Der Respekt vor Aufsteiger Vaduz in der Liga ist stark gewachsen. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass zuletzt sowohl YB, als auch Lugano ihre taktische Formation im Spiel gegen die Liechtensteiner komplett umgestellt haben, um dem massierten Mittelfeld des Frick-Teams genügend Power entgegensetzen zu können – gereicht hat es in beiden Fällen trotzdem nur zu einem Unentschieden. Gar verloren hat die Partie gegen den FCV im Letzigrund der FC Zürich und dies obwohl Trainer Massimo Rizzo seine taktische Grundformation nicht geändert, sondern „nur“ im detailtaktischen Bereich Anpassungen vorgenommen hatte. Jetzt kommts nur 10 Tage später bereits zur „Revanche“ ennet des Rheins.

Bei den Rheintalern ist der zuletzt in Lugano gesperrt gewesene Sandro Wieser jetzt verletzt. Ausserdem freut man sich im Rheinpark, dass der wichtige Stürmer Mohamed Coulibaly im Cornaredo mit einem Teileinsatz sein Comeback feiern konnte und auch gegen den FCZ auf der Ersatzbank sitzt. Dort konnte das Frick-Team nach einem Einwurf sehr früh durch Joël Schmied auf Vorlage von Abwehrchef Yannick Schmid in Führung gehen. Vaduz ist somit in den letzten drei Spielen ungeschlagen.

Der FCZ hatte gegen YB nach der sehr guten Partie in Bern zum Saisonauftakt mit einem Schussverhältnis von 6:21 im Letzigrund zuletzt gefühlt einen Eückfall in die schlechtesten Phasen der vergangenen Saison. Beim Rizzo-Team beginnt heute mal Hekuran Kryeziu im MIttelfeldzentrum neben Blerm Dzemaili.

In St. Gallen haben Mirlind Kryeziu, Winter und Khelifi eine Chance in der Startaufstellung erhalten. Zum Vorrundenabschluss gegen Spitzenreiter YB kommen die beiden in dieser Saison von den Spielminuten her zu den Stammkräften gehörenden Teenager Silvan Wallner und Becir Omeragic wieder in die Startformation zurück – Siegtorschütze Khelifi ist erneut dabei.

YB ist bisher in Auswärtsspielen diese Saison noch ungeschlagen. Zum Saisonauftakt hatte der FCZ in Bern aufgrund eines nicht anerkannten regulären Tores von Kramer in der Nachspielzeit ein Unentschieden knapp verpasst, wartet aber in der Meisterschaft seit Sommer 2014 (!) auf einen Sieg gegen die Gelb-Schwarzen. Jean-Pierre Nsamé, der in den letzten Jahren häufig mit (ungeahndeten) Schlägen ins Gesicht der Gegenspieler aufgefallen ist, sitzt nach seiner in Vaduz dank VAR geahndeten Tätlichkeit gegen Yannick Schmid seine zweite Spielsperre ab. Das Sturmduo bilden in Zürich Siebatcheu und Elia. Verteidiger Camara ist wieder zurück von seiner Sperre. Dadurch wird in der Defensivzentrale Cédric Zesiger auf die Bank verdrängt.

In Teil 1 dieser Artikel-Serie ging es letzte Woche um die drei fundamentalen Probleme, mit denen FCZ-Trainer Ludovic Magnin zu Beginn seiner zweieinhalbjährigen Ära konfrontiert war und die entscheidende Rolle des 98er-Jahrgangs beim Trainerwechsel von Forte zu Magnin: Hier gehts zu Teil 1. Der heutige Zweiten Teil liefert einen grossen Vergleich der Integration von Talenten in die 1. Mannschaft der sechs wichtigsten Schweizer Academies im letzten Jahrzehnt. Wie hat sich der FCZ im Vergleich entwickelt? Welchen Einfluss hatten Trainer, Sportchefs und Präsidenten in den einzelnen Klubs auf die Entwicklung?

Der Generationenwechsel wurde beim FCZ in der Saison 16/17 durch die Strategie des sofortigen Wiederaufstieges vertagt. Als dieser dann aber ein Jahr später aufgrund der Inkompatibilität der 98er-Generation mit Fortes Spielstil und Personalpolitik immer noch auf sich warten liess, wurde die Vereinsführung schnell ungeduldig. Diese Ungeduld übersetzte sich bei Ludovic Magnin nach dessen Berufung zum Cheftrainer in Hektik: der Waadtländer versuchte alles aufs Mal umzusetzen: Generationenwechsel, komplett andere Trainingsgestaltung und Umbau der Spielphilosophie der 1. Mannschaft, so dass diese wieder stärker in Einklang mit der Vereinsphilosophie und der Academy stand. 

Der Cupfinal 2018 als Sinnbild der unterschiedlichen Strategie von FCZ und YB

Dies alles bei laufendem Spielbetrieb und nebenbei dem dramatischen Sieg im unvergesslichen Cup-Halbfinal-Derby und einer grossen Willensleistung im Wankdorf-Final in Unterzahl. Direktbeteiligte erinnern sich heute noch daran, wie heiss und geladen das Team nach einer emotional berührenden Einstimmung in das Duell gegen Meister YB gestiegen war. Abgesehen vom übermotivierten Rotsünder Sangoné Sarr zeigte jeder Spieler seine Bestleistung im FCZ-Dress. Domgjoni beispielsweise gelang bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung eine Top-Leistung, Palsson wurde urplötzlich als Spezialbewacher von Hoarau zum Kopfballmonster, dem ansonsten eher unsicheren Thelander gelang die entscheidende Rettungsaktion auf der Linie und Marchesano erzielte ein Game Winning Goal, wie es ihm in dieser Art zuvor und danach nie gelungen ist.

Eine einprägsame TV-Szene aus diesem Final war der provokative Jubel des von seinem Stammverein YB «verschmähten» FCZ-Stürmer Michi Frey nach seinem 1:0-Führungstreffer vor seinem ehemaligen Trainer Adi Hütter. Was in diesem Zusammenhang kaum beachtet wurde: Hütter war eigentlich nicht der richtige Adressat für Freys Geste, sondern eher Sportchef Christoph Spycher. Frey ist ein Kind der Ära Fredy Bickel, welcher wie zuvor beim FCZ und zuletzt auch wieder bei GC ein grosses Augenmerk auf Verjüngung und den Einbau eigener Junioren legte. In den Bickel-Jahren schwang sich YB geradezu zu einem Ligavorbild in Sachen Juniorenförderung auf und bot der Spielergeneration rund um den 94er-Jahrgang mit Michi Frey, Leonardo Bertone, Florent Hadergjonaj, Yvon Mvogo und Grégory Wüthrich sehr viel Einsatzzeit.

