Autor: Lukas Stocker
Jugendförderung in der Super League: Absturz FCZ, Schlusslicht YB, ausländische Besitzer besser als ihr Ruf
Tabellensituation: für FCZ-Anhänger in 20/21 ein Déjà Vu. Wie immer seit dem Wiederaufstieg konnte man sich erst gegen Ende der Saison aus der Abstiegsgefahr retten. Alles wie gehabt? Nein, denn bezüglich Jugendförderung in der 1. Mannschaft hat der FCZ gleichzeitig einen brutalen Absturz erlebt. In der Magnin-Ära hatte man sich kontinuierlich wie schon zu Favre-Zeiten oder zu Beginn der Meier-Periode zum grössten Jugendförderer der Liga entwickelt. In der Saison «danach» fällt der Stadtclub nun aber auch in dieser Wertung abrupt zurück ins biedere «abstiegsgefährdete» Mittelfeld.
Langzeitbetrachtung der „Big6“ seit der Saison 10/11
Dies ergibt das Update der im letzten Oktober gestarteten Auswertung der Einsatzminuten von U21-Spielern von Züri Live. Der Fokus liegt dabei auf der Langzeitbetrachtung seit der Saison 10/11 und den «Big6» des Schweizer Fussballs: GC, Basel, Servette, YB, FCZ und Lausanne-Sport. Diese sechs Klubs stammen aus den fünf grössten Städten der Schweiz (logischerweise zwei davon aus Zürich, welches doppelt so gross ist wie die zweitgrösste Stadt Genf) mit dem grössten Einzugsgebiet für Zuschauer und Talenten. Diese Klubs haben nicht nur in der obersten Liga am meisten Erfolge gefeiert, sondern über die Jahrzehnte hinweg auch am meisten Talente für die Schweizer Nationalmannschaften entwickelt. Die anderen Super League-Klubs werden in der Betrachtung der aktuellen Saison allerdings mit einbezogen. Gemessen wird einerseits die Gesamtzahl der Einsatzminuten aller U21-Spieler und andererseits der U21-Spieler, welche aus dem eigenen Nachwuchs stammen. Als U21-Spieler werden nach UEFA-Standard für die Saison 20/21 Fussballer mit Jahrgang 1999 und jünger bezeichnet. «Eigene Junioren» werden hier definiert als Talente, die mindestens in einem Juniorenteam des gleichen Vereins (bis und mit U18) gespielt haben.
Ist Massimo Rizzo kein Jugendförderer?
Nur weil ein Trainer in der Vergangenheit im Juniorenbereich aktiv war, heisst das noch lange nicht, dass er auch bei den Profis auf den Nachwuchs setzt. So tendiert beispielsweise der ehemalige FCZ-Nachwuchstrainer Urs Fischer eher dazu, auf Erfahrung zu setzen. Gilt dies also ebenso für Massimo Rizzo? Dies kann man nicht abschliessend beurteilen. Wenn Daten über mehrere Saisons vorliegen, sind klare Aussagen möglich. In einer einzelnen Saison können hingegen auch Sonderfaktoren wie Verletzungen oder schlechte Jahrgänge eine Rolle spielen. Oder wie beim FCZ, dass die viel eingesetzten Domgjoni, Rohner (und Tosin) als 98-er Jahrgang auf die Saison 20/21 hin aus der U21-Wertung herausgefallen sind. Die Frage stellt sich trotzdem, warum zuletzt zu wenig (gute) Talente aus dem Nachwuchs nachrücken konnten.
Bei Peter Zeidler kriegt jeder seine Chance
Würde der FCZ die Jungen so forcieren, wie aktuell St. Gallen, dann wären auf jeden Fall sehr viel mehr aus dem eigenen Nachwuchs zum Einsatz gekommen. Die Ostschweizer stehen diese Saison an der Spitze der Juniorenförderungsrangliste mit dem Einsatz von nicht weniger als 14 U21-Spielern, davon neun aus dem eigenen Nachwuchs. Und dies obwohl die Ostschweizer immer noch eine deutlich kleinere Anzahl an Spitzentalenten hervorbringen, als der FCZ und alle anderen Klubs der «Big6». Peter Zeidler setzte wirklich jeden ein, der auch nur im Entferntesten ein gewisses Potential für den Profibereich mitbringt.
