Vor der Nationalmannschaftspause tritt der FCZ zu seinem zweiten Saison-Auswärtsspiel gegen den klaren Tabellenführer YB an, der seit dem 2:0-Auswärtssieg in Leverkusen in der Meisterschaft vier Mal Unentschieden gespielt und im Europacup zwei Mal verloren hat. Auf tieferem Niveau ganz ähnlich zuletzt der Verlauf beim FC Zürich. Nach dem 2:0-Heimsieg gegen den FC Basel scheint der Hunger auf Siege wieder etwas nachgelassen zu haben – mit fünf Punkten in ebenso vielen Partien hatten die Zürcher zuletzt einen unterdurchschnittlichen Punkteschnitt und waren damit sogar noch gut bedient, wenn man bedenkt, dass der jeweilige Gegner in jeder dieser Partien ein (teilweise klares, teilweise knappes) Chancenplus aufzuweisen hatte.

Beide Teams treten im Wankdorf also nicht gerade in der Blüte ihres diesjährigen Schaffens an. Die Frage ist: wer schafft es, sich aus dem Sumpf zu ziehen? Nach der eher unverdienten 1:2-Niederlage zum Saisonauftakt in Bern war man im Heimspiel Anfang Februar (1:4) gegen ein YB in Topform praktisch chancenlos gewesen – auch wegen eines völlig missratenen Auftrittes von Blerim Dzemaili. Der Zürcher Torschütze aus dem Auftaktspiel, Benjamin Kololli, ist nach genau dreimonatiger Absenz mittlerweile gegen Lausanne zu seinem ersten Teileinsatz gekommen.

Wegen Personalmangels auf der Innenverteidigerposition hat man Lindrit Kamberi vom FC Winterthur zurückgeholt. Den Eulachstädtern haben Kamberis regelmässige spielentscheidende Konzentrationsmängel in der Meisterschaft viele Punkte gekostet. Nur schon ohne die Hälfte von diesen Schnitzern wäre Winterthur im Aufstiegsrennen noch voll mit dabei. Neu ist dieses Phänomen beim Volketswiler nicht – es hat ihn auch schon durch seine Juniorenkarriere begleitet. Dazu kommt seine für einen Innenverteidiger eher geringe Grösse und Antrittsschnelligkeit. Die gute Ausbildung, die Sprungkraft und die von allen Seiten gelobte sympathische Ausstrahlung alleine reichen langfristig betrachtet wahrscheinlich nicht für eine Super League-Karriere. Auch für eine langfristige Etablierung in der Challenge League muss er noch konstanter werden.

In der Innenverteidigung ist Nathan der verbliebene sichere Wert. Becir Omeragic, auch wenn er mit zunehmendem Saisonverlauf immer aktiver im Spiel nach vorne wird, war in den letzten drei Partien gegen die drei „L“ (Luzern, Lugano, Lausanne) insgesamt ungenügend. Wallner ist komplett in ein Loch gefallen. Aliti verkörpert den so lange gesuchten sicheren Wert als Linksverteidiger – der beste beim FCZ seit Loris Benito. Symbolhaft für seine Qualitäten die Art und Weise wie er und Nathan sich beim enorm wichtigen „Dreier“ in Lugano bei einer „hundertprozentigen“ Lugano-Doppelchance in die Abschlüsse aus kurzer Distanz warfen. Mit Ceesay versteht sich Aliti auf der linken Seite offensiv sehr gut und der Gambier hat defensiv grosse Fortschritte gemacht – allerdings mangelte es ihm zuletzt an Konstanz.

Die rechte Seite war beim FCZ zuletzt eindeutig schwächer als die linke und wurde von Gegnern wie Luzern oder Lugano dementsprechend auch deutlich mehr bespielt – nicht von Servette allerdings, denn die Genfer spielen so oder so immer über rechts, egal wie der Gegner aufgestellt ist. Ein möglicherweise sehr gut harmonierendes Duo für die rechte Seite wären Rohner und Winter. Beide haben sich nach der Winterpause stark verbessert gezeigt, und würden sich als Spielertypen gut ergänzen, da Winter mittlerweile nicht mehr der schnelle Flügelflitzer ist, sondern eher durch Umsichtigkeit positiv auffällt. Vor allem könnten sich die beiden in Bezug auf das Positionsspiel sehr gut komplementieren und je nach Spielsituation flexibel die Rollen tauschen.

Am wenigsten Fragezeichen ergeben sich im Zentrum. Ousmane Doumbia hatte zwar zwischenzeitlich Leistungsschwankungen, ist mittlerweile aber wieder auf dem aufsteigenden Ast. Antonio Marchesano ist mit seiner Laufbereitschaft ein Vorbild, organisiert die Mannschaft und macht mit seinen Direktpässen das Spiel schnell. Toni Domgjoni ist zusammen mit Marchesano der konstanteste Spieler auf gutem Niveau. Und Stephan Seiler hat seine Chancen gegen Servette, Luzern und Lugano alle genutzt. Domgjoni, Stammspieler im Zentralen Mittelfeld der U21-Nati, wird den FCZ mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Sommer genauso verlassen wie Hekuran Kryeziu, welcher zuletzt zwar den ein oder anderen Schnitzer in seinem Spiel hatte, dem man aber sein Bemühen, sich für Interessenten in einem möglichst guten Licht zu zeigen, nicht absprechen kann.

Ganz anders sieht es mit der Position der Sturmspitze aus, wo Blaz Kramer technisch und von der Spielintelligenz her die Mindestanforderungen für ordentliches Super League-Niveau weiterhin nicht erfüllt. In der Challenge League hingegen würde Kramer mit seinen physischen und Speed-Vorteilen, und dem was er in den letzten anderthalb Jahren beim FCZ gelernt hat, wohl einer der Topstürmer sein. Sollte Benjamin Kololli es nochmal schaffen, seine Form, die er unmittelbar nach dem Lockdown von MItte Juni bis Mittel Juli 2020 einen Monat lang gezeigt hatte, wieder abzurufen, wäre er auf dieser Position eine Lösung.

Nach 25 Runden hat der FCZ gleich viele Punkte wie vor zwei Jahren auf seinem Konto und zwei Punkte weniger als vor Jahresfrist – trotz bester Tordifferenz in der Super League zu diesem Zeitpunkt der Saison seit 14/15. Der Vorsprung auf den zweitletzten Platz ist vor der 26. Runde in Bern bei acht Punkten – dem geringsten Abstand seit der Abstiegssaison 15/16. Von 19 Punkten Reserve auf den Zweitletzten und 22 Punkte auf den (direkten) Abstiegsplatz wie letztmals in der Saison 14/15 konnte man in den letzten Jahren nur träumen. Auffällig ist, dass in sieben der aufgelisteten zehn Saisons der FCZ zu diesem Zeitpunkt zwischen 32 und 36 Toren erzielt hat. Dank der zu Beginn von Massimo Rizzos Amtszeit und dann wieder zum Restart nach der Winterpause ziemlich zahlreich erzielten Tore liegt man trotz aktuell unterdurchschnittlicher Performance mit Ball Richtung gegnerisches Tor im Saisonschnitt hier etwas über dem Schnitt der letzten Jahre. Dies bei gleichzeitig starker Verbesserung der Defensive im Vergleich zu letzter Saison.

Der Kurzauftritt von Benjamin Kololli gegen Lausanne bietet trotz vieler Fehler und Unzulänglichkeiten auch dank dessen Top-Offensivaktionen beinahe alle drei Minuten Hoffnung. Auch weil beim 28-jährigen nach seinem dreimonatigen verletzungsbedingten Ausfall eine rasche Steigerung der Gesamtleistung realistischer ist, als beim 34-jährigen Blerim Dzemaili nach einem Jahr ohne Spiel. Antonio Marchesano ist nicht nur in der Offensive der Leistungsträger schlechthin beim FCZ. Wilfried Gnonto scheint langsam, aber sicher erlickt zu haben, dass man in der Super League beim Dribbeln den Ball immer abgeschirmt in einer gewissen Distanz zum Gegenspieler halten muss – sonst ist das „Leder“ sofort weg. Auch defensiv macht der junge Italiener Fortschritte, was man von Marco Schönbächler eher weniger behaupten kann. Der Ur-FCZ-ler ist der Mann für einzelne Spiele und Aktionen. Wann diese Spiele aber dann mal stattfinden, ist schwierig vorauszusagen. Mit Schönbi holte der FCZ diese Saison nur 1,11 Punkte im Schnitt – mit Gnonto hingegen 1,42. Für einen Mittelstürmer natürlich viel zu wenig ist die eine Top-Aktion nur alle rund 19 Minuten wie bei Blaz Kramer.

Bei den Top-Defensivaktionen pro 90 Minuten steht Schönbächler sogar an der Spitze der mehrheitlich auf dem Flügel eingesetzten Spieler. Dem gegenüber stehen dann aber eben auch viele Aktionen, wo er nicht auf seiner Position ist, oder die Zweikämpfe verliert. Das Bemühen ist wie bei allen im Sommer noch ohne Vertrag dastehenden Zürcher Akteuren vorhanden. Der von vielen hoch eingeschätzte Lasse Sobiech hat hingegen einen eher tiefen Wert von einer Top-Defensivaktion nur alle 15 Minuten. Fabian Rohner kommt dank seiner Schnelligkeit und seinem Einsatz auf fast doppelt so viele Top-Defensivaktionen, verteidigt aber rechts hinten trotzdem nicht in jedem Spiel souverän – auch etwas in Abhängigkeit seines Neben- und Vordermannes.

Spiel, Gegner und Taktik

Luzern geht im Letzigrund so schnell wie noch nie in der Klubgeschichte der Super League-Ära mit zwei Toren in Front – fünf Minuten und 17 Sekunden. Die Trikots der Innerschweizer sind zwar nicht „königsblau“, sondern eher „vierwaldstätterseeblau“, sie schienen aber trotzdem als Hommage an die Historie eines sich im sportlichen Niedergang befindlichen westfälischen Traditionsvereines den Luzerner Kreisel zu praktizieren und zwar speziell intensiv in der Vorbereitung der beiden Tore auf der linken Angriffsseite ausserhalb des Strafraumes in einem Rechteck von etwa 35 x 15 Metern. Beide Spielzüge, die zu den Toren führten, waren geplant, mit Sorgic und Ugrinic als jeweilige Finisher im Strafraum (das zweite Tor wurde schlussendlich von Schaub erzielt, da Ugrinics Abschluss geblockt wurde). Dazu kam jeweils eine grosse Präsenz im FCZ-Strafraum, auch bei Eckbällen, wo bis zu sieben Luzerner Angreifer gedeckt werden mussten. Beim FCZ waren wie schon in Genf bei gegnerischen Standards Kryeziu, Ceesay, Wallner, Omeragic und Co. mehrmals nicht Herr der Lage, aber diesmal konnte der Gegner nicht davon profitieren.

Vier Luzerner kreiseln auf der linken Seite gegen drei Zürcher in der Vorbereitung des 0:1 durch Dejan Sorgic in der 4. Minute.

Luzern spielt generell gerne über die linke Seite. Gegen den FC Zürich rechnete sich das Team von Fabio Celestini (wie sich zeigte zurecht) gegen das Duo Wallner / Rohner dabei aber speziell viel aus. Die beiden jungen Zürcher kriegten gegen in den Anfangsminuten intensiv „kreiselnde“ Gäste keinen Zugriff. Danach half neben Hekuran Kryeziu auch noch Stürmer Blaz Kramer auf rechts aus, um wieder numerischen Gleichstand gegen meist vier Luzerner herzustellen, womit die Seite etwas stabiler wurde. Vergleicht man den FCZ mit dem ebenfalls im 4-2-3-1 gegen das Luzerner 4-4-2 zu Hause spielende Basel, so fällt ins Auge, dass Jasper Van der Werff deutlich mehr Präsenz und Aggressivität zeigte, als Silvan Wallner. Ausserdem verschob sich die Viererabwehrkette der Basler stärker zur Seite, als die in die Breite gezogenen Zürcher, von Cabral war von Anfang an mehr Unterstützung vorhanden als von Kramer und der FCB spielte generell zu Beginn ein Hohes Pressing und brachte Luzern in der Angriffsauslösung stärker in Bedrängnis. So kam Luzern über die linke Seite, obwohl sie es versuchten, zu Spielbeginn im St. Jakob Park nicht ins „kreiseln“.

„FCZ im Hamsterrad“: Matchkommentare

Zur Pause nahm FCZ-Trainer Massimo Rizzo mehrere starke Retouchen vor. Die Formation wurde auf ein 4-3-3 umgestellt und die Zürcher betrieben während der gesamten Zweiten Halbzeit ein Hohes Pressing, aus welchem nach einem Ballgewinn von Ousmane Doumbia dann auch der Anschlusstreffer Antonio Marchesanos entstand. Mutig und ungewöhnlich, aber aufgrund des Zweitorerückstandes durchaus gerechtfertigt, pressten die beiden Achter Marchesano und Hekuran Kryeziu gegen die beiden Luzerner Innenverteidiger während Mittelstürmer Kramer sich Torhüter Müller vornahm, der Sechser Ousmane Doumbia rückte dabei als „Staubsauger“ dahinter ebenfalls weit auf. Das Mittelfeldtrio verschob sich auch seitlich jeweils stark. Der FCZ wurde so im zweiten Durchgang genauso dominierend, wie Luzern noch in den ersten 45 Minuten gewesen war. Kramer, Khelifi, Gnonto oder Ceesay hatten den aufgrund der Zweiten Halbzeit verdienten Ausgleich noch auf dem Fuss, reüssierten aber nicht.

Personalien

Yanick Brecher (4) – Trägt zum Fehlstart in die Partie seinen Teil bei. Seine Bälle hinten heraus kommen zu Beginn ungenau, was Luzern ausnutzt. Beim 0:2 dreht er sich vor dem Nachschuss Schaubs unnötigerweise um die eigenen Achse.

Silvan Wallner (2) – Einmal eine gute Kopfballverlängerung für Rohner in die Tiefe, aber ansonsten sowohl im Zweikampfverhalten wie auch im Passspiel und selbst bei Einwürfen ungenügend.

Becir Omeragic (3) – Seine Leistungen und Züri Live-Noten bewegen sich im klassischen Zickzack-Kurs – jedes zweite Spiel Note „7“, dazwischen jeweils eine „3“ oder „4“. Agiert in dieser Partie häufig kopflos, hat Ballverluste in gefährlichen Zonen.

