6:1 gegen Kriens, 1:4 gegen Xamax – wo liegt die Wahrheit? (FCZ-Sommer, Teil 1)

Die letzten beiden Testpartien gegen Kriens (6:1) und Xamax (1:4) im Heerenschürli waren das Abbild einer grossen Bandbreite von Gesichtern, die der FCZ in den Vorbereitungsspielen des Sommers gezeigt hat. Was machte den Unterschied zwischen den beiden so diametral unterschiedlichen Resultaten gegen zwei Teams, die letzte Saison in der Schlusstabelle sehr nahe beieinander lagen? Kriens hatte ja als Achter der Challenge League zwei Punkte vor Xamax gelegen, welches nur dank der leicht besseren Tordifferenz gegenüber Chiasso die Klasse hielt.

1. Differenz: das Personal

Unterschied Nummer Eins war personeller Art. Zwar trat der FCZ in beiden Partien mit «gemischten» Teams aus potentiellen Startern und Spielern aus der zweiten Reihe an, aber gegen Kriens spielten Antonio Marchesano und Fabian Rohner. Rohner war eindeutig der konstanteste Spieler im positiven Sinne in dieser Testphase – und lieferte ein klares Empfehlungsschreiben ab. Und dies obwohl er auf vier verschiedenen Positionen eingesetzt wurde: Rechter Flügel, Doppel-10 mit Marchesano, im Zweimannsturm oder als Rechter Verteidiger. Zwar hatte Trainer Breitenreiter in der 2. Halbzeit gegen Kriens auch an Rohner mal etwas Taktisches zu monieren, aber der Grund für den taktischen Fehler lag nicht an Unkenntnis oder Unvermögen, sondern an Rohners Müdigkeit zu diesem Zeitpunkt des Spiels / der Vorbereitung, in der er sich voll reingehauen hat.

2. Differenz: der Gameplan

Die Steuerung des Energiehaushaltes war Unterschied Nummer Zwei zwischen dem Kriens- und dem Xamax-Spiel. Während das Zürcher Team A gegen Kriens in der ersten halben Stunde von der Intensität her über dem aktuellen eigenen Kräftelimit spielte, agierte Team B gegen Xamax im konstanten Rhythmus über 90 Minuten – und wirkte immer etwas matt, kam ständig einen halben Schritt zu spät. Das Team A verausgabte sich hingegen in den ersten 30 Minuten voll, ging in dieser Zeit 5:0 in Führung, und war daraufhin dann aber nicht nur «matt», sondern regelrecht «platt». Mit einem solchen Zwischenresultat war dann aber auch der Anfangsmut beim Gegner etwas gebrochen, und man schaukelte den Vorsprung ins Ziel. In den Tests zuvor hatte Kriens durchaus gute Resultate produziert: knappes 1:2 gegen YB, 4:2-Sieg im Derby gegen Luzern und ein 2:1-Testerfolg gegen Challenge League-Favorit Thun. Die «30 Minuten Vollgas»-Strategie hatte der FCZ bereits im Test gegen Aarau gefahren – dort hagelte es aber Aluminium-Treffer und einen von zwei in dieser Vorbereitung verschossenen Marchesano-Penalties.

«30 Minuten-Vollgas» ist ein altbekanntes Mittel des sogenannten «Gameplan». In der Rückrunde hatte dies beispielsweise der FC Luzern beim 2:1-Sieg im Letzigrund angewandt. Sie gingen prompt früh 2:0 in Führung, bevor ab der 30. Minute der FCZ gegen nachlassende Luzerner immer dominanter wurde. Dem FC Zürich gelang aber nicht mehr als ein Tor als Antwort. Umgekehrt in Lausanne: der FCZ gab zu Beginn volle Pulle, ging gegen überrumpelte Waadtländer ebenfalls früh 2:0 in Front und musste kräftemässig ab der 30. Minute leiden. Lausanne gelangen dann noch zwei Tore als Antwort. Am Ende wars trotzdem ein wichtiger Punkt für das Letzigrund-Team. Gerade wenn man die eigene Equipe kräftemässig insgesamt etwas schwächer als den Gegner einstuft, ist eine kurze Vollgas-Phase abgesehen von Standards eines der wenigen Mittel, um Punkte mitzunehmen. So kann man wenigstens einzelne Phasen des Spiels dominieren und muss in dieser Zeit dann einfach möglichst effizient sein.

Antonio Marchesano verschoss die beiden Penalties nicht, weil er die Treffsicherheit vom Punkt verlernt hätte – er sah in den ersten Testspielen ganz allgemein kaum einen Ball. Zum Vorbereitungsabschluss gegen Kriens deutete der Zürcher Regisseur aber an, dass er rechtzeitig vor dem Saisonauftakt in seiner Tessiner Heimat in Form zu kommen scheint. Kriens’ neuer Trainer Morandi fluchte neckisch bei jeder gelungenen Marchesano-Aktion auf Italienisch, er solle doch «aufhören mit dem Scheiss» (sinngemäss, O-Ton nicht druckreif). Und wie bereits seit längerem bekannt, hat Marchesanos Präsenz und positive Formkurve immer einen positiven Einfluss speziell auf Assan Ceesay, dem drei Treffer gelangen.

3. Differenz: die Taktik

Unterschied Nummer Drei zwischen dem Kriens- und Xamax-Spiel war taktischer Natur. Gegen das konterstarke Kriens agierte der FCZ konservativ in einem 4-4-2, liess den Gegner kommen, und zog die vorderste Verteidigungslinie erst kurz vor der Mittellinie auf. Bei Balleroberung drückte man zudem nicht um jeden Preis aufs Tempo, sondern präferierte Ballkontrolle, und spielte meist erst hintenrum, um dann im richtigen Moment mit einem Rhythmuswechsel im Spielaufbau zuzuschlagen. Gegen Xamax zog man hingegen im 3-4-1-2 ein Hohes Pressing auf, welches aber wenig Wirkung entfaltete und im Gegenteil dem Gegner Raum für seine eigenen Angriffe bot. Fazit: Kramer, Pollero und Nils Reichmuth ganz vorne ist wohl zur Zeit so ziemlich die schlechtestmögliche FCZ-Aufstellung, wenn man Hohes Pressing spielen will.