Hütter, der von Bickel geholt worden war, führte diese Jugendförderung vorerst weiter. Erst mit dem Sportchefwechsel zu Christoph Spycher änderte sich die Berner Personalpolitik radikal. YB verlegte sich nun darauf, 20- bis 24-jährigen Profis mit Qualität, deren Karriere etwas ins Stocken geraten war, eine Plattform für einen zweiten Anlauf zu bieten. Der Erfolg der 1. Mannschaft gibt Spycher recht, aber für die eigenen Junioren war dies der Beginn einer regelrechten Eiszeit. Die grossen Sturmtalente Tushi und Touré sprangen, letzterer mit grossem Getöse, nach Basel und Newcastle ab. Auch ein Kronig, Kasongo oder Malula finden im Kader der Gelbschwarzen keinen Platz. Die Ansprüche sind heute enorm hoch – und der eigene Nachwuchs wird diesem nicht gerecht.

Sinkende Einsatzzeiten für eigene Junioren in den Saisons vor dem Abstieg

In die gleiche Richtung wie YB entwickelte sich in den letzten Jahren Servette. Seit dem Einstieg von Präsident Didier Fischer mit seiner «Fondation 1890» sind die Einsatzzeiten der eigenen Junioren in der 1. Mannschaft dramatisch gesunken. Trainer Alain Geiger hat diese Entwicklung noch akzentuiert. Zwar machte Servette genauso wie YB von den Resultaten her einen Sprung nach oben, aber gleichzeitig haben der Reihe nach Denis Zakaria, Kevin Bua, Dereck Kutesa, Jérémy Guillemenot, Lorenzo Gonzalez, Guillaume Furrer, Christopher Lungoyi, Alexandre Jankewitz und Becir Omeragic den Verein verlassen – unter anderem deshalb, weil sie anderswo bessere Einsatzchancen sahen. Zum Beispiel beim FCZ, der zusammen mit dem FCB, Lausanne-Sport und GC zu denjenigen vier aus den «Big Six» des Schweizer Fussballs gehört, die in den letzten Jahren wieder stärker auf den eigenen Nachwuchs setzen – und damit einen Gegenpol zu YB und Servette bilden. Luzern, St. Gallen, Aarau und andere Vereine haben in den letzten Jahren im Academy-Bereich stark aufgeholt, trotzdem macht langfristig der statistische Vergleich mit den anderen fünf Klubs aus den fünf grössten Schweizer Städten mit dem entsprechenden Einzugsgebiet und besten Palmarès sowohl bei Junioren wie Profis am meisten Sinn.

Und diese Statistik zeigt: unter Trainer Magnin sind die Einsatzzeiten für die FCZ-Nachwuchskräfte stark gewachsen. Innerhalb der letzten drei Saisons ist der FCZ in diesem Bereich zurück auf die Erste Position gesprungen – wieder auf gleichem Niveau wie in der Saison 12/13, als in der Anfangszeit von Trainer Urs Meier Berat Djimsiti, Josip Drmic und Oli Buff Stammkräfte waren und Davide Mariani ebenfalls viel eingesetzt wurde. Meier hatte damals mit Chermiti, Gavranovic, Drmic und Schönbächler ein spielerisch starkes Offensivquartett in guter Verfassung zur Verfügung, von welchem Alle regelmässig Tore erzielten – dazu ein Adis Jahovic als Joker. Bis heute ist es nicht mehr vorgekommen, dass der FCZ wie damals deutlich über dem Ligaschnitt Tore produzierte. Drmic war dabei sicherlich das entscheidende Zünglein an der Waage, der das noch fehlende dynamische Element in diese Sturmreihe brachte. Dieses Offensivquartett nahm mit seiner Präsenz und Ballsicherheit so viel Druck von der Defensive, dass man es sich sogar leisten konnte, mit Gajic und Kukuruzovic (beziehungsweise Mariani) ausschliesslich spielerisch und offensiv starke Sechser einzusetzen. Auch die Aussenverteidiger Benito und Koch hatten ihre Qualitäten in erster Linie im Spiel nach vorne.

Für so ein Szenario war der FCZ seither vorne sowohl qualitativ wie quantitativ zu wenig gut besetzt. Vor allem hat die Nachwuchsabteilung im Sturm seither keinen Josip Drmic mehr hervorgebracht. Die aktuelle U15 und U16 zeigen, dass man das Problem erkannt hat und daran arbeitet. Aber auf die Früchte dieser Arbeit muss man auf jeden Fall noch zwei, drei Jahre warten. Marco Schönbächler hat das Niveau von 12/13 später nicht mehr konstant erreicht. Auch Gavranovics und Chermitis Performance liess zwischenzeitlich nach. In der Abstiegssaison 15/16 war Mittelfeldspieler Buff mit acht Treffern bester Zürcher Torschütze. Jene Spielzeit war auch gekennzeichnet durch sehr wenig Einsatzzeiten der eigenen Junioren. Fehlende Blutauffrischung ist meist kein gutes Zeichen und trägt bei Mittelfeldklubs immer wieder mit zum Absturz bei. Beim FCZ hatte dieser Abwärtstrend bereits unter dem ehemaligen Academy-Trainer Meier eingesetzt und sich unter Hyypiä (und danach Forte) weiter verstärkt. Noch extremere Beispiele dafür waren Lausanne-Sport 17/18 und Servette in der Saison 12/13, die fast gar keine eigenen Junioren mehr einsetzten – und abstiegen.

GC setzt die meisten externen jungen Spieler ein

Eine scheinbare Ausnahme dieser Regel bildet GC, das seinen Eigengewächsen in der Abstiegssaison eine immerhin durchschnittliche Spielzeit zugestand. Dort war aber der auf den ersten Blick erkennbare Zickzack-Kurs das Problem des gesamten Jahrzehnts. Zuerst eine klare Jugendpolitik gepusht unter Trainer Sforza und anschliessend weitergeführt durch Forte mit einem Fast-Abstieg gefolgt von einem Fast-Meistertitel mit der Generation Zuber / Izet Hajrovic / Toko. Dann kam Michael Skibbe – und die Juniorenförderung rasselte in den Keller. Anschliessend übernahm der ehemalige Nachwuchs-Nationaltrainer Pierluigi Tami und fuhr das Ganze wieder hoch. Als nächstes warf Murat Yakin das Steuer erneut um 180 Grad herum. Der ehemalige Nati-Verteidiger ist ein Coach, welcher traditionell wenig auf die Jungen setzt. Daraufhin wurde der massvolle Jugendförderer Thorsten Fink geholt, welcher praktisch vom Nullpunkt aus wieder mehr Academy-Spieler einzubauen begann. Allerdings brachten sowohl die Achse der Routiniers, auf die man setzte, genauso wie der junge Hoffnungsträger Nedim Bajrami ihre Leistung nicht – und GC stieg ab. In der Folge nutzte man anders als der FCZ die Challenge League-Saison, um mit Pusic, Morandi, Dickenmann, Mesonero oder Fehr viele Eigengewächse als Stammspieler zu pushen – und verpasste Ende Saison den Aufstieg.