Hekuran Kryeziu (6) – Beginnt die Partie als einer der wenigen FCZ-ler gut. Einige wichtige Ballgewinne gegen seinen Stammklub, initiativ im Pressing, spielt vorteilhafte lange Bälle mit Zug. Negativ: verschätzt sich in zwei, drei Situationen.

Ousmane Doumbia (5) – Zu wenig griffig in den Zweikämpfen, kommt im Pressing zu spät, keine „Wand“ im Mittelfeld wie an guten Tagen. Vermeidet eine ungenügende Note mit einer vor allem offensiv starken Schlussviertelstunde.

Fabian Rohner (3) – Nur Blaz Kramer kommt auf Zürcher Seite zu mehr Torchancen, aber insgesamt misslingt „Turbo Fabian“ die Mehrheit seiner Aktionen. Ist zusammen mit Silvan Wallner Teil der rechten Zürcher Seite, die von Luzern als Schwachpunkt ausgemacht und gezielt bespielt sowie mehrmals überspielt wird, fällt vor dem 0:1 die falsche Entscheidung.

Antonio Marchesano (5) – Wirkt lange Zeit mental etwas müde. Kommt mit der Einwechslung von Seiler als Unterstützung im Mittelfeld dann aber deutlich besser in die Partie und erzielt erneut ein Tor.

Wilfried Gnonto (6) – Nach zwei Tiefstnoten hintereinander wieder mal eine genügend bis gute Züri Live-Note. Kommt nach einer Stunde rein, hat seine erste gute Aktion aber erst in der 79. Minute. Dies ist dann aber gleich ein tolles Assist zum 1:2 von Antonio Marchesano und ab da läuft es dem jungen Italiener besser.

Stephan Seiler (10) – Bringt sofort nach seiner Einwechslung mehr Struktur und Spielintelligenz ins Zürcher Aufbauspiel, geht vorne aggressiv ins Forechecking und erobert Bälle. Mit Seiler geht nach dem Kurswechsel zur Pause nochmal ein zweiter Ruck durch die Mannschaft.

Trivia

Der Tscheche Martin Frydek spielt gerne im Letzigrund. So liefert der Linksverteidiger die Vorlage zum 0:1 und gewann damit in der fünften Begegnung mit dem FC Zürich zum dritten Mal mit 2:1 (zwei Mal mit Slovan Liberec, ein Mal mit Luzern), wobei er in allen drei Fällen einen Skorerpunkt beisteuerte.

72. Minute: Nathan holt sich mit grossem Kampfgeist in der gegnerischen Hälfte den Ball zum zweiten Mal hintereinander ohne ein Foul zu begehen von Silvan Sidler zurück. Ref Alain Bieri gibt ungerechtfertigterweise Freistoss und Gelb gegen Nathan. Antonio Marchesano und Wilfried Gnonto können die Entscheidung von Bieri nicht verstehen, Gnonto breitet die Arme aus und sagt vermutlich etwas nicht Astreines. Nathan ärgert sich extrem über Gnonto und staucht diesen zusammen. Bieri, wohl in der Meinung, Nathans Tirade hätte ihm gegolten, zeigt Nathan Gelb-Rot. Nach Protesten der Zürcher und Meinungsäusserungen von Luzern-Goalie Marius Müller sowie Bieris Assistenten nimmt dieser die zweite Gelbe Karte wieder zurück – Nathan darf auf dem Platz bleiben.

In der Schlussphase kam der FC Luzern so stark unter Druck, dass Filip Ugrinic in der Hektik um ein Haar im eigenen Strafraum ein Handspiel unterlief.
„Sterneis hat gesagt, es muss etwas passieren“: Match-Highlights

Telegramm

FC Zürich – Luzern 1:2 (1:1)
Tore: 4. Sorgic (Frydek) 0:1, 6. Schaub (Ugrinic) 0:2; 78. Marchesano (Gnonto) 1:2.
FCZ – Brecher; Wallner (86. Khelifi), Omeragic, Nathan, Aliti; H. Kryeziu (60. Seiler), Doumbia; Rohner (60. Gnonto), Marchesano, Ceesay; Kramer.
Luzern – Müller; Sidler, Knezevic, Burch (65. Lucas), Frydek; Tasar (63. Schürpf), Wehrmann (84. Emini), Ugrinic, Ndiayé (84. Alounga); Schaub, Sorgic.

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Dem FCZ reicht es erneut nicht zu einem Sieg in der Westschweiz. Im ganzen Jahr 2020 gelang dem Stadtclub kein Vollerfolg im frankophonen Teil des Landes und diese Serie setzt sich im Jahr 2021 fort. Der Züri Live-Notenschnitt der Mannschaft erreicht dabei mit 4,2 einen neuen Saisontiefpunkt. Unrealistisch war zumindest ein Punktgewinn trotzdem nicht, wenn man selbst in Führung gehen und durch Marchesano, Gnonto oder Rohner weitere Grosschancen erarbeiten kann. Servette ist aus dem Spiel heraus das ineffizienteste Team der Liga und dies zeigt sich auch gegen den FC Zürich, als speziell Grejohn Kyei erneut ein paar Topchancen unverwertet lässt. Hätte der Franzose auch nur eine durchschnittliche Chancenverwertung, wäre er schon jetzt Super League- Torschützenleader. Der FCZ hätte daher in Genf bei erfolgreicherer Verteidigungsarbeit der Standards durchaus einen „gestohlenen“ Auswärtssieg holen können. Drei der ersten fünf Servette-Eckbälle drehten aber das Spiel von 0:1 auf 3:1. Somit hat der FC Zürich in dieser Saison einen Viertel seiner Gegentore nach Cornern des Gegners zugestehen müssen – normal wären etwa 10%.

Der FC Zürich fuhr nach Genf mit einer Mannschaft, mit der von vornherein klar war, dass die Verteidigung von Eckbällen ein grosser Knackpunkt sein wird. Und dies gegen das zweitbeste Team der Liga bei Flanken und Eckbällen. Es fielen nicht nur die „Türme“ Sobiech und Nathan aus, sondern mit Doumbia und Kramer zwei weitere Spieler, die mittlerweile zu den solideren Manndeckern in solchen Situationen gehören. Wallner, Domgjoni, Hekuran Kryeziu und Omeragic sind alles keine guten Manndecker bei gegnerischen Eckbällen. Omeragic und Wallner sind diesbezüglich sicherlich noch in der Lernkurve drin, und ersterer dabei einen Schritt voraus. Im freien Raum können sie gefährliche Situationen meist gut klären, aber die Manndeckung eines gegnerischen Angreifers auf hohem Super League-Niveau, der mit einer präzisen Hereingabe oder Weiterleitung angespielt wird, ist nochmal etwas anderes.

Es verblieb also einzig Fidan Aliti – und Adrian Winter, der seit seinem etwas schwächeren Auftritt in Vaduz nach einem davor eigentlich guten Start nach der Winterpause nur noch zu Kürzesteinsätzen kommt. Winter wäre der wohl bestmögliche Manndecker für Miroslav Stevanovic gewesen – sehr aufmerksam, aufsässig und mit viel Erfahrung / Cleverness. Bei Luzern ist es zum Beispiel Christian Schwegler, der die Manndeckung von Stevanovic übernimmt, bei YB der kopfballstarke Fassnacht, bei Lausanne entweder der erfahrene Norweger Flo oder der England-gestählte Innenverteidigerhüne Jenz. Nur Basel fällt etwas aus der Reihe mit ihren generell etwas eigenwilligen Zuteilungen – Luca Zuffi ist bestimmt erfahren, aber beim Verteidigen von Cornern als Manndecker ähnlich unbeholfen wie zur Zeit Fabian Rohner. Stevanovic ist zwar ein filigraner, fast schon zerbrechlicher Profifussballer, aber in Sachen Stürmerinstinkt, Körperbeherrschung, Timing und Präzision im Abschluss herausragend. Hätte der FCZ für dieses Spiel besser auf Raumdeckung umgestellt, wie sie St. Gallen mit ihrer generell fehlenden „Wasserverdrängung“ praktiziert? Eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Adi Winter in Genf von Anfang an zu bringen, hätte übrigens ebenfalls bedeutet, dass der 0:1-Führungstreffer so nicht gefallen wäre. Denn er hätte wohl an Stelle von Rohner gespielt (auch wenn er durchaus auch die Position von Khelifi hätte übernehmen können).

Aus dem Spiel heraus hat der FCZ im Stade de Genève dem Gegner hingegen keinen Gegentreffer zugestehen müssen. Fidan Aliti von der linken Seite abzuziehen, war trotz dem Ausfall von Nathan für Trainer Massimo Rizzo keine Option – natürlich auch, weil das Genfer Angriffsspiel fast ausschliesslich über diese Seite läuft. Daher stellte Rizzo erstmals in der Startaufstellung auf eine Dreierabwehr mit Hekuran Kryeziu als Unterstützung in der Mitte um. Davor agierte ein Rhombus im Mittelfeld mit einem Stossstürmer vorne dran. Rizzo kopierte somit (nicht als erster Super League-Trainer) die ungewöhnliche, aber erfolgreiche Formation von Mario Frick’s Vaduz seit der Winterpause. Im Unterschied zu Vaduz wird beim FCZ im Spiel gegen den Ball aus dem 3-3-2-1-1 in gewissen Situationen ein 4-4-2 mit dem ballnahen Aussenläufer in der Mittelfeld- und dem ballfernen in der Verteidigungsreihe. Es ist eine einfachere defensive Umsetzung des Systems, was Sinn ergibt, wenn man es noch nicht häufig gespielt hat. Die Raumaufteilung klappte von Anfang an in diesem neuen System grundsätzlich gut. Domgjoni, Khelifi, Schönbächler und Marchesano schienen sich in dieser Formation in ihren Rollen noch besser entfalten zu können, als sonst. Ceesay hingegen hatte als Sturmspitze vorne erwartungsgemäss einen schweren Stand und wurde häufig von gleich drei Genfern gleichzeitig attackiert. Ein Kololli in guter Verfassung würde in so einem Spiel auf dieser Position mehr Sinn machen und die Partie möglicherweise in andere Bahnen lenken.

Personalien

Silvan Wallner (1) – Der Raum, den Wallner beherrscht, tendiert gefühlt gegen Null. Die Gegner kommen zur Zeit an ihm vorbei, als wäre er Luft. Symbolbildträchtig der „Zweikampf“, als sich Wallner wie ein in Panik geratener unerfahrener Bergsteiger am Matterhorn an Grejohn Kyei festklammerte, bevor er an diesem Fels runterfiel. Das Passspiel liess in Genf ebenfalls zu wünschen übrig und die Abstimmung mit Salim Khelifi war nicht ideal.

H. Kryeziu (1) – Eins kann man Hekuran Kryeziu zur Zeit nicht vorwerfen: dass er seine Sache nicht gut machen will. Er stösst und zerrt mehrmals hart an der Grenze des Erlaubten an den Gegenspielern im und ausserhalb des Strafraumes – folgerichtig führt eine dieser Szenen zum Penalty, welcher die Vorentscheidung bringt. In der Vergangenheit hat der Schwyzer auf der zentralen Position in der Dreierabwehr auch schon gute Leistungen gebracht. Die aktuelle Servette-Offensive um Kyei und Stevanovic ist an diesem Tag aber ein etwas zu grosser Challenge für ihn.

Becir Omeragic (7) – Bei seinem Stammklub zieht Omeragic in einer ansonsten nicht sattelfesten Zürcher Hintermannschaft einen guten Tag ein, verteidigt die wenigen langen hohen Bälle in Servettes Spielaufbau tadellos und es gelingen ihm ein paar sehr gute Spieleröffnungen.

Fabian Rohner (5) – Genau wie die ersten zwei ist auch sein dritter Super League-Treffer ein Traumtor. Spielt sich zudem über die rechte Seite im Zusammenspiel mit Khelifi und Domgjoni immer wieder gut durch. Erhält allerdings die Order, bei Eckbällen den gefährlichsten Genfer Miroslav Stevanovic zu decken und ist mit dieser Aufgabe überfordert. Damit steht der Zürcher Aussenläufer nicht nur beim 0:1-Führungstreffer im Mittelpunkt des Geschehens, sondern auch bei den Servette-Treffern zum 1:1 und 2:1. Auch aus dem Spiel heraus steht Rohner in der Rückwärtsbewegung nicht immer richtig, und kann dies nicht in jedem Fall mit seiner Schnelligkeit noch wettmachen.

„Wallner und Omeragic mit wenig Wasserverdrängung“ – Kommentare zum Spiel

Toni Domgjoni (6) – Spielt in der ersten Hälfte beider Halbzeiten stark. Blüht in der Rolle als einziger Sechser hinter zwei Achtern und vor einer Dreierabwehr regelrecht auf, rennt, stopft alle Löcher und fungiert mit seiner guten Technik und Spielverständnis als entscheidende Relaisstation im Aufbauspiel. Eine Rolle, wie auf den Leib geschneidert für Toni. Der Nachteil dabei allerdings: er kann seine Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte und Abschlussstärke nicht in die Waagschale werfen. Ausserdem baut er in Genf in beiden Halbzeiten gegen Ende etwas ab.

Fidan Aliti (5) – Hat einen guten Start in die Partie und gegen die offensiv orientierte rechte Genfer Seite mit Sauthier und Stevanovic so viele Top-Offensivaktionen wie bisher noch nie in dieser Saison – dafür aber auch defensiv mehr Probleme. Da dem Kosovarischen Nationalspieler ganz generell mehr Fehler als üblich unterlaufen, liegt es wohl wie schon in der Sion-Analyse vermutet, an einer gewissen „Überspieltheit“. Selbst bei gegnerischen Eckbällen verliert der in solchen Situatione sonst sehr solide Aliti seinen Gegenspieler Sasso mehr als einmal aus den Augen – unter anderem bei dessen Kopfballvorlage auf Stevanovic beim 2:1.

