Krasniqi spielt gern und gut im Kybunpark gegen St. Gallen / FCSG – FCZ Analyse mit Randnotiz: Steigerung im letzten Monat 2023

OFFENES SPITZENDUELL VOR AUSVERKAUFTER KULISSE / ST.GALLEN – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Der FCZ beginnt die Partie gut, macht mit hohem Pressing von Anfang an viel Druck, spielt schnell, präzise und ist auch in der 2. Halbzeit die bessere Mannschaft. In der 24. Minute hat Jordi Quintilla Glück, dass er für ein Foul mit der Sohle voran gegen Condé nicht vom Platz fliegt. Vor einem Jahr hat Schmidt gleichenorts für eine eher etwas harmlosere Aktion gegen Gnonto Rot gesehen. Nach Spielunterbrüchen wird das zweite Spielviertel hingegen fast komplett durch St. Gallen dominiert – und in dieser Phase fällt auch der einzige Treffer der Partie. Die Grünweissen kontern im eigenen Stadion erfolgreich. In den ersten 45 Minuten kommt der FC Zürich nur zu zwei Abschlüssen. Die Partie insgesamt ist zwar so intensiv wie immer zwischen diesen beiden Kontrahenten, aber es entstehen auf beiden Seiten unter dem Strich weniger Torchancen als üblich. Der FCZ hat nach Erwarteten Toren zum ersten Mal seit der 0:2-Heimniederlage gegen Servette weniger (gute) Torchancen als der Gegner. In der 2. Halbzeit stellt der FCZ das Heimteam durch die Umstellung auf ein 4-2-3-1 allerdings vor Probleme. Zum Ausgleich reicht das aber nicht mehr.

Anfang Saison ging der Game-Plan besser auf

Nachdem man mit Fokus des Energie-Managements auf die 1. Halbzeit zu Beginn der Saison viele Punkte geholt hat, wich der FCZ von diesem erfolgreichen Game-Plan im weiteren Verlauf unverständlicherweise ab und setzte mehr auf die 2. Halbzeit, in welcher sich aber die Aufholjagd jeweils schwierig gestaltete. Die beiden besten Zweiten Halbzeiten der bisherigen Saison hat der FCZ zuletzt in der letzten Wettbewerbswoche 2023 gegen Luzern und nun in St. Gallen an den Tag gelegt. Insgesamt reichte das aber nur zu einem Punkt aus drei Partien. Im Spiel ohne Ball hat sich das Henriksen-Team im Vergleich zur Partie in Winterthur klar gesteigert – mit der drittbesten Defensivleistung der bisherigen Saison (nach dem 0:0 in Bern und dem 3:0 gegen Lugano). Offensiv war der Auftritt hingegen schlechter als zuletzt gegen Winterthur, Luzern und YB. Vor allem von Okita, Afriyie und Boranijasevic kam in dieser Hinsicht im Kybunpark zu wenig. St. Gallen konnte sich auf seine Mittelfeld-Leistungsträger Quintilla, Nati-Kandidat Witzig und Görtler verlassen – und auf den gegen die Winterpause hin immer besser in Form kommenden Akolo. Auf der 10er-Position (aktuell vom eher blassen Toma besetzt) hat das Zeidler-Team hingegen den Abgang von Victor Ruiz vor 18 Monaten immer noch nicht adäquat ersetzen können. Mit dem Spanier im Kader wäre St. Gallen wohl Wintermeister.

Highlights – Wieder sone Daprelà-Aktion

Personalien – Ein oder zwei Einsätze zu viel für Boranijasevic am Ende der 1. Saisonhälfte

