Das zweite Testspiel der Vorbereitung auf die Saison 18/19 kann der FCZ gegen den Challenge League-isten FC Wil im Heerenschürli vor rund 200 Zuschauern mit 4:2 gewinnen. Wie schon beim ersten Test gegen Rapperswil-Jona wurde in der Halbzeit (diesmal allerdings mit Ausnahme des Torhüters Novem Baumann, plus Izer Aliu, der schon in der 35. Minute für den neu mit der nr. 10 auftretenden Antonio Marchesano gekommen war) komplett gewechselt. Die Dreierabwehr Sohm – Palsson – Sauter liess sich bereits nach 10 Minuten zwei Mal erwischen. Bei einem Konter in der Dritten Minute griffen die Verteidiger gegen den allerdings wohl aus leichter Offsideposition gestarteten Cortelezzi und den nachrückenden Ex FCZ-Stürmer Silvio zu wenig aufmerksam ein. In der Zehnten Minute konnte derselbe Silvio bei einem Rückpass von Sauter auf Baumann «dazwischenspritzen». Der relativ gut aufgelegte Stephen Odey verkürzte mit einer Einzelleistung an der gegnerischen Strafraumgrenze bereits in der 16. Minute.

Wie schon gegen Rapperswil wirkte die Mannschaft der 1. Halbzeit nicht sehr spritzig, während das Team des zweiten Durchganges aufzudrehen vermochte – nur mit dem Unterschied, dass die Equipe der zweiten 45 Minuten diesmal eher aus den etablierten Stammkräften der letzten Saison bestand. Das System wurde von Dreier- auf Viererabwehr gewechselt. Erfreulich speziell der sehr solide Auftritt von Alain Nef, der den Cupfinal ja verletzungsbedingt verpasst hatte. In der Ersten Halbzeit hinterliess zudem wie schon im ersten Test Neuverpflichtung Hekuran Kryeziu einen positiven Eindruck. Und Toni Domgjoni ist schon seit Monaten kaum mehr wegzudenken – sowohl nach vorne wie auch nach hinten immer an den wichtigen Situationen beteiligt. So auch beim raschen 2:2-Ausgleich nach der Pause, als er im Strafraum für Izer Aliu auflegte. Frey und Neuverpflichtung Khelifi in seiner ersten Partie im FCZ-Dress drehten die Partie währen der Zweiten Halbzeit noch auf 4:2.

Am 17-jährigen Testspieler Lassana Ndiayé aus Mali (mit seinem Team Halbfinalist der U17-WM 2017), der diese Woche mit dem FCZ trainiert hat, lief das Spiel weitgehend vorbei – was aber nicht viel bedeuten muss. Der FC Wil seinerseits setzte noch weit mehr Testspieler ein. Bei den Äbtestädtern kamen Nikki Havenaar (SV Horn, Vorarlberg), Bryan Mallo (GC U21), Omer Dzonlagic, Colin Trachsel (beide Thun), Gabriel Molter (zurück von der Leihe beim SC Cham), Fatjon Jusufi (Renova, Mazedonien), Thasin Cakmak (Hertha BSC II) und Rrezart Hoxha (Luzern U21) zu einem Testeinsatz. Mit der Einwechslung von Mallo in der 54. Minute stellten die Wiler von einer Vierer- auf eine Dreierabwehr um. Für die letzte Viertelstunde durfte auch noch der aus der Ostschweiz stammende FCZ-ler Albin Sadrijaj für das Team von Coach Konrad Fünfstück ran – allerdings im gewohnten weissen FCZ-Dress der U21, welches den ebenfalls mit dunklen Shirts angereisten Ostschweizern ausgeliehen wurde.

FCZ – Wil 4:2 (1:2).

Tore: 3. Silvio (Cortelezzi) 0:1, 10. Silvio 0:2, 16. Odey (Winter) 1:2, 48. Aliu (Domgjoni) 2:2, 60. Frey (Rüegg) 3:2, 90. Khelifi (Pa Modou) 4:2.

FCZ 1. Halbzeit: Baumann; Sohm, Palsson, Sauter; Winter, H. Kryeziu, Rohner; Marchesano (35. Aliu), Rexhepi; Ndiayé, Odey.

