Auch das dritte „Corona-Testspiel“ konnte der FC Zürich beim SC Kriens für sich entscheiden. Der Rhythmus der Partie war eher beschränkt, das Letzigrund-Team blieb aber rund 60 Minuten lang zumindest relativ fokussiert. Mirlind Kryeziu machte seine Sache nach der Pause auf der Sechserposition als Sohm-Ersatz gut, während Pa Modou etwas weniger überzeugend auf der Innenverteidigerposition agierte, bis das Zürcher Spiel am Ende stark abflachte.

SC Kriens – FCZ 2:4 (0:3)

Tore: 23. Mahi (Tosin) 0:1, 28. Tosin (Winter) 0:2, 35. Mahi (Kramer) 0:3,; 48. Kololli (Mahi) 0:4, 63. Abubakar 1:4, 81. Teixeira 2:4.

SC Kriens: Brügger (46. Osigwe); Elvedi, Fäh (46. Urtic), Berisha, Busset (46. Mijatovic); Sadrijaj, Yesilcayir (64. Alessandrini); Follonier (46. Siegrist), Teixeira, Dzonlagic (64. Hoxha); Abubakar (64. Tadic).

FCZ:  Brecher (46. Vanins); Winter (46. M. Kryeziu), Nathan (46. Bangura), Omeragic (46. Pa Modou), Pedersen; Rüegg, H. Kryeziu (46. Janjicic); Tosin (46. Kololli), Mahi, Schönbächler (46. Marchesano); Kramer.

Das nennt man wohl „eine Geschichte, wie sie nur der Fussball schreiben kann“. Nach seinem für Klub und Spieler wenig erfreulichen halbjährigen Engagement beim FC Zürich trifft Denis Popovic in seinem ersten Spiel für den neuen Klub Krylya Sovetov Samara ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Orenburg – und bringt sein neues bereits früh in Unterzahl agierendes Team aus kurzer Distanz per Kopf 1:0 in Führung – das zweite Kopfballtor seiner Karriere. Der auf der 10-er Position agierende Slowene bereitete später mit einem guten Pass in die Tiefe eine „hundertprozentige“ Chance zum 2:0 vor, musste mit seiner Mannschaft aber kurz vor Schluss noch das 1:1 hinnehmen. Nach dem Unentschieden im Abstiegskampf bleibt Samara auf einem Relegationsplatz, der Punkteabstand ins Mittelfeld ist aber nicht gross.

In der 2. Bundesliga lief an diesem Wochenende alles für Arminia Bielefeld und Cédric Brunner: 1:0 Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden (mit Heinz Lindner im Tor) während die Aufstiegskonkurrenten Stuttgart, HSV und Heidenheim allesamt verloren. Als Leader der Liga haben die Arminen nun neun Punkte Vorsprung auf den „Barrage-“ und 12 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Dazu beigetragen hat auch Victor Palsson, der bei einem frühen Darmstadt-Konter zum 2:0 gegen Heidenheim per Absatz die Vorlage lieferte.

Noch zu wenig produktiv, aber immer wieder für Unterhaltung gut ist ebenfalls in der 2. Bundesliga Michi Frey mit dem abstiegsgefährdeten Traditionsklub Nürnberg. In seinem ersten Startelfeinsatz für Osnabrück  sah Assan Ceesay vor zwei Wochen eine hart gepfiffene Rote Karte wegen einem Hohen Bein im eigenen Strafraum (Gegenspieler Carlson hatte Kopf tief) und ist immer noch gesperrt. Der vom FCZ an Holstein Kiel verliehene Salim Khelifi hat seit dem Trainerwechsel von André Schubert zu Ole Werner immer mehr an Status verloren und ist jeweils nicht mehr im Matchkader anzutreffen. Bei Trainer Urs Fischer ist Admir Mehmedi schon in der U21 aufgelaufen und hat bis heute in seiner Karriere unter keinem Coach mehr Spiele (80) absolviert. Am Sonntag holte er mit Wolfsburg bei Fischer’s Union ein 2:2 und bleibt auf einem Europacupplatz – fünf Punkte vor seinem Ex-Trainer. Ricardo Rodriguez hat in der Eredivisie für PSV schon fünf Partien und zuletzt gegen Feyenoord 1:1 Unentschieden gespielt. Eindhoven ist in dieser Zeit vom fünften auf den vierten Platz vorgestossen.

Bruder Roberto spielt in Uerdingen viel (2 Tore, 9 Assists diese Saison bisher), kommt aber mit dem ambitionierten Klub in der 3. Liga nicht vom Fleck – zur Zeit nur Rang 11. Der ebenfalls nach Uerdingen gewechselte 1,68.m-Linksverteidiger Hakim Guenouche kommt dort kaum zum Einsatz, während Andreas Maxsö relativ schnell zurück nach Dänemark weitergezogen ist und dort beim viertplatzierten Traditionsklub und ehemaligen Europacupgegner Bröndby mittlerweile Captain ist. Vier Punkte hinter Bröndby liegt Aalborg, das vor Wochenfrist mit Rasmus Thelander in der Innenverteidigung das Maxsö-Team auch dank einem Tor und Assist von Ex GC-Offensivmann Lucas Andersen mit 3:2 besiegen konnte. In der 3. Liga auf dem letzten Platz liegt Carl Zeiss Jena mit Kilian Pagliuca, der mit zwei Toren und fünf Assists eine Zeit lang Stammspieler war, nach einer Rotsperre (zwei Grätschen hintereinander von hinten in Braunschweig) aber aktuell etwas aussen vor ist.

https://www.youtube.com/watch?v=WgCm4Se5mNs

Nico Elvedi gehört zu den konstantesten Verteidigern der Bundesliga und ist mit Borussia Mönchengladbach unter dem ehemaligen Salzburg-Trainer Marco Rose im Spitzenquintett der Liga dabei. Bei „Transfermarkt“ ist Elvedi mit 35 Mio Euro nach Teamkollege Denis Zakaria und gleichauf mit Manuel Akanji der zweitwertvollste Schweizer Spieler. Djibril Sow hat seinen Stammplatz bei der SGE im Moment an den Österreicher Stefan Ilsanker (in der Winterpause von Leipzig gekommen) verloren. Josip Drmic kommt bei Norwich City in der Premier League nach seiner Oberschenkelverletzung wieder regelmässig als Joker zum Einsatz. Berat Djimsiti, Stammspieler beim Italienischen Team der Stunde, Atalanta, musste beim 7:2-Sieg in Lecce wegen muskulären Problemen pausieren, die er sich beim Aufwärmen zum Champions League-Achtelfinal-Hinspiel gegen Valencia zugezogen hatte. Der in der Winterpause zu Inter gewechselte Innenverteidiger Andi Hoti ist dort Stammspieler in der U17. Marin Cavar ist bei Serie B-Aufstiegskandidat Chievo Verona unter Vertrag. Nach vier starken Einsätzen in der Startformation beim FC Winterthur letzten Frühling wollten ihn die Venetier unbedingt und verpflichteten ihn trotz eines in einem Testspiel gegen Stuttgart erlittenen Kreuzbandrisses.