  • Nikola Boranijasevic: Im Nachhinein gesehen hätte er besser nicht in der Startformation gestanden. In der Partie zuvor in Winterthur erstmals in dieser Saison ungenügend, unterlief dem Serben ein miserables zweites Viertel der Partie, welches gleichzeitig auch die einzige Phase war, in welcher St. Gallen die Überhand gewann. Beim einzigen Gegentor verschätzte sich Boranijasevic beim Ball von Görtler auf Witzig gleich doppelt: erst dachte er fälschlicherweise, er könne das hohe Zuspiel in die Tiefe direkt in der Luft erreichen, dann brach er seinen Lauf an die Grundlinie ab, weil er davon ausging, dass Witzig den Ball nicht im Spiel halten könne. Den Freistoss zu dieser Szene hatte ebenfalls Boranijasevic ohne Not verursacht. Zudem war Boranijasevic zu grossen Teilen am „Brummschädel“ von Marc Hornschuh Schuld. Er hatte einen Ball an der Grundlinie anstatt ins Seitenaus zu schlagen direkt in die Füsse von Witzig gespielt, worauf Hornschuh sich heroisch in den Schuss Witzigs warf und ausgewechselt werden musste.
  • Fabio Daprelà: Solide, aber hat wenig Einfluss aufs Spiel. Konnte nach mehreren kleineren Verletzungspausen zum Ende der 1. Saisonhälfte nicht mehr die Form vom Saisonstart erreichen.
  • Ifeanyi Mathew: Lässt den Ball in mehreren Aktionen schnell weiterzirkulieren und ist somit an gefährlichen FCZ-Aktionen beteiligt. Versucht es selbst zwei Mal aus der Distanz, darunter in der 58. Minute aus 58 Metern.
  • Adrian Guerrero: Standards und Flanken nicht so gut wie üblich, trotzdem weiterhin einer der Besten im Team.
  • Cheikh Condé: Speziell am und im eigenen Strafraum ungewöhnlich häufig unaufmerksam. Läuft unter anderem vor dem Gegentor Görtler von der falschen Seite her an, weil er dessen vorherigen Blick Richtung Witzig übersieht.
  • Jonathan Okita: Gegen St. Gallen muss man handlungsschnell sein, was Okita fehlt. Seine Standards sind weiterhin gut, aber ansonsten bringt er offensiv nichts zustande.
  • Antonio Marchesano: Bringt mit seiner Einwechslung wie so häufig die Maschine des FCZ wieder besser zum Laufen. Kommt aber erst in der Nachspielzeit zu seinem ersten Abschluss.
  • Nikola Katic: Wie üblich wieder mit einer schlechten 1. Halbzeit und einer klaren Steigerung in der 2. Halbzeit – im Gegensatz zum Winterthur-Spiel, wo es ausnahmsweise umgekehrt war. Hat in der 1. Halbzeit vor allem Mühe mit den schnellen St. Galler Kontern.
  • Bledian Krasniqi: St. Gallen als Gegner und speziell der Kybunpark liegen ihm. Vor einem Jahr beispielsweise war Krasniqi hier ebenfalls mit einer Note “10“ der beste Spieler beim FCZ. Kommt in der Anfangsphase über Engagement und Kampf ins Spiel. Kann sich und seine Mannschaft mit Drehungen mit Ball, Tempodribblings und präzisen Zuspielen immer wieder hervorragend aus der gegnerischen Umklammerung lösen und Torchancen erarbeiten. Spielt in der 1. Halbzeit rechts im Sturm, nach der Auswechslung Afriyies in der 2. Halbzeit dann auf der 10er-Position.
  • Marc Hornschuh: Nach seinem unglücklichen Einsatz beim “Hinspiel“ im Letzigrund diesmal defensiv bester Mann beim FC Zürich. Hat einen grossen Anteil daran, dass St. Gallen nach der Pause nicht wie gewollt Druck machen kann – und hält so den FCZ weiter im Spiel. Sein grosser Einsatz für die Mannschaft kann kaum besser illustriert werden, wie mit der Szene in der 59. MInute, als er nach einem Fehler Boranijasevics ohne zu zögern mit Tempo dem im Strafraum völlig frei an den Ball kommenden Witzig entgegeneilt (der durch einen Blitzsprint Krasniqis von der anderen Seite zusätzlich unter Druck gesetzt wird). Witzig muss so schneller abschliessen als gedacht, und trifft mit seinem Drehschuss Richtung rechte obere Torecke Hornschuh an der Schläfe.
  • Selmin Hodza: Hat seine Rolle als Einwechselspieler gut ausgefüllt, vor allem als er rechts in einer Viererabwehr spielen konnte, wo er sich am wohlsten fühlt. Ob er aber auch ein Mann für die Startformation sein kann, scheint eher fraglich. Die Konstanz und defensive Solidität ist beispielsweise ein Problem.
  • Nils Reichmuth: In Winterthur kam er auf der 10er-Position rein, in St. Gallen agiert Reichmuth auf der Doppel-6 neben Ifeanyi Mathew. Holt im Mittelfeld den Freistoss heraus, der in der 96. Minute zur letzten Torchance des FCZ durch Marchesano führt.

Randnotiz – FCZ-Steigerung im letzten Monat 2023 wird mit zu wenigen Punkten belohnt

Die Entwicklung der Erwarteten Tore und Erwarteten Gegentore bildet die tatsächliche Leistung eines Teams noch etwas akkurater ab, als nur Tore und Gegentore. Auf der Grafik von Footballytics ist ersichtlich, dass der FCZ offensiv und defensiv einen sehr guten Saisonstart hinlegte. Der mittlere Teil der Vorrunde war dann eher unterdurchschnittlich, vor allem weil man (unter anderem durch die Absenz Daprelàs) defensiv nicht mehr so sicher stand wie zu Beginn. In dieser Phase war die Punkteausbeute besser als die Leistungen. So blieb man bis Anfang November ungeschlagen! Im letzten Wettbewerbsmonat gab es defensiv und vor allem offensiv wieder eine Steigerung, die sich aber nicht entsprechend in Punkten ausdrückte. Dies deckt sich mit der Entwicklung der Züri Live-Noten. Die Partien gegen YB (3:1), Luzern (1:1) und Winterthur (1:2) gehörten gemessen an der Notengebung zu den offensiv besten der bisherigen Saison. Die Spiele gegen YB, Luzern und St. Gallen (0:1) waren defensiv unter den besten. Ein Spiel wie gegen Luzern gewinnt man neun von zehn Mal. In Winterthur war die Defensivleistung unterdurchschnittlich, in St. Gallen die Offensivleistung.

Quelle: Footballytics, Daten: Wyscout

Der FC St. Gallen war die ganze “Vorrunde“ lang als einziges Team immer (klar) im “Grünen Bereich“ und müsste eigentlich die Leaderposition inne haben. Die zweitbesten Leistungen hat (trotz Europacup-Engagement) Servette erbracht. YB’s xG / xGa-Statistik ist hingegen durchschnittlich. Die Berner lebten bisher stark von ihrer Effizienz im Abschluss. Yverdon lag die ganze 1. Saisonhälfte hindurch im “Roten Bereich“, in welchem sich auch Stade Lausanne-Ouchy und der FCB fast ausschliesslich bewegten.

Quelle: Footballytics, Daten: Wyscout

Kommentare – Systemumstellung hat gewirkt

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Offenes Spitzenduell vor ausverkaufter Kulisse / St.Gallen – FCZ VORSCHAU

Direktbegegnungen im Überblick (dbfcz)

Der FCSG und der FCZ haben gemeinsam, dass sie beide zuletzt auf der Schützenwiese 1:2 verloren haben. Die Grünweissen konnten dabei den Anschlusstreffer erst spät in der Nachspielzeit erzielen. Dafür hat man zu Hause zuletzt zehn Spiele in Folge gewonnen und ist damit natürlich das beste Heimteam der Liga. Hätten das Team von Coach Peter Zeidler auch nur eine durchschnittliche Chancenauswertung, würde es deutlich an der Ligaspitze stehen. Die schlechte Chancenauswertung ist das grösste Manko. Ansonsten spielt man bisher eine Top-Saison. “Es geht aber noch besser“ ist FCSG-Coach Zeidler an der Pressekonferenz vor dem Spiel überzeugt. Offensiv sind die beiden Kontrahenten des heutigen Spitzenspiels auf Augenhöhe, defensiv war der FCZ bisher etwas stärker. Seit 19/20 hat man zu diesem Zeitpunkt nach 17 Runden nicht mehr so viele Punkte auf dem Konto gehabt. Damals machte der FCZ im letzten Spiel vor der Winterpause mit einem 3:1-Auswärtssieg (Tore: Schönbächler, Marchesano, Tosin; Quintilla) einen Strich durch die Rechnung. Hätten doch die Grünweissen mit einem “Dreier“ gegen den FCZ an der Tabellenspitze überwintert.

