Condé-, Okita- und Cibelli-Fehler entscheiden chancenarme Partie / FCZ – YB mit Randnotizen: Irreguläres YB-Führungstor, Unsportlichste Aktion der Saison, Getriggert, Gehemmt, Getroffen

ROHNER UND CONCEIÇÃO MIT STARTELF-CHANCE / FCZ – YOUNG BOYS VORSCHAU (Züri Live)

In seiner ersten Partie als FCZ-Interimstrainer wählte Ricardo Moniz im Mittelfeld eine Rhombus-Formation, welche den durch YB-Interimscoach Joël Magnin von Vorgänger Wicky übernommenen YB-Rhombus spiegelte. Dadurch entstand ein Spiel mit vielen Zweikämpfen und wenig Torchancen. Die physisch starken Condé und Mathew sowie der flinke Krasniqi kamen auf FCZ-Seite gut damit zurecht – andere weniger. Vom Sturmduo Rohner / Okita kam nach vorne so gut wie nichts. Die Aussenverteidiger Kamberi / Conceicão waren wacklig. Innenverteidiger Kryeziu zog einen mässigen Tag ein. Es war insgesamt eines der schlechtesten Spiele der Saison – vor allem aufgrund zu vieler Defensivfehler. Nur vier Partien (Heimspiele gegen St. Gallen und Lausanne-Sport, sowie Auswärtspartien in Tuggen und Yverdon) hatten einen noch leicht schlechteren Notenschnitt.

Condé, Okita und Cibelli mit groben Schnitzern

Erstaunlich, dass der FC Zürich trotz all dem bei numerischem Gleichstand die etwas bessere Mannschaft war – denn YB spielte noch schlechter. In der Ersten Halbzeit hatten die Gäste aus Bern ganze zwei Abschlüsse zu verzeichnen – einer von Darian Males verfehlte das Ziel, der Fallrückzieher Silvère Ganvoulas traf hingegen ins Schwarze. Die Führung YB’s in der 42. Minute kam „aus dem Nichts“ – und war irregulär. Das Reglement spricht eine klare Sprache. Wenn ein sich in der Nähe befindlicher Spieler am Spielen des Balles gehindert wird, weil er eine Verletzung befürchtet, ist es Gefährliches Spiel. Der linke Fuss Ganvoulas zischt Zentimeter am Kopf von Ifeanyi Mathew vorbei, der sich daher schützen muss. Ein weiterer Faktor gemäss Reglement ist, dass Ganvoula mit seinem Fallrückzieher direkt am Mann zusätzlich sich selbst gefährdet. Es handelt sich um eine klare Fehlentscheidung von Luca Cibelli – und somit hätte der VAR eingreifen müssen. Spielraum gibt es in einer solchen Situation nicht.

Dass Ganvoula überhaupt zu diesem Fallrückzieher kam, lag aber an zwei vorangegangenen vermeidbaren Fehlern auf FCZ-Seite. Der Freistoss von Darian Males entstand aus einem zu rustikalen Einsteigen Cheick Condés vor dem eigenen Strafraum. Nach Blocks von Kryeziu gegen Camara und Rohner gegen Hadjam hatte Jonathan Okita genug Zeit und Raum, den Ball zu klären. Stattdessen lupfte er diesen wie bei einer Aufwärmübung nonchalant aus dem Stand beinahe senkrecht hoch und legte ihn so Ganvoula im eigenen Strafraum pfannenfertig auf. In der 48. Minute applaudierte Condé Schiedsrichter Cibelli dann demonstrativ für eine korrekte Entscheidung (Foul und Gelb) und flog vom Platz: der zweite grosse Fehler des ansonsten in den ersten 45 Minuten gut spielenden Guineers.

Für sieben Minuten den Faden verloren

In den ersten drei Minuten nach der Pause hatte der eingewechselte Armstrong Oko-Flex sofort Druck gemacht und zwei gute Flanken von rechts in den Strafraum gebracht. Nach der Gelb / Roten Karte verlor der FCZ den Faden für sieben Minuten komplett. Ein Abstimmungsproblem zwischen Oko-Flex und Kamberi führte zum Diagonalball Monteiros, den Itten allein vor Yanick Brecher verwerten konnte. Nach diesem zweiten Gegentor reagierte der FCZ dann aber und kam wieder besser in die Partie. In den folgenden 40 Minuten war man trotz Unterzahl mehr im Angriff als der Gegner. Gerade auch Nils Reichmuth und Daniel Afriyie brachten nochmal etwas Schwung.