FCZ 2. Halbzeit: Baumann; Rüegg, Nef, M. Kryeziu, Pa Modou; Domgjoni, Aliu; Khelifi, Haile-Selassie, Rodriguez; Frey.

Wil: Kostadinovic (74. Djordjevic); M. Gonçalves (46. Dzonlagic), Rahimi (54. Mallo), Havenaar (74. Sadrijaj), Nick Von Niederhäusern (46. Trachsel); Lombardi (46. Molter), Zé Eduardo (46. Latifi), Breitenmoser (46. Scholz), Schällibaum (74. Jusufi); Cortelezzi (46. Cakmak), Silvio (46. Hoxha).

 

19 Grad und leicht bewölkt soll es am Matchtag um 17:45 beim Anpfiff zum Kantonsderby durch Schiedsrichter Sandro Schärer auf der Schützenwiese sein. Von Nebel ist in der Wettervorhersage nicht die Rede. Der Match wirft trotzdem seine Schatten voraus. Nach vier Siegen und sechs ungeschlagenen Challenge League-Begegnungen in Folge zeigte Winterthur am letzten Sonntag beim 1:2 in Wohlen erstmals wieder eine eher mässige Leistung.

Viele sagen: angesichts des gesicherten Ligaerhaltes war der Kopf bereits beim letzten echten Highlight der Saison – dem Heimspiel gegen den FCZ. Mehr als 8‘000 Tickets sind bereits abgesetzt – es wird erneut ein ausverkauftes Haus erwartet. Und wie im Dezember wird wohl etwa die Hälfte der Zuschauer aus FCZ-Anhängern bestehen. Die Vorfreude und die Anspannung sei auch in der Mannschaft zu spüren, sagt am Vortag FCZ-Trainer Uli Forte an der gut besuchten Pressekonferenz.

Auch die nahende Meisterschaftsentscheidung spielt dabei natürlich eine Rolle. Aufgrund der klar besseren Tordifferenz als Xamax sollten zwei Siege im Normalfall für den Aufstieg reichen: „den ersten dieser beiden Siege wollen wir in Winterthur holen“, lässt Forte keine Zweifel über das einzige Ziel für Samstag. Gewinnt der FCZ in den kommenden drei Partien der Englischen Woche (in Winterthur, plus die Heimspiele gegen Servette und Wil) mindestens sieben Punkte, dann wäre der sofortige Wiederaufstieg schon in einer Woche sicher perfekt.

Wenig überraschend erwartet Forte in Winterthur aber „ein enges Spiel, wie schon im Dezember, als wir erst kurz vor Schluss die Entscheidung herbeiführen konnten“. Die Zielsetzung ist dieselbe, wie gegen Le Mont, nicht aber die Erwartungshaltung und die Tonalität. Denn damals forderte der Zürcher die drei Punkte ultimativ „ohne wenn und aber“.

Winterthur hat in den letzten sieben Partien immer getroffen und dabei im Schnitt pro Partie fast 2,5 Tore erzielt. Dies vor allem auch dank eingeübter Spielzüge, die immer wieder praktisch identisch umgesetzt werden. Züri Live beschreibt die aktuell vier gefährlichsten Offensivwaffen Winterthurs.

Offensivwaffe Nr. 1: Bei hoch stehenden Gegnern spielt der halbrechte Verteidiger Julian Roth gerne aus der Hüfte heraus einen hohen Ball gerade oder leicht zur Mitte gezogen auf Radice oder Silvio hinter die Abwehr – erstmals erfolgreich angewandt beim 1:2-Anschlusstreffer im Cup-Viertelfinal bei YB. Gegenstrategie: Roth darf in der Nähe der Mittellinie kein Raum und Zeit gegeben werden, um seinen langen Ball zu spielen.