4. Differenz: der Gegner

Letztendlich hatten auch die Gegner etwas mit den unterschiedlichen Resultaten zu tun. Kriens zwar vor dem FCZ-Match mit guten Testresultaten, trat aber trotzdem mit einem Rumpfteam an, zudem möglicherweise COVID-geschwächt – mit fehlenden Alternativen speziell in der Innenverteidigung und im Tor, wo der angeschlagene Joshua Neuenschwander (Neuverpflichtung aus dem YB-Nachwuchs) für die Schlussphase durch den dritten FCZ-Goalie Gianni De Nitti ersetzt werden musste. Xamax-Besitzer Jeff Collet hingegen scheint der Schock des beinahe freien Falls von der Super League in die Promotion League letzte Saison ganz schön in die Knochen gefahren zu sein, denn die Neuenburger haben deutlich aufgerüstet und ihr Team hat kommende Saison gute Chancen, im Aufstiegsrennen mit Thun, Aarau und Vaduz ein Wörtchen mitzureden. Rückkehrer Max Veloso strahlt viel Offensivgefahr aus, als wäre er nie weggewesen, was dem letzte Saison häufig unzufrieden auftretenden Raphael Nuzzolo (38!) nochmal einen zusätzlichen Boost zu geben scheint. Maren Haile-Selassie deutete an, dass der definitive Schritt in die Westschweiz seinen immer noch andauernden Reifeprozess beschleunigen könnte. Am lautesten dirigierend und konfrontativsten auf dem Platz war der frühere Captain der FCZ U21 Liridon Berisha – auf Französisch wohlgemerkt. Mit ihm und dem Ex-Aarauer Mats Hammerich hat Xamax ganz bewusst ein bisher noch etwas fehlendes Element in ihr Team geholt.

Nicht mit dabei im Matchkader der Neuenburger war übrigens Lague Byiringiro aus Ruanda. Dessen Berater hatte diesen Sommer online für viel Betrieb gesorgt. Die Behauptung wurde in den Raum gestellt, der FC Zürich sei interessiert an seinem Schützling, was nicht stimmte. Eine Halbzeit lang eingesetzt wurde Byiringiro hingegen von Xamax im mit 1:0 gewonnenen Test gegen den FC Thun, wo er als einziger Spieler eine Gelbe Karte wegen groben Foulspiels holte. Xamax hatte in den 45 Minuten genug gesehen. In Zürich war Byiringiro bereits nicht mehr dabei und sieht sich nun anderweitig um.  

Trainer André Breitenreiter und Leiter Videoanalyse Fabian Sander im Gespräch nach einem Testspiel im Sommer 2021

Koide und Seiler mit gelungenem Einsatz: Xamax – FCZ Analyse

Wofür wird das Duell mit Xamax am 7.7.2020 in der Maladière aus FCZ-Sicht in Erinnerung bleiben? Womöglich mit dem ersten richtig gelungenen Auftritt von Henri Koide und Stephan Seiler (beide 19) in einem Wettbewerbsspiel. Von Koide sah man in 30 Minuten das, was man in der Zürcher Angriffsreihe schon lange vermisst. Ein Stürmer mit Biss, Zielstrebigkeit, Durchsetzungsfähigkeit, ordentlicher Technik, Übersicht und konsequenter defensiver Mitarbeit. Einer, der die gegnerische Abwehrreihe so richtig beunruhigt. Natürlich hat ein Einwechselspieler den Vorteil dank der kürzeren Einsatzzeit mehr Energie in jede einzelne Aktion stecken zu können, aber wie schnell Koide nach seinem Eintritt voll im Spiel angekommen war, war erfreulich. Er war zwei Mal nahe dran, die Partie zugunsten des FCZ mitzuentscheiden.

In der 66. Minute erobert Stephan Seiler den Ball auf der linken Seite, Kololli behauptet diesen und legt ihn zurück auf Michael Kempter, welcher direkt in die Tiefe spielt. Koide setzt sich dann trotz schlechterer Ausgangsposition im Duell mit André Neitzke klar durch, bedient in der Mitte den heranstürmenden Adrian Winter – Spekulationsgoalie Laurent Walthert spekuliert richtig und pariert den Abschluss Winters sensationell mit dem rechten Bein. In der 81. Minute hetzt Koide wieder in schlechterer Ausgangsposition einem abgefälschten langen Ball von Yanick Brecher nach und holt sich diesen von Djuric und Kamber, wird beim Lauf in den Strafraum von Kamber zurückgerissen, bleibt aber auf den Beinen, worauf er dann aber im Strafraum vom den Ball verfehlenden Neitzke gerammt wird. Eine Penaltyentscheidung wäre nicht falsch gewesen.

Koide ist genauso wie Seiler in den letzten Jahren behutsam mit dem richtigen Timing an die Erste Mannschaft herangeführt worden. Beide vermochten auch in den Corona-Testpartien ihren potentiellen Wert für das Team aufzuzeigen. Die Gefahr, dass Koide aufgrund seines guten Auftrittes in Neuenburg abhebt, ist beim Fussballarbeiter klein. Eine echte Alternative für Blaz Kramer, der seit der Winterpause ausschliesslich ungenügende Leistungen gezeigt hat (und auch in der Vorrunde nie wirklich Top war) scheint er mittlerweile zu sein. Und dies tut der Mannschaft gut. Seiler seinerseits hat als mobilere Variante von Simon Sohm ebenfalls einen unter dem Strich guten Eindruck hinterlassen. Er vermochte entstehende Löcher schneller zu stopfen und warf seine Balleroberungsqualitäten in mehr als einer Szene in die Waagschale. Im Vergleich zu Sohm stellt Seiler aber keine beeindruckende „Wand“ ohne Ball oder eine „Dampfwalze“ mit Ball dar.

Xamax hatte mit Taulant Seferi ebenfalls seinen Schwachpunkt auf der Position der Sturmspitze. Eine Top-Leistung bot hingegen der linke Aussenläufer Janick Kamber, der beim 1:0 Nuzzolos in der 23. Minute mit einem beeindruckenden Sprint die Vorarbeit leistete. Kevin Rüegg, welcher ansonsten häufig Schwächen in der Rückwärtsbewegung hat, konnte man in dieser Szene wenig vorwerfen. Eine gewisse Kritik trifft Benjamin Kololli, der nach Ballverlust Zürich für einen Moment abschaltete und erst dann Igor Djuric angriff. Es war der Moment, den der Xamax-Verteidiger benötigte, bevor Samir Ramizi beim Xamax-Gegenstoss in Position gelaufen war. Auch vor der grössten Chance des ganzen Spiels durch Seferi in der 54. Minute war Kololli verantwortlich für den Ballverlust im Mittelfeld, weil er einem Zuspiel Omeragics zu wenig entgegen ging. Übers ganze Spiel gesehen agierte Kololli im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit aber auch in Neuenburg erneut deutlich engagierter, disziplinierter, verlässlicher und wertvoller für die Mannschaft. Auch war er erneut an fast allen Abschlüssen des eigenen Teams beteiligt.