Salim Khelifi (5) – Sehr aktiv von Beginn weg, füllt die Achterposition mit seiner Laufbereitschaft und Spielintelligenz sowohl offensiv wie defensiv mit Leben. Wie schon in den letzten Partien gesehen, kann Khelifi (nur) dann auf Super League-Niveau ein Gewinn sein, wenn er von Anfang überdurchschnittlich Vollgas gibt. Das bedeutet dann aber auch, dass er wie in Genf schon nach wenigen Minuten der Zweiten Halbzeit aus Müdigkeit unkonzentriert und fahrig wird und nach 60 Minuten, manchmal wie in Genf auch schon früher, ausgewechselt werden sollte.

Marco Schönbächler (4) – Gute erste 20 Minuten. Mit seinem Seitenwechsel Vorbereiter des 0:1. Bringt für das in Genf angewandte flexible Spielsystem mit vielen Dreiecken und diagonalen Pass- und Laufwegen mit seinem weit überdurchschnittlichen Raumgefühl und Spielwitz auf der Achterposition gute Voraussetzungen mit. Als der FCZ aber nach der Pause ein Hohes Pressing betreiben will, ist es in erster Linie Schönbächler, wegen dem die Mitspieler vergebens ihre Sprints anziehen, weil er meist nicht mitmacht.

Antonio Marchesano (7) – Ist in letzter Zeit noch aktiver als früher in der Organisation des Pressings geworden und somit der eigentliche „Defensiv-Chef“ beim Stadtclub. Schreit sich auch „die Seele aus dem Leib“, als er nach der Einwechslung von Gnonto auf die Achterposition zurückrückt. Muss dabei aber noch feinfühliger auf die Mitspieler eingehen und auf deren physische und mentale Bereitschaft achten. Als Lokomotive Dampf zu machen ist sehr wertvoll, aber die Wagen dahinter müssen mitziehen und die Kurve kriegen können.

Assan Ceesay (1) – Im Gegensatz zum Sion-Spiel, wo er auf dem Flügel agierte, in Genf auf der Mittelstürmerposition überhaupt nicht zur Geltung gekommen. Auch weil Servette im Vergleich mit den Wallisern ein eher antizipierendes Gegenpressing aufzieht, welches in erster Linie auf den Empfänger des ersten Passes (häufig Ceesay) fokussiert. Schlimmer Fehlpass rückwärts Richtung eigenen Strafraum in der 22. Minute.

Wilfried Gnonto (1) – Obwohl er als Einwechselspieler für die 10er-Position am meisten Kraft haben sollte, macht Gnonto beim Hohen Pressing erneut so gut wie gar nichts. Bleibt stehen, während der seit Matchbeginn viel gelaufene Marchesano von hinten an ihm vorbeirennt, ganz vorne den Gegner stört und sich dann an Gnonto vorbei wieder zurück auf seine Achterposition begibt. Auch diesmal darf der junge Italiener wieder einen Standard schlagen, und auch diesmal wieder schlecht. Auch bei seinen Dribblings bleibt er bis gegen das Ende seines Einsatzes jedes Mal hängen. In der 86. / 87. hat Gnonto dann seine starken zwei Minuten.

Stephan Seiler (7) – Seine starke Körperbeherrschung könnte auf Capoeira-Training des wie Raffael in Fortaleza geborenen Seiler hindeuten. Sofort nach seiner Einwechslung mit einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte, welche über den hervorragenden leicht abgefälschten flachen Diagonalball von Marchesano zur Grosschance für Gnonto zum möglichen 2:3-Anschlusstreffer (Top-Parade von Servette-Goalie Jérémy Frick) führt. Fällt bei einem Servette-Konter in der 79. Minute eine falsche Entscheidung, als er sich zurückfallen lässt, statt den ballführenden Clichy energisch zu stören.

Telegramm

„Wieder Gnonto! Wieder in Genf!“ – Match-Highlights

Servette – FC Zürich 3:1 (1:1)
Tore: 12. Rohner (Schönbächler) 0:1, 26. Stevanovic (Kyei) 1:1; 62. Stevanovic (Sasso) 2:1, 67. Valls (Foulpenalty, Rouiller) 3:1.
Servette – Frick; Sauthier, Rouiller, Sasso, Clichy; Ondoua (90. Cespedes); Valls (81. Mendy), Cognat; Stevanovic (90. Severin), Kyei (75. Koné), Schalk (75. Imeri).
FCZ – Brecher; Wallner, H. Kryeziu, Omeragic; Rohner (88. Winter), Domgjoni, Aliti; Khelifi (63. Gnonto), Schönbächler (75. Seiler); Marchesano; Ceesay.

Spiel, Gegner und Taktik

Sion tritt im Letzigrund im gleichen System an wie ihr letzter Gegner St. Gallen (Schlussresultat ebenfalls 1:1), spielt aber einen komplett anderen Fussball, als die Ostschweizer. Statt Direktspiel in die Vertikale lässt man mit möglichst direktem, aber trotzdem kontrollierten Passspiel den Ball von links aussen nach rechts aussen und wieder zurück zirkulieren, um so im gegnerischen Abwehrverbund Lücken aufzureissen. Die Entstehung des 0:1 durch Luca Clemenzas erstes Super League-Tor ist ein Paradebeispiel dafür. Es ist das sechste Saison-Gegentor des FC Zürich in der Startviertelstunde.

Das unter Fabio Grosso entwickelte variable Positionsspiel der Walliser gestaltet sich im Ansatz sehr vielversprechend – es fehlt bloss in vielen Situationen noch an den Automatismen, speziell mit neuverpflichteten Spielern wie Lubomir Tupta. Ähnlich wie beispielsweise beim FC Basel bieten sich bei den Wallisern Zentrale Mittelfeldspieler genauso wie auch einer der Stürmer häufig ganz aussen an der Seitenlinie an, um auch schon im Mittelfeld die ganze Breite für den Spielaufbau zu nutzen. Speziell bei Sion ist, dass sich vor allem in der Ersten Halbzeit der gesamte Mittelfeld-Rhombus stark seitlich verschiebt, was die Walliser Mittelfeldspieler, die nicht zu den laufstärksten der Liga gehören, dann aber nicht über die gesamten 90 Minuten konsequent durchhalten können. Dies versucht der FCZ auszunutzen und spielt häufiger über die Seiten als sonst, vor allem die aktuell starke Linke Seite mit Aliti und Ceesay. Dies wird auch statistisch untermauert durch die bisher höchste von Züri Live in dieser Saison beim FCZ gemessene Anzahl Flanken. Dasselbe gilt für die Anzahl Steilpässe, die fast ausschliesslich ebenfalls über die Seiten gespielt wurden.

Massimo Rizzo schickt dasselbe Team auf den Platz wie beim Heimsieg gegen den FCB. Verschiedene Akteure wie beispielsweise Khelifi, Omeragic oder Aliti wirken gegen Sion aber etwas „müde“ beziehungsweise „überspielt“. Das Spiel illustriert, was für ein Vorteil es sein könnte, einen „zweiten Anzug“ zur Verfügung zu haben, dem man das volle Vertrauen schenken kann. Der FCZ profitiert in dieser Partie stark vom völlig misslungenen Auftritt ihres ehemaligen Juniors Anto Grgic auf der Gegenseite: schlecht getretener Penalty, weitere vergebene sehr gute Torchancen aus kurzer Distanz, und mehrere Ballverluste in der eigenen Platzhälfte – darunter auch diejenigen, welche zum Pfostenschuss Kramers und zum 1:1-Ausgleich führen. Sion verschiesst den zweiten Penalty hintereinander gegen den FCZ und Yanick Brecher hält den zweiten der letzten drei. Es ist ganz wesentlich Toni Domgjoni, der in der Folge die Differenz macht und voller Elan sowie Spielwitz die Partie immer mehr auf die Seite des FC Zürich ziehen kann.

„FCZ lange mit Sion-Gegenpressing nicht zurechtgekommen“ – Audio-Kommentare zum Spiel

Spielszene im Fokus

12. Minute – Luca Clemenza erzielt das 0:1

Im Anschluss an einen Sion-Eckball können die Walliser sich am Zürcher Strafraum installieren. Der FCZ findet zwar in seine Grundordnung zurück, ab einem bestimmten Zeitpunkt lässt aber das ballorientierte Verschieben nach. Omeragic und Doumbia lassen eine relativ grosse Lücke offen. Omeragic kommt dem in den Strafraum eindringenden Clemenza zwar noch halbherzig entgegen, dreht sich bei dessen Schussabgabe aber ab, um sich schmal (anstatt breit) zu machen.

Grösser als in einem Emmentaler erlaubt: das Loch in der Zürcher Defensivformation verursacht durch einen Moment des nachlässigen Verschiebens, welchen Luca Clemenza zu seiner Super League-Torpremière nutzt.

Personalien

Yanick Brecher (7) – Die langen Bälle des Zürcher Torhüters sind auch sonst jeweils besser als der Super League-Durchschnitt, diesmal gelingen sie aber besonders gut. Die 45 Meter-Bälle erreichen wie an einer Schnur gezogen Fidan Aliti oder Assan Ceesay an immer etwa derselben Stelle im Mittelfeld links an der Seitenlinie. Diese bekommen den Ball jeweils so serviert, dass sie ihn präzise in die Tiefe weiterleiten können. Der FCZ nutzt mit dieser Angriffsauslösung auch die taktische Formation des Sion-Mittelfeldes in einem Rhombus (in Deutschland „Raute“ genannt, SFL-Sprachregelung: „Diamant“) aus. Nachdem Yanick Brecher zuvor über Jahre hinweg alle Penalties reingelassen hat, hält er nach Moumi (YB) gegen Grgic (Sion) bereits den zweiten innert kurzer Frist! Mit dem von Serey Dié (ebenfalls Sion) bereits im November verschossenen Elfmeter gingen drei der letzten vier gegen den FCZ nicht rein. Die Zweite Halbzeit beginnt Brecher ungenügend und hat beispielsweise Mühe mit einer “Kerze“ von Omeragic im eigenen Strafraum.

Becir Omeragic (4) – Produziert unter anderem eine gefährliche “Kerze“ im eigenen Strafraum. In der Druckphase der Nachspielzeit wählt der Genfer bei einem vielversprechenden Konter die komplizierte Lösung mit einem Seitenwechsel in eine Zone, wo viele Gegenspieler stehen, anstatt des einfachen Steilpasses auf den völlig frei stehenden Schönbächler. Unverständlich seine Nomination ins „BLICK Team der Runde“.

Toni Domgjoni (9) – Nach dem von Yanick Brecher gehaltenen Penalty, ist es Toni Domgjoni, der stark aufdreht und die Mannschaft regelrecht mitreisst. Der Gesamteindruck von der Mannschaft ändert sich in dem Moment in erster Linie aufgrund eines Spielers. Gewinnt viele Bälle in der gegnerischen Hälfte im Pressing oder Gegenpressing, versteht sich sehr gut mit Fabian Rohner. Spielt sich im Laufe der Partie fast schon in einen Rausch mit zielgenauen Diagonalbällen und einem Dribbling, in welchem er den formstarken Wesley alt aussehen lässt. Im Spiel ohne Ball erschrecken Domgjonis Sprints die Gegenspieler manchmal so stark, dass sie vergessen, den Ball zu stoppen oder zu passen. Spielt ab der 79. Minute wieder auf der 10er-Position.

Ousmane Doumbia (3) – Das Auf und Ab seiner Leistungen geht weiter. Der Unterschied zu seinem Mittelfeldpartner ist: wenn Toni Domgjoni einen schlechten Tag hat, dann ist er Durchschnitt. Wenn Doumbia einen schlechten Tag hat, dann kippt die Bilanz seines Spiels ins Negative.

Salim Khelifi (2) – Nach drei ordentlich bis guten Leistungen hintereinander, stand gegen Sion wieder mal der „alte Khelifi“ auf dem Platz, der in vielen Situationen unkonzentriert wirkt, gedanklich zu wenig schnell von Verteidigen auf Angriff umschaltet und umgekehrt, und von dem man das Gefühl hat, er beherrscht kaum einen Quadratmeter seines Raumes.

Assan Ceesay (6) – Baut in der letzten Viertelstunde ab. Davor eine weitgehend gute Leistung. Seine Defensivarbeit wird immer wertvoller. Zur noch schnelleren Konterauslösung hat sich ein Automatismus eingespielt, dass Ceesay bei einem gegnerischen Eckball schon aus dem eigenen Strafraum heraus zum Gegenangriff startet, wenn der Ball auch nur schon halbwegs unter Kontrolle ist und der Zürcher in Ballnähe Ceesay gar nicht sieht. Durch Zurufen macht sich der Gambier bemerkbar und der Ball, wenn gewonnen, wird sofort in seine Richtung gespielt. Manchmal gelingen ihm gar technische Raffinessen wie ein präziser Absatzpass der Seitenlinie entlang auf Fidan Aliti, mit dem er sich gut versteht.

Blaz Kramer (1) – Birama Ndoye gehört zu den Defensivspielern mit eher beschränkten Qualitäten auf Schweizer Fussballplätzen, aber gegen Blaz Kramer konnte er sich profilieren. Der Slowene sieht kaum Land gegen den Senegalesischen Defensivhünen. Dazu kommt, dass Kramer wieder eine ganze Reihe von ausgezeichneten Umschaltmomenten mit zu geringer Handlungsschnelligkeit und Technik vermasselt und defensiv das ein oder andere Mal unaufmerksam ist.

Marco Schönbächler (1) – Auch wenn er sich zum Ende seines Einsatzes verbessert zeigt: der grösste Teil des Auftrittes ist so schlecht, dass es insgesamt nicht zu mehr als der Tiefstnote reicht. Mit dem Wechsel von Khelifi, der ebenfalls nicht seinen besten Tag erwischt hatte, zu Schönbi, gerät die Rechte Seite des FCZ mit dem offensiven Aussenverteidiger Rohner von einem Moment auf den anderen komplett „ins Schwimmen“. Dies bereits in der ersten Minute zwei Mal – aufgrund zu zaghaften Eingreifens. Sion hat dort nun völlig freie Hand. Auch das Passspiel sowohl als Absender wie als Empfänger ist über weite Strecken ein Graus.

Trivia

Timothy Fayulu beim Abstoss an einem sonnigen Winternachmittag im Letzigrund.
Crash zwischen Schiedsrichter Lukas Fähndrich und Sions José Aguilar abseits des Ballgeschehens.
Chilla will motiviert durch Blaz Kramers Ausgleichstreffer ebenfalls mitspielen und den Sieg für die Weissen holen.
Abstoss Yanick Brecher und Hohes Pressing von Sion aus der Lehrbuch-Perspektive.