Neben dem FCZ und GC haben auch Basel und Lausanne einen klaren Kurs in Richtung stärkerem Einbau von Academy-Spielern in die 1. Mannschaft aufgenommen. Bei Lausanne sieht man seit dem Einstieg des neuen Klubbesitzers INEOS beziehungsweise dem Start der Ära Contini ein moderates Wachstum in diesem Bereich. Beim FCB hat hingegen der neue Besitzer Bernhard Burgener den von ihm und seinem damaligen Team mit Marco Streller und Alex Frei bei der Übernahme ausgerufenen Plan in die Tat umgesetzt. Die Rotblauen als ehemalige wichtige Talentschmiede (Shaqiri, Granit Xhaka, Embolo) waren in den Jahren zuvor zum Klub mit den wenigsten Einsätzen von eigenen Junioren abgerutscht, was sich unter Burgener und dessen Trainern Wicky, Koller und nun Sforza radikal geändert hat.

Berücksichtigen muss man bei der Analyse der Statistik der eingesetzten eigenen Junioren, dass diese nicht nur von der Klubpolitik, sondern auch von Schwankungen in der Qualität der Jahrgänge und von Verletzungen beeinflusst wird. So würde die Kurve unter Urs Meier wohl nicht so stark nach unten zeigen, wenn Armin Alesevic und Mike Kleiber nicht chronisch verletzt ausgefallen wären. Insgesamt hat der FCZ über die letzten zehn Jahre seinen im U21-Alter befindlichen eigenen Junioren beinahe 6’000 Minuten Einsatzzeit pro Saison ermöglicht und liegt damit an der Spitze der sechs Vergleichsklubs – vor GC und Lausanne. Am wenigsten gefördert wurde der eigene Nachwuchs in der letzten Dekade bei Servette – und dies trotz grossem Talentreservoir und langen Aufenthalten in der zweithöchsten oder gar dritthöchsten Liga, wo es viel Gelegenheit zum vermehrten Einsatz der Jungen gegeben hätte. Am zweitschlechtesten schneidet YB ab. Die negative Bilanz der letzten Jahre fällt mehr ins Gewicht, als die Juniorenförderung unter Bickel. Der FCZ liegt auch beim Anteil der eigenen Junioren an den im Profiteam eingesetzten U21-Spielern vorne – es waren über zehn Jahre hinweg mehr als zwei Drittel (68%). An zweiter Position in dieser Wertung liegt Lausanne-Sport. GC’s Quote liegt mit 47% deutlich tiefer. Eine leichte Mehrheit der bei den Grasshoppers im letzten Jahrzehnt eingesetzten U21-Spieler stammten also nicht aus dem eigenen Nachwuchs.

Einerseits hatte der Zürcher Stadtrivale speziell im Abstiegsjahr eine ganze Armee von jungen ausländischen Spielern im Einsatz, die sich die Klinke in die Hand gaben und schneller wieder weg waren, als sie überhaupt «Grasshoppers» buchstabieren konnten. Vor allem aber stammte lange Zeit ein Grossteil der in der 1. Mannschaft im Profibereich debütierenden jungen Spielern nicht aus dem eigenen Nachwuchs. Vor allem in der Nachwuchsabteilung des FC Winterthur bediente man sich gerne, aber auch Talente aus der Westschweiz oder zuletzt dem Tessin wurden immer wieder auf den Campus gelockt, wo ein Teil von ihnen auch wohnte. Die Gesamtzahl Spielminuten von U21-Spielern (inklusive externe) ist bei GC mit beinahe 10’000 Minuten deshalb pro Jahr am höchsten – mit dem FCZ an zweiter Position. 

UEFA-Standard: beispielsweise für die Saison 2020/21 höchstens Jahrgang 1999.

Definition „U21-Spieler“

Spieler im U21-Alter, die mindestens in der U18 desselben Klubs eingesetzt wurden. Dementsprechend gilt Fabian Frei als FCB-Junior, Valentin Stocker (SC Kriens) hingegen nicht.  Nassim Ben Khalifa (Lausanne-Sport) oder Moritz Bauer (Winterthur) gelten nicht als GC-Junioren und Philippe Koch (Solothurn) oder Francisco Rodriguez (Winterthur) nicht als solche des FCZ.

Definition „Eigene U21-Spieler“

Dieser Artikel ist in voller Länge im aktuellen „Daléo“ unter dem von der Redaktion gesetzten Titel „Bilanz eines Versagens“ zu lesen. Hier auf Züri Live wird der dritte von vier Teilen Ende Woche publiziert.

Statistiken: Züri Live basierend auf Daten von transfermarkt.ch

Nach der enttäuschenden Niederlage zum Auftakt in Chiasso (hier gehts zum Analyse-Artikel) tritt der Stadtclub in der Super League 1. Runde mit einem im Vergleich zu einigen Spielen der letzten Saison sehr guten Spirit in Bern an. Statistisch gesehen zeugen davon unter anderem die rekordhohen 100 Top-Defensivaktionen. Ein Drittel davon gingen alleine auf das Konto von Neuverpflichtung Lasse Sobiech (29 Jahre) und Eigengewächs Silvan Wallner (18), die beide genauso wie Antonio Marchesano von Züri Live die „10“ erhalten. In der Mehrzahl der Partien erhält normalerweise kein Spieler die Höchstnote – gleich drei in einem Spiel ist aussergewöhnlich. Sobiech bringt dem FCZ mit seinen Tacklings und der Lufthoheit im eigenen Strafraum viel Sicherheit, auch wenn er speziell in der Zweiten Halbzeit das ein oder andere unnötige Foul zu viel beging.

Silvan Wallner, bester Zürcher der Ersten Halbzeit, bringt mit seiner konsequenten Verteidigungsarbeit auf Berner Seite über weite Strecken des Spiels Garcia und Ngamaleu fast zur Verzweiflung, was in den letzten Jahren keinem Zürcher Rechtsverteidiger gelungen ist. In der 20. Minute befreite der 18-jährige gar mit einem Fallrückzieher an der Fünfmetergrenze. Simon Sohm beginnt sehr gut in der Innenverteidigung neben Lasse Sobiech und spielt auch nach seinem Wechsel ins Mittelfeld (Gelb-Rote Karte Hekuran Kryeziu) souverän, lässt dann aber in der Schlussphase beider Halbzeiten jeweils stark nach. Nach der Halbzeitpause dreht Toni Domgjoni dafür immer mehr auf und ist mit seinen vielen Ballgewinnen, aber auch punktgenauen Spielverlagerungen das kämpferische Vorbild des Teams.

Hoch spielen, tief verlieren

Gemessen an seinen Auftritten in der Challenge League überraschend gut, aber trotzdem deutlich schlechter als Wallner verteidigt auf der linken Seite Tobias Schättin. Letztendlich fallen beide Gegentore im Wesentlichen dadurch, dass der vom FC Winterthur gekommene Aussenläufer seinen Raum am entfernten Pfosten nicht im Griff hat. Dem FC Zürich war zuvor in der fünften Minute das früheste erste Saisontor der Super League-Geschichte gelungen – nachdem Wallner und Sobiech im eigenen Strafraum die Verteidigungsarbeit geleistet hatten, sorgten Assan Ceesay und Benjamin Kololli für die Zürcher Führung. Aus weiteren vielversprechenden Offensivaktionen, zum Beispiel einer Drei gegen eins-Situation am gegnerischen Strafraum macht der Waadtländer aber zu wenig und sein Querschläger vor dem eigenen Strafraum führt zum Eckball zum 1:1 durch Felix Mambimbi, bei welchem Kololli in seinem Raum nicht ins Luftduell mit Camara geht und Schättin sowie Torhüter Brecher patzen.