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Offensivwaffe Nr. 2: Ebenfalls bei relativ hoch stehender Abwehr – Gianluca Frontino (oder Karim Gazzetta) löst sich vom Bewacher und bietet sich zwischen den Linien an, leitet den Ball dann schnell direkt weiter in die Tiefe für den lauernden Silvio. Gegenstrategie: Bewegt sich Frontino zwischen die Linien müssen die Alarmglocken läuten, und einer der Innenverteidiger ihm sehr eng auf den Fersen bleiben.

offensivwaffe-2-winterthur-rueckrunde-1617Offensivwaffe Nr. 3: Die linke Seite mit dem schnellen, zielstrebigen und spielerisch starken Luca Radice ist die offensiv gefährliche Seite der Winterthurer, gerade auch beim Umschaltspiel – auch weil der halblinke Verteidiger Tobias Schättin sich in der Regel drei bis vier Mal pro Spiel effektiv in den Angriff einschaltet. Der schnelle Ball Schättins an den nahen Pfosten auf Manuel Sutter hat beim 2:2-Ausgleich bei YB gut funktioniert – darum haben die beiden den Spielzug beim 2:1-Führungstreffer im Letzigrund gegen den FCZ vor zwei Monaten gleich nochmal identisch wiederholt. Gegenstrategie: Vorbereitet darauf sein, dass Winterthur über ihre linke Seite gerne Überzahlsituationen schafft. Vor allem darf sich der Rechte Aussenverteidiger nicht so herauslocken lassen, wie dies Voser in der abgebildeten Szene passiert ist.

offensivwaffe-3-wintrthur-rueckrunde-1617Offensivwaffe Nr. 4: Gianluca Frontino war in den letzten Wochen der effektivste Standardspezialist der Liga. Bei Eckbällen suchte er zuletzt immer den Kopf von Mittelfeldspieler Robin Kamber (1,87m). In Aarau spielte Frontino Anfang April den Ball von der rechten Seite zwei Mal identisch auf Kamber – beim ersten Mal konnte Torhüter Pelloni noch parieren – der zweite Kopfball sass. Nur drei Wochen später probierten es die beiden gegen den gleichen Gegner auf der Schützenwiese in der Anfangsphase zum dritten Mal – zum zweiten Mal mit Erfolg. Gegenstrategie: Frontinos Bälle sind mit Raumdeckung nicht einfach zu kalkulieren. Deshalb sollte sich ein hartnäckiger Manndecker auf Kamber fokussieren.

offensivwaffe-4-winterthur-1617-rueckrundeIm Tor steht bei Winterthur der im Sommer zu YB zurückkehrende David Von Ballmoos, welcher sich auf seinem Status als designierter Mvogo-Nachfolger etwas auszuruhen scheint, und in der aktuellen Saison eher Rückschritte gemacht hat. Unter anderem hat der Emmentaler vor zwei Monaten im Letzigrund dem FCZ den 2:2-Ausgleich geschenkt. Die Dreierabwehr mit Roth, Katz und Schättin ist offensiv überdurchschnittlich potent, nach hinten aber auch fehleranfällig und nicht besonders zweikampfstark. Der Sechser Kreso Ljubicic spielt eine durchschnittliche Saison. Der aus dem Servette-Nachwuchs stammende Karim Gazzetta hat zuletzt grosse Fortschritte gemacht und ist ein agiles und beachtenswertes Element im Winterthurer Mittelfeld.

Der aus dem FCB-Nachwuchs stammende Robin Kamber stand sich in seiner noch jungen, aber bereits wechselvollen Karriere bisher meist selbst im Weg. Talent wäre zweifellos vorhanden. Seine grösste Stärke ist der Abschluss mit beiden Füssen und seit neuestem auch per Kopf. So effizient wie aktuell unter Romano/Zuffi war der 21-jährige bisher noch nie in seiner Karriere. Auf der linken Aussenbahn findet der Winterthurer Luca Radice bei seinem Stammklub zur Zeit wieder zu alter Stärke und war vor zwei Monaten auch für die Winterthurer Führung im Letzigrund verantwortlich. Der aus dem FCZ-Nachwuchs stammende Leandro Di Gregorio zeigt auf der rechten Seite hingegen wechselhafte Leistungen. Er kämpft um seine Zukunft als Profi.

Der von Schaffhausen gekommene Gianluca Frontino wird in Winterthur wieder auf seiner Paradeposition als hängende Spitze eingesetzt und dankt es mit vielen Torbeteiligungen. Er ist das Winterthurer Pendant zu Oliver Buff oder Antonio Marchesano beim FCZ, gehört sicherlich nicht zu den schnellsten Offensivkräften der Liga, kann aber jederzeit für die Differenz sorgen.  Der ehemalige FCZ-Stürmer Silvio ist aktuell in Form und hat in den letzten fünf Partien sechs Tore und ein Assist beigesteuert. Im Dezember auf der Schützenwiese bekam ihn Umaru Bangura nicht in den Griff. Der FCZ konnte das Spiel nur gewinnen, weil Alain Nef die Manndeckung Silvios übernahm.