Telegramm

„Domgjoni will unbedingt den Sieg“ – Audio-Highlights des Spiels

FC Zürich – Sion 1:1 (1:1)
Tore: 12. Clemenza (Tupta) 0:1, 39. Kramer (Marchesano) 1:1.
FCZ – Brecher; Rohner, Omeragic, Nathan, Aliti; Domgjoni (90. Winter), Doumbia; Khelifi (67. Schönbächler), Marchesano (79. H. Kryeziu), Ceesay; Kramer.
Sion – Fayulu; Wesley, Ndoye, Abdellaoui, Theler; Zock; Aguilar (83. Baltazar), Grgic; Clemenza (83. Tosetti); Karlen (60. Hoarau), Tupta (90.+1 Bamert).

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Dritter Sieg in derselben Saison gegen den FC Basel – das gab es noch nie! Wie so häufig in den letzten Jahren gewinnen die Zürcher gegen die Rotblauen das Spiel, wenn sie defensiv kompakt stehen, den Ballbesitz dem Gegner überlassen und auf schnelles Umschaltspiel setzen. Auf diese Art und Weise kommt der Letzigrundclub jeweils zu den besseren Torchancen als der Gegner und damit auch zum Sieg. Rekordverdächtige 108 Top-Defensivaktionen sind ein wesentlicher Baustein der drei gewonnenen Punkte. Der FCB kommt zu 13 Abschlüssen und bringt den Ball dabei nur ein einziges Mal Richtung Gehäuse von Yanick Brecher, der somit einzig und allein mit seinen zwei Fehlpässen in die Füsse von Edon Zhegrova auffallen kann. Der Fokus der Angriffe liegt über die ganze Partie hinweg beim FCB (Stocker / Petretta) genauso wie beim FCZ (Ceesay / Aliti) auf der Linken Seite. Dass Yanick Brecher in dieser Partie mit Kramer und Ceesay bei seinen Abstössen zwei statt nur einen Zielspieler zur Verfügung hat, ist ein grosser Vorteil für eine unberechenbarere Spielauslösung.

Auf der anderen Seite sind die mit Unterschnitt geschlagenen Abstösse von Heinz Lindner für den FCZ in der Regel relativ einfach zu verteidigen. Der FCB leidet aktuell an denselben Problemen, mit denen der FCZ lange zu kämpfen hatte: etwas zu viele unkonstante „Schönspieler“ im Kader, die defensiv zu wenig konsequent mitarbeiten. Nominell haben die Rotblauen immer noch die besten und talentiertesten Profis der Liga im Kader. Aber diese Saison wurden sie zusätzlich zu den bestehenden Herausforderungen von Problemen wie einer Quarantäne zurückgeworfen. Der FCZ hat demgegenüber den Vorteil, dass man die gröbsten diesbezüglichen Rückschläge bereits letzte Saison durchgemacht hat. Etwas speziell beim FCB sind aktuell die Einteilungen bei gegnerischen Eckbällen, wo Mittelstürmer Arthur Cabral jeweils den stärksten gegnerischen Kopfballspieler deckt und dabei manchmal etwas unvorsichtig agiert.

Entscheidende Szenen

00:16 – Stocker bei langem Ball in die Tiefe durch Salim Khelifis energischen Sprint gestört

Der FC Zürich hat Anstoss. Der lange Ball Omeragics wird von der Basler Abwehr geklärt, Valentin Stocker will sofort in seiner typischen Art einen gefährlichen langen Ball für Cabral auf der linken Seite in die Tiefe spielen. Da Salim Khelifi Stocker mit einem energischen Sprint aber genügend stört, kommt dieser Ball von der Präzision und dem Timing her nicht ideal und kann im Raum Mittellinie von Rohner abgefangen werden.

Salim Khelifi stört nach 16 Sekunden hoch am gegnerischen Strafraum Valentin Stocker in der Gegenangriffsauslösung energisch.

Man stelle dies in Kontrast zur 0:4-Niederlage des FCZ an gleicher Stätte vor einem Jahr. Valentin Stocker will ebenfalls sofort nach Anpfiff der Partie einen analogen Ball der Seitenlinie entlang in die Tiefe spielen. Obwohl er in dieser Szene viel höher (an der Mittellinie) postiert war, hatte Stocker überhaupt keinen Druck vom zunächst zögerlichen Schönbächler und konnte daher den Ball zentimetergenau in den Lauf des nach vorne preschenden Silvan Widmer spielen. Der FCZ kam ab diesem Moment immer einen Schritt zu spät – Hereingabe auf Cabral – Ablage auf Frei – Tor nach 12 Sekunden!

Vor einem Jahr am 8.2.2020 im Letzigrund: Valentin Stocker kann ungestört den „tödlichen“ Pass in die Tiefe auf Widmer spielen – Fabian Frei trifft nach nur 12 Sekunden zum 0:1.

00:42 – Fabian Rohner rauscht mit grossen Schritten heran und stoppt Valentin Stocker energisch am Zürcher Strafraum

Basel geht wie so häufig im Letzigrund mit Valentin Stocker Vollgas in der 1. Minute, aber nur 26 Sekunden nach Salim Khelifi kann auch Fabian Rohner Valentin Stocker dank eines energischen Sprints stoppen. Damit ist das Allergröbste an Basler Offensivpower für diese Partie bereits in die Schranken gewiesen.

Fabian Rohner bremst in der Startminute Valentin Stocker am eigenen Strafraum aus.

Personalien

Yanick Brecher (3) – Brecher und der FCZ haben Glück, dass das Spiel in der Anfangsphase nicht einen ganz anderen Verlauf nimmt, nachdem er gleich zwei Mal beim Aufbauspiel von hinten heraus den Ball Edon Zhegrova in die Füsse spielt. Der Kosovare vergibt die erste grosse Chance kläglich, bei der zweiten trifft er das Tor – steht dabei aber gemäss VAR im Offside.

Fabian Rohner (8) – Nach sehr guten Joker-Einsätzen nutzt Rohner seine erste Startelfchance seit mehr als drei Monaten. Gewinnt die Bälle vorzugsweise im Duett mit seinem langjährigen Teamkollegen Toni Domgjoni und läuft dem omnipräsenten Valentin Stocker einen entscheidenden Ball im eigenen Strafraum ab. Kommuniziert viel mit den Nebenleuten und dreht nach der Pause noch weiter auf.

Fidan Aliti (7) – Hat in der Ersten Halbzeit Probleme mit Nationalteamkollege Edon Zhegrova, weil er für seine Verhältnisse untypisch mehrmals geradezu übermütig hoch verteidigt und dann jeweils überlaufen wird. Steigert sich in der Zweiten Halbzeit deutlich. Versteht sich auf der Linken Seite sowohl offensiv wie defensiv sehr gut mit Assan Ceesay.

Toni Domgjoni (5) – Sonst fast immer unter den Teamstützen, diesmal über weite Strecken ein eher mauer Auftritt. Hat Mühe ins Spiel zu kommen, weil er seine übliche zupackende Art vermissen lässt, begeht dadurch auch mehr Fehler.

Ousmane Doumbia (9) – Der FC Basel scheint ihm zu liegen. Zum Jahresauftakt im St. Jakob Park MVP – und nun auch wieder. Dazwischen lagen vier Partien, in denen der Ivorer im Tief steckte. In einem allgemein gut verteidigenden Team sticht Doumbia mit 15 Top-Defensivaktionen nochmal etwas heraus.

Salim Khelifi (7) – Mit dem Salim Khelifi von früher hätte der FCZ gegen Basel wohl nicht gewonnen. Der heutige Khelifi ist stabiler geworden, unterstützt das Team mit regelmässigen wichtigen und effektiven Defensivsprints und starken Spieleröffnungen im Umschalten. Bremst so die durch Arthur Cabral und Fabian Frei immer wieder unterstützte offensiv starke linke Basler Seite zusammen mit Rohner weitgehend aus.

Assan Ceesay (8) – Denkt und hilft defensiv sehr gut mit. Wichtige Sprints und Blocks bei gegnerischer Konterauslösung sowie Unterstützung am und im eigenen Strafraum. Hat dabei auch einige gute Offensivaktionen: allen voran die Entstehung des wegweisenden 1:0, bei welchem Ceesay Jasper Van der Werff den Ball wegstibitzt und dann von Eray Cömert im Strafraum gelegt wird. Urkomisch die Szene, als Ceesay es an der Seitenlinie auf engem Raum irgendwie schafft, am eingewechselten Basler Kaly Sène vorbeizukommen und dieser danach wie Tom von ‚Tom & Jerry‘ in der von Turbo Ceesay hinterlassenen Staubwolke kniend wütend mit der flachen Hand auf den Boden schlägt, weil ihm sein Kontrahent entwischt ist.

Wilfried Gnonto (1) – Beginnt in den ersten Momenten nach seiner Einwechslung gut, fällt dann aber sofort wieder in den Trott seiner Bankrotterklärungen als Joker in St. Gallen und gegen YB zurück. Obwohl frisch im Spiel, trabt der junge Italiener den angreifenden Gegnern immer wieder im grossen Abstand hinterher, als hätte er einen anstrengenden Marathonlauf hinter sich. Mit der Einwechslung Gnontos erhält die linke Basler Seite um Stocker und Petretta viel Platz für ihre Angriffe und blüht richtiggehend auf. Davor war für die Rotblauen während 70 Minuten nirgendwo ein Durchkommen gewesen. Nun rollen die gefährlichen Angriffe im Minutentakt über Links. Dazu kommen bei Gnonto mehrere Ballverluste und inkonsequente Offensivaktionen.

Telegramm

FC Zürich – Basel 2:0 (1:0)
Tore: 26. Marchesano (Penalty, Ceesay) 1:0; 90.+2 Kramer (Gnonto) 2:0.
FCZ – Brecher; Rohner, Omeragic, Nathan, Aliti; Domgjoni, Doumbia; Khelifi (69. Gnonto), Marchesano (87. H. Kryeziu), Ceesay; Kramer.
Basel – Lindner; Van der Werff, Cömert (46. Cardoso), Klose, Petretta; Bunjaku (83. Pululu); Zhegrova (72. Sène), Kasami, Frei, Stocker; Cabral.

(Standbilder: Blue)

Spiel, Gegner und Taktik

Im Gegensatz zu YB und Lugano passt der FCZ seine taktische Formation auch diesmal nicht an den FC Vaduz an, aber der Respekt gegenüber dem schnellen Umschaltspiel der Liechtensteiner ist trotzdem zu spüren. Die Zürcher stehen nur leicht höher als der Gegner, und sind lange Zeit darauf bedacht, möglichst keine gefährlichen Räume hinter der Abwehr entstehen zu lassen. Mit den sehr guten Seitenwechseln der Liechtensteiner hat speziell Adi Winter etwas Probleme. Trotzdem kontrolliert der FCZ die Partie ohne zu glänzen und liegt durchaus verdient in Führung – bis zur Penaltyszene in der 53. Minute, die zum 1:1-Ausgleich führt. Bis zu diesem Zeitpunkt gewinnt das Rizzo-Team (in der Ersten Halbzeit Wind-unterstützt) auch klar die Mehrheit der Zweikämpfe. Am Ende der Partie steht mit 4,4 ein neuer Saisontiefstwert bei der Züri Live-Durchschnittsnote der Mannschaft.

Entscheidende Szenen

53. Minute: Blerim Dzemailis fatale Anweisung beim Vaduzer Ausgleich

Bis zur 53. Minute hat der FCZ die Partie im Rheinpark im Griff, steht gut und führt mit 1:0. Die Vaduzer spielen den Ball im Aufbau zwischen den drei Innenverteidigern hin und her, ohne eine Schwachstelle im Zürcher Abwehrverbund zu entdecken. Bis Blerim Dzemaili auf die Idee kommt, die Flügelspieler Tosin und Schönbächler lautstark anzuweisen, höher zu stehen. Von Blue-TV Kommentator Michael Fritschi wird er sofort für dieses oberflächliche Zeichen von Leaderqualitäten gelobt. Die FCZ-Flügel rücken dann auch tatsächlich an die Mittellinie auf. Aber mit fatalen Folgen: Yannick Schmid entdeckt sofort die Gelegenheit und spielt einen Diagonalball nach links vorne, wo wegen des aufgerückten Tosin Adi Winter nun in Unterzahl ist. Lüchinger und Obexer spielen sich ohne Gegenwehr an die Grundlinie und in der Mitte begeht Omeragic in der Hektik das Foul zum 1:1-Penalty Milan Gajics. Dieser bringt Vaduz ins Spiel und den FCZ auf die Verliererstrasse. Die Anweisung Dzemailis war nicht nur kontraproduktiv, sondern es ist auch schwer, einen Sinn dahinter zu erkennen. Einfach nur aufrücken ohne den Gegner gezielt zu pressen, ist „Selbstmord“.

Winter gerät gegen Lüchinger und Obexer in Unterzahl. Der aufgrund der Dzemaili-Anweisung zu weit aufgerückte Tosin rennt wieder zurück, kommt aber zu spät.

64. Minute: Dzemaili lamentiert – Gegenspieler Joël Schmied erzielt den Vaduzer Führungstreffer

Bei einem Gajic-Freistoss klammern sich Joël Schmied und Blerim Dzemaili knapp ausserhalb des Strafraumes gegenseitig am Arm und fallen um, während gleichzeitig Nathan den Ball ein erstes Mal aus dem Strafraum heraus klärt. Dzemaili lamentiert am Boden sitzend lautstark in Richtung Schiedsrichter Fähndrich, welcher ausgezeichnete Sicht auf die Szene hatte und weiterlaufen liess. Hekuran Kryeziu und vor allem Becir Omeragic lassen sich vom lamentierenden Dzemaili ablenken, bremsen, schauen zurück, und kommen etwas spät auf ihre Positionen am Fünfmeterraum, als die zweite Flanke in den Strafraum kommt. Schmied und Dzemaili stehen auf, wobei Letzterer dem Vaduzer Verteidiger nur halbherzig folgt, so dass dieser in der Lücke zwischen den „Päärchen“ Hekuran Kryeziu / Manuel Sutter sowie Becir Omeragic / Yannick Schmid völlig frei zum 2:1 einköpfen kann.