Die 18. Runde scheint für das Duell FCSG – FCZ gesetzt

Die Unergründlichkeiten der SFL-Spielplanung bringt es mit sich, dass FCZ und FCSG zum vierten Mal in fünf Saisons in der 18. Runde (fast jedes Mal der letzte Spieltag vor Weihnachten) aufeinander treffen. In der Meistersaison vor zwei Jahren gewann der FCZ im Letzigrund ebenfalls mit 3:1 (Ceesay, Kramer, Kamberi; Eigentor Omeragic) und überwinterte als Leader. Vergangene Saison gewann der FCZ im Spiel der 18. Runde im Letzigrund gegen St. Gallen durch ein Kopfballtor Marc Hornschus in der 88. Minute mit 1:0. Es war erst der dritte FCZ-Liga-Sieg in jener Saison gewesen. Dieser trug dazu bei, dass der FC Zürich im Jahr 2023 bisher eine positive Bilanz von 2 Siegen / 2 Unentschieden / 0 Niederlagen gegen St. Gallen vorzuweisen hat.

Der FC St. Gallen bringt im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich verbesserte Viererkette auf den Platz. Zanotti (geliehen von Inter) und Vallci (ex-RB Salzburg) sind dabei gesetzt, Stanic hat sich im Verlauf des Herbstes den Platz des bisherigen Stammspielers Diaby gekrallt. Schmidt steht links aufgrund der zuletzt wackelhaften Leistungen auf der Kippe und könnte durch Okoroji ersetzt werden. Im Zweimannsturm hat Peter Zeidler mit der Rückkehr von Julian Von Moos wieder eine grosse Auswahl. Die Zehnerposition bleibt hingegen seit dem Abgang von Victor Ruiz vor 16 Monaten nach Saudi-Arabien weiterhin eine Baustelle. Grégory Karlen vermochte bisher nicht restlo zu überzeugen. Weitere Alternativen wären Christian Witzig und Fabian Schubert.

Krasniqi liegt der Kybunpark

Beim FCZ wird der gesperrte Lindrit Kamberi mit grosser Wahrscheinlichkeit von Fabio Daprelà ersetzt werden und der in Winterthur mit Kopfschutz gut spielende Silvan Wallner rach recht in der Dreierabwehr rücken. Bledian Krasniqi hat schon gezeigt, dass ihm St. Gallen als Gegner und der Kybunpark liegen. Daniel Afriyie wirkte zuletzt etwas überspielt. Wer kann von der Bank kommen und Druck machen? Antonio Marchesano? St. Gallen-Trainer Zeidler ist auf jeden Fall überzeugt, dass die Einwechselspieler “in einem engen Spiel“ entscheidend sein werden – und hofft dabei wohl auch etwas darauf, dass sein diese Woche ausgeruhtes Team etwas mehr Kraft haben wird. Genauso wie Verteidiger Chima Okoroji freut sich der St. Galler Coach zudem auf die Stimmung, gerade auch dank der Gästefans, die seit seinem Start als Trainer im Kybunpark immer zahlreicher geworden seien.

Sandro Schärer Kontra FCZ / FCZ – FCSG Analyse

STATISTISCH BESTE SUPER LEAGUE-MANNSCHAFT ZU GAST IM LETZIGRUND / FCZ – ST. GALLEN VORSCHAU (Züri Live)

Der FC Zürich ist zurück in der Erfolgsspur (Bluewin)

Erstmals in dieser Saison hat der Gegner die besseren Torchancen als der FCZ, der ganze zwei Abschlüsse aufs St. Galler Gehäuse bringt – Okitas Bijou von einem Tor aus 27m – und Cheick Condés mutiger Versuch, aus mehr als 60m FCSG-Keeper Zigi zu überwinden. Aus dieser Perspektive ist der späte Ausgleich des FCSG im Letzigrund sicherlich verdient. Dem Tor selbst haftet aber ein grosser Makel an: es war irregulär. Ein klareres Stürmerfoul wie dasjenige von Diaby, der Daprelà mit beiden Händen umstösst, gibt es nicht. Obwohl Daprelà sich erst wieder vom Boden aufrappeln muss, erreicht er beinahe noch den Cornerball Quintillas vor St. Gallen-Keeper Ati Zigi, der per Kopf für den eingewechselten Fabian Schubert auflegt. Abdoulaye Diaby hatte schon zuvor in anderen Situationen Gegenspieler in den Rücken gestossen. Schiedsrichter Alessandro Dudic pfiff diese inkonsequent – manchmal entschied er auf Freistoss, manchmal übersah er das Vergehen. Das zum späten 1:1-Ausgleich führende Foul Diabys an Daprelà war das klarste von allen gewesen. Umso erstaunlicher, dass VAR Sandro Schärer es übersah. Offenbar war man in Volketswil drei Minuten lang einzig und allein mit der Offside-Frage beschäftigt gewesen, und klammerte alle anderen Aspekte aus.