GC und Lausanne bisher deutlich besser als ihr Ruf
Die beiden Klubs mit ausländischen Besitzern, GC und Lausanne, werden mit dem Vorurteil oder der Befürchtung verbunden, sich zu wenig um die Nachwuchsentwicklung zu kümmern. Genau das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein. Fosun-GC und Ineos-Lausanne Sport stehen an der Spitze bei der Anzahl eingesetzter U21-Spieler. Und: sogar bezüglich der Einsatzminuten von Junioren aus dem eigenen Nachwuchs liegt GC 20/21 an dritter und Lausanne an vierter Position der elf untersuchten Teams (Super League plus Aufsteiger) – auch wenn dieser Indikator sowohl bei Lausanne wie auch bei GC in der letzten Saison gesunken ist. Bei den Hoppers waren es 20/21 vor allem Petar Pusic, Fabio Fehr, Giotto Morandi und Robin Kalem, die forciert wurden – bei Lausanne Gabriel Barès, Marc Tsoungui, Isaac Schmidt oder Josias Lukembila. Die Top 4 in beiden Wertungen mit GC, Lausanne und St. Gallen wird komplettiert durch den FC Luzern mit Ugrinic, Burch, Emini… Der FCL hat zuletzt ein, zwei sehr gute Jahrgänge hervorgebracht. Ob sich die Innerschweizer im Jugendbereich dauerhaft auf diesem hohen Niveau werden halten können, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Serienmeister YB Schlusslicht in der Juniorenförderung,…
Schlusslicht bezüglich Einsatzminuten und Anzahl eingesetzter junger Spieler ist YB. Der Erfolg wirft in einer oberflächlichen Betrachtung seinen Glanz auf alle Aspekte und Elemente in einem Verein. So erhält man beim Konsumieren der deutschschweizer Sportmedien den Eindruck, YB sei der grosse Juniorenförderer – diese Saison vor allem mit Stories über den Debütanten Fabian Rieder. Komplett unter geht dabei, dass bei den Bernern 20/21 neben Rieder mit Felix Mambimbi nur ein einziger weiterer U21-Spieler regelmässig zu Liga-Einsätzen kam. Nico Maier und Joshua Neuenschwander hatten auch noch ein bisschen Einsatzzeit. Insgesamt ganze vier Spieler in einer Saison! Trotz souveräner Führung in der Tabelle. Selbst Lugano oder Vaduz setzten mehr junge Spieler ein und gaben ihnen auch mehr Spielzeit. Bei den gegen den Abstieg kämpfenden Liechtensteinern konnten sich sechs junge Spieler in der Super League-Saison beweisen, bei Lugano neun, beim bezüglich Juniorenförderung stark unterschätzten Sion gar zehn. Und dies ist kein Zufall oder ein Ausnahmejahr. Seit Christoph Spycher als Sportchef übernommen hat, rasselte die unter Vorgänger Fredy Bickel vorbildliche Integration des eigenen Nachwuchses in der 1. Mannschaft in den Keller. Und dies obwohl parallel die Juniorenteams der YB Academy unter Ernst Graf als zuständigem Verwaltungsrat immer erfolgreicher wurden.