Personalien – Condé mit gutem Spiel bis zum Platzverweis

  • Ifeanyi Mathew: Beim bisher besten FCZ-Saisonspiel zuletzt in Basel (2:2) war er zum ersten Mal diese Saison MVP – nun erst zum zweiten Mal. Wie damals ebenfalls Bester der 2. Halbzeit – und zum dritten Mal der Offensiv Beste.
  • Lindrit Kamberi: Fokussiert sich in der 1. Halbzeit vorwiegend auf seine Defensivarbeit. Zu Beginn der 2. Halbzeit eine Reihe von ungenauen Zuspielen und Einwürfen.
  • Bledian Krasniqi: Nach dem 0:0 zu Hause gegen den FC Basel in der Vorrunde zum zweiten Mal diese Saison Defensiv Bester beim FCZ.
  • Jonathan Okita: Müsste als einziger grossgewachsener Spieler vorne bei hohen Bällen mehr mithelfen. Verpasst es bei Umschaltsituationen beim Stand von 0:0 mehrmals besser postierte Mitspieler zu bedienen. Dafür legt er mit einem unmotivierten, nonchalanten Lupfer im eigenen Strafraum den Ball Gegenspieler Ganvoula pfannenfertig für dessen irreguläres 0:1 auf.
  • Yanick Brecher: Spielt immer wieder hohe Bälle auf Spieler, die in den Luftduellen gegen ihre Gegenspieler keine Chance haben.
  • Cheick Condé: Wie bei der 0:3-Niederlage in Yverdon ein gutes Spiel bis zum Platzverweis. Hat aber manchmal die Tendenz, bei einem guten Auftritt übermütig zu werden. Wie damals heisst der Schiedsrichter Luca Cibelli. Und wie damals fühlt sich Condé offenbar von diesem „getriggert“. Verantwortlich für das unnötige Foul gegen Males, welches zum Freistoss vor dem 0:1 führt. Reklamiert bereits nach dieser Szene übermässig bei Cibelli. Wieder hat sich der Guineer nicht im Griff und lässt sich von Nebensächlichkeiten ablenken.
  • Fabian Rohner: Verhält sich Defensiv nicht optimal und lässt sich leicht aus der Position locken.
  • Rodrigo Conceição: Vor den Augen seiner Eltern und Geschwister kommts zu einem seiner schlechtesten Spiele.

Randnotiz I – Irreguläres YB-Führungstor

Möglich, dass Schiedsrichter Luca Cibelli auf gefährliches Spiel hätte entscheiden können, weil Ganvoulas Füsse ihre Wucht über der Kopfhöhe von Ifeanyi Mathew entfalten. Aber erstens ist der Treffer zu schön, um aberkannt zu werden. Und zweitens müsste der FCZ-Spieler deutlich engagierter ins Duell steigen, um sich einen Freistosspfiff zu verdienen.

Florian Raz, Tages-Anzeiger

Es ist kein Zaubertor, sondern ein irreguläres Tor.

Yanick Brecher

Randnotiz II – Unsportlichste Aktion der Saison

Randnotiz III – Getriggert, Gehemmt, Getroffen

Züri Live-Noten 23/24, gleitender Durchschnitt

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ZUSCHAUERREKORD? MEHR BALLBESITZ? DI GIUSTO IN DER STARTELF? / FCZ – YB VORSCHAU (Züri Live)

Zusammen mit dem Heim-1:1 gegen Luzern in der Vorrunde und knapp hinter dem Auswärts-0:0 in Bern ist der 1:0-Heimsieg gegen YB der 26. Runde die bisher zweitbeste FCZ-Partie 23/24. Die 1. Halbzeit ist sogar die Beste der Saison, ex aequo mit dem Cup-Viertelfinal gegen Winterthur wenige Tage davor. Erneut ein sehr guter Start in die Partie also! Auch die 2. Halbzeit wird überdurchschnittlich. Die Partie ist zudem die fünftbeste Offensiv- sowie drittbeste Defensivleistung der Saison. YB spielt gut und verlangt dem FC Zürich viel ab. Das 4-3-3 der 1. Halbzeit spiegelt das Zürcher 4-2-3-1. YB-Coach Raphaël Wicky hat die taktische Marschroute also auch diesmal am FCZ ausgerichtet.

Elia wechselt die Seite, um die FCZ-Schwachstelle zu nutzen

Nach den Wechseln in der 64. Minute stellt Wicky dann aber auf ein 4-4-2 um. Die Angriffe wurden nun über die rechte Seite mit dem Duo Janko / Elia forciert. Elia hatte zuvor links gespielt, aber die Berner bemerkten, dass Linksverteidiger Dante an diesem Tag die defensive Achillesferse des FC Zürich war. Dieser hatte unter anderem mit Aussenverteidiger-Kollege Kamberi zusammen die meisten Ballverluste. Die beiden spielten offensiv gut bis sehr gut, defensiv hingegen durchschnittlich (Kamberi) bis sehr schlecht (Dante). Nach der Auswechslung Okitas wurde Dante dann durch den darauf ebenfalls die Seite wechselnden Rodrigo Conceição unterstützt. Ab der 82. Minute wechselte YB auf ein 4-2-3-1 mit den beiden offensiv orientierten Males und Lakomy auf der Doppel-6.

Der FC Zürich spielte die ganze Partie wenn immer möglich durch die Mitte, was sich im Verlauf der 2. Halbzeit noch weiter vereinfachte, da YB in diesen Räumen nun in Unterzahl war und Cheikh Niasse durch den zusätzlich nach vorne drängenden Lukasz Lakomy als Abräumer vor der Abwehrkette häufig allein gelassen wurde. Ganz im Gegensatz zum Cup-Viertelfinal gegen Winterthur wurde in der Partie gegen YB auf Zürcher Seite kaum noch über die Seiten gespielt. Es gab dementsprechend auch praktisch keine Flanken. Was der FCZ in dieser Partie wirklich stark machte, war das Spiel mit Ball vom hinteren ins mittlere Spielfelddrittel. Man fand dabei immer die richtige Lösung und brachte YB an den Rand der Verzweiflung. Das YB-Pressing schien sich je länger je mehr in Luft aufzulösen. Mal konnte man gegen hoch stehende Berner durch intelligente Positionierung flach hintenraus spielen, mal wurde der präzise hohe Ball gespielt.