Joël Untersee blieb nach seiner Rückkehr vom FCZ nach Italien nicht bei Empoli und ist seit einem halben Jahr vereinslos. Loris Benito (ein Saisontor) steht in der Regel bei Girordins Bordeaux (12. Platz) in der Startformation. Neun Punkte hinter Benito in akuter Abstiegsgefahr befindet sich mit Nîmes der in der Winterpause von Dresden nach Südfrankreich gewechselte Moussa Koné. Gleich bei seinen ersten beiden Teileinsätzen in Nizza und gegen Angers gelang dem Senegalesen je ein Tor. Ivan Kecojevic hat in der LaLiga2 von der Atlantikküste (Cadiz) etwas ins Landesinnere (Albacete) gewechselt. In derselben Liga ist Armando Sadiku (Malaga) mit zehn Treffern auf Platz Sieben der Torschützenliste. Raphael Dwamena (Real Zaragoza) ist hingegen seit Anfang Oktober ausser Gefecht und musste sich einer Herzoperation unterziehen.

Maren Haile-Selassie wird bei Xamax weiterhin regelmässig eingewechselt und schlägt dann jeweils auch die Standards. Arbenit Xhemajli hat sich im gleichen Team mittlerweile etabliert. Ganz allgemein spielen bei der Mehrzahl der Super League-Teams mindestens zwei Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs (unter anderem Saidy Janko, Christian Fassnacht, Anto Grgic, Filip Stojilkovic, Noah Lovisa, Miro Muheim, André Ribeiro, Francisco Rodriguez). Piu Da Costas Highlight der Vorrunde war das 1:1 in der Europa League auswärts beim grossen Favoriten Dynamo Kyiv, welcher dadurch die K.O-Runde verpasste – bis zur 94. Minute hatte Lugano bei einem Schussverhältnis von 31:7 zugunsten von Dynamo sogar noch mit 1:0 geführt. Fabio Dixon hat beim Challenge League-isten FC Chiasso bisher in 15 Partien fünf Torvorlagen liefern können, zuletzt letzte Woche beim 2:0-Heimsieg gegen Wil. Bei diesem Heimsieg stand auch Izer Aliu als „Sechser“ erstmals in der Startaufstellung der Tessiner. Auf Wiler Seite standen zudem Fabian Rohner sowie Lindrit Kamberi in der Startformation, Bledian Krasniqi (in der Vorwoche noch krank) und Kastrijot Ndau wurden eingewechselt. Shkelzen Gashi ist zurück beim FC Aarau,  wird aber noch nicht eingesetzt. Auf dem Brügglifeld gespielt hat letzte Woche der weiterhin vom FCZ ausgeliehene Albin Sadrijaj (wie üblich im Zentralen Mittelfeld) bei einem 4:4-Torspektakel und hat dabei mit dem 1:0 für den SC Kriens (wo Burim Kukeli Captain ist) in der 23. Minute sein erstes Profitor erzielt. Oli Buff hat bei GC noch keinen Skorerpunkt erzielt.

Jorge Teixeira ist bei St. Truiden (12.) in Belgien nach einer Hüftverletzung wieder daran, sich in die Mannschaft zurückzukämpfen. Dimitri Oberlin hat bei Zulte Waregem (9.) seit September kein Tor mehr erzielt. Stephen Odey ist bei Genk (7.) Joker und vermochte in der Champions League beim Heim-1:4 gegen Liverpool den „Ehrentreffer“ für die Belgier zu markieren.  Mario Gavranovic ist bei Dinamo Zagreb zur Zeit ebenfalls Joker und hat erst vier Liga-Saisontore auf seinem Konto. Ebenfalls in der obersten Kroatischen Liga engagiert ist neben Torhüter Osman Hadzikic (Inter Zapresic) auch Franck Etoundi bei Slaven Belupo Koprivnica. Asmir Kajevic kommt bei der Belgrader Nummer drei Cukaricki (5. Platz) in der Serbischen Version der „Super Liga“ (neben der Schweiz und Serbien tragen auch die obersten Ligen in Argentinien, der Türkei, China, Dänemark, Usbekistan, Malaysia, Indien und Griechenland diese Bezeichnung) in jedem Spiel zum Einsatz. Avi Rikan ist Captain beim Israelischen Spitzenreiter Maccabi Tel Aviv. Pedro Henrique hat in der Türkischen „Süper Lig“ bei Kayserispor (letzter Platz, heute Heimspiel gegen Göztepe) schon sieben Tore erzielt und zwei Gelb-Rote Karten gesehen. In der 13. Runde war der heissblütige Brasilianer nach vier Gelben Karten zusätzlich zu den zwei Gelb-Roten bereits zum dritten Mal gesperrt.

Adis Jahovic spielt seine dritte Saison in der Süper Lig beim vierten Verein und liegt aktuell auf der Torschützenliste hinter Alexander Sörloth (Trabzonspor) und Papiss Demba Cissé (Alanyaspor) und gemeinsam mit Vedat Muriqi (Fenerbahce) mit 12 Treffern auf dem Dritten Platz. Schon in der Saison 17/18 war Jahovic drittbester Torschütze der höchsten Türkischen Spielklasse hinter den Starstürmern Bafétimbi Gomis (Galatasaray) und Burak Yilmaz (Trabzonspor) gewesen. Bei Antalyaspor spielt der Nordmazedonier seit der Winterpause an der Seite von Lukas Podolski. Insgesamt kommt Jahovic in seiner Karriere im Ligafussball bisher auf 126 Tore in 284 Spielen. Der 35-jährige Gökhan Inler ist bei Europa League-Achtelfinalteilnehmer Basaksehir Ergänzungsspieler, genauso wie dessen leicht jüngerer ehemaliger Teamkollege Raffael bei Gladbach. Wie Inler in Istanbul engagiert ist Innocent Emeghara (sechs Saisontore bisher) bei einem Zweitligisten mit Aufstiegschancen in die Süper Lig: Fatih Karagümrük ist der einzige Klub, der im ältesten Teil der Stadt, dem ehemaligen Konstantinopolis, in einem wohl kaum Süper Lig-tauglichen Stadion spielt.