…und gleichzeitig in der Ausbildung mittlerweile mit an der Spitze
In den beiden wichtigsten Juniorenkategorien (U18 und U16) stand YB am Ende der Saison 20/21 an der Spitze – und die Reserve-Mannschaft (U21) stieg in die Promotion League auf. Sie komplettiert nun also das maximal erlaubte Quartett an U21-Teams auf dieser Stufe mit dem FCB, FCZ und Sion. Nur wenn einer dieser vier absteigt, darf ab jetzt ein anderes U21-Team aufsteigen. Nachdem YB II in den letzten Jahren den Aufstieg jeweils knapp (unter anderem in den Playoffs) verpasst hatte, klappte es nun in einer verkürzten Saison mit einem kurzfristig angepassten Modus ohne Playoffs, in welcher am Ende die U21-Teams gegenüber den Amateurteams klar bevorteilt waren, weil sie in einer kurzfristig organisierten U21-Runde in der COVID-Pause im Spielrhythmus hatten bleiben können.
Mancher Super League-Trainer nähme einzelne YB U21-Spieler mit Handkuss
In jedem anderen Super League-Klub wären einige Spieler aus der YB U21 bereits vor Monaten zu ihren ersten Einsätzen im Profibereich gekommen. Peter Zeidler hätte gar die halbe Mannschaft bei sich integriert. Denn diese Jungs sind im Schnitt talentierter, als diejenigen, welche der Deutsche Coach aus dem Ostschweizer Nachwuchs (von einzelnen Ausnahmen wie Alessio Besio abgesehen) zur Verfügung hat. Ein Kwadwo Duah, Linus Obexer, Elia Alessandrini, Léo Seydoux, Yannick Touré, Samuel Kasongo oder Breston Malula hätten unter einem Sportchef und Kaderplaner wie Fredy Bickel in den letzten Jahren sicherlich gute bis sehr gute Chancen auf einen Stammplatz in der Super League-Mannschaft von YB gehabt. Und beispielsweise ein Shkelqim Vladi, Jonathan De Donno, Mischa Eberhard, Benjamin Kabeya oder Markus Wenger aus dem aktuellen U21-Team würden fest zum Kader gehören. Sie mussten / wollten sich nun aber alle anderweitig orientieren, oder werden erst mal wieder ausgeliehen.
FCB: abrupter Kurswechsel mitten in der Ära Burgener
Beim FC Basel wurde in den ersten zwei Jahren der Ära Burgener der eigene Anspruch des stärkeren Einbaus von eigenen Junioren voll erfüllt, die Kurve stieg steil an und bereits in der Saison 18/19 war der FCB unter den «Big6» diesbezüglich auf der Spitzenposition. Die letzten zwei Saison zeigte der Trend dann aber wieder klar in die entgegengesetzte Richtung. Die Einsatzminuten eigener Junioren nahmen trotz gleichzeitigem Sparkurs wieder stark ab. Ganz allgemein ist erstaunlich, dass trotz COVID-Zeiten und knapper Budgets mehrere Klubs in der Saison 20/21 deutlich weniger eigene Junioren eingesetzt haben, als in den Saisons davor. Von den sechs grossen Schweizer Vereinen hatten nur Servette und YB eine leichte Steigerung zu verzeichnen – allerdings beide von einem sehr tiefen Niveau ausgehend. Bei den Genfern lässt sich ein ähnlicher Trend wie bei den Bernern feststellen. Mit der Übernahme des Vereins durch Kreise um die Hans Wilsdorf Stiftung kehrte Ruhe in den Verein ein, man baute Stück für Stück eine erfolgreiche Mannschaft auf – und die Juniorenförderung in der 1. Mannschaft ging gleichzeitig den Bach runter.
Ist André Breitenreiter ein Jugendförderer?
Stand heute beschränkt sich das Kontingent an U21-Spielern aus dem eigenen Nachwuchs im Kader der kommenden Saison beim FCZ auf Bledian Krasniqi, Stephan Seiler, Henri Koide, Nils Reichmuth, Silvan Wallner und dem Dritten Goalie Gianni De Nitti. Kommt noch ein Kedus Haile-Selassie hinzu? Lenny Janko? Oder gar ein Fabian Gloor? Der neue Trainer André Breitenreiter betreute mit Hannover und Paderborn die ältesten Teams ihrer damaligen Ligen. Dazwischen hatte er bei Schalke eine Saison lang ein junges und unfassbar talentiertes Team aus der «Knappenschmiede» zur Verfügung. Leon Goretzka (damals 20), Leroy Sané (19) oder Max Meyer (19) spielten regelmässig, während Thilo Kehrer (18) und Alexander Nübel (18) unter Breitenreiter in der Liga nicht zum Einsatz kamen. Kann er das Ruder in Richtung stärkerer Jugendförderung beim FCZ wie zu Favres oder Magnins Zeiten wieder herumreissen? Denn über das letzte Jahrzehnt betrachtet liegt der FCZ unter den „Big6“ immer noch klar an der Spitze bezüglich Einsatzminuten und Anteil von U21-Spielern aus dem eigenen Nachwuchs.

