Antonio Marchesano ist in Basel erneut auswärts der beste Spieler des FCZ in einer Partie, in welcher sein Team hoch stand und erstmals in dieser Saison an der Abschlusseffizienz scheiterte. 18 Torchancen wurden nicht genutzt – so viele wie noch nie in dieser Saison, inklusive Cup-Spiel in Solothurn. Trotz positiver Bilanz an „Erwarteten Toren“ im St. Jakob Park resultierte eine 1:3-Niederlage. Ein weiterer Indikator: 121 Züri Live-Offensivpunkte sind ein bisheriger Saisonrekord – gleichzeitig aber auch die 117 Negativpunkte.

Speziell von der 53. bis in die 70. Minute war der Stadtclub beim Stand von 0:1 am Drücker und hatte rund um die 60. Minute herum mehrere gute Torchancen im Minutentakt. Die Phase wurde abgeschlossen durch einen Pfostenschuss aus kurzer Distanz von Adrian Guerrero. Danach kam ein Bruch ins Zürcher Spiel. Ousmane Doumbia, Moritz Leitner und der eingewechselte Blerim Dzemaili hatten das Zentrum nicht mehr im Griff, woraus das 0:2 resultierte. Basels Linksverteidiger Tavares lenkte einen wohl nebens Gehäuse gezielten Abschluss von Jungnationalspieler Dan Ndoye unfreiwillig entscheidend ins Zürcher Netz ab. Wie schon in der Auswärtspartie bei YB waren die grössten und entscheidenden Mankos des FCZ im Mittelfeldzentrum zu suchen.

FCZ wächst schnell wie eine Bambuspflanze

Die 3-4-1-2 Formation bleibt die Konstante der FCZ-Taktik, aber die Spielweise ändert sich von Spieltag zu Spieltag stark. Zu Beginn der Saison noch die am tiefsten stehende und am stärksten auf Konter ausgerichtete Mannschaft der Liga, steht man nun schrittweise immer höher und übernimmt das Spieldiktat. Wie einer Bambuspflanze kann man dem FC Zürich von Woche zu Woche beim Wachsen live zusehen. Dabei gelingt natürlich nicht alles. So erzielte Basel in der 34. Minute das wichtige erste Tor der Partie gerade weil der FCZ so hoch stand und dazu der sich immer wieder auf die Seiten sowie zwischen die Linien davonstehlende Zielspieler Cabral Heinz Lindners hohen Ball per Kopf hervorragend in die Tiefe weiterleitete. Aliti kam etwas zu spät ins Luftduell und Guerrero lenkte den Ball wenig vorteilhaft für seine Farben ab. Zehn Minuten davor hatte Cabral bereits einmal zwischen den Zürcher Linien einen Hohen Ball von Lindner gut in die Tiefe gelenkt. In dieser Szene war Omeragic zu spät ins Luftduell gekommen, aber Mirlind Kryeziu konnte die Situation ausbügeln.

Grosse Leistungsdiskrepanz

Insgesamt herrschte im Zürcher Team wiederum eine grosse Leistungsdiskrepanz. Auf der einen Seite liessen Mirlind Kryeziu genauso wie Antonio Marchesano kaum Wünsche offen, während sich auf der anderen Moritz Leitner defensiv erneut sehr durchlässig entpuppte, sich in vielen Szenen regelrecht versteckte, notwendigen Zweikämpfen aus dem Weg ging und selbst bei gegnerischen Standardsituationen häufig nicht aufmerksam war. Nach vorne hatte der Bayer auch einzelne gute Aktionen dabei, aber auch zu “schlampige“ Zuspiele und unnötiges Verschleppen von Angriffen.

FCZ bei Standards in der Luft noch zu wenig gefährlich

Bei eigenen Standards kommt der FCZ in der Luft in den letzten Spielen zu selten zum Abschluss direkt aufs Tor. Auch dem grossgewachsenen Mirlind Kryeziu fehlt in der Regel das ideale Timing dafür. Vor dem Gegenstoss zum 1:3 durch Cabral (hatte den Ball selbst aus dem eigenen Strafraum befreit und netzte nach einem 80 Meter-Sprint ein) wurde Kryeziu zudem neutralisiert, da immer er von Guerrero gesucht wurde und deshalb der eingewechselte Burger Kryezius Manndecker Cömert zu Hilfe kam. Die offensive Stärke Mirlind Kryezius liegt immer noch in erster Linie im Spielaufbau.

Telegramm

FC Basel – FC Zürich 3:1 (1:0)
Tore: 34. Millar (Ndoye) 1:0; 73. Tavares (Ndoye) 2:0, 79. Marchesano (Penalty, Guerrero) 2:1, 82 Cabral (Fernandes) 3:1.
FCB – Lindner; Lopez (85. Lang), Cömert, Pelmard, Tavares; Frei (64. Burger), Xhaka; Ndoye (74. Fernandes), Males (64. Kasami), Millar (74. Stocker); Cabral.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu Aliti; Boranijasevic (74. Gogia), Doumbia, Leitner, Guerrero; Coric (57. Dzemaili); Marchesano, Ceesay (57. Gnonto).