YB mit einem Tag weniger Ruhepause

YB hatte sich viel vorgenommen, kam aber nicht ins Spiel. Das FCZ-Pressing funktionierte besser. In der Startviertelstunde hatten die Zürcher einen sehr guten PPDA-Wert von 4,3. Etwas seltsam daher der Kommentar zum Spiel im “Blick“, der kein Pressing des FCZ ausmachen konnte. Insgesamt profitierte der FC Zürich sicherlich davon, dass YB sein Cupspiel unter der Woche einen Tag später austrug. Wicky nahm im Vergleich zur Niederlage in Sion sieben Änderungen vor. Vor allem auf den Aussenverteidiger-Positionen war dies spürbar – mit den im Vergleich zum etatmässigen Duo Blum / Hadjam abfallenden Janko / Persson. Beim FCZ hingegen wurde im Vergleich zum Cup-Viertelfinal mit Katic, Dante und Condé für Boranijasevic, Rohner und Ligue Physis dazugewonnen.

Highlights – 11 Sekundä: Aagriff perfäkt choreographiert

Personalien – Brecher mit möglicherweise seiner bisher besten Saison

  • Antonio Marchesano: Ihn auf der Mittelstürmerposition zu bringen, macht vor allem auch dann Sinn, wenn der FCZ wie gegen YB ein intensives Pressing aufziehen will. Dafür ist der Tessiner der geeignetste Offensivmann. Das Assist zum 1:0 ist sein erstes seit dem Heim-1:1 gegen Stade Lausanne-Ouchy. Hat zudem am meisten Abschlüsse (4).
  • Yanick Brecher: Möglicherweise seine bisher beste Saison. Gegen Leader YB in allen Belangen der beste Spieler auf dem Platz. Bereits zum fünften Mal in dieser Saison der Offensiv Beste beim FC Zürich und sogar schon zum zehnten Mal Defensiv – und dies mit der Note “10“ in beiden Phasen.
  • Mirlind Kryeziu: Ist in der Schlussphase ein Fels in der Brandung.
  • Lindrit Kamberi: Damit Katic / Kryeziu gemeinsam auflaufen können, ersetzt Kamberi Boranijasevic auf der rechten Seite. Liefert beim schnellen 1:0 (11 Sekunden) ein weiteres Pre-Assist. War in den letzten acht Partien in jedem zweiten Spiel mit einem Pre-Assist an einem Tor beteiligt. Der Spielzug beim Anstoss mit der Kopfballverlängerung Kamberis Richtung YB-Strafraum nach dem hohen Ball Kryezius erinnerte an den Beginn der Saison, als häufig Yanick Brecher solche Bälle auf Kamberi spielte, der damals aber weiter aussen an der Seitenlinie postiert war – ohne direkten Druck aufs gegnerische Tor ausüben zu können.
  • Amadou Dante: Hat Probleme beim Passspiel. Vor allem aber gehen ihm die Umschaltsituationen von YB zu schnell, hebt die Offsidefalle auf. Kommt auch im letzten Spielviertel, als YB nochmal Druck macht, “unter die Räder“ – genauso wie bereits zu Beginn der Partie.
  • Rodrigo Conceição: Hat erst in der 44. Minute die erste Abschlussbeteiligung. Wechselt nach der Einwechslung Rohners nach links und ist dort speziell ab der 75. Minute eine wertvolle Unterstützung für den mit Meschack Elia & Co. etwas überforderten Dante.
  • Jonathan Okita: Nach seinem inkonsequenten Verteidigen vor den beiden Gegentoren im Cup-Viertelfinal defensiv deutlich verbessert. Da scheint es ein internes Gespräch gegeben zu haben…

Kommentare – Okita nicht in Vorrundenform

Randnotiz – FCZ überperformt seinen Marktwert

Zusammen mit Servette und dem FC Winterthur gehört der FC Zürich basierend auf dem Marktwert von transfermarkt.ch zu den aktuell in der Super League am meisten “überperformenden“ Teams. Sieben Mannschaften haben aktuell einen höheren Marktwert, der FCZ liegt sportlich aber nach dem Heimsieg gegen YB auf dem 3. Rang. Gemessen am Wert der Spieler enttäuschen bisher der FC Basel und Lausanne-Sport am meisten. YB, GC und Yverdon liegen auf den erwarteten Positionen.

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UNTERSCHIEDLICHE FIEBERKURVE BEI FANS UND MEDIEN / YB – FCZ VORSCHAU (Züri Live)

Die Affiche YB – FCZ wurde einem Spitzenspiel gerecht. Die Intensität war für eine Super League-Partie hoch und die beiden Trainer hatten sich taktisch gerade auch in den Details einiges einfallen lassen. So schien sich beispielsweise der FCZ intensiv auf die YB-Standards vorbereitet zu haben, denn diese wurden in corpore so stark verteidigt, wie man dies beim FCZ noch kaum je gesehen hat. Nicht nur zwei oder drei Spezialisten hatten ihren Gegenspieler und ihre Aufgabe voll im Griff, sondern alle! Daniel Afriyie beispielsweise agierte stark im eigenen Strafraum. Es war ein tolles Teamwork.