Nomal vo vorn – mit Breitenreiter, Krasniqi, Janjicic, Buschman, Boranijasevic, Britto, Bahloul, Strittmatter und Kryeziu
Zuschauer waren noch keine zugelassen, aber trotzdem herrscht wieder etwas mehr eine Atmosphäre von «Normalität» zum Start der Testspielkampagne des Sommers 2021. Und doch ist einiges ungewöhnlich: zum Beispiel startet der FCZ mit einem neuen Trainer in die Saison. Solch eine «komfortable» Situation zum Arbeitsstart hatte seit Rolf Fringer vor neun Jahren keiner der darauffolgenden FCZ-Übungsleiter mehr gehabt. André Breitenreiter war denn auch während dem Spiel auf den von Trainern üblicherweise eingenommenen Positionen in der Coaching Zone oder auf der Bank anzutreffen und gab ähnlich wie Vorgänger Rizzo ruhig von Zeit zu Zeit gezielt Anweisungen zur Positionierung, Auslösen des Pressings oder auch mal eine Aufmunterung. Ganz anders sein Konterpart Alex Frei. Der sass auf der gegenüberliegenden Seite auf der Tribüne im angeregten Gespräch mit Alain Nef und überliess seinen Assistenztrainern die ganze Arbeit vor, während und nach dem Spiel. Ein ungewöhnliches Bild nach dem letzten Jahr auch die Spielerbank, wo alle Ersatzspieler und der Staff wieder dichtgedrängt sassen wie in den «guten alten Zeiten».
Wil fokussiert – der FCZ beginnt lockerer
Die Gäste aus der Äbtestadt spielten sich vor der Partie fokussiert ein, und liefen nach der Partie auf einem Nebenplatz intensiv aus. Und so starteten sie auch in das Spiel selbst. Von der ersten Sekunde zog Wil das Tempo an, schaltete schnell um, und orientierte sich zielstrebig Richtung FCZ-Tor. Der FCZ mit sechs eingesetzten ehemaligen Wil-Spielern (Brecher, Rohner, Kostadinovic, Kamberi, Krasniqi, Koide) ging alles etwas lockerer an und brauchte Zeit, um ins Spiel zu finden. Danach sah man aber durchaus auch gute Ansätze. Testspieler Marc Hornschuh lief fortwährend die für einen Innenverteidiger notwendigen Laufwege, um für die Mitspieler immer gut anspielbar zu sein. Der Deutsche Abwehrmann spielte als einziger Zürcher die Partie durch und agierte in der Zweiten Halbzeit auf der Sechserposition – allerdings so gut wie ohne Einfluss aufs Spiel.
Comeback der «Acht» im «Eins»
Das war beim in der Zweiten Halbzeit eingesetzten Bledian Krasniqi anders. Nach zwei Jahren Leihe in Wil deutete der Techniker an, dass er mittlerweile im Mittelfeld auch dorthin gehen kann, wo’s weh tut – was für einen Ballverteiler auf Super League-Niveau unabdingbar ist, um die entscheidenden Räume schnell genug finden und bespielen zu können. Neben ihm stand Vasilije Janjicic nach beinahe einem Jahr erstmals wieder für die 1. Mannschaft in einem Spiel auf dem Platz. Sehr erfreulich! Die Neuverpflichtungen Boranijasevic und Buschman wirkten nach wenigen Tagen natürlich noch nicht richtig integriert im Team. Boranijasevic deutete seine Qualität aber trotzdem an, während der 18-jährige Buschman erstmal etwas erschrocken ob der Intensität und dem Tempo wirkte und bei seinem ersten Einsatz im FCZ-Trikot Lehrgeld bezahlte.