Verstärktes St. Gallen mit Spitzenwerten

Unglaublich, aber „VAR“ – Sandro Schärer ist damit auf seinem Stuhl in Volketswil zwar nicht der einzige Beteiligte, aber der Hauptverantwortliche an gleich allen drei bisherigen Gegentreffern des FCZ in den ersten fünf Partien dieser Saison – und damit auch an allen Punktverlusten. Beim Auswärts-2:2 in Genf sah er beim ersten Genfer Tor als Einziger ein „Fingerspiel“ von Ifeanyi Mathew auf der Strafraumgrenze – und übersah gleichzeitig geflissentlich beim zweiten Gegentreffer das vorhergehende Foul von Guillemenot gegen Boranijasevic, wodurch Kutesa an der Strafraumgrenze völlig frei stand. Zur Verteidigung Schärers kann man anfügen, dass der Hands-Entscheid gegen Mathew nicht komplett falsch war (wenn auch der Eingriff des VAR’s in so einer Szene äusserst ungewöhnlich) und dass in der Boranijasevic-Szene ganz kurz eine Vorteilssituation bestand. Die Nichtberücksichtigung des Diaby-Fouls gegen Daprelà ist aber völlig unerklärlich. Und in der Summe sind es etwas viele heikle Entscheide des gleichen VAR gegen den FCZ in so kurzer Zeit. Der Fehler beim 1:1-Ausgleich gegen St. Gallen war letztendlich entscheidend, aber dem Schiedsrichterteam um Alessandro Dudic unterlief auch sonst eine aussergewöhlich hohe Anzahl an Fehlentscheiden. Während Stossen in den Rücken zu 50% übersehen wurde, pfiff Dudic immer wieder saubere Tacklings von Rohner, Condé, Von Moos oder Akolo als „Foulspiel“ ab. Die beiden Assistenten (speziell Alain Heiniger) zeigten mehrmals bei eindeutigen Einwurf-Situationen unerklärlicherweise in die falsche Richtung. St. Gallen durfte zudem immer wieder Freistösse und Einwürfe schnell fünf bis zehn Meter zu weit vorne ausführen (Dudic akzeptierte dies jeweils explizit via Blickkontakt mit dem Ausführenden).

Die Partie gestaltete sich vor einer sehr stimmungsvollen Kulisse erwartet intensiv. St. Gallen ist statistisch aktuell in den meisten wichtigen Kategorien an der Liga-Spitze und hat wie in der Saison 19/20 wieder eine Mannschaft, die um den Meistertitel spielen kann. Es fehlt „einzig“ noch ein nicht ganz unwichtiges Element: die Effizienz der Sturmspitzen und Offensiven Mittelfeldspieler im Abschluss. Ausserdem benötigen die Grünweissen für einen Angriff an die Ligaspitze einen Torhüter Ati Zigi in seiner stabilen Version. Die hintere Reihe mit Vallci und Diaby im Zentrum sowie vor allem dem spielintelligenten U20-Vizeweltmeister Zanotti und Okoroji auf den Seiten ist deutlich stärker, als in den vergangenen Saisons. Zumal Sutter und der gegen den FCZ rekonvaleszente Schmidt gute Alternativen sind. Rückkehrer Fazliji und Quintilla sind drauf und dran, zu einem gut geölten Zentrum zusammenzuwachsen (ähnlich wie Condé und Mathew beim FCZ). Durch die grössere Breite in einem fast schon klassischen 4-4-2 ergeben sich mehr Räume für die typischen St. Galler Tempoläufe mit Ball am Fuss von Witzig und Co. Dieser war im Letzigrund der wohl auffälligste Spieler auf dem Platz. Ein Fragezeichen besteht einzig auf der rechten Seite bezüglich Captain Lukas Görtler – nicht nur wegen dessen Verletzung. Die möglichen Ersatzleute Stevanovic oder Van der Venne haben aber bereits gute Ansätze gezeigt.

Nur Daprelà und Condé widerstehen dem St. Galler Druck gut

Im St. Galler Sturm kultiviert Trainer Peter Zeidler wie so häufig eine Konkurrenzsituation – auch weil die Stürmer so gut wie immer früh im Spiel gewechselt werden. Diesmal durfte Chadrac Akolo von Beginn weg ran und wirkte übermotiviert. Der FCZ profitierte vom ein oder anderen Fehlzuspiel des 28-jährigen Kongolesen. Mit dem eingewechselten Julian Von Moos hatte die FCZ-Abwehr später hingegen ihre grösste Mühe. Es brauchte einen Fabio Daprelà in Hochform, um einen Torerfolg des jungen Ostschweizers zu verhindern. St. Gallen kassierte gegen den FCZ wie in bisher jedem ihrer sechs Saisonpartien ein Gegentor. Die Grünweissen wollten dabei eigentlich den FCZ düpieren. Beim Abstoss staffelten die Innenverteidiger Vallci und Diaby auf die Höhe von Torhüter Zigi zurück, wie man dies jeweils macht, wenn man flach hintenheraus spielen will. Der FCZ stand dementsprechend hoch in der gegnerischen Platzhälfte und am gegnerischen Strafraum. Zigi führte den Abstoss dann aber lang und hoch ins Mittelfeld aus und überspielte so den grössten Teil der Zürcher Mannschaft. Nur schienen die St. Galler Stürmer in den Plan nicht eingeweiht gewesen zu sein: keiner kam rechtzeitig zum Ball. Der FCZ konnte so unbedrängt mit kunstvollem One Touch-Spiel über Katic, Marchesano und Mathew Okita durch die Mitte in einem Raum 30m vor dem gegnerischen Tor frei spielen. Das war so schnell gespielt, dass die zur FCZ-Täuschung beim Zigi-Abstoss zurückstaffelnden Vallci und Diaby nicht rechtzeitig wieder aufrücken konnten. Okita hatte somit viel Platz und Zeit, um einmal mehr seine Weitschussqualitäten unter Beweis zu stellen. Sein unnachahmlicher scharfer Bogenschuss musste dabei nicht mal sonderlich platziert sein, um St. Gallen-Torhüter Zigi zu überwinden.