Dusan Djuric spielt bei seinem Stammklub Halmstad in der Superettan (Zweite Schwedische Liga) immer noch Zuckerpässe auf grosse Distanzen und trifft mit schönen Weitschusstreffern. Davide Mariani hat beim emiratischen Tabellenführer Shabab Dubai im letzten Monat nicht gespielt, nachdem er zuvor Stammspieler gewesen war. Yassine Chikhaoui kommt bei Etoile Sportive du Sahel wie einstweilen beim FCZ sporadisch zum Einsatz und für ihn muss bei diesen Gelegenheiten dann ebenfalls jeweils die Aufstellung und Spielausrichtung angepasst werden. Amine Chermiti hat sich hingegen mittlerweile wieder über Saudi-Arabien in die Indische Megapolis Mumbai verabschiedet. Der in St. Petersburg aufgewachsene Artjom Simonyan hat sich im Heimatland seiner Eltern, Armenien, von Alashkert über Ararat zu Rekordmeister Pyunik hochgearbeitet und kam im November bei einer 1:9 (!)-Niederlage in Italien wieder einmal in der Nationalmanschaft zu einem Teileinsatz. Yann Fillion kam seit seit dem definitiven ablösefreien Wechsel vom FCZ in der Winterpause bisher in allen fünf „Suomen Cup“-Partien des Finnischen Zweitligisten Ekenäs zum Einsatz. Nicolas Andereggen hatte in der gleichen Zeitspanne einen Teileinsatz beim Argentinischen Zweitligisten CA Alvarado. Der ehemalige FCZ-Brasilianer Ramazotti wäre aktuell wieder zu haben, nachdem er auf seiner Weltreise in dieser Vorrunde für Daejoon Hana Citizen in der Zweiten Koreanischen Liga drei Mal getroffen, den Klub aber in der Winterpause wieder verlassen hat. Rapperswil-Jona mit Maurice Brunner und Nicolas Stettler hat in der Rückrunde noch Chancen auf den Wiederaufstieg in die Challenge League. Als prominente Neuverpflichtung kam in der Winterpause dem Vernehmen nach Bruno Morgado von Cup-Viertelfinalgegner Sion hinzu. Kay Voser kam in der Vorrunde bei Red Star zu drei Einsätzen. Andrea Guatelli spielt im Tessin beim SC Balerna in der 2. Liga Regional. Das Frauenteam des gleichen Klubs profitiert im übrigen aktuell von den Problemen bei Lugano und ist auf bestem Weg zum Aufstieg in die Nationalliga B.

Bild Züri Live – hinten von links: Christian Schneuwly, Dimitri Oberlin, Francisco Rodriguez, Yanick Brecher, Maurice Brunner, Nico Elvedi, Oliver Buff, Ivan Kecojevic, Yassine Chikhaoui. Vorne von links: Mario Gavranovic, Andres Malloth.

 

Im Eishockey, wo häufig die (mehrheitlich Heimteam-nahen) Journalisten bzw. Funktionäre die Best Player festlegen, wird gerade beim Auswärtsteam sehr häufig der Torhüter gewählt. Damit soll indirekt ausgedrückt werden: «eigentlich waren wir das bessere Team, aber der gegnerische Torhüter hatte halt einen guten Tag». In der Züri Live-Bewertung wurde nun beim eigenen Team nach der 0:2-Niederlage in Bern (Brecher) mit Andris Vanins zum zweiten Mal seit Jahresbeginn der Torhüter zum MVP, nachdem dies zuvor im Herbst nie der Fall gewesen war.

Auch in diesem Fall kann das indirekt als Negativvotum für die Feldspieler interpretiert werden. Wobei man da differenzieren muss. Adrian Winter kämpfte von der ersten bis zur letzten Minute und wurde zurecht mit dem Siegtreffer belohnt. Mirlind Kryezius Erste Halbzeit war seine bisher klar beste Saisonleistung mit starker Antizipation im Mittelfeld, guten Ersten Bällen nach vorne und wichtigen Rettungsaktionen hinten. Unter anderem ging das 1:0 Khelifis in der 16. Minute vom waschechten Zürcher Innenverteidiger aus. In der Schlussphase liess er sich dann in zwei Aktionen aber ebenfalls noch von der allgemeinen Nervosität etwas anstecken.

Ähnlich Toni Domgjoni (zur Pause angeschlagen ausgewechselt), der eigentlich eine gute Erste Halbzeit zeigte bis zu seinem Doppelfehler, der zum Eckball zum 1:1 führte. Bei diesem war für einmal nicht der Bangura-Gegenspieler Wiget, sondern Rüegg-Gegenspieler Chihadeh per Kopf erfolgreich. Was nicht heisst, dass Umaru Bangura im eigenen Strafraum nun souverän auftrat – nach einem Duell gegen Chihadeh hätte es Penalty für Kriens geben müssen und auch einer der Zweikämpfe mit Wiget war nicht ganz astrein. Benjamin Kololli (wie gegen Luzern mit Züri Live-Note «1») startete ins Spiel mit zwei zu nonchalant umgesetzten Abschlüssen im gegnerischen Strafraum und brachte in der Folge wie schon gegen Luzern den Gegner mit einer Reihe von unnötigen Ballverlusten nach rund einer Viertelstunde, die der FCZ dominiert hatte, ins Spiel.

Nach einem relativ soliden Beginn in die Saison holte sich der Waadtländer die erste ungenügende Bewertung beim Auswärts-Spiel in Leverkusen (4) ab. Seither gab es in 13 Partien gleich 9 ungenügende Noten. Nur in den beiden Derbies vermochte Kololli in diesem Zeitraum eine ordentlich bis gute Leistung zu zeigen und prompt wurden diese dann auch gewonnen. Auch Neuverpflichtung Grégory Sertic unterliefen gegen Kriens neben dem ein oder anderen guten weiten Ball zu viele Unkonzentriertheiten, bis er in den Schlussminuten mit seinem Stellungsspiel dann doch noch genauso wie der eingewechselte Stürmer Assan Ceesay entscheidend mithalf, den Vorsprung über die Zeit zu bringen.