Spieler aus der Zweiten Reihe riechen Lunte
Der aus der Slowakei zurückgekehrte Willie Britto und Filip Frei wirkten motiviert, sich dem neuen Trainer zeigen zu wollen, während Nils Reichmuth im Vergleich beispielsweise mit dem vor ihm im Zweimannsturm mit Blaz Kramer agierenden FCZ-Toptorschützen Antonio Marchesano deutlich weniger lief. Salim Khelifi traf frech mit einem Freistoss in die nahe Ecke zum zwischenzeitlichen 2:1 (Schlussresultat: 2:2) und profitierte dabei allerdings auch vom Wiler Schwachpunkt Nils De Mol im Tor, der schon in der letzten Partie der letzten Saison gegen den FC Thun einen eigentlich völlig harmlosen Ball über die Torlinie hat passieren lassen. Stephan Seiler, der auf der Zehner- oder Achter-Position besser aufgehoben ist, musste als Sechser mit Problemen von Breitenreiter immer wieder auf seine Stellungsfehler hingewiesen werden.
Buschman muss sich noch zurechtfinden
Der FCZ begann die Partie in einem 4-4-2 mit Rhombus (Raute) im Mittelfeld und stellte genau zur Hälfte der Ersten Halbzeit auf ein 3-3-2-2 um. Diese Formation wurde in der Zweiten Halbzeit über die vollen 45 Minuten durchgezogen. Zwar schien Breitenreiter das System fünf Minuten vor Schluss nochmal umstellen zu wollen, aber seine Anweisungen wurden nicht umgesetzt. Dies lag in erster Linie am auf der gegenüberliegenden Seite der Trainerbank agierenden Buschman, der die Vorgaben ganz offensichtlich nicht verstanden hatte, und seine alte Position hielt. Dies führte erst zu einem Durcheinander, worauf sich die FCZ-Spieler wieder zurück auf ihre alten Positionen begaben, um die Balance der Positionierungen nicht zu verlieren.

Bahloul, Strittmatter, Kryeziu und die sich schliessenden Kreise
Der FC Wil agierte die ganze Partie hindurch in seinem üblichen 4-2-3-1 und wechselte zur Pause personell ebenfalls durch. In der Ersten Halbzeit machte sich der 20-jährige in Argentinien geborene Innenverteidiger Santiago Miranda (ex-YF Juventus) mit der für Verteidiger seines Heimatlandes bekannten und für ein Testspiel unüblichen Härte auf sich aufmerksam. Neuverpflichtung Sofian Bahloul erzielte wie schon zu Beginn der letzten Saison mit Chiasso im Cup ein Tor gegen den FCZ mit seinem linken Fuss. Erfreut beobachtet von dessen Beratern auf der Tribüne: Ex FCZ-Vizepräsident René Strittmatter mit Sohn Philippe. Der Kreis zum letzten Saisonstart schloss sich auch diesbezüglich, als Mirlind Kryeziu wieder dabei war. Erst links in einer Vierer-, dann in der Dreierabwehr. Sein Auftritt war nicht speziell gut, aber auch bei weitem nicht so haarsträubend wie vor Jahresfrist zum Auftakt gegen Schaffhausen.
Sterneis Bi Züri Live
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 6 – die Leihspieler
Wie sieht die Situation der Zürcher Leihspieler aus? Bledian Krasniqi (19) ist nach zwei Jahren in Wil bereit für den nächsten Schritt. Seit Almen Abdi hat es keinen Jungen mit einer solchen Vista und spielerischen Qualitäten aus der eigenen Academy gegeben. Aber selbst für so ein Talent ist nicht selbstverständlich, dass es sich in der Super League durchsetzt. Eine Etage höher gibt es keine Gelegenheit mehr, sich zwischendurch mal zu verstecken. Bezüglich Präsenz und konsequenter Spielweise muss Krasniqi noch zulegen. Lernen kann er dies im aktuellen Stadium seiner Entwicklung nur in Trainings und vielen Spielen auf Super League-Niveau.