Nicht zuletzt leistete Kololli die Vorarbeit zu einem weiteren Eckballtor des FC Zürich beim 1:1 durch Nathan in der 27. Minute. Wieder hatte sich der FCZ eine neue Variante ausgedacht. Man arbeitet zur Zeit quasi Schritt für Schritt das ganze Repertoire an Varianten durch, durch welche der FCZ in der Vergangenheit schon ärgerliche Eckballgegentore erhalten hat, und zahlt mit gleicher Münze zurück. Als man selbst noch Manndeckung bei Eckbällen praktizierte, haben FCZ-Gegner mehrmals Tore erzielt oder Grosschancen erarbeitet, indem der entscheidende FCZ-Verteidiger von einem oder zwei Gegenspielern regelwidrig geblockt wurde und der Zielspieler damit völlig frei zum Abschluss kam. Nun wandten die Zürcher dies erstmals selbst an. Adi Winter (wer sonst?) hinderte Igor Djuric daran, seinen Gegenspieler Nathan zu verfolgen und dieser kam somit völlig frei zum Flugkopfball am entfernten Pfosten. Alain Bieri sah wie alle Super League-Schiedsrichter vor ihm diese Art von Regelwidrigkeit nicht.

Defensiv lief der FCZ nicht mehr so ins offene Messer, wie noch in Thun und stand mit der Abwehrreihe in der Regel tiefer. Die Unterstützung des Mittelfeldes war durch immer wieder vorstossende Innenverteidiger trotzdem da. Offensiv bemerkenswert war ein Angriff über 25 Stationen in der 75. bis 76. Minute, an welchem alle elf Mann beteiligt waren und durch einen gefährlichen Flachschuss Toni Domgjonis abgeschlossen wurde. Weiterhin negativ bleibt das Chancenverhältnis. Bei Xamax waren die Expected Goals im Vergleich mit dem Gegner bei 0,98:1,78. Dementsprechend lebt der FCZ in der Nach-Corona-Zeit weiterhin von einer besseren Effizienz im Vergleich mit den gegnerischen Mannschaften. Man hatte am Ende trotzdem nicht das Gefühl, dass der Punkt „gestohlen“ war. Dies auch weil Raphael Nuzzolo die gute Freistosschance nach vermeintlichem Handspiel Toni Domgjonis vor dem Zürcher Strafraum in der Nachspielzeit nicht nutzen konnte. Der Ball zischte dabei unter der hochspringenden Mauer durch, aber dahinter hatte sich Domgjoni wie geplant auf den Bauch gelegt und auf diese Weise das flache Geschoss geblockt, Winter befreite dann endgültig.

Kampfstarker Rüegg ein Jahr nach seinem Doppelschlag zurück auf der Maladière: Aufstellungen Xamax – FCZ

Marchesano und Pa Modou sind gesperrt. Somit ist es keine Überraschung, dass Michael Kempter in der Startaufstellung steht. Spielt der FCZ mit einer Dreierabwehr, könnte Adi Winter die Zehnerposition hinter dem Sturmduo Kramer / Kololli übernehmen. In einer solchen Formation trat Zürich auch vor Jahresfrist beim Abstiegskampf-Schocker auf der Maladière an, als Kevin Rüegg im Verlaufe der Zweiten Halbzeit von der Aussenbahn auf eine Achterposition wechselte und von da aus das intensive Spiel mit einem Doppelschlag kehrte. Einen Zehner zusätzlich zu einem Zweimannsturm aufzustellen, würde auch beim Pressing Vorteile mit sich bringen.

Möglich ist auch eine Rückkehr zum 4-2-3-1 mit nur einer Sturmspitze und Toni Domgjoni als 10-er. Dies hätte aber viele Nachteile, unter anderem würden Benjamin Kololli und Hekuran Kryeziu nicht auf ihren besten Positionen spielen.

Trainer Magnin hat U21-Stürmer Shpetim Sulejmani ausgegraben und mit nach Neuenburg genommen. Der 25-jährige Promotion League-Bomber aus der Ostschweiz wartet immer noch auf seinen ersten Super League-Einsätze. Eine seiner Spezialitäten: direkt verwandelte Freistösse. Ausserdem sitzen Willie Britto, Henri Koide, Stephan Seiler, Mirlind Kryeziu, Umaru Bangura und Andris Vanins auf der Ersatzbank. Marco Schönbächler ist für die Maladière „malade“ gemeldet.

Kaum offene Fragen über die Aufstellung gibt es bei Xamax. Nicht nur, weil Trainer Henchoz bisher nur ein Training mit der Mannschaft zur Verfügung hatte spielt er wohl mit demselben System wie Joël Magnin. Sondern auch, weil Henchoz ebenfalls gerne mit derselben Formation spielt – einfach defensiver interpretiert. Die beiden früheren FCZ-Junioren Maren Haile-Selassie und Arbenit Xhemajli sitzen auf der Ersatzbank.

Frage zum Spiel: Erzielt der FCZ heute Abend erneut ein Standardtor?

Seit Xamax und der FCZ im August 2016 erstmals seit mehreren Jahren wieder aufeinander getroffen sind, waren die Duelle dieser beiden Teams immer umkämpft. Mit einer Ausnahme gab es in elf Duellen nie ein Resultat mit mehr als einem Tor Differenz. Gleichzeitig verlor Zürich in dieser Zeitperiode kein Spiel gegen die Xamaxiens. Die letzte Niederlage rührt vom November 2011, als die Neuenburger zu Chagaev-Zeiten mit mehreren sehr gut bezahlten Akteuren (so lange die Liquidität vorhanden war) aufliefen, die in ihrer Karriere bei Teams wie Valencia oder Espanyol Stammspieler waren. Admir Mehmedi gelang zwar nach einer halben Stunde der zwischenzeitliche Ausgleich, aber Arizmendi und zwei Mal Kalu Uche sorgten für das Neuenburger 3:1.

Swissfootdata sieht den FCZ als Favoriten in der Maladière, allerdings als kleinster Favorit der 29. Runde mit 56% Gewinnchance. Unberechenbar ist der kurzfristige Einfluss des Trainerwechsels auf die Leistung von Neuchâtel Xamax. Die Neuenburger hatten das wichtige Spiel nach dem Wiederbeginn gegen Thun 2:1 gewonnen und anschliessend vier Spiele in Folge gegen die drei Spitzenteams Basel (2x), YB und St. Gallen gespielt. Nach null Punkten aus diesen vier Partien, in welchen die Neuenburger drei Mal nahe an einem Punktgewinn dran waren, wurde Trainer Joel Magnin vor die Türe gestellt. Und damit wahrscheinlich auch der konstruktive, offfensive Fussball. Unter Rückkehrer Henchoz (ehemaliger Teamkollege und Bruder im Geiste von Sami Hyypiä) wird wieder Kampf und defensive Stabilität an erster Stelle der Prioritätenliste stehen.