Bisher beste Saisonleistung des FCZ

Auf der anderen Seite vermochte beispielsweise Ulisses Garcia als erster Gegenspieler der häufigen Zürcher Spieleröffnung mit den Kopfballweiterleitungen Lindrit Kamberis rechts im Mittelfeld etwas entgegen zu setzen. In der 1. Halbzeit schnitt der FCZ jedem YB-Flämmchen sofort die Sauerstoffzufuhr ab. Die Gelb-Schwarzen brachten kaum eine zusammenhängende Aktion zustande. Das FCZ-Pressing funktionierte besser als dasjenige YB’s. In der 2. Halbzeit konnte der FCZ dann wie üblich die Pace nicht im gleichen Ausmass durchhalten. Diesmal entfalteten aber Einwechselspieler wie Hornschuh, Guerrero oder Rohner etwas mehr Wirkung als in den letzten Partien.

Der Match in Bern ist mit einer Durchschnittsnote von 7,1 die beste Saisonleistung des FCZ (bisher Lugano (H, 3:0) und die Lausanne-Sport (A, 0:0) mit je 6,7). Und nur zwei Partien (ebenfalls “Lugano“ und “Lausanne-Sport“) waren offensiv besser. Die 1. Halbzeit in Bern ist zudem mit Note 7,0 die bisher beste Halbzeit der Saison (bisher 1. Halbzeit in Basel (6,8)). Der FCZ trat wieder im üblichen 3-4-3 mit Antonio Marchesano auf dem Rechten Flügel an. Der Spielaufbau von hinten lief über eine Viererabwehrreihe (Conceição als Linksverteidiger, Boranijasevic rückt nach vorne).

Wicky ändert sein Konzept für die Spiele gegen den FC Zürich und Manchester City

YB-Coach Raphael Wicky änderte für das Spitzenspiel gegen den FCZ und das Champions League-Heimspiel gegen Manchester City die taktische Formation und Ausrichtung mit einem 4-3-3 in der offensiven Phase (6er: Lauper, 8er: Ugrinic und Niasse, Flügel: Monteiro und Elia, Mittelstürmer: Nsamé / Itten). In der defensiven Phase presste YB in der gegnerischen Platzhälfte im 4-4-2 (Doppelsturm: Nsamé und Monteiro, Aussen-Mittelfeldspieler: Ugrinic und Elia), was sich in der eigenen Platzhälfte in ein 4-5-1 verwandelte (Monteiro zurück ins Mittelfeld). Da aber Sandro Lauper und Daniel Afriyie ganz offensichtlich den Auftrag hatten, sich gegenseitig in Manndeckung zu nehmen, rückte Lauper immer wieder in die Abwehrreihe zurück, wenn Afriyie seinen typischen Lauf von der 10er- auf die 9er-Position machte, woraus sich dann bei YB ein 5-4-1 ergab. Dies drängte die Berner noch mehr zurück.

Highlights – Knapp daneben

Personalien – Hornschuh is back

  • Marc Hornschuh: Erster Meisterschaftseinsatz seit Ende August, als er mit seinem Deckungsfehler gegen St. Gallen den späten Ausgleich mitverschuldete – und erstmals diese Saison in der Liga über mehr als zehn Minuten. Hornschuhs Einwechslung in Bern ist wichtig für die Sicherung des Unentschiedens und erinnert an seine besten Einsätze im FCZ-Dress. Früher hatte Hornschuh gegen YB meist Mühe mit dem hohen Tempo, diesmal nicht. Hornschuh ist ein weiterer Baustein einer langsam, aber sicher besser werdenden FCZ-Bank. Sie ist nicht mehr ganz so dünn besetzt wie noch im ersten Saisonviertel.
  • Lindrit Kamberi: Hat bei seinen Kopfballweiterleitungen der hohen Bälle Brechers mit Ulisses Garcia so viel Gegenwehr in der Luft wie bisher noch nie in dieser Saison.
  • Fabio Daprelà: Erstmals seit dem Startspiel gegen Yverdon in der 1. Halbzeit ungenügend. Ist weiterhin noch nicht wieder in der Form von Ende August / Anfang September.
  • Yanick Brecher: Durchschnittlicher Start im ersten Viertel, sein Offensivspiel wird danach deutlich besser. Seine langen, hohen Bälle kommen präzis bis fast an den gegnerischen Strafraum und versetzen das Spielgeschehen zusammen mit dem aggressiven Gegenpressing von Brechers Vorderleuten viel länger als YB lieb sein kann in die Platzhälfte der Berner. Zum dritten Mal MVP nach den Auswärtspartien in Genf und bei SLO und dabei erstmals mit der Offensiv-Maximalnote “10“. Defensiv war er hingegen erst in der 45. Minute zum ersten Mal richtig gefordert.
  • Ifeanyi Mathew: Nach dem defensiv schlechten Auftritt gegen Winterthur in Bern diesbezüglich wie verwandelt. Spielt von Beginn weg fokussiert und aufmerksam. Defensiv bester Mann beim FCZ und so gut wie bisher noch nie in dieser Saison.
  • Nikola Boranijasevic: Nach dem Auswärtsspiel bei SLO auf der Pontaise zum zweiten Mal der offensiv Beste seines Teams, beide Male mit Note “10“. Zum zweiten Mal nach dem Auswärtsspiel bei Lausanne-Sport bester Spieler der 1. Halbzeit. Wiederum eine gute Torchance (Marchesano) nach einem Boranijasevic-Einwurf.
  • Cheikh Condé: Condé lässt gegen YB zum ersten Mal seit dem St. Gallen-Heimspiel in der 2. Hälfte stark nach und ebenfalls zum ersten Mal seit dem Duell mit dem Zeidler-Team hat der Guineer eine schlechte Note in der Offensiven Phase. St. Gallen und YB sind die beiden Schweizer Teams mit dem stärksten Pressing. Gegen solche Gegner fehlt es ihm in gewissen Situation noch an der Entscheidungsschnelligkeit.
  • Jonathan Okita: Seine Standards sind weiterhin gut, aber aus dem Spiel heraus zu viele leichte Ballverluste. Versucht hohe Bälle wieder im Karate-Schritt statt mit der Stirn anzunehmen. Erstmals in dieser Saison bereits in der 1. Halbzeit ungenügend.
  • Armstrong Oko-Flex: Geht konsequenter ins Pressing, als Okita. Offensiv aber zum vierten Mal in Folge schlecht oder ungenügend.