Für Haile-Selassie und Sauter wird es schwer
Sogar schon zweieinhalb Jahre in Folge ausgeliehen war Maren Haile-Selassie (22). Nach einer halben Saison bei Rapperswil-Jona, einem Jahr in Neuenburg in der Super League, nun eine weitere Saison in der Challenge League beim FC Wil. Insgesamt kommen da bereits 91 Wettbewerbsspiele im Profibereich zusammen, davon 11 mit dem FCZ. So viel wie in der aktuellen Saison kam der schnelle Standardspezialist noch nie zum Einsatz. Abgesehen von Ludovic Magnin (U18, U21, 1. Mannschaft FCZ) hat er unter keinem Trainer so viel gespielt wie nun bei Magnins ehemaligem Nationalteamkollegen Alex Frei. Allerdings hat sich Haile-Selassie auch in dieser Saison nicht so richtig für die Super League-Equipe des FCZ aufdrängen können. Abgesehen von einzelnen Aktionen kommt unter dem Strich zu wenig. Je nach Situation als Kaderergänzung für den Flügel ist Haile-Selassie beim FCZ nicht auszuschliessen, aber die Tendenz geht eher in Richtung weitere Zukunft in der Challenge League oder einer vergleichbaren Liga.
Ilan Sauter (20) war eine Saison an den FC Wil ausgeliehen und reiht sich ein in die Garde der immer wieder etwas überschätzten Verteidiger aus dem eigenen Nachwuchs (wenn es ausnahmsweise dann doch mal einen richtig talentierten Abwehrmann gibt, dann zieht es diesen frühzeitig ins Ausland, wie im Fall von Andi Hoti (18, Inter)). Sauter hat es schwer, sich überhaupt im Tempo auf Stufe Challenge League etablieren zu können – und wird kaum mal in der Super League zum Thema werden. Eventuell kriegt er beim FC Wil nochmal eine weitere Chance.
Kamberi und Koide haben sich empfohlen
Lindrit Kamberis (21) zweites Leihjahr in der Challenge League wurde vorzeitig abgebrochen, damit dieser dem FCZ in der Schlussphase der Saison auf Super League-Stufe noch helfen konnte, was er dann auch tat. Beim Kopfballgegentor von Pajtim Kasami in Basel war Kamberis für einen Super League-Innenverteidiger geringe Körpergrösse sichtlich als Defizit erkennbar. Bezüglich Fokus und Körpersprache trat er in den paar Einsätzen zum Saisonende hin hingegen deutlich besser auf, als noch beim FC Wil und in Winterthur. Er hat sich damit sicherlich vorerst mal einen Platz im Kader der kommenden Saison verdient, um beweisen zu können, dass er diesen Fokus konstant auf den Platz bringen kann.
Eine ultrakurze Leihe von etwas mehr als zwei Monaten absolvierte Henri Koide (20) beim FC Wil. In seinem einzigen Einsatz über die vollen 90 Minuten erzielte er auch gleich ein Kopfballtor und half anschliessend der Zürcher U21-Equipe unter anderem mit einem Dreierpack beim 4:3-Sieg bei der U21 des FCB im Kampf um den Klassenerhalt in der Promotion League. Koide bringt genug Qualität mit, um nächste Saison wieder dem Kader der 1. Mannschaft in der Super League anzugehören. Spieler, die sich so für die Mannschaft einsetzen und sich über die Seite gut durchsetzen können, hat der FCZ keineswegs zu viele im Kader.