Ob unter diesen veränderten Umständen die kürzliche Prognose von swissfootdata bezüglich einem Absteiger Xamax mit vier bis fünf Punkten Rückstand auf das Duo Sion / Thun immer noch aufrechterhalten wird, ist die interessante Frage. Der FCZ, welcher bisher mehr Punkte gesammelt hat, als in seinem ersten beiden Saisons nach dem Aufstieg zum gleichen Zeitpunkt, wird auf Rang fünf getippt, und YB als Meister.

Zuletzt konnte man auf Zürcher Seite stark auf die frisch gewonnene Standardstärke bauen. Zu diesem Thema unsere Umfrage…

Frage zum Spiel: Erzielt der FCZ heute Abend erneut ein Standardtor?

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„Bitte keine Überzahl!“ – Saison-Recap, 1. Teil

Auf zuerilive.ch begann die Saison mit einer Neuerung: die Analyse der Spiele wurde nochmal stark ausgebaut und rund 20-30-minütige Videopodcasts zu jedem Spiel produziert. Dieses Setting musste nach der fünften Partie gegen St. Gallen aus Zeitgründen vorläufig wieder aufgegeben werden. Auch wenn es im Dezember nach dem 0:5 zu Hause gegen Servette nochmal zu einem weiteren Video-Podcast kam. Dank dem spontanen Entscheid im Sommer konnten Erfahrungen mit dem Format gesammelt werden. Klar ist: neben den üblichen Vorschauen, Live-Übertragungen, Interviews, Audio-Zusammenschnitten der Spiele, Analyse-Artikeln, Pre-Match Artikel zu den Aufstellungen, News, allgemeinen Themen, Testspielen, Organisation etc. auch noch zu jedem Spiel einen Video-Podcast zu erstellen, würde das Projekt Züri Live praktisch zu einem full-time Job machen, was es im ersten Monat der Saison dann auch war.

Für die Zukunft ist als realistischere Variante angedacht: eine monatliche oder zweimonatliche Gesprächsrunde in Form einer Live-Sendung, welche danach sowohl als Audio-Podcast wie (unterlegt mit Statistiken und Bildern) auch als Video-Podcast publiziert wird. Zum Ende der Hinrunde und zu Beginn der Rückrunde wurden die Spiele dann wieder im Detail analysiert und wie in den letzten Jahren üblich Analyse-Artikel publiziert. Dazwischen gab es aber 14 Wettbewerbsspiele, die aus Zeitgründen nicht analyisiert werden konnten. Diese Lücke in den Züri Live-Daten soll nun geschlossen werden, bevor es mit Fussball wieder weitergeht. Erinnert Euch somit nochmal zurück an die verschiedenen Phasen der Vorrunde und die Entwicklung des Teams…

Durch neu verpflichtete Spielertypen wie Mimoun Mahi, Blaz Kramer oder Denis Popovic verschob sich das Stärken-/Schwächen-Profil des Teams noch mehr in Richtung „Kontermannschaft“, was sich im Verlauf des heissen Sommers unter anderem in den Testspielen exemplarisch zeigte. Mehr denn je hatte der FCZ nun eine Mannschaft, deren Offensivleute im Spiel mit dem Ball Platz brauchen. Den fanden Kramer in der Regionalliga und Mahi in der Eredivisie, wo die Teams der unteren Tabellenhälfte im Vergleich zur Super League defensiv nur mässig gut organisiert auftreten, zur Genüge vor. Popovic hatte bereits in Orenburg in einer erfolgreichen Kontermannschaft gespielt. Ähnlich wie Antonio Marchesano kann der Slowene als Ballverteiler in so einem Team aufblühen. Gegen ein Offensiv-Pressing gegen kompakt agierende Gegner sprach zudem die eher niedrig entwickelte Laufstärke der Zürcher Offensivreihe.

Mit Nathan kam nach den Abgängen von Alain Nef und Andreas Maxsö ein Mentalitätsspieler für die Innenverteidigung. Ein weiterer Innenverteidiger wurde nicht verpflichtet, weil der FCZ grosse Stücke auf das ein Jahr zuvor verpflichtete Talent Becir Omeragic hält und somit das Quartett zusammen mit Umaru Bangura und Mirlind Kryeziu komplett war. Dass Willie Britto „erst“ mit 22 Jahren den Weg aus der Ivorischen Liga nach Europa zum FCZ fand, zeigt, dass er nie zu den grossen Talenten seines Landes gezählt hatte. Dafür bringt er viel Wucht in seinen Aktionen und einiges an Abgeklärtheit mit. Mit der Verpflichtung des spielerisch starken Vasilije Janjicic wollte man mit einer Rückholaktion auch einmal selbst von der eigenen Ausbildung profitieren und solche Spieler nicht immer nur der Konkurrenz überlassen. „Hilfreich“ waren dabei sicherlich die Schlagzeilen, die Janjicic in Hamburg neben dem Platz geliefert hatte. Damit wurde er im Gegensatz zu anderen FCZ-Talenten im Ausland für den Stadtclub erschwinglich und der Spieler selbst empfand die Rückkehr zum FCZ als einen persönlichen Schritt nach vorne.

Ganz entgegen der Erkenntnisse aus den Testspielen lief der FCZ dann aber im ersten Saisonspiel im Letzigrund gegen Lugano bei brütender Hitze den Gegner hoch an. Speziell Denis Popovic, welcher nicht die ganze Vorbereitung hatte mitmachen können, rückte jeweils zu spät auf seine Position, was die konterstarken Tessiner (Schlussresultat: 0:4) jeweils gnadenlos ausnutzten. Erschwerend kam hinzu, dass das speziell bei diesen Temperaturen wichtige erste Tor aufgrund eines unrechtmässigen Penaltys (Schwalbe Sabbatini) zustande gekommen war. Beim zweiten Spiel in Luzern (0:0) stand der FCZ deutlich tiefer als in der ersten Partie und kam auf diese Art und Weise einem Auswärtssieg nahe. Der FCZ hielt dabei gegen einen Gegner, mit dessen physischen Qualitäten man in den letzten Jahren häufig Probleme gehabt hatte, kämpferisch gut dagegen und liess kaum eine gegnerische Torchance zu. Drei erfolgsversprechende Umschaltsituationen wurden von Ref Klossner wegen angeblicher Foulspiele zu Unrecht unterbunden – und Marco Schönbächler blieb mit einem tollen Weitschuss der Lucky Punch knapp verwehrt.