10. Minute, Wankdorf: Benjamin Kololli macht beim Stand von 1:0 für den FCZ viel zu wenig aus einer vielversprechenden Drei gegen eins-Situation.

Die ersten Eindrücke der Partie sind gut. Im Spiel ohne Ball wird ökonomisch und trotzdem konsequent gemeinsam verschoben. Beim Einwurf wird erst Luft geholt und dann mit einem Sprint dem Einwerfenden entgegen gelaufen. Der FCZ agiert mit deutlich mehr hohen Bällen, als bei den hohen Niederlagen gegen den gleichen Gegner in der Vergangenheit. Motto: hoch spielen, tief verlieren. Dabei profitiert das Team von Trainer Magnin von Ceesays deutlich verbesserten Skills in den Luftduellen und auch von Yanick Brechers grossmehrheitlich guten langen Zuspielen. In der Neunten Minute braucht es trotzdem eine Top-Parade von Brecher gegen Garcia, um den frühen Ausgleich zu verhindern. YB kommt insgesamt zu 14 Eckbällen, die von Vincent Sierro jeweils hervorragend getreten werden. Die Standards des FCZ hingegen sind zwar nicht gerade schlecht, aber sie weisen nicht mehr die gleiche Qualität auf, wie im Frühsommer zwischen Lockdown und Quarantäne. Nach einer weitgehend ausgeglichenen Ersten Halbzeit übernimmt YB zu Beginn der Zweiten das Szepter, was sich nach dem Platzverweis gegen Kryeziu, der gezögert hatte, den Ball wegzuschlagen und stattdessen Garcia traf, noch weiter verstärkt. Nach einem Ellbogen von Zesiger im Luftduell im Gesicht von Ceesay in der 70. Minute herrschte wieder numerischer Gleichstand. Es war Karma – im ersten Durchgang hatte Zesiger sich theatralisch am Kopf haltend eine Gelbe Karte gegen Ceesay provoziert, der seinen Gegenspieler nur leicht an der Schulter berührt hatte.

70. Minute, Wankdorf: Teambesprechung FCZ während Assan Ceesay gepflegt wird. Danach dominiert der FCZ bei Zehn gegen Zehn das Spiel und kommt dem Ausgleich mehrmals nahe.

Fabian Lustenbergers drei Schwalben

Die Pflege von Ceesay auf dem Platz (dauerte volle drei Minuten!) nutzte Trainer Magnin, um sein Team auf die Schlussphase bei Zehn gegen Zehn einzuschwören. Er stellte das 4-4-1 in ein 3-4-2 um, während YB im 4-4-1 agierte. Dies trug wesentlich dazu bei, dass der FCZ die letzten 20 Minuten klar dominierte. Die Spieler strahlten trotz mehr Risiko im Vergleich zur Rückrunde viel mehr Sicherheit aus, kassierten keinen Gegentreffer mehr und waren mehrmals am Ausgleich nahe dran. So beispielsweise in der 75. Minute, als Ceesay nach einem tollen Angriff unter Beteiligung aller zehn FCZ-Akteure inklusive Goalie Brecher und gefühlvoller Hereingabe Marchesanos alleine sechs Meter vor dem gegnerischen Gehäuse den Ball mit gestrecktem Bein nur knapp verpasste. In den letzten fünf Minuten wurde das Risiko noch weiter erhöht, als Lasse Sobiech vom Zentralen Verteidiger zum Mittelstürmer mutierte und aus dem 3-4-2 ein 2-4-3 wurde mit jeweils fünf Mann direkt am und im gegnerischen Strafraum, da die eingewechselten Winter und Khelifi (beide mit mehreren misslungenen Aktionen) auf der Seite permanent rauf- und runterrannten.

95. Minute, Wankdorf. Die „Lex Guillemenot“ (siehe Artikel dazu hier) besagt: breitet ein Spieler beide Arme aus und hebt auf den Zehenspitzen ab wie ein Flugi, ist es eine Schwalbe. Fabian Lustenberger schauspielerte auf die genau gleiche Art und Weise gleich drei Mal in dieser Partie (4,, 55. und 95. Minute). Im zweiten und dritten Fall fiel Schiedsrichter Schnyder darauf herein.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielten in dieser Partie zudem die drei identischen Schwalben von YB-Captain Fabian Lustenberger. Die erste in der Vierten Minute im Duell mit Assan Ceesay im Mittelfeld lässt Schiedsrichter Schnyder noch unbeeindruckt. Auf die zweite in der 55. Minute, bei welcher Lustenberger zudem seinen Ellbogen ins Gesicht von Antonio Marchesano rammt, fällt Ref Schnyder hingegen rein. Statt Gelb gegen Lustenberger und Freistoss für den FCZ, gab es den stehenden Ball für YB direkt vor dem Zürcher Strafraum, welcher zur Gelb-Roten Karte Hekuran Kryezius führte. Auch auf die dritte Schwalbe Lustenbergers fällt Schnyder rein und verhindert damit in der Nachspielzeit nach einem weiteren verlorenen Zweikampf Lustenbergers gegen Marchesano im Berner Strafraum den durchaus verdienten 2:2-Augleich des Stadtclubs.

BSC Young Boys – FC Zürich 2:1 (1:1)
Tore: 5. Kololli (Ceesay) 0:1, 24. Mambimbi (Zesiger) 1:1; 69. Fassnacht (Garcia) 2:1.
Young Boys: Faivre; Hefti, Camara, Zesiger, Garcia (84. Lefort); Fassnacht (89. Elia), Lustenberger, Sierro, Moumi Ngamaleu (84. Sulejmani); Mambimbi (73. Gaudino), Nsamé (89. Siebatcheu).
FCZ – Brecher; Wallner, Sobiech, Sohm, Schättin (84. Winter); H. Kryeziu, Domgjoni; Koide (59. Nathan), Marchesano, Kololli (44. Khelifi); Ceesay (84. Kramer).

(Standbilder: Züri Live, Teleclub)

Im Vergleich mit der letzten Wettbewerbspartie gegen Xamax zeigt sich der FCZ zum Wiederauftakt nach der „Corona-Pause“ verbessert. Schon nach sieben Sekunden gewinnt Rüegg im Mittelfeld gemeinsam mit Tosin gegen Moumi Ngamaleu den Ball und macht den Lauf direkt vors Tor, wird von Marchesano mit einem schönen Steilpass eingesetzt, kann den Ball dann aber nicht am herauslaufenden David Von Ballmoos vorbeischieben. Die Szene illustriert exemplarisch das weiter verbesserte Mittelfeldpressing der Mannschaft. Der Ball wird häufiger als zuvor gewonnen, weil sich mehr Spieler solidarisch daran beteiligen. Zu oft hing bisher alles von der Initiative und dem Laufpensum Toni Domgjonis ab. In Bern beteiligten sich grundsätzlich alle Spieler gemeinsam an der Balleroberung. Gerade auch Benjamin Kololli nahm nicht nur offensiv eine wichtige Rolle ein, sondern arbeitete defensiv konsequenter und konstanter mit, als über weite Teile der bisherigen Saison.