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Der FCZ bereitete sich im Freitagstraining mit Videostudium und anschliessend auf dem Platz spezifisch auf den FCW und dessen Spielsystem vor. Wer einen roten Überzieher anhatte, spielte einen Winterthurer. Die Rollen wurden mehrmals gewechselt, so dass dies jeder mal tun musste. Der Fokus lag dabei für die blauen „Zürcher“ auf der Offensive, aber es wurden auch einzelne defensive Aspekte von Trainer Uli Forte angesprochen.

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Michael Kempter und Andris Vanins sind wieder im Training dabei, beide sind aber noch fraglich für den Samstag. Ist Vanins bereit, dann steht er auf der Schützenwiese auch wieder im Tor. Kevin Rüegg wird nach seinen zuletzt starken Leistungen wohl ziemlich sicher erneut in der Startformation stehen – möglicherweise neben Antonio Marchesano, der sich zuletzt bei seinen Teileinsätzen ebenfalls empfehlen konnte. Eventuell kehrt Oliver Buff in die Startformation zurück. Der viel beanspruchte Raphael Dwamena könnte vor den zwei kapitalen Heimspielen nächste Woche gegen Servette und Wil auf der Schützenwiese von der Bank kommen. Roberto Rodriguez ist nach seiner Sperre zurück. Nicolas Stettler spielte zuletzt solide und wird wohl selbst dann auf der linken Seite auflaufen, wenn Kempter wieder fit  sein sollte.

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Für das dritte Kantonsderby der Saison FCZ – FCW werden heute mit grosser Wahrscheinlichkeit trotz etwas nassem Wetter wieder mehr als 10’000 Fans in den Letzigrund strömen. Winterthur hätte zuletzt im Heimspiel gegen den engsten FCZ-Verfolger Xamax ein Unentschieden verdient gehabt. Auch wegen eines aberkannten Kopfballtreffers von Zlatko Hebib, dem in den Anfangsminuten das Handspiel vor dem schlussendlich entscheidenden Penalty Raphaël Nuzzolos unterlaufen war, reichte den Neuenburgern auf der Schützenwiese ein durchschnittlicher Auftritt zu drei Punkten.

Die neu vom ehemaligen FCZ-Spieler Umberto Romano trainierten Rot-Weissen liegen zur Zeit am anderen Ende der Tabelle auf dem fcw-moegliche-aufstellung-im-letzigrund-1703letzten Platz und kämpfen gegen den Abstieg. Nach dem Trainerwechsel von Sven Christ zum eingespielten Duo Romano/Zuffi haben die Eulachstädter wieder stärker das spielerische Element betont, auch weil der ehemalige Servette-Junior Karim Gazzetta neu in der Startformation steht, Gianluca Frontino von Schaffhausen Richtung Süden gewechselt ist, und zudem mit dem vom FCB ausgeliehenen Solothurner Juniorennationalspieler Arxhend Cani ein weiterer guter Techniker zur Verfügung steht.

Der 19-jährige Cani gehörte zu den Penaltyschützen beim sensationellen Viertelfinal-Cuperfolg bei YB. Einen Tag später konnte der FCZ beim FCB denselben Exploit nicht leisten. Ob der ehemalige FCZ-Junior Leandro Di Gregorio beim FCW in der Startaufstellung stehen wird, ist noch nicht sicher. Zuletzt gegen Xamax hat Eigengewächs Tobias Schättin als Einwechselspieler überzeugt. Dieser hatte zudem auch in Bern in der Anfangsformation gestanden. Der ehemalige FCZ-Stürmer Silvio ist gesperrt, und Luka fcz-moegliche-aufstellung-vs-winterthurSliskovic in die U21 verbannt worden. So wird in der Spitze wohl Manuel Sutter auflaufen und mit Jordi Nsiala könnte eventuell ein weiterer Spieler aus der FCZ Academy auf der Bank sitzen. Bei den letzten Auswärtspartien in Bern und Baulmes trat Winterthur mit einer Dreierabwehr an, wobei Captain Patrik Schuler noch fraglich ist.