Kommentare – FCZ wie ein Spitzenreiter

Randnotiz I – the missing link

Im aktuellen System des FCZ pendelt der zentrale Angreifer im 3-4-3 je nach Spielsituation und gegnerischer Taktik zwischen 10er- und 9er-Position – und dementsprechend auch die Formation zwischen einem 3-4-3 und 3-4-1-2. Wie vielfach im Eishockey sind es eher die einrückenden Flügel, welche für die Tore sorgen sollen – und nicht in erster Linie der Center. Nun gibt es aktuell auf keiner Position so viele Wechsel während einer Partie wie auf derjenigen im Sturmzentrum. Es ist keine Seltenheit, dass in den 90 Minuten plus Nachspielzeit drei verschiedene Spieler diese Position besetzen. Dies und die Spielweise des FCZ unter Bo Henriksen lassen erahnen, dass man die Idealbesetzung noch nicht gefunden hat. Unter André Breitenreiter war Antonio Marchesano gesetzt. Franco Foda und nun auch Bo Henriksen setzen Marchesano aber häufiger auf dem Rechten Flügel ein. Marchesano wird zwar von jedem Trainer aufgrund seiner Qualitäten als unverzichtbar angesehen, ob er aber eine Idealbesetzung für die zentrale Angriffsposition ist, da gehen die Meinungen offensichtlich auseinander.

Daniel Afriyie beginnt aktuell zwar jedes Spiel als Starter im Zentrum, wirkt dabei aber eher als eine Art Platzhalter, hat häufig wenig Bindung zum Spiel und zeigt seine besten Aktionen, wenn er über den Rechten Flügel angreifen kann – was aber genauso auch für Fabian Rohner gilt. Der Rechte Flügel ist somit vorne sicherlich gut besetzt. Links kann sich Oko-Flex hoffentlich mit zunehmenden Einsätzen als echte Konkurrenz zu Okita entwickeln. Die wohl weiterhin gesuchte Idealbesetzung Henriksens im Zentrum wäre wohl hingegen ein Stürmer vom Typ “Roko Simic“: ein grossgewachsener, spielstarker Mittelstürmer, der sich auch gerne zurückfallen lässt. Idealerweise wäre er zudem defensiv noch etwas besser als Simic. Nur: so einen Stürmertyp mit der für den FCZ benötigten Qualität zu finden und dann auch zu verpflichten grenzt an eine Herkules-Aufgabe. Vielleicht wäre “selber stricken“ eine Option? Zum Beispiel in Form von einem Nachwuchsstürmer aus der U21, Junior Ligue oder Labinot Bajrami, wenn sie es schaffen, in eine solche Rolle hineinzuwachsen… Der Vorteil eines Daniel Afriyie im Zentrum ist allerdings unter anderem seine Defensivqualität im Duell mit dem gegnerischen 6er, welche kaum ein anderer Stürmer in diesem Ausmass mitbringt – ein wichtiges Puzzleteil für die defensive Stabilität des FCZ.

Randnotiz II – Entscheidungen von Schiedsrichter und VAR

Weitere Berichte

Telegramm (transfermarkt)

VAR und Aluminium retten den FCZ (SRF)

Die Pfosten und das VAR retten den FCZ (Swissinfo)

Und am Ende witzelt der FCZ-Trainer (Landbote)

Der Spitzenkampf endet torlos (Tages-Anzeiger)

YB – Blum nach 0:0: «Gerecht gewesen, wenn wir gewonnen hätten» (Nau)

Dank Alu, VAR und Brecher – FCZ rettet Punkt in Bern (Blick)

YB – FCZ (Südkurve)

Unterschiedliche Fieberkurve bei Fans und Medien / YB – FCZ VORSCHAU

Direktbegegnungen im Überblick (dbfcz)