Der FCZ Ausgabe 23/24 zeichnet sich bisher durch Vielseitigkeit, Spielfreude, Mut, gute Laufwege, Kombinationen und Standards aus. Gegner St. Gallen versuchte daher gegnerische Standards möglichst zu verhindern. Der Stadtclub betrieb zudem gegen die Ostschweizer viel Pressing – mit Erfolg: Jonathan Okita erzielte gegen den FCSG bereits das vierte Pressing-Tor der noch jungen Saison. Defensiv war die Partie ein echter Härtetest, den von den Verteidigern und Mittelfeldspielern nur Cheick Condé und Fabio Daprelà bestanden. Letzterer ist aktuell eine Lebensversicherung, ohne die der Stadtklub nicht an der Tabellenspitze stehen würde. Kein Zufall, dass das einzige Gegentor (erstes Eckball-Gegentor der Saison) nur entstehen konnte, weil Daprelà gefoult wurde. Offensiv war der FCZ gegen St. Gallen etwas besser als defensiv – trotzdem fällt die Durchschnittsnote der Spieler mit 5,3 auf den bisherigen Saisontiefstwert. Dies obwohl die 1. Halbzeit gut war (Note: 6,2)! Der Leistungsabfall nach der Pause war dann aber eklatant – genau wie in Genf gegen Servette, wo am Ende ebenfalls ein Unentschieden nach zwischenzeitlicher Führung resultierte.

Mathew und Okita: schon drei Mal nach der Pause abgebaut – oder gar eingebrochen

Eine weitere Parallele war ein Weitschussführungstor (in Genf durch Mathew) etwas aus dem Nichts in einer eigentlich eher schlechten Phase des FCZ-Spiels. Diesen Leistungsabfall kann man konkret an zwei Spielern festmachen, die neben Servette und St. Gallen zusätzlich auch noch in der Begegnung mit Stade Lausanne-Ouchy immer nach dem Pausentee einbrachen: Ifeanyi Mathew und Jonathan Okita. Die Gründe für diese Muster sollten sicherlich vom FCZ-Trainerteam angeschaut werden. Sollen diese zwei früher ausgewechselt werden? Angesichts der Tore, zu denen beide in den letzten Partien in der 2. Halbzeit jeweils „aus dem Nichts“ beigetragen haben, eine schwierige Frage. Zumindest ab der 75. Minute scheint aber von beiden jeweils wirklich nichts mehr zu kommen. Ein Doppelwechsel von Krasniqi und Oko-Flex für Mathew und Okita zu diesem Zeitpunkt scheint sich also anzubieten. Negativ wirkten sich hingegen zwei der drei Einwechslungen gegen St. Gallen aus. Der sonst so zuverlässige Marc Hornschuh vermasselte seine wichtigste Aufgabe, als er beim 1:1-Ausgleich Gegenspieler Fabian Schubert aus den Augen verlor. Rodrigo Conceição wiederum konnte vom Gegner zu einfach überspielt werden und hat sich offensiv noch nicht an konsequente Laufarbeit verrichtende Super League-Defensiven wie diejenige St. Gallens gewöhnt. Boranijasevic und Okita wirkten insgesamt agiler als zuletzt – möglicherweise bedingt durch die neu erwachsende Konkurrenz durch Rodrigo Conceição und Armstrong Oko-Flex.

Personalien – Fabio Daprelà erstmals MVP

  • Fabian Rohner: Mit seiner Top-Weiterleitung per Hacke auf Afriyie hatte er die erste gute Aktion der Partie. Ihm wurden von Ref Dudic mehrmals saubere Tacklings als „Foul“ abgepfiffen.
  • Daniel Afriyie: Schlechter Start in die Partie, beisst sich dann aber rein und arbeitet viel für die Mannschaft. Nach Fabio Daprelà zweitbester FCZ-Spieler in einer als Team eher mässigen 2. Halbzeit.
  • Fabio Daprelà: Erstmals MVP, knapp vor Yanick Brecher – nach Servette und Lugano nun auch gegen St. Gallen der defensiv Beste. Er wächst gegen die guten Gegner am Widerstand.
  • Cheikh Condé: Letzte Saison war die offensive Phase seine Stärke – nun gegen St. Gallen wie schon in Lausanne offensiv ungenügend – defensiv aber wichtig.
  • Jonathan Okita: Der Mann für die speziellen Aktionen: viertes Saisontor, dazu nach Züri Live-Rechnung drei Assists. Baut in der 2. Halbzeit aber ab, versteckt sich zunehmend defensiv und stellt imaginäre Passwege zu, um Zweikämpfen aus dem Weg zu gehen.
  • Rodrigo Conceição: Nach Afriyie der dritte Spieler auf der Rohner-Position. Bleibt immer wieder hängen, kann Bewegungen der Gegner nicht gut lesen, defensiv von geringer Nützlichkeit.

Yanick Brecher ist aktuell möglicherweise in der besten Form seiner bisherigen Karriere. Er ist eine wichtige Stütze der Mannschaft. Offensiv ist er schon länger der wohl beste Torhüter der Super League, diese Saison sind zudem seine Defensivstatistiken wieder deutlich besser als letzte Saison. Neben Brecher sind von den regelmässig eingesetzten Spielern leistungsmässig Nikola Boranijasevic und Antonio Marchesano die Stützen der Mannschaft. Ivan Santini, Daniel Afriyie und Nikola Katic (letzterer von sehr tiefem Niveau aus) haben sich im Vergleich zur letzten Saison bisher stark gesteigert. Obwohl Condé und Mathew sich im Zentrum als Duo immer besser verstehen, haben beide individuell ihre Form der letzten Saison noch nicht erreicht. Trotz guter Tabellenlage gibt es mehr Spieler (10), die im Vergleich zur letzten Saison schlechter spielen, als besser (8). Donis Avdijaj scheint aufgrund seiner Leistungen erster Kandidat für eine Leihe oder gar einen definitiven Abgang zu sein. Selmin Hodza oder Miguel Reichmuth könnten unter Umständen in die Challenge League verliehen werden.