78. Minute: Geleitschutz beim Game Winning Goal von Matteo Di Giusto

Blerim Dzemaili verliert zuerst bei der Auslösung des Vaduzer Konters das Luftduell mit Coulibaly im Mittelfeld und bietet danach dem Torschützen Matteo Di Giusto weitgehend “Geleitschutz“.

Der ehemalige FCZ-Junior Matteo Di Giusto auf dem Weg zu seinem ersten Super League-Tor interessiert aus der Ersten Reihe beobachtet von einer FCZ-Legende.

Personalien

Becir Omeragic (3) – Sein hohes Standing im Ranking der besten Fussballtalente der „Equipe“ scheint ihm nicht bekommen zu sein. Wird von Spiel zu Spiel nachlässiger.

Fidan Aliti (6) – Sein herrliches erstes Super League-Tor hätte es verdient gehabt, mehr als nur ein Anschlusstreffer zu sein. Insgesamt nicht mehr ganz so überzeugend wie in den letzten Partien.

Blerim Dzemaili (1) – Zum zweiten Mal hintereinander mit der Tiefstnote „1“. An allen drei Gegentoren wesentlich mitschuldig. Seine Anweisungen und Äusserungen auf dem Platz waren in Vaduz geradezu kontraproduktiv und führten dazu, dass sein Team die Ordnung und Konzentration verlor. Die durchaus auch diesmal wieder vorhandenen einzelnen guten Offensivaktionen vermochten Dzemailis negative Einflüsse aufs Zürcher Spiel mit zahlreichen Fehlpässen, Ballverlusten und negativer Körpersprache bei weitem nicht aufzuwiegen.

Assan Ceesay (3) – Gegen einen tief stehenden Gegner wie Vaduz Assan Ceesay in der Sturmspitze zu bringen, macht wenig Sinn. Der Gambier verliert so zu viele Bälle und kann seine Schnelligkeit nicht ausnutzen.

Blaz Kramer (1) – Wie schon im „Hinspiel“ gegen Vaduz mutiert Kramer aus Sicht des FCZ zum „Torverhinderer“. Damals hatte er mit einem Stürmerfoul gegen Yanick Schmid den 1:1-Ausgleich Adrian Winters kurz vor Schluss zunichte gemacht. Diesmal verhinderte er direkt nach seiner Einwechslung in der 73. Minute erneut den praktisch sicheren 2:2-Ausgleich durch Nathan nach einem Dzemaili-Freistoss, weil er in der Flugbahn von Nathans Kopfball stand. Der Ball wäre in die rechte Torecke geflogen und Vaduz-Keeper Büchel hätte wohl kaum noch eingreifen können. Und auch diesmal fiel der Slowene vor allem mit unnötigen Stürmerfouls auf. Beispielsweise verhinderte er so am Ende der Nachspielzeit nochmal einen letzten Spielzug des FCZ Richtung gegnerisches Tor. Positiv ist Kramers Entwicklung in den letzten Partien als Manndecker bei gegnerischen Eckbällen.

Fabian Rohner (10) – Dritter Top-Einsatz als Joker. Und da kein Spieler aus der Startformation richtig überzeugen konnte, wird er genau wie beim Heimspiel gegen Vaduz wieder MVP. Damals hatte er mit seinem Rush aus dem Mittelfeld das vermeintliche 2:2 von Adi Winter eingeleitet. Diesmal mit seiner Flanke den 2:3-Anschlusstreffer. Ausserdem verhinderte er in der Rückwärtsbewegung mehrmals die Vorentscheidung zum 2:4, speziell in der 89. Minute, als er mit seinem Einsatz gegen Rahimi an der Fünfmetergrenze den so gut wie sicheren Gegentreffer verhinderte.

Telegramm

Vaduz – FC Zürich 3:2 (0:1)
Tore: 43. Marchesano (Ceesay) 0:1; 54. Gajic (Foulpenalty, G. Lüchinger) 1:1, 64. Schmied (Gasser) 2:1, 78. M. Di Giusto (M. Coulibaly) 3:1, 83. Aliti (Kramer) 3:2.
Vaduz – B. Büchel; Schmied, Y. Schmid, Simani; Dorn, Gasser (73. Prokopic), G. Obexer; Gajic, G. Lüchinger (88. Rahimi); Cicek (76. M. Di Giusto); M. Sutter (76. M. Coulibaly).
FCZ – Brecher; Winter (78. Rohner), Omeragic, Nathan, Aliti; H. Kryeziu, Dzemaili (78. Doumbia); Tosin (73. Kramer), Marchesano (78. Domgjoni), Schönbächler (58. Gnonto); Ceesay.

(Standbilder: Blue)

Spiel und Gegner

Der FCZ gewinnt zum dritten Mal in Folge im Kybunpark gegen einen Gegner, der dem FCZ vom Spielstil her schon seit einiger Zeit zu liegen scheint. Die drei Auswärtserfolge gegen das aufstrebende St. Gallen im Dezember 2019, Juni 2020 und jetzt Januar 2021 hatten dabei viele Gemeinsamkeiten. In allen drei Partien kam der FC St. Gallen zu Beginn „wie die Feuerwehr“ aus den Startlöchern, verausgabte sich stark und begann dementsprechend nach etwa 30 Minuten kräftemässig abzubauen. Schon in den ersten zwei Begegnungen wollten die Grünweissen in ihrer grossen Druckphase zu Beginn des jeweiligen Spiels mindestens einen Zweitorevorsprung herausspielen – was nun erstmals auch gelang. Trotzdem vermochten die Ostschweizer auch diesmal nicht zu gewinnen. Der FC Zürich nutzte den St. Galler Kräfteverschleiss eiskalt aus – mit erneut (mindestens) drei Toren.

Die beiden Siege vom Dezember ’19 und Juni ’20 sind höher einzustufen, als der aktuelle, da St. Gallen damals eine deutlich bessere Mannschaft auf den Platz brachte. Vor allem Ermedin Demirovic und Silvan Hefti vermochten die Ostschweizer bisher nicht zu ersetzen. Wie dünn derzeit ihre Kaderdecke ist, zeigt sich beispielsweise darin, dass der Dreifachwechsel zur Pause (Diarrassouba, Babic und Youan für Ruiz, Guillemenot und Duah) das Team eher schwächte. Und die drei Zürcher Tore waren allesamt grosszügige Geschenke aus der Ostschweiz. Beim ersten lässt sich erst Ruiz von Winter abdrängen, Stillhart schiesst Mirlind Kryeziu ideenlos in die Füsse, Quintilla verliert sein Laufduell mit Marchesano um den Zweiten Ball im Mittelfeld und Fazliji geht knapp im eigenen Sechzehner von hinten ins Sliding Tackling gegen Assan Ceesay und verursacht damit den fälligen Penalty. Beim Zürcher Ausgleich zum 2:2 produziert Jordi Quintilla vor dem eigenen Strafraum einen Querschläger nach einem eigentlich verunglückten Freistoss Blerim Dzemailis. Der Schuss geht im wahrsten Sinne des Wortes „nach hinten los“ und Torwart Zigi lässt den Ball aus seinen Hànden direkt vor die Füsse des einschussbereiten Antonio Marchesano flutschen. Vor dem 2:3-Siegtreffer Salim Khelifis noch vor der Pause spielt der zurückgeeilte Stürmer und 1:0-Torschütze Kwadwo Duah im Liegen Blerim Dzemaili den Ball direkt in die Füsse.

Die Stilsicherheit des Spätherbstes unter Massimo Rizzo ging dem FCZ auch in St. Gallen ab, wenngleich man sich immerhin im Vergleich zur 0:1-Heimniederlage gegen den FC Vaduz auf mehreren Positionen verbessern konnte. Speziell auf der rechten Seite, wo sich Tosin gegenüber seinem ganz schwachen Auftritt im Letzigrund zu steigern und vor allem Adi Winter als echte Alternative auf der Rechtsverteidigerposition aufzudrängen vermochte. Auch über links war man mit Fidan Aliti und dem erstmals seit langer Zeit wieder einmal eine gute Leistung abliefernden Salim Khelifi besser aufgestellt, als dem Duo Schättin / Gnonto gegen Vaduz. Auch Torhüter Brecher brachte wieder seine guten langen Bälle an den eigenen Mann – und vorne ist Assan Ceesay ein klares „Upgrade“ im Vergleich zu Blaz Kramer. Im Zentrum bleibt hingegen der aus der Fremde zurückgekehrte Blerim Dzemaili trotz einzelnen Szenen, in welchen er seine Qualität und Erfahrung in die Waagschale werfen kann, unter dem Strich für das Team eine Hypothek. Auch in St. Gallen unterliefen dem nach einem Jahr Pause noch weit von einer Super League-reifen Form entfernten 34-jährigen Mittelfeldpuncher unzählige Abspiel-, Stellungsfehler und wichtige verlorene Zweikämpfe. Zudem mussten die Teamkollegen vor, hinter und neben ihm ständig Lücken stopfen, welche Dzemaili beim Umschalten hinterliess, und so teilweise ihre eigenen Aufgaben vernachlässigen.

Taktik und Szenen

Bezüglich Spielformation gabs keine Überraschungen: das übliche St. Galler 4-1-2-1-2 traf auf das ebenfalls gewohnte Zürcher 4-2-3-1, wobei beim FCZ im Verlauf der Partie vier verschiedene Spieler auf der 10er-Position agierten: Marchesano, Khelifi, Tosin, Domgjoni. Bei St. Gallen kam der von GC verpflichtete Aussenverteidiger Euclides Cabral zu seinem ersten Startelfeinsatz, rettete einmal entscheidend im Strafraum gegen den einköpfbereiten Antonio Marchesano, fand ansonsten aber noch nicht die Bindung zum Spiel und seinem Team. Der im Sommer direkt aus der Elfenbeinküste verpflichtete Salifou Diarrassouba feierte einen Monat nach seinem 19. Geburtstag sein Super League-Début. Der Doppeltorschütze bei der letzten Begegnung im Letzigrund, Elie Youan, begann wie Diarrassouba ebenfalls auf der Bank.

Wie üblich bei Begegnungen im Kybunpark begann das Spiel in relativ hohem Tempo – allerdings nicht vergleichbar mit der enormen Intensität in den letzten beiden Duellen der beiden Teams an gleicher Stelle. Beide Teams wie immer wenn sie aufeinandertreffen mit viel Vertikalität und schnellem Umschalten im Spiel und dazu von Beginn weg mit relativ viel Risiko. Schon in der Zweiten Minute profitierte St. Gallen vom weiten Aufrücken der Zürcher mit allen Feldspielern inklusive Innenverteidiger in der St. Galler Hälfte, als Blerim Dzemaili und Co. bei einem zweiten Ball vor dem Strafraum der Ostschweizer zu langsam reagierten und Basil Stillhart den weiten Ball hinter die Zürcher Abwehr unbedrängt spielen liessen. Der schnelle Kwadwo Duah war genau im richtigen Moment aus der eigenen Platzhälfte nicht in Offsideposition gestartet und hatte daher beim Zeitpunkt des Überquerens der Mittellinie bereits ein hohes Tempo aufgenommen, welches ihm den entscheidenden Vorsprung gab. Das 2:0 erzielte dann der sich gegen den FCZ immer wieder auszeichnende Basil Stillhart gleich selbst, als Jordi Quintilla mit seinem aussergewöhnlichen Freistoss die Zürcher Offsidefalle alt aussehen liess. Im Nachhinein gesehen war es falsch, in dieser Freistosssituation mit Offsidefalle zu agieren – vor allem wenn der Gegner einen Jordi Quintilla in seinen Reihen hat. Vor allem aber würde man sich solche Freistösse auch beim FCZ in der Offensive wünschen.

St. Gallen hat in der ersten halben Stunde Vorteile im Umschaltspiel, weil bei den Ostschweizern immer mindestens ein Spieler im Vollsprint dem Ball nachhetzt, währenddessen das Zürcher Mittelfeld dem Gegner mehr Zeit und Platz zum Umschalten lässt. Weil Blerim Dzemaili im Zentrum häufig grosse Lücken hinterlässt, die nicht alle von Ousmane Doumbia geschlossen werden können, müssen die Flügel Tosin und Khelifi vermehrt einrücken, um in der Mitte auszuhelfen – was in einigen Situationen auf Kosten der Besetzung ihrer Positionen auf den Seiten geht.

Nach der 2:0-Führung machen die Ostschweizer die Räume nicht enger, sondern spielen gleich weiter wie zuvor. Dadurch, dass der FCZ durch die zwei Nackenschläge vorsichtiger wird und mit den Innenverteidigern etwas weiter zurückstaffelt, werden die Räume für beiden Teams noch grösser. Ein so entstehender offener Schlagabtausch ist ganz im Sinne des in Rückstand liegenden Teams. Denn so bleibt weiterhin alles möglich, was sich dann ja auch bewahrheitet. Der FCZ seinerseits macht dem FCSG nicht den gleichen Gefallen und zieht sich mit der 2:3-Führung nach der Halbzeitpause zurück und lauert vorwiegend auf Kontermöglichkeiten. Da das Heimteam aus der Gallusstadt in den zweiten 45 Minuten personell und kräftemässig nachlässt, kann sich der FC Zürich sogar erlauben, seine drei, vier sehr guten Torchancen auf das mögliche 2:4 auszulassen.

Der FC Zürich kommt zu einem Penalty, aber ansonsten lässt St. Gallen kaum einen Standard in Strafraumnähe zu. Auf der anderen Seite kann sich bei St. Galler Eckbällen neben Nathan und Aliti erneut Adi Winter als konsequenter Manndecker hervortun. Auch Doumbia und Mirlind Kryeziu verteidigen in solchen Situationen ordentlich. Duah wird von Nathan genügend gestört, so dass dieser übers Gehäuse köpft und Tosin kann aus einer St. Galler Cornervariante mit einem konsequenten Sprint in Richtung Alessandro Kräuchi gar eine Zürcher Konterchance kreieren. Dass dann einmal doch Lukas Görtler nach einem Eckball gefährlich zum Abschluss kommt, ist einer aus Zürcher Sicht unglücklichen Richtungsänderung des Balles am nahen Pfosten zu verdanken.