FCZ – SC Kriens 2:1 (1:1)

Tore:  16. Khelifi (Domgjoni) 1:0; 43. Chihadeh (Siegrist) 1:1; 83. Winter (Odey).

FCZ: Vanins; Rüegg, Bangura, M. Kryeziu, Kharabadze; Sertic, Domgjoni (46. H. Kryeziu); Khelifi, Winter, Kololli (46. Ceesay); Odey (86. Maxsø).

SC Kriens: Osigwe; Urtic, Elvedi, Fanger, Mijatovic; Siegrist, Sadrijaj, Wiget (73. Cirelli), Costa; Sukacev (66. Rüedi); Chihadeh (80. Sulejmani).

 

Am Ende war er da, der schon gegen Luzern geforderte „dreckige“ Sieg. Mal so gewinnen, wie Spitzenteams es jeweils zu tun pflegen, wenn es ihnen nicht läuft – was dem FCZ in den letzten Jahren sehr selten gelungen ist. Aber die Freude über einen Halbfinal-Einzug war auch schon grösser, um es milde auszudrücken – so beispielsweise vor Jahresfrist nach dem 4:3 im damaligen Viertelfinal gegen den FC Thun nach 1:3-Rückstand, allerdings nicht wegen der Leistung (die damals über das ganze Spiel hinweg nicht wesentlich besser war), sondern in erster Linie wegen dem aufwühlenden Spielverlauf inklusive Last Minute-Siegtor.

Am Sonntag war mit dem FC Luzern eine relativ gute Super League-Mannschaft im Letzigrund zu Gast, welche aber momentan in einer kleinen Krise steckt. Gegen ein Luzern in dieser Verfassung hätte der FCZ gewinnen müssen – ein Punkt war zu wenig. Der SC Kriens im Cup-Viertelfinal war nun (zumindest aus Sicht und in der Berichterstattung von Züri Live) erwarteterweise der schwerere Gegner – sogar deutlich schwerer, wie sich herausstellen sollte. Mittelfeldspieler Marco Wiget bestand nach der Partie richtigerweise darauf, dass ein Erfolg seiner Mannschaft zwar eine Überraschung, aber keine Sensation gewesen wäre. Challenge League-Topskorer Nico Siegrist stellte die FCZ-Hintermannschaft von den Flügelpositionen aus wie befürchtet immer wieder vor Probleme. Die Innerschweizer, welche in dieser Saison überhaupt erst zwei Mal auswärts verloren hatten, waren heiss, und wuchsen im Letzigrund nochmal zusätzlich über sich hinaus – es war für alle das Spiel des Jahres – für Einzelne sogar das Spiel ihres Lebens. Ohne die über weite Strecken stark spielenden Andris Vanins und Mirlind Kryeziu im Defensiven Zentrum hätte es noch schwieriger werden können.

Zufrieden mit der Leistung war nach der Partie beim FCZ niemand. Was sind die Baustellen? Am eklatantesten ins Auge fällt zuletzt der eklatante Unterschied zwischen dem Start in eine Partie und dem weiteren Spielverlauf. Bei Ligadominator YB war die erste halbe Stunde sehr gut gewesen. Die Beobachter rieben sich die Augen, denn so stilsicher war der FCZ im Wankdorf in der Meisterschaft in den letzten Jahren kaum mal aufgetreten. Ab Minute 30 schien es aber, als habe jemand beim FCZ den Stecker gezogen und das Licht gelöscht. In Napoli: ein sehr mutiger engagierter Start in die Partie einer jungen Mannschaft, welche den Zweitplatzierten der Serie A immer wieder hinten reindrücken konnte. Kurz vor der Pause liess man erstmals etwas nach und musste prompt das 0:1 hinnehmen. Gegen Luzern: wieder ein sehr guter Start bis zum schönen 1:0-Freistosstreffer von Salim Khelifi, worauf man dann aber unerklärlicherweise einen Gang zurückschaltete. Und würde der FCZ während seiner Spiele vorwiegend so auftreten wie in den ersten 15 Minuten gegen den SC Kriens, könnte man in der Super League mit Thun oder sogar Basel Schritt halten. Spielerisch und taktisch war das FCZ-Spiel wie in Bern oder Napoli bis zu diesem Zeitpunkt formidabel. Stattdessen danach dann aber wieder das bekannte Nachlassen, welches den Gegner ins Spiel brachte.

Der FCZ geht sichtlich mit einer guten Einstellung und einem klaren Plan in die Partien und zwingt diesen jeweils dem Gegner auf. Ab einem Zeitpunkt X fällt dies dann aber alles zusammen, manchmal schrittweise, manchmal auch plötzlich wie ein Kartenhaus. Gegen Gegner wie Luzern oder Kriens kommt dieser Zeitpunkt X nach dem eigenen frühen Führungstor. Gegen Gegner wie YB oder Napoli hingegen eher dann, wenn man nach 30-40 Minuten trotz gutem Spiel sich nicht mit einem Treffer hat belohnen können. Ist es die (vor allem mentale) Müdigkeit nach dem von den Affichen und dem Spielrhythmus her speziellen Rückrundenstart? Oder eher eine Einstellungssache? Fühlt man sich zu sicher, wenn es zu Beginn gut läuft? Oder im Gegenteil zu unsicher, weil man mittlerweile weiss, dass ein guter Start in die Partie überhaupt nichts bedeutet? Auf die zweite Option deutet die Aussage von Hekuran Kryeziu vom zur Zeit fehlenden Selbstvertrauen nach dem Kriens-Spiel hin.

Eine weitere eklatante Schwäche sind Standards. Abgesehen von den direkt geschossenen Freistössen Khelifis und den Penalties Kolollis hat der FCZ bei Offensivstandards lange Zeit kaum etwas zustande gebracht. Dies hat sich nach der Winterpause aber geändert, denn beim Derbysieg entstanden alle FCZ-Tore direkt oder indirekt aus «Stehenden Bällen», und mit Grégory Sertic hat man einen sehr guten Standardschützen hinzubekommen, bei welchem ein daraus resultierendes Tor nur eine Frage der Zeit zu sein scheint. Wirklich schmerzhaft ist aber, dass man zuletzt national in jedem Spiel das wichtige erste Gegentor per Corner-Kopfball erhalten hat. In Bern und gegen Luzern hatte Umaru Bangura jeweils seinen Gegenspieler nicht genügend bedrängt. Gegen Kriens war es nun Kevin Rüegg, welcher Saleh Chihadeh aus den Augen verlor. Die Vermutung von Züri Live, dass zumindest in diesem Punkt der FCZ gegen Kriens die Sache besser im Griff haben sollte, als gegen die vielen grossgewachsenen Luzerner, war also falsch.