Es bestätigte sich zudem auch in Bern, dass der Waadtländer der Mannschaft als Sturmspitze mehr bringt. Ceesay und Kramer sind gute Konterstürmer, aber wenn der FCZ das Spiel machen will, dann ist ein Stürmer, der vorne mit dem Rücken zum Tor den Ball halten kann, zentral. Und es gibt abgesehen von Jean-Pierre Nsamé in der Liga kaum einen Offensivspieler mit einem solchen Anteil an gewonnenen Kopfballduellen (61,2%). Zudem ist es kein Geheimnis, dass Kololli zu den abschlussstärksten Spielern des Kaders gehört. Sein 2:1 in der 38. Minute war ein von Tosin mit einem Energieanfall herausgeholter Freistoss aus etwas weniger als 30 Metern: ein Innenrist-Effetball, bei welchem YB-Torhüter David Von Ballmoos nicht das einzige Mal in dieser Partie gepatzt hat. Schon in den Testspielen war aufgefallen, dass der Berner Keeper momentan nicht in Form ist. Auch seinen Vorderleuten unterliefen ungewohnt viele Fehlzuspiele. Speziell der ansonsten gegen den FCZ immer motivierte Christian Fassnacht kam nie richtig in die Gänge.

Der Zürcher war es auch, welcher in der 26. Minute gegen Rüegg, Schönbächler, Domgjoni und Marchesano denjenigen Ball verlor, welcher nach Vorarbeit von Kololli zur Zürcher Führung durch Tosin führte – dem ersten FCZ-Tor gegen YB nach 507 Minuten. Der Nigerianer spielte wie gewohnt engagiert, aber ebenso wie üblich mit seinen obligaten schwachen zehn Minuten zwischendurch. In diesen passte er im Anschluss an einen YB-Einwurf nicht auf und liess Janko am eigenen Strafraum aus den Augen. – und Rüegg kam in der Mitte zu spät gegen Nsamé. Ausgerechnet Tosin und Rüegg waren bis zu dieser 32. Minute die einzigen bis zu diesem Zeitpunkt fehlerfreien Zürcher Spieler gewesen. Rechtsverteidiger Rüegg wirkte genauso wie Torhüter Brecher nach der Corona-Pause mental aufgeräumt und fokussiert.

In der Innenverteidigung sorgte Becir Omeragic für gewisse offensive Akzente, während Mirlind Kryeziu vor allem defensiv über weite Strecken der Partie der Fels in der Brandung war. Bis zur 80. Minute war das Expected Goals-Verhältnis 1,60 : 1,29 zugunsten des FC Zürich – das Zwischenresultat von 2:1 für das Auswärtsteam daher logisch. Ebenso gut erklärbar ist aufgrund der Torchancen der Schlussphase dann aber schlussendlich der Sieg von YB, denn die Berner drehten das gewichtete Chancenverhältnis bis zum Schluss noch auf 3,11 : 2,28. Schon früh nach der Pause schien der FCZ etwas nachzulassen. Einerseits hatte man seit dem 1:0-Sieg in Neuenburg Ende November nicht mehr so gute Torchancen herausgearbeitet wie nun gegen YB. Gleichzeitig musste man nur bei der 0:4-Niederlage im August im Wankdorf deutlich mehr Torchancen zulassen, als diesmal. Der Ballbesitzanteil war mit 33,22% gar der tiefste der Saison – und nur in Unterzahl beim FC Thun sowie zu Beginn der Saison in Luzern gewann der FCZ weniger Zweikämpfe (42%).

Die eingewechselten Hoarau und Sulejmani lieferten die Vorarbeit zu den Treffern Nummer zwei und drei von Jean-Pierre Nsamé. Der ehemalige Servette-Stürmer hat mittlerweile doppelt so viele Treffer auf seinem Konto, wie der Zweitplatzierte der Liga. Speziell für den eingewechselten Guillaume Hoarau wich der FCZ bei Defensivstandards von der reinen Raumdeckung ab und stellte Hekuran Kryeziu als Manndecker für den grossgewachsenen Franzosen ab. Nachdem Lefort und Fassnacht an diesem Abend per Kopf das Gehäuse nicht zu treffen schienen, erledigte dies dann halt Jean-Pierre Nsamé – mit seinem ersten Super League-Kopfballtor der Saison. Der zehnte YB-Corner war schlussendlich einer zuviel. Trotzdem hatte der FCZ zu Beginn der Nachspielzeit seine grösste Torchance des Spiels zum möglichen 3:3-Ausgleich, als Débutant Stephan Seiler den Nachschuss eines Sohm-Hammers knapp am Gehäuse vorbeilupfte. Sohm war dabei der Ball ausgezeichnet vom ebenfalls eingewechselten Züri Live-MVP Vasilije Janjicic aufgelegt worden, welcher in der Schlussphase mit seinem Direktspiel mitverantwortlich für ein nochmaliges Aufbäumen der Zürcher war. Zum ersten Super League-Einsatz Seilers war es beinahe gleichenorts beim 0:4 im letzten August gekommen, als der U21-Captain die Anweisung bekam, sich in der Pause einzulaufen. Eingewechselt wurden dann aber stattdessen Matteo Di Giusto und Ilan Sauter. Bei einer 2:1-Führung reinzukommen, war nun natürlich dankbarer. Seiler unterliefen zu Beginn ein paar Fehler, aber gegen Ende seines Einsatzes vermochte er sich bereits zu steigern. Genauso wie Janjicic gehört Stephan Seiler zur Spezies der beim FCZ besonders häufig aus der Academy hervorgehenden starken Zentralen Mittelfeldspieler. Beide wurden in der Schlussphase in Bern auf dem Flügel eingesetzt, während Simon Sohm das Zentrale Mittelfeld mit Domgjoni und Hekuran Kryeziu in einem 4-1-4-1 verstärkte. Die fünf Zentralen Mittelfeldspieler waren dann tatsächlich noch einmal nahe am Ausgleich, während Blaz Kramer als Einziger einmal mehr blass blieb.

Young Boys – FC Zürich 3:2 (1:2)
Tore: 25. Tosin (Kololli) 0:1, 32. Nsamé (Janko) 1:1, 38. Kololli (Freistoss, Tosin) 1:2; 81. Nsamé (Hoarau) 2:2, 85. Nsamé (Sulejmani) 3:2.
YB – Von Ballmoos; Janko (46. Garcia), Lustenberger, Lefort, Lotomba; Fassnacht (75. Sulejmani), Martins, Aebischer (75. Gaudino), Moumi (66. Spielmann); Nsamé, Mambimbi (66. Hoarau).
FCZ – Brecher; Rüegg, Omeragic, M. Kryeziu, Kempter (75. Britto); Tosin (82. Janjicic), H. Kryeziu, Domgjoni, Schönbächler (63. Seiler); Marchesano (82. Sohm), Kololli (82. Kramer).