Historisch gesehen hat der FCZ gemäss den Daten von transfermarkt.ch (die bis vor den 2. Weltkrieg zurückreichen) gegen keine andere Mannschaft auch nur annähernd so häufig gewonnen wie gegen YB – 78 Siege (in 186 Partien) konnten gegen die unbestrittene Nummer 1 aus der Schweizer Bundesstadt schon gefeiert werden. Die Bilanz der letzten Jahre sieht hingegen deutlich schlechter aus. In der Meisterschaft vermochte der Limmatstadtklub gegen die Gelb-Schwarzen in mehr als vier Jahren kein Meisterschaftsspiel mehr zu gewinnen. Davide Chiumiento und Amine Chermiti trafen beim 2:1-Sieg Anfang August 2014. Im Letzigrund duellieren sich heute zwar der Zweite und der Erste der Super League-Tabelle – aber ist es wirklich auch ein Spitzenkampf? Bei 11 Punkten Rückstand nach nur 10 Runden? Man kann es so formulieren: beim Anpfiff von FIFA-Schiedsrichter Adrien Jaccottet um 19 Uhr ist es per se kein Spitzenkampf. Aber der FCZ kann im Optimalfall im Verlaufe der 90 Minuten dafür sorgen, dass es zu einem wird!

Verletzungsbedingt muss Trainer Ludovic Magnin auf Captain Victor Palsson verzichten. Dies ist umso mehr ein wesentliches Manko, als der Isländer in den letzten Wochen klar aufsteigende Form bewiesen und dem FCZ national und europäisch mit entscheidenden Defensiv- und Offensivaktionen einige Punkte mitbeschert hatte. Es kann gleichzeitig die Chance werden für den zur Zeit noch fraglichen Antonio Marchesano oder vielleicht sogar für Bledian Krasniqi. Interessant wird auch die taktische Ausrichtung zu beobachten sein. Beim ersten Duell der Saison im August agierten beide Mannschaften sehr risikovoll mit offenem Visier – was zu einem klaren Sieg für das Team mit der zur Zeit grösseren individuellen Qualität und vor allem weniger individuellen Fehlern führte. Vor der Nati-Pause vermochte der FC Luzern mit einem viel destruktiveren Konzept (und etwas Glück) in Bern zu gewinnen. Werden die Zürcher ihrer spielerischen Linie treu bleiben – oder gegen YB diesmal eine Ausnahme machen? Züri Live-Experte Toni Gassmann erinnert in einem bewundernswerten Anflug von Optimismus im Vorfeld der Partie daran, dass der FCZ zuletzt häufig gut aus einer Länderspielpause herausgekommen ist und dass Schaffhausen im Cup YB an den Rand einer Niederlage gebracht habe:

 

Der FCZ kommt gegen Basel zu Hause nicht über sieben Abschlüsse hinaus und liegt damit unter der Marke von 11 Torchancen, die der Limmatstadtclub in dieser Saison für ein Tor benötigt. Da gleichzeitig der Gegner aus Basel ebenfalls nicht viel mehr Torchancen hat, bleibt es beim zweiten 0:0 hintereinander für die Rot-Blauen im Letzigrund, nachdem sie sich bereits mit dem gleichen Resultat von GC getrennt haben. Die Hereinnahme von Brunner in die Startformation erweist sich als richtig. Zusammen mit Bangura schafft es der Zürcher, Dimitri Oberlin in den Griff zu bekommen, der bereits mit 16 Jahren im Letzigrund im Dress des FCZ gegen den FC Aarau sein Super League-Début gefeiert hatte. Auch die Hereinnahme von Pa Modou für den zuletzt formschwachen Kay Voser zahlt sich aus. Die Partie und auch die Leistung der beiden Teams war nicht mehr auf dem Niveau des Spiels im St. Jakobs Park vor einem Monat. Der FCZ fällt weiterhin selten unter ein gewisses Niveau, hat aber noch einiges an Verbesserungspotential. So ist man zur Zeit der Remis-König der Liga mit bereit sechs Unentschieden in 13 Runden.

FCZ – FCB 0:0 (0:0)

Tore: Je eines stand auf beiden Seiten des Platzes.

FC Zürich: Vanins; Brunner, Bangura, Thelander; Winter (88. Nef), Rüegg, Palsson (85. Sarr), Pa Modou; Dwamena (69. Koné), Frey, Rodriguez.

FC Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Akanji, Petretta; Xhaka, Zuffi; Steffen, Elyounoussi (83. Fransson), Oberlin (61. Bua); Ajeti (88. Itten).

