cavusevic verschiesst einen von Vrsajevic an Schönbächler verursachten Penalty, trifft dann aber sechs Minuten nach dem Osmanlispor-Ausgleich nach deren erstem gefährlichen Konterangriff nach Vorarbeit von Voser und Winter per Kopf zum Siegtreffer in der 79.Minute. Osmanlispor-Trainer Akcay verliert in seinem 20.Europacupspiel zum ersten Mal auf internationaler Bühne.

FC Zürich – Osmanlispor FK 2:1 (1:0)

Stadion Letzigrund – 7473 Zuschauer – SR Eskov

Tore: 45. Schönbächler (Kukeli) 1:0, 73. Maher (Umar) 1:1, 79. Cavusevic (Winter) 2:1

Zürich: Vanins; Brunner, Nef, Kecojevic, Voser; Koné (55. Rodriguez), Kukeli, Sarr, Schönbächler (70. Winter); Buff (88. Yapi), Cavusevic.

Osmanlispor: Karcemarskas; Vrsajevic, Cürüksu, Demir, Pinto; Cagiran (61. Maher), Lawal; Delarge (67. Umar), Ndiaye, Regattin; Rusescu (72. Diabaté).

 

Für das in der Türkei aufstrebende Osmanlispor aus Ankara ist die Teilnahme an der Europa League-Gruppenphase eine Première. Das mit vielen Nationalspielern (Nigeria, Kamerun, Senegal, Rumänien,…) bestückte Team nimmt die Sache dementsprechend ernst, und ist schon am Dienstag in Zürich angereist. Ein erfahrener alter Hase ist Trainer Mustafa Akcay, der mit seinem aktuellen Klub und mit Trabzonspor insgesamt 19 Europacupfights hinter sich hat. Davon hat der Türke 15 gewonnen, 4 Mal Unentschieden gespielt und noch nie verloren! Kann ihm der FCZ die erste Europacupniederlage seiner Karriere zufügen?

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Der eine oder andere Quervergleich ist dabei interessant. So ist Akcay mit Trabzonspor vor drei Jahren gegen Dinamo Minsk weitergekommen, und hat Apollon Limassol zwei Mal geschlagen. Der FCZ hatte in den letzten beiden Jahren gegen beide Gegner deutlich mehr Probleme. Dazu gab es gegen Lazio Rom zwei Unentschieden, und diese Saison hat Osmanlispor unter anderem Midtjylland sowohl im Hin-, wie auch im Rückspiel besiegt. Die Dänen hatten zuvor Vaduz keine Chance gelassen und letzte Saison zu Hause Manchester United geschlagen.

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Osmanlispor ist deshalb gegen den FCZ grundsätzlich der klare Favorit. Die Süper Lig ist etwas höher einzustufen, als die fast gleichnamige Super League – und höher als die Challenge League sowieso. Daran ändert auch nichts, dass Akcay an der Pressekonferenz vor der Partie aus taktischen Gründen die Favoritenrolle an den FCZ abschieben wollte. Die Offensive der Türken ist mit Diabaté (Mali), Wébo (Kamerun), Delarge (Kongo), Badou Ndiayé (Senegal), Umar und Lawal (beide Nigeria) klar westafrikanisch geprägt.

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Der FCZ wird wohl weiterhin auf Bangura und Sarr verzichten müssen, Sadiku ist fraglich. Möglich dass zuletzt etwas müde wirkende Spieler wie Brunner oder Winter eine Pause erhalten. Dies könnte eine Chance für Kempter und Koné sein, in der Startaufstellung auflaufen zu können. Der junge Fabian Rohner war gestern nicht am UEFA Youth League- Auswärtsspiel bei Zrinjski Mostar (3:0-Sieg) dabei, und könnte daher heute vielleicht auf der Ersatzbank Platz nehmen und vielleicht sogar zu seinem ersten Einsatz in der 1.Mannschaft kommen. Auch Mirlind Kryeziu und Nicolas Stettler sind Optionen für das Spieltagskader.