Die dritte Baustelle ist der Sturm. Eine Mannschaft, deren Stürmer kaum treffen, ja, sich nur wenige Torchancen erarbeiten können, strotzt selten vor Selbstvertrauen. Der Abgang von Michi Frey und Raphaël Dwamena im Sommer ist bis heute eine Hypothek für das Team und die Trainer. Stephen Odey hat sich lange Zeit wacker gehalten, läuft nun aber seit Ende Vorrunde meilenweit seiner Form hinterher. Assan Ceesay kam in dieser Super League-Saison vor allem auch verletzungsbedingt lange Zeit nicht zum Zug, hat bisher eine Quote von einem Skorerpunkt alle 176 Minuten (alle zwei Spiele einen). Der Gambische Nationalstürmer konnte nach starken ersten Teileinsätzen in Nikosia und Sion insgesamt bisher zu selten seine Stärken ausspielen. Ob es in erster Linie an ihm selbst liegt, an der noch fehlenden Abstimmung mit den Nebenleuten oder dass die richtige Rolle für ihn noch nicht gefunden worden ist? Wohl von allem ein bisschen. Von den neuverpflichteten jungen Stürmern ist Nicolas Andereggen verletzt. Salah Binous ist zur Zeit noch nicht ready für die 1. Mannschaft und grundsätzlich in dieser Rückrunde für die U21 vorgesehen. Yann Kasai könnte hingegen abhängig von den Trainingsleistungen eine Option sein, denn dessen grösste Stärke, das Ball halten, verarbeiten und direkt weiterleiten hat zuletzt im Zürcher Spiel in der vordersten Reihe zu häufig nicht wie gewünscht funktioniert.

Die vierte Baustelle ist Benjamin Kololli. Wie schon gegen Luzern war es vor allem der Waadtländer, der mit einer Reihe von unnötigen Ballverlusten nach rund einer Viertelstunde den Gegner zurück ins Spiel brachte. Kololli ist der Typ Spieler, der von fernen Beobachtern chronisch überschätzt wird, weil er während der ganzen Saison immer wieder mal spektakuläre Einzelaktionen im Programm hat. Wenn so einer dann in einer Abstiegssaison mit Lausanne 16 Skorerpunkte erzielt, sieht es auf den ersten Blick so aus, als seien die Waadtländer TROTZ Kololli abgestiegen. Diejenigen Beobachter, welche nahe dran an Lausanne-Sport waren, werden das aber anders sehen. Der Abstieg mit Lausanne ist ebenso kein Zufall wie dass der Waadtländer in seinem 27. Altersjahr erst 92 Super League-Einsätze auf seinem Konto hat. Etwas ähnlich, wenn auch nicht ganz gleich, sieht es bei dessen Kumpel aus der Jugendzeit, Salim Khelifi, aus. Der Einsatz des flinken Flügelspielers stimmt im Gegensatz zu demjenigen Kolollis immer. Trotzdem ist auch Khelifi nicht ganz zufällig von einem (doppelten) Absteigerverein zum FCZ gestossen, und es passieren ihm ebenfalls, wenn auch nicht im gleichen Ausmass wie bei Kololli, zu viele schmerzhafte Ballverluste. Noch nicht richtig angekommen ist Mittelfeldmann Grégory Sertic, der einerseits sehr gute lange Bälle spielt, gleichzeitig in verschiedenen Szenen auch gegen Kriens eher etwas teilnahmslos agiert. Dass der Franzose kein Leadertyp ist, hat Brice Chevenal im Le Matin vor zwei Wochen beschrieben: „Grégory Sertic, un soldat discret à Zurich“

Diese vier Baustellen müssen vom Trainerteam bearbeitet und dann abgeschlossen werden. Ludovic Magnins Verbindung zu Lucien Favre ist bekannt. Das Temperament der beiden ist aber sehr unterschiedlich, und Magnin hat seine Trainerzeit in der 1. Mannschaft des FCZ bei weitem nicht so schlecht gestartet wie damals Favre. Dafür sind er und sein Trainerteam jetzt ein Jahr nach Amtsantritt in einem Zwischentief angelangt. Vom Saisonverlauf her ähnelt die Formkurve des Magnin-Teams daher stärker derjenigen von Uli Forte – in dessen beider Saisons. Sowohl in der Challenge League-, wie auch in der Super League-Saison startete die Mannschaft unter Forte stark und begann dann ab Ende Oktober / Anfang November plötzlich enorm abzubauen. In der Challenge League-Saison konnte dies dank des Punktevorsprungs und der nach dem ersten Saisonviertel bereits etwas demoralisierten Liga-Gegner gegen aussen noch übertüncht werden. Trotzdem holten in der Rückrunde Xamax gleich viel, Schaffhausen gar mehr Punkte als der FCZ. In der Super League-Saison war dann der eklatante Leistungsabfall nicht mehr so einfach zu verbergen. Der Saisonverlauf nun unter Magnin ist ähnlich wie bei Forte, wenn auch sowohl im Positiven wie auch im Negativen etwas weniger extrem.

Ein klarer Vorteil von Magnin gegenüber Forte ist und bleibt, dass Magnins Art Fussball spielen zu lassen, dem Talentprofil der für die teure FCZ Academy selektierten und ausgebildeten Junioren entspricht. Der viel stärker physisch geprägte «Forte-Fussball» ist hingegen eindeutig besser GC-kompatibel. Dort werden die kräftigen Stürmer und Innenverteidiger ausgebildet, während im Heerenschürli in erster Linie technisch, spielerisch und taktisch starke Mittelfeldspieler entwickelt werden. Als Forte damals Kevin Rüegg aus der Academy empfohlen wurde, hat er diesen als einer der raren physisch starken Academy-Spieler gerne in die 1. Mannschaft eingebaut, setzte ihn aber im Zentralen Mittelfeld ein. Dort kommt aber eine der grössten Stärken Rüeggs, die Schnelligkeit, überhaupt nicht zum Tragen – dafür eine seiner grössten Schwächen: technisch hat der Zürcher Neo-Captain ausser seinem Rechten Innenrist nicht viel zu bieten und hat Schwierigkeiten sich auf Super League-Niveau auf engem Raum mit Ball am Fuss aus einer Drucksituation zu lösen, eine Qualität, die von einem Zentralen Mittelfeldspieler heutzutage unbedingt verlangt werden muss. Toni Domgjoni wollte Forte wie man hört aussortieren und den filigranen Spielmacher Izer Aliu testete er mit wenig Überzeugung als Linker Aussenverteidiger / Linker Aussenläufer. An Simon Sohm hätte Forte sicherlich seine Freude gehabt, aber Bledian Krasniqi oder Lavdim Zumberi wären unter ihm ohne Einsatzchancen geblieben.