45.+2 Min.: Game-Winning Goal Salim Khelifi

Das FCZ-Siegtor ist ein Team-Effort. Adrian Winter hält rechts an der Seitenlinie den Ball hervorragend mit Kampfgeist und Technik im Spiel, woraus sich ein Freistoss ergibt. Diesen schlägt Blerim Dzemaili etwas zu hoch in den Strafraum. Der Ball fliegt ins Seitenaus. Beim St. Galler Einwurf greifen Assan Ceesay und Antonio Marchesano zu zweit mit sehr gutem Forechecking gegen drei St. Galler an, so dass Alessandro Kräuchi den Ball im hohen Bogen an die Mittellinie befördern muss, wo diesen Ousmane Doumbia und Fidan Aliti gegen Jérémy Guillemenot und Kwadwo Duah gewinnen.

Doumbia prischt mit Ball am Fuss nach vorne, verfolgt von Duah, der seinen Fehler wieder gut machen will. Pass von Doumbia auf Ceesay, der mit einer für seine Körpergrösse erstaunlich behenden 180 Grad-Drehung den Ball mit der zweiten Berührung in die Tiefe in Richtung seines Fussball-Buddys Marchesano leitet. Der Steilpass gerät etwas zu kurz. Dadurch kommt es zum Zweikampf zwischen Duah und Marchesano. Duah kommt zu Fall, weil er durch seinen Spreizschritt im Moment des Zusammenpralls im Gegensatz zu seinem Gegenspieler nur mit einem Fuss den Boden berührt. Am Boden liegend in Bedrängnis durch Marchesano und Ceesay, zieht Duah zuerst kurz den Ball mit dem Arm zu sich (hätte Handsfreistoss für den FCZ geben müssen) und schaufelt dann schnell mit dem rechten Fuss den Ball weg. Dieser landet dabei Dzemaili direkt vor dem Strafraum in den Füssen.

In diesem Moment steht Salim Khelifi noch ziemlich unbeteiligt sieben Meter hinter Dzemaili, reagiert aber sofort, als er rechts des St. Galler Abwehrblocks den offenen Raum sieht. Khelifi ruft Dzemaili von hinten zu, sprintet in den Raum. Dzemaili zieht auf, um wie schon mehrmals zuletzt aus der Distanz sein Glück zu versuchen. Der Schussweg wird ihm durch Cabral verstellt. Im letzten Moment vor der Schussabgabe taucht im rechten Augenwinkel Dzemailis der von hinten heranstürmende Khelifi im Vollsprint auf, Dzemaili bremst seine Schussbewegung ab, haut dabei leicht in den Boden und lenkt den Ball in einer verzögerten Bewegung genau im richtigen Moment ideal als Vorlage in den Raum. Khelifi zieht aus 13 Metern mit dem rechten Vollrist direkt ab. Die vorhandene Bewegung des Balles optimal ausnutzend mit leichtem Aussenristdrall landet der Ball trotz des rasch reagierenden Ati Zigis rechts oben im »Torkranz».

Personalien

Adrian Winter (9) – Schön, gibt es beim FCZ aktuell auch Spieler, deren Formkurve nach oben zeigt. Bei kaum einem geschieht dies so pointiert, wie bei Adi Winter, der noch vor der Winterpause nicht den Eindruck vermittelt hatte, dem Team sportlich helfen zu können. Dies hat sich mittlerweile geändert. Winter wirkt deutlich wacher und fokussierter, als noch vor ein paar Wochen. Man könnte sich für die Rechte Seite gut das Duo Rohner / Winter vorstellen – mit Winter als eher statischem, kampfstarken und erfahrenen Partner und Rohner, welcher seinen Speed nach vorne und hinten ausnutzt.

Nathan (7) – St. Gallen ist sein Pflaster: der kampfstarke Brasilianer ist auch diesmal im Kybunpark wieder häufig im Zentrum des Geschehens.

Blerim Dzemaili (2) – Auch in St. Gallen läuft Dzemaili wie schon in Basel häufig der Musik hinterher, wie das Kleinste in der Familie, das den älteren Geschwistern hinterherhechelt. Wenn es jeweils den Ort erreicht, wo die Geschwister etwas entdeckt hatten, sind diese bereits wieder weitergezogen. So wirkt es aktuell in vielen Szenen beim FCZ: wenn Dzemaili am eigenen Strafraum anlangt, haben seine Kollegen soeben mit Ach und Krach ohne ihn die Situation geklärt und den Angriff gestartet. Wenn Dzemaili diesem dann Richtung gegnerischen Strafraum folgt, dann läuft bei seiner Ankunft dort bereits wieder der St. Galler Gegenangriff. In der 2. Minute ist es Dzemaili, der in einer hoch stehenden Mannschaft Basil Stillhart nicht energisch genug angreift, so dass dieser genug Platz und Zeit hat, um den entscheidenden Pass zum 1:0 für Kwadwo Duah optimal hinter die Zürcher Abwehr zu spielen. Bereits ab der 7. Minute bewegt sich Dzemaili sehr langsam in der Rückwärtsbewegung, nachdem ihm in der Szene zuvor ein Ball in aussichtsreicher Position versprungen ist. Beim ersten St. Galler Corner ist Dzemaili der einzige Zürcher, der seinen Gegenspieler (Stergiou) komplett aus den Augen verliert. Beim Zürcher Anstoss nach dem St. Galler 2:0 in der 10. Minute versucht er wie ein übermütiger Jungspund ein Dribbling durch die Mitte gegen eine grosse St. Galler Übermacht, woraus sich ein potentiell gefährlicher Gegenangriff der Grünweissen ergibt. Eine Minute später lässt er den ballführenden Lukas Görtler ziehen. So zieht sich das über die ganzen 83 Minuten Einsatzzeit weiter.

In der 2. Halbzeit kommt der FCSG zu weniger Torchancen, als man in Normalfall von einem Heimteam im Rückstand erwartet, aber wenn, ergibt sich für die Grünweissen meist eine Möglichkeit, weil Dzemaili nicht auf seiner Position ist – oder wie in der 79. Minute von Quintilla getunnelt wird, was Staubli eine hervorragende Abschlussposition eröffnet. Gleichzeitig lässt Dzemaili auch im Kybunpark immer wieder seine Klasse und Erfahrung aufblitzen und ist an allen drei Toren entscheidend beteiligt, wenn auch beim zweiten mit einem verunglückten Freistoss. Ausserdem bemerkt Dzemaili kurz vor seiner Auswechslung bei einem St. Galler Eckball als Einziger, dass der eingewechselte Staubli keinen Gegenspieler gegen sich hat und beordert Tosin, dies zu übernehmen. Der aktuelle Dzemaili erinnert in vielerlei Hinsicht an Denis Popovic, der im Alter von knapp 30 Jahren mit Trainingsrückstand nach Zürich gekommen war. Dieser brachte ebenfalls viel Erfahrung mit, war spielerisch stark und schlug ausgezeichnete Standards, war aber in seinem damaligen Zustand für die Super League zu langsam. Die Unterschiede zwischen Dzemaili und Popovic liegen im unterschiedlichen Status in Verein und der Mannschaft. Ausserdem hat Dzemaili den Vorteil, dass seine Mitspieler mittlerweile defensiv disziplinierter auftreten, als es zu Popovic-Zeiten der Fall gewesen war, und damit sein fehlendes Laufvermögen teilweise ausgleichen können. Die Causa Dzemaili wird für den FCZ zu einer zusätzlichen Prüfung, die man sich trotz des im Spätherbst gut funktionierenden zentralen Trios Doumbia – Domgjoni – Marchesano auferlegt hat. Ist Blerim wie ursprünglich befürchtet zu spät zum FCZ zurückgekommen, oder kann er stattdessen der Mannschaft doch noch einen Schub verleihen?

Ousmane Doumbia (5) – Ein Auftritt mit Aufs und Abs, hat sich im Vergleich zu seinem schlechten Spiel gegen Vaduz aber gesteigert und muss viele Löcher stopfen.

Aiyegun Tosin (6) – Der Kybunpark ist wohl das Stadion in der Schweiz, wo Tosin bisher seine besten Leistungen gebracht hat, aber nach dem katastrophalen Auftritt gegen Vaduz beginnt er auch hier in wenig erbaulicher Art und Weise. Drei Tage zuvor hatte der Nigerianer durch ein „dummes Foul“ an Sandro Wieser im eigenen Strafraum eigentlich einen Penalty verursacht, der aber nicht gepfiffen wurde. Und nun foult er in der 10. Minute auf eine ähnlich unnötige Art und Weise in der eigenen Platzhälfte den St. Galler Ruiz. Der fällige Freistoss führt zum 2:0 der Grünweissen. In der ersten halben Stunde geht es in ähnlichem Stil weiter mit Fehlpässen und verlorenen Zweikämpfen. Danach steigert sich Tosin allerdings deutlich, und hilft mit einer defensiv disziplinierten Leistung wesentlich mit, die durch Dzemaili entstandenen Lücken zu stopfen. Nach vorne hat er wie zuletzt immer seine besten Szenen in der Phase, wo er im Zentrum spielt. Tosin (wenn er wieder einsatzfähig ist) im Sturmzentrum zu bringen und Ceesay dafür auf dem linken Flügel, wo der Gambier seine Schnelligkeit optimal ausnutzen kann, scheint eine durchaus interessante Option zu sein – zumal auch ein nomineller linker Flügel als Zielspieler für die hohen Bälle Yannick Brechers dienen kann.

Antonio Marchesano (8) – Marchesano ist der Einzige aus dem Zürcher Mittelfeld, der im Gegenpressing dem Ball mit ähnlich viel Intensität nachhetzt, wie ein Ruiz, Görtler oder Stillhart bei St. Gallen. Doumbia ist im Vergleich dazu eher der (ebenfalls wichtige) Antizipator im Rückraum. An allen drei Toren ist Marchesano entscheidend beteiligt. Beim ersten gewinnt er bei einem Zweiten Ball das Laufduell und den Zweikampf mit Quintilla und bedient den freistehenden Dzemaili, welcher Ceesay in die Tiefe schickt. Der am Ursprung des Treffers stehende Marchesano verwandelt dann den Penalty nach Fazliji-Foul gleich auch noch selbst. Beim zweiten Treffer glaubt er an eine Chance, macht den Weg in den Strafraum und steht daher beim Zigi-Fehler am richtigen Ort und kann dank seiner Technik den Ball direkt im St. Galler Gehäuse versenken, bevor ein Gegenspieler eingreifen kann. Auch am Ursprung des dritten Treffers steht Marchesano mit seinem Forechecking zusammen mit Ceesay nach einem St. Galler Einwurf und seinem anschliessenden gewonnenen Zweikampf gegen Kwadwo Duah, den er zu einem aus St. Galler Sicht fatalen Fehlpass in die Füsse von Dzemaili bewegt. Mit sieben Treffern ist der Tessiner mittlerweile klar bester Zürcher Torschütze – und er trifft in vielfältiger Art und Weise. Er versteht sich auf dem Platz fast blind mit seinem ungleichen Bruder Assan Ceesay, was man von anderen Teamkollegen nicht unbedingt behaupten kann.

Salim Khelifi (7) – Nach den Niederlagen in Chiasso, Bern und gegen Vaduz, gewinnt der FCZ in dieser Saison erstmals Punkte, wenn Salim Khelifi auf dem Platz steht. Sicherlich eine seiner besten Leistungen im Zürcher Trikot bisher. Neben seinem Siegtreffer mit drei, vier weiteren starken Offensivaktionen, arbeitet zudem defensiv disziplinierter mit, als in der Vergangenheit. Allerdings kam Gegner St. Gallen Khelifis Spielstil entgegen. Ob Khelifi auch gegen statischere Gegner seine Bilanz als einem der unkonstantesten und defensiv schwächsten Flügel der Liga ablegen kann, muss sich erst noch weisen.

Wilfried Gnonto (1) – Ein fast völlig verunglückter mehr als zwanzigminütiger Auftritt. Verhält sich sowohl offensiv wie defensiv zu passiv sowie unaufmerksam und fällt mehrheitlich die falschen Entscheidungen.

Fabian Rohner (10) – Wie schon gegen Vaduz holt er ein Maximum aus seiner viertelstündigen Einsatzzeit heraus und trägt vor allem mit seinen beherzten Läufen und Tacklings in der Rückwärtsbewegung wesentlich dazu bei, dass St. Gallen zu keinem echten Schlussspurt mehr ansetzen kann.

Toni Domgjoni (10) – Zeigt sich erneut in ausgezeichneter Verfassung und verhindert in noch vielfältigerer Art und Weise als Rohner mit seiner konsequenten Laufarbeit, Spielintelligenz, gewonnenen Zweikämpfen und feiner Technik auf engem Raum ein St. Galler Aufbäumen in der Schlussphase. Nicht unwesentlich dank den eingewechselten Domgjoni und Rohner, die schon seit Juniorenzeiten gut zusammen agieren, bringt der FCZ die drei Punkte nach Hause.

Trivia

Der früher zu den schlechteren und vor allem einseitigsten Schiedsrichtern der Liga gehörende Lukas Fähndrich scheint sich in den letzten Monaten gesteigert zu haben, wie sich auch in St. Gallen wieder zeigt. Als Torhüter hätte es der FIFA-Referee (seit 2019) hingegen wohl nicht weit gebracht. Obwohl der Luzerner bei Freistössen seinen Butanspray generös einsetzt und einen langen Streifen auf den Boden malt, liegt der 36-jährige mit seiner Einschätzung der Positionierung der Mauer durch die Torhüter mehrmals kolossal daneben. Das Bild der wiederholt deutlich neben der temporär eingezeichneten weissen Linie stehenden Mauer entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Eine weitere Flugstudie von „Air Jérémy“ Guillemenot nach einem berührungsfreien blitzsauberen Tackling durch den staunenden Ousmane Doumbia (Standbild: Blue)

Telegramm

FC ST. Gallen – FC Zürich 2:3 (2:3)
Tore: 2. Duah (Stillhart) 1:0, 10. Stillhart (Quintilla) 2:0, 16. Marchesano (Penalty. Ceesay) 2:1, 38. Marchesano 2:2, 45.+2 Khelifi (Dzemaili) 2:3.
FCZ – Brecher; Winter, Nathan, M. Kryeziu, Aliti; Dzemaili (83. H. Kryeziu), Doumbia; Tosin, Marchesano (70. Gnonto), Khelifi (76. Rohner); Ceesay (83. Domgjoni).
St. Gallen – Zigi; Kräuchi (80. Ribeiro), Stergiou, Fazliji, Cabral (76. Staubli); Quintilla; Görtler, Ruiz (46. Diarrassouba); Stillhart; Guillemenot (46. Babic), Duah (46. Youan).