 

 

1705-fcz-servette-match-performanceGegen Servette hätte der FCZ mit einem Sieg den Aufstieg angesichts des grossen Vorsprungs bei der Tordifferenz bereits praktisch klar machen können, zog aber ausgerechnet an diesem Abend den bisher schwächsten Auftritt der Challenge League-Saison ein – wie ein Tennisspieler mit Bammel vor dem Matchball. Die ungenügende Durchschnittsnote 4,6 für die eingesetzten 14 Akteure spricht dabei Bände. Raphael Dwamena wirkte ungewohnt fahrig und auch ein Marco Schönbächler konnte seine Nomination in der Startformation nicht rechtfertigen.

1705-fcz-servette-match-statsDer 18-jährige Kevin Rüegg hingegen hatte mit seiner erneut starken Leistung grossen Anteil daran, dass der FCZ trotzdem im Spiel blieb und am Ende noch ein Unentschieden erreichte. Der andere Grund dafür war der Gegner aus Genf, der bei weitem nicht mehr so zwingend auftrat, wie noch zu Beginn der Rückrunde. Das Spiel riss die Fans zwar von den Sitzen – aber nur um sich vorzeitig am Wurst- oder Bierstand zu verpflegen.

1705-schaffhausen-fcz-match-performanceUli Forte überrascht sein Gegenüber Murat Yakin mit der Umstellung auf Dreierabwehr – die zu Beginn nicht optimal sortierten Schaffhauser müssen früh zwei Kopfballgegentreffer durch Cavusevic und Kecojevic hinnehmen. Noch im Verlauf der Ersten Halbzeit ist Schaffhausen-Coach Yakin neben dem verletzungsbedingten Goaliewechsel zusätzlich zu einer taktischen Umstellung (Wechsel: Taipi für Gonçalves) gezwungen. Insgesamt überzeugt der FCZ wiedermal mit Effizienz, kreiert aus elf Torchancen vier Treffer und lässt von Seiten Schaffhausens abgesehen von einem Pfostentreffer Tranquillis, als Torhüter Brecher sich nicht vorteilhaft bewegte, kaum etwas zu.

1705-schaffhausen-fcz-match-statsFür einmal ist es Aussenverteidiger Kay Voser, welcher die grösste Anzahl Torchancen auf seinem Konto verzeichnet, sich aber in diesen Situationen nicht als heimliches Sturmtalent entpuppt. Ganz anders Raphael Dwamena, der sich im Duett der Linksfüsser erneut sehr gut mit dem eingewechselten Michael Kempter versteht, und seine beiden Einschusschancen beide nutzt. Der Ghanaer überzeugt zudem in weiteren Szenen offensiv sowie defensiv und ist der Züri Live-MVP der Partie.

Um dieses 1:1-Unentschieden in Neuenburg zu holen, musste sich der FCZ im Vergleich zu den letzten Spielen steigern und hat dies auch getan. Die Partie in der Maladière hatte für die Challenge League eine sehr hohe Intensität mit zwei Teams, die beide von der ersten Minute an für diese Affiche bereit waren. Es war noch nicht alles picobello, aber trotzdem sah man das beste FCZ-Wettbewerbsspiel seit dem 4:0-Auswärtssieg am 20. November bei Servette.

Wie so häufig führte die hohe Intensität zweier sich auf Augenhöhe begegnender Teams zu einer eher kleinen Zahl an Torchancen. Entscheidend für den Punktgewinn war, dass der FCZ die Xamaxiens gleich zu Beginn der 2. Halbzeit nicht ins Spiel kommen liess. Normalerweise agieren die Neuenburger zu Hause nach der Pause fast unwiderstehlich.

Marco Schönbächler machte sein Sache im offensiven Zentrum gut. Trotzdem brachte Oliver Buff bei seinem Comeback noch einmal neuen Schwung ins Zürcher Spiel. Raphael Dwamena war zuvor bereits mit seinem schwächeren rechten Fuss der Führungstreffer nach einer optimalen Vorlage von Gilles Yapi auf Adrian Winter gelungen. Der Ausgleich in der 87. Minute war dann schwer zu verteidigen, denn der grossgewachsene und robuste Frédéric Nimani schraubte sich nach dem ideal getretenen Freistoss Velosos aus dem Mittelfeld heraus so hoch, dass ihm kaum beizukommen war – die ideale Kopfballweiterleitung in die Tiefe verwertete dann der 18-jährige Pedro Teixeira aus kurzer Distanz.

Xamax – FCZ 1:1 (0:0)

Tore: 50. Dwamena (Winter) 0 :1, 87. Teixeira (Nimani) 1 :1.

Xamax: Walthert; Gomes, Sejmenovic, Witschi, Gonçalves; Di Nardo (70. Qela), Veloso; Ramizi (72. Teixeira), Doudin, Nuzzolo (78. Nimani); Karlen.

FCZ: Vanins; Brunner, Nef, Bangura, Voser; Winter, Yapi, Kukeli, Rodriguez (86. Stettler); Schönbächler (64. Buff), Dwamena (74. Koné).