Beim Team von Trainer Uli Forte gibt es sicherlich mehr Konstanz in Aufstellungsfragen. Fast alle Mann sind an Bord – Ausnahmen sind Dzengis Cavusevic und Mike Kleiber. Interessant wird sein, ob Ivan Kecojevic nach seiner Verletzung bereits wieder den Sprung zurück in die Startformation schafft. Ausserdem ist Adrian Winter für das Kantonsderby spielberechtigt, was entweder Marco Schönbächler oder den bisher in dieser Rückrunde eher etwas zurückhaltend auftretenden Roberto Rodriguez auf die Bank verdrängen könnte.

 

1612-fcw-fcz-match-performanceDer FC Winterthur lieferte wie bisher viele andere Ligagegner auch gegen den FCZ die bisher beste Heimspielleistung der Saison ab. Es brauchte ein beherztes Eingreifen von Trainer Uli Forte von der Seitenlinie mit einer taktischen Umstellung auf die zuletzt meist praktizierte Dreierabwehrkette bereits nach 10 Minuten, damit  der Gast aus Zürich im Nebelmeer zwischen den sieben Winterthurer Hügeln die Partie besser in den Griff bekam. Die Limmatstädter kämpften mit der negativen Formkurve einiger seiner Akteure. Gegensteuer konnten dabei vor allem die kampfstarken Adrian Winter und Alain Nef geben.

1612-fcw-fcz-match-statsFCZ-Toptorschütze Winter war wie schon bei der Saisoneröffnung gegen WINTERthur im Letzigrund an beiden Treffern zum 2:0 entscheidend beteiligt. Sein gut ge-time-ter Ball aus dem Mittelfeld heraus für Rodriguez hinter die Abwehr beim 2:0 verdient dabei spezielle Erwähnung. Vor allem Vize-Captain Nef aber war es, der in den letzten Wochen vor der WINTERpause den abbauenden FCZ über die Ziellinie der Ersten Saisonetappe rettete. In drei der vier letzten Partien war der  Zürcher der Züri Live-Most Valuable Player. Gegen Winterthur übernahm Nef mit seinem typischen Durchsetzungswillen nach einiger Zeit im 1.Durchgang vom überforderten Bangura die Bewachung des zuvor gefährlichsten Winterthurers und Ex-FCZ-ler Silvio. Der Brasilianer hatte ab diesem Zeitpunkt so gut wie keine Bewegungsfreiheit mehr.

Der dritte im Bunde mit Note „9“ war gegen Winterthur (nach dem Heimspiel gegen Villarreal zum zweiten Mal diese Saison) Andris Vanins, von dem unter anderem beim Stande von 1:0 gegen den aus kurzer Distanz abschliessenden Luka Sliskovic eine starke Doppelparade notwendig war. Einiges an Licht, aber noch mehr Schatten war bei Marco Schönbächler zu sehen, über den viel lief. Wie so häufig in den letzten Partien schwankte Schönbi zwischen Nonchalance und aggressiver Übermotiviertheit, und fand die richtige Mischung in Bezug auf den mentalen Fokus nicht, auch wenn auf der positiven Seite die Gelb-Rote Karte gegen Guillaume Katz im wesentlichen durch die Antrittsschnelligkeit der Zürcher Nummer 27 zustande kam.

Armando Sadiku ist immer noch relativ weit von seiner besten Verfassung entfernt, konnte sich aber diesmal im Vergleich mit seinen zuletzt wenig erbaulichen Einsätzen steigern, weil er sich viel mehr in den Dienst der Mannschaft stellte, und war vor allem in der Chancenvorbereitung so produktiv wie bisher noch nie seit dem Saisonauftakt gegen denselben Gegner. Ebenfalls eine Steigerung war zum Vorrundenabschluss bei Sangoné Sarr zu konstatieren. Der Senegalese war diesmal viel stärker aufs Wesentliche und die einfachen Dinge fokussiert, als zuletzt üblich.