Die Fieberkurve steigt schon seit ein paar Tagen und die Vorfreude aufs Spitzenspiel YB – FCZ ist bei vielen Supportern gross. Die ersten zwei des aktuellen Spitzentrios (mit dem FC St. Gallen) treffen im Wankdorf aufeinander. Der FCZ ist als einziges Team noch ungeschlagen, YB nach Verlustpunkten Leader. Medial wird das Thema Spitzenspiel allerdings auf äusserst kleiner Flamme gekocht. Vorschauen gibt es so gut wie keine und bei der FCZ-Pressekonferenz war gerade mal ein Journalist anwesend. Sehr viel höher war das Journalisten-Interesse an YB’s Begegnung mit dem aktuellen Tabellenletzten vor der Nati-Pause. Das Fan-Interesse auf beiden Seiten spricht hingegen eine andere Sprache. Das Team von YB ist mit dem anstehenden Champions League-Heimspiel vom Mittwoch gegen Manchester City konfrontiert. Von Family & Friends werden die YB-Spieler in den letzten Tagen und Wochen immer wieder auf diese Partie angesprochen worden sein – unter anderem mit Ticketanfragen.

Ugrinic kopiert Okita

Die Analyse des Head-to-head fällt je nach zeitlicher Perspektive sehr unterschiedlich aus. Langfristig ist die Bilanz mit je 83 Siegen gemäss dbfcz.ch ausgeglichen. Mittelfristig hat YB (in der Super League-Ära) die Vorteile klar auf seiner Seite. Kurzfristig war der FCZ gegen YB hingegen erstaunlich erfolgreich mit drei Siegen, drei Unentschieden und nur einer Niederlage in den letzten sieben Duellen. Bo Henriksen hat gegen die Berner noch nie verloren. Nach Erwarteten Punkten, die sich aus den Erwarteten Toren und Gegentoren ergeben liegt YB in der aktuellen Super League-Tabelle nur auf dem 8. Platz. Erster müsste eigentlich St. Gallen sein, mit statistisch viereinhalb Punkten vor dem FCZ. YB lebt diese Saison bisher von der wohl stärksten Defensive der Liga und vorne der Abschlusseffizienz seiner Stürmer, die aus wenig Abschlüssen viele Tore machen. Am meisten Treffer der Liga hat aber weiterhin trotzdem der FCZ erzielt. Erst hatte Jonathan Okita einen Lauf und nun trifft Antonio Marchesano in jedem Spiel. Beide Teams sind gleichermassen stark bei Standards – und scheinen diesbezüglich manchmal auch voneinander abzugucken. Zumindest war Ugrinics Ausführung des Eckballes zum 1:0 von YB gegen den FCB (Torschütze: Nsamé) eine Kopie von Okitas Corner beim 1:0 Führungstreffer des FCZ in Luzern (Torschütze: Katic). Das Flügelspiel ist und bleibt Teil der YB-DNA – trotz eher aufs Zentrum fokussiertem Spielsystem mit Mittelfeldrhombus. So ist YB nun schon in der siebten Saison in Folge auf dem 1. Platz der Liga bei der Anzahl Flanken.

Beide Trainer können (fast) aus dem Vollen schöpfen

Da das Spiel nach der Nati-Pause stattfindet, wird YB-Coach Raphael Wicky seine beste aktuell zur Verfügung stehende Mannschaft auf den Platz schicken, Fraglich ist von den aktuellen Stammplatzkandidaten einzig Darian Males.

Beim FCZ ist die grösste offene Frage wohl die, ob auf der linken Seite Rodrigo Conceição oder Adrian Guerrero beginnt.

Eine Defensivleistung wie in Basel notwendig / YB – FCZ Vorschau

Nach der Sicherstellung des fünften Meistertitels in den letzten sechs Jahren ist YB mit 16 Titeln nur noch einen Meisterpokal von Servette entfernt. Die Genfer sind mit 17 Meisterschaften aktuell noch die Nummer Drei des Schweizer Fussballs. 5:1, 6:1, 2:0, 3:0, 4:0 – das sind die letzten Heimspielresultate von YB gegen Luzern, Servette, GC, Basel und Sion. Und dies obwohl Trainer Raphaël Wicky mittlerweile relativ viel rotiert und fast dem ganzen Kader die Chance gibt, sich unter Wettkampfbedingungen für die nächste Saison zu empfehlen. Wird Wicky wie zuletzt in Partien gegen den FCZ wieder seine taktische Formation ändern?

Chance für Selmin Hodza?

Der ehemalige FCZ-Captain Kevin Rüegg blieb diesbezüglich allerdings bisher noch aussen vor. Christian Fassnacht kehrt nach seiner Gelbsperre gegen St. Gallen zurück. Der Zürcher hat davor in drei Partien hintereinander das Tor getroffen und schiesst seine Treffer besonders gerne gegen den FC Zürich. Nur in drei Ligapartien dieser Saison hat YB keinen Treffer erzielt – und trotzdem in allen drei Fällen gepunktet.

Beim FCZ wird wohl Selmin Hodza, der zuletzt gute Leistungen gezeigt hat, in der Startformation stehen. Vorne könnte sich Coach Henriksen für eine Kombination des grossgewachsenen Simic mit dem schnellen Rohner entscheiden. Marchesano hat im St. Jakob Park auf der Achterposition neben Mathew eine gute Leistung gezeigt. Gegen den neuen Schweizer Meister benötigt es sicherlich wieder eine so kompakte Defensivleistung wie zuletzt in Basel oder wie beim 2:2 im Letzigrund gegen YB.