Spiel und Gegner

Nicht nur wegen der zahlenmässigen Präsenz im Defensivzentrum, sondern auch dank der Disziplin jedes Spielers auf dem Platz und der beherzten Laufleistung macht Vaduz dem FCZ diesmal im Gegensatz zum 4:1-Auswärtssieg der Zürcher im Ländle im Oktober das Leben sehr schwer. Sogar den früher ziemlich behäbigen ehemaligen FCZ-ler Milan Gajic hat Vaduz-Trainer Mario Frick auf dessen „alte Tage“ noch einmal auf erstaunliche Art und Weise „zum Laufen gebracht“. Mehrere Szenen aus dem Match FCZ – Vaduz eignen sich als Lehrvideos für einen Kurs über optimales Defensivverhalten. Da kommt Frick als Erfahrungswert auch seine langjährige Spielerkarriere in Italien zugute. Für den FCZ, der selber seine Stärken im Umschaltspiel nach vorne hat, ist das aktuell deutlich unangenehmer, als gegen eine Mannschaft wie Basel zu spielen. Und es fällt zusätzlich noch schwerer ins Gewicht, wenn Gnonto, Marchesano und Khelifi mit zwei Ausnahmen im ganzen Spiel schlechte Standards treten. Der Stadtclub hat sich bezüglich defensive Disziplin in den letzten Monaten zwar verbessert, aber das aktuelle Vaduz ist diesbezüglich nochmal ein ganz anderes Level, mit welchem auch andere Teams noch Probleme bekommen werden.

Das Gegentor fiel nach einem Abspielfehler vor dem eigenen Strafraum des an diesem Tag häufig indisponierten Ousmane Doumbia und einem perfekt ausgeführten Corner von Milan Gajic und Yannick Schmid, der im Verlauf des kurzen Anlaufes des Vaduzer Standardspezialisten in hohem Tempo die Strecke zwischen Sechzehnmeterlinie und Fünfmeterlinie zurücklegte und dank dieser Wucht und des optimalen Timings schwer zu verteidigen war. Dies obwohl Schmids Manndecker Silvan Wallner zusätzlich noch Unterstützung durch Raumdecker Tobias Schättin bekam, während der für diesen Raum eigentlich zuständige Blaz Kramer sich durch den Lauf von Denis Simani irritieren liess und Richtung nahen Pfosten bewegte.

Grosschancen gab es ansonsten nur wenige in dieser Partie. Der FCZ kam erst in der 29. Minute zum ersten Abschluss! Der Stadtclub schien dabei durch die brenzligste Situation des ganzen Spiels eine Minute davor „aufgeweckt“ worden zu sein, als Yannick Schmid an die Latte köpfte und die Vaduzer wenige Momente danach einen Penalty forderten. Die Reklamationen waren berechtigt: Tosin hatte Sandro Wieser mit einer im eigenen Strafraum viel zu riskanten Aktion in unerlaubter Weise zu Fall gebracht. Allerdings war die brenzlige Situation mit dem Lattenkopfball und der Penaltyszene erst durch ein klares Stürmerfoul von Joël Schmied an Fidan Aliti ermöglicht worden. So konnte sich Joël Schmied von Aliti lösen und freistehend für Yannick Schmids Lattenkopfball auflegen.

Die beste FCZ-Torchance hatte Antonio Marchesano in der 38. Minute, als er bei einem Konter nach hervorragender Klärungsaktion von Fidan Aliti bei einer vier gegen drei-Situation sich mit einem Haken an der Strafraumgrenze gegen Joel Schmied durchsetzte, dann aber bedrängt vom heranstürzenden Yannick Schmid mit dem schwächeren linken Fuss aus relativ kurzer Distanz übers Gehäuse schoss. Die Gesamtnote der Mannschaft ist mit 4,8 ungenügend und vergleichbar mit dem verunglückten Saisonauftakt in Chiasso (4,7) – wobei der noch tiefere Notenschnitt der Startformation gegen Vaduz dabei durch die guten Leistungen der Einwechselspieler Ceesay, Winter und Rohner geschönt wird, dank denen der FCZ in der Schlussphase endlich eine ganze Reihe von zügigen Angriffen über die bei Vaduz personell unterbesetzten Seiten fahren konnte.

Taktik

Im Jahr 2020 hatte der FC Zürich nur beim 0:0 im Dezember in Luzern einen noch tieferen Wert an „Erwarteten Toren“ als im ersten Heimspiel nach der Winterpause gegen Aufsteiger FC Vaduz (Tore – 0:1, xG – 0,49:1,06). Der FCZ spielte wie üblich unter Massimo Rizzo und meistens bei Ludo Magnin im 4-2-3-1. Immerhin versuchte Rizzo in der 80. Minute mit der Einwechslung Hekuran Kryezius und Adi Winters für Wallner und Schättin und der Umstellung auf ein 3-4-1-2 auch einen taktischen Impuls zu geben. Allerdings wurde nur fünf Minuten später mit dem Wechsel Rohner für Domgjoni auch aus personellen Gründen wieder zurück auf 4-2-3-1 umgestellt.

Der ehemalige FCZ-Stürmer und Züri Live-Experte Mario Frick hat die Herbstrunde seines Teams analysiert und die taktischen Schlüsse daraus gezogen. Sein Team war selbst in der Challenge League eine Kontermannschaft gewesen und überliess den Grossteil des Ballbesitzes in der Regel dem Gegner. Nach einem ganz ordentlichen Super League-Saisonstart mit 3:5 Toren und zwei Punkten in den vier Spielen gegen die Top-Teams Basel, St. Gallen, YB und Lugano kam im Oktober mit der 1:4-Heimniederlage gegen den FCZ der erste grosse Dämpfer. Im ersten Spiel unter dem neuen FCZ-Trainer Massimo Rizzo hatten es die Liechtensteiner auf einmal mit einem Gegner zu tun, der sich noch mehr vors eigene Tor zurückzog als sie selbst, um dann mit erfolgreichen Kontern, zwischenzeitlichen Rhythmuswechseln und überfallartigem hohen Pressing sowie Standards erfolgreich zuzuschlagen. Bereits vor Saisonbeginn war Vaduz so etwas passiert, als es, allerdings auch dem ungünstigen Zeitplan geschuldet (weder richtig Ferien noch ein guter Aufbau möglich) gegen Hibernians aus Malta über 70% Ballbesitz aufgezwungen bekam und mit 0:2 seine grösste Europacup-Enttäuschung der letzten Jahre erlebte.

Nach der Winterpause verpasste Trainer Frick seinem Team daher, um die Balance wieder herzustellen, eine noch defensivere Ausrichtung als zuvor schon. Trat der FCV davor mit drei Offensivspielern an, was bereits wenig ist, sind es jetzt gerade mal noch zwei. Ein Stürmer wurde auf Kosten eines weiteren Mittelfeldspielers geopfert, was zum weltweit äusserst selten gespielten System einer Dreierabwehr kombiniert mit einem Rhombus („Raute“) im Mittelfeld geführt hat – davor vorne ein einzelner Stürmer. Vaduz agiert mit anderen Worten also weder mit einem Zweimannsturm, noch stehen offensive Flügelspieler auf dem Platz. Der zweite Offensivmann ist der „10er“ der Raute. Als zusätzliches defensiv sehr wirksames Element hat Frick nach der Auftaktniederlage in St. Gallen beim Punktgewinn gegen YB und Auswärtssieg in Zürich auf den beiden Offensivpositionen auf die beiden jungen und somit laufstarken Djokic und Di Giusto gesetzt. Diese vermögen mit ihren abgespulten Kilometern die fehlende nominelle Präsenz vorne bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren und tragen stark zur defensiven Stabilität der Mannschaft bei, indem sie den Gegner in der gegnerischen Hälfte so lange wie möglich beschäftigen. Die arrivierten Cicek und Sutter wurden in diesen Partien erst später eingewechselt – Coulibaly (Aufbau) fehlte noch.

Wieder hat der FCZ einen entscheidenden Gegentreffer auf einen gegnerischen Eckball erhalten. Unter Massimo Rizzo hat man von Raumdeckung auf eine gemischte Mann-/Raumdeckung umgestellt. Genau solche Kopfballtore mit Anlauf wie von Schmid besser verteidigen zu können, ist das Hauptargument für Manndeckung. Wenn ein Standard allerdings perfekt ausgeführt wird und ein durchschnittlicher Manndecker wie Silvan Wallner zusätzlich nicht seinen besten Tag hat, dann nutzt auch Manndeckung nichts. Vaduz hat dreieinhalb starke Kopfballspieler – die drei Innenverteidiger plus halbwegs Sandro Wieser. Der FCZ hätte in aktueller Bestformation ebenfalls dreieinhalb starke Manndecker bei Standards: Aliti, Nathan, Sobiech und halbwegs Omeragic. Das wäre genau aufgegangen – aber es fehlten zwei davon. Wallner ist eine grosse Unterstützung in der Luft, wenn er einen guten Tag hat und im Raum verteidigen kann.

Unter den gegebenen Umständen Wallner auf Yannick Schmid anzusetzen, macht in physischer Hinsicht Sinn, weil dieser von den drei Vaduzer Innenverteidigern der schmächtigste ist. Allerdings haben wir von Isaac Newton gelernt, dass Kraft = Masse x Geschwindigkeit, und wie viel der Faktor Geschwindigkeit für die Kraft ausmacht, hat man beim Tor des für seine Grösse eher leichtgewichtigen Schmid eindrücklich gesehen – Wallner und Schättin kamen auch gemeinsam nicht dagegen an. Als Gegenspieler muss man da mit allen legalen Mitteln versuchen zu verhindern, dass der Opponent Geschwindigkeit aufnehmen kann. Denn ist dies mal der Fall, hat man es weitgehend nicht mehr in den eigenen Händen, das Tor zu verhindern. Da kann man fast nur noch auf fehlendes Timing und Präzision des Gegners hoffen.

Die Faktoren Timing und Präzision sind entscheidend. Beim FCZ ist diesbezüglich in der Offensive Antonio Marchesano mit Abstand der Beste. Kommt der Ticinese mal zum Kopfball, bedeutet dies sehr häufig: „Rete!“. Yannick Schmid ist bezüglich Timing und Präzision der beste Vaduzer Kopfballspieler. Aus dieser Perspektive kann es unter Umständen Sinn machen, den besten Manndecker (wohl Aliti) auf einen Yannick Schmid anzusetzen. Und es gleichzeitig zu riskieren, auf den grossgewachsenen aber etwas weniger präzisen Joël Schmied einen Mann anzusetzen, der in der Lage ist, einen Gegenspieler zumindest so zu stören, dass dessen Kopfball in die falsche Richtung geht – Toni Domgjoni wäre ein Kandidat dafür. Eine eindeutig richtige Lösung gibt es in dieser Frage aber nicht. Es ist eine knifflige Fragestellung. Und mit einem Wallner in besserer Tagesform wäre es vielleicht so wie geplant aufgegangen.

Personalien

Yannick Brecher (4) – Sorgt weiterhin für gefährliche Situationen, wenn er Bälle kurz nach vorne abwehrt. Mit der ein oder anderen Unsicherheit im Aufbauspiel, was ansonsten eher eine seiner stärkeren Seiten ist.

Silvan Wallner (2) – Dass sein Gegenspieler Yannick Schmid das entscheidende Tor erzielt hat, ist nicht ein wesentlicher Grund für die schlechte Note. Diese Aktion war von Seiten Milan Gajic und Schmid wirklich hervorragend gemacht mit aussergewöhnlichem Timing und der durchaus aufmerksame Wallner wurde dabei von Schmid zudem etwas in den Rücken gestossen. Wallner trat aber während der ganzen Partie eher wie ein Promotion League- als wie ein Super League-Spieler auf, angefangen von einfachen Dingen wie Einwürfen über Defensivkopfbälle bis hin zur Zweikampfführung. Das kann in der Endabrechnung auch durch seine Rettungsaktion im eigenen Strafraum in der 27. Minute nicht aufgewogen werden.

Fidan Aliti (8) – Klar, Dejan Djokic ist nicht einer der angsteinflössendsten Stürmer der Liga – trotzdem beeindruckend, wie ernst Aliti auch diese Aufgabe und den Vaduzer Forward komplett aus dem Spiel nahm. So wie Aliti überhaupt alles auf dem Fussballplatz sehr ernst nimmt – speziell wenn es mit „Tore verhindern“ zu tun hat. An der Art und Weise, wie Fidan beispielsweise bei gegnerischen Eckbällen seinen Gegenspieler keine Zehntelssekunde aus den Augen lässt, könnte sich beim FCZ noch manch einer eine Scheibe abschneiden. Auch wenn Aliti auf der linken Seite der Mannschaft mehr bringt, kann man ihn als Alternative jederzeit in der Innenverteidigung aufstellen. Eine noch höhere Note gegen Vaduz wird allein dadurch verhindert, dass der Basler in der letzten Viertelstunde des Spiels merklich nachgelassen hat.

Tobias Schättin (4) – So wie man ihn kennt: präzise Aktionen im Spiel nach vorne, defensiv hingegen eine ziemlich grosse Hypothek im Vergleich mit einem Fidan Aliti auf derselben Position.

Ousmane Doumbia (3) – So wie man ihn nicht kennt: nachdem der Ivorer in Basel noch der beste Mann gewesen war, im darauffolgenden Spiel gegen Vaduz wohl sein schlechtester Auftritt im FCZ-Dress bis anhin. Hat zwar auch einzelne gute Aktionen dabei, wirkt aber insgesamt für seine Verhältnisse aussergewöhnlich fahrig und lässt Gegenspieler häufig passieren. Sein unnötiger Ballverlust vor dem eigenen Strafraum in der 60. Minute führt zum Eckball, welcher das 0:1 bringt.

Toni Domgjoni (6) – Toni, wie man ihn seit Jahren kennt: solide, aufmerksam, engagiert. Biss nach einem ganz üblen Foul von Sandro Wieser (!) mit Tempo und der Sohle voran auf den Knöchel (nicht ganz so brutal, aber von der Art her ähnlich wie damals bei Gilles Yapi) auf die Zähne und hatte nach zwei, drei Minuten Fortbewegung im „Geher“-Modus dann sogar noch die ein oder andere starke Offensivaktion.