Randnotiz: Knappe und falsche VAR-Entscheidung

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Der FCZ empfängt mit dem FC St. Gallen einen Gegner auf Augenhöhe im Letzigrund. Unter dem Strich sind die bisherigen Saisonleistungen der Ostschweizer leicht besser einzustufen, als die des FCZ. Zwar hat das Team von Coach Peter Zeidler als Viertplatzierter drei Punkte weniger auf sein Konto gebracht, dies allerdings gegen stärker einzustufende Gegner. Sowohl St. Gallen wie auch der FCZ haben bereits gegen die Europacup-Teilnehmer Lugano und Servette gespielt, St. Gallen allerdings zusätzlich noch gegen den FCB und Luzern – während der FCZ auf die Aufsteiger Yverdon und Stade Lausanne-Ouchy traf. St. Gallen hat zudem vor allem von allen Super League-Teams in den vier Runden am meisten Erwartete Tore (7,31) und am wenigsten Erwartete Gegentore (3,31) in der Bilanz und steht daher einzig und allein aufgrund fehlender Effizienz (vorne und hinten) nicht auf Platz 1.

Wenn Schubert kommt, ändert die Taktik

Die wichtigsten Grundprinzipien des St. Galler Spiels sind zwar immer noch dieselben, es wird aber trotzdem immer wieder an der Spielweise gewerkelt – diese Saison so stark wie schon lange nicht mehr. So spielen die Ostschweizer neu mit den zwei grossgewachsenen Innenverteidigern Diaby und Vallci. Vor allem Letzterer zusammen mit den ebenfalls vermehrt grossgewachsenen Stürmern sorgt für deutlich mehr Torgefahr bei Offensivstandards, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen war. Sowohl offensiv wie defensiv deckt St. Gallen die Breite viel stärker ab, als in der Vergangenheit. Die Ostschweizer finden so mit ihrer direkten Spielweise durchs Zentrum mehr Lücken – allerdings gilt dasselbe beim Umschaltspiel auch für die Gegner. Mit der Rückkehr von Fazliji von St. Pauli ist der in den letzten Jahren konsequent die Sechserposition haltende Jordi Quintilla im Zentrum tendenziell weiter vorne anzutreffen. Einer der Schwachpunkte der Grünweissen ist, dass Lukas Görtler beim Umschalten in die Defensive häufig etwas zu lange braucht. Wenn Coach Zeidler in der 2. Halbzeit die Offensive verstärken will, wechselt er Fabian Schubert für Betim Fazliji ein. Der FCSG spielt dann wieder wie in der letzten Saison mit Quintilla als Sechser, Görtler und Witzig als eingerückte Achter und Schubert auf der Zehnerposition hinter den beiden Spitzen.

Beim FCZ wird wohl der gegen Red Star gesperrte Okita in die Startformation zurückkehren. Es stellt sich vorne die Frage, ob vorne wieder Rohner und Afriyie auflaufen – oder ob einer der erfahrenen Marchesano / Santini von Beginn weg ran darf. Steht zudem nach dem guten Auftritt gegen Red Star Miguel Reichmuth im Kader? Kommt Conceiçâo von der Ersatzbank – oder startet der Portugiese von Beginn? Und kommt Armstrong Oko-Flex zu seinem Début im FCZ-Dress?

Liga-Vorschau: Das sind die 12 Teams der Super League 23/24 – Teil 4: Schlafender Riese, Facelift und Revival

Lausanne-Sport – Der schlafende Riese

Lausanne-Sport ist zwar Aufsteiger, aber kein gewöhnlicher. Beim Abstieg vor Jahresfrist konnte das Gerüst zusammengehalten werden. Und ein Jahr später nach dem Wiederaufstieg ist der Kader noch beeindruckender geworden. In Bezug auf die Qualität der Einzelspieler liegt Lausanne-Sport in den Top 5, wenn nicht sogar Top 3 der Liga! Die Frage ist, ob die Waadtländer dies dann auch als Team auf den Platz bringen. In der Challenge League-Saison haben sie in Sachen Mannschaftskohäsion nicht immer überzeugt. Speziell das Sturmbataillon macht Eindruck. Martinique-Nationalstürmer Brighton Labeau mit seinen 35 Toren in den letzten zwei Challenge League-Saisons wäre selbst für YB oder den FCB bei allfälligem Interesse schwierig zu finanzieren. Der von Feyenoord gekaufte senegalesische Flügel Aliou Baldé zeigte sich in der Rückrunde noch etwas zwingender und vielversprechender als der nun von Luzern verpflichtete Teddy Okou von Stade Lausanne-Ouchy. Kaly Sène hat schon bewiesen, dass er in der Super League ein 10+ Tore-Stürmer sein kann. Der physisch starke und gleichzeitig sehr spielintelligente Trae Coyle aus dem Arsenal-Nachwuchs war schon in seiner ersten Super League-Saison 21/22 einer der Besten seines Teams. Der rumänische U21-Nationalstürmer Rares Ilie ist mit einem 2,5 Mio-Marktwert von Nizza ausgeliehen. Und fürs Abwehrzentrum hat man mit Noë Dussene den Captain des belgischen Spitzenteams Standard de Liège verpflichtet! Im Mittelfeldzentrum konnte man den ehemaligen französischen U21-Nationalspieler Antoine Bernede fix an den Lac Léman transferieren. Er hat immerhin 66 Partien mit Europas Top-Talententwickler RB Salzburg auf dem Buckel. Die taktische Formation des Magnin-Teams tendiert mit den vielen guten Flügelstürmern im Kader auf ein 4-3-3 hin.

FC Lugano – Das Facelift

Mit Fabio Daprelà und Mickaël Facchinetti sind zwei weitere „Haudegen“ gegangen. Von diesem Typ Spieler sind jetzt nur noch der verletzte Lukas Mai und Kreshnik Hajrizi da. Lugano unterzieht seine Mannschaft einem kontinuierlichen Facelift. Sie wird Schritt für Schritt jünger, schneller und technisch sauberer. Die Tessiner sind nun nicht mehr das älteste Super League-Team, wie noch vor kurzem, sondern altersmässig mittlerweile im Mittelfeld der Liga anzusiedeln. Speziell die Hintermannschaft mit dem U23 Afrika Cup-Sieger Ayman El Wafi ist relativ jung. Im Mittelfeld hat Neo-Nationalspieler Uran Bislimi seinen Platz nicht auf sicher. Lugano-Coach Croci-Torti ist bekannt dafür, seine taktische Formation häufig zu wechseln, aber aufgrund der vielen guten Zentralen Mittelfeldspieler und Flügel bietet sich für ihn wie für einige andere Super League-Mannschaften ein 4-3-3 am meisten an, wobei sich „Freigeist“ Mattia Bottani, wenn er auf dem Platz ist, häufig nicht auf eine klare Position festlegen lässt.