 

Von Toni Gassmann @ZüriLive

Das erste Bild eines FCZ-Spiels

Die erste, der Öffentlichkeit zugängliche Fotografie eines Fussballspiels des FC Zürich stammt vom 24. Oktober 1897 und zeigt einen Ausschnitt der Begegnung mit dem FC Winterthur auf dessen Schützenwiese. Das Spiel endete vor 50 Zuschauern mit 2:0 für den Heimclub. Gleichzeitig ist dieses Bild auch die erste bekannte Aufnahme eines Fussballspiels an diesem Ort.

fcw_1897_fcw-fcz_720pxPhoto: FC Winterthur Klubarchiv

Wenn sich der FC Winterthur und der FC Zürich am Montag, 12. Dezember zum letzten offiziellen Wettbewerbsspiel im Jahr 2016 in der Schweiz treffen werden, so werden sie das noch am gleichen Ort, dieser traditionellen und traditionsreichen Heimstätte tun, wie vor etwas mehr als 119 Jahren. Allerdings wird die Kulisse mit 9400 Zuschauern viel grösser sein als damals und auch das Stadion und dessen Umgebung sehen mittlerweile etwas anders aus. Sollte der FC Winterthur wieder mit 2:0 gewinnen, so wäre das eine Überraschung, denn der FC Zürich wird als klarer Favorit aus der Kantonshauptstadt anreisen. Es ist über 40 Jahre her, seit auf der Schützenwiese so viele Zuschauer einem Spiel beiwohnten.

Igor Tadic und der Winterthurer Trainer, Herbst 2015

Schaffhausens Stürmer Igor Tadic leitete in der 15. Runde der Challenge League Saison 2015/2016 am 8. November 2015 mit seinem Tor zum 0:1 für den FC Schaffhausen im Derby auswärts gegen den FC Winterthur die Niederlage und auch die nachmalige Entlassung von Trainer Jürgen Seeberger ein. Das Spiel endete mit 0:2. Winterthur spielte konzept- und zusammenhangslos und hatte kaum eine richtige Tormöglichkeit. Nach einer weiteren blamablen Leistung eine Runde später in Wohlen mit einer „glücklichen“ 3:2-Niederlage sahen sich die Verantwortlichen des FC Winterthur dazu veranlasst, die Trennung vom bisherigen Trainer zu vollziehen, damit der FC Winterthur nicht ans Tabellenende rutschen sollte. Das Spiel im Freiamt hätte gut und gerne mit 7:2 verloren werden können. Mit Umberto Romano und Dario Zuffi als Interimstrainer an der Seitenlinie gelang es schliesslich, auswärts in Chiasso und daheim gegen Biel, die beiden letzten Spiele vor der Winterpause zu gewinnen und so den FC Winterthur im Tabellenmittelfeld zu halten.

Umbruch im Sommer 2016

Per 1. Januar 2016 wurde Sven Christ als neuer Trainer angestellt. Er wollte mit dem FC Winterthur dominant auftreten, hoch stehen und ein aggressives Pressing betreiben sowie mutig spielen. Ende Saison landete der FC Winterthur mit 43 Punkten aus 34 Spielen auf dem leicht enttäuschenden 6. Tabellenrang, noch hinter dem FC Schaffhausen. Sven Christ forderte, dass die Spieler ihre Komfortzone verlassen sollten und ortete in der Mannschaft unter anderem ein Mentalitätsproblem.

Im Sommer wechselten daher mit Jan Elvedi, Sead Hajrovic, Dennis Iapichino, Marco Köfler, Sandro Foschini, Tunahan Cicek, Musa Araz, Claudio Holenstein, Ramon Cecchini, Stefano Milani, Patrick Bengondo, Joao Paiva und Christian Fassnacht insgesamt 13 Spieler den Club freiwillig oder unfreiwillig. Einzig für Araz (Lausanne-Sport) und Fassnacht (Thun) bedeutete der Clubwechsel einen Aufstieg.

Zur Mannschaft stiessen 17 Spieler: Gianluca Calbucci (U21), Romain Dessarzin (Lausanne), Leandro Di Gregorio (Zürich), Karim Gazzetta (Servette), Robin Kamber (Vaduz), Tiziano Lanza (U21), Kreso Ljubicic (Biel), Jordi Nsiala (Oberwallis Naters), Luca Radice (Aarau), Julian Roth (U21), Daniele Russo (St. Gallen), Marc Schmid (U21), Carlos Silvio (Wolfsberger/AUT), Luka Sliskovic (Biel), Sandro Stalder (U21), Manuel Sutter (Vaduz), Nicola Sutter (Thun).