Verletzungsanfälligen Aliu noch nicht abschreiben…
Fünfeinhalb Jahre nach seinem Engagement beim FC Biel wurde Mirlind Kryeziu (24) zum zweiten Mal in die Challenge League verliehen, und zwar ein halbes Jahr zum SC Kriens. Seine Zukunft könnte durchaus weiterhin in der Challenge League liegen, hat Kryeziu mit den Super League-Stürmern bezüglich Antrittsschnelligkeit doch immer wieder seine Probleme gehabt.
Ebenfalls in Kriens zum Einsatz kam zuletzt Izer Aliu (21). Alius spielerische Qualitäten und Standards sind auch für Super League-Verhältnisse überdurchschnittlich. Aber auch in der abgelaufenen Saison wurde der Adliswiler durch eine Verletzung zurückgeworfen, die ihn praktisch die ganze Vorrunde kostete. Eine Steigerung im Vergleich zur letztjährigen Leihe nach Chiasso war dann in der Rückrunde ersichtlich. Bei Aliu befindet sich der FCZ wohl etwas in der Zwickmühle. Einen eigenen Spieler mit solchen Qualitäten lässt man ungern ziehen. Gleichzeitig steht Aliu unter anderem aufgrund der Krankengeschichte in seiner Entwicklung noch nicht dort, wo er sein sollte. Falls der FCZ in der kommenden Saison stark auf Ballbesitzfussball mit drei oder vier zentralen Mittelfeldspielern setzten sollte, könnte er vielleicht als Ergänzung ins Kader rutschen. Im Normalfall bräuchte er aber nochmal mindestens ein halbes Jahr Leihe in die Challenge League.
Wer ist neben Aliu für eine Challenge League-Leihe 21/22 geeignet?
Verletzungsbedingt noch unglücklicher verlief die Leihe von Willie Britto (24) in die Slowakei nach Pohronie (in der Nähe des früheren FCZ-Europacupspielortes Zlate Moravce gelegen) – aufgrund von Muskelproblemen kam der Ivorer insgesamt nur 45 Minuten zum Einsatz. Wie bei Aliu bietet sich bei ihm wohl ebenfalls ein weiteres halbes Jahr Leihe an. Vielleicht diesmal ebenfalls in die Challenge League? Einen physisch so starken Spieler auf der rechten Seite könnte manch ein Team aus der zweithöchsten Schweizer Liga gut gebrauchen. Allerdings werden viele Challenge League-Klubs einen der raren Kontigentslistenplätze für einen „Non-HTP Ausländer“ nicht mit einem Spieler besetzen wollen, der nur sechs Monate bleibt. Silvan Wallner (19), Nils Reichmuth (19) und Vasilije Janjicic (22) sind die weiteren Kandidaten für eine Ausleihe in die Challenge League – Wallner und Reichmuth für ein Jahr, Janjicic allenfalls erstmal für eine halbe Saison. Alle drei sind gut genug, um einem Challenge League-isten sportlich helfen zu können und benötigen Spielpraxis auf diesem Niveau.
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 1 – Trainer und Spielidee
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 2 – das Abwehrzentrum
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 3 – knifflige Seitenpositionen
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 4 – Grundgerüst im Zentrum steht
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 5 – Sturmbedarf
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 5 – Sturmbedarf
Die Torschützenrangliste täuscht
Was Stürmer betrifft, sollte man in der Challenge League nicht zu stark auf die Torstatistik schauen. Es gibt Challenge League-Stürmer mit Potential, die in einer höheren Liga mit besseren Mitspielern noch mehr Tore erzielen würden. Gleichzeitig gibt es auch Challenge League-Stürmer, die zwar am Laufband treffen, aber beipielsweise bezüglich Physis oder Schnelligkeit auf dieser Stufe am oberen Limit spielen und in der Super League nicht reüssieren würden. Die Saison begann für den FCZ Ende August 2020 mit einer Testspielniederlage in Oerlikon gegen den FC Schaffhausen mit dem damals neuen Sturmduo Pollero / Prtajin. Dieses kann als gutes Beispiel für das oben erwähnte Grundprinzip dienen. Während Rodrigo Pollero (24) in der Saison 20/21 mehr Tore erzielt hat als Ivan Prtajin (25), scheint der Kroate mit seinem Mix aus Physis und Technik sowie der Vielseitigkeit im Abschluss für die Super League besser gewappnet, als der Uruguayer, welcher im Oberhaus eher zu einem „Patrick Rossini“ (nach 22 Challenge League-Toren in der Saison 13/14 mit dem FC Schaffhausen danach beim FCZ nicht durchgesetzt) werden könnte.