Servette FC – Das Revival

„Oh Mama, Mama, Mama, weisst du warum mein Herz granatrot ist? Ich habe Servette spielen sehen, und Mama, ich habe mich verliebt!“. Diese Story aus einem Servette Fan-Chant muss letzte Saison in Genf einigen Menschen passiert sein, denn der Zuschauerschnitt in La Praille war in der vierten Saison nach dem Wiederaufstieg mit 8’400 so hoch wie seit der Saison 11/12 nicht mehr. Trotzdem bräuchte es noch einige weitere Euphorie-Schübe, damit ein Titel des Servette FC auf den Strassen von Genf solche Emotionen freisetzen könnte wie der portugiesische Meistertitel von Benfica am 27. Mai dieses Jahres. Alain Geiger wurde nach fünf Jahren und 199 Partien durch den 13 Jahre jüngeren René Weiler ersetzt. Der in der Rolle als Fussballtrainer weitgereiste Winterthurer (Deutschland, Belgien, Ägypten, Japan) bringt ebenfalls eine Servette-Vergangenheit als Spieler mit. Weiler soll unter anderem den eigenen Nachwuchs mehr forcieren, als Geiger dies getan hatte. Zur Ehrenrettung Geigers muss gesagt werden, dass er das phasenweise durchaus ausgesprochene Vertrauen an junge Spieler häufig nicht zurückbezahlt erhalten hat. Im Genfer Nachwuchs gibt es zwar viel Talent, die Bodenhaftung fehlt aber vielen dieser Jungs. Der FCZ hat im letzten Jahrzehnt mit Talenten aus Genf diesbezüglich auch eher negative Erfahrungen gemacht. Die Transfers sind gute Ergänzungen des bereits bestehenden Kaders – ausgefallene oder spektakuläre Zuzüge wie bei Sion oder Lausanne-Sport sucht man in der Calvinstadt vergebens. Der 18-jährige dänische Flügel Alexander Lyng könnte ein interessanter „Fang“ sein. Ansonsten spielt in Genf wie am anderen Ende der Intercity 1-Linie in St. Gallen der Nostalgiefaktor diesen Sommer eine nicht unwesentliche Rolle – mit der Rückkehr von gleich zwei Ehemaligen: Jérémy Guillemenot und Gaël Ondoua. René Weiler hat sich als Verfechter des 4-4-2 oder 4-2-3-1 erwiesen und es sieht danach aus, dass er dies auch in Genf umsetzen wird. Unter Alain Geiger stand Servette wie kein anderes Schweizer Team konstant für den konstruktiven Fussball im 4-3-3. Dieses System war optimal auf den langjährigen offensiven Leistungsträger Miroslav Stevanovic zugeschnitten. Nicht nur fussballtaktisch, sondern auch von der Mentalität her ist fraglich, ob Stevanovic und Weiler zusammenpassen. Der bosnische Rechte Flügel könnte somit neben Alain Geiger zum grössten Verlierer des Trainerwechsels werden. Der aktuell wohl beste Super League-Stürmer Chris Bédia könnte hingegen eher davon profitieren.

LIGA-VORSCHAU: DAS SIND DIE 12 TEAMS DER SUPER LEAGUE 23/24 – TEIL 1: ABENDSCHULE, DREIFELDERWIRTSCHAFT UND KRÖSUS
LIGA-VORSCHAU: DAS SIND DIE 12 TEAMS DER SUPER LEAGUE 23/24 – TEIL 2: MUSTERSCHÜLER, ÜBERRASCHUNGSGAST UND NOUVEAU RICHE
LIGA-VORSCHAU: DAS SIND DIE 12 TEAMS DER SUPER LEAGUE 23/24 – TEIL 3: ALTERNDER ROCKSTAR, SANDMÄNNCHEN UND JUNGBRUNNEN

Liga-Vorschau: Das sind die 12 Teams der Super League 23/24 – Teil 3: Alternder Rockstar, Sandmännchen und Jungbrunnen

Grasshopper Club – Der alternde Rockstar

Leben von Nostalgie. Das aktuelle GC gleicht in vielerlei Beziehungen einem alternden Rockstar. Er profitiert immer noch etwas vom Namen, kann den ein oder anderen Gig in der Provinz spielen. Historische Rückblenden rücken ns Zentrum der Diskussionen. Und es findet sich immer wieder mal ein ehemaliges Bandmitglied, das einem unter die Arme greift. Sportchef Bernt Haas und Trainer Bruno Berner waren jung, als GC noch top war in der Schweiz – und ansatzweise sogar in Europa. Mit viel Enthusiasmus wollen sie ihren Beitrag leisten, dass GC wieder den Weg an die nationale Spitze findet. Der Enthusiasmus ist auch bitter nötig, denn mit dem aktuell kurz vor Meisterschaftsstart zur Verfügung stehenden Rumpfkader und geringen finanziellen Mitteln gehören die Hoppers ohne Zweifel zusammen mit Yverdon-Sport zu den ersten Abstiegskandidaten. Und sollten die chinesischen Besitzer auf die Idee kommen, den Klub zu verkaufen, ist es unwahrscheinlich, dass die nächsten Besitzer sich im gleichen Umfang engagieren werden. Letzte Saison hat bei den Zürchern im Team ganz offensichtlich alles gepasst. Der Teamgeist war gut und ebenso die Effizienz. Trainerfuchs Giorgio Contini wusste genau, auf welche Art und Weise man keine Gelegenheit auslässt, wie ein Eichhörnchen Punkte zu sammeln, die einem vom Gegner auf dem Serviertablett präsentiert werden. GC war stark bei Standards und Konterangriffen. Und man hatte mit Hayao Kawabe, Bendeguz Bolla, André Moreira und Dominik Schmid ein Quartett mit gehobener Qualität, welches aus einem Abstiegskandidaten sogar fast einen Europacupteilnehmer gemacht hat. Diese Leistungsträger sind nun alle weg. Dafür sind zwei Leihspieler von Wolverhampton Wanderers und die verletzungsanfälligen Pascal Schürpf und Michael Kempter gekommen. Mit welcher Formation Bruno Berner zum Auftakt gegen Servette beginnen wird, ist schwierig vorauszusagen. Es wird sicherlich der ein oder andere U21-Spieler auf dem Matchblatt aufgeführt sein. Mit Müh und Not wird Berner eine Viererabwehr zusammenbekommen, im Zentrum ist das Duo Abrashi / Ndenge wohl gesetzt und auf den restlichen Positionen gruppieren sich die anderen verfügbaren Spieler.