Igor Tadic und der Winterthurer Trainer, Herbst 2016

Und wieder war es der Schaffhauser Igor Tadic, der den FC Winterthur aufrüttelte, diesmal in der 16. Runde am 27. November 2016, als er in der 84. Minute zum entscheidenden 0:1 für den angereisten Tabellenletzten aus Schaffhausen traf, der seit der 4. Runde kein Spiel mehr gewinnen konnte und in dieser Phase ausser einem Unentschieden auf der Breite gegen den FC Winterthur alle andern zehn Spiele verlor. Im Gegensatz zum Spiel ein Jahr zuvor auf der Schützenwiese gegen Schaffhausen, besassen die Winterthurer eine ausreichende Anzahl an guten, eigenen Möglichkeiten, offenbarten aber auch grosse defensive Schwächen. Genau seit diesem Zeitpunkt gehört der FC Winterthur zum erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten, denn mittlerweile befindet sich der Club auf dem 8. Tabellenrang, gerade einmal fünf Punkte vor dem Tabellenletzten. Hätten die Schaffhauser in ihren letzten beiden Spielen gegen Chiasso und Wohlen gepunktet, so sähe die Lage für den FC Winterthur noch bedenklicher aus und natürlich auch für dessen Trainer, der mittlerweile auch wegen der leicht prekären Lage etwas unter erhöhtem Druck steht.

Unbefriedigendes Abschneiden

Die Gründe für dieses unbefriedigende Abschneiden sind vielfältig:

Da ist einmal das gestiegene Niveau in der Challenge League mit dem sehr bestimmenden FC Zürich, dem konstant guten Neuchâtel Xamax, dem reichen FC Wil, dem besser besetzten FC Aarau, dem Servette FC mit einzelnen herausragenden Spielern, dem unbequemen und defensiv sehr starken FC Le Mont, der Wundertüte FC Wohlen und den auswärtsstarken, jungen Tessinern aus Chiasso. Demgegenüber hat sich der FC Winterthur zumindest resultatmässig nicht wirklich verbessert. Und ausgerechnet gegen den defensivschwachen Tabellenletzten FC Schaffhausen gewann der FC Winterthur nur einen Punkt, der zudem auswärts etwas glücklich erkämpft werden konnte.

Besonders fiel bisher ins Gewicht, dass der FC Winterthur ohne konstantes Herzstück spielen musste. Zehn verschiedene Zweier-Kombinationen bildeten jeweils zu Beginn einer Partie das zentrale, defensive Mittelfeld. Die eigentlich dafür vorgesehenen Kreso Ljubicic und Gianluca D’Angelo spielten erst im Laufe der 2. Serie mit. D’Angelo ist nun aber wieder verletzt. Marco Mangold, zu Beginn der Saison vom Trainer aussortiert, entwickelte sich zum besten und konstantesten Spieler auf dieser Position, ehe er sich verletzte und seither die letzten fünf Spiele verpasste.

Die beiden Stürmer Manuel Sutter und Carlos Silvio trafen in den letzten Wochen kaum noch und vergaben teilweise klarste Möglichkeiten, was sich besonders im Heimspiel gegen den FC Schaffhausen rächen sollte. So gelangen dem FC Winterthur in den letzten sieben Spielen nur noch vier Treffer, zwei davon erzielte der Gegner gleich selber. Und nur ein Tor schoss mit Manuel Sutter ein Stürmer.

Nur in vier von 17 Spielen kassierte der FC Winterthur kein Tor. Hingegen gelang in fünf Spielen kein eigener Treffer. Kaum einmal zeigte das Team eine konstant gute Leistung in einem ganzen Spiel. In Aarau, Neuchâtel und Genf reichte je eine 0:1-Führung nur für zwei Punkte. In Neuchâtel ging man sogar nach drei Gegentreffern aus Standardsituationen mit 4:1 richtig unter. Und die Heimbilanz von 11 Punkten aus 8 Spielen ist auch nicht befriedigend.