Nach fünf Rückrundenpartien ohne Sieg war Ende Februar die Geduld von FCZ-Trainer Ludovic Magnin aufgebraucht. Er kündigte an, dass der Bonus, den sich die Stammformation der zweiten Hälfte der Vorrunde mit ihren guten Resultaten herausgespielt hatte aufgebraucht sei. Akteure von der Ersatzbank würden nun im nächsten Spiel auswärts bei YB eine Chance erhalten. Dazu kam es bekanntlich nicht mehr. Gilt der damalige Plan auch vier Monate später noch?

Durchaus! Becir Omeragic beispielsweie erhält eine Chance von Beginn weg. Nathan fehlt mit Trainingsrückstand und Umaru Bangura ist nicht auf dem Matchblatt, auf welchem sich kein gelernter Innenverteidiger befindet (Willie Britto und Simon Sohm könnten allenfalls aushelfen). Ebenfalls nicht mit dabei ist Pa Modou Jagne. Michael Kempter erhält eine Chance von Beginn weg. Der lange verletzt gewesene Hekuran Kryeziu beginnt von Anfang an. Der in den Testspielen treffsichere Benjamin Kololli beginnt wohl wie in vielen Freundschaftspartien in der Spitze.

YB-Trainer Gerardo Seoane seinerseits kann dank der Corona-Pause praktisch aus dem vollen schöpfen. Die verletzten Miralem Sulejmani, Jordan Lotomba, Michel Aebischer, Vincent Sierro, Mohamed Camara und Frederik Sörensen sind wieder ready. Zudem haben sich die Winterneuverpflichtungen Elia Meschak und Jordan Lefort mittlerweile akklimatisiert, Guillaume Hoarau wird die Pause auch gut getan haben und Youngster Felix Mambimbi ist noch näher an einem Stammplatz dran.

Lefort steht in der Startformation in der Innenverteidigung zusammen mit Captain Fabian Lustenberger. Für den Innerschweizer Routinier spielt Christopher Martins neben Michel Aebischer im Zentrum. Felix Mambimbi darf neben Jean-Pierre Nsamé von Beginn weg stürmen. Linksverteidiger Ulisses Garcia sitzt nur auf der Ersatzbank, so dass ein Rechtsfüsser (wohl Jordan Lotomba) auf links spielen wird. Die Ersatzbank YB’s ist unter anderem mit zwei der besten Spieler der Liga – Miralem Sulejmani und Guillaume Hoarau – besetzt.

Hat sich der FCZ in den Testspielen gut eingeschossen oder bereits wieder ausgeschossen? Muss YB-Torhüter David Von Ballmoos, dem in den Testpartien die ein oder andere Unkonzentriertheit unterlief, erstmals in dieser Saison gegen den Letzigrundklub hinter sich greifen? Beide Mannschaften können beinahe auf ihr ganzes Personal zurückgreifen. Das war Anfang Saison noch anders gewesen, als der FCZ mit seinem „letzten Aufgebot“ nach Bern gereist war.

In den letzten Jahren hat der FCZ gegen YB eine ausgesprochen schlechte Bilanz. Zum fünften Mal in Folge werden die Berner auch nach dieser Saison und den zwei noch ausstehenden Direktduellen mit einer positiven Bilanz aus den Begegnungen mit dem FC Zürich hervorgehen. Dies nachdem zuvor historisch YB dem FCZ eigentlich eher relativ gut lag.

Frage zum Spiel: Wie startet der FCZ in Bern in den Saisonschlussspurt?

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Die Wiederholung des Penalties für YB im Spitzenspiel von heute zwischen den FC St. Gallen und dem amtierenden Meister gibt zu reden, und dies völlig zu Recht. Wirklich nur ein paar Zentimeterchen steht St. Gallen Torhüter Zigi mit seinem linken Fuss vor der Torlinie, als YB-Stürmer Guillaume Hoarau den Ball Richtung Ostschweizer Tor schiesst. Nach der Partie meinte Schiedsrichter Alain Bieri im TV-Interview, dass dies halt die Regeln seien. Die Klubs seien vor der Saison darauf hingewiesen worden. Das mag stimmen, aber was Bieri  verschwieg: diese Regeln werden so wie es scheint willkürlich umgesetzt. 

Wir haben im Archiv vier Penalties gefunden, die diese Saison definitiv (weder beim ersten Schuss, noch beim Nachschuss) nicht verwertet wurden und deshalb relevant sind für die Frage, ob der Torhüter mit einem Fuss die Linie berührt hat:

  • Lawrence Ati Zigi gegen Young Boys
  • Noam Baumann gegen St. Gallen
  • Kevin Fickentscher gegen den FC Zürich
  • Laurent Walthert gegen den FC Zürich

Und siehe da! Von den vier Torhütern schien nur einer (Walthert) seinen Fuss auf der Linie zu haben! Baumann (Lugano) gegen St. Gallens Cédric Itten und Fickentscher (Sion) gegen Benjamin Kololli (FCZ) standen ähnlich knapp wie Zigi VOR der Linie – ohne dass es der VAR für nötig befand, dies zu melden! Die berechtigte Frage stellt sich also: wenn man es schon so genau nehmen will, warum nur, wenn es YB betrifft?

Bei St. Gallen – YB war Sandro Schärer der Verantwortliche VAR wie schon vor zwei Wochen bei FCZ – Basel, als er ein klares Stürmerfoul von Cabral gegen Nathan vor dem wichtigen 0:1 schon nach 12 Sekunden übersah – siehe: FCZ – FCB Analyse

Wie in St. Gallen war Alain Bieri zudem zum Saisonauftakt FCZ – Lugano Schiedsrichter gewesen, als er die Schwalbe von Jonathan Sabbatini vor dem Penalty zum wegweisenden 0:1 als „Foul“ taxierte, und von VAR Stephan Klossner nicht auf diese Fehlentscheidung hingewiesen wurde – siehe: FCZ – Lugano Analyse

Auffallend ist zudem schon seit etwa zwei Jahren die gehäufte Besserbehandlung von YB in entscheidenden Szenen sowohl in Spielen gegen den FCZ wie auch gegen andere Gegner – siehe: YB – FCZ Analyse

Hier die vier relevanten Penalties:

Lawrence Ati Zigi steht gegen YB hauchdünn VOR der Linie:

Noam Baumann steht gegen St. Gallen hauchdünn VOR der Linie:

Kevin Fickentscher steht gegen den FCZ hauchdünn VOR der Linie:

Laurent Walthert steht gegen den FCZ als Einziger AUF der Linie:

(Standbilder: Teleclub / SRF) 

 

Im klassischen Theater oder in Filmen tauchen immer wieder dieselben Figuren auf, einzig in Frisur und Kleidung an die aktuelle Mode angepasst – und manchmal nicht einmal das. So auch beim FCZ. Da gibt es die Figur des soliden Büezers, der Fussball als Arbeit versteht und es nur dank dieser Einstellung auch in die oberste Spielklasse geschafft hat. Er kommt über den Kampf ins Spiel und regt sich manchmal darüber auf, dass einige der Teamkollegen zu wenig laufen. Und da der Fussballgott manchmal gerecht ist, gelingt ausgerechnet dem Büezer die entscheidende Flanke in der letzten Sekunde einer 36 Runden dauernden Meisterschaft, die den ersten Titel seit 25 Jahren bringt. Oder er schiesst das einzige Tor seiner Karriere in seinem letzten Spiel. Oder er trifft in der Scala des Fussballs artistisch per finnischem Volkstanz-Schritt.