Daher ist letztendlich auch die Vergleichbarkeit von Ludovic Magnin mit Uli Forte nur sehr beschränkt vorhanden. Nein, weder Favre noch Forte sind in ihrer Entwicklung als FCZ-Trainer am besten mit Ludo Magnin vergleichbar, sondern… Urs Fischer. Es fängt schon mal damit an, dass beide als Spieler emotionale Verteidigerhaudegen waren mit einer starken eigenen Meinung. Beide sind als Trainer beim FCZ in der Academy langsam, aber konsequent aufgebaut worden und hatten dort Erfolg. Beide waren zu Beginn in der 1. Mannschaft ebenfalls sehr erfolgreich. Fischer führte den FCZ zurück an die Liga-Spitze und beendete in einem engen Titelrennen die Saison auf dem Zweiten Platz – Magnin holte dank einem Derby-Halbfinalsieg gegen Yakin’s GC und dem Finalerfolg gegen Saisondominator YB den Cup nach Zürich. Beide bestritten danach eine für FCZ-Verhältnisse überdurchschnittlich lange Europacupsaison – bei Fischer wars nach dem Erfolg gegen Standard Lüttich und dem Ausscheiden gegen die Bayern in der Champions League-Qualifikation in der Europa League-Gruppenphase etwas weniger erfolgreich, als unter Magnin. Danach folgten im Winter in beiden Fällen für die Saisonhälfte aussergewöhnlich viele Spielerwechsel.

In beiden Fällen konnte sich die Mannschaft nach der Winterpause nicht gleich sofort wieder finden. Es waren gute Ansätze zu sehen, aber die Resultate stimmten (noch) nicht. Die zu grosse Ungeduld im Umfeld und der damals noch nicht von der Familie Canepa dominierten Führungsregie führte schliesslich zur viel zu vorschnellen Entlassung von Urs Fischer. Eine Entscheidung, die den FCZ auf Ebene 1. Mannschaft um Jahre zurückgeworfen hat. In der Folge hangelte man sich von Trainerwechsel zu Trainerwechsel und die ganze Entwicklung endete schlussendlich im Abstieg. Einen anderen Weg schlug beispielsweise der FC Thun ein. Als letzte Saison die Resultate nicht stimmten und die Tabellensituation prekär war, stärkte man Trainer Marc Schneider den Rücken. Als Resultat davon haben sich die Berner Oberländer enorm stabilisiert, liegen völlig verdient zur Zeit auf dem Dritten Platz und stehen im Cup-Halbfinal. Kontinuität ist das Zauberwort. Allerdings zeigt das Beispiel Thun, dass dies nicht nur auf Trainer-, sondern auch auf Spielerebene zu einem wichtigen Erfolgsfaktor werden kann. Letzteres ist für einen Klub wie den FCZ mit der Academy und deutlich häufiger ins Ausland wechselnden Spielern allerdings schwieriger zu erreichen als für den Klub aus der Stockhorn Arena.

Den SC Kriens daheim im Letzigrund im Cup-Viertelfinal empfangen zu können, war für viele Fans des FCZ das Wunschlos. Doch wäre es nicht besser gewesen, auswärts in Kriens antreten zu können oder gar in Bern gegen den BSC Young Boys? Der FCZ spielte bisher einmal gegen die Innerschweizer im Cup und gewann in der Saison 2007/2008 im Achtelfinal auf dem Kleinfeld nach zwei Toren von Hannu Tihinen und einem Treffer von Raffael in der Nachspielzeit 3:0, nachdem es zur Pause noch 0:0 gestanden hatte. Marco Schönbächler war damals schon dabei und auf Krienser Seite der Verteidiger Daniel Fanger. Doch es gibt auch noch ernsthaftere Argumente, Kriens könnte auswärts stärker sein als daheim.

Genau wie in der Super League mit dem Neuchâtel Xamax FC, dem BSC Young Boys und dem FC Thun, so haben auch in der Challenge League mit dem FC Wil, dem FC Schaffhausen und dem SC Kriens drei Clubs ihre heimische Arena mit einem Kunstrasen ausgestattet. Im Falle von Kriens spricht man zwar nicht von der Arena oder vom Park sondern wortwörtlich vom Kleinfeld. Aber anders als bei den beiden Clubs im nordöstlichen oder östlichen Teil des Landes hatten die Zentralschweizer in dieser Saison bisher grösste Probleme, überhaupt einmal ein Meisterschaftsspiel daheim zu gewinnen.

Besonders beim FC Schaffhausen, teilweise auch beim FC Wil spielen richtige Kunstrasenspezialisten mit: technisch starke, körperlich eher kleinere, schnelle und wendige Spieler. Das ist wohl ein wichtiger Grund für den recht klaren Unterschied in den Heim- und Auswärtsbilanzen dieser beiden Clubs. Pikantes Detail dazu: Die beiden bisher einzigen Siege auswärts holte der FC Schaffhausen in Wil und Kriens auf Kunstrasen.

Ganz anders sieht das beim SC Kriens aus. Während auswärts aus elf Spielen 15 Zähler resultierten, sammelte man daheim aus ebenfalls elf Spielen nur gerade sieben Punkte und steht damit an letzter Stelle der Heimtabelle. Allerdings fanden die ersten drei Heimspiele in der Swisspor-Arena in Luzern auf Naturrasen statt. Der erste Heimsieg überhaupt resultierte erst im zehnten Versuch vor 19 Tagen gegen den FC Winterthur, der hinten und vorne Geschenke verteilte. Warum ist der heimische Kunstrasen bisher für den SC Kriens noch kein Vorteil gewesen? Die Innerschweizer haben noch kein spezielles Kader für Spiele auf Kunstrasen aufgebaut oder zusammengestellt. Sie überlassen dazu dem Gegner eher den Ball, schalten aber nach der Eroberung schnell um, was auswärts einfacher funktioniert als daheim. Dazu wird der Club auch immer wieder unterschätzt, auswärts noch viel mehr als daheim.