In Sion (1:3) erhielt der FCZ beim Stand von 1:1 in der 71. Minute die Chance zum 2:1-Führungstreffer, aber der in der Vergangenheit über die Sion U21 den Sprung in den Profifussball schaffende Benjamin Kololli verschoss den (eher glücklich zugesprochenen) Penalty. Auch von der anschliessenden numerischen Überzahl (Unsportlichkeit des den Penalty „verursachenden“ Abdellaoui) konnte der FCZ nicht profitieren – im Gegenteil. Die Zürcher suchten aufgrund der Überzahl den Auswärtssieg zu hektisch-überhastet und verloren so die Partie durch zwei Treffer des ehemaligen GC-Juniors Kasami.  Gegen Xamax (2:2) hatte der FCZ genau wie in Sion numerische Überzahl und die besseren Torchancen. Schönbächler erzielte zudem zum ersten Mal seit einem Jahr wieder einmal ein Tor. Man vergab aber kurz vor Schluss durch ein „Tor des Jahres“ von Gaëtan Karlen die drei Punkte – auch weil (durch Mimoun Mahi) wie in Sion erneut ein Penalty verschossen wurde. Gegen das von seiner Spielweise her dem FCZ liegende St. Gallen kommt es im fünften Spiel dann zum ersten Saisonsieg (2:1). Böse Zungen behaupten, dass dieser nur zustande kam, weil Zürich nach dem Platzverweis des übermotivierten ehemaligen FCZ-Juniors Miro Muheim (der beim „Rückspiel“ vor der Winterpause zudem den frühen Führungstreffer des Stadtclubs ins eigene Netz ablenkte) nicht lange in Überzahl spielen „musste“, weil kurz darauf Mirlind Kryeziu ebenfalls Gelb-Rot sah. Vor allem aber vermochte man sich gegen den hoch pressenden Gegner gut hintenheraus zu lösen und dann die sich auftuenden Räume mit erfolgreichen Kontern zu nutzen.

 

Hier gehts zu Teil 2: „Not macht erfinderisch“

Hier gehts zu Teil 3: „Simon Sohm erobert Stammplatz“

Wizard of Oss – ein entschlossener Lette genügt, um FCZ-Sieg zu verhindern (FCZ – Xamax 1:1 Analyse)

„Tor gehört zur Hälfte Simon Sohm“: FCZ – Xamax Highlights
„FCZ links zu passiv“: FCZ – Xamax Kommentare

Gegen Neuchâtel Xamax wurde es wie üblich ein enges Spiel ohne Niederlage für den FCZ. Bei Xamax feierte der 19-jährige Franzose Leroy Abanda sein Profi-Début. Trotzdem war die Startformation der Neuenburger im Vergleich zum FCZ mit 29,6 vs. 24,4 Jahren im Schnitt mehr als fünf Jahre älter. Bemerkenswert gegen Xamax: der FCZ hatte zwar mehr Ballbesitz, erzielte seinen Treffer aber erneut durch einen Konter – wie fast alle Tore der letzten Wochen und Monate. Ausserdem suchte das Team von Trainer Magnin viel die Tiefe: es wurden rekordhohe 21 Steilpässe gespielt. Die Partie war von beiden Seiten fehlerbehaftet. Die Züri Live-Durchschnittsnote ist im fünften Rückrundenspiel mit 4,5 zum dritten Mal ungenügend (Luzern: 4,5, Sion: 5,2, Basel: 5,6, Servette: 4,2). Umaru Bangura, der zuletzt eine richtiggehende Wiedergeburt zu erleben schien (in Sion bester Zürcher und auch gegen Basel zusammen Mirlind Kryeziu und Marco Schönbächler einer der besten drei) war in Genf Ersatz und nun gegen Xamax gar nicht mehr im Kader. Sein Ersatz Becir Omeragic spielte gegen Xamax deutlich ungenügend. Schon seit jeher (auch bei den Junioren) das grösste Manko des 18-jährigen ist sein Zweikampfverhalten, welches speziell in entscheidenden Umschaltsituationen zu zögerlich ausfällt.

Auch verschätzte sich der Innenverteidiger mehrmals bei Flankenbällen. Zum Glück für den FCZ vermochten Nuzzolo, Ramizi und Co. von diesen Fehlern nicht zu profitieren. Ebenfalls etwas Glück hatte Zürich, dass Ref Lionel Tschudi in der Ersten Halbzeit Marchesano und Sohm die nach ihren Foulspielen durchaus fällige Gelbe Karte nicht zeigte. Auf der anderen Seite wurden dem FCZ nicht weniger als drei klare Eckbälle verwehrt. Diese hätten allerdings wohl wenig geändert, denn bei Standards bleibt man weiterhin eines der zwei harmlosesten Teams der Liga. Auch mit Marco Schönbächler ist dies nicht besser geworden. Die besten noch verbliebenen Standardspezialisten im Verein wurden in der Winterpause wegtransferiert (Denis Popovic) oder ausgeliehen (Izer Aliu), weil sie aus dem Spiel heraus (noch) nicht genügten. Nach seinem «Spiel zum Vergessen» in Genf, war es wichtig, dass Simon Sohm auch im darauffolgenden Match das Vertrauen ausgesprochen wurde. Zwar ging es nicht gut los mit einer Startviertelstunde, die stark an Genf erinnerte, dann vermochte sich der junge Zürcher Mittelfeldspieler aber mit einem gelungenen Steilpass auf Tosin selbst aus dem Loch zu ziehen und agierte in der Folge solide mit mehreren gelungenen Aktionen nach vorne, und lieferte zusätzlich die entscheidende Vorarbeit zum 1:1-Ausgleich.

Nachdem Tosin in Genf in den ersten 75 Minuten nach einem harzigen Start in die Rückrunde klare Aufwärtstendenz gezeigt, diesen guten Eindruck aber in der Schlussviertelstunde vermasselt hatte, wurde der Nigerianer diesmal nach 81 Minuten ausgewechselt, und war bis dahin der beste Mann im FCZ-Dress – dies im Gegensatz zu seinem «Zwilling» Blaz Kramer. Dessen Tor gegen Xamax zum 1:1 kann nicht verbergen, dass trotz bereits schlechtem Rückrundenstart die Talsohle seiner Leistungskurve noch nicht erreicht ist. Gegen an diesem Abend im Vergleich zu Begegnungen der letzten Jahre deutlich weniger gefährliche Neuenburger hätte der FCZ im Normalfall einen ungefährdeten ersten Rückrundensieg einfahren müssen. Dafür hätte aber unter anderem dessen Slowenischer Stürmer nicht fast alle der im Ansatz zahlreichen vielversprechenden Situationen falsch einschätzen dürfen. Beispielsweise spielte Pa Modou mehrere gute Bälle hinter die Abwehr, deren Flugbahn Kramer nicht lesen konnte. Dazu hatte auch Marco Schönbächler einen schlechten Tag. Der eingewechselte Mimoun Mahi hingegen brachte sofort Schwung und erhält seit langer Zeit wieder einmal eine gute Note (7).