Mit dieser Figur kann sich der Fan identifizieren, der seit seinem 17. Lebensjahr jeden Werktag zwischen fünf und sechs Uhr aufsteht und zwei Mal wöchentlich mit viel Engagement und Herzblut eine Juniorenmannschaft trainiert. Sie taucht in jeder Spielergeneration wieder auf unter Namen wie Urs Fischer, Florian Stahel, Hannu Tihinen oder Alain Nef. Die zweite Figur ist diejenige des Künstlers, des erkannten, noch häufiger aber auch verkannten Genies. Sie liegt all denjenigen FCZ-Anhängern am Herzen, die wissen, dass es für echten Fortschritt und Innovation mehr braucht, als einzig an der Seitenlinie rauf- und runterzuhetzen. Die davon überzeugt sind, dass ein Pass von Zinedine Zidane oder ein Dribbling von Diego Armando Maradona die Welt verändern können, und die von der Schönheit der Ballbehandlung eines Roberto Baggio fasziniert sind. Die wissen, dass Künstler einen Leidensweg durchschreiten müssen, um überhaupt zu Künstlern zu werden – und es dazu Geduld und künstlerische Pausen braucht. Von Köbi Kuhn über Jure Jerkovic, Marcel Raducanu, Gocha Jamarauli und Raffael bis zu Yassine Chikhaoui durfte auch diese Figur nie fehlen.

Eine dritte Figur ist der Typ «durchgeknallter Stürmer». Wer emotional ist, instinktive Entscheidungen fällt, und in seiner Biographie schon manchen Bruch erlebt hat, der fühlt sich seelenverwandt mit einem John Linford, Fredy Chassot, Alhassane Keita, Eric Hassli oder Michi Frey. Die aufgezählten Interpreten der klassischen Figuren sind alles Fussballer aus der wilden Jugend-Ära des Fussballs. Die «Kindheitsära» war die Pionierzeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Es war die Zeit der «Unschuld», der improvisierten Fussballfelder und der Geldknappheit, in welcher Mäzenatentum bedeutete, den jungen Burschen einen Matchball zu spenden. In der «Jugend-Ära» (zweite Hälfte 20. Jahrhundert und noch ein paar Jahre darüber hinaus) geschah der grosse Aufbruch. Fussball wird globaler Volkssport, mit Live-Übertragungen zuerst im Radio, dann im TV, sowie eine drastische Zunahme der Anzahl Profispieler.

Mittlerweile ist der Fussball aber in eine neue Ära eingetreten. Er ist erwachsen geworden. Fertig lustig! In den Jugendjahren des Fussballs konnte ein Spieler mit viel Talent noch einen ungesunden Lebenswandel pflegen oder neben dem Fussball Vollzeit arbeiten und trotzdem international mithalten. Da wurden Nationalspieler ohne einen Schimmer von Didaktik Kraft ihres grossen Namens nach Beendigung ihrer Karriere automatisch Trainer in der höchsten Liga. Und auf dem Platz waren die Rollen klar verteilt: es gab die Wasserträger, Haudegen, Knipser und Regisseure mit dem Bewegungsradius eines imaginären Bierdeckels. Ganz unterschiedliche Typen, Charaktere, Figuren – wie im klassischen griechischen Theater.

Der Fussball hat sich professionalisiert und globalisiert. Das Niveau ist gestiegen. Die breit angelegte SFV-Ausbildungsphilosophie seit den 90-er Jahren bringt es mit sich, dass in Super League und Challenge League alle Gegenspieler taktisch und technisch gut ausgebildet sind. Weltweit bieten sich zehntausende Spieler und mindestens ebenso viele Spezialisten drumherum wie Trainer, Medizinisches Personal, Scouts, Analytiker, Ausbildner und so weiter den Klubs an, sorgen für Konkurrenz und können von diesem Sport zu 100% leben. Um nur schon auf dem Niveau einer Super League mithalten zu können, muss jeder Profispieler, vom Torhüter bis zum Mittelstürmer, heutzutage ein Mindestmass an Technik, Spielverständnis, Kraft, mentalen Qualitäten und Laufleistung mitbringen.

Bei dem Tempo, in welchem heute Fussball gespielt wird, geht es erstmal nicht darum, mit dem Ball irgendwelche Wunderdinge zu vollbringen – das können bei dieser Geschwindigkeit sowieso nur ganz wenige. Viel wichtiger ist eine solide erste Ballberührung bei hohem Tempo – und dies vor allem konstant in mindestens 90% der Fälle, dazu Beweglichkeit und Handlungsschnelligkeit. Der moderne Fussball ist besser, aber in vielen Dingen auch gleichförmiger geworden. Um mithalten zu können, darf man heute keine echten Schwachpunkte mehr haben. Gerade die Schwachpunkte waren es jeweils gewesen, die in der Vergangenheit eine Figur, einen Typen charakterisierten.

Der FCZ war immer ein Team der Typen und Charakterköpfe. Die meisten Fans, Journalisten und auch Vereinsverantwortlichen sind in der «Jugend-Ära des Fussballs» aufgewachsen und von dieser geprägt worden. Bis heute werden von allen Seiten in der 1. Mannschaft Figuren gerne gesehen, die etwas aus der Zeit gefallen scheinen. Auch gegnerische Spieler und Trainer haben die letzten Jahre wiederholt von den technischen Finessen von FCZ-Spielern geschwärmt, und gleichzeitig gerne die drei Punkte mit nach Hause genommen. Ein Mimoun Mahi beispielsweise oder ein Benjamin Kololli streicheln zwar den Ball so sanft wie einen Hundewelpen, verschleppen aber auch das Spiel wie ein Spielmacher aus den 80er-Jahren und verursachen gegen heutige laufstarke Gegner viele Ballverluste. Ein Denis Popovic ist so langsam, dass er nur in ein einem Team mit neun sehr laufstarken Mitspielern funktionieren kann, wie das bei seinem Ex-Klub Orenburg der Fall war. Ein Salim Khelifi oder Antonio Marchesano müssen hart kämpfen, um auf Super League-Niveau physisch und von der Reichweite her bestehen zu können.

