21 Abschlüsse: in der ganzen Meistersaison hatte der FCZ nur zwei Mal (jeweils gegen Luzern) das gegnerische Tor häufiger ins Visier genommen. Neun Abschlüsse aufs Tor: mehr gabs im ganzen Meisterjahr in der Liga nie – nur in der 1. Runde des Schweizer Cups in Solothurn, als zehn von 16 Bällen im Netz landeten. Von der 30. Minute bis zum Spielende befand sich der FCZ in St. Gallen zu 60-70% in Ballbesitz. St.Gallen-Keeper Zigi stellte einen neuen persönlichen Rekord an gehaltenen Schüssen auf. Erstaunlich ebenfalls: der FCZ machte mehr Pressing als St. Gallen. Das letzte Mal, als das Letzigrund-Team solche Pressingwerte erreicht hat, war im April beim 2:1-Heimsieg gegen YB. 17 Minuten plus Nachspielzeit war der FCZ in St. Gallen in Überzahl und in den letzten Jahren hat das Team kaum mal eine Überzahl spielerisch so gut ausnutzen können wie diesmal. Es war basierend auf den Züri Live-Noten insgesamt die beste Liga-Offensivleistung der noch jungen Saison und die 2. Halbzeit die beste Liga-Halbzeit.

Qualität und Schnelligkeit der Entscheidungen der Stürmer am Ball mangelhaft

Der in einem 4-2-3-1 auf der Zehnerposition eingesetzte Bledian Krasniqi erfreute die Fussballliebhaber sowohl mit viel Kampfgeist, als auch kunstvollen Pässen und schwindelerregenden Dribblings. Jonathan Okita klebte der Ball selbst in grosser Bedrängnis so am rechten Fuss, als sei er dort mit Sekundenkleber angebracht worden. Nikola Boranijasevics Flanken waren auch in der Vergangenheit gut, zur Zeit sind sie aber schlichtweg phänomenal – und das immer. Im fünften Wettbewerbsspiel der Saison war der FCZ zum vierten Mal nach „Expected Goals“ besser als der Gegner. Warum verliert man dann 0:2 in St. Gallen?

Die Gründe dafür sind sowohl ganz hinten, als auch ganz vorne zu suchen. Das in der Ostschweiz neu aufgestellte Innenverteidigerduo Omeragic / Mets spielte defensiv einen schlechten Match (Omeragic: Defensiv-Note 1, Mets: Defensiv-Note 2 – siehe Match Performance-Grafik). Nicht nur bei den beiden Gegentoren kamen sie einen Schritt zu spät. Omeragic hat ausserdem seine Schwäche in der Luft während seiner Verletzungspause natürlich nicht ausmerzen können – was es ihm in Zukunft erschweren wird, sich auf der Innenverteidigerposition in einer Top-Liga durchzusetzen. Mit Ball spielten Omeragic und Mets hingegen gut. Bei den Stürmern war es umgekehrt. Sie arbeiteten defensiv ordentlich mit, offensiv gelang hingegen gemessen an den vielen hervorragend aufgelegten Bällen von Krasniqi, Boranijasevic und Co. wenig (Gnonto, Okita) bis nichts (Tosin). An erster Stelle auf der Mängelliste steht bei allen Dreien die Qualität und Schnelligkeit der Entscheidungen am Ball. Die eingewechselten Santini und Gogia waren auch keine Hilfe, sondern sogar noch mehr enttäuschend, als die Starter.