«Wir sind nicht Ajax»

Blick ins FCZ-Leistungszentrum. Grosses Interview mit dem Leiter Academy, Heinz Russheim – TEIL 2 von 4

U16 vor siegreichem Cupfinal gegen Team Vaud / Lausanne-Sport in Biel

Züri Live: Heinz Russheim, die 1. Mannschaft und die Frauen waren in der Saison 21/22 zusammen noch nie erfolgreicher. Wie lief es im Nachwuchs?

Heinz Russheim: In Bezug auf den sportlichen Erfolg: U16 Cupsieger und im Meisterschaftsfinal, U18 im Meisterschaftsfinal, U15 in der Ostgruppe auf dem 1. Rang, die 2. Mannschaft der U15 spielte ebenfalls in der Elitegruppe, war sogar vorne mit dabei – und erreichte zusätzlich den Cupfinal. Das ist der Beweis, dass gut gearbeitet wurde. Allerdings nicht in erster Linie in Bezug auf diese Saison. Man kann kurzfristig an gewissen Dingen schrauben, aber die Saat, die wir heute in der U15 bis U18 ernten, wurde vor drei bis vier Jahren gesetzt. Die Erfolge mit all diesen Teams sind schon ein klares Zeichen, dass wir zuvor auf der Stufe Footeco (FE-12 bis FE-14) sehr gut gearbeitet haben – und danach in der Academy auch.

Wir beobachten natürlich, was sich im Fussball entwickelt und wie wir uns in der Ausbildung verbessern können. Wir haben daher zuletzt wieder gewisse Anpassungen vorgenommen. Die Resultate davon ernten wir dann wiederum in etwa drei bis vier Jahren.

ZL: Ist zum Beispiel der physische Aspekt ein Bereich, den man noch mehr gewichten muss?

HR: Nein. In diesem Bereich sind wir schon seit Jahren top. Das Team um Dorjee Tsawa macht einen Riesenjob. Natürlich entwickeln wir uns weiter. Aber eine grosse Änderung haben wir nicht vorgenommen. Im Gegensatz zur Spielanalyse bei den Academy-Mannschaften. Das ist sozusagen das «i»-Pünktchen der Ausbildung: filmen und analysieren der eigenen Spiele, teilweise auch von Gegnern. Bis zur Coronapause haben wir zwar unsere Spiele auch gefilmt, besprochen und analysiert – aber nicht so wie heute. Letzte Saison haben wir da einen Sprung nach vorne gemacht. Auch die Betreuung der Talente mittels Talentmanagement wurde intensiviert.

ZL: Ich habe aber schon das Gefühl, dass beispielsweise YB bei der Selektion der Talente stärker auf den physischen Aspekt schaut.

HR: Das muss ich auch annehmen, wenn ich mich beispielsweise an den U18-Final erinnere, den wir zusammen in Bern gesehen haben. Möglicherweise wechseln dort auch einfach grössere Spieler aus der Region in den Klub. Dazu kommt: nur schon ein Südeuropäer ist im Vergleich mit einem Zentraleuropäer mit 16 Jahren im Schnitt körperlich weiter entwickelt. Bei afrikanischstämmigen Talenten ist es noch extremer. Beim U16-Final in Genf gegen Servette waren wir ja ebenfalls beide. Servette setzte acht afrikanischstämmige Spieler ein, sieben davon waren gleichzeitig auf dem Platz. Das macht einen Unterschied. Genf hat eine ganz andere Bevölkerungszusammensetzung als Zürich. Basel mit den grenznahen französischen und deutschen Gebieten auch. Das sind die Fakten. Schlussendlich ist es weder ein Vor-, noch ein Nachteil. Ich beschäftige mich nicht damit, was die Anderen allenfalls mehr haben. Wir schauen auf das, was wir haben. Wir haben eine gute Situation. Wenn allerdings all diese grossen, stämmigen Spieler bei YB und Servette dann tatsächlich in der 1. Mannschaft landen würden, müssten wir uns schon Gedanken machen. Das ist aber nicht der Fall. So relativiert sich das Ganze.

ZL: Auf Stufe Footeco gibt es keine Tabellen. In der Academy scheint der sportliche Erfolg aber durchaus auch ein wichtiger Aspekt zu sein. Ich hatte in den letzten Jahren das Gefühl, dass sich die FCZ Academy-Teams ähnlich wie die 1. Mannschaft in K.O.-Spielen im Vergleich zu normalen Wettbewerbspartien am meisten steigern. Wird im Hinblick auf die Profikarriere speziell ein Fokus darauf gelegt, dass die Talente lernen, im richtigen Moment die beste Leistung abzurufen?

HR: Grundsätzlich haben in der Academy die langfristigen Aspekte Vorrang vor den kurzfristigen. Während der regulären Meisterschaft arbeiten wir mit Sechs- oder Vierwochenplänen und wollen so das Beste herausholen. Man kann sich voll auf die Ausbildung fokussieren und das zahlt sich dann auch aus. In den Playoffs hingegen heisst es «heute oder nie», das Resultat ist am Tag X gefragt. Das beisst sich ja gegenseitig nicht.