Mit dem SC Kriens steht eine eingespielte und engagierte Mannschaft auf dem Platz, die jederzeit auf ihre Möglichkeit lauert und von Trainer Bruno Berner bestens vorbereitet scheint und gemessen an den bescheidenen Möglichkeiten fast immer das Maximum herausholt. Beim Betrachten sämtlicher, 31 geschossenen Tore und 37 kassierten Gegentreffern in der Meisterschaft fallen bestimmte, häufige Entstehungsweisen auf. Da sind in erster Linie ausgeprägte Stärken jedoch auch Schwächen nach Standards (10:13). Also beinahe jedes dritte Tor mit Krienser Beteiligung fällt in Momenten nach schnellen Einwürfen, Eckbällen, Freistössen oder Penaltys. Im offensiven Bereich bei indirekt erzielten Toren aus Standards verteilen sich fünf Treffer auf verschiedene Spieler aus allen Mannschaftsteilen. Fünf Tore allein erzielte Nico Siegrist mittels Penalty oder direktem Freistoss. Erstaunlich in der Bilanz der Entstehung der Tore ist aber etwas, das Aufschluss gibt über eine andere Fähigkeit; zuzubeissen, wie eine giftige Schlange, schnell und unerwartet. Denn bei Ballverlusten vor dem eigenen Tor bzw. Balleroberungen vor dem gegnerischen Tor steht das Torverhältnis 7:3. Ohne ein komplett systematisches Pressing der ganzen Mannschaft aufzuziehen, gelingt es den Kriensern trotzdem sehr häufig, in der vordersten Zone mit Hilfe von einem, zwei oder drei Akteuren dem Gegner den Ball abzujagen und danach ein Tor zu erzielen, besonders auf fremdem Platz. Fast ein Viertel der eigenen Treffer fallen so, was ein sehr hoher Wert bedeutet. Selber ist man in der umgekehrten Situation viel vorsichtiger und kompromissloser und lässt nur etwa jedes zwölfte Gegentor auf diese Weise zu.

Eine spezielle Schwäche der Innerschweizer besonders daheim war so wie das erstarrende Verhalten des Kaninchens vor der Schlange trotz oder gerade, weil man in Front lag. So kassierte man mit einem Mann mehr nach einer 2:0-Führung gegen den FC Vaduz in der 87. Minute noch den Ausgleich. Gegen Leader Servette FC vergab man beim Stand von 2:1 oder auch schon vorher manche Grosschance und verlor gar durch Tore von Mychell Chagas in der Nachspielzeit zum 2:2 in der 91. Minute und zum 2:3 in der 94. Minute. Auch gegen den FC Winterthur vergab man eine recht frühe Führung. Und das 1:2 durch Ousmane Doumbia fiel in der 84.Minute. Der SC Kriens hatte daheim also oft Angst vor dem Sieg, stand zu tief und fand die Balance zwischen Defensive und Offensive nicht mehr ganz.

Es fällt zudem auf, dass der SC Kriens von seiner linken Abwehrseite bisher eindeutig mehr Flanken oder Pässe zu Gegentreffern zulassen musste, als von rechts, sowohl auswärts, wie auch daheim.

Zu den Torhütern ist festzuhalten: In der Meisterschaft spielten Simon Enzler (21) und Sebastian Osigwe (24) je elf Spiele. Enzler ist speziell stark, wenn ein Angreifer mit dem Ball allein auf den Keeper zulaufen kann. Hinzu kommen Schnelligkeit und Beweglichkeit auf der Linie. Probleme haben beide Keeper noch bei hohen Flanken mit Freistössen und Eckbällen. Osigwe kassierte in Chiasso allein in einem Spiel drei Tore nach indirekt ausgeführten Freistössen. Besonders ärgerlich war der Ausgleich zum 3:3 in der 92. Minute.

Interessant ist, dass die Akteure des SC Kriens bisher pro Spiel weniger als zwei gelbe Karten kassierten, was in der Challenge League ein unterdurchschnittlicher Wert ist. Nur beim Saisonauftakt in Lausanne übertrieb es mit Nico Siegrist ein Krienser etwas mit seinem Einsatz. Er bekam dadurch die gelbrote Karte gezeigt. Trotzdem ist er in der gut funktionierenden Mannschaft der herausragende Spieler und wichtigste Taktgeber, wirkt dabei fast immer ganz rechts vom Flügel in der Mittelfeldreihe aus, Er stellt vom Typ her den hellwachen und ausgekochten Grümpelturnier-Kicker dar, welcher vom Festzelt direkt auf den Platz kommt, dort im besten Sinn alles tut für seine Mannschaft, alle Mitspieler mitreisst, aber auch auf dem Platz Spass hat und diesen auch verbreitet und nach dem Match wieder im Festzelt eintaucht, so Spiel für Spiel nimmt bis zum Sieg im Final oder eher noch bis zum Ende der Siegesfeier mit den Kollegen.

Siegrist galt mit 17 Jahren beim FC Luzern als hoffnungsvolles Talent. Schon vor seinem zwanzigsten Altersjahr hatte er 39 Super League-Spiele absolviert und dabei sechs Tore geschossen. Nach einem Wechsel zum FC Aarau, danach zur AC Bellinzona mit wenigen Einsätzen kam er nochmals für fünf Spiele zum FC Luzern zurück und erkannte, dass er es wohl ohne grosse Abstriche in der Lebensführung nicht zur absoluten Spitze schaffen würde. Beim FC Biel kam die Freude auf dem Platz zurück. Dort spielte der Stürmer in einer talentierten Mannschaft unter anderem mit Antonio Marchesano, Benjamin Kololli und Myrlind Kryeziu zusammen, bis der Club Konkurs anmelden musste. Danach wechselte Siegrist im Sommer 2015 zurück in die Innerschweiz zum SC Kriens in die Promotion League, aus welcher der Club nach der dritten Saison mit Siegrist den Aufstieg schaffte. Seine Bilanz dabei: 88 Spiele, 34 Tore. Nico Siegrist fühlt sich beim Club auch darum wohl, weil er als Teilzeitprofi einerseits ebenso teilzeitlich als Lehrer arbeiten und andererseits auch einmal ein Bier trinken kann, ohne dass danach der Trainer oder die Medien sogleich ein Theater daraus machen.