Wie schon im August erzielt auch diesmal wieder Innenverteidiger Marcis Oss das erste Xamax-Tor des Spiels im Letzigrund und das Spiel endet ebenfalls unentschieden. Das Gegentor entstand auch wegen einer beim FCZ weit verbreiteten «Krankheit» im Abwehrverhalten. Holt ein Gegenspieler zum Schuss aus, springen die Weissen hoch, häufig eher alibimässig, nicht mal in der Schusslinie, und drehen sich ab, um die Körperfläche möglichst zu verkleinern. Nicht die Verhinderung eines Gegentores, sondern der persönliche Schutz vor einem scharfen Ball scheint im Vordergrund zu stehen. Da beim Abschluss von Ramizi von der Strafraumgrenze, welcher via Marcis Oss in der linken Torecke landet, Marco Schönbächler und Willie Britto aktivistisch hochspringen, haben sie keinen Bodenkontakt und können nicht auf die unkonventionelle Richtung des Schusses und den Ablenker von Oss reagieren. Yanick Brecher macht zudem seinerseits ebenfalls eine aktivistische Bewegung in die falsche Richtung, und reagiert zu spät auf den Abschluss von Oss.

Beim Ausgleich in der 26.Minute durfte der FCZ wieder auf die Schützenhilfe seines ehemaligen Juniors Arbenit Xhemajli zählen. Schon im letzten Frühling hatten die Fehler des heute 21-jährigen Innenverteidigers, der sich ansonsten zuletzt auf Super League-Niveau immer solider präsentiert hat, dem FCZ gegen Xamax zwei Mal eine Wende und sechs äusserst wichtige Punkte ermöglicht. Auch diesmal köpfte er zuerst im Mittelfeld den Ball in die Füsse von Simon Sohm und ermöglichte diesem einen Umschaltmoment. Nachdem im Anschluss daran Geoffroy Serey Dié Sohm mit Ball am Fuss «freie Fahrt» gelassen hatte, weil er überzeugt war, dass dieser einen Pass spielen wird, verliess mit Xhemajli ausgerechnet der einzige der drei Innenverteidiger, der in diesem Moment einen Gegenspieler hatte, seine Position, um Sohm anzugreifen, und ermöglichte so Blaz Kramer ebenfalls freie Bahn zum 1:1. Aus dem FCZ stammende Profis wollen es ganz offensichtlich gegen ihren Stammklub immer speziell gut machen. Das Resultat von diesem Bemühen ist aber unterschiedlich. Während beispielsweise ein Christian Fassnacht oder zuletzt in Sion ein Filip Stojilkovic sich gegen das Letzigrund-Team jeweils zu einer Bestleistung pushen können, gehört Xhemajli offensichtlich zu denjenigen Ehemaligen, die es «zu gut» machen wollen und dadurch entscheidende Fehler begehen.

In Bezug auf die Expected Goals-Statistik ist das Endresultat von 1:1 logisch – Xamax liegt bei den Torchancen mit 0,9:1,02 Expected Goals sogar leicht vorne. Dies allerdings auch, weil die eigentlich grösste Torchance des Spiels in der 70. Minute, als der Ball frei vor dem leeren Xamax-Tor liegt, offiziell nicht als Torchance zählt, weil es dabei zu keinem Abschluss kommt. Wenige Sekunden nach seiner Einwechslung schickt Mahi nach seinem ersten Ballkontakt Blaz Kramer in die Tiefe. Dieser zögert vor Xamax-Keeper Laurent Walthert wie häufig in diesen Situationen einen Tick zu lange. Der Ball prallt Richtung Fünfmeterraum und liegt wie auf dem Präsentierteller zum Einschieben ins verlassene Gehäuse bereit. Obwohl der Weg zum Ball sowohl von Tosin wie auch von Kramer nicht weiter ist, schafft es der von seinen viel zu zögerlich zurücklaufenden Teamkollegen im Stich gelassene Xamaxien Marcis Oss nicht nur vor den beiden Zürchern am Ball zu sein, sondern sich anschliessend sogar noch am Ball um 180 Grad zu drehen (!) und diesen aus der Gefahrenzone wegzuspedieren, bevor die beiden FCZ-Offensivleute eingreifen. Der beim FCZ häufig fehlende unbedingte Torhunger könnte kaum besser illustriert werden wie in dieser Szene, in der, auch eine FCZ-Spezialität, eine Zwei gegen eins-Überzahl eher zu einem Nachteil wurde. Tosin schien etwas zu lange zu zögern, weil er Kramer den Vortritt nicht nehmen wollte, und dieser agierte ungeschickt. Der nach einer Verletzungspause erstmals wieder von Beginn weg eingesetzte Xamax-Torschütze Oss wurde nur zwei Minuten nach dieser Rettungstat ausgewechselt, weil er am Ende seiner Kräfte war. Der „Man of the match“ ein Lette , und auch der beste FCZ-Spieler ein mit einer Lettin liierter ehemaliger Offensivspieler von Ventspils: es war vor den Augen des langjährigen Nationaltorhüters Andris Vanins auf der FCZ-Bank ein Lettischer Abend im Letzigrund.

FCZ – Xamax 1:1 (1:0)

Tore:  6. Oss (Ramizi) 0:1, 26. Kramer (Sohm) 1:1.

FCZ: Brecher; Britto, Nathan, Omeragic, Pa Modou; Sohm, Domgjoni; Tosin (81. Kololli), Marchesano (69. Mahi), Schönbächler (88. Winter); Kramer.

Xamax: Walthert; Neitzke, Oss (72. Djuric), Xhemajli; Gomes, Serey Dié, Abanda (80. Seydoux); Mveng, Ramizi; Nuzzolo, Karlen (86. Haile-Selassie).

(Standbilder: Teleclub)

Panorama der Ehemaligen: Popovic trifft im ersten Spiel per Kopf / Brunner auf Bundesligakurs

Das nennt man wohl „eine Geschichte, wie sie nur der Fussball schreiben kann“. Nach seinem für Klub und Spieler wenig erfreulichen halbjährigen Engagement beim FC Zürich trifft Denis Popovic in seinem ersten Spiel für den neuen Klub Krylya Sovetov Samara ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Orenburg – und bringt sein neues bereits früh in Unterzahl agierendes Team aus kurzer Distanz per Kopf 1:0 in Führung – das zweite Kopfballtor seiner Karriere. Der auf der 10-er Position agierende Slowene bereitete später mit einem guten Pass in die Tiefe eine „hundertprozentige“ Chance zum 2:0 vor, musste mit seiner Mannschaft aber kurz vor Schluss noch das 1:1 hinnehmen. Nach dem Unentschieden im Abstiegskampf bleibt Samara auf einem Relegationsplatz, der Punkteabstand ins Mittelfeld ist aber nicht gross.