Aiyegun Tosin (1) – Wie man ihn seit einiger Zeit kennt: der Nigerianer läuft schon seit Monaten seiner einstigen Form hinterher. Das Vaduz-Spiel war dabei wohl der bisherige Tiefpunkt. Anstatt sich erst einmal auf die eigenen stark verbesserungswürdigen Aktionen zu fokussieren, dirigiert Tosin in der 1. Halbzeit mehrmals die Aussenverteidiger Wallner und Schättin und bringt sich dabei jeweils selbst aus dem Konzept. Hätte für sein Foul im eigenen Strafraum mit einem Penalty bestraft werden müssen. Das war gar nix.

Blaz Kramer (2) – Neu ist die Erkenntnis beileibe nicht. Kramer lässt die Super League-tauglichkeit Spiel für Spiel vermissen. Das so ziemlich einzige, was der Slowene kann, ist bei Kontern mit Tempo Richtung gegnerisches Tor ziehen und dabei das ein oder andere Mal zu reüssieren. Auf Technik, Kopfbälle in die richtige Richtung und Ballbehauptung ohne unnötige Stürmerfouls zu begehen hofft man hingegen bei ihm vergebens. Schafft es in einem einzigen Spiel, Yannick Schmid gleich zwei Mal mit dem Arm ins Gesicht zu schlagen und fliegt folgerichtig mit Gelb-Rot vom Platz.

Salim Khelifi (1) – Die Note wirkt vielleicht auf den ersten Blick etwas harsch, denn Khelifi hatte durchaus ein, zwei ordentliche Offensivaktionen und schien sogar defensiv etwas enagierter zu agieren, als früher. Aber bei einem rund 30-minütigen Einsatz zählen gemäss Bewertungssystem sowohl die positiven wie auch die negativen Aktionen doppelt – und negativ zu bewertende Aktionen gab es zuhauf, wie hier mal ein deplatziertes Absatztricklein vor dem gegnerischen Strafraum, oder da mal nicht einmal Challenge League-würdiges Zweikampfverhalten.

Fabian Rohner (9) – Holte in der kurzen Einsatzzeit offensiv das Maximum heraus. Sein beherzter Antritt von der Aussenverteidigerposition aus und die Klasse-Direktabnahme des ebenfalls eingewechselten Adi Winter mit dessen schwächerem linken Fuss wäre ein Tor wert gewesen. Leider schaffte es Blaz Kramer trotz Überzahl vor dem gegnerischen Strafraum nicht, den Ball ohne Stürmerfoul zu behaupten und weiterzuleiten. Rohner deutete allerdings auch an, dass er in der defensiven Phase aktuell nicht die beste Option für die Rechtsverteidigerposition ist. Nur fiel dies während diesem Kurzauftritt nicht ins Gewicht, weil praktisch ausschliesslich der FCZ aufs gegnerische Tor anrannte. Durchaus verständlich daher, dass Massimo Rizzo noch zögert, Rohner hinten rechts als Stammspieler einzusetzen – als Joker ist dieser hingegen mittlerweile fast schon unverzichtbar geworden. Ausserdem ist „Turbo Fabian“ auch eine Option für rechts vorne oder gar als Sturmspitze.

FC Zürich – FC Vaduz 0:1 (0:0)
Tore: 61. Schmid (Gajic) 0:1.
FCZ – Brecher; Wallner (81. Winter), Nathan, Aliti, Schättin (81. H. Kryeziu); Domgjoni (85. Rohner), Doumbia; Tosin (64. Khelifi), Marchesano, Gnonto (64. Ceesay); Kramer.
Vaduz – Büchel; Schmied, Schmid, Simani; Dorn, Wieser (90.+5 Gomes), Obexer (72. Hug); Gajic, Lüchinger; Di Giusto (62. Cicek); Djokic (46. Sutter).

Nach nicht einmal 100 Tagen Ludo Magnin erschien im Daléo eine erste Analyse seines Wirkens als damals neuer Cheftrainer beim FC Zürich. Nach beinahe 1’000 Tagen Magnin schauen wir nun zurück auf die von ihm getätigten Aussagen und prüfen mit Beobachtungen und Statistiken, ob und wie er seine damaligen Ideen umgesetzt hat. Und warum die sportliche Bilanz seiner Trainer-Ära in der 1. Mannschaft durchzogen ausfällt.

Das Team unter Uli Forte – anfänglich eine Defensivwand

Wie kam Magnin überhaupt zu seinem ersten Trainerjob im Profibereich? Wie die meisten Super League-Aufsteiger war auch der FCZ unter Uli Forte mit der Aufstiegseuphorie im Rücken gut in die Saison 17/18 gestartet. Das Team begann aber ab November stark abzubauen. Dies war bereits in der Vorsaison in der Challenge League passiert. Nun wirkte es sich aber aufgrund der stärkeren Gegner sofort auf die Resultate aus. Die Zitrone wirkte ausgepresst. Trotzdem lag man aufgrund der in der Anfangsphase der Saison erkämpften Punkte immer noch auf dem Dritten Platz, als im Februar der Trainerwechsel stattfand.

Eine klar positive Tordifferenz hatte der FCZ in der Super League 05/06, 06/07, 07/08, 08/09, 10/11 und 12/13, eine klar negative 15/16 und 19/20. Tendenziell war man gemessen an Toren und Gegentoren im Vergleich mit dem Ligaschnitt in den letzten zwei Jahrzehnten defensiv besser unterwegs als offensiv. Selbst in den drei Meistersaisons lag der Vorteil gegenüber dem jeweiligen Zweitplatzierten (Basel, YB) bei den weniger erhaltenen Gegentoren. Uli Fortes Aufsteigermannschaft ging in der Saison 17/18 diesbezüglich noch einen Schritt weiter. Es lief ein auf Physis, Kampf und Laufbereitschaft ausgerichtetes Team auf. Taktisch und von der Spielanlage her gings in erster Linie darum, Tore zu verhindern. Spielerische Elemente musste man mit der Lupe suchen.

Im Tor stand mit Andris Vanins an Stelle von Eigengewächs Yanick Brecher ein erfahrener Keeper mit bescheidenen fussballerischen Attributen. Davor wurde eine «Wand» gestellt – mit fünf zentralen technisch eher limitierten Verteidigungshaudegen in Dreierabwehr und Doppelsechs: Nef, Palsson, Brunner (oder Thelander), Sarr und Rüegg, flankiert auf der Seite von den ebenfalls vor allem kämpferisch mit Defensivaufgaben beschäftigten Pa Modou und Winter. Dazu vorne die lauffreudigen Frey und Rodriguez, die ebenfalls viel gegen den Ball arbeiteten. Mit Dwamena (oder Koné) stand üblicherweise nur ein Spieler mit gewissen defensiven Defiziten auf dem Platz. Das Zwischenresultat: nach einem Saisonviertel nur fünf Gegentore! Das war sogar deutlich besser, als in den drei Meistersaisons! Die defensive Stabilität bröckelte dann aber mit zunehmendem Saisonverlauf exponentiell, ohne dass dies offensiv kompensiert werden konnte. Zu Beginn der Rückrunde kassierte man in vier Partien elf Gegentore.

Magnin kriegt die Aufgabe, drei fundamentale Probleme zu lösen

Abgesehen davon, dass die Mannschaft unter Forte ab November zum wiederholten Male stark nachliess (man sei «zu ausrechenbar» geworden, liess Präsident Ancillo Canepa verlauten), entsprach Fortes Spielweise, Personalpolitik und Ausrichtung nicht der Vereinsphilosophie. Und drittens gab es unter anderem aus diesem Grund Probleme mit der Integration der besten Talente in die 1. Mannschaft. Der Fokus von Junioren-Scouting und -Ausbildung war mit «Forte-Fussball» unvereinbar. Das heisst: man befürchtete, dass ein Grossteil der Ausbildungsarbeit «für die Katz» sein würde.

Dies zeigte sich damals akut an der Situation des hoffnungsvollen 98er-Jahrganges. Vasilije Janjicic hatte schon zu Beginn der Forte-Zeit das Weite gesucht. Der grossgewachsene, aber eher schlanke Innenverteidiger Arbenit Xhemajli und der leicht ältere spielstarke André Ribeiro wechselten zu Xamax und Braga, als sie nicht in die 1. Mannschaft hochgezogen wurden. Maren Haile-Selassie blieb aussen vor und auch mit Toni Domgjoni konnte Forte gar nichts anfangen – für seine Vorstellungen eines Zentralen Mittelfeldspielers wohl zu schmächtig. Izer Aliu testete Forte eher alibimässig mal als linker Aussenläufer. Und Kevin Rüegg stellte er aufgrund dessen Physis ins Zentrale Mittelfeld, wo der später als Rechtsverteidiger zum U21-Nati Captain aufsteigende Jungspund wegen seiner beschränkten Technik auf engem Raum spielerisch wenig beitragen konnte – was für Forte ein sekundärer Aspekt war.

Für alle drei fundamentalen Probleme – die Ausrechenbarkeit, die abweichende Spielphilosophie und den ungenügenden Einbau der eigenen Talente versprach Magnin die richtige Trainerwahl zu sein. Und dies obwohl er damals im April 2018 gegenüber Daléo unter anderem äusserte:

«Ich habe überhaupt kein Problem, eine Mannschaft mit lauter Routiniers aufzustellen.»

Ludovic Magnin im April 2018

Letzteres ist schlussendlich nie passiert. Der von vielen befürchtete «Jugendwahn» allerdings auch nicht. Die jüngste von Magnin aufs Feld geschickte Mannschaft war in der Anfangszeit bei einem 1:1-Auswärtsunentschieden in Sion im Schnitt genau 23 Jahre alt. Mit Rüegg, Rohner, Domgjoni und dem trotz 99-er Jahrgang ebenfalls zu dieser Spielergeneration gehörenden Aliu setzte er gleich vier «98er» in der Startformation ein und äusserte sich nach der Partie dahingehend, dass dies wohl zu viele aufs Mal gewesen seien und der Punktgewinn nur mit Glück erspielt worden war. Zum Vergleich: Sowohl Lucien Favre wie auch Bernard Challandes, Urs Fischer, Urs Meier und Rolf Fringer schickten beim FCZ jüngere Startformationen auf den Platz. Im Vergleich zu Uli Forte hingegen, dessen Mannschaftsaltersschnitt sich häufig in Gilbert Gress-Sphären der Saison 00/01 bewegte, war die Verjüngung der Mannschaft eklatant. 

Entscheidende Rolle des 98er-Jahrganges

Dies bedeutet aber nicht, dass Forte grundsätzlich nicht mit jungen Spielern arbeiten kann. Der Brüttiseller gehört zu der Sorte Trainer, die sich den Prioritäten und Anforderungen eines Vereins anpassen können. Verlangt die Klubführung eine Jugendstrategie, dann arbeitet er mit Jungen – wie er dies bei GC und YB gemacht hat. Soll hingegen mit einer erfahrenen Equipe der sofortige Wiederaufstieg angestrebt werden wie beim FCZ, dann macht Forte auch das. Das Projekt Forte war beim FCZ aber von vornherein auf das kurzfristige Ziel Super League ausgelegt. Dies manifestierte sich spätestens, als man wieder zurück im Oberhaus war. Just zu diesem Zeitpunkt klopfte mit dem 98er-Jahrgang die stärkste FCZ-Juniorengeneration seit sechs Jahren (92er um Rodriguez, Buff, Drmic) vehement an die Türe zur 1. Mannschaft und Forte machte diese nur einen kleinen Spalt weit auf – weil er für seine Art von Fussball andere Spielertypen benötigt.

Ein Klub, der sich so stark in der Academy engagiert, kann sich sportlich, finanziell und ideell aber schlichtweg nicht leisten, eine solche Generation zu verlieren. Aus dieser Warte war es im Februar 2018 höchste Eisenbahn für einen Trainerwechsel. Denn schon wenige Monate später hätte es passieren können, dass auch noch der Rest der vielversprechenden Spielergeneration einen Wechsel anstrebt. Es ging im Frühling 2018 darum, einem Domgjoni, Aliu, Rohner oder Rüegg zu zeigen, dass man auf sie setzt – und dies vor allem auch auf denjenigen Positionen, auf welchen sie ihr grösstes Potential haben.

Die Aufgabe für Magnin gestaltete sich knifflig. Denn normalerweise nutzen Absteiger im Unterhaus die Gelegenheit für eine grosse Blutauffrischung. Servette, Lausanne, GC und selbst St. Gallen verjüngten ihr Kader stark und gaben in der Challenge League auch denjenigen Junioren eine Chance, die im Oberhaus nicht zum Zug gekommen wären. Sie nahmen dabei in Kauf, den Wiederaufstieg nicht im ersten Anlauf zu schaffen. Nicht so der FCZ! Der sofortige Wiederaufstieg hatte beim Stadtclub oberste Priorität. Das war die Vorgabe aus der Chefetage. Der Generationenwechsel wurde so vertagt. Als dieser dann aber ein Jahr später aufgrund der Inkompatibilität der 98er-Generation mit Fortes Spielstil und Personalpolitik immer noch auf sich warten liess, wurde die Vereinsführung schnell ungeduldig.

Dieser Artikel ist in voller Länge im aktuellen „Daléo“ unter dem von der Redaktion gesetzten Titel „Bilanz eines Versagens“ zu lesen. Hier auf Züri Live wird der zweite von vier Teilen kommende Woche publiziert.

Beim FC Lugano gibt es null Überraschungen in der Startformation. Trainer Maurizio Jacobacci setzt auf Kontinuität und dasselbe Team, welches zum Auftakt 2:1 gegen Lugano gewonnen hat. Auf der Bank sitzt unter anderem der ehemalige Xamax-Verteidiger Oss und der neue Uruguayische Stürmer Joaquin Ardaiz.

Beim FCZ kehren drei angeschlagene Spieler zurück. Fabian Rohner und Becir Omeragic stehen in der Startformation, Aiyegun Tosin sitzt auf der Ersatzspieler-Estrade. Silvan Wallner ist erneut von Beginn weg dabei. Vermutlich wird der FCZ mit einer Dreierabwehr antreten – möglicherweise mit Marco Schönbächler als zweitem Stürmer neben Assan Ceesay.