Nach der Vorrunde der letzten Saison wurde Konstanz als ein Erfolgsfaktor in der Super League eruiert. Dem vorherigen Serienmeister YB fehlte die Konstanz in personeller Hinsicht und dies wurde in der Rückrunde auch nicht mehr besser, da bei den Bernern in der Winterpause zu den Verletzungen zusätzlich Transfers von wichtigen Spielern hinzukamen. Der FCZ war in der Vorrunde sowohl bezüglich Personal, als auch der taktischen Formation und Spielweise konstant. Letzteres änderte sich im Verlauf der Rückrunde etwas. Das Pressing wurde verstärkt und in gewissen Partien hatte das Breitenreiter-Team mehr Ballbesitz, als noch in der Vorrunde. Über die gesamte Saison hinweg blieb man mit 46,5% die Mannschaft mit dem zweitkleinsten Ballbesitz hinter dem FC Sion. Der FC Zürich strafte damit diejenigen Experten lügen, die immer davon ausgingen, dass man mit wenig Ballbesitz zwar in einzelnen Spielen einen Exploit erreichen kann – aber nicht eine über 36 Runden dauernde Meisterschaft für sich entscheiden.

Croci-Tortis taktische Spielchen

Bezüglich Spielweise gab es über die ganze Saison hinweg im Vergleich mit der Vorrunde am meisten Änderungen. St. Gallen, Luzern und Lausanne wurden in der Rückrunde konstanter. Während Celestini (Luzern) und Borenovic (Lausanne) auf der Suche nach dem richtigen Rezept viel experimentierten, legten sich ihre Nachfolger Frick und Casanova viel stärker auf eine Spielweise fest und blieben dieser treu. Und Peter Zeidler kehrte nach verpatzter Herbstrunde mit seinem Team wieder stärker zu seinen Wurzeln zurück. Neben dem FCZ wurde auch bei Basel und Lugano die Spielweise in der Rückrunde volatiler. Beim FCB unter anderem bedingt durch den Trainerwechsel zu Guillermo Abascal. Luganos Mattia Croci-Torti experimentierte im Vorlauf zum Cupfinal relativ viel und schien in diesen Partien seinen Kontrahenten Zeidler auch etwas an der Nase herumführen zu wollen.

Was die taktische Formation betrifft, blieben neben Lugano auch Sion und Lausanne über die ganze Saison hinweg volatil beziehungsweise experimentierfreudig. Noch vor der Hälfte der Rückrunde switchte Lugano-Coach Croci-Torti aber auf ein 3-4-2-1 und GC-Coach Contini machte es ihm eine Runde später nach. Mit dieser Formation in der offensiven Phase spielte Croci-Torti dann auch den erfolgreichen Cupfinal. Dass gegen St. Gallen in der defensiven Phase ein 4-4-2 erfolgreich sein kann, hatte der taktisch die ganze Saison viel experimentierende Lugano-Trainer von Sion-Coach Tramezzani abgeschaut. Die beiden Spitzenteams YB und Basel haben beide den Trainer im Verlauf der Rückrunde ausgetauscht. Sie fingen an, ihr Spielsystem in Frage zu stellen und hatten so in diesem Bereich weniger Konstanz, als noch in der Vorrunde.

Luzern rettet sich unter Frick mit deutlich konstanterer Taktik und Spielweise

Die erfolgreiche Vorrunde des FCZ schien dabei einen Einfluss auf die Wahl der taktischen Formationen der gesamten Liga gehabt zu haben. In der Rückrunde gewann Breitenreiters 3-4-1-2 ligaweit an Popularität. Dies obwohl GC etwas davon abkam. Dafür wechselte Lausanne fix auf diese Formation und Sion, GC und Lugano verwendeten sie ebenfalls häufig. Insgesamt wurde in der Rückrunde 48 in dieser Formation aufgelaufen, vor dem 4-1-2-3 (4-3-3) mit 37 Aufstellungen sowie dem Rhombus-System 4-1-2-1-2. Auch über die ganze Saison hinweg war das 3-4-1-2 mit 76 Aufstellungen am populärsten in der Liga (am meisten eingesetzt durch den FCZ, GC und Lausanne-Sport).

Die Dreierabwehr erlebt schon seit einiger Zeit ein Revival. Pionier dieses Revivals in der Schweiz war vor etwas mehr als einem Jahrzehnt der spätere Nationalcoach Vladimir Petkovic als Trainer von Bellinzona und YB. Am zweitpopulärsten war in der Saison 21-22 in der Super League das 4-3-3 in der Form des 4-1-2-3. Servette setzte praktisch die ganze Saison auf dieses System, in der Rückrunde vermehrt auch wieder der FC St. Gallen (allerdings von der Spielweise her ganz anders interpretiert), dazu ebenfalls häufig Sion und Lugano. Luzern hatte in der Vorrunde sieben verschiedene Systeme gespielt. Mario Frick legte sich dann auf die Rhombus-Formation (4-1-2-1-2) fest und wich davon nur im letzten Spiel beim FCZ mit einem 4-2-3-1 ab. In der Vorrunde hatte St. Gallen vorwiegend im Rhombus gespielt. Luzern ist denn auch die einzige Mannschaft, die bezüglich Konstanz der Formation im Vergleich zur Hinrunde eine wesentliche Veränderung erlebt hat.

Nur Dzemaili für Krasniqi: grosse personelle FCZ-Konstanz auch in Rückrunde

Personell blieb der FCZ genauso wie Servette und Lugano auch in der Rückrunde konstant. Im Vergleich zur Elf der Vorrunde gab es über die ganze Saison hinweg nur eine Änderung: Blerim Dzemaili schaffte es an Stelle von Bledian Krasniqi in die Meisterelf der Saison. Sions personelle Konstanz nahm im Verlauf der Rückrunde zu, vor allem was die Stammelf betrifft – möglicherweise einer der Gründe, warum sich die Walliser noch haben retten können. Das Anfang Frühling sich beinahe schon in falscher Sicherheit wiegende GC, kam im Abstiegskampf noch einmal in Bedrängnis. Die personelle Konstanz wurde durch aus Trainersicht unnötige Wintertransfers vermindert. Dass stärkere personelle Volatilität in gewissen Fällen aber auch positive Auswirkungen haben kann, zeigt das Beispiel St. Gallen. Die Wintertransfers der Ostschweizer machten das Team stärker.