In der 2. Bundesliga lief an diesem Wochenende alles für Arminia Bielefeld und Cédric Brunner: 1:0 Heimsieg gegen Wehen Wiesbaden (mit Heinz Lindner im Tor) während die Aufstiegskonkurrenten Stuttgart, HSV und Heidenheim allesamt verloren. Als Leader der Liga haben die Arminen nun neun Punkte Vorsprung auf den „Barrage-“ und 12 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Dazu beigetragen hat auch Victor Palsson, der bei einem frühen Darmstadt-Konter zum 2:0 gegen Heidenheim per Absatz die Vorlage lieferte.

Noch zu wenig produktiv, aber immer wieder für Unterhaltung gut ist ebenfalls in der 2. Bundesliga Michi Frey mit dem abstiegsgefährdeten Traditionsklub Nürnberg. In seinem ersten Startelfeinsatz für Osnabrück  sah Assan Ceesay vor zwei Wochen eine hart gepfiffene Rote Karte wegen einem Hohen Bein im eigenen Strafraum (Gegenspieler Carlson hatte Kopf tief) und ist immer noch gesperrt. Der vom FCZ an Holstein Kiel verliehene Salim Khelifi hat seit dem Trainerwechsel von André Schubert zu Ole Werner immer mehr an Status verloren und ist jeweils nicht mehr im Matchkader anzutreffen. Bei Trainer Urs Fischer ist Admir Mehmedi schon in der U21 aufgelaufen und hat bis heute in seiner Karriere unter keinem Coach mehr Spiele (80) absolviert. Am Sonntag holte er mit Wolfsburg bei Fischer’s Union ein 2:2 und bleibt auf einem Europacupplatz – fünf Punkte vor seinem Ex-Trainer. Ricardo Rodriguez hat in der Eredivisie für PSV schon fünf Partien und zuletzt gegen Feyenoord 1:1 Unentschieden gespielt. Eindhoven ist in dieser Zeit vom fünften auf den vierten Platz vorgestossen.

Bruder Roberto spielt in Uerdingen viel (2 Tore, 9 Assists diese Saison bisher), kommt aber mit dem ambitionierten Klub in der 3. Liga nicht vom Fleck – zur Zeit nur Rang 11. Der ebenfalls nach Uerdingen gewechselte 1,68.m-Linksverteidiger Hakim Guenouche kommt dort kaum zum Einsatz, während Andreas Maxsö relativ schnell zurück nach Dänemark weitergezogen ist und dort beim viertplatzierten Traditionsklub und ehemaligen Europacupgegner Bröndby mittlerweile Captain ist. Vier Punkte hinter Bröndby liegt Aalborg, das vor Wochenfrist mit Rasmus Thelander in der Innenverteidigung das Maxsö-Team auch dank einem Tor und Assist von Ex GC-Offensivmann Lucas Andersen mit 3:2 besiegen konnte. In der 3. Liga auf dem letzten Platz liegt Carl Zeiss Jena mit Kilian Pagliuca, der mit zwei Toren und fünf Assists eine Zeit lang Stammspieler war, nach einer Rotsperre (zwei Grätschen hintereinander von hinten in Braunschweig) aber aktuell etwas aussen vor ist.

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Nico Elvedi gehört zu den konstantesten Verteidigern der Bundesliga und ist mit Borussia Mönchengladbach unter dem ehemaligen Salzburg-Trainer Marco Rose im Spitzenquintett der Liga dabei. Bei „Transfermarkt“ ist Elvedi mit 35 Mio Euro nach Teamkollege Denis Zakaria und gleichauf mit Manuel Akanji der zweitwertvollste Schweizer Spieler. Djibril Sow hat seinen Stammplatz bei der SGE im Moment an den Österreicher Stefan Ilsanker (in der Winterpause von Leipzig gekommen) verloren. Josip Drmic kommt bei Norwich City in der Premier League nach seiner Oberschenkelverletzung wieder regelmässig als Joker zum Einsatz. Berat Djimsiti, Stammspieler beim Italienischen Team der Stunde, Atalanta, musste beim 7:2-Sieg in Lecce wegen muskulären Problemen pausieren, die er sich beim Aufwärmen zum Champions League-Achtelfinal-Hinspiel gegen Valencia zugezogen hatte. Der in der Winterpause zu Inter gewechselte Innenverteidiger Andi Hoti ist dort Stammspieler in der U17. Marin Cavar ist bei Serie B-Aufstiegskandidat Chievo Verona unter Vertrag. Nach vier starken Einsätzen in der Startformation beim FC Winterthur letzten Frühling wollten ihn die Venetier unbedingt und verpflichteten ihn trotz eines in einem Testspiel gegen Stuttgart erlittenen Kreuzbandrisses.

Joël Untersee blieb nach seiner Rückkehr vom FCZ nach Italien nicht bei Empoli und ist seit einem halben Jahr vereinslos. Loris Benito (ein Saisontor) steht in der Regel bei Girordins Bordeaux (12. Platz) in der Startformation. Neun Punkte hinter Benito in akuter Abstiegsgefahr befindet sich mit Nîmes der in der Winterpause von Dresden nach Südfrankreich gewechselte Moussa Koné. Gleich bei seinen ersten beiden Teileinsätzen in Nizza und gegen Angers gelang dem Senegalesen je ein Tor. Ivan Kecojevic hat in der LaLiga2 von der Atlantikküste (Cadiz) etwas ins Landesinnere (Albacete) gewechselt. In derselben Liga ist Armando Sadiku (Malaga) mit zehn Treffern auf Platz Sieben der Torschützenliste. Raphael Dwamena (Real Zaragoza) ist hingegen seit Anfang Oktober ausser Gefecht und musste sich einer Herzoperation unterziehen.

Maren Haile-Selassie wird bei Xamax weiterhin regelmässig eingewechselt und schlägt dann jeweils auch die Standards. Arbenit Xhemajli hat sich im gleichen Team mittlerweile etabliert. Ganz allgemein spielen bei der Mehrzahl der Super League-Teams mindestens zwei Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs (unter anderem Saidy Janko, Christian Fassnacht, Anto Grgic, Filip Stojilkovic, Noah Lovisa, Miro Muheim, André Ribeiro, Francisco Rodriguez). Piu Da Costas Highlight der Vorrunde war das 1:1 in der Europa League auswärts beim grossen Favoriten Dynamo Kyiv, welcher dadurch die K.O-Runde verpasste – bis zur 94. Minute hatte Lugano bei einem Schussverhältnis von 31:7 zugunsten von Dynamo sogar noch mit 1:0 geführt. Fabio Dixon hat beim Challenge League-isten FC Chiasso bisher in 15 Partien fünf Torvorlagen liefern können, zuletzt letzte Woche beim 2:0-Heimsieg gegen Wil. Bei diesem Heimsieg stand auch Izer Aliu als „Sechser“ erstmals in der Startaufstellung der Tessiner. Auf Wiler Seite standen zudem Fabian Rohner sowie Lindrit Kamberi in der Startformation, Bledian Krasniqi (in der Vorwoche noch krank) und Kastrijot Ndau wurden eingewechselt. Shkelzen Gashi ist zurück beim FC Aarau,  wird aber noch nicht eingesetzt. Auf dem Brügglifeld gespielt hat letzte Woche der weiterhin vom FCZ ausgeliehene Albin Sadrijaj (wie üblich im Zentralen Mittelfeld) bei einem 4:4-Torspektakel und hat dabei mit dem 1:0 für den SC Kriens (wo Burim Kukeli Captain ist) in der 23. Minute sein erstes Profitor erzielt. Oli Buff hat bei GC noch keinen Skorerpunkt erzielt.