Von den Stade Lausanne-Ouchy Offensivspielern sind Yanis Lahiouel (26) und der von Royal Antwerpen ausgeliehene Guy Mbenza (21) interessant für die Super League. Zeki Amdouni (20) scheint hingegen etwas die Antrittsschnelligkeit und Beweglichkeit zu fehlen. Karim Gazzetta (26) hat sich gerade diesbezüglich im Waadtland gesteigert – die Stagnation während seiner Winterthurer Zeit lässt aber Zweifel aufkommen, ob er sich in der Deutschschweiz genügend wohl fühlt, um Top-Leistungen zu bringen. Louis Mafouta (26) von Xamax bringt durchaus ein gewisses Super League-Potential mit, ist aber ein reiner Konterstürmer, und solche hat der FCZ mit Kramer und Ceesay bereits genügend im Kader. Stojilkovic (Aarau), Luan (Kriens), Tushi (Wil), Koura (Xamax), Almeida (Aarau) oder Sessolo (Kriens) haben alle ihre Qualitäten, aber unter dem Strich reicht es wohl bei all diesen Stürmern nicht ganz, wobei vor allem Tushi sicherlich ein interessanter Mann für die Zukunft ist.
Kommt Josip Drmic zurück?
In der Super League könnte man sich nach dem dynamischen Christopher Lungoyi (20, Lugano, gehört Juve) erkundigen und danach, ob es aufgrund der Personalpolitik der jeweiligen Klubs bei einem Grejohn Kyei (25), Koro Koné (31, beide Servette), Roberts Uldrikis (23, Sion) oder Jonathan Bolingi (26, Lausanne, ausgeliehen von Royal Antwerpen mit Kaufoption) eine Chance gibt. Bolingi hat für die Super League eine hohe Qualität, Kyei ist spielerisch und defensiv einer der besten Stürmer der Liga (mit seiner unterdurchschnittlichen Chancenauswertung als einzigem echten Problem), der bereits 31-jährige Koné bringt Torriecher mit und Uldrikis ist zwar etwas langsam, aber dafür in der Luft schwer zu verteidigen. Dejan Djokic (20, Vaduz) könnte in einer anderen Mannschaft mit mehr Ballkontakten pro Spiel in der Super League durchaus persönlich noch mehr erreichen, als bisher – und könnte ein Kandidat als allfällige Ergänzung im Sturm sein. Gegenüber allen obengenannten Lösungen zu bevorzugen wäre aber sicherlich eine Rückkehr von Josip Drmic (28). Der ehemalige Nationalspieler hat bei Rijeka diesen Frühling wieder Spielpraxis und Selbstvertrauen getankt – und ist für die Super League immer noch ein guter Stürmer, dazu einer mit einem „FCZ-Herz“. Die Situation bei ihm wäre auch komplett anders, als bei einem Blerim Dzemaili (beim Transfer im Winter bereits beinahe 35, dazu ein Jahr ohne Spielpraxis). Von den „Auslandschweizern“ ebenfalls interessant könnten Ex-FCZ-ler Michael Frey (26) oder als möglicher Leihspieler von Brighton & Hove Albion Andi Zeqiri (21) sein.
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 1 – Trainer und Spielidee
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 2 – das Abwehrzentrum
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 3 – knifflige Seitenpositionen
FCZ Kaderplanung 21/22, Teil 4 – Grundgerüst im Zentrum steht
Bild: Steindy