St. Gallen gewinnt, obwohl Konzept nicht aufgegangen ist

Positiv zu vermerken ist hingegen, dass die eher wacklig in die Saison gestarteten Brecher und Marchesano wieder besser in Fahrt kommen. Zwei der drei „Captains“ sind damit wieder an Bord. Auch Routinier Aliti steigert sich von Spiel zu Spiel. Seiler hatte von letzter Saison gute Erinnerungen an St. Gallen und machte auch diesmal einen guten Match, eroberte mit seiner Explosivität in heiklen Situationen einige wichtige Bälle zurück. Aufgrund der taktischen Marschroute war die Aufgabe für Seiler nicht einfach. Im eigenen Platzdrittel staffelte bei gegnerischem Ballbesitz Mittelfeldspieler Marc Hornschuh zurück und machte aus der Vierer- eine Fünferabwehrreihe. Seiler und Krasniqi sahen sich so im Mittelfeldzentrum konstant einer St. Galler Überzahl gegenüber. Der eingewechselte Cheick Condé war offensiv der beste Zürcher, sogar noch knapp vor Krasniqi. Neben Condé und Krasniqi erzielten auch Marchesano und Boranijasevic die Offensiv-Note „10“.

St. Gallen kehrt zum Start dieser Saison wieder zum alten Matchplan zurück: Energieeinsatz über dem Limit in den ersten 20-30 Minuten – und danach die aus grünweisser Sicht hoffentliche Führung mit defensiver Stabilität und schnellen Kontern über die Runden bringen. Das hat gleich aus zweifacher Sicht gegen den FCZ eigentlich nicht funktioniert. Erstens hatte das Team von Franco Foda mit guten Kontern in den ersten 15 Minuten ein Chancenplus, und zweitens kam der FCSG in der langen Druckphase der Zürcher von der 30. Minute bis zum Schlusspfiff zu deutlich weniger Konterchancen, als erhofft. Schon lange vor der Roten Karte gegen Isaac Schmidt in der 73. Minute waren die Energiereserven St. Gallens aufgebraucht und es spielte praktisch nur noch der FCZ. Trotzdem reichte es den Grünweissen zum Sieg.

Gegenspieler stossen, reissen, werfen – anything goes

Seit langer Zeit gibt es wieder einmal eine einseitige Spielleitung zu bemängeln. Die St. Galler konnten mit den Händen die Gegenspieler stossen, reissen oder gar wie Guindo den leichtgewichtigeren Gnonto mit beiden Händen am Trikot wortwörtlich vom Platz werfen, wie einen Kehrichtsack in die Tonne. Nichts davon wurde abgepfiffen. Und dies teilweise in wichtigen Umschaltsituationen. Auch Hohes Bein wurde von Ref Fähndrich nie geahndet. In der Platzverweisszene (Schmidt vs. Gnonto) musste erst der VAR eingreifen – Fähndrich hatte auch kein Gelb gegeben. Umgekehrt erhielten die Grünweissen Freistösse nach einwandfreien Laufduellen Körper an Körper.



Der FCZ verliert gegen einen starken FC St. Gallen in der Höhe sicherlich etwas zu hoch aber trotzdem sehr verdient mit 0:3. Es war etwas eine Revanche des Duells im Kybunpark im Dezember 2019, als der FCZ den Ostchweizern die Wintermeisterschaft vermasselte. Dies war auch eines von nur drei in der dbfcz erfassten Duelle in der Historie der beiden Klubs, welche mehr Zuschauer anzogen, als die animierte Rückrundenspitzenpartie des Samstags.

  • 19’000 in der angesprochenen Partie am 14.12.2019, als der FCZ den Gegner 3:1 auskonterte und vom 1. Platz stiess – ein aus FCZ-Sicht damals versöhnliches Vorrundenende eines Steigerungslaufs auf den 4. Platz nach einem Fehlstart in die Saison.
  • 17’500 am 16.05.2016 (davon rund 3’000 FCZ-Anhänger) – Abstiegskampf in Reinkultur. Der FCZ hatte die ganze Saison im Tabellenkeller zugebracht, St. Gallen fiel im Verlauf der Rückrunde zurück und wäre mit einer Niederlage in dieser Partie noch in grosse Abstiegsgefahr geraten (nur noch zwei Punkte Vorsprung zwei Runden vor Schluss). St. Gallen war bis in die Haarspitzen motiviert und gewann 3:0, einzelne Grünweisse wie Mario Mutsch spielten das Spiel ihres Lebens. Der FCZ wechselte den Trainer (Forte für Hyypiä), die Taktik und die Startformation – und trat lamentabel auf.
  • 19’500 am 25.10.2009 – 3:1-Auswärtssieg im damals AFG Arena genannten Stadion ein paar Tage nach dem Champions League-Heimspiel gegen Olympique Marseille.