FC St. Gallen – Das Sandmännchen

Warum ist St. Gallen das Sandmännchen? Ist die Spielweise zum Einschlafen? Nein, im Gegenteil. Das Sandmännchen gilt als die weltweit längste TV-Serie. Die FCSG-Saga hat ebenfalls einen hohen Wiedererkennungswert. Sie startet Saison für Saison immer wieder mit denselben Figuren und der (fast) gleichen Story. Peter Zeidler beispielsweise darf nicht fehlen – er ist der mit Abstand dienstälteste Super League-Coach. Selbst bei den Akteuren auf dem Rasen gibt es Wiedervereinigungen wie in einer Soap Opera – so die Heimkehr Betim Fazlijis, der nach einem Jahr unter Seemännern und Piraten am Hamburger Hafen wieder zurück in der Ostschweiz ist. Jahrelang hatte St. Gallen die wohl kleinste Abwehr der Liga. Nun hat man trotz dem Abgang von Matej Maglica in die Bundesliga (Darmstadt) sich in der Abwehrreihe mit Körpergrösse und Physis verstärkt. Bei Standards wird dies dem FCSG vermutlich zugute kommen. Die Frage ist, ob mit den grossgewachsenen Verteidigern die Antrittsschnelligkeit noch gross genug ist, um die durch das St. Galler Pressing provozierten langen Bälle der Gegner frühzeitig abzulaufen. Aufgrund der grösseren Breite in der Hintermannschaft könnte Rückkehrer Fazliji im Mittelfeld zum Zug kommen. Vorne ist das Schicksal von Leihspieler Latte Lath noch nicht definitiv geklärt, tendenziell wird seine Zukunft aber eher nicht in der Ostschweiz liegen. Fabian Schubert konnte wieder die Vorbereitung mitmachen und kann nach seinem letztjährigen Schien- und Wadenbeinbruch wie ein Neuzugang gesehen werden. Peter Zeidler ist ständig dran, an Details der St. Galler Spielweise zu feilen – speziell in der letzten Saison war dies der Fall – und die Transfers deuten auf weitere Anpassungen hin. Die taktische Formation wird aber weiterhin vorwiegend der St. Galler Rhombus sein. In den Testspielen hat St. Gallen von allen Super League-isten mit einem 6:1-Sieg gegen Villarreal im Kybunpark für das herausragendste Resultat gesorgt.

FC Luzern – Der Jungbrunnen

Der FC Luzern hat mittlerweile ähnlich viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der 1. Mannschaft wie der FC Zürich. Mario Frick ist ein Trainer, der den Jungbrunnen der Innerschweiz nutzt und integriert. Ebenso positiv zu werten ist die klare Haltung in der Causa Ardon Jashari. Die Attraktivität des FCL für junge Talente wird durch Beispiele von Transfers direkt aus Luzern in eine Topliga stark gesteigert. Ganz abgesehen davon, dass auf diese Weise zusätzlich grössere Transfereinnahmen generiert werden können. Der Transfer von Ruben Vargas vor vier Jahren nach Augsburg war dafür ein Beispiel. Darian Males hingegen nicht, denn er spielte bei Inter im Serie A-Team keine Rolle. Es tut auch der Liga insgesamt sehr gut, wenn Klubs wie Luzern, Servette, Lugano, Lausanne-Sport, St. Gallen oder der FCZ ihre besten Spieler so lange wie möglich halten können und diese dann in eine Topliga wechseln – nicht liga-intern. Beim FCZ beispielsweise sind die positiven Auswirkungen des Gnonto-Wechsels direkt zu Leeds United im Juniorenbereich schnell zu spüren gewesen. Der FCL gilt zudem als Transfer-Sieger des Sommers. Auch wenn der Fokus dieser Einschätzung dabei auf den Stürmern liegt, ist das Team von Mario Frick vor allem in Mittelfeld und Viererabwehr breiter aufgestellt. Auf den Aussenverteidigerpositionen gibt es einen so harten Konkurrenzkampf, dass der vielversprechende Ruben Dantas nach Wil ausgeliehen werden musste. Im Mittelfeld wird Pius Dorn eine noch wichtigere Rolle einnehmen, Max Meyer könnte die Captain-Binde beflügeln und der während der letzten Saison verletzt gewesene technisch starke Jakub Kadak ist faktisch ein weiterer Neuzugang. Der spielintelligente Noah Rupp weckt zudem Hoffnungen. Der Jungbrunnen wird auf jeden Fall nicht so schnell austrocknen – auch die letztjährige Ausgabe der U16-Junioren hat den Schweizer Meistertitel geholt.

LIGA-VORSCHAU: DAS SIND DIE 12 TEAMS DER SUPER LEAGUE 23/24 – TEIL 1: ABENDSCHULE, DREIFELDERWIRTSCHAFT UND KRÖSUS
LIGA-VORSCHAU: DAS SIND DIE 12 TEAMS DER SUPER LEAGUE 23/24 – TEIL 2: MUSTERSCHÜLER, ÜBERRASCHUNGSGAST UND NOUVEAU RICHE
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