Höhepunkte

Trotz einer 0:2-Niederlage zum Saisonauftakt im Letzigrund war das Spiel gegen den FC Zürich ein Höhepunkt, weil 13’704 Zuschauer die bisherige Challenge League-Rekordkulisse in dieser Saison bildeten und weil die Spieler des FC Winterthur von rund 2’500 mitgereisten Gästefans nach dem Spiel noch minutenlang gefeiert wurden, obwohl sie das Spiel nach Toren von Rodriguez oder Winter und Sadiku verloren hatten. Höhepunkte aber waren auch der etwas glückliche 3:0-Sieg gegen den FC Wil und die Wende zum 3:2-Sieg gegen den Servette FC nach einem 1:2-Rückstand. Nach diesem Spiel hatte der FC Winterthur eine damalige Erfolgsserie auf sieben Pflichtspiele ohne Niederlage ausgebaut.

Das Erreichen des Cupviertelfinals gegen die Berner Young Boys nach Siegen in Yverdon, bei Stade Lausanne-Ouchy und daheim gegen den FC Chiasso ist auch ein Erfolg und fiel zu zwei Dritteln in diese Phase. Ein Fussballfest und ein Höhepunkt soll nun für den FC Winterthur auf der heimischen Schützenwiese das letzte Spiel des Jahres 2016 werden. Der Club hat alles dafür getan, sich als guter Gastgeber zu präsentieren. Dieses Spiel wird den bisherigen Schnitt von 2’663 Zuschauern anheben auf 3’412. Das ist die dritthöchste Anzahl der Liga.

Heutige Aufstellung des FC Winterthur

Der vom BSC Young Boys ausgeliehene Torhüter David Von Ballmoos ist der beständigste qualitative Wert in der bisherigen Saison beim FC Winterthur. Der Emmentaler befindet sich im Kader der Schweizer U21-Nationalmannschaft, ist einer der drei besten Torhüter der Challenge League und soll in Bern dereinst die Nachfolge von Yvon Mvogo antreten und trainiert einmal pro Woche beim BSC Young Boys, um dort Kontakt halten zu können und Präsenz zu zeigen. Seine Fortschritte waren besonders vor einem Jahr beinahe schon von Spiel zu Spiel zu erkennen. Von Ballmoos wird heute im Tor stehen.

Davor spielten die Löwen in letzter Zeit öfters mit drei Innenverteidigern: heute dürften dies Tobias Schättin, Daniele Russo und der wieder genesene Guillaume Katz sein. Die Viererreihe im Mittelfeld könnten Luca Radice, Nicola Sutter, Kreso Ljubicic und Michel Avanzini bilden und vor ihnen die offensiven Manuel Sutter und Romain Dessarzin stehen. Alleinige Sturmspitze wird Carlos Silvio sein. Möglich ist aber auch ein Fünfermittelfeld mit Nicola Sutter und Kreso Ljubicic als Doppelsechs. Von Ballmoos, Nicola Sutter und Carlos Silvio wären nach einer heutigen gelben Karte im nächsten Spiel gesperrt.

Die ehemaligen FCZler

Carlos Silvio ist ein technisch guter physisch recht starker und trotzdem einigermassen beweglicher Stürmer, der den Ball halten kann und mannschaftsdienlich agiert. Wenn er gelegentlich im Abschluss etwas eigensinniger auftreten würde, hätte er bestimmt mehr als seine bisherigen vier Tore erzielt. Er besitzt einen Stammplatz.

Diesen verloren hat, teilweise systembedingt, teilweise wegen defensiven Schwächen, der ehemalige FCZler Leandro Di Gregorio, der jeweils die Standards ausführt. Und Jordi Nsiala konnte bis jetzt noch nicht nachweisen, mehr als ein Ergänzungsspieler zu sein. Di Gregorio und Nsiala dürften auf der Bank sitzen. Marco Mangold, unter anderem zusammen mit Leandro Di Gregorio, Maurice Brunner, Philippe Koch, Innocent Emeghara und Admir Mehmedi 2009 in der U21 des FC Zürich, hat, wie bereits im Herbst 2015 einmal, den Fuss gebrochen und ist verletzt. Mangold verpasste bereits den Saisonauftakt gegen den FC Zürich, weil er damals nicht im Kader war.