Diese Freiheit stärkt Siegrist in seinem Verantwortungsgefühl. Auf dem Platz trifft er beinahe instinktiv fast immer die richtige Entscheidung und das ganz stark im Dienst der eigenen Mannschaft. Ob zu dribbeln, zu passen oder zu schiessen besser sein könnte, Siegrist wählt fast immer die Lösung, die den grössten Erfolg bringen wird, ist gedanklich sehr präsent, ja überdurchschnittlich stark vorausdenkend und handlungsschnell. Er setzt jedem Ball nach, selbst auf der Grundlinie. Die Kollegen wissen das und bereiten sich mit ihrer zahlreichen Präsenz im gegnerischen Strafraum entsprechend auf ein mögliches seitliches Zuspiel nahe vor das Tor vor. Auf diese Weise überraschte man kürzlich den favorisierten FC Winterthur gleich zweimal kurz nacheinander, was dann zum erwähnten ersten Heimsieg reichte. Siegrists Bilanz in der aktuellen Meisterschaft: 21 Spiele, 13 Tore, 8 Assists, also 21 direkte Torbeteiligungen bei 31 Toren der ganzen Mannschaft. Er ist in der ganzen Challenge League für eine Mannschaft der wichtigste Einzelspieler. Siegrist ist äusserlich alles andere als ein glamouröser Typ. Er spielt extrem effektiv jedoch nicht speziell effektvoll. Aber seine Leistung beim SC Kriens hat etwas Glamouröses. Sein Torjubel, oft im Sprint mit erhobenem Arm und ausgestrecktem Zeigfinger führt Siegrist manchmal am gegnerischen Torhüter oder Trainer vorbei oder auf den eigenen Trainer zu, um im kurzen Erfolgsrausch noch etwas Kleines zu bereinigen.

Trainer Bruno Berner verspricht für den Cup-Viertelfinal heute Abend im Letzigrund eine Krienser Mannschaft, die kämpfen wird bis zum Umfallen und dem Favoriten auswärts alles abverlangen wird. Der Trainer der Innerschweizer wird das Spiel von der Tribüne aus verfolgen, nachdem er in Rapperswil-Jona, beim überzeugenden 4:1-Auswärtssieg (drei Treffer von Saleh Chihadeh) im Achtelfinal reklamierend die Coachingzone übertreten hatte und von Schiedsrichter Luca Gut dort schon auf die Tribüne verwiesen wurde.

 

Martin Stocklasa (ehemaliger Leistungsträger der Liechtensteiner Nati, heute Assistenztrainer und Talent Manager beim FC St.Gallen) plaudert mit Züri Live aus dem Nähkästchen über seine Zeit als Spieler beim FCZ, die Partnerschaft und Konkurrenz („ein Hauen und Stechen“) mit René Van Eck und Uli Forte („er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Trainer werden will“) in der Innenverteidigung des SC Kriens, die Grossinvestitionen in den Nachwuchs beim FC St.Gallen, die ominösen Videoaufnahmen des FCZ Trainings im letzten Mai, und was den Abstiegskampf im Direktduell wirklich entschieden hat…

 

Die erste Halbzeit war ausgeglichen –  schon beim ersten Eckball für Kriens lag der Krienser Verteidiger Fanger auf dem Bauch – Super League-Schiedsrichter Gut zeigte auf den Punkt, und Kriens-Innenverteidiger Hasanaj liess Torhüter Baumann keine Chance. Der FCZ reagierte und kam ebenfalls bei seinem ersten Eckball zum Ausgleich durch Ben Balla aus kurzer Distanz. Gleich im Anschluss hatte Pagliuca nach starker Vorarbeit von Salija eine Top-Chance alleine vor Torhüter Osigwe, zögerte aber einen Moment zu lange, so dass Fäh noch eingreifen konnte. In der Folge war das Spiel dominiert durch Kampf um jeden Zentimeter im Mittelfeld mit wenig Torchancen auf beiden Seiten. Speziell Di Gregorio suchte immer den Weg durch die grössten Pfützen des regengetränkten Rasens und verlor unterwegs den Ball vom Fuss.

Der FCZ kam sehr gut aus der Halbzeitpause und machte einige Minuten Druck, worauf wiederum der SC Kriens das Szepter übernahm. Unter dem Strich hatte Kriens mehr vom zweiten Durchgang, allerdings immer wieder unterbrochen von guten Zürcher Phasen. In einer solchen Phase umspielte der eingewechselte Sulejmani Torhüter Osigwe im Strafraum rechts herum, und hatte freie Schussbahn aufs leere Tor, als ihn Osigwe von hinten von den Beinen holte. Völlig zu Recht entschied Schiedsrichter Gut auch hier auf Penalty, gab dem Krienser Keeper aber keine Karte. Sulejmani versuchte die Penaltychance selbst zu nutzen, aber sein Schuss war zu unplatziert halbrechts halbhoch – Osigwe konnte den Ball problemlos abwehren.

Sechs Minuten vor Schluss fiel ein Krienser im Zürcher Strafraum theatralisch – wieder entschied Ref Luca Gut auf Penalty, welchen Hasanaj zum zweiten Mal verwandelte. Diesmal hatte Torhüter Baumann die richtige Ecke geahnt. Ein entschlossenes Nachsetzen im Mittelfeld von Salija führte über Di Gregorio in der Nachspielzeit zur Grosschance des eingewechselten Sulejmani – aus sechs Metern setzte der ehemalige FCB-Junior und Ex-Juniorennationalspieler den Ball Innenrist über das nur noch von zwei Verteidigern bewachte halbleere Krienser Tor. Gleich im Anschluss pfiff Schiedsrichter Gut die Partie ab.

SC Kriens – FC Zürich II 2:1 (1:1)

Kleinfeld – 350 Zuschauer – SR Gut

Tore: 2. Hasanaj (Foulpenalty) 1:0, 5. Ben Balla (Di Gregorio) 1:1, 84′ Hasanaj (Foulpenalty) 2:1

SC Kriens: Osigwe; Kablan, Hasanaj, Fäh, Fanger; Siegrist (83. Walker), Wiget, Bürgisser, Bem (90. Stojanov); Thali (80. Costa), Sorgic.

FCZ II: Baumann; Di Gregorio, Gebistorf, Berisha, Kempter; Cirelli, Ben Balla (85.Kouamé); Ribeiro (75.Zoller), Salija, Janjicic (70.Sulejmani); Pagliuca.