Jorge Teixeira ist bei St. Truiden (12.) in Belgien nach einer Hüftverletzung wieder daran, sich in die Mannschaft zurückzukämpfen. Dimitri Oberlin hat bei Zulte Waregem (9.) seit September kein Tor mehr erzielt. Stephen Odey ist bei Genk (7.) Joker und vermochte in der Champions League beim Heim-1:4 gegen Liverpool den „Ehrentreffer“ für die Belgier zu markieren.  Mario Gavranovic ist bei Dinamo Zagreb zur Zeit ebenfalls Joker und hat erst vier Liga-Saisontore auf seinem Konto. Ebenfalls in der obersten Kroatischen Liga engagiert ist neben Torhüter Osman Hadzikic (Inter Zapresic) auch Franck Etoundi bei Slaven Belupo Koprivnica. Asmir Kajevic kommt bei der Belgrader Nummer drei Cukaricki (5. Platz) in der Serbischen Version der „Super Liga“ (neben der Schweiz und Serbien tragen auch die obersten Ligen in Argentinien, der Türkei, China, Dänemark, Usbekistan, Malaysia, Indien und Griechenland diese Bezeichnung) in jedem Spiel zum Einsatz. Avi Rikan ist Captain beim Israelischen Spitzenreiter Maccabi Tel Aviv. Pedro Henrique hat in der Türkischen „Süper Lig“ bei Kayserispor (letzter Platz, heute Heimspiel gegen Göztepe) schon sieben Tore erzielt und zwei Gelb-Rote Karten gesehen. In der 13. Runde war der heissblütige Brasilianer nach vier Gelben Karten zusätzlich zu den zwei Gelb-Roten bereits zum dritten Mal gesperrt.

Adis Jahovic spielt seine dritte Saison in der Süper Lig beim vierten Verein und liegt aktuell auf der Torschützenliste hinter Alexander Sörloth (Trabzonspor) und Papiss Demba Cissé (Alanyaspor) und gemeinsam mit Vedat Muriqi (Fenerbahce) mit 12 Treffern auf dem Dritten Platz. Schon in der Saison 17/18 war Jahovic drittbester Torschütze der höchsten Türkischen Spielklasse hinter den Starstürmern Bafétimbi Gomis (Galatasaray) und Burak Yilmaz (Trabzonspor) gewesen. Bei Antalyaspor spielt der Nordmazedonier seit der Winterpause an der Seite von Lukas Podolski. Insgesamt kommt Jahovic in seiner Karriere im Ligafussball bisher auf 126 Tore in 284 Spielen. Der 35-jährige Gökhan Inler ist bei Europa League-Achtelfinalteilnehmer Basaksehir Ergänzungsspieler, genauso wie dessen leicht jüngerer ehemaliger Teamkollege Raffael bei Gladbach. Wie Inler in Istanbul engagiert ist Innocent Emeghara (sechs Saisontore bisher) bei einem Zweitligisten mit Aufstiegschancen in die Süper Lig: Fatih Karagümrük ist der einzige Klub, der im ältesten Teil der Stadt, dem ehemaligen Konstantinopolis, in einem wohl kaum Süper Lig-tauglichen Stadion spielt.

Dusan Djuric spielt bei seinem Stammklub Halmstad in der Superettan (Zweite Schwedische Liga) immer noch Zuckerpässe auf grosse Distanzen und trifft mit schönen Weitschusstreffern. Davide Mariani hat beim emiratischen Tabellenführer Shabab Dubai im letzten Monat nicht gespielt, nachdem er zuvor Stammspieler gewesen war. Yassine Chikhaoui kommt bei Etoile Sportive du Sahel wie einstweilen beim FCZ sporadisch zum Einsatz und für ihn muss bei diesen Gelegenheiten dann ebenfalls jeweils die Aufstellung und Spielausrichtung angepasst werden. Amine Chermiti hat sich hingegen mittlerweile wieder über Saudi-Arabien in die Indische Megapolis Mumbai verabschiedet. Der in St. Petersburg aufgewachsene Artjom Simonyan hat sich im Heimatland seiner Eltern, Armenien, von Alashkert über Ararat zu Rekordmeister Pyunik hochgearbeitet und kam im November bei einer 1:9 (!)-Niederlage in Italien wieder einmal in der Nationalmanschaft zu einem Teileinsatz. Yann Fillion kam seit seit dem definitiven ablösefreien Wechsel vom FCZ in der Winterpause bisher in allen fünf „Suomen Cup“-Partien des Finnischen Zweitligisten Ekenäs zum Einsatz. Nicolas Andereggen hatte in der gleichen Zeitspanne einen Teileinsatz beim Argentinischen Zweitligisten CA Alvarado. Der ehemalige FCZ-Brasilianer Ramazotti wäre aktuell wieder zu haben, nachdem er auf seiner Weltreise in dieser Vorrunde für Daejoon Hana Citizen in der Zweiten Koreanischen Liga drei Mal getroffen, den Klub aber in der Winterpause wieder verlassen hat. Rapperswil-Jona mit Maurice Brunner und Nicolas Stettler hat in der Rückrunde noch Chancen auf den Wiederaufstieg in die Challenge League. Als prominente Neuverpflichtung kam in der Winterpause dem Vernehmen nach Bruno Morgado von Cup-Viertelfinalgegner Sion hinzu. Kay Voser kam in der Vorrunde bei Red Star zu drei Einsätzen. Andrea Guatelli spielt im Tessin beim SC Balerna in der 2. Liga Regional. Das Frauenteam des gleichen Klubs profitiert im übrigen aktuell von den Problemen bei Lugano und ist auf bestem Weg zum Aufstieg in die Nationalliga B.

Bild Züri Live – hinten von links: Christian Schneuwly, Dimitri Oberlin, Francisco Rodriguez, Yanick Brecher, Maurice Brunner, Nico Elvedi, Oliver Buff, Ivan Kecojevic, Yassine Chikhaoui. Vorne von links: Mario Gavranovic, Andres Malloth.

 

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