Für Heimspiele gegen St. Gallen sind die 17’300 Fans vom Samstag klarer Rekord. Die bisher höchste Heimzuschauerzahl gegen den FCSG gemäss dbfcz waren 13’600 im Hardturm am 10.08.2007.

Spielanalyse

Die Gesamtleistung des FCZ war trotz des 0:3 ordentlich bis gut. Aber das reichte gegen diesen FCSG nicht. Auch weil die Partie diesmal nicht für den FCZ lief. Die personelle Konstanz und das Selbstvertrauen sind Faktoren, die dem FC Zürich helfen und das wird weiter so bleiben. Was waren daher die Hauptfaktoren, welche am Samstag den Unterschied machten?

  • Der FCZ hat zwar personell diese Saison eine hohe Konstanz entwickelt, die Spielweise aber im Verlauf der Saison sukzessive verändert. Mittlerweile spielt man einen ähnlichen Fussball wie St. Gallen. Allerdings tut man dies bisher mit relativ einfachen Mitteln. Die Ostschweizer hingegen haben über die letzten Jahre viel an taktischen Spielformen, Automatismen und Prinzipien gearbeitet und agieren dadurch deutlich variabler und in den Details zwingender.
  • Dank den Wintertransfers hat der FCSG wieder die Qualität im Kader, um seine Spielweise auf Super League-Niveau durchsetzen zu können.
  • Der taktisch prinzipientreue Trainer Peter Zeidler hat sich zuletzt in mehreren Bereichen zunehmend Kompromissen geöffnet wie es scheint: zum Beispiel mit der Verpflichtung von Matej Maglica, dem vermehrten Zulassen von Rückpässen oder der Rückkehr zur 4-3-3 Formation.
  • Die (sprint-)intensive Spielweise, die mittlerweile beide Mannschaften betreiben, begünstigt junge Mannschaften. Das Durchschnittsalter der St. Galler Startformation im Letzigrund war mehr als drei Jahre jünger.
  • Vor drei Wochen hatte der FCZ in Sion die ersten Punktverluste der Rückrunde erlitten. Auffällig: sowohl in Sion als auch gegen St. Gallen waren die beiden Starter Dzemaili und Tosin überfordert. Zwar spielt Sion nicht genau gleich wie St. Gallen, aber in beiden Partien gabs über weite Strecken wenig Zeit und Raum für die ballführenden Spieler. In solchen Spielen sind Dzemaili und Tosin bezüglich Handlungs-, Bewegungs- und Antrittschnelligkeit sowie Technik unter Druck zu langsam. Dazwischen in den Partien gegen Basel, Luzern und Lausanne waren Dzemaili (2x) und Tosin (3x) hingegen jeweils mindestens ordentlich.
  • Mit einer Top-Einstellung kann man in jedes Spiel steigen, aber in manchen Partien ist es möglich, aufgrund der Konstellation mental noch eine extra Schippe draufzulegen. Für den FCZ war das Heimspiel gegen Basel so eine Partie, für St. Gallen nun die Auswärtspartie beim Leader Zürich.
  • Beim Duell FCZ – St. Gallen gibt es häufig Standardtreffer. Zürich hat diese Saison zwei seiner sechs Liga-Eckballtore gegen die Grün-Weissen erzielt. Diesmal war St. Gallen wieder dran – mit dem bereits dritten Tor gegen den FC Zürich nach einem Eckball – im dritten Duell 21/22. Ausser gegen das Zeidler-Team hat der FCZ diese Saison nur gegen GC (2x) Eckballgegentreffer erhalten.
  • Beim 0:3 am Samstag bleibt der FC Zürich erst zum zweiten Mal in der 29. Wettbewerbspartie der Saison 21/22 ohne Treffer. Von einem Sturmproblem zu sprechen wäre daher übertrieben, zumal Ceesay und Coric auch noch zwei Offsidetore erzielten (ersteres wohl zu Unrecht aberkannt). Trotzdem ist die Situation in der vordersten Reihe nicht ganz so komfortabel wie viele Beobachter zur Winterpause gedacht haben. Zwar hat Ceesay sofort nach dem Afrika-Cup geliefert, aktuell fehlt ihm aber ein klein bisschen etwas von seiner bisherigen Zielstrebigkeit. Zuversicht ist aber durchaus angebracht. Tosin hingegen zeigt schwankende Leistungen und Kramer ist trotz einer herausragenden Punktebilanz in dieser Saison noch nicht richtig angekommen. Der formstarke Gnonto wiederum wird nur als Joker eingesetzt.