YB beispielsweise hat im Jahr 2013 aufgehört, Spieler wie Silberbauer, Ojala oder Jemal zu verpflichten, die den Anforderungen des modernen Fussballs auf Super League-Niveau in einem oder mehreren Bereichen nicht gewachsen sind. Als einzige Ausnahme fand zwischendurch wegen der finanziellen Probleme des FC Biel Benjamin Kololli ein halbes Jahr per Leihe Unterschlupf, wurde dann aber wenig überraschend nicht weiter verpflichtet. Servette hat nach dem Aufstieg schnell gemerkt, dass ein «Bierdeckel-Fussballer» wie Sébastien Wüthrich zwar immer wieder für ein paar Skorerpunkte gut sein kann, aber die Entwicklung des Teams in Richtung modernen Super League-Fussballs behindert. Luzern hat sich aus ähnlichen Gründen von Valeriane Gvilia getrennt. Beim FCZ finden solche Spieler weiterhin Unterschlupf. Ein Grégory Sertic beispielsweise schlurfte jeweils über den Platz, als ob er am Sonntagmorgen in den Hausschuhen durchs Wohnzimmer watscheln würde. Yassin Maouche begriff nicht, dass man in der Super League keinen lockeren Plauschfussball wie mit den Copains in der Badi spielen kann.

Umso schwerer wiegt darum, dass viele dieser Künstler nicht nur ineffizient und wenig teamorientiert spielen, sondern obendrein auch noch teuer sind. Es fehlt dadurch das Geld für beispielsweise einen treffsicheren und gleichzeitig laufstarken Stürmer. Eines der Paradebeispiele ist Yassine Chikhaoui, der acht Jahre lang da und meist eben doch nicht da war, und wenn er zwischendurch wieder mal zurückkam, das Teamgefüge eher störte, als befruchtete. Es gab durchaus auch Künstler, die sich in ihrer Zürcher Zeit entwickelten, wie zum Beispiel Davide Chiumiento, der wieder lernte aufs Tor zu schiessen und sogar Kopfballduelle gegen Verteidiger wie Grégory Wüthrich zu gewinnen begann – für ein paar Monate. Es ist jedem Super League-Klub freigestellt, langsame Techniker wie Asmir Kajevic oder Andres Vasquez zu verpflichten, aber man darf dann nicht erwarten, dass man sicher in der Super League bleibt. Und selbst in der Challenge League ist es auch mit grossen Investitionen nicht einfach, mit Spielmachern alter Schule wie Markus Neumayr, die in der Defensiven Phase praktisch inexistent sind, aufzusteigen.

Wie man Wochenende für Wochenende sieht, reicht es nicht, nur acht Spieler aufs Feld zu schicken, die in allen wichtigen Bereichen auf Super League-Niveau bestehen können. Es müssen elf sein, die in allen Bereichen ein gewisses Mindestniveau mitbringen. Denn die anderen Mannschaften, auch die «Kleinen» der Liga, bringen mittlerweile meistens elf solche Spieler auf den Platz. Und, das ist mehr als nur eine Phrase: ein Team ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Bisher war es häufig so, dass das pure Talent aus dem eigenen Nachwuchs und die Fähigkeit, sich häufig für wichtige Spiele speziell zu motivieren, immer wieder gewisse Schwachpunkte übertüncht haben. Aber der FCZ sollte sich nun langsam aber sicher von Spielern trennen, die an die gute, alte Jugend-Zeit des Fussballs erinnern –  und im modernen, erwachsenen Fussball ankommen – mit elf Spielern auf dem Platz, die als Einzelspieler und im Team in der Lage sind, läuferisch, technisch, mental, physisch sowie bezüglich Geschwindigkeit gegen jedes andere Super League-Team zu bestehen.

 

Der FCZ hat sich nach zuvor anderthalb Monaten durchzogenen Auftritten bei Black Stars, Young Boys, Wil, gegen Thun und in Basel im zurückliegenden Monat bei Servette, zu Hause gegen YB, in Lugano und gegen Basel gesteigert. Das Team hat sich stabilisiert, nutzt Schwachstellen beim Gegner aus und ist im Cup speziell wenn es  gegen einen Favoriten geht, immer heiss. Und Favorit ist YB zweifellos. Die Berner haben ein grosses Selbstvertrauen im Spiel entwickelt. Es braucht viel, um die Gelb-Schwarzen aus der Ruhe zu bringen. Aber ohne Schwachstelle ist schlussendlich kein Team – auch Young Boys nicht.

Die Innenverteidigung (aktuell Sörensen / Zesiger) war auch schon besser aufgestellt und sorgt im Spielaufbau für zunehmend hohe Bälle. Das Aussenverteidigerduo Janko / Garcia steht hingegen für Konstanz und setzt die Tradition der physisch starken Aussenverteidiger bei YB fort. Setzt der FCZ dem das Duo Rüegg / Pa Modou entgegen? Auf jeden Fall wird der Gambier für den Cup-Achtelfinal nicht mehr als verletzt gemeldet. Eventuell könnte bei YB Marvin Spielmann nach zwei längeren Teileinsätzen erstmals nach seiner Verletzungspause von Beginn weg eingesetzt werden und dafür möglicherweise Christian Fassnacht von der Bank kommen. Ebenfalls noch offen ist, ob Trainer Seoane mit einer oder zwei Spitzen spielen lässt.

Beim FCZ könnte in der Verteidigung neben Pa Modou Bangura an Stelle des gegen Basel ordentlich bis gut agierenden Omeragic auflaufen. Das ist vor allem auch denkbar, weil beim 17-jährige Genfer nach seinen vielen kleinen Verletzungen wohl vor allem auch die physische Belastung langsam gesteigert werden soll. Die grösste Frage beim FCZ bleibt aber: „wer spielt in der Spitze?“. Assan Ceesay wurde gegen den FCB geschont und ist geeignet für Konterfussball, hat sich aber zuletzt ohne Fremdeinwirkung auf Kunstrasen in Wil eine leichte Verletzung zugezogen. Blaz Kramer hat beim letzten Auftritt in Bern kein Land gesehen, zuletzt aber etwas Selbstvertrauen getankt. Tosin bringt über die Seite wohl mehr Wirkung und trägt dort zudem wertvolle Defensivarbeit bei, ist aber ebenfalls eine Variante. Oder wird es gar Marco Schönbächler?

Beim 0:4 in Bern im August nahm Ludo Magnin, der in dieser Saison fast immer mit der gleichen taktischen Formation spielen lässt, ausnahmsweise eine Änderung vor, und liess sein stark ersatzgeschwächtes Team mit Dreierabwehr beginnen. Dies misslang aber völlig, der FCZ rannte in der ersten halben Stunde Gegner und Ball nur hinterher, bis Magnin wieder auf 4-4-2 umstellte. Der FCZ vermochte darauf die Partie sofort ausgeglichen zu gestalten, obwohl nun viele Spieler nicht mehr auf ihrer angestammten Position agierten. Wie sieht es diesbezüglich heute abend aus?

 

Frage zum Spiel: Wie geht der Cup-Achtelfinal im Wankdorf aus?

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