ZL: Dieses «heute oder nie» kann man als Teil der Ausbildung betrachten…

HR: Für mich ist das mit den Playoffs in der Academy eine sehr gute Lösung des SFV. Nicht alle sind dieser Meinung, auch beim FCZ nicht. Das respektiere ich. Ich persönlich finde es gut. Es gibt dann nicht mehr ein «nächstes Spiel». In so einem Final wie gegen YB oder Servette mit der U18 oder U16 kann alles passieren. Aber neu werden die Playoff-Partien im Viertelfinal und Halbfinal ja in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Wenn eine Mannschaft besser ist, setzt sie sich in zwei Spielen durch. In einem Spiel kann etwas Unvorhergesehenes passieren.

ZL: Allerdings hat Qualifikationssieger FCB U16 gegen den FCZ in den Playoffs im Hinspiel beim 2:6 einen schlechten Tag erwischt, und sie konnten diesen grossen Ausrutscher dann nicht mehr drehen…

HR: Ja, aber wenn man es richtig macht, passiert so etwas nicht. Wir haben es in dieser Partie richtig gemacht, Basel nicht so sehr. Sie waren bis dahin aufgrund der Tabelle klar die beste Mannschaft, hatten einen grossen Vorsprung. Dahinter herrschte aber eine grosse Leistungsdichte. Die Jungs müssen lernen, wie es ist, gewinnen zu MÜSSEN – nicht nur zu sollen oder zu wollen. Die Playoff-Situation ist attraktiv und in der Ausbildung wichtig. Selbst wenn wir vom FCZ nach der Qualifikation mal Erster sein sollten und am Ende dann eben nicht mehr. Dieses Jahr waren die Finalsieger in der Qualifikation beide besser klassiert, als die Finalgegner.

ZL: Die 2. Mannschaft auf Stufe U15 wurde vorhin kurz erwähnt. Wie wird diese zur Zeit überhaupt zusammengestellt?

HR: Über das Label müssen wir Partnerschaften haben. Wir haben eine Partnerschaft mit Red Star. Das ist nun quasi unsere dritte U15-Mannschaft. Vor zwei Jahren haben wir entschieden, einen Versuch zu machen mit 1. Mannschaft und 2. Mannschaft auf dieser Stufe. 21/22 gab es dann die Möglichkeit, dass die 2. Mannschaft («FCZ Oberland») in der gleichen Gruppe spielt, wie die Erste. Das gab es vorher nicht. Vorher waren alle Hauptvereine der Partnerschaften in der «Gruppe A». Jetzt gibt es neu eine West- und eine Ostgruppe. Damit es genug Teilnehmer gibt, wurde ermöglicht, dass drei Klubs auch eine 2. Mannschaft auf dieser Stufe anmelden dürfen. Aufgrund der Qualität, die wir zur Verfügung hatten, haben wir uns gemeldet. Wir waren nicht sicher, wie es rauskommen würde. Letztendlich können wir aber konstatieren: Top! Wir haben mit der 2. Mannschaft alle grossen Gegner zumindest ärgern können, Luzern und GC gar geschlagen. In der Liga waren wir mit dem «Zwei» vorne dabei und im Cup sogar im Final.

ZL: Registriert ist dieses Team aber unter dem FC Bauma….

HR: Das ist eine rechtliche Angelegenheit. Es darf nicht zwei Teams mit dem gleichen Namen geben. Wir wollten drei Mannschaften haben und deshalb haben wir neben Red Star noch einen Breitenfussballverein gesucht, der uns unterstützt.

ZL: 21/22 ist mir aufgefallen, dass sich einzelne Academy-Mannschaften zumindest phasenweise am aktuellen Spielsystem der 1. Mannschaft orientiert haben. Was ist da in der Academy die Grundidee? Soll langfristig durch den ganzen Klub ein System durchgängig umgesetzt werden oder sollen die Jungen eine Vielfalt an Systemen einüben?

HR: Man muss die Ausbildung immer wieder hinterfragen, sonst kommt man nicht vorwärts. Bis anhin haben wir es so gemacht, dass bis und mit U16 die gängigen Systeme umgesetzt wurden. U14 (als noch im 11er-Fussball gespielt wurde) und die U15 zwingend 4-4-2. Bei der U16 wird im Herbst ein halbes Jahr mit Dreierverteidigung ausgebildet, die Rückrunde dann mit Viererkette. Ab der U17 kann der Trainer frei entscheiden. Aus pädagogischen Gründen soll dabei aber mit demselben System mindestens sechs Wochen am Stück durchgespielt werden. Dann lernt man es besser, als wenn von Spiel zu Spiel immer wieder gewechselt wird. So sollte dann ein Spieler auch in taktischer Hinsicht für unsere 1. Mannschaft bereit sein. Wir haben nicht wie bei Ajax das Prinzip, dass der Klub das System der 1. Mannschaft bestimmt, und der Trainer sich danach zu richten hat. Wenn die Trainer in der 1. Mannschaft also unterschiedliche Ansätze verfolgen, müssen auch die Talente variabel ausgebildet werden.

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TEIL 1 von 4 – «Die Sozialkompetenz wird zu wenig berücksichtigt»

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