Performance & Stats

Notizen

  • Becir Omeragic ist erstmals in dieser Saison MVP: der Nationalspieler agiert viel aufmerksamer als sonst. Es ist endlich wieder mal eine Partie, in welcher er seine Spielintelligenz voll ausspielen kann. Anspruchsvolle Aufgaben wie gegen St. Gallen tun ihm gut. Es ist kein Zufall, dass besonders junge Spieler wie Gnonto und Omeragic bei Tempofussball aufblühen. Nur bei gegnerischen Eckbällen war Omeragic gegen Stergiou weiterhin etwas zu wenig fokussiert.
  • Da die Gegner vermehrt ein spezielles Augenmerk auf Antonio Marchesano richten, hat sich in den letzten Partien Nikola Boranijasevic zum Mann für die “tödlichen“ Pässe in die Tiefe entwickelt. Auch Ousmane Doumbia tritt zunehmend als Spielgestalter auf. Zudem ist Boranijasevic bei Ballverlusten genauso wie Adrian Guerrero unverzichtbar als Unterstützung für das in der Rückwärtsbewegung etwas langsame Zürcher Mittelfeldzentrum. Die beiden hochproduktiven Aussenläufer kümmern sich einfach um alles…
  • Blerim Dzemaili sieht in den Spielphasen, in welchen St. Gallen eine hohe Intensität auf den Platz bringt, kein Land. Er vergibt zudem mehrere ausgezeichnete Konterchancen mit Fehlpässen. Immer wenn er den entscheidenden Pass oder Abschluss anbringen sollte, scheinen seine Beine zu zittern wie bei einem ängstlichen Junior. Dies ist aber nicht ganz eine akkurate Beschreibung des Problems. Tatsächlich hat Dzemaili sich im Höhepunkt seiner Karriere spezielle Pass- und Schusstechniken angeeignet, die für den Gegner schwierig zu verteidigen waren. Diese Pass- und Schusstechniken, häufig in Rücklage, erforderten aber ein an die menschliche Leistungsgrenze reichendes Höchstmass an Schnellkraft und Koordination, welche Dzemaili in diesem Ausmass heute nicht mehr zur Verfügung hat. Wenn er weiterhin mit dem Kopf gegen die Wand rennt und genauso zu spielen versucht wie in seiner Peak-Zeit, wird das den FCZ weitere Punkte kosten und sein Ärger und übertriebenes Lamentieren die Schiedsrichter negativ beeinflussen. Demut, Realismus und einfacher spielen heisst das Gebot der Stunde. Den Ball zu stoppen und einen einfachen, graden Fünfmeter-Innenristpass zu spielen, bricht niemandem einen Zacken aus der Krone. Und gegen intensiv pressende Gegner sollte er vielleicht besser ganz die Jungen (beispielsweise Stephan Seiler) ranlassen.
  • Aiyegun Tosin denkt in vielen Aktionen nicht proaktiv mit, sondern wartet erstmal ab, was passiert. Speziell gegen Gegner wie St. Gallen kann man sich dies nicht erlauben. Der Reaktionsmodus ist keine Option, zumal Tosin gegen Super League-Verteidiger regelmässig die Mehrheit der Laufduelle verliert. Zudem geriert sich der Nigerianer bei Umschaltsituationen zu wenig handlungsschnell und läuft / spielt vorzugsweise nach aussen, anstatt direkt die Tiefe zu suchen – was es dem Gegner erlaubt, sich zu formieren.
  • Fabian Rohner ist mit Ball in der Vorwärtsbewegung zusammen mit Assan Ceesay wohl der schnellste Spieler der Super League, ausserdem stark im Abschluss. Defensiv fehlt aber weiterhin der “Mörtel“, um die rechte Seite zumindest ein bisschen zuzumauern. Deshalb stellte sich schon vor der Saison die Frage, ob die Position als Rechter Aussenläufer wirklich die optimale für ihn ist, auch wenn der Raum auf der Seite ihm entgegenkommt. Raum kann man aber auch hinter der Abwehr finden. In der Sommervorbereitung hatte Rohner als Sturmspitze und hängende Spitze gute Ansätze gezeigt. Man könnte ihn als Ersatz von Assan Ceesay sehen – einfach mit dem Unterschied, dass die Option von häufigen ersten Hohen Bällen in Rohners Fall weniger Sinn macht.
  • Wilfried Gnonto in neuer Rolle: nach der Einwechslung von Blaz Kramer für Ousmane Doumbia rückte wie üblich Blerim Dzemaili auf Doumbias Sechserposition zurück – nicht wie üblich hingegen agierte Gnonto fortan auf Dzemailis Achterposition im Zentralen Mittelfeld, verteilte Bälle und riss mit seinem Engagement und seiner Beweglichkeit Löcher beim Gegner auf.

Szenen

Telegramm

FCZ – St. Gallen 0:3 (0:2)
Tore: 7. Maglica (Ruiz) 0:1, 34. Von Moos (Schmidt) 0:2, 89. Lungoyi (Schubert) 0:3.
FCZ – Brecher; Omeragic, Kryeziu, Aliti; Boranijasevic (64. Rohner), Doumbia (78. Kramer), Dzemaili, Guerrero (78. Khelifi); Marchesano (52. Coric); Tosin (64. Gnonto), Ceesay.
St. Gallen – Zigi; Cabral, Stergiou, Maglica, Schmidt; Quintilla; Görtler (90.+1 Stillhart), Ruiz (82. Jankewitz); Von Moos (72. Lungoyi), Duah (72. Schubert), Guillemenot (72. Toma).

(Standbilder: blue)



Talabidi, Wetz, Okoh – Physis und Talent für die Hinterreihe

Mehr Qualität als defensiver Leistungsträger würde hingegen der eine oder andere im Ausland engagierte Schweizer Spieler mitbringen. An erster Stelle sollte diesbezüglich das grosse Schweizer Talent Bryan Okoh (18) genannt werden, von dem erwartet werden kann, dass ihn Salzburg kommende Saison ausleihen möchte – warum nicht zum FCZ, statt wie Adamu letzte Saison nach St. Gallen? Der ehemalige FCZ-Junior Martin Angha (27) hat sich bei Fortuna Sittard in der abgelaufenen Saison gut entwickelt und ist erstmals in seiner Karriere zu einem echten Leistungsträger gereift. Allerdings wird ihn genau dies wohl einen Wechsel ausschliessen lassen, jetzt wo er sich endlich mal richtig etablieren konnte – zumal sein Vertrag erst im März um ein weiteres Jahr verlängert worden ist. Auch Allrounder Simone Grippo (32) schaut auf eine persönlich gute Saison bei Real Oviedo in der LaLiga2 zurück und wäre in seiner aktuellen Verfassung in der Lage, bei einem Super League-Klub eine defensive Führungsrolle einzunehmen. Der Zeitpunkt für eine Rückkehr in die höchste Schweizer Liga wäre auch ideal. Gaetano Berardi (32, Leeds United) ist eher der Typ erfahrener Ergänzungsspieler und möchte wahrscheinlich noch nicht aus England wegziehen. Und dann wäre da mit Michael Lang (30) noch ein Mann mit Vergangenheit beim Stadtrivalen, der in der Bundesliga noch ein Jahr Vertrag hat, aber dort schon länger aussen vor ist.

Auf der Rechten Seite braucht der FCZ unbedingt einen Backup und/oder physisch stärkere Ergänzung zu Fabian Rohner und hier gibt es aus der Challenge League durchaus interessante Kandidaten. An erster Stelle der in der abgelaufenen Saison beim FC Wil seit November unter anderem krankheitsbedingt kaum noch eingesetzte Malik Talabidi (19). Der deutsche U20-Nationalspieler hat mit seiner Kombination aus Schnelligkeit, Physis und Technik die Voraussetzungen, nächste Saison zu „explodieren“ – und zwar auch auf Super League-Niveau. Ihn erst in einigen Monaten in Betracht zu ziehen, könnte zu spät sein. Ebenfalls ein guter Kandidat wäre mit seinen physischen und technischen Qualitäten Noël Wetz (20) vom FC Thun. Der Schweizer U20-Nationalspieler (Spielertyp: Michael Lang) ist gelernter Innenverteidiger, hat sich aber im Profibereich rechts etabliert und schlägt ansprechende Flanken. Ein Flankenspezialist ist Pius Dorn (24), der 20/21 zu den besten und konstantesten Akteuren beim FC Vaduz gehörte: ein solider Rechter Aussenläufer / Aussenverteidiger für die Super League.

Kandidaten für die linke Seite wie üblich schwieriger zu finden

Nikola Boranijasevic (29, Lausanne), lebt stark von seinem Laufpensum und seinen Sprints, die er aber mit zunehmendem Alter nicht mehr so konstant wie zuletzt auf den Platz wird bringen können – und unter anderem deshalb möglicherweise seinen Vertrag in Lausanne nicht verlängert erhält. Nach Anfangsschwierigkeiten hat sich der von Stade Olympique Choletais gekommene Moussa Diallo (24) bei Servette in kurzer Zeit auf Super League-Niveau verbessert. Allerdings ist die Verfügbarkeit von Diallo für einen Klub wie den FCZ im Gegensatz zu einem Boranijasevic ziemlich unwahrscheinlich – zumal das auch finanziell ganz ordentlich aufgestellte Servette wohl nicht mehr lange auf den unter akutem Leistungsabbau leidenden Captain Anthony Sauthier setzen wird. Ebenfalls ein Super League-Kandidat ist Schaffhausens Jetmir Krasniqi (26), dem allerdings neben seiner Dynamik und guten Vorlagen in die gefährliche Zone etwas die benötigten Defensivqualitäten abgehen.

Auch auf der linken Seite benötigt der FCZ unbedingt eine bessere Alternative zu Fidan Aliti als Tobias Schättin. Zwei der drei passendsten Kandidaten aus den Schweizer Ligen stammen aus dem YB-Nachwuchs: Linus Obexer (23) von Absteiger Vaduz bringt seit mehr als drei Jahren eine hohe Konstanz in der Super League und Challenge League auf den Platz und ist trotz seinem Fokus auf Offensive auch defensiv kein schlechter Mann. Der schnelle Pascal Schüpbach (21) ist die noch talentiertere Variante, die allerdings nach seiner verletzungsgeplagten Leihsaison in Winterthur noch einen langfristigen Vertrag (2024) in Bern besitzt und in ein bis zwei Jahren durchaus Chancen auf den Durchbruch im gelb-schwarzen Trikot mitbringt. Der dritte im Bunde ist Dylan Tavares (24) von Stade Lausanne-Ouchy – technisch mit gewissen Defiziten im Vergleich zu den ersten beiden Kandidaten, dafür physisch stärker und in einem zweikampforientierten Vertikalspiel à la St. Gallen wohl der passendere Mann.

Flügel: die komplizierteste Position für die Kaderplanung

Die Flügelposition ist wohl die komplizierteste für die Kaderplanung, wenn eine Mannschaft nicht mit einer konstanten taktischen Formation spielt. Wie für jede andere Position braucht es für eine gute Besetzung natürlich Spieler mit ganz spezifischen Qualitäten. Die meisten echten Super League-Flügelspieler können auf keiner anderen Position das gleiche Niveau erreichen. In mehreren taktischen Formationen existiert die Flügelposition aber gar nicht. Gleichzeitig: falls man (unter anderem) taktische Formationen mit Flügeln benutzt, dann muss man diese Position personell in der Regel etwas mehr als „doppelt“ besetzen, da aufgrund der besonderen Wichtigkeit der Frische auf dieser Position besonders viele Wechsel während und zwischen den Spielen vorgenommen werden.

Aus dem aktuellen Kader des FCZ haben Wilfried Gnonto (17), Assan Ceesay (27) und Henri Koide (20) ihre Stärken auf dem Flügel. Salim Khelifi (27) hat sich nicht für eine weitere Saison empfehlen können (hat aber noch Vertrag). Und sein Kollege Benjamin Kololli (29) hat der Mannschaft in seiner FCZ-Zeit als einer der Führungsspieler mehr geschadet als genützt. Aiyegun Tosin (22) und Marco Schönbächler (31) wiederum spielen im Offensivzentrum besser, als auf der Seite. Valable und gleichzeitig realistische Kandidaten für diese Positionen aus den Schweizer Ligen sind eher rar gesät. Nicht unmöglich, aber eher unwahrscheinlich wäre nach unserer Einschätzung eine Leihe mit Kaufoption des dynamischen Thurgauers Julian Von Moos (20) gewesen, der aufgrund der grossen Sturmkonkurrenz und dementsprechend wenig Spielzeit am Rheinknie in seiner Entwicklung stagniert hat. Mittlerweile hat dieser „nach Redaktionsschluss“ dieses Textes zu Vitesse Arnhem gewechselt – mit Kaufoption!

Fehlende Spielzeit müsste eigentlich auch YB’s Marvin Spielmann (25) zu einem Wechsel bewegen. Neben seinen Verletzungen ist vor allem Spielmanns Problem, dass seine Qualitäten nicht zu YB’s Spielweise passen. Zu einem wie in der abgelaufenen Saison vorwiegend Konterfussball und Pressing praktizierenden FCZ würde der Oltner hingegen sehr gut passen. Sein Vertrag bei YB dauert allerdings noch volle zwei Jahre, was eine Anstellung zu einem tieferen Lohn schwierig zu bewerkstelligen macht. Sicherlich eine potentielle Verstärkung wäre der in der Rückrunde von Juve an Sion ausgeliehene Brasilianer Wesley (21), welcher aktuell an einer Adduktorenverletzung laboriert. Auf der linken Seite könnte man je nach Kontellation auch beim von Fiorentina zu Lausanne verliehenen Rafik Zekhnini (23) versuchen, dessen Leihe nach Zürich „umzuleiten“ – noch interessanter wäre auf rechts Lubomir Tupta (23. Sion), der schon in der U21 EM-Qualifikation gegen die Schweiz aufgefallen ist. Von Challenge League-Absteiger Chiasso sind sicherlich der dynamische Sebastian Malinowski (22) und der wirblige Techniker Sofian Bahloul (21) ins Auge zu fassen. Bei beiden Linksfüssern aus dem „Riva IV“ gibt es allerdings wesentliche Vorbehalte bezüglich ihrer Defensivqualitäten, und ob sie dem FCZ unter dem Strich wirklich mehr bringen könnten als ein Salim Khelifi.

FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 1 – Trainer und Spielidee

FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 2 – das